en) T feen stgsetel sanselle len, 7 0 eitel. 10 f prices . 9250 bung 1 Nr. 3. Gießen, den 17. Januar 1904. 11. Jahrg. in der modernen Geschichte dastehen. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche gs⸗Jeitu Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr ig Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und, die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33 ¼0% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Jnserate Die 5gespalt. Bei mindesten s „Unparteilichkeit.“ Die angeblich„unpartetische“ Berliner Scherl⸗ Presse, wie Lokal⸗Anzeiger, Tag usw. hatten sich vor Weihnachten an die„wissenschaftlichen Führer der Menschheit“ gewandt mit der Bitte, ihnen zu ihrer, der Scherl⸗Presse, wirksamen Reklame ihre Ansichten über das zwanzigste Jahrhundert mitzuteilen, in das wir seit drei Jahren eingetreten sind. Die„Unparteiischen“ hatten sich auch an den englischen Gelehrten Alfred Russell Wal⸗ lace gewendet. Dieser sandte auch einige Sei⸗ ten ein, die aber nicht veröffentlicht wurden, wiewohl der Genannte als Mitbe⸗ gründer der Entwicklungsteorie internationalen Ruf hat, als Reklame⸗Vorspann also sehr nütz⸗ lich zu verwenden ist. Weshalb die Zurückweisung? Die Antwort giebt der Artikel Wallaces, der folgenden Wort⸗ laut hatte: Aussichten und Hoffnungen auf die nächste Zukunft. Ich erwarte keine großen politischen Und sozialen Aenderungen vom nächsten Jahre, wohl aber hoffe und glaube ich, daß die große Bewegung unter den Arbeitern zugunsten einer bernünftigeren und gerechteren Regierungs⸗ weise und sozialen Organisation weiter wachsen wird, wie sie in den fortgeschritten eren Ländern, besonders in Deutschland und Frankreich, die Arbeiterbewegung hinreichend machtvoll werden wird, um der Reaktion Trotz zu bieten, und auch imstande zu sein, eine Gesetzgebung einzuleiten und vielleicht durchzusetzen, um die persönliche Freiheit auszudehnen und den mili⸗ tärischen Ausgaben Einhalt zu gebieten. Ich glaube, daß dieselbe Bewegung bestimmt ist, im zwanzigsten Jahrhundert große und wohltuende Resultate zu erzielen. Die Ereig⸗ nisse der letzten Jahre mußten alle fortgeschrit⸗ tenen Denker überzeugen, daß es vergeblich ist, von den gegenwärtigen Regierungen der großen zibllistierten Länder irgendwelche Verbesserung zu erwarten;: ihre militär⸗ ischen und bureaukratischen Organisattonen sind eine Gefahr für die Freiheit, für die uationale Sittlichkeit und für allen wirklichen Fortschritt zu einer vernünftigen sozialen Entwickelung. Diese Organisationen sind es, die uns in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts Bei⸗ spiele von Heuchelei und Verbrechen gegen Freiheit, Menschlichkeit und Christentum boten, die fast ohnegleichen Kaum war die Tinte an den Akten der Haager Kon⸗ ferenz trocken..„ als die Unterzeichner dieser Akte sich auf die schwächeren Völker warfen, ohne jede vernünftige Ursache, und oft im Gegensatz zu ihren Verfassungen und feierlichen Versprechen ihrer Vertreter. England überzog Südafrika mit Feuer und Schwert und nahm den Republiken ihre e de die es ihnen garantiert hatte,— ein Verbrechen, das noch durch die Heuchelei erschwert wird, wo⸗ mit es begangen wurde... Die Vereinigten Staaten von Amerika haben— im Gegensatz zu ihrer Verfassung— in einem blutigen Kriege die um Unabhängigkeit ringenden Phi⸗ lippinen niedergeworfen. Ruß land, das die Haager Konferenz einberief, verfolgte unmittel⸗ bar darauf die Juden und die Duchoborzen wegen ihrer Religion und nahm den Finnen, die an wirklicher Zivilisatton viel höher stehen als die Russen, die ihnen garantierten Frei⸗ heiten. Diese drei Regierungen, wie auch Deutschland und Frankreich, überfielen China und übten dort Barbareien und Schlächtereien aus, die sie auf ewig in der Geschichte degra⸗ dieren werden. Dies sind die Taten der offiziellen Regierungen der Nationen, die den An⸗ spruch machen, an der Spitze der Zivilisation und Religion zu stehen! Und sie zeigen keine Spur von Besserung! Aber zum erstenmal in der Weltge⸗ schichte haben die Arbeiter— die Quelle alles Reichtums und aller Zivilisation— die Gelegenheit, sich zu bilden und zu organisieren, um eine Stimme in der munizipalen und natio⸗ nalen Regierung zu erhalten. Sobald sie sich ihrer Macht bewußt werden und zur Einigkeit über ihre Ziele gelangen, wird der Anbruch einer neuen Aera beginnen. Vor allem müßten sie danach trachten, durch Einigkeit in ihren Handlungen stark zu werden, dann den Militarismus zu schwächen, um ihn schließlich zu beseitigen. Das zweite Ziel sollte sein, die Bureaukraten zu be⸗ schränken und sie in Diener des Volkes zu ver⸗ wandeln. Drittens, die Vereinfachung des Rechiswesens. Viertens, das größte aller Ziele: die Organisation der Arbeit, die Beseitigung des Erbrechts und die Herstellung gleicher Arbeitsgelegenheit für alle. Die Ausführung dieser Ziele wird erst den wahren Individualis⸗ mus herstellen, der unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich ist... Zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte sind die Arbeiter bestrebt, der internationalen Verhetzung ein Ende zu machen; die Völker aller Länder wer⸗ den Brüder und würdigen die Tugenden, die jedem von ihnen angeboren sind. Das Volk ist immer besser als seine Regie⸗ rungen. Aber diese haben die Macht, den Relch⸗ tum, die Tradition und die unersättliche Gier nach Eroberung und Beherrschung andrer Men⸗ schen gegen deren Willen. Es bleibt also nur das Volk, von dem die Zukunft der Menschheit abhängt.—— Dies der Artikel mit Weglassung einiger Sätze. Sein Verfasser stellte sich die Unparteilichkeit der deutschen sogen.„unparteiischen“ Presse jeden⸗ falls etwas anders vor, als sie in Wirklichkeit ist. Eine solche freie und entschiedene Sprache können jene Preßorgane, die nur den Zweck haben, ihren Besitzern die Taschen zu füllen, nicht gebrauchen. Dazu gehört vielmehr, daß man in den oberen Regionen, bei den Regie⸗ rungsleuten und ihren Auftraggebern, der Ka⸗ pitalistenklasse, nicht anstoßt, was durch Ver⸗ öffentlichung des Artikels zweifellos geschehen wäre. Deshalb lehnte ihn der„Unparteiische“ Scherl ab. Der Gelehrte stellte das Manu⸗ skript nun der englischen Wochenschrift„Clarion“ zur Verfügung, die es abdruckte und dabei, wie ein Parteiblatt hinzufügt, Bemerkungen über die deutsche bürgerliche Presse machte, die sich unter der deutschen Preßfreiheit nicht wie⸗ der geben lassen. So ist dem Inseratengeschäft kein Schaden zugefügt worden. Dieses Vorkommnis zeigt neben vielen an⸗ dern Beispielen wieder einmal, wie die berühmte „Unparteilichkeit“ dieser Sorte Presse aussieht. Politische Rundschau. Gießen, den 14. Januar 1904. Der Reichstag hat am Dienstag seine Arbeiten wieder auf⸗ genommen und zunächst Rechnungssachen, die in großer Fülle vorlagen, erledigt. Dabei kam es zu einigen Plänkeleien; die Zentrumsleute Bachem und Das bach stellten sich so, als ob sie gewillt seien, die großen Etatüberschreitungen, wie sie besonders beim Kolonialetat in Mode sind, künftig nicht mehr stillschweigend zu ver⸗ schlucken. Von den vorliegenden Interpellationen kann zunächst diejenige unserer Fraktion wegen der Wurmkrankheit zur Verhandlung. Sie wurde von dem Genossen Sachse in eiuer äußerst trefflichen Rede begründet und von dem Grafen Posadowsky und dem Handelsminister Möller beantwortet. Graf Posadowsky be⸗ schränkte sich darauf, die Maßregeln mitzuteilen, die in den außerpreußischen Staaten, in Bayern, Sachsen und Elsaß⸗Lothringen, zur Bekämpfung der Seuche ergriffen worden sind. Sein Kol⸗ lege Möller mußte zugeben, daß die Wirkung der angeordneten ärztlichen Untersuchung und die Uebertragung der Kosten auf die Arbeiter tatsächlich auf eine gewisse Beschränkung der Freizügigkeit hinausläuft. Im übrigen war seine Rede für dis Haus und die Tribünen beinahe unverständlich, so leise flüsterte er ste vor sich hin. Herr Möller erkannte übrigens an, daß die„Bergarbeiterzeitung“ bei der Be⸗ kämpfung der Krankheit gute Dteenste geleistet habe. Um so unverständlicher bleibt es, daß da den Bergarbeitern die Säle abgetrieben werden, wenn sie für die Aufklärung der in⸗ differenten Kollegen sorgen wollen. Am Mittwoch wurde die Debatte über die⸗ sen Gegenstand fortgesetzt. Nach dem Zentrums⸗ mann Stötzel hielt Genosse Hué, der Abge⸗ ordnete für Bochum, eine längere Rede, in der er große Sachkenntnis entwickelte und ener⸗ gischere Maßregeln zur Bekämpfung der für die Bergarbeiter so gefährlichen Krankheit for⸗ derte. Besonders verlangte er Anstellung von Arbeiterkontrolleuren und Einführung des Achtstundentages. Minister Möller suchte die Regierung zu verteidigen. Danach sprachen noch eine Anzahl Aerzte aus den bürgerlichen Parteien, aber nur Dr. Mug⸗ dan von der freisinnigen Volkspartei unter⸗ stützte die von sozialdemokratischer Seite er⸗ hobene Forderung staatlicher Zuschüsse zur endlichen Beseitigung der Wurmkrankheit. Bei dieser Gelegenheit hielt auch der Abgeord— nete Becker von Offenbach seine Jungfern⸗ rede. Der Erwählte des Offenbacher Kuddel⸗ muddels brachte aber allerhand konfuses Zeug und plumpe Angriffe gegen die Sozialdemo⸗ kratie vor. Seine rednerischen Purzelbäume erregten bei unsern Genossen stürmische Heiter⸗ keit; Nationalliberale und andere der rechten Seite spendeten Beifall, um damit ihr geistiges Niveau zu dokumentieren. Donnerstag wird zuerst ein Antrag unserer Genossen auf Einstellung des Strafverfahrens gegen den Abg. Thiele(Halle) verhandelt. Dieser wurde nämlich am 5. Januar unter Verletzung der Abgeordneten-Immunität wegen einer als Redakteur des„Volksblattes“ in 11 Seite 2. Mittel deutsche ountags⸗Zeitung. Nr. 3. Halle begangenen Preßbeleidigung dem Gericht gewaltsam vorgeführt und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Gegen eine derartige Verletzung der Reichsverfassung durch die Gerichte muß natürlich mit aller Genosse pro⸗ testiert werden, woran es unsere Genossen ge⸗ wiß nicht fehlen lassen werden. Auch eine Wahl⸗„Reform“. Jetzt hat endlich die sächsische Regierung den Schleier etwas von ihrer famosen„Wahlre⸗ form“ gezogen und dem Landtage ihre Ab⸗ sichten darüber in einer Denkschrift zugehen lassen. Das Ding sieht allerdings toll genug aus. Als Grundlage des Entwurfs dient das Dreiklassen⸗ Wahlrecht in Verbindung mit der berufskörperlichen Wahl. Durch das Dreiklassenwahlsystem sollen 38, und durch das Berufskörperschaftswahlsystem 35 Abge⸗ ordnete gewählt werden. Die ersten 48 Abgeordneten— heißt es wörtlich weiter— werden in 16 ohne Unter⸗ schled von Stadt und Land gebildeten Wahl⸗ kreisen von jeder Abteilung besonders gewählt. Es werden unter Voraussetzung der sächsischen Staatsangehörigkeit und des vollendeten 25. Lebensjahres drei Abteilungen gebildet. a) In der ersten Abteilung wählen alle diejenigen, welche an Grundsteuer oder Elnkommensteuer zusammen mindestens 200 M. entrichten oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium hinter sich haben; b) in der zweiten Abteilung alle die⸗ jenigen, welche in derselben Weise mindestens 80 Mark Steuer bezahlen oder bei geringerer Steuerleistung mindestens die Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Dienst erworben haben; c) in der dritten Abteilung alle übrigen, die überhaupt eine Staatssteuer entrichten. Von den 35„berufsständigen“ Abgeordneten sollen 15 von der Landwirtschaft, 10 vom Handel und der Industrie und 10 vom Kleinhandel und Kleinhandwerk ge⸗ wählt werden. Natürlich haben in diesen „Ständen“ die Arbeiter kein Wahlrecht. Die Regierung will abwarten, ob und inwieweit sich die Kammern mit dieser Grundlinie einer Wahlrechtsreform einverstanden erklären und so hat sie vorläufig davon abgesehen, einen ent⸗ sprechenden Gesetzentwurf auszuarbeiten und den Ständen vorzulegen. Es scheint, daß die Regierung alles un⸗ sinnige Zeug, was es in Europa an Wahlge⸗ setzen giebt, zusammengesucht und damit ihre 2Resorm“ zurechtgebraut hat. Natürlich werden sich die Spießerseelen im sächsischen Landtage damit sehr einverstanden erklären. Vielleicht verschlechtern sie die„Reform“ noch; denn daß die Sozialdemokratie nach den in Aussicht ge⸗ nommenen Bestimmungen in sechzehn Kreisen Ausstcht hat, durchzukommen, wird den Reak⸗ tionären nicht in den Kram passen. Ein neues Wahlgesetz in diesem Sinne würde tatsächlich die Entrechtung des Volkes wie bisher, nur in anderer Form bedeuten. Ganz richtig sagt unser Dresdener Parteiorgan dazu:„Es wird genügen, diese Tatsache zu konstatieren, die Wahlreform in ihrer ganzen Kläglichkeit zu erkennen, sich ein Urteil darüber zu bilden. Das Volk muß die auf eine wert⸗ lose Flickarbeit hinauslaufenden Vorschläge mit einem energischen Kampfe um das allgemeine, gleiche Wahlrecht beantworten.„Das freie Wahlrecht sei das Zeichen, in dem wir kämpfen, nun wohlan!“ Das muß unsere Losung, unser Kampfesruf sein.“ Opfer deutscher Justiz sind wieder zwei„Vorwärts“-Redakteure, die Genossen Leid und Kaliski, geworden. Diese standen vorige Woche vor dem Berliner Landgericht unter der Anklage, durch mehr ve Artikel über die Wahlkrawalle in Lar⸗ rahütte dortige Gendarmen und Polzeibe⸗ amte, ferner den Arzt Nawrocki und den Amts. vorsteher Schröder beleidigt zu haben. Die Augeklagten wurden der Beleidigung in vier Fällen als überführt erachtet. Leid wurde 1 sechs Monaten und Kaliski zu vier onaten und einer Woche Gefängnis ver— urteilt. Die Straftaten sollen begangen worden sein in vier Artikeln. In dem ersten Artikel war u. a. gesagt, es lasse sich durch das Lesen der Berichte erkennen,„daß die blutigen Vor⸗ gänge durch die Polizei provoziert worden sind, die den Beruf in sich fühlte, dem Zen⸗ trumskandidaten Letocha sein Mandat zu retten.“ Im zweiten Artikel handelt es sich um eine Berichtigung, die der Amtsvorstand in Laura⸗ hütte dem Vorwärts bezüglich einiger Angaben über die Vorgänge in Laurahütte geschickt hatte und die das Blatt mit kritischen Bemerkungen versah. In einem weiteren Artikel war die Behandlung des im Gefängnis gestorbenen Arbeiters Lievorski scharf kritisiert und ge⸗ radezu als empörend bezeichnet. In dem letzten Artikel, durch den sich die Aerzte beleidigt fühlten, heißt es:„Aerzte haben ihre Patienten der Polizei denunziert. Die oberschlesischen Polizeitaten sind typisch, die Handlungen der beiden Aerzte Dr. Riesenfeld und Dr. Nawroki werden won allen ihren Berufskollegen ebenso einmütig verurteilt werden, wie von jedem anderen anständigen Menscher.“ So glaubt man durch unerhört harte Ver⸗ urteilung zweier Leute, die für Recht und Ge⸗ rechtigkeit eintraten, das Vaterland gerettet zu haben. Wie alle rechtlich denkenden Menschen darüber urteilen, kann nicht zweifelhaft sein. Das Rechtsgefühl des Volkes ist dadurch wieder auf das Empfindlichste verletzt worden. Militaristische Kultur. Von Ende September bis Ende Dezember 1903 wurde die gerichtliche Aburtetlung von 47 militärischen Vorgesetzten wegen Mißhandlung, vorschrift-widriger Behandlung und Beleidigung von Untergebenen bekannt. An Strafen wurden ausgesprochen: 19 Jahre 4 Monate 6 Tage Gefängnis, 11 Monate 20 Tage mittlerer Arrest, 2 Monate 11 Tage ge⸗ linder Arrest, 2 Monate 22 Tage Stubenarrest. Im ganzen 20 Jahre 8 Monate 29 Tage Freiheitsentzug. An Ehrenstrafen wurden ver⸗ hängt: 1 Dienstentlassung, 7 Degradationen. Die„Haupthelden“ des letzten Quartals 1903 waren die Unteroffiziere Neitzel und Franzky. Ersterer malträtierte seine Opfer am liebsten im Hemd, befahl ihnen, sich gegenseitig am Geschlechtsteil festzuhalten; letzterer folterte seine Leute nicht nur mit den üblichen„Mitteln“ der deutschen Kaserne, sondern er pumpte sie auch noch an. Die Knüppel, mit denen er sie schlug, nannte er„Friedrich Wilhelm“ und „Friedrich der Große“. Was die im Jahre 1903 überhaupt zur Kenntnis der Oeffentlich⸗ keit gelangten Soldatenmißhandlungen betrifft, so wurde die Verurteilung von 206 Vorge- setzten bekannt. An Freiheitsentzug wurden verhäugg 1 Jahre 7 Monate! Dabetl ist zu bedenken, daß die Allgemeinheit ungefähr nur vou dritten Teil der abgeurteilten Sol⸗ datenquälereien erfährt. Hat doch der preußische Kriegsminister v. Einem im Reichstag gesagt, daß vom 1. Juli 1902 bis 30. Juni 1903 in der deutschen Armee nicht weniger als 627 Vorgesetzte, darunter 50 Offiziere wegen Miß⸗ handlungen bestraft wurden. Und weiter ist nicht zu vergessen, daß ein großer Teil der Mißhandlungen gar nicht zur Anzeige kommt. Vom guten Ton unter Ordnungs⸗ leuten konnte man kürzlich im bayrtischen Landtage ein Pröbchen sehen. Der Zentrumsmann Dr. Heim und der Bauernbündler Dr. Gäch gerieten sich in die Haare und warfen sich ganze Bündel. Liebenswürdigkeiten an den Kopf. Vom Etat des Ministeriums des Innern, der eigentlich auf der Tagesordnung stand, war mit keinem Wörtchen die Rede. Vor Weihnachten hatte nämlich der Dr. Gäch die Tätigkeit Heims bei der Zentralgenossen⸗ schaftskasse in Ansbach einer herben Kritik unterzogen, worauf der Angegriffene nun ant⸗ wortete. Das geduldige Haus und die über⸗ füllten Tribünen mußten mit anhören, was für„ungeheuere“ Verdienste sich Dr. Heim seit vierzehn Jahren um das Genossenschafts⸗ wesen erworben, Herr Dr. Gäch beten ze mußte eine wahre Flut von„parlamentartschen“ Liebens würdigkeiten, als da sind Lügner, Ver⸗ leumder, Denunziant, Fälscher, Hundsfott usw. über sich ergehen lassen. Der angegriffene kleine Landdoktor bewegte sich in seiner Erwiderung auf denselben Pfaden. Zu einer Prügelei kam es diesmal noch nicht, was schier ein Wunder zu nennen ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, meinten die entsetzten Tribünenbesucher. Der Streit dürfte sich noch außerhalb des Hauses vor den Schranken des Gerichts fortsetzen und dort sein„rühmliches“ Ende finden. Dieses Wettschimpfen findet— soweit Dr. Heim in Frage kommt— in der Zentrumspresse eine durchaus wohlwollende Beurteilung.— Dieselbe Gesellschaft weiß sich aber nicht genug zu entrüsten über den Ton auf sozialdemokratischen Parteitagen und in der sozialdemokratischen Presse. Das wären die Rechten, uns gegenüber die Anstandslehrer zu spielen! i Sozialdemokraten in der Gemeinde⸗ verwaltung. In Mülhausen im Elsaß haben unsere Ge⸗ nossen die Mehrheit im Gemeinderat und sie waren deshalb in der Lage, verschiedene im Arbeiter⸗Interesse liegende Neuerungen in der Verwaltung durchzuführen. So wurde in die Vertragsbedingungen der städtischen Lieferanten eine Lohn- und Arbeisszeitklausel aufgenommen. Es werden Minimallöhne vorgeschrieben, die dem Durchschnitt der in dem betreffenden Ge⸗ werbe ortsüblichen Löbne entsprechen, wobet als Durchschnitt nicht der rechnerische Durch⸗ schnitt zwischen Mindest- und Höchstlohn, son⸗ dern der Lohn gilt, den die Masse der Arbeiter in einem Gewerbe erhält. Nach diesem Grund⸗ satz sind unter Zuziehung von Sachverständigen der Arbeiter und Unternehmer die zu zahlenden Mindeststundenlöhne genau festgesetzt(mit Aus⸗ nahme der Berufe, die nur 9 Stunden arbeiten) eine Mittagspause von 1½ Stunden, Lohnzu⸗ schlag von 50 Prozent für Ueberstunden, Be⸗ nutzung des städtischen Arbeits nachweises und vorzugsweise Einstellung ortsansässiger Arbeiter. Ferner wurde folgende Streikklausel festgestellt: „Der Ausbruch von Lohastreitigkeiten begründet an sich keinerlei Verlängerung der für Fertig⸗ stellung der Arbeit im Lastenheft 1 Frist.“ Wo ist die bürgerliche Gemeindever⸗ waltung, die das Interesse der Arbeiter so im Auge behält? Wahlen. Im Kreise Eschwege⸗Schmalkalden, wo durch die Verurteilung Seyboth's eine Ersatzwahl stattzufinden hat, kandidiert von unserer Seite, wie wir neulich schon bemerkten, Genosse Hugo-Kassel. Als gegnerische Kandi⸗ daten treten auf: der Reichsparteiler von Chri⸗ sten⸗Weeleshausen, als Freisinniger: Kaufmann Ernst Wagner⸗Kassel und Porzellanmaler Raab⸗ Hamburg als Antisemit. In dem Kreise hat sich unsere Partei sicher und schnell entwickelt. Von Wahl zu Wahl haben bie Stimmen stetig zugenommen. Seit 1895 kamen wir in Stich⸗ wahl und wurden jedesmal von den Gegnern, die sich dann zusammenschlugen, niedergestimmt. Mit welcher Partei wir in Stichwahl kamen, war dabei gleichgültig, 1825 war es der Anti⸗ semit Iskraut, 1898 der freikonservative Baron v. Christen und 1903 Seyboth von der Frei⸗ sinnigen Volkspartei. Es gilt jetzt, alle Kräfte einzusetzen, um trotz der Zusammenscharung aller Gegner der Arbeiterklasse den Sieg zu erringen. Zum Parlament der Republik Hamburg finden in nächster Zeit und zwar am 12. Februar ebenfalls Neuwahlen eines Teiles dieser Körperschaft statt, an denen sich unsere Genossen beteiligen werden. Sie haben den Kampf bereits energisch aufgenommen. Natür⸗ lich wissen unsere Freunde im Voraus, daß für sie auf Erfolge bei den Stichwahlen nicht zu rechnen ist. Denn die bürgerlichen Parteien unterscheiden sich wirklich durch nichts von einander; im Gegenteil: sie gleichen sich aufs Haar— in den Hauptsachen— in dem Be⸗ treiben ungeschminkter Interessenpolitik und in der entsetzlichen Angst vor den Roten, die in Hamburg bekanntlich erschrecklich zahlreich zu 5 0 I 9 ——————— fllt ment Pall Nam! und g Hekkel desen sch ler aber gu, des pe Jan . 1 — 1 der. sw. eine ung lei i en loch des (80 der de Ton in ren rer de; Ge⸗ ft im der die ten nen. die Ge⸗ obel ich- son⸗ eiter und⸗ igen den Aus⸗ ten) uzu⸗ Be⸗ und ter. llt: iudet ktig⸗ cßten eber⸗ 9 im b el, kin 5 Nr. 3. Mitteldeutsche Kountags⸗Zeitung. Seite. finden sind.— Die nicht sozialdemokratischen Arbeiter vereine(christliche, nattonale usw.) un⸗ terstützen natürlich die Bürgerlichen. Ausland. Aus Frankreich. „Die französische Deputiertenkammer eröffnete am Dienstag mit der Wahl des Präsidiums ihre ordentliche Tagung. Als Prä⸗ sident wurde der Radikale Henri Brisson mit 257 Stimmen gewählt. Brisson, der schon öfters Ministerposten bekleidete, war der Kan⸗ didat des sogenannten„Blocks“ der Republi⸗ kaner. Bei der Wahl der Vizepräsidenten wurden Ettenne, Lokroy, Gerville-Reache, und Guillain gewählt, Jaures ist nicht wieder⸗ i die Bürgerlichen in dem Verbande er republikanischen Parteien haben das Ueber- einkommen gebrochen und den Sozialisten durch⸗ fallen lassen. Ausschluß Millerands. Der Verband der sozialistischen Komitees von Paris und des Seine⸗Depar⸗ tements beschloß den Ausschluß Millerands aus der sozialdemokratischen Partei, weil er bei der jüngsten Kammerdebatte über die Abrüstung für die Regierung und gegen den Antrag Hubbard auf Herabsetzung der Heeresausgaben stimmte. Wir finden den Ausschluß aus diesem Grunde vollkommen gerechtfertigt. Millerand hat sich dahln geäußert, daß er trotz dieses Beschlusses seiner Ueberzeugung teeu bleiben werde, neuestens wird aber vermutet, daß er an die Spitze einer neuen Par⸗ teigruppe treten werde. Einsichtsvoller König. Aus Italien kommt die Nachricht, daß der König Viktor Emanuel die Herabsetz⸗ ung der Zivilliste selbst beantragen werde. Er soll darüber unlängst mit Giolitti 5 haben. Schon jetzt habe der König efehl gegeben, daß alle Villen und Landhäuser des königlichen Hauses, die nicht benutzt wer⸗ den, in Pacht gegeben werden sollen.— Der König hat eine Zivilltste von 15 050 000 Lire. Er führt ein schlichtes Leben und hat eine bi Abneigung gegen Festlichkeiten.— Reich⸗ ich 12 Millionen Mark ist ja ein anständiges Stück Geld; immerhin würde noch nicht jeder König die Ermäßigung seines Gehaltes selbst beantragen. Mußlaud und Japan. Die Lage in Ostasien hat sich gegen die Vorwoche nicht viel geändert. Die Nachrichten ließen die friedliche Beilegung des Konflikts als ziemlich sicher erscheinen. Dagegen sieht eine am Mittwoch veröffentlichte Depesche, welche die japanische Gesandtschaft aus Tokio erhielt, sehr ernst aus. Die Depesche besagte, die russische Antwort sei ungünstig und könne von Japan nicht angenommen wer⸗ den. Falls Rußland nicht einlenkt, werde Ja⸗ pan genötigt sein, schleunigst zu den Waffen zu gretfen.— In einer Depesche des Reuter'schen Bureaus heißt es, daß im japanischen Volke das Interesse an dem Aus⸗ gange bis zur Siedehitze gestiegen sei. nere Crimmitschau. Pfaffen auf Seite der Unterneh- mer. Wie es mit der christlichen Nächstenliebe der Diener der Kirche bestellt ist, zeigt ein offener Brief, den der Crimmitschauer Orts⸗ pfarrer Dr. Schink in der„Christlichen Welt“ veröffentlicht. Brutal und einsichtslos stellt der Diener Christi sich auf die Seite der Fabrikanten. Auf Seite der Arbeiter kann er weder„in materteller noch in formeller Be⸗ ziehung“ irgend welches Recht in diesem Kampfe nden. Für die Opferwilligkeit der deutschen rbeiter hat der hochwürdige Herr nur Hohn und Spott. Höhnisch meint er:„Wie manchem Arbeiter draußen, der seine sauer verdienten Groschen zum Streikfonds beisteuert, geht es 1 175 als den hiesigen Streikenden, die ich nichts abgehen lassen.“ Die Presse — auch die bürgerliche—, die die Partei der Streikenden ergreift, bezeichnet der wackere Diener Christi als„verrottet“. Die Arbeitgeber sind in seinen Augen Engel der Gerechtigkeit, die Maßnahmen der Behörden völlig be— gründet. Dafür beschimpft er die Ar⸗ beiterinnen in ihrer Frauenehre aufs gröblichste, und beschuldigt, ohne den Schatten eines Be⸗ weises zu erbringen, die Arbeiter des greulichsten Terrorismus. Auch das Verbot der Weih⸗ nachtsfeier findet der Gottesmann in Ordnung, denn die Arbeiter haben ein Anerbieten der Geistlichkeit, bei diesen Weihnachtsfeiern An⸗ sprachen zu halten, abgelehnt. Schade! Es wäre aber auch zu schön gewesen, wenn da die Pfar- rer, wie sie es jeden Sonntag in der Kirche tun, offen zum Streikbruch hätten auffordern können. Ist doch der bitterste Schmerz des Pfarrers Schink, daß in Crimmitschau jetzt „alle Vergehungen gegen die 10 Gebote nied⸗ riger eingeschätzt werden als Streikbruch.“ Mit gutem Grunde sieht der„Vorwärts“ in diesem offenen Briefe ein dauerndes zeitgeschichtliches Dokument, zum Beweis für die völlige Ver⸗ wirrung aller sittlichen Begriffe in den Kreisen derer, die angeblich und vornehmlich zu sttt⸗ lichen„Führern des Volkes“ berufen sind. Und mit Grausen wendet sich jeder freiheitlich und gerecht Empfindende von einer Kirche, deren Vertreter einstimmig in so ernster Zeit zu einem solchen Bekenntnis fähig sind. Mit Recht wendet sich der Heraus geber der „Christl. Welt“ Dr. theol. Rade in Marburg D gegen seinen Amtsbruder. Er schreibt azu: „Wenn die Fabrikanten nicht von selbst eine Herab⸗ minderung der Arbeitsstunden bewilligen wollten oder konnten, so scheint uns die sittliche Berechtigung für die Arbeiterschaft, ihrerseits diese Forderung aufzustellen, unanfechtbar. Unter den lokalen Ver⸗ hältnissen mag man die Art, wie sie gefordert und auf ihrer Forderung bestanden haben, noch so hart em⸗ pfinden, das große zuschauende Publikum darf und wird nicht vergessen: für den Kulturfortschritt find unter allen Umständen die Arbeiter eingetreten. Daß dabei ihr eigenes Interesse sie leitete, ist kein Unrecht, und wenn der Anstoß dazu etwa von außen kam, von der großen Organisation, der sie angehörten, nicht aus der Mitte der Crimmitschauer Arbeiter selbst, so liegt auch darin kein Unrecht. Ueber das moralische Recht der Arbeiter nach dieser Seite hin wird auch Sieg oder Niederlage am Ende nicht entscheiden. Wie denkt man sich denn, daß Fortschritte in dieser Richtung zu stande kommen sollen? Durch Kampf der Interessierten gegen die Privilegierten. So ist es unzählige Mile ge— schehen in der Weltgeschichte, und so wird es immer wieder gehen. Auch eine augenblickliche Niederlage macht da vielleicht gar nicht so viel aus. Oder meint denn wirklich jemand, dieser Zehnstundentag werde den Ar— beitern plötzlich einmal vom Zentralverband der In⸗ dustriellen geschenkt werden? Da ich daran nicht glaube, verdenke ich den Arbeitern ihren Versuch nicht, beklage herzlich, daß der Staat ihnen nicht in der rich⸗ tigen Weise vermittelnd zu Hülfe zekommen ist, und werde sie bedauern, wenn sie unterliegen. Das hindert mich nicht, auch der Arbeitgeber mit Teilnahme zu ge—⸗ denken, sofern sie sich nicht in der Geschäftslage be— fanden, den Arbeitern entgegenzukommen; aber das höhere Kulturideal können jedenfalls die Arbeiter für sich in Anspruch nehmen.“ Diese unter den heutigen Verhältulssen für einen Geistlichen mutigen Worte sind entsch'eden von besserem christlichen Geiste diktsert, als ihn der Pfarrer Schink in seinem offenen Briefe bekundet. Mittlerweile ist der Bericht des Geheimrats! Roscher über seiue Vermittelungsversuche be— kannt geworden. Er verhandelte mit Arbeitern und Unternehmern; auch die Vorsitzenden der beiderseitigen Organisationen waren zugegen. Roscher wies darauf hin, daß bei den Streitig— keiten zwischen Menschen die Schuld selten nur auf einer Seite liege. Er wies auf die große Verantwortung hin, welche sich die Unterneh— mer mit der grundsätzlichen Ablehnung jedes Einigungsversuchs aufläden, betonte, daß die Heranziehung ausländischer Arbeiter mißlich sei und empfahl schließlich Arbeiterausschüsse zur Vermeidung derartiger Zwiste.— Tatsache ist also, daß die Unternehmer, obwohl sie die For⸗ derungen der Arbeiter nicht als unbillig und unannehmbar bezeichnen können, doch keine Einigung wollen, sie erklären den Kampf für eine Machtfrage und wollen die unbedingte Unterwerfung der Arbeiter. . 3 Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Die reichste Familie der Welt. Die amerikanischen Blätter sind gegenwärtig voll von Sinzelheiten über die Famille Rockefeller, die sie für die reichste der Welt erklären. Den Anlaß bietet ihnen die Mitteilung, die John D. Rock⸗ feller junior aus New⸗York von der Geburt des ersten Kindes macht. Es ist ein Mädchen und hat den Namen Abby ⸗Aldrich erhalten. Her Petroleumkönig John D. Rockefeller, der Großvater des neugeborenen Kindes, hat er— klärt, daß er den größten Teil seines unermeß⸗ lichen Vermögens seiner Enkelin vermachen werde. Während der letzten zehn Jahre hat das Vermögen der Rockefeller sich beträchtlich vermehrt; wie behauptet wird, ist es von 600,000,000 Mk. auf 4000 Millionen Mk. ge⸗ stiegen. Wenn dieses Vermögen fortfahren sollte, sich im selben Verhältnis zu vermehren, könnte die kleine Abby im Alter von 60 Jahren über 394,424,000, 000,000 Mk. verfügen.— Kann man sich etwas Unsinnigeres denken, als die Anhäufung solcher Vermögensmassen in ei⸗ ner Hand, bemerkt hierzu sogar die ultramon⸗ tane„Kölnische Volkszeitung“. Wenn doch das Blatt auch die Konsequenzen ziehen und eine Gesellschaftsordnung bekämpfen wollte, die Mit Anhäufungen kolossaler Vermögen zu⸗ äßt. Mit der Ausführung des Kinder⸗ schutzgesetzes scheint man es nicht so streng nehmen zu wollen. Der Vorstand der Berliner Bäckerinnung hat eine Petition an das Polizeipräsidium gerichtet, in der um„Mil de⸗ rung“ der Bestimmungen, die das eben in Kraft getretene Kinderschutzgesetz in gewissen Fällen zuläßt, gebeten wird. Ein Bescheid ist bis jetzt darauf noch nicht eingegangen, auf Anfragen bei einem Polizeirevier soll aber die Antwort gekommen sein, daß man„vorläusig“ das Austragen der Backwaren wie vorher durch Kinder besorgen lassen könne(2). Die Bäckermeister glauben, daß die Polizei ihnen die Vergünstigungen, die sich auf die ersten zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Ge⸗ setzes beziehen, gewähren werde.— Was nützt es nun, Gesetze zu machen, wenn sie nicht ge— halten werden? Terrorismus von Auch ⸗Gewerk⸗ schaftlern. Fromme Katholiken bilden in Ber⸗ lin die„Freie Vereintgung der Fliesenleger.“ Gegenüber dem Geschret in bürgerlichen Blät⸗ dern von dem Terrorismus der Sozialdemo⸗ kraten, auch die fromme Germania zetert gern darüber, soll doch darauf hingewiesen werden, daß Mitglieder der obengenannten Vereinigung wiederholt ihre Kollegen, weil diese nicht der Organisation von Unternehmers Gnaden bei— treten wollten, aus der Arbeit gebracht haben. Der Vertrauensmann der Berliner Flieseuleger, die im vorigen Jahre eine Lohnbewegung nicht siegreich durchsetzen konnten, weil ihnen die Freie Vereinsgung Knüppel zwischen die Beine warf, fordert die Bauarbeiter aller Brauchen auf, die Fliesenleger in ihrem Kampf für Anerkennung ihrer Organisation moralisch zu unterstützen. Gewerbegerichtswahlen. Die letzte Wahl zum Gewerbegericht in Essen, bei der unsere Genossen siegten, war für ungültig erklärt worden. Die Christlichen machten alle Austrengungen, sie hatten vorher alle Beisttzer gestellt. Sie unterlagen aber. Die Liste des Gewerkschaftskartells stegte mit 7892 Stimmen gegen 7246 christliche.— Dieser Erfolg der freien Gewerkschaften ist um so höher, als zu Gunsten der Christlichen fast sämtliche Pfaffen, Lehrer und Beamte eingriffen und alles nur irgend Mögliche gegen die Sozialdemokratie herhalten mußte.— In Ulm siegte die Liste der vereinigten Gewerkschaften mit 542 Stim- men, während für die christlichen Arbeiter 223 und für die Hirsch⸗Dunckerianer 183 Stim⸗ men abgegeben wurden.— Diese Wahl fand nach dem Proportioualsystem statt; es erhielten demnach die freien Gewerkschasten 7, die Hirsch⸗Dunckerschen 2 und die christ⸗ lichen Vereine 3 Beisitzer.— Wenn in Ulm die freien Gewerkschaften in der Minderheit 9 Sei te 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Kr.. wären, hätte man das Proportionalwahlrecht sicher nicht eingeführt. Von Nah und Lern. Gießener Angelegenheiten. — Als Land der unbegrenzten Möglichkeiten schildert der hessische Kor⸗ respondent unseres Leipziger Parteiorgans sein Heimatland folgendermaßen: Noch ist die Presse dabei, immer neue Handlungen unseres Großherzogs aufzustöbern, die geeignet sein könnten, den Hamburger Nach⸗ richten und verwandten Seelen das Leben zu vergällen, da kann ich Ihnen eine Kunde über⸗ mitteln, die geradezu Entsetzen bei den„gut⸗“, „best⸗“ und„allerbestgesinnten“ Staatsestützen hervorrufen wird. 85 Zunächst sei bestätigt, daß der Großherzog die Aufführung von Beyerleins Zapfenstreich im Darmstädter Hoftheater wenn nicht direkt gewünscht, so doch als etwas selbstver⸗ stäudliches genehmigt hat. Weiter ist richtig, daß im Laufe der verflossenen Woche der Großherzog eine mit schwerer Last ver⸗ sehene alte Bauersfrau zu sich in den Wagen nahm, um sie ein Stück Wegs mitzunehmen. Doch das sind schließlich Dinge, die nicht son⸗ derlich schwer wiegen; ich weiß schlimmeres zu berichten. In Mainz ist Karneval und daran nehmen alle Bebölkerungsschichten teil. Mit der Schellenkappe auf der Denkerstirn sitzen die radikalsten und die revisionistischsten Sozi— Karnevals⸗Revisionisten existieren nicht— neben dem geldschwersten Kapitalisten. Und die gleiche Heiterkeit bricht durch, wenn vom Podium herunter die„Narren“ ihre Kalauer zum besten geben. Diese Narren sind rote und schwarze Schuster und Schneider, liberale Kaufleute und — ja, jetzt kommt das Schreckliche—: die höchsten Zivil⸗ und Militärbeamten des wilden Landes. Die Rednertribüne hat die Form einer Eule und darüber leuchten uns die tiefsinnigen Verse entgegen: Sei lustig, du Schode, was leidste denn Not, Du lebst ja so kurz und so lang biste tot. Drum alleweil fidel und gar nicht zu knapp, Vermach Deine Erbe Dein Stern und Dein Kapp. Und nun tritt gewichtigen Schrittes auf die Tribüne— haltet euch fest in Sachsen, Preußen usw.— der Provinzialdirektor v. Gagern, ein Sohn des 1848 gefallenen Ge⸗ nerals, der in Hessen die Stellung bekleidet, die in Preußen ein Regierungs⸗ oder Ober⸗ präsident einnimmt. Und er hebt also an: Narrhallesen! Nur zagend betrete ich die Eule, sie is s Symbol der Weisheit und nicht jedem„ es gegeben, im Gewande der Narrheit We heit zu verzapfen. Gern komme ich in die Narrhalla(Mainzer Stadthalle), denn das ist die einzige Versammlung, wo Bourgeois und Sozi in Brüderlichkeit tagen. Gagern verulkte dann die Bürgermeister von Mainz und Ginsheim, um schließlich das Feld zu räumen dem Generalmajor v. Zastrow, der die Garnison Mainz und die hübschen Mädchen feierte. Er wurde abgelöst von präch⸗ tigen Narren, die unter tosendem Beifall die neuen Achselstücke verulkten und sich das Wort Garnison verbaten, weil die Mainzerinnen sonst gar zu leicht an die„kleinen Garnisonen“ denken und danach handeln könnten. Nun frage ich einen gutgesinnten Menschen, was aus dem Hessenlande werden soll, wenn das so weiter geht! Der Landesvater unterhält sich mit Sozialdemokraten, besucht wandernde Handwerksburschen und läßt den Zapfenstreich aufführen. Die höchsten Staatsbeamten und der Platzkommandant feiern„in Brüderlichkeit“ den Karneval mit den bösen Sozi! Ja, wenn vgs wenige Wochen nach den Bülowreden, die ebeasalls von der Eule herab als höchste Ver⸗ ulkung nicht ulkig, sondern um ihren eignen Ulk nicht abzuschwächen, ganz ernsthaft vorge⸗ tragen wurden, passiert, dann ist es wahrhaftig die höchste Zeit, daß Hessen annektiert und Preußen oder Sachsen einverleibt wird. — Die Stöcker ianer haben ihre Agi⸗ tation, die sie jetzt im Wetzlarer Kreise entfal⸗ teten, auch auf Gießen ausgedehnt, wo am Sonntag abend im„Felsenkeller“ der Abg. Burckhardt und der„nationale“ Arbeiter und christl.soziale Agitator Behrens sprachen. Vorher, am Nachmittage hielten die Redner eine Versammlung in Werdorf bei Wetzlar ab, die zwar sehr gut besucht war, wo sie aber keinen Anklang fanden. Was ste vorbrachten, waren die üblichen Angriffe auf unsere Partei und die freien Gewerkschaften. Der„Terroris⸗ mus“ der letzteren zwinge zur Gründung „christlicher“ Arbeiterorganisationen. Man wolle einen„wirtschaftlichen Ausgleich“ herbeiführen, doch wird nicht gesagt, wie dieser Ausgleich aussehen solle. Von unserer Seite ergriffen Trott⸗Haiger und Vetters⸗Gießen das Wort, das ihnen auf 15 Minuten gestattet wurde. Zwar kündigen die Christlich⸗Sozialen immer„freie Diskussion“ an, in Wirklichkeit sieht's mit der freien Diskussion recht windig aus. Wo man weiß, daß Gegner in die De⸗ batte eingreifen werden, will man von freier Diskussion nichts wissen, sondern bewilligt in bestem Falle eine lächerlich geringe Redezeit. Von Trott wurden Herrn Burckhard verschie⸗ dene Sünden aus der Wahlbewegung vorge⸗ halten und etliche Fälle angeführt, wo die Christlich⸗Sozialen Terrorismus haarsträu⸗ bendster Art geübt hätten. Vetters ging näher auf die Ausführungen der Herren Burckhardt und Behrens ein und widerlegte verschiedene ihrer Behauptungen, erwiderte auch einige An⸗ griffe, die Behrens kürzlich in Ehringshausen gegen unsere Partei gerichtet hatte. Als„Be⸗ weis“, für den„Terrorismus“ der Sozialde⸗ mokraten erzählte Behrens eine erschröckliche Geschichte aus Berlin, wo Mitglieder des Mau⸗ rerverbandes einen ihrer Kollegen, der Tempe⸗ renzler war, eine— Milchflasche mit Saug⸗ gummi an den Arbeitsplatz gestellt hätten! Die Versammlung war gefühllos genug, bei Ent⸗ hüllung dieses schauerlichen Verbrechens zu lachen! Im weiteren wiesen unsere Genossen nach, wie die Zölle die Arbeiterschaft schädigen und deshalb kein denkender Arbeiter die Stöcker⸗ partei unterstütze. Unsere Genossen ernteten lebhaften Beifall, Herrn Burckhardt und Beh⸗ rens stimmte aber kein Mensch zu. Gut besucht war auch die Gießener Ver⸗ sammlung. Doch Arbeiter, auf die es doch die Stöckerianer besonders abgesehen haben, fehlten auf ihrer Seite, dafür waren Geistliche desto stärker vertreten, und im übrigen Angehörige des behäbigen Bürgertums. Unsere Genossen bildeten den größten Teil der Versammlung. Bei Eröffnung bekam die Sache einen Stich ins Komische; der Vorsitzende, Pastor i. P. Fromm intonierte das schöne Lied:„Deutsch⸗ land, Deutschland über Alles“, doch es stellte sich heraus, daß er den Text nicht kannte. Dr. Burckhardt entwickelte zuerst seinen„nationalen“ und„christlichen“ Standpunkt: er sei für Mo⸗ narchie, Heer, Flotte, Kolonien, Zölle usw. Herr Behrens suchte dann wieder die Notwen⸗ digkeit„christlicher“ Arbeiterorganisationen dar⸗ zutun. Gen. Krumm antwortete. Er betonte, daß, wenn die Vorredner für Beteiligung christ⸗ licher Nächstenliebe eintreten, er demgegenüber feststellen müsse, daß die Sozialdemokratie solche stets praktisch geübt habe und die sozialdemo⸗ kratischen Forderungen deckten sich durchaus mit den Geboten christlicher Nächstenliebe. Nach⸗ dem er sich mit Entschiedenheit gegen die Zölle ausgesprochen, für die Dr. Burckhardt zum Schaden der Arbeiter eintrete, bestritt er den Christl.⸗Soz. das Recht, sich als besonders„natio⸗ nal“ hinzustellen. Wir seien national in besserm Sinne, wenn wir auch nicht jeden Augenblick Hurra schreien. Die Rede Krumms fand star⸗ ken Beifall. Im weiteren sprachen noch Ge⸗ nosse Vetters und Beckmann, worauf die Herren Burckhardt und Behrens in langen Reden ant⸗ worteten. Die Versammlung zog sich bis gegen 12 Uhr hin. Viel Anhang dürften die Stöcker⸗ Veute nicht bekommen haben. — Versammlungen. Der sozialdemo⸗ kratische Wahlverein Gießen hält diesen Samstag seine Generalversammlung im Ver⸗ einslokale ab, auf die wir hiermit noch beson⸗ ders hinweisen und deren zahlreichen Besuch wir den Parteigenossen empfehlen. Nach Er⸗ ledigung des Kassenberichts und der Vorstands⸗ wahl soll, wenn noch genügend Zeit vorhanden, ein Vortrag gehalten werden.— Ferner machen wir die Gewerkschaftsmitglieder auf die am Sonntag(17.), nachmittags 4 Uhr, im Or⸗ big'schen Lokale stattfindende Gewerkschafts⸗ Versammlung aufmerksam. In dieser steht der Geschäftsbericht des Gewerkschaftskartells und die„Saalfrage“ auf der Tagesordnung. — Vortrag. Dienstag, den 26. ds. Mts., wird Herr Chemiker L. Opificius aus Frankfurt in Lony's Bierkeller einen Vortrag halten über:„Die Metalle und ihre Bedeutung für den Kulturmenschen“. Dieser Vortrag ist von dem Gewerkschaftskartell arrangiert, von dem auch in der bisher üblichen Weise die Karten aus⸗ gegeben werden,. Aus dem Rreise Friedberg⸗ Büdingen. Ein kleiner Röhren! Aus Friedberg wird uns geschrieben: Der Pfarrer in Ockstadt hat angeordnet, daß beim Schlittschuhlaufen Buben und Mädchen getrennt werden. Heute laufen die Buben und morgen die Mädchen. Der Herr Pfarrer hält die Sittlichkeit gefährdet, wenn die Schulkinder beiderlei Ge⸗ schlechts zusammen auf dem Eise sind. Ueber solche, gelinde gesagt, Lächerlichkeiten braucht man weiter kein Wort zu verlieren. Uns dauert der Pfarrer und noch mehr dauern uns die Leuten, welche beschränkt genug sind, derartigen Anordnungen Folge zu leisten.— Wun⸗ derbar ist es nur, daß sonst katholische Geistliche dem Zusammenarbeiten beider Geschlechter so ruhig zusehen. In den oberschlesischen Gruben arbeiten neben Männern tausende Frauen für die frommen Zentrumschristen Ballestrem, Schaafgotsch usw. Wo ist hier der katho⸗ lische Pfarrer? Vielleicht kann uns Herr Pfarrer Wild Antwort geben. R Wegen Nahrungsmittelfälsch ung hat⸗ ten sich am Dienstag der Metzgermester Heinrich Theo⸗ dor Musch und dessen Sohn Philipp Musch, sowie der Metzgermeister Theodor Danernheim, alle aus Nieder⸗ Florstadt, vor dem Friedberger Schöffengericht zu verantworten. Sie waren beschuldigt, im Juni ver⸗ flossenen Jahres durch Zusatz von Stärkemehl Fleisch⸗ wurst verfälscht und unter Verschweigung dieses Um⸗ standes die Waare verkauft zu haben. Durch den Bürgermeister Heinrich Wilhelm Alles aus Nieder Flor⸗ stadt waren damals Wurstproben von sämtlichen Metz⸗ gern des Ortes im Auftrage der vorgesetzten Behörde eingefordert worden zum Zwecke der chemischen Unter⸗ suchung in Gießen. Dieses war den Metzgern bekannt geworden. Es lag also die Gewißheit nahe, daß die betr. Proben besonders„präparirt“ würden für den er⸗ wähnten Zweck. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß die Wurstprobe des ersten Angeklagten quantitativ 1,2 Proz. Stärkemehl enthielt und die Probe des Dauernheim höchstens 0,3 Proz. oder noch wen ger, wie der als Sachverständige geladene Dr. Günther aus Gießen unter Eid bekundete. Seiner Meiuung nach liege im ersten Falle eine Fälschung offenbar vor. Das Ge⸗ richt erkannte auf Freisprechung. Der verwendete ge⸗ ringe Prozeutsatz von Stärkemehl diene nur dazu, die Wurst„schnittfester“ zu machen, nicht aber um das Publikum zu täuschen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Bülow⸗Reden wurden auf der Sophien⸗ hütte in Wetzlar verteilt. Ob man damit erreicht, was man erreichen wollte, nämlich die Sozialdemokratie zu vernichten, scheint sehr fraglich. Denn die Arbeiter sind weit mehr auf das gespannt, was Bebel dem Reichskanzler antwortete, als auf die Reden des Vetz⸗ teren. Und soviel steht fest, wenn Arbeiter beide Reden lesen, finden sie sehr leicht heraus, wer in ihrem Interesse gesprochen hat und die Bülow'schen Mätzchen werden auf sie wenig Eindruck machen. So nützt man schließlich nur der Sozialdemokratie damit, worüber wir gar nicht böse sind. Mit ein Lohner⸗ höhung hätte übrigens die Direktion dem Gegenwarts⸗ Staate besser gedient. * Amtsblatt⸗Weisheit. Was für unge⸗ heuerliches Zeug die Kreisblätter ihren Lesern vorzu⸗ setzen wagen, zeigt sich so recht in der Schweinburgiade „Aus Utopien“, die der Wetzl. Anz. dieser Tage ab⸗ druckte. Die Leistung hat den Zweck, die Sozialdemo⸗ kratie endgültig zu vernichten, soweit Bülow noch etwas davon übrig gelassen hat. Folgende Sätze am Schlusse des idiotischen Artikels werden hoffentlich den gewollten Zweck erfüllen: „Die Sozialdemokraten stellen sich die Sachlage meistens so vor, daß sie bloß die Arbeitgeber von ihrem Besitz zu vertreiben und sich an ihre Stelle zu setzen brauchten, und es bliebe alles im Handel und Wandel beim alten. Das ist ein großer Irr⸗ tum. Sowie es keine freien Kapitalisten mehr gibt, hören das Bedürfnis und die Nachfrage für die mel⸗ sten Arbeits⸗Erzeugnisse auf, und die Arbeiter wären brotlos, Handel und Verkehr vernichtet. Der Klassen⸗ Nr — aal a 1 ug! Gibt e such Hadul Nuspnl fund Naß e hustet eiter bert Vor. 100 bite farb. eden 15 qa m m 1 der J Mi pid i Ju der Heonde Mbelte Al steht tells ung. wird hes kalle deer „bon aus⸗ berg hat und uben t die Ge⸗ olche, kein loch genug Wun⸗ dem schen. nern risten satho⸗ Wild hat Theo⸗ le der eder⸗ gericht i ber⸗ leisch⸗ Um⸗ 9 den Flor⸗ Netz⸗ ehörde Unter⸗ Kaunt aß die den et; erauß, litalib e des en get, r aus liege 8 Ge⸗ cte ge⸗ 1 die 1 das hien⸗ mech, olratie shelter dem Leh- belde er in chen „ 0 ami, net⸗ 11 unhe⸗ porzu“ globe Nr. 3. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. staat ist keine Schöpfung menschlicher Willkür; er ist Sin der Menschennatur begründet.“ Demnach wird also der Klassenstaat, den die Reptilien doch stets als eine sozialdemokratische Erfin⸗ dung hinstellten, als wirklich existirend anerkannt. Ferner: Gibt es keine Kapitalisten mehr, hört die Nachfrage nach den m eisten Arbeitserzeugnissen auf. Also: die Handvoll Kapitalisten nehmen das Meiste für sich in Anspruch. Ist das Gerecht? Und muß ein solcher Zu⸗ stand nicht im Juteresse der Gesamtheit beseitigt werden? Daß ein Unternehmen von einem Besitz verdrängt wird, passiert doch täglich. Ruhig geht deshalb die Sache weiter ihren Gang. Für den Kruppischen Riesen⸗ betrieb war es ganz gleichglültig, ob Krupp in Essen war oder im Bade, in Italien Krebse fing oder sich sonstwo amüsierte. Keine Störung trat ein, als er starb. Beweist seine Ueberflüssigkeit, wie die eines jeden Unternehmers als solcher. t. Eine Allgemeine Metallarbeiterver sa mm lung findet diesen Sonntag nachmittags 3 Uhr in der Turnhalle zu Haiger statt. Der Gauleiter des Metallarbeiterverbandes, Fritz Ehrler in Frankfurt wird über die gewerkschaftliche Organisation sprechen. Zu der Versammlung hat natürlich Jedermann Zutritt; besonders sind die in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter eingeladen. Aus dem RNreise Marburg⸗Rirchhain. * Christlich⸗soziale Wahlrechts⸗ fein del In Marburg hielten die Stöcker'schen am Montag im Café Quentin ebenfalls eine Versammlung ab. Herr Burckhardt hielt eine lange Rede, in der er die Ziele der Christ⸗ lich⸗sozialen Partei zu entschleiern versuchte. Beinahe eine Stunde lang beschäftigte er sich mit den Zöllen, denen er das Wort redete. In der Diskussion sprachen Gen. Vetters⸗ Gießen und Herr Nuschke, Redakteur der „Hess. Landesztg.“. Ersterer wandte sich gegen die Ausführungen Burckhardts im Allgemeinen, Herr Nuschke wies auf einen vor einigen Jahren im„Volk“ erschienenen Artikel hin, in dem gegen das Reichstagswahlrecht polemi⸗ siert wird. Dieser Artikel ist nun zwar nicht Redaktionsmeinung des christl.⸗suz. Blattes, aber es stellte ihn an die Spitze des Blattes und widersprach ihm nicht unbedingt. In der Auseinandersetzung darüber erklärte sich Herr Burckhardt für ein Wahlrecht nach„Ständen“, also ein ähn⸗ liches, wie man es gegenwärtig in Sachsen plant. Demnach besteht kein Zweifel, daß die Stöcker'schen Feinde des Wahlrechts sind. Trotzdem wagen sich diese Leute als arbeiter⸗ freundlich aufzuspielen! Mit Recht sagte ihnen Vetters später, daß die christl.⸗soz. Par⸗ tei eben nur eine Schattierung in der Menge der reaktionären Parteien bildete.— Im Uebri⸗ gen brachte diese Versammlung Stöckerianern nicht viel Erfolg. 5 r. Die Schneider-Zentral⸗Krankenkasse, Filiale Marburg hielt am Dienstag eine weitere Ver⸗ sammlung ab. Ueber die erste berichteten wir in voriger Nummer und wir waren dabei genötigt, dem Herrn Schneidermeister Heinemöller wegen seines merkwürdigen Verhaltens einige Worte zu widmen. Diesmal hatte er es etwas schlauer angefangen, sich seinen Posten als Vorsitzender zu sichern. Er hatte riesig agitiert und alle Meister, die der Kasse angehören, aufgeboten. Zu Beginn der Versammlung verlas er den Vericht der M. S.⸗Ztg., gegen dessen Richtigkeit er nichts einzu⸗ wenden hatte. Darauf wurde die Vorstandswahl vor⸗ genommen, wobei Herr Heinemöller ruhig seines Amts waltete, er hatte jedenfalls vergessen, daß ihn die vorige Versammlung abgesetzt hatte. Mit 26 Stimmen wurde er zum Vorsitzenden gewählt, die von den Ar⸗ beitnehmern vorgeschlagenen Kandidaten erhielten nur 20. Bei der Wahl der übrigen Vorstandsmitglieder ergab sich das gleiche Stimmenverhältnis.— Daß nun⸗ mehr in die Kasse geordnete Verhältnisse Platz greifen werden, ist kau u anzunehmen. Bisher wenigstens schal⸗ tete der Vorsitzende nach Belieben; Kr ankenkontrolle fehlte und überhaupt ließ die Führung der Kassenge⸗ schäfte zu wünschen übrig. Kürzlich war nicht einmal Geld vorhanden, als ein verhelratetes Mitglied seine Unterstützung holen wollte. Die Arbeitnehmer wollten Ordnung schaffen, deshalb drangen sie auf Wahl eines andern Vorsitzenden. Wir sind überzeugt, daß der Hauptvorstand sich die Sache noch etwas näher ansieht. Ein Hauptmann wegen Leichen raub vor Gericht. Vor der Mainzer Strafkammer hatte sich — am Montag der Hauptmann a. D. Rudolf Mayer wegen Leichenberaubung zu verant⸗ worten. Der Augeklagte bewohnt die Villa „Steig“ bei Ingelheim. Dort, in der Nähe des Landhauses, ereignete sich am 19. Mai v. Js. ein schweres Unglück. Der Sohn des Kommerzienrats Albert aus Biebrich, der 23 Jahre alte Ingenieur Paul Albert und der 26 Jahre alte Monteur Georg Saaler aus Friedberg kamen mit einem erst Tags zuvor ge⸗ kauften schweren Automobil auf der Chaussee an⸗ gerast; es war auf dem Wege nach Paris zur Wett⸗ fahrt. An einer Mulde in der Nähe der Steig prallte das Gefährt an, überschlug sich und begrub seine Insassen unter sich. So fand sie der 13 Jahre alte Sohn des Hauptmanns Mayer, als er in die Schule gehen wollte. Er rief Leute herbei, auch seinen Vater, die dafür sorgten, daß die Schwerverletzten unter Dach und Fach kamen. Albert starb nach wenigen Stunden in den Armen seiner herbeigeeilten Mutter. Saaler kam nach Mainz in das Rochus⸗ hospital und wurde nach monatelanger Behand⸗ lung wieder hergestellt. Wie gesagt, befand sich unter den Leuten, die zuerst zu Hilfe eilten, auch Hauptmann Mayer. Er nahm von dem mit dem Tode ringenden Albert alle Effekten, die er in dessen Kleidern fand, damit sie nicht gestohlen würden und lieferte sie später auf der Bürgermeisterei ab. Es wurde jedoch fest⸗ gestellt, daß 1500 Franks, die eine Brieftasche in französischen Papieren enthalten haben sollte, fehlten.— Der Angeklagte behauptet, daß er alles, was er bei Albert gefunden, bei dem Bürgermeister abgeliefert habe. Aus der Ver⸗ nehmung der zahlreichen Zeugen geht zwar hervor, daß sich Mayer nicht in den besten finanziellen Verhältnissen befand, doch kann niemand den behaupteten Diebstahl bestimmt bezeugen. Trotzdem sieht der Staatsanwalt die Schuld des Angeklagten als erwiesen an und beantragt entsprechende Gefängnisstrafe zu ver⸗ hängen, sowie auch Aberkennung der Ehren⸗ rechte auf eine gewisse Zeit auszusprechen. Das Urteil lautet auf Freisprechung, weil die vorhandenen Umstände nicht für ausreichend erachtet werden könnten, um ein verurteilendes Erkenntnis zu fällen. Die Aermsten bestohlen. Der Obermeister der Bäckerinnung von Dessau, Bäckermeister Rey, war Lieferant für die Armenverwaltung. Als solcher hatte er 8 Pfund Brot für 75 Pfg. an die Armen zu liefern, die mit einer Brotmarke zu ihm kamen. Das ist ein durchaus angemessener Preis, den man nicht als einen gedrückten be⸗ zeichnen kann, da keinerlei Rabatt davon ab⸗ ging. Die Armenverwaltung ließ nunmehr, wie es ihre Pflicht war, von Herrn Rey an die Armen gelieferte Brote auf ihr Gewicht kontrol⸗ lieren und da entdeckte sie, daß dieselben— man lese und staune!— bis zu zwei Pfund Mindergewicht hatten. Sollte man so was für möglich halten? Natürlich ward Herrn Rey die Brotlieferung sofort entzogen. Die Handlung, die sich der Bäckermeister zu schulden kommen ließ, ist von seltener Schlechtigkett. Im Mittel⸗ alter würde man solchen Betrüger an den Schandpfahl gestellt haben, so daß jeder Vor⸗ übergehende ihn anspucken könnte. 555 Kleine Mitteilungen. * Der Schlittschuhsport hat in den letzten Tagen zahlreiche Opfer gefordert; in Kirchen a. d. Sieg ertranken 2 Kinder, ebenso in Hamburg 3 Kinder. In der Umgebung von Berlin kamen ebenfalls zahlreiche Unglücksfälle anf dem Eise vor, wobei Menschenleben zu Grunde gingen. Also Vorsicht bei Eissport! e Wegen Sittlichkeits verbrechen verur⸗ teilte die Limburger Strafkammer einen 52 jährigen Ziegelbrenner zu 3 Jahre Zuchthaus. Dieser Mensch unterhielt ein Verhältnis mit einem 12jährigen Schul⸗ mädchen. „Kleine Garnison“. In Pirna bei Dresden fanden Duelle zwischen mehreren Offizieren wegen einer Ehebruchsaffaire statt. —.—— Partei-Uachrichten. Der frühere Reichstagsabgeordnete Genosse Agster, ist am Sonntag im Degerlocher Walde bei Stuttgart erhängt aufgefunden worden. Agster war längere Zeit geisteskrank und machte schon früher einmal im Reichstage einen Selbstmordversuch. In der vorigen Legislaturperiode war er Vertreter des Wahlkreises Pforzheim i. B. Crimmitschau unterm Belagerungszu⸗ stand. Die erste Auflage der unter diesem Titel im Kommisstionsverlage der Buchhandlung Vorwärts er⸗ schienenen Broschüre ist bereits vergriffen. Der Einzel⸗ preis ist 15 Pfg. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 16. Januar. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. General⸗Ver⸗ sammlung. Tagesordnung siehe Inserat. Lollar. Wahlverein. Abends 7/9 Uhr bei Wirt Schupp Versammlung. Vorstandswahl. Wieseck. Wahlverein. General⸗Versammlung Abends ½9 Uhr bei B. Wacker im„Gambrinus“ T.⸗O.: 1. Abrechnung; 2. Vorstandswahl; 3. Ver⸗ schiedenes. 5 Sonntag, den 17. Januar. Alsfeld. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Mit⸗ glieder⸗Versammlung im Vereinslokal. Sonntag, den 24. Januar. Gießen. Freie Turnerschaft. Nachmittags 3 Uhr Mitgliederversammlu'ig auf Lonys Bierkeller. Wich⸗ tige Tagesordnung. Quittung. Gießen. Männergesang⸗Ver. Blitzenrod durch E. S. Lauterb. Mk. 4.— Arb.⸗Gesang⸗Ver,„Vorwärts“ (O.) 7,40.— Staufenberg 20.— Mainzlar 4,30.— Beamt. der Ortskrankenk. Gießen 3. R. 4.— S. Arndt 1.— Ladbch. 1.— Liste Nr. 55.(2te R.) 3,10.— Leihgestern 1. R. 9.— Heuchelheim ges. am Aten Weihnachtsfeiertag 20.— Alten⸗Buseck: Bei der Weih⸗ nachtsfeier Mk. 3.14— Von Hachenburg R. Mk. 1— B. S. Mk. 0,50 M. 0,50 Mk.— Von den Feilen⸗ hauern in Lollar Mk. 2,70.— Rödchen b. Bad⸗Nau⸗ heim Ungenannt Mk. 1,.—— Wahlver. Mk. 2,— Liste Nr. 43 muß heißen Gleiberg⸗Gießen. —————— Letzte Nachrichten. Im Reichstage haben unsere Genossen eine Juterpellation wegen der russischen Polizei⸗ spitzeleien eingebracht. Darin werden folgende Fragen gestellt: Ist es dem Reichskanzler be⸗ kannt, daß die russische Regierung im deutschen Reichsgebiete Polizeiagenten zur Ueber⸗ wachung russischer und deutscher Staatsange⸗ höriger unterhält, daß zu diesem Zwecke russtsche Polizetagenten ein Verbrechen verübt und ver⸗ sucht haben, andere Personen zu einem Verbrechen zu bestimmen? Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um diesen Zustand zu beseitigen? Wie kommt es, daß in Königsberg gegen Reichs⸗ angehörige wegen angeblicher Beihilfe zum Hoch⸗ verrat gegen Rußland und Beleidigung des russischen Kaisers das Verfahren eingeleitet wurde, bevor der die Strafbarkeit bedingende Straf⸗ antrag der russischen Regierung vorlag? Kappen-Sitzung in der Restauration„Zum Storch“ Der Luigentisch. Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges 85 E Ichuhwaren-Lager 22 in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Arbeiterschuhe und Stiefel sowie sämtl. 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Aber er hatte sich auch viel besser benommen, als er sich's zugetraut: er war denn doch der armselige Kerl nicht, für den er sich selber gehalten, 3 es steckte noch was ganz anderes in ihm!— Der An- fang war gemacht, er war auf dem rechten Wege, und nun ging's weiter ans Ziel— da war kein Zweifel mehr. Er legte sich vergnügt zu Bette und schlief bis zum lichten Morgen. Als er erwachte, hatte sich die Sonne, durch dünne Wolken scheinend, bereits eine ziemliche Strecke über den Hortzont erhoben. Es near indes Feiertag, er konnte sich noch im Bette dehnen, und er tat es. Seine Glieder waren von Schmerzen beinahe ganz frei, und ein Lächeln entlockte es ihm, als er zwei Mäler an seinem Oberarm, die gestern noch blau ge⸗ wesen waren, heute schon ins Grünliche über⸗ gehen sah. Er wußte aus Erfahrung, daß sie dann bald ganz verschwinden und nichts mehr übrig bleiben würde als die guten Folgen. Während er sich anzog, kam ihm der Ge⸗ danke, ob er nicht seine günstige Stellung be⸗ nutzen und dem Alten sogleich die Einwilligung zur Heirat mit der Geliebten abnötigen solle. Es kam ihm nicht ganz unmöglich vor, daß er am Ende nachgab, wenn er sah, wieviel bei ihm die Glocke geschlagen hatte.— Mit Ent⸗ schlossenheit ging er hinunter in die Stube. Der Alte saß allein hinter dem Ofen, und das war günstig. Tobias sagte Guten Morgen und trat näher. Wie er ihm aber in das er⸗ hobene Gesicht sah, fühlte er gleich, daß die rechte Zeit für sein Unternehmen doch nicht gekommen sei. Der Alte sah gefährlich aus. Die Schlappe, die er gestern erlitten hatte, nagte an ihm, er war in tiefen Unmut ver- sunken. Ruhig saß er da; aber es war eine Ruhe, die ein einziges schiefes Wort in den wildesten Sturm verwandeln konnte.— Nach- dem der Sohn dies erkannt, wandte er sich, stimmte sein Triumphgefühl herab und ging still mit ehrbarer Miene hin und her, indem seine Stimmung wieder eine bedrückte zu wer⸗ den begann. Die Glocken erschollen vom Turme. Er zog seinen Tuchrock an und setzte seinen Schaufel⸗ hut auf, um in die Kirche zu gehen. Sein Inneres erfüllte sich mit resigniertem Ernste, und er war sehr geneigt, andächtig zu sein wie irgend einer der ledigen Burschen. Auf dem Wege begegnete ihm jedoch ein Bekannter, der auf seinen Gruß mit auffälliger Miene dankte. Es war ein guter Mensch, aber jetzt lächelte er fast so, als ob er ihn auslachte. — Nicht lange, so ging einer seiner frühern Widersacher an ihm vorüber. Dieser zeigte ein Gesicht, aus welchem die Schadenfreude ordent⸗ lich leuchtete, und Tobias sagte sich augenblick⸗ lich: man weiß es! 2% gorhorgen Darauf war er nicht vorbereitet. Sein Herz fing an zu pochen, Schamröte übergoß ihn. Wenn es die zwei wußten, dann wußte es das ganze Dorf— und dann war Spott und Schande nicht zu vermeiden.— Es half nichts, daß er sich die Möglichkeit vorhtelt, seine Vermutung könnte doch irrig sein. Ein drittes Gesicht von einem ältern Verwandten sprach viel zu deutlich. Er täuschte sich nicht. Es war ausgekommen— Gott weiß wie!— Die Leute wußten, daß er Schläge bekommen und warum, so sahen sie aus!— Mit Gefühlen, die wenig Kirchliches hatten, trat er in das Gotteshaus ein und ging auf die„Vorkirche“(Emporkirche) an seinen Platz unter den Ledigen. Er fürchtete, aller Augen würden sich auf ihn richten, sah daher grad vor sich hin und gab sich die größte Mühe, seine Verlegenheit hinter einer feierlichen Miene u verbergen. Mit dieser seiner Furcht ging er indes zu weit; denn so wichtig erschien er im gegenwärtigen Augenblick der Gemeinde doch nicht, daß sie nur Augen für ihn haben sollte. Einige mitleidige Blicke von seiten junger Burschen— das war alles, was er erreichte; und das dauerte nur einen Moment. Als das Lied begann, dachte niemand mehr an den Schneider. Er fing an, sich zu gewöhnen, und sang kräftig mit. Plötzlich traf ihn ein anderer Ge⸗ danke. Wenn der Pfarrer selbst etwas wußte und von der Kanzel her seinen Blick auf ihn richtete— oder gar in der Predigt eine An⸗ spielung auf ihn machte, wie das schon vorge⸗ kommen war? Und wenn dann erst recht alles auf ihn sah und er dastand wie ein Gerichteter? — Aengstlich und bekümmert folgte er dem Gange des Gottesdienst. Bei Lesung des Textes ging ihm ein Stich durchs Herz: es war die Parabel vom verlorenen Schafe! Wie leicht war da eine Hindeutung auf ihn!— Er bebte merkbar, und nur mit der größten Anstrengung Pewag es ihm, die Empfindungen, die ihn in ewegung setzten, nicht ganz deutlich werden zu lassen.— Die zweite Sorge war indessen noch unnützer als die erste. Ler Pfarrer hielt eine warme herzliche Rede, die sich durchaus im allgemeinen bewegte, und Tobias fig an zu begreifen, daß, wenn seiner darin gedacht worden wäre, dies für ihn wur ehrenvoll hätte sein können. Viel ruhiger, als er sie betecteu, verließ er die Kirche. Auf dem Heimweg sah er zwar noch einige lächelnde Gesichien, aber die Heiter keit derselben schien ihn doch viel weniger boshaft zu sein, und er en peaud sie denn auch wieder weniger peinlich. J; einer mittleren Stimmung kam er nach Hause und behauptete dieselbe während des Mittagessens. Später lockte ihn das schöne Welter in den Garten. Er ging hin und her, setzte sich auf eine Bank unter den dicksten Baum, und in der frischen Luft, unter dem freundlichen Himmel wurde er ruhiger und heiterer. Die Geschichte konnte auch leichter vorübergehen, als er sich dachte; ja, sie konnte sogar zu seinem Nutzen aus⸗ schlagen— wer wußte das!— Eine geraume Zeit verging. Als es vier Uhr schlug, erhob sich in ihm die Frage, ob er ganz zu Hause bleiben oder noch unter die Leute gehen sollte. Das erste war gefahrlos, aber auf die Dauer langweilig; das zweite gewagt, aber ehrenvoller und so oder so unter⸗ haltender. Nach kurzem Besinnen rief er: „Was da!— ich geh' ins Wirtshaus!“ In dunkelblauer Juppe, die Pelzkappe ein wenig auf rechte Ohr gesetzt, ging er mutig die Gasse hinab. Er suchte munter auszusehen und grüßte ein paar Mädchen, die am Wege standen, lustig, so daß sie ihm verwundert dankten. Als er das Wirtshaus erblickte, wurde er ernster. Die Gefahr, der er ent⸗ gegenging, kam ihm zum Bewußtsein, und er waffnete sich darauf. Im Tennen traf er das Wirtsmädchen. Diese sah ihn gutmütig an und sagte:„Die ledigen„Burscht“ find im Garten.“ Tobias überlegte einen Moment, ob er nicht lieber in die Stube gehen sollte; aber der Mut siegte, und er ging durch die Hintertür zu seinesgleichen. Fr.“ Eine frische, heitere Szene bot sich ihm dar. 70 Rechterhand vor einem Kegelplatz standen junge ns n Leute und versuchten auf der unbedeckten, von 95 den Wirtsleuten stiefmütterlich behandelten„ Bahn mehr ihr Glück als ihre Kunst, voll? pumt führten aber dabei nur einen um so fröhlicheren da Lärm. Links an einer Tafel saßen ältere algen Bursche, die sich mehr ans Trinken des Gere Taba braunen Bieres und an ergötzlichem Gespräch che hielten. Die Sonne war über die zarten Wol⸗ Puazui ken, die ste vormittags schleierartig umzogen 90 hatten, völlig Herr geworden, der Garten stand Fuba im herrlichsten Frühsommerglanz, Laub und h Gras leuchteten, in den warmen Strahlen er- T0 lustigten sich Käfer und Fliegen, oben in den gil er Luft weißbauchige Schwalben, die zwitschernd uo in der Luft hin und her flogen und auf und Ab ab tauchten wie in einem Bade. Die Natur du war glücklich und die Menschen so vergnügt, f 15 es Bauern am Sonntag nur irgend sein 0 17 können. 6% In der Unterhaltung der Trinker war eine 1 kleine Ebbe eingetreten; aber im Schweigen dc saßen die tüchtigen Bursche so behaglich da Ind wie vorher im Diskurs. Als sie des Tobias g diuge ansichtig wurden, belebten sich die braunen 0 Gesichter plötzlich, und mehrere Stimmen riefen 91 wie aus einem Munde:„Ah, der Schneider!“ r. — Es war eine eigene Mischung von Bosheit und Wohlwollen gegen den, der ihrer Bosheit als Opfer entgegenkam! 1 Als Tobias die Mienen sah, erkannte er sein Schicksal und lenkte seinen Schritt gegen die Kegelbahn. Da öffnete ein breitköpfiger, ur⸗ 1 gesunder, grundvergnügter Kerl an der Schmal⸗ 1 0 U seite der Tafel eine Art Wolfsrachen und rief die so gutmütig als möglich:„Schneider, Bruder? Mich herz! Da komm her und setz dich zu uns 4 nnen Tobias zauderte, denn der Bursch, namens vue „Leard“(Leonhard), war ein bekannter„Uzer“? übe de aber dieser fuhr fort:„Laß die Buben kegeln 1 de be und setz dich zu deinen Kameraden. Komm, da Vladin neben mir ist noch Platz!“ et Tobias, in Ermangelung einer Ausrede A1 folgte willenlos und setzte sich. 12 5 . 1 wandten sich nun auf Tobias 15 und Leard.. Dieser hatte dem Schneider mit seinem 1 1155 Kruge aufgewartet und sah, während er trank, 4 sihung vor sich hin. Dann begann er:„Nun sag mir, dere Schneider, wie geht's allweil? Ich hab' dich lang nicht gesehen!“ Und indem er ihn betrach- tete, fuhr er teilnehmend fort:„Du bist ein wenig bleicher als sonst— ist dir vielleicht etwas zugestoßen?“ 111 Tobias, der allerdings etwas bleicher war 0 als sonst, aber nur, weil er merkte, was der 1 Leard mit ihm vorhatte, versetzte trotzig:„Bah. mc was sollt mir zugestoßen sein? Ich wüßt'“ f 3 nicht was!“ Dieser Antwort folgte ein Ausbruch von f. 0 Heiterkeit, der den Humor des Burschen nicht 1 0 heben konnte. 10 Leard dersetzte:„Nun, nun, zustoßen kann 0 D. einem immer etwas— für Unglück kann kein un g Mensch. Man kann verschreckt werden, mann ten; kann hinfallen, gefährlich hinfallen—“ 1 5 0 „Besonders bei der Nacht,“ warf ein feinen 0 junger Bursch ein,„wann's finster ist.“ 1 0 „Ja wohl“, fuhr Leard fort;„bei der N 6 en Nacht ist viel möglich, da hat der Teufel sein. 170 Spiel, nam ntlich wenn man auf 1 2 geht, ue die man noch nicht recht gewohnt ist.“ Und 5 den Tobias betrachtend, der nun in der Tat 8 wie ein armer Sünder dasaß, rief er plötzlich: „Schneider, Schneider, ich hab's getroffen; Die fan ist etwas passiert, und das was recht wider⸗ 0 e Sag's, Tobias! Sag's deinen Kame- raden!“ d 9 Diese Aufforderung war mit aller Teil- 1 nahme eines echten Freundes gesprochen, und i Tobias, der vergebens nach einer passenden en; Entgegnung suchte, fühlte sich in der unbehagn⸗ a lichsten Lage. Da es mit seinem Humor gän lc lich vorbei war, legte er sich auf den Aerge ben; und rief:„Was habt ihr denn aber heut? Ich ii weiß ja gar nicht, was ihr wollt! Laßt mich bf gehen— oder ich geh'!“ b J „Ah,“ entgegnete Leard mit vorwurfsvoller A Miene,„Das wirst du uns doch nicht tun? i al Fortgehen von deinen besten Kameraden 2“ Und ö bon delten boll⸗ heun ältere igen sprüh Vol. logen fand 1 en el⸗ n ber chend f Aud un gnüg, d en . eee. r eine weigen ich da Tobias raunen riefen elder! Bosheit Bosheit ite er gegen ger, ur- pchmal⸗ ud rief bruder⸗ 81“ namen? zer“ Kegels um, da nr: Tuba“ seinen r ral, %„, i dich beltach⸗ bit ein billecht her wl Was der 9 „Ba ü“ 10 1 nicht — „ a f el kaun g aun k ell, mal 1 1 eee in die Brust gestoßen. 5 Nr. 3. Mitteldeutsche Sountgs⸗Zeitung. Seite 7. zu den andern gewendet, rief er:„Haben wir uns nicht alle gefreut, wie er gekommen ist?“ „Ja wohl! Freilich!“ war die Antwort. „Siehst du?“ fuhr Leard fort.„Und da kommt ohnehin dein Bier!“ Das Wirtsmädchen kam übers Gras ge⸗ gangen mit einem Maßkrug und setzte ihn vor Tobias. Sie trat einen Schrit zurück und blieb stehen; denn sie wollte auch ihren Anteil am Vergnügen haben. Leard nahm seinen Krug, stieß an den des Tobias und rief munter:„Sauf, Bruder, und sag' uns dann, was dir passiert ist!“ Tobias trank und verlängerte den Zug so viel er konnte, in der Hoffnung, dadurch der Antwort überhoben zu werden. Aber sein Quälgeist war nicht gewillt, ihn in Ruhe zu lassen. Nachdem er selber einen tüchtigen Schluck zu sich genommen, begann er:„Nun also— was ist dir geschehen? Sag's!“ Jetzt verlor Tobias die Geduld.„So sei doch gescheit,“ rief er mit hohem Verdruß, „und laß mich gehen mit deinen einfältigen Fragen! Nichts ist mir geschehen!“ Leard schüttelte den Kopf und versetzte: „Du bist nicht höflich, Tobias, und vergiltst mir meine Freundschaft schlecht.“ (Fortsetzung folgt.) D Ein Stück Mittelalter. (Aus den„Freien Stunden“.) In Kischinew spielte im Dezember der Prozeß über die Kischinewer Judenverfolgungen, der, um die Mitschuld der Regierung nicht in die Oeffentlichkeit kommen zu lassen, hinter verschlossenen Türen abgewickelt wurde. Unter dem frischen Eindruck der Nachrichten über die blutigen Ereignisse hatte sich im vorigen Jahre der bekannte russische Roman⸗ und NPovellendichter Wladimir Korolenko nach Kischinew begeben und in Gestalt nachstehender Skizze das Ergebnis seiner Studien, die er an Ort und Stelle gemacht hat, veröffentlicht. Da die Arbeit bei den dermaligen Zensurverhältnissen in Rußland nicht veröffentlicht werden konnte, wurde sie in der geheimen Druckerei der russisch⸗ revolutionären Ar⸗ beiterorgantsation Bunt(Revolution) gedruckt. Die Aushängebogen wurden der Wiener„Zeit“ zur Ver⸗ 1 fügung gestellt, und so können wir dies wichtige kultur⸗ historische Dokument unseren Lesern zur Kenntnis bringen. Haus Nr. 13. Von Wladimir Korolenko. 15 Zwei Monate nach dem Massakre traf ich in Kischinew ein. Der Nachklang dieser blutigen Ereignisse war noch frisch und tönte schrill durch ganz Rußland. In Kischinew selbst hatte die Polizei alle Hände voll zu tun. Dennoch war es nicht leicht, die Spuren jenes schreck⸗ lichen Tumults zu verwischen; sie waren über⸗ all noch sichtbar. Der Jude Daschewskt hatte in Petersburg den Herausgeber der Zeitung Bessarabetz mit einen Messer verwundet, und merkwürdigerweise war es ein anderer Jude, ein Arzt, der dem Verletzten sofort die erste Hilfe leisten wollte. Mit Schrecken lehnte Kruschewan diesen Bei⸗ stand ab und schrieb bald darauf:„Daschewskts Seele gehört mir.“ Er forderte die Todes⸗ strafe für Daschewski, weil er, Kruschewan, kein gewöhnlicher Sterblicher, sondern der„Vertre⸗ ter einer Staatsidee“ sei. Wenige Tage später— ich war damals schon in Kischinew— fielen drei unbekannte junge Leute über einen jüdischen Volksschüler her. Der eine von ihnen hatte besser gezielt als Daschewski und dem Knaben den Dolch Nur ein Buch, das der Knabe unter seinem Rock trug, rettete ihn vor dem Tode. Das Judenkind, das ahnungslos aus seiner Schule ging, konnte selbstverständ⸗ lich nicht als„Vertreter einer Staatsidee“ gel⸗ ten; deshalb wurde auch von dem Vorfall nicht weiter gesprochen. Man erzählte nur, das sei die Antwort auf Daschewskis Attentat. „In dieser Luft des Schreckens, der unver⸗ söhnlichen Feindschaft und des wilden Hasses it alles glaubhaft geworden. 5 Zu solch einer Zeit kam ich in Kischinew an, durchwanderte Straßen und Plätze und be⸗ mühte mich, dieses rätselhafte Drama mir selbst zu erklären. Allerdings erhebe ich keinen Anspruch darauf, in dieser Skizze den blitzschnellen Zusammenbruch aller Kultur und das gewaltige Aufwachen tierischer Instinkte zu enträtseln. Es gibt je⸗ doch kein Geheimnis, das nicht mit der Zeit bekannt würde. Sehr möglich also, daß auch alle Trieb⸗ federn der Greueltat von Kischinew eines Tages aus Licht kommen und daß dann alles verständlich wird, wie das Werk einer zerlegten Uhr. Man solle glauben, die bevorstehende Gerichtsverhandlung würde diese Aufgabe lösen. Aber es ist Grund vorhanden, zu befürchten, daß auch das Gericht dies nicht tun dürfte Immerhin will ich wenigstens das Entsetzen zu beschreiben versuchen, das sich meiner, zwei Mo⸗ nate nach der Katastrophe in Kischinew bemäch⸗ tigt hat, und zu diesem Zweck will ich möglichst genau und ruhig eine Episode schildern, das ist die Geschichte des Hauses Nr. 13. I Das Haus Nr. 13 befindet sich im vierten Bezirk der Stadt Kischinew in einem unauf⸗ findbaren Seitengäßchen. Mein Reisebegleiter, der seit drei Wochen mit der Stadt vertraut geworden war, erklärte dem Kutscher:„Haus Nr. 13... dort, wo man mordete“. „Jetzt weiß ich's,“ sagte der Kutscher, und ich vernahm, daß er die Worte murmelte: Nissenson, Glaser.“ Nissenson und der Glaser waren noch vor kurzem am Leben, jetzt sind sie nichts als eine Bezeichnung für vergangenes Entsetzen. Das Haus Nr. 13 ist ein Haus wie viele. Armselige andere Häuschen steht man ringsum. Diese aber machen den Eindruck bewohnter Stätten und atmen Leben, das Haus Nr. 13 gleicht einem Leichnam: leere Fensterhöhlen, mit Brettern verschlagene Türen. Alles was recht ist; die Polizei in Kischi⸗ new hat zwar nichts getan, um das Gemetzel zu verhindern, aber jetzt ergreift sie energisch Maßregeln, um die Juden zur raschen Wieder⸗ herstellung ihrer zerstörten Gebäude zu zwingen. Nur über den Besitzer des Hauses Nr. 13 er⸗ streckt sich ihre Macht jetzt nicht mehr. An einer Ecke des Hofes, beim Eingang in eine Wohnung, sieht man noch einen großen, dunkelbraunen Fleck, den man sofort als ge⸗ ronnenes Blut erkennt. Blutspuren bedecken auch die Glassplitter, Ziegel, Kalkstücke, die Bettfedern und die Möͤbelstücke, die umher⸗ liegen. 1 „Hier mordete man; inspuß...“ ver⸗ nahm ich in meiner e eine sonderbare, dumpfe Stimme. Es war ein Mädchen von 10 bis 12 Jahren. Nach dem Ausdruck ihrer Augen hätte man sie für eine alte Frau halten können. Das Kind hatte alles mit angesehen, was unlängst geschehen war.. r dort le ßpprach ie, schwer atmend, mit einer Stimme. als ob man sie würgte, und zeigte nach der vertrockneten Blutlache. 5 „Wer denn; der Glaser?“ fragte mein Be⸗ gleiter. 5 5 „Ja.. ah. der Glaser. Er lief dort fiel er eben, dort, und sie begannen ihn zu morden.“ Mich befiel ein Zittern, und wir gingen von der Blutlache fort. Das Haus Nr. 13 bestand aus sieben Wohnungen. Acht Familien wohnten darin, zusammen 45 Personen. Das waren: ein Kom⸗ mis mit Frau und vier Kindern, er verdiente monatlich 48 Rubel; Nissenson, ein Buchhalter, der 25— 80 Rubel verdiente; Gosscha Paskar war Kommis mit 35 Rubel Gehalt, er hatte eine Frau und zwei Kinder; Itzig und Ger⸗ witz, ein Krankenpfleger; Gosscha Turkenitsch, ein Tischler; Basja Barabasch, ein Fleischer; dann noch der hausierende Glaser Grünspuß u. a. Man sieht, welch reiche Leute im Hause Nr. 13 wohnten. Am 19. April, am ersten christlichen Ostertag, begann die Zerstörung. Es hieß, der Gouverneur schreite nicht ein, weil er einen„Befehl“ erwarte. Auch im Hause Nr. 13 wartete man in dieser Nacht, daß der Befehl eintreffen möge.(Schluß folgt.) Splitter. Leidenschaft macht oft den gescheidesten Mann zum Tropf und den größten Dummkopf zum gescheidten Mann. la Rochefoucauld. ** Zehn Arme liegen ruhig Auf einer Streu beisammen, Zwei Königen ist immer Das weiteste Reich zu eng. 2 ** Frage den Feind um Rat; doch nicht um dem . N N Rate zu folgen: Zeigt er zur Linken dir gehn, gehe zur Rechten den Weg. Klapphornvers. wei Knaben trieben Politik, er eine log mit viel Geschick, Der andere sprach die Wahrheit frei, Den hat ertappt die Polizei. Humoristisches. Neujahrs⸗Gespräche. Spießer: Wenn man so nach hundert Jahren einmal wiederkommen könnte— was da wohl die Leute sagen würden? Arbeiter: Nichts. Die würden Sie einfach aus⸗ stopfen und in einem zoologischen Museum als vorsint⸗ . 5 ausstellen. a vastöchterlein hat recht.„He Geheimrat, sür Ihre deutschen 8 125 es 5 ein himmlischsüßer Genuß sein, Majestätsbelei⸗ digungen begehen zu können!“ „Wieso, Mademoiselle?“ Nun, weil's doch so streng verboten ist...“ Enfant terrible. Die kleine Ella: Tante, wo hast Du denn deinen Heiligenschein? Tante: Aber Ella, wie kommst du denn darauf? Ich bin doch keine Heilige! Ella: Ja, wie du kamst, da sagte Papa: da kommt die scheinheilige Person schon wieder! Geschichtskalender. 17. Januar. 1898: Posadowsky Streikerlaß⸗ Debatte im Reichstage. 1793: Louis XVI. von Frankreich zum Tode verurteilt. 18. 1802: Arbeitslosen⸗Interpellation im Reichs⸗ tage. 1896: Wahlrechtsliga in Leipzig aufgelöst.— Floquet, franz. Politiker f. 19. 1902: Brand des Stuttgarter Hoftheaters. 1874: Hoffmann von Fallersleben, freigesinnter pol. Dichter, f. 1736: James Watt(sp. Uatt), Hersteller der ersten brauchbaren Dampfmaschine,*. 20. 1903: Reichstagspräsident Ballestrem hin⸗ dert den Abg. Vollmar an der Kritik der Essener Kaiser⸗ rede., 1898: Brodkrawalle in Italien. 21. 1793: König Ludwig XVI. von Frankreich geköpft. 22. 1887: Die Berliner Genossen Hensel, Lachmann und Nauen brechen beim nächtlichen Flug⸗ blattverteilen auf dem Eise der Havel ein und ertrinken. 1729: G. E. Lessing,* 23. G. Doré ber. Maler, f. k...... k.k. Kk Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 12. Januar: Butter per Pfd. Mk. 0,80—0,85, Hühnereier 1 St. 8— 9 Pf., Enteneter 1 St. 8—9 Pf., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg. Kartoffeln per 100 Kilo 5,00—6,00 Mk., Weiß⸗ kraut pr. Stck. 5—7 Pfg., pr. Zentner 1,30— 1,60 Mk. Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,50— 5,00, Tauben per Paar 0,70 bis 0,90 Mk., Hühner per St. 1,30— 1,80 Mk., Hahnen per St. 0,70— 1,50 Mk., Enten per St. 1,70 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 56— 60 Pfg. Parteifreunde! c nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes. Die„Mitteldeutsche Sonntags— Zeitung“ erscheint wöchentlich ein mal und kostet nur 2s Pfg. den Monat; 78 Pfg. das Vierteljahr. — Seite 8. Mitteldentsche Sonntaas⸗Zeitung. 1 Inventur⸗Ausverkauf! Nach Beendigung meiner Inventur Da einen großen Posten Berren⸗, Damen- Knopf- und Schnürstiefel Damen- Sehnür- und Spangensechuhe Damen-, Herren- und Kinder-Hausschuhe in Filz, Plüsch und Ball- und Gesellsehaftsschuhe W Herr Her Leder amen⸗ und Kinder⸗ 11: Sehuhe und Stiefel 22: · welche in den Schaufenstern, durch Anprobieren ꝛc. etwas gelitten haben, zurückgesetzt und verkaufe dieselben zu bedentend herabgesetzten Preisen. Das Lager umfaßt unter anderem einen großen Posten m- u. Damen-Boxealf- u. 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Verschiedenes. 5 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Das Gewerkschaftskartell. 0 2...⁰LWWD Zur bevorstehenden Saison bringe mein großes Lager von Jrischen-, Dauerbrand⸗, Amerikaner, Regnlierheiz, Koch-, Hopew- und Darmslädler-Oesen in diversen Fabelkaten, ferner: Ofenschirme, Osenvorsetzer, Verdampfschalen, Feuergeräte⸗ ständer, Kohleufüller u. ⸗Kasten, Kohlenlöffel, Stocheisen, Asch⸗ und Mülleimer usw., in empfehlende Erinnerung. Auch habe eine Volldampf- Waschmaschine sowie Dr. Kleins Fleischsaftpressen zu verleihen. Ganz besonders mache auf den Vertrieb der patentierten Schröders Fohlen- und Kälber-Saugapparate sowie Tensterfeststeller aufmerksam, Hochachtungsvoll Edgar Borrmann Eisenhandlung, Haus- u. Küchengeräte. IAIZENX ist unentbehrlich als Bindemittel für Suppen und Saucen und unübertrefflich zur Verfeinerung von allen Kuchen und Backwerk. 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Januar, abends 9 Uhr in Tonn's Sierkeller, Schauzenstraßze. Eintritt 10 Pfg. 1 Das Gewerkschaftskartell. 2 4 9 28. * 2. 2 0 Freunden und Bekannten bringe meine Schuhmacherei in empfehlende Erinnerung. Georg Baum, Schillerstr. 29. pusskohlen Briketts liefern in nur bester Qualität Dachenhemer& Schaumbesge Marburgerstrasse 22. Karl Müller(früher Kohlermann) Plockstrasse 12. Wiessen Plockstrasse 12. Reichhaltiges Lager in Holz⸗ Korb⸗ u. Bürstenwaren Haus⸗ und Küchengeräte zu billigen Preisen. Sonnlag, den 17. Januar, nachmitlags 3 Uhr in der Turnhalle zu Halger öffentliche Jersammlung Vortrag über: Zweck und Autzen der gewerkschaftl. Organisation. Referent: Fritz Ehrler aus Frankfurt a. M. Hierzu werden alle in der Eisen⸗ und Metallindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen eingeladen. 58 10 l 2080894 * 2 2 1 * 2 25 435 1 S⸗ 1 S2 8 2 85 S 9 S 2220— 2 F „ 2 S. 5— SN 5 — 2 28 8— 3 2 8— 5 38 8 5 3 2 S Ne SS— S 2 7 „ 8 8 8— 3 8 Freie Diskussion. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. 9), 5 Verantw. Redakteur S — 2 r Der Einberufer. . A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen. 4 ö 1 1 N gen grö