bietet 3 und auten ition. 10 en e eee ee eee eee er N ö ö ö 5 W. 100 Diurch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. . Mr. 8 Gießen, den 21. Februar 1904. 11. Juhrg. a Medaktion: 2 Wedaktionssczluß⸗ Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Wang Nachmittag 4 Uhr, Sonnt 8 g⸗Jeitung. Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 1 Abonnementspreis: Bestellungen 1 Juserate 22 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Historische Notwendigkeit. Unsere Junker schwärmen bekanntlich sehr für die russischen Zustände. Wenn wir in Deutschland die„administrative Verschickung“ nach Afrika und die Kuute hätten, nach welcher bekanntlich der dicke Oertel so sehnsüchtig ver⸗ langt, dann hätten sie Hoffnung, alle un⸗ bequemen Leute abschieben oder niederhalten und damit die„Begehrlichkeit“ der Massen zügeln zu können. Soweit wird es indessen bei uns wohl kaum kommen und die Herren Junker werden sich auch noch daran gewöhnen müssen, sich mehr in die modernen Zustände zu schicken. Wenn wir mehr schadenfroh wären, als wir sind, so könnten wir unsere helle Freude daran haben, daß die Junker und Großgrund⸗ besitzer des Ostens nunmehr selbst unter von fallen so gepriesenen russischen Zuständen leiden ollen. Da die landwirtschaft lichen Arbeiter sich in Masse vor den schlechten Löhnen, der schlechten Beköstigung, den schlechten Wohnungen und der schlechten Behandlung überhaupt aus dem ostelbischen Junkerparadies nach Mittel⸗ und Westdeutschland flüchten, um bei der Industrie eine mehr lohnende Beschäftigung zu suchen, so mag in gewissen Gegenden die vielbesprochene „Leutenot“ bis zu einem gewissen Grad vor⸗ handen sein. Wenn die Agrarier über dieselbe klagten, so hat man ihnen stets mit Recht ge⸗ antwortet, sie müßten ihre Arbeiter besser ent⸗ lohnen und behandeln; dann würden ihnen die⸗ selben nicht in Masse davonlaufen. Das ist aber den Herren mit dem angeblichen„Recht auf Rente“ natürlich nicht eingefallen. Zunächst schreien sie nach allerlei„kleinen Mitteln“, um die Massenflucht der landwirtschaftlichen Ar⸗ beiter nach den Industriezentren zu verhindern. Bestrafung des Kontraktbruches, Erschwerung des Anzugs in den großen Städten, sogar Er⸗ schwerung des Eisenbahnverkehrs für die länd⸗ lichen Arbeiter war es, was sie verlangten. Allein man sah schließlich ein, daß man mit solchen Mittelchen das massenhafte Abströmen der Ar⸗ beitskräfte nicht verhindern könne. Darum zog man fremde Arbeitskräfte heran und es wurde sogar die„Einfuhr“ chinesischer Kulis in ganz ernsthafte Erwägung gezogen. Namentlich aber wurden russische und polnische Arbeiter in Masse nach Deutschland gebracht und die Offer⸗ ten und Ankündigungen der„Transporte“ der fremden Arbeitskräfte traten in jener rohen Form auf, die den Menschen als eine Ware erscheinen läßt. Mehrere hunderttausende russische Arbeiter kamen alljährlich auf deutsches Gebiet und drückten die Löhne der einheimischen Land⸗ arbeiter, standen sich aber, wie es scheint, immer noch besser, als in Rußland selbst. Dieses Abströmen russischer billiger Arbeits⸗ kräfte war aber den russischen Agrariern ebenso unangenehm, als es den deutschen Agrariern willkommen war. Nun entstand in gewissen nussischen Strichen eine„Leutenot“ und die ruffischen Großgrundbesitzer mußten manchmal die Löhne etwas erhöhen, um Leute zu be⸗ kommen. Um diesen Schwankungen des Ar⸗ beitsmarktes vorzubeugen, wendeten sie sich an die russische Regierung und diese sagte dann auch Zwangsmaßregeln gegen die Auswanderung russischer Arbeiter zu. Es mag nun ergötzlich klingen, wenn die Junker über den„russischen Despotismus“ räsonnieren, den ste für Deutschland so oftmals herbeigesehnt. In diesem edlen Wettstreit agrarischer Interessen werden die russischen Agrarier im Vorteil bleiben. Die bekannten„Notleidenden“ bringen es vielleicht auf diesem Wege auch dahin, daß der russische Despotismus zur Macht wird,„die stets das Böse will und doch das Gute schafft,“ wenigstens in diesem einen Falle. Denn wenn der Zustrom russischer Arbeitskräfte verhindert wird, dann müssen die deutschen Großgrundbe⸗ sitzer den Arbeitern gegenüber nachgiebiger wer⸗ den. Sie jammern zwar heute schon, daß sie „unerschwingliche“ Löhne zahlen müssen. Dieses Jammern sind wir gewohnt und wir legen da⸗ rauf weniger Wert, als auf statistische Angaben und auf die genauen Schilderungen zuverlässiger und unbefangener Beobachter. Die Zustände auf vielen Gütern, die Art, wie die Arbeiter behandelt werden und die überall noch auf⸗ tretenden Wirkungen des heuchlerischenpatriarch⸗ alischen“ Verhältnisses sind einfach eine Schande für Deutschland und eines Kulturvolkes un⸗ würdig. Alle Versuche, da zu bessern, sind an dem eisenstirnigen Widerstand der Junker ab⸗ geprallt. Wenn man vom Koalitionsrecht für landwirtschaftliche Arbeiter, von einer Unter⸗ suchung der ländlichen Verhältnisse durch staat⸗ liche Organe und dergleichen sprach, so schrien sie von„Aufretzung zum Klassenhaß“ und von „Verhetzung der Klassen“. Und doch— die Verhältnisse sind eben auch hier stärker wie die Menschen. Das patriarcha⸗ lisch⸗feudale System, das unsere Junker mit aller Gewalt aufrecht erhalten wollen, um der modernen„Begehrlichkeit“ den Einzug in die ländlichen Bezirke zu verwehren, kann eben auf die Dauer nicht bestehen innerhalb eines gesell⸗ schaftlichen Organismus, in dem die Verkehrs⸗ mittel eine so große Rolle spielen. Die Um⸗ wälzung braucht nicht erst zu kommen, ste ist schon da. Die Absperrung des ländlichen Proletariats läßt sich nicht mehr durchführen, wie bisher. Indem die russischen Agrarier die Lohn⸗ drücker bei sich zurückbehalten, wollen sie natür⸗ lich bei sich selbst das Angebot von Arbeits⸗ kräften vermehren und dieselben billiger kaufen. Und so üben sie wiederum einen Druck auf die deutschen landwirtschaftlichen Verhältnisse aus, der zu Gunsten der Arbeiter ausschlagen muß. Wir stehen freilich erst am Anfang der großen Umwälzung, die mit dem Empor wachsen der modernen Industrie und mit der Entwick⸗ lung des Verkehrs in unsern ländlichen Ver⸗ hältnissen begonnen hat. Aber die Woge wird mächtig anschwellen und sie wird mit der Zeit so groß werden, daß ste die Ueberreste des Feudalismus mit patriarchalischem System und mit den Gesindeordnungen hinwegschwemmen wird. Mit Polizeimaßregeln läßt sich das so wenig aufhalten, wie mit dem Dreiklassenwahl⸗ system. Das historisch notwendig gewordene muß kommen. Und das notwendige besteht hier darin, daß auch die ländlichen Verhältnisse den modernen Forderungen angepaßt werden Die Maßregel Rußlands gegen die Aus⸗ wanderung russischer Arbeiter versetzt den patri⸗ archalischen System einen tötlichen Stoß und raubt dem Junker⸗ und Beutepolitikertum auch in den Augen der heute noch rückständigen Ele⸗ mente im Volke den Heiligenschein, den es sich mit diesem System zurechtgemacht hatte. Kein Zweifel, daß wir die tyrannische Maßregel an sich auch verwerfen. Aber ste deckt nur einen der vielen Widersprüche auf, an denen unsere gegenwärtigen Zustände auf dem Lande unheilbar kranken. Politische Rundschau. Gießen, den 18. Februar 1904. Neue Kanonen. In der Budgetkommission des Reichstags hat der Kriegs minister erklärt, daß die Einführung der Rohrrücklaufgeschütze mit Schutzschildern notwendig sei. Als vor längerer Zeit von solchen Plänen die Rede war, wurden sie von den Regterungsorganen in Abrede gestellt. Jetzt liegt die Bestätigung vor und bald wird man neue Millionenopfer vom Volke verlangen. Der Militarismus kennt keine Grenze in seinen Ansprüchen. Folgen des Zolltarifs. Ueber den Quebrachozoll, den die Agrarier in den Zolltarif hineingebracht haben, um die Interessen der Schälwaldbesitzer zu wahren und der schon jetzt, ohne daß der Ta⸗ rif in Kraft ist, seine verderbliche Wirkung aus⸗ übt, schreibt die Fachzeitschrift„Schuh und Leder“:„Bel uns weiß heute in der Gerbstoff⸗ frage niemand aus und ein; der Markt in Quebracho hat offenbar resolute Schritte von seiten der deutschen Industrie nötig gemacht, aber niemand wagt, sie zu entrieren. Ueber Nacht kann der Zollwächter blasen und setzt mit einem einzigen Ton aus seiner Posaune allen deutschen Unternehmungsgeist nach dieser Richtung hin matt. Jede Disposition im Gerb⸗ stoffmarkt, sie sei welche sie wolle, kann bei dem Stand unserer heutigen Handelsverträge morgen untergehen, während sie heute noch schwimmt. Wem von den deutschen Fabrikanten kann man es verdenken, wenn er unter solchen Umständen das bereits bestehende Risiko, das seine Betriebsanlagen schon involvieren, nicht noch vergrößern will, wenn er auch zusehen muß, wie das Ausland Brocken von dem durch 1 585 Intelligenz erschlossenen Gebiet weg⸗ is 3 Weiter wird ausgeführt, daß seit August v. Is. die deutschen Gerbereien über Knappheit des für sie so notwendigen Quebrachoholzes zu klagen haben. Seit dieser Zeit wurden nur 1299 Doppelwagons Blockholz eingeführt, im Vorjahre dagegen in derselben Zeit mehr als das Doppelte, nämlich 2783 Doppel⸗ waggons! Dadurch leidet nicht allein die Leder⸗ industrie ganz empfindlich, es wird eben auch das Leder verteuert, was dann die Masse des Volkes in Gestalt höherer Preise für Schuh; werk zu fühlen bekommt.— Alles das kümmert aber die Agrarier nicht; die Hauptsache ist, daß einigen agrarischen Schälwaldbesitzern höhere Profite zugeschanzt werden. Glänzender Sieg in Hamburg! Vorigen Freitag haben in Hamburg die Bürgerschaftswahlen stattgefunden, die . S —̃—ů—— 0 „ 419 9 1 7 * n 1 1 * 1 e 1 1 1 U 13 1335 i 135 111 14 1 9 1 0 1 A a 9 —— — Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. für unsere Partei ein überaus glänzendes Er⸗ gebnis lieferten, wie es unsere Hamburger Parteigenossen selbst kaum erhofften. Die Bür⸗ gerschaft ist zugleich Staats⸗ und Stadtparla⸗ ment. Sie besteht aus 160 Mitgliedern, von denen aber nur 80 aus allgemeinen Wahlen hervorgehen. 40 Wa stellen die soge⸗ nannten Notabeln— das sind die akademisch gebildeten Angehörigen der Gerichte und der Verwaltungsbehörden— und 40 die Grund⸗ besitzer. Wählen dürfen nur hamburgische Bür⸗ ger. Aber nur derjenige kann hamburgischer Staatsbürger werden, der während der letzten Jahre min destens 1200 Mk. Einkommen versteuert hat. Dadurch ist die große Masse der arbeitenden Bevölkerung vom Wahlrecht ausgeschlossen. Unsere Partei hatte also unter sehr ungünstigen Bedingungen zu kämpfen. Neuwahlen hatten diesmal in 42 Bezirken statt⸗ zufinden, es sind nämlich alle drei Jahre die Hälfte der Mandate, die eine 6jährige Gül⸗ tigkeitsdauer haben, zu erneuern. Bisher war die Sozialdemokratie nur durch ein einziges Mitglied, den Genossen Stolten vertreten. Am Freitag wurden nun zwölf Sozial⸗ demokraten gewählt, außerdem stehen noch 6 in der Stichwahl! Ob unsere Genossen in der Stichwahl noch Mandate erobern, ist aller⸗ dings fraglich, mehr wie zwei keinesfalls. Aber das tut nichts. Uns kann der herrliche Sieg ge⸗ nügen.— Von unsern Genossen wurden gewählt: Ehlers, Zaffke, Meyer, Bartes, Blume, Fischer, Röske, Paeplow, Bömelburg, Gruenwalt, Schaumburg, Stubbe. Dazu kommt noch Stolten, dessen Mandat erst in drei Jahren abläuft, so daß jetzt schon die sozialdemokratische Fraktion 18 Mann stark ift.— Die Antisemften erlitten eine ver⸗ nichtende Niederlage, ihre sämtlichen Kandi⸗ Taten sind durchgefallen. Die Stichwahl findet Freitag, 29. Febr. statt. Dem Hamburger Ord⸗ nungsbrei ist der sozialdemokratische Erfolg denn auch nicht schlecht in die Glieder gefahren. Ein reaktionäres Blatt prophezeit schon, daß wir bei der nächsten Wahl die Zahl unserer Mandate auf das Doppelte steigern werden. Hoffentlich erfüllt sich diese Prophezeihung! Unsere Ham⸗ burger Genossen werden gewiß das ihrige dazu tun. Die Ersatzwahl in Eschwege hat am Montag stattgefunden. Es erhielten Stimmen: Unser Genosse Hugo 5812, Raab(Antis.) 4555, Merten(freis.) 4074 und v. Christen (kons.) 3522. Danach hat Stichwahl zwischen Hugo und Raab stattzufinden. Der Ausgang derselben ist nicht zweifelhaft: der„Freisinn“ wird natürlich eher dem Antisemiterich zu Hilfe kommen als der Sozialdemokratie und so den Sieg des Reaktionärs herbeiführen. Eine Revolution durch die Speisekarte. Eine originelle Methode sozialistischer Unter⸗ suchung hat die„Deutsche volkswirtschaftliche Korrespondenz“ entdeckt. Sie studiert nämlich die Speisekarten von Arbeiterwirtschaften. Da⸗ bei hat sie die wahrhaft epochale Entdeckung gemacht, daß im Charlottenburger Volkshaus folgende gute Dinge zu haben sind: Eisbein mit Sauerkraut, Gulasch mit Bratkartoffeln, Hammelfleisch mit Pureekartoffeln, Kalbsleber mit Heringskartoffeln und Schweinebraten mit Klößen. Wenn der Arbeiter, so fährt der Staatsgelehrte der„Deutschen volkswirtschaft. Korresp.“ fort, so lebt, so sei es kein Wunder, wenn er kein Soldat werden wolle. Der Ar⸗ beiter verdiene schon mit 18 Jahren 15-18 Mk. wöchentlich.„Er speist dann sehr bald regel⸗ mäßig in seiner Stammkneipe oder im Arbeiter⸗ kasino und wohnt bequem nach Belieben.“ Es solgt ein ausführliche Schilderung, wie schlecht es dagegen den Soldaten und besonders den Leutuants ginge. Die Betrachtung des Staats⸗ gelehrten schließt sehr ernst und scharfsinnig. 5„Eine immer weiter gehende künstliche Steigerung dee Lebenshaltung unsrer Arbeiter aber führt zur Ver⸗ schiebung unsrer sozialen Klassen. Zur Revolution!“ Was tun? Früher waren es doch nur die umstürzlerischen Schriften, die man denunzierte. Jetzt gibt es gar schon vaterlandsloses Eisbein, volksverräterisches Gulasch und revolutionären Schweinebraten. Minister hungern bei Liebes⸗ mahlen und Proletarier schwelgen beim Kalbs⸗ leber im Charlottenburger Volkshaus. Einer von beiden muß verrückt geworden sein, die Welt oder die„Deutsche volkswirtschaftliche Korrespondenz“.— Korruption in Italien. Vorige Woche ist der große Prozeß gegen den sozialdemokratischen Abgeordneten Ferri und Genossen nach wochenlangen Verhand- lungen zu Ende gegangen. Professor Ferri war als Direktor des„Avanti“(Vorwärts), des sozialdemokratischen Parteiorgans ange⸗ klagt, worin behauptet und nachgewiesen war, daß in der Marineverwaltung ungeheuere Gaune⸗ reien und Unterschleife verübt worden sind. Ferri wurde zwar zu 14 Monaten Gefängnis und 1500 Lire Geldstrafe verurteilt, doch da⸗ mit sind seine Anklagen keineswegs als unbe⸗ gründet erwiesen, im Gegenteil weiß jedermann, daß die behauptete Korruption tatsächlich be⸗ stand. In seiner Verteidigungsrede wies Ferri den Vorwurf, daß er aus persönlicher Gehässig⸗ keit gegen den früheren Marineminister Bettolo den Skandal aufgedeckt habe, entschieden zurück. Die sozialdemokratische Partei kämpfe seit Jah⸗ ren für die Herabsetzung der unproduktiven Ausgaben für Heer und Marine, durch deren Erhaltung die öffentlichen Dienste geschädigt würden. Seine Kampagne gegen die Korrup⸗ tion in der Marxineverwaltung sei nur im öffentlichen Interesse geschehen. Er habe den Mut besessen, mit lauter Stimme zu wieder⸗ holen, was man sich in den Foyers der Kammer und unter vier Augen leise zugeflüstert habe. Von der großen Masse Zuhörer, welche den Verhandlungen beiwohnte, wurden Ferris Aus⸗ führungen mit großem Beifall aufgenommen. Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes, nachdem das Urteil gefällt war, wurde er von einer ungeheueren Menschenmenge mit Jubel begrüßt. Truppen⸗ und Schutzmanns⸗Kordons sperrten die Straßeneingänge ab. Die Menge schrie: Es lebe der Sozialismus! Es lebe Ferri! Nieder mit den Dieben! Nieder mit den Blutsaugern! Ueberall auf seinem Wege nach der Redaktion des„Avanti“ wurde Ferri von Beifall begrüßt. Sogar Soldaten machten vor ihm Front. Ueber das Urteil selbst schrieb Ferri im Avanti: Es ist nur eine neue Bestätigung der sozialistischen Lehre, daß die Justizverwaltung nur ein Produkt und ein Werkzeug der herrschenden Klassen ist.... Man stelle sich nur vor, welche politische Bedeutung die Freisprechung Ferris in dem Bettoloprozesse gehabt haben würde! Das hätte geheißen, die in der Verwaltung der Kriegsmarine be. ende Fäulnis anerkennen und öffentlich zu and⸗ marken. Um eine solche Gefahr zu besch vören, hat man alle Kräfte und Einflüsse in Bewegung gesetzt. Die Richter haben sich gefühlt als ein Glied in dem Räderwerk der Klassenverteidig⸗ ung und deshalb sind sie ungeachtet des klaren Lichtes und des Urteils der öffentlichen Mei⸗ nung zur Verurteilung gekommen.— Verurteilt ist aber der Militarismus. Vom russisch⸗japanischen Krieg. Von den Nachrichten, die im Laufe der letzten Woche vom Kriegsschauplatze hierher gelangten, kann keine einzige besondere Bedeutung beanspruchen. Die 5 Meldungen erweisen sich auch vielfach als sensationell auf⸗ geputzt und zum großen Teil unzuverlässig. Das ist auch sehr erklärlich, da beide krieg⸗ führende Teile in ihrem Interesse die Bericht⸗ erstattung zu erschweren und zu beeinflussen suchen. Soviel läßt sich ind essen mit Bestimmt⸗ heit sagen, daß bei den bsc zen kriegerischen Operationen die Russen entschieden im Nach⸗ teile blieben. Fine ganze Anzahl Kriegsschiffe sind ihnen teils zugrunde gegangen, teils von den Japanern weggenommen worden.— Die Mobilisierung in Rußland de Schwierigkeiten. Zahlreiche einberufene Reser⸗ visten flüchten über die Grenze. Auch in der Armee selbst sollen viele Desertionen vorkommen. Angeblich wurden auch Telegraphenlinien von solchen Deserteuren zerstört. Die Stimmung in Rußland wird als eine ziemlich gedrückte ge⸗ schildert; die Behörden versuchen vielfach künst⸗ 1 lich„Begeisterung“ im Volke hervorzurufen. Doch der Pessimismus wird durch die Nach⸗ N die erlittenen Schlappen noch ver⸗ größert. Ungemein schwierig gestaltet sich der Truppen⸗ transport nach dem Osten. Die Militärzüge aus dem westlichen Rußland brauchen über 20 Tage bis zur Mandschurei. Dabei herrscht jetzt in Sibirien eine Kälte von 45 Grad Cel⸗ sius, die Soldaten verhungern und erfrieren. Schon jetzt soll die Sterblichkeit unter den Truppen in Port Arthur und dem ebenfalls russischen Hafenorte Dalny eine außerordentlich große sein. 5 Eine grobe Verletzung des Völker- rechts haben sich die Russen zu schulden kommen lassen. Admiral Alexejew in Port⸗ Arthur verfügte die Zurückhaltung eng⸗ lischer Schiffe, die japanische Flüchtlinge an Bord hatten, und gestattete die Ausfahrt erst, als die Japaner wieder ans Land gesetzt waren. England hat bereits Einspruch gegen dieses Vorgehen erhoben, und wahrscheinlich werden auch die Vereinigten Staaten dem Protest sich anschließen. Die übrigen in Port⸗ Arthur lebenden Ausländer mußten nach dem Angriff der Japaner auf Befehl Alexejews die Stadt sofort unter Zurücklassung ihres Eigen⸗ tums verlassen. Neutralitätserklärungen haben die verschiedenen Mächte abgegeben. Ob sie in Wirklichkeit strikt gehalten werden, ist eine andere Frage. Uebrigens sind sich die Diplomaten noch durchaus nicht einig, was man überhaupt unter Neutralität zu verstehen hat. Jede Re⸗ gierung legt diesen Begriff anders und so aus, wie es ihr gefällt. China z. B. erklärte, es könne keine Verantwortung für die Aufrecht⸗ erhaltung der Neutralität in einer von einer fremden Macht besetzten Provinz— der Mand⸗ schurei nämlich— übernehmen. Dieser Wink wird verstärkt durch eine Note der japanischen Regierung an die cginesische, in der betont wird, daß China Maßnahmen zum Schutze seiner Grenzen und zur Verstärkung seiner Ar- mee treffen müsse. Russisch-englischer Konflikt. Wegen Tibets ist es zwischen Rußland und England zu Differenzen gekommen. Rußland protestierte gegen die Einführung englischer Truppen in Tibet, mit dem Protest sei jedoch die englische Regierung„nicht einverstanden“. Ein am Mitt⸗ woch von der Frkftr. Ztg. gebrachtes Peters⸗ burger Telegramm besagte, daß Rußlandgegen England rüste. Die Situation wurde als sehr ernst bezeichnet. 5 Auf dem französischen Sozialisten⸗ kongreß, der diese Woche in St. Etienne stattfand, beschloß man eine Resolution, die sich gegen den Krieg ausspricht. Jaurés er⸗ klärte, er werde noch Gelegenheit nehmen, von der Kammertribüne dem Friedens verlangen der sozialistischen Arbeiter Ausdruck zu geben.— Das Organ der russischen Sozialdemokratie hofft, daß dieser Krieg möglichst kurz sein und den Zusammenbruch der zarischen Willkürherr⸗ schaft herbeiführen möge. Aus dem Reichstage. Der Titel Reichsgesundheitsamt wurde am Mittwoch erledigt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand eine neue bedeutsame Rede unsres Genossen Scheidemann, der seine agrarischen Gegner vom Dienstag der Reihe nach vornahm und gründlich widerlegte. Ins⸗ besondere dem konservativen Abgeordneten Dr. Dröscher, der sehr anmaßend aufgetreten war, wies er nach, daß seine Rede in Anlage und Einzelheit gleich oberflächlich sei. Scheidemann schickte ihn gehörig heim. Der Herr Dröscher, der früher Oberlehrer war, spielte sich als landwirtschaftlicher Sachverständiger auf und warf Scheidemann vor, daß er seine landwirt⸗ schaftlichen Kenntnisse wohl nicht im Schweine⸗ ——— EE 1 en der 1 e ee ee e ee eee Nr. 8. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite à. 7 soadern eher im Entenpfuhl(die Re⸗ da ionsstube) gesammelt habe. Scheidemann antwortete ihm schlagfertig mit der Frage, ob die Schulzimmer, in denen Herr Dröscher sich früher als Oberlehrer beschäftigt habe, Schweineställe gewesen seien? Gestützt auf das agrarische Werk des Ge⸗ nossen David wies er nach, daß Deutschland nicht imstande sei, seinen Bedarf an Rindern und Schafen aus der eigenen Produktion zu decken und deshalb namentlich mit Rückstcht auf die so sehr erwünschte Steigerung des Fleischkonsums bei der arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land auf die Einfuhr ange⸗ wiesen sei. Die 7 des Abg. Grafen Reventlow, man solle die Schweine, wenn man sie nicht zu angemessenen Preisen verkaufen könne, zu Seife verarbeiten, brandmarkte er als eines der traurigsten Zeichen der kapi⸗ talistischen Weltordnung. Auf der Rechten war es während der Rede Scheidemanns sehr unruhig, doch keiner der sonst so redelustigen Agrarier wagte ihm sach⸗ lich zu erwidern.— Im weiteren Verlauf der Debatte zeigte sich wieder einmal bet einer bürgerlichen Partei eine hübsche Zerfahrenheit: Ein waschechter Richterianer, der pfälzische Weingutsbesitzer Sartorius forderte höhere Zölle auf frische Trauben und mußte von seinem Fraktionskollegen Dr. Hermes korrigiert werden. Zum Kapitel Reichs versicherungs⸗ amt, dessen Etat am Donnerstag zur Beratung kam, ergriffen von der Sozialdemo⸗ kratie Molkenbuhr und Körsten das Wort, letzterer der Vertreter des Wahlkreises Randow⸗ Greifenhagen und Berliner Arbeitersekretär. Beide Genossen keilten sich in die Kritik, welche die Sozialdemokratie im Interesse der Versicherten u führen hat. Genosse Molkenbuhr verteidigte ie Ansammlung eines Reservefonds gegen die eigensüchtige Kritik der Berufsgenossenschaften und trat für das Kapitaldeckungsverfahren ein. Die Hauptsache aber war ihm, die Mangel⸗ haftigkeit der Unfallverhütungsvorschriften und ihre Ueberwachung seitens der gewerblichen Be⸗ rufsgenossenschaften und das völlige Fehlen jeder Verhütungsvorschrift in den landwirt⸗ schaftlichen Betrieben zu besprechen. Seine An⸗ gaben konnten von keiner Seite widerlegt wer⸗ den. Graf Posadowsky stellte in Aussicht, daß im nächsten Jahre mit Unfallverhütungsvor⸗ schriften für die Landwirtschaft der Anfang gemacht werden solle. Genosse Körsten be⸗ leuchtete die Rechtsprechung des Reichsverstcher⸗ ungsamtes und zeigte an einer Reihe von Fällen, wie oft die Entscheidungen einen be⸗ Hagenswerten Mangel sozialer Erkenntuis und sozialen Gefühls verrieten. Außerdem wies er auf die Abhängigkeit der Vertrauensärzte von den Berufsgenossenschaften und auf die Benach⸗ teiligung der Vertretung der Arbeiter gegenüber den Unternehmervertretern bei den Spruch⸗ sitzungen hin. Freitag setzte sich die Debatte über das Reichsversicherungsamt fort. Es kamen zunächst eine Reihe Redner aus dem Lager der bürger⸗ lichen Parteien zum Worte. Alle sangen das hohe Lied von der Fürtrefflichkeit der länd⸗ lichen und gewerblichen Berufsgenossenschaften. Herr Dr. Mugdan rühmte ihren sozialen Sinn, Herr Gamp pries ihre Fürsorge in der Abwehr von Unfällen und Herr Dr. Becker, der natio⸗ nalliberale Beklemmungen wegen der„Ueber⸗ stürzung der Sozialreform“ empfindet, faselte von der Verhetzung der„zufriedenen“ Arbeiter durch die Sozialdemokratie. Er und Dr. Mug⸗ dan verbreiteten wieder einmal das Märchen, als gefielen wir uns in. bässgen Verunglimpf⸗ ungen des Aerztestandes, dem sie beide ange⸗ hören. In Wirklichkeit hat Körsten und ebenso Sach se nur die Tatsache festgestellt, daß die Vertrauensärzte der Berufsgenossen⸗ schaft von diesen Unternehmerorganisationen abhängig sind, und daß eine Reihe von Aerzten sich weigern, verunglückten Arbeitern Zeugnisse auszustellen, weil sie von der Hetze der Berufsgenossenschaften eine Schädigung ihrer Existenz befürchten. In der weiteren ebatte leisteten sich die Gegner, besonders der konservative Gamp und der bekannte Becker aus Sprendlingen einige ganz ungehörige An⸗ rempelungen der Sozialdemokratie. Genosse Bömelburg führte sich durch eine ruhige aber eindringliche Rede recht glück⸗ lich ein, in der er die Unfallstatistik beleuchtete und energisch betonte, daß die Unfallverhütung die Hauptsache sei. Wie die Berufsgenossen⸗ schaften ihre Pflicht versäumen, ist bekannt. Unser Redner empfahl daher, ihnen die Unfall⸗ verhütung zu entziehen, ste durch die 0 0 setzgebung zu regeln und zur Kontrolle die Arbeiter heranzuziehen. Diesem Vorschlage trat der Zentrumsabgeordnete Erzberger rüchaltlos bei, wenn ihm auch bei der unvermeidlichen Polemik gegen uns die wenig sozial⸗reform⸗ freundliche Klage entschlüpfte, daß die kleinen Unternehmer unter der Last der Unfallverstcher⸗ ung zu seufzen hätten.— Auch Graf Posa⸗ dowsky erkannte die Beschwerden über die mangelhafte Unfallverhütung der Berufsgenossen⸗ schaften, zumal der Bauberufsgenossenschaft, durchaus an und kündigte, wenn nicht bald Besserung einträte, Zwangsmaßregeln des Reichs gegen die Berufsgenossenschaften an. Diese An⸗ kündigung wurde von unsrer Fraktion mit Beifall aufgenommen. Wahlprüfungen bildeten am Sams- tag den ersten Gegenstand der Tagesordnung. Die Wahl des Gen. Braun in Frankfurt⸗ Lebus gab zu einer längeren Debatte An⸗ laß. Alle Parteien waren im Grunde einig, daß dem Beschlusse der Kommission auf Un⸗ gültigkeitserklärung nicht beizutreten, sondern die Wahl an die Kommission zurückzuweisen sei, die auf Grund des neuen von unsern Kom⸗ misstonsmitgliedern beigebrachten Materials in eine erneute Prüfung der Sachlage einzutreten habe. Trotzdem kam eine sehr ausführliche Diskussion zustande, in die von unserer Seite Richard Fischer und Thiele eingriffen, um den Vorwurf von der Partei abzuwehren, als wenn sie hier Prinzipien im Stich ließe, weil es sich um die Beanstandung einer sozialdemo⸗ kratischen Wahl handle. Thiele nahm sich be⸗ sonders Herrn Dr. Arendt aufs Korn, wäh⸗ rend Fischer sich bemühte, einem Vertreter des Zentrums in der Wahlprüfungskommisston, dem Oberlandesgerichtsrat Burlage, klar zu machen, daß die Kassation der Braunschen Wahl wegen der amtlichen Begünstigung eines Gegen⸗ kandidaten geradezu eine Prämie auf Wahl⸗ beeinflussungen darstellen würde. Schließlich wurde die Wahl an die Kommisston zurück⸗ verwiesen. Das Reichsversicherungsamt war dann der Gegenstand der weiteren Beratung. Im Verlauf derselben hielt zunächst Genosse ꝗKörsten seine Kritik an der Rechtsprechung des Reichs versicherungsamtes aufrecht, und Ge⸗ nosse Stadthagen verstand es außerordent⸗ lich geschickt— den Anlaß dazu gaben Flug⸗ blätter der Hülleschen Fabrik ab, die in den Heilanstalten verbreitet werden— die Unwahr⸗ heit der Angaben des Frhru. v. Heyl über die Stellung der Partei zum Wuchergesetz aktenmäßig nachzuweisen. Da bei den Wahlen immer wieder mit dieser nichtswürdigen Lüge unsrer Gegner hausiert wird, ist es sehr dankens⸗ wert, daß Stadthagen einmal eine ganz genau auf die Reichstagsakten gestützte Widerlegung brachte. Ebenso zeigte Stadthagen, wie unwahr Heyls Behauptung über die hessische Einkommen⸗ steuer und den Antrag unseres Genossen war. Hat doch kürzlich sogar der hessi'che Finanz⸗ minister im Landtage erklärt, daß Heyl unserm Genossen Ulrich Unrecht getan habe.— Herr Dr. Wallau, der nationalliberale Vertreter des Kreises Alsfeld⸗Lauterbach suchte durch eschmacklose Witze seinem Freunde Dr. Becker, der am Freitag übel gezaust worden war, zu Hilfe zu kommen. Doch muß ein solcher Versuch bei Becker aus Sprendlingen stets ver⸗ geblich bleiben. Am Montag ging die Debatte über das Reichs⸗ versicherungsamt zu Ende. Unsere Genossen Fräßdorf, Robert Schmidt, Stadthagen und Molkenbuhr griffen nacheinander in die Debatte ein, um bald frühere An⸗ griffe gegen die Partei zu widerlegen, bald neu erhobene abzuwehren.— Darauf gelangten die noch ausstehenden Kapitel des Reichsamts des Innern zur Annahme. Erst bei den außerordentlichen Forderungen setzte eine sehr lebhafte und interessante Debatte ein. Bei der Forder⸗ ung einer weiteren Rate für die bekannte Hohkönig s⸗ burg wies Genosse Südekum darauf hin, daß der bekannte Architekt Bodo Ebhardt nach dem Urteil aller Sachverständigen nicht eine Rekonstruktion der alten Hohkönigsburg vornimmt, sondern ein überflüssiges Phantasieschloß aufbaut. Noch ist es Zeit, diese Geschmacklosigkeit zu verhindern. Aber Graf Posa⸗ dowsky und die Mehrheitsparteien, für die der Konser⸗ vative Henning und Herr v. Kardorff Kriegervereins⸗ tiraden zum Besten gaben, ohne auf die Gründe unseres Redners einzugehen, wissen den Wünschen, die von oben kommen, zu gehorchen. Daß dies der springende Punkt in der Frage der Kunstpflege durch das Reich ist, trat bei der Debatte über die Deutsche Kunstaus⸗ stellung in St. Louis, die fich über den ganzen Diens⸗ tag aus dehnte, uoch deutlicher hervor. — Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Ein Zentral- Unternehmerverband für Deutschland ist im Werden begriffen. In Berlin ist eine Kommission damit beschäftigt, Statuten für eine Zentralstelle sämtlicher Ar⸗ beitgeberverbände zu entwerfen. Das Unternehmertum vereinigt und rüstet sich immer mehr gegen die Arbeiter. Letztere sollten daraus die Lehre ziehen, sich ebenfalls fester zusammen⸗ zuschließen. Ueber den Terrorismus der Crim⸗ mitschauer Fabrikanten berichten unsere sächstschen Parteiblätter haarsträubende Dinge. Auf alle mögliche Art werden die Arbeiter schika⸗ niert. Hat ein Arbeiter Arbeit erhalten, so muß er sich von dem Arbeitsnachweis einen Schein ausstellen lassen. Es kommt oft genug vor, daß ihm dort ein solcher verweigert wird. Er darf alsdann von dem betr. Fabrikanten nicht beschäftigt werden. Ist er schon in Arbeit getreten, muß er wieder aufhören. Die Arbeiter wandten sich deshalb an den Stadtrat und verlangten Abhilfe. Es wurde denn auch der Vorsitzende des Fabrikanten⸗Vereins, Lukas Schmidt, zum Stadtrat gerufen. Aber eine Aenderung in dem System ist noch nicht ein⸗ getreten. Streikbrecher gelten den„Staatserhalten⸗ den“ als ganz besonders nützliche Elemente. Der Eisengießereibesitzer Hensel in Bayreuth machte aber mit ihnen schlechte Erfahrungen. Mancher dieser Ehrenmänner wurde schon von, der Polizei aus der Fabrik heraus⸗ geholt. Nun wurden kürzlich in der Fabrik große Unterschleife entdeckt, die auf mehrere Jahre zurückgehen. Mit den gestohlenen Sachen, deren Wert sich auf Tausende von Mark be⸗ läuft, wurde ein schwunghafter Handel getrieben. Als Täter wurden mehrere Arbeiter, darunter ein Gießermeister, verhaftet. Die Verhafteten waren Herrn Hensel bei einem Streik, der sich im vorigen Jahre in seiner Fabrik abspielte, getreue Arbeitswillige und wurden damals 1 5 der Ordnungspresse über den Schellenkönig gelobt.— Pon Uah und Lern. Hessisches. Aus dem hessischen Landtage. In ihren letzten Sitzungen beschäftigte sich die Zweite Kammer mit der Beratung des Vor⸗ anschlages für den Staatshaushalt. Bei dieser Gelegenheit wies unser Genosse Ulrich mit aller Entschiedenheit die unwahren Behaupt⸗ ungen, die Herr v. Heyl über seine, Ulrich's Steuervorschläͤge im Reichstage aufgestellt habe. Finanzminister Gnauth erklärte ebenfalls, daß Ulrich Unrecht geschehen sei. Heyl hat also die Unwahrheit im Reichstage gesagt. Am Dienstag fragte Gen. Adelung⸗ Mainz wegen der Maßregelung der Eisen⸗ bahner an und verurteilte die Versuche der preußisch⸗hessischen Verwaltung, das Koalitions- recht für die Eisenbahner mehr und mehr ein⸗ zuschränken. Finanzminister Gnauth antwortete, der Gemeinschaftsvertrag gewähre Hessen keine Einwirkung auf die Maßregeln, die vom preußk⸗ — Seite 4. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. f schen Ministerium der öffentlichen Arbeiten zur Wahrung der Aufgaben eines ungestörten und gesicherten Eisenbahnbetriebes für nötig gehalten werden. Der§ 152 der Reichsgewerbeordnung finde, wie die Praxis der Rechtsprechung zeige, auf Verkehrsanstalten keine Anwendung. Diese klägliche Ausrede nagelte Gen. Ulrich verdienter⸗ maßen fest und kündigte dem Minister ganz richtig an, daß so keine Ordnung erreicht, son⸗ dern nur gerechte Erbitterung geschaffen werde. Hilfe von bürgerlichen Parteien für ihren Vor⸗ stoß gegen die borussischen Drangsalierungen erhielten unsere Genossen natürlich nicht. — Unerhörter Terrorismus wird von der hessischen Eisenbahn verwaltung gegen die Eisenbahner ausgeübt. Bekanntlich hat der preußische Eisenbahngewaltige Bud de auch in Hessen zu befehlen und der hat schon früher erkärt, daß er nicht dulde, daß sich Eisen⸗ bahnarbeiter dem„Verband der Eisen⸗ bahner Deutschlands“ anschließen, weil dieser Verband sozialdemokratisch sei. Diejenigen Arbeiter, welche gegen das Verbot verstoßen, würden hinausgeschmissen. Und daß diese Worte Buddes keine leere Drohung waren, bewiesen die Eutlassungen von Eisenbahnarbeitern in Darmstadt, über die unsere Genossen im Landtage noch ein Wörtchen reden werden.— Vorige Woche hat nun die Eisenbahndirektion Mainz ein Plakat anschlagen lassen, in dem die Mitgliedschaft des Eisenbahnerverbandes ver⸗ boten und Entlassung im Falle der Zuwider⸗ handlung angedroht wird. In dem famosen Erlaß heißt es: „Im Interesse der Verwaltung wie des Eisenbahnpersonals sehen wir uns veran⸗ laßt, die sämtlichen Beamten, Hilfsbeamten und Arbeiter nochmals ausdrücklich vor jeder Beteiligung an dem„Verbande der Eisen⸗ bahner Deutschlands“— auch Eisenbahner⸗ Gewerkschaft genannt—, der offenbar darauf hinausgeht, den Frieden zwischen Verwaltung und Personal zu stören und ordnungsfeind⸗ lichen Bestrebungen zu dienen, zu warnen und unter Hinweis auf die in Darmstadt stattgefundenen Entlassungen dem Personal jeden Zweifel zu benehmen, daß die Teil⸗ nahme an ordnungsfeindlichen Be⸗ strebung een und die Beteiligung an dem „Verbande der Eisenbahner Deutschlands“ in Staatsbetrieben niemals geduldet werden kann und unnachsichtlich Ent⸗ lassung bezw. Kündigung des Dienstverhält⸗ nisses zur Folge hat.“ Also man nimmt ohne Weiteres dem Ar⸗ beiter das ihm verfassungsmäßig garantierte Vereinigungsrecht! Wehe denjenigen, die von ihrem Rechte Gebrauch machen, sie fliegen ohne Weiteres aufs Pflaster! Sogar schmutzige An⸗ geberei wird verlangt; zum Schluß heißt es: „Die Dienstvorsteher sind verpflichtet, Pfarrer für gut, den Verstorbenen als einen nicht fried⸗ auf die Befolgung dieser Vorschrift sorgfältig zu achten und Zuwiderhandelnde zur Anzeige zu bringen.“ Nun es werden sich noch Mittel und Wege finden, den Eisenbahnern trotz dieser empörenden Zwangs⸗Maßregel Aufklärung und„ordnungs- feindliche Gesinnung“ beizubringen. Eine nette „Ordnung“ das! Wo ist denn jetzt der„sozial⸗ demokratische Zuchthausstaat“, den die Bülow und seine Nachbeter so grauenvoll zu schildern wissen? Gießeln erg Angelegenheiten. — Christliche Gewerkschaften haben versucht, auch in Gießen Boden zu finden und es ist kürzlich zur Gründung einer Filiale des christl. Metallarbeiterverbandcs gekommen. Das hat hier noch gefehlt: hier kaun mit Ausnahme von ein oder zwei Berufen ohnehin nicht von einer besonders kräftigen Gewerkschaftsbewegung gesprochen werden und da kommen diese Herren noch mit Neugründungen, die, wenn sie über⸗ haupt aufkommen, nur zu einer Jersol erung und Schwächung der Arbeiterorganisation füh⸗ ren müsseun. Was il gens die Macher für ein„Geist“ beseelt, geht daraus hervor, daß einer derselben, der bei Heyligenstädt beschäftigt ist, seinen Chef erst um Erlaubnis fragte, ob er der„Gewerkschaft“ beitreten dürfe! Und das will dann Arbeiterforderungen vertreten! JHWasserleitung und auch eine elektrische Beleuchtung be⸗ — Noch etwas Christliches. Neulich brachte der Gießener Anzeiger einen langen Bericht über eine christlich⸗soziale Versammlung in Berlin, in der der Pfaffe Stöcker eine seiner bekannten Pauken losgelassen hat. Dabei wurde erwähnt, daß der Abg. Heyligenstädt ebenfalls anwesend gewesen sei(will er Stöckerianer werden?) und daß die Pfarrer Wahl aus Langen und Bernbeck aus Staden Reden zehalten hätten. Letzterer brachte den Fall„sozialdemokratischer Ausbeutung“ aus Kassel wieder vor. Was daran ist, haben wir kürzlich dargelegt und auch Pfarrer Bernbeck muß von der wirklichen Sachlage Kenntnis erhalten haben und bei einiger Ehrlichkeit zugestehen, daß es sich hier nicht um sozial⸗ demokratische Ansbeutung handelt. Trotzdem verbreitet er die Schauergeschichte in falscher Darstellung weiter! Aber wenn es der Mann auch für nötig gehalten hat, zu dem Zwecke nach Berlin zu reisen, so wird das doch der Stöckerei, die seit 25 Jahren den guten Willen hat, die Sozialdemokratie zu vernichten, auch nichts mehr nützen. Die Ersolge zeigten sich ja bei der letzten Wahl. — Der Wirt und die Alkoholbe— kämpfung. In der in der letzten Nummer besprochenen Versammlung des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ergriff auch der Vorsitzende des Gastwirtverbandes das Wort. Er trat zunächst— natürlich nur im Interesse der Alkoholbekämpfung, nicht etwa aus Konkurrenzrücksichten— gegen den Flaschen⸗ bierhandel auf. Weiter erklärte er:„In den Wirtshäusern wird der wenigste Alkohol kon⸗ sumiert!“ Und ferner:„Das Wirtshaus soll wieder werden eine heilige Stätte für alle, die es besuchen.“— Mit feierlichem Ernste nahm die Versammlung diese tiefen Weisheiten entgegen. Aus dem Rreise gießen. r. Steinberg. Die rote Schleife. Am Samstag starb hier unser Parteigenosse Fett im Alter von 51 Jahren nach kurzem Krankenlager. Was in seinen Kräften stand, hat er stets für die Partei getan und wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. — Bei seiner Beerdigung am Montag gab es einen kleinen Konflikt mit dem Pfarrer. Der Gesangverein „Eintracht“, eine Anzahl Mitarbeiter und der sozialdemo⸗ kratische Wahlverein erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Als die beiden Vereine nun vor dem Trauer⸗ hause anlangten, war der Herr Pfarrer schon da. Als er den Kranz mit der roten Schleife bemerkte, erklärte er, daß er diese Schleife im Leichenzug nicht dulden werde und verlangte ihre Beseitigung. Dazu waren unsere Genossen keineswegs bereit, sondern erklärten es für ihr gutes Recht, ihrem Mitgliede diesen Kranz zu widmen. Bei den Auseinandersetzungen geriet der Pfarrer in die Hitze, bezeichnete es als„Unfug“ und Störung, einen solchen Kranz bei einer christlichen Be⸗ erdigung mitzuführen und drohte, die Leichenbegleitung zu verweigern. Die Vereinsmitglieder erwiderten, daß auf ührer Selte von Unfug und Störung keine Rede sein könne. Schließlich veranlaßte der Pfarrer ein Mit⸗ glied der Familie, die Entfernung der Schleife zu ver⸗ (igen. Diesem Verlangen entsprach man dadurch, daß an den ganzen Kranz zurückließ, der nun diesen Sonn⸗ tag niedergelegt wird.— Am Grabe hielt es der liebenden Ehemann und Familienvater zu schildern, der dem Trunke ergeben gewesen sei. Demgegenüber ist zu bemerken, daß Fett, der ein tüchtiger Arbeiter war, tag⸗ täglich seiner Arbeit pünktlich nachgekommen ist. Sollte er, was zugegeben werden kann, manchmal einen Schop⸗ pen zuviel getrunken haben, so kommt dies auch bei andern Leuten vor, ohne daß es in ihrer Grabrede extra er⸗ wähnt wird. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein nach ihm! Dieses Vorkommnis zeigt die christ⸗ liche Toleranz wieder in hellstem Lichte. Würde wohl der Pfarrer Einwendungen gemacht haben, wenn bei der Beerdigung eines Angehörigen aus den„besseren“ Kreisen irgend ein Verein eine blaue, grüne oder rote Schleife mitgebracht hätte? — Gesangvereins-Jubiläum. Wie uns aus Staufenberg mitgeteilt wird, hat der Gesangverein„Staufenberg“ beschlossen, am 3. und 4. Juli das Jubiläum seines 25jäh⸗ rigen Bestehens zu feiern. Bei dieser Gelegeu⸗ heit sollen mehrere Mitglieder, welche dem Verein schon von Anfang angehören, zu Ehren⸗ mitgliedern ernannt werden. Aus dem Rreise Alsfeld-Cauterbach. b. Aus Alsfeld. Man schreibt uns: Unser Städtchen, das doch bekanntlich auch zu dem Reiche gehört, das„an der Spitze der Kultur marschiert“, läßt trotzdem in kultureller Hinsicht viel zu wünschen übrig. Es ist uns zwar in den letzten Jahren eine noch die alten herkömmlichen Petroleumfunzeln ihr „Licht“ leuchten lassen. Vor kurzem ist auch ein Verein zur Bekämpfung des Alkohols gegründet worden, und gegenwärtig ist unsere Stadtverwaltung dabei, ein Schlachthaus zu errichten. Neuestens wird sogar die Gründung eines Volks-Bildungsvereins gemeldet und was der schönen Dinge noch mehr sind. Aber das Allernotwendigste schiebt man immer auf die lange Bank, nämlich die Errichtung eines der Zeit entsprechen⸗ den und den sanitären Auforderungen genügenden Kran⸗ kenhauses. Seit einem Jahrzehnt hat die hiesige Bevölkerung schon darauf hingewiesen, auch das Kreis⸗ gesundheitsamt bedauert in seinem Jahresbericht das Fehlen eines solchen. Unsere Stadtväter haben zwar eine offene Hand für Verschönerungsanlagen, die gewiß ja auch nicht zu verachten sind, aber im Interesse der gesamten Einwohnerschaft wäre ein Krankenhaus entschieden notwendiger. Man hört zwar öfter sagen: wir haben ja ein Krankenhaus, wir haben das Spital. Zu was wird das aber benutzt? Arme Familien, die keine Wohnung bekommen können, werden da unterge⸗ bracht; alte, arbeitsunfähige Personen beschließen hier ihren Lebensabend; tobende, skandalierende Personen und Betrunkene werden ebenfalls von der Polizei da etnge⸗ sperrt, Erhängte, Ertrunkene kommen hinein—— und in diesem Spital finden auch unsere Kranken Aufnahme. Wie es da einem kranken Menschen zu Mute ist, der in diesem Hause seine Gesundheit wieder herstellen will, braucht man nicht zu schildern. Nun hat in den letzten Tagen eine Dame der besseren Kreise es unter⸗ nommen,„auf dem Wege der allgemeinen Wohltätig⸗ keit“, einen Fonds für Errichtung eines Krankenhauses zu schaffen. So ist wenigstens Aussicht vorhanden, daß wir auf diesem Wege zu einer Einrichtung kommen, die zu schaffen schon längst Pflicht der Gemeinde gewesen wäre.— Sehr notwendig ist auch eine Leichenhalle. Denn sobald in einer minderbemittelten Familie ein Todesfall eintritt, so ist sie gezwungen, entweder aus⸗ zuquartieren oder bei der Leiche zu herbergen.— Auf⸗ gabe der Arbeiter muß es sein, bei den nächsten Wahlen der Stadtvertretung mit aller Energie dafür einzutreten, daß Männer in den Gemeinderat kommen, welche die Bedürfnisse der Arbeiterklasse kennen und auch die In⸗ teressen der Minderbem ittelten wahrnehmen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Endlich einmal etwas Vernünf⸗ tiges. Wie berichtet wird, will die Stadt Wetzlar ein Volksbad errichten. Für die Baukosteu sind 110000 Mk. vorgesehen, 20 000 Mark wollten die Buderus'schen Eisenwerke dazu zur Verfügung stellen. Letzteres ist ja gewiß lobend anzuerkennen, umsomehr, als den Buderus Werken niemals ein arbeiterfreund⸗ liches Verhalten nachgerühmt werden konnte. Eigentlich wäre es Pflicht der Stadtge⸗ meinde, derartige im Interesse der Gesamt⸗ einwohnerschaft liegende Einrichtungen zu schaffen, es sollte nicht erst auf Unterstützung Privater gewartet werden, denen dann die Gemeinde zu Danke verpflichtet ist.— Hinzugefügt muß noch werden, daß bei Erörterung dieses Pro⸗ jekts als erster Gegner desselben der Milltonär Raab auftrat. Er hielt ein Volksbad in Wetz⸗ lar für überflüssig. Wir glauben ihm das gern, soweit seine Person in Frage kommt. Doch die arbeitende und minderbemittelte Be⸗ völkerung— auch die bei Raab beschäftigten Arbeiter— dürften darüber anderer Meinung sein. Auch Allmenröder, der in dem Rufe der „Volkstümlichkeit“ steht, zeigte nicht viel Sym⸗ pathie dafür. Welche Aengstlichkeit zeigten die Stadtväter, daß nur ja nicht der Stadtsäckel in Mitleidenschaft gezogen wird! Sie sind doch in manchen andern Dingen nicht so! Beispiels⸗ weise nicht, wenn es sich um Errichtung von Bismarcktürmen, Veraustaltung von patrio⸗ tischen„Feiern“ usw. handelt! Schaffung von Einrichtungen, die im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt liegen, gehören doch unter allen Umständen zur Aufgabe der Gemeinde. h. Ueber die Zustände in der Sophien⸗ hütte gehen uns lebhafte Klagen der Arbeiter zu. Besonders in der Röhrengießerei müssen sich die Arbeiter fürchterlich abhetzen. Während früher nur drei Guß gemacht wurden, müssen jetzt deren vier hergestellt ö 1 werden und dadurch giebt es ein tolles Jagen und Hasten. Die Folge davon ist, daß zahlreiche Unfälle vorkommen. Erst kürzlich wurde einem Arbeiter das Bein überfahren, das ihm dann amputiert werden mußte und vorige Woche ereignete sich der schwere Un⸗ fall, der dem Arbeiter Pygorsch das Leben kostete. Ueber Nr. 8 scheert worden, wenn auch auf dem Babnhofe immer letzteren Fall brachten wir schon in der letzten Nummer Jin fi ag vel und eib abe de Nen t. g — 9 u ihr Due u, ud , en gur die gemeldet ber daß N lange prechen⸗ Kran⸗ Hhesge ö Ktelz⸗ t daz u zpar E gewiß esse der lenhaugz r sagen: Spltal lien, die unterge⸗ gen hier en und 5 elnge⸗ — und nahme. t, der en will, in den d unter⸗ ohltätlig⸗ enhauses en, daß men, die gewesen halle. lle ein er aus⸗ — Auf⸗ Vahlen zutreten, che die die In⸗ ünf⸗ Stadt ür die 20 000 euwerke ist ja als den sreund⸗ konnte. ad tge⸗ Hesamt⸗ caffe, arlbater nde zu t nutz eb Prh⸗ slllonär 1 Witz u uhll oll. alte Be⸗ fte elnung jufe der — eee ee Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. eine kurze. Notiz, der wir noch hinzufügen müssen, daß dieses Unglück durch die überhastete Arbeitsweise ver⸗ schuldet ist. Den elektrischen Krahnen bediente ein Junge, der von einem andern Manne zu einer Hilfeleistung gerufen wurde. Er vergaß dabei auszuschalten, der Krahnen ging hoch, das Seil zerriß und der etwa 2 Zentner schwere Kasten mit Haken fiel dem Pygorsch auf den Kopf und tötete ihn sofort. So fallen täglich Söhne der Arbeit im Interesse des Kapitalprofits! Zum Teil sind aber die Arbeiter selbst mit schuld. Sie sollten ruhiger und mit mehr Vorsicht und Ueberlegung arbeiten, nicht einer immer mehr leisten wollen als der andere. Allerdings steht der Antreiber stets dabei, der, falls ein Arbeiter sich nur umsieht, ihn anschnauzt und mit Entlassung droht.— Es sollte sich der Ge⸗ werbe⸗Inspektor mal den Betrieb eingehend betrachten. h. Das Gasthaus„Zum römischen Kaiser“, dessen Besitzer in Konkurs geriet, ist bei der Versteigerung der Gießener Aktien⸗ brauerei für 46 000 Mk. zugefallen. Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn. leber den Bahnbau Herborn⸗ Westerburg schreibt man uns: Es scheint, als hätten die Unternehmer sich die Ansicht des früheren Abg. Hoffmann angeeignet, der sich s. Zt. dahin aussprach, daß die ktaltenischen Arbeiter bei Erdarbeiten mehr leisteten, als die deutschen, denn bei dem Bahnbau sind meistens Italsener und andere Ausländer beschäftigt. Für viele Westerwälder, die dort Arbeit zu finden hofften, ist das allerdings nicht besonders angenehm. Erst müssen sie zu den Grunder⸗ werbskosten doch auch ihr Teil mit beitragen und dann dürfen sie zusehen, wie fremde Ar⸗ beiter und die Unternehmer das Geld verdienen. Aber die Bahn dürfte sich auch kaum als ren⸗ tabel erweisen. Denn die Unternehmer der Kalk⸗ und Basaltbrüche in Langenaubach und Flamersbach können nach Norddeutschland und dem Siegerland trotzdem billiger liefern als die des Hinterlandes. Entweder werden dann in den beiden genannten Orten die Arbeits⸗ löhne herabgedrückt, oder es werden die Frach⸗ ten soweit ermäßigt, daß schwerlich von einer Rentabilität die Riede sein kann.(Anmerkung der Redaktion. Wir sind mit der Ansicht unseres Korrespondenten hier nicht einverstanden. Bei der Anlage eines neuen Verkehrsweges kann doch nicht bloß die Rentabilität maßgebend sein, sondern die Rücksicht auf das Interesse der gesamten Bevölkerung. Und für diese han⸗ delt es sich doch darum, daß der Verkehr er⸗ leichtert wird.) IJ Meuschenfreundlicher Arzt Kürzlich verun⸗ glückte auf einer Grube bei Neunkirchen der Bergmann Jung aus Hof tödlich. Man schickte zu Dr. Reinecke nach Neunkirchen zur Hilfeleistung. Dieser erklärte jedoch, es sei zu weit und er habe keine Zeit, man möge den Verletzten in die Gießener Klinik bringen. Auf dem Wege zur Bahn begegnete Dr. R. zufällig dem Trans⸗ port und der Doktor konstatierte, daß der Verletzte schon tot sei. Ob Dr. Reinecke, wenn er wegen irgend einer Bagatelle zu eknem dortigen Industriebaron gerufen worden wäre, sich auch mit Zeitmangel entschuldigt haben würde? Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. r. Gewerkschaftsfest. Die bereinigten Gewerkschaften von Marburg feiern diesen Sonn⸗ tag im Restaurant„Schloßgarten“ ihr Winter⸗ vergnügen. Die große Beteiligung an den frü⸗ heren Gewerkschaftsfesten legt Zeugnis dafür ab, daß die Gewerkschaftskommission stets be⸗ müht war, den Teilnehmern einen genußreichen Abend zu bieten. Was bei den früheren Jesten geboten wurde, das soll diesmal noch über⸗ troffen werden. Außer der Festrede des Herrn E. Krumm ⸗Gießen und den Gesangsvorträgen des Arbeiter⸗Gesangvereins„Eintracht“ kommen noch Theaterstücke und komische Vorträge zur Aufführung; außerdem wird, was bei den frü⸗ heren Festen nicht der Fall war, valistischer Abend damit verbunden sein. die Arbeiterschaft Marburgs für starken Besuch sorgen.(S. Inserat.) N r. Agitation für„christliche“ Ge⸗ werkschaften wird in der Umgegend von Marburg mit Emsigkeit betrieben. Während sich die Stöcker'schen kürzlich ihr Tätigkeitsfeld in die Stadt legten, bearbeiten die Agitatoren der christlichen Gewerkschaften mit Vorliebe die ein karne⸗ Möge Dörfer und suchen Zahlstellen zu gründen. Da der Zentralverband der Maurer auf den Dörfern schon seit längerer Zeit zahlreiche Mitglieder hat, wollen die Christlichen ihre Schäfchen mit Hülfe der Geistlichkeit vor den„roten Inter⸗ natlonalen“ schützen. Die haarsträubendsten Dinge werden da über die T f 4 Sozialdemo⸗ kraten erzählt.„Terrorismus der roten Ge⸗ nossen“ ist stets der Haupttrumpf; der Frank⸗ furter„nationale“ Arbeiterkongreß wird als epochemachende Tat gepriesen.— Nächstens soll eine christliche Versammlung in Marburg auf Freihof's Terrasse stattfinden, um die Marburger Arbeiterschaft vor dem Untergange zu retten. Es kann nicht schaden, wenn alle Organtsierten zur Stelle sind. r. Prügelpädagog. Kürzlich hatte sich vor der Marburger Strafkammer der Lehrer Möller aus Weidenhausen bei Gladenbach wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts zu verantworten. Möller hatte beim Sckul⸗ unterricht 3 Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren mit einer Rute so auf die Hände und ins Gesicht geschlagen, daß dem einen Kinde die Lippen aufsprangen und 3 Zähne einge⸗ schlagen wurden. Die beiden andern Kinder wurden in derselben Weise bearbeitet. Wegen dieser Roheit bekam der Erzieher nur 30 Mk. Geldstrafe. co Moral bürgerlicher Zeitungen. In der„Hess. Landesztg.“, dem national⸗sozial⸗ liberalen Marburger Blatt, steht in Nr. 31 folgende Annonce zu lesen: Cavalier, jede Woche in Marburg, sucht für die Abende gemütlichen Anschluß. Gefällige Anerbieten unt. Nr. 741 an die Erped. d. Bl. bis 10. d. Mts. Antwort 8 Tage später. Mit wem mag der Mann wohl den„ge⸗ mütlichen“ Anschluß für den Abend suchen? Am Ende mit dem Marburger national⸗sozialen Verein? Da er sich selber einen Cavalier, was doch wohl als: konservativer Ordnungsmensch zu verstehen ist, nennt, erscheint das fraglich. Wen aber mag er sonst suchen?— Es er⸗ scheint kaum glaublich, daß sich ein anständiges Blatt zur Veröffentlichung und.. Vermittelung solch unsaubern Techtelmechtels hergiebt! r. Der Wahlverein hält am Samstag, den 27. Februar im Restaurant Jesberg seine regelmäßige Versammlung ab, zu der die Ge⸗ nossen zahlreich erscheinen wollen. n. Die umstürzlerischen Singer-Nähma⸗ schinen. Vor Kurzem an einem Sonntage beging man in Bracht bei Marburg die Kaisersgeburtstagsfeier. Dabei hielt es auch der Herr Gendarm für angezeigt, seinen Patriotismus in einer kräftigen Bierrede zum Ausdruck zu bringen und, wie sich das von selbst ver⸗ steht, den„Um zu bekämpfen. Unter anderm meinte er, wie gut es en Arbeiter heutzutage gehe, trotzdem wären sie nie J krieden. Doch sie(die Beamten) könnten jetzt mit ihren Gehalts verhältnissen wohl zufrieden sein. Dann vernichtete der Redner die Sozialdemokratie. „Was habt ihr von Bebel?“ fragte er seine geduldigen Zuhörer., Derselbe fährt vierspännig Carosse am Züricher See, und was habt ihr von Singer, der doch die vielen Filialen in Deutschland hat. Wenn ich in ein Haus komme und sehe eine Singer⸗Nähmaschine, dann beschleicht mich ein unheimliches Gefühl, ich muß dann immer an die Umsturz⸗Partei denken.“ Das un⸗ heimliche Gefühl des Ordnungshüters wird sich aber bis ins Ungeheuerliche steigern, wenn wir ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit verraten, wie noch ver⸗ schiedene andere sozialde w okratische Führer Geschäfte machen. So hat er gewiß schon von dem Auer⸗Licht gehört— damit hat der Abg Auer viele Millionen verdient, Steinreich ist auch der sozialdemokratische Abg. Hoffmann(Saalfeld) durch seine berühmte Hoff manns⸗ Stärke geworden und wer hätte nicht schon von Bernstein⸗Lack gehört? Ihm verdankt Eduard Bernstein seinen kolossalen Reichtum! Aus dem Gerichtssaale. Geistliche Sünder. Vom Landgericht Kempten(Bayern) wurde der Pfarrer Mathäus Ziegler, früher Stadtpfarrer in Füssen wegen fortgesetzten Verbrechens wider die Sittlichkeit zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrenverlust verurteilt.— Pfarrer Sebastian Dischl, der einem siebenjährigen kranken Mädchen einen Büschel Haare ausriß, wurde vom gleichen Gericht wegen Uebertretung des Züchtigungs⸗ rechtes zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. Kleine Mitteilungen. * Opfer der Arbeit. Auf der Zeche„Deutscher Kaiser“ wurden durch vorzeitiges Losgehen eines Spreng⸗ schusses ein Arbeiter getötet und zwei tödlich verletzt.— Auf dem Schacht„Friedrich der Große“ bei Dortmund stürzten zwei Bergleute in die Tiefe, als sie den Förder⸗ korb verlassen wollten. Einer war sofort tot, der andere hoffnungslos verletzt. i Tödlich verunglückt. In Burkhards ge⸗ riet der Polizeidiener Haxt am Montag Abend auf dem Heimwege vom Wirtshause in die nicht sehr tiese Nidder und ertrank. Der Verunglückte stand schon im vorge⸗ rücktem Alter. * Unfall bei der Arbeit. In Ober⸗ schmitten kam der Arbeiter Schneider in die Trans⸗ mission und erlitt sehr erhebliche Verletzungen. l Meineidiger Schutzmann. Das Dres⸗ dener Schwurgericht verurteilte den Schutzmann Uhlig wegen fortgesetzten Meineids bei der Verhandlung von Strafsachen, die er selbst amtlich zur Anzeige gebracht hatte, zu drei Jahren Zuchthaus. Partei-Nachrichten. Ein neues Gruppenbild der sozial⸗ demokratischen Reichsiagsfraktton hat die Buchhandlung„Vorwärts“, Berlin hergestellt. Das Bild ist ein schöner Zimmerschmuck für jedes Arbeiter⸗ heim. Einzelpreis ist 60 Pfg., Porto 30 Pfg. Alle Parteibuchhandlungen— in Gießen die Expedition der Mitteld. Sonntgs.⸗Ztg.— nehmen Bestellungen an. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 28. Februar, vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig in Gießen: Kreiskonferenz. Vorläufige Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes des Kreiswahlvereins. 2. Neuwahl des Vertrauensmannes. 3. Unsere Kreis⸗ organisation. 4. Die Gemeinderatswahlen. 5. Unser diesjähriges Kr isfest. Der Vorstand des Kreis⸗Wahlvereins. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 20. Februar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof).— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Ludwig Germer (Zum grünen Baum). Wieseck. Wahlverein. Abends /9 Uhr Ver⸗ sammlung bei K. Kreiling. Langgöns. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Wirt Seipp. Marburg. Holzarbeiter. sammlung bei Hillberger. Sonntag, den 21. Februar. Rödgen bei Gießen. Nachmittags 4 Uhr Versamm⸗ lung bei Wirt Balser. Montag, den 22. Februar, Gießen. Schneiderverband. Abends ¼9 Uhr Versammlung bei Orbig. Abends 9 Uhr. Ver⸗ Quittung. Wetzlar. Für die Ausgesperrten in Crimmitschau gingen noch folgende Gelder ein: Liste Nr. 2204 Mark 42,65(darunter von einem Hirsch⸗Dunkerschen Gewerk⸗ vereinler 0,50). Nr. 2214 Mk. 2. Nr. 12 176 Mark 6,94(darunter 2,19 von O. T.). Insgesamt einge⸗ gangen Mk. 195,46. Der Vertrauensmann. — ͥ Briefkasten. C. M.⸗ Alsfeld. Die Adresse lautet: Groß einkaufs⸗Gesellschaft deutscher Konsumvereine Hamburg Gröningerstraße 24/25. Th.⸗Rehe. Gelegentlich wird alles mit benutzt; das Ganze aufzunehmen war nicht gut möglich. Gruß! Gen. M.⸗Mbg. Gewiß ein sehr fataler Druck⸗ fehler! Indessen— der aufmerksame Leser wird ihn selbst korrigiert haben. Wir sind natürlich immer die Hauptleidtragenden und doch— die Unschuldigen!— Mehrere Einsendungen mußten zurückge⸗ stellt werden. Von dem bekaunten„Kur⸗Jnstitut Spiro⸗ Spero““(Paul Weidhaas), liegt der heutigen Nummer ein Prospekt bei. — — —— —— K 1 5 2 — A—— —.——— 2 5 ä— 6——————.——.— ——..—.—.. ̃— ͤßV—t!!———— 8— —— Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3. Von Nah und Lern. Der Oberlehrer mit dem roten Schlips. Ein heiteres Stückchen des Rotkollers, das sich natürlich in dem gesegneten Sachsen er⸗ eignete, beschäftigt die Oeffentlichkeit. Das Schöffengericht in Plauen hatte am 28. Jan. die Frage zu entscheiden, ob es von einem sächsischen Oberlehrer unpatriotisch gehandelt ist, wenn er am Sedantage einen roten Schlips trägt. Dieses Verbrechen hatte sich nämlich der Oberlehrer Weidauer, Religions- lehrer am Gymnastum in Plauen, und Führer der Nationalsozialen schuldig gemacht. Er hatte bei einem Ausfluge des Gymnastums am Se⸗ dantage seinen Hals mit einer Binde von der verfehmten roten Farbe geschmückt und damit in verschiedenen Kreisen Anstoß erregt. Die Angelegenheit war im„Vogtl. Anz.“ mit einigen kritischen Bemerkungen zur Sprache gebracht worden, was Herrn Weidauer veranlaßte, gegen den Verfasser Ellegard Leisner Strafantrag zu stellen. Das be sprach indessen den Beklagten frei, da der Artikel weder ob⸗ jektiv noch subjektio eine Beleidigung enthalten habe. Ausdrücklich betonte das Gericht, daß das Tragen eines roten Schlipses, eines be⸗ kannten Abzeichens, unter den vorliegen⸗ den Umständen als eine Demonstration aufgefaßt werden müsse, zumal der Privat⸗ kläger schon früher an der Seite eines sozial⸗ demokratischen Führers eine nationalsoziale Versammlung geleitet hat, und die National- soztalen nächst den Sozialdemokraten die am meisten links stehende Partei seien.— Natür⸗ lich, die rote Binde läßt mit aller Sicherheit darauf schließen, daß der Mann auch innen rot ist. Ein sächsischer Lehrer, der dazu noch Theologe ist, hat schwarz zu sein, außen und innen!— Für Karnevalvereine liefert die Geschichte eine ganz nette Bereicherung ihres Programms. Folgen der Kaisergeburtstagsfeier. In Oberhausen(Rheinland) war bei der Kaisergeburtstagsfeier dem Sohne eines bekannten und einflußreichen Direktors eines großen Werkes die patriotische Begeisterung der⸗ artig zu Kopfe gestiegen, daß er einen Zechen⸗ beamten in einem öffentlichen Lokale beleidigte, worauf der Beamte mit einigen kräftigen Ohr⸗ feigen antwortete. Der Geohrfeigte, welcher Reserveleutnant ist, wäre ja nun nach dem Ehrenkodex verpflichtet gewesen, den Beamten zu„fordern“; aber, ob er den Beamten nicht für satisfaktionsfähig hielt oder ob er nach ausgeschlafenem Rausche die Sache vergessen hatte, die Duellforderung erfolgte nicht. Darauf hielt sich nun der Beamte für verpflichtet, den Leutnant zu fordern; aber eine Knallerei unter⸗ blieb, dafür fand dieser Tage auf dem dortigen Bezirkskommando eine Ehrengerichtssitzung statt. Dem Reserveleutnant wird es wohl die Uni⸗ form kosten und der Zechenbeamte bleibt seiner Familie erhalten. Im christlichen Staate. Unglaubliche Verwahrlosung stellte eine Gerichtskommission bei einem in Armenhause zu Belzheim bei Oettingen in Bayern ver⸗ storbenen 49 jährigen Gemeindearmen fest. Der Verstorbene war derart von Eiter zerfressen, daß die Backenknochen offen dalagen. Er war seit mehreren Jahren gelähmt und völlig bewegungs⸗ unfähig. Zu seiner Pflege hatte man ihm seine alte Mutter beigesellt, die selbst hilflos war. Einen Arzt beizuziehen scheute sich die Gemeinde wegen der Kosten. Aehnliche Fälle kamen in dem frommen Bayern in letzter Zeit öfters vor. Treffende Antwort. Am 30. Dezember v. Js. fand in Gotha eine Innungsversammlung statt, die sich u. a. auch mit der Frage beschaͤftigte, inwieweit das Handwerk durch Konsum vereine geschädigt werde. Bet dieser Gelegenheit berichtete Herr Wilhelm Bonsack, daß sich die Bäckerinnung an das Ministerium gewandt und auch sogar eine Audienz beim Regenten nachgesucht habe, um über die Schädigung durch die Konsum⸗ vereins⸗Bäckereien Beschwerde zu führen. Der Regent habe ihre Klagen geduldig angehört und dann kurz und bündig erklärt: „Errichten Sie auch eine Genossen⸗ schaft und schaffen Sie die gleichen Maschinen an wie die Bäckerei im Konsum verein! ä—— *. 5 AUnterhaltungs-Ceil. —— 2 Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. (Fortsetzung.) Der alte Herr war zufällig in Gedanken und konnte also die Großtat gar nicht würdigen; den Burschen laufen lassend, dankte er der Witwe, die sich vor ihn hingestellt und ihn mit einem förmlichen tiefen Knicks geehrt hatte, freundlich und richtete, bevor er weiter ging, einige wohlwollende Fragen an ste, die sie de⸗ mütig beantwortete. Tobias wartete und sah die Nachkommende mit einem Blicke an, als wollte er sagen:„H du gute Alte— wie wenig hast du den Brief deines Sohnes begriffen!“— Auf dem Wege, den sie noch miteinander zu machen hatten, fand er seinen ruhigen Ernst wieder, gab dem Weibe zum Abschied die Hand sagte:„Ich dank' Euch, daß Ihr mich den Brief habt lesen lassen. Ihr habt mir einen Gefallen getan, 1575 mir kein Mensch einen größeren hätte tun önnen.“— In seine Stube eintretend, fand er den Vater allein. Er grüßte ihn leicht, zeigte ihm die gekauften Sachen und empfing dafür seine Anerkennung, denn sie waren gut und billig erworben. Nachdem der Alte das Lob gespendet, ver⸗ riet er eine eigentümliche Unruhe und eine Verlegenheit, als ob er nicht recht wüßte, was er nun tun, ja nicht einmal, was für ein Ge⸗ sicht er machen sollte. Er rückte mehrmals an der alten Pelzkappe, die er im Hause trug, stellte sich dann zum Fenster und sah durch zwei Geranienstöcke, womit der Sims geziert war, auf die Gasse hinaus. Tobias betrachtete ihn und schüttelte den Kopf; er war seinerseits mit einem Vorsatz gekommen, überlegte nun, wie er die Sache einleiten sollte, und war eben daran, das Wort zu ergreifen, als der Alte sich umdrehte und entschlossen begann:„Hör', wir müssen heut noch ein ernsthaftes Wort mit⸗ einander reden. Ich hoff', du kannst etwas Vernünftiges anhören?“ „Das schon,“ erwiderte Tobias verwundert. „Grad heut!“ „Das ist gut,“ versetzte der alte Schneider. „Also kurz von der Sach' g'red't! Der junge Schuster hat heute um die Sibylle anhalten lassen, die hat aber nicht Ja gesagt, sondern sich drei Tage Bedenkzeit ausgebeten, weil sie dich immer noch lieber hat und hofft, daß du jetzt, wenn du den Erust siehst, deinen dummen Handel mit der Pfarrmagd lassen und zu ihr kommen wirst. Das hat mir einer gesagt, der von dem Weber dazu den Auftrag gehabt hat. Der Weber giebt auch das Haus ab, und noch dazu weit billiger, als ich gedacht hab'. Also entschließ dich kurz, zieh' dich an, und wir machen den Handel heut noch richtig.“ Tobias hatte mit steigender Verwunderung gehorcht; jetzt verzog er den Mund zu einem spöttischen Lächeln und erwiderte spielend: Ich glaub's nicht! Das machst Du mir nur vor!“ „Ich mach' dir nichts vor,“ entgegnete der N streng.„Was ich sag', ist lautere Wahr⸗ eit!“ In der Tat verhielt es sich so. Die Sibylle, die von dem Verhältnis des jungen Schneiders zur Bäbe keine Ahnung gehabt und immer 2¹. hoffend gewartet hatte, war freilich tief belei⸗ digt durch die Streiche, die sie von ihm erfuhr, und verachtete ihn drei Tage lang von ganzem Herzen. Nach und nach trat aber doch die alte Neigung wieder hervor, sie dachte sich das Zusammenleben mit dem hübschen, bösen Men⸗ schen angenehmer als jemals und freute sich, daß die Anfrage des jungen Schusters ihr Ge⸗ legenheit gab, gegen die hergelaufene Person noch mit allen ihren Vorteilen ins Feld zu rücken. Sie sprach kräftig mit dem Vater, hielt ihm namentlich den wichtigen Umstand vor, daß Tobias wenigstens zweihundert Gul⸗ den mehr Heiratsgut bekommen werde als der Schuster, daß die Geschichte mit der Pfarr⸗ magd eine Dummheit sei, wie sie der Schuster wohl auch schon gemacht haben werde, daß man solche Sachen verzeihen müsse, besonders weil der gute Mensch gewiß nur von der Per⸗ son verführt worden sei, und daß Tobias, wenn man ihn wieder ins rechte Gleise bringe, der beste Ehemann sein werde. Sie überredete den Weber, das Haus abzugeben, wie sie's für billig fand, indem ste die schönsten Versprech⸗ ungen machte— kurz, sie lenkte den Handel. so praktisch, wie man es von einem Dorf⸗ mädchen gewöhnlichen Schlages nur immer erwarten konnte. Den Unterhändler, der zum Schneider gehen sollte, belehrte sie selbst und hoffte um so mehr auf einen guten Ausgang, als sie doch glauben mußte, daß es am Ende Vater und Sohn lieb sein würde, auf diese Art mit einemmal aus dem wüsten Gerede und aus der Schande zu kommen. Bei dem Alten traf sie es. Dieser atmete auf, als er die Kunde vernahm, die der Mit⸗ telsmann natürlich nur als von ihm ausgehend brachte, ohne indes dem Schneider die Wahr⸗ heit verbergen zu können. Er sprach mit wür⸗ digem Ernste seinen Dank aus und beschloß augenblicklich, zur Erreichung dieses guten Zweckes von allen Mitteln seines väterlichen Wie gewalt⸗ Ansehens Gebrauch zu machen. tätige Menschen sich an eine beinahe schon ver⸗ lorene Sache um so hartnäckiger anklammern und meinen, gerade jetzt müsse sie noch gewen⸗ det und gerettet werden, so empfand der alte Schneider eine förmliche Wut, seinen Willen durchzusetzen und sich durch den Sieg über den Burschen für allen Verdruß der letzten Zeit schadlos zu halten. Als Tobias auf die erste Erklärung nicht gleich antwortete, fragte der Alte:„Nun, werd' ich was hören?“ Der Sohn zuckte die Achseln und erwiderte lächelnd:„Vater, du hast's heut schlecht ge⸗ troffen.“ „Wieso?“ rief der Alte, indem er ihn staunend ansah,„schlecht getroffen?“ „Ja,“ versetzte Tobias;„weil du mich heute weniger als jemals dazu bringen wirst, diese einfältige Person zu heiraten.“ Der Vater betrachtete ihn von oben bis unten, trat dann einen Schritt näher und sagte mit tiefem Ernste:„Tobias, ich rat' dir's in Gutem, mach' mich nicht zornig. Ich versteh“ heut gar keinen Spaß, und du hast mich noch lange nicht kennen lernen, wie ich eigentlich bin! Das kann ich dir sagen!“ Tobtas, der seinen Kopf erhoben, entgegnete: „Und du hast mich auch noch nicht kennen lernen, wie ich eigentlich bin!“ Der Alte machte ein Gesicht wie einer, den seine bisherigen Begriffe zu verlassen anfangen. „Was ist denn aber das?“ rief er endltch. „Wo nimmt denn der Mensch auf einmal die Unverschämtheit her?“ „Ja,“ erwiderte Tobias mit halbem Lachen, „das glaub' ich schon, daß du dich darüber wunderst!“ Ernster setzte er hinzu:„Ich hatt mich eben früher schon so benehmen sollen gegen dich. Es ist eine Dummheit gewesen, daß ich mich vor dir gefürchtet hab', ein reiner Unstnn! Das hat aber jetzt ein Ende!“ Das Staunen und die Entrüstung des Al⸗ ten erreichten den höchsten Grad. Auf einmal ihn von der Seite betrachtend, rief er verächt⸗ lich:„Hast du ein Glas Bier zu viel getrunken und spielst jetzt den großen Hansen? Dem will ich abhelfen!“ Mit heftig strengem Tone und den Arm gebieterisch ausstreckend, rief er: * 1 1 g U 0 — mer zum b und gang, Ende diese: gerede mete Mit⸗ hend Vahr⸗ wür⸗ schloß. guten lichen cwalt⸗ n ber⸗ mern ewwen⸗ alte Villen T den Zeit nicht werd iderte t ge⸗ unend mich wirft, f bie sagte 15 if. erstch foch lich guete: nen , den gel ͤdlich. al die ache, über Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. teh' dich an! Es ist die höchste Zeit, daß r hingehen. Schnell! Auf der Stell'!“ Tobias erwiderte ruhig und bestimmt:„Ich mag uicht!“ Jetzt verließ den Alten die bisher mühsam behauptete Geduld.„Wie“, rief er mit Wut und mit aller Verachtung der Wut,„wie, du willst dich gegen deinen Vater stemmen? Du elender Mensch! Du erbärmlicher Kerl! Du Tropf! Du Garnichts! Du willst—“ Tobias war einen Schritt zurückgetreten und blaß geworden wie die Wand. Die so un⸗ sägliche Geringschätzung ausdrückenden Schmäh⸗ reden waren wie vergiftete Pfeile in sein Herz gedrungen; bebend vor Entrüstung sah er den ten an und rief:„Schimpf nicht so! Es ist eine Schand', wenn ein Vater so zu seinem Sohn red't! Pfui, was ist das für ein Be⸗ nehmen! Was sind das für gemeine Manieren! Da sieht man schon—!“ Weiter konnte er nicht reden. Der Alte, aufs höchste erzürnt über die Widersetzlichkeit und über die Vorwürfe, die er von„seinem Buben“ zu hören bekam, ging auf ihn los, um die ultima ratio der Despoten gegen ihn anzuwenden. i Tobias trat aber rasch weiter zurück, ergriff schnell wie der Blitz die auf dem Tische liegende große Tuchschere, erhob sie und schrie mit flammenden Augen:„Schlag mich nicht— oder es giebt ein Unglück!“ Der Alte hielt inne und starrte ihn an. Er war erschreckt— nicht von der Schere, obwohl die an rechter Stelle sehr gut treffen konnte— sondern von dem Anblick des To⸗ bias. Bleich bis in die Lippen, schnaubend und zitternd stand er vor ihm. Aus den Augen blitzte rasender Grimm, und aus dem Gesicht Ac der tiefunheimliche Glanz eines bis zum Wahnsinn gereizten und rachewütigen Menschen. her Vater, obwohl erzürnt, war doch nüchtern und sonst bei gesundem Sinnen— er trat zu⸗ rück wie der Vernünftige vor dem Tollen, in⸗ dem er nur mit gedämpfter Stimme gleichsam für sich ausrief:„Das muß ich sagen!“— Mit ordentlicher Spannung sah er den Burschen an, 105 dumpfer Neugier, was er nun beginnen werde. Tobias ließ den mit der Schere bewaffneten Arm sinken, aber nur so weit, daß er gegen einen erneuerten Angriff immer gerüstet war, und mit einem Tone, der halb wütend, halb klagend und weinend klang, begaun er:„Nein, es ist zu arg— es ist eine Sünd' und eine Schand', wie man mit mir umgeht! Von In gend auf hat man mich verspottet, geärgert und geschlagen, und alle sind zusammengestan⸗ den gegen mich! Daheim, wo man ein Hilf haben sollte, macht man mir's ärger als draußen— mein leiblicher Vater verachtet mich und schimpft und schlägt und stößt mich, wenn's ihm einfällt. Und ich bin der gute Esel und laß mir's gefallen und geb' nach, und was ist der Dank? Daß man ein Recht daraus macht, daß man mich kommandiert wie einen Hund und traktiert wie einen Hund und auf mir herum⸗ trampelt, als ob ich von unserm Herrgott extra dazu geschaffen worden wär'! Wenn ich alles tu', dann hab' ich nichts getan; und wenn ich einmal mucke, dann ist's ein Verbrechen, daß ich augenblicklich totgeschlagen werden muß! Jetzt, wo ich ins fünfundzwanzigste Jahr gehe, soll ich ein Mädchen heiraten, das ich nicht leiden kann, wegen seinem Bettelgeld, bloß weil's ein anderer haben will! Ich werd' gar nicht drum gefragt, ob ich sie auch mag oder nicht, ich bin der Garnichts und muß! Jeder hat ein Recht und eine Ehr' und einen Willen in der Welt, nur ich allein nicht! Ich bin also wirklich die erbärmlichste Kreatur auf Gottes Erdboden? Ein Kerl, der nichts kann und nichts darf, der nur zu tun hat, was andere haben wollen, und dafür Schläg und Verachtung annehmen muß? Ein elender Mensch— ein Tropf? Ei, da soll ja gleich das Donner und's Wetter alles zu⸗ sammenschlagen! Kreuz Herrgott Millionen—“ (Fortsetzung folgt.) — e Aus Immanuel Kants Werken. Am 12. Februar waren es hundert Jahre, daß einer der größten deutschen Gelehrten, der Philosoph Immanuel Kant in seiner Vater⸗ stadt Königsberg i. Pr. die Augen schloß. Seine Bedeutung als gewaltiger Denker wurde anläßlich der Hundertjahr⸗Feier seines Todes⸗ tages auch in unserer Parteipresse gewürdigt. Und mit Recht, denn die in seinen Werken niedergelegte Geistesarbeit hat auch auf die sozialistische Gedankenwelt befruchtend gewirkt. Folgende Citate aus Kants Werken mögen hier Platz finden: Die Reife zur Freibeit. Ich gestehe, daß ich mich in den Ausdruck, dessen sich auch wohl kluge Männer bedienen, nicht wohl finden kann: ein gewisses Volk(was in der Bearbeitung einer gesetzlichen Freiheit begriffen ist) ist zur Freiheit nicht reif; die Leibeigenen eines Gutseigentümers sind zur Freiheit noch nicht reif; und so auch die Menschen überhaupt sind zur Glaubensfreiheit noch nicht reif. Nach einer solchen Voraussetzung aber wird die Freiheit nie eintreten; denn man kann zu dieser nicht reifen, wenn man nicht zuvor in Freiheit gesetzt worden ist(man muß frei sein, um sich seiner Kräfte in der Freiheit zweckmäßig bedienen zu können). Die ersten Versuche werden freilich roh, gemeiniglich auch mit einem beschwerlicheren und gefährlicheren Zustand verbunden sein, als da man noch unter den Befehlen, aber auch der Vorsorge anderer stand; allein man reift für die Vernunft nie anders als durch eigene Versuche(welche machen zu dürfen man frei sein muß).... es zum Grundsatz zu machen, daß denen, die ihnen ein⸗ mal unterworfen sind, überhaupt die Freiheit nicht tauge, und daß man berechtigt sei, ste jederzeit davon zu entfernen, ist ein Eingriff in die Regalien der Gottheit selbst, die den Menschen zur Freiheit schuf. Bequemer ist es freilich, in Staat, Haus und Kirche zu herrschen, wenn man einen solchen Grundsatz durchzusetzen ver⸗ mag. Aber auch gerechter? Patriotismus.„Patriotisch ist nämlich die Denkungsart, da ein jeder im Staat(das Oberhaupt desselben nicht ausgenommen) das gemeine Wesen als den mütterlichen Schoß oder das Land als den väterlichen Boden, aus und auf dem er selbst entsprungen und welchen er auch so als ein teures Unterpfand hinterlassen muß, betrachtet, nur um die Rechte desselben durch Gesetze des gemeinsamen Willens zu schützen, nicht aber es seinem unbedingten Be⸗ lieben zum Gebrauch zu unterwerfen, sich für befugt hält.“ Von der freien Meinungsäußerung. „Dem Oberhaupt Besorgnis einzuflößen, daß durch Selbst⸗ oder Lautdenken Unruhen im Staat erregt werden dürften, heißt soviel als ihm Mißtrauen gegen seine eigene Macht oder auch Haß gegen sein Volk erwecken.“ Gegen Verdummungs politik.„Ein Zeitalter kann sich aicht verbinden und darauf berschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmoglich werden muß, seine Erkenntnis zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiter zu schreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten be⸗ steht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse als unbefugter und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen.“ Erziehung.„Wir würden in kurzem ganz andre Menschen um uns sehen, wenn die⸗ jenige Erziehungsmethode allgemein in Schwung käme, die weislich aus der Natur selbst gezogen und nicht von der alten Gewohnheit unerfahrener Zeitalter sklavisch nachgeahmt worden. s ist aber vergeblich, dieses Heil des menschlichen Geschlechts von einer allmählichen Schulver⸗ besserung zu erwarten. Sie mussen umgeschaffen werden, wenn etwas Gutes aus ihnen entstehen soll, weil sie in ihrer ursprünglichen Einrichtung fehlerhaft sind und selbst die Lehrer derselben eine neue Bildung annehmen müssen. Nicht eine langsame Reform, sondern eine schnelle Revolution kann das bewirken.“„Von der Erziehung hängt größtenteils das Glück der folgenden Jahre ab. Wann wird doch die glückliche Epoche anfangen, da man unter andern merkwürdigen Begebenheiten schreiben wird: seit der Verbesserung des Schulwesens?“„Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“ Gemeinnütziges. Ungesunde Zimmerwärme. Wer die Zimmerwärme über 15% R. erhöht, wird bald bemerken, daß sein Wärmebebürfnis sich stets steigert, und werden bald 17, ja 20% nicht mehr genügen. Der Grund ist folgender: Bei andauernd starkem Heizen trocknen die Wände, sowie die im Zimmer befindlichen Gegenstände aus. Je mehr sie die Feuchtigkeit verlieren, um so mehr saugt die trockene Luft die Feuch⸗ tigkeit da auf, wo sie dieselbe fast nur noch allein findet, nämlich beim Menschen. Die un⸗ merkliche Ausdünstung der Haut und der Lunge wird gesteigert. Da nun die Verdunstung von Feuchtigkeit uns viel Wärme entzieht, so wird durch die gesteigerte Ofenwärme allmäh⸗ lich auch das Wärmebedürfnis gesteigert. Der Ofen erscheint uns dann als der beste Freund, ist aber in Wirklichkeit unser ärgster Feind, denn in der erhöhten Zimmerwärme dunsten auch alle anderen Gegenstände mehr aus, und die Luft wird verschlechtert. In der warmen Luft atmen wir unser notwendigstes Lebens⸗ bedürfnis, den Sauerstoff weniger ein, der Stoffwechsel wird langsamer und geringer, der Appetit mindert sich, es tritt mürrische Stim⸗ mung ein, der Schlaf wird kurz und unruhig, alle Verrichtungen lassen zu wünschen übrig. Da haben wir das betrübende Bild der meisten Menschen im Winter. Nur diejenigen, welche ihrem Ofen niemals gestatten, die Luft über 15» zu erwärmen, sind diesem Leiden nicht ausgesetzt. N Litterarisches. Ferdinand Lassalle und die An⸗ fänge der deutschen Arbeiterbewegung. Unter diesem Titel ist ein im Verlage von G. Bick in München eine Broschüre erschienen, die den ehemaligen Sekretär des Allgem. deutschen Arbeitervereins und späteren sozialdemokratischen Reichstagsabg. Julius Vahlteich zum Verfasser hat. Der Vorkämpfer der modernen Arbeiterbewegung und Sekretär Lassalles ent⸗ rollt hier auf Grund seiner eigenen Erfahrungen ein Bild der Persönlichkeit wie des politischen Wirkens Lassalles. Die lebendige Darstellung seiner Erlebnisse und achtungen muß als ein sehr beachtenswerter Beitt zur Geschichte der Partei wie der deutschen Arbe erbewegung überhaupt betrachtet werden. Wir können diese Schrift jedem, der sich für die Geschichte unserer Partei interessiert, auf das Angelegentlichste zur Anschaffung empfehlen. Der Preis der sauber aus⸗ gestatteten Broschüre beträgt 1 Mark. F c p—j—j—— Humoristisches. Auf dem Vermittelungs⸗Bureau. Kriegervereinsvorstand: Ja, in der Stadt kann ich Ihnen keine Stellung verschaffen. Wir sind an⸗ gewiesen, die entlassenen Mannschaften möglichst aufs Land zu dirigieren. Reservtst: Ist mir auch recht. Wenn's vielleicht eine Stelle als Majoratsherr frei hätten? Geschichtskalender. 21. Februar. 1897: PoltzeijAkt auf dem Fried⸗ hofe in Frankfurt a. M. bei dem Begräbnis der Frau Trompeter. 1887: Kartell⸗Reichstagswahlen. 22. 1848: Revolution in Frankreich gegen Louis Philipp. 1840: August Bebel,*. 23. 1898: Löbtauer Zuchthausurteil vor dem Reichstag. Urteil im Zolaprozeß, Paris. 24. 1892: Rede Wilhelm II.:„Nörgler sollen den Staub von den Pantoffeln schütteln.“ 25. 1634: Wallenstein ermordet. Essex geköpft. 26. 1901: Minister⸗Hinrichtung in Peking. 1834: Senefelder, Erfinder der Lithographie, F. 27. 1900: Burengeneral Cronje gefangen. 1601: Eraf Seite 8. Mitteldeutsche Senntags-Aeitang: Grtskrankenkasse Gießen. rs emnge f= Peinrscf fol Ciesses rtökranken a packkörbe Beinrich Doll, Giessen Das in der Generalversammlung vom 3. November 1903 kaufen Beuner& Krumm 7 Mausburg 7 2 J ä 25. Mai 1903 abgeänderte Statut hat i 1205 2 5 1 bie erh a ee a Wen ae E 7 papier-Bandlung 8 ö N„46, 49, 55. elbe wird in den er 7 5 1 1 3 und buten ir die Herren Arbeitgeber, 282 2* Buchbinderei& Geschäftsbücher& Drucksachen 1 solches den Kassenmitgliedern an ice dane 5 8 2 2 8— Elnrahmen don Bildem. eee F e 28332 2 Giessener Lesehalle-Uerein.. 1 n 8 b „* N Karl Müller(rüher Nohlermant) Dienstag, 23. 3 abends 8 /. Jahr. Plockstrasse 12. Giessen Plockstrasse 12. 5 928 1 1 Ahrradver 8 2 8 Ildentiche Mitgledenesammlung wunelm Kolbe, Duisburg GhOiG. Reichhaltiges Lager in 1604 u f— 27 De n 1 0 2 fe 5. 2 nu once co. Tonsunxereindiessel Bolz. Korb- u. Bürstenwaren Water odd bel Une. Begeben und L 0 Haus⸗ und Küchengeräte 1 Vereinsjahr.— 2. Neuwahl des Vorstandes.— 3. Ve 9 8 5 a 5 um zahlreiches Erscheinen bittet und Umgegend. zu billigen Preisen. 1 f Der Vorstand. Wir machen unsere Mitglieder 9.0 gate ae dee e.* 0 Vertretung einer vortei. 5 3 N F 1 i kannten Samenhandlung über⸗. AX 1 0 F. ö X fh Vereinigte Gewerkschaften Marburgs. 8 bene de geg a 8 e 1 . 5 ahrsbestellung unser Lager in Kinder sollten niemals ihre Tasse Milch ohne gusatz von 0 onntag, den 21. Febr., abends 3 Uhr: 9 einem Teelöffel„Maizena“ erhalten. Tausende von Müttern aßen S g. FJ 50 allen Sorten 1 1 70 d k. i N il Samen.. e, u.f. eie,.. f »Winter- Vergnügen Samen. 10 7 iegt i i nteresse im Restaurant Schloßgarten. der Bedarf hade en Mitglieder, 9 Otabe Honzert, Festrede, Theater. diesen bie Artikel 2 1 12 1 Gesangs- riese, emehe fe e ene. 4 bbzlage schaff; 1 orträge a 6 6 Dal, 4 35 Fastnachtsüberraschungen 15 e 18 e a 5 1 90 156—— anz— J. Auch alle aonstigen Artie] r 15 11 Eintritt: Vollkarte 1 Mk., 1 Dame frei. Einzelkarte 7 5 worzliglichen Duclitäten. 1375 Taschen- ll. Weekeruhren, Uhrketten und 965 für Theater ꝛc. 40 Pfg., für Tanz 75 Pfg. a Mit 5 112 1 e e rden wegen fegen Carl Geismar, Uhrmacher lie, 1 Die Gewerkschaftskommission. eee Bahnhofstraße 31] Schulstrasse 5 Giessen Schulstrasse 5 115 10 erfolgen. e kel 1 Barmh 4 15 2 8 ihre A N Dusskohlen. Kaminka] Ferd. Nennstiel 13 10 8 e Giessen, Hochstr. 8. 105 70— Giessen, Neustadt 19, Neubau Lager in sämtlichen G poliert und lackiert, als 5 a 1 Briketts* es„ Gol d. Vertikows, Kleiderschränke 12 1 5 1 Auulde 1 A e e e ee Uhren, 0 Tische, Stiinle, 1 9 5 f ilbe 8 ä Lurusmäöbe 0 Bachenheimer d Schaumberg“ S.zerwaren cee, 40 Spezialität; un 1 ee 20 2 ö 10 Marburgerstrasse 22. Ta gl. frische Betten und 5 11 7 1 Polstermöbel De 1 Zur bevorstehenden Saison bringe mein großes Lager von 7 f. 5 ee e 0 5 5 Trischen-, Dauerbrand-, Amerikaner, Regulierhen⸗, ständ. Ausstattunz. 6 Roch-, Hopew- und Darmslädler-Hesen e ere Fugen 1 in diversen Fabrikaten, ferner: N 1 5 8 5 lt, 10 Ofenschirme, Oseuvorsetzer, Verdampfschalen, Feuergeräte⸗ f 5 itä N uu be 0 15 N fi 3„ Kohleulöffel, Stocheisen, in nur guter Qualität. 1 0 e enen 3 Auch habe eine Volldampf- Waschmaschine sowie Ghee, Ba el Ill. Heirien Miller) 0 1 Dr. Kleins Fleischsaftpressen zu verleihen. 5 0 I.. Hellkle lle K Ganz besonders mache auf den Vertrieb der patentterten f Reichhaltiges Lager in: 5 0 3 Schröders Fohlen- und Kälber-Kaugapparate Herren- d. Huubenhleidern 0 0 0 wn Feuer senmteller aufnerkfm. 1 90 1 Stosfe im Ausschnitt 100 9 n Arfertigung nueαα Hu Uchte N 4. 4 4 i 9 0 0 Edgar Borrm An IL(in. zu 25 Tabletten) Feste Preise! Streng reelle Bedienung! 102 i 0 Eisenhandlung, Haus- u. Küchengeräte. ohne Rezept* 0 10 1 5 erhälllich in allen 1 d 1 Sl 85 Apotheken. Der af 1 5 10 8 i ill 0 . 05 nule 9 Glas-, Porzellan- und— ö 10 35 Nähmaschinen, 5 ie N Steingutwaren Fahrrad 10 ö 9 3 9 8 1 Reparaturwerkstättes 5 ln 1. empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen ur jede Reparatur wird garant. Erscheint alle 14 Tage nebst einem Unterhaltungsblatt 1 Men 1 2 5 f 5 19 Lang& Wiederstein e,, e babe 10 se raucht Aa 3 N Eingetragen im Reichspostkatalog unter Nr. 2895 Aung ö Marktstraße 4 Gießen Telephon 394. und Fahrrädern. 185 der eng ihr 90 1 5 i 3. Fiteles- Preis pro Quartal 65 Pf., der einz oll 1 e X 2 Gießen, Neuenweg 18. r n 1 wege * f 5— Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Steßen. Verantw. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen