von ittern 6 ge⸗ * ll N eee e 75 e .. — Gießen, den 20. Mürz 1904. Jahrg. 11. 8 Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche tags⸗ Zeitung. Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Anusträger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellung en Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Juserate Die 5gespalt. Bei mindestens Kolonial-Segen. Die Expedition nach dem südwestafrikanischen Schutzgebiete, welche die Niederwerfung des Haufftändischen“ Herero⸗ Stammes bezweckt, läßt uns wieder einen Blick tun auf unsere herrliche Kolonialpolitik, die dem deut⸗ schen Volke alljährlich Millionenopfer auferlegt. In den letzten Tagen wurden aufs neue über 3 Millionen Mark als Nachtragsetat gefordert, eine weitere Forderung von 3,71 Mill. Mark befindet sich in der zweiten Ergänzung zum Entwurf des Reichshaushaltsetats. Im gan⸗ zen werden also 7 Millionen Mark verlangt, nur für die Erhaltung der afrikanischen Sand⸗ wüste. Das ist aber noch nicht alles. In den 7 Millionen sind die Kosten für den Truppen⸗ Nachschub nach Südafrika— 800 Mann In⸗ fanterie, 2 reitende Batterien und 1200 Pferde nicht inbegriffen. Man greift sicher nicht zu hoch, wenn man die direkten Gesamt⸗Kriegs⸗ kosten auf etwa 30—40 Millionen Mark ver⸗ anschlagt, wobei natürlich die Verluste an Ma⸗ terial und Menschenleben unberücksichtigt bleiben müssen. Daß etwa die Hereros, wenn ste niedergeworfen sind, zum Ersatz dieser Verluste in Gestalt von Kriegskosten gezwungen werden könnten, daran ist doch nicht zu denken. Wo nichts ist, kann eben auch ein ganzes Armee⸗ korps nichts herauspressen. Und so wie in dem südwestafrikanischen Kolonialgebiete, geh⸗s in den übrigen unseres ide Kolonialbesitzes. Keine der Ko⸗ lonien bringt dem Reiche auch nur einen Pfennig Gewinn, überall muß das deutsche Volk alljährlich viele Millionen Mark an direkten Zuschüssen leisten. Insgesamt betragen die⸗ selben mit dem, was drum und dran hängt, 30— 35 Millionen Mark jährlich! Dazu kommen noch die Extraaufwendungen für die Pachtung Kiautschau und den Rachefeldzug, der weit über 300 Millionen Mark verschlang! Und es be⸗ steht auch nicht die geringste Aussicht, daß die Kolonien in fernerer Zeit einen Nutzen brächten. Wieviel Segensreiches könnte geleistet werden, wenn diese ungeheueren Summen im Volks⸗ und Kulturinteresse verwendet würden! Nutz⸗ los werden da hunderte von Millionen ver⸗ pulvert, Menschenleben geopfert— während im Reiche das Volk im Elend lebt. Um Stimmung für die Bewilligung dieser und der ohne Zweifel noch folgenden weiteren Millionenkredite zu machen, verbreitet die kolo⸗ nialwütige Presse jetzt emsig allerhand Schauer⸗ geschichten über die Greuel der schwarzen 2Bestien“. Daß man diese von Haus aus harmlosen und gutmütigen Schwarzen durch brutalsten Raub, durch skandalöseste Ausbeutung erst zu solchen Bluttaten getrieben, erwähnt man natürlich nicht. Ebensowenig rechnet man ihnen ihre Schonung der Missionare zu gute, die Schonung so manchen weiteren Menschen⸗ lebens, das in die Hände der Aufständischen gegeben war. Und daß schon jetzt die Zahl der im Kampfe gefallenen Hereros die Zahl der weißen Opfer des Aufstaudes weilaus übersteigt, berücksichtigt man ebensowenig. Man verlangt eine exemplarische Sühne. Man will die blutige Niederwerfung der „Banditen“, die völlige Expropriation und Versklavung des ganzen Herero— stammes. Das Gefühl der Rache und des Unbeschränkten Beutemachens beherrscht unsere „Kulturpioniere“. Es ist keine Rede davon, daß der Krieg, — wie der Motivenbericht zu den Nachtrags⸗ forderungen behauptet— unblutiger verlaufen wird durch die fortwährenden Truppennach⸗ schübe, die ein regelrechtes Kesseltreiben gegen die Kaffern ermöglichen sollen. Keinenfalls wird bei der geplanten Umklammerung mit dem Blute der Eingeborenen sparsamer umge⸗ gangen werden, denen gegenüber Menschlichkeit zu üben doch wohl Pflicht des christlichen Staates ist, der ungerufen in ihr Land einge⸗ drungen ist. Hätte man weniger auf eine „schneidige“ als auf eine durch die Humanität gebotene Beilegung des unseligen Konflikts Ge⸗ wicht gelegt, hätte man nicht um jeden Preis die Strafexpedition in einen Rachekrieg umwandeln wollen, so hätte man nicht die Pläne des Obersten Leutwein durchkreuzen dürfen, der beabsichtigte, nach den ersten erfolg⸗ reichen„Züchtigungen“ mit den Hereros in Friedensverhandlungen einzutreten. Aber das paßte den maßgebenden Berliner Kreisen nicht in den Kram; sie gestatteten„Unterhandlungen“ nur zum Zwecke treuloser Ueberlistung der gutgläubigen Schwarzen. Zu dieser Entwicklung, die das afrikanische Abenteuer nimmt, trägt außer der Lust unver⸗ antwortlicher Personen am Kriegsspiel, das ja ein unentbehrliches Requisit einer aufs„Deko⸗ rative“ gerichteten Politik ist, auch die Raub⸗ gier der kolonialen Beutepolitiker bei. Schon bor etlichen Wochen hat die„Köln. Ztg.“ da⸗ rauf hingewiesen, daß man die Gelegenheit be⸗ nützen müsse, das bisher den Hereros gehörige Land in„Krongut“ umzuwandeln. Nackte, un⸗ verhüllte Habsucht ist also eine Haupttrieb⸗ feder des Rachefeldzuges, dessen Kosten das deutsche arbeitende Volk bezahlen muß. Konnten für die sozialdemokratische Fraktion bei den ersten Nachrichten über die Erhebung der Hereros noch Zweifel mößlich sein, ob sie die zur Niederdrückung des Aufstandes ver⸗ langten Mittel bewilligen solle, so ist es nun⸗ mehr selbstverständlich, daß sie weiteren For⸗ derungen ein schroffes Nein! entgegensetzt. Denn inzwischen hat sich mit zweifelloser Klarheit ergeben, daß es sich nicht um die Rettung von gefährteten Menschenleben, nicht um notwendige Schutzmaßregeln, sondern um einen Beute⸗ und Rachekrieg handelt. Mit der ganzen Kolonialpolitik hat man nur dem Volke ungeheuere Lasten auferlegt, einzel⸗ nen Kapitalisten riestge Profite zugeschanzt und dem Ansehen Deutschlands geschadet. Darum muß die Losung nicht nur aller Sozialdemo⸗ kraten, sondern aller a Bürger sein: Fort mit dieser Kolonialpolitik! politische Rundschau. Gießen, den 17. März 1904. Was geht vor? Unser Zentralorgan brachte am Freitag eine Aufsehen erregende Notiz. Es wies hin auf die Art, wie gegenwärtig bei den Reichs⸗ tagsverhandlungen und sonstigen Gelegenheiten die Sozialdemokratie bekämpft wird. In un⸗ motivierter und provokatorischer Weise würde sowohl vom Regierungstische wie seitens der verschiedenen bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zu Felde gezogen in Tönen, wie wir sie nur in der Zeit vor und während des Sozialistengesetzes zu hören Gelegenheit hätten. Andererseits wird in auffälliger Weise das Zentrum mit Liebenswürdigkeiten und Entgegenkommen überschüttet,— meint der Vorwärts weiter— obgleich gerade die Halt⸗ ung des Zentrums in der gegenwärtigen Sesston weniger als früher dazu Veranlassung zu geben scheint. „Alles dieses zusammen betrachtet, läßt uns eine aus guter Quelle uns zugehende Nach⸗ richt als höchst wahrscheinlich erscheinen, wonach man in den Kreisen der Reichsregier⸗ ung sich mit dem Gedanken einer Auflösung des Reichstags trägt, den man, wenn irgend angängig, schon in diesem Frühjahr verwirklichen möchte. Man hofft alsdann, wenn dabei die Parole ausgegeben würde: Gegen die Sozialdemokratie! auch einen festeren Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien zu erzielen, wofür die Verhandlungen der laufen⸗ den Reichstagssession alle Symptome ergeben haben.“ Die Regierungs- und„Ordnungs“presse verhöhnt den Vorwärts, ber sich„wieder ein⸗ mal habe hereinlegen lassen“. Und der Reichs⸗ kanzler habe geäußert: Diese Nachricht sei„zu dumm für ein Regierungsdementi“. Nun, es sind oft genug Dinge als unsinnig, als„aus den Fingern gesogen“ bezeichnet worden, die sich hinterher als durchaus richtig erwiesen. Das gilt ganz besonders für Mllitär⸗ und Marineforderungen. Und die Geschichte der letzten Jahre ist so reich an unglaublichen Vor⸗ kommnissen, daß man unmöglich mehr sagen kann, wir glauben eine Geschichte nicht, weil sie zu unstnnig ist, wir halten diese oder jene Handlung für unmöglich, weil für sie alle ver⸗ nünftigen Gründe fehlen. Dem tollen Gelächter der bürgerlichen Blätter gegenüber hält der „Vorwärts“ mit Bestimmtheit an seinen Mit⸗ teilungen fest und erklärt: 185 „Es versteht sich, daß unsere Mitteilungen über den Auflösungsplan keineswegs auf bloßen Kombinationen beruhen. Die Tatsachen, die uns bekannt geworden find, haben uns ver⸗ pflichtet, der Oeffentlichkeit Kenntnis zu geben und die Trommel zu rühren.“ f Mag der Plan nun bestehen oder nicht, Tatsache ist jedenfalls, daß gegenwärtig in einer Weise gegen die Sozialdemokratie von allen Seiten gehetzt wird, wie dies noch kaum jemals der Fall war. Hält man damit das ewige Scharfmacher⸗Geschrei nach Wahlrechts⸗ Aenderung sowie das Entgegenkommen gegen das Zentrum und die Diäten⸗Versprechungen zusammen, so wird man geneigt sein, Verdacht zu schöpfen. Jedenfalls muß die Soztaldemo⸗ kratie stets auf der Hut sein, und sie wir d es auch. Jesuiten herein! Dieser Schreckensruf gellt in den Ohren der Kulturkämpfer und Protestantenvereinler. Der Bundesrat hat nämlich der Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes zugestimmt und damit hat Graf Bülow sein dem Reichs- 5 ö — 5„ —— — 0 5 eee 8 . 5 d — 2— — — 4 2——— —— 2— e — —— —— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 2 tage gegebenes Wort eingelöst. Diese Bestim⸗ mung lautet: „Die Angehörigen des Ordens der Gesell⸗ schaft Jesu oder die ihm verwandten Orden oder ordensähnlichen Kongregationen können, wenn sie Ausländer sind, aus dem Bun⸗ desgebiet ausgewiesen werden; wenn sie Inländer sind, kann ihnen der Aufent⸗ halt in bestimmten Bezirken oder Orten versagt oder angewiesen werden.“ Die Sozialdemokratie ist grundsätzlich gegen jedes Ausnahmegesetz und hat deswegen jederzeit das Jesuitengesetz bekämpft. Sie fürchtet die Jesuiten nicht, die oft genug auch von Zen⸗ trumsleuten als patentierte Sozialistenvernichter empfohlen wurden. Ob zu den zahlreichen Jesuiten aller Art, die in Deutschland ihr Wesen treiben, noch ein Häuflein dazu kommt, soll uns nicht anfechten und wird die Sozial⸗ demokratie in ihrem Siegeslaufe nicht hindern. — Uebrigens bleibt noch der§ 1 des Gesetzes in Kraft, der den Jesuiten untersagt, Ordens⸗ niederlassungen zu errichten. Das Zentrum kann folglich noch immer mit seinem berühmten Jesuitengesetz krebsen gehen und die Mannen des Evangelischen Bundes werden, um den schwarzen Brüderu ihre Agitation zu erleichtern, durch das Land der protestantischen Memmen ein Wehgeheul erschallen lassen. Wahlen. Gemeinderatswahlen haben in letzter da in einer großen Anzahl Ortschaften der mgebung Frankfurts stattgefunden und in einer Reihe derselben hat unsere Partei recht gute Erfolge aufzuweisen. Doch sind auch nicht wenige Niederlagen der sozialdemokratischen Kandidaten zu verzeichnen, woran oft genug die Lässigkeit der Arbeiter, dann aber auch der Umstaud schuld ist, daß die meisten Arbeiter⸗ wähler in Frankfurt beschäftigt sind und am Wahltage nicht zu Hause gehen, weil sie nicht den Arbeitstag verlieren wollen. In Langen⸗ selbold, Langendiebach und Kessel⸗ stadt bei Hanau siegte unsere Partei glän⸗ zend; die Gegner brachten es in diesen drei Orten nur auf eine verhältnismäßig geringe Stunmenzahl. Gesiegt hat unsere Partei ferner in Dörnigheim, Bischofsheim b. Hanau, Atederhöchstadt i. T., Oberstedten, Praunheim, Ginnheim b. Frkft. Unter⸗ legen sind unsere Kandidaten in Fechenheim, Heddernheim, Eckenheim». Frkft. und Erben⸗ heim b. Wiesbaden. Eine Reichstagsersatzwahl hat am Montag im Kreise Lüneburg für den Na⸗ tionalliberalen Jaennecke stattgefunden, der sein Mandat niederlegte, um der Ungültigkeits⸗ erklärung durch den Reichstag zuvorzukommen. Jaennecke erhielt 7030, der Welfe 8728, unser Genosse Fischer 4200 und ein Bündler 2657 Stimmen. Also Stichwahl zwischen dem Welfen und dem Nationalliberalen. Gegen die Haupt⸗ wahl weisen unsere Stimmen ziemlichen Rück⸗ gang auf, was bei dem für uns aussichtslosen Kretse erklärlich scheint. In Zschopau⸗Marienberg findet die Wahl am 18. März statt. Die Antisemiten haben ihren oft durchgefallenen Oswald Zim⸗ mier man n⸗Dresden aufgestellt und legen sich mächtig ins Zeug, um der Sozialdemokratie den Kreis zu entreißen. Sie sehen ihn schon in ihrem Besitz. Hoffentlich werden unsere Ge⸗ nosseu der rückständigen Gesellschaft zeigen, daß ihre Rolle ausgespielt ist. [Fürstlicher Antisemit.Y) Den Antisemiten ist großes Heil wider⸗ fahren; ein alter Prinz, dazu noch künftiger Landesvater, ist zum antisemitischen„Volk“ hinabgestiegen und hat sich ihm als Gesinnungs⸗ genosse im Kampf wider die Sozlaldemokratie vorgestellt. Leider ist der zukünftige antisemitische Zukunftsstaat nur klein; es ist nämlich Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, aber für die Zahl der Anti⸗ semkten dürfte er noch hinreichend Raum ge⸗ währen, wenn nur die bösen Sozialdemo⸗ kraten nicht wären, die ihre Dretstigkeit so wett getrieben haben, beinahe die Hälfte der Landtagssitze einzunehmen. Der Thronanwärter dieses Ländchens, ein Prinz mit dem mittel⸗ alterlichen Namen Sizzo, hat die letzte königs⸗ treue Säule Sachsens, den antisemitischen Reichstagsabgeordneten Gräfe, besucht, um ihm nochmals, was er schon früher durch ein Telegramm getan, seinen Dank und seine volle Zustimmung zu seiner Rede im Reichstage, die sich in der Hauptsache gegen die Sozialdemo⸗ kratie richtete, zum Ausdruck zu bringen. Inner ⸗ halb der Pücklerpartet hofft man jedenfalls durch diese Eroberung den allgemeinen Bankrott des Antisemitismus aufzuhalten. Wenn, wie vorauszusehen ist, demnächst der letzte sächstsche Kreis an die Sozialdemokraten verloren geht, kann sich ja Herr Gräfe mit der Aussicht trösten, schwarzburgischer Minister zu werden und dort die Sozialdemokraten zu vernichten. Einen steuerpolitischen Raubzug plant die antisemitische Mehrheit der Dresdener Stadtvertretung. Es handelt sich um das Projekt einer kommunalen Umsturz⸗ steuer, welches auf so rückständigen Anschau⸗ ungen gegründet ist, daß es allerdings nur in dem Dresdener Spießertum das Licht der Welt erblicken konnte. Mit der Umsatzsteuer glaubt die antisemitische Borniertheit die Ent⸗ wickelung auf dem Gebiete des Handels und der Industrie aufhalten zu können, der Haupt⸗ zweck dabei ist aber die Vernichtung der Kon⸗ sumvereine, deren Ruin die Steuer herbei⸗ führen muß. Nach dem Entwurf ist steuer⸗ pflichtig, wer gewerbsmäßig in Dresden Waren im einzelnen veräußert oder Bestellungen auf Einzellieferung von Waren annimmt, gleich⸗ gültig, ob er die Waren selbst hergestellt hat oder nicht. Die Steuer soll bei einem Umsatze von 200 000 Mk. beginnen. Die Vorlage unter⸗ scheidet hierbei drei verschiedene Arten der Steuer und zwar: 1. Umsatzsteuer für alle Kleinhandelsgeschäfte, deren Umsatz jährlich 200 000 Mk. übersteigt. 2. Zweiggeschäfts⸗ steuer wird denjenigen auferlegt, welche außer dem Hauptgeschäft noch Zweiggeschäfte besitzen, wenn der Jahresumsatz 10 000 Mk. übersteigt und 3. Warenhaussteuer, die von den Geschäften erhoben wird, welche mit mehreren Warengruppen Kleinhandel betreiben. Die Steuersätze für die Umsatzsteuer beginnen bei einem Umsatze von 200 000 Mk. bis 300 000 Mk. mit 400 Mk. und steigen bis zu 1 pCt. des Umsatzes. Die Zweigge⸗ schäftssteuer soll schon bei einem Umsatze von 10 000 Mk. bis 30 000 Mk. nach der Zahl der Filialen 30 Mk. bis 100 Mk. be⸗ tragen und bis zu 2 pCt. ansteigen. Fur Warenhäuser sollen die doppelten Steuer⸗ sätze erhoben werden. Zu diesem verrückten Steuerplane sagt unser Dresdener Parteiblatt mit berechtigter Entrüstung: „Ein empörenderes, den einfachsten Ge⸗ rechtigkeitssinn aufs tiefste verletzendes Sonder⸗ steuerprojekt ist noch nie erdacht worden! Der Entwurf ist eine Prämie für rückständi⸗ ges Krämertum, und eine schlimme Strafe für die ganze leistungsfähige Geschäftswelt Dresdens, eine Züchtigung für ehrliches Vor⸗ wärtsstreben, ein dem Fortschritt und der Ent⸗ wicklung auf dem Gebiet von Handel und Produktion durch und durch feindliches Mach⸗ werk.“ Das Blatt berechnet dann, daß man nach diesem wahnwitzigen Steuerentwurfe den vier Dresdener Konsumvereinen nicht weniger als 258 000 Mk. jährliche Steuer abknöpfen würde! Das ist geradezu Diebstahl an den Arbeitern, die den Konsumvereinen ange⸗ hören. Diese haben denn auch in zahlreichen großen Versammlungen im Verein mit der übrigen Einwohnerschaft lebhaften Protest gegen 0 05 8 8 antisemitischer Rückständigkeit eingelegt. Die Greuel vonßͤKischinew waren Gegenstand eines zweiten Prozesses, der nach 14tägiger Dauer vorige Woche in Kischinew zu Ende ging. Aufs neue wurden dabei die entsetzlichen Bestialitäten aufgerollt, welche der christlich gläubige Pöbel unter den Augen der Polizei gegen die Juden verübte. Unter anderm wurde festgestellt, daß mehrere der Angeklagten einem Juden, der auf einem Auge erblindet war, das noch gesunde Auge mit den Fingern herausrissen oder Mehr als fünfzig Angeklagte standen vor Ge⸗ richt, achtzehn waren des Mordes, die übrigen der Teilnahme daran beschuldigt. Rußnak und Bordian wurden der Ermordung des Ehepaars Fonarschi schuldig befunden und zu vier Jah⸗ ren bezw. 8 Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Fünfzehn andere Angeklagte wurden zu Frei⸗ heitsstrafen von vier Monaten bis zu esnem Jahre verurteilt, 36 freigesprochen. Den von den Juden eingereichten Zivilforderungen wurde keine Folge gegeben.— Für den moralischen und sittlichen Standpunkt eines großen Teils der deutschen Antisemtten ist es bezeichnend, daß sie jene Greueltaten entschuldigen, ja sogar als nachahmenswert hinstellen. Aus dem Reichstage. Die Generaldebatte über den Mili⸗ täretat ging am Mittwoch zu Ende. In den ersten Tagen hatten unsere Gegner die Taktik befolgt, an Stelle sachlicher Antwort eine Polemik gegen unsre Partei und unsre Ziele zu setzen. So lange sie sich noch halb⸗ wegs der Situation gewachsen fühlten, waren Scherze über den Dresdener Parteitag oder ein Anzweifeln unsrer vaterländischen Gesinnung die Regel. Aber allmählich reichte das nicht aus. Von unsern Genossen in die Enge ge⸗ trieben, fühlten sich die Leute von der Rechten und vom Regierungstisch veranlaßt, schärfere Töne anzuschlagen. Das tat besonders der Junker v. Kröcher, der als„starker Mann“ auftrat und erklärte, daß er mit Bebel das Anwachsen der Sozialdemokratie im Heere für unbermetdlich halte, und er benutzte das, um die bürgerlichen Parteien durch den Hinweis auf die Gefahren, die etwa später daraus ent⸗ stehen könnten, für ein scharfes Ausnahme⸗ gesetz gegen die Sozialdemokratie zu gewinnen. Seinem Gesinnungsfreund v. Oldenburg genügte das noch nicht. Dieser verlangte viel⸗ mehr die Wahlentrechtung und Expatriierung der Agitatoren, am liebsten nach einer wüsten afrikanischen Kolonie, wünschte den Führern der Partei ein paar blaue Bohnen in den Leib, und machte andere derartige kleine Scherze. Das sind aber nicht etwa Extravaganzen eines Einspänners, sondern die gesamte Rechte wieherte vor Vergnügen und jubelte Beifall. Der Kriegs⸗ minister kann ja so offenherzig nicht auftreten. Doch machte er seinem Aerger durch persönliche Angriffe auf Bebel Luft. Sachlich konnte er das Vorgehen der Kolonialverwaltung im Falle des Prien Arenberg kaum noch verteidigen und mutzle zugeben, daß er selbst diesen auf Empfehlung eines hochgestellten Verwandten als Offizier angenommen habe! So hat diese Militärdebatte mit einem doppelten Siege ge⸗ endet. Sachlich setzte sieh unsre Kritik gegen⸗ über allen Verteidigungsversuchen durch und allgemein polttisch haben wir wieder einmal ein offenes Bekenntnis der Reaktionäre, daß sie baldmöglichst das Reichstagswahlrecht be⸗ seitigen wollen. Und das Zentrum und die Liberalen aller Arten schwiegen dazu. Zu Beginn der Sitzung hatte in längerer Rede Genosse Braun eine Ergänzung der Ueber⸗ sicht über die Arbeitsverhältnisse in den Mili tärwerkstätten gefordert und unter Hinweis auf den jetzt tagenden Heimarbeiterkongreß scharf getadelt, daß die Regierung die Heim⸗ arbeit fordere und dadurch Tausende von Ar⸗ beitern dem größten Elend preisgebe. Hierzu schwiegen die Minister. Am Donnerstag beschäftigte man sich mit der Einzelberatung des Militäretats. Der bayrische Militärbevollmächtigte General von Endres, zog in dieser Sitzung gegen den nicht anwesenden freisinnigen Abgeordneten Dr. Müller⸗Meiningen vom Leder, weil dieser die Bildung des bayerischen Offizierkorps, im Gegensatz zum preußischen, gelobt hatte. Er machte von dieser an sich wohl nicht unrichtigen, wenn auch ungeschickt geformten Behauptung ein großes Wesen und witterte dahinter den ⸗drückten. 1 11 N N P Miteldeutsche Sountags⸗Zeitung Seite. Dersuch, den Partitularismus in die Armee 2 tragen. Dafür schlachtete er Herrn Müller⸗ einingen nach allen Regeln der Kunst ab und pries gleichzeitig das preußische Offtzier⸗ korps über den Schellendaus. Soldatenmißhandlungen waren in der Freitags ⸗Sitzung das Verhandlungs⸗ thema. Von unserer Seite ließen es sich Meist und Stadthagen angelegen sein, einige Bei⸗ spiele der schauderhaften Menschenschindereien vorzuführen und entsprechend zu kritisteren. Stadthagen kennzeichnete treffend und scharf die militärische Rechtspflege. Zum Militäretat sind mehrere Resolutionen eingebracht, welche sich gegen die Soldaten⸗ mißhandlungen richten. Eine Resolution der Budgetkommission will die Vorgesetzten systematischer Soldatenquäler wegen Pflichtver⸗ lian schärfer als bisher fassen; eine Resolu⸗ tion der Freisinnigen beschränkt sich auf den platonischen Wunsch nach„wirksameren Maß⸗ nahmen“ gegen die e ae Eine Resolution unserer Partei schließlich, die vom Genossen Meist wirksam begründet wurde, giebt bestimmte Mittel an, um den Soldatenschindern das Handwerk zu legen. Das ist zunächst die regelmäßige Mitteilung aller Bestrafungen wegen Soldatenmißhand⸗ lung an die Armee, damit die Soldaten den Erfolg von Beschwerden merken, weiter der regelmäßige Hinweis auf das Beschwerderecht und drittens die Entlassung aller Soldaten⸗ schinder, sobald sie rechtskräftig verurteilt find. Für diese positiven Vorschläge, die sich ohne weiteres verwirklichen lassen, sind aber die bürgerlichen Parteien, die den Pelz waschen wollen, ohne ihn naß zu machen, wieder nicht 51 haben. Herr Gröber vom Zentrum nau nte iese Vorschläge undurchführbar oder— über⸗ flüssig, weil die Soldaten auf ihr Beschwerde⸗ recht ja jetzt schon hingewiesen werden. Und der Nationalliberale Lehmann von Jena stellte die der Wahrheit und aller Erfahrung zuwiderlaufende Behauptung auf, daß die So⸗ taldemokratie die Jugend verrohe und dadurch ie Mißhandlungen verschulde. Dieser Natto⸗ nalliberale suchte ducch hetzerische Redensarten die Junker Kröcher und Oldenburg noch zu übertrumpfen, doch er spielte dabei eine mehr komische Figur. Gleich nach ihm hielt der konservative Staudy noch eine Hetzrede gegen die Sozialdemokratie. Gegenwärtig ergreift kaum ein bürgerlicher Abgeordneter das Wort, ohne Ausfälle auf unsere Partei zu machen. Um die Vermehrung des Unteroffi⸗ zierkorps drehte sich die Samstags-⸗Verhand⸗ lung. Die Regierung hatte 765 neue Unterofftziersrellen gefordert. In der Budgetkommission hatte das Zentrum fich wieder einmal in der Gebärde der Oppofition ge⸗ fallen, und mit seinen Stimmen war die ganze For⸗ derung gestrichen worden. In der Zwischenzeit zwischen diesem Beschluß und der zweiten Lesung des Militär⸗ etats ist nun wie üblich hinter den Kulissen gespielt und der programmmäßige Umfall des Zentrums vorbereitet worden. Angesichts der Jesuitenbewilligung des Bundesrates konnte das Zentrum unmöglich länger verkennen, daß wenigstens der größte Teil der neu geforderten Unterofftzierstellen unumgänglich notwen⸗ dig sei. Eine Ausrede war leicht gefunden: da jetzt so viel von Militärmißhandlungen gesprochen wird, müssen mehr Unterofftziere für die Infanterie bewilligt werden, damit ihre Ueberlastung verhindert und ihre Nervosität geheilt werde. Mit diesem„Grunde“ war am Freitag Herr Spahn ins Feld gerückt und hatte die Bewilligung von 650 neuen Unteroffizierstellen be⸗ antragt. Der Kriegs minister hatte auch eilig zugefaßt und erklärt, daß ihm dieser Sperling in der Hand lieber sei, als die Taube auf dem Dache, was ihm um so weniger zu verdenken ist, als dieser Sperling ja recht fett ist. Somit schien alles in bester Ordnung zu sein. Da vollzog sich ein völliger Frontwechsel der Konservativen. Herr Kanitz erklärte, daß seine Partei unter keinen Umständen auf den Boden des Antrags Spahn treten werde. Sie stelle sich auf den Standpunkt: alles oder nichts, und werde deshalb mit den National⸗ liberalen für die ungekürzte Regierungsforderung, die vom Kriegsminister selber bereits im Stich gelassen war, stimmen. Der Sinn dieses parlamentarischen Ränkespiels liegt auf der Hand. Die Rechte will nach oben bekunden, daß sie in Militärfragen die einzig zu⸗ verlässige Partei sei und daß fie, wenn in ihrem Sinne regiert werde, ein noch bequemerer Jasageapparat sein würde als das Zentrum. Genosse Ledebour lieferte eine witzige und pointierte Kritik dieser Vorgänge. Mit Ebensowenig am Dienstag, köstlichem Humor schilderte er besonders den milita⸗ ristischen Trancezustand der Natlonalliberalen und die Intimität des Verhältnisses zwischen Zentrum kund Re⸗ gierung. Bebel führte den militärfrommen Freifinnigen Schrader ab, der unserer Partei geraten hatte— es giebt doch noch wahrhaft gute Menschen—, für die Forderung der Regierung zu stim men, da wir ja doch auch bereit seien, für das Vaterland im Falle der Not zu kämpfen. Bebel führte den Nachweis, daß wir aus prinzipiellen Gründen die Forderung abzulebnen hätten, für die auch praktisch genommen kein Anlaß vorläge. Rührt doch die Ueberlastung der Unteroffiziere nicht aus ihrer zu geringen Zahl her— schon jetzt kommt ein Unteroffizier auf 6 Gemeine—, sondern aus ihrer Juanspruchnahme für Ueberflüssigkeiten, wie der Paradedrill es ist. Das Ergebnis der Abstimmung war zweifelhaft und so mußte der erste Hammelsprung der Sesston vorgenommen werden. Dieser ergab die Beschluß unfähigkeit des Hauses. Am Montag war das hohe Haus be⸗ schlußfähig und es konnte über den Antrag der Nationalliberalen, welche die Regierungs⸗ forderung von 765 neuen Unteroffizieren auf⸗ genommen hatten, abgestimmt werden. Zufällig ergab sich Stimmengleichheit und so war dieser Antrag abgelehnt und es wurde dann der Zentrumsantrag diesmal mit Unterstützung der Konservativen angenommen. Die weitere Verhandlung brachte weniger Bemerkenswertes. an welchem Tage der Militäretat erledigt wurde. Vom russisch⸗japanischen Krieg. Außer einem erneuten Bombardement Port Arthurs wurden auch in der letzten Woche keine bedeutenderen Ereignisse vom Kriegs⸗ schauplatz gemeldet. Aus den eingelaufenen Nachrichten geht aber hervor, daß die Japaner bedeutende Truppenmassen nach der mandschu⸗ rischen Grenze vorrücken lassen. Es wird be⸗ richtet, daß die Japaner die Küste der Mand⸗ schurei von Antung bis Takuschan besetzt halten, sie stehen im Rücken der Russen und beabsich⸗ tigen, Port Arthur abzuschneiden. Daß dieses schon in die Hände der Japaner gefallen sei, wie Depeschen angaben, ist noch nicht bestätigt. Bei dem Bombardement vom Donnerstag muß es aber stark gelitten haben; viele Gebäude wurden zerstört und einige Batterien der Festung zum Schweigen gebracht. Der Schaden war groß, 38 Personen wurden getötet und über 100 verwundet, eine japanische zwölfzöllige Granate tötete und verwundete im Fort der Unterstadt einen Offizier und 42 Mann. Der „Retwisan“, der am Hafeneingang festliegende russische Panzer, wurde total zerschossen, mehrere andere russische Schiffe gingen zu Grunde. Von Nah und Lern. Hessisches. Aus dem Landtage. Gegen die Reptilpresse richtet sich ein Antrag, den die sozialde nokratische Fraktion im Landtage eingebracht hat. Er hat folgenden Wortlaut: „Die Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, zwecks besserer Verbrei⸗ tung aller behördlichen Bekanntmachungen sämt⸗ lichen Zentral⸗ und Lokalbehörden aufzugeben, ihre zur Veröffentlichung bestimmten Bekannt⸗ machungen allen im Kreise erscheinenden Zeitungen gleichzeitig zur Benutzung zu übersenden oder für jeden Kreis ein besonderes Amtsblatt her⸗ auszugeben, welches alle amtlichen Bekannt⸗ machungen enthält, eventuell auch gegen Zahlung Privatannoncen bringen könnte, jedoch keinerlei politischen oder unterhaltenden Juhalt habe! dürfte und auf Verlangen jedem im Erscheinungs⸗ kreise herausgegebenen Blatte gegen Zahlung des Selbstkostenpreises als Beilage überlassen werden sollte.“— Die Annahme dieses Antrages liegt im Interesse der gesamten Bevölkerung. An dem jetzigen Zustande— Ueberlassung der Amtsbekanntmachungen an einzelne„gutgestunte“ Blätter— haben nur die Besttzer der Neptilien⸗ organe ein Interesse, die auf Grund der ihnen eingeräumten Privilegien Profit auf Profit häufen. * Die hohen Fleischpreise waren vorige Woche Gegenstand der Erörterungen in der Zweiten Kammer. Schmal bach und Genossen hatten eine Anfrage gestellt, in der sie von der Regierung wissen wollen, wie der Schädigung des Publikums durch die hohen Fleischpreise zu begegnen sei, die angeblich der Zwischenhandel(in Wirklichkeit die Herren Metzgerinnungsmeister) herbeiführen. Die bauernbündlerischen Abge⸗ ordneten sind im allgemeinen mit der Erklärung des Staatsministers Rothe, daß sich da von Staatswegen nicht viel wird helfen lassen, nicht zufrieden. Man will dem Wunsche der Inter⸗ pellanten dahin entsprechen, daß in Zukunft in den Städten und Landorten die Ein⸗ und Ver⸗ kaufspreise der Schweine durch öffentlichen An⸗ 12 0 1 wird. Das beste Mittel der Abhilfe sei aber der genossenschaftliche Zu⸗ sammenschluß der Beteiligten. Diese Ansicht vertreten auch von den bauernbündlerischen Ab⸗ geordneten der Abg. Brauer und von den sozial⸗ demokratischen der Abg. Dr. David, der die genossenschaftliche Selbsthilfe für alle Gebiete der Landwirtschaft empfiehlt.— Die Maßregelungen der Eisen⸗ bahnwerkstätten⸗ Arbeiter brachte Abg. Cramer am gleichen Tage zur Sprache, Finanzminister Gnauth beantwortete die Au⸗ frage sehr bequem dahin, daß für die Maß⸗ nahmen nur der preußische Verkehrs minister verantwortlich sei. Demgegenüber kritistert. unser Genosse scharf das kleinliche und rück⸗ sichtslose Vorgehen, das verschiedenen Beamten der Werkstatt sich gegen die Arbeiter zu schul⸗ den kommen ließen. Es sei sehr bedauerlich, daß die hessische Regierung auf die Besserung solcher Verhältnisse keinen Einfluß habe. Uebrigens könnte ste ihn haben, wenn sie nur wollte! * Der Hoftheater⸗Umbau verursachte am Freitag(11. März) eine sehr lebhafte De⸗ batte, auch Tribünenpublikum war ziemlich zahl⸗ reich erschienen. Für den Umbau werden 179000 Mk. verlangt; die anfangs geforderte Summe betrug fast 405000 Mk. Alle Redner erkannten wohl die Notwendigkeit des Umbaues an, der Streit drehte sich nur darum, wer die Kosten zu tragen habe. Für die Bewilligung durch den Landtag sprachen die Minister Gnauth und Rothe, sowie die Abg. Gutfleisch, Hey⸗ denreich und Brentano, auch unser Genosse Cramer ist für Bewilligung. Ulrich wies in längeren Ausführungen nach, daß das Land keinerlei Verpflichtungen habe, einen Zuschuß zu gewähren, und Dr. David erinnerte daran, daß aus dem Säckel der gesamten Steuerzahler Gelder für ein Institut bewilligt werden sollten, über welches nur der Großherzog ein Ver⸗ fügungsrecht besitze. Man solle das Hoftheater zu einem Stadttheater machen und die Stadt Darmstadt, der fast ausschließlich das Theater zugute komme, zu den Kosten mehr heranziehen. Nachdem der Antisemit Bähr eine kleine Ob⸗ struktion versucht hatte und eine etwa/ stündige Rede hielt, durch welche er die Abstimmung vereiteln wollte, wurde die Forderung bewilligt. — Auf das Zivil! Ein eigenlümlicher Gouvernementsbefehl ist in Mainz an die Soldaten ergangen. In dem Erlaß werden die Soldaten ermahnt, jeden Streit unter sich und mit Zivilpersonen zu vermeiden. „Würden sie aber schwer beleidigt oder gar tätlich angegriffen, dann sei es ihre Pflicht, mit aller Energie einzuschreiten und gegebenenfalls auch von ihrer Waffe Ge⸗ brauch zu machen. Sei es dann aber schon einmal so weit gekommen, dann mache sich der Angegriffene strafbar, wenn er die Flucht er- greife.“ Weiter heißt es in der erwähnten Verfügung, daß in letzter Zeit wiederum vielfach bet Schlägereien zwischen Zivil- und Militärpersonen, bei denen erstere ohne Grund angefangen hätten, sich die Militärpersonen so schlapp und energielos benommen hätten, wie es eines Mannes, der die Ehre hat, des Königs Rock zu tragen, durchaus unwürdig sei. Dann gehts ——— — — 9 Seite 4. Mitteldeutsche Lonntags⸗Zeitung Rr. 12. N weiter:„Ebenso, wie ich erwarte, daß jedem unnötigen Konflikt aus dem Wege gegangen wird und das bisherige gute Einvernehmen mit der in jeder Beziehung wohlgesonnenen Zivil⸗ bevölkerung der Stadt Mainz aufrecht erhalten wird, verlange ich andererseits, daß, wo es nötig ist, von der Waffe so energisch Gebrauch gemacht wird, daß sich in Zukunft diese Rowdy⸗ Elemente(denn nur um diese handelt es sich) hüten, einen Soldaten wieder anzu⸗ greifen.“ Dieser Erlaß ist jedenfalls nicht geeignet, im friedlichen Sinne zu wirken und Schlägereien zu vermeiden. Soll Brüsewitz als Muster dienen? Wir meinen, es bedarf wirklich einer solchen Aufforderung nicht, es kommen ohnehin genug Ausschreitungen von Soldaten vor. Wo soll es hinführen, wenn sich das Publikum in⸗ folge dieses Erlaßes ebenfalls mit Waffen ver⸗ steht? Man sollte den Soldaten überhaupt das Tragen von Waffen untersagen, wenn ste außer Dienst sind. Hirschel, Köhler und Co. in den Junkerbund eingeschwenkt! Am Sonntag hat in Friedberg eine Vertrauensmänner⸗Versammlung des Hess. Bauernbundes stattgefunden, welche die Auf⸗ ösung des hess. Bauernbundes beschloß und den Mitgliedern empfahl, dem Bunde der Land⸗ wirte beizutreten! Der hessische Bauernbund wird also eine Gruppe des von Hirschel und Köhler noch vor kurzer Zeit scharf bekämpften „Windbeutel⸗Bundes“, wie Hirschel den Bund der Landwirte noch vor 2 oder 3 Jahren in dem Offenbacher Antisemitenblatte bezeichnete. Damals war dort folgende Warnung vor Bauernfängern zu lesen: „Achtung, Bauern! Der Bund der Land⸗ wirte rüstet zum Bauernfang! In seinem Bundesorgan kündigt er eine ganze Reihe von Versammlungen an. Seine Geschäfts⸗ reisenden werden Euch mit tönenden Phrasen zu locken suchen. Kriecht nicht auf den Leim!“ Nun hilft Hirschel selbst dem Junkerbunde bei dem Bauernfang, den er bisher auf eigene Rechnung betrieb, und sein Organ wird mit voller Ueberzeugung für die Bauernfänger⸗ und Windbeutelpolitik der Junker eintreten. Ob die Bauern nun endlich merken, wie sie an der Nase herumgeführt werden? Merkwürdig ist, daß Hirschels Blättchen, das am 1. April nach Friedberg verlegt werden soll, noch nichts von dieser Transaktion zu melden weiß. Wenn wir nicht wüßten, daß es Scham nicht kennt, würden wir sagen, es schämt stch! Gießener Angelegenheiten. — Der Verwaltungsbericht der Stadt Gießen für 1902/03 ist erschienen und wurde in der letzten Stadtverordneten⸗Sitzung vorgelegt. Der Bericht— ein stattliches Buch von 165 Seiten großen Formats ist in muster⸗ hafter übersichtlicher Weise zusammengestellt. Die städtische Gemarkung umfaßt danach über 3418 Hektar. Die Einnahme weist im ganzen 3,314,860 Mk. auf, der eine Ausgabe von 2,532,728 Mk. gegenübersteht. Bei der Be⸗ triebsrechnung stellt sich die Einnahme auf 1,697,329 Mk. und die Ausgabe auf 1,572,178 Mark. Gegen den Voranschlag schließt sowohl die Betriebs- wie die Vermögens rechnung gün⸗ stiger ab. An Gemeindesteuern wurden 697418 Mk. erhoben; außerdem 51957 Mk. ebangelische und 5206 Mk. katlollsche Kirchen⸗ steuer. — Unsere Märzfeier findet nicht, wie kürzlich angegeben, auf Lony's Bierkeller statt, sondern diesen Sonntag abend 8 Uhr im Lokale des Genossen Orbig. Den Vortrag über die Märzereignisse wird Stadtverordneter Krumm halten.— Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß das Lokal„Lony's Bierkeller“, wie schon kürzlich zu der Volksversammlung, die sich mit den Zuständen in den Bäckereien beschäftigte, so auch jetzt wieder zur Märzfeier verweigert wurde. Die Lokalfrage wird also für die Gteßener Arbeiterschaft immer bedeutsamer und ez werden bald Maßnahmen getroffen werden müssen, wodurch das Uebel beseitigt wird. Schlimm genug, daß der Wirteverein nichts tut und ruhig zusieht, wie seine Mitglieder gewissen Beeinflußungen zu Ungunsten der Ar⸗ beiter nachgeben. Wenn sich dann endlich die Arbeiter selbst ein Lokal errichten, dürfte das eine Anzahl Wirte recht empfindlich spüren.— Erwähnt sei noch, daß der Wirt von Lony's Bierkeller durch einen anonymen Brief, der jedenfalls aus Kreisen kam, die ein Interesse daran hatten, daß die Zustände in den Bäckereien nicht weiter bekannt werden, zur Verweigerung des Saales für die erstgenannte Volksversamm⸗ lung veranlaßt wurde. Welch' eine verächtliche Kampfesweise! — Theater und Saalbau. Das Ko⸗ mité für Errichtung eines Theatersaales hat beschlossen, den Professor Dülfer in München mit Ausarbeitung von Plänen und Kosten⸗ veranschlägen für einen Theaterbau in Gießen zu beauftragen. Die Gießener Architekten können freiwillig Entwürfe einreichen, ohne daß jedoch daraus irgendwelche Verbindlich⸗ keit für das Komité entsteht. — Eine öffentliche Versammlung der Fuhrleute, Kutscher, Speditionsarbeiter Packer ꝛc. findet diesen Soantag nachmittags 3½ Uhr bei Löb im Wiener Hof statt. Gen. Habicht⸗ Frankfurt spricht über: Warum müssen wir uns organisteren und welches ist die beste Organisation? Alle Transportarbeiter werden ersucht zu erscheinen! Unsere Leser wollen ihnen etwa bekannte Angehörige der genannten Berufe auf diese Versammlung auf⸗ merksam machen. — Schwerer Unfall. In der Aktien⸗ brauerei wurde am Mitwoch abend der Fuhr⸗ knecht Donges, der im Stalle beschäftigt war, fürchterlich von einem Pferde ge⸗ schlagen. Es wurde ihm die Schädeldecke zertrümmert, so daß er schwerverletzt in die Klinik verbracht werden mußte. — Lehrjahre sind zwar keine Herrenjahre. Deswegen braucht man aber den Lehrling nicht so zu prügeln, wie es kürzlich ein Friseur am Lindenplatz tat. Voll Entrüstung darüber ver⸗ ließ ein Kunde sofort den Laden des inhumanen Bartkünstlers. Aus dem Rreise gießen. r. Steinberg. Der soz.⸗dem. Wahl⸗ verein hielt am Sonntag eine gut besuchte Mitglieder⸗Versammlung ab, in der zunächst über die Kreiskonferenz Bericht erstattet wurde. In der sich anschließenden Diskussion wurde allseitig der Wunsch nach intensiverer Agitation und besserer Ausgestaltung unserer Presse, die unbedingt nicht mehr aufgeschoben werden könne, ausgesprochen. Schließlich erklärte man sich mit den Beschlüssen der Konferenz einverstanden. Weiter wurde ein Festausschuß für das Kreis⸗ fest gewählt, der in Verbindung mit dem Vorstand des Kreiswahlvereins die Vorbereit⸗ ungen zum Fest zu treffen hat. Im Weiteren wurde die Zuschrift des Herrn Pfarrer Som⸗ merlad an die„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ einer Besprechung unterzogen. Vor allem wurde dagegen Verwahrung eingelegt, daß„Schmähbriefe“, die dem Herrn Pfarrer geschickt worden wären, etwa auf unser Konto geschrieben werden sollen. Eine derartige Kampfesweise ist bei uns nicht üblich; die Ar⸗ beiter sind auch gar nicht so schreibselig. r. Geistlichkeit und Sozialdemokratie. Auf die lange Zuschrift des Herrn Pfarrer Sommerlad gestatte man uns, für heute mit wenigen Worten zu erwidern. Was zunächst die„Verständnislosigkeit“ der Frau Michels betrifft, so dürfte diese wohl selbst auf diesen Vorwurf antworten.(Frau M. befindet sich gegenwärtig in Italien. D. R.) Richtig ist, wenn der Herr Pfarrer sagt, es gäbe hier von den Kapttalisten keine. Es befinden sich hier so ziemlich alle Einwohner in gedrückter Lage und sie hätten alle Ursache, sich der Sozialdemokratie anzuschließen. Von Kapitalisten hier am Orte ist aber von uns auch gar nicht geredet worden. Wir haben nur gesagt, daß, wenn der Pfarrer in der Art, wie er es bei der Beerdigung und in der Kirche tat, gegen uns, die Partei der Arbeiter vorgeht, er eben die Interessen der besitzenden Klassen vertritt, wie das ja die meisten seiner Kollegen zu tun für gut finden. Wir wissen uns auch frei davon, ihn mit „Nadelstichen“ belästigt zu haben. Wir sind vielmehr N ö nur für Beseitigung von Vorrechten und Vergünsti⸗ 0 gungen eingetreten, durch welche andere Mitbürger Nach⸗ teile haben. nochmals beleuchten werden. — Das verlangen wir auch nur, wenn wir ein ver⸗ storbenes Mitglied in unserer Weise ehren. Und unser Recht wollen wir uns auch von dem Herrn Pfarrer nicht beschränken lassen. Dabei liegt es uns fern, den Herrn Pfarrer zu ärgern oder ihm„gehässig und feind⸗ selig“ gegenüber zu treten. Soviel für heute. b. Kommunales aus Leihgestern. Wie notwendig es war, daß die letzte Kreiskouferenz den Punkt Gemeindewahlen auf ihre Tagesordnung setzte, damit die Genossen angespornt werden, bei den nächsten Wahlen sich lebhafter zu beteillgen, zeigte ein Beispiel aus Leihgestern. Hier sollte in einer der letzten Gemeinderatssitzungen die Neuwahl des Schulvorstandes stattfindeun. Um zu großer Stimmenzersplitterung vor⸗ zubeugen, ersuchte der Bürgermeister um Vorschläge, worauf ein Mitglied 3 reiche Bauern vorschlug. Dem⸗ gegenüber meinte ein Vertreter unserer Partet, es sei recht und billig, wenn auch unsere Partei im Schul⸗ vorstand vertreten sei und schlug deshalb einen Genossen vor. Die Gegner machten aber von ihrer Macht Ge⸗ brauch und ließen unsern Kandidaten durchfallen. So⸗ mit ziehen drei rückständige Antisemiten im Schulvorstand ein, während unsere Partei, die stärkste am Orte, leer ausgeht.— Das zeigt wieder, daß sich die Arbeiter und Kleinbauern mehr um die Gemeindeangelegenheiten bekümmern und lebhafter an den Wahlen beteiltgen müssen, wenn sie den Einfluß, der ihnen zukommt, gewinnen wollen. — Staufenberg. Die Volksversammlung am Sonntag, in der Stadtverordneter Krumm⸗Gießen über:„Was will die Sozialdemokratie“ sprach, war recht gut besucht. Redner wande sich namentlich gegen all die kleinlichen Vorwürfe, welche Politiker aller bürger⸗ lichen Parteien gegen uns erheben. Nichts sei zu albern und dumm, daß man es nicht im Kampfe gegen die Sozialdemokratie für gut genug halte. Der größte Flachkopf im Parlament, wenn er nur ein paar Späße mache, werde von der bürgerlichen Presse als neuer Prophet gefeiert.— Die General⸗Anzeiger und Amts⸗ blätter lügen, daß sich die Balken biegen. Redner for⸗ dert zum festen Zusammenhalten der Arbeiter und Klein⸗ bauern auf; nur dann sei es möglich, die sozialistische Gesellschaft zu begründen, die es jedem ermögliche, bei ehrlicher Arbeit auch anständig zu leben. Den Scharf⸗ machereien der Kraut⸗ und Schlotjunker können wir umso ruhiger zusehen, da eine Partei wie die unsere, die Wahrheit, Wohlfahrt und Gerechtigkeit erstrebt, durch keine Chikane und Brutalität besiegt werden kann. Darum handelt es sich bei dem Losholß und den übrigen Dingen, dle wir in der nächsten Nr. U ö ö Den Millionen Lohnarbeitern, die ein Interesse an dern Verstaatlichung der kapttalistischen Produktionsmittel haben, stehe eine winzige Anzahl Unternehmer gegenüber, deren Verfolgungskünste an der Einigkeit aller kleinen Leute zu Schanden werden müßten. Hoffen wir, da unsere Bewegung in Staufenberg, die sich so erfreulich entwickelt hat, auf dem beschrittenen gehen wird. Eingesandt. Wieseck. Nachdem in der vom 5. d. Mts. statt⸗ gefundenen Gemeinderatssitzung der schon lang projektierte Bau einer Wasserleitung definitiv an den Bauunter⸗ nehmer Becker übergeben wurde, ist damit nicht bloß ein schon lange gehegter Wunsch der gesamten Gemeinde in Erfüllung gegangen, sondern es ist auch einem drin⸗ genden Bedürfnis Rechnung getragen, denn die Wasser⸗ verhältnisse hier waren auf die Dauer unhaltbar. Es ist ja auch kein kleines Opfer, welches damit unsere schon schwer belastete Gemeinde, auf sich nimmt und wurde u. a. auch der Bau einer Wasserleitung nur wegen der hohen Kosten und der weiteren Belastung von Jahr zu Jahr hinausgeschoben, bis jetzt gezwungener⸗ maßen, um des Staatszuschusses nicht verlustig zu gehen, ein längeres Hinausziehen nicht mehr möglich war. Bei Mündung der einen Quelle bedarf nun die Gemeinde ein Stück von einem Acker, welcher dem Wege weiter 1 hess. Staate gehört und einen Flächeninhalt von eg. 4000 Quadratmeter hat, wofür seither eine jährliche Pachtsumme von 18 Mk, gelöst wurde. Diesen ganzen Acker, der nebenbei bemerkt an der äußersten Grenze von Wieseck und Alten⸗Buseck liegt, a soll nun die Gemeinde gezwungen sein, wegen jenes notwendigen Stückes, erwerben zu müssen und zwar den horrenden Preis n 45 Pfg. pro Quadratmeter, 5 N was einer Kaufsumme von 1800 Mk. gleichkommt. i Wenn man nun berücksichtigt, daß für diesen Acker seither 18 Mk. Pacht erzielt wurden und die Gemeinde Gießen bei ihrem Geländeerwerb für den neuen Fried hof nur 25— 28 Pfg. pro Quadratmeter sogar an Privateigentumer bezahlte, so kommt man zu dem Schl daß doch dies nicht die richtige Unterstützung von& des Staates für eine Volkswohlfahrtseinricht kann und wir hoffen daher, daß diese Zeilen dazu b Gleiches Recht für ale! 1 0 —. 7 — Jun 1 l 50 lb. 6³ N . 0 l Lu lc fell. Am der gu nom in! ug bor. rschläge, Dem es sei Schul genosen acht Ge⸗ n. So⸗ vorstand rte, leer Akbelter genhelten ebelllgen ulommt, lung „Gehen ach, war ch gehen t bürger zu alben egen die größt n Späß⸗ bs neler d Ame ner n- d Klelh⸗ „J liche, du l Shu. en Ut mere e ersuch, en lab, an de mite cgenlben t felt, wil, 8 N erftullh d veilk 1 Mitteldeutsche Sountags⸗Zgeitung. Seite 5. eine bessere Verständigung zu Gunsten unserer Ge⸗ meinde zu Stande kommt. Nach sachverständigem Urteil wären bei ganzer Er⸗ werbung des Ackers, unter Berücksichtigung der exponierten Lage und des gesunkenen Geländepreises, 15 Pfg. pro Quadratmeter, Geld genug dafür! mm. Aus dem Nreise griedberg⸗Büdingen. r. Friedberg. Ein Mitkämpfer ge⸗ fallen. Am Montag nachts starb hier unser Parteifreund Albert Löffler nach längerem schweren Krankenlager im Alter von erst 34 Jahren. Er hat jederzeit in der Partei so⸗ wohl, wie auch in der Gewerkschaft der Leder⸗ arbeiter nach besten Kräften mitgearbeitet. Es ist gewiß beklageuswert, daß er im besten Mannesalter den Seinen entrissen wurde. Die Parteigenossen werden ihm eln gutes Andenken wahren. Der nationalliberale Wahlexzeß von Burggräfenrode dürfte noch weitere und womög⸗ lich schlimme Folgen haben. Gegen mehrere der Be⸗ teiligten soll ein Verfah en wegen Meineids schweben. Am Montag haben ein Untersuchungsrichter der Oberstaatsanwalt von Gießen eine Ortsbesich⸗ tigung und Zeugenvernehmung im Orte selbst vorge⸗ nommen. Die Vernehmungen nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Gewissenlosigkeit eines Metzgers. Wir nahmen in voriger Nummer von einem Gerücht Notiz, wonach ein krankes Rind von einem Metzger verar⸗ beitet worden ser. Dies wurde zwar glücklicher Weise noch verhindert, doch hatte der betreffende Metzger den besten Willen, es zu tun. Einem Oekonomen in der Langegasse erkrankte ein Rind so schwer, daß der Tierarzt anordnete, es dem Wasenmeister zu über⸗ antworten. Ein Schweinemetzger erfuhr davon, kaufte das Rind für 20 Mk. und brachte es sofort in's Schlachthaus, um es noch in der Nacht schleunigst zu schlachten. Mittlerweile war aber dem Wasenmeister der Handel zu Ohren gekommen, dieser überraschte den braven Metzger bei seinem lichtscheuen Tun und ver⸗ anlaßte, daß das schon zerlegte Schlachtstück auf die Abdeckerei kam. So wurde durch Zufall vielleicht ein großes Unglück verhütet. Was soll man aber zu dem Treiben eines Menschen sagen, der aus Gewtinnsucht die Gesundheit vieler seiner Mitmenschen aufs Spiel setzt? Warum greift die Innung der Metzger nicht ein? Das Schlachthaus gehört ebenfalls der Innung, wenn es städtisch wäre, bätte die Geschichte wohl kaum passieren können. Schon im vorigen Jahre haben wir einmal auf die dort herrschenden Mißstände hingewiesen. h. Steigende Arbeitslöhne? In dem kürz⸗ lich veröffentlichten Geschäftsbericht der Buderus schen Werke wird u. a. gesagt, daß die Löhne eine Steiger⸗ ung erfuhren. Schade, die Arbeiter haben nachts davon gemerkt. Es ist wohl möglich, daß eine größere Gesamtsumme an Löhnen verausgabt wurde, die entfällt aber auch anf eine größere Zahl Arbeiter. Und so erklärt sich das. * Versammlung der Transportarbeiter. Am Sonntag Abend 8 Uhr findet eine Versammlung der Fuhrleute, Kutscher, Speditionsarbeiter ꝛc. im Gast⸗ haus zum Adler, Am Kornmarkt statt, in welcher R. Habicht Frankfurt sprechen wird. Alle im Trans⸗ porteurgewerbe beschäftigten Arbeiter wollen sich zahlreich einfinden! Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn. Die Christlich⸗Sozialen machen in unserer Gegend gewaltige agitatorische Anstrengungen. Vor und einigen Wochen warfen die Herren Dr. Burckhardt und Franz Behrens im Wetzlarer und Marburger Kreise ihre Netze aus, um Gläubige zu fongen und kürzlich verkün⸗ deten sie im Dillenburger und Wetzlarer Kreise das Stöcker⸗Evangelium. Am Sonntag vor acht Tagen hielt ihr Parade⸗Arbeiter Behrens in Dillenburg und Herborn Versammlungen ab. In Herborn zählte man 67 Versammlungsbesucher, von denen ca., Christliche sein mochten. Behrens redete hier viel von gewerkschaft⸗ licher Organisation und von den bösen Sozi's. In der Diskusston ergriff ein Mitglied des Buchdrucker⸗Verbandes das Wort und hielt Herrn Behrens vor, daß der Her⸗ ausgeber des christl.⸗soz.„Volksfreund“ in Herborn nicht einmal den Tarif anerkennt und wahre Hungerlöhne von 12— 13 Mk. für alte Buchdrucker zahle. Diese Ausführungen nahmen die Stöckerleute mit Geheul und Rausrufen auf. Der Buchdrucker ließ sich aber nicht irre machen, sondern hielt den Herren eine Nr. des christl.⸗soz. Blättchens unter die Nase, die nicht weniger als 150 Druckfehler aufwies, ein Umstand der mit durch die mangelhaften Arbeitsverhältnisse verschuldet sei. Diese Tatsachen konnte natürlich Behrens nicht aus der Welt reden.— In Dillenburg war die Versammlung von 54 Personen besucht, zur Hälfte etwa christlich⸗sozial. Hier trat unser Genosse Trott⸗Haiger Herrn Behrens entgegen, dem er zunächst bemerkte, daß er vielem, was B. über die Notwendigkeit der Organisation gesagt habe, zustimme. Zur nachdrücklichen Vertretung der Arbeiter⸗ interessen sei aber auch eine starke politische Partei nötig und die haben die Christlich⸗Soztalen nicht. Der christ⸗ liche„Sozialismus“ habe schon oft seine arbeiterfreund⸗ liche Maske fallen lassen, wie Trott an weiteren Bei⸗ spielen nachwies. Die Sozialdemokraten, führte er weiter aus, betätigten mehr Vaterlandsliebe als die Leute, die sich sovlel damit rühmten.— Die„Widerlegung“ des Herrn Franz Behrens war ein wüstes Geschimpfe e Stöcker. Der Vorsitzende machte daun noch in einer langen Pauke Propaganda für das Herborner Stöcker⸗ blatt, wobei die Zeit soweit vorgeschritten war, daß Trott auf die faden Mätzchen des Herrn Behrens nicht mehr antworten konnte.— Auch in der Weilburger Gegend versuchte Behrens sein Elück mit wenig Erfolg. — In Allendorf bei Haiger J wurde Polier Krumm als erster sozialdemokratischer Gemeindevertreter im Dillkreis gewählt. Aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain. r. Sitzung der Stadtverordneten. In der am Dienstag stattgefundenen Sitzung der Stadt⸗ verordneten machte zunächst der Vorsitzende bekannt, daß der Stadtverordnete Dörr sein Amt niederlege. Zu⸗ gleich ist aber noch eine Neuwahl vorzunehmen sür den in der Hauptwahl gewählten Kreissekretär Voß, gegen dessen Wahl mit Erfolg Protest eingelegt wurde. Die Neuwahlen finden voraussichtlich schon im April statt. Der Hauptpunkt in der betr. Stadtverordneten Sitzung war Einleituug eines Enteignungsverfahrens wegen Verbreiterung des Pilgrimsteins. Diese Sache hat folgen⸗ des Vorspiel: Der Bierbrauerei⸗Besitzer und Maglstrats⸗ Mitglied Bopp besitzt eine alte Scheune neben der Universität. Die alte Bude war nun neben der Uni⸗ versität allerdings keine Zierde für die Stadt. Es trat deshalb eine Kommisston von Stadtverordneten zu⸗ sammen, um mit Bopp wegen der Scheune zu unter⸗ handeln und womöglich in Güte den Abbruch derselben zu erreichen. Denn man nahm an, ein Stadtvater werde wohl auch geneigt sein, ein kleines Opfer für das Gemeinwesen zu bringen. Da waren die Herren aber schief gewickelt. Bopp stellte eine ganze Speisekarte von Bedingungen auf, die die Stadt ihm für Abtretung gegenüber eines sch nalen Streifens seines Grund und Bodens erfüllen sollte. Darauf konnte die Kommission nicht eingehen und so verlief die Siche zunächst im Sande. Von der Universität ist angeboten we rden, bei dem Ministerium den Antrag zu stellen, daß zu den Kosten der Beseitigung der alten Scheune von der Universität die Hälfte beigetragen wird, wenn der frei⸗ werdende Platz unbebaut bleibt. Der Magistrat hat deshalb die Enteignung der Scheune beschlossen und die Stadtverordneten stimmen der diesbezüglichen Vor⸗ lage zu. g. Zur Märzfeier findet Samstag Abend 9 Uhr im Lokale Jesberg eine Partei versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt ein Vor⸗ trag des Gen. Vetters⸗Gießen über den 18. März, als zweiter die Maifeier. r. Der Naturheilverein in Marburg hielt am Montag eine öffentliche Versammlung ab, in der der Naturheilanstaltbesitzer Polster aus Esch⸗ wege einen Vortrag hielt über Erkältungskrankheiten usw. Der Vortrag war gut besucht und ließen sich eine ganze Anzahl Personen in den Naturheilverein aufnehmen. Am andern Tage hielt Herr Polster eine Sprechstunde ab, die sehr in Anspruch genommen wurde. Die Frankfurter Raubmörder, welche den Klavierhändler Lichtenstein am 26. Februar in so bestialischer Weise hinmordeten, sind nunmehr ermittelt und sitzen hinter Schloß und Riegel. Ende voriger Woche wurde in Hamburg der Kutscher Stafforst verhaftet, bei dem man die Schmucksachen fand, welche bei Lichtenstein geraubt worden waren. Der Mann legte nun bald ein volles Geständnis ab und gab an, daß der schon seit einigen Wochen verhaftete Möbelträger Groß der Mit⸗ täter, ja eigentlich der Ansttfter zum Morde sei. Groß leugnete bei der Gegenüberstellung, den Stafforst zu kennen. partei-Uachrichten. Parteitag für Hessen⸗Nassau. Auf Sonntag, den 10. April vorm. 10 Uhr ruft der Frankfurter Vertrauensmann einen Parteitag für die nassauischen Wahlkreise und die beiden bayerischen Aschaffenburg und Lohr nach Frankfurt ein. Der Parteitag findet im dortigen Gewerkschaftshause statt und seine vorläufige Tagesordnung lautet: 2. Unsere Auf⸗ 1. Organisation in Hessen⸗Nassau. 3. Unsere Presse. gaben in den Gemeindevertretungen. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! 1 Samstag, den 19. März. Gießen. Holzarbeiter. Abends 8 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Vortrag von Vetters. Wahl zum Verbandstage.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 20. März. Gießen. Oeffentliche Glaserversa m m⸗ lung. Vormittags 10 Uhr'm Gasthaus zum Ritter(Orbig). Tagesordnung: Der korporative Arbeitsvertrag. Ref.: R. Böttcher„Mannheim. Jedermann willkommen. Montag, den 21. März. Gießen. Schneiderverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig. Briefkasten. Spielen in einer„verbotenen“ Lotterie charakteristert sich als Uebertretung und verjährt dem⸗ nach in 3 Monaten.(llebertretung ist eine mit Haft oder Geldstrafe bis 150 Mark bedrohte Hand lung.) Rödgen b. Nauheim: Nächste Nummer. h. Wetzlar. Eröffnung Fr mee, Mbteilung für Putz der Frühjahr- u. Sommer- Saison- Unsere stetig an Umfang zunehmende Putzabteilung bietet auch in dieser Saison die umstveitig vollkommenste Auswahl in elegant garnserten Damen- und Mädchen ⸗Hüten sowie allerneuesten Facons mit Zutaten Hierbei machen wir auf unsere übrigen Artikel! Wäsche, Corsetts, Cravatten, Schürzen, Haudschuhe, Strümpfe, Brautkränze und Brautschleier, Taschentücher ꝛc. aufmerksam. Richard Loewentha!& Co. . Bahnhofstr. 1 Giessen 7 — Vollendet schöne Auswahl in Blumen, Ranken, Federn, Seiden stoffen, Bändern, Agrafien eic. Konfirmanden-Artikel, Bamnhof str. 1 Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Von Nah und Fern. Sozialdemskratische Kulturarbeit. Die Sozialdemokratie hilft den Arbestern nicht nur in ihren ökonomischen Kämpfen, sondern ste sucht fte auch aus dem geistigen und sittlichen Elend, das oft in Begleitung des materiellen Elends auftritt, emporzuheben. Aber wie wenig Dank erntet sie für diese Kul⸗ turarbeit gerade von denjenigen, denen sie diese Aufgabe abnimmt: von den Staatslenkern! Ja, man wirft ihr oft geradezu vor, daß sie dadurch, daß ste die Arbeiter zu einem besseren Leben führen wolle, die Genußsucht und die Verrohung der Arbeiter fördere. Freilich, die⸗ jenigen, die die Arbeiter kennen und die Wirk⸗ samkeit der Sozialdemokratie mit eigenen Augen gesehen haben, fällen ganz andere Urteile. Ein ehrendes Zeugnis wurde der Sozialdemokratie kürzlich in einem Prozeß, der beim Bezirksge⸗ richt in Tüffer in Steiermark spielte, aus⸗ gestellt, und zwar von allen anwesenden Amts⸗ personen, vom Richter, Staatsanwalt und Gen⸗ darmen. Bei dem Gerichte waren nämlich die Genossen Mlaker und Kokopschek der Ueber⸗ tretung des Vereins. und des Versammlungs⸗ ele angeklagt, weil sie die Diskusstonsstunden er Trifaller Bergarbeiterortsgruppe der Be⸗ hörde nicht angezeigt hatten. Genosse Mlaker ist seit einiger Zeit in Trifail als Sekretär der Organisation angestellt und er hat sofort eine derart segensreiche Tätigkeit unter den Bergarbeitern begonnen, daß die Bergbauunter⸗ nehmer dte Gendarmen auf ihn hetzten. Nament⸗ lich die Diskusstonsabende, die er veranstaltete, waren ihnen verhaßt, weil die jungen Arbeiter hingingen, die bis dahin am Sonntag in den Wirtshäusern gesoffen hatten und dann die ganze Woche die willfahrigsten Sklaven ge⸗ wesen waren. Von der Polizei waren die Leiter der Or⸗ ganisation wegen Vergehens gegen das Vereins⸗ gesetz angezeigt. Im Laufe der Verhandlung fragte der Richter, welchen Zweck die Dis⸗ kusstonsabende und welchen Erfolg sie haben. Genosse Mlaker antwortete: Der Erfolg ist der, daß wir durch die Einführung der Dis⸗ kussionen das erreicht haben, was früher die Polizei und die Gendarmerie nicht erreichen konnten. Die Bergarbeiter in Trifail waren infolge ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage auch geistig sehr zurückgeblieben. Trunken⸗ heitserzesse, Raufereien, sogar Tot⸗ schläge waren an der Tagesordnung. Jetzt kommen nur vereinzelte Fälle vor. Da ist aber kein Organisierter dabei.— Richter zum staatsanwaltschaftlichen Funktionär: Es ist Tatsache, daß es jetzt in Trifatl zu keinen Raufereien und Exzessen mehr kommt, was mir sehr merkwürdig erscheint. Früher hatten wir beinahe jeden Tag eine Verhandlung von Trifail.— Der staatsanwaltschaftliche Funktionär bestätigt das. Diese Tatsache be⸗ stätigte auch die Gendarwerie. Die beiden Ge⸗ nossen mußten zwar nach den Vorschriften des Gesetzes verurteilt werden, sie erhielten die ge⸗ lindeste Strafe und der Richter erklärte in der Begründung: Von dieser Stelle aus spreche ich den Angeklagten Mlaker und Kokobschek meine vollste Anerkennung für ihre lobenswerte Tätigkeit unter den Tri⸗ failer Bergarbeitern aus.— Was bedeutet Gaan dieses Urteil alles Geschimpfe unserer egner? Der Richter von Tüffer hat es ihnen gesagt, welche gewaltige Kulturarbeit die So⸗ zialdemokratie verrichtet und der Gendarm, der vorgeladen war, um gegen die Sozialdemo⸗ kraten auszusagen, hat aus seiner Erfahrung, die er bei der Verfolgung der Sozialdemokratie gesammelt hat, dieses ehrende Zeugnis bestätigt. — In Deutschland sehen die Richter mit ver⸗ schwindenden Ausnahmen bekanntlich immer nur die„berhetzende“ und„aufreizende“ Tätig⸗ keit sozialdemokratischer Arbeiterfuͤhrer. Verunglückte Streikbrecherwerbung. Folgendes lustige Stücklein aus der Weimarer Lohnbewegung der Schneider teilte kürzlich die Erfurter„Tribüne“ mit: Zum Schaden den Spott, zum Spott den Hohn und zum 1 Hohn die öffentliche Blamage, davon soll das Folgende über einen Weimarer Schneidermeister zeugen. Sie ist unglaublich, nämlich die Blind⸗ heit, mit der Unternehmer bei Lohnbewegungen belegen und wie sie beflissen sind, förmlich en Schmutz von der Straße aufzulesen. Hier⸗ ür wieder einen Beweis erbracht zu haben, ist as Verdienst eines Mitgliedes des Schneider⸗ verbandes, welches seinen polnisch klingenden Namen dazu benutzte, die auf dem Streikbrecher⸗ fange begriffenen Meister der Nadel folgender⸗ maßen zu veralbern: „Herr Arbeitgeberverband! Ich habe in General-Anzeiger gelesen, daß Sie gute Ar⸗ beiter nach Weimar suchen. Hir get de Ar⸗ beit schlecht und ich möchte gern abreißen. Aber ich hape blos noch 4 Mk. übrig, wenn ich meine Schulten an Kost und Loschi be⸗ zahlt hape. Wenn bei Euch gute Arbeit emacht wird und etwas verdient, möchte ich ahin kommen, wenn Sie mir das antere Fahr Geld schicken. Ich hape nur in großen Geschäften gearbeitet und bin schon 7 Jahre im katholischen Gesellenverein was doch kein Verband ist. Adresse. Es grüßt Euch Herr Fritz S. ky.“ f Und was geschah? Auf die handgreifliche Irreführung sendet die in Betracht kommende Firma, eine Hoflieferantin, dem angeblichen Arbeitswilligen ein ausgesucht höfliches Engage⸗ mentsschreiben und bittet um Angabe eines Erkennungszeichens bei der Ankunft in Weimar. Darauf erhielt sie dann die wenigen, aber köst⸗ lichen Zeilen: „Teile Ihnen mit, daß ich Sonntag mit dem Zuge 12,10 in Weimar ankomme. Als Erkennungszeichen diene Folgendes: rote Nase, zerrissene Hose, kapute Schuhe und Streikbrecherphysiognomie.“ Wie in diesem Falle ist es bei allen Aus⸗ ständen. Die stolzen, sonst so auf Reputation erpichten„Arbeitgeber“ prostituieren sich förmlich vor dem Arbeitswilligen. Die in langen Jahren erprobten Arbeitskräfte aber läßt man um Lappalien wegen mit kühlem Achselzucken von dannen ziehen.. Uebelbezahlte Lüsternheit eines Geistlichen. Der Tribuna, einem römischen liberalen Blatte, wird aus Ogliara folgendes Geschichtchen gemeldet: Seit einiger Zeit wurde einem hie⸗ sigen Bauernmädchen von dem Pfarrer Don Amedeo Clarizia der Hof gemacht. Kürzlich eines Morgens nun versuchte der Pfarrer einen kühnen Ansturm. Das Bauernmädchen jedoch stieß ihren Verführer zurück, ergriff das Rasier⸗ messer und schnitt ihm das Glied ab, mit dem er hätte sündigen können. Der Vorfall wird in ganz Ogliara vielfach besprochen, da dem Pfarrer schon einmal aus ähnlichen Gründen von einer Frau eine schlimme Lektion zu teil wurde. Aber noch nie, so fügt die Tribuna hinzu, in so grausamer Weise, wie das letzte⸗ mal. Sicherlich nicht! Denn das sind Opera⸗ ttonen, die im Leben nur einmal vorgenommen werden können. Unschuldig verurteilt. Die Strafkammer in Düsseldorf hatte im vergangenen Jahr den Schreinergesellen Heinrich Blanke sowie den Kutscher Josef Breuer wegen eines schweren Einbruchsdieb⸗ stahls zu zwei Jahren Zuchthaus bezw. 18 Monaten Gefängniß verurteilt. Im Wieder⸗ aufnahmeverfahren wurden am Freitag beide freigesprochen, da inzwischen die wirklichen Diebe entdeckt worden sind. Göttliche Weltordnung. Aus Dort⸗ mund schrieb man kürzlich der„Leipz. Volks⸗ zeitung“: In Hamm in Westfalen wurde dieser Tage ein Schüler morgens während der Unter⸗ richtsstunde ohnmächtig. Der Lehrer hielt nun Umfrage, wer von den Kindern ohne Kaffee zur Schule gekommen sei. Es fanden sich 19 solcher armer Geschöpfe; 8 erklärten weiter, daß bei ihnen zu Hause auch nicht ein Bissen Brot mehr zu finden sei. Gesicherte Existenzen im russischen Vasallenstaat Deutschland!—— —— Zum 18. märz. Rauhfrost lag auf deutscher Erde, Und auf Aest' und Sweigen lag Dichter Reif; ein grauer Nebel Wehrt dem jungen Frühlingstag, Wehrt dem Freiblick in die Ferne, Wehrt der Sonne warmem Strahl, Lebenskeime zu befruchten; Grau umnachtet Berg und Tal. Doch der Lenz, der Sonne Bote, Märzgeboren bricht den Bann Und zerreißt die Nebelschleier, Die der Winter tückisch spann. Neues Leben weckt die Sonne, Leben sproßt aus jedem Korn; Hoffnung, Liebe, Lust und Wonne, Leben sprudelt jeder Born. So auch auf dem deutschen Volke Cag der Alp der Reaktion, Swängt ins Joch des Volkes Nachen Und zermalmt, im Keime schon, Jedes neue geist'ge Ceben; In der Kerker öder Nacht Lag in Ketten und in Banden, Wer getrotzt der Herrscher Macht. Bis ein Völkerfrühlingsmorgen, Geistgeboren, zog in's Cand; Wahrheit, Licht und neues Leben Spendet seine milde Hand. Freiheit! jubeln laut die Sänger, Freiheit! tönts von Ort zu Grt, Nieder mit den feilen Schergen, Der Tyrannen Schirm und Hort. Schwerter blitzen aus der Scheide Und die Kugel rollt im Cauf, Selber schärft sich Spitz und Schneide Und die Lanze hebt sich auf, Und es richtet sich die Sense, Und von selber sie sich schleift, Weil in solchem mächt'gen Lenze Alles lebt und alles reift. Und das Blut der Freiheitshelden Düngt den Boden für die Saat, Der die Freiheit sollt' entsprießen. Krachend wankt der alte Staat.— Doch die Erben jener Helden, Trunken von der Freiheit Schein, Cießen jene Saat verloddern, Heimsten nicht die Ernte ein. F. W. Fritzsche. Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. 25.(Fortsetzung.) Der geistliche Herr war im Innersten be⸗ friedigt. Diese Gesinnung machte dem Mäd⸗ chen ebensoviel Ehr wie ihre Art, sich auszu⸗ drücken, und er konnte nicht umhin, sie aufs freundlichste dafür anzusehen. Dann wendete er sich zu den Brautwerbern und sagte mit heiterer Würde:„Ja nun— ich hab' durch⸗ aus nichts gegen diese Heirat, obwohl ich nicht so leicht wieder ein Mädchen ins Haus bekommen werde, wie die Bäbe.— Wenn Vater und Sohn einig sind—“—„Das sind wir, Herr Pfarrer,“ fiel Tobias ein, und der alte Eber stimmte mit Nicken zu.—„Dann fehlt nichts mehr als die Einwilligung der Erwählten und ihrer Eltern!— Nun“, fragte er das Mäd⸗ chen, deren Miene die Antwort schon gegeben hatte, mit freundlichem Lächeln—„nun Bäbe, sagst du Ja dazu?“—„Mit Freuden, mit Dank und Freuden, Herr Pfarrer,“ rief die Glückliche.—„Dann,“ fuhr der Geistliche mit beinahe väterlichem Wohlwollen fort, welches das Mädchen nach seiner Ansicht durch ihr Be⸗ nehmen verdient hatte—„dann reicht einander die Hände!“ Die Liebenden, durch diesen Zuruf von den Rücksichten, die sie bisher gebunden hatten, befreit, gingen aufeinander zu, gaben sich die r dagest Gesstlt um U Sprack Nr. 12. Mitteldeutsche Sonntags ⸗ Zeitung. Seite 7. Hände und drückten sie wiederholt mit 9d ster rtlichkeit. Sie sahen sich dabei so gerührt und doch verständnisinnig an, daß auch dem Geistlichen, der sich die Freude des Mädchens bis jetzt aus der angetragenen guten Partie erklärt hatte, der Gedanke kam, es möchten zwischen beiden doch schon nähere Beziehungen obgewaltet haben. f Die Bäbe ging von Tobias zu seinem Vater, reichte ihm die Hand und sagte:„Herr Eber, ich dank Euch! Ich weiß nicht, wie ich zu dem Glück komme, daß Ihr so gut gegen mich seid und mich zur Schwiegertochter wollt; aber ich nehm's in Demut an, und ich versprech' Euch, es soll Euch nicht reuen!“— Der Alte be⸗ trachtete sie mit Wohlwollen, erwiderte indessen nicht ohne merkbare Schalkheit:„Es ist mir eine Freud' und eine Ehr', ein Mädchen zur Schwiegertochter zu bekommen, die von dem Herrn Pfarrer wegen ihrer Tugenden so ge⸗ rühmt worden ist!“— Ein Druck seiner Hand und ein Blick seines Auges gaben dafür eine um so ernstere Antwort. Das Mädchen, die ihren Takt auch in der Fülle des Glücks nicht verleugnete, trat wieder zurück und nahm die Haltung einer Magd an, indem ste nur ihre Augen die einer Braut sein ließ. Die Pfarrerin, dies bemerkend, gab um so eher den Regungen ihres Herzens nach. Frauen pflegen gewisse Vergehungen bekanntlich nachsichtiger zu beurteilen, wenn sie in die Vergangenheit gerückt sind; der Ehebund, der nachfolgt, hat eine sanktionierende Macht, und es heißt auch hier: Ende gut, alles gut! Mit wahrhaft froher Teilnahme gratulierte die Frau der Bäbe, indem sie hinzufügte:„Das Glück ist bis jetzt mit dir gewesen, Mädchen, es wird auch ferner mit dir sein!“ Tobias hatte währenddessen nachdenklich dagestanden. Jetzt wendete er sich zu dem Geistlichen und sagte:„Herr Pfarrer, ich bitt' um Verzeihung, aber ich muß noch etwas zur Sprach' bringen, denn es gehört notwendig zur Sach'. Ich will eine Frau, nicht um mit ihr hier im Dorfe zu bleiben, auch nicht in der Nachbarschaft—“ „Willst du aus dem Land?“ fiel der alte Herr verwundert ein;„ins Württembergische?“ „Nein, Herr Pfarrer,“ erwiderte Tobias, indem er mit Selbstgefühl den Kopf schüttelte; „ich will weiter.“ Und entschlossen setzte er hinzu:„Ich geh' nach Amerika!“ „Nach Amerika?“ rief der Pfarrer, indem er ihn überrascht und befremdet ansah. „Nach Amerika!“ setzte die Pfarrerin etwas gedämpfter hinzu, während die Bäbe mit der seltsamsten Miene von der Welt vor sich hinsah. „Ja, Herr Pfarrer!“ widerholte Tobias mit Nachdruck,„nach Amerika!— wir bringen nicht so viel zusammen, daß wir hier gut fort⸗ kommen könnten; aber dazu reicht's, daß wir miteinander hinüberfahren und auch für den Aufang dort etwas haben.— Es ist mir be⸗ richtet worden von einem alten Bekannten, daß es mir in Amerika besonders gut gehen muß, weil ich nicht nur ein Metier gelernt hab', sondern auch das Bauernhandwerk verstehe. Was ich nicht kann, das kann meine Braut; und da hab' ich keine Sorg', daß es mit uns nicht vorwärts geht. Und alle Achtung vor unserm Ries, Herr Pfarrer; aber wenn man von Haus aus nicht viel hat, dann kommt man hier nicht gar weit; da drüben aber, da läßt sich noch ein Glück machen, wenn man seine Sachen versteht und Courage hat! Da kann man reich werden— Gott weiß, wie!“ „Aber auch um alles kommen, wenn man Unglück hat,“ bemerkte der Geistliche warnend. „Ich hab' was Gut's im Sinn,“ versetzte Tobias mit Ernst,„und ich vertrau' auf Gott! — Meinem Pater habe ich die Sache ausge⸗ legt; er hat zugeben müssen, daß ich recht hab', und willigt ein.“ Das tu' ich, Herr Pfarrer,“ bekräftigte der Schneider mit dem Ernst eines Ueberzeugten. „Nun,“ rief der gute alte Herr,„dann in Gottes Namen!— Aber,“ setzte er halb lächelnd 1 Auen„was wird die Jungfer Braut dazu zen?“—„Das möcht' ich sie eben fragen,“ erwiderte Tobias,„mit Ihrer Erlaubnis!— Nun Bäbe,“ rief er zu dieser gewendet, mit herzlichem Ton, aber schon mit zärtlicher Ge⸗ wißheit im Auge,„gehst du mit hinüber?“ Das Mädchen war mit hochrotem Gesicht dagestanden und aus ihrer Miene sprach eine Freude, die noch auf etwas ganz besonderes deutete.„Ich geh' mit dir, wohin du willst,“ antwortete ste,„und wenn's ans Ende der Welt wäre; am liebsten aber da hinüber! Ich hab' ja zwei genaue Freunde dort, meines Vaters Bruder und seinen Schwager, und hab' selber schon daran gedacht, wenn es hier⸗ zulande nicht mehr ginge, dort mein Glück zu versuchen.“ Und indem sie den Geliebten mit feuchten, aber schelmischen Augen ansah, fügte sie leiser hinzu:„Das ist's ja eben, was ich gemeint hab'—.“ Sie hielt inne, um sich vor dem Geistlichen nicht zu verraten. Aber Tobias brauchte nicht mehr: er hatte im Nu den viel⸗ berühmten, aber stets ein Mysterium gebliebenen zweiten Plan erkannt! Dieses Zusammentreffen erfüllte sein Herz mit der feinsten Lust, die nicht umhin konnte, sich in einem tiefempfundenen „Ah“ auszusprechen. Das Mädchen teilte dieses Gefühl und rief:„Nun muß es gut gehen da drüben!“ „Ja,“ entgegnete der Bursche,„das muß es und das wird es auch!“ Mit Selbstgefühl, aber zugleich mit dank⸗ bar gerührter Seele stellte er sich vor den Geistlichen. Der blinde Amerika⸗Hochmut von gestern war aus dem guten und im Grunde seines Wesens rechtlich denkenden Burschen ge⸗ wichen. Er fühlte die ganze Liebenswürdigkeit des ehrwürdigen Herrn, und in diesem Gefühl sprach er:„Herr Pfarrer, ich dank' Ihnen für Jihre Güte. Wir lassen uns noch hier zu⸗ sammengeben— von Ihnen, Herr Pfarrer anders würd' ich's nicht tun. Und wenn ich hinübergehe, werd' ich den Unterricht, den ich von Ihnen erhalten habe, nie vergessen und immer bedacht sein, ihm Ehre zu machen.“ „Brav, mein Sohn,“ rief der alte Herr. „Mit dieser Gesinnung wirst du überall glück⸗ lich sein, wohin du auch kommen magst.“ „Auch Ihnen, Frau Pfarrerin, dank' ich — für alles!“ Den Ton, womit der Bursche die zwei letzten Worte sprach, würdigend und den kleinen Stich erk ennend, versetzte die Frau mit Lächeln:„Nichts zu danken!— es ist alles gern geschehen!“ Vater und Sohn verabschiedeten sich. Auf dem Heimwege dachte der in den Tiefen seiner Seele befriedigte junge Schneider, daß der Andres in seinem Briefe wegen der geist⸗ lichen Herren doch sehr übertrieben habe. Denn wenn es auch welche gäbe, die ungefähr so wären, wie er meine, so gäb's doch auch wieder andere, die nicht wackerer sein könnten. Und daß die gleichsam gar nicht nötig wären und ihr Brot umsonst verdienten, das war doch ge⸗ nau genommen, eine Dummheit. Der gute Tobias hätte diese gerechte Unterscheidung vielleicht auch in bezug auf die übrigen„Herren“ gemacht, wenn nicht plötzlich eine bekannte Stimme in sein Ohr gedrungen wäre, die nicht ohne den Akzent der Verwunderung den Gruß der Tageszeit rief. Es war der„Leard“, der mit jenem feinen Burschen, den wir auch vom Wirtsgarten her kennen, aus einer Seitengasse kam.„Nun“, begann der erstere nach erhaltenem Dank, indem er Vater und Sohn mit den Augen maß„ihr geht ja miteinander so einträchtig, als ob ihr ein Herz und eine Seele wärt?“ „Das sind wir auch“, versetzte Tobias mit Selbstgefühl.„Wir sind eben beim Pfarrer gewesen und haben um die Bäbe angehalten, die jetzt meine Hochzeiterin ist.“ „Ah! Wahrhaftig?“ riefen die beiden Bursche wie aus einem Munde. „Allerdings,“ erwiderte der Alte mit Ernst, „so ist's.“ Das breite Gesicht des„Uhzers,“ der nur zum Spaß ein böser, sonst aber ein guter Kerl war, erhellte sich in wahrer Teilnahme, die aber natürlich durch einen Schein von Satire belebt blieb.„Das freut mich,“ rief er,„und ich wünsche von Herzen Glück!“ Dann des jungen Schneiders Hand schüttelnd, setzte er lächelnd inzu:„Nun, was hab' ich gesagt? Gelt, hab' dich L. gekannt als du selber? J hab' dir angesehen, was du für ein Teufelskerl bist, wenn du einmal anfängst!“ Zum Alten . sagte er schon mehr in seiner bekannten rt:„Schneider, Ihr seht, man muß nur warten können! Mit der Zeit kommt alles. Aus Kindern werden Leute, und aus einem jungen Schneider kann immer noch ein Mordskerl werden— wenn er einen Vater hat, wie Ihr seid!“ Während der Alte hierauf mit einem Grinsen antwortete, begann der Feine:„Nun gibt's gleich zwei Paare. Soeben hat der Schuster das Jawort von der Sibylle davongetragen, und die beiden Leute sehen aus, als ob jedes das Fürnehmste gekriegt hätte im ganzen Dorfe!“ „So!“ versetzte Tobias erheitert. Und in⸗ dem er auf seinen, Vater einen bedeutsamen Blick warf, setzte er hinzu:„Lassen wir ihnen ihr Vergnügen!“ Als sie wieder allein waren, begann der Sohn, um einem allenfallsigen Gedanken des Alten zu begegnen:„Nun Vater, hast du dir heut' die Bäbe recht betrachtet? Wie meinst du? Ist das Mädchen nicht wert, daß man ihretwegen einige hundert Gulden mehr oder weniger nicht ansieht?“ Der Alte, von der Schönheit der Erwählten, die heute freilich im höchsten Glanze geleuchtet hatte, selber eingenommen— denn er war ein Kenner und seinerzeit ein Verehrer des andern Geschlechts!— durch die guten Aussichten in Amerika nicht nur beruhigt, sondern gehoben versetzte lächelnd:„Mensch, du hast mehr Glück gehabt, als du verdienst! Meiner Lebtag hätt' ich nicht geglaubt, daß du so ein Weib zu kriegen verständest! 5 „Nicht nachgeben, lieber Vater,“ erwidert Tobias heiter,„nicht nachgeben! Das ist's!“ (Schluß folgt.) Der Bischof und der Bettelbube. Einst ging ein Bischof durch die Stadt, Ein Bettelbube zu ihm trat, Zog vor ihm ab gar tief den Hut Und sagte:„Herr, sei'n Sie so gut, Bis an den Hals steck' ich in Schulden Drum schenken Sie mir einen Gulden Zu diesem lieben neuen Jahr Das wär' ein christlich Werk fürwahr!“ „„Was,““ schrie der Bischof eifervoll, „„Ich glaube, Junge, du bist toll, Ein Gulden bei so schlechter Zeit Ist wahrlich keine Kleinigkeit.““ „Nun, Herr,“ fiel ihm der Bettler ein, So mögen's denn acht Groschen sein.“ „„Nichts, nichts““, versett er Bischof drauf, „„Geh' fort und halte mich nicht auf.““ „Ihr Gnaden, einen Groschen dann,“ „„Fort, fort, auch den nicht.““—„Nun, wohlan, Sie seh'n wie ich mich handeln lasse, Ein Hellerchen!“—„„Geh' deine Straße, Nichts, gar nichts.““—„Das ist etwas arg“ Sprach drauf der Bube,„Sie sind karg; Doch lassen Sie sich denn bewegen Und geben mir nur Ihren Segen,“ „„Den sollst du haben, lieber Sohn,““ Erwiderte mit süßem Ton Der Bischof.„„Knie hin vor mir, Den besten Segen geb' ich dir.“ „So?“ sprach der Bursche ganz verwegen, „Behalten Sie nur Ihren Segen. Ich hab' ihn zu geschwind begehrt, Wär' er nur einen Heller wert, Sie gäben ihn, hochwürd'ger Herr, Wohl auch nicht so gutwillig her.“ Humoristisches. Anders gemeint. A.(zu einem Bekannten, dessen Frau vor einiger Zeit durchgebrannt ist):„Mein herzlichstes Beileid, lieber, alter Freund!...“— B.(betrübt):„Ach, sie wissen's also auch schon, daß sie wieder da ist!“ Der beleidigte Großb auer. Wirk⸗ lich, mein lieber Veitelbauer, ich kann nur sagen:„Ein sehr hübsches Fleckchen Erde!“„Fleckchen Erde?.... San S' so guat!.... Dös san fünf⸗ hundert Tagwerk!“(Fl. Bl.) 7 —— —— —— Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. No. 12. Seite 8. Konfirmanden ⸗ Stiefel für mädchen und Rnaben in größter Auswahl zu Redner: Machezdie ergebene Mitteilung, daß die billigsten Preisen. dsterartikel 2 M. Reiss f f e Frankfurt. Schuhlager und schöner Auswahl angekommen Mäusburg 12 L. Müller sind. Bãckerei Gießen, Bahnhofstraße 61. Achtung! The Premier Cycle Co. Ltd. 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