(Anl. bolff. ici, ig gen. bollf. re und vollfl. usgem. Usgem, he und sen 42 1. geringe Kälber jüngere —64. 9—00, e Eber n 45500 selcher, 0 bau e für ld⸗ en — T G n 5 R s 305 Ge⸗ ich⸗ SSG uu uud 1p billigste geliefert werden, Nr. 17. Gießen, den 24. April 1904. 11. Juhrg. Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. — Sonnt Mitteldeutsche 09-31 Nedaktionsschluß: Dornerstag Nachmittag 4 Uhr S Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellung en nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt 2 Jnserate 2 Die ögespalt. Bei mindestens Kommunismus des Mammon. Das Treiben des Kohlensyndikats und die von dem Unternehmertum jetzt mit Eifer betriebene Gründung des Arbeitgeberver⸗ bandes, die beiden neuesten Giftgewächse des Großkapitalismus, sind eng verwandtschaftliche Erscheinungen, beide fallen unter die Kategorie „Kommunismus des Mammon“— eine vom verflossenen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Cleveland, in den 90er Jahren geprägte Formel— in beiden wird das kulturschöpferische Prinzip„viribus unitis“, „Mit vereinten Kräften“, in kulturzerstö⸗ render Weise angewendet,„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“, wie auch sonst häufig im Klassenstaat, zu dessen Eigenschaften es ja gehört, mit den Errungenschaften der Zivili⸗ sation die Zivilisation zu vergiften, Mino⸗ ritäten zu erlauben, diese Errungenschaften zu Waffen der Ausbeutung und Unterdrückung der Massen zu mißbrauchen. Statt Vereinigung aller zum Besten aller— Vereinigung aller Usurpatoren der Lebensquellen: im Kohlen⸗ syndikate wirtschaftlich, im Arbeitgeber⸗ verband sozialpolitisch. Wie verderblich schon jetzt der Kapitalisten⸗ kommunismus im Ruhrrevier für die Konsu⸗ menten wirkt, hat dieser Tage ein Mitglied des großen Stuttgarter Konsumvereins in einer Versammlung mitgeteilt, indem er konstatierte, daß die Einrichtung des Kohlenkontors diesen Konsumverein allein mit 30000 Mark jährlich belastet! Welche Riesensummen ergeben sich vollends beim Kohlenkonsum für die Pro⸗ duktion, eine horrende Verteuerung der Produktionskosten und der Produkte ist unaus⸗ bleiblich. Seit lange arbeiten die Chemiker an dem Problem, Etweißzkörper, die Hauptsubstanz der Nahrungsmittel, auf künstlichem Wege her⸗ zustellen, und der berühmte Pariser Forscher Berthelot hat erst neuerdings nachgewiesen, daß diese Idee längst keine Utopie mehr ist. So viel ist aber sicher: auch mit der vollen Verwirklichung dieser Idee wäre dem Elend nicht gesteuert, so lange die Produktions⸗ mittel nicht Gemeineigentum sind, und demgemäß eine Minderheit das Monopol besttzt, diese umwälzende Erfindung zu realisteren. 1 Könnten nicht schon heute Lebensmittel und Gebrauchsartikel aller Art den Massen aufs ver wenn nicht das Mo⸗ nopol des Grundbesitzes, der Fabrikation und des Transportes wäre und außerdem der Klassenstaat und die Klassengemeinde noch be⸗ sondere künstliche Nittel anwendeten(Zölle und indirekte Steuern), im Interesse ihrer Schoß⸗ kinder, der Monopolisten des Besitzes! Vielleicht kommen Chemie und Physik auch noch auf die Erfindung eines anderweitigen Ersatzes der Kohlenspeise für Maschinen; den Uebermut der Zechenbarone würde das dämpfen, dafür würden andere Monopolisten in deren Fußstapfen treten! g Das ceterum censeo“ bleibt also immer „Nieder mit dem Klassenstaat!“ Wissenschaft und Technik mögen noch so große Wunder verrichten, das unerschöpfliche Füllhorn des * Dem Sinne nach: Das stets zu Wiederholende, unablässig zu Fordernde. Märchen verwirklichen: so lange das Privat⸗ eigentum an den Produktionsmitteln währt, kommt die ganze Herrlichkeit nur einer jämmer⸗ lich geringen Minderheit zu gute. Und wie es diese Minderheit versteht, die von ihr abhängigen Massen, die konsumierenden wie die produzieren⸗ den, im Schach zu halten, zeigen eben die neuesten Erscheinungen des„Kommunismus des Mammon“: das Kohlensyndikat und der Scharfmacherverband. So gemeinschädlich aber auch beide sind: es ist der normale Verlauf der Ent⸗ wicklung, wie er von scharfsichtigen sozialisti⸗ schen Den zern längst vorausgesehen und vor⸗ ausgesagt wurde. Und wie hart auch die Massen davon betroffen werden mögen: wir dürfen darin eine bedeutsame Phase im Zesc⸗ setzungsprozeß des Klassenstaats erblicken, Vor⸗ gänge, die der letzten Entscheidung im Sturm⸗ schritt näher treiben! Wie die Zentralisation der poli⸗ tischen Despotie im absoluten Königtum der großen Revolution vorausging, die es hin⸗ wegfegte, so muß auch die Zentralisation der Magnaten des Kapitalismus der großen sozialen Revolution(wie wir dieses Wort verstehen, ist bekannt) vorangehen. Denn der proletarische Klassenkampf wird dadurch notwendig gleichfalls mehrund mehr zentralisiert. An Stelle der Zersplitterung des Kampfes gegen die vielen Betriebsdynastien, was für den proletarischen Kampf von mancherlei Nachteilen war, tritt mehr und mehr Einheitlichkeit des Planes und der Aktion bei gesteigerter Inten⸗ sität der Energie, außerdem daß auch die vie⸗ len, unserer Fahne noch fernstehenden Arbeiter unsern Reihen scharenweise zuströmen werden, wenn der kapitalistische Wärwolf seiner Natur ungehindert die Zügel schießen lassen kann. Und auch in andern Schichten, wo das Treiben des Wärwolfs nach verschiedenen Richtungen gleichfalls empfindliche Verheerungen anrichtet, wird man keine anderen Aus wege sehen, sich vor ihm zu retten, als solche, die den unsrigen nicht fern liegen. Fordern doch bereits konser⸗ vative Organe gegen das Kohlensyndikat Ver⸗ staatlichung des Bergbaues. Scharfmacher⸗Kartell und Kohlensyndikat— auch diese Bäume werden nicht in den Himmel wachsen, über sie wird die Organisation kom⸗ men, die Bellamy das letzte Kartell und Syn⸗ dikat im guten Sinne nennt, das universelle Monopol, von dem alle partiellen verschlungen werden: an Stelle des„Kommunismus des Mammons“ die so zialistische Gesell⸗ schaftsorganisation. n... U— Politische Rundschau. Gießen, den 21. April 1904. Vom Rückgang der Sozialdemokratie. Der„Rückgang der Sozialdemokratie“ ist seit Jahrzehnten tausendmal von bürgerlichen Politikern und Preßorganen„festgestellt“ wor⸗ den und so auch neuerdings wieder nach dem Wahlausfall im Zschopauer Kreise. Das ver⸗ anlaßte den„Vorwärts“, eine kleine Schilder⸗ ung auszugraben, die Johann Most 1876 in seinen„Erlebnissen in der Bastille“ am Plötzen⸗ see gab. Da heißt es: „Dagegen besuchen mich die Inspektoren und der Schulmeister öfters Meistens wird über Sozial ismus gesprochen, wobei natürlich die allergewöhnlichsten Zei⸗ tungsplattheiten herausgesteckt werden, was mich um so mehr amüsiert, als ich so Gelegenheit habe, die Leutchen gründlich ad absurdum zu führen. Ob mit solchen Diskussionen die angekündigte„Besserung“ erzielt worden soll, weiß ich nicht, vermute es aber. Wenigstens wüßte ich sonst nicht, zu welchem Zwecke man mir z. B. immer mit einem vor Freude strahlenden Gesichte vom „Rückgang der Sozialdemokratie“, wie er sich angeblich zusehends vollziehen soll, erzählt, obgleich ich stets erkläre, daß ich an keine Zeitungsenten glaube.“ 1876 zählte die Sozialdemokratie erst 350 000 Stimmen und schon vollzog sich„zusehends“ ihr Rückgang! ö Flotten⸗Wahnwitz. Der Vorstand des Flottenvereins hat am Sonntag in Dresden eine Versammlung abge⸗ halten, in welcher geradezu tolle Flottenpläue ausgeheckt wurden. Ein Referat des Generals Keim forderte,„daß mindestens bis 1912 drei moderne Linienschiffsdoppelge⸗ schwader nebst den zugehörigen großen und kleinen Kreuzern fertig gestellt werden müssen“. Man will dafür eine„großzügige Agitation“ beginnen. Das bedeutet natürlich eine Milltar⸗ denausgabe, die dem hungernden Volke abge⸗ preßt werden soll. Dabei sehen wir im russ.⸗ japanischen Kriege, wie ein solcher Panzerkasten in wenigen Minuten in den Grund gebohrt wird und verloren ist! Bei den Landtagswahlen in Altenburg, die am Freitag stattfanden, hat unsere Partei ein Mandat an die Bündler verloren, das bet der letzten Wahl allerdings nur mit einer Stimme Mehrheit erobert wurde. Gewählt sind die Genossen Buchwald, Käppler und Horn. Unsere Stimmenzunahme ist aber eine ganz bedeutende, auch auf dem platten Lande. In dem verloren gegangenen Kreise stiegen die soztaldemokratischen Stimmen von 612 auf 1072; die vereinigten Gegner siegten mit 1300. Zu der Reichstagsnachwahl, die am 29. April für die ungültig erklärte Wahl Buchwalds stattfindet, wird es von unserer Seite der größten Anstrengungen bedürfen, um den Kreis zu halten, denn der vereinigte Ord⸗ nungsbrei setzt alle Hebel in Bewegung, ihn uns zu entreißen, der Radauantisemit Sieber⸗ mann, der Pfaffe Bodelschwingh(Urheber der Zuchthausvorlage) und andere biedere Ord— nungskämpen krebsen in dem Kreise und arbeiten mit den erbärmlichsten Mitteln. Wahlrechts bewegung in El saß⸗ Lothringen. Zur Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für den Landesausschuß wollen die Sozial- demokraten in Elsaß⸗Lothringen eine leb⸗ hafte Agitation betreiben und in den verschie⸗ denen Teilen des Landes öffentliche Versamm⸗ lungen abhalten. Der Landesausschuß hat sich in nächster Zeit mit der Wahlrechtsfrage zu beschäftigen, so daß die Agitation von großer Wichtigkeit ist. Wie es scheint, wollen auch die Demokraten nach gleicher Richtung vorgehen. In Straßburg fand am Dienstag be Soite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. . Nr. 17. reits eine von unsern Genossen einberufene und 600 Personen besuchte Versammlung statt, die nachdrücklich die Forderung des allgemeinen Wahlrechts erhob. Nationalliberale Wahlrechtsfeinde. Wenn im vorjährigen Wahlkampfe den nationalliberalen Mannesseelen gesagt wurde, daß sie besonders in Sachen des Reichstags⸗ wahlrechts sehr unsichere Kantonisten seien, konnten sie sich nicht genug über einen der⸗ artigen Vorwurf entrüsten. Daß aber die„Ver⸗ treter von Besiz und Bildung“ das Reichs⸗ tagswahlrecht im Innern zu allen Teufeln wünschen, ist bekannt und es sind dafür schon oft genug Beweise erbracht worden. Kürzlich hat der Nationalliberale Menck in Altona seine Wahlrechtsfeindschaft im Altonaer Tage⸗ blatt offen bekannt, welchem Blatte er u. a. schrieb: „Wer sich von der Herrschaft dieser internationalen Mächte(der Sozialdemokratie und dem Zentrum) be⸗ freien will, der muß das allgemeine Sti m m⸗ recht opfern, und wer es nicht opfern will, der tritt bewußt oder unbewußt für die Abhängigkeit Deutschlands von der schwarzen und roten Internatio⸗ nale ein, selbst wenn er sich noch so sehr über die Auf— hebung des§ 2 entrüstet. Die Verhältnisse drängen dazu, daß das Bürgertum sich von dem allge⸗ meinen Stimmrecht abwendet, weil die Entwickelung der deutschen innerpolitischen Verhältnisse gelehrt hat, daß das allgemeine Stimmrecht für unsere besonderen deutschen Verhältnisse nicht paßt.“ Allerdings paßte der Führung der Dreh⸗ scheiben⸗Partei diese Offenheit ihres Parteige⸗ nossen nicht in den Kram und der Zentral- vorstand, der dieser Tage in Berlin eine Sitz⸗ ung abhielt, mißbilligte seierlich die Ausführ⸗ ungen des Herrn Muck und erklärte sich„mit Entschiedenheit“ gegen Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie und Abänderung des be— stehenden Reichstagswahlrechts. Den Erklär⸗ ungen der Nationalliberalen gegenüber ist er⸗ fahrungsgemäß immer das größte Mißtrauen am Platze. Und wenn der Zentralvorstand es ernst meint, dann müßte er schon Herrn Menck die Parteifreundschaft kündigen. Gute Lehren für dle Polizei predigte kürzlich der Dresdener Polizei— präsident seinen Untergebenen. Er sagte ihnen in einer Ansprache:„Ich habe es immer als einen dens gz der Polizei angesehen, daß sie neben dem Buchstaben des Gesetzes auch auf Zweckmäßigkeit und Billigkeit Rücksicht zu nehmen und so manche Kluft zu überbrücken in der Lage ist, die sich nur zu leicht zwischen Polizei und Publikum bildet. Darin, meine Herren, die Interessen des Staates in den Kompetenzen der Polizeidirektion mit den berech— tigten Wünschen der Einwohnerschaft und ins⸗ besondere des erwerbenden Teiles derselben jederzeit tunlichst in Einklang zu bringen, liegt die schwierige Kunst, aber auch die Aufgabe der Leitung der Polizei. Und was die Form in der Handhabung der Polizei anlangt, so werde ich einen ganz besonderen und hohen Wert darauf legen, und bitte dringend darum, daß die Beamten sich allenthalben dem Publikum gegenüber in der zuvorkommendsten und höflichsten Weise verhalten. Ueberhaupt, meine Herren, halten Sie, bitte, stets an dem Grundsatze fest, auf welchem ich voll und ganz stehe, daß die Polizei des Publikums wegen da ist, daß sie da ist zum Schutz und zur Unterstützung des Publikums, und daß das Publikum ein Recht hat, den Rat, die Hülfe und die Unterstützung der Polizet innerhalb ihrer Zuständigkeit überall und schnell und be⸗ reitwillig zu finden.“— Das ist die schöne Theorie! Damit vergleiche man die bedeutend weniger schöne Praxis, durch welche besonders die sächsische Poltzei im In- und Auslande „berühmt“ geworden ist. Professor Eurico Ferri, der Führer der italienischen Sozialdemokratie und Mitglied der Deputiertenkammer muß auf 14 Monate ins Gefängnis. Die wurden ihm wegen Beleidigung des früheren Marineministers Betholo zuerkannt, dem Ferri im„Avanti“ korrupte Verwaltung und Uuterschleife vorge⸗ worfen hatte. Seine und des zugleich mit ihm verurteilten Redakteurs Salustrie gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegte Reviston wurde verworfen. Uebrigens macht in Italien seit Monaten noch ein anderer Ministerskandal von sich reden. Dem Minister Nasi werden ganz bedeutende Unterschleife und Verschleuderungen amtlicher Gelder vorgeworfen und sogar nachgewiesen. Der Biedere sucht die Schuld auf andere zu schieben. Dieser Tage wollte er sogar Selbst⸗ mord begehen, war aber so vorsichtig, einen Bekannten von seinem Vorhaben zu unterrichten, der ihn natürlich davon abhielt. Kurz, es herrscht in der italtenischen Bourgeois⸗Regierung die unheimlichste Korruption und wer sie auf⸗ deckt, kommt ins Gefängnis, geradeso wie es anderwärts der Fall ist. Russisch⸗japanischer Krieg. Der Untergang des Panzers„Pe⸗ tropawlowsk“ bedeutet für die Russen wiederum einen ganz empfindlichen Verlust. Es handelt sich auch hierbei keineswegs um einen Unglücksfall, wie das vorher in russischen De⸗ peschen behauptet wurde— es hieß nämlich, das Schiff sei unglücklicherweise auf eine russische Mine gestoßen— sondern um einen wohlvor⸗ bereiteten Angriff der Japaner. Der Bericht des japanischen Admirals Togo sagt darüber: Die kombinierte Flotte begann, wie vorher be⸗ stimmt worden war, am 11. ds. den Angriff auf Port Arthur und erreichte den Eingang um Mitternacht vom 11. zum 12. ds. trotz des feindlichen Scheinwerfers. Es gelang ihr, an verschiedenen Punkten Minen zu legen. Die zweite Torpe dojägerflottille entdeckte bei Tages⸗ anbruch am 12. ds. einen russischen Torpedo⸗ jäger, der den Hafen zu erreichen suchte. Nach einem Kampfe von 10 Minuten wurde dieser in den Grund gebohrt. Dann sagt Togo wei⸗ ter, daß die Japaner das russische Geschwader aus dem Hafen heraus und 15 Seemeilen nach Osten gelockt hätten.„Dann kam unser erstes Geschwader, das durch drahtlose Telegraphie benachrichtigt worden war, plötzlich heran und ging zum Angriff vor. Während des Versuches des Feindes, den Hafen zu erreichen, lief das Linienschiff Petropaw⸗ lowsk auf eine von uns in der vorherge⸗ gangenen Nacht gelegte Mine und sank um 10 Uhr 32 Min. vormittags. Ein zweites Schiff verlor anscheinend seine Manöbrierf ähigkett. Unser drittes Geschwader erlitt keinerlei Be⸗ schädigung.“ Noch schwerer als der Verlust des Schiffes wiegt für die Russen der Tod des Admirals Makarow mit seinem ganzen Stabe, der mit der„Petropawlowsk“ unterging. Als der fähigste russische Admiral leitete er die Ver⸗ teidigung und die Operationen zur See nach dem von ihm entworfenen Kriegsplane Man ist vielfach der Ansicht, daß durch die letzten Ereignisse die russische Flotte so gut wie vernichtet ist. Am 14. April habe die japanische Flotte einen nochmaligen Angriff gemacht, wobei mehrere Minen zerstört, die Forts bombardiert und einige zum Schweigen gebracht wur⸗ den. Unterdessen konzentrieren sich die beider⸗ seitigen Armeen an den Ufern des Jalu. Man glaubt, daß die Japaner den Uebergang über den Fluß ohne große Verluste erzwingen werden. „Russische Trauer ist deutsche Trauer“ soll Wilh. II. dem Zaren anläßlich des Unterganges des„Petropawlowsk“ tele⸗ graphtert haben. Das deutsche Volk wird ge— wiß die 700 oder 900 Menschen, die dabei zu Grunde gingen und jedenfalls fast sämtlich der arbeitenden Klasse angehören, bedauern, aber im übrigen wird es dem Zarentum die e gewiß gönnen und noch viel mehr azu Die Japaner haben jetzt Armeen in der Stärke von zusammen 60000 Mann in Korea und das ganze Land unter ihrer Kontrolle. Das Hauptquartier ist in Söul, woselbst die Garnison 4000 Mann stark ist. Das Haupt⸗ Welchen unheimlichen Grad der Vervoll⸗ kommung die Mord⸗ und Zerstörungswerkzeuge erreicht haben, die jetzt im Kriege angewendet werden, zeigt die Vernichtung des russischen Panzers„Petropawlowsk“. Innerhalb weniger Minuten liegt das Riesenschiff, der Stahlkoloß, dessen Herstellung viele Millionen Mark erfor⸗ derte, auf dem Meeresgrunde! Man höre den Bericht eines Augenzeugen über den Untergang dieses Schiffes, wie er in einem russischen Blatte veröffentlicht wurde. Dem Berichterstatter erzählte ein Geretteter:„Wir kehrten zum Hafen zurück, ich stand im Steuerradhause auf der Brücke der„Petropawlowsk“ und 2 im Signalbuch nach. Makarows letztes Signa hat gelautet, die Torpedoboote sollten in den Hafen zurückkehren. Die„Petropawlowsk“ hatte ihren Kurs verlangsamt und stand beinahe still. Plötzlich wurde das Schiff heftig erschüttert und ich hörte eine fürchterliche Exploston, und dann gab es noch eine und dann wieder eine. Sie schienen direkt unter der Brücke zu erfolgen. Ich eilte zur Tür des Radhauses, konnte aber am Steuermann nicht vorbeikommen; ich sprang durch das Fenster. Das Schiff senkte sich auf die Seite, ich fürchtete jeden Augenblick, es würde umschlagen. Auf der Brücke sah ich einen Offizier sich im Blute wäl⸗ zen. Es war unser Admiral Maka⸗ ro w. Er lag mit dem Gesicht nach unten. Ich sprang zu ihm, faßte ihn bei den Schultern und versuchte ihn aufzuheben. Das Schiff schien irgendwohin zu fallen, von allen Seiten flogen Trümmerstücke. Ich hörte furchtbares Geschrei und Getöse, Rauch stieg in dichten Wolken auf und Flammen schienen zur Brücke hin zu züngeln. Ich sprang auf das Geländer, wurde aber weggewaschen. Es gelang mir, mich an etwas anzuklammern. Ich erinnere mich an fallende Masten, aber sonst an nichts. Auf unserm Schiff war ein alter Mann mit wunderbarem weißen Bart. Er war sehr gut zu den Leuten. Er hatte ein Buch in der Hand und schien zu schreiben oder zu skizzieren. Es war Wereschtschagin.“ Aus dem Reichstage. Bekanntlich beginnt das Etatsjahr mit dem 1. April und bis dahin müßte der Etat eigentlich auch erledigt sein. Diesmal hat ihn der Reichstag aber nicht fertig gebracht und der Regierung mußte deshalb der nötige„Vorschuß“ bewilligt werden. Vorige Woche beschäftigte man sich mit dem Etat des Reichs⸗ kanzlers. dessen Beratung noch die ganze Woche in Anspruch nahm. Ihre prinzipielle Höhe erreichte die Debatte am Donnerstag, wo Bebel als erster Redner das Wort erhielt“. Er lieferte in einer von frohem Kampfesmut erfüllten Rede, die voll von präch⸗ tigen Bosheiten war, dem nunmehr wieder akklimati⸗ sierten preußischen Junker Bülow dle verdiente Abrech⸗ nung. Unser Redner wies auf die Bedeutung des englisch⸗französischen Abkommens, dieser Verständigung zweier großer Kulturnationen ohne Säbelgerassel hin und bewertete es als eine Schwächung des Dreibunds. Er führte den Nachweis, daß Deutschland fast ganz isoliert dastehe, und betonte, daß an dieser Tatsache alle Reisen, Besuche, Empfänge und Toaste nichts ge⸗ ändert hätten. Dann wandte er sich dem ostasia⸗ tischen Konflikt zu und stellte fest, daß unsere Partei mit der strikten Neutralität Deutschlands durch⸗ aus einverstanden sei. Aber diese Neutralität müsse auch wirklich durchgeführt werden. Als eine Verletzung der Unparteilichkeit bezeichnete unser Redner den Verkauf von Schiffen wie des„Fürsten Bismarck“ an die russische Regierung. Weiter ging Bebel aus⸗ führlich auf die Aus wei sungen russischer Studenten ein. Die Mitteilungen des Grafen Bülow aus den Bismarckschen Geheimakten nannte er kompromittierend für die deutsche Politik. In warmen Worten nahm er sich der jüngst ausgewiesenen Studenten Mandelstamm und Silberfarb an, von denen der letztere Zionist und orthodoxer Jude ist. Hierbei brandmarkte er die Rolle, die deutsche Universitätsbehörden in der Aus weisungsfrage spielen, und schilderte dann eingehend die Umstände, unter denen sich die Ausweisung des Den Schluß der Rede bildete eine glänzende Polemik gegen die National⸗ ö Herrn v. Wetschesloff vollzogen hat. 92 5 des Transportwesens ist in Tschemulpbpo. er Bau von Eisenbahnen und Straßen macht schnelle Fortschritte. —— —̃ ͤ v— a — — baten falle! alle 0 Ae Jet Age, ahmeh laat, f 0 hl. Hafal uit git fe halte be Ell andern langern Dee! ber gel Lagen Nuussenk und nt eine delten, bell Debatt Saule ner w 0 lam e heben Herr! 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Er bewies, daß es sich bei der nationalliberalen „Volksbewegung“ gegen die Aufhebung des 8 2 des Jesuitengesetzes um einen Windmühlenkampf handle und zeigte, daß gegen den Ultramontanismus nicht Aus⸗ nahmegesetze, sondern nur Trennung der Kirche vom Staat, Trennung der Schule von der Kirche und gründ⸗ liche Hebung der Volksbildung und die Volksaufklärung helfe. Die Rede, die von unsrer Fraktion mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, wurde vom ganzen Hause mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Welche Bedeutung sie hatte, ging daraus hervor, daß der Reichskanzler die Erwiderung auf Bebels Rede nicht, wie er es bisher andern Rednern gegenüber getan hatte, sei en Hand⸗ langern überließ, sondern selber ins Treffen rückte. Diese Rede Bülows war eine der längsten, die er bis⸗ her gehalten hat, zur Widerlegung der wuchtigen An⸗ klagen Bebels reichte sie aber in keiner Weise aus, der Russenkurs in Deutschland läßt sich nicht ableugnen und nicht verschönern. So wiederholte denn Graf Bülow seine gruseligen Schilderungen über die russischen Stu⸗ denten, die auf seine Veranlassung ausgewiesen seien, weil sie sich„mausig gemacht“ hätten. Die weitere Debatte drehte sich um die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes, doch waren die Ausführungen der Red⸗ ner weniger von Bedeutung. Bei der Fortsetzung der Debatte am Freitag kam ebenfalls wenig Interessantes zu Tage. Hervorzu⸗ heben ist, daß wenigstens der Abgeordnete sür Marburg, Herr v. Gerlach einiges Empfinden für die Schmach Deutschlands bezüglich der Ausweisung der russischen Studenten, die Bebel so scharf und wuchtig gegeißelt hatte, zeigte. Am Samstag erhielt Graf Bülow sein Gehalt bewilligt, nachdem die Debatte über den Etat des Reichs⸗ kanzlers noch die ganze Sitzung ausgefüllt hatte. Doch war sie nicht ohne interessante Momente. Zunäch st konnte wieder einmal festgestellt werden, wie erfolgreich Zentrum und Rechte sich bemühen, den Ton im Reich s⸗ tage herunterzubringen. So nahm Herr Bach em sich heraus, den Demokraten Blumenthal einen Winkeladvo⸗ katen zu nennen. Erst am Ende der Sitzung traf ihn der verdiente Ordnungsruf dafür. Eine wahre Blü⸗ tenlese agrarischer Unverschämtheiten bot die Rede des Abg. v. Oldenburg. Er jammerte darüber, daß die Großgrundbesitzer, die sich um die Ernährung der Gesellschaft schinden müßten, nur eine 2prozentige Kapi⸗ talberzinsung hätten, tadelte an den Viehzöllen, daß sie doch nicht die gewünschte Fleischteuerung bringen würden. Schamlos bekannte er sich offen zur Maßregelung eines seiner Vorarbeiter, der für einen Freisinnigen gestimmt hatte. Sehr unhöflich benahm er sich gegen den Reichs⸗ kanzler, dem er vorwarf, daß er wohl schöne Reden hielte, aber keine Taten folgen ließe. Dabei erzählte er, daß die famose Reichskanzlerrede gegen die Sozial⸗ demokratie auch nach seinem Wahlkreis in 800 Exempl. hingeschickt worden sei. Sie wäre ausgeboten worden wie saures Bier, aber keiner habe sie gemocht, bis sie schließlich durch die Gemeindevorsteher verteilt worden sei. Genosse Singer nagelte diese Aeußerungen fest und riet der Rechten, die immer auf der Suche nach dem starken Mann sei, doch die Stelle einmal öffentlich auszuschreiben. Die Stellung unsrer Fraktion zu der Resolution des Abg. Müller⸗Meiningen, die den Bundes⸗ rat an eine bestimmte Frist für seine Stellungnahme zu Reichstagsbeschlüssen binden will, präzisierte er so, daß man mit ihrem Grundgedanken einverstanden sei, wenn sie auch die Halbheit enthielte, nur für diejenigen Beschlüsse des Reichstags, und das ist die Minderheit, eine höflichere Behandlung durch den Bundesrat zu verlangen, die die Form von ausgearbeiteten Gesetzen haben. Graf Posadowsky suchte den Bundesrat gegen die Vorwürfe, die ihn in dieser Debatte mit Recht getroffen, zu verteidigen. Mit dem Rest des Etats wurde dann schnell aufgeräumt. Das Submissionswesen bildete am Montag den Beratungsgegenstand auf Grund zweier Resolutlonen, die vom Zentrum und unserer Partei zum Reichskanzler Etat vorlagen. In der sozialdemokratischen Resolution, welche Dr. Braun begründete, wird der Reichskanzler aufgefordert, in einer Uebersicht mitzuteilen, welche Be⸗ stimmungen über Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen zugunsten der Arbeiter den Unternehmern bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten auferlegt sind. In seinen Aus⸗ führungen lieferte er in eingehender Kritik den Nachweis, daß die mittelstandsretterischen Hoffnungen, dem Hand⸗ werk durch Submissionsbedingungen, die die Konkurrenz ausschließen, wieder auf die Beine zu helfen, eitel seien. Dann verzapften die verschiedenen antisemitischen und Zentrums⸗Mittelstandsretter ihre Weisheit unter Ausfällen gegen die Sozialdemokratie, die„das Handwerk absichtlich zu ruinieren trachte.“ Es war unsten Rednern leicht, diesen Unsinn zu widerlegen. Staatsekretär Po sa⸗ dowsky goß ziemlich Wasser in den Wein der Mittel⸗ natürlich abgelehnt und die vom Zentrum angenommen, welche tunlichste Berücksichtigung der Handwerker bei Vergebung von Arbeiten durch Reichsbehörden dc. verlangt. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Ein christlicher Gewerkschaftsführer. Ueber den Vorsitzenden des„christlichen“ Berg⸗ arbeiter⸗Verbandes Angust Brust, der Mit- glied des preußischen Dreiklassenhauses ist, fällt sogar die nationalsoziale„Hilfe“ folgendes vernichtende Urteil: „Ein merkwürdiger Arbeitervertreter ist der christliche Gewerkschaftler August Brust, dem das Zentrum bei der letzten Landtagswahl ein Mandat überlassen hat. Als in der letzten Woche im preußischen Abgeordnetenhaus Minister Budde seine ablehnende Haltung zum Koali⸗ tionsrecht der Eisenbahner verteidigte, wurde er von dem Arbeiter Brust unterstützt. Brust erklärte in Uebereinstimmung mit seiner Partei das Koalitionsrecht der Eisenbahner für über⸗ flüssig, weil sie ein Petitionsrecht hätten. Er deckte den Terrorismus Buddes gegenüber den Gewerkschaften und wandte sich gegen das Koalitionsrecht für die Landarbeiter. Wie lange werden die christlichen Gewerkschaften noch diesen Vertreter dulden, der sich jetzt auch über die Beschlüsse des Frankfurter Arbeiterkongresses hinweggesetzt hat?“ Nun, um die Beschlüsse des Frankfurter Kongresses werden sich außer Brust noch andere „christliche“ Gewerkschaftsführer nicht kümmern. Wer übrigens den Frankfurter Kongreß als etwas anderes als eine gegen die sozialdemo⸗ kratische Arbeiterschaft gerichtete leere De⸗ monstration aufgefaßt hat, wird je länger, desto mehr erkennen, daß er sich schwer ge⸗ täuscht hat. Die Maler und Weitßzbinder sind in Frankfurt sowie in Mafnz in die Lohn⸗ bewegung eingetreten. In Frankfurt kommen 1600 Gehülfen in Betracht, wovon über 900 in den Ausstand getreten sind. 76 Ge⸗ schäfte mit über 500 Arbeitern hatten bis Dienstag bereits die Forderungen bewilligt. In Mainz, wo erst eine gütliche Einigung innerhalb weniger Tage erreichbar schien, kam es ebenfalls zum Ausstand. Der Arbeitgeber⸗ bund plant die Aussperrung sämtlicher 1 Zuzug ist strengstens fern zu alten! Pon Uah und Lern. Hessisches. — Bürgerlicher Ordnungsbrei in Hessen. Gegenwärtig befinden sich die poli⸗ tischen Parteien in Hessen— lesen wie in der Leipz. Volksztg.—„in einem Zersetzungsprozeß, der zu einer Verschmelzung aller nichtsozialdemo⸗ kratischen Elemente zu einer geschlossenen reak⸗ tionären Masse führen dürfte. Bekanntlich hat sich der hessische Bauernbund dem Bunde der Landwirte angeschlossen. Die hessischen Natto⸗ nalliberalen sind aber ebenfalls vollständig im Bunde der Landwirte aufgegangen, nachdem die wenigen Politiker, die stch allenfalls noch liberal nennen konnten, ausgeschieden sind und der Koterie des Freiherrn v. Heyl Platz gemacht haben. Die nationalliberalen Reichs⸗ tagsabgeordneten aus Hessen, Heyl, Oriola, Haas, Wallau, Becker, stehen an agrarischer Unentwegtheit auch hinter extremsten ostelbischen Bündlern nicht zurück. Die politischen und wirt⸗ schaftlichen Anschauungen dieser sogenannten Liberalen decken sich mit denen der bündlerischen Antisemiten und Konservativen so vollständig, daß eigentlich nennenswerte Streitpunkte gar nicht mehr vorhanden sind.— Das Zentrum, das in Hessen gegenwärtig über kein Reichs⸗ tagsmandat verfügt, hat sich im Wahlkreis Offenbach, wo es den Ausschlag gibt, den Na⸗ tionalliberalen schon längst verschrieben, wäh⸗ rend es in Mainz die Zuneigung der dortigen Liberalen noch nicht ganz errungen hat. Da aber eine Eroberung des Wahlkreises Mainz⸗ standsretterel. Die sozialdemokratische Resolutlon wurde Oppenheim durch die Nationalliberalen für immer ausgeschlossen ist, dürfte schon in aller Bälde eine innige Verbrüderung der„liberalen“ Mainzer haute volée mit dem schwarzen Klein⸗ bürgertum zu erwarten sein. Die Ingredienzen wären dann gemischt, um nach sächsischem Muster zu einem einzigen unterschiedslosen Ordnungs⸗ brei zusammengerührt zu werden. Die Frankfurter Zeitung ist zwar mit uns der Ansicht, daß die hessischen Bauern die Schwenkung ihrer Führer ins nationalliberale Lager nicht mitmachen, sondern sich auf ihre revolutionäre Vergangenheit besinnen würden. Das mag schon sein. Wenn aber die Frank⸗ furter Zeitung weiter meint, daß es jetzt ein leichtes sein müsse, die städtische bürgerliche Wählerschaft und die industriell interessierte Bevölkerung des platten Landes unter der Fahne des entschiedenen Liberalismus zu sam⸗ meln, so irrt sie ganz gewaltig. Der Liberalis⸗ mus in Hessen ist tot, mausetot. Sogar in der einstigen Hochburg der Freisinnigen, in Gießen, hat er sich bei den letzten Reichs⸗ tagswahlen begraben lassen. Es wird in Hessen, künftig nur noch zwei Parteien geben: Reaktion und Sozialdemokratie.“ Was hier von dem Liberalismus im Gießen gesagt wird, ist zweifellos richtig. Die Rede des Herrn Dr. Gutfleisch in jener national⸗ liberalen Gießener Wählerversammlung, in der Herr Heyligenstädt das ihm vorgelegte Pro⸗ gramm vorlas, war ja eiae richtige Selbsthin⸗ richtung des„entschiedenen“ Liberalismus. Der Freisinn hat gründlich abgedankt. Doch sind wir nicht der Ansicht, daß die hessischen Bauern sich etwa widersetzlich zeigen würden, wenn es den Hirschel und Köhler einfällt, offen zu den Nationalliberalen zu stoßen. Das könn⸗ ten die Herren getrost riskieren, in ihrer bäuerliche Anhängerschaft ist so wenig von festen polltischen Ansichten die Rede, daß ste auf keine Schwie⸗ rigkeiten stoßen würden. Das zeigte sich eben⸗ falls bei der vorjährigen Reichstagswahl, wo der Köhlersche Anhang fast Mann für Mann für den Nationalliberalen stimmte, obwohl die Führer Stimmenenthaltung proklamierten! — Mit dem Kreisblattwesen be⸗ faßte sich eine am vergangenen Samstag in Frankfurt stattgefundene, aus allen Teilen Hessens gut besuchte Versammlung hessischer Zeitungsverleger. Nachstehende Resolution ge⸗ langte einstimmig zu Annahme:„Die heutige Verlegerversammlung ist der Ansicht, daß der durch den Antrag Ulrich und Gen. bezüglich des Kreisblattwesens erstrebte Zweck am prak⸗ tischsten durchzuführen wäre auf Grund des zweiten Teiles dieses Antrages, mit dem die Versammlung sich in folgender Fassung ein⸗ verstanden erklärt: Zwecks besserer Verbreitung aller behördlichen Bekanntmachungen wird die Großh. Regierung ersucht, sämtlichen Zentral⸗ und Lokalbehörden aufzugeben, für jeden Kreis ein besonderes Amtsblatt herauszugeben, welches alle amtlichen Bekannt⸗ machungen enthält, jedoch keinerlei politischen oder unterhaltenden Inhalt haben dürfte und auf Verlangen jedem im Erscheinungskreis verbreiteten Blatte gegen Zahlung der Selbst⸗ kosten als Beilage überlassen werden sollte.— Die Versammlung ersucht die Mitglieder des vierten Ausschusses, Hrn. Pennrich und Damm, in diesem Sinne und weiter auf Grundlage des in dem badischen Landtage eingebrachten Gesetzentwurfes in der hessischen Kammer wirken zu wollen.“ — Die Stadthalle in Mainz für die Maifeter verweigert! Wie all⸗ jährlich wollten auch an diesem ersten Mai unsere Mainzer Genossen ihre Maifeier in der Stadthalle abhalten, die ihnen dafür auch be⸗ reits von der zuständigen Kommission der Stadt⸗ verordneten zugesagt worden war. Jetzt auf einmal wurde die Halle verweigert! Warum das? Am 1. Mai wird auch die neue Rhein⸗ brücke eingeweiht, wozu Wilh. II. sein Er⸗ scheinen in Aussicht gestellt hat. Die Spitzen der Behörden in Mainz sind eifrig bemüht, dabei eine Demonstration zu veranstalten, durch welche dem Kaiser der„Dank der Stadt“ für die Beseitigung eines Teiles der längst über⸗ flüssig gewordenen, die Entwicklung der Stadt 35353353T0—T—T——— Seite 4. 0 Mitteldentschc Sonutags⸗Zeitung. 1 Ke. 17. hemmenden Wälle ausgedrückt werden soll. Und diesen„Dank“ will man dadurch besonders be⸗ kunden, daß man unsern Genossen die Stadt⸗ halle verweigert, die doch der ganzen Mainzer B. völkerung gehört! Es ist das erste Mal, bemerkt unser Mainzer Bruderblatt, daß die Stadthalle, die sonst allen Parteien zur Ver⸗ fügung stand, den Sozialdemokraten verweigert wird. Was will man damit bezwecken? Fürchtet man etwa, die Maifeier könnte der sogenannten Huldigungsfeier Abbruch tun? Das kann es nicht sein, denn die Bürgermeisterei sowohl als auch die Hallekommission weiß ganz genau, daß die Leute, welche Maifeiern besuchen, si h von allem patriotischen Rummel fernhalten. Was also war der Beweggrund? Es bleibt nur eine Annahme, nämlich die, daß die Handlung diktiert war von einer Regung, die man im gewöhnlichen Leben Byzantinismus nennt. Nicht unerwähnt darf wohl die befrem⸗ dende Tatsache bleiben, daß in der Hallekom⸗ mission selbst der Vertreter der demokrati— schen Partei es nicht über sich brachte, für die Ueberlassung der Halle an die Sozialdemokratie zu stimmen. Jedenfalls hegte der„Demokrat“ dieselben Ansichten, wie seine nationalliberalen und ultramontanen Kommissionskollegen. Das ist wieder einmal ein Beweis, daß die Soztal⸗ demokratie bei einigermaßen wichtigen Anlässen lediglich auf die eigene Kraft angewiesen ist. Nun, unsere Mainzer Genossen werden ihre Maifeier auch ohne Benutzung der Stadthalle würdig zu begehen wissen. —Eisenbahnbau-Projekte in Ober⸗ hessen. Die antisemitischen Abgeordneten Köh⸗ ler und Hirschel haben in der Zweiten Kam⸗ mer beantragt: 1. wegen Erbauung einer Eisen⸗ bahnstrecke, ausgehend von Station Friedberg, Bad⸗Nauheim, über Steinfurth, Oppershofen, Rockenberg, Griedel, weiter unter Benutzung der Strecke Butzbach—Lich, nach Ober-Hörgern, sodann über Eberstadt, Holzheim, Grüningen und Watzenborn⸗Steinberg nach einer zwischen dem Großherzoglichen Universitätsforstgarten im Gießener Wald und der Gail'schen Thon⸗ waarenfabrik an der Eisenbahnstrecke Gießen⸗ Gelnhausen einzurichtenden Zentralstation, und 2. wegen Erbauung einer Eisenbahnstrecke von diesem Zentralpunkte aus über Hausen, Stein⸗ bach, Albach, Burkhardsfelden, Hattenrod, Har⸗ bach, bei Ettingshausen oder Queckborn die projektierte Linie Lich— Grünberg durchkreuzend, über Wetterfeld und Lauter nach Laubach Er⸗ hebungen anzustellen. Daß die Sozialdemokratie etwa verkehrs⸗ feindlich wäre, werden selbst ihre ärgsten Gegner uicht behaupten wollen. Und selbstverständlich würden wir jeden Vorschlag zur Hebung des Verkehrs unterstützen, von wem er immer aus⸗ gehen möge. Mit diesem sonderbaren Projekt können wir uns aber in keiner Weise befreun⸗ den. Die Zentralstation im Walde mag ja ganz idyllisch zu werden versprechen, welchen Wert aber das Ding dort draußen für den Verkehr haben soll, bleibt schleierhaft. Und wenn man die Linie des unter 2. bezeichneten Pro⸗ jektes zieht, so bekommt man eine Figur, die mit dem berühmten Reiseplan des Kandidaten Hyronimus Fur beide Linien dürfte kaum ein Bedürfnis vorliegen; zum allerwenigsten für die unter 2. Der Antrag schmeckt stark nach Popularitäts⸗ hascherei oder wollen die Antragsteller Herrn Joutz Konkurrenz machen? — Die Wahl des Dr. Becker⸗Offenbach ist von der Mandatsprüfungskom mission des Reichstags wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten beanstandet worden. Gießener Angelegenheiten. — Aus der Stadtverordnetenver⸗ sammlung. 36 000 Mart kostet der Stadt das Kreuz auf der Friedhofskapelle! Diese Summe wurde für Gebäude(Leichenhalle usw.) bewilligt, die nun für die Israeliten auf dem Friedhof errichtet werden sollen. Unsere Ge⸗ nossen stimmten gegen die Forderung, ver⸗ langten vielmehr, daß von den Friedhofsge⸗ bäuden alle religtösen Abzeichen entfernt werden sollten, wie das für einen interkonfessionellen Jobs einige Aehnlichkeit hat.— Friedhof in der Ordnung sei. In den ursprüng⸗ lichen Zeichnungen ist bekanntlich ein Kreuz nicht vorgesehen gewesen, man weiß so recht nicht, wer veranlaßt hat, daß es angebracht wurde. Jetzt müssen nun die Steuerzahler 50 die unangebrachte Religiösität schwer blechen! — Der verlangte Zuschuß zu den Vorarbeiten für die zu erbauende Bahnstecke Gießen— Brandoberndorf, welche sich an die Bahn Usingen — Frankfurt anschließen soll, wird bewilligt. — Ferner ist noch eine Mitteilung des Ober⸗ bürgermeisters zu erwähnen, dahingehend, daß nicht er, sondern das Kreisamt die feuerpoli⸗ zeilichen Vorschriften für den Theatersaal er⸗ lassen habe. — Zum Maifest werden die Vorbereit⸗ ungen von der Kommission mit Eifer betrieben. Hoffentlich dürfen wir bei unserm bekannten Schweineglück auch auf gutes Maiwetter rech⸗ nen. Den einzelnen Gewerkschaften bleibt noch übrig, in den Kreisen ihrer Berufskollegen für zahlreiche Beteiligung, besonders auch am Fest⸗ zuge zu wirken. Recht hübsch wäre auch, wenn eine Gruppe kleiner Mädchen im Maifestschmuck am Zuge teilnehmen würde. Vielleicht lassen sich das unsere verheirateten Genossen ein wenig angelegen sein. Besondere Aufwendungen sind ja dazu für die Eltern nicht nötig. — Mailiteratur ist in reicher Fülle erschienen. Auf die Maizeitung haben wir bereits hingewiesen, wir möchten noch auf die sehr inhaltreiche und gut ausgestattete Mai⸗ uummer des„Wahren Jakob“ aufmerksam machen und sie unsern Freunden zur Anschaf⸗ fung empfehlen. Auch Matpostkarten hat die Buchhandlung Vorwärts in hübscher Aus⸗ führung herausgegeben.— Die nächste Num⸗ mer unserer„Mittel deutschen“ wird in erhöhter Auflage— besser ausgestattet— gedruckt wer⸗ den. Unsere Freunde wollen sich die Agitation für das Blatt recht angelegen sein lassen und Agitationsexemplare von der Expedition ver⸗ langen. — Auf die Tabakarbeiter-Ver⸗ sammlung, die Sonntag, den 24. April nachmittags 3 Uhr im„Wiener Hof“ stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Die Berufs⸗ kollegen werden ersucht, sich zahlreich und pünkt⸗ lich einfinden zu wollen. Aus dem Nreise gießen. n. Wieseck. Zur Maifeier findet Sonntag, den 1. Mai eine Volksversammlung im Saale des„Gambrinus“ statt. Wer das Referat hält, wird in nächster Nummer bekannt gegeben.— Ferner set mitgeteilt, daß ebenfalls im„Gambrinus“ am gleichen Tage nach⸗ mittags von 3—7 Uhr ein„Preisschießen“ mit Zimmergewehren stattfinden soll, das an den darauffolgenden Sonntagen seine Fortsetz⸗ ung findet. Am zweiten Pfingsttage findet die Preisverteilung statt. Die Sache ist vom Wahl⸗ verein arrangiert und da der etwa sich ergebende, wenn auch nur geringfügige finanzielle Ertrag unserer Sache zu Gute kommt, wird erwartet, daß sich unsere Freunde dazu recht zahlreich einfinden. — Aus Steinberg schreibt man uns: r. In der Gemeinderatssitzung vom 16. April wurde beschlossen, im Turme der neuen Schule eine Uhr mit Glocke anzubringen. Der Spaß kostet die Kleinigkeit von 2000 Mk., für unsere Gemeinde wirklich kein Pappenstiel, denn es muß alles durch Umlagen gedeckt werden. auf den Turmbau selbst eingegangen werden. wir nämlich dafür sind, daß die Schulen nicht bloß hell, geräumig und luftig, sondern auch hübsch gebaut werden sollen, halten wir doch den Turm für sehr über⸗ flüssig. f meister gefragt wurde, wer denn eigentlich Urheber des Projektes sei, erklärte er, er wisse nichts davon. Jetzt stellt sich heraus, daß es der Pfarrer und der Bürger meister sind. Bürgermeister? Hat er damals die Zwecklosigkeit des Turmes selbst eingesehen? Herstellung des Turmes, sie sollte nicht gleich auf alles eingehen, was Pfarrer und Bürger meister wünschen!— In derselben Sitzung gelangte endlich auch der von uns vor einem halben Jahre gestellte Antrag auf Oeffent⸗ lichkeit der Gemeinderatssitzungen zur Erledigung, er wurde natürlich abgelehnt. Genossen und Philipp⸗Steinberg, während die Herren Sommer, Burk, Joh. Gg. Philipp, Schäfer⸗ Bei dieser Gelegenheit muß mit einigen Worten So sehr Als im Iznuar im Gemeinderat der Bürger⸗ Weshalb verschwieg das der Die Mehrheit bewilligte die Dafür stimmten nur unsere Watzenborn, der Beigeordnete und der Bürger⸗ meister dagegen waren. Hieraus können wir ersehen, getraut, die Gemeindeanoelegenheiten öffentlich zu ver⸗ bandeln. Der Bürgermeister wird es uns nicht verübeln, wenn wir ihm in Zukunft nicht mehr alles glauben. was er sagt. Denn trotzdem er erklärte, er habe nichts gegen die Oeffentlichkeit der Sitzungen, stimmte er mit der Mehrheit dagegen. Diese Beschlüsse zeigen wieder, wer das Gemeindeinteresse vertritt und wer nicht. Aus dem Odenwald. 1. Maifeier in Erbach l. O. Sonntag, den 1. Mai nachmittags findet die Kreis⸗Maifeier in Erbach(in welchem Lokale? D. R.) statt, verbunden mit Musik⸗ und Gesangsvorträgen, Volksbelustigung und Kinderspielen. Die Festrede hat Genosse Eißnert⸗ Offenbach übernommen. Es ist dies das erste Male daß hier eine Maifeier abgehalten wird; wir ersuchen deshalb alle Partei⸗ und Gewerkschaftsgenossen recht vollzählig in Erbach zu erscheinen, damit die Demon⸗ stration für den Achtstundentag, Völkerbefreiung und Weltfrieden eine imposante werde. Versäume kein Ar⸗ beiter, dem Streben für die hohen Ziele der Arbeiter⸗ bewegung durch setne Beteiligung an der Maifeier Nach⸗ druck zu verleihen! Aus dem Rreise Wetzlar. h. Im Kredit⸗ und Vorschuß⸗Verein kriselt es ziemlich bedenklich. Es sind in der letzten Zeit Mitglieder sehr zahlreich ausgetreten. Wie wir hören, hat die Mißstimmung darin ihre Ursache, daß zahlungs⸗ unfähigen Personen hohe Kredite gewährt wurden. Im bald geordnete Verhältnisse eintreten. r. Für den boshaften Streich, den der Brauer Ludwig Barth seiner Arbeitgeberin Wtwe. Abel in Krofdorf vor Kurzem spielte, inden er über 60 Hektoliter Bier durch Hineinwerfen von Brot und Seife verdarb, erhielt er von der Wetzlarer Strafkammer am Mittwoch eine sehr empfindliche Strafe. Anfangs März kam der Angeklagte Sonntags abends im ange⸗ trunkenen Zustande in die Wirtschaft der Frau Abel und verlangte Bier. Als ihm dies verweigert wurde, machte er Skandal, schimpfte auf die Wirtin und ihre Töchter, die eine schlug sogar. Nachts soll er dann das in den Kellern lagernde Bier in der angegebenen Weise verdorben haben. Er leugnet das zwar, doch hält das Gericht die Straftat für erwiesen und ver⸗ urteilte Barth zu zwei Jahren Gefängnis. Hin⸗ zugefügt sei noch, daß Barth sich gern als bayrischer Patriot aufspielte. h. Einen H erero⸗-Hunnenbrief ver⸗ öffentlichte kürzlich der„Wetzl. Anzeiger“. Der Schreiber desselben, der später gefallene Feld⸗ webel der Reserve Wellstein, beginnt mit der Mitteilung:„Seit dem 15. Jannar bin ich zu den Waffen eingezogen. Schon um die Mitte Dezember 1903 hörte man gerüchtweise von dem beabsichtigten Aufstand der Hereros! Mein Nachbar erschoß um diese Zeit auf seiner Farm zwei rebellische Here⸗ ros.“ Solche Akte sind vielleicht noch mehr vorgekommen und haben sicher den später er⸗ folgten Aufstand mit veranlaßt. In den Ord⸗ nungsblättern wird erst immer mit den Hun⸗ nentaten renommiert und wenn sie dann von der sozialdemokratischen Presse kritisiert werden, sind natürlich die Deutschen Unschuldslämmer. So wars auch beim Chinakreuzzug. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Zur Maifeier. Die Maifestkommisston hat folgendes Programm zur Feier des Mai entworfen: morgens 6 Uhr Sammel⸗ punkt bei Jesberg. Von dort gemeinsamer Aus⸗ flug durch die Kautsbach über Spiegelslust zur Moos eiche. Daselbst gemeinsames Frühstück um 10 Uhr. Getränke werden vorher zum Frühstücksplatz gebracht. Um 11 Uhr Rückkehr nach der Stadt. Nachmittags 4 Uhr Festver⸗ samul lung im Lokale von D. Jesberg. Nach der Versammlung Familienabend.— Wir er⸗ warten nun, daß sich die Genossen an der Maifeier recht zahlreich beteiligen werden so⸗ wohl am Morgenspaziergang wie an der Nach⸗ mittagsfestversammlung. Ferner wollen die Genossen auch der Presse gedenken und eine lebhafte Agitation sowohl für die Mittel deutsche Sonntagszeitung, als auch für die Maizeitung, treiben. Auf keinen Fall darf die diesjährige Maifeier hinter den früheren zurückstehen. Daß dies nicht geschieht, dafür muß jeder Genosse und denkende Arbeiter sorgen! daß die Mehrheit unseres Gemeinderats sich nicht einmal Interesse der Mitglieder ist natürlich zu wünschen, daß ah/ eile wir wei Geh gehe Aus zimt ein blatt daß Reb Aun oder gel. Unw des tags pont so. dem full Patt gest Amt Van und 0 Roh. sind. Fort lei nicht Leut ven kam alte stä! Hag mac bele eib mad und er ett die wer dikt die füt Für Untt der Unt but der 190 Ha die! 1900 Del — e Ff erein ten Zelt hüten, ihlungz⸗ en. Im en, daß en der WMtwe. er über ot und slammer Anfangs i ange⸗ u Abel wurde, ud ihre r dann gebenen „doch d ber⸗ Hin⸗ rischer ger⸗ 0 2 eld⸗ 25 1 bin m die tweise eros! auf here⸗ neht er er⸗ Ord⸗ Hul U 10 , fil 5 Nr. 17. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. eite 8. r. Parteiversammlung. Auf diesen Sams⸗ tag, abends ½9 Uhr hat der Parteivertrauensmann eine öffentliche Parteiversammlung einberufen, worauf wir die Genossen aufmerksam machen und zu zah reichem Erscheinen auffordern. Wegen der Tagesordnung ver⸗ weisen wir auf das Inserat. r. Poll zei und Fortbildungs verein! Gegen die Kontrolle, welche sich die Marburger Polizei gegenüber dem Fortbildungsverein in Bezug auf das Auslegen sozialdemokratischer Blätter in dessen Lese⸗ zimmer erlaubte, hat die„Oberhess. Zeitung“ nichts einzuwenden, billigt sie vielmehr. Natürlich, das Amts⸗ blatt muß ja alles in Ordnung finden, was die Polizei tut, wenns auch ungesetzlich ist, die Hauptsache ist, daß es sich gegen die unbequemen Parteien richtet. Reptilien schreien höchstens, wenn etwa Gesetze zur Anwendung kommen sollen, die der besitzenden Klasse oder dem Junkertum nicht passen. Das sind wir ja gewohnt. Wenn aber das Amtsblatt sich in seiner Unwissenheit folgenden Satz leistet: „Wer ist aber so naiv zu glauben, daß die Lektüre des„Vorwärts“, der Gießener„Mitteldeutschen Sonn⸗ tagszeitung“ oder gar des Witzblattes„Wahrer Jakob“ fortbildend und erzieherisch auf junge Leute wirken würde?“ so müssen wir schon ein wenig bitten. Daß die soztal⸗ demokratische Presse in hohem Maße kulturfördernd und sittlich wirkt, haben Regterungsleute, Fabrikinspektoren, Pastoren ꝛc. oft anerkannt, ist sogar gerichtlich fest⸗ gestellt worden! Dagegen beobachtet man bei der Amtsblatt⸗ und Ordnungspresse das Gegenteil. Aus threm Leserkreise rekrutieren sich die Arenberg, Hüssener, Vankschwindler, Trebertrockner, sittlich entgleiste Pfaffen und so weiter. Statistisch steht fest, daß in Gegenden, wo die sozialdemokratische Presse nicht verbreitet ist, Roheits⸗ und Sittlichkeitsverbrechen am zahlreichsten sind.— Uebrigens: wenn die Vorstandsmitglieder des Fortbildungsvereins es sich gefallen lassen, daß die Po⸗ Itzei in Vereinsangelegenheiten ihre Nase steckt, die sie nichts angehen, dann sind sie.... recht polizeifromme Leute. r. Kriegs veteran als„Majestäts⸗ verbrecher“. Vor der Marburger Straf⸗ kammer wurde kürzlich gegen den 62 Jahre alten Nagelschmied Bellerstein wegen Maje⸗ stätsbeleidigung verhandelt. Der Ange⸗ klagte, der den französischen Feldzug mitge⸗ macht hat, ist schon mehrfach wegen Majestäts⸗ beleidigung bestraft. Er giebt zu seiner Ver⸗ teidigung an, daß er zwar den Krieg mitge⸗ macht habe, jetzt aber völlig mittellos dastehe und zu betteln gezwungen sei. Sehr oft habe er schon um Unterstützung gebeten, aber nte etwas erhalten. Aus Aerger darüber habe er die inkriminierten Aeußerungen getan. Es werden ihm dafür 6 Monate Gefängnis zu⸗ diktiert.— Das ist wieder ein Beispiel für die Notwendigkeit der Beseitigung des Maje⸗ stätsbeleidigungs⸗Paragraphen. Kann etwa ein Fürst oder überhaupt jemand von einem her⸗ untergekommenen Menschen„beleidigt“ werden, der die Beleidigung nur ausstößt, um ein Unterkommen zu finden? Kontrollversammlungen. In Mar⸗ burg auf dem Kämpfrasen für die Kontrollpflichtigen der Stadt Marburg: Mittwoch, 27. April 1904: vorm. 9 Uhr für die Reservisten der Jahres⸗ klassen 1896, 1897 und 1898, vorm. 11 Uhr, für die Reservisten de. Jahresklassen 1899, 1900, 1901 1902 und 1903, Dispositionsurlauber und die zur Die position der Ersatzbehörden Entlassenen; nachmittags 1½ Uhr, für sämtliche Landwehrleute I. Aufgebots, nachm. 4½ Uhr, für sämtliche Ersatz⸗Reservisten. In Marburg auf dem Kämpfrasen für die Mann⸗ schaften aus den Orten Bauerbach, Cölbe, Cappel, Gisselberg, Marbach, Niederweimar, Oberweimar, Ockers⸗ hausen, Schröck und Wehrda, Donnerstag, 28. April 1904, vorm. 9 Uhr für die sämtlichen Reser⸗ visten, vorm. 10¼ Uhr für sämtliche Landwehrleute I. Aufgebots, nachm. 1 Uhr für sämtliche Ersatz⸗ Reservisten. f Eine schauerliche Bluttat ereignete sich am Dienstag in Frankfurt. Der dort in der Rothekreuzgasse wohnende Taglöhner Bender geriet mit seiner Frau in Streit, bedrohte und verletzte sie, worauf sie mit zwei Kindern floh and um Hilfe rief. Unter⸗ dessen schnitt Bender den noch in der Wohnung befindlichen zwei kleinen Kindern die Hälse durch. Auch das dritt Kind, das die Frau mit sich nahm, erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bender arbeitete früher als Metzger in Gießen. Offenbar ist der Mann geistesgestört. Immer mehr„Hände“ überflüssig! Von einer sehr revolutionären Erfind⸗ ung, die im Wollstoffgewerbe viel Aufsehen erregte, berichtete kürzlich der„Konfektionär“. Diese bezweckt nichts Geringeres, als daß ein Weber statt zwei bis drei Webstühle leicht deren sechs bis acht und mehr bedienen kann, wobei zudem an dessen Arbeitskraft weit weniger Ansprüche gestellt werden. Der Haupt⸗ vorteil der Erfindung soll darin bestehen, daß diese Einrichtung an jeden bisherigen Stuhl sich anbringen läßt. In einer ver⸗ nünftig geleiteten Gesellschaft würde man jede solche arbeitsparende Maschine mit Freuden begrüßen. Ihre Benutzung würde den Produ⸗ zenten und Konsumenten gleichmäßig zugute kommen. Heute erfüllt jede neue derartige Er⸗ findung die Arbeiterschaft mit Schrecken. Größere Produktivität bedeutet nicht Verbesser⸗ ung der Lebenslage, sondern Verschlechterung derselben, Arbeitslosigkeit für die„überflüssigen Hände“, Druck auf den Arbeitsmarkt, Zurück⸗ gang, nicht Erhöhung der Löhne ꝛc. Nicht Ar⸗ beit wird durch solche neue Maschinen heute gespart, sondern— Arbeiter, die brotlos werden und das ungeheuere Heer der Arbeits— losen vermehren. Kleine Mitteilungen. * Das hohe Alter von 95 Jahren er⸗ reichte die dieser Tage verstorbene Frau Neeb in Hattenrod. * Opfer der Arbeit. Zwei Bergleute auf Zeche Dorstfeld bei Essen stürzten in den Schacht und blieben sofort tot.— Ferner entstand auf der Zeche Werne— ebenfalls bei Essen— infolge eines Sprengschusses eine Explosion durch schlagende Wetter. Drei Arbeiter wurden schwer, drei leicht verletzt. — In Dauernheim bei Büdingen stürzte der Tagelöhner Mies, der auf dem Molkerei⸗Neubau beschäf⸗ tigt war, vom zweiten Stock ab, verletzte sich schwer und zog sich einige Rippenbrüche zu.— Auf dem Zwickauer Kohlenwerk stürzte ein Bergmann in den 400 Mtr. tiefen Schacht, und wurde zerschmettert, ein anderer wurde von der Trans misston zermalmt. * Fromme Sünder. Die Strafkammer in Kleve verurteilte am Freitag den Pastor Roffhack aus Hochemmerich wegen unzüchtig er Handlungen an Schülerinnen unter 14 Jahren zu 3 Jahren Zucht⸗ haus und 3 Jahren Ehrverlust.— .—— Partei-Nachrichten. Der Parteitag findet, wie der„Vorw.“ bekannt gibt, in der dritten Septemberwoche statt, nicht im August, wie in voriger Nummer nach einer durch die Presse ge⸗ gangenen Notiz mitgeteilt war. Totenliste der Partei. In Göppingen (Württembg.) starb Genosse Hermann Thiele, der stets in hervorragender Weise für die Partei tätig war.— In Elberfeld starb der Genosse Gräser, der bei der letzten Wahl im Wahlkreise Essen als Reichstagskandidat aufgestellt war. Bei der Beerdigung am Sonntag kam es infolge des taktlosen Verhaltens eines Friedhofs⸗ wärters, der sich in höchst provokatorischer Weise be⸗ nahm und Leidtragenden die Kränze aus der Hand riß, zu Störungen. Strafen über Strafen hat es in den letzten Tagen auf die sozialdemokratischen Redakteure niederge⸗ hagelt. Vier Monate Gefängnis erhielt der Gen. Düvell von der„Sächs. Arb.⸗Ztg.“ wegen Beleidig⸗ ung des Bautzener Offizierkorps. Mehrlein von der Breslauer„Volkswacht“ muß mit tausend Mark die angebliche Beleidigung der deutschen Unterofftziere büßen. — Am schlimmsten kam aber Garbe vom Casseler „Volksblatt“ weg, der ein ganzes Bündel Anklagen hatte. Außer den vier Monaten wegen Beleidigung der Eisenbahndirektion wurden ihm noch weitere fünf Monate wegen angeblicher„Erpressung“ zudiktiert. Diese soll darin bestehen. daß er im Volksblatt diejenigen Geschäfte veröffentlichte, welche dort nicht inserieren und aufforderte, diese nicht zu unterstützen. Dieses Vor⸗ gehen halten wir zwar durchaus nicht für richtig, aber „Erpressung“ ists auf keinen Fall.— Zu allem Ueber⸗ fluß hatte noch der Antisemitenhäuptling Liebermann das Volksblatt wegen Beleidigung verklagt, doch hier erzielte Garbe Freisprechung. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 23. April. Gießen. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Steinberg. Arbeiterbildungs verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Schmandt Wtwe. T.⸗O.: 1. Unsere Maifeier. 2. Beschluß über die Fahne. 3. Verschiedenes. Dienstag, den 26. April. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 9 Uhr Monatsversammlung bei Orbig, Rittergass'. Wich⸗ tige Tagesordnung. Briefkasten. X. Y. Z. Natürlich, lassen Sie nur den Kreisblatt⸗ Senf mal hierher wachsen. Im Uebrigen freundlichsten Dank für Ihre erfolgreichen Bemühungen, Wühlen Sie lustig weiter! Rögn. b. Nhm. War in dieser Nr. nicht gut möglich. Nach unserer Meinung sind es doch verhältnismäßig unbedeutende Dinge, die soviel Erregung hervorrufen. Hoffentlich erhält die Ordnungsstütze noch zeitig genug den Lohn für ihre kleinen und großen Sünden; das Schicksal schreitet manchmal schnell. Maifeier 1904. Sonntag, den 1. Mai, nachmittags im„Giessener Stadtwald, I. Schneise rechts: M Wald- Fest eee bestehend in Konzert, Gesangsvorträgen, Tanz, Kinderspielen, Preisschiessen. Die Festrede hält Stadtv. Ed. Krumm. Festzug. Abmarsch punkt 2 Uhr vom Oswaldsgarten. Alle Arbeiter und Arbeiter-Vereine werden freundlichst ersucht, am Zuge teilzunehmen. Das Gewerkschaftskartell u. Maifeier-Komitee. Zinti 20 ig. — — 3 — äÜ—— —— ————— . * Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 17. Ueber die Stöcker-Partei, womit man am zutreffendsten die Schöpfung des Hofprediger Stöcker, di; sogenannte„Christ⸗ lich⸗soziale Partei“ bezeichnet, bringt unser in Elberfeld erscheinendes Parteiblatt„Morgen⸗ roth“ folgende Betrachtung: Als der Antise⸗ mitismus in Deutschland eine selbständige politische Aktion zu entwickeln begann, da wurde ein großes Geschrei gemacht von der neuen Partei. Man sagte, ihr werde die Zu⸗ kunft gehören, denn sie umfasse alle Gesell⸗ schaftsklassen. Das sollte bedeuten, sie war mit einem Tropfen sozialen Oeles ge⸗ gesalbt, um bei den Arbeitern den Stimmen⸗ fang betreiben zu können, aber auch kapitalistisch genug, um sich nicht allzusehr gegen die Reli⸗ gion des Geldsacks zu vergehen. Praktisch konnte also die Sache leicht auf eine„echte und wahre Partei des sogenannten Mittelstandes“ ausgespielt werden. Dem vernünftigen Politiker, der nicht von heute auf morgen, sondern an der Hand der geschichtlichen Entwicklung urteilt, war die Sache von vornherein zum Lachen, er war sich darüber klar, daß mit einem Ragout von Großkapitalismus, Bourgeois⸗Sozialismus, bür⸗ gerlichem Genossenschaftlertum, Feudalsozialis⸗ mus, einem Quentchen demokratischen Sozia⸗ lismus und über das ganze eine antisemttische Sauce gegossen, nichts heraus kommen konnte. Es dauerte auch gar nicht lange und die „Große Partei“ der Zukunft katzbalgte sich der⸗ art, daß sie in mehrere kleine Gruppen aus⸗ einander fiel. Der eigentliche Urheber der Be⸗ wegung, der Ex⸗Hofprediger Stöcker, gab seiner Gruppe den Namen„Christlich⸗soztale Partei“. Er hat besonders bet der letzten Reichstags⸗ wahl am Niederrhein und in Westfalen ver⸗ sucht, Terrain zu gewinnen, ohne nennenswerten Erfolg. Trotz seiner 17jährigen Tätigkeit als christlich⸗sozialantisemitischer Apostel ist er bis 1903 der einzige Abgeordnete seiner Partei im Reichstag geblieben und bei den letzten Wahlen erhielt sie nur noch das Dillenburger Mandat von Zentrumsgnaden. Die Scharf— macher wollen nichts von Stöcker wissen, weil sie Vertreter des ungefälschten Kapitalismus gebrauchen. Unter dem Mittelstand kann er keinen nennenswerten Anhang erlangen, weil es ein Mittelstand mit einheitlichen Grundsätzen und Forderungen überhaupt nicht gibt. Dem Handwerk, auf welches er es besonders abge— sehen hatte, ist nun einmal unter der kapita⸗ listischen Aera nicht mehr zu helfen, daher auch keine Erfolge auf diesem Gebiet. Bleiben die Arbeiter, die etwa gutmütig und du m m⸗ gläubig genug sind, gegen ihr eigenes Fleich zu wüten und einem Stöcker nachzulaufen. In einer Zeit des schroffsten Klassenkampfes, geschürt durch das brutale Unterdrückungssystem der Kapitalisten, konnte begreiflicherweise auch die Anhängerschaar aus der Arbeiterklasse nicht groß werden. Hat man den Antisemitismus als den Sozialismus der dummen Kerle be⸗ zeichnet, so kann man die Bestrebungen der Christlich⸗sozialen als den Sozialismus der dummen Arbeiter erklären. Man braucht sich nur das unter dem Motto: „Mit Gott für Kaiser und Reich“ erschienene christlich⸗soziale Liederbuch anzusehen, das zugleich auch das Programm dieser Partei ent⸗ hält und im Verlag der Westdeutschen Ver⸗ lagsanstalt in Siegen erschienen ist. Darin finden wir nichts als Choräle und mords⸗ patriotische Lieder, keine Spur von Zielen, die den Arbeitern eine Besserung ihrer Lage versprechen; nichts als Knechtsseligkeit und Er⸗ gebenheit wird da den Arbeitern als höchstes Ideal geschildert. In Nr. 1 wird die christlich-soziale Partei als„glühende Flamme für das Gottesgnaden⸗ tum“ gepriesen. Nr. 2 ist„Ein feste Burg ist unser Gott“. Nr. 3„Harre meine Seele, harre des Herrn“. Nr. 4„Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“. Nr. 5„Nun danket alle Gott“. Nr. 6„Vater, kröne du mit Segen unsern König und sein Haus“. Dann folgt als Nr. 7 das berühmte Anti⸗ semitenlied„Deutschland, Deutschland über alles“, und so geht es weiter bis zu Nr. 34. Natürlich befindet sich darunter auch ein Hym⸗ nus auf Bismarck. f Das also sind die Programmlieder der Christlich⸗-Sozialen. Die Arbeiter sollen Gott loben, daß er sie„erhält“ so wie es ihnen selber gefällt“, sie sollen Gott loben und preisen, daß er sie aus der Not errettet, daß er„ihren Stand sichtbar gesegnet“.„Lob und Ehr dem Höchsten, der allen Jammer stillt.“„Ein Loblied nach dem andern von dem was Gott an mir getan.“ Nichts von Forderungen, die der Arbeiter zu stellen hat, nichts von Wünschen, nichts von der Erfüllung politischen Rechts. Das bekannte Lied„Freiheit“ die ich meine“, das ohnehin durch seine süßholzraspelnde Töne außerordent⸗ lich abweicht von den sonstigen Freiheitsklängen bürgerlicher Dichter jener Zeit, ist zwar auf⸗ genommen worden, aber nur zum Teil; die⸗ jenigen Verse, die den Arbeiter an Selbständig⸗ keit und freiheitliche Regungen erinnern könnten, hat man unterschlagen. Natürlich sind diese frommen, demütigen Verse nur den christlichen Arbeitern zur Beachtung gewidmet; die Fabrikanten pfeifen darauf, sie wissen nur zu gut, daß im Kampfe ums Dasein, oder wie es bei ihnen richtiger heißen muß, bei der Profitjägerei, mit frommen Gesangbuchs⸗Versen nichts anzu⸗ fangen ist. Nn 0 eee „ Unterhaltungs-Ceil. 1 E Maienzauber. Eine Geschichte für das Landvolk. Langsam und bedächtig stieg der Mann die Lehne empor. Aber sein Schritt war noch gleich⸗ mäßig, sein Tritt sicher, trotzdem ihm eisgrau das Haupthaar hervorkroch unterm derben breit— randigen Filzhut und herabfiel zum Antlitz, welches in seiner Farbe und Starrheit dem Eichenholz glich, das ein Menschenalter hindurch Sonnenschein, Sturm und Regen verspürt. Das anhaltende Steigen und die Sonne, deren milder Schein breit über den Fluren lag, hatten dem Wanderer warm gemacht; lose trug er die kurze Joppe über den Schultern, darunter quoll das Hemd in weißen, weiten Bauschen, und das lederne Viergestell des Hosenträgers hob sich scharf ab von seiner Unterlage. An der spitzen Ecke des letzten Ackers vor dem Walde machte der alte Bauer Halt, sah nach dem Weidenreis, das er hier am ersten Ostertag in das Erdreich gepflanzt, nickte befriedigt, als er es noch hervorlugen sah unter den auf⸗ geschossenen Halmen des Roggens, setzte sich auf den Grenzstein und richtete seine Augen nach der Niederung. Vor ihm, zum Greifen deutlich, lag sein Dorf, seine Heimat. Die Häuser und Hütten, Ställe und Scheunen ver⸗ schwanden unter dem Blütenduft der Obstbäume, wie eine weiße Riesenkugel erhob sich die Siede⸗ lung aus dem Kranze der grünenden, schon leise wogenden Saaten. Starr blickte der Alte auf die Maienschöne, die ihm wieder geworden auch mit dem neuen Jahre, die ihm lieb und wert war seit den Tagen der Kindheit, und vor seinen 77 zog vorüber sein ganzes ver⸗ gangenes Leben. Als wäre es gestern gewesen, erinnerte er sich des Tages, an welchem er mit seinem Vater zum letzten Male hier an dieser Stelle gestanden. Derselbe Tag war es gewesen, wie heute, der erste Mai, und wie er es heute getan, so haften sie auch damals den Mai- oder Saatgang gemacht, die Aecker umschritten und die Saaten betrachtet, ob sie keimten und sproßten. Und hier oben war der Vater er⸗ müdet auf den Stein gesunken und hatte lange und wehmütig nach dem Dorfe hinübergeblickt, als wollten sich seine Augen satttrinken für immer an all den Herrlichkeiten des wieder⸗ Nun lagen fünfzig Jahre Fünfzig kehrenden Lenzes. zwischen dem Heute und dem Damals. sie ihm auch den Jüngst en. Spichern,„auf dem Felde der Ehre“, wie der Jahre! Was hatten sie ihm Alles gebracht! Schon im Herbste darauf hatte er nach des Vaters Tode den kleinen Hof übernommen und zu wirtschaften begonnen, wie er es ge⸗ lernt und wie es schon seine Altvordern ge⸗ wohnt. Dann hatte er geheiratet, und es waren die Kinder gekommen. Als die Frohnden weg⸗ fielen und die Sackzinse abgelöst wurden, da hatte es wirklich den Anschein, als sollten auch für die Bauern einmal bessere Zeiten kommen. Aber so Mancher hatte sich bei der Ablösung übernommen und wanderte schon nach wenigen Jahren mit dem weißen Stabe ins Elend. Aber es ließe sich im Allgemeinen doch leben. Wenn je einmal ein schlechtes Jahr einfiel mit Mißwachs und Teuerung, das Dorf hatte da⸗— mals noch seinen Gemeindewald. Freilich, lange dauerte die grüne Herrlichkeit nicht mehr. Die großen Bauern drängten und drängten, bald war der Gemeindebesttz aufgeteilt und das Nieder⸗ schlagen und Wüsten begann. Wo sonst hundert⸗ jährige Fichten und Tannen ragten, wucherte jetzt das Heidekraut und der stachlige Wach⸗ holder. Dann kam der erste Krieg und damit das Unglück. Sein Aeltester wurde eingezogen und mußte aufs Schlachtfeld. Schon nach kurzer Zeit schrieben sie ihm in einem Briefe, daß er in Feindesland in einem Spital ge- storben. Es dauerte wieder ein paar Jahre, da ging's gegen die Franzosen. Nun nahmen Er blieb bei Schullehrer sagte.„Und hat das neue Reich mitgründen helfen.“ Das neue Reich? Was hatte er davon? Steuern und immer wieder Steuern und Schulden. Ja, wenn er noch seine beiden Buben an der Seite gehabt hätte! Aber so ging's immer mehr bergab von Jahr zu Jahr. Das konnte zu keinem guten Ende führen. Jetzt war er alt und sein Weib auch, un) wenn ihm morgen die Hypotheken geküu⸗ digt würden, dann war's vorbei. Mit was hatte er dies verdient? Gerackert hatte er sich sein ganzes Leben lang, gedarbt hatte er und gespart und nicht einmal die alte Tracht hatte er abgelegt, aber vor sich gebracht hatte er nichts, nicht so viel als Schwarzes ist unter dem Nagel. In den nahen ärchen schrie kreischend ein Häher. Der alte Bauer schrak empor und strich sich über die Augen. An sein Ohr schlug ein Summen und Surren, als unterhielten sich in seiner Nähe eine große Anzahl von Menschen; er erhob sich und schritt den Rain hinauf, dem Walde zu. Als er nach einigen Hundert Schritten aus einer Fichtenschonung heraustrat, bot sich ihm ein eigentümlichen Anblick. Auf der Waldwiese, die sich schier über den ganzen Hang der andern Seite der Höhe hinzog, wogte es über und über von fröhlichen, festlich ge⸗ kleideten Menschen.„Wie kommen denn Die daher?“ dachte der Alte und schüttelte das Haupt. Aber sogleich erwachte in ihm der Bauer, und er brummte:„Wie kommen Die dazu, auf fremdem Grund und Boden herum⸗ zusitzen, herumzuspringen, Bier zu trinken und das Gras zu zertreten?“ Noch zögerte der Alte und überlegte, ob er sich die Geschichte aus der Nähe anschauen sollte oder nicht, da legte sich ihm von rückwärts eine Hand leicht auf die Schulter. Der Bauer a sich und erkannte seinen Nachbar, den älch. „Hm!“ meinte der auf einen fragenden Blick hin.„Es sind Arbeiter aus der Stadt. Sie haben ihre Frauen und Kinder mitgebracht und feiern, wie sie sagen, ihr Maifest.“ 15 „Und du bist einverstanden damit und läßt Deine Wiesen ruinieren?“* „Ich weißt d so wie so nicht viel darauf.'s ist alter Wald⸗ boden. Und dann wollen si⸗'s ja cuch net umsonst... Gehst Du mit'nunter?'s Bier ist was Extrafeines, Reden werden g' halten und g'sungen wird, es seien auch Viele aus 'm Dorf da und'm Pachschuster“ sein' Großen, der in der Stadt Tischler ist, hab' ich auch g sehn. „Aber es sind Soz.“ 5 „Das schon, das schon... Fürchst Du Dich am End'?“ 1. — acht! des men ö ge⸗ 8 ge⸗ garen weg „ da auch men. sung ligen lend. eben. mlt da⸗ ange Die hald eber⸗ dert⸗ herte Jach⸗ mit yogen lach liefe, ge⸗ ahre, men bei der Reich Was leder loch tte! Jahr Ende auch, ekün⸗ Was e er te er Lacht halte unter 0 ein und chlug n sich chen; dem ndert aral, Auf wogle 1 ge, Die 1 das . Die anzen 1 db erun“ und 0b kl solle woll Halel „ del „ seine Joppe an und begann langsam hinab zu 1 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung Seite 7. Das letzte Wort entschied. Der Bauer zog steigen. Als die Beiden unten ankamen, fanden ste hunderte von Menschen in einem Kreise zu⸗ sammengetreten, in der Mitte stand auf einem großen Steine ein Mann und hielt eine Rede. „Siehst's, da hast's, hab' ich Dir's net gleich g'sagt?“ meinte der Sälch.„Das ist ja der Tischler!“ Der alte Bauer gab seinem Nachbar einen Puff, damit er verstummte. Und der Redner fuhr fort:„Zum Schlusse möchte ich noch ein paar Worte richten an Euch, Ihr Dienstboten und Hüttenleute, Häusler und Kleinbauern; Ihr kennt mich Alle, Ihr aus Neudorf, Ihr aus Leutholdsgrün dort und Ihr aus Hermannsreuth, und Ihr wißt, wer ich bin. Warum wir, die Industriearbeiter, den ersten Mai als Festtag feiern, habt Ihr vorhin gehört; aber auch Ihr habt alle Ursach', zu uns zu halten und net zu Denen, welche das Geld maßelweiß messen. Hand aues Herz und gebt ehrlich und richtig die Antwort: Was bleibt Euch denn, Ihr Halb⸗ und Viertels⸗ bauern, wenn Ihr im Herbste die Steuern bezahlt habt und zu Martini die Zinsen und die Ver⸗ sicherung und die Umlagen und die kleinen Tröpfelschulden beim Kramer, im Wirtshaus und in der Stadt beim Kaufmann? Hm?“ „A goldenes Nix!“ platzte ein junger Bauer, der den ganzen Kopf voll gelber Locken hatte, heraus, drückte sich aber sofort, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Recht hast, Gartner⸗Seppl,“ fuhr der Redner fort.„'s stimmt, was Du g'sagt hast. Und zwegen dem goldenen Nix und dem silbernen Wart-a⸗wenig müßt Ihr Euch plagen und schinden 8 ganze Jahr wie net recht g'scheidt, Sommer wie Winter, Tag und Nacht! Ist das a Gerechtigkeit? Ewig net... Aber ich hab' ja von was anderm reden wollen. Viele Bauern denken noch alleweil, wir, die Sozi, wollen ihnen ihre Höfeln und Felder weg⸗ nehmen. Daß ich net lach'! Hört's, Männer, wie kann man denn Ein'm was wegnehmen, das ihm gar net mehr g'hört, das bis zur letzten Schindel, bis zum kleinsten Feldsteinerl mit Hypotheken verpflastert ist? Und sind viele von Euch net in derselben Lag', ohne daß Ihr etwas dafür könnt? Es darf ja heut einem kleinen Bauern nur a Ochs sich dick fressen, und er ist schon g'liefert. Ja, sagen die Ein', wir müßten es halt mit den reichen Leuten halten. Hört's einmal, wären die Herren reich worden, wenn s' den armen Leuten was geben hätten? Andere sagen: Der Staat muß helfen. Der Staat? Ja, der schaut gerade aus da⸗ nach. Dem geht's ja so net z'sammen mit'n Geld, allweil verlangt er mehr Steuern und Rekruten, und was Ihr zahlt, das wird ver⸗ pulvert, verschossen und vermarschiert. Wir, die Arbeiter, haben heut unser Maifest gö'feiert, und Ihr— Ihr habt es schon eher g'feiert wie wir. Der Stiegl⸗Franz humpert und verzieht 8 Gesicht. Da gibt's nix zum Lachen, das ist Tatsach. Ihr habt zu Ostern am ersten Feiertag Kreuzelu g'schnitzt, sie aufs Eck ins Kornfeld g'steckt und a Palmkatzl dazu g'setzt. Gestern, Walpurgi auf d' Nacht, hat jeder Hausvater ein' Rasen g'stochen und vor die Tür vom Kuhstall g'legt. Heut haben die Bauern ihren Saatgang gemacht. Ist das nix, oder ist das nur so eine Dummheit? O, das ist ein uraltes Herkommen, aber vergessen ist's worden, was es zu bedeuten hat. Unsere Altvordern, die alten Deutschen, die waren, eh' sie Christen wurden, schon Bauer g'west. Aber net so war's damals wie heut, daß der Ein' ein Mordstrumm von einem Hof hat, vier Ross' und zwanzig Ochsen, sein Nachbar aber fährt mit zwei Kuͤh'n, denen d' Rippen außer⸗ steh'n wie an Gamsbock. Alle Felder haben der G'meind' g'hört und alle Jahr zeitlich im Frühjahr sind sie in so viel Loos zerlegt worden, als's Haushalten geben hat. Jeder hat sein Loos in die Mützen g'worfen, wie Ihr es beim Kegelschieben macht, wenn Ihr eine Partie spielt; dann ist g'schüttelt worden, und dem sein Loos herausg'fallen ist, der hat das er beim Loosen net dabei, und da ist sein Zeichen ins Feld g'steckt worden, damit er's kennt. Das bedeut' Euer Kreuzl und Palm⸗ katzl. War die Verteilung vorbei, dann haben sich die Leut' ihre Felder genau ang'schaut und überlegt, was sich da am besten hinsähen läßt. Seht Ihr, und das ist Euer Saat- oder Maigang. Damals hat's keine Armenhäusl'n geb'n und noch keine Bettelleut', und Jeder, der hat arbeiten wollen, hat sein reichlichs Draußkommen gehabt fürs ganze Leben, wie es sich für einen ehrlichen Menschen auch g hört. Und wir, die Sozi, die Umstürzler und Leute⸗ verhetzer, wie der Pfarrer sagt, wir wollen auch nichts Anderes. Wir wollen, daß Keiner mehr einen Tropfen Schweiß umsonst vergießt, für umsonst und wieder nichts; wir wollen net, daß der Eine sich mit lauter Arbeit die Haut vom Leib schind't, a Anderer aber den ganzen Tag auf'm Ruhebett liegt und sich die Sonn ins Maul scheinen läßt. Kein Wucherer soll mehr ein' arbeitsamen Menschen aus sein'm Häusl verjagen, arbeiten soll Jeder, wie er's gelernt hat und kann, aber Keiner soll Not leiden. Das wollen wir und nix Anderes. Ist das was Schlechts? Männer überlegt Euch, wohin Ihr g'hört: Zu Denen, die von Euch und Eurer Arbeit leben, oder zu uns, die wollen, daß es anders, besser wird... Lands⸗ leut'!! Wenn wir z'sammenhalten, jagen wir den Teufel aus der Höll'.. Der Tischler sprang vom Steine und trat zu dem alten Bauern.„Schön willkommen, Vetter Lorenz! Auch a weng auf'n Beinen?“ Den Alten hatte die allgemeine Aufmerk⸗ samkeit, welche sich auf ihn lenkte, etwas ein⸗ geschüchtert; stumm erwiderte er den Händedruck, aber aus seinen Augen lachte die Freude, das Der, welcher so reden konpte, aus seinem Dorfe stammte Ueber die Wälder, Matten und Fluren der Vorberge sanken die Abendschatteu. Die Aus⸗ flügler hatten sich zu einem Zug geordnet, die Fahnen flatterten, und mit Singen und Jauchzen ging's die Höhe hinab. Auf der Waldwiese stand allein noch der alte Lorenz. Jetzt kam der Zug um die Waldspitze herum, und ganz deutlich schlug an das Ohr des Lauschenden der marschtaktmäßige Sang: „Wir rollten froh das Banner auf, Mit festen Händen woll'n wir's halten; Es wird und muß im Sturm besteh'n: Die Zukunft rauscht in seinen Falten...“ „Recht hat der Tischler! Zehnmal Recht!“ schrie der Bauer, und er schritt aus, den Berg hinab, daß die Bänder seines Hutes flatterten und die Schenkelmuskel die ziegenledernen Schäste seiner hohen Stiefel spannten. Splitter. Das ist das Los der Besten, daß an sie Vielfacher Anspruch sich begehrlich drängt; Wo Segen quillt, da wallet Jeder hin. Uhland. Humoristisches Die Philosophie auf dem Kasernenhofe. Die Dresdener„Sachsenstimme“ erzählt folgende Anekdote: Unteroffizier(u der Korporalschaft, die Gewehrpräsentieren übt):„Einjähriger Müller, wissen Sie, was eine Idee ist?“ Einjähriger Müller:„Jawohl, Herr Unteroffizier. Das Wort Idee hat Plato in Umlauf gebracht. Er nahm an, daß in einer höheren intelligiblen Welt die höheren Begriffe wirklich vorhanden wären und daß fie, in der sensiblen Welt unvollkommen ausgedrückt, von der menschlichen Seele, die sie im Vorleben erblickt, wiedererkannt würden.“ Unteroffizier:„Na, wenn Sie's wissen, dann nehmen Sie gefälligst das Gewehr eine Idee links!“ Vorschlag zur Güte. 1. Leutnant; Aeh — scheußlich! Offiziere blamieren mit ihrer Schreiberei noch janzes Offizierkorps! 2. Leutnant: Ist aber doch jetzt durch Kabi⸗ netsordre verboten, daß Offiziere was schreiben oder drucken lassen dürfen was Armee schädigen könnte? 1. Leutnant: Genügt nicht! Müssen blos solche Leute zu Offtzieren jemacht werden, die nicht schreiben Feld kriegt, das an der Reih' war. Oft war können.(„Südd. Postill.) Geschichtskalender. 24. April. 1900: Skandalprozeß gegen die Zentrumsgröße Dasbach. 1897: Prozeß gegen den Kolonial⸗Peters. 25. 1901: Große Explosion in der chem. Fabrik Griesheim, 23 Tote. Durchstechung der Landenge von Suez. 1792: Einführung der Guillotine. 26. 1900: Zentrumsumfall beim Terxtilarbeiter⸗ Zehnstundentag. 27. 1900: Zentrumsumfall beim Bergarbeiter⸗ Achtstundentag. 23. 1799: Ermordung des französischen Gesandten in Rastatt. 29. 1900: Torpedobosdt⸗Agitationstour auf dem Rhein. 1883: Schulze⸗Delitzsch, fortschrittlicher Parla⸗ mentarier,. 30. 5 Todesurteile gegen Anarchisten in Barcelona. 1848: Herweghs Freischaren flüchten nach der Schweiz. 2——— Litterarisches. „Wissen ist Macht— Macht ist Wissen.“ Die unter diesem Titel den älteren Genossen bekannte Festrede des alten Liebknecht ist in unserm Partei⸗ verlage, Buchhandlung Vorwärts, Berlin, in neuer Auf⸗ lage erschienen. Liebknecht hielt diese Rede am 5. Febr. 1872. Die Broschüre ist jetzt mit einem neuen Vorwort versehen, indem es heißt: „Diese, nun 32 Jahre alte Festrede lebt noch in voller Jugendkraft, und so mag sich der Soldat der Revolution durch sie abermals zu einer neuen Agitations⸗ tour in das Reich des Proletariats anschicken. Viele Tausende haben an dieser Schrift den Sozialismus lesen lernen, auch dem neuen heranwachsend en Geschlecht wird sie dauernd die Macht des Wissens, und dadurch zugleich das Wissen seiner Macht weisen.“ Die Schrift ist ein trotziger Protest gegen Staat und Gesellschaft durch die Gegenüberstellung der Militär⸗ und der für Bildungszwecke aufgewendeten Mittel. Was der„Alte“ damals sagte, gilt auch heute noch:„Wenn man die heutige Kultur kratzt, kommt die Barbarei zum Vorschein.“ Die Broschüre, die alten und jungen Genossen empfohlen werden kann, kostet 30 Pfg. — e Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt; Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. DD o» ˖—·˙'»‚=—ů 2 Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 19. April: Butter per Pfund Mk. 1,00— 1,10, Hühnereier 1 St. 6—7 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00— 7,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 9—12 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 7,00 10,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,30—1,40 Mk. Hahnen per St. 0,80 1,70 Mk., Enten per St. 1,70 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 70 Pfg. Fleischpreise in Gießen am 12. April: Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 68— 78 Pfg, Kuh⸗ und Rindfleisch 62 bis 68 Pfg., Schweinefleisch 69 bis 72 Pfg., Schweine⸗ fleisch, gesalzen, 76 Pfg., Kalbfleisch 69— 74 Pfg., Hammelfleisch 50—74 Pfg. pr. Pfund. Viehpreise in Frankfurt am 18. April(Amtl. Notier.): pr. 100 Pfd. Schlachtgew. Och sen: a. vollfl. ausgem. bis 6 Jahre Mk. 70— 72, b junge fleischige, nicht ausgem. ältere ausgem. 64—67, c. mäßig gen. junge. gut genährte ältere 59—62, Bullen: a. vollfl. höchst, Schlachtw. 59— 61, b. mäßig gen. jüngere und gut genährte ältere 56—57. Färsen: a. vollfl. ausgem. höchsten Schlachtw. 61— 63, b. vollfl. ausgem. Kühe höchsten Schlachtw. 58—60, 8. ältere ausgem. Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 45—47, d mäßig gen. Kühe und Färsen 42 bis 44. Bezahlt wurde für 1 Pfund Kälber: a. feinste Pfg. 85—88, b. mittlere 77—81,“ geringe Saugkälber 64—66, d. ältere gering gen. Kälber (Fresser) 00 00. Schafe, Mastlämmer und jüngere Masthämmel, 68— 70, b. ältere Masthämmel 58— 62. Schweine: a. vollfl. der feineren Rassen 53—00, b. fleischige 5152, C. gering entwickelte, sowie Eber 44— 46 Pfg. —— N * Seite. 8 Mitteidentsche Sountaas⸗Zeitung. No. 17. S löse J. Schmücker Hachfolger, Giessen Herren- und Knaben-Confektion Riesige Auswahl, nur gediegene Oualitäten, anerkannt billige aber feste Preise. Herren-Amüge 5 von Mark 15,— an Knaben-Amüge f von Mark 2,— an Herren-Joppen*** 55 55 9 55 Rnaben-glousen*** 55 5 0,75 57 Herren-Hosen 5 2 1 0 2 Knaben-Hosen 8 5„ih,% 150% grösste Auswahl aller Arten Arbeitskleider in nur haltbarsten Stoffen. Wasch-Anzüge, Blousen, Hosen etc., staunend billig. ——————.—— MARBURG Frankfurter Schuhlager Samstag, 28. April abends 9 Ahr I M. Reiss eff. 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