— 1 Mr. 42. Gießen, den 16. Oktober 1904. Mitteldeutsche gs ⸗Jeiti 11. Jahrgang. nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. N Nedaktion: Mirchenplatz 11, Schloßgasse. — bunt 1 1 1 — 223— ˙ ü! — Volksschule und Religion. Wir haben dieses ungeheuer wichtige Thema vor kurzem schon einmal behandelt. Wir möchten heute noch einiges Charakteristische hinzufügen“). Unser Programm fordert für die Volks⸗ schule:„Trennung der Schule von der Kirche, Einheitsschule für alle Kinder, Unentgeltlichkett des Unterrichts und der Lehrmittel, Uebernahme der Kosten durch den Staat, Vermehrung und Besserstellung der Lehrer.“ Da ist ein Punkt notwendig mit dem anderen verknüpft unter dem einzigen großen Gesichtspunkt der„Ge⸗ l. rechtigkeit“, der ja überhaupt der Grundgedanke fach; und die Seele aller sozialdemokratischen For⸗ ten derungen ist. Zunächst soll allen Kindern die gleiche Möglichkett zur geistigen Ausbildung ge⸗ geben werden und nur die Leistungen und Fahtg⸗ keiten eines jeden, nicht der Geldbeutel und die eber Stellung des Vaters sollen entscheiden, wie hoch reit einer in der Gesellschaft steigt. Dazu gehört fort natürlich die Unentgeltlichkeit von Unterricht 5 und Lehrmitteln, die man an manchen Orten 15 ja auch schon mit Erfolg eingeführt hat. Die bet Stellung des Lehrers würde ferner ganz von ver selbst eine bessere, wenn er nicht nur die Kinder der unteren Volksschichten zu erziehen hätte. nen Auch die höheren Gesellschaftsklassen würden sich um sein Wohl und Wehe ganz anders kümmern 10 müssen, wenn sie ihm die eignen Kinder an⸗ zuvertrauen genötigt wären. Und wie sehr würde die Arbeit des Lehrers angenehmer sein, upft wenn dte Schülerzahl kleiner, die Zahl der 175 Vehrer dementsprechend größer wäre. Diese a Gedanken sind so einfach und gerecht, daß man sie überhaupt kaum näher auszuführen braucht lh und nur ihre Feinde müssen tausende von kleinen Gründen dagegen zusammensuchen, weil sie keinen einzigen entscheidenden echten Grund haben. Da scheint ihnen nun der erste Punkt, Trennung von Schule und Kirche, am bequemsten, um unsere Forderungen zu bekämpfen. Denn da lassen sich so viel schöne Phrasen von Religion und Sittlichkeit ine Feld ren und mau weiß dabei doch gewiß, vaß die Vol sschale, je mehr ste unter dem Druck es giments ge⸗ bracht werden kann, um get zu freierer geistiger und materieller wiclung kommen wird. Hier setzt deshalb bie praktische Arbeit unserer Feinde ein— und auf diese Stelle müssen wir deshalb auch zunächst unsere ganze Kraft zur Verteidigung zusammenziehen. In dieser Forderung dürfte sich kein vernünftiger Mensch, der es wirklich ehrlich mit dem Volk und seiner Schule meint, auch nur das ge⸗ ringste abhandeln lassen. Leider haben aber in den Schulkämpfen gerade alle bürgerlichen Parteien bisher noch versagt. Auch Eugen Rcchter und andere Freisinnige haben wieder⸗ bolt erklärt, daß ste sich die Volksschule ohne Religionsunterricht nicht denken könnten. Und selbst Pfarrer Naumann kaun sich nicht für die Trennung der Schule von der Kirche entscheiden, * In dem Artikel in Nr. 39 hatten sich einige Fehler eingeschlichen. Daß es in der 3. Spalte, zweite Seite, Zeile 7 von oben Kunst statt„Faust“ heißen muß, haben wir in Nr. 40 bereits berichtigt. Ferner mußte der vorletzte Absatz vor den viertletzten, der mit den Worten beginnt:„Und nun zum Schluß ꝛc.“ gestellt werden. eee zwei reinliche Möglichkeiten: entweder der Staat läßt allen Kindern ohne Ausnahme eine Staats⸗ religton beibringen oder verzichtet auf jeden Religionsunterricht.“ So ist die einzige in dieser Frage klare und zuverlässige Partei die Sozialdemokratie. Unsere Forderung wird nun natürlich von unseren Feinden vielfach(mit oder ohne böse Absicht) mißdeutet, als„materia⸗ listisch“, als„religionsfeindlich“ u. s. w. Wir müssen deshalb zur Klarstellung immer wieder betonen: Wir gönnen der Kirche ihren Religionsunterricht nach wie vor. Nur soll dieser von der Schule getrennt werden, es soll also niemand gezwungen werden können, an ihm teilzunehmen. Man soll jeder Welt⸗ anschauung ihr Recht geben, nicht bloß den paar obrigkeitlich abgestempelten Konfesstonen. Wir haben sicherlich nichts dagegen, wenn an der Schule auch christliche Lehrer wirken. Wir wissen, daß es auch unter ihnen sehr menschen⸗ freundliche Herzen und abgeklärte Geister gibt. Aber man soll auch jeden anderen bei der Schule zulassen, wenn er die nötigen geistigen und sittlichen Fähigkeiten zu dem Beruf hat. Unter den freien Denkern aber sind viele, die hundertmal mehr Erzieherberuf haben, als mancher bornterte engherzige Konfessionsfana⸗ tiker, der heute vom Staate vorgezogen wird. Durch die Herrschaft der Kirche über die Schule erreicht man nur, daß gute Köpfe und treue Herzen entweder dem für ste passenden Beruf fernbleiben, oder daß sie mit mehr oder weniger (wenn auch verzeihlicher) Heuchelei sich in das enge harte Joch fügen. Jeder Gewissenszwang erzteht eben zur Heuchelei; ist auch im höchsten Grade uxsittlich und auch unreligiös. Das könnten Pfaffen und Pfaffenfreunde wahrhaftig endlich aus der Geschichte einmal gelernt haben. Wir erinnern an das schöne Wort Schillers: Welche Religion ich bekenne? Keine von allen, die du mir nennst.— Und warum keine? Aus Veligton! Die größten Sünden der Menschheit sind aus der Glaubenstyrannei hervorgegangen. Erst haben die christlichen Märtyrer darunter ge⸗ litten, dann aber hat das stegreiche Christen⸗ tum, oder sagen wir besser die Kirche hundert⸗ mal mehr von sich aus gesündigt und ver⸗ brochen. Und der Gewissenszwang, der unsern Beamten, Lehrern, Offizieren u. s. w. auferlegt wird, ist eine durchaus würdige nur wenig modernisterte Fortsetzung jener mittelalterlichen Ketzerverbrennungen und Glaubenskriege. In der Reformationszeit beschloß man den lächer⸗ lichen Satz:„Wem das Land gehört, der darf auch die Religion bestimmen“. Also: wie der Fürst glaubte, so mußte auch der Untertan glauben. Da haben in manchem armen Länd⸗ chen die Leute nach Laune oder Aenderung bei der Regierung ihren Glauben wechseln müssen wie die Hemden. Aber ist's bei uns so viel anders? Wie der Wind an den Höfen weht, so weht er bald durch die ganze Beamtenschaft. Ist das Zufall? Sind's etwa wirklich immer nur innere Gründe der Ueberzeugung, die das bewirken? Was muß man denn tun, um gute Karriere zu machen? Um etwa den Hofbank⸗ titel oder einen blanken Orden zu bekommen? Gar viele Mittel und Wege weiß diese Glaubens tyrannet, um die„Gemüter“ zu gewinnen, manche harmlose aber leider auch nur zu viel direkt unmoralische. Und wie ein gewaltiger Druck Abonnementspreis: Bestellung en Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die Sgespalt. 1 Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 1 Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung . die Expedition unter Kreuzband viertelfährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P. ⸗Z.⸗K. 5107) 33¼9ö¾ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Nochmals: trotzdem er sehr richtig erkennt:„Es gibt nur liegt dieses Joch unserem gesunden Volksgeist auf der Brust, daß er noch wie in einer Zwangs⸗ jacke mühsam atmet. Kein Wunder, wenn auf der andern Seite, da, wo der Staatszwang nicht hinreicht, umso üppiger nur direkter Re⸗ ligionshaß emporschießt. Denn Gedanken und Gefühle lassen sich schließlich doch nicht in eine Form pressen, so wenig wie kochendes Wasser. Wenn das Gefäß zu eng wird für das in ihm drängende Leben, so muß es überlaufen, oder springen. Und die Kirche ist ein solches Gefäß, umso enger, desto strenggläubiger sie auftritt. Wenn sie aber nun wirklich das ganze reichr schwellende Leben der Schularbeit noch immet in ihren harten engen Rahmen festschraubeo will, ja es noch mehr tun will, als bisher, su ist das lächerlich und empörend zugleich. Wenn sie eine so furchtbar einfache Wahrheit, wd diese, daß„Religion“ sich nicht mit Liedern unn Sprüchen beibringen läßt, immer noch nicht einsieht, wenn sie der Weltgeschichte zum Trotze allen unseren großen Denkern und Dichtere, zum Trotz immer noch die Religion in deu Kinderschuhen der Konfession gehen lassen will, so zeigt sie schon damit allein ihr völliges Un⸗ verständnis für Fragen der Erziehung und geistigen Ausbildung. Wie unglaublich weit dieses Unverständnis stellenweise noch im 19. Jahrhundert gehen konnte, dafür zeugen ein paar Bestimmungen des preußischen Kultus⸗ ministers von Raumer, der 1850 sein Amt an⸗ trat. Da heißt es:„Sorgfältige Beobach⸗ tungen und Untersuchungen haben ergeben, daß Unterricht in der allgemeinen Weltgeschichte nicht mit dem erwarteten Erfolg in den Se⸗ minarien(also in den Bildungsanstalten für die Lehrer!!)) betrieben werden kann, vielmehr Uẽ⸗ klarheit und Verbildung erzeugt.“ Und noch toller ist der Satz:„Ausgeschlossen von der Privatlektüre muß die sogenannte klas⸗ sische Literatur bleiben.(Also Göthe, Schiller ꝛc. Wenn man freilich Aussprüche von Schiller liest, wie den oben angeführten, so ist diese Bestimmung wohl erklärlich!) Da⸗ gegen findet Aufnahme, was nach Inhalt und Tendenz kirchliches Leben, christliche Sitte, Patriotismus, und sinnige Betrachtung der Natur zu fördern geeignet ist.“ Was der Schule unter solchem Regiment für Schaden getan worden ist, ist unermeßlich. Volle 18 Jahre lang haben diese blödsinnigen Bestim⸗ mungen in Geltung gestanden. Auch der Nach⸗ folger Raumers, von Mühler, der 10 Jahre lang zum schwersten Schaden der Schule seines Amtes waltete, behielt sie bei. Erst 1872 wurden sie beseitigt, als mit dem Ministerium Falk bessere Zeiten zu kommen schienen. Er begünstigte die Simultanschule, in der die Kon⸗ fesstonen nebeneinander unterrichtet werden. Aber sofort wendet sich natürlich auch gegen ihn die ganze Meute der beschränkten Kon⸗ fesstonsfanatiker. Am schönsten war dabei der Versuch, sogar die Schuld an Hödels Atttentat dem Minister wegen seiner zu freien Schul⸗ verfassung anzuhängen. Falk antwortete darauf im Landtag:„Als ich gehört hatte, daß dieser Mensch gegenüber dem Stadtgerichtsprästdenten sich gerühmt hatte, 100 Lieder auswendig zu können, habe ich den Geheimrat Schneider zu dem Präsidenten geschickt. Er hat gefunden, daß das religtöse Wissen(man denke an unseren vorigen Artikel!) in Bezug auf Kate⸗ — ——bů—— — — — —— — —— Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 42. chismus, Sprüche und Lieder sehr berrachellch war(Bewegung im Landtag!). Wo bleibt da der nichtswürdige Vorwurf, daß ich für solche Taten verantwortlich ser?“ Nachdem der Mini⸗ ster so den Attentäter von seinen Rockschößen glücklich abgeschüttelt hatte, wurde letzterer ja bekanntlich der Sozialdemokratie angehängt. Ich denke, obige Tatsache allein schon gibt uns das Recht, dieses Geschenk dem gütigen Geber dankend zurückzustellen und mit Rücksicht auf seine Vorliebe für Bibelsprüche ihn dabei an das herrliche Wort zu erinnern, daß man erst den Balken im eigenen Auge merken sollte, ehe man den Splitter beim Nachbar sucht. Weil also den konfesstonellen Monopolbesitzern der Wahrheit auch die Simultanschule, die doch von unsern Zielen immer noch himmel weit ent⸗ fernt ist, schon zu viel Freiheit bedeutet, so soll auch sie nun wieder fallen. Konservative und Nationalliberale sind mit rührendem Eifer da⸗ bei, sie zu begraben, und das Zentrum steht dabei als lachender Zuschauer und— Erbe. Man kann ihm auch von Herzen gratulieren. Es hat eben Glück. Und in Regensburg sah man im Geiste auch schon die höheren Schulen und Universitäten wieder unter der„väter⸗ lichen“ Zuchtrute der Kirche. Ja, es ist eine herrliche Zeit, der wir anigezngoe werden! Man denke daneben an das Lippesche Erb⸗ folgegezänk, an die Schwierigkeiten der Paten⸗ schaft bei dem italienischen Kronprinzen, an den Streit wegen Benutzung eines Berliner Schul⸗ gebäudes durch eine freireligiöse Gemeinde ꝛc. Sind wir denn wirklich schon aus dem viel⸗ verspotteten„dunkeln“ Mittelalter heraus? Da⸗ bei ist die Schulfrage in den wichtigsten anderen Kulturländern längst klar gelöst. In den Ver⸗ einigten Staaten von Amerika, Italien, Eng⸗ land, Belgien, in der Schwetz ist niemand ver⸗ pflichtet, seine Kinder in den Religionsunter⸗ richt zu schicken. Frankreich und die Niederlande haben an der Schule überhaupt keinen Reli⸗ gionsunterricht. Nur bei uns in Deutschland, da wird immer noch„Religion gemacht“. Wir wiederholen dabei zum Schluß noch einmal: Wir haben nichts gegen das Christentum als solches, wir wissen, daß es von großer kultur⸗ geschichtlicher Bedeutung war, wir fühlen uns selbst vielfach gerade als Sozialdemokraten als echte Jünger jenes Menschenliebepredigers von Judäa. Seine Worte gegen den Mammon und gegen das Ottergezücht der Pharisäer sind uns recht aus tiefster Seele gesprochen. Wir achten den christlichen Arbeiter, der geistig und sittlich dem soztaldemokratischen nicht nachsteht, gewiß eben⸗ falls so, wie diesen. Aber die Art und Weise, wie offiziell das„Christentum“ bei uns zu Lande„gemacht“ wird, wie es direkt mißbraucht wird, um ganz andere Zwecke als christliche zu erreichen, wie es vor allem überall fast gegen jeden sozialen Fortschritt ausgespielt zu werden pflegt, das ist widerwärtig und unsittlich im höchsten Grade. Und diesen engherzigen und beschränkten Unteroffizieren der Kirche rufen entgegen:„Laßt eure ungeschickten Hände von der Schule!“ K. Wbr. Sozialismus in der Kaserne. Ueber dieses Kapitel lesen wir in der „Schwäbischen Tagwacht“: Von Zeit zu Zeit halten es die obersten Leiter unserer deutschen Kriegsheere für geboten, den Staat und die kapitalistische Gesellschaft vor dem Sozialismus dadurch zu retten, daß sie unseren Söhnen im bunten Rock den„Be— fehl“ in Erinnerung bringen, der unter An⸗ drohung schwerer Strafen verbietet: das Lesen von sozialdemokratischen Schriften und Zeit⸗ ungen, das Einschmuggeln derselben in Kasernen, den Besuch von sozialdemokratischen Festen und Versammlungen, ja selbst jede sozialdemokratische Aeußerung am Kontrollversammlungstage, etwa das Singen eines Liedes mit sozialdemokratischer Tendenz in einem Wirtschaftslokal usw. Es mag wirklich ein gräßlicher Gedanke für die herrschenden Klassen sein, daß diejenigen, auf welche sich seither die Kapitalistenklasse stützte, unsere Söhne in der Kaserne, darüber nachdenken könnten, ob der Militarismus, wie J[Lippe⸗Biesterfeld gestorben. man ihnen sagt, wirklich zu den„göttlichen Einrichtungen“ gehört, oder ob er nicht vielmehr eine kulturwidrige Institution sei. Und wie nahe liegt ihnen dann der Gedanke, ob es denn nötig sei, daß man sie von der Familie und ihrem Berufe losreißt und sie zwei und drei Jahre lang bei oft grausamem Drill unproduk⸗ tive Arbeit auf Rosten der Volksgemeinschaft zu verrichten zwingt. Ob es recht und mit den christlichen Geboten im Einklang sei, wenn mau von ihnen verlangt, eventuell auf Brüder und Schwestern, ja selbst auf Vater und Mutter zu schießen. Solche Gedanken, wenn sie im Heere all⸗ gemein um sich greifen, bilden allerdings eine große Gefahr nicht für das Volk, sondern für die kleine Kapitalistenklasse, die sich zur Er⸗ haltung ihrer Vorrechte auf die Bajonette stü tz t. Und deshalb sucht ste solch„aufrühre⸗ rischen“ Geist mit allen Machtmitteln fern zu halten. Vergebens! heißt es auch hier. Der So⸗ zialismus kann nicht mehr von der Kaserne ferngehalten werden, er steckt schon mitten drin. Jeder zum Waffendienst einberufene Sohn eines klassenbewußten Arbeiters, Handwerkers oder Kleinbauern schleppt ihn hinein. Und vom Sozialismus noch Unberührte werden durch den Drill und die Soldatenmißhandlungen auf ihn aufmerksam gemacht. Kein Zweifel, unser Heer wird immer mehr vom sozialistischen Geist erfüllt, dafür sorgt schon die kapitalistische Entwicklung. Die großen Industriezentren liefern die sozialistischen Ba⸗ taillone und Regimenter. Einen Beweis liefert uns die kürzlich in der Schweiz beendete Truppen⸗ ba den den Zu derselben waren allein aus den großen Winterthurer e eee gegen 1000 Arbeiter eingezogen. inter⸗ thur ist eine Hochburg des Sozialismus, und man darf annehmen, daß 90 Prozent der Ein⸗ berufenen den„roten Katechismus“, d. i. das sozialdemokratische Parteiprogramm, gründlich kennen. Den kleinen Rest Indifferenter zwingt der Militarismus zum Nachdenken. Wir können ihnen lebhaft nachfühlen, wie ihnen zumute ist, wenn sie an Weib und Kinder denken und sich darüber den Kopf zerbrechen, wie der Verlust eines mehrwöchigen Arbeitsverdienstes wieder hereinzubringen ist. Ganz so ist es bei uns. Mit jeder Einbe⸗ rufungsorder an unsere Söhne ergeht insbe— sondere in den großen Industriebezirken wie im Rheinland, in Sachsen der Befehl an den so ialistischen Gedanken sich in der Kaserne ein⸗ zufinden. Dagegen gibt es kein Mittel. Die Existenz ganzer sozialistischer Bataillone und und Regimenter ist keine Fabel mehr. Das wissen auch die Machthaber. Deshalb suchen ste den Geist des Sozialismus in den waffen⸗ pflichtigen Männern zu knicken und zu unter⸗ drücken, aber im Stillen regt er sich nur um so heftiger. Wir wissen ja aus den Erzählungen der vom großen Haufen ins„Zivilpack“ wieder Zurückgekehrten, welch„staatsgefährliche“ Ge⸗ danken oft in ihnen aufstiegen und wie revo⸗ 1 7 ihr Herz unter dem„Königsrocke“ chlug. Es ist daher ganz überflüssig, sozialistische Jugendvereine für die Propaganda in der Kaserne zu gründen. Dank unserer ständigen intensiven Aufklärungsarbeit dringt der Geist des Sozialismus in immer weitere Kreise. Der Kapitalismus, der sich immer mehr kulturhem⸗ mend erweist, tut das übrige. So kommt wohl die Zeit, in der das Wort— wenn wir nicht irren— des Franzosen Talleyrand:„Auf die Bajonette kann man sich wohl stützen, aber nicht setzen“, sich auch insofern als hinfällig erweist, daß die herrschenden Klassen sich zur Erhaltung ihrer Vorrechte auch nicht mehr auf die Bajonette stützen können und der Soldat das ist, was er sein soll, ein Verteidiger der Rechte des Volkes. Politische Rundschau. Streit um einen Fürstenthron. In Detmold ist der Grafregent Ernst zu Der geisteskranke Fürst Alexander lebt noch, also tritt Ernsteus Sohn Leopold als zweiter Grafregent die Herr⸗ schaft über das lippesche Reich an. lich aber werden die dem Kaiser verwandten Schaumburger nicht die Gelegenheit vorüber⸗ gehen lassen, um ihr„gutes Recht“ auf den lippeschen Thron geltend zu machen. Wilhelm II. sandte denn auch dem Grafen Leopold schon ein Telegramm, in dem es heißt:„Da die Rechtslage in keiner Weise geklärt ist, kann tch eine Regentschaftsüber nahme Ihrerseits nicht anerkennen und lasse auch das Militär nicht vereidigen.“ Nun 1 5 also die armen Soldaten, ohne einen„heiligen Fahneneid“ herum. Die lippesche Regierung hält an der absoluten Souveränität des Staates und der Regentschaft des Grafen Leopold fest. Dem Volke kann es natürlich höchst gleichgültig sein, ob der Schaumburger oder der Biesterfelder Gottesgnadeptümler in Lippe spielt. Die sozialdemokratischen Abgeordneten im lippeschen Landtag haben denn auch eine Erklärung abgegeben, in der sie gegen fremde Einmischung protestleren, u. den auf grund der Dreiklassenwahl gewählten Landtag nicht als bie Vertretung des lippeschen Volkes an⸗ erkennen. Sie erklären weiter, daß ste jedem genügend entschiedenen Protest gegen die Ein⸗ mischung der Bückeburger Regierung und des Kaisers in die Angelegenheiten des lippeschen Volkes zustimmen.... Sie erklären aber ausdrücklich, durch diese Stellungnahme gegen Bückeburg auch nicht im geringsten irgend⸗ welche Rechte Biesterfelds anerkennen zu wollen. Am Montag hat der Landtag nun den Antrag der Kommisston angenommen, in dem Einsetzung eines ordentlichen Schiedsge⸗ richtes zur Entscheidung der Thronfolgestreitig⸗ keiten, vom Bundesrate verlangt wird. Schulkon flikt in Berlin. Zwischen der Berliner Stadtvertretung und der Staatsbehörde hat sich ein Streit darüber entsponnen, daß die 11 der Stadt ver- bieten will, die Turnhallen der Schulen sozia⸗ listischen, polnischen oder sonstigen Turn ver⸗ einen zur Verfügung zu stellen. Dabei ist die Stadt Besitzerin der Schulgebäude und man sollte meinen, es habe ihr niemand Vor— schriften darüber zu machen, an wen ste ihre Räume vermieten will. In der Stadtverord⸗ neten⸗Versammlung erhob sich dann auch leb⸗ hafter Protest gegen diesen Eingriff. Ob aber der Berliner Freisinn gegen die Regierung stand— halten wird, ist allerdings fraglich. Das afrikanische Kolonial⸗Abenteuer mit den Hereros führt zu immer größeren Schwierigkeiten und erfordert immer größere Opfer. Jetzt kommt die Nachricht, daß ein weiterer Volksstamm, der sich bisher als treuer Anhänger der Deutschen zeigte, die Witbois, sich ebenfalls im Aufstande befindet. Dadurch wird natürlich der Feldzug weiter in die Länge gezogen und das deutsche Volk muß tief in die Taschen greifen. Zwei Reichstagsersatzwahlen. Wie in voriger Nummer bereits erwähnt, findet auch im Wahlkreise Schwerin⸗Wis⸗ mar eine Ersatzwahl statt, weil der konservative Dröscher das Mandat niedergelegt hat und damit der Ungültigkeitserklärung durch den Reichstag zuvorkam. Die Ersatzwahl ist bereits auf den 23. November ausgeschrieben. Der Kreis ist für unsere Partei nicht ungünstig, in der Hauptwahl 1903 wurden 10 380 sozial⸗ demokratische und 13 496 gegnerische abgegeben; in der Stichwahl siegte der Gegner mit nur 123 Stimmen Mehrheit. Als Kandidat ist von unserer Seite der Genosse Antrick-Berlin aufgestellt.— Weniger Aussicht besteht für uns in dem Wahlkreise Jerichow, wo die Ersatz⸗ wahl für Herbert Bismarck bevorsteht. Hier erhielten wir 8140 Stimmen, Gegner insgesamt fast 17000 aufbrachten. So⸗ zialdemokratischer Kandidat ist dort Stadtver⸗ ordneter Woigt⸗Magdeburg; ihm stehen ein Junker, ein Antisemit, ein Nationalliberaler 5 und ein freistuniger Lehrer gegenüber. So will es wenigstens der lippesche Landtag. Vermut⸗ während die n . PPPPPPTPTPPTPPPVCTbTTTTT —— Ge Agl 6 J dem den liche nete fab Ger mei. fre 0 Ple voll derte er k. sam blüh in d 100⁰ die Mä noch S0 Hat bern W 0 gebu berg 1 6 ung Jube erklä Ram. Pra biele algen Stra kam Ob 5 Nr. 42. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite a. . 0 für die Erweiterung der politischen Rechte— 5 ewerkschaftliches 1 ebe 1 0 somit für Kulturforderungen demonstrieren. ie 5 5 f 1170 ch 1 Feger ee ge de e e. e cbelorbenenung n 1 Wortes müssen vielmehr die Beutepolitiker be⸗ E at sich nunmehr die i Agrarier, der 644 Stimmen erhielt. Von den 1 1 15 die ihre Mandate zu ihren 97 e uh fut en 6 Mandaten der Stadt sind also 4 der Sozial⸗ Geschäften mißbrauchen. lichen Bemühungen geschaffen. 55 sst dies das n e e ben f ablinbe tend. die die Steuergelder in frühere Tivolf, Zetherstiaße 32, das diesen 4 Mil abgeschlospenen den nd kla unzäßligen Banketten verfressen und bersaufen Samstag als Arbeiterheim eröffnet wird. Möge 90 den nun abgeschlossenen Wahlen aus 12 bürger⸗ und die den ärmsten Schulkindern im strengsten es blühen und gedeihen! n lichen und vier sozialdemokratischen 1 Winter. eine warme Einbrennsuppe verweigern. Lohnbewegungen. Der Ausstand der ne neten. Unsere Partei hat einen Sitz verloren. Lumpen sind endlich die, die ihre Zimmerer in Bbemen ist beendet. Eine se 5 a Machtstellung zu Parteizwecken benützen und den Versammlung der Ausständigen beschloß am 1 In Boltri, einer italienischen Industrie⸗] Arbeitern ihr ohnehin verkümmertes Wahlrecht Montag die Wiederaufnahme der Arbeit mit ne stadt von 25000 Einwohnern in der Nähe durch Fälschen der Wählerlisten und Reformieren 197 gegen 158 Stimmen. Einen Erfolg hat 0 weinderab sachen, die, Sozzalsten bei den Ge. der Gemeindewahlordnung rauben. a dieser Kampf den Arbeitern leider nicht gebracht. lät meinderatswahlen ihre ganze Liste— 24 Mann Ein Lump ist, wer sich, um seinen Eitel⸗ Die Versammlung beschloß weiter, daß, falls en den burch.“ Keiner der zahlreichen Großindu⸗ keits elüsten zu frönen, mit allen demagogischen] die Arbeitgeber mit Gegenmaßregeln vorgingen, 10 striellen, die aufgestellt waren, wurden gewählt. Kün en vom e e der Kampf auf der ganzen Linie fortgesetzt zum schwarzgelben Hoflakai hinau gestrebert, werden soll.. 0 e siud die Handwerksretter k 7 die fia ble über seinen wahren Cha⸗ o en Die einst so blühende Handweberei in] rakter getäuscht hat. Pon Nah und Fern lauen im sächstschen Vogtlande hat nun Ein Lump ist endlich, wer seine immune. 1 dolftärdig aufgehört. Wie eine e 5 schlnpfen benützt, um ehrliche Arbeiter zu be⸗ gessisches. berichtet, hat dort der letzte Webermeister, da en. N 90 er keine Arbeit mehr fund, den Webstuhl zu⸗„Diese Antwort kaun sich der Lueger und— Die Gemeinderatswahl in . sammengeschia gen und so das einstig] können sich auch seine Gestunungsberwandten ufungstadt hat der Darmstädter Kreisaus⸗ em blühende Handwerk zu Grabe getragen. Noch anderorts hinter die Ohren schreiben.— schuß für ungültig erklärt. Wegen verschie⸗ i in den sechziger Jahren gab es in Plauen gegen Vorstehendes war bereits geschrieben, als dener Unrichtigkeiten haben die Gegner Protest 15 1000 Webermeister, noch weit größer aber war uns das Friedberger Hirschelblatt vom Mitt. eingelegt und die Ungültigkeitserklärung erreicht. i die Zahl der Besellen und Lehrlinge. Aeltere] woch vor Augen kam. Selbstverständlich findet Es wird einen harten Kampf absetzen und unsere 7 Männer konnten sich bis in die letzte Zeit hinein 0 en 9955 h außerdem ile] Genossen he dg ee noch ihr Brot durch die Handweberei verdienen. von seinem Ge müssen um den kürzlich errungenen Sieg wieder 0 S 92 05 die alt Sed— ortlichen Aeußerungen seiner sauberen an shre Fahne zu heften. 0 Hat aber die Sozialdemokratie dieses Handwerk] Parteigenossen, welche auf die von unsern Ge⸗— Gemeindewahlen. In Kastel 1 veruichtet, wie die Gegner immer behaupten? ee ee 15 e 1 15 i 0 0 „kratisch⸗liberale Liste m in 0 Wahlrechtsbewegung in Oesterreich. mit Beschimpfungen gegen die letzteren ant⸗ die Liste des Zentrums, welche 249 auf sich 18 Bö 5 die Arbeiterschaft Kund. worteten. Nette Chnssealeute in der Tat! G 905 Zentrum hat wieder wie ge⸗ . e ee Wahlrecht An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! wöhnlich mit höchst unsauberen e l— aber dabei den gewünschten Erfolg zu er⸗ 2 8 11 5 5 Prag Je au gel— In Kosthelm 1. Matz stegte eben⸗ 0 ag le e u üncben ussisch zapanischer Krieg. fd s Pürgen bari er die genen 5 Allärt wird ß b Meter bereit fein, 75 Die Massen⸗Mens chenschlächterei[Von der soztaldemokrgiichen Partet wurden i. Kampf bis aufs Aeußerste zu führen.— In wird fortgesetzt. Der Mikado hat einen Aufruf drei Kandidaten gewählt.— In Michel⸗ 45 Prag und Brünn demonstrierten am Sonntag an das japantsche Volk erlassen, in dem er es stadt i. O. machten die Bürgerlichen die größten de viele Tausende in den Straßen zu gunsten des zur Geduld und Standhaftigkeit in der Führung Anstrengungen, um die Wiederwahl unseres fan allgemeinen Wahlrechts. Man durchzog die[des Krieges ermahnt und weiter sagt, daß die[ Genossen Dingeldein zu verhindern. Das 15 Straßen unter Hochrufen auf dasselbe; doch endgültige Durchführung der fapanischen Sache gelang aber nicht. Dingeldein wurde mit 170 2 //%/%%/ te hat Kur opatkin sich mit einem ages vier bürger a 5 0 Obrfeigen für einen antisemitischen befehl an die Truppen gewendet, in dem er den nationalliberale Sanitätsrat Weiprecht fiel durch. 15 11 Büͤrgermeister. Vormarsch und e 150 Sieg 1 5 175 s 5 kent e 95 5 55 0 1955 08 180 9„die Japaner ankündigt. Unter anderem mute arteitag folgende Sottise:„ r 9 ane meg e een nee er den armen Teufeln von Soldaten zu, fol⸗ der sozkalde mokratisch e Parteitag zu⸗ Feindschaft und wütenden Haß gegen die Ar⸗ genden Unsinn ernst zu nehmen: N sammengetreten. Da der jüdische Beherrscher er beiter beobachten, der sich in unflätigen Schimpfe⸗„Das erhabene Oberhaupt des russischen] aller Sozzen Singer der Erste krank ist, reien die Arbei t und ihre Partei Landes betet mit ganz Rußland für Euch] mußte ein anderer Genosse den Vorsttz führen. 1 e e ee E ü Wir siud ierig zu erfahren, was die Hans⸗ 0 Luft macht. Und wie in Hessen der Hieschel 9 9 0 15 gie 5 A in ae n wit w. der für Krahl verkochen werden. Einst g J 1 estärkt durch dieses Gebet und erfü n e ö 5. 1 5 WWaatlfenen⸗ Funn e dem Bewußtsein der Bedeutung der Aufgabe, weilen hat der schon kindisch gewordene i n meister von Wien, Lueger(der Name wird die uns zugefallen ist, müssen wir furchtlos Pi Bebel den Sieg der Sozzen über e 10 Lueger ausgesprochen nicht Lüger, was eigentlich vorwärts gehen mit der festen Entschlossenheit, ürger proklamiert. Den Zeitpunkt dieses Er⸗ 0 riger wäre) die Wiener Arbeiter welche stch bis zum Ende unsere Schuldigkeit zu tun, ohne eignisses konnte er allerdings noch nicht näher 0 an der Maifeter beteiligen, als Lumpen beschimpft. unser Leben zu schonen. Der Wille Gottes angeben.“ N 5 1 Darauf haben die Beschimpften in vier Riesen⸗ sei mit 90 allen 5 505 8e Chen 55 1 1 05 e 1 1 175 te Eine blutigere Ver nung de risten⸗trog de 8 ste! 75 unde den e ee Ae ee tums ist 1. 9915 ga 1 Gg 1g 1 Ala eee Wollen 4 r bald einmal einen Erfolg na. 1 aun ee han 1 9955 Mähe Inte e been können, sonst fällt 1 dort deer Meinung nicht stören. n 10 4 went stens eini ermaßen zu besänfttgen. Unter[ganz in Ungnade. möchten wir ihn nur daran erinnern, wa 115 9 stürmischen Beifallsrufen wurde eine Resolution Eine große Schlacht soll seit 7 155 177 115 e 15 N a 8 110 1 3. 8 0 die sich der freche Beschimpfer[in der Nahe von Jentai, nörblich von Liau⸗ erg schrieb:„Keine Parte ö N i r„im Gange sein. Die Russen hätten den[ler und Schau mschläger in ihren Reihen 15 5: 1 3535 Porta e nach Vallben vergeblich e wie die unserige und keine hat sich von 1 15 Di Arbetterschaft Wiens erblickt in der aufzuhalten versucht. hrasenhelden und elenden Speku⸗ „ arte wie se selbst bei den nichtigsten Anlässen Die Einschließung Port e e ne 1155 15 i u. 0 ü durch die Japaner wird immer enger. en ese rteil eines seine i⸗ 4 von Dr. Lueger als Bürgermeister von Wien 0 l 5 tebberger Antisemit ell 1 2 i impft] Japanern liegt sehr daran, Port Arthur am enossen sollte auch er Friedberg 5 5 i A t din bon ae eder 3. November, 12 Geburtstage des Mikado, zu sich hinter die Ohren schreiben. geborener oder anerzogener Gassenbüberef] nehmen. Ruffsche Gefangene sagen aus: biele Gießener Angelegenheiten. oddier senilen, bis zur Unzurechnungsfähigkeit] Tote liegen unbeerdigt innerhalb der Festung; 1 W esteigerten Schwach sinns. die Hospitäler seien so voll, daß Verwundete Einheitsschulel Im„Gieß. Anz.“ unter⸗ 1 Die Versammlung erklärt d d icht an Bord der Schiffe im Hafen geschickt werden. nimmt ein Fachmann die Verherrlichung der J g erklärt daher, daß u 00 1 3 1 8 Gegensatz % die die Lumpen sind, die bei schwerer Arbeit] Die Garntson ist auf, 10,000 kampffähige] gegenwärtigen Schulverhältnisse im Gegensatze „ dbvon früh morgens bis spät abends ihr karges] Männer reduztert. Die Blockade wird strenger, zu der von uns geforderten Einheitsschule. 1 4 2 4 18 205 f Stück Brot für sich und ihre Familie verdienen die Nahrung ist knapp; Pferde werden bereit Der Verfasser spricht die Biusenwahrheit 1 N „ müssen, daß sie aber am allerwenigsten dann geschlachtet. daß der Bildungsgang des Menschen von f 0 b dem zu ergreifenden Berufe abhängt. Das ist als solche bezeichnet werden können, wenn ste 1 z 1 e dae „am 1. Mal für eine höhere Lebenshaltung und selbstverständlic: e — — — — ———2—— —— — 3—— — —— — —— ———— ———— —. 5—— — — —. Seite 4. Mitteldentsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 42. Latein auskommen. Darum handelt es sich bet unseren Forderungen nicht; warum wir die Einheitsschule erstreben ist folgendes: Bei den derzeitigen Schul- und Besitz⸗ verhältnissen sind alle gelehrten Berufe, alle Be⸗ amtenstellen ein Privileg der„oberen Zehntausend“. Ist der Vater Regierungs⸗ rat muß auch der Sohn, trotz vielleicht aller „Flachköpfigkeit“, studieren. Umgekehrt nützt den unteren Kreisen alle Befähigung ihrer Kinder nichts, wenn es im Geldbeutel hapert. Das wollen wir mit unserer Forderung der Einheitsschule beseitigen. Alle sollen zusammen in die Einheitsschule, die Fähigsten sollen ausgewählt werden zu den schwierigsten Studien; heute sind die Reich sten allein die Auserwählten und darum auch die unerfreuliche Erscheinung, daß manche Beamten in ihren Leistungen unter dem Mittelmaß bleiben. Liebenswürdig ist es von dem Verfasser, daß er anerkennt, daß Leute, die heute Handwerker, Kaufleute, Arbeiter ꝛc. sind, das Zeug zum Studieren erhalten hätten; wir revanchieren uns, indem wir erklären: Manche Akademiker wären besser Handwerker oder Kaufleute geworden, da ihnen zum Studieren der„Spiritus“ fehlte. Was heute an Durchpeitschen, Nachhilfestunden, Dressuren usw. an unbegabten Kindern gesündigt wird, ist himmelschreiend. Wäre es nicht besser, wenn Herr„St.“ uns helfen würde, diese „Aermsten“ lieber den Handwerkern, Bauern oder Kaufleuten zuzuführen und aus diesen Kreisen Befähigtezu nehmen?— Lehrern und Kindern würde dadurch eine Wohltat erzeigt und die reiche Mittelmäßigkeit würde nicht überall in erster Linie am Staatsfutterkasten stehen.— Die Anrempelung unserer Genossin Zetkin schenken wir dem Verfasser gerne; es gehört heute zu der„offtziellen Wissenschaft“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit einem Sozial⸗ demokraten eins auszuwischen, uns schmerzt es weiter nicht, und Herr St. glaubt vielleicht etwas ganz besonders wissenschaftliches und „fachmännisches“ zu sagen, wenn er die Genossin Zetlin als„die widerwärtigste Erscheinung des sozialdemokratischen Zukunftstaates“ beschimpft. Frau Zetkin wird sich darüber zu trösten wissen. Sie versteht vom Schul- und Unterrichtswesen und was damit zusammenhängt ganz bedeutend mehr als der Flachs⸗— pardon, Fachmann des„Gießener Anzeiger“. — Militär⸗Boykott und Einquartierung. Bei den diesjährigen Manövern hat die Stadt Gießen zahlreiche Einquartierung erhalten. Früher wurde die⸗ selbe an die Bürger verteilt und zwar je nach den Vermögens⸗ und Einkommenverhältnissen. Diesmal machte man es anders, es übernahm nach Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung die Stadt auf eigene Rechnung die Verpflegung der Mannschaften und vergab sie wieder an diejenigen Bürger gegen Entgelt, die sich dazu meldeten. Auf diese Art werden zweifellos die Besitzenden verschont, und es fällt die Einquar⸗ tierungslast der Gesamtheit der Steuerzahler zur Last, die Aermsten werden dadurch in gleicher Weise wie die Reichen herangezogen. Darin liegt unbedingt eine Un⸗ gerechtigkeit. Man sollte meinen, daß gerade die besitzende Klasse bei ihrer Verehcung des Militarismus mit Vergnügen die Last und die Kosten auf sich nehmen würde. Die bedankt sich aber schönstens dafür. Auch hier zeigt sich wieder, daß der Patriotismus beim Geld— beutel aushört. Diese Art der Unterbringung der Sol⸗ daten hat übrigens in unserer Nachbarstadt Wetzlar Beifall gefunden; in der Stadtverordnetensitzung am Montag stellte der Stadtverordnete Dr. Heertz das Gießener Verfahren als nachahmenswert hin.„Die Verteilung nach Vermögen sei ja die einzig richtige und gerechte Art, aber schwer durchzuführen,“ bemerkt er. So? Weil also schwer durchzuführen, ladet man einfach den Minderbemittelten höhere Lasten auf. Das ist aller⸗ dings sehr bequem. Uns dünkt die Durchführung gar nicht so schwer. Bei der Verteilung der Einquartierung in Gießen ging es aber ebenfalls ungerecht zu. Unter vielen andern hatte sich auch der Wirt L. zur Aufnahme von Soldaten gemeldet. Die Quartiermacher fanden seine Räumlichkeiten, Betten ꝛc. in Ordnung und er erhielt 8 Mann zugesagt. Trotzdem bekam er keine von der Stadt zugewiesen. Warum nicht? Vielleicht, weil seine Wirtschaft für Militär verboten ist, weil böse Sozis dort verkehren? Danach hatte die Stadt gar nicht zu fragen; der Mann muß seine Steuern so gut und so viel wie jeder andere bezahlen, man hat gar keinen Grund und kein Recht ihn derart geschäftlich zu schädigen. — Die neugeborene Amtsblatt⸗ redaktion. Wir haben in voriger Nr. auf die faule Ausrede hingewiesen, mit der der „Gießener Anzeiger“ auf die Erwähnung jener Affäre antwortete, die das sozialdemokratische Wahlkomitee in der 1896er Wahlbewegung mit dem Amtsblatt hatte. Bekanntlich erklärte damals die Redaktion des Amtsblattes, daß sie erst bei dem Kreisamt anfragen müsse, ob ein Inserat der soziald. Partei aufge⸗ nommen werden dürfte. Den noch allgemein bekannten Tatsachen und durchaus wahrheits⸗ gemäßen Darstellungen des Offenbacher Abend⸗ blattes gegenüber hatte der Anzeiger die Kühn⸗ heit von einer„Anekdote“ zu reden, deren Richtigkeit die„Heutigen“ des Amtsblattes nicht nachkontrollieren könnten. Schließlich hieß es in der Notiz:„Bekanntlich sind sett 1898 Druckerei und Verlag des„Gieß. Anz.“ in anderen Händen und die Redaktion auf gänz⸗ lich neuer Basis auf⸗ und ausgebaut.“ „Das ist die dümmste Ausrede, die das Blatt machen konnte“, antwortete darauf sehr richtig unser Offenbacher Parteiblatt.„Es handelt sich nicht um etne Anekdote, sondern um eine Tatsache, die die Redaktion des Gieß. Anz. sehr wohl noch nachprüfen kann. Der Redakteur, der jenes Geständnis machte und mit dem Manuskript im Regterungsgebäude war, lebt noch und zwar in Gießen; der Regierungsrat Dr. Wallau lebt auch noch und zwar nicht weit von Gießen entfernt; der So⸗ zialdemokrat, der mit Dr. Wallau konferierte, erfreut sich gleichfalls bester Gesundheit und zwar in Offenbach. Aber weiter: die„neuen Männer“ im G. A. mögen doch den Jahrgang 1896 ihres Musterblattes nachprüfen, ob sie auch nur ein Wort finden, das man der Dar⸗ stellung in der M. S.⸗Z. entgegen zu setzen gewagt hätte.“— Wir erinnerten weiter das Amtsblatt an den„Fall Biermer“, der sich unter dem Regiment der„Heutigen“ abspielte. Professor Biermer äußerte sich danach über die Qualität des Anzeigers folgendermaßen: „Zu meiner großen Ueberraschung ließ mir der Verleger des Gießener Anzeigers nach zwei Tagen durch seinen politischen Redakteur mitteilen, daß er die Artikel in seinem Blatte doch nicht aufnehmen könne; denn die Artikel kritisierten die hessische Fin anzwirtschaft der letzten Jahre, und eine solche Kritit könne dem Blatte, das amtliches Organ des Großherzoglichen Kreisamtes sei, schaden. Ich bemerke hierzu, daß natürlich meine Artikel nicht anonym erscheinen sollten, sondern mit meinem vollen Namen unterzeichnet waren und wie alle Zeitungsartikel, die ich bisher geschrieben habe, unter gruudsätzlichem Verzicht auf jedes Honorar. Obgleich also der Gießener Anzeiger gar nicht die Verantwortung zu tragen gehabt hätte, machte er mir aus einer geradezu kindlich en Angst vor der Staatsregierung unüberwindliche Schwie⸗ rigkeiten, mich in sachlicher Weise über die Finanz⸗ zustände des Großherzogtums in seinen Spalten zu äußern. Diese Vorgänge sind ungemein charakteristisch, denn sie beweisen, auf welchem Niveau der Geschäftsjour⸗ nalismus Gießens steht. Wir haben es in Gießen mit unseren Preßverhältnissen also wirklich so weit ge⸗ bracht, daß man Originalartikel von allgemeinem In⸗ teresse, die nach der einen oder nach der anderen Richt- ung hin vielleicht unbequem werden könnten, nicht unterbringen kann.“ Das mögen sich die auf- und ausgebauten Kreisblattredakteure vor Augen halten. — Im Wahl verein erstattete am Sams⸗ tag Genosse Beckmann Bericht über den Parteitag in Bremen. Redner gab in klaren Darlegungen ein Bild der Parteitags verhand— lungen, besprach ausführlich die einzelnen Gegen⸗ stände, die in Bremen ihre Erledigung fanden und begründete seine Stellungnahme dazu. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Genossen Siller, Widera, Krumm und Vetters beteiligten. Folgende Resolution fand einstimmig Annahme: Die Versammlung erklärt sich mit der Tätigkeit des Genossen Beckmann anf dem Parteitage einverstanden, — Ebenso ist sie einverstanden mit den Beschlüssen des Parteitaas und begrüßt es besonders, daß die Ausein⸗ andersetzungen in Bremen in so ruhiger, sachlicher Weise stattfanden. Die Versammlung ist überzeugt, daß die Beschlüsse des Parteitags der Partei förderlich sein werden. — Der Gesang verein„Eintracht“ hält nächsten Samstag, den 22. Oktober, sein Stiftungsfest im Saale des Café Leib ab. Hoffentlich werden es sich alle Parteifreunde und Gewerkschaftsmitglieder angelegen sein lassen, den Arbeitergesangverein durch zahlreichen Besuch seines Festes zu unterstützen. Im Uebrigen verweisen wir auf das Inserat. — Eine öffentliche Holzarbeiter⸗ Versammlung findet diesen Sonntag nach⸗ mittag ½4 Uhr im„Wiener Hof“, Johannis⸗ straße 3, statt. Im Stadttheater wird am Sonntag Suder⸗ manns„Ehre“ gegeben. Wir empfehlen unseren Lesern den Besuch der Vorstellung. Aus dem Rreise gießen. ch. Wiesecker Wasserleitungs-Angelegen⸗ heit. Zu dem Bericht in voriger Nummer über die Versammlung vom 1. Oktober, in der besonders über den Wassergeldtarif verhandelt und dabet, wie die Tabelle übersichtlich zeigt, festgestellt wurde, daß danach das Wasser den Minderbemittelten bedeutend teurer zu stehen kommt als den Wohlhabenderen und größeren Wasserkonsumenten, ist noch folgendes nachzutragen: An die Darlegungen Dech's schloß sich eine lebhafte Debatte, an der sich vom Gemeinderat nur das Mit⸗ glied Seibert beteiligte, übrigens der einzige, der vom Ortsvorstand erschienen war. Jedenfalls halten es die anderen nicht für nötig, ihren Wählern Aufklärung zu geben. Der Unternehmer Becker, sowie der Ingenieur, die beide durch eingeschriebenen Brief eingeladen waren, glänzten ebenfalls durch Abwesenheit. Gemeinderat Seibert bezeichnete die geübten Kritiken als Vorurteile. Dech bemerkte hierauf, daß die aufgestellten Zahlen durchaus den Tatsachen entsprechen. Wenn aber die Bürger verschiedent'ich im Unklaren sind, so sei das ein Beweis dafür, wie berechtigt unsere seit Jahren schon erhobene Forderung sei, die Gemeinderatssitzungen öffent⸗ lich abzuhalten, auch sei zu wünschen, daß die Gemeinde⸗ ratsmitglieder wenigstens alljährlich über ihre Tätigkeit Bericht erstatten. Seibert erwiderte, daß er dem zu⸗ stimme und der Gemeinderat sei ebenfalls für die Oeffent⸗ lichkeit. Doch dann würden die Sitzungen am Tage abgehalten und die Vertreter, welche gezwungen sind, ihrer Beschäftigung nachzugehen und ohnedies schon viel Zeit opfern müssen, wären genörigt, den Sitzungen fern zu bleiben. Dech meinte darauf, daß Bürgermeister und Gemeinderat die Sitzungen festsetzen und dabei doch wohl die Wünsche der Einwohnerschaft berücksichtigen könnten. Folgende Resolution fand hierauf einstimmige Annahme: „Die heutige von etwa 250 bis 300 Bürgern be⸗ suchte Versammlung sieht in den Beschlüssen des Ge⸗ meinderats betr. Erhebung des Wassergeldes— An⸗ schluß 6 Mk., Großvieh 1 Mk., Kleinvieh 50 Pfg.— eine ungleichmäßige Einteilung, und ersucht den Orts vorstand Einführung von Wasseruhren zu beschließen.“ Der Vorstand des Wahlvereins wird beauftragt, diese Resolution an den Ortsvorstand einzureichen. Eine weitere von Dech vorgeschlagene und einstimmig an⸗ genommene Reslution hat folgenden Wortlaut:„Aus den Verhandlungen den heutigen Bürgerversammlung geht hervor, daß viele Unklarheiten in den wichtigsten Gemeinde⸗ fragen vorhanden sind. Diese ergeben sich meist daraus, daß die Bürger keine Gelegenheit haben, den Sitzungen des Gemeinderats beizuwohnen. Die heutige Bürger⸗ versammlung ersucht daher den Herrn Bürgermeister, im Interesse der gesamten Bürgerschaft zu handeln und die Sitzungen öffentlich abzuhalten. und zwar des Abends, damit einem jeden Gelegenheit geboten ist, denselben bei⸗ zuwohnen.“ r. Die Gemeinderatswahl in Watzenborn⸗ Steinberg hat am 8. Oktober uns zwar keinen vollen aber doch einen ganz erfreulichen Erfolg gebracht. Von unsern Kandidaten wurden B. Pitz mit 145 und Joh. Jak. Häuser mit 111 Stimmen gewählt. Un ser dritter Kandidat K. Häuser blieb leider mit ein paar Stimmen in der Minderheit, er erhielt 97. Wir hätten einen vollen Sieg zu verzeichnen, wenn nicht etliche „Auchgenossen“ Quertreibereien verübt und mit einem gemischten Zettel operiert hätten. Solche Leute handeln eben aus Ehrgeiz und persönlicher Streberei, nicht aus ehrlicher Ueberzeugung. Für den gemischten Zettel wurden nur 45 Stimmen zusammengebracht. Von unserer Seite wurde der Wahlkampf grundsätzlich geführt. Wir hielten zwei öffentliche Wählerversammlungen ab, in denselben sprach Genosse Häuser über Gemeinde⸗ politik in wirkungsvoller Weise. In Watzenborn traten ihm der Antisemiterich Sommer und der Krieger⸗ vereinspräsident Leicht entgegen. Ersterer suchte die Ausführungen unseres Genossen zu widerlegen, was ihm aber nicht gelang. Die Kritik, welche unser Genosse an den Beschlüssen des Gemeinderats übte, suchte er damit abzutun, daß er die Mehrheit des Gemeinderats über den Schellenkönig lobte, und die Besch üsse desselben natürlich guthieß. Dabei geriet die Ordnungssäule in solche Wut, daß er sich dazu verstieg, die Arbeiter Faulenzer zu heißen. Dann warf er unserem Ge⸗ nossen vor, er hätte keine Aecker, infolgedessen verstande e e n Gel der Aer dig wol All iht Die und si feld Lok dem war Gie eben Ede hatt und tadel Ktei nur Red sam die teil wert wer Nac wer zwe Ver dest schl, stän Rese gere soll, trau wur Kort Gel weiß Klei und und Org noss nun boten zu Ir Del nah dem wor. darg Gen der verh. heit wähf 5 der e des 0 hen n. e k⸗ ch: 18. er ** die ber elle sser mt en, te lt⸗ om die ur, en, rat len die jon nt⸗ leit t s, gel. ger te und 1 bel Tl lan Lol, h sel aal fel ic n 0 1 l on fl. b, 6 fel 10 1 1 1 be. 10 1 1 U Nr. 42. Mittel dentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. er auch nichts von den Gemeindeangelegenheiten. Unser Genosse versäumte aber nicht, diesem Herrn in gebühren⸗ der Weise heimzuleuchten. Antisemit Sommer suchte die Aeußerungen seines Freundes Leicht damit zu entschul⸗ digen, daß er ihn als besoffen hinstellte. Leicht wollte sich dann auch selbst entschuldigen, es sei ein „Druckfehler“ gewesen, wahrscheinlich glaubte er, die Arbeiter wären noch so dumm und gäben einem Manne ihre Stimmen, der sie in gemeinster Weise beschimpft. Die Versammlung hat uns eine schöne Anzahl Stimmen und Freunde für weiterhin zugeführt. Die Ordnungs⸗ säule Leicht, welche auch wieder kandidierte, fiel dann auch zu allem Schmerz seiner Freunde glänzend durch. Unser tiefgefühltes Beileid! Der von den Gegnern mit Hartnäckigkeit und Anwendung ziemlich unsauberer Mittel geführte Wahlkampf ist für uns trotz aller Entzweiungs⸗ versuche auf das Beste verlaufen. Mögen die Pflicht⸗ ver essenen sich dies zum Exempel nehmen: Nur durch einheitliches und geschlossenes Zusammenarbeiten kann etwas zum Wohle der Gesamtheit erreicht werden! Die Arbeiterschaft hat nicht nötig, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Darum auf Genossen, für uusere Sache immer unermüdlich weitergearbeitet, dann wird der Erfolg niemals ausbleiben! — Sehr unbeliebt muß sich der Land⸗ tagsabgeordnete Weid ner, früher Bürgermeister in Herchenhain, bei seinen Mitbürgern gemacht haben. Bei der neulichen Bürgermeisterwahl dortselbst erhielt er nicht eine einzige Stimme. Er ließ zwar erklären, daß er auf eine Wiederwahl verzichtet habe, dies be⸗ zeichnet jedoch der neue Bürgermeister Komp in einem Schreiben an den Gieß. Anz. für falsch. Weidner hätte sich vielmehr alle Mühe gegeben, ein Lokal für eine Wahlversammlung zu erhalten, jedoch hätten ihm beide Wirte ihre Lokalitäten verweigert. Ferner habe er er⸗ folglos versucht, durch weitgehendste Versprechungen Leute auf seine Seite zu bringen. Weitere Aufschlüsse werde noch ein Beleidigungsprozeß bringen, zu dem Termin am 2. November anstehe. Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach. * Die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Als⸗ feld⸗Lauterbach fand am Sonntag im Keutzer'schen Lokale in Lauterbach statt. Etwa 20 Delegierte, außer⸗ dem eine Anzahl Zuhörer, darunter mehrere Frauen, waren erschienen. Das Landeskomitee war durch Orbig⸗ Gießen vertreten; der Kandidat Genosse Michels war ebenfalls erschtenen. Nachdem der Kreisvertrauensmann Eder und der Kassierer Martin Bericht erstattet hatten, entspann sich über den Punkt der Organisation und Agitation eine sehr lebhafte Debatte. Michels tadelt ausführlich die Säumigkeit der Genossen im Kreise. Im vergangenen Jahre sind im ganzen Kreise nur 2 Versammlungen abgehalten worden. Wenn Redner sich zur Uebernahme von Referaten und Ver⸗ sammlungen anboten, erhielten sie keine Antwort. Auch die Mitteld. S.⸗Ztg. brächte so gut wie keine Mit⸗ teilungen aus dem Kreise, obgleich doch genug Wissens⸗ wertes in ihm passiert. Das müsse endlich anders werden. Redner bringt deshalb zwei Resolutionen ein. Nach der einen soll der Vertrauensmann verpflichtet werden, dafür Sorge zu tragen, daß mindestens alle zwei Monate an einem zu bestimmenden Orte im Kreise Versammlungen abgehalten und der Termin hierzu min⸗ destens zwei Wochen vorher bestimmt wird. Die andere schlägt die Ernennung eines dem Kreise verantwortlichen, ständigen und besoldeten Korrespondenten vor. Beide Resolutionen, sowie eine dritte, von Genossen Orbig an⸗ geregte, wonach der Vertrauensmann beauftragt werden soll, eine Liste der uns zur Verfügung stehenden Ver⸗ trauensleute in den einzelnen Ortschaften anzufertigen, wurden von der Konferenz angenommen. Der zum Korrespondenten gewählte Genosse erklärte, sein Amt ohne Geldentschädigung übernehmen zu wollen. Genosse Orbig weist in längerer Rede auf den Wert der Agitation im Kleinen hin, die Genossen sollen in die Dörfer gehen und dort werben, um so über das ganze Land eine feste und starke Organisation zustande zu bringen. Ohne Organisation keine Agitation! Gemeinsam mit dem Ge⸗ nossen Michels weist er darauf hin, daß der Kreis nun auch dem Landeskomitee gegenüber, welches sich er⸗ boten habe, dem Kreis ganz besonders unter die Arme zu greifen, seine Schuldigkeit tun müsse. Aus der längeren Diskussion, an der noch mehrere andere Genossen teil⸗ nahmen, sei noch hervorgehoben, daß Genosse Häber⸗ ling, ein Kleinbauer, der sich durch seine Agitation auf dem Lande besondere Verdienste um unsere Sache er⸗ worben hat, in einem interessanten Referat u. a. auch darauf hinwies, wie notwendig es sei, daß sich unsere Genossen, wenn sie auf dem Lande Flugblätter verteilen. der Würde ihrer Aufgabe und ihrer Partei entsprechend verhalten. Genosse Wiegandt besprach noch die Dumm⸗ heit vieler Arbeiter im Kreise, die vorn Hurra schrieen, während ihnen hinten das Hemd herausschaue. Dann hielt Genosse Dr. Michels das Referat zum Parteitag in Bremen, indem er besonders auf die Notwendigkeit der Jugendorganisation und der Klarheit über die Frage des Generalstreiks hinwies, die Diskusstonsredner äußerten sich in gleichem Sinne. Gegen 7 Uhr wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung geschlossen. Zum Kreisvertrauensmann wurde Genosse Jakob Eder, zum Kasstierer Genosse Karl Martin wiedergewählt. Bei allseitigem guten Willen wird die Kreiskonferenz zweifellos gute Früchte tragen. An intelligenten und auch rede⸗ gewandten Genossen fehlt es im Kreise nicht. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Die Stadtverordnetenwahlen sind auf Dienstag den 8. November festgesetzt. Die dritte Ab⸗ teilung wählt vormittags 8 bis nachmittags 1 Uhr; die zweite von 3½ bis 5½ und die erste um 6 Uhr. In jeder Abteilung find für zwei ausscheidende Stadt⸗ verordnete Ersatzwahlen vorzunehmen und außerdem auch — infolge der Eingemeindung von Niedergir es— zwei neu zu wählen. Den Wahlberechtigten werden noch Wahlkarten zugestellt.— Ob von seiten unserer Partei⸗ genossen Kandidaten aufgestellt werden, ist noch zweifel⸗ haft. Wir sind allerdings der Meinung, daß dies un⸗ bedingt geschehen müßte. Bisher war die zahlreiche Arbeiterschaft Wetzlars im Stadtparlament nicht ver⸗ treten, ihrer Interessen hat sich keiner der Herren Stadt⸗ väter angenommen. Von vernünftiger, nach bestimmten Grundsätzen und klarem Programm arbeitender Kommu⸗ nalpolitik war keine Rede. Für die sozialdemokratischen Gemeinde⸗Kandidaten und Gemeinde ⸗Vertreter hat der Beemer Parteitag Richtlinien gegeben, an die sie sich halten können und sollen und die die Wohlfahrt der Gesamtheit bezwecken. Geeignete Kandidaten zu finden kann unseres Erachtens nicht schwer sein. Wir sind also der Meinung, daß unsere Parteifreunde energisch in den Wahlkampf eingreifen sollten. ts. Staatsretterei auf dem Westerwalde, Welch' nette Blüten die Furcht vor dem Umsturz zeitigt, davon können wir hier im Westerwald wieder eine Probe anführen. Von der Kreisverwaltung Westerburg wurde beabsichtigt, einen Koch⸗ und Haushaltungskursus in Emmerichenhain zu errichten. Es hielt jedoch schwer, eine für diesen Zweck geeignete Lokalität in diesem Orte aufzutreiben. Diesem Mangel war aber unser dortiger Genosse Türck in der Lage abzuhelfen, er stellte sein Lokal zur Verfügung und es stand nun diesem nützlichen Unternehmen kein weiteres Hindernis mehr im Wege. Aber da besaunen sich besorgte Gemüter darauf, daß Türck— Sozialdemokrat ist und die im Hause eines solchen gekochten Speisen hätten doch leicht staatsgefährlich wirken und die Milch der fromme Denkart in gährend Drachengift verwandeln können. Schnell wandte man sich daher mit der Anfrage an den Landrat, ob unter diesen Umständen bei Türck ein solcher Kursus abgehalten werden könne und postwendend kam die Antwort, daß dies unter keiner Bedingung angehe. Mittlerweile war denn auch anderweitig eine Lokalität frei geworden und so siedelte man dorthin über in dem seligen Be wußtsein, schreckliches Unheil verhütet zu haben. Unsere holde Weiblichkeit bleibt nun vor Vergiftung glücklich bewahrt und der Staat in seiner ganzen Größe erhalten. Doppelt interessant würde die Sache aber noch, wenn Genosse Türck, der sich anderweitige vorteilhafte Verwendung seines Lokals durch erwähnte Zusage entgehen lassen mußte, Anspruch auf Schadenersatz erheben würde. Aus dem Nreise Marburg-Nirchhain. r. Auf die Partei versammlung, welche diesen Samstag(15. Okt.) im Lokale von Jesberg stattfindet, sei nochmals besond rs aufmerksam gemacht Es liegt eine reichhaltige und interessante Tagesordnung vor und es darf deshalb wohl ein recht zahlreicher Besuch der Parteigenossen erwartet werden. r. Bürgerlicher Zeitungsschwindel. Zum Leidwesen der Preßkosaken und Zeilenreißer der gegne⸗ rischen und sogenannten„unparteiischen“ Presse ist der Bremer Parteitag kein zweites Dresden geworden, es ließ sich daher mit dem besten Willen nichts heraus⸗ schlagen. Verschiedene versuchen sich deshalb in eigen⸗ tümlicher Art über den Parteitag lustig zu machen und zwar damit, daß sie sich einzelne Parteigenossen heraus⸗ suchen und über diese die unglaublichsten Dinge erzählen. Der Pforzheimer Anzeiger z. B., der uns zufällig in die Hände fiel, beschäftigte sich in einem Berichte über die Frauenkonferenz, besonders mit dem Genossen Michels in Marburg, über den er die tollsten Märchen erzählt. Man muß staunen darüber, daß ein Mensch derartiges Zeug aus den Fingern saugen kann und ist geneigt, es als das Phantaste⸗Produkt eines Insassen der Heilanstalt bei Cappel zu halten.— Das Stöckersche„Volk“ in Siegen, dessen Redakteur, wenn wir nicht irren, der bg. Dr. Burckhardt ist, leistet sich übrigens Aehn⸗ liches. Es verzapfte folgende faustdicke Lüge: „Zu den Jüngsten gehört Dr. Michels, einer der schwerreichen Mitglieder der Partei, der.. fetzt in Marburg ein Schloß besitzt und rote Gast⸗ mähler gibt.“ Vielleicht wünschte Michels, das möchte wahr sein und wir wünschten es ihm auch, r. Kriegsveteran beim Fechten. Die Brust mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt, zog dieser Tage in Marburg ein„reisender“ Veteran von einem Neubau zum andern und erzählte die seltsamsten Kriegs⸗ geschichten, wofür er ein paar Schnapspfennige einheimste. Schmunzelnd zog er jedesmal ab, wenn ihm das ge⸗ lungen war, denn es gibt ja noch genug Leute von denen, die nicht alle werden. Ob es ein„echter“ Kriegs⸗ kamerad war, ist übrigens noch, fraglich. Fünfmal zum Tode verurteilt! In Hamburg wurde diese Woche einer„Engels⸗ macherin“, einer gewissen Frau Wiese, der Prozeß ge⸗ macht. Sie war des mehrfachen Kindermordes ange⸗ klagt und das Schwurgericht hat als erwiesen erachtet, daß sie fünf in„Pflege“ genommene Säuglinge hin⸗ gemordet hat. Wegen Mordes in fünf Fällen wurde sie fünfmal zum Tode, außerdem wegen schwerer Kuppelet zu mehrjährigem Zuchthaus verurteilt. Hierbei muß ee 15 daß diesem Verbrechen durch die ekannten Inserate in der bürgerlichen Pre 5 schub geleistet wurde. 5 ein 1 Familien⸗Tragödie. In Wiesbaden erschoß der am Bismarckring wohnende Schneider Menze seine Frau, seine beiden Kinder und sich selbst mittels Revolver. Die Leute waren fleißig und lebten in geordneten Verhältnissen. Wie es heißt, machte aber Menze während der letzten Tage den Eindruck eines Tiefsinnigen. Vielleicht hat er die grausige Tat in Geistesgestörtheit begangen. Dagegen sprechen jedoch die Briefe, die von ihm gefunden wurden, und aus denen hervorgeht, daß Eifersucht das Motiv war. Letzte Nachrichten. Russisch⸗japanischer Krieg. Nach einer Depesche aus Tokio sind 200 000 Russen am Taitse von den Japanern besiegt worden und auf der Flucht begriffen. Dartei-Uachrichten. Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Sonntag, den 23. Oktober, nachmittags 3½ Uhr, im Lokale„zum Ritter“ in Gießen, Rittergasse 17 Parteiversammlung. Tag esordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht des Kreisvertrauensmannes. 2. Berichterstattung vom Partei⸗ tag. 3. Kreisorganisation. 4. Neuwahl des Kreis⸗ vertrauensmannes. 5. Verschledenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet der Vertrauensmann. J. Parteiversammlung in Fried berg. Diesen Sonntag, den 16. Oktober findet nachmittags 3 Uhr im Saale der„Konkordia“ eine Parteiversammlung statt, in welcher der Delegierte zum Parteitag, Genosse Re pp, über die Parteitagsverhandlungen Bericht erstatten wird. 155 Parteigenossen wollen sich dazu recht zahlreich ein⸗ nden. Versammlungs kalender. Samstag, den 15. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Ühr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orb ig. Sonntag, den 16. Oktober. Staufenberg. Volks verein. Nachmittags 4½ Uhr Versammlung bei Wirt Vogel. Montag, den 17. Oktober. Gießen. Schneider verband. Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Dienstag, den 18. Oktober. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Briefkasten. B.⸗Stfubg. Die Landgemeindeordnung kann von unserer Expedition bezogen werden. Beckmann wird das Uebrige beantworten. Auskunftserteilung in Arbeiterangelegenheiten. Das Gießener Gewerkschaftskartell errichtet vom 1. Oktober ab eine Auskunfts- stelle für gewerbliche Arbeiterversicherungs⸗ und andere Sachen. Vorläufig ist dieselbe dem Redakteur der Mitteldeutschen Sonn— tags⸗Zeitung, Kirchenplatz 11 III, über⸗ tragen, der täglich von 11 bis 1 Uhr mittags und Sonntags von ½9 bis 10 Uhr unentgelt⸗ lich Auskunft erteilt. Bei Anfragen von Aus⸗ wärts wird ersucht, das Rückporto beizufügen⸗ Seite 6. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 42. Wie Bebel Sozialdemokrat wurde. (Schluß aus vorigerk Nummer.) J. In diese Zeit fiel die von der Kölnischen Zeitung jüngst wieder aufgewärmte 600 Mark⸗ Geschichte, und da Bebel mit zu den Antrag⸗ stellern gegen die Berliner Volkszeitung gehörte, ing es ganz gehörig über Bebel her. Aber für den Verein wie für Bebel kann man dieses Vorkommnis als einen Wendepunkt betrachten, und da die Vorstandswahl im Februar 1866 ebenfalls zugunsten Bebels ausfiel und Bebel ebenfalls ein Anhänger Liebknechts geworden war, wurde diese Wendung bleibend. Die Gegensätze zwischen Oesterreich und Preußen spitzten sich immer mehr zu. Lieb⸗ knecht als Preußenhasser oder vielmehr Bismarck⸗ hasser übertrug diese Abneigung auf Bebel und die meisten Mitglieder. Ende 1865 hatten sich in Chemnitz eine Anzahl demokratisch gesinnter Sachsen zusammengefunden und dort eine demokratische Partei gebildet, deren Seele der Advokat Schraps und Dr. Petermann in Dresden waren. Aber auch Liebknecht und Wuttke in Leipzig traten bei und bald schlossen sich auch die Arbeiterbildungsvereine in Sachsen der neuen Partei an, aus der später die Partei des Chemnitzer Programms wurde. Hierdurch wurden die Arbeitervereine immer weiter nach links gedrängt. Als man im Frühjahr sah, daß der Krieg unvermeidlich war, faßten die Stadtverordneten von Leipzig in einer außer⸗ ordentlichen Versammlung am Himmelfahrts⸗ tage den Beschluß, die sächsische Regierung cuf⸗ zufordern, beim Ausbruch eines Krieges zwischen Oesterreich und Preußen neutral zu bleiben. Gegen diesen Beschluß wandte sich eine Volks⸗ versammlung, welche am Sonntag darauf im Saale des Odeon stattfand, in einer sehr scharfen Resolution. Zu dieser Versammlung hatten die Vorstandsmitglieder des Arbeiterbildungs⸗ vereins mit ihrem Ehrenprästdenten Roßmaͤßler unter Namensunterschrift eingeladen. Es war der erste große politische Akt im neuen Kurse. Am zweiten Pfingstfeiertage hatte die Fortschritts⸗ partei nach Frankfurt a. M. eine Versamm⸗ lung einberufen, zu der jeder freiheitliebende Mann eingeladen war. Auch Bebel wurde vom Arbeiterbildungsverein hingeschickt. Dort kam es zu sehr scharfen Auseinandersetzungen. Bebel trat sehr scharf im Sinne Liebknechts und Eckhardts gegen die Zwitterstellung der Fortschrittspartei anf. Als dann Schulze⸗De⸗ litzsch sprach, platzte in einer Ecke eine Bombe, die keinen Schaden anrichtete, und als man die Gegner als Urheber des Attentats beschuldigte, war das Tischtuch zwischen Bebel und Fort- schrittspartei entzweigeschnitten. Schon seit April war die„Mitteldeutsche Zeitung“ in die Hände der Anhänger des Chem⸗ nitzer Programms gekommen. Als Redakteur wurde Liebknecht angestellt und neben ihm Dr. Robert Schweichel. Schweichel war und ist noch einer der liebenswürdigsten Menschen, die es je gegeben hat, und als Liebknecht nach dem Friedensschluß nach Berlin ging und dort wegen Bannbruchs verhaftet und verurteilt wurde, füllte er Lieb⸗ knechts Stelle sowohl im Verein als Lehrer, wie bei Bebel als Berater in der liebenswür⸗ digsten Weise aus. Bel der Wabl zum Norddeutschen Reichstag hatte Bebel erst gar keine Lust zum wählen. Aber auf Zureden nahm er die Kandidatur, die ihm von Glauchau⸗Meerane angetragen wurde, an. Das war ein Kopfschütteln unter den Spießbürgern Leipzigs über diese Frechheit von so einem hergelaufenen Menschen und man prophezeite ihm höchstens ein paar Hundert Stimmen. Als aber seine Wahl bekannt wurde, wurden die Gesichter der Spießer lang und länger. Aber über eins war man sick einig, daß dieser freche Drechsler eine ganz traurige Rolle in Berlin spielen und daß man ihn nicht im geringsten beachten würde. Als jedoch Bebel seine Jungfernrede im Parlament 999910 hatte, schlug die Stimmung zugunsten Bebels bedeu⸗ tend um und man suchte sich damit zu trösten, daß ja Bebel kein Sozialdemokrat, sondern nur ein Demokrat sei. Denn in Wirklichkeit war Bebel auch nur als kleinbürgerlicher Demokrat gewählt worden, obwohl er schon sehr sozial⸗ demokratisch dackte. Aber offiziell wurde er es erst zwei Jahre später auf dem Eisenacher Ver⸗ einigungskongreß. Aber welche Mühe und Ausdauer von Lieb⸗ knecht und welche Arbeit von Bebel geleistet wurde, davon hatten nur wenige einen Begriff. Wenn auch viele Arbeit gemeinschaftlich von den beiden verrichtet wurde, die wichtigste prak⸗ tische Arbeit mußte doch von Bebel allein ge⸗ macht werden. Und welche Arbeit hatte er erst im Verein! Wenn er auch unter den Vorstands⸗ mitgliedern treue Mitarbeiter hatte, die Abwehr auf die Angriffe nach innen und außen, die stets wieder unternommen wurden, hatte Bebel immer allein zu besorgen. Auch ging die Um⸗ wandlung des Vereins durchaus nicht so glatt von statten. Denn die Gegner wußten ganz genau, welche Kraft im Arbetterbildungsverein steckte, und darum suchte man immer wieder auf ihn Einfluß zu gewinnen. Aber jeder ihrer Ränke ist dem Verein zum besten ausgeschlagen, wie ja auch jede Verfolguag der Partei nur zum Nutzen gewesen ist. Hoffen wir, daß es auch in Zukunft so bleiben möge. P. Ullrich. 27 1 7 b AUnterhaltungs-Teil. 9 2 Götterdämmerung. Im dunklen Schacht, tief unten im Berge, Da müh'n sich und plagen sich tausende Zwerge, Und täusen das Gold um kargen Sold hervor aus der Tiefe Und schmieden und schaffen die künstlichsten Waffen, Das schönste Gerät.. Und müssen sich plagen, ihr Leben wagen, um kargen Gewinn. Denn was sie schaffen, verjubeln, verprassen die mächtigen Asen. Und ihrer Gelage laut schallender Jubel Dringt durch die Berge ans Ohr der Zwerge, Die knirschen die Zähne und ballen die Faust Und der schwere Hammer herniedersaust auf das sprühende Erz Ohne Rast, ohne Ruh, das stöhnt wie im Schmerz, Und sie singen dazu: Leid und Kummer, Not und Pein Führen uns ins Leben ein; Leid und Kummer, Pein und Not Sind uns Führer bis zum Tod. Krankheit wühlt in unsrer Brust, Hunger in den Eingeweiden; Wissen nichts von Lebenslust, Wissen nur von Müh'n und Leiden. Preisen täglich Gottes Stärke, Preisen täglich seine Werke, Der die Welt so schön gemacht Haben nichts davon geseh'n, Müssen an dem Amboß steh'n, Abends spät und morgens früh, Tag für Tag dieselbe Müh'l Götter in Walhalla droben. Wollt ihr, daß wir weiter loben, Daß wir dulden euer Reich Sorgt, daß uns kein Hunger plage, Gebt uns manchmal Freudentage, Wenige nur den euren gleich. Götter, hört auf unser Flehen! Wag wir wollen ist nur Brot, Luft und Licht und Sonne seh'n! Schlimmer Rater ist die Not. Grimmer Herr ein leerer Magen, Reizt das Hirn, entflammt das Blut, Die Verzweiflung gibt uns Mut, Wollens so nicht länger tragen. Hört ihr nicht auf unsre Worte, Schafft ihr baldigst Hilfe nicht, Brechen wir hervor ans Licht, Stürmen wir Walhallas Pforte! Lieber rasch im Kampfe sterben, Als so langsam zu verderben. Dr. A. Starck. Die Zwillingsbrüder. Von Eduard Rieger. 1 (Schluß.) ö Wenige Jahre später— in der ersten Schul⸗ zeit der Knaben— brachte man den Vater tot aus der Fabrik. Ein Transmissionsriemen hatte ihn erfaßt und gegen die Decke geschleudert. Die verwaisten Zwillinge wurden einer Pflegemutter übergeben. Das Entgelt, das ihr dafür von der Stadt— der Heimatsgemeinde — gezahlt wurde, war ein sehr niedriges. Einen kleinen Beitrag zahlte auch der Unter⸗ nehmer, in dessen Betrieb der Vater angeblich wegen„eigener Unvorstchtigkeit“, verunglückt war. Nur mit dem Widerwillen kleinstädtischer, beschränkter, engherziger Spießbürger wurde das Armengeld verabfolgt. Mit dem erreichten vier⸗ zehnten Lebensjahr der Waisen hörte es auf. Damals benötigte Erdmann zwei Lehrlinge. Der Bürgermeister des Städtchens tat ein Uebriges und brachte die Zwillinge zu Erd⸗ mann in die Lehre. Der Gärtner nahm die Knaben mit dem boshaften Hintergedanken auf, an den wehr⸗ losen Kindern entgelten zu lassen, was er einst egen ihre Mutter nicht ausführen konnte. Der umensch wollte sich rächen. Die Zwillings⸗ brüder wurden einem Teufel in Menschengestalt überliefert. 71 An einem Sonntag im Herbst— zu später Nachmittagsstunde— saßen die Zwillingsbrüder auf einem Hügel, eine kurze Wegestrecke außer⸗ halb der Stadt. Sie genossen von- hler eine weite Aussicht auf die Ebene und auf das bläulich schimmernde Gebirge in der Ferne. Am Fuße des Hügels walzte ein mächtiger Strom seine Wellen. Gleich einem breiten, glänzenden Silberbande zog er durch das Ge⸗ lände, ruhig, ohne Lärm, in majestätischem Schweigen. Je mehr die Sonne dem Rande sich näherte, wo Himmel und Erde scheinbar in einander fließen, desto farbenprächtiger leuchteten die Wolken. Sie ähnelten gewaltigen Feuerbränden, von flüssigem Golde umgeben. Auf Strom und Ebene senkte sich wie ein durchsichtiger Schleier ein leichtes Rot. In luftiger Höhe sang eine Lerche. Stumm blickten die Zwillingsbrüder— zu ihren Füßen den Hund— hinaus auf das Land und die mannigfaltige Pracht der Natur. Sie hatten verweinte Augen. Aerger als je hatte der Meister sie heute gemartert. Den Knaben erschien ihr Leben als die Quelle ewigen Leidens. Was hatten sie denn verbrochen, daß sie so grausam gepeinigt wurden? Warum waren gerade sie so arm, so verlassen, so elend? Warum hatte das Schicksal sie zur Qual verurteilt? Das fragten sich die Zwillings⸗ brüder immer wieder. Und was konnte ihnen die Zukunft bringen? Nacht umfing sie bei hellem Tage und Nacht würde es bleiben. Eine lange Kette der schmerz⸗ lichsten Entbehrungen hatten sie hinter sich und eine viel längere stand ihnen bevor. Es würde die Zeit kommen, wo ste sich trennen mußten! Wo einer vom andern nichts mehr weiß! Beiden ging ihr Elend sehr nahe. Der eine weinte still vor sich hin, der andere suchte ihn zu trösten. Mit treuherzigen Augen blickte der Hund zu den Kindern auf, als nähme er teil an dem Jammer ihrer Seele. Die Sonne war längst untergegangen und das Farbenspiel des Firmaments zerronnen. In nächtliches Grau huͤllten sich die„Segler der Lüfte“. An den wolkenlosen Stellen des Himmels blitzten die Sterne auf, zuerst einer, dann ein zweiter, ein dritter usw. Und immer noch saßen die Zwillingsbrüder am Hügel und starrten in die Ebene. Sie konnten sich nicht entschließen, nach Hause zu gehen. Zu Hause! O, hätten ste doch eine Heimat gehabt, eine gastliche Stube, eine liebende Mutter, einen schützenden Vater! Sie hatten nichts von alledem. Was wollten, was sollten ste„zu Hause“? Sie hätten es schon sein sollen. Die Blumen betreuen und die Pflanzen in den Gärten mit er er — Nr. 42. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Stroh zu bedecken, damit sie nicht Schaden nehmen von der Kühle der herbstlichen Nacht. Und doch: die Zwillingsbrüder blieben am Hügel. Mögen die Blumen verderben und die Pflanzen erfrieren, was lag daran? Wer schützte ste, die gequälten Brüder, vor dem Verderben? Wer hatte für sie ein freundliches Wort? Für⸗ wahr: die Blumen und Pflanzen hatten es besser. Die wurden gehegt und gepflegt, damit ste blühen, entzücken und die Menschen erfreuen. Aber die Zwillingsbrüder? Sie waren keine Blumen, keine P er, ste waren nur Men⸗ schen! Sprößlinge einer stolzen, ehrenhaften Mutter! Wer brauchte ste zu schirmen vor Un⸗ gemach und rauhem Wetter? Vor Drangsal, Sturm und Folter? Sind ste nicht stark genug, aus eigener Kraft sich zu erhalten? Sollen ff untergehen. Wer wird nach ihnen fragen? Wer ihren Tod beweinen? Wer wird sie ver⸗ missen in einer Welt, in der Menschenblut so billig ist? * Mitternacht war vorüber. Es wurde emp⸗ findlich kalt. Die Zwillinge fror in dem dünnen Gewande. Der Hupd geberdete sich ungeduldig. Er sprang auf und ab und konnte sich das lange Ausbleiben nicht erklären. Da erhoben sich die Zwillingsbrüder. Sie hatten einen Entschluß gefaßt. Langsam und in Gedanken versunken schritten sie dem Strome . IV. An demselben Abend fluchte und schimpfte der„Meister“ wie ein Landsknecht. Alle fünf Minuten lief er vor das Haus und blickte nach seinen Sklaven aus. Sie kamen nicht. Stunde um Stunde verfloß, noch immer waren sie nicht da! Wo ste nur blieben? Was hatten sie nur getan? Der Gärtner knirschte vor Wut. Zwei Stunden nach Mitternacht kam der Hund. Er winselte und heulte und jagte wie verzweifelt herum. Das Tier war„pudelnaß“ unt mußte im Wasser gewesen sein! Was hatte das zu bedeuten? Dem Meister wurde schwül um den Kopf. Das erste Mal seit Jahren fand er keinen Schlaf. Das böse Gewissen ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. 1 Am nächsten und die folgenden Tage hielt man Umschau nach den Zwillingen. Der Wald wurde durchsucht, von den Brüdern fand man keine Spur. Mit langen Stangen suchten Fischer die Ufer des Stromes ab, ohne Resultat. Die Gendarmerie recherchierte in den Dörfern der Umgegend, vergebens. Niemand hatte die Zwillingsbrüder gesehen, sie blieben verschollen. * Drei Monate später wurden, viele Meilen unterhalb der Stadt— in einem fremden Lande—, die Leichen der Zwillingsbrüder aus dem Strom gezogen. Sie waren mit einer festen Hanfschnur, wie sie Gärtner zu verwenden pflegen, aneinandergefesselt. Die unbekannten jungen Selbstmörder wurden gemeinsam in einen roh gezimmerten Sarg gebettet und auf dem Friedhof beerdigt. Sanglos und klanglos! Kein Leidtragender erschien an ihrem Grabe, kein Priester verrichtete ein Gebet, kein Pfaffe erteilte den Segen. Gemeinsam hatte ein Weib sie unter dem Herzen getragen, sie gemeinsam geboren. Ge— meinsam hatten sie gelitten und geweint. Ge⸗ meinsam waren sie in den Tod gegangen und gemeinsam war ihre Grube. f Ueber ihrem Grabe erhebt sich ein regel⸗ loser Erdhaufen. Der bedeckt sich im Frühling mit Gras und wilde Feldblumen sprießen aus ihm empor. Streicht der Abendwind über die Totenstätte, dann rauschen auf dem Grabhügel der Zwillingsbrüder die Gräser, als erzählten sie einander von den Bitternissen der Armut. Und die Feldblumen neigen einander zu, als gingen sie auf in einem einzigen Kuß. Allerlei. Ueber die Jubiläumsnummer der „Leipziger Volkszeitung“, die am 1. Oktober 64 Seiten stark erschien, hat ein Genosse folgende Berechnungen aufgestellt: Die Gesamtauflage hat 190 Zentner Papier erfordert. Würde man die einzelnen Blätter in einer Richtung an aneinander reihen, so würde ein 383 Kilometer langer und 47 Zentimeter breiter Streifen entstehen. Diese Länge würde in der Luftlinie ungefähr die Entfernung zwischen 1 und Bremerhafen resp. München, Lübeck oder Dortmund gleichkommen. Es würde sich ein Areal von 177171 Quadratmetern mit diesen Zeitungsblättern völlig bedecken lassen. Es entspricht dies einer quadratischen Fläche, die von der jede Seite 420 Meter lang ist. Legt man die sämtlichen an diesem Tage durch die Maschine gelaufenen Nummern der Volkszeitung fest gepreßt aufeinander, so ergiebt sich eine Höhe von 150 Metern, was genau der Höhe der Türme des bekannten Kölner Domes entspricht. Gewiß eine respektable Leistung! Früher und jetzt. „Bei acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung und acht Stunden Ruhe könnte der Mensch ein rüstiges hohes Alter erreichen, könnten alle schlummernden Anlagen des Geistes geweckt und entwickelt werden. Doch die be⸗ günstigten Klassen haben in der Regel nicht acht Stunden Arbeit, die minder»egünstigten bet weitem nicht acht Stunden Erholung und acht Stunden Ruhe. Statt achtstündiger kräf⸗ tigender Arbeit haben die ersteren achtstündiges Jagen nach Vergnügen, statt achtstündiger Er⸗ holung achtstündige nutzlose Anstrengung, statt achtstündiger erquickender Ruhe achtstündigen betäubenden Schlummer. Die Armen dagegen haben statt achtstündiger Erholung und acht⸗ stündiger Ruhe oft, mit Ausnahme etwa von Sonn- und Feiertagen, gar keine Zeit der Er⸗ holung und selten acht Stunden Ruhe!“ So schrieb der liberale Rechtsanwalt Gustav von Struve in Mannheim. Aller⸗ dings vor beinahe 60 Jahren, nicht etwa jetzt. Die verschiedenen Grade des Diebstahls. Eine amerikanische Zeitung bringt folgende Betrachtungen: Eignet euch eine Million Dollars an, so habt ihr einen „Geniestreich“ ausgeführt.— Fünfund⸗ zwanzigtausend Dollars aus Versehen in die Tasche gesteckt, bilden einen„Kassenirr⸗ tum“.— Von zehntausend Dollars ab wird die Sache eruster; man beginnt von„Un⸗ regelmäßigkeiten“ zu sprechen.— Mit tausend Dollars beginnt die„Ungesetz⸗ lichkeit“, welche in„Vertrauensmißbrauch“ von dem Moment an ausartet, wo die ent⸗ wendete Summe nicht fünfhundert Dollars überschreitet.— Nehmt eurem Nachbar hundert Dollar und man wird euch einen Dieb nennen, entwendet ihm nur fünfzig und ihr seid ein Strolch.— Aber vor allen Dingen, ent⸗ wendet ihm niemals ein Stück Brot. Von diesem Tage an„erklärt ihr der Gesellschaft den Krieg“ und jeder„rechtschaffene“ Mann wird euch wie die Pest meiden.— Es wird niemand bestreiten können, daß diese Betrach⸗ tungen ebenso auf die„alte“ wie auf die„neue“ Welt zutreffen. Splitter. Arme klrmut! Wie peinigend muß dein Hunger sein, dort, wo andere im höhuenden Ueberflusse schwelgen! Und hat man dir auch mit gleich gültiger Hand eine Brotkruste in den Schoß geworfen, wie bitter müssen die Tränen sein, womit du sie erweichst! Wohl hast du recht, wenn du dich zu dem Laster und Ver⸗ brechen gesellst. Ausgestoßene Verbrecher tragen oft mehr Menschlichkeit im Herzen als jene kühlen, untadelhaften Staatsbürger der Tugend, in deren bleichen Herzen die Kraft des Bösen erloschen ist, aber auch die Kraft des Guten. Heinrich Heine. * 4* Es ist verkehrt, den Mord im Frieden zu bestrafen und den Mord im Kriege zu belohnen. Es ist verkehrt, den Henker zu verachten und selbst, wie es die Soldaten tun, mit einem Menschenabschlachtungsinstrument, wie es der Degen oder der Säbel ist, stolz herumzulaufen. Verkehrt ist es, die Religion Christt, diese Reli⸗ gion der Duldung, Vergebung und Liebe, als Staatsreligion zu haben und dabei ganze Völker zu vollendeten Menschenschlächtern heranzubilden. Gerhart Hauptmann, in„Vor Sonnenaufgang.“ ** * Nicht Partei ergreifen, das heißt, keine Ueberzeugung haben oder sie verleugnen.. die Geschichte hat Verzeihung für alle Irrtümer, für alle Ueberzeugungen, sie hat keine für Ueber⸗ zeugungslostgkeit. Ferdinand Lassalle, Humoristisches. Bald so, bald so. Die Kinder spielen Braut und Bräutigam. Else sagt:„Jetzt sind wir verlobt; dann heiraten wir und dann kriegen wir Kinder.“ Max widerspricht und behauptet, es sei gerade umgekehrt. Sie streiten und rufen Marie, die ältere Schwester, zur Ent⸗ scheidung. Die besinnt sich ein wenig und sagt:„Ihr habt beide recht; es ist bald so, bald so.“ (Münch. Jugend.) Ein Ordensjäger. Itzig: Gott der Gerechte, Herr Mayer! Wie können Se nur tragen im Knopfloch e rote Ros'? Wird mer Se halten noch for a Sozial⸗ demokraten! Mayer: Stuß! Wird m'r mir verlathen ä Orden! Worüm? Dorüm! Well dann nich mehr is im Knopfloch ä Platz, daß ich kann hineinstecke ä Ros'l (Südd. Postill.) Richtig. Lehrerin:„Karlchen, kannst du mir eine Eigenschaft des Wassers sagen?“— Karlchen: „Wenn man sich mit ihm wäscht, wird es schwarz.“ 2—————ç—ç—v:!erere 2 Litterarisches. „Wider die Pfaffenherrschaft.““ Von dem so betitelten Lieferungswerke liegt jetzt der erste Band vor. Das Werk unseres verstorbenen Genossen Emil Rosenow gibt eine fesselnde, die wirtschaftlichen Verhält⸗ nisse der damaligen Zeit berücksichtigende Darstellung der religiösen Kämpfe von Anbeginn des Christentums bis zur Reformationszeit. Es enthält viel Illustrationen darunter zahlreiche Reproduktionen alter Meisterwerke. Das Schlußheft des ersten Bandes enthält als Beilage eine vorzügliche in Vierfarbendruck hergestellte Illustration: „Der Papst als Herr der Welt!“ Das Bild ist nach einem kolorterten Holzschnitt von Hans Seebold Beham reproduziert und wird dem Bande zum besonderen Schmuck dienen. Das Werk erscheint in Heften à 20 Pfg. Zu beziehen in der Expedition der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung. Abonnenten können jeder⸗ zeit beilreten. Vom Amsterdamer Protokoll über die Ver⸗ handlungen des internationalen Sozialisten⸗Kon⸗ greß ist soeben die deutsche Ausgabe im Verlage der Buchhandlung Vorwarts erschtenen. Das Protokoll enthält nicht durchgängig den stenographischen Wortlaut der gehaltenen Reden, sondern die auf Grund stenographischer Aufzeichnungen hergestellten „Vorwärts“⸗Berichte, die mit den Berichten der hollän⸗ dischen und französischen Parteipresse verglichen und ergänzt sind. Von ganz besonderem Interesse für die deutschen Parteigenossen dürften die Verhandlungen der Taktik⸗ Kommission sein, die ausführlicher wiedergegeben, als Anhang dem Protokoll beigefügt sind. Der Preis beträgt 40 Pfg. Zu beziehen durch unsere Expedition. 5575 CCTTTT—TX—— Empfehlenswerte sozialistische Schriften Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleten gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner Preis 20 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Acligionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg. komplett in 50 Heften. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Von Otto Seite 6. Mitteldeutsche Sonntaas⸗Zeitung Es liegt im Interesse einer jeden Dame, sich vor dem Einkauf von Damen- u. Kinder⸗Hüten, meine Sachen zu besichtigen. 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