in! ber, lass lere sie dass ren, rent aus- N. 21. Gießen, den 22. Mai 1904. II. Jahrg. Redaktion: M i t t˖ el d e u ·˖ f. ch 9. NRebaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonntags⸗Jeitung. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. — Abonnementspreis: Bestellung en 2 Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 331/% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens o ͤ pfingsten. 0 Wieder geht der Geist der Pfingsten Jugendkräftig durch die Welt; Wieder sind es die Geringsten, Denen er sich zugesellt. Zu des Reichtums stolzen Hallen Lenkt er zögernd nur den Fuß; Nach den Hütten, halbzerfallen, Bringt er eilend seinen Gruß. Cehrt die Jugend Mut und Treue Für des Volkes ewig Recht, Kräft' gen Glauben an das Neue: Niemands Nerr und niemands Knecht. Auf die Herzen, auf die Pforten! Streut ihm Sweige, frisch und grün! Daß aus seinen Götterworten Mut und Hoffnung euch erblühn! Mut, den schweren Kampf zu wagen In der Menschheit letzten Krieg, Mut, die Opfer zu ertragen, Frohe Hoffnung auf den Sieg! F. A. E. im„Wahren Jakob“. Pfingstgedankeu. Die Frommen im Lande mögen uns Heiden schelten, weil wir die Frühlingsfeier nicht in biblischem Sinne begehen. Sei's drum; der Frühling kommt zu allen Menschen, wie auch ihre religiösen Anschauungen sein mögen, und die Gläubigen der verschiedenen alleinselig⸗ machenden Kirchen haben kein besonderes An⸗ recht auf ihn. Unsere tapferen Altvordern haben das Maffest gefeiert, auch bevor die Sendboten des Christentums zu ihnen drangen. Heute sind die kirchlichen Organisatlonen verquickt mit der Klassenherrschaft, die wir mit allen Kräften bekämpfen. Da haben wir allen Grund, den Frühling zu begrüßen abseits von den oberen Zehntausend und ihren kirchlichen und politischen Anhängseln. Aber wenn nach der christlichen Auffassung das Pfingstfest den Tag bezeichnet, an dem sich der heilige Geist über die Jünger des Naza⸗ reners ergoß, so daß sie die christliche Kirche stifteten, daß sie vor Begeisterung in allen Zungen redeten, und daß sie auszogen in alle Welt, um den Völkern die neue Heilslehre zu bringen, so dürfen wir bei dem Rückblick auf die dazwischen liegenden zwei Jahrtausende die ungeheuern Veränderungen nicht übersehen, die inzwischen mit der christlichen Kirche vor sich gegangen sind. Wohl hat sich die christliche Lehre über die ganze Erde verbreitet— aber was ist aus den einfachen Sätzen geworden, die des Zimmermanns von Nazareth Sohn aufgestellt hat? Die Entwicklung, wie sie ge⸗ kommen, hätte er sicherlich nicht gewollt. Er at viel gepredigt gegen den Reichtum und die edrückung, die derselbe für den Besttzlosen mit sich bringt. Und der Kapitalismus seiner Zeit war nicht das vieltausendköpfige, mit Dampfmaschinen und Elektrizität arbeitende Ungeheuer, wie sich der heutige darstellt. Jene Zeit war einfacher, und um so mehr muß man hat. Es mag sein, daß auch heute noch die christlichen Priester hier und da einen Ausfall gegen die Reichen und ihren Uebermut unter⸗ nehmen. Aber da bleibt es bei den Worten. Man betrachtet heute die Religionen als einen Zügel der„Begehrlichkeit“ der Armen; ste sollen einen Wall bilden gegen jene Bewegungen, die auf Abschaffung der Privilegien der Reichen gerichtet sind. Diese einfache Tatsache genügt, um zu zeigen, wie weit sich die christlichen Kirchen heute von den Auffassungen des Stifters ihrer Lehre entfernt haben. Heute ziehen um Pfingsten keine begeisterten Apostel des Christentums mehr aus; es predigen wohlbestallte Priester in großen und kleinen Tempeln den wohlorganisierten Gemeinden, welche zusammenzuhalten schon mancher äußer⸗ liche Zwang erforderlich ist. Die christliche Be⸗ wegung mag in den„wilden“ Ländern, wo die Missionare arbeiten, noch einigermaßen im Vor⸗ wärtsdringen sein; in den alten Kulturländern ist sie eine absteigende, weil das Christentum notwendigerweise in scharfe und unlösbare Widersprüche geraten muß mit dem ganzen Geiste der neuen Zeit und mit ihren materiellen Ansprüchen. Seine Rolle vermindert sich täglich an Bedeutung zwischen den Maschinen und Verkehrsmitteln des zwanzigsten Jahrhunderts. Unsere herrschenden Klassen fühlen es ganz wohl, daß die historische Rolle des Christen⸗ tums im Schwinden ist. Aber sie sind weit entfernt von jenen schönen und edlen Ideen, die an Stelle der dürftigen Brosamen christ⸗ licher Barmherzigkeit gleiche Rechte für Alle erstreben. Der neue Heiland der Bourgeoisie ist Friedrich Nietzsche, der das Christentum be⸗ kämpft, aber den„Uebermenschen“ proklamiert. Das bedeutet nur eine Verewigung der Klassenherrschaft, ein trostloses Joch für Alle, die mühselg und beladen sind. Gegenüber der Brutalität der„Uebermenschen“— derselbe ist ja keine neue Erfindung, sondern die Ge⸗ schichte ist überreich an solchen Erscheinungen— ist die christliche Barmherzigkeit immer noch vorzuziehen, wo sie im Ernste geübt wird. Sie muß aber Angesichts des unermeßlichen Elends der Menschen immer ein Tropfen auf einem heißen Stein bleiben. Aber für die Mühseligen und Beladenen ist eine neue Hoffnung in die Welt ge⸗ kommen, jene große Bewegung, die darauf ge⸗ richtet ist, ein Gemeinwesen mit gleichen Rechten und Pflichten zu begründen. Was in der ursprünglichen christlichen Lehre nur unbestimmt aufdämmerte, die Erkenntnis, daß die Ansammlung von Reichtümern in den Händen Einzelner und die Enterbung und Ent⸗ eignung der Massen Unheil und Elend in die Welt bringt— das hat im modernen So⸗ ztialismus seine wissenschaftliche Begründung gefunden. Die herrschenden Klassen und mit ihnen die Kirche erklären die heutigen Zustände im Allgemeinen für„ewig“; der Gegensatz zwischen Arm und Reich, sagen sie, lasse sich nicht aus der Welt schaffen, und die Kirche hat dem Armen für diese„irdische“ Welt nur den Trost der Entsagung zu geben. Der So⸗ ztalis mus mit seiner historischen Entwicklungs⸗ lehre beweist, daß die gegenwärtigen Zustände die Schärfe empfinden, mit welcher der Naza⸗ so wenig„ewig“ sein können, wie die früheren rener gegen den Uebermut der Reichen gepredigt Jes waren. Indem er den Gang der Dinge, die historischen Notwendigkeiten begreift und sich so der Wirklichkeit anpaßt, allen über⸗ irdischen Träumereien entsagt, steht er mit festen Füßen auf festem Grund. Und schwärmen heute nicht Hunderte, Tau⸗ sende von Aposteln aus, um die neue Lehre zu verkünden? Tagtäglich wird in allen Zungen den Völkern gelehrt, was sie zu tun haben, um die Befreiung von der alten Klassenherrschaft vorzubereiten. In alle Weltteile ist die neue Botschaft gedrungen und ungezählte Scharen stürmen unaufhörlich herbei, um die Masse der Kämpfer für einen Zustand, wo Gerechtigkeit ilch zu verstärken. Die a te Romantik ist reilich vorüber. Weun vor einem halben Jahr⸗ hundert noch der Dichter sagen konnte: „Aber kommen wird ein Pfingsten, Donnernd über Euer Haupt, Und ein Festtag der Geringsten, Der des Hochmuts Stamm entlaubt“, so wissen wir heute, daß nicht über Nacht ein tausendjähriges Reich kommen und plötzlich eine Aera allgemeiner Glückseligkeit begründen kann. Unsere Pfingstgedanken sind frei von aller mystischen Schwärmerei und wir halten uns an die Wirklichkeit; wir sehen, wie die Eutwicklung unsrer Zustande selbst die neuen Formen vorbereitet, nach denen sich die Völker seyhnen. Der Sozialismus durchdringt sein gan⸗ zes Zeitalter und erobert sich die Welt mit seinen geistigen Waffen. Dies zu sehen ist das Tröstliche in diesem an Elend so reichen Ge⸗ schichtsabschnitt. So möge keiner der Genossen erlahmen in dem großen Klassenkampf unsrer Zeit, der die Klassen abschaffen und damit endlich die Freiheit bringen wird, die sich bisher„der be⸗ drängten Welt“ noch nie gezeigt und ihren Reigen„nur am Himmelszelt“ geführt hat. Der Sozialismus wird sie zur Erde geleiten. Das sind die Pfingstgedanken, zmit denen wir den Lenz begrüßen. Zur Gemeindesteuer-Reform in Hessen. Mit der Umwandlung der seitherigen Grund⸗ steuer, die auf ein vor 80 Jahren fixiertes Ertragsschema aufgebaut war, in eine Besteuer⸗ ung nach dem jeweiligen Vermögens⸗ wert, ist auch die Möglichkeit geboten, die Wertsteigerung städtischer Bau⸗ grundstücke steuerlich zu erfassen. Nach der heutigen Grundsteuer sind unge⸗ nutzte Bauplätze, mögen sie noch so wertvoll sein, so gut wie garnicht besteuert, da sie, so⸗ lange sie unbebaut bleiben, nur nach dem lan d⸗ wirtschaftlichen Ertragsschema einge⸗ schätzt werden. Ebensowenig werden die be⸗ bauten Grundstücke ihrem eigentlichen Werte nach, die sie z. B. als Geschäftshäuser in bester Lage haben, besteuert. Die Gebäudesteuer, die zu der geringen Bodenbesteuerung tritt, wird nämlich nach dem einstmaligen Neubauwert, also nach dem Materialwert des Hauses berechnet. Das unzulängliche dieser veralteten Besteuerung wird in einem lesenswerten Schrift⸗ chen des Darmstädter Bodenreformvereins“ an mehreren Beispielen überzeugend nachgewiesen. *„Die Reform der Gemeindesteuern im Großherzogtum Hessen“, Darn stadt 1904. Verlag von Eduard Roether, Darmstadt 40 Pfg. „„ 1 — 4 5 — ——* N— * ——— —.. — ———— 2 —.— ——— ͤ— —— — Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 21. Die dort angeführten Zahlen zeigen, wie be⸗ rechtigt die Forderung ist, das Bauge⸗ lände städtischer und industriell entwickelter Orte schärfer und seinem steigenden Werte entsprechend zur Steuer heranzuziehen. Geschieht dies, dann werden die Städte nicht nötig ha⸗ ben, das übrige Vermögen und das Arbeiter⸗ einkommen über Gebühr heranzuziehen, und sie werden auch in die Lage kommen, die Aufheb⸗ ung des Oktrois ohne Zusammenbruch ihrer Finanzen bewerkstelligen zu können. Wird, wie der Entwurf vorsteht, der durch Deklaration und Sachverständtigenkontrolle fest⸗ zustellende Verkaufs wert der Liegenschaften zur Grundlage der Besteuerung gemacht, so ist eine viel schärfere Heranziehung des ungenutzten Baugeländes möglich. Wird die Wertabschätz⸗ ung in kurzen Fristen wiederholt, so wird da⸗ mit auch der Wertzuwachs des städtischen Immobilvermögens steuerlich erfaßt. Da seit Einführung der staatlichen Vermögenssteuer die Wertseststellung aller Vermögensobjekte und so⸗ mit auch der bebauten und unbebauten Grund⸗ stücke in Stadt und Land von Jahr zu Jahr vorgenommen resp. auf dem Laufenden erhalten wird, so sind besondere Veranlagungsschwierig⸗ keiten für die kommunale Besteuerung nicht mehr vorhanden. Daß die Durchführung einer solchen Grund⸗ wertbesteuerung nur möglich und wirksam wäre, wenn der Bruttowert der Liegen⸗ schaft zur Besteuerung herangezogen würde, die eingetragenen Schulden also nicht in Abzug gebracht werden dürften, können wir nicht zugeben. Wenn durch die lückenlose Durch⸗ führung der Kapitalvermögenssteuer dafür Sorge getragen ist, daß keine Vermögensver⸗ schleierung durch Hypothekenaufnahme stattfin⸗ den kann, und wenn weiter die Bestimmung getroffen wird, daß der Inhaber einer Hypo⸗ thek diese dort zu versteuern hat, wo das ver⸗ pfändete Grundstück liegt, so erhält die Ge⸗ meinde allemal die Steuer vom vollen Wert der Liegenschaft. Nur in den Fällen, wo der Hypothekengläubiger für die Gemeinde steuer⸗ lich nicht erreichbar ist, müßte der Grundstücks⸗ inhaber für die volle Steuer pflichtig sein. Das würde für alle von Sparkassen gegebenen Hy⸗ potheken gelten, falls die Steuerfreiheit dieser Institute, wie der Entwurf vorsteht, aufrecht erhalten bleibt. Würde der Schuldenabzug generell ausge⸗ schlossen, so würde in zahllosen Fällen eine durch nichts zu rechtfertigende Doppelbesteuer⸗ ung eintreten. Angenommen z. B. bei einer Erbteilung übernimmt ein Kind Haus und Hof, die andern werden mit Hypotheken auf das elterliche Besitztum abgefunden, so müßten die letzteren ihren Anteil und der die Liegen⸗ schaft Uebernehmende müßte nochmals den Wer: des Ganzen versteuern. Das würde zu außerordentlichen Härten führen. Mit der Einräumung des Schuldenabzuges muß aber auch hier die Einführung der Pro⸗ gression gehen. Nur dann wird es möglich sein, die kleinen Besitzer zu schonen, dafür aber die großen Besitzer so scharf heranzuziehen, daß die Gemeindekasse die nötige Füllung erhält. Dabei muß daran festgehalten werden, daß die Steuersätze für die drei kommunalen Ver⸗ mögenssteuern innerhalb derselben Gemeinde gleichmäßig hoch bemessen werden. Das vereinfacht das ganze Veranlagungsverfahren und paßt es dem staatlichen Besteuerungswesen aufs engste an. Dadurch werden allerdings der Grundwertbesteuerung selbst bei progressiver Gestaltung so enge Grenzen nach oben gezogen, daß es notwendig erscheint, neben ihr noch eine Extrabesteuerung für die Fälle einzu⸗ führen, wo die sehr rasche und starke Wert⸗ steigerungen des Baugeländes in Erscheinung treten. Das ist in allen industriell aufblühenden Orten der Fall. So sind z. B. in Gießen die Bodenwerte im Laufe der letzten 25 Jahre um 500 bis 1500 Prozent gestiegen; in einzelnen neuangelegten Straßen sogar 4400 Prozent. Aehnliche enorme Wert⸗ steigerungen sind in den anderen größeren Städten unseres Landes zu konstatieren. Dieser Wertzuwachs des städtischen Bau⸗ geländes rührt aber nicht aus der Arbeit der einzelnen Besttzer her, sondern er ist das Produkt der von der Gesamtheit in Gemeindennd Staat geleisteten Kulturarbeit. Darum ist es nicht mehr wie recht und billig, daß die Gesamtheit wenigstens einen beträchtlichen Teil der von ihr geschaffenen Werte wieder für die Gesamtheit in Anspruch nimmt. Das kann geschehen durch eine be⸗ sondere Wertzuwachssteuer, durch welche in regelmäßigen Fristen oder bei jedem Eigen⸗ tumswechsel ein Teil des zugewachsenen Wertes in die Gemeindekasse abgeführt wird. Auf diese Weise würde der gewerbsmäßigen Bo⸗ denspekulation, die heute zum großen Schaden der Allgemeinheit ihr Unwesen überall dort treibt, wo eine Konzentration des wirt⸗ schaftlichen und gesellschaftlichen Lebens statt⸗ findet, einigermaßen die Freude am Geschäft verdorben. Die Befürchtung, daß die schärfere Besteuer⸗ ung des Grundwertzuwachses eine weitere Er⸗ höhung der Mieten zur Folge haben werde, hat sich nirgends bewahrheitet, wo man mit dieser Besteuerung vorgegangen ist. Fassen wir zum Schluß ein Urteil über den Reformplan der Regierung zusammen, so schließt das Offenb.Abendbl. seine Erörterungen, können wir uns zwar einverstanden erklären mit der Grundtendenz desselben: Ersetzung der alten fixierten Ertragssteuer durch Steuern nach dem gemeinen Wert der Objekte. Das bedeutet eine Annäherung an das neue System der Staatssteuer. Nicht einverstanden aber sind wir damit, daß die Regierung dabei auf halbem Wege stehen bleibt. Durch Einräumung des Schuldenabzugs würde der volle Anschluß an das Staatssteuerwesen gewonnen. Eine Unter⸗ scheidung der verschiedenen Wertsteuern wäre dann überflüssig; wie im Staat so würde in der Gemeinde neben der allgemeinen Einkom⸗ mensteuer eine einheitliche Vermögenssteuer als Ergänzungssteuer auf fundiertes Einkommen jeglicher Art erhoben. Diese aber müßte zur Schonung der Schwachen und zur gerechten Heranziehung der Starken progressiv gestaltet werden. Daneben aber sollte man den Gemein⸗ den das Recht gewähren, die Gewinne der Grundstücksspekulanten in gehöriger Weise durch eine Zuwachssteuer zu beschneiden. Nur ein so gerechtes Steuersystem ist geeignet, im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit zu wirken. . ̃ ͤ———— ß—ß———— Politische Rundschau. Gießen, den 19. Mai 1904. Junkerattentat auf das Wahlrecht. In jenem famosen Stück„Volksvertretung“, das sich zum größten Teile aus jenen Leuten zusammensetzt, welche sich als die„Edelsten und Besten der Nation“ dünken, die sich vom Herrgott eigens zu dem Zweck in die Welt gesetzt wähnen, daß sie über das gewöhnliche Volk herrschen, es maltraitteren und schurigeln und sich dafür von ihm gut ernähren lassen sollen, im preußischen Herrenhaus näm⸗ lich, kam es am Freitag zu einer interessanten Debatte. Sonst wird ja kaum beachtet, was dieses Junkerparlament„verhandelt“; diese Etats⸗„Beratung“ ist aber auch für das Volk beachtenswert, denn es traten dabei die Staats⸗ streichgelüste der Hochgebornen so unver⸗ hüllt wie noch nie zu tage. Die Manteuffel, Mirbach, Lucius und Konsorten liefern heftig Sturm gegen das Reichstagswahlrecht und der Hausminister des Kaisers, Wedel⸗ Pistorf brachte den fertigen Plan einer Wahl. rechtsänderung gleich in der Tasche mit: Ab⸗ schaffung des geheimen Wahlrechts, Heranffe des Wahlalters auf mindestens 30 Jahre und Einführung eines Zensus. Die Ueberzeugung ist unter den erblichen Gesetzgebern des preußischen Staates allgemein: Wenn es so weiter gehe, set der Zeitpunkt vor⸗ auszusehen, zu dem die Sozialdemokratie im Reichstag die Mehrheit haben werde. Mit geistigen Waffen sei gegen sie nichts auszurichten, und gar nicht so uneben verglich einer der aristokratischen Redner die Stellung seiner Sippe in diesem geistigen Kampf mit der Stellung der russischen Blutsfreunde im Japanerkriege. Daß mit der Kuute des Wahlrechtsraubes rechtzettig dreingehauen werde, ist ihre einzige Sorge. Der Hausminister Wedel gab die Versicherung ab, daß die Konservativen für Beseitigung des Wahl⸗ rechts unbedingt zu haben wären— eine Tatsache, die ohnehin jedem, der Zeitungen liest, bekannt war— und ermahnte die Liberalen, insbesondere auch das Zentrum, solchem er⸗ hebenden Beispiel zu folgen. Da man aber dieser Gefolgschaft immer noch nicht ganz sicher zu sein scheint, sah sich der jetzige Vizepräsident des Reichstags Graf Stolberg bemüßigt, im Namen seiner Fraktion den feierlichen Schwur zu tun, daß in ihren Reihen die Frage einer Aenderung des Reichstagswahlrechts niemals angeregt, erwogen und diskutiert worden sei. So tief muß sich also schon unter den heutigen Zuständen die stolze Herrenkaste vor dem souve⸗ ränen Volk demütigen, daß sie in feierlichen Versicherungen ihre wahren Absichten zu verschleiern und zu verheimlichen sucht. Die Gebornen des Herrenhauses dürfen es sich heraus⸗ nehmen, gegen Vernunft und Gerechtigkeit offen Attacke zu reiten, indes sich die Gewählten des Reichstags feige in den Busch legen müssen, den günstigen Augenblick zum Hervorbrechen vorsichtig abwartend. 5 Wie der Junker v. Manteuffel die Regierung zum Staatsstreich scharf machte, mögen folgende Sätze seiner Rede zeigen: „Noch ist der Kampf gegen die Sozialdemo⸗ kratie nicht zu spät. Sie ist die gefährlichste Krankheit, die am Staatsorganismus nagt. Wo man eine solche Epidemie bekämpfen will, da darf man sich bei der Desinfektion nicht darum kümmern, ob es diesem und jenem Nachbar übel riecht. Man muß energisch und zielbewußt vorgehen. Ich habe mir auf Grund einer umfangreichen Lektüre die folgenden als die vor⸗ nehmsten Gebote der Sozialdemokratie notiert: 1. Ver⸗ achte jede Regierung! 2. Ehre den König nicht! 3. Dein Vaterland sei dir total gleichgültig! Diese Lehren werden in gewissenloser und unglaublich frivoler Weise allent⸗ halben dem Volke eingeprägt. Nun sagt man; die Sozialdemokratie sei nur mit geistigen Waffen zu bekämpfen. Ja— kämpfen Sie mal mit geistigen Waffen(wenn mon keine hat! D. R.), wo es sie eine auf verhältnismäßig niedriger Bildungs stehenden Masse handelt. Die Sozialdemokrat ie die Lüge nach keiner Richtung. Sie wendet sich an die niedrigsten Empfindungen des Volkes, sie reizt die Lüsternheit und erregt gerade das, was niedergehalten werden soll, dadurch, daß sie zeigt, was alles unter ihrer Führung zu erreichen wäre, selbst für den ärmsten Mann. Also, wo kommen wir hin mit den geistigen Waffen? Hat doch neulich wieder der Abgeordnete Bebel im Reichs⸗ tag gesagt: Das Kontraktbruchgesetz, das doch wahrhaft milde genug gebalten ist, mache die preußischen Land⸗ arbeiter völlig rechtlos und hörig. Mit einer solchen Rede gehen dann natürlich die Agitatoren auf das platte Land. Gegen diese Art der Agitation muß eingeschritten werden. Wenn man gegen die Polen so viel Mut hat, durch die doch ein viel geringerer Schaden angerichtet wird, so wollte man den Mut der Aus nahmegesetze auch gezen die Sozialdemokratie haben. Und der edle fromme Graf Mirbach er⸗ klärte:„Würde man für das Reich das Land⸗ tagswahlrecht einführen, so wäre das e in Glück für die Nation. Der Ausbau der Sozialreform ist das nicht geeignetste Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie; er fördert nur die Begehrlichkeit.“ In dieser Art redete junkerliche Frechheit gegen die Volksrechte. Kein Minister stand auf, um zu erklären, daß die Regierung die Verfassung schützen werde. Das beweist, daß man bloß auf eine günstige Gelegenheit wartet, das Reichstagswahlrecht zu vernichten— wenn sich das Volk nicht rechtzeitig entschlossen zeigt, seine Rechte mit aller Energie gegen den Junker⸗ sturm zu schützen. Und für die Interessen und die Freiheit des Volkes einzutreten, ist Sache der Sozialdemokratie. Drum hat unser Partei⸗ vorstand ganz richtig die Herausgabe der Herren⸗ häusler⸗Reden als Agitationsbroschüre be⸗ schlossen. Nachwahl in Frankfurt a. O. Wie vorausgesehen werden mußte, haben wir auch das Mandat für Frankfurt⸗Lebus ver⸗ loren. Unser Genosse Dr. Braun, der seitherige Abgeordnete für diesen Kreis, kommt mit dem erung lgende demos lichste o man f man ob es nergisch Grund le bor⸗ „Ver- 3. Dein werden allent⸗ u; die en zu eigen sit 8 sic an izt die gchalten er ihrer Mann. Daffen! Reichb⸗ ahthaft Lond⸗ polchen 8 latte schrltlen it hat, gerctet gesetzt en. ich el⸗ ande a ein II der tel zul rdett cel ö and 9 0 ö Nr. 21. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 3. bei den Hauptwahlen überall durchgefallenen Nationalliberalen Basserma nn in Stichwahl, doch ist diese für uns ganz aussichtslos, da die Bündler selbstverständlich für Bassermann ein⸗ treten. Dieser erhielt 11747, Dr. Braun 11407 und der antisemitische Agrarier v. Jag⸗ witz 2872 Stimmen. Verglichen mit den Stimmenzahlen bei der Hauptwahl haben wir ca. 1500, die Gegner etwa 500 Stimmen ver⸗ loren. Unser Stimmenverlust ist sehr erklärlich. Denn es mußte auch hier noch nach den alten Wählerlisten gewählt werden; seit dem 16. Juni v. Is. snd, wie festgestellt wurde 3000 Wähler aus dem Wahlkreise verzogen! Daß es zum weitaus größten Teile unsere Wähler sind, die hier in Betracht kommen, ist sicher.— Die Stichwahl findet bereits diesen Freitag statt. Bei dem sicheren Wahlausgange hat es für unseren Parteigenossen eigentlich keinen Wert, noch irgend welche Anstrengungen zu machen. Ob sich Bassermann lange des Mandats erfreuen kann, ist allerdings sehr fraglich. Es sind soviel Verstöße gegen die Wahlvorschriften vorgekommen daß ein Protest die Ungültigkeitserklärung zur Folge haben muß. Noch eine Ersatzwahl findet am Pfingstsamstag im Kͤreise Straßburg⸗Land statt, wo die Wahl des demokratischen Rechtsanwalts Blumenthal für ungültig erklärt wurde. Von unserer Seite kandidiert Gen. Laurent Meyer, der bei den Hauptwahlen 3097 Stimmen erhielt. Die französischen Gemeinderatswablen, deren Ergebnis zwar noch nicht genau zu über⸗ sehen ist, zeigen im Allgemeinen, daß trotz der unter den Sozialisten herrschenden Zersplitter⸗ ung der Sozialismus sich immer weiter aus⸗ breitet und mehr Anhänger gewinnt. Russische Gerechtigkeit. Gegen verschiedene wegen der im April vorigen Jahres in Kischinew stattgefundenen Judenmetzelei Angeklagte wurde erst jetzt das Urteil gefällt. Nur sechs wurden verurteilt, darunter 2 wegen Mordes zu nur vier Jah⸗ ren Zwangsarbeit! Sechs wegen Mordes An⸗ geklagte wurden freigesprochen! Die Hauptschuldigen, die Polizei nämlich, war natür⸗ lich gar nicht angeklagt. Aus dem Reichstage. Außer dem Militär⸗ und Marine⸗ etat passierte am Mittwoch noch der des Reichsschatzamts, des Reichseisenbahnamts und der Postverwaltung die dritte Lesung. Es gab dabei bewegte Debatten, obgleich weder der Reichskanzler noch der Kriegsminister anwesend waren, trotzdem sie wußten, daß die Maßregel⸗ ung der in dem berühmten Bilseprozeß tätig gewesenen Richter und der Erlaß betreffend die Schriftstellerei der Offtziere zur Sprache kommen würde. Und daß dieser Erlaß tatsächlich ergangen ist, wurde nicht abgeleugnet. Große Bedeutung hatte weiter der Vorstoß, den der Vater des Zolltarifs, v. Kardorff, beim Marineetat unternahm. Zum erstenmale bekannte sich ein Parlamentarier offen zu den wahnsinnigen Flottenvermehrungs⸗ plänen, die seit einiger Zeit wieder herum⸗ spuken. Gleichzeitig präsentterte er ein großes Steuerbugkett, in dem sich sogar die Reichsein⸗ kommensteuer befand, der Regierung zur Durch⸗ führung dieser Pläne. Dieser Junker will nicht nur dem Volke durch den Zolltarif unerschwing⸗ liche Lebensmittelpreise abpressen, er mutet ihm auch noch zu, viele hundert Millionen Mark für unzählige Panzerkähne zu opfern. Beim Postetat gab es dann noch einen Zusammenstoß mit Herrn Kraetke, der sich immer selbstherrlicher entwickelt, je länger er im Amt ist. Herr v. Gerlach von der Frei. sinnigen Vereinigung und unsere Genossen v. Elm und Peus brachten zur Sprache, daß den Magdeburger Postbeamten die Zugehörig⸗ keit zum dortigen Konsumverein verboten wor⸗ den ist. Sie ließen es an scharfer Kritik nicht fehlen. Herr Kraetke aber schwieg, weil er nichts zu erwidern wußte. In der Freitagssitzung wurde zunächst der Gesetzentwurf für Entschädigung un⸗ schuldig Verhafteter in dritter Lesung angenommen. Unsere Fraktion stimmte dagegen, weil das Gesetz so gut wie gar nichts bietet. Und es lag an den Willen der Regierung, aus dem Entwurf etwas Gutes zu schaffen, man fürchtete aber, dem Volke schade die Ge⸗ rechtigkeit. Dann kam bei dem Justiz⸗ etat eine sozialdemokratische Resolution betreffend den Strafvollzug zur Verhandlung, die von Gen. Gradnauer eingehend und sachlich begründet wurde. Die Resolution fordert eine gründliche Abstellung der zahlreichen Mißstände in deutschen Strafanstalten, wie sie namentlich in Bezug auf die Disziplinarstrafen in der letzten Zeit in einer Reihe von Fällen hervorgetreten sind. Diese Fälle, die zum Teil in der Presse schon erörtert wurden, legte Gradnauer in aus⸗ führlicher und eindringlicher Weise dar. Die Erwiderung des Staatssekretärs Nieber⸗ ding war sehr matt. Nach ihm ist alles gut, die Maschine funktioniert tadellos; ein paar Fehlgriffe mögen vorkommen sonst aber ist alles in Ordnung. Mit großem Behagen erzählte der Staatssekretär, daß Anklagen gegen die Blätter erhoben sind, welche die Enthüllungen aus den Strafanstalten gebracht haben. Man wird sich natürlich verurtetlen, auch wenn sie alles haarscharf beweisen: wegen formaler Be⸗ leidigung. Man kennt das. Die bürgerlichen Redner ohne Ausnahme pflichteten dem Staatssekretär bei; alle Unter⸗ schiede der Parteischattierung verschwanden im Wetteifer der Sozialistentökung. Die Antise⸗ miten Werner und Fröhlich vereinigten sich mit dem Nationalliberalen Dr. Lucas und dem Zentrumsjuristen Dr. Spahn zur Aufrechter⸗ mare des bestehenden Zustandes; aber alle bürgerlichen Redner übertrumpfte in zweimaligen Ausführungen der freistnnige Volksparteiler Dr. Mugdan, dessen Ausführungen wilden Jubel bei den Jun kern entfesselteu. Natürlich wurde die Resolution abgelehnt; nur ein einziger bürgerlicher Abgeordneter, v. Gerlach stimmte mit unserer Partei dafür. Am Samstag, in der letzten Sitzung vor den Pfingstferien, fand die erste Beratung eines Gesetzentwurfs statt, der die Entlastung der Zivilsenate des Reichsgerichts bezwecken soll. Das will man dadurch erreichen, daß man die Streitsumme, bis zu welcher herab Revision möglich ist, und die bisher 1500 Mk. betrug, auf 3000 Mk. hinaufsetzen will. In Verbind⸗ ung damit hatten alle bürgerlichen Parteien den Antrag gestellt, die Zuständigkeit der Schöffengerichte nach verschiedenen Richtungen hin auszudehnen, so daß für die dort behandelten Strafsachen die Strafkammern des Landgerichts zur letzten Instanz werden, was wiederum zur Entlastung der Strafsenate des Reichsgerichts führen soll. Unsre Partei nahm gegen beide Vorschläge Stellung. Stadthagen machte mit Recht darauf aufmerksam, daß durch die Zuweisung weiterer Vergehen an die Schöffen⸗ gerichte der Staatsanwaltschaft in noch höherem Maße als bisher die Freiheit erhielte, den An⸗ geklagten vor das Gericht zu bringen, das am ehesten eine hohe Bestrafung wahrscheinlich mache. Die Erhöhung der Revisionssumme bezeichnete er treffend als mechanisches, plumpes und plutokratisches Mittel, die Entlastung des Reichsgerichts herbeizuführen. Die Entlastung des Reichsgerichts erscheint ihm auch nicht so gar dringlich, da jeder Richter wöchentlich nur ein Urteil anzufertigen hat und weite Ge⸗ biete des Arbeiterrechts, die seit langer Zeit vernachlässigt waren, viel notwendiger einer gründlichen organisatorischen Regelung bedürfen. Dieser Ansicht war auch der Zentrumsmann Schmidt⸗Warburg, dessen Fraktion sichftrotzdem der Vorlage günstig gegenüberstellte.— Schließ⸗ lich gelangte noch eine Resolution zur An⸗ nahme, welche eine Besteuerung des Stärke⸗ zuckers verlangt, dem Volke also wieder neue Lasten auferlegen und den Zuckerbaro ten höhere Gewinne zuschanzen will. Natürlich stimmte unsere Partei da gegen. .———— Nussisch⸗japanischer Krieg. Stetiger Rückzug der Russen. Aus den zahlreichen Nachrichten vom Kriegsschau⸗ platze geht mit Sicherheit nur das eine hervor, daß die Russen immer weiter nach Norden zu⸗ rückgetrieben werden. Die russische Gefechtslinie rückt stetig näher auf Mukden zurück, die Japaner sind fast bis auf Gefechtsnähe herangekommen. Aus Niutschwang wird bestätigt, daß die Stadt jetzt von den Russen völlig geräumt ist. — Am Montag drangen 17 japanische Kriegs⸗ schiffe gegen Senioutschen vor und eröffneten ein heftiges Feuer auf die Stadt, während 5 Transportschiffe Truppenladungen vornahmen. — Die Japaner rückten sofort nach Haitschöng vor.— Port Arthur scheint nunmehr voll⸗ ständig isoliert zu sein. Vom Heimarbeiterschutzkongreß erstattete, wie bereits in letzter Nummer kurz erwähnt, Genosse Mirus⸗Frankfurt in zwei Versammlungen in Gießen und Marburg Bericht. Bekanntlich fand der Kongreß am 7. und 8. März im Gewerkschafts⸗ hause in Berlin statt. Es waren eine Anzahl Ge⸗ werbeinspektionsbeamte, Reichstagsabgeordnete, Aerzte, bürgerliche Sozialreformer und Vertreterinnen der Frauen⸗ vereine anwese d. Auf die Verhandlungen des bedeut⸗ ungsvollen Kongresses sei im Folgenden etwas aus⸗ führlicher eingegangen, was bisher aus räumlichen Gründen unterbleiben mußte. Dieser Kongreß, der erste in seiner Art, war von der Generalkommisston der Gewerkschaften auf Grund eines Beschlusses des Stuttgarter Gewerkschaftskongresses einberufen. Die Einladungen dazu ergingen an alle Arbeiterorganisationen, sozialpolitische Vereine und Staats⸗ behörden. Von den christlichen Gewerkschaften wurde eine Beteiligung unter lächerlichen Ausreden abge⸗ lehnt. Auch das Reichsamt des Innern erklärte, daß kein Beamter zur Entsendung zu dem Kongresse zur Verfügung stehe. Deswegen sah jedenfalls auch die öster⸗ reichische Regierung von einer Delegation ab, obwohl sie bereits eine solche beschlossen hatte. Als erster Redner sprach auf dem Kongresse der Vorsitzende des Schneiderverbandes, Käming, über: „Die soziale Lage und die Notwendig⸗ keit des gesetzlichen Schutzes der Heim⸗ arbetter und ⸗Arbeiterinnen.“ Er schilderte eingehend die Verhältnisse in der Heimindustrie und legte eine Unsumme von Elend bloß. Wenn früher die Hausindustrie als segensreich und für das Familienleben als förderlich hingestellt worden sei, so erkenne man jetzt, daß das Gegenteil der Fall sei, sie ist eine Quelle größten Elendes. Wieviel Personen hausindustriell beschäftigt sind, weiß man nicht genau; die amtliche Statistik läßt uns hier im Stich, sie verzeichnet bei der Berufszählung vielfach die Heimarbeiter als selbständige Gewerbetreibende. Nach der Statistik von 1895 werden 456 982 Personen als in der Hausindustrie tätig aufgeführt, diese Zahl ist jedoch viel zu niedrig. In verschiedenen Industrien sind mehr als die Hälfte der darin Beschäftigten Heimar⸗ beiter, so in der Spitzen- und Weißzeugstickerei, Geigen⸗ macherei, Spielwarenindustrie uw. Frauen und Kinder sind in großer und stets steigender Zahl in der Heim⸗ industrie beschäftigt. Der Redner ging dann auf die Lohn⸗Verhältnisse der Heimarbeiter ein und führte hier geradezu schauerliche Zahlen an. Zum Beispiel wird im Taunus für das Pressen von 1000 Haarnadeln 6 Pfg. bezahlt; die höchste Tagesleistung der Haar⸗ nadelpresser beträgt 7—8000, Verdienst also 42—48 Pfennig; Trostlos sind die Verhälenisse in der Schwarz wälder Uhren industrie, wo sogar Kinder unter 6 Jahren mit zur Arbeit herangezogen werden. In der Solinger Gegend arbeitet die ganze Fa⸗ milie Tag und Nacht um einen Wochenverdienst von 12—15 Mk. zu erzielen. Dost zeigt sich auch die degenerierende Wirkung der Heimarbeit auf die Bevöl⸗ kerung. 17jährige Haus arbeiter machen den Eindruck 10jähriger Knaben. Am schlimmsten sind jedoch die Pfeifen macher im Ruhlaer Bezirk, sowie die Thüringer Korbmacher und die in der dortigen Spielwaren⸗ in dustrie beschäftigten Arbeiter daran. Trotzdem die Pfeifenmacher das Holz stehlen— was auch der Behörde bekannt ist— bringen sie es nur auf 7—8 Mk. Wochenlohn. Die Löhne in der Korbindustrie sind so schlecht, daß selbst die Innungen dagegen auftreten. Bei Anfertigung von Kinderspielwaren bringt es die ganze ököpstige Familie auf 10 Mark Wochenlohn; Kinder von 4 Jahren müssen mitarbeiten. Im Sonne⸗ berger Bezirk sind 47% aller Kinder in der Haus⸗ industrie tätig und haben eine wöchentliche Durchschnitts⸗ arbeitszeit von 50 Stunden. Unglaublich niedrige Preise werden ür die Spielwaren bezahlt. Eine Näherin von Puppenkleidern verdiente bel größtem Fleiße durchschnitt⸗ Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeilung. Nr. 21. lich 3,30 Mk. wöchentlich und mußte dabet noch ver⸗ schiedene Zutaten stellen! Noch trauriger sind die Ver⸗ hältnisse in der Blumen⸗ und Federn fabrikation. Hier führte der Redner haarsträubende Einzelheiten an; es ist gar nichts seltenes, daß ganze Familien 5 und 4 Mk. in 14 Tagen bei angestrengtester Tätigkeit verdienen. Nicht viel besser sieht es iu der Hand⸗ schuhfabrikation aus. Bei einer 13—14stün⸗ diger Arbeitszeit verdient eine geschickte Näherin in Arnoldshain i. Taunus 90 Pfg. bis 1 Mk.— In der Tabakindustrie war die Heimarbeit von jeher stark in Uebung, hat sich aber in der letzten Zeit noch mehr ausgebreitet. Auch hier herrschen die er⸗ bärmlichsten Löhne, schlechteste Wohnungsverhältnisse be⸗ stehen und ziehen Krankheiten nach sich. Hier zeigt sich, daß die Heimarbeiter bei längerer Arbeitszeit weniger verdienen, als die Fabrikarbeiter. Das kommt daher, weil die Heimarbeiter das schlechtere Rohmaterial be⸗ kommen. Kleiderkonfektion wird viel im Taunus und Vogelsberg betrieben. Da wird für 23 und 26 Pfennige die Arbeit gemacht! In Aschaffenburg nehmen die Hausbesitzer keine Schneider mehr in die Wohnungen weil sie die Miete nicht bezahlen können. Das Essen der Konfektionsarbeiter besteht fast nur aus Kartoffeln und Kaffee. Diese Speisekarte erleidet auch in der „guten“ Zeit keine Veränderung, weil da keine Zeit zum Kochen vorhanden ist! Fast den ganzen Tag wäl⸗ zen sich die Kinder im Bette herum, für ihre Wartung und Pflege ist keine Zeit. Das ist das„Familienglück“. Krankheiten aller Art, besonders Tuberkulose sind die unausbleibliche Folge und finden durch die Kleider weiteste Verbreitung. So wurden durch die beiden Referenten und dann auch in der Diskusston die ungeheuerlichsten wirtschaft⸗ lichen und sozialen Mißstände bloßgelegt. Von allen Seiten brachte man riesiges Material bei und betonte die Notwendigkeit gesetzlichen Eingreifens. Der zweite Referent, Prof. Dr. Sommerfel d⸗Berlin beleuchtete die Schäden der Heimarbeit vom ärztlichen Standpunkte und brachte zwingende Beweise für die größere Ver⸗ breitung der ansteckenden Krankheiten durch die Heim⸗ arbeit. Es gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, worin die einzelnen, an die Gesetzgebung zu stellenden Forderungen aufgezählt werden. Mit dem Kongreß war eine reichhaltige Ausstellung von Erzeugnissen der Heimarbeit verbunden, die eine zwar stumme, aber deshalb nicht minder eindringliche und verständliche Sprache von dem Elend der Heimarbeit redete. Diese Ausstellung bildete eine äußerst lehrreiche Ergänzung zu den Verhandlungen des Kongresses, sie zeigt durch sichtbare Tatsachen, wie sehr die Forderung: Schutz den Heimarbeiternl begründet ist. ——————ͤ—„— von Nah und Fern. Hessisches. — Die Aussichten der Wahlrechts⸗ vorlage sind immer ungünstiger geworden, es ist äußerst fraglich, ob sich in der Zweiten Kammer die nötige Zweidrittelmehrheit dafür finden wird, es wird sogar vielfach die Mein⸗ ung ausgesprochen, daß die Wahlreform so gut wie gescheitert sei. Die Wählerschaft im ganzen Lande war und ist einmütig in der Verurteilung des verrotteten indirekten Wahl⸗ systems und die meisten Abgeordneten auch der antisemitischen und nvationalliberalen Partei versprachen in ihren Kandidatenreden, für seine Beseitigung eintreten zu wollen. Jetzt bietet nicht nur der Wormser Lederkönig Heyl alles auf, um die Wahlreform zu vereiteln, sondern auch die Hirschel und Köhler, die sich gerne ein volkstümliches Mäntelchen umhängen, suchen die Vorlage unter allerhand nichtigen Vor⸗ wänden zu Falle zu bringen. Die ländlichen Wähler über das Verhalten dieser„Volksver⸗ treters“ aufzuklären, wird unsere Aufgabe sein. Allerdings haben die indirekten Wahlrechtsfeinde den Entwurf so zurechtgestutzt, daß wir, wenn er abgelehnt wird, nicht viel verlieren, immer⸗ hin bedeutete die Einführung der direkten Wahl einen kleinen Fortschritt.— Die oberhessischen Abgeordneten waren am Dienstag wegen Ein⸗ teilung der Wahlkreise zusammen, konnten sich aber nicht einigen. Köhler verlangte, daß den städtischen Wahlbezirken Gießen und Friedberg noch einige Landgemeinden zugeteilt würden, dem Gutfleisch widersprach.— Dienstag trat der Wahlausschuß zusammen und regelte die Einteilung der oberhessischen Kreise. Gießener Angelegenheiten. — Feiertage! Das Wort löst auch bei dem abgerackerten Arbeitssklaven freudige Gefühle aus, obwohl er nicht in der Lage ist, * ich viel Genüsse bieten zu können. Wenigstens ist er ein paar Tage frei und kann die herr⸗ liche Natur im prangenden Frühlingsschmuck bewundern und genießen. Darum hinaus ins Freie mit Kind und Kegel! Nicht zu Hause geblieben, weil etwa die Festtags⸗Garderobe zu wünschen übrig läßt. Welche Frende gewährt es den Kindern, wenn ste sich ein paar Stunden im Walde tummeln können!— Von unsern Vereinen und Organisationen sind größere Ver⸗ anstaltungen für die Pfingstfeiertage nicht vor⸗ gesehen, nur die„Freie Turnerschaft“ hat für den zweiten Feiertag nachmittags auf der Pulvermühle eine gemütliche Zusammenkunft vorgesehen. Am gleichen Tage 3 Uhr gehen die Holzarbeiter ab Wiener Hof nach Heuchelheim und treffen sich dort in Wirtschaft Volkmann.— Die Veranstaltungen anläßlich des hier über Pfingsten stattfindenden„nationalen“ Gesangs⸗ Wettstreites dürften von Arbeitern wegen der damit verbundenen großen Kosten weniger frequentiert werden. Uebrigens hat auf viele Arbeiter die ganze Art, wie dieses Sängerfest in die Wege geleitet wurde, unsympathisch ge⸗ wirkt. Nun, wir wünschen allen und besonders unsern Freunden und Genossen gutes Wetter und fröhliche Pfingsten! — Ueber die„unparteiische“ Presse sagte das„Dresdener Journal“, das amtliche Organ der sächsischen Regierung, kürzlich in einem Leitartikel Folgendes: „... Darunter gehören in gewisser Be⸗ ziehung auch die unparteiischen, parteilosen oder unpolitischen Zeitungen, denn diese stumpfen das politische Verantwortlichkeits⸗ gefühl weiter Bevölkerungskreise ab und züch⸗ ten die politische Indolenz. Heutzutage aber muß gerade darauf gehalten werden, daß jeder deutsche Staatsbürger sich seiner Bür⸗ gerpflicht bewußt wird und politisch Farbe bekennt.“ Das mögen sich diejenigen Arbeiter merken, die sich und ihre Klassengenossen da⸗ durch schädigen, daß sie die sogenannten unparteiischen, in Wirklichkeit aber arbeiter⸗ feindlichen Blätter durch Abonnement unter⸗ stützen. — Bäckerprofite. In Marburg haben die Bäcker den Brotpreis um 6 oder gar 8 Pfg. pro 4 Pfundlaib herab gesetzt, um die Konsumbäckerei nieder zu konkurrieren. Da sieht man, was die Bäcker profitieren. Und in Gießen würde die Wiedereinführung des Brotoktrois die Bäcker zu einem Aufschlag veran⸗ lassen und somit noch höhere Profite bringen. — Lohnbewegung der Maurer. Am Sams⸗ tag fand wiederum eine sehr stark besuchte Maurerver⸗ sammlung im„Wiener Hof“ statt, in der Wilh. Schneider⸗ Vilbel den Stand der Lobnbewegung besprach und das Verhalten der Unternehmer, die sich noch nicht einmal zu einer Antwort auf die eingesandten Forderungen be⸗ quemten, wurde getadelt. Die Anwesenden waren sich darüber klar, daßalles getan werden müsse, um alle in Gießen beschäftigten Maurer zu dem Verbande heranzuziehen. — Unser Kreisfest findet bekanntlich am 19. Juni, also vier Wochen nach Pfingsten in Steinberg statt. Das Komité ist mit den Vorbereitungen dazu beschäftigt, es wird sich bemühen, das Fest zu einem echten und rechten Arbeiterfest zu gestalten und den Teilnehmern ein paar fröhliche und heitere Stunden zu ver⸗ schaffen. Außer dem bietet das Fest die einzige Gelegenheit im Jahre, wo unsere Parteifreunde aus dem Kreise sich zusammen finden, sich kennen lernen und ihre Meinungen austauschen können. Insosern hat es eine agitatorische Bedeutung und es muß sich mehr und mehr zu einem allgemeinen Rendezvous unsrer Ge⸗ nossen im Kreise entwickeln. Deshalb muß aller⸗ orts für größtmöglichste Beteiligung gesorgt werden, was um so leichter zu erreichen ist, als große Kosten damit nicht verbunden sind. Jumerhin erscheint es angebracht, daß unsere Genossea bei Zeiten ihre Vorbereitungen treffen. — Eine Verlegung des Festes findet nicht statt, sollte schlechtes Wetter eintreten, so ist für Unterkunft genügend gesorgt. — Amtsblatt⸗Gemeinheit. In außerge⸗ wöhnlich niedriger und gehässiger Weise reißt der An⸗ zeiger die russischen Revolutionäre herunter. Etwa auf Grund irgendwelcher Tat sachen? Nein, er stützt sich auf den— Roman eines Schriftstellers, der früher mal durch die sozialdemokratische Partei gelaufen! Uns und vielen andern stehen die russischen Revolutionäre die der Anz. mit Schmutz bewirft, moralisch bedeutend höher wie Reptilredakteure. — Ein diebischer Postbeamter stand am Dienstag in der Person des früheren Postboten Wilh. Spengler beim Gießener Postamte aus Kützellinden vor der hiesigen Strafkammer. Er pflegte die Dur e gangspakete zu plündern, die hier auf dem Bahn hof⸗ umgeladen wurden. Später, als er von der Post ent⸗ lassen war, versuchte er sich in einer andern Spitzbuben⸗ Spezialität, indem er im hiesigen Bahnhofs⸗Wartesaal einem schlafenden Reisenden Uhr und Portemonaie zu entwenden suchte und das noch in Gegenwart zweser Schutzleute! Das Gericht verurteilte den ungetreuen Postjünger zu 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehr⸗ verlust. Der Staatsanwalt hatte 3 Jahre Zuchthaus beantragt. Aus dem Rreise Friedberg⸗Büdingen. r. Die Landtags⸗Ersatzwahl für den Abg. Weith findet bereits diesen Freitag(20. Mai) statt. Man darf auf den Ausgang einigermaßen gespannt sein, denn die Bündler arbeiten gewaltig für ihren Ge⸗ nossen Schlenke, während die Nationalliberalen alles daran setzen, um den Advokaten Windecker durchzu⸗ bringen. Dem Ausgang der Wahl, der uns ja ziemlich kalt lassen kann, können wir in dieser Nummer nicht mehr mitteilen. Aus dem Rreise Wetzlar. X. Wer hat Lust nach Afrika? Auf die öffentlichen Gesuche Freiwilliger für die südwestafrikanische Expedition gegen die auf⸗ ständischen Negerstämme haben sich, wie wir hören, auch einige Leute aus Wetzlar gemeldet. Darunter befinden sich welche, die törichterweise ihre auskömmlichen Stellen preisgeben, in der Hoffnung, etwas bei dem Kriegszuge heraus⸗ zuschlagen. Sie werden sich sehr täuschen. Wie es dort in Afrika aussieht, geht aus einem Briefe hervor, den der Gefreite Uhde an seine Eltern in Hanno ver gerichtet hat. Es heißt darin: „Ihr müßt nicht denken, daß die Namen, die Ihr da lest, Dörfer oder Städte sind. Das sind nur Wasser⸗ stellen, tiefe, in irgend einer Senkung eingehauene Wasserlöcher, in welchen sich während der Regenzeit das Wasser ansammelt. Dieses Wasser muß nach Aussage landeskundiger Leute ein halbes Jahr reichen. Was dies für Wasser ist, könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. In Deutschland würde man sich nicht darin waschen. Roh kann man überhaupt kein Wasser trinken von dem, was wir angetroffen haben. Wir sind jetzt auch gerade in der Regenzeit; 14 Tage sind wir gar nicht trocken geworden. Dazu ist es nachts so kalt, wie es am Tage warm ist. Nun haben wir bloß einen Anzug mit, der trocken werden muß, wenn er naß geregnet ist. Wir haben jetzt ein kleines Zelt für fünf Mann, das dem Oberleutnant Eggers, der nun auch erschossen ist, gehörte und das uns der Bursche des Oberleutnauts geschenkt hat. Aber die andern müssen im Regen aushalten. Wir können uns kaum etwas kochen. Kurz und gut, wir werden jetzt von den Farmern, welche meist Chargierte sind, den Ein⸗ geborenen gleichgestellt.“. Demnach dürfte es mancher Abenleuerlustige bereuen, mit nach Afrika gezogen zu sein. h. Fallissement des Ordnungs mannes. Ueber das Vermögen des Handschuhfabrikanten und Stadtverordneten Oskar Dtetrich ist laut amt⸗ licher Bekanntmachung das Konkursverfahren eröffnet worden. Derartiges kann nun gewiß auch einem tüch⸗ tigen und gewissenhaften Geschäftsma nn passieren. Dieser Fall ist aber deshalb erwähnenswert, weil der Betroffene mit dem wegen Wechselfälschung verurteilten Herm. Jakob in Verbindung stand und von dessen geschäft⸗ lichen Praktiken jedenfalls schon lange vor der Kata⸗ strophe Kenntnis hatte. Dabel bekleidete Dietrich ein städtisches Ehrenamt! Er war es auch, dessen über⸗ schuldetes Konto im Kreditverein die Krise in demselben mit in erster Linie herbeiführte und möglicherweise ge⸗ hören auch die Mitglieder des Vereins mit zu den Leidtragenden. Ueber die Arbe'tsverhältnisse bei Dietrich führten die Arbeiter oft Klage; fast immer einige Zeit vor den Feiertagen wurde eine Anzahl Arbeiter entlassen.— Der Kreditverein beschloß in der letzten Generalversammlung eine Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. h. Die Metzger⸗Innung hat die Wetzlarer Einwohnerschaft mit einem Fleisch-Aufschlag be⸗ glückt und fordert für das Pfund Ochsenfleisch 75 und Rindfleisch 68 Pfennige. Was die Metzger veranlaßt, jetzt trotz mäßiger Viehpreise auf einmal die Fleischpreise in die Höhe zu schrauben, danach fragen sich die Kon⸗ sumenten vergebens, zumal aus Stuttgart, Mainz und andern Städten Herabsetzung berichtet wird. en Juhu 1 Juit (chen gr. — 410 bu einn peil * ii de der ge eil 55 1 25 wat Sache ane hiler Ame ata fal 9 A8 Nan dag g Make U wird ö Marre daß d —— 3 S D2 — 2— dt 10 U 8 00 1 die uum 9 hätte bund wat b. babe a na K J t zwi agetten zen Eh uhthn en. en Wh. i) fut. gespannt ren ge⸗ en allez durch, ziemlich er nicht 7 f für die ie auf. ble wir emeldet. terweise in det heraus⸗ . Wie einen in seine 98 heißt die Ihr. Zasser⸗ gehauene zeit das Augsage l. Was yorstellen. darin 1 Wasser Wir find sind wir es nachts ben wit en muß, n kleines Eohers/ ung der de andern is kaum bon den 1 Ein lustige i. annes. n ud aut amt, erffnet nem lich⸗ l. Dieset etoffele Herm. gechöft⸗ er Kall; ch eln tn ien deusaben weise ge⸗ z del ale bel 0 immer : Ach . 0 ö 1 eee ee zwei folgten die übrigen„Leidtragenden“. 5 9— Haarschneiden, Rasieren Nr. 21. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. = Ein Fastnachtsult vor Gericht. In Krof dorf veranstalteten am 16. Februar 17 dortige Burschen einen Fastnachtsauf zug. Sie führten einen Simmenthaler Ochsen durchs Dorf, eskortiert von Gendarmenuniform tragenden Burschen. Vor dem Ochsen trug ein dritter Bursche ein Transparent mit der Aufschrift:„Krofdorf, den 16. Februar 1904. der gefesselte Simmenthaler,“ während ein vierter Bursche einen Karren mit Akten mit der Aufschrift„Beschlagnahmt“ nachfuhr; neben dem Karren ging in Leichenbittermiene ein Herr in Schwarzem Rock und Zylinderhut, und dann Der Zug erregt⸗ überall große Heiterleit. Nur im Bürgermeisterhaus war man nicht erbaut davon. Dort faßte man die Sache nicht als einen lustigen Scherz auf, sondern als eine Verhöhnung der Person des Bürgermeisters Lichten⸗ thäler, der bekanntlich im Dezember wegen Vergehen im Amte verhaftet worden war. Lichtenthäler stellte Straf⸗ antrag und nun haben sich die Missetäter kommenden Freitag vor dem Wetzlarer Schöffengericht wegen Ver⸗ gehens gegen die§8 9, 10, 17 des Vereinsgesetzes(Ver⸗ anstaltung eines nicht genehmigten Aufzuges) und wegen 8 485 des Str.⸗G.⸗B.(Beleidigung) zu veranworten. Man muß sich über die Strenge, mit der hier vorge⸗ gangen wird, wundern, weil doch im Allgemeinen für Maskenaufzüge keine polizeiliche Genehmigung geholt wird und ja auch anderswo unter dem Deckmantel der Narrenfreiheit mancher boshafte Scherz verübt wird, ohne daß die Staatsanwälte sofort in Aktion treten. Aus dem Rreise Marburg⸗Kirchhain. * Ueber„sozialdemokratische Vor⸗ gaukelungen“ entrüstete sich kürzlich die „Hess. Landeszeitung“. Sie schrieb: „Mit welch' albernen Versprechungen man noch in einigen Teilen der Sozialdemokratie die Arbeiter abzuspeisen wagt, beweist die von den Genossen in Hannover herausge⸗ gebene Maifestzeitung. In diesem Pamphlet wird, der„Weserztg.“ zufolge, den Arbeitern ganz ernsthaft gesagt,„ihr werdet einst auf eigenen Wagen fahren, mit eigenen Schiffen touristisch die Meere durchkreuzen, in Alpen⸗ regionen klettern und schönheitstrunken durch die Gelände des Südens, der Tropen schwei⸗ fen, auch nördliche Zonen bereisen, oder ihr saust mit eurem Luftgespann über Erden im Wettflug von Wolken, Winden und Sternen dahin. Nichts wird euch mangeln, keine irbische Pracht gibt es, die euer Auge nicht schaut. Fragt ihr aber, wer euch solches bringen wird? Nun: einzig allein nur der sozialdemokratische Zukunfts⸗ staat!“ Aber nicht bloß das Marburger Blatt geht mit diesen Sätzen krebsen, mit denen schon vorher der Edle v. Riepenhausen im Reichstage seine feudale Rede würzte, auch der vielbe⸗ rühmte Teutone Hirschel, der seinen Wig⸗ wam jetzt in Friedberg aufgeschlagen hat, ser⸗ viert sie seinen paar Lesern als gefundenes Fressen.— Nun, wir können mit gutem Ge⸗ wissen sagen, daß wir die Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Dinge mit Nüch⸗ ternheit betrachten, wir fühlen uns frei von Zukunfts⸗Illussionen. Und wenn das obige Zitat wirklich in einer sozialdemokrotischen Zeitung gestanden hat— eine„Hannoversche Maizeitung“ gibt's nicht— so stehen wir nicht an, es als eine poetische Uebertreibung zu bezeichnen. Und eine solche soll es sein, wird auch nicht anders von den sozialdemokra⸗ tischen Lesern aufgefaßt. Aber liegt das, was da gesagt wird, nicht im Bereiche der Möglich⸗ keit? Da haben sich doch schon Dinge erfüllt, die man einige Jahrzehnte vorher für viel unmöglicher gehalten hätte. Wenn z. B. vor 5 Jahren jemand Herrn Hirschel gesagt hätte, daß er im Jahre 1904 in den Junker⸗ bund einschwenken werde, den hätte er ganz Meiner werten Kundschaft ben Nachricht, daß sich mein Salon und Frisieren Lötren gasse 13 befindet und bitte um recht zahl⸗ reichen Besuch, saubere und nur gute Bedienung zusichernd. Achtungsvoll! Max Roscher, en, Wieseck Am 2. Pfingstfeiertage, vou nachmittags 4 Uhr ab: gutbesetzte Tanzmusik wozu ergebenst einladet: bestimmt für verrückt erklärt. Dasselbe haben die Nationalsozialen getan, wenn ihnen vor etlichen Jahren ihr politischer Bankrott voraus⸗ gesagt wurde. Und heute??— Noch eins. Pie Leute des Bündlerorgans und der Marburgerin verhöhnen obige Zukunftsstaats⸗Phantasie. Sie sind doch Christen und gehen hoffentlich dann und wann in die Kirche. Vielleicht singen sie dort mal das Lied Nr. 489 des hess. Gesang⸗ buches, dessen letzter Vers lautet: Ihr, die jetzt in Thränen speiset, Denkt an des Himmels Freuden mahl; Ob ihr noch durch die Wüste reiset, Gott bringt euch in den Ehrensaal: Da werdet ihr mit Freuden sehen, Wie wohl mir durch den Tod geschehen. Sie werden nicht wagen, dies als„sozial⸗ demokratische Vorgaukelung“ zu bezeichnen. r. Konsumverein. In der letzten Generalver⸗ sammlung des Konsumvereins gab zunächst der Ge⸗ schäftsführer einen Ueberblick über Stand und Entwickel⸗ ung des Vereins. Mit Genugtuung konnte er mitteilen, daß der Verein in bester Blüte stehe. Der Umsatz hat sich seit der letzten Generalversammlung wieder verdoppelt. Die Mitgliederzahl beträgt 385. Tadeln mußte er jedoch die schlechte Einzahlung der Geschäftsanteile einer An⸗ zahl Mitglieder, die entweder garnicht oder aber sehr wenig eingezahlt hätten. Er ermahnte die Mitglieder dringend, in dieser Beziehung besser ihren Verpflichtungen nachzukommen; denn es sei ein großer Vorteil für den Verein, wenn genügend Mittel zur Verfügung stünden. Ferner macht er auf die eingerichtete Sparkasse für Kohlen⸗ und Kartoffelbezug aufmerksam und empfiehlt besonders den minderbemittelteu Mitgliedern, beizeiten einige Spargroschen dafür zurückzulegen.— Die Filialen in Ockershausen und Kappel entwickeln sich prächtig; weniger gut das zweite Marburger Geschäft, quo noch einige Mängel abzustellen sind.— Nach erfolgter Wahl eines Aufsichtsratsmitgliedes wendet sich die Versamm⸗ lung der Bäckerei angelegenheit zu. Es wird besonders zur Beachtung für die Frauen darauf hingewiesen, daß die Konsunbäckerei jede Backware frei 590 Haus liefere und selbstverständlich auch Kuchen backe. r. Der Wahlverein hält Samstag, den 28. Mat eine Versammlung im Lokale Jesberg ab wozu zahlreicher Besuch erwartet wird. Auch Nichtmitglieder haben Zutritt. r. Feiertagsausflüge und⸗-Vergnügen. Am 1. Feiertage unternehmen die Marburger Genossen einen Ausflug durch die Marbach nach Wehrshausen. Ab⸗ marsch punkt ½3 Uhr von Rest. Jesberg. Abends 9 Uhr in diesem Lokal Familienabend. Am 2. Feier⸗ tage Ausflug nach Hansenhaus links. Abmarsch 3 Uhr vom„Rumlaufsplatz“. r. Die Gewerkschaftsversammlung am Samstag, in der Gen. Mir us⸗Frankfurt über den Heimarbeiterschutz⸗Kongreß berichtete, war zahlreich besucht. Dem Vortrage des Redners folgten die Versammelten mit gespannter Aufmerksamkeit und spendeten lebhaften Beifall.(Bezüglich der sachlichen Ausführungen verweisen wir auf den Artikel über den Heimarbeiterschutzkongreß in der heutigen Nummer. D. R.) — Im weiteren Verlauf der Versammlung besprach ein Mitglied der Gewerkschaftskommission die christlichen Gewerkschaften in Marburg und forderte die Anwesenden auf, für die Erstarkung der freien Gewerkschaften nach besten Kräften zu sorgen. Aus dem Rreise Dillenhurg⸗Herborn. t. Die Parteiversammlung für den V. Wahl⸗ kreis, die am zweiten Pfingsttage mit Dr. Quarck als Referenten stattfinden follte, ist für diesen Tag wegen Lokalschwierigkeiten unmöglich geworden. Sie wird an einem späteren Sonntage ab gehalten. Der Frankfurter Raubmord an dem Klavierhändler Lichtenstein wurde von Montag bis Mittwoch vor dem Frankfurter Schwurgericht verhandelt. Während der An⸗ geklagte Stafforst geständig war und seine Reue an den Tag legte, versuchte der andere Mordgeselle Groß seine Mittäterschaft in Ab⸗ rede zu stellen. Das gelang ihm natürlich nicht, es scheint im Gegenteil, daß er derjenige war, der den Mordplan entwarf. Wie vor⸗ auszusehen, sprachen die Geschworenen das „Schuldig“ aus, und Beide wurden z u m Tode verurteilt. Seit der Verurteilung Liskes im Jahre 1885 war in Frankfurt kein Todesurteil mehr gefällt worden.— Der Pro⸗ zeß wurde von der bürgerlichen Presse in wider⸗ licher Weise sensationell ausgebeutet, auch der „Wetzl. Anz.“ füllte fast sein ganzes Blatt mit dem Berichte! * Messerstecherei. In Großkarben ge⸗ rieten am Himmelfahrtstage mehrere Burschen bei einer Waldfeier in Streitigkeit. Einer der Streitenden verletzte drei andere schwer durch Messerstiche. * Opfer der Arbeit. Auf der Hütte„Phönix“ bei Ruhrort wurden vier Arbeiter durch ausströmende Gase betäubt. Zwei Arbeiter blieben tot. * Von einem Automobil wurde Sonntag Abend bei Griesheim a. M. ein Mann namens Noß und sein fünfjähriges Töchterchen überfahren. Das Kind war sofort tot. Arbeiterbewegung. Eine Million Mitglieder zählen jetzt die freien Gewerkschaften nach den Zu⸗ sammenstellungen der Generalkommisson. Das stellt eine sehr respektable Macht dar und die Arbeiter haben Ursache, sich dieser erfreulichen Entwicklung ihrer Kampforganisationen zu freuen. Lohn bewegungen. Erfolgreicher Bäckerstreik in Berlin. Der Bäcker⸗ ausstand in Berlin, von dessen Ausbruch wir in letzter Nummer berichteten, hat den Bäcker⸗ gesellen einen schönen Erfolg gebracht. Sie sind auf der ganzen Linie mit ihren— allerdings bescheidenen— Forderungen durchgedrungen, obgleich die Innungen von vornherein jede Verhandlung mit den organisierten Bäckern ab⸗ lehnten. Es traten 4088 Gesellen in den Streik, zu denen in den ersten Tagen noch weitere hinzukamen. Am Montag hatten bereits 1870 Bäckereien mit 4200 Gesellen bewilligt und es gab nur noch etwa 750 Streikende. Während des Streik hat der Bäckerverband über 1000 Mitglieder gewonnen, so daß jetzt in Berlin 42 000 Bäcker organisiert sind. Der Erfolg ist hauptsächlich dem tapfern und ziel⸗ bewußten Verhalten der Berliner Frauen zu danken, die nur den Bäckern Waren abkauften, welche die Forderungen der Gesellen bewilligt hatten. Der Weißbinderstreik in Frank⸗ furt ist auch beendet. Es kam zu einem Ver⸗ gleiche mit den Unternehmern, wonach ein Stun⸗ denlohn von 43 bis 48 Pfg. bet 9½stündiger Arbeitszeit bezahlt werden soll.— Der Aus⸗ stand der Schreiner in Offenbach dauert dagegen noch fort. Partei-Machrichten. Ein Parteischiedsgericht beschäftigte sich mit den Anklagen gegen die Genossen Bernhardt, Heine und Göhre. Die Anklagen gegen die ersteren wurden als unbegründet abgewiesen, gegen Göhre zurückgezogen. Versammlungskalender. Samstag, den 21. Mai Gießen. Wahlverein Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Samstag, den 4. Juni. Lauterbach. Soz.⸗de m.⸗Wahlverein. Abends 8/ Uhr. Versammlung bei Gastwirt Keutzer. Letzte Nachrichten. Vor Port⸗Arthur gingen zwei große japanische Kriegsschiffe unter. Heuchelheim Kinzenbach 74 1 Farbenhelm Karl Amend la. Kornbrot Gleiberg Witwe Leib v. Kinzenb. Mühle ist erhältl. in:[Launsbach Heinrich Leib Gießen, Brotladen am Lindenpl. Ph. Debus Heinr. Kröck V. Wißmar Georg Speier. Heinr. Schmidt V. um gefl. Zuspruch bei meinen Georg Pfaff Verkaufsstellen bitte ergebenst orlar Joh. Klas Waldgirmes Dönyes, Schmidt Wilh. Schimmel. 1[& Wolff Nieden a e 1 5 75 Stadt und den iedergirme„ MohrsKreis Gießen liegt der heu⸗ B. Wacker Wetzlar R. Wagner, Hermann⸗tigen Nummer 1— Beilage zum Gambrinus. „ N. Noll, 1 steinerstraßesder Firma L. Süß, Markt⸗ straße 9 bei. . 1—— —— r 17 5 * 115 1 1 7 4 Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 21 18 Unterhaltungs-Ceil. 1 —ů— Ein Herz— Ein Geist. Immer noch brütet die alte Nacht Grauenvoll über den Völkern der Erde, Aber schon seh ich rotlodernd entfacht Flammen des Geistes auf ewigem Herde. Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit Jubelt die neugeborene Trias! Freu Dich, mein Herz, denn die goldene Zeit Dämmert und predigen wird der Messias: Lebt in Frieden und baut Euer Zelt, Viel, ach, müßt ihr noch lerren und lernen; Ein Herz schlägt durch die ganze Welt: Ein Geist flutet von Sternen zu Sternen, Ruft drum als Losung von Land zu Land. Eins sei die Menschheit von Zone zu Zone! Erst wenn sie staunend sich selbst erkannt, Dann erst ist sie der Schöpfung Krone! Arno Holz. Einst und jetzt. Zwei Redakteure des„Vorwärts“ haben den 1. Mai im Kerker„gefeiert“. Als sie in die Strafanstalt Tegel abgingen, wurde ihnen beim Abschied von den Parteigenossen der brü⸗ derliche Wunsch mit auf den Weg gegeben, sie möchten„die harte Strafe ohne allzu großen Schaden an ihrer Gesundheit überstehen“. Dieser Wunsch gibt zu denken und beleuchtet die Entwicklung nach rückwärts, die sich in der Art des Strafvollzugs bei uns geltend gemacht hat. Es ist deshalb vielleicht nicht uninteressant, einmal darauf zurückzukommen, wie vor 30 Jahren die„Preßverbrecher“ behandelt wurden und was ich speziell im Bezirksgefängnis zu Leipzig damals erfahren habe. Wegen„Beleidigung des preußischeu Staats⸗ ministeriums“, begangen durch einen aus der „Frankfurter den ud im„Leipziger Volks⸗ staat“ abgedruckten und mit allerdings für die preußischen Minister nicht schmeichelhaften Be⸗ merkungen versehenen Artikel, war ich 1874 in Leipzig zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gleich darauf wurden der Parteige⸗ nosse Hadlich, der vor einiger Zeit in Nord⸗ amerika verstorben ist, und ich wegen der Re⸗ den angeklagt, die wir in einer Versammlung auf dem Thonberge gehalten hatten. Mir wurden noch 14 Tage Gefängnis zudiktiert, Hadlich ging frei aus. Damals bestand in der ersten Instanz in Sachsen noch der Einzelrich⸗ ter, und der damalige Assessor Dr. Händel sagte, nachdem er mich über meine Rede ver⸗ hört, beim nächsten Termin mit hohem Ernste zu mir:„ich habe Sie zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt.“— Erst wenn man gegen das Ur⸗ teil des Einzelrichters appellierte, gab es eine öffentliche Verhandlung. Ich beruhigte mich aber bei dem Urteil des Einzelrichters, denn ich war froh, daß ich über meine Rede nicht härter bestraft wurde. Als ich meine Haft im Bezirksgerichtsge⸗ fängnis an der Petersstraße antrat, war ich schwer lungenleidend. Ich hatte einen bösen Husten mit Blutauswurf; die Aerzte, namentlich der dicke alte Bock, hatten mich auf⸗ gegeben, und die Freunde erwarteten meinen Tod alle Tage.„Der klappt wie ein Taschen⸗ messer zusammen“, hatte Liebknecht achselzuckend gesagt, als ich ihn in der Festungshaft auf Hubertusburg besucht hatte. Ich selbst hielt mein Leben auch für abgeschlossen. Mau wies mir eine kleine Zelle im ersten Stockwerk an, etwa 7 Schritte lang und vier Schritte breit. Das sehr kleine vergitterte Fenster war ganz hoch oben angebracht und außen mit einer Klappe versehen, so daß ich nur ein winziges Streifchen vom Himmel er⸗ blicken konnte. Ich verbrachte eine schreckliche Nacht auf dem Strohsack. Am andern Morgen wurden die Türen der Zellen aufgesperrt, und ein mephitischer Dunst erfüllte das ganze Ge⸗ bäude. Zwei Wärter gingen mit Waschwasser von einer Zelle zur andern, und man sollte sich mit, dem einzigen Handtuch abtrocknen, das sie mit sich führten und das schon ein Dutzend Sträflinge benutzt hatten. Ein wilder Grimm ob solch unwürdiger Behandluag stieg in mir auf, aber ich bezwang mich und be⸗ schloß, vorsichtig vorzugehen. Als der Direktor— vielleicht hieß er auch Inspektor, sein Name fing mit D an— bei mir erschien, teilte ich ihm mit, daß ich mich selbst beköstigen wolle. Das war damals den politischen Gefangenen ohne weiteres ver⸗ stattet. Die Speisen bezog man aus der Küche des Direktors oder Inspektors, dem dadurch eine willkommene Einnahme erwuchs. D. war übrigens ein recht wohlwollender Mann, der mich sehr milde behandelte. Als ich eine bessere Zelle verlangte und mich über das gemeinsame Handtuch beschwerte, zog er den Gefängnisarzt Dr. S. hinzu. Dieser schien mir weniger wohl⸗ wollend zu sein. Indessen wurde meinen Wün⸗ schen Folge gegeben, und ich wurde nach einigen Tagen aus der scheußlichen Zelle befreit. In den benesicen Nächten hatte ich das Klopfen, mit dem sich die Gefangenen verständigen, rasch erlernt und hatte mich mit einer neben mir sitzenden Dame, die das Mein und Dein ein wenig verwechselt, gut unterhalten. Herr D. brachte mich in ein helles geräu⸗ miges Zimmer mit hohen, aber vergitterten Fenstern, aus denen man in den botanischen Garten sehen konnte. Das Bett stand in einem Alkoven. Man teilte mir mit, daß in diesem Zimmer nach einem alten Brauch Ehepaare, die sich scheiden lassen wollten, zusammenge⸗ sperrt worden wären, um so einen letzten Ver⸗ such zu machen, ob sie sich nicht wieder ver⸗ tragen könnten. Die Beköstigung, die jeder Gefangene er⸗ hielt, war der Volksküche eutnommen und gar nicht schlecht; man konnte sich aber auch vom Direktor Speisemarken entnehmen und bekam dann aus dessen Küche die Gerichte geliefert, die auf seinen eigenen Tisch kamen. Ich be⸗ köstigte mich selbst, verschuähte aber auch häufig die Volksküchenkost nicht. Herr D. kam viel zu mir, und wir hatten allerlei anregende Ge⸗ spräche; namentlich erzählte er viel aus der Repolutionszeit. Jeden Tag konnte ich mich in dem großen, dem Direktor überwiesenen Garten hinter dem Gefängnis ergehen, was mir, da es Sommer war, sehr gut tat. Mein Gesundheitszustand, der sich in der engen, dumpfen Zelle sofort verschlimmert hatte, schien sich ein wenig zu bessern; die Schmerzen in den Lungenspitzen ließen nach, und der Blutauswurf wurde ge⸗ ringer. Dazu durfte ich jede Woche zwei⸗ mal ausgehen— ja, höret und staunet, liebe Mit, verbrecher“— ich konnte das Ge⸗ fängnis auf einen halben Tag verlassen und hingehen, wohin ich wollte, nur mußte ich zu einer bestimmten Zeit wieder zurück sein. Be⸗ hufs Ausgehens hatte ich mich beim Unter⸗ suchungsrichter Dr. Händel zu melden; dieser gab mir dann einen Gerichts diener in Zivil mit, der mich zu begleiten und zu beaufsichtigen hatte. Man konnte sich dieser Aufsicht unschwer entziehen, doch will ich aus Gründen, die jeder⸗ mann verstehen wird, es unterlassen, hierüber nähere Angaben zu machen. Auf meinen Ausgängen traf ich oft fröh— liche Gesellschaft, und ich erinnere mich, daß ich als Gefangener in der Gosenschenke von Cajeri an der Promenade mit Freunden, die mir auch meine Schwester mitgebracht hatten, fröhlich gekneipt habe. Mein Schwesterlein vergoß freilich einige Tränen, als ich wieder in den Kerker mußte. Arbeiten konnte ich, was ich wollte; ich be⸗ kam auch das sozialdemokratische Blatt und andere Blätter. Ich las sehr viel und schrieb zwei Broschüren. Meine Gesundheit hob sich bei diesem ruhigen, soliden und beschaulichen Leben, und ich glaube, daß ich zum Teil dieser Haft meine Genesung verdanke. Als ich noch etwa 6 Wochen abzumachen 4 hatte, kam Liebknecht aus seiner Festungshaft von Hubertusburg. Er wollte sich noch einige Zeit erholen und kam zu mir mit der Bitte, ich möge im Gefängnis die laufenden Redak⸗ tionsarbeiten für den„Volksstaat“ machen, die⸗ sonst ihm zufielen. Ich übernahm es gern, und Liebknecht kam jeden Tag zu mir. In dem Pack Zeitungen, den er mir mitbrachte, steckten die zu bearbeitenden Manuskripte. Beim nächsten Besuch gab ich Liebknecht die Zeitungen zurück, in welche die bearbeiteten und die von mir ge⸗ lieferten Manuskripte gewickelt waren. So habe ich den größten Teil der Redaktions- arbeiten für den„Volksstaat“ 6 Wo⸗ chen hindurch vom Gefängnis aus be⸗ sorgt. Als ich das Gefängnis verließ, wurde ich an dessen Pforte von Karl Marx, von dessen Tochter Eleonor und von Liebknecht empfangen, wie ich schon einmal erzählt habe. Bald nach dieser Zeit bewirkte Bismarck die bekannten Verschärfungen des Strafvollzugs bei den Regierungen der Einzelstaaten. Die „Preßverbrecher“ sollten ihre Sünden schwerer büßen und es nicht„so bequem“ haben, war seine offen ausgesprochene Absicht dabei. Daß man in Deutschland noch kein einheit⸗ liches und zeitgemäßes Strafvollzugsgesetz hat zustande bringen können, ist traurig; noch be⸗ dauerlicher aber ist der Rückschritt, der in bezug auf die Behandlung der politischen Ge⸗ fangenen seit dreißig Jahren gemacht worden ist. Wilhelm Blos in der„Leipz. Volksztg.“. — Die Todfeinde. Von P. Schl. Todfeinde! Ein schreckliches Wort! Welch tiefer Haß und Erbitterung muß in zwei Menschen⸗ herzen wohnen, wenn diese Bezeichnung für die gegenseitige Feindschaft angewandt werden kann und welch bedeutendes Ereignis muß da ein⸗ treten, um zwei Todfeinde wieder zu versöhnen! Es war in meiner Jugendzeit, Anfang der achziger Jahre, als mein Vater, ein Kaufmann mit gutgehendem Geschäft in einem Vorort der Großstadt, mit dem seit langer Zett in intimer Freundschaft lebenden Nachbarn wegen uns Kindern in ein etwas gespanntes Verhältnis geriet, das sich dann immer mehr zuspitzte und das bei Gelegenheit einer baulichen Aenderung auf dem Grundstücke meines Vaters, dem der Nachbar Schwierigkeiten entgegensetzte, durch einen Zivilprozeß zum Ausbruch größter Feind⸗ schaft kam. Damit war auch die Freundschaft zwischen mir und dem gleichalterigen Knaben des Nachbarn zu Ende, obwohl wir Jungens von der ganzen Geschichte nichts verstanden und das Sprichwort zur Wahrheit machte: Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Wir befehdeten uns auf Kinderart, rauften und schlugen uns alle Tage, verklamperten uns gegenseitig beim Lehrer und so wuchsen wir auf. Die Prozesse zwischen unseren Eltern wurden immer wieder von neuem angefangen und die Feindschaft war durch den Konkurs des Hand⸗ werksmeisters, der durch Unterliegen in den jahrelangen, ungeheuer kostspieligen Prozessen auf den Hund gekommen war, zum tödlichen aß angewachsen und so auch bei uns Jungen. eine Mutter starb und zur Fortführung des. Geschäfts war mein Vater gezwungen, wieder zu heiraten, hatte aber dabei Unglück und das Ende war ein Ehescheidungsprozeß und bald darauf auch der geschäftliche Ruin. Wir beide waren nun Proletarierkinder, kamen in die Lehre und blieben— Todfeinde. Die inzwischen Studenten gewordenen früheren Spielkameraden kannten uns nicht mehr, d. h. ste wollten uns nicht mehr kennen und die Erinnerung an unsere schöne Ju zendzeit, wo Papa noch ein großes Portemonaie und ein Haus hatte, entfachte unseren gegenseitigen Haß immer wieder aufs hellste. Mein Vater starb und mit dem Ränzchen auf dem Rücken wanderte ich in die Fremde. Es vergingen Jahre. Von meiner Heimat hörte ich wenig mehr und ich lernte die moderne liner minen nüt! Alorde nich eis sossen Onde! sihlte, feln bo und da Am ga eben d er kal karl! waren Eg gelten Kampf beutun belt un Tage Zar 2 Ar. und g 5 r e e — A. ehe fing dit, Rech. in, dee ö i Und U dem stechen lächsen zurüc, mir ge- o hahe ions. Wo- 18 be⸗ a rde ih dessen fangen, ö mal ö Olgzugs f „ De cwerer „ War einheit etz hat och he⸗ der in en Ge⸗ den it. tg.“. Welch schen⸗ für die n kann da ein⸗ öhnen! lg der, mann t der timer une jältnis be und derung m der 10 Felnd⸗ dschaft Fuaben ingens 1 Uld die die Wir n und n uns ir auf. rden 15 die Hand- 1 del essen lichen Angel. 0 Deb ieder 0 bas j ald nder, ellde. ihren d. h. Machen — 8 D rere Nr. 21. Mitteldentsche Sonntaas⸗Zeitung. Seite 7. Arbeiterbewegung kennea, die mir von Vaters Zeiten her als etwas ganz Häßliches bekannt war. Es erwachte in mir der Drang nach Wissen und durch eifriges Studium der sozia⸗ listischen Literatur wurde ich bald Sozialdemo⸗ krat— und damit ein neuer Mensch! Ich arbeitete in einer Stadt am Rhein. Die Frühlingssonne lachte auf die in voller Blüte und Pracht stehenden Auen und die Arbeiterschaft rüstete zum Weltfeiertag des Proletariats, zum 1. Mai. Ein herrlicher Maitag war es, als ste hinaus marschierten in dröhnendem Schritt, die Arbeiterbataillone, und unter den Klängen des Sozialistenmarsches in den reich geschmückten Festplatz einzogen. Was war das für ein bekanntes Gestcht unter den roten Sängern, die eben das Podium betraten?... Mein Auge haftete auf ihm... unsere Blicke be⸗ gegueten sich... der war's— mein Todfeind! Mein Herz klopfte furchtbar vor Erregung. Ein solches Zusammentreffen, am 1. Mat, dem Weltfeiertag, wo sich die Proletarier aller Länder die Bruderhand reichen, über den Rhein, über die Alpen, über den Ozean! Ich hörte nichts von dem das Fest eröffnenden Chor, allerhand Erinnerungen und Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Da!— Einig! Einig! Einig müßt Ihr werden!“ brauste es in mächtigen Akkorden über den Festplatz und machte auf mich einen überwältigenden Eindruck. Tränen flossen mir in die Augen und ich konnte das Ende des Liedes kaum mehr abwarten. Ich fühlte, daß in unseren Herzen beim Wieder sehen fern von der Heimat aller Groll vergessen war und daß wir uns nun die Hände reichen können. Am ganzen Körper zitternd, eilte ich auf den eben das Podium verlassenden„Todf ind“ zu; er kam mir entgegen:—— Paul! Karl!—— ein herzlicher Händedruck und wir waren wieder Frennde! Egoismus und Zank um schnöden Mammon seitens unserer Väter hatte uns entzweit, der Kampf gegen politische Rechtlosigkeit und Aus⸗ beutung, die Demonstration für Freiheit, Gleich⸗ beit und Brüderlichkeit hat uns wieder vereint. e schönste Maifest, das ich bis⸗ bi hatte. Allerlei. Das Vermögen des Zaren. Dieser Tage wurde aus Petersburg berichtet, daß der Zar 200 Millionen Rubel zum russtschen Kriegs- fonds aus seiner Privatschatulle beigesteuert habe. Das wird zwar nicht wahr sein, aber leisten könnte sich's der Zar sicherlich, denn er ist zweifellos der reichste Mann der Welt. Ueber den vollen Umfang des Riesen⸗ vermögens ist niemand genau unterrichtet. Das offizielle Einkommen des Zaren beläuft sich allerdings„nur“ auf 40 Millionen Kro⸗ nen jährlich. Das ist aber nur ein kleiner Teil seines Reichtums und die Ausgaben zur Erhaltung des kaiserlichen Haushaltes würden kaum zu bestreiten sein, wenn der Zar nur von seinem offiziellen Einkommen abhängig wäre. Seine„Ausgaben“ sind nämlich nicht klein. Der Staatsball, der gerade beim Ausbruch des Krieges mit Japan gegeben wurde, kostete der Schätzung nach mehr als vier Millionen Kronen! Außer dem Schah von Persten besitzt niemand in der Welt ein größeres Bermögen in Diamanten und Edelstein en als der Zar. Der be⸗ rühmte Orlopdiamant ist nur der größte Stern in einem Riesensternbild. Als Nikolaus II. vor einigen Jahren gekrönt wurde, wetteiferten seine bedeutendsten Vasallenfürsten, der Emir von Buchara und der Chan von Chiwa, mit⸗ einander, ihm die reichsten Geschenke zu machen. Der Chan schenkte eine kostbare Schnur mit Perlen, die die schönsten der Welt sein sollen, und Diamanten und Smaragde und Rubinen. Nach niedriger Schätzung haben diese Geschenke einen Wert von zehn Millionen Kronen. Der Emir stand nicht weit hinter ihm zurück. Auch der Hetman der Donschen Kosaken, Fürst Swjetopolk Mirskt II., wie überhaupt die ersten Adeligen und 5 Fürsten des Reiches brachten dem Zaren prächtige Geschenke dar. Es gibt doch keinen andern Herrscher, dem so häufig Legate zufließen wie dem Zaren. Seine Unter⸗ tanen hinterlassen ihm ständig testamentarisch große Geldsummen... Ein hoher russischer Würdenträger machte dem Vertreter eines Lon⸗ doner Blattes kürzlich folgende interessante Mitteilung über den Reichtum des Zaren:„Es ist unmöglich, den Reichtum des Zaren genau abzuschätzen, aber meiner Meinung nach und bei der vorsichtigen Schätzung muß er aus allen ihm zu Gebote stehenden Quellen weit mehr als 200 Millionen Kronen jährlich einnehmen. Dabei sind die großen Schätze in barem Geld, Gold- und Silber⸗ barren und Diamanten, die in den Gewölben des Schlosses von Peterhof, in der Kronstadter Zitadelle und anderswo aufgespeichert werden, nicht mitgerechnet...“— Und seine Untertanen hungern! 5 Splitter. Es giebt Nüsse, deren Schale so hart ist, daß, wenn man ste aufbeißt, die Zähne darauf gehen, so, daß das weiche Fleisch nicht mehr schmeckt. Eben solche Wahrheiten gibt's. Friehic Hebbel. * * Alte soll man ehren, Junge soll man lehren, Weise soll man fragen, Und Narren ertragen. Wartburgspruch. * 12 * Mach' andern Freude! Du wirst erfahren, daß Freude freut. F. Th. Vischer. Humoristisches Ein angenehmer Gast. Wirt:„Hat der Herr, der so viel gegessen und getrunken, auch bezahlt?“ Kellner:„Nein, er ist mit der Zeche durchge⸗ brannt.., aber vorher hat er sich noch das Be⸗ schwerdebuch geben lassen!“ Abgefertigt. Spieß bürger: Die Türket, das ist mein Land; dort giebt es keine Schweine und keine Sozialdemokraten. Sozialdemokrat: Na, dann müßten eigent⸗ lich wir beide dorthin, um diesem dringenden Bedürfnis abzuhelfen.(W. Jak.) Unpassend.„Denken Sie sich, die junge Frau Doktor hat Drillingen das Leben geschenkt.“ „Was Sie sagen? Und die Da e hat doch sonst eine ganz gute Erziehung genossen.“— Geschichtskalender. 22. Mai. 1879: Reinders, soz. Reichstags⸗ abgeordneter F. 1872: Soz. Kongreß in Gotha. 23. 1898: Savonarola, ital. Volksredner und Politiker in Florenz von den Pfaffen verbrannt. 24. 1897: Prozeß gegen den Polizeirat Tausch in Berlin. 1878: Erstes Sozialistengesetz abgelehnt. 25. 1901: Einigungskongreß der französischen So⸗ zialisten in Lyon. 1871: Pariser Kommune: Erschieß⸗ ung der Geiseln, Kriegsminister Delescluze gefallen. 26. Kadett Hüssener zu 4 Jahren Gefängnis ver⸗ urteilt. 1901: Ende der„Weltmarschallschaft“ Walder⸗ see' s. 1265: Dante, Italiens größter Dichter geboren. Parteifreunde! cu; nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes. Ronfirmandenstiekel in jeder Preislage und reichster Auswahl, sowie Arbeiter-Schuhe und Stiefel, Sonntagsstiefel und alle sonstigen Schuhwaren in den besten Qualitäten zu den billigsten Preisen empfiehlt Justus Benner, Giessen 1 Marktstrasse 34 Neparaturen in eigener Werkstätte rasch, gut und billig. Anfertigung taucht Muss. Schulstrasse 5 Glessen 8 Sponelceschaff Taschen- u. Weckeruhren, Uhrketten Carl Geismar, Uhrmacher Schulstrasse 5 N Anferligung h, Mauss Edgar Borrmann, Giessen Telefon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Neustadt 112 C Carl Frankfurter Schuhlager A. Müller Giessen, Plockstr. 12 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Mausburg 12 Muusburg 12 empfiehlt in größter Auswahl zu streug festen, billigsten Preisen: Damen-, Herren- u. Kinder-Stiefel in allen Sorten und modernen Farben in nur gediegenen Fabrikaten. Reparaturen g prompt und billigst! — D. Kaminka Uhrmacher Giessen, Neustadt 19, Neubau fü ite Reisekörben Kinderwagen Vorteilhafte Vezugsquelle für Werkzeuge, Haus⸗ und Küchengeräte⸗ Salchterden See e 6 ub hafte Vez 8 11 Handlung e N ren. 4 dwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Taschen i 0 Sa ee 0 e Fee leiden Alle Aten Büsten u. Besen, gen u. Alchengeräte Silberwaren agen und Gewichte ins Flei a zu billigen Preisen R a Waagen und Gewichte e 0 Sten end e e Feuerlöschapparate ꝛc...... Se gs Seite 8. Mitteldeutsche Sountaas⸗geituna. No. 21 E VEGETALINF. Gesetzlich geschützt! Garantiert rein! Feinste Pflanzenbutter Garantiert rein! hergestellt aus dem Marke der Cocusnuss. Weltausstellung Paris 1900: Grand Prix. VEGET ALINE wird aus dem Marke allerfeinster Cocusnüũsse ohne jegliche Beimischung hergestellt, ist daher reinste Pflanzenbutter. Vegetaline bietet in ge- sundheitlicher und gastronomischer Hinsicht unübertreffliche Vorteile. VEGET ALINE bildet eine feste, weissglänzende Substanz, besitzt einen auffallend lieb- lichen, frischen Geschmack und bietet besten Ersatz für Butter und Schmalz für alle Zwecke der Küche. VEGET ALINE hat sich daher auch rasch und leicht in allen Ländern mit grossem Er folge eingeführt; ihr Kundenkreis gewinnt täglich an Ausdehnung, Vorzüge der VEGETALINE. Die VEGEHTALINE zeichnet sich allen anderen Speisefetten, selbst der Kuhbutter gegenüber ganz besonders dadurch aus: 1. dass sie sich monatelang erhält, ohne ranzig zu werden, 2. dass sie nahrhafter ist, als andere Fette, 3. dass sie leichter verdaulich und assimilierbar ist als andere Fette; sie ist daher für Magenkranke und schwache Personen geradezu unentbehrlich, 4. dass sie etwa 25% fettreicher als Kuhbutter ist, 5. dass sie erheblich billiger als Kuhbutter ist. 6. dass sie vollkommen mikrobenfrei ist, 7. dass sie, infolge ihrer Eigenschaft sich lange zu conservieren, sich besonders zur Herstellung vou Dauerbackwerk, Cakes etc. eignet, 8. dass sie absolut indifferent ist und keinen Beigeschmack besitzt. In Glessen ist Vegetaline das Pfund zu 65 Pfg. zu haben und verlange man aus- schliesslich Vegetaline, welehe allen Nachahmungen überlegen ist, bei: Adami Gebrüder, Mäusburg. Lenhard Adolf, Frankfurterstr. Adami Georg, Frankfurterstrasse. Leo Friedr., Nachfolger, Seltersweg. Arnold Heinr. II., Marktstr. u. Stephanstr. Loth Ludw., Walltorstr. Becker Heinr., Löwengasse. Metzger Eberh., Seltersweg. Belloff II Heinr., Alicestr. Mayer Wilh., Grünbergerstr. Bender Emil, Neustadt. Michel Gebrüder, Walltorstr. Bender Conrad, Walltorstr. Montanus Wilh., Marktstr. Bieker Christoph, Neustadt. Nassauer H. F., Neuenweg. Block Ernst, Frau, Marburgerstr. Noll August. Bahnhofstr. Dort Eberhardt, Walltorstr. Noll Gebrüder, Bahnhofstr. Eichmann Carl, Ederstr. Petri Carl, Markt. Elle Kath. Frau, Steinstr. Pfeiffer Wilh., Liebigstrasse. Fischbach Emil, Seltersweg. Roth II Conr. Nachfolger, Walltorstr. Gans Phil., Dammstr. Rühl M. J. Frau, Seltersweg. Geisse Adolf, Seltersweg. Schlabach R., Nachfolger, Ludwigsplatz. Geisel, Peter, Asterweg. Schaaf Otto, Seltersweg. Haas Wilh., Bleichstr. Schönhals Chr., Nordanlage. Hahn Heinr., Bismarektstr, Schulhof J. M., Marktstr. Häuser Jacob, Ludwigstr. Schulze C. II., Schillerstr. Herrmann, Ph., Seltersweg. Schwager Ph., Witwe, Markt. Hoffmann Wilh.. Ederstr. Seeler Jos., Ludwigstr. Jugbardt H. E. Nachfolger, Markt. Steinhäuser Ludw., Neuen Bäue. Kalkhof L., Nachfolger, Westanlage. Stuhl Rob., Neustadt. Kopp Friedr., Bismarckstr. Trechsler Heinr., Steinstr. Kurz J. W., Neustadt. Wallenfels Christian, Markt. Kühnhold Fr., Ludwigstrasse. Wallenfels Gg., Markt. Engros-Verkauf bei; Benner& Krumm and debrüder Hanstein, Giessen. Vertreter: A. Siegel, Giessen. Fabrikanten: Rocca, Tassy und de Roux, G. m. b. H., Hamburg— Billwärder. Freunden und Bekannten bringe meine Schuhmacherei in empfehlende Erinnerung. Georg Baum, Schillerstr. 29. Reparaturen werden gut und schnell ausgeführt Bisquits in tadelloser Ware, sowie alle feineren Backwaren stets frisch und gute Qualität. L. Müller Gießen, Bahnhofstraße 61. Ein Tag! vor der Konfirmation finden Sie noch in allen Farben und Macharten, pro Stück in Buckskin Von Mk. 7,.— an. Ebenso Stiefel, Stiefeletten, Hüte, Hemden ꝛc. ꝛc. Hochzeits-Anzüge für Land und Stadt. Anzüge vom schwersten Buckskin, dunkel, hell, Mk. 10,—. Kammgarn-Herren-Anzüge blau, braun und schwarz, Mk. 13,50. Mein Lager in Hosen, Westen, Jünglings⸗, Ku aben⸗ und steht unübertroffen da! Scheuen Sie die Reisekosten nicht, Sie bekommen das beste und billigste. H. Moller, Marburg „Lum Oberhessischen Kleiderbazar“. HEUCHELHEIM. Am zweiten Feiertag, nachmittags 4 Uhr gutbesetzte Tanzmusik wozu ergebenst einladet. August Rinn. Bier 0,3 Ltr. 10 Pfg. Bier 0,3 Ltr. 10 Pfg. Junger tüchtiger Sehlossefgeselle findet dauernde Beschäftigung. J. Diebel, Marburg⸗Lahn. faumaschinen und) Fahrräder erstklass. Fabrikate sowie alle Zubehörteile und Ersatzstücke. Carl Graf, Giessen Kirchenplatz 1s Spezial-Reparatur- Werkstätte Waagen und Gewichte für Colonial⸗, Obst⸗, u tter⸗, . Drogenhdolg., Metzger ꝛce. 4 von Gas⸗, Wasser⸗ Jahresproduktion u. Verkauf und Bierapparate⸗Anlagen 49,000 Fahrräder.——— The Premier Cycle Co. Ltd. Nürnberg- Doos, Coventry-England Eger-Böhmen. Herren-Amüge 8 uon Mark 15,— an Herren-Joppen*** 55 5 25 5 Herren desen-„„ 2,25„ Grösste Auswahl aller Arten Arbeitskleider in nur haltbarsten Stoffen. Wasch-Anzüge, Blousen, Hosen g J. Schmücker Nachfolger, Giessen Herren- und Knaben-Confektion Riesige Auswahl, nur gediegene Qualitäten, anerkannt billige aber feste Preise. Anaben-Amüge 4 uon Mark 2,— an Anaben-Slousen 1„* 5 Knaben-Hosen 5 1 1818„ 0,75 5 1,50„ ete., staunend billig. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Menger, Gießen. loote Konfirmanden-Anzüge Kinder⸗Anzügen, Ueberzieher, Kirchen⸗Röcken, Buckskin 2c. Kit D= entspre zum e chen. aben werden D kelche! dafür, die Ta zelig dieselb. D sein; werde