——————= 1 0 Nr. 43.* Gießen, den 23. Oktober 1904. 11. Jahrgang Redaktion: 2 Wedakttousschluz: Girchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Domunerstag Kachun 4 Uh 1 r— Sonnt Igs⸗Jeitun Abounements preis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 1 Juserate Die ögespalt. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33/0/ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bremer Erbschaften. (EKritische Streiflichter.) g Der Bremenser Parteitag trug den sichtbarsten Stempel der Vorsicht, ja, einer gewissen Aengst⸗ lichkeit. Allen neuen Problemen, die sich dem politischen Leben der deutschen Sozialdemokratie stellen, hat er beide Hände zur Abwehr ent⸗ gegengehalten, als fürchtete er ihnen klar ins Auge zu schauen. Seine Parole lautete: auf⸗ schieben! So ward denn kaum für eine der auf ihm angeregten Fragen eine auch nur halb⸗ wegs endgültige Lösung gefunden. Daß der Fall Schippel nicht beendet, sondern nur ver⸗ längert wurde, soll ihm in Anbetracht der Kompliziertheit der in Frage kommenden Um⸗ stände nicht einmal angerechnet werden. Die vorgeschlagene Lösung zur Frage der Jugend⸗ agitation aber verwarf er mit parlamentaristisch⸗ opportunistischen Motiven(wie sollen wir dem Minister, von dem wir doch verlangen, daß unsere Söhne im Heere gleiche Behandlung mit denen der anderen zu erfahren haben, unter die Angen treten, wenn wir nicht be⸗ ginnen wollten, die Rekruten über ihre wahren Menschen⸗ und Bürger⸗Pflichten aufzuklären?) und mit seltenem Mißverständnis der Sache selbst(man müsse die Einheit des Prinzips wahren und dürfe für die Jugend keine anderen Grundsätze haben, als für die Alten!). Wenn wir aber dem Kriegsminister nur unter der Bedingung unsere Forderungen um gerechte Behandlung unserer Söhne unterbreiten können, daß wir deshalb darauf verzichten, unsere Söhne im Heere zu Sozialdemokraten zu erziehen, dann wäre doch wohl der Schluß richtiger, auf unsere kriegsministeriellen Forderungen, als der, auf die Agitationen unter den jungen Leuten zu ver⸗ zichten! Eine Gründung sozialistischer Jugend⸗ vereine aber bedeutet keine Zweiteilung des Prinzips, sondern eine Zweiteilung nach Alters⸗ klassen zwecks Agitation unter beiden nach den⸗ selben Grundsätzen. Der Parteitag jedoch hat, als er die vorgeschlagene Art der Jugender⸗ ziehung mit fast fanatischem Ingrimm verwarf, nichts an ihre Stelle zu setzen versucht, es sei denn, daß man die ausgesprochene Ansicht, die soztaldemokratischen Eltern erzögen ihre Kinder „von selbst“, für eine solche gelten lassen wolle. Und doch ist eine Organisation der Arbeiler⸗ jugend geradezu eine Lebensfrage für die Partei, nicht wie man annimmt, um einige Monate vor der Einziehung der Rekruten zum Heere die jungen Leute noch schnell mit antimili⸗ tärischen Phrasen zu füttern, die dann unver⸗ daut im Magen herumrumoren und ihnen schwere Beschwerden verursachen könnten, sondern um ihnen jahrelang, etwa vom 16. Jahre ab, jene sozialistische Erziehung zuteil werden zu lassen, die den jungen Menschen erst zur Würde des Kulturmenschen zu erheben vermag. Tiefer und grünblicher noch als es heute bei den Alten der Fall ist, müssen die jungen Leute— die heute durchweg von aller ihrem Alter und ihren Sonderbedürfnissen angepaßten Agitation unbe⸗ rückstchtigt bleiben— in die Grundanschauung des Sozialismus eingeführt, zu zielbewußten, klaren und opferfreudigen Männern erzogen werden. Natürlich müßte die Ueberzeugung von der Kultur⸗ widrigkeit des Militarismus einer der Grund⸗ pfähle dieser Jugenderziehung sein. Das Heer ist ein Grunbpfeiler des Kapitalismus und bewußt sozialistischer Elemente in dasselbe kann es für seinen Zweck als Klassenunterdrückungs⸗ instrument und Entwicklungshindernis untaug⸗ lich gemacht werden, eine Aufgabe, die in Deutsch⸗ land desto dringlicher ist, als hier in den herr⸗ krophise Kreisen die Vorliebe für eine kata⸗ trophische„Lösung“ der sozialen Frage auf dem Wege der Kanone immer mehr an Boden gewinnt. Dieses Ueberwiegen bewußt sozia⸗ listischer Elemente kommt jedoch nicht von selbst. Dazu bedarf es jahrelanger, praktischer, hin⸗ gebungsvoller Arbeit, und zwar nicht nur, wie jetzt, unter den„Reserveleuten“, sondern unter denen, die erst zu den Fahnen gerufen werden sollen, also das stehende Heer ausmachen. Sollte dabei der eine oder der andere wirklich einmal von der Klassenjustiz schwer getroffen werden, was macht es? Eine Kulturbewegung, die mit der Furcht vor Strafe rechnet, hat auf⸗ gehört, eine solche zu sein. Auch heute bringt uns unsere Ueberzeugung jährlich viele hunderte von Jahren Gefängnis ein, un) oft wahrlich um sehr viel geringfügigere Dinge als wie es unsere Arbeit sein würde, die Militärhypnose zu brechen und auf alle Fälle zu verhindern, daß unsere Söhne auf Kommando, Vater und Mutter niederschießen. Und dann bedenke man eines, wenn es unter uns vielleicht auch befremd⸗ lich klingen mag: Im Heere besteht ein großer Fonds von Aufopferungstreue und eiserner Pflichterfüllung. Daß dieser Fonds nicht zu edlen, sondern, wie es uns scheinen will, zu volks⸗ und kulturfeindlichen Zwecken angewandt wird, kommt hier nicht in Betracht. Worauf es ankommt, ist der zweifellos gute Glaube, der, wenn auch mißleitete, gute Wille, dem Vaterland und seinem Wohlergehen treu, und, wenn es sein muß, auf Kosten der eigenen Person zu dienen. An dieser Tatsache dürfen uns auch die Soldatenmißhandlungen nicht trremachen. Neben dem Leutnant Schwere⸗ nöter, dem Hauptmann Streber und dem Sergeant Menschenschinder steht der Haupt⸗ mann— Menschenfreund und der Sergeant — Herzensgüte. Mißverkennen wir es nicht: Nur durch ein Aufgebot noch gefestigterer Ueberzeugung, noch mannhafteren Eintretens für das gesteckte Ziel und noch gewaltigeren Opfersinns, als sie dem Gegner zu Gebote stehen, können Geistesstege errungen werden. Nur um einige schwache Schattierungen besser als der Frage der Jugendorganisation erging es in Bremen einer anderen Frage von erster Parteiwichtigkeit, dem Generalstreik. Gerade in einem Lande wie Deutschland, wo das bestehende Reichstagswahlrecht, dieses einzige Fetzchen von Volksfreiheit, das in ihm vor⸗ handen, jeden Tag bedroht wird und jeden Tag beseitigt werden kann, hat eine proletarische Partet die heilige Pflicht sich beizeiten auf das ernsthafteste aller der Mittel zu besinnen, mit welchem ste einer weiteren Verkümmerung ihrer menschlichen Rechte entgegentreten kann. Und es ist eine schwere Unterlassungssünde, daß der Bremenser Parteitag die Frage des General- streiks als politischen Massenstreik so gut wie unerörtert gelassen hat. Allerdings war die überaus große Mehrzahl des Parteitags der Anwendung dieser Waffe im Klassenkampf so ungünstig wie nur möglich gestimmt, ohne daß man freilich den Eindruck gewianen könnte, daß nur durch das Eindringen und Ueberwiegen ste sich auch nur einigermaßen eingehend mit dieser Frage beschäftigt hätte. Besonders kraß trat die e Gegnerschaft zum Gene⸗ ralstreik bei Gelegenheit der Glückwunschreso⸗ lution zutage, welche ich mit dem Genossen Kautzky zur Bekräftigung internationaler Soli⸗ darität an die Adresse der italienischen Genossen ob ihres soeben siegreich durchgefochtenen Massen⸗ streikes gesandt haben wollte. Obgleich dieser durch den Generalstreik errungene Sieg eine historische Tatsache und als solche weder abzuleugnen noch auszulöschen ist, wurde die Resolutioa dennoch von verschiedenen Seiten beanstandet, sodaß wir aus Liebe zum Frieden gezwungen waren, die Worte politischer Massenstreik aus der Reso⸗ luttion wieder herauszustreichen. Es ist wirklich beinahe so, als ob es in unseren Reihen als ein parteiwidriges Vergehen angesehen würde, wenn anderswo ein Generalstreik einmal glücklich ausläuft. Als ob proletarische Siege nur mit konzessionierten Mitteln durchgefochten werden dürften!! Die Gegner unserer Resolution in ihrer alten Form meinten, dieselbe liefe auf die Entfesselung einer Debatte über den General⸗ streik heraus. Diese Entschuldigung ihrer Gegner⸗ schaft kommt aber eben der Ansicht gleich, daß man zu stegreichen Generalstreiks fremder Ge⸗ nossen erst dann debattelos gratulieren dürfe, wenn der Generalstreik unter uns seine par⸗ teiofftzielle Anerkennung gefunden habe. Man hat ja auch behaupten wollen, eine Beratung des Generalstreiks sei schon aus dem Grunde unnötig, weil im Falle der Gefahr die leitenden Stellen unserer Partei schon wissen würden, was zu tun sei. Das klingt ungeheuer stolz und macht auf Leute, die an dem Klang der Worte haften bleiben, großen Eindruck, ver⸗ rät aber nichtsdestoweniger eine Art von reli⸗ giösem Gottvertrauen, welches eine Partei moderner Wissenschaft nicht sich zu eigen machen darf. Nicht durch ein im gegebenen Moment angeblich schon von selbst— auf göttliche Eingebung etwa?— kommendes Entscheidungs⸗ vermögen, sondern um durch eine zwar im Moment angewandte, aber nur durch ein vor⸗ hergegangenes lang s und gründliches Studium des Problems gewonnene Klarheit kann eine Erkenntnis reifen. Daher ist es unumgänglich notwendig, daß über ein so tief eingreifendes und von auswärtigen Genossen bereits in so wirksamer Weise zur Ausführung gebrachtes Mittel, wie es der Generalstreik ist, die Mei⸗ nungen bei Zeiten sich klären. Eine Klärung aber kann nur durch gründliche Diskussion und vorhergegangene alle Seiten ernsthaft erwägende Beschäftigung mit ber Frage erreicht werden. Nicht das soll durch Kongreßbeschluß festgelegt werden, daß der Generalstreik im Falle der Abänderung des Wahlrechts als Normalwaffe anzuwenden sei, sondern die Frage soll, und zwar m. E. in bejahendem Sinne, zu lösen sein, ob, was heute noch vielfach bestritten wird, der Generalstreik überhaupt in die Waffenkammer des politisch organisierten Proletariats hinein⸗ gehöre. Das wichtigste ist, zumal für ein so schwerfälliges Volk, wie wir Deutschen es nun einmal sind, die Befreundung mit dem Gedanken. Das Ausweichen vor wichtigen Problemen in Bremen, und wir haben deren hier nur einige nennen können, war die Folge des Parteitags von Dresden, die Vernichtung des Dresdener Eindrucks der erste Bremer Daseinszweck. Man 2 1 „ Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 43. mag nun uber die Notwendigkeit dieses heißen Bemühens verschieden denken, das Eine aber muß zugegeben werden: die Tagungen in Bremen haben den Geist der brüderlichen Versöhnlichkeit unter sich gehabt. Sollte derselbe auch bei den unausbleiblichen Aufeinanderprallen der Meinungen bei den künftigen Verhandlungen über die in Bremen geflissentlich ignorierten Probleme standhalten, so hat Bremen allerdings in der Geschichte unserer Kongresse einen nicht geringen Rang zu beanspruchen, wenn der Preis, den es zur Erzielung dieser Wirkung zahlte, auch auf alle Fälle etwas sehr hoch war. Vorderhand aber läßt sich nur sagen: Bremen hat uns eine reiche Erbschaft hinterlassen. Unsere Aufgabe sei es, sie zu klären und zu sichten. Dr. Rob. Michels. * Wir haben dem Artikel unseres Genossen Michels gerne Aufnahme gewährt, doch müssen wir erklären, daß wir keineswegs mit allen Aus⸗ führungen desselben einverstanden sind. Eine spezielle Jugendorganisa tion halten wir durchaus nicht für eine Lebensfrage der Partei, sind vielmehr der Meinung, daß mit der Aus⸗ breitung unserer Agitation im allgemeinen auch die Kreise der Jugend mit einbezogen werden. Auch bezüglich der antimilitaristischen Agttation stimmen wir vielmehr den Ansichten, welche auf dem Parteitage von Vollmar, Schöpflin, R. Fischer und anderen geäußert wurden, zu. Gegen den Kapitalismus, den Grundpfeiler des Militarismus, muß unser Kampfruf lauten! Und es ist noch lange kein Rechnen mit der Furcht vor Strafe, wenn wir bei unserem Kampfe Opfer möglichst zu verhüten suchen. Die Redaktion. EEE Albert Schmidt. Wieder ist uns ein Kämpfer gefallen, den wir seit zwei Jahrzehnten in dem Vordertreffen stehen zu sehen gewohnt waren. Aus Biele⸗ feld kam am Montag die erschütternde Kunde, daß Genosse Albert Schmidt, Reichstogs⸗ abgeordneter für Calbe-⸗Aschersleben, selbst den Tod gesucht und gefunden habe. Samstag Mittag hat er sich von Bielefeld, wo er seit März dieses Jahres als Geschäfts⸗ führer des dortigen Parteiorgans tätig war, entfernt und auf offener Strecke zwischen Brack⸗ wede und Isselhorst sich unter den Köln-Ber⸗ liner Schnellzug geworfen. Erst am Samstag Abend kam die Nachricht von der bedauerlichen Tat nach Bielefeld. Er hat sie im Zustande geistiger Umnachtung begangen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese dreijährige Ge⸗ fängnisstrafe, die er erlitten hat, seinen Geist zerrüttete. Schon lange machten aufmerksame Beobachter diesbezügliche Wahrnehmungen und sagten sich, daß dieses Leben schwerlich ohne eine Katastrophe enden würde, die nun einge⸗ treten ist. Albert Schmidt wurde am 2. März 1858 in Magdebung geboren. Von Beruf Schrift- setzer, kapitulterte er beim Militär, gab aber diese Laufbahn auf und kehrte zu seinem Ar⸗ beiterberuf zurück. Hier organisterte er sich 1883 im Verbande deutscher Buchdrucker und ein Jahr später trat er in die Reihen der Partei mit dem Erfolg, daß er schon 1886 in die Redaktion des Leipziger Parteiblattes gewählt wurde. Nach Unterdrückung des„Volksblattes“ übernahm er die Redaktion des„Beobachters“ so lange, bis die Glocke des Sozialistengesetzes auch ihm schlug und er aus Leipzig ausge⸗ wiesen wurde. Nun begann das ruhelose Wandern von Ort zu Ort in Sachsen. Wo immer er sich niederließ, um Arbeit zu suchen, tauchte die Polizei auf und wies den Umstürzler hinaus. Schließlich fand er in einem freisinnigen Blatte in Wurzen Stellung als Druckereileiter unter der Prinzipalschaft unseres Genossen Thiele⸗ Halle, des damaligen Verlegers. Die Poltzeihetze vermochte Albert Schmidt nicht daran zu hindern, für die Partei in ge⸗ heimer Organisations- und Agitationsarbeit zu tun, was in seinen Kräften stand. Die Ge⸗ nossen des 15. sächstschen Wahlkreises Mitweida⸗ Limbach erkoren den unermüdlichen Kämpfer daher zu ihrem Kandidaten und bei der Februar⸗ abrechnung des Jahres 1890 gelang es ihm, mit wenigen Stimmen Mehrheit in der Stich⸗ wahl den Sieg für die Partei zu erstreiten. Um diese Zeit übernahm Schmidt die Redaktion des Parteiblattes in Burgstädt in Sachsen, die er bis Jahre 1894 führte, um dann in seiner Vaterstadt Magdeburg die Redaktion der dortigen„Volksstimme“ zu über⸗ nehmen, in welcher Stellung er bis 1899 ver⸗ blieb. Bei dieser Tatigkeit zog er sich den Prozeß wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu, in dem er zu drei Jahren Gefängnis ver⸗ urteilt wurde. Den Wahlkreis Mitweida behauptete er bei der 93er Wahl für die Partei; 98 gab er ihn ab und nahm die Kandidatur für Calbe⸗Aschers⸗ leben an, er eroberte den Kreis und behauptete ihn auch bei der 98er Wahl. Das Urteil aber, das ihn für 3 Jahre hinter die Gefängnis⸗ mauern schickte, erkannte ihm auch das Reichs⸗ tagsmandat ab und bei der Nachwahl fiel der Kreis an den Nattonalliberalen Placke. 1903 stegte aber unser inzwischen wieder in die„Frei⸗ heit“ zurückgekehrte Genosse wiederum mit 20261 Stimmen im ersten Wahlgange; die Gegner erhielten zusammen 18 986. Es wird also unsererseits aller Anstrengungen bedürfen, das Mandat zu behaupten. Albert Schmidt hinterläßt eine Witwe und vier Kinder im Alter von 22, 18, 12 und 10 Jahren. Er hinterläßt eine Partei, die ihm nicht vergißt, was er in gesunden, und die auch dessen gedenket, was er in kranken Tagen noch für ste geleistet hat. Politische Nundschau. Gießen, den 20. Oktober 1904. Ein agrarisches Geständnis. Die Sperrung der Grenzen gegen die ausländische Vieheinfuhr wird von der preußischen Regierung und den Agrariern stets als eine sanitäre Notwendigkeit hingestellt. Tatsächlich bedeuten die Grenzsperren jedoch ein Eingehen auf die unersättlichen Wünsche der Agrarier. Daß dem so ist, hat dieser Tage ein Häuptling der Agrarier, der antisemitisch⸗ agrarische Reichstagsabgeordnete Graf v. Re⸗ ventlow, Provinzialvorsitzender des Bundes der Landwirte in Schleswig-Holstein, in einer Bündlerversammlung in Hadersleben mit er⸗ frischender Deutlichkelt ausgesprochen. Wie die „Leipz. Volkszeitung“ festnagelt, sagte das Gräflein: „Die noch leidliche Lage der Landwirt⸗ schaft in Schleswig⸗Holstein beruht auf dem Ertrage der Viehzucht. Aber nicht die Vieh⸗ zölle, die allein eine Ueberschwemmung vom Auslande her nicht verhindern können, haben das bewirkt. Vielmehr ist ein Preissturz durch veterinär⸗ und sanitätspoltzeiliche Grenz⸗ maßregeln verhindert worden. Wird das auch in Zukunft möglich sein? Die zukünf⸗ tigen Zollsätze, die auch noch vertragsmäßig heruntergesetzt werden können, genügen nicht. Ein erträglicher Preisstand ist also nur dann zu erwarten, falls obige Matzregeln einigermaßen gegen die ausländische Zufuhr schützen. Der Zoll muß so hoch, die Veterinär⸗ maßregeln müssen so streng sein, daß außer hochedlem Zuchtmaterial möglichst kein ein⸗ ziges Stück Vieh über die Grenze kommt.“ Das Entgegenkommen der Regierung den Agrariern gegenüber hat bewirkt, daß deren Forderungen immer unverschämter werden. Ihre Führer geben jetzt selbst schon zu, daß die bisher für die Grenzsperren angeführte Gründe Schwindel gewesen sind. Ein sauberer Konsumvereins⸗Vernichter. Herr Professor Suchsland in Halle macht sagen. sich seit langem schon die Bekaupfung der Ar beitergenossenschaften und Konsumvereine zu. Aufgabe. Mit was für Mitteln er diese Art Mittelstandsrettung betreibt, dafür legte er in einer vertraulichen Besprechung Zeugnis ab, die er in Halle mit Vertretern der Rabatt- sparvereine hatte. In der geheimen Be⸗ sprechung erklärte er,„daß er diese„vertrau⸗ liche Besprechung“ einberufen habe, um münd⸗ lich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit das zu sagen, was man durch das geschriebene Wort und im Lichte der Oeffentlichkeit nicht wohl ausdrücken lönne. Wenn man in schriftlicher r u N gar zu deutlich werde, so würde das von den Gegnern ausgeschlachtet. Er bitte daher auch darum, daß über die heu⸗ tigen Verhandlungen strengste Diskretion bewahrt werde und daß nicht etwa Mitteilungen über die geheime Versammlung und deren Er⸗ gebnisse in die Zeitungen kämen.“ Aber dieser Wunsch des Herrn Suchsland wurde nicht er⸗ füllt. Der„Konsumgenossenschaftlichen Rund⸗ schau“ wurde acht Tage nach der„Verschwörungs⸗ Versammlung“ ein förmliches Protokoll über die Ausführungen Suchslands zur Verfuͤgung ge⸗ stellt, so daß der Professor sich damit abfinden muß, daß die Zeitungen seine Herzensgeheim⸗ nisse„ausschlachten“. Es waren in der Versammlung etwa 60 Vertreter anwesend, denen Suchsland zunächst mit den bekannten Reden von dem Ruin des Kaufmannsstandes durch die Konsumvereine graulich machte. Dann kam er auf die Mittel zur Bekämpfung der Konsumvereine zu reden und empfahl da folgendes: „Die Bekämpfung der Konsumvereine müsse von einer andern Seite angepackt werden. Es müsse zu⸗ nächst dem großen Publikum der Glaube beigebracht werden, daß die Vorgesetzten der Konsumvereine das in sie gesetzte Vertrauen mißbrauchen und in der schlimmsten Weise die Mitglieder bemogeln. Oeffent⸗ lich dürfe man so etwas allerdings nicht Wie gesagt, beweisen könne man es ja nicht, aber Tatsache sei es, daß von allen Vorstands⸗ mitgliedern gemogelt werde, und nicht nur von den Vorstandsmitgliedern, sondern auch von den Lager- gelte rn. Einen Beweis für seine elenden Verleum⸗ dungen konnte der biedere Mittelstandsretter natürlich nicht erbringen. Vielmehr fügte er diesen Lügen noch die weitere hinzu: „Man könne es zwar nicht beweisen, aber man dürfe auch ohne Beweis an⸗ nehmen, daß die Konsumvereine die Quellen seien, aus denen das Geld für die Partei⸗ kasse fließe. Hunderttausende von Mark würden jährlich von den Konsumvereinen direkt und indirekt der sozialdemokratischen Partei⸗ kasse zugewendet. Das sei es, was man den Regierungen sagen müsse, und dann seien diese auch bereit, gegen die Konsumvereine energisch Front zu machen.“ N n Man muß sich wirklich über die Kühnheit wundern, mit der ein Mensch, der sich auch noch Professor nennt, derartige freche und gemeine Lügen in die Welt setzt. Ueber die Ursachen des Herero⸗Aufstandes veröffentlicht in einer in Kapstadt erscheinenden englischen Zeitung Baron v. Nettelbladt einen Artikel. Darin heißt es nach der Uever⸗ setzung des Berliner Tageblattes: Es sei jetzt klar, daß die Unzufriedenheit der Hereros ihre Wurzel hauptsächlich in der willkürlichen Art hatte, mit welcher die dentscheegter⸗ ung die Bestimmungen des dans at den Hererohäuptlingen miß achten. entagsmäßig sei die deutsche Regierung very e Lespesen, die Hereros gegen Ueberfällen Hontentotten zu schützen, sie in ihren en. and Lewohn⸗ heiten nicht zu stören, unn ot allen Dingen keine Steuern aufen Alle diese Bedingungen s eien ochen worden. Eine Wagen keesteuer sei den Hereros auferlegt n en. gütten⸗ steuer und die Einteilung d Jerero⸗ landes in Distrikte und Ein. servate sei beabsichtigt gewesenn.„„„stand⸗ punkte“, erklärt Baron v. ett“ bortlich, „waren hiernach die Herert echtigt zs rebellieren“. f Der de l fe Nat träg bere der Gral ste d schen ferte Nr. 42. Was da gesagt wird, ist ja nichts neues. Wiederholt wurde von zubverlässigen Leuten, die als Kenner der Verhältnisse in Südwest⸗ afrika gelten, festgestellt, daß die Mißhandlungen und die Uebervorteilungen der Eingeborenen durch die Europäer erstere zur Empörung ge⸗ bracht haben. Für die Habgier einer Anzahl Ausbeuter muß nun das deulsche Volk bluten. Der run, Artikel schließt mit der Bemerkung, die Grausan keiten, die die Hereros beim Aus⸗ bruch ihrer Rebellion begangen hätten, stellte ste außerhalb der Sympathie der zivilisterten Nationen. Verbient eine Regierung, die Ver⸗ träge mißachtet und fremde Volksstämme in berechtigte Rebellion treibt, die„Sympathie der zivilisterten Nationen“? Was übrigens die Grausamkeiten der Hereros betrifft, so haben ste doch, soviel bekannt ist, sich nicht jene ab⸗ scheulichen Schändungen wehrloser Frauen zu schulden kommen lassen, die von sehr„zibili⸗ sterten Nattonen“ in Afrika, in China, kurz, wo die kapitalistische Raubpolitik nach„Sonnen⸗ plätzen“ sucht, massenhaft begangen worden sind. Neuer König im roten Königreich. Am Samstag ist König Georg von Sachsen, 72 Jahre alt, in Pillnitz bei Bresden gestorben. Er folgte seinem vor 2 Jahren perstorbenen Bruder Albert auf dem Throne, hat also nur eine kurze Regierungszeit hinter sich. Von derselben läßt sich nichts Günstiges sagen. Sie blieb sächsisch wie vorher, was bei den Arbeitern soviel wie arbeiterfeindlich bedeutet. Das zeigte sich auch bei den beiden wichtigsten soztalen Kämpfen, die in die Re⸗ Ende Georgs fielen: der Weberstreik rimmitschau und der Leipziger Aerztelz in beiden Fällen nahm die Regierung 7 Georgs offen gegen die Arbeiter Stelly Jahre 1896, als das Landtagswaß räubert und die Dreiklassenwah wurde, sollte es besonders Prinz sein, der den Widerstand des da Albert gegen den Wahlrechts hat. Bet den Reichstagswah sächsische Volk die Quittun, Wahlkreise fielen mit ei der Sozialdemokratie z ziger Jahre machte Py durch den Geheimer mißhandlungen, den lichte.— Nunmeh Georg's, Friedrich Throne genomme infolge der„Eh prinzessin Loui irgendwelcher Wechsel nich — meint rich Vorgänger gierung reg einer mäch alled em ei Volk di hat nach das Krie) Es verurt Titsch u während Nitz vom tätlich ang Zuchthau Einzel Soldaten In der O früher et schwere heuerliche fertigen haus! vernichte haupt v teil die gesetzte hängt z handlyz U⸗ einer 4 11 1% Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. oder Arrest, in manchen Fällen sogar„Stuben⸗ arrest“— wegen Mißhandlung verhängt worden. Das macht im Durchschnitt 3¼ Monate für einen Soldatenschinder. Unter anderem sind folgende Urteile zu verzeichnen: Am 6. Juli: Ein Unterofsizier in Frank⸗ furt a. M. 206 Fälle— 8 Monate Ge⸗ fängnis; 10. Juli: Ein Unteroffizier in Berlin 40 Fälle— 3 Wochen gelinden Arrest: 24. Juli: Ein Leutnant und ein Unterofsizier in Pillau, vie einen Untergebenen durch un⸗ menschliche Mißhandlungen zur ahnenflucht getrieben haben— 4 Wochen tubenarrest resp. en, Arrest. 17. August: Zwei Unterofftziere vom 28. Infanterieregiment 339 Fälle, wodurch u. a. ein Mann zum Selbstmord getrieben wurde bi une 1 Fah Gefängnis. 21. August: Zwei Unteroffiziere in Trier, mehrere hundert Fälle— 1 Jahr un Monate Gefängnis. Und solche eine lange Reihe angeführt we Die drei Musketiere einer einzigen Tate haus! 19½ Jah einzigen Unteroffz e für 29 as militäris Staatsbürge „gleich 9g Gesetz gleich — pa der R bedeuten die mi eriz vortgen Woche zwisg stattgefunden haben der vor wenigen? Weise seinen V digte, ist vollstä muß sich glück! sprengtes Hee bewahrt un führen kann, Dienstag 3 Mukbe südlich Russi Eine en Sonntag ebenfalls die tzer statt, die natürlich ege der freien, zentra⸗ deten. Von den ins⸗ Stimmen fielen auf iner Gewerkschafts⸗ ) 7464, diejenigen nd auf die Christ⸗ den Adler⸗ yer) in Frank- ung der Ver⸗ weshalb Zu⸗ den muß.— Aufrufe an ändigung schusses rger⸗ gen Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. ken oder einstellen?“— Nach Schluß der Ver⸗ sammlung ist ein gemeinsamer Gang durch die Stadt und Besichtigung des Volksbades vor⸗ gesehen. — Die christlichen Gewerkschaften machen auch in Gießen ziemliche Anstrengungen, Boden zu ge⸗ winnen. So war auf vorigen Donnerstag eine Ver⸗ sammlung vom crristlichen Metallarbeiterverband in das Lokal von Sauer am Oswaldsgarten einberufen, zu der ganze 11 Mann erschienen waren. Was da verhandelt wurde, zeigt, was diese guten Leute für ihre Aufgabe halten. Anstatt die Arbeiter für den Organi⸗ sationsgedanken zu gewinnen und ihnen die Notwendig⸗ keit des festen Zusammenschlusses aller Arbeiter klar⸗ zumachen, wird immer gegen die freien Gewerkschaften gehetzt. So behauptete ein kleiner Gernegroß, der jeden⸗ falls noch keinen gewerkschaftlichen Kampf mitgemacht hat, daß der Erimmitschauer Streik nicht verloren ge; gangen wäre, wenn die Christlichen ihn geleitet hätten! Nun, wo bisher immer die Christlichen allein in Aktion treten sind, haben sie schlecht abgeschnitten. Wenn der Sauer weiter meinte, in Hamburg wären sierte, die für die Christlichen ge⸗ b. so glauben wir, daß die Ham⸗ die Christlichen warten! eiterversammlung, E“ stattfand und gut rankfurt über ge⸗ ellte die Produk⸗ eich mit den sch betrieben verfügen. erschärfe n und gen Nr. 42 nachmittags T lihr in 6, Jerich. Die V. sammlung in Heuche Zokal zum Schwanen, die in Wieseck bei Karl relleng tatt, Aus dem Neisse. eberg⸗Büdingen. — Aus Held wird der Frkftr. Volks⸗ stimme geschrieben: O. Irückenbau der neuen Bahnstrecke Windecken sind Unglücksfälle an der Tagesordnung. Augenblicklich ist man mit dem Ein⸗ rammen der Spundwände für die Brückenpfeiler be⸗ schäftigt. Die Rammer, die benutzt werden, sind schon oftmals gebraucht und infolgedessen alt und morsch. Am Dienstag Mittag stürzte eine Ramme um. Zum Glück wurde sie noch in halber Höhe durch ein neben⸗ stehendes Gerüst aufgehalten. Donnerstag Nachmittag um 5 Uhr stürzte eine zweite Ramme ein. Mit knapper Not konnten die Arbeiter noch beiseite springen, sonst wären sie unter den Trümmern begraben worden. Es wäre sehr wünschenswert, wenn vom Bahnamte oder der Baupolizei eine strengere Kontrolle geübt würde. Oder soll erst ein größeres Unglück passieren?: Aus dem Nreise Alssesd-Cauterbach. m. Dienstbotenlos auf dem Lande. Vor dem Alsfelder Schöffengericht hatten sich am Montag der Oekonom Konrad Oest e⸗ reich aus Alsfeld, sein Vater Joh. Oestereich, sowie sein Sohn Heinrich und die Tochter Elise wegen Mißhandlung des Dienstmädchens Marg. Geisel zu verantworten. Letztere stand im Dienst bei K. Oestereich und hatte, wie sie unter Eid aussagte, mit dem Sohne ihres Dienstherr in intimem Verkehr gestanden. Als das Mädchen sich in gesegneten Umständen befand und davon Mitteilung machte, wurde ihr der Dank vom ause Oestereich dadurch zu teil, daß alle drei mnerationen über sie hersielen und ste so miß⸗ lten, daß ste nicht unerhebliche Verletzungen rug. Ein Zeuge bekundete außerdem, dereich versucht habe, ihn zu einer genaussage zu veranlassen. Der bezeichnete die Handlungsweise der Roheit und niederträchtige Feig⸗ erhält der brave Dienstherrn Geldstrafe, sein Vater nur essen wohlerzogene Enkel Verweis davonkommen. haben sich endlich auch einem sozialdemokra⸗ mmengetan. Hoffent⸗ die Notwendigkeit und sorgen dafür, u einer achtung⸗ zur Aufklärung sich zu einem erdrückten und desitzlosen ent⸗ unde Arbeiter nimmt Fr. ch entgegen. onnersta u Ausfa kein Be⸗ saren die Hübner cgestellt, efundenen dem Re⸗ mpfohlen nahmen in Frank⸗ h. Sie daß die stouleur d neh⸗ absolut h Herr leicht nicht, er'schen eistung kom⸗ von 15 un af 5 — r. S Cc 0 ». 43. Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. 8 Verhalten derselben bei der letzten Wahl agewiesen, wo sie sich von den Antisemiten ätten ins Bockshorn jagen lassen. Mit dem in Anspruch nehmen“ des Kreises Wetzlar werden sich also die Herren Burckhardt und Behrens noch etwas Zeit lassen müssen, trotz⸗ dem letzterer alle paar Wochen im Kreise herum⸗ krebst. Unsere Genossen dürfen aber auch nicht müßig sein, sondern jeder einzelne muß rührig und tüchtig arbeiten, damit wir die uns in diesem Kreise entgegenstehenden Schwierigkeiten überwinden. * Die„Lesevereinigung“ hat vor Kurzem ihren diesjährigen Vortragszyklus mit einem Vortrage des Herrn Professor Sievers⸗ Gießen über den Kriegsschauplatz in Ostasten, eröffnet. Vor zahlreichem Publikum schilderte der Vortragende eingehend die Bodenbeschaffen⸗ heit, Klima, Bevölkerung ꝛc. der Mandschurei. — Zum nächsten Vortragsabend, Donnerstag, 27. Oktober, wird der Rezitator Walkotte Gerhard Hauptmanns„Hannele“ zum Vortrag bringen, den sich anzuhören wir unsern Lesern sehr empfehlen.— Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Leitung der Lesevereinigung sich nie veranlaßt fühlt, uns von den geplanten Veranstaltungen irgend eine Mitteilung zu machen, obwohl in der Wetzlarer Arbeiterschaft dem Verein jedenfalls größeres Interesse ent⸗ gegengebracht wird, als in andern Kreisen. h. Ein neuer Bürgermeister ist laut amt⸗ licher Bekanntmachung für die Landbürgermeistereien Atzbach— Launsbach(Amtssitz Krofdorf) in der Person des Kreissekretärs Eymael aus Solingen bestellt worden. Herr Lichtenthäler scheint demnach endgültig von seinem Amte enthoben zu sein, obwohl das s. Zt. gegen ihn eingeleitete Verfahren wieder eingestellt wurde. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Mit der Errichtung eines städti⸗ schen Elektrizitäts⸗Werkes beschäftigte sich die am Dienstag stattgefundene Stadtverordneten⸗Sitzung. Man beschloß den Ankauf der Fendtschen sogenannten Herrenmühle nebst dem dazu gehörigen Gelände um den Preis von 150000 Mk. Die Universtät beab⸗ sichtigt aber ebenfalls die Errichtung eines eigenen Elektrizitätswerkes und hält, wie es scheint, an diesem Plane fest, denn bei der Rektor⸗Einführung am Sonn⸗ tag brachte der derzeitige Rektor zur Sprache, daß die Juftitute durch ein von der Universität zu errichtendes Elektrizitätswerk bereits im künftigen Jahre beleuchtet werden würden. Dies fand eingehende Erörterung bei den Stadtverordneten, die beschlossen, sofort die Vor⸗ arbeiten zum städtischen Elektrizitätswerk zu beginnen und die Universität hiervon in Kenntnis zu setzen. r. Die Parteiversammlung am vorigen Sams⸗ tag war ziemlich gut besucht. Genosse Vetters⸗Gießen erstattete zunächst in einer 17¼ stündigen Rede Bericht vom Parteitag in Bremen. Die Versammlung erklärte sich mit den Beschlüssen des Parteitags einverstanden. Nachdem der Vertrauensmann die Abrechnung verlesen hatte, erfolgte die Neuwahl des Vertrauensmannes und wurde als solcher Genosse Härtling fast einstimmig wiedergewählt.— Im weiteren wurden von einigen Rednern verschiedene kommunalpolitische Angelegenheiten erörtert. r. Der Wahlverein hält nächsten Samstag, den 29. Oktober, seine Generalversammlung ab. Die Mit⸗ glieder wollen dazu zahlreich erscheinen, denn es sind bedeut⸗ same Angelegenheiten zu erledigen. Gäste sind ebenfalls willkommen. Zugleich wird ersucht, etwaige rückständige Beitrage baldigst zu begleichen. Durch den Wechsel in der Kolportage sind einige unltebsame Verzögerungen und Irr⸗ tümer vorgekommen, was die Leser entschuldigen wollen; für Abhilfe ist Sorge getragen. r. Die Konservativen hielten am Sonntag in Marburg eine Heerschau ab. Das 25. Stiftungsfest des Konservativen Vereins in Marburg sollte gefeiert werden. Zu dieser Feier waren die Größen und Staats⸗ stützen von der konservativen Couleur erschlenen, die von der Reichstagswahl her unsere guten Bekannten sind. Man unterhielt sich über Agitation und Organtsation. Die „Roten“ wurden in der üblichen Weise vernichtet, nur inbe⸗ zug auf Opferwilligleit und Disziplin führte man sie als Muster vor. Den Schluß bildete ein Festessen, das war wohl das Beste und die Hauptsache bei der ganzen Geschichte. Zentrums wirtschaft. Das Schwurgericht in Aachen hat den Rendanten der dortigen städtischen Armen⸗ verwaltung, Krueckel, wegen Unterschlagung von 70000 Mk. amtlicher Gelder zu 15 Monaten Gefängnis und fünfjähriger Unfähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes verurteilt. Als strafmildernd kam in Betracht die außer⸗ ordentlich schlechte Kontrolle, wie man ste in einer Grosstadt, wie Aachen, niemals für möglich gehalten haben würde. In Aachen hat das fromme Zentrum seit Menschengedenken das Heft in der Hand. Zweierlei Recht. In Düssel dorf war ein Arbeiter von einem Handwerksmeister schwer mißhandelt worden. Die Mißhandlung geschah im Juni d. J. und war eine derartige, daß der Verletzte sich noch jetzt in ärztlicher Behandlung befindet und arbeitsunfähig ist. Auf die erfolgte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf wurde ihm der Bescheid, daß kein öffentliches Interesse vorliege und er auf den Weg der Privatklage verwiesen werden müsse. Sobald die„Streikbrecherehre“ repariert werden muß, pflegt ein öffentliches Interesse vorzuliegen, ist aber ein organisierter Arbeiter halb tot ge⸗ prügelt worden, wird er auf den Weg der Privatklage verwiesen. Das ist das„gleiche Recht für alle“. Ein Denkmal für Georg Herwegh wurde am Sonntag in Liestal, einem kleinen Städtchen in der Nähe Basels eingeweiht. Die zirka 3500 Mk. betragenden Kosten für dasselbe wurden fast ausschließlich von Arbeitern auf⸗ gebracht.(Das Gießener Gewerkschaftskartell hat s. Zt. ebenfalls einen Beitrag dazu be⸗ willigt.) Das Denkmal besteht aus drei Gra⸗ nitblocks. Auf dem mittleren Hauptblock erhebt sich in Marmor die Büste Herweghs, umgeben von einem Kranz, unter welchem folgende In⸗ schrift angebracht ist: Georg Herwegh 18171875 Auf beiden Seiten sind Marmortafeln an⸗ gebracht. Auf der linken Seite ist zu lesen: Zum Volke standst du, ohne Wanken, Am Throne gingst du stolz vorbei, Laß dir es noch im Tode danken, O freies Herz, nun bist du frei. Zu den Gestirnen wirst du schweben, Dein Sängorname lischt nicht aus; Und der Lebendige wird leben, Weit über Tod und Grab hinaus! rechts: Dem Freiheitssaͤnger und ⸗Kämpfer In Dankbarkeit gewidmet Von Männern der Arbeit, Freunden der Freiheit! Die Festrede hielt unser Genosse Seidel⸗ Zürich. Er schloß dieselbe mit den Worten: „Herwegh bleibt uns ein Vorbild in der Treue zur Freiheit und zu den Idealen und in seinem Sinne leben wir, wenn wir für soziale Freiheit kämpfen. Auch der hat sich der Poeste ge⸗ weiht, der alles Volk aus Not befreit.— Es sprachen weiter Prof. Fleury aus Clermont⸗ Ferrant, der Zentralpräsident der Grütlivereine, der Präsident Schmidt vom Baseler Arbeiter⸗ bund, Redakteur Amann⸗Stuttgart für die Württemberger Demokraten, ein Vertreter der italienischen Arbeiter in der Schweiz ꝛc. Musik⸗ vorträge und Männergesang schlossen die er⸗ hebende Feier. Kleine Mitteilungen. * In Friedberg machte am Montag Abend der 19⸗jährige Sohn einer dortigen achtbaren Familie einen Selbstmordversuch auf offener Straße, indem er sich in den Kopf schoß. Der Schwerverletzte mußte sofort in das Krankenhaus gebracht werden. Was den jungen Menschen zu der Tat veranlaßte, ist nicht bekannt. . Wegen Blutschande, begangen an seiner 16 jährigen Tachter, wurde der Taglöhner Werth in Vilbel verhaftet. * Bergarbeiterlos. Der Bergmann Ernst Strauß aus Burgsolms wurde am Dienstag in einer Grube zwischen Braunfels und Tiefenbach durch herabfallendes Gestein erschlagen. Erst vor kurzer Zeit erlitt der Sohn des Verunglückten auf einer Grube im Elsaß ebenfalls durch ein ähnliches Borkommnis den Tod.— Auf der Zeche Dahlhausen Tiefbau wurden am Mittwoch zwei Arbeiter durch schlagende Wetter getötet. * Bei einem Streite in Sinn(Dill) wurde ein Arbeiter durch einen Schuß tötlich verletzt. Man brachte den Verwundeten in die Gießener Klinik, doch wird an seinem Aufkommen gezweifelt. * In Löhnberg kam die Frau ein Arbeiters mit Drillingen nieder. Mutter und Kinder befinden sich wohl. Von einem„freudigen Ereignis“ werden indessen die Eltern wohl kaum reden. * Bei Rehe(Westerwald) wurde von den Arbeitern am Bau der Westerwaldquerbahn eine männliche zum Teil unbekleidete Leiche gefunden. * Der Gerichtsvollzieher Witzel in Frank⸗ furt wurde wegen Unterschlagung verhaftet. Im Augen⸗ blick seiner Festnahme brachte er sich einige unerhebliche Verletzungen bei. Par tei-Uachrichten. Neu erschieneue Partei⸗Literatur. Das Protokoll vom Parteitage in Bremen ist soeben erschienen. Es gibt die Debatten in ausführlicher Weise wieder. Es enthält ferner den Bericht des Parteivor⸗ standes und der Reichstagsfraktion. Als Anhang ist dem Protokoll beigefügt eine ausführliche Wiedergabe der Verhandlungen der dritten Frauenkonferenz, die gleich⸗ falls in Bremen stattfand. Das Protokoll kostet bro⸗ schiert 70 Pfennig. 5 Ferner sind erschienen: Der Arbeiter⸗Notiz⸗ kalender für 1905 mit reichem und interessantem Inhalt. Unter anderem ist ein Aussatz:„Wie man ein guter Redner wird“ zu erwähnen. Weiter enthält der Kalender reiches und notwendiges Adressenmatertal: Ge⸗ werbeinspektoren, Parteivorstand, gewerkschastliche Zentral⸗ vereine, Generalkommission, Landes⸗Zentralen, Inter⸗ nationale Sekretariate und Arbeiter⸗Sekretartate ce. Das zu empfehlende Nachschlagebuch kostet wie bisher 60 Pfg. — Das fünfte Heft der„Arbeiter⸗Gesundheitsbibliothek“ handelt von„Alkoholfrage und Arbeiterklasse“ und hat den Wiener Arzt Dr. Fröhlich zum Ver⸗ fasser. Wie die bisher erschienenen Hefte ist es einzeln käuflich und kostet 20 Pfg.— Ferner ist erschienen: „Führer für den Militärpflichtigen“. Ent⸗ hält in leicht faßlicher Darstellung alles, was für den Militärpflichtigen zu wissen von Nutzen ist.— Alle Schriften find von der Expedition unseres Blattes zu be⸗ ziehen. Neue⸗Weltkalender für 1905 sind dort ebenfalls noch zu haben. Parteigenossen in Altenbuseck, Rödgen, Trohe und Wieseck. Laut Beschluß der Bezirks⸗ konferenz in Trohe veröffentlichen wir folgende Abrech⸗ nung von der Delegation nach Pfungstadt: Einnahmen: Beiträge der Vereine: Wieseck Mk. 10.80, Trohe Mk. 2.—, Rödgen Mk. 1.30, Alten⸗Buseck Mk. 5.10; Summa Mk. 19.20. Ausgaben: An den Delegierten Mk. 20.—, Porto—. 26; Summa Mk. 20.26; bleibt ein Defizit von Mk. 1.06. Der Vorstand des Volksvereins Alten⸗Buseck. Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Sonntag, den 23. Oktober, nachmittags 3½ Uhr, im Lokale„zum Ritter“ in Gießen, Rittergasse 17 Parteiversammlung. Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht des Kreisvertrauensmannes. 2. Berichterstattung vom Partei⸗ tag. 3. Kreisorganisation. 4. Neuwahl des Kreis⸗ vertrauensmannes. 5. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet der Vertrauensmann. Versammlungskalender. Samstag, den 22. Oktober. Gießen. Die Wahl vereins versammlung fällt aus. Montag, den 31. Oktober. Lich. Wahlverein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Albach. Berichterstattung über den Parteitag. ND p ·¶·¶·¶půpůpů—— Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. — . ˙»ͤ. ̃—˙. 8 5 15 . —— —ů— 2 3 —— ——— — — —— —— ͤ——Ü———ä d— 25— ———— .——— Seite 6. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 43. Lob eines sozialdemokratischen Künstlers. Vor kurzem starb in Wien der Arbeiter⸗ dichter und Komponist zahlreicher Arbeiter lieder Josef Scheu. Ueber ihn schreibt r. h. in der Frkftr. Ztg. von dort: Ein Mann wurde in Wien begraben, der selbstlos unter Mühen, von denen man sich nicht leicht einen Begriff machen kann, Tausende für die Kunst erzogen hat: Josef Scheu. Er hat als Mustiker, Lehrer, als Musikkritiker der Arbeiter⸗ zeitung viele, viele Jahre, frei von Vorurteil, allem Kliquenwesen fern, ein seltener Charakter, belehrend, aufklärend, fördernd gewirkt. Ihm ist im Leben außer der Dummheit nie ein Feind erstanden. Als man ihn aber unter ungeheurer Beteiligung der Arbeitergesangvereine und der musikalischen Proletarier Oesterreichs zu Grabe trug, haben die Kreise der sogenannten Intelligenz bewiesen, daß sie die Achtung vor ehrlicher Geistesarbeit nur heucheln. Kein einziger Wiener Schriftstellerverein und, außer dem Wiener Konzertverein, dem seine volks⸗ tümlichen Bestrebungen den rechten Weg wiesen, kein einziger der bürgerlichen Mustkvereine, keine Lehrervereinigung, auch nicht der Wiener Ton⸗ künstlerverein hatte dem Toten die letzte Ehre erwiesen. Von Schriftstellern, die nicht der Partei Josef Scheus angehören, waren nur zwei persönliche Freunde des Verstorbenen gekommen. Der Dirigent des Wiener Konzertvereins war da. Wo blieben aber die geistreichen, witzigen, fixen Kollegen, die Musikreferenten, die Stil⸗ tänzer und Lobdichter? Wo blieben die Jourua⸗ listen, die einmal für die Würde des Standes am Grabe eines schlichten, rechtschaffenen Kri⸗ tikers, den ein streng sachliches, besonnenes, freimütiges Kennerurteil auszeichnete, hätten demonstrieren können? Wo blieben die Künstler alle? Wo blieben die„echten“ Kunstfreunde, die jedes nichtige Jubiläum, jeden Geburtstag der Reklamebedürftigkeit umschnuppern? Weil Josef Scheu anderen politischen Grund⸗ sätzen huldigte, weil er kein Streber war, sich nicht durch die hohe Gesellschaft schlängelte, sich nicht bei„Jours“ herumziehen ließ, hat die vermeintliche Intelligenz kühl und hochmütig über ihn weggesehen. Gewiß, Josef Scheu war kein Weltname, obwohl Hundert⸗ tausende seine Arbeiterlieder singen; man las niemals in den Blättern, die die Welt bedeuten, daß Josef Scheu sich noch Karlsbad begeben habe, von Marienbad abgereist set oder in einem Abbazia⸗Hotel absteige oder unten in Bukarest ein Musikabend veranstalten wolle. Ist es aber gar nichts, die Kunstpflege in den allerbreitesten Schichten der Bevölkerung von unten zu reformieren, Tausenden und Tau— senden durch schlichte, solide, gut deutsche Auf— sätze und Reden die Liebe zur Kunst ein⸗ zupflanzen? Ist es gar nichts, ein Menschen⸗ leben hindurch als Kritiker öffentlich die Wahr⸗ heit, lauterste Wahrheit zu verkünden? Gewi ß bei dem Leichenbegängnisse Josef Scheus, weil er zur Arbeiterpartei gehörte, war nichts zu holen; man wird in den Chroniken nicht als anwesend verzeichnet, die geistvollen Aufschriften der Kranzschleifen werden nicht vermerkt, man kann sich kaum rühmen, dabeigewesen zu sein. Und so haben die Mitglieder der Wiener Ge⸗ sellschaft, die sich damit beschäffigen, das Banner des Idealismus, der Geisteskultur, der Volks⸗ bildung(wie diese Titel alle lauten)„unent⸗ wegt“ hochzuhalten, beim Tode eines wahren Volksbildners, eines wahrhaft charakter⸗ 55 Schriftstellers wieder ihr Inneres auf— gedeckt. Der dumme Peter. Von Edmund Schröpel. Nachdruck verboten. Es war ein Freitag— im Volksglauben ein Unglückstag— als dem neuen Groom zum erstenmale die Pflicht auferlegt wurde, Gräfin Möllenburg, eine launische und höchst reizbare Dame, zu bedienen. Er reichte ihr den Saft⸗ braten über den Kopf und war so unglücklich dabei, mit dem Teller an ihren turmähnlichen Kopfputz zu streifen. Höchst entrüstet über diese unverzeihliche Ungeschicklichkeit warf die Gräfin ihr künstlich koloriertes Antlitz dem Verbrecher zu, ihre mit Genialität gefärbten Augenbrauen zogen sich mißbilligend zusammen und es war ein gar ungnädiger Blick, der den armen Groom traf. Dieser, ein urwüchsiger Landbursche, stand un⸗ beholfen, die riesigen, weißbehandschuhten Hände zitterten als schüttelte ihn Fieberfrost, auf dem esundheitsstrotzenden Vollmondgesicht perlte der hell Angstschweiß und er blickte mit seinen blauen, ehrlichen Augen mit solcher unsäglichen Hilflosigkeit um sich, daß jeder andere, als die stolze Dame, Mitleid und Verzeihung für den armen Jungen gehabt hätte. „Er ist aber ein Esel!“ schalt die Gräfin, mit der Hand nach ihrem beleidigten Haar⸗ turme greifend. „Aber Mama,“ wagte die vierzehnjährige Komtesse Selma, ein hochaufgeschossener Back⸗ fisch, einzuwenden,„zürne doch nicht dem Bur⸗ schen; er ist heute zum erstenmale beim Ser⸗ vieren, und dann...“ Ein verweisender Blick der erschreckend hageren Erzieherin brachte den vorlauten Mund des Mädchens zum Schweigen. „Wie heißt Er?“ fragte der Graf, eine nichts weniger als edelmännische Erscheinung, mit einem lauten Gähnen, die wasserblauen, nichtssagenden Augen mit königlicher Herab⸗ lassung auf den immer mehr außer Fassung geratenden Burschen richtend. „Peter— Schulze,“ stammelte der Gefragte. „Welch plebejescher Name!“ bemerkte ver⸗ ächtlich die zürnende Gräfin, ihr riesiges, echt aristokratisches Riechorgan rümpfend.„Wie konnten Sie aber auch einen solchen Lümmel in unser Haus bringen?“ frug sie den am Ende der Tafel unbeweglich dastehenden Haushof⸗ meister, den alten Friedrich. „Gnädigste Frau Gräfin, er ist mein Mün⸗ bel,“ beeilte sich dieser in untertänigster Weise zu berichten.„Seine Eltern starben ihm rasch nacheinander und der Junge stand verwaist und aller Mittel bar in der großen, harten Welt. Sein Vater, ein zugrundegerichteter Landmann, war ein Jugendfreund von mir und da glaubte ich, es set meine Pflicht, für dessen Sohn zu sorgen. Und da mir der Herr Graf allergnä⸗ digst den Auftrag gab, einen Groom aufzu⸗ Rehnen dd „So beglückten Sie uns mit diesem Tölpel,“ unterbrach ihn die Gräfin mit ihrer spitzen Zunge. „Gnädigste Frau Gräfin,“ entgegnete der alte Diener ganz alteriert,„wenn Sie befehlen, so werde ich noch heute den Jungen ander— weitig unterbringen.“ „Nun, Madame,“ suchte der Graf, einen ängstlichen Blick auf seine mißmutige Gemahlin werfend einzuwenden.„Ich glaube, der Bursche wird mit der Zeit....“ „Veredeln läßt sich diese Rasse nicht, Graf!“ unterbrach ihn die Gräfin, stch erhebend, höchst gereizt. Hierauf rauschte sie mit majestätischer Würde aus dem Speisesalon. Ein Wink, begleitet von einem durchbohren⸗ den Blicke des Vormundes, riß den armen Peter aus seiner förmlichen Betäubung. Es fiel ihm rechtzeitig ein, daß er bei Abgang seiner Gebieterin deren Schleppe zu tragen habe. Mit einem Riesensatze sprang er auf die fortschwe⸗ bende Schleppe zu und— ein Riß, ein mark⸗ erschütternder Wutschrei war im nächsten Momente zu vernehmen. Es war haarsträubend, was der unglück⸗ selige Junge in seinem Diensteifer angerichtet hatte. Die meterlange Schleppe war arg be⸗ schädigt und die Gräfin lag auf dem persischen Teppich, selbstredend— ohnmächtig. Der Graf und der vor Schreck gelähmte Hausmeister stürzten herbet, um der Gräfin Beistand zu leisten. Und was tat der arme Peter? In seiner Verzweiflung über das Geschehene rannte er in blinder Hast davon. Fort ging's in wildem Laufe ziellos durch das kleine Städt⸗ chen; er achtete weder auf Weg noch Steg und so geschah es, daß er unglücklich stolperte und einen schweren Armbruch erlitt. Man brachte den Verunglückten in das Haus des Doktors Krüger, eines gutmütigen und menschenfreund⸗ lichen Arztes. Da das Städtchen über kein Krankenhaus verfügte und Peter um Gottes⸗ willen bat, ihn nicht auf das Schloß zu bringen, so behielt der Doktor den armen Jungen vor- 1 5 in seinem Hause. o verblieb Peter unter kund iger Behand⸗ lung und sorgsamen Pflege, welch letztere ihm die Frau des Arztes, eine ebenfalls gutherzige Dame, angedeihen ließ, einige Wochen im Hause des Doktors. Weder Peters Vormund, der alte Friedrich, noch der Graf bekümmerten sich um den Patienten. Peters Arm war geheilt und eines Morgens sagte der Doktor zu seinem Pflegling: „Mein lieber Junge, heute will ich zu Deinem Vormunde gehen und ihn befragen, was mit Dir geschehen soll.“ „Herr Doktor!“ bat Peter mit aufgehobenen Händen und reichliche Tränen flossen ihm über die Backen herab.„Bringen ste mich nicht auf das Schloß zurück— o hätten Sie mich lieber sterben lassen! Man wird mich dort wieder zu einem Diener machen und ich...“ „Willst Du denn nicht arbeiten, mein Junge?“ fragte der Doktor ernst. „O ja! Ich will alles tun, alles, aber nur nicht auf dem Schloß!“ beteuerte Peter und schauerte zusammen. Der Doktor sagte nichts mehr und ging, aber nicht auf Schloß Möllenburg. Bei Tisch sagte der Arzt zu seiner Frau: „Liebe Emma, unser Peter fühlt sich bei uns recht heimisch und glücklich und will von einer Trennung nichts wissen. Mich dauert der arme Junge und ich will ihn vorläufig in unserem Hause belassen. Du kannst ihn zu leichteren Hausarbeiten und ich zu Botengängen verwenden. Nicht so, mein Kind?“ Frau Doktor nickte zustimmend und Peter, überglücklich über diesen Entschluß, blieb bis auf weiteres. Zu den häuslichen Verrichtungen, die der Sorge Peters oblagen, gehörte auch die In⸗ standhaltung des Bibliothekzimmers. Peter hatte die zahlreichen Bände und Bücherschränke täglich vom Staube zu reinigen. Eines Tages trat der Arzt unverhofft in das Bibliothekzimmer. Zu seinem nicht ge⸗ ringen Erstaunen fand er Peter in einer Ecke zusammengekauert und in einem Buche, das er auf den Knieen vor sich hatte, eifrig lesend. Es waren Uhlands Gedichte. „Lese laut, Peter,“ sagte der Arzt und legte seine Hand auf die Schulter des vertieften Lesers. Erschrocken fuhr dieser auf. „O verzeihen Sie, Herr Doktor!“ stammelte er ganz verwirrt. „Verstehst Du auch, was Du liest?“ fragte der Arzt freundlich und betrachtete mit großem Interesse den ungeschlachten Jungen. „Leider nicht alles, Herr Doktor!“ ent⸗ egnete mit einem tiefschmerzlichen Seufzer eter.„O wie glücklich müssen Sie sein, Herr Doktor, daß Sie die vielen Bücher verstehen hin lesen können,“ setzte er beinahe neidisch nzu. „Hättest Du Lust zum Lernen, Peter?“ fragte der Arzt weiter. „Ja, Herr Doktor, ich würde mich 5 preisen, wenn ich Gelegenheit hätte, viel, viel zu lernen; ich würde Tag und Nacht studieren,“ erwiderte Peter und sah den Doktor mit seinen ehrlichen Augen ernsthaft an. „Lieber Peter, Du machst Dir eine falsche Vorstellung vom Studieren.— Was möchtest Du zum Beispiel studieren?“ eter drehte das Buch verlegen zwischen den Fingern. „Ich möchte am liebsten— so ein gelehrter Herr werden— wie— Sie, Herr Doktor.“ „Ach, mein lieber Junge, das denkst Du dir leichter als es ist,“ sagte der Doktor laͤchelnd. „Glauben Sie, Herr Doktor, daß es bei mir unmöglich ist?“ fragte Peter beinahe wei⸗ nerlich. „Ich meine ja nicht, daß es gerade un⸗ möglich ist, Dein wunderliches Ziel zu erreichen — nichts ist schließlich dem willenskräftigen Menschen unmöglich— aber Du hast so gut wie gar keine Schulbildung und dann erfordert 1 4 9 ö * 5 — 43. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. solches Ziel viel Geld und geistige Befähigung große Ausdauer.“ „Ja, ja, viel Geld,“ wiederholte Peter und fzte tief auf.„Lust hätte ich an dem Stu⸗ eren und Ausdauer, wie vielleicht niemand— der das viele Geld.“ Der Doktor holte ein Buch aus einem der Bücherschränke hervor und sagte dann, Peter sinnend betrachtend: uud ihm überströmenden Herzens seinen Dank bezeugen, doch dies verhinderte Doktor Krüger, indem er das Bibliothekzimmer rasch verließ. Am nächsten Morgen überraschte der Doktor seinen Schützling mit der Mitteilung, daß er täglich Unterricht bei einem Schullehrer ge⸗ nießen werde. Es währte nicht lange, so konnte stch der Lehrer über die Lernbegierde seines Humoristisches. Ge mütsvoll.„.. Etwas klein finde ich Ihre Wohnung, Frau Redakteur!“—„Allerdings— wenn mein Mann daheim ist, müssen wir uns schon recht einschränken— aber zum Glück ist er ja meistens ein gesperrt!“(Fl. Bl.) Es ist wahr, Kinder müssen— solange sie Kinder find— durch Autorität geleitet werden: aber sie ——— Schülers nicht lobend genug aussprechen. „Ich will Dich'mal auf die Probe stellen Schluß folgt.) und da wird es sich zeigen, ob Du wirklich Lust und Befähigung zu dem Lernen hättest.“ Peter wollte auf seinen Wohltäter zustürzen J ͤTTTbTG000TTTTTTT Is gibt kein deschäft Hessens, welches dem reellen I eng! mils! Arbeiter dieselben Vorteile bietet wie der Schuhwarenlager u. Schuhmacherei „ Oberhess. Kleider-Bazar rz u. Heldt. f dnnn besohlt sehnell, gut und billig(Handarbeit und gutes material) Marburg a. d. Lahn müssen auch unterrichtet werden, damit sie nicht ewig Kind er bleiben. Wieland. 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Falke, dessen„Paulus“ wir in vorletzter Nummer besprochen. Seine Ausführungen sind wieder so lehrreich, daß es sich der Mühe ver⸗ lohnt, darauf einzugehen. Die Hauptsache muß er natürlich angesichts der ganz klaren Sprache der Tatsachen zugeben. Den gläubigen Christen ist der Plan der Weltgeschichte letzten Endes genau ebenso ein ungelöstes Rätsel, wie jedem andern gewöhnlichen Sterblichen. Man kann nichts tun, als sich in die Schicksale fügen und für die unbekannte Zukunft wenigstens nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten. So sieht Falke nun die Berechtigung der Militärkirche nur noch„in der höheren Absicht, der Armee jene Imponderabilien(d. h. nicht verstandesmäßig faßbaren Kräfte) zu erhalten, welche im Kriege für Tapferkeit und Todesmut die allergrößte Bedeutung haben, nämlich jenen schlichten, frommen Sinn zu pflegen und zu vertiefen, der den Mann befähigt, getrost sich in Gottes Willen zu ergeben und dem Tode mutig in das Angesicht zu sehen“. Wir wollen nichts dagegen sagen und auch den Opfermut der Fel dprediger, die im Kugelregen wirken, nicht herabsetzen. Aber das müssen wir betonen, was auch Falke nicht leugnen kann, daß der buddhistische Priester bei den Japanern seine Sache in der Hinstcht genau ebenso gut fertig bringt, wie der christliche bei den Russen und besser entschieden, als bet den Buren. Auch die Muhammedaner, die sich das Paradies noch deutlicher in den schönsten Furben ausmalen, stehen bekanntlich in Leistungen des Todesmutes nicht hinter den Christen zurück. Ein solcher Vergleich führt offenbar zu einer äußerst niedrigen Einschätzung aller Unterschiede zwischen den verschiedensten kirchlichen Formen der Religion. Möchten die Theologen daraus die Lehre ziehen, nicht allzu selbstgewiß gerade immer die ihrige als alleinseligmachend für ewige Zeiten hinzustellen. Was ist s nun aber, was in dem religiösen Zuspruch auf dem blutigen Jammerfeld so wirksam ist, wenn nicht die dußeren Zeremonien? Zweierlei: Einmal der Glaube der unglücklichen Todeskandidaten an das Weiterleben oder die Erlösung von Leiden nach dem Tode. Wir gönnen diesen Trost all den bejammernswerten Opfern des rauenhaft raffinierten Mass enmords von Herzen. Aber wären wir aus diesem Grunde allein nun schon verpflichtet, den Glauben an solches Weiter⸗ leben festzuhalten, auch wenn er unserem ehr⸗ lichen Nachdenken höchst zweifelhaft erscheint? Einbildungen haben in der Welt freilich schon oft Großartiges geleistet. Z. B. glaubte Kolum⸗ bus Indien viel zu nahe bei Europa, wagte es deshalb zu suchen und— fand Amerika. Die Alchimisten bildeten sich ein Gold, machen zu können und begründeten die Wissenschaft der Chemie, die wenigstens Fleischextrakt fabri⸗ Gießen, Sonntag, den 16. Oktober 1904. sittliche Ziel. Tritt doch auch ein Geist wie der große Philosoph Kant mit seinem tiefen Gefühl für die sittlichen Pflichten und Rechte der menschlichen Persönlichkeit in seiner Schrift „Vom ewigen Frieden“ unbedingt für dieses ein. Was demgegenüber die christlichen, bud⸗ dhistischen und anderen Priester leisten ist nur Flickarbeit, ist nur ein wenig Trost für einen Jammer, den wir ganz aus der Welt zu ent⸗ fernen denken. Unser Ziel ist freilich nur ein Ideal, d. h. die Vorstellung eines heiß. ersehnten Zustandes, den wir von heute auf morgen noch nicht erreichen. Aber den Glau⸗ ben an dieses Ideal, die Arbeit für dieses Ziel, die soll uns niemand ausreden wollen. Solch ein Glauben ist mehr, als das Für⸗ wahrhalten von Paradiesmärchen, in ihm liegen die„tiefen Quellen der Frömmigkeit“, von denen R. Falke spricht, und solange unser Volk noch die Kraft haben wird, für solche Ideale zu arbeiten, zu leiden, Opfer zu bringen, solange wird's nicht verloren sein. Das Zweite, was den Zuspruch des Geist⸗ lichen auf den Leichensaatfeldern des Krieges wirksam macht, ist die allgemeine mensch⸗ liche Teilnahme, die er damit beweist. Wer da in fürchterlicher Einsamkeit, fern von den Seinigen, fern von allem, was ihm lieb und teuer ist' in der Welt, unter gequälten Ver⸗ wundeten und Sterbenden oder gar bei stummen kalten Leichen im Blute liegt, der wird jeden Menschen, jeden letzten Boten des irdischen Lebens wie einen Engel betrachten, wobei ganz gleichgültig ist, ob ihm dieser noch rasch eine Kirchenzeremonie vormacht oder ihm vielleicht nur ein Freundeswort sagt, einen Gruß ab⸗ nimmt, die Hand reicht. Die se Wirkung darf der Geistliche nicht aber zu dem Guthaben irgend einer Kirche schreiben. Zum Schluß noch zwei Kleinigkeiten. Falke schreibt:„Man muß in der Schlacht ge⸗ wesen sein, um die ungeheure beruhigende Macht des Christentums usw. schätzen zu können“. Wir möchten ihn darauf aufmerksam machen, daß dieser Ausdruck klingt, als hätte Falke selbst schon irgendwo ernsten Pulverdampf ge⸗ rochen. Da das durchaus nicht der Fall ist, wäre eine N Form besser am Platze gewesen. Er schreibt ferner:„Hinter dem Bier⸗ kisch lassen sich jene Dinge nicht so genau be⸗ urteilen, wie vor dem Feinde“.„Hinter dem Biertisch“ hat aber stcherlich ein so fleißiger und feinfühliger Schriftsteller wie Heinrich Hart seinen Aufsatz ebensowentg geschrieben, als etwa ich oder sonst irgend ein Tagesschriftsteller das tun kann. Wer von der Feder leben muß, hat für die materiellen Genüsse des irdischen Daseins im allgemeinen erheblich weniger Zeit und Mittel übrig, als etwa ein Pfarrer. Und über das Unglück, nicht direkt aus den Qualen der Schlachten herauszuschreiben, tröstet uns der Umstand, daß wir darin in Herrn Falke einen Leidensgefährten haben. K. Wbr. Die Wahl der Arbeitervertreter zu den unteren Verwaltungsbehörden. Das Zentralarbeitersekretariat schreibt: In nächster Zeit vollzieht sich ganz unmerk⸗ lich, fast unter Ausschluß der Oeffentlichkeit eine 10. Jaßtg oder Altersrente entgegenzunehmen, Anträge auf Rentenbewilligung oder Entziehung der Invalidenrente zu begutachten und zu prüfen. Die Bedeutung der Wahlen tritt aber noch mehr in den Vordergrund, wenn wir berück⸗ sichtigen, daß die Beisitzer bei den unteren Verwaltungsbehörden den Wahlkörper für die Wahlen der Vertreter zum Ausschuß der Landes⸗ versicherungsanstalt bilden. Der Auzschuß der Landesversicherungsanstalt wählt sodann die Vertreter zum Vorstand der Landesversicherungs⸗ anstalt, die Beisitzer zu den Schiedsgerichten fur Arbeiterversicherung, sowie die Arbeiter⸗ vertreter, die von den Berufsgenossenschaften bei Erlaß der Unfallverhütungsvorschriften hin ⸗ zugezogen werden; und endlich wählen die Beisttzer der Schiedsgerichte die nichtständigen Mitglieder zu den Landesversicherungsämtern und dem Reichsverstcherungsamt. Es kommen bei diesen Wahlen 1406 untere Verwaltungsbezirke mit 6190 Arbeiterbeisttzern in Betracht. Die Wahl der Beisttzer vollzieht sich nun in einem sehr komplizierten und sonderbaren Verfahren. Das Wahlrecht üben die Vorstände der Krankenkassen aus, und zwar ist hierbei folgendes zu beachten: Die Beisitzer zu den unteren Verwaltungs- behörden werden von den Vorständen der im Bezirk der unteren Verwaltungsbehör de vorhandenen Orts-, Betriebs, Fabrik⸗, Bau⸗ und Innungskrankenkassen, Knappschaftskassen usw., sowie von Vorständen der freien Hilfs⸗ kassen(aber nur der lokalen, nicht der zentra⸗ listerten) gewählt. Das Stimmenverhältnis bei der Wahl wird entsprechend der Mitgliederzahl der Kranken⸗ kasse, für die der Vorstand wählt, berechnet. Um nun unnötige Zersplitterungen bei der Wahl zu vermeiden, wird es notwendig sein, daß sich die Gewerkschaften oder Gewerk⸗ schaftskartelle im Bezirk der unteren Ver⸗ waltungsbehörde mit den Vorständen dee Krankenkassen über die gemeinsame Aufstellung von Kandidaten verständtgen. N Was die Wählbarkeit der Vertreter an⸗ betrifft, so bestimmt darüber das Gesetz, daß die Hälfte der Arbeitervertreter am Sitz der unteren Verwaltungsbehörde oder nicht in einer Entfernung über 10 Kilometer wohnen dürfen. Es kommt also nicht die Arbeitsstätte des auf⸗ zustellenden Kandidaten in Betracht, sondern der Wohnort. Die Kandidaten dürfen nicht dem Vorstand der Landesversicherungsanstalt oder einem Schiedsgericht für Arbeiterversiche⸗ rung angehören. 2 Wählbar sind nur deutsche, männliche über 21 Jahre alte Personen; nicht wählbar, welche zum Amt eines Schöffen unfähig sind. Was den Wahltermin anbetrifft, so it dieser kein einheitlicher für das Reich. Die Wahl⸗ verordnungen für Preußen bestimmen, daß die Wahl vom 1. Oktober bis 15. November statt⸗ zufinden hat. Im Großherzogtum Hessen be⸗ ginnen die Wahlen am 1. November d. J. Zu beachten ist, daß die Wahlen nicht an einem Tage stattfinden, sondern sich über einen Zeit⸗ raum von 4 bis 6 Wochen ausdehnen. Unsere Arbeiterorganisationen haben die Verpflichtung, alles daran zu setzen, um eine Arbeitervertretung zu schaffen, die den invaliden und hilfsbedürftigen Arbeitern helfend zur Seite — r S—— 1580. iert. Die Astrologen glaubten das Menschen⸗ höchst wichtige Wahl im Rahmen unserer Ver⸗ 1 schcsal aus den Sternen lesen zu können und sicherungsgesetze. Am Schluß des Jahres ist steht. der“— entdeckten die Geschichte der Planeten⸗ die 5jährige Wahlperiode der Beisitzer zu den n füt bewegung. So kann 410 der Gigete an 10 99110 e e Neu B und Von Nah und Lern. aradies manche Menschen zu den größten erfolgen nunmehr die Neuwahlen. 8 5 l ö 1 fähig machen und doch eine Einbildung Die Beisitzer zu den unteren Verwaltungs⸗ aus dem Nreise Dillenburg-Jerborn. sein, die aber immer einmal zerstört werden behörden werden zu gleichen Teilen aus dem 5 r. 13 225 3 den. In Hachen⸗ 2 muß. Denn das ehrliche Suchen nach der Kreise der Arbeiter und Unternehmer gewählt.] Jubab 3 117 2185 N 5 e Wahrheit geht über alles, auch über alle] Die Funktionen dieser Vertreter bei den unteren 1 ae buch Heimarbeiter herstelen 8 Kirchenlehren. Freilich wird mit der Zer⸗ Verwaltungsbehbörden sind für die Arbeiter von Fabritant zahlte aber den Heimarbeitern ihren kärg⸗ r störung dieses schönen Wahnes das Menschen⸗ nicht unerheblicher Bedeutung. Die untere lichen Lohn nicht bar in Reschsmünze aus, wie das ner geschlecht viel von der Neigung zu den entsetz⸗ Verwaltungsbehörde bildet in dem Verfahren die Gewerbeordnung vorschreibt, sondern die Arbeiter lichen Massenabschlachtungen verlieren. Aber zur Erlangung einer Invaliden- oder Alters- erhielten Gut scheine in der Höhe ihres jeweiligen „ wäre das ein Schade? Ich glaube, das ist so⸗ rente die erste vorbereitende Instanz, sie hat] Verdienstes die sie dann dei bestimmten Krämern um⸗ 15 gar das höhere Ideal, das ist das eigentlich! die Anträge auf Bewilligung einer Invaliden wechseln mußten, wobei sie natürlich auch Waren ent⸗ a 1 1 2„ 103 — —— — —— Stile 10. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. No. 42. nahmen. Diese Art Lohnzahlung sst durchaus ungesetz⸗ lich, im§ 146 der Gewerbeordnung mit Geldstrafe bis zu 2000 Mark oder Gefängnis bis zu 6 Monaten bedroht. Als ein Bürger endlich diese Gesetzwidrigkeiten zur Anzeige brachte, wurde zwar ein Verfahren einge⸗ leitet, aber ber Fabrikant, der sich damit entschuldigte, daß es doch schon Jahre lang so gehalten worden sei, bekam ganze drei Mark Geldstrafe! Ob Bickel noch einen besonderen Nutzen dabei herausgeschlagen hat, können wir nicht mit Bestimmtheit behaupten, stcher ist aber und ganz natürlich, daß die Arbeiter Schaden gehabt haben.— Daß dieser Zustand jahrelang bestehen konnte, zeigt, wie notwendig eine schärfere behördliche Kontrolle ist.— Hinzugefügt sei noch, daß der Fabri⸗ kant seine Arbeiter durch Plakatanschlag aufforderte, Hyacint.2 Wassergldser zu zlehen ist sehr interessant u. in jedem Wohnzimmer leicht und mit sicherem Erfolg auszuführen. Wir liefern m. genauer Anweisun zur Behandlung garantirt blühbaren Zwiebeln V W diesschönsten Haarlemer Hyacinthen echt Haarlemer Zwiebeln m. Namen] nehstg hochleiner Salongläsern zus. für 3¼ Mk. do Haarlem. 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Das muß nicht bloß die Maurer, sondern die Arbeiter aller Berufe in diesem Kreise veranlassen, sich der Orga⸗ nisation anzuschließen, damit endlich eine Besserung der außerordentlich ungünstigen Lohnverhältnisse herbeigeführt und die Lebenshaltung der Arbeiter nicht noch mehr herabgedrückt wird. CrTCPPFPFPPPPTPPPPPTPPPTTPGGTGTGTGTGTTbTbTTTTTTT Is gibt kein deschäft Hessens, welehes dem reellen Arbeiter dieselben Vorteile bietet wie der Oberhess. Neider⸗Bazar Marburg a. d. Lahn Offeriere aus meinem Riesenlager(meine Räume umfassen 3000 Quadratmeter): gurkin-Herren-Amüge ** schwerste Qualität. 0 5 ** Zwiebeln& Sk. 10 Pf.) err.-Surkin-Hosen, in bester Ware, früh. 9 Mk., 3,00„ 05 Fable 5 abfahrer- Ku„Früher 30 Nik., jet 10.00 5 n. e ausgewählte Kaner eue Ledertzosen in 20 Gualilaten.„ von 3,» an Birnen und Aepfel Burkin-Hosen, neueste Muster, mod. verarbeitet„ Mauchester⸗Hosen, Manchester⸗Röcke, Joppen und Westen.— Blaue Sammthosen, Filzhüte. 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Man nimmt an, daß die Exp loston durch Kurz⸗ schluß in der elektrischen Leitung entst anden ist. 8,00 Mk. feinste edle Tafelsorten tragbare vierjährige Pyramiden-Bãume reich m. Fruchtholz besetzt daher f. nächst. Herbst schon hübsche Ernte versprech. 6 solche Pyramidenbäume zusammen M 8,— einzelne Exemplare à Stck. 1,50 M. 6 tragbare Stachelbeer-Sträucher feinste grossfrüchtigste deutsche und englische Elitesorten susammen M. 2. 6 tragbare Johannisbeer- Sträucher die besten Sorten zum Robgenuss u. z. Weinbereitung Zusammen M. 1, 20. 6 tragbare Himbeer-Sträucher nur anerkannt vorxügliche reich- tragendste Sorten mit feinstem Aroma zusammen 75 Pig Die beste Pflanzzeit Ist jetzt I. Herbst. Gebr. Ziegler, Erfurt 09 Lieferanten Sr. Maj. d.deutsch. Kaisers boad u febbästere L. Müller Lis cus möbel Küchenmöbel Gießen, Bahnhofstraße 61 Spezialität: hält sich bestens empfohlen. 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