0 ossal 5 orst, beru. n trag. 0 delliett en —— S Sr Nr. 25. Gießen, den 19. Juni 1904. 11. Jahra. Redaktion: 2 Redbaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 Jountags⸗Zeitung Abonnementspreis: Bestellungen 2 Juserate 2 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33 /) und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Im Rechtsstaate. „Wer treibt allein das Weltenrad Und hat dafür kein Recht im Staat d Das seid ihr Arbeitsmänner, Das Proletariat!“ 0 Am Montag ist in Saarbrücken⸗St. Johann, der Hauptstadt„Saarabiens“ der große Be⸗ leidigungsprozeß gegen den früheren Bergmann Krämer zu Ende gegangen. Das Gericht hat als„Recht“ erkannt, daß Krämer der Beleidigung der Bergverwaltung und des Bergrats Hilger schuldig sei, hat ihn zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und ihm die Kosten des Verfahrens auferlegt.— Krämer wird nun also ein Vierteljahr brummen müssen— wir haben zu der deutschen Gerech⸗ tigkeit nicht das Vertrauen, daß die eingelegte Revision Erfolg hat— verurteilt ist aber das System der Arbeiter⸗Unterdrückung und Entrechtung, wie es im Saargebiete herrscht und besonders den Bergarbeitern der staatlichen Gruben gegenüber zur Anwendung kommt. Wie heute die Verhältnisse liegen, kommt es nicht einmal viel darauf an, ob das Gericht den Angeklagten schuldig fand oder freisprach. Es ist ja ein Stück desselben Staates, der vor der öffentlichen Meinung als Ange⸗ klagter erschien. Und das Urteil der Oeffent⸗ lichkeit lautet anders, als das des Gerichts. Um was es sich handelte, haben wir unsern Lesern schon in der letzten Nummer kurz mit⸗ geteilt. Krämer hatte zwei Flugblätter heraus- gegeben, in denen behauptet wurde, daß die Arbeiter des Saarreviers bevormundet, miß⸗ achtet, in der Wahl beeinflußt, terroristert wür⸗ den, daß ihre Lage, ihre Lebenshaltung die denkbar traurigste sei und daß sie zur Ver⸗ besserung derselben sich dem Bergarbeiterver⸗ bande anschließen müßten. Nichts Persönliches fand sich in den Ilugblättern; trotzdem fühlte sich die Bergverwaltung und ihr verantwortlicher Beamter beleidigt und klagte. Der Angeklagte tritt den Wahrheitsbeweis an und was in der zehntägigen Verhandlung durch die Zeugenver⸗ nehmung festgestellt wird, genügt in den Augen jedes gewöhnlichen Sterblichen mehr als zehn⸗ mal, die Behauptungen der Flugblätter zu rechtfertigen. Bet dem Gericht ist aber der Wahrheitsbeweis nicht als geführt zu erachten, es kommt zur Verurteilung. Genosse Abg. Heine, der den Angeklagten verteidigte, stellt mit Recht in seiner Verteldigungs⸗ rede auf Grund der Beweisaufnahme die Frage: Sind das nicht asiatische Zu⸗ stände? Und im Weiteren führle er die Be⸗ kundungen der Zeugen vor Augen. Aus dem riesigen Anklagematerial gegen das„System“, was Heine in seiner dreistündigen Rede vor⸗ führte, sei nur weniges hervorgehoben. Flugblätter, wie die vom Angeklagten heraus⸗ gegebenen, erscheinen im deutschen Reiche zu Hunderten; man muß schon ins Saarrevter kommen, um ein solches Flugblatt unter An⸗ klage gestellt zu sehen. Und trotzdem der Staatsanwalt anerkannte, daß die Flug⸗ blätter keine persönlichen Spitzen enthielten, beantragt er sechs Monate Gefängnis für einen bislang unbestraften Mann. Die Flug⸗ blätter hatten einzig den Zweck, Mitglieder für den Bergarbeiterverband zu werben. Es ist wahr, was Angeklagter geschrieben hat, daß trotz der beispiellosen Prosperitätsperiode die Löhne erst jetzt wieder den Stand von 1891 erreicht haben. Es ist wahr und durch Zeugen⸗ aussagen bewiesen, daß viele Saarbergleute kümmerlich leben. Zur Beurteilung des „Systems“, das Angeklagter behauptet, sagte er in den Flugblättern ausdrücklich, daß das bestehende System von den Beamten unabhängig sei; die Beamten kommen und gehen, das System bleibt. Angeklagter steht das System in dem nachgewiesenen Mangel an Respekt vor den Staatsbürgerrechten, Unter⸗ drückung des Beschwerde-⸗, Vereins⸗ und Versammlungsrechts. Die Miß⸗ achtung sieht Angeklagter in denselben Symp⸗ tomen, in Roheiten der Beamten gegen Arbeiter, besonders aber in dem Mangel an Achtung vor der sozialen, religiösen und poli⸗ tischen Ueberzeugung, wie er uns durch die Zeugenaussagen in unzähligen Fällen vorge⸗ führt wurde. Das„System“, das„patriarchalische Ver⸗ hältnis“ soll man an seinen Früchten er⸗ kennen, und davon hat die Beweisaufnahme ein voll gerüttelt und geschüttelt Maß geboten. Die Wähler sind in unerhörter Weise beeinflußtund beobachtetworden! Wähler, von denen man annahm, sie haben den Zentrumskandidaten gewählt, wurden ge⸗ maßregelt. Sie wurden beschimpft, mit Schlägen bedroht und ihnen in höhnischer Weise gesagt:„Jetzt bekommen Sie keine Unterstützung, gehen Sie zu Fuchs“, der ist ja Millionär.“ Das nennt man„Arbeiter⸗ fürsorge!“ Selbst die sonst doch ziemlich ein⸗ flußreichen katholischen Geistliche n vermoch⸗ ten gegen die Beeinflussungen nichts auszu⸗ richten. Von manchen Bedrückungen ist hier behauptet, es seien keine amtlichen Handlungen; zu gleicher Zeit beriefen sich aber die Beamten auf das Dienstgeheimnis. Aber der Bergwerksdirektor Frielinghaus wirkte in Ge⸗ meinschaft mit dem Polizeidiener, daß sich die Arbeiter für die Militärvorlage er⸗ klärten. Direktor Frieling sshaus sagte, Arbeiter von königlichen Gruben dürfen nicht Gegner der Militärvorlage sein, und der Poltzeidiener sammelte Unterschriften für eine Petition zu⸗ gunsten der Militärvorlage.““ Der frühere Steiger Pauly bekundete ganz ausdrücklich: Obersteiger Jakob habe ihn im Na⸗ men der Berginspektion aufgefordert, aufzu⸗ passen, ob und wen die Bergarbeiter wählen. Pauly mußte auch die katholischen Beamten bewachen! Dieses System der Bevormundung und Entrechtung hat gleichzeitig ein elendes De⸗ nunziantenwesen geschaffen. Bürger⸗ meister Offermann ließ von einem 21jährigen Schreiber Listen anfertigen, auf denen er die vermutlichen Zentrumswähler mit einem Strich bezeichnen sollte. Der tat, wie ihm geheißen, nach seinem Ermessen. Man begnügt sich aber nicht damit, die Bergleute zu zwingen, bei den Wahlen gegen ihre politische Ueberzeugung zu stimmen, man schreibt den Leuten auch vor, was sie lesen sollen. Geheimrat Hilger verbot den Bergleuten das Lesen sozialdemo⸗ * Der Zentrumskandidat. ae Ein schönes Beispiel, wie, Arbeiterkundgeb ungen“ zu Stande kommen! kratischer und katholischer(der Dasbach'schen) Blätter. Versammlungen wurden verboten, in denen nur über Regelung des Schlepper⸗ dienstes beraten werden sollte. Die Bergwerksdirektion ist eine Behörde, und diese hat die Plicht, das Gesetz zu respektieren und dafür zu sorgen, daß es in keiner Weise verletzt werde. Deshalb war es auch Pflicht der Bergbehörde, dafür zu sorgen, daß den Arbeitern ihr Koalitionsrecht nicht ver⸗ kümmert werde. Ich kann dem Herrn Staats⸗ anwalt durchaus nicht beistimmen, daß das Koalitionsrecht nicht für die Bergarbeiter gilt. Hilger bestreitet allerdings, daß er den Arbeitern das Koalitionsrecht verkümmern will, er wollte nur nicht, daß die Arbeiter dem Deutschen Bergarbeiterverband beitreten, weil dies ein sozialdemokratischer Verband sei. In Wahrheit ist kein gewerkschaftlicher Verband so sehr be⸗ müht, politisch neutral zu sein, wie gerade der Deutsche Bergarbeiter⸗Verband. An der Spitze des Buchdrucker⸗Verbandes stehen auch Sozialdemokraten und trotzdem stehen königliche Behörden nicht an, mit diesem Verbande zu unterhandeln. Herr Hilger sagt: Ich kann nicht dulden, daß Arbeiter, die auf königlichen Gruben beschäftigt werden, sich einem sozial⸗ demokratischen Verein anschließen, denn die So⸗ zialdemokraten wollen die heutige Staats⸗ und Gesellschaftsordnung umstürzen. Ja, ich frage, welche Partei will das nicht? Keine Staats⸗ und Gesellschaftsordnung ist für die Ewigkeit berechnet. Die Staats⸗ und Gesellschaftsordnung von gestern ist nicht die von heute. Alle Par⸗ teien arbeiten an der Verbesserung, Veränder⸗ ung, also an dem Umsturz der heutigen Staats⸗ und Gesellschaftsordnung. Aber seit Aufhebung des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemo⸗ kratie, d. h. seitdem wir wieder eine Rechts⸗ gleichheit haben, ist von Gesetzes wegen die Sozialdemokratie gleich jeder andern Partei zu beurteilen und es steht der Bergverwaltu ng durchaus nicht zu, diesen gesetzlichen Zusta nd willkürlich zu verletzen. Sp beleuchtet der Verteidiger noch eine Reihe Fälle von schlimmster Entrechtung, wie sie das Zeugenverhör ergeben hat. Sogar ein Fall höchst schmutziger Art wird festgestellt. Ein Berginvalide, der eine Wirtschaft ange⸗ fangen hatte, wurde nach den Bekundungen des Gendarmen Walliczek deshalb drangsaliert, weil er sein Bier nicht von Schmidt, einem Verwandten des Bergrats Wiggert bezog! Mit Recht sagte Heine, es wäre doch Pflicht des geheimen Rats Wiggert gewesen, alles zu vermeiden, was einer Propaganda für das Schmidtsche Bier auch nur ähulich sah. Geradezu unglaublich ist der Fall Blum⸗ Michely. Ein nationalliberaler Vertrauensmann wird gegen vorsätzlicher Körperverletzung von der Saarbrücker Strafkammer zu 4 Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt. Zwei Bergarbeiter müssen in dieser Verhandlung als Zeugen auftreten. Herr Hilger läßt, nachdem der nationalliberale Vertrauensmann und Schläger zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, die beiden Zeugen zu sich kommen und eröffnet ihnen: Ihr werdet Eurer Zeugenschaft wegen jetzt ebenso lange außer Arbeit gestellt, als Weber sitzen muß. Ich hätte nicht geglaubt, daß so etwas vorkommen könnte. Also ein Mann, wie 3 Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 25. err Geheimrat Hilger, scheut sich nicht, zwei euten, die lediglich ihrer staatsbürgerlichen Pflicht genügt haben, zu eröffnen: Ihr werdet jetzt auch vier Monate außer Arbeit gestellt. Der Verurteilte bekam wenigstens im Gefäng⸗ nis zu essen, die beiden Zeugen konnten aber usehen, wo sie vier Monate lang mit ihren ber ae Brot herbekommen sollten! Hilger gte allerdings: er habe Weber für unschuldig halten. Also, obwohl der Mann in zwei In⸗ 2 verurteilt worden ist, setzt sich Geheim⸗ rat Hi über die Justiz hinweg, er⸗ Härt se Freund Weber cee für unschuldig und jagt zwei Leute, die in diesem rozesse als Zeuge aufgetreten sind, aus der rbeit. Ich frage: Sind das nicht orien- talische Zustände? 5 Aber trotzdem diese Fälle des abscheulichsten Terrorismus einwandfrei festgestellt und nach⸗ gewiesen wurden, erfolgte Verurteilung! In jedem andern Lande, Rußland vielleicht aus⸗ genommen, wäre sie unmöglich gewesen. Einen geradezu schamlosen Terroris⸗ mus der nationalliberal en Staatsstützen hat der Prozeß bloßgelegt, ein System wurde vor aller Welt enthüllt, das die Manneswürde ertötet, das Heuchelei und den Verrat an der Ueberzeugung, die größte Ehrlosigkeit üchtet, den Charakter Tausender schädigt. Je⸗ em Deutschen müßte die Schamröte ins Ge⸗ t treten ob der Dinge, die die Verhandlung u Saarbrücken ans Tageslicht gebracht hat. Ein allgemeiner Schrei der Empörung und des Zornes müßte das ganze Volk durchbrausen und die Schuldigen von ihren Posten fegen! Wo ist aber die Ordnungspresse, wo sind die Amtsblätter, die sich sonst nicht genug über soztaldemokratischen Terrorismus“ entrüsten önnen? Kein Wort von dem Prozeß! Wie auf Kommando schweigt die ganze Sippe, die für das Gordon⸗Bennet⸗Automobilrennen und ähnliche„sensationelle“ Dinge ganze Seiten übrig hat! Die Arbeiter aber sollten aus diesem Prozesse wieder die absolute Notwendigkeit des festen Zusammenschlusses erkennen lernen. Wären die Arbeiter des Saargebietes alle in der Organisation vereinigt, so wäre es un⸗ möglich, sie wie Sklaven zu behandeln und als nationalliberales Stimmvieh zu gebrauchen. politische Rundschau. Gießen, den 16. Juni 1904. Landarbeiter ⸗Sklaverei in Preußen. Das preußische Dreiklassenhaus hat den Gesetzentwurf betreffend die Erschwerung des Kontraktbruchs der Landarbeiter in erster Lesung erledigt und der Kommission überwiesen. Die Junker haben nicht nötig, sich . dieses Gesetzes besonders anzustrengen, sie sind der Annahme desselben sicher! Landwirtschaftsminister Podbielski legte sich dafür ins Zeug; er suchte die Vorlage als möglichst harmlos und milde hinzustellen. Sie sei kein Gesetz gegen die Arbeiter— es stehen ja keine Strafbestimmungen gegen konkrakt⸗ brüchige Arbeiter darin, sondern nur gegen die Leute, die kontraktbrüchige Arbeiter annehmen oder zum Kontraktbruch verleiten. Es ist also eher ein Gesetz gegen die Arbeitgeber als gegen die Arbeiter. Allerdings, Preußen mit seiner Gemeindeordnung, wonah ein„entlaufener“ ländlicher Lohnsklave zwangsweise in den Dienst zurückgeführt werden kaun, braucht wirklich keine Strafbestimmungen für kontraktbrüchige Arbeiter mehr. androhungen gegen die ländlichen Unternehmer in dem neuen Gesetze in ihren Folgen doch die Landarbeiter. Wenn unter der Herrschaft dieses Gesetzes der ländliche Arbeiter, um unerträg⸗ lichen Verhältnissen sich zu entziehen, den Dienst unter Kontraktbruch verläßt, so wird er nirgends Trotzdem treffen die Straf- mehr Unterkunft und Brot finden, er ist ver⸗ femt durch eine staatliche schwarze Liste. Hier zwei Beispiele aus der jüngsten Zeit, wie man die ländlichen Arbeiter in Preußen behandelt. Auf einem Gute in der Nähe von Memel erkrankte Ende Mai 1903 ein 17jähriges Dienstmädchen. Sie wurde bettlägerig. Als die väterliche Herrschaft drohte, ihr einen Teil des Essens zu entziehen und auf Kosten des Mäd⸗ chens eine Aufwärterin zu nehmen, versuchte es zu arbeiten. Es war vergeblich. Als es dann aber obendrein noch gröblich mißhandelt wurde, und man ihr die Bettdecke von ihrem Kranken⸗ lager nahm, entfloh es nachts zu ihrer Mutter. Ein Arzt konstatierte starken Darmkatarrh, der auf Typhus schließen lasse. Trotzdem erhielt das Mädchen eine Strafverfügung des Amts⸗ vorstehers, in den Dienst zurückzukehren; die Verfügung wurde aber nicht vollstreckt. Die humane Dienstherrschaft hatte nicht nur die Sachen und den Lohn des Mädchens zurück⸗ behalten, sondern auch Invalidenkarte und Dienstbuch. Erst am 11. Januar 1904, nach drei Termineu wurde der Besitzer zur Zahlung des rückständigen Lohnes von 16 Mk. und zur Herausgabe der Sachen verurteilt.— Nun konnte aber die Mutter des Mädchens die zu einer bedenklichen Höhe angelaufenen Kurkosten nicht bezahlen, sie wollte daher gegen die Dienst⸗ herrschaft, die zur Verpflegung ihrer erkrankten Dienstboten verpflichtet ist, klagen, als sie aber dazu das Armenrecht nachsuchte, wurde ihr es verweigert. Der zweite Fall betrifft ein 22jähriges Dienstmädchen auf dem Gute einer Frau Nel⸗ son in Nachsitten bei Neuhausen. Das Gut wurde verkauft; der neue„Herr“ des Mädchens wurde der Gutsverwalter Leneweit. Nach bru⸗ talsten Miß handlungen entfloh die Aermste unter Zurücklassung ihrer Habseligkeiten und ihres Lohnes. Der Amtsvorsteher, den das Mädchen bat, Schritte zu tun, damit sie in den Besitz ihres Eigentums komme, erklärte, nichts für sie tun zu können. Inz ischen hat das arme Mädchen, dessen ganzes Leben nur eine Kette von Krankheit und Elend war, be⸗ reits eine Nacht unter freiem Himmel genäch⸗ tigt, weil die Einwohner fürchteten, bestraft zu werden, wenn sie das Mädchen aufnehmen. Diese Beispiele zeigen, wie man in Preußen Meuschen behandelt! Da braucht man noch ein Gesetz gegen Kontraktbruch! Und da wun⸗ dert man sich, wenn die Arbeiter immer mehr den ländlichen Gefilden entfliehen! Unsere Reichstagsfraktion hat übrigens eine Interpellation über die Verfassungs⸗ widrigkeit des dem preußischen Landtage vorliegenden Gesetzentwurfes eingebracht. Das teure Afrika. Noch eine größere Nachtragsforderung für Südwestafrika wird dem Reichstag noch vor der Vertagung zugehen. Nach Mitteilung verschiedener Blätter wird sie„wohl 20 Mil⸗ lionen überschreiten“.— Bisher sind dem Reichstag infolge der Unruhen in Süd⸗ westafrika zwei Nachtrags- und zwei Ergänzungs⸗ etats zugegangen. Die beiden Ergänzungsetats forderten 1 325 000 und 3 197 000 Mk., die beiden Nachtragsetats 1 496 000 und 3710000 Mark, so daß also bisher schon zur Deckung der Kosten für die Bewältigung der Unruhen in Deutsch⸗Südwestafrika vom Reichstag fast 10 Millionen Mk. gefordert worden sind. — Neueren Nachrichten zufolge soll die oben erwähnte Nachtragsforderung nicht Südafrika, sondern Togo betreffen. Das ändert natürlich nichts an der Sache, nutzlose Aufwendungen hier wie da! Bankgauner steuern zu Kirchenbauten. In Berlin wird gegenwärtig der Prozeß gegen die Direktoren Romeick und Schultz von der bankrotteu Pommernbank, die den Titel„Hofbank der Kaiserin“ führte, verhandelt. Derselbe wurde genau vor einem Jahre ver— tagt, nachdem er über einen Monat gedauert hatte. Bei dem Zusammenbruch der Bank haben viele weniger bemittelte Leute ihre Habe verloren. An einem der letzten Verhandlungs⸗ tage wurde nun durch das Zeugnis des Ge— heimrats Budde festgestellt, daß die Pommern⸗ bankleute dem Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherrn von Mirbach— denselben, der jüngst im Herrenhause die sozialistenfresserische Rede hielt— etwa 350000 Mark für Kir⸗ chenbauten und sonstige fromme Zwecke zur Verfügung stellten. Die genaue Summe für diese fromme Spenden wird wohl festgestellt werden, denn von verschiedenen Sei⸗ ten werden die größten Anstrengungen gemacht, die Sache zu verschleiern. Natürlich gaben die braven Direktoren die gottgefälligen Opfer von dem Gelde, anderer Leute! Wahlen. Im Reichstags⸗Wahlkreise Schwerin⸗ Wismar hat demnächst eine Nachwahl statt⸗ zufinden, weil das Mandat des für diesen Kreis gewählten konservativen Abg. v. Dröscher für ungültig erklärt worden ist. Bei der letzten Hauptwahl wurden für unsere Partei 10 380, für die Konservativen 6732 und für die Natio⸗ nalliberalen 6704 Stimmen abgegeben. In der Stichwahl siegte dann der Konservative mit nur 123 Stimmen Mehrheit.— Von unsrer Seite ist für diese Nachwahl Gen. Antrick Berlin aufgestellt worden, der im vorigen Reichstage den Wahlkreis Kottbus⸗Spremberg vertrat. Einen Kommnnalwahlsieg errangen unsere Genossen in Charlottenburg. Dort wurde der sozialdemokratische Kandidat trotz großer Anstrengung der Gegner im ersten Wahlgange gewählt. Er erhielt 649 Stimmen. In Mülhausen i. E. waren am Sonntag Be⸗ meinderatswahlen, durch die ein Drittel der Mandate zu erneuern war. Die Sozial⸗ demokraten erzielten 3937 3979, die Klerikalen 30453186, die Ordnungsparteiler 2182 2356 und die Demokraten 1915—2229 Stimmen. Jedenfalls werden bei den Stich⸗ wahlen Sozialdemokraten und Demokraten zu⸗ sammengehen, wie bisher, so wird es möglich sein, die Pfaffen und Geldsäcke zu schlagen. Landtagswahlen in Koburg⸗Gotha. Dieser Tage haben im Herzogtum Koburg⸗ Gotha die Landtagswahlen stattgefunden. Auf den ersten Blick scheint es, als ob sie der So⸗ zialdemokratie einen Mißerfolg gebracht hätten, in Wirklichkeit können wir mit dem Resultat sehr zufrieden sein. Von den 9 Mandaten, die wir bisher im Gothaischen Landtage besaßen, haben wir 5 behauptet und außerdem kommt unsere Partei in einem in aussichtsreiche Stich⸗ wahl. Verloren gingen drei Kreise. Sechs Kreise sind uns also wieder sicher, schreibt das Gothaische Parteiblatt, und ein siebenter Kreis ist wahrscheinlich. Die ungeheuern Anstreng⸗ ungen, die Wahlkreisgeometrie, alle die schoflen Mittel haben unsern Gegnern nur einen unbe⸗ deutenden Erfolg gebracht, der mehr als auf⸗ gewogen wird durch die erstaunliche Ver⸗ mehrung unsrer Stimmenzahl. Und letzteres ist für uns immer noch die Hauptsache. Eine Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen unter den obwaltenden Umständen hat eine sehr große Bedeutung. Es sind reine Stimmen für die Partei, keine Mitläufer, keine unsichern Kantonisten, die bei der nächsten Ge⸗ legenheit wieder abspringen. Es hat wahrlich nicht an der, wie die Gegner sagen, Aufklärung über unsre sog.„letzten Ziele“ gefehlt und wir haben unser wirklich letztes Ziel, die Umwand⸗ lung der kapttalistischen Produktion in die sozia⸗ listische, in die gesellschaftliche Produktion weder verschwiegen, noch verschleiert. Sollten die Gegner also, was wahrschein⸗ lich ist, von einer Niederlage der Sozialdemo⸗ kratie schwafeln, so machen sie sich nur lächer⸗ lich. Die Ideen der Sozialdemokratie brechen sich immer mehr Bahn. Dagegen ist kein Krau⸗ gewachsen und die Liberalen bereiten sich nur den eigenen Untergang, wenn sie glauben, die sozialistische Hochflut durch reaktionäre Bün bd. nisse eindammen zu können. a Antisemiten bei Juden zu Gaste Vor Kurzem hat die Hamburg⸗ Ax rika-⸗Linie dem Reichstage eine Anzahl! karten für eine Nordlandfahrt an des neuen Dampfers„Meteor“ zugesandt, vom Präsidium an die Fraktionen nach es Stärke verteilt wurden. Die sozialdewokra Fraktion lehnte ein derartiges Trinkgeld 1 5— e kennen! ls er Aftisen unschul hhte Pi Ferbalib bei den er Luohd! an Sei gern f latter daß da wirt u. merm „Dlene Durch also g zu tun 2 Mi Innun dieser aufgelt damit Lache nung hat un Elste kiner 9 Zeit setzten organ für egten 880, latlo⸗ u det mit iuster trick rigen berg agen urg. didat ersten men. ge ittel ial⸗ — de cellet 2 Sich ⸗ 1 zu- glich . ha. burg⸗ Auf sätten, sullat l die saßen, ommt Stich⸗ Sechs t daß Kreis treng⸗ hoflen Unbe⸗ auf- Vet⸗ 0 S6 ache.“ iich anden eilt beine 1 Ge⸗ lic rung 9 und so il⸗ webe schel ele lacht Tec Kelle 0 „ d. Vu. ....— —.— Nr. 25. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite N. fort ab, später gaben auch die Konservativen die Karten zurück. Die Antisemiten bekamen zusammen mit den Stöckerianern und einigen andern Abgeordneten, die zusammen die soge⸗ nannte„Wirtschaftliche Vereinigung“ bilden, auch zwei Karten, die sie untereinander aus⸗ knobelten. Dabei gewann der ber— ühmte antisemitische Pastor Krösell und der Welfe Damm die Freikarten. Nun wirft sich die eine Schattierung des Antisemitismus, die deutsch⸗soziale Reformpartei stolz in die Brust und erklärt, daß sie die Freikarten des„Juden Ballin“(der von den Antisemiten viel ange⸗ griffene Direktor der Hamburg⸗Amerika⸗Linie) abgelehnt habe. Na, die Pückler⸗Partei soll nur nicht so prahlen! Wäre einem von der Reformpartei das Loos günstig gewesen, so hätte er vielleicht die Spritztour ebenso wie Krösell mitgemacht.— Warum die Reformer diesen auf einmal nicht als ihren Parteifreund aner⸗ kennen wollen, ist eigentlich nicht recht einzusehen; als er gewählt wurde, haben sie ihn doch als Antisemit begrüßt!— Uebrigens nur nicht so unschuldig! Haben denn die„Reformer“ und ihre Presse vergessen, daß ebenso wie die Kon⸗ servativen auch die Antisemiten im Juni 1895 bei den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Nord⸗ ostsee⸗Kanals, den Einladungen des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg⸗Amerika Linie folgend, an Seefahrten auf Schiffen dieser Gesellschaften gern teilgenommen haben? Die Antisemiten⸗ blätter erinnern sich wohl heute nicht mehr daran, daß damals Ahl wardt einen Berliner Gast⸗ wirt und der antisemitische Abgeordnete Zim- mermann einen Dresdner Rentner als „Diener“ mitgenommen hatte, was sogar einer Durchstecherei verdammt ähnlich sah. Sie haben 13 gar keine Veranlassung, heute so stolz zu tun. Die Zünftlerei ist im Verfall. Mit der Handwerksrettung vermittels der Innungen ist es gründlich Essig. Wie viele dieser Organisationen haben sich schon wieder aufgelöst! Die Handwerker sehen ein, daß ste damit nicht weiter kommen. Jetzt wird aus Sachsen berichtet, daß die Klempner⸗Zwangs⸗ innung in Meißen ihre Auflösung beschlossen hat und die Schuhmacher⸗-Zwangsinnung in Elsterberg beabsichtigt ein Gleiches. Von einer Reihe anderer Orte konnte man in letzter Zeit ähnliches lesen. Und welche Hoffnungen setzten die Zünftler nicht auf die Zwangs⸗ organisation. Vernünftiger Kriegsminister. Der Genosse Fourniere hält seit einigen Tagen an der militär⸗technischen Hochschule in Paris Vorträge über die Arbeiterschutz⸗Ge⸗ setzgebung. Der Kriegsminister soll Fourniere noch den besonderen Wink gegeben haben: Wenden Sie sich an das Herz dieser jungen Leute und sagen Sie Ihnen, wie es im Herzen des Arbeiters ausschaut. Daß der französische Kriegsminister sich angelegen sein läßt, die künftigen Genieoffiziere und Leiter der mili⸗ lärischen Werkstätten in die Gesetze über das gewerbliche Arbeitsverhältnis einzuführen, ist ein sehr löbliches Beginnen. Im„Lande der Denker“ solch ein Unternehmen überhaupt nur anzudeuten, würde sicher von unsern berufensten Organen als„Staats verbrechen“ gebrandmarkt. Unsern Beamten muß der richtige„Dünkel er⸗ halten bleiben“. Fest des Königsmordes. Am 11. Juni war der Jahrestag der Er⸗ mordung des Königs Alexander und seiner Draga von Serbien. Diesen Tag wollten die Studenten der Belgrader Hochschule sowie die Offiziere verschiedener Garnisonen festlich begehen und zur Feier der Ermordung des Königspaares tanzen. Es mag 1 60 5 bleiben, ob, wie berichtet wurde, die Feste von oben herunter untersagt worden sind, oder ob sie in weniger geräuschvoller Form stattgefunden haben, jedenfalls ist es für die Monarchisten bezeichnend, daß sie die Ermordung ihres„an⸗ gestammten“ Königs, vor dem ste noch vor einem Jahre in Ehrfurcht erstarben, durch Spiel und Tanz feiern wollten. So sieht die„un⸗ wandelbare Königstreue“ aus, wenn ste glaubt, bei der Konkurrenz besser zu fahren! Gewisse Leute in Deutschland, die bei jeder Gelegenheit „Hoch“ schreien, würden es wohl nicht viel anders machen. Unerhörte Ministergaunereien. Der ehemalige italienische Minister Nasi hat geradezu wie ein Zigeuner gestohlen. Nicht bloß amtliche Gelder hat er unterschlagen, son⸗ dern auch wertvolle Gegenstände wie ein ganz gewöhnlicher Spitzbube sich angeeignet. Die Justizbehörde mußte 6 große Zimmer mieten, um alle die Gegenstände unterzubringen. Von Trapani, dem Wohnort Nasis, find 80 Kisten angelangt, welche die zusammenge⸗ stohlenen Gegenstände enthalten. Eine große Anzahl Kisten enthält wertvolle Kunstobjekte. Ein sauberer Ordnungsmann! Russisch⸗japanischer Krieg. Mit dem russischen Vormarsch, von dem vor Kurzem die Rede war, ist es nichts. Im Gegenteil, die Japaner sind bei ihrem Vorrücken nach der Mandschurei gar nicht auf⸗ gehalten. Dabei hat es gewiß eine Reihe Kämpfe gegeben, die aber meist zu Gunsten der Japaner ausfielen. Alle Nachrichten darüber lassen erkennen, daß die Russen im Nachteil sind.— Port Arthur ist völlig eingeschlossen, die Lebensmittelzufuhr dorthin vollkommen unterbunden. Die Japaner beschlagnahmten bei Tschifu eine Anzahl mit Mehl beladener, für Port Arthur bestimmter chinesischer Dschunken. Ueber die Höhe der bisherigen russischen Verluste wird von Petersburg berichtet, daß bisher 216 Offiziere und 4900 Mann tot, ver⸗ wundet oder gefangen sind. Die Zahl ist zwei⸗ fellos viel zu niedrig. Friedensaussichten? Wie aus To⸗ kio gemeldet wurde, soll eine hochstehende japa⸗ nische Persönlichkeit erklärt haben, daß Japan nach Besitzergreifung von Port Arthur und Mukden die Offensive einstellen und auch keiner⸗ lei Einwendungen machen werde, wenn von befreundeter Seite eine diplomatische Inter⸗ vention zur Herbeiführung von Friedensver⸗ handlungen eingeleitet werden würde. Aus dem Reichstage. Der Gesetzentwurf über die Kaufmanns⸗ gerichte wurde am Donnerstag in der zweiten Lesung zu Ende beraten. Das Zentrum und die Nationalliberalen waren umgefallen und hatten mit der Regierung ein Kompromiß geschlossen, das entgegen den Kommisstonsbe⸗ schlüssen das Frauenwahlrecht beseitigen und das Wahlalter auf 25 Jahre heraufsetzen will. Genosse Lipinski geißelte mit Recht diesen neuesten Zentrumsverrat an den Rechten der Handlungsgehülfen und wurde dabei von dem witzigen freisinnigen Abg. Träger und auch von dem Anttsemiten Böckler unterstützt.— Vereint mit einigen freisinnigen Abgeordneten leuchtete auch Genosse Singer„dem sozial⸗ politischen Leuchtturm“ des Zentrums, Herrn Trimborn, heim, und es gelang, wenigstens für diese Lesung die Aufrechterhaltung der Kommis⸗ sionsbeschlüsse in vollem Umfang durchzusetzen. Agrartsche Geständnisse, Am Sams⸗ tag hatte der Reichstag eine Petition über Aenderung des Fleischbeschaugesetzes zu beraten. Es gab darüber eine lebhafte Diskussion und dabei machte der nationalliberale Agrarier Held, der sich als Vertreter von Viehzucht⸗ interessenten fühlte, im Eifer, für diese einen besonderen Vorteil herauszuschlagen, recht nied⸗ liche Geständnisse. Zunächst bestätigte er unser zu Dutzend Malen in den Zolldebatten wiederholtes Argument, daß drei Millionen deutscher Kleinbauern an höheren Ge⸗ pee lten kefgepleit teresse hätten. Dann gab er zu, daß die Agrarier beim Fleischbeschaugesetz im wesentlichen den Zweck verfolgt häkten, die Landwirtschaft zu schützen; er war so ungeniert, uns noch einen Vorwurf daraus zu machen, daß wir bei diesem Gesetz, das auch nach den heuchlerischen Phrasen der Agrarier nur die Volksgesundheit hatte schützen sollen, wirklich nur für diese gesorgt hätten.— Genosse Edmund Fischer(Sachsen) nahm namens unserer Fraktion diese Geständnisse einer schönen Seele mit Dank entgegen. Die Rechte und das Zentrum ärgerten sich und Herr Erzberger suchte seinen Aerger an unserm Ge⸗ nossen Schippel auszulassen. Er las aus Schippels Artikeln in der Chemnitzer„Volks⸗ stimme“ vor, um diesen als Schwurhelfer für die zollpolitische Haltung des Zentrums zu e Aber Genosse Thiele konnte ihm eicht nachweisen, daß, wie abweichend auch die Auffassungen Schippels von der seiner meisten Frakttonsgenossen sind, sie jedenfalls mit denen der deutschen Agrarier aus den Reihen der Konservativen und des Zentrums nicht das geringste gemein haben. Das mußte am Schluß auch Herr Erzberger zugeben. Schließlich kam es über diese Petitionen so wenig zu einer Entscheidung wie über die andern wichtigeren, die auf der Tagesordnunng standen. Den Hauptpunkt bei den Dienstagsverhand⸗ lungen bildete die Togobahn⸗Anleihe. Es war Genossen Ledeb our ein Leichtes, nach⸗ zuweisen, daß es sich bei der ganzen Bahnvor⸗ lage um eine Projekt zu Gunsten der Togoge⸗ sellschaft handle. In seiner Rede kam er auch auf die unglaublichen Landräubereien der Togo, gesellschaft zu sprechen, die bisher viel zu wenig gewürdigt wurden. Wie sich die hohe Regierung dazu stellt, zeigt am besten die Antwort des Kolonialdirektors auf den Antrag'unserer Frak⸗ tion, alle zwischen der Togogesellschaft uud den Negern geschlossenen Verträge zu annullieren. Lächelnd meinte er, dann würde die ehrenwerte Gesellschaft bei den Gerichten Schutz suchen und finden. Daß der Reichstag beschloß, was die Regierung wollte, ist selbstverständlich; haben doch so und so viele der Rechten persönlich In⸗ teresse daran. Mittwoch wurden nochmals bedeutende Auf⸗ wendungen für unsere herrlichen Kolonien ge⸗ nehmigt und zwar für die Togo⸗Eisenbahn und ostafrikanische von Dar-es-Salam nach Urogoro. Der Bau der letzteren war lange umstritten und von Leuten, die es wissen mußten, als ein zweckloses und kostspieliges Unternehmen bezeichnet worden. Daß jetzt die Mehrheit ja und amen dazu sagte, ist bezeichnend für sie.— Diese Woche wird sich der Reichstag bis zum Herbst vertagen. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Was ist Terrorismus? Unser Düssel⸗ dorfer Parteiblatt schreibt: Die„christliche n“ Gewerkschaftsagitatoren regen sich darüber auf, wenn man ihnen unsererseits den Vorwurf macht, ihre Bewegung erfreue sich der Protektion der Arbeitgeber gegenüber der unsrigen. Einen kleinen Beweis für diese unsere Büffel liefert die Montagsnummer des„Düsseldorfer Volksblatts“. Der christliche Arbeiterverein Düsseldorf hatte für seine Ehrenmitglieder am Sonntag ein Fest veranstaltet. Der unermüdliche Herr Dr. Schmidt hielt hierbei die Festrede und führte u. a. aus:„Von unseren Ehrenmitgliedern und inartiven Mitgliedern dürfen wir voraus⸗ setzen, daß sie der aufstrebenden christlichen Arbeiterbewegung nicht hindernd in den Weg treten, sondern zu ihrer Stärkung alles aufbieten werden. Die katholischen Arbeitgeber mögen ihre Arbeiter antreiben, sich dieser christlichen Bewegung anzuschließen, um so einen starken Damm zu bilden gegenüber den Gefahren, die Staat und Kirche drohen von seiten der sozialbemokratischen Arbeiterbewegung“. So die Ausführungen des Herrn Dr. Schmidt, — Das ist natürlich kein Terrorismus, sondern — katholischer Pflichteifer. Arbeitersekretariat im Königreiche Stumm. Laut Beschluß der Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands vom 28. Mai d. J. wurde Genosse Hans Portenkirchner in Hausham(Bayern) als Sekretär des Ar⸗ beitersekretareats St. Johann⸗Saar⸗ brücken ernannt, das am 1. Juli d. J. eröffnet wird. Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung⸗ 1 Nr. 25. Der Brauerverband hielt vergangene Woche in Frankfurt seinen 14. Ver⸗ bandstag ab. Nach dem Geschäftsbericht hat der Verband in den letzten 2 Jahren einen Zuwachs von ca. 4000 Mitgliedern zu ver⸗ zeichnen und er zählt deren jetzt 18 000. Die Einnahmen betrugen in den beiden Rech⸗ nungs jahren 374479 Mark; die Ausgaben 279 587 Mk., was also einen Ueberschuß von fast 77000 Mk. ergiebt. Für Unterstützungen wurden in derselben Zeit 138 136 Mk. veraus⸗ gabt; an die Generalkommisston 2768 Mk. ab⸗ geführt. Außer Streikunterstützung gewährte der Verband seinen Mitgliedern noch Rechts⸗ schutz, Umzugskosten, Unterstützung in außer⸗ ordentlichen Fällen, sowie Kranken-, Arbeits⸗ losen- und Gemaßregelten⸗Unterstützung. Der Verbandstag beschloß unter anderm die An⸗ stellung besoldeter Gauvorsteher. Pon Nah und Lern. Hessisches. — Ueber die Wahlrechtsvorlage ist der Bericht des Ausschusses erschienen. Er enthält zugleich die Wahlkreiseinteilung für die 60 vorgesehenen Wahlkreise. Oberhessen bekommt 18 Abgeordnete, 4 aus den Städten, 14 aus den Landkreisen. Es heißt, daß die Regierung den Beschlüssen des Ausschusses zu⸗ stimmen werde, trotzdem ist nicht ausgeschlossen, daß die verkappten Wahlrechtsfeinde die Reform noch vereiteln. Zu den Gemeinderatswablen. In vielen Gemeinden Hessens finden be⸗ kanntlich in diesem Jahre Gemeinderatswahlen statt, in einzelnen sind sie schon vollzogen. Unsere Parteigenossen und besonders die Par⸗ telorganisationen müssen denselben die größte Aufmerksamkeit zuwenden und überall, wo einige Aussicht für uns vorhanden ist, eingreifen und versuchen, Parteigenossen in die Gemeinde⸗ vertretungen zu bringen. Notwendig ist in erster Linie, sich über den Termin der Aus⸗ legung der Wählerlisten zu infor⸗ mieren. Wo die Zeit der Auslegung bekannt gegeben ist, darf kein wahlberechtigter Partei⸗ genosse es versäumen, sich sofort zu ver⸗ glewissern, ob sein Name in die Wählerlisteeingetragenist, da spätere Einwendungen nicht mehr berücksichtigt werden. Natürlich müssen unsere Genossen auch sonst nach Kräften agitieren und dahin arbeiten, daß die arbeitende und minderbemtttelte Klasse in den Gemeindeparlamenten zu Worte kommt! Bei den Landgemeindewahlen ist den minderbemittelten Angehörigen der Ge⸗ meinden Gelegenheit gegeben, durch ihre Stimm⸗ abgabe für dite sozialdemokratischen Kandidaten Prbotest zu erheben gegen die einseitige, einzig und allein auf die Interessen der Besitzenden gerichtete Kommunalpolitik der meisten Gemeinden. Wohl handelt es sich bei den Gemeinde⸗ wahlen nicht um so tief in das Wirtschafts⸗ leben des gesamten Volkes einschneidende Fra⸗ gen wie bei der Reichstagswahl, wohl sind die Gemeindevertretungen im Gegensatz zum Reichs⸗ tage und zu den Landtagen keine gesetzgebenden sondern in erster Linte Verwaltungskörper⸗ schaften, aber trotzdem wäre es ein verhängnis⸗ voller Fehler, wollte man ihre Bedeu⸗ tung unterschätzen. Genau wie in andern Parlamenten bietet sich auch hier oft genug Gelegenheit, Angriffe auf Rechte und Freiheiten der Bevölkerung abzuwehren, genau wie in andern Parlamenten gilt es auch hier, ein zutreten für die Interessen der Besitzlosen. Die Gegner der Sozialdemokratie sind ängstlich darauf bedacht, das Eindringen der Sozialdemokratie in die Gemeindevertretung zu verhindern. Wissen stie doch, daß die Wahl auch nur eines Arbeitervertreters das Ende ihrer Vetternwirtschaft bedeutet und daß es dann mit dem beschaulichen und behaglichen Dasein, das sie meist führen, vorbei ist. Die Herren wollen hübsch unter sich bleiben, nie⸗ mand soll sie kontrollieren, niemand ihnen in die Karten gucken, wenn sie hinter ver⸗ schlossenen Türen„tagen“. Daher ihre Bemühungen, durch kleinliche Schikanen der Arbeiterklasse das Wählen zu verekeln und die Wahlzeit so zu legen, daß es den Arbeitern uur schwer und nur mit ungeheuern Opfern an Zeit und Geld möglich ist, ihr Recht aus⸗ zuüben. Es ist eine bekannte Tatsache, daß soziale Reformarbeit im wahren Sinne des Wor⸗ tes in den Gemeindeparlamenten nur in sehr geringem Maße geleistet wird. Aus eignem Antriebe sind die besitzenden Klassen auf diefem Gebiete noch niemals bahnbrechend vorangegangen, jede Reform, und mag ste noch so winzig sein, muß ihnen in hartem Kampfe abgerungen werden. Sogar die selbstverständ⸗ lichen Einrichtungen auf kommunalem Gebiete bleiben unbeachtet, so lange rückständige Bür⸗ gerliche und Bauern unumschränkt schalten und walten. Darum müssen unsere Parteigenossen in den Landgemeinden so gut wie die Genossen in den Städten sich hurtig an die Arbeit machen. Ueberall müssen rote„Hechte“ in die bürger⸗ lichen Karpfenteiche gesetzt werden! — Die Jahresberichte der Ge⸗ werbe⸗Inspektionen sind erschienen. Bisher wurden den Zeitungsredaktionen Exem⸗ plare zugestellt, in diesem Jahre jedoch nicht mehr. Ob's dazu in Hessen nicht mehr langt? Nach unserm Dafürhalten sollte doch die Re⸗ gierung dafür sorgen, daß die Berichte in weitesten Kreisen bekannt würden, denn was haben die Arbeiten für einen Wert, wenn ste in die Archive eingeschlossen werden, unter Aus⸗ schluß der Oeffentlichkeit erscheinen? Gießener Angelegenheiten. — Die Sadtverordnetenversammlung be⸗ schloß in ihrer Sitzung am Donnerstag unter anderem, einen Steinbrecher auzustellen zur Bearbeitung des von der Stadt benötigten Steinmaterials, außerdem die Quellenbohrungen für die Wasserleitung bei Queckborn in eigener Regie zu übernehmen. Letzterem widersprach Herr Löber, et wollte die Arbeiten an einen Privat⸗ unternehmer vergeben wissen. Ferner wurde die An⸗ schaffung von Dienstkleidern für die Straßenarbeiter be⸗ schlossen, und damit eine alte Forderung der betreffenden Arbeiter erfüllt. Ein Stiftungsvertrag mit Kommerzienrat Gail über 1200 Mk. wird genehmigt.— Das Grab der als erste auf dem neuen Friedhofe unter Beteiligung des Stadtvorstandes beerdigten Elise Becker soll herge⸗ richtet werden. Der Betrag dafür wird bewilligt.— Die Lahnkanalisation soll bei der Regierung befürwortet werden. — Auf eine professorale⸗krie⸗ gervereinliche Scharfmacheret wer⸗ den wir von einem Genossen aufmerksam ge⸗ macht, dem in einer müßigen Stunde die im Anzeiger abgedruckte Festrede des Herrn Prof. Biermann in die Hände fiel, die dieser auf dem Fest des„Gardevereins“ am Sonntag hier gehalten hat. Wer noch einen Funken Frei⸗ heitsgefühl in sich trägt, dem müssen beim Lesen dieser Leistung eines Universitätsprofessors allerdings verschiedene andere Gefühle und unter Umständen der Mageninhalt aufsteigen. Welch“ schauerliche Byzantinerei! Natürlich gehört auch der Kampf gegen den„innern Feind“ zum Programm. Ueber die„Zerstörung des Staates“, „Korrumpierung der Armee“,„Deklassierung des Vaterlandes“(das„Vaterland“ sind natürlich nur die,„die etwas haben“) verlieren wir kein Wort, das ist immer der Text für Krieger⸗ vereins⸗Festredner. Aber von einem skrupel⸗ losen Terrorismus der Sozialdemo⸗ kraten zu reden, ist so unverfälschte Scharf⸗ macherei, wie es Schweinburg nicht besser leistet. Angesichts der Praxis der Verwaltungs- behörden, der Polizei, der Un ernehmerverbände, und leider auch teilweise der Justiz vom Ter⸗ rorismus unserseits zu sprechen— dazu gehört allerdings ein außergewöhnlicher Mut, den selbst nicht jeder„Gardist“ besitzen dürfte. Wir em⸗ pfehlen dem Herrn Professor, den Saarbrücker Prozeß zu studieren, vielleicht dämmert es dann dem verehrten Herrn, wo in Wirklichkeit Ter⸗ rorisutus zu suchen ist. — Die Generalvpersammlung der Ortskrankenkasse fand am Mittwoch, im Postkeller statt. Sie war ziemlich schwach besucht, nur ca. 45 Mitglieder und 5 Arbeit⸗ geber waren anwesend. Zunächst erstattet? der Geschästsführer Fourfer den Geschäftsbe⸗ richt, der den Generalversammlungsvertretern gedruckt vorliegt. Danach betrug im letzten Jahre die durchschnittliche Mitgliederzahl 4840, ca. 200 mehr, als im Vorjahre. Weibliche Mitglieder gehören ca. 1000 der Kasse an. Das finanzielle Ergebnis sei zufriedenstellend, wenn es auch nicht den gehegten Erwartungen entsprochen habe. Der Rechnungsabschluß weist in Einnahme 151 192,94 Mk., in Ausgabe 140 879,32 Mk. auf. Ergiebt also einen Kassen⸗ bestand von 10 313,62 Mk. Der Reservefonds beträgt 82 552 Mk., das Gesamtvermögen 144 216 Mk., das ist pro Kopf der Mitglieder 29,79 Mk.— Mit den Aerzten wurde ein neuer Vertrag abgeschlossen, obwohl der alte noch bis Ende 1904 Gültigkeit hatte. Beinahe wäre es auch hier zu einem Streit mit den Aerzten gekommen; schließlich kam doch noch eine Einigung zum Satze von 3,50 bezw. 7,50 Mark auf 3 Jahre zustande. Vorher hatte die Kasse den Aerzten 3. Mk. für das ledige und 65 Mk. für das verheiratete Mitglied bezahlt. — Herr Winn erstattete hierauf ausführlich Bericht über die Verhandlungen des Kranken⸗ kassenkongresses zu Leipzig, zu dem die Kasse 4 Delegierte entsandte. An den Bericht schloß sich eine kurze Diskussion, in der besonders die Aerzte⸗Forderungen und Streiks erörtert wurden. — Der Maurerverband hat in der letzten Zeit in Gießen und Umgebung eine kräftige Agitation entfaltet und auch eine ziem⸗ liche Anzahl Mitglieder gewonnen. Das ist gewiß sehr erfreulich; immerhin stehen der Or⸗ ganisation noch genug Maurer fern, die sich ihren Kollegen anschließen müssen, wenn etwas erreicht werden soll. Einige Bauunternehmer haben sich bereits veranlaßt gesehen, eine aller⸗ dings sehr geringfügige und unzureichende Er⸗ höhung des Stundenlohnes eintreten zu lassen. Tatsächlich sind hier die Maurerlöhne außer⸗ ordentlich niedrig und es ist Zeit, daß eine Besserung eintritt. Darum alle dem Verbande beigetreten!— In ganz Deutschland nahm der Maurerverband in den letzten 6 Wochen um ca. 10 000 Mitgli eder zu und 11 jetzt 140 000. Er rapräsentiert also, sehr respektable Macht! Zum Kreisfest in Steinberg. Seid gegrüßt Genossen alle! Herzlichen Gruß allen unsern Parteifreunden aus dem. Gießener Kreise und den Nachbarbezirken, die sich am Sonntag zu unserem Kreis feste hoffentlich in recht großer Zahl zusammenfinden! Es ist die zweite derartige Veraustaltung in unserem Kreise und ste wird, daran zweifeln wir keinen Augenblick, in gleich prächtiger Weise verlaufen, wie die erste. Selbst wenn das chon eine Wetter nicht ganz sein sollte, wie wir es uns wünschen, so soll das unsere heitere Festes⸗ stimmung nicht beeinträchtigen! Wir erwarten keine besondere Genüsse; wir wollen ja nur mit unseren Freunden und Genossen ein paar Stunden zusammensein, uns untereinander kennen lernen, unsere Meinungen austauschen. Und wir kommen in einen Ort, wo eine große Zahl tüchtiger und braver Genossen schon seit Jahren für unsere gerechte Sache kämpft und sich redlich bemühte, unsere Bewegung zu fördern. Sie haben sich Mühe gegeben, den Festteilnehmern die Stunden so angenehm wie möglich zu machen und werden sich freuen, wenn alle befriedigt ihren Ort verlassen! Auch durch unser Fest wollen wir agitatorisch wirken, unsere Ziele aufs Neue zum Ausdruck bringen, für die Sache der Arbeit wirken. Trage jeder dazu mit bei! Auch Deiner Feierstunde Spiel und Sang Durchdringe, heilige ein ernst Beteuern: Euch zu erlösen aus des Lebens Drang! So, Mann der Arbeit sollst Du Feste feiern! Falls das Komite zur Erledigung der nötigen Arbeiten Hülfskräfte benötigt, bitten wir die Genossen, die darum angegangen werden, sich bereitwillig zur Verfügung zu stellen. Es ist selbstverständich, daß jeder zu dem Gelingen des 5 7 Festes beitragen muß! a 2 e eee 2 —— 2 — Berdien Creigul haben, kennen Haussch ld hi echt,. Scham Diueese llerdin ewas anzunel Unser g daß w borner licht als eit W 11 Neigt fl Stück 0 Wat det! Krel Oese Abb Tri Neid kann 1. U en be 5 en er te he en 0 ie 1 lt. 0 sse 18 t el nie 5 er kl⸗ r . kr⸗ ine ide del m 15 le 1 .—— Nr. 25. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Der Heuchelheimer Arbeiter⸗Bil⸗ dungsverein versammelt sich mittags 12 Uhr bei Wirt Aug. Rinn zum Abmarsch nach dem Bahnhofe.— Volksverein Altenbuseck fährt per Wagen zum Kreisfeste. Treffpunkt 11 Uhr vormittags bei Wirt Wilh. Becker. — Antisemitrich Hirschel trium⸗ phiert! Weshalb? Weil die Sozialdemokratie eine gründliche Niederlage erlitten hat. Wieso? Hören wir, was er in seinem Blättchen schreibt: „Einen sehr richtigen Beschluß faßten die beiden Watzenborner Gesangvereine „Germania“ und„Sängerkranz“. Sie lehn⸗ ten beide ab, sich zu beteiligen am so⸗ zialdemokratischen Kreis⸗Ar⸗ beiterfest, welches am 19. Juni in Steinberg stattfindet. Sonderbarerweise weiß die Schabbeszeitung in Gießen nichts über diese Sache zu berichten, die doch sonst ihre Nase in jede Angelegenheit der Ge⸗ meinde Watzenborn steckt.— Aus Scham oder Gram?“ a Wenn es sich Hirschel als ein besonderes Verdienst anrechnet, dieses welterschütternde Ereignis seinen paar Lesern vorgeführt zu haben, so haben wir nichts dagegen. Wir be⸗ kennen ohne Weiteres, daß wir nichts zu dem „aufsehenerregenden“ Beschluß gesagt hätten; und Hirschel hat bis zu einem gewissen Grade recht, wenn er vermutet, daß uns„Gram und Scham“ zu unserm Verhalten veranlaßten. Diese Gefühle könnten einem neben anderen allerdings beschleichen, doch bewegen sie sich in etwas anderer Richtung, als der Antisemitrich anzunehmen scheint.— Nun, vielleicht gelingt unser Kreisfest auch so; wir müssen halt sehen, daß wir ohne die beiden berühmten Watzen⸗ borner Vereine fertig werden. Hat es doch nicht an Stimmen gefehlt, die ihr Fernbleiben als einen Vorteil für das Fest bezeichneten. Welch' gewaltigen Aerger unser Kreisfest den Junkerknappen Hirschel verursacht, zeigt folgender Auswurf, der sich in dem letzten Stück seines Zeitungspapiers findet: „Deutschgesinnte Männer und Frauen von Watzenborn⸗Steinberg und Umgegend! Mei⸗ det nächsten Sonntag das sozialdemokratische Kreisarbeiterfest in Steinberg, straft diese Gesellschaft mit Verachtung, glänzet durch Abwesenheit!“ Trotzdem diese gehässige Aufforderung von Neid und schmutziger Gesinnung dikttert ist, kann unser Festausschuß Hirscheln dafür nur dankbar sein; denn Leute, die sich von seinem Schimpforgan Anweisung geben lassen, gehören erfahrungsgemäß zu denjenigen Elementen, mit denen anständige Leute gerne den Verkehr meiden. Bei uns soll's nicht zugehen, wie auf vielen Krieger vereinsfesten. Sollte jene Sorte Menschen in einzelnen Exemplaren in Watzen⸗ born⸗Steinberg und Umgebung vorhanden sein, würden wir es allerdings bedauern, wir be⸗ zweifeln es aber. Aus dem RNreise Alsfesd⸗Cauterbach r. Ein Kreiskransenhaus soll nach dem jüngst gefaßten Beschlusse des Kreisausschusses in Als⸗ feld errichtet werden. Das war allerdings schon längst ein sehr dringendes Bedürfnis und es war wirklich die höchste Zeit, daß endlich zur Beseitigung der durch den Mangel eines Krankenhauses verursachten Mißstände ein Schritt getan wurde. — Der Wahl verein Alsfeld unternimmt am Sonntag, den 26. Juni einen Ausflug per Wagen nach Groß⸗Felda. Abfahrt 11 Uhr vormittags von der Romroderstraße. Recht zahlreiche Beteiligung ist er⸗ wünscht. Näheres über Kosten usw. erfahren die Ge⸗ nossen bei dem Vertrauensmann Eder. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Vergnügen der Besitzenden. Das Gardon⸗Bennet⸗Automobil⸗Rennen, über das schon wochenlang die Zeitungen spaltenlange Abhand⸗ lungen bringen, regen auch einen Teil der Wetzlarer Einwohner auf. Zahlreiche Leute, die sich's leist n können strömen nach der Rennstrecke, wie die Spanier zu den Stiergefechten. Wer weiß, wie mancher den Hals dabei bricht. Aus Weilburg wird bereits ein schwerer Unfall vom Donnerstag gemeldet. Ein Automobil habe sich überschlagen und die Insassen, ein ausländischer Baron hat den Rücken gebrochen und auch die beiden andern sind schwer verletzt. h. Wiederein Bergmann verunglückt. Am Donnerstag stürzte der Bergmann Heinrich Will aus Nauborn auf der Grube„Amanda“ bei Nauborn in den Schacht und war sofort tot. Der Arme fiel in der Blüte seines Lebens als Opfer der Arbeit; er war erst 33 Jahre alt. Frau und zwei Kinder betrauern den Verlust ihres Ernährers. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Der Reichsverband gegen die internationale revolutionäre Sozialdemokratie sucht auch in Marburg Mitglieder zu fangen. Von der Geschäftsstelle in Berlin werden daher dreiteilige Postkarten versendet, worauf das ganze Programm mit zahlreichen Druckfehlern abgedruckt ist. Da meistens nur Beamte und Leute, die aus irgendwelchen Gründen zur So⸗ zialistenbekämpfung verpflichtet sind, die Karten erhalten haben, so kann wohl eine Filiale der neuen Gründung zu stande kommen. Nun von der Sorte ist allerdings schon genug vorhanden und es kommt auf ein Vereinchen mehr oder weniger nicht an. Wie in der„Oberhess. Ztg.“ zu lesen ist, hätte ein Marburger Akademiker die Werbung mit folgendem kräftigen Fußtritt abgewiesen: „Ich muß die unerhörte Zumutung eines Beitritts zu dieser schmählichen und Deutschland zur Schmach ge⸗ reichenden Gründung als für einen akademisch Gebilde⸗ ten beleidigend zurückgewiesen. Die Scozialdemokratie steht geistig wie sittlich unendlich hoch über dem Ge⸗ dankenniveau dieses„Reichsverbandes“. Die Bekämpfung des dummen abgeschmackten„nationalen“ Partikularis⸗ mus ist vielmehr ein schöner idealistischer Zug, der der Sozialdemokratie alle Eyre macht. Ich bitte daher, mich von der Verdächtigung in etwaiger„nationaler“ Ge⸗ sinnung im Sinne des Reichsverbandes auszunehmen und mich nicht weiter mit Zusendungen zu behelligen.“ Recht so! r. Zur Maureraussperrung ist zu be⸗ richten: Von den 185 Maurerarbeitern als Streikbrecher 15. Abgereist sind 135 Mann, so daß noch 30 aus⸗ gesperrte Maurer zu unterstützen sind. Diese Zahlen seien hiermit angegeben, den Berichten der Hess. Lan⸗ des⸗Zeitung gegenüber, welche schrieb, daß 87 Arbeits⸗ willige arbeiteten. Der Polizeibehörde, welche derartige Berichte der Hess. Landes⸗Zeitung liefert, möchten wir doch raten, etwas genauer zu zählen. Nach einem andern Berichte derselben Zeitung sollte ein Straßenauflauf stattgefunden haben, wobet 3 Streikende notiert worden seien. Diese Angaben sind durchaus falsch; die Sache verhält sich folgendermaßen: Bauunternebmer Groth hatte 5 Arbeitswillige nach Marburg gelockt, die er abends mit seinem Sohne und einem Polizeimonn nach Hause brachte. Unterwegs gesellten sich ca. 10 Ausgesperrte zu der Truppe, welche die Leute über ihr unschönes Verhalten aufklären wollten. Groth bedrohte sie mit dem Stocke, wodurch die Straßenpassanten stehen blieben und ein sogenannter„Auflauf“ entstand. Der Polizeibeamte ermahnte die Ausgesperrten, sie möchten doch nach Hause gehen. Dies wurde denn auch befolgt und so ging der„Auflauf“ auseinander, und Herr Groth wartete, bis seine Leute ins Bett gingen, damit die Ausgesperrten nicht doch noch einmal mit ihnen zusammen kämen.— Bet diesem„Auflauf“ ist auch nicht ein einziger notiert worden. Ueberhaupt hatte die Pollzei bis jetzt noch keine Ursache, gegen die Ausgesperrten einzuschreiten, da sie sich keinerlei Verstöße zu schulden kommen ließen. e. Die Transportarbeiter⸗Versam m⸗ lung, die am Sonntag im Lokale Jesberg stattfand, hatte einen verhältn'smäßig guten Besuch aufzuweisen, trotzdem um diese Jahreszeit der Sonntag Abend keines⸗ wegs als geeignete Versammlungszeit erscheint. Genosse Habicht⸗Frankfurt setzte den Erschienenen ausein⸗ ander, wie notwendig für die Fuhrleute, Kutscher, Packer usw. der gewerkschaftliche Zusammenschluß seien. Er wies ferner auf die Vorteile hin, welche in allen Berufen durch die Gewerkschaften erreicht worden sei. Doch es sei noch vieles zu tun; jeder Einzelne müsse mitarbeiten an der Besserung der Arbeitsverhältnisse und die kleinen Opfer nicht scheuen, die dazu von ihm gefordert werden. Fünfzehn Mann traten dem Verbande bei und hoffent⸗ lich folgen bald weitere. — Nach Steinberg! Abfahrt der sich an dem Gießener Kreisfest beteiligenden Genossen Sonntag, 9 Uhr vorm, vom Hauptbahnhof.(Der Zug 11.06 ab Hauptbhf. reicht auch noch für diejenigen, welche den früheren nicht benutzen können. D. R.) r. Kameradschaftlich? Als diese Woche der frühere Stadtdiener Sch. beerdigt wurde, gab es ein allgemeines Aufsehen in Marburg, weil außer dem Geistlichen und nächsten Angehörigen kein Mensch mit zur Beerdigung ging, trotzdem Sch. die Feldzüge von 1866 und 70 mitgemacht hatte. Am allermeisten fiel es auf, daß nicht einmal seine Kriegskameraden ihm das letzte Geleit gaben. Dies gab auch dem Geistlichen Veranlassung, in seiner Grabrede auf diese beschämende Kameradschaftlichkeit zurückzukommen.— Ein ähnlicher Fall passierte schon vor einigen Wochen. Als damals der Schlossermeister W. beerdigt wurde, hielt es der Kriegerverein nicht der Mühe wert mit zur Beerdigung zu gehen. Die beiden Verstorbenen waren allerdings nur geringe Leute, sie gehörten nicht den„besseren Kreisen“ an, haben sich aber ehrlich durch die Welt ge⸗ schlagen, das kann aber doch kein Grund sein für das Verhalten der Krieger. Oder wird bei ihnen jeder nach seinem Besitz geehrt?. i Ein Kind auf den Bahnschiene n. Am vorigen Freitag bemerkte der Lokomotivführer ein es Zuges, der Gießen eben in der Richtung nach Lollar verlassen hatte, ein kleines Kind auf den Schienen. Er konnte den Zug noch zum Stehen bringen und so das Kind vor dem sichern Tode retten. Aus dem Gerichtssaale. Eine rohe Tat. Der 35jährige Fabrik⸗ arbeiter Andres aus Sausenheim bet Mainz hatte in einer Wirtschaft zu Worms aus reinem Uebermut seinem gleichalterigen Freunde, dem Dienstknecht Mayer, mit einem Messer das linke Ohr abgeschnitten und auf den Boden geworfen. Der Mißhandelte ist für sein ganzes Leben entstellt; auch das Hörvermögen hat not⸗ gelitten. Das Schwurgericht in Mainz verurteilte den Angeklagten, dem die Ge⸗ schworenen mildernde Umstände versagten, zu 2½ Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.— Vor dem Frankfurter Schwurgericht wurde aufangs der Woche gegen den städtischen Vollziehungsbeamten Heinrich Wagner wegen Unterschlagung verhandelt. Wagner hatte mit seinem Freunde Scheldt, der Bureauvorsteher einer städtischen Steuerzahlstelle war, gemeinsame Sache gemacht und ca. 5600 Mk. amtliche Gelder unterschlagen. Im März d. Js. wurden die Unterschleife ent⸗ deckt, Scheldt tötete sich durch einen Revolverschuß, während Wagner flüchtig ging, aber bald er⸗ wischt und verhaftet wurde. Er erhält nur 1 Jahr Gefängnis. Mordtaten. In Berlin wurden kurz hintereinander zwei schrecklich verstümmelte weibliche Körper im Kanal auf⸗ gefunden. Man ist den Tätern auf der Spur.— In Darmstadt wurde am hellen Tage auf der Straße der Rentner Döring ermodert. Die Polizei hat auf Ermittelung des Täters eine Belohnung aus⸗ gesetzt.— Vorige Woche wurde in Lorsch(Bergstraße) der Polizeidiener Schneller erschossen. Als Täter sind ein gewisser Rosenberg, ferner die beiden Bürstädter Burschen Berg und Brückmann verhaftet. Ein entsetzliches Brandunglück hat sich im New⸗Yorker Hafen ereignet. Dort ist am Mittwoch Vormittag der mit etwa 1500 Menschen besetzte Vergnügungsdampfer„General Slocum“ vollständig verbrannt. 600 Personen, meist Kinder und Frauen sind umgekommen. Den Dampfer hatte die evangelische Markus⸗Gemeinde zu einem Ausfluge für ihre Sonntagsschule gemietet. Man fuhr mit ca. 1000 Kindern und 500 Erwachsenen in der Richtung nach Locust Grove am Long Islander Sunde. Die Gesellschaft war in fröhlichster Stimmung als unweit der bekannten Hellgate⸗Untiefen an der Einfahrt des Long Islander Sundes plötzlich der Ruf Feuer ertönte. Der große Dampfer war tatsächlich in Flammen und es entspann sich nun eine gräßliche Panik, bei der Hunderte von Menschen teils durch die Flammen zu Grunde gingen, teils sich verzweifelt ins Meer stürzten. Die Zahl der Toten wird auf 1200 angegeben. Partei-Uachrichten. Den parlamentarischen Bericht an den Parteitag in Bremen hat unsere Reichstagsfraktion dem Abgeordneten Genossen Ledebour übertragen. Versammlungskalender. Samstag, den 18. Juni. Gießen. Wahl verein, Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. T. O.: Pol. Wochenschau Ref. Vetters Montag, den 20 Juni. Marburg. Schuhmacher, Abends 9 Uhr Ver sammlung bei Hillberger. Samstag, den 28. Juni. Marburg. Wahl verein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Jesberg. Zahlreich erscheinen! Briefkasten. Berichte aus Wetzlar, Marburg, Alsfeld, Dillen⸗ burg ꝛc. mußten leider zurückgestellt werden. Seite 6. Mitteldentsche Sountaags⸗Zeitung. Nr. 25. „Lächerlich.“ Von Emilia Alciati⸗Marabin i.(Deutsc) von G. M. Michels.“) Liebe Peppina! Die Lektüre Deines so naiv offenherzigen Briefchens hat mich zum Lachen gebracht, zu⸗ Asch aber habe ich mich auch darüber geärgert. lso ste sind doch immer dieselben, diese Männer, immer dieselben, selbst wenn es aussteht, als müßten sie sich nun endlich einmal freigemacht haben von all den Kleinkrämereien, all den Vorurteilen, die sie in ihrem Hochmut, ihrem Dünkel nur noch aufgeblasener und alberner machen. Dein Mann hat Dir also klipp und klar gesagt, daß er in die Versammlungen mit Dir nicht gehen will. Und ich, die ich ihn doch immer für einen unserer eifrigsten, überzeugtesten Genossen gehalten hatte! Ach, du großer Gott, manchmal glaubt man wirklich rein an der Zukunft verzweifeln zu müssen. Untersuchen wir mal die Sache. Was ist denn eigentlich der großartige Grund dafür, daß Du Dich allein zu Hause langweilen oder ar zu Bette gehen sollst, während er in den Berein geht?„Weil“, so schreibst Du mir,„er sich vor seinen Freunden nicht lächerlich machen will.“— Lächerlich! Aber hat er denn wirklich das gesagt? Und war er, wirklich er es, der in jenem Augenblick sprach?— Aber es muß schon wahr sein; denn er hat Dich niemals auch nur zu einem Vortrag begleitet, er hat niemals mit Dir von seinen politischen An⸗ sichten gesprochen, und nun, wo Du durch mich zum Sozialismus bekehrt worden bist, nun, wo Du auf meine Bitten hin hören und lernen möchtest, und sein Leben, unser Leben, ganz mitleben, jetzt jagt er Dich kurzerhand, gänzlich ungerechtfertigt, in die Einsamkeit, vielleicht auch in die Gleichgültigkeit, wenn nicht gar in Deine alten Zweifel zurück. Er hat unrecht, und sobald ich ihn sehe, werde ich es ihm auch sagen. Ja, wenn Du im Hause nicht ebenso Deine Pflicht tätest wie er in der Fabrik, dann ließe ich's noch gelten; Du hast noch keine Kinber, die Deine Pflege verlangen, und wenn Du welche hättest, so würde er sicherlich nicht nötig haben, Dich an Deine Pflicht zu erinnern. Du bist doch ein aufmerksames, geschäftiges, sorgfältiges Frau⸗ chen; was will er also mehr? Wie kann er von dem Pllichtbewußtsein durchdrungen sein, daß er für seine Erlösung und die seiner Arbeitsgenossen kämpfen müsse, und dann Dir nicht dos gleiche Recht zuge⸗ stehen? Wie kann er nach der wahren, der völligen Freiheit trachten, wenn er sich selbst zu Hause dem Wesen gegenüber, das ihm am teuersten ist, zum Werkzeug blinder, unver⸗ nünstiger Bedrückung macht? Aceh, wenn schon die, welche unter uns als die gewissenhaftesten gelten, sich im Familien⸗ kreis so betragen, was werden dann erst die andern tun?„Lächerlich“?! Das traurige Wort kommt mir in den Sinit, und leider klingt es mir nicht neu. Du weißt, Ezio und ich, wir sind immer aber auch immer zusammen. Zusammen im Hause, zusammen auf langen, langen Spaziergängen, zusammen bei der Agi⸗ tation, zusammen im sozialdemokratischen Klub. Wir sind so glücklich in dieser Gesellschaft, die uns ans Herz gewachsen ist, wir ergänzen uns gegenseitig. Ich finde, wir sind wirklich zu beneiden. Nun also ist es mir manchmal leider so vorgekommen, als überraschte ich auf den Lippen des Genossen ein halb mitleidiges, halb ver⸗ ächtliches Lächeln. Dann war es mir, als zöge sich mir das Herz zusammen, als erstarrte plötzlich all mein Enthusiasmus zu Eis, und als würde meine Kräfte gelähmt. Aber an Ezios Seite! An seiner Seite können diese Momente der Trostlosigkeit nicht lange stand⸗ halten, ich blicke ihn an und die Zuversicht wächst immer nur noch kräftiger wieder empor. * Aus der bald nach ihrem früb zeitigen Tode von ihrem Gatten, dem Rechtsanwalt Czio Marabini heraus⸗ gegebenen Sammlung ihrer Schriften, betitelt„Pro pa⸗ ganda“(Rom 1898). Welch innere Befriedigung fühlen wir nicht, wenn wir beide ganz allein dorthin gehen, wo das Elend am greifbarsten ist, draußen vor den Toren, in Gäßchen, die nicht einmal einen Meter breit sind, um ein Wort des Trostes zu spenden und die Hoffnung als eine Stütze all den Verwahrlosten zu bieten, die in Stumpf⸗ sinn vertieren! Und Dir will man all das vorenthalten? Nein, Du darfst es nicht zulassen, daß das ge⸗ schieht. Du liebst Deinen guten Alessandro, und er liebt Dich. Kränke ihn nicht, aber sieh zu, daß Du ihm ganz allmählich im Guten die Ueberzeugung beibringst, daß er sich gegen Dich beträgt, wie er es nicht tun sollte. Gib ihm so ganz lang⸗ sam zu verstehen, daß Du nicht mehr so ein Alltagsweibchen wie all die vielen andern bist, die sich nur beim Klatschen und Lottospielen“ begeistern, sondern daß Du ein echtes, rechtes Frauchen geworden bist. Du sollst sehen, das wird wie eine Offen- barung für ihn sein. Und er wird Dich mit immer wachsendem Interesse anhören; ohne darüber nachzudenken, wird er Dich bei jeder Sache zu Rate ziehen, Du wirst ihm unent⸗ behrlich werden, und schließlich wirst Du noch hören, wie er als erster zu Dir sagt:„Gehen wir heute abend zusammen? Es ist eine Ver⸗ sammlung im Klub.“ Denn er wird unversehens dahin gekommen sein, daß er begreift, daß„lächerlich“ wirklich doch nur diejenigen sind, welche ein Ding sagen und ein anderes tun;—„lächerlich“ sind die, welche den Sozialismus mit großer Geschwätzig⸗ keit in den Sitzungen oder den Versammlungen verteidigen und ihn doch in der Tat bekämpfen, indem sie der Propaganda Kräfte und Gemüter entziehen;—„lächerlich“ müssen alle die⸗ jenigen genannt werden, welche nicht voll und ganz den Mut der Meinungen haben, die ste zu bekennen behaupten, indem sie ste doch zu Hause aus falschem Opportunismus verbergen; —„lächerlich“ sind diejenigen, welche in den Reihen der Sozialisten streiten und doch die Frau für ein Wesen halten, dem sie genug zu sein glauben, wenn sie ihm Gelegenheit geben, Kinder zu kriegen;—„lächerlich“ und schlimmer noch sind diejenigen, welche zu uns gekommen sind, um jeden Egoismus zu bekämpfen, und dann in sich selbst nicht den allerungerecht⸗ fertigsten, den allerunvernünftigsten Egoismus zu bezwingen verstehen. Dein ist die Aufgabe, Peppina, alles dieses Deinem Lebensgefährten auf liebevolle Weise klarzumachen. Er selbst wird es Dir danken, und auch wir werden Dir dankbar dafür sein. (Aus der„Gleichheit“.) Emilia. 4 1 „ Kuterhaltungs-Creil. ————ů—ů—ů— Auf der Wanderschast. Erzählung von Robert Schweichel. 3(Fortsetzung) „Nein, nein, wir flüchten vor dem Ungeheuer, das uns aus dem Abgrund die Zähne entgegen⸗ fletscht“, rief Irma Schäfer mit verstellter Angst. Hans lachte. Sie fiel ein, und dann fragte ste:„Sie meinen wohl, daß wir uns unter Ihrem Schutze vor Drachen nicht zu fürchten brauchen?“ „Ja, das meine ich“, erwiderte er nach— drücklich. Sie fuhr fort, ihn als Ritter Georg zu necken, und er verteidigte sich, so gut er konnte. Sie war geistig gewandter als er. Es freute * Das Lotto(Lotterie)spielen ist ein in Italien weit⸗ verbreitetes Laster, das jährlich gerade der Arbeiterklasse viele Tausende verschlingt. Es wird von den italienischen Parteigenossen natürlich auf das schärfste getadelt, und der„Avanti“ bringt die gezogenen Nummern stets mit der Ueberschrift:„Die Steuer für die Dummköpfe.“ * 8 ihn, und so verfolgten sie den beg zun Georgs⸗ ü höhe durch die Buchenwaldung, aufgenommen hatte. Fräulein Julie hörte nur u. Nur einmal sagte sie tiefaufatmend, indem ie stehen blieb:„Ach, in dieser köstlich reinen Wald⸗ und Bergluft, da muß der Mensch ge⸗ sunden!“ Ein feines Rot zeigte sich auf ihren bara Wangen. Langsam folgte sie den An⸗ eren. 1770 g Eine muntere Gesellschaft kam ihnen entgegen. Auf der rings von Wald umschlossenen Georgshöhe fanden ste Niemand. Die Lage der kleinen Wirtschaft mit dem steinernen Aus⸗ sichtsturm war so malerisch, daß Fräulein Irma sie zu skizzieren beschloß. Sie suͤchte sich einen geeigneten Standpunkt, streifte ihren Rucksack ab und suchte daraus ihr Skizzenbuch hervor. „Steigt nur hinauf; sobald ich fertig bin, komme ich nach,“ ersuchte sie die Freundin. Aber sie kam nicht, und als Fräulein Mohr und Gruber von der Plattform des Turms nter kamen, saß sie noch unter einer mächtigen Buche im Grase, hatte das Heft auf den hochgezogenen Knieen und strichelte eifrig. Sie ließ sich in ihrer Arbeit nicht stören. Fräulein Julie setzte sich zu ihr in's Gras und sah ihr zu. Hans hielt sich in seiner Eigenschaft als Führer etwas bet Seite, stützte sich rückwärts auf seinen Stock und seine Blicke hefteten sich auf ihre fleißigen Hände, von denen sie die Handschuhe abgezogen hatte.„Wie weiß stie sind! Wie klein und doch kräftig“, dachte er, und er war in deren Anblick so versunken, daß er zusammenschrak, als die Zeichnerin nach ein paar Minuten ihr Skizzenheft zuschlug und Miene machte, es in den Rucksack zu stecken.„Oh“, rief er un⸗ willkürlich. „Es ist wahr“, rief sie,„Sie haben ein Anrecht darauf, das Bild zu sehen. Ist es doch gewissermaßen ein Diebstahl an ihrer Heimat“. Sie reichte ihm das Buch und lächelte zu der Aufmerksamkeit, mit der er die Zeichnug lange betrachtete.„Nun?“ fragte sie endlich. „Es gefällt mir; Sie haben einen guten Blick und eine sichere Hand“, sagte er und gab ihr das Buch mit innerem Widerstreben zurück. Denn er hätte gern auch die anderen Zeichnungen und Skizzen darin besehen.„Sie sind also eine Künstlerin, eine Malerin?“ „Ach Gott nein,“ erwiderte sie mit einen kleinen Seufzer und tat das Buch weg. Als sie sich erhob, sprang er eifrig hinzu und half ihr, den Rucksack über die Schultern nehmen, und dann bückte er sich nach ihrem Bergstock und reichte ihn ihr hin. Sie dankte mit einem freundlichen Neigen des Kopfes.„Mich zur Malerin ausbilden zu lassen, dazu reichten die Mittel nicht und, wie ich glaube, auch mein Talent nicht, und so ist's gut. Ich kann mir nichts Trostloseres vorstellen als einen Künstler ohne hinlängliche Begabung. Ich will garnicht reden von den Seelenqualen seines vergeblichen Ringens, sich selbst zu genügen. Sehen Sie, da sind die jährlichen Kunstausstellungen und die permanenten der Kunstvereine und der Kunst⸗ händler mit ihren vielen tausend Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, aber wie wenige davon finden einen Käufer. Und es sind doch immer die hervorragenden und besseren Leistungen, welche zu den Ausstellungen zugelassen werden. Was wird aus den anderen, deren vielleicht dreimal so viel sind? Sie werden für ein Butterbrot verkauft, oder verstauben in den Ateliers, und die Schöpfer führen ein elendes, proletarisches Dasein. Sollte ich ihre Zahl noch um meine Wenigkeit vermehren? Da ist es doch besser, da wir Mädchen ohne Vermögen heute doch irgend ein Gewerbe um des Brot⸗ erwerbes willen ergreifen müssen, als Zeichen⸗ und Turnlehrerin an einer Schule sich durchzu⸗ schlagen. Reizend ist ja das gerade auch nicht.“ So sprechend, hatte sie mit den Andern den Turm hinter sich gelassen, ohne darauf zu achten. Jetzt fiel es ihr ein, daß sie ihn noch besteigen wollte. e ste wieder Sie sah zurück und lachte. Aber noch einmal umkehren? Nein! Schon um der körperlich schwächeren Freundin willen nicht. Ihr Lachen scheuchte Haus aus seinem N e 1 1 Nachdenken auf, und er sagte im Weitergehen „Ja, wenn man in die Tiefe sieht, da haben 0 —::.. 2 Sb . berpesten und Nr. 25. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. die Dinge ein anderes Aussehen. Es braucht eine eiserne Tatkraft, um sich hinaufzuarbeiten. Ja, Fräulein! Wenn man den Harz sso vor sich sieht mit seinen Tannen⸗ und Laubwäldern im Sonnenlicht, dann ahnt man auch nicht, wie viel Armut, Not und Elend unter der grünen Decke schafft, sorgt, ringt und ver⸗ zweifelt. Da find die Erzgruben, die Poch⸗ und Waschwerke, die das Gestein zerstampfen und reinigen, die Scheidehütten, die mit ihren giftigen Dämpfen die Luft und die Arbeiter nraffen, und zuletzt die Eisen⸗ hämmer, deren hohe Schornsteine Sie bei Ihrer Ankunft in Thale wohl draußen haben qualmen sehen. Sie alle brauchen Holz und Kohlen. Die schlanken Stämme sinken unter der Axt der Holzhauer, die sie Winters mit Lebensge⸗ fahr zu Tal schaffen, wo sie die Mühlen zu Brettern und Parquetplatten zersägen und ste zu Papiermehl zerreiben. Anderwärts wieder werden sie zu Schindeln gespalten und zu jenen Millionen und aber Milliouen Stäbchen, wie sie die Zündhölzchen⸗Fabriken brauchen. Die Kohlenmeiler dampfen im Walde, der Besen⸗ binder stiehlt ihm seine Reiser, der Harzkratzer kratzt den Bäumen das Harz aus, so daß sie absterben und verdorren. Da hocken in den ütten Männer, Weiber und Kinder und machen isten, Siebe, Salzfässer und schnitzeln Nudel⸗ rollen, Quirle, Löffel, Teller, Schalen. Was meinen Sie wohl, wie es da ausschaut in dem grünen Wald, wo die Finken so lustig schlagen? Dasselbe Arbeiterelend hier wie draußen in den Städten. Das Herz aber wendet sich Einem vor Jammer um, wenn man durch die Dörfer wandert, wo Haus bei Haus Väter, Mütter und Kinder das hölzerne Spielzeug schnitzeln und bemalen, das in alle Welt, bis über den Ozean hinausgeht. Und wer anders ist es, der all das Elend verschuldet, als das Kapital, das sich diesen Tausenden von Unglücklichen gegenüber in nur wenigen Händen befiadet?“ „Aber das ist nun einmal die Folge natür⸗ licher Entwickelung und nicht zu ändern,“ sprach Fräulein Julie mit lehrhaftem Tone.„Nur durch Wohltaten kann man hier lindernd ein⸗ greifen, und es fließen ja auch zu diesem Zwecke jährlich viele Millionen aus den Taschen der Wohlhabenden und Reichen.“ „Wohltaten! Wohltaten!“ rief Gruber bitter.„Aber die Arbeiter wollen keine Wohl⸗ taten. Man soll ihnen nicht erst die Millionen abpressen, um ihnen nachher einige Tropsen davon als Wohltalen wieder zukommen zu lassen. Eine natürliche Entwicklung nennen Sie das? Gut! Aber diese Entwickelung führt zum Verderb und Ruin von Millionen und schließ⸗ lich Aller, und darum muß ihr Einhalt getan, sie in eine gesunde Richtung geleitet werden.“ „Da bin ich begierig, wie das bewerkstelligt werden soll. Wohl durch die Irrlehren der Sozialdemokratie?“ fragte Fräulein Julie iro⸗ nisch.„Nun ich hoffe, daß sie und ihre Utopien nicht in das Gebirge eindringen werden.“ „Wenn Sie ihre Hoffnung nur nicht täu⸗ schen, Fräulein. Ich fürchte um Ihretwillen, daß es so ist. Ueberall, wo die Arbeiter über ihre Lage nachzudenken beginnen, da lauschen fle begierig diesen Irrlehren, die ihnen Erlösung zeigen. Sie würden wohl nicht von Irrlehren sprechen, wenn Sie die Schriften der Sozialisten gelesen hätten. Und sind das Utopien, wenn die Arbeiter sich organisieren und vereinigen um zu derjenigen politischen Macht zu gelangen, deren sie bedürfen, um das Elend der Lohn⸗ sklaverei durch Aufhebung des persönlichen Eigentums aus der Welt zu schaffen? Eine Utopie, wenn sie ihre ganze Kraft daran setzen, um dereinst als wahrhaft freie Menschen ihr Antlitz erheben zu können? Lesen Sie die Schriften von Lasalle, Marx, wenn Sie sie noch nicht gelesen haben, und Sie werden anders urteilen.“ „Der Zufall hat uns also einen fanatischen Sozialdemokraten zum Führer bescheert,“ äußerte Fräulein Mohr gedehnt.„Das ist, wenn nichts Anderes, so doch interessant. Und haben Sie denn die Werke der Männer gelesen, die Sie nannten? Sie verzeihen die Frage.“ Hans wurde duntelrot; jedoch antwortete er ruhig:„Ja, ich habe sie gelesen und lese sie noch. Als ich Geselle geworden war, fing ich nach Feierabend damit an. Das war ein hart Stück Arbeit; denn ich war ein ungeschulter Kopf. Aber ich ließ nicht eher locker, als bis ch verstanden hatte, was ich las; oft quälte ch mich die ganze Nacht hindurch. (Fortsetzung folgt.) Allerlei. Ein modernes Schulgebet teilt das Organ der bernischen Lehrerschaft mit; es lautet: „Wir wollen uns ernsthaft zusammennehmen, Damit der Lehrer sich nicht braucht zu grämen, Wir wollen nicht schwatzen, nicht I 1 achen, Noch auf den Boden werfen die Sachen. Wir wollen uns aufmerksam, fleißig zeigen, Zum Sprechen aufgefordert, nicht schweigen, Und überhaupt Alle so aufführen heut', Daß Eltern und Lehrer es herzlich freut!“ Dieses Gebet ist jedenfalls vernünftiger und pädagogischer, als das sonst übliche gedanken⸗ lose Ableiern konfessioneneller Gebete in den Schulen. Litterarisches „Die verschiedenen Formen des Wirt⸗ schaftslebens“. Ein Vortrag, gehalten vor Berliner Arbeitern von Eduard Bernstein. In gemeinverständ⸗ licher Weise gibt der Verfasser ein Gesamtbild der Wirt⸗ schaftsgeschichte der Menschheit. Er stellt dar: Die Wirtschaft der Urvölker.— Die Wirtschaft der Nomaden⸗ völker.— Das Aufkommen der Stadt.— Die Wirt⸗ schaft der alten Kulturnationen—, der Feudalzeit—, des aufkommenden Kapitalismus—, des entwickelten Kapitalismus.— Die Keime der sozialistischen Wirt⸗ schaft.— Die Broschüre schildert, wie mit der raschen Entwicklung des modernen Kapitalismus auch die Zahl der Arbeiter beständig wächst, die sich zu Gewerkschaften zusammenschließen, um ihre Interessen im moderner Wirtschaftsleben zu wahren. Der Vortrag ist dahen geeignet, die Aufklärungs⸗ und Organisa⸗ tionsbestre bungen unsrer Gewerkschaften wesent⸗ lich zu fördern und zu unterstützen. Der Preis ist 50 Pfennig. Zur Verbreitung in Gewerkschafts⸗ und Par⸗ teikreisen hat der Verlag eine Agitationsausgabe zu 20 Pfennig hergestellt. Unsere Parteibuchhandlungen und Parteikolporteure liefern die Broschüre. Splitter. Kein Mensch ist unersetzbar, Wie hoch man ihn auch hebt, Doch jeder uns unschätzbar, Der so für uns gelebt, Daß, wie er uns entrissen, Wir schmerzlich ihn vermissen. Bodenstedt. * 15* Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten, sie lernen schon in jungen Jahren die Leiden des Tyrannen kennen. M. v. Ebner⸗Eschenbach. 4* * Es gibt nur eine Lebensweisheit, so tausend⸗ fach auch ihre Schulen sind, und ihr Name ist Standhaftigkeit.. 0 Bulwer. * Die Arbeit predigst du— und stehst in ihrem Zwange? Ach! Arbeit adelt nur, wächst sie aus freiem Hange. Die Arbeit ist ein Fluch, so nicht in ihre Stunden Des Menschen letzte Lust und Hoheit liegt verwunden. O. E. Hartleben. Humoristisches. Die Hauptsache. Leutnant v. Dummsdorf: Is ja jräßlich! Junge Dame in Petersburg Zaren bei Parade ermorden wollen!— Leutnant v. Blödwitz: Pfui, wie jemein! Nich mal Parade mehr heilig! Und noch dazu bei Damens! Sind aber bloß Witz⸗ blätter dran schuld— bloß die verdammten Witzblätter! Unterjraben Respekt vor Militär! Selbsterkenntnis. v. Itzeplitz: Herrenhaus⸗ reden waren erfrischender Luftzug in dieser öden Zeit. v. Quitzenhausen: Jewiß! Speziell hat Freund Klitzing recht, der sagte, daß Leute bom Lande nur aus Lüderlichkeit nach der Stadt jehen! v. Itzenplitz: Janz meine Meinung— spreche darin aus eijener Erfahrung. Befürchtung.„Was, in den Krieg nach Afrika willste, wo du dich erst mit meiner Tochter verlobt hast?“ „Ja, ich fürcht' halt, daß ich sonst in den drei Militärjahren mein Handwerk als Metz ger veclernen könnte.“(Wahr. Jakob.) Die schwarzen Vögel. Berichtet wird, daß Krähen sich und Raben Sehr stark vermehrt im ganzen Reiche haben Und daß sie viel des jungen Wilds verzehren. Sehr glaublich das, jedoch kein Grund zum Heulen; Es werden auch die Uhus und die Eulen In nächster Zeit sich schauderhaft vermehren. Die Reaktion auf ihrem Siegeszuge War stets begleitet noch von ihrem Fluge— Sie schwärmten lustig über Tal und Hügel; Seit wir uns auch so gut mit Rom vertragen, Sieht wohl entgegen schönen, goldnen Tagen Im deutschen Reich das Raub⸗ und Aasgeflügel. (Wahrer Jakob.) Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 14. Juni: Butter per Pfund Mk. 1,00— 1,15, Hühnereier 1 St. 5—6 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00— 7,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 9—12 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 7,00— 10,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,30—1,40 Mk, Hahnen per St. 0,80— 1,70 Mk., Enten per St. 1,77 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 70 Pfg. — Empfehlenswerte sozialistische Schriften Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: (Bei kleineren Bestellungen von außerhalb wird ge⸗ beten, den Betrag nebst Porto— event. in Briefmarken — gleich beizufügen. Adresse: Expedition der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung Gießen.) Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg. komplett in 50 Heften. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Grundsätze und Forderunen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen! Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon; Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe.) Kommunale Praxis, Zeitschrift für Kommu⸗ nalpolitik und Gemeindesozialismus. Herausgegeben von Dr. Albert Südekum⸗Berlin. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats mindestens 12 Seiten stark, Das Abonnement ist allen denen zu empfehlen, die sich für die wichtigen Fragen des Gemeindelebens interessieren. Probenummern versendet gänzlich kostenlos der„Verlag der Kommunalen Praxis, Berlin W 15“. Illu⸗ — —— ö——— —— —— — Seite 8. Mitteldeutsche Sonntaas⸗Zeitung. No. 25. Der grosse Schuhwaren⸗ Ausverkauf ee 4 mens Es versäume niemand diese günstige Kaufgelegenheit! Mur la. Waren. Keine Gelegenheitskäufe. Marktstr. 9. L.. S uss. Wettergasse. ————ů—ß— 5——— fla. 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