7108 ——. —— 8 ö ö 1 21 o * Nr. 350. Gießen, den 11. Dezember 1904. 11. Jahrgang. Redaktion: Müirchenplatz 11, Schloßgasse. D Mitteldeutsche buntags⸗Jtitung Nebaktionsschluß Donnerstag Nachmittag E. 7 Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen Inserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindesteng Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellun. 330% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Heilige Ordnungen. „Heilige“ Ordnungen nennt der Militär- Oberpfarrer Falke in einem neuen„Tag“⸗ Artikel Familie und Staat. Dürften wir vielleicht uns bescheidentlich erkundigen, wann und wo denn der liebe Gott diese„heiligen“ Ordnungen den Menschen scheukte? Wir sind leider bei unsern Geschichts⸗ studien noch nicht weiter gekommen, als bis zu der Ansicht, daß diese beiden Ordnungen nur Menschenwerk seien, und, was zumal den Staat anlangt, z. T. sogar recht unvollkommenes Werk. Uns kam es bisher immer so vor, als sei die Ausarbeitung von Verfassungen, das Streben nach möglichst gerechter Einrichtung der Menschengesellschaft zu gemeinsamer Arbeit, zu gemeinsamem Kampf gegen die Uebel der Welt, zum gemeinsamen edeln Lebensgenuß, als sei das eine Aufgabe, an der sich all die Jahrtausende hindurch bis auf unsere Tage die Menschen in bitterm Suchen und Ringen abge⸗ müht hätten, ohne daß ein Gott ihnen die Arbeit erleichtert oder sie von recht großen Dummheiten und Verirrungen bewahrt hätte. Und der Staat, den wir heute haben, mit seinem indirekten Steuersystem und seinen in⸗ direkten Landtagswahlrechten, mit seinem Bau⸗ spekulantenwesen und Fabrikabsolutismus, mit seiner Fideikommiswirtschaft und Volksschul⸗ politik, ist der nun wirklich schon eine so voll⸗ kommene Lösung der großen ewigen Aufgabe, daß wir ihn gleich„heilig“ sprechen können? Ich möchte die genannten und noch einige andere recht derbe Schönheitsfehler doch nicht gerade dem lieben Gott in die Schuhe schieben. Oder steckt Gottes Walten vielleicht nur in den guten und vernünftigen Einrichtungen? Und vielleicht auch noch in den Bestrebungen, ute und vernünftige Verbesserungen an den Heultgen Einrichtungen durchzusetzen? Ja, ja, das leuchtete mir ein! Denn da lebt gewiß Gott auch in uns Sozialdemokraten. Und das hab ich mir schon manchmal so gedacht. Einige andere Sätze des Artikels regten mich noch zu ein paar Aumerkungen an, die ich auch ungern für mich behielte.„ Da wird die Todesstrafe verteidigt mit „der christlichen Pflicht, den gerechten Willen Gottes zu vollziehen.“ Kennen Sie, Herr Pfarrer, diesen gerechten Willen Gottes so sehr piel genauer, als die Bekämpfer dieser Strafart? Haben nicht mit genau denselben Worten auch die Inquisttionsgerichte einmal alle ihre Grausamkeiten entschuldigt? Aber das ist der Vorteil des Frommen. Er kann seine Ueberzeugungen zwar nicht immer gründlich beweisen, aber dafür stellt er sie stets als den „Willen e e Damit ist jede Diskussion natürlich zu Ende. a 5 Wir len ferner:„Es ist eine berechtigte Hoffnung, daß das Christentum im Laufe der Zeit die Macht haben wird, auf dem Erdball den Frieden unter den Völkern immer fester zu begründen“. Gern schließen wir uns dieser schönen Hoffnung an und wollen, auch ohne „Christen“ zu heißen, vielleicht sogar ohne großen Dank dleserseits, aus besten Kräften für das hohe Kulturziel mitarbeiten. Freilich ge⸗ stehen wir offen, datz wir dabei mehr auf die der Völker und dem jenseitslosen Sozialismus bauen, als auf die Kirche. Aber das werden Sie uns ja nicht übelnehmen, nicht wahr? Daß Sie trotzdem den Krieg entschuldigen, ist eigentlich nicht ganz nach meinem Geschmack. Aber freilich, Ihr Grund ist äußerst brauchbar: „Und doch ist Krieg und Christentum sehr wohl vereinbar. Zunächst ist im Neuen Testament nirgends der Krieg direkt verboten..“ Wenn ich nicht irre, hat man mit demselben Grunde auch die Bigamte(Doppelehe) Philipps des Großmütigen von Hessen verteidigt. Wir wollen uns die Logik merken. Die ist gewiß noch auf viele andere auch uns angehende Fälle an⸗ wendbar. Der dann folgende Grund scheint mir nun freilich nicht ganz durchschlagend(was aller⸗ dings auch an meiner mangelnden Intelligenz liegen mag):„Derselbe Heiland, der, die christ⸗ liche Nachsicht und Duldung pfedigend, in der Bergpredigt sagte, daß man dem, der uns einen Streich auf den rechten Backen gebe, auch den andern darbteten solle, hat dem Soldaten des Hohenpriesters, der ihn schlug, sein Unrecht mit den Worten vorgehalten:„Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es böse sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“ Ich meine, es set doch noch ein kleiner Unterschied zwischen biesem ernsten Vorhalt mit Worten und einer tätlichen Vergeltung. Wenn Sie aber meinen, man könne u. U. auch ein Recht zu der letzteren daraus ableiten, nun, so wollen wir wieder ehrlich sein: Wir haben eigentlich auch mehr Neigung zu dem letzteren Verfahren. Am Ende wäre die Welt doch nicht recht vom Fleck gekommen, wenn sie allen Mißständen gegenüber immer nur hätte still halten wollen. Sehr schön bezeichnen Sie das„rote Kreuz“ als ein„Siegeszeichen des Christentums auf der blutigen Wahlstatt.“ Wieder einmal ganz einberstanden! Und noch eine kleine Beruhigung möchten wir für alle Fälle hinzufügen: Gesetzt selbst, daß das Christentum als Kirche einmal den Weg alles Menschenwerkes ginge, so würde das Christentum als Gesin nung, d. h. als tätige Menschenliebe wohl erst recht sein„Steges⸗ zeichen“ aufpflanzen. Denn umso reiner wird die Liebe sein, je weniger sie sich an die Vor⸗ urteile, irgend eines Glaubens bindet“). Neh⸗ men wir uns Lesstugs schönes Wort zu Herzen: Es ahme jeder seiner unbestochnen, Von Vorurteilen freien Liebe nach. Zum Schluß noch unsern Dank für die Mitteilung des Briefes, die ein alter Kriegs⸗ veteran von 1870 Ihnen auf Ihren Schlachten⸗ gottartikel hin schrieb. Sie werden nichts da⸗ gegen haben, wenn wir dies allgemein menschlich interessante Dokument auch unsererseits noch einmal abdrucken: „Ich habe in dem grausigen Schießen und Morden durchaus nicht den Eindruck bekommen, als ob eine höhere Macht uns beistände; es ging so menschlich⸗bestialisch zu! Wie hätte dann auch mein Nebenmann zur Linken, der, nachdem er einen leichten Streifschuß erhalten, wiederholt ausrief:„Ach Gott, du lieber Gott während des Betens einen zweiten, schweren —— ) Jeder Glauben enthält Vo rurteile, da er dem Wissen vorgreift, das eigentlich allein zu urteilen wachsende wirtschaftliche Interessengemeinschaft befugt it. Schuß erhalten können? Erklären Sie mir dieses mir unverständliche„Walten“ des lieben Gottes auf den inbrünstigen Ruf meines Kame⸗ raden! Wenn ich schwer verwundet worden wäre und ein Feldprediger hätte sich zu mir herabgebeugt, um mich zu trösten darüber, daß ich nun vielleicht als Krüppel herumlaufen oder gar mein junges Leben aushauchen müsse, so hätte ich dem barmherzigen Manne gesagt: „Verschonen Sie mich mit Ihrer Salbaderei; meinetwegen könnten Sie für mich sterben; ich gönne Ihnen 5 gerne die vielgepriesenen Freuden des Himmels“.“ K. Wbr. Die große Etatsdebatte im Reichstage. Am Samstag begann der Reichstag mit der ersten Lesung des Etats. Als erster Redner trat der Reichsschatzsekretär v. Stengel auf, der die Zahlen des Etats den Reichsboten in langer Rede vor Augen führte und ein Klage⸗ lied angesichts des allgemeinen Reichsdalles anstimmte. Frhr. v. Stengel ist aus Bayern nach Berlin berufen worden, um den verfahrenen Reichsfinanzkarren aus dem Sumpfe zu ziehen. So leicht ist das allerdings nicht und Stengel seufzte unter der Last seiner Bürde. Geld braucht Stengel, das war der Grundtext seiner Rede. Voriges Jahr Defizit, heuer noch mehr Defizit, dazu neue Forderungen für die kapita⸗ listische Vierheiligkeit Jufanterie, Artillerie, Kavallerie und Marine! Stehlen ist verboten, also woher nehmen? Pumpen! Zwar zahlen wir jetzt schon pro Jahr allein 113 Millionen Mark an Zinsen für die Schulden, die das Reich bereits gemacht hat, aber was hilft's! In der Not frißt der Teufel Fliegen und Stengel macht neue Schulden. Und neue Steuern will er haben. Die Kolonien fressen ungeheuere Summen auf, die aufgebracht sein wollen. Innerlich wünscht der Schatzsekretär die verschiedenen Plätze an der Sonne zum Teufel, das ließ er durchblicken. — Nach Stengel sprach der Kriegsminister v. Einem. Zweijährige Dienstzeit, äh, unan⸗ genehme Sache das; da aber einmal da, nicht mehr gut zu beseitigen. Müssen anderweitigen Ersatz schaffen. Mehr Infanterie. Besonders aber mehr Kavallerie. Mehr Unteroffiziere. Neue Gewehre. Patronen, Schieß⸗, Exerzier⸗ und Uebungsplätze. Michel, zahle!— Nach Ueberreichung dieses Buketts von Militärforde⸗ rungen fühlte sich das Haus nicht mehr stark genug, weiter zu verhandeln und es vertagte sich. Am Montag kamen die Parteien zum Wort. Als Erster hielt der Reichsgerichtsrat Spahn vom Zentrum eine unglaublich schwache Rede. Was sollte auch der Redner der maß⸗ gebenden Partei zu dem trübseligen Etat sagen, den gerade das Zentrum durch seinen Bewilli⸗ gungseifer verschuldet hat? Erst zum Schluß wurde er etwas energischer, als er auf die Diäten zu sprechen kam, die der Bundesrat mit einer Hartnäckigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, dem Reichstage vorenthält. Nach ihm kam Bebel an die Reihe. Der greise Veteran unserer Partei sprach mit jenem jugendlichen Feuer, das ihn auszeichnet und das ihn zu der markantesten Persönlichkeit des Reichstags stempelt. Mit unbarmherziger 3 1 5 . 1 ö 1 — . — — 1 ——— S — 1 J * Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 50. Schärfe ging unser Redner mit dem Zentrum, mit der ganzen Reichstags mehrheit ins Gericht, die durch ihre unwürdige Nachgiebigkeit die unwürdige Lage der Volksvertretung verschuldet haben. Bebel kam auch auf jenen Gewaltstreich zu reden, den vor nunmehr zwei Jahren die zolllüsterne Majorität beging; der bürgerliche Geschäftsführer der Junkerschaft, der just den Vorsitz führende St. Paasche, glaubte sich zu einem Ordnungsruf veranlaßt, den die Rechte mit einem wahrhaften Freudengeheul begleitete. Nach der Abrechnung mit dem Zentrum kam der Militarismus und nach ihm die Regierung an die Reihe. Die unwürdige Ltebedieneret egen Rußland, wie sie im Königsberger Prozeß ihren schmachvollen Gipfelpunkt gefunden hat, erhielt die verdient scharfe Beleuchtung und Zurückweisung. Bebel erkannte an, daß der Staatssekretär Stengel sich keiner Schönfärberei schuldig gemacht, sondern offen bekannt habe, daß die finanzielle Lage schlechter als schlecht ist. Seine Rede, die besser gewesen sei, als die des Zent⸗ rumsführers, sollte in allen Gemeinden ange⸗ schlagen werden. Es ist alles so gekommen, führte unser Genosse weiter aus, wie wir es erwartet und besonders bei dem Flottengesetz vorausgesagt haben, ja es hat sich alles noch viel krasser entwickelt, als wir es voraussahen. Die drei Punkte der seit 1898 inaugurierten Welt⸗ politik: Militärpolitik, Marinepolitik, Ko⸗ lon ialpolitik, sind es, die die Ungunst unserer Fi⸗ nanzlage erzeugt haben. Das Zentrum hat in erster Linie veranlaßt, was in den letzten Jahren gemacht wurde. Geradezu geschüttelt habe ich mich vor Lachen, als der Zentrums führer den Staatssekretär inständig bat, der raschen Beamtenvermehrung bei der biologischen Reichsanstalt und beim Reichsgesundheitsamt entgegen⸗ zutreten. Und dabei sind dies so ziemlich die einzigen Kulturinstitute im deutschen Reichsetat! Der Staats⸗ sekretär sprach mir aus der Seele, als er meinte, es lönne darüber gestritten werden, ob der Erwerb der Kolonien für Deutschland einen Wert gehabt hätte. Bisher ist jedenfalls der Nutzen ein sehr zweifelhafter gewesen. Unsere baren Zuschüsse für die Kolonien be⸗ laufen sich auf 32 Millionen Mark; unser gesamter Handel nach den Kolonien beträgt aber auch nur 32 Millionen, während unser gesamter Außenhandel im Jahre 1903 11500 Millionen betrug.— Nun der famose Platz an der Sonne! Mit den Geldern, die man für Kiautschau fordert, könnte man die Mark Brandenburg zum schönsten Garten der Welt machen; wenn man aber Millionen für diesen Zweck fordern würde, so hätte man Aussicht, für reif für Dalldorf erklärt zu werden. Der Handel nach China ist seit 6 Jahren so ziemlich auf demselben Fleck geblieben; die ungeheuren Kosten für die chinesische Expedition sind handelspolitisch gänzlich resultatlos geblieben. Warum bleiben wir in China? Was haben wir dort zu suchen?— Die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienst⸗ zeit hat für mich und meine Freunde gar keinen Wert. Sie können gar nicht anders, Sie müssen bei der zwei⸗ jährigen Dienstzeit bleiben. Wir haben noch immer das Einjährig⸗Freiwilligen⸗System. Sie werden uns niemals glauben machen, daß für die Söhne des Volkes eine längere Dienstzeit zur Ausbildung notwendig ist als für die Söhne der besitzenden Klassen. Die Fran⸗ zosen als Demokraten haben die Einführung der zwei⸗ jährigen Dienstzeit mit der Aufhebung des Einjährig⸗ Freiwilligen⸗Privilegs verbunden. Das wird den An⸗ sporn zu einer weiteren Verkürzung der Dienstzeit geben. Auch bei uns wird eine energische Agitation zu Gunsten der einjährigen Dienstzeit für alle einsetzen. In Schweden kommt die Heeresverwaltung mit einer Dienst⸗ zeit von 8 Monaten für die Infanterie und 1 Jahr für die Kavallerie aus. Es werden auch wieder neue Kavallerieregimenter gefordert. Ueber den Wert der Kavallerie sind die Meinungen geteilt; es ist be. zeichnend, daß gerade französische Generale auf das Allerentschiedenste betonen., daß die großen Kaval⸗ lerieattacken der Vergangenheit angehören. Zu derselben Ansicht ist auch auf Grund der Erfahrungen des ostasiatischen Krieges Oberst Gädke gelangt. Mit der Verminderung der Kavallerie könnte man bedeutende Ersparnisse erzielen. Höchst überflüssig ist der Unter⸗ schied zwischen Linien- und Gardetruppen, sowie die Einteilung der Kavallerie in besondere Gat⸗ tungen und die Bewaffnung derselben mit Lanzen. Ein wahres Glück für Sie, daß Rußland in der Patsche steckt und daher einen Handelsvertrag abschließen muß; Oesterreich⸗Ungarn ist aber in anderer Lage und es wird erst abzuwarten sein, ob es leicht sein wird, es auf den Zollkrieg mit ihm ankommen zu lassen. Luxus⸗ steuern ergeben nichts, das hat sich erst wieder bei der Champagnersteuer gezeigt; will man die wirklich Leistungs⸗ fähigen heranzichen, so muß man zur Reichsein⸗ kommensteuer und Reichsvermögenssteuer greifen. Sind es doch wieder die Großkapitalisten, die nach neuen Militärforderungen schreien, während es ihnen nicht einfällt, auch nur ein paar Pfennige auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern; wahrlich ein Patrio⸗ tismus, wie er erbärmlicher nicht gedacht werden kann. Was soll denn einmal werden, wenn der Kriegs⸗ eifer der Nationen sich, um mit Bismarck zu sprechen, bis zur Weißgluthitze erwärmen wird, wenn es wirklich zum Weltkrieg kommen wird? In Ostasien stehen sich Heere von Hunderttausenden gegenüber: wie aber, wenn sich Heere von Millionen entgegentreten werden? Sie müssen einsehen, daß dieses ganze System zugrunde gehen muß.(Oho! und Lärm rechts. Beifall b. d. Soz.) Der Krieg Rußlands gegen Japan hat Rußlands völligen Zusammenbruch herbeigeführt und das ist für uns wahr⸗ haftig ein Glück. Das ist eine Wohltat für Deutschland, für Europa, für das ganze ruffische Volk. Im über⸗ nächsten Jahre ist ein Jahrhundert seit Jena verflossen. Das deutsche Volk wird keine Trauer⸗, sondern eine Freudenfeier veranstalten. Und was Jena für das preußische Volk, das werden die Niederlagen in Ostafien für das russische Volk bedeuten. Ueberall sehen wir eine unwürdige Liebedienerei unserer Regierung gegen Rußland. Es scheint, daß zwischen Rußland und Deutschland ein Vertrag besteht, der die deutsche Regierung verpflichtet, die russischen Militärpflichtigen auszuweisen: das tut sonst kein Land der Welt. Es heißt, daß auf der Germania⸗Werft Torpedos und Torpedobootszerstörer für Rußland gebaut werden. Die japanische Regierung hätte alle Ursache, sich über die laxe Art und Weise zu beschweren, wie die deutsche Regierung ihre Neutralitätspflichten gegen⸗ über Japan auffaßt.— Auf der Berliner Universität wird einfach skandalöse Spionage nach der politischen Vergangenheit russischer Studierender getrieben. Man sollte es nicht für möglich halten, daß sich die deutschen Universitätsbehörden zu Handlangern der russischen Poli⸗ zeibeamten hergeben.— Und nun die unerhörte Schmach des Königsberger Prozesses! Der Reichskanzler nnd drei Minister und Staatssekretäre sind hier aufgetreten, um die Einleitung dieses Prozesses zu rechtfertigen: und dann diese fürchterliche Blamage! In der Tat, eine juristische und moralische Niederlage der allerschlimmsten Art! In jedem anderen Lande wäre nach Schluß des Prozesses der Justizminister mit Schimpf und Schande aus dem Amte gejagt worden. jetzt wieder am Falle Ruhstrat gesehen, was sich ein deutscher Justizminister erlauben darf. Zu dieser reaktionären äußeren Politik, schloß Bebel seine wirkungsvolle Rede, kommt eine ebensolche innere. Wenn Streikende sich zu ungefährlichen Ausschreit⸗ ungen hinreißen lassen, werden sie zu langen Gefängnis⸗ strafen verurteilt. Studenten, die sich wirklich Land⸗ friedensbruch zu schulden kommen lassen, kommen mit Geld⸗ strafen davon. Wenn ein Sozialdemokrat eine Aussage gemacht hätte, wie der Freiherr v. Mirbach im Pommernbank⸗Prozeß, der nicht wußte, wo 350 000 Mk. geblieben sind, wäre er sofort verhaftet worden. Bei dem Oberhofmeister der Kaiserin ist das natürlich ganz was Anderes. Wenn Christus heute auf die Erde käme, würde er den Freiherrn v. Mirbach mit der Geißel aus dem Tempel treiben, das wäre die Belohnung für seine Förderung von Kirchenbauten. Vor kurzem wurde kon⸗ statiert, daß Tausende von Kindern in Berlin in die Schule gehen, ohne Frühstück bekommen zu haben. Da sollte man einsetzen, das wäre besser, als Kirchen bauen. Wo bleibt denn die Verwirklichung des sozialen Programms des Reichskanzlers? Wie steht es mit der Gleichberechtigung der Arbeiter mit den oberen Klassen? Der Kaiser hat sie versprochen, aber es sind Worte geblieben. Die Staatswerkstätten sollen nach den Worten des Kaisers Musterwerkstätten sein. Wie es damit steht, haben wir in dem Saarbrücker Pro— zeß gesehen. Keine Versammlungsfreiheit, kein Koali⸗ tionsrecht, keine Preßfreiheit! Das sind die Rechte der Arbeiter im Saarrevier, Wo bleibt das Genossen⸗ schaftsrecht für die Staatsarbeiter? Herr Budde hat einen Erlaß ergehen lassen, in dem es heißt, daß kein Staatsarbeiter einem Konsumverein angehören könne, wenn er(der Minister) nicht anerkannt hat, daß ein Bedürfnis nach diesem Verein besteht. Wenn Sie den Staatsbeamten und Arbeitern alle diese Grundrechte ver⸗ weigern wollen, so schreiben Sie es in die Gesetze. Das verlangen wir. Ueberall heißt es:„Vorwärts! Vor⸗ wärts!“ Böten nicht einige süddeutsche Bundesstaaten kleine Lichtblicke, so sähen wir überall nur Rückschritte. Servilismus nach oben, Unterdrückung nach unten, Gesinnungslosigkeit, Feigheit und Heuchelei sind die Zeichen der Zeit. Die vobersten entscheidenden Stellen sehen natürlich den Himmel voller Geigen. Im Aus⸗ lande muß man glauben, Deutschland sei ein großes Freudenhaus! Deutschland voran in der Welt, sagt Graf Bülow, aber es ist in Wahrheit voran in der Reaktion. Hier sollten Sie Wondel schaffen. Der Reichskanzler Graf Bülow antwortete auf die Bebelsche Rede so gut und schlecht er eben konnte. Er sprach länger, aber keineswegs Aber wir haben ja besser, als er zu tun pflegt. Er erging sich in den gewohnten Schönfärbereien, leugnete schlank⸗ weg alle Liebedienerei gegen Rußland und suchte sich über den Jammer des Gegenwartsstaates durch die nun nachgerade langweilig werdenden Zukunftsstaats⸗Mätzchen hinwegzutäuschen. Den besseren Teil seiner langatmigen Ausführungen England zu sagen hatte. 1 Die Debatte dehnte sich noch über Diens⸗ tag und Mittwoch ans, dürfte anch am N Donnerstag noch nicht zu Ende gehen. 0 Was weiter von liberalen, konservativen und. antisemitischen Rednern vorgebracht wurde, war von keiner großen Bedeutung, die Debatte hatte nach dem Rededuell Bebel⸗Bülow an Interesse verloren und flaute mehr und mehr ab. Die Reden der bürgerlichen Wortführer, der Sattler, Richthofen, Müller⸗Sagan, Liebermann von Sonnenberg ꝛc., atmeten Langeweile und Oede. Nur der letztere glaubte durch gassenbubmäßige Schimpfereien gegen Bebels überlegenes Wissen und großzügige Kritik ankämpfen und sie ab⸗ 0 schwächen zu können. 1 politische Rundschau. Gießen, den 8. Dezember 1904. Noch ein weiteres Zuchthausurteil hat vorige Woche das Militärgericht in Deutsch. krone gefällt. Es verurteilte drei Soldaten vom 140. Infanterie⸗Regiment zu je 6 Jahren 1 7 insgesamt also zu 18 Jahren uchthaus. Der„Berliner Ztg.“ wurde f darüber aus Deutsch Krone(Westpreußen) ge⸗ schrieben:„In der gesamten Bewohnerschaft wird das harte Urteil mißfällig aufgenon⸗ men, da ein geringfügiger Vorgang die Ursache des Prozesses war. Der Vorgang spielte sich in der Dunkelheit ab, der Unteroffizier war 1 den jetzt Verurteilten ganz fremd, Vorsätzlichkeit erscheint ausgeschlossen.“ Soviel bekannt ge⸗ worden ist, sind allein im Monat Nobember nicht weniger als 38 Jahre Zuchthaus über angeblich„aufrührerische“ Soldaten ver⸗“ hängt worden, die meist in der Trunkenheit geringfügige Ausschreitungen begangen haben, während die bei Offizieren oder im Zivilver⸗ 1 hältnis befindlichen Personen höchstens mit Geldstrafen belegt worden wären. Andererseits kommen Soldatenschinder meist recht billig davon. Das Kriegsgericht in Landau z. B. verurteilte die Sergeanten Kappe und Ber⸗ noeth des 23. Infanterie-Regiments wegen Soldatenmißhandlungen, und zwar Kappe wegen 129 Fällen zu vier, Bernoeth wegen 45 Fällen zu zwei Monaten und zwanzig Tagen Gefängnis.— Ferner wurde der Unteroffizier Paul Schmidt von der 4. Kompagnie des 36. Fel dartillerie⸗Regi⸗ ments vom Kriegsgericht in Danzig zu sieben Wochen Gefängnis verurteilt, weil er einen Kanonier, von dem er annahm, er habe ihn. belogen, im Stall von etwa 20 Fahrern, von denen jeder eine Peitsche führte, hatte schlagen lassen, indem er ihn viermal durch eine von den Fahrern gebildete Spießrutengasse jagte. g In der Urteilsbegründung wurde die„gute Führung“ des Unterofftziers besonders hervor⸗ gehoben. Warum hat man dem Scheusal nicht gleich eine Belobigung erteilt? Ueber die Kriegervereine fällte kürzlich ein Schweizer, der eine Ge⸗ schäftsreise nach einer norddeutschen Stadt unternommen hatte und dort zur Versammlung eines Kriegervereins eingeführt wurde, ein sehr abfälliges Urteil. Arg enttäuscht kber seie Erlebnisse schrieb er einem Parteiblatte:„Unter den deutschen Kriegervereinen hatte ich mir Vereine vorgestellt, die gleich den schweizerischen Grütlivereinen wahre Vaterlandsliebe zu erwecken suchen, ohne den Haß gegen die Nachbarvölker zu schüren, die bestrebt seien, die Auswüchse des Militarismus, unter denen die Mitglieder der Kriegervereine selbst gelitten haben, zu bekämpfen, die Rekrutenschinder an den Pranger zu stellen. Statt dessen felt ich, daß man bestrebt war, die Wahrheit zu 0 8 0 0 N bildete noch, was er über unsre Beziehung zun Min Min Proz strit der! er 1 gesbi Das Glüc weise Rede Herr und ganz Gere ment 100 bele Wirt verun der wirt zu (Orc Wir. hörer Aeuf eine denn gew. Klag Polt wur straf schul haft. daß beral erwa die u glied 0 f. unk suchte aalez kuden Den ungen 9 zu ens. h am gehen. und „War hatte leresse attler, 1 bon Dede. näßge Wisen ie ab⸗ — l. 1904. tell utsch⸗ ldaten ihren ihren wurde 0 ge⸗ schast genom⸗ ug die spielte er war lichkeit ut ge⸗ bember haus N bel⸗ kenheit haben, bilber⸗ 8 mit tetselle t billig . 0. Ber- wegen tap he nbeth 1 und Ferner dt bon e⸗Regi⸗ 1 sieben eillell be ih 1 bol. agen 13 bon jagte. „ee, herb, . ˖§«—7ẽ—F4 Nr. 50. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite. entstellen, die Militärzeit als die schönste Zeit des Lebens hinzustellen und nur bebune, daß sie von so kurzer Dauer ist. Es ist mir verwunderlich, daß derartige Vereine in einem Lande wie Deutschland hochkommen und bestehen können.“— Das hat allerdings auch schon viele Deutsche gewundert. Wer die widerliche Byzantinerei und den bis zur Roheit gesteigerten Mordspatriotismus beobachtet hat, wie er sich vielfach in Kriegervereinskreisen zeigt, der be⸗ greift nicht, wie ein vernünftiger Mensch solchem Vereine beitreten kann. Ein feiner Minister. In Oldenburg wurde dieser Tage gegen den Redakteur des dortigen„Residenzboten“, Schweynert, wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat verhandelt. Das Blatt hatte dem Minister vorgeworfen, daß er noch zu einer Zeit dem Glücksspiel gehuldigt habe, als er schon Minister war. Das hatte er in einem früheren Prozesse unter Eid und auch im Landtage be⸗ stritten. Inzwischen stellt sich heraus, daß der Minister damit nur hat sagen wollen, daß er nicht die„Lustige Sieben“ noch als Minister gespielt habe, dagegen habe er aber gepokert. Das Pokerspiel ist nun offenbar gleichfalls ein Glücksspiel. Das Gericht sah es merkwürdiger⸗ weise nicht als solches an und verurteilte den Redakteur zu einem Jahre Gefängnis. Herr Ruhstrat wird aber nicht mit Schimpf und Schand zum Teufel gejagt, sondern bleibt ganz ruhig an der Spitze der oldenburgischen Gerechtigkeit! Auf den Prozeß, der ein Doku⸗ ment bildet von unserer Zeiten Schande, wird noch mehrfach zurückzukommen sein. Empfindlicher Polizeisergeaut. Wegen einer wunderbaren Beamten beleidigung wurde vor wenig Tagen ein Wirt von der Hildesheimer Strafkammer verurteilt. Eines Nachts gegen 1 Uhr betrat der Poltzeisergeant Pahl das Lokal des Gast⸗ wirts Winkelmann in Goslar a. H. und sagte zu ihm:„Sie lassen ja das Instrument (Orchestrion) schon wieder so laut spielen.“ Der Wirt sagte darauf:„Können Sie denn nicht hören, daß die Trommeln abgestellt sind?“ Diese Aeußerung bezeichnete der Polizeisergeant als eine Beleidigung und verhaftete den Wirt, der denn auch bis zum anderen Morgen im Polizei⸗ gewahrsam blieb. Die weitere Folge war eine Klage gegen den Wirt wegen Beleidigung des Poltzeisergeanten, von der er jedoch freigesprochen wurde. Der Staatsanwalt hatte 50 Mk. Geld⸗ strafe beantragt!!! Weshalb der ganz un⸗ schuldige Wirt nach der widerrechtlichen Ver haftung obendrein noch angeklagt wurde, statt daß man den Polizeisergeanten wegen Freiheits⸗ beraubung zur Verantwortung zog, wie jeder erwartet hätte, ist eines jener großen Rätsel, die nur ein Staatsanwaltschaftsgehirn zu zer⸗ gliedern imstande ist.— Der Wirt sollte nach Gießen ziehen. Hier bekam kürzlich ein Stu⸗ dent, der einen Schutzmanu zur Erde geworfen hatte, nur 40 Mk. Geldstrafe. Wahlen. Die Stichwahl in Schwerin hat mit dem Siege des Nationalliberalen Büsing geendet. Er erhielt 13 213 Stimmen, unser Genosse Antrick 11213. Gegen die Wahl soll wiederum wegen sehr grober Verstöße Protest eingelegt werden.. Ein wetteres Reichstagsmandat wird im Wahlkreise Hof frei, wo der bisherige nationalliberale Münch⸗Ferber endlich die Niederlegung seines Mandates angekündigt hat. Wie es scheint, erst, nachdem ihm das von seinen politischen Freunden nahegelegt worden war, weil er in dem mehrerwähnten Prozesse eine sehr bedenkliche Rolle gespielt hat. Bei den Landtagswahlen in Lippe⸗Det⸗ mold wurden 10 Konservative und 6 Liberale ewählt, vier Sozialdemokraten kommen in tichwahl.— In Aken a. d. Elbe wurden zum erstenmale drei Sozialdemokraten mit großer Mehrheit gewählt.— Im Herzogtum Alten⸗ burg sind in den letzten Wochen ebenfalls die Gemeindewahlen vollzogen worden. Ueberall war der Wahlkampf ziemlich heftig; unsere Partei erzielte aber sowohl in den Städten wie in den Landgemeinden recht erfreuliche Erfolge. Ebenso im Königreich Sachsen, wo in zahlreichen Landgemeinden gewählt wurde. Im Wahlkreise Jerichow hat am Dienstag die Ersatzwahl für den ver⸗ storbenen Fürsten Bismarck stattgefunden. Letzterer wurde voriges Jahr in der Stich⸗ wahl mit Hilfe der Freisinnigen mit 14665 Stimmen gegen unsern Genossen Voigt ge⸗ wählt, der nur 9742 erhielt. In der Haupt⸗ wahl fielen auf Voigt 8140, Bismarck 10 430, den Freisinnigen 6480 Stimmen. Am Diens⸗ tag konkurrierten fünf Kandidaten miteinander und es kommt zur Stichwahl zwischen Sozial⸗ demokrat und dem Freistnnigen. Genosse Voigt erhielt 6703, Mertens(frets.) 6251, v. Brauchitsch(kons.) 5940, vom Rath(natl.) 3362 und der Antisemiterich Wohlfahrt 2575 Stimmen. Da die Bürgerlichen sämtlich für den Freisinnigen eintreten werden, so ist dessen Wahl gesichert. Unsere Stimmen sind gegen die allgemeinen Wahlen etwas zurückgegangen, das hat jedoch weiter nichts zu bedeuten. Jaures im Duell. Wegen einer Beleidigung, die der antisemi⸗ tische Hanswurst Deroulede dem Abg. Jaures zufügte, forderte ihm dieser. Das Duell hat bereits stattgefunden und verlief, wie in Frank⸗ reich üblich, ohne Resultat. Man sollte es nicht für möglich halten, daß ein wissenschaft⸗ lich so hochstehender Mann wie Jaures sich zu einer solchen Dummheit hergeben konnte. Den russischen Henkern entronnen. Der kühne Revolutionär, welcher den Knuten⸗ minister Plehwe hinrichtete, soll aus der Peters⸗ burger Feste Schlüsselburg entkommen sein und sich im Auslande befinden. Die Flucht vollzog sich angeblich unter abenteuerlichen Umständen. In Abwesenheit des Polizeipräsidenten und des Gouverneurs der Schlüsselburg erschienen zwei Gendarmen mit einem schriftlichen Befehl des Polizeiprästdenten, den Mörder unverzüglich vorzuführen. Der Gefangene wurde darauf in einen Wagen gebracht, der ihn entführte. (Weitere Politische Rundschau Seite 6.) eee Nussisch⸗japanischer Krieg. Am Schaho stehen sich beide Heere stark verschanzt gegenüber. Es kommt wohl öfters zu geringfügigen Scharmützeln, doch hat ein entscheidender Kampf noch nicht stattgefunden. Auf der japanischen Seite werden die in der Gefechtslinie liegenden Dörfer ausgebessert und neue Häuser errichtet, sowie viele Brunnen gebohrt. Alles deutet daraufhin, daß die Japaner in der gegenwärtigen Stellung zu überwintern beabsichtigen. Die Kälte hat keinen Einfluß auf die Japaner, die nur wenig Kranke haben. Das Bombardement Port Arthurs dauerte in den letzten Tagen mit unverminderter Heftigkeit an. Die Belagerungsarbeiten machen rapide Fortschritte und es gewinnt den Anschein, daß ein allgemeiner Sturm bevorsteht. Durch die Beschießung haben die in dem Hafen liegenden russischen Schiffe sehr gelitten. Die„Poltawa“ ist gesunken, der„Retwisan“ ist schwer beschädigt worden. Ein deutscher Dampfer, der„Veteran“, wurde von dem japanischen Prisengericht in Sasebo beschlagnahmt. Er war im November von den Japanern angehalten worden und führte große Mengen Winterkleider und Pro⸗ viant an Bord, die für die Russen bestimmt waren. Soziales, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Ueber Zweihunderttausend Mitglieder zählt jetzt der Metallarbeiter⸗Verband! Diese Auflage hat jetzt die Metallarbeiterzeitung Uerreicht und da diese obligatorisch für die Mit⸗ glieder des Metallarbeiter⸗Verbandes eingeführt ist, so wird durch die Höhe der Auflage der M.⸗Ztg. gleichzeitig die Stärke der Organisation bekundet. Und mehr als 200000 Mitglieder in einer deutschen Arbeiterorganisation, das will gewiß etwas heißen. Freilich— wie viele Metallarbeiter stehen der Organisation noch fern! Diese Kurzsichtigkeit der Arbeiter ist außerordent⸗ lich beklagenswert. Die wenigen Beiträge, die jetzt die nichtorganisierten Arbeiter scheinbar „sparen“, streichen die— Unternehmer zehn⸗ und zwanzigfach ein. Interessant und lehrreich sind einige Ausgaben über die Leistungen des Metallarbeiter⸗Verbandes während der letzten 13 Jahre. Er zahlte an Reisegeld aus 796 850,17 Mk., an Arbeitslosen⸗Unter⸗ stützung(erst seit 1900) 1058 419,05 Mk., an Notlagenunterstützung 324 139,88 Mk., für Rechts schutz 102 419,92 Mk., für Streik⸗ unterstützungen 3168 505,39 Mk.— In agitatorischer und organisatorischer Beziehung hat der Metallarbeiter⸗Verband vieles getan, und das bürgt dafür, daß er noch nicht an der Grenze seiner Ausdehnungsfähigkeit ange⸗ langt ist. Lohnbewegungen. Ein Bergarbeiter⸗ streik ist im Neuroder Revier in Schlesten ausgebrochen. Dort wurde von der Belegschaft der Graf Magnis'schen Gruben mit 931 55 70 Stimmen der Streik proklamiert. 8 handelt sich um Lohnforderungen, die schon im Juni d. J. gestellt wurden.— Die Holz⸗ arbeiter in den Bauwerkstätten in Elber⸗ feld⸗Barmen haben zur Erringung des Neunstundentages die Arbeit niedergelegt. In den Werkstätten der Möbelindustrie wurde die neunstündige Arbeitszeit bereits vor einigen Monaten durch ein Uebereinkommen eingeführt. Von Rah und Lern. Hessisches. — Auch ein Opfer des Militaris⸗ mus. In Mainz hat sich am Samstag, den 30. Nov., der 27 jährige Husarenleutnant Fritz Dietz in seiner Wohnung erschossen. Die Zeitungen erwähnten vorher auf die Bitte eines Offiziers, der in den Redaktionen vor⸗ sprach, nichts, vielleicht in dem Glauben, der Familie Unangenehmes dadurch zu ersparen. Später wurde die Affaire durch die Briefe interessant, welche der Leutnant hinterließ. Er schreibt darin seiner Mutter: „Die vernichtende Kritik des Oberst von Blumenthal über meine Abteilung heute trieb mich zum äußersten. So lange er Kommandeur ist, behandelt er mich— aus persönlicher Antipathie— schlecht, setzt mich zurück und läßt kein gutes Haar an mir. Vier Jahre habe ich mich durchge⸗ kämpft und durchgebissen, doch heute bin ich am Ende meiner Kräfte. Die heutige Kritik kann ich nicht ertragen. Sonnabend bekomme ich sicher— egal, wie meine Ab⸗ teilung ist— dieselbe Kritik. Nun, da könnte ich mich nicht beherrschen.— Besser, ich scheide so aus dem Leben, als daß es noch vorher zum Eklat kommt.“ Wie die Mutter des Leutnants in einer Zuschrift an die Zeitungen mitteilte, kann keine Rede davon sein, daß der Unglückliche etwa aus Liebeskummer oder andern Gründen seinem Leben ein Ziel gesetzt habe, wie vorher verbreitet wurde, sondern die Behandlung von Seiten des Obersten sei der einzige Grund. — Appetitliche Brot- und Nudel ⸗ fabrik. In einer in der Umgebung von Darmstadt befindlichen Nudelfabrik, dessen Inhaber den stolzen Titel„Hoflieferant“ führt, wurden ekelerregende Zustäude aufgedeckt. Im Sommer wurde Roggenmehl verbacken, das stinkig war. Als der Fabrikant darauf auf⸗ merksam gemacht wurde, daß ein Verarbeiten solchen Mehles einer Nahrungsmittelfälschung gleichkomme, da meinte er, man solle die harten Knollen zurücklassen, die könnten zu„Pferde⸗ brot“ verbacken werden. Ende Juli und Anfang August wurden total verschimmelte Stollen auf, Befehl des Buchhalters mit der Axt zerkleinert 22 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 50. eingeweicht und zu Panierbrot verbacken. Die Teigmaschine, in welcher der Teig für Panier⸗ brot hergestellt wurde, ist seit einem Jahr ein⸗ mal ausgewaschen worden. Die eingeweichten Nudeln stehen oft so lange in der Teigmaschine, daß sie stellenweise dicke Schimmelpilze zeigen. Der Staatsanwaltschaft Darmstadt ist Anzeige erstattet worden und veranlaßt dieselbe jedenfalls einmal eine eingehende Untersuchung in der„Hoffabrik“. Gießener Angelegenheiten. —„Liberale“ Kundgebung zur hessi⸗ chen Wahlreform. Am Montag Abend and in Steins Garten eine von den Liberalen (dem freisinnigen und nationalliberalen Verein) einberufene Versammlung statt, in welcher Abg. Dr. Gutfleisch einen Vortrag über die Wahl⸗ rechtsvorlage hielt. Der Besuch war sehr mäßig, namentlich fehlten die Arbeiter, von unserer Partei waren etwa 20— 25 Mann erschienen. Wenn in der„Frkftr. Ztg.“ und„Kl. Presse“ gesagt wurde, daß die Versammlung von So⸗ zialdemokraten stark besucht gewesen wäre, so ist dies durchaus unrichtig. Warum sich unsere Genossen schlecht beteiligten, davon weiter unten. Gutfleisch schilderte eingehend die Behandlung, welche die Wahlrechts⸗Vorlage bisher erfahren hat und durch die agrarischen und antisemitischen Quertreibereien sie zu Falle zu bringen. Be⸗ sonders wollte man von Seiten der ländlichen Abgeordneten den Städten nicht diejenige Zahl Vertreter zubilligen, die ihnen nach Einwohner⸗ zahl und Steuerleistung zukäme. Man habe nunmehr den Städten 12, dem Lande jedoch 43 Abgeordnete gegeben, das sei offenbares Unrecht. Besonders wandte sich der Redner gegen die Zusammenlegung Wiesecks und Heu⸗ chelheims mit Gießen. So, wie die Vorlage jetzt aussehe, dürfe sie nicht Gesetz werden. Der Vorsitzende schlägt folgende Resolution vor: Die heute im Neuen Saalbau zu Gießen versammelte Wählerschaft aller politischen Parteien stimmt der Regierungsvorlage„be⸗ treffend das Wahlrecht zum Landtag“ freudig zu, weil darin endlich das direkte Wahlrecht und eine Vermehrung der Abgeordneten der Städte geboten wird. Sie erhebt dagegen entschiedenen Protest gegen die Beschlüsse der zweiten Kammer, welche das Wahlrecht der Städte von neuem verkümmern und insbesondere dabet die Stadt Gießen mit den Orten Wieseck und Heuchel⸗ heim für die Wahl verbinden und damit in schwerster Weise in die politischen Rechte dieser Orte und noch mehr in die der Stadt Gießen eingreifen will. In der Diskussion sagte nur Gen. Vetters einige Worte. Er bemerkte, es set traurig, wie die Landtagsmehrheit die„Wahlreform“ betreibe. Jahrelang werde schon daran herum⸗ gedoktert, ohne etwas zu Stande zu bringen. Aber die Freisinnigen machten ja selbst noch Schwierigkeiten, indem sie das Sonderwahlrecht der kleinen Städte aufrecht erhalten wollten, weswegen sie sogar an die Erste Kammer pe⸗ titionierten. Nach einer kurzen Erwiderung Gutfleisch's, der bestritt, daß diese Petition von der Freisinnigen Partei ausgehe, sondern die Vertreter der 3 kleinen Städte suchten eben nur ihre jetzigen Rechte zu erhalten, wird die Resolution beschlossen.„Einstimmig“, wie der Vorsitzende Justizrat Metz konstatterte. Wenn es auch in der Versammlung von uns unter⸗ lassen wurde, gegen die Resolution ausdrücklich Widerspruch zu erheben, sind wir damit trotz⸗ dem nicht einverstanden und wir würden da⸗ gegen gestimmt haben, wenn durch Händeauf⸗ heben abgestimmt worden wäre. Diese Vor⸗ lage mit ihren„Kautelen“ begrüßen wir keines⸗ wegs mit Freuden. Mit Freuden zu begrüßen wäre aber gewesen, wenn eine gewaltige Kundgebung der gesamten Bürgerschaft zu Stande gekommen wäre. Das war leider nicht der Fall, von Arbeitern sah man, wie gesagt, wenige. Warum? Man er⸗ innere sich an den Reichstagswahlkampf! Da war es gerade Herr Gutfleisch mit, der unsere Partei und die Arbeiter mundtot machte und das ist noch nicht vergessen worden. — Zwei Soldatenselbstmorde sind in den letzten Tagen im hiesigen Regimente vorgekommen. In beiden Fällen handelt es sich um Rekruten. Einer derselben, namens Wagner aus Großen-⸗Buseck erhängte sich im Walde bei Rödgen. Vorher hatte er sich in einem Briefe an seine Eltern über die Behand⸗ lung in der Kaserne beklagt. Der andere soll ein Elsässer sein. Die Gründe des Selbst⸗ mordes sind in beiden Fällen angeblich unbe⸗ kannt. Allzu liebevolle Behandlung von Seiten der militärischen„Erzieher“ wird die Rekruten wohl nicht zu dem verzweifelten Schritte getrieben haben. Uebrigens wird bei solchen Vorkommnissen immer eine merkwürdige Heimlichkeit beobachtet. Jedenfalls wäre es gut, wenn die Militärbehörde der Presse über solche Dinge Mitteilung machte. So soll im Sommer, wie uns mitgeteilt wurde, in der Militärschwimmanstalt ein Soldat ertrunken sein, man hat auch über diesen Fall nichts gehört. — Die Generalversammlung der Ortskrankenkasse am Mittwoch war nur mäßig besucht. Geschäftsführer Fourier er⸗ stattete zunächst Bericht über den Ortskranken⸗ kassentag in München. Er ging hierbei beson⸗ ders auf den dort gehaltenen Vortrag des Dr. May über die Lungentuberkulose ein, die von den Ortskrankenkassen durch zweckmäßige Einrichtungen bekämpft werden könnte. Nach einer kurzen Diskusston, die sich an den Vortrag schloß, wurden die Wahlen der Revisoren und Vorstands mitglieder vorgenommen. Zu Revi⸗ soren wurden bestimmt: Atzbach, W. Schmidt, Sickert. Als Vorstandsmitglieder von Seiten der Arbeitgeber: Wolf, Haas, Nauheimer und als Ersatzleute Abermann und Appel. Von Seiten der Mitglieder: Holtberg, Krüger, Krug, Wiegandt. Als Ersatzleute: Amend, Franz, Stock, Treiber. Die allgemeine Sterbekasse Gießen hielt am Sonntag im„Gambrinus“ ihre General⸗ versammlung ab, zu der 110 Mitglieder erschienen waren. Sie tritt jetzt in ihr 16. Lebensjahr und hat zur Zeit 1359 Mitglieder. Im verflossenen Jahre war ein Zuwachs von 174, ein Abgang von 14 Mitgliedern zu verzeichnen. Während seines 15 jährigen Bestehens hat der Verein 148 Sterbefälle unter seinen Mitgliedern gehabt und wurden hierfür in Sum wa 23625 Mark ausgezahlt. Die Sterbekasse ist wieder in der angenehmen Lage, vom 1. Januar 1905 ab, das Sterbegeld von 250 Mark auf 270 Mark zu erhöhen. Der Verein besitzt einen Reservefond von 6349 Mark und ist mithin im Stande, selbst in außergewöhnlichen Fällen, seinen Verpflichtungen nachzukommen.— Das Eintrittsgeld beträgt für eine Person: im Alter von 16— 25 Jahren Mk. 1.— VVV VVT 5„ 35—40„„ 4.— 10„ 40—45„„ 7.— Bei der Aufnahme ist außerdem noch ein Sterbefall⸗ beitrag von 25 Pfennig zu bezahlen.— Für jeden Sterbefall eines Mitglieds ist der Kasse ein Beitrag von 25 Pfennig zu entrichten, welcher durch den Kassen⸗ boten gegen Quittung erhoben wird. Ein von Gießen wegziehendes Mitglied kann auch ferner bei der Kasse verbleiben, wenn der Megzug desselben dem Vorstande mitgeteilt wird. Zur Auskunft in allen Fragen ist Herr Schuh machermeister H. Seidewand, Teufelslustgärtchen 20. Herr Dachdeckermeister Emil Noll in Löbershof 8 und Herr Bureau-Vorsteher Bruchhäuser, Wolfstraße 8, gerne berett.— Bei der Vorstandswahl wurden die 3 ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt und zwar Emil Noll als zweiter Vorsigender, Karl Bonarius als Schriftführer und August Bock als Beisitzer. In den Aufsichtsrat wurden gewählt die Herren Fourier, Diehl. Holtberg, Müller und Schnecko. Eigentümlicher Weise hat das Kreisamt der Erhöh⸗ ung des Sterbegeldes nicht zugestimmt! — Weihnachtsbücher. Ein Parteifreund schreibt uns: Viel mehr als die Schule be⸗ deuten für die geistige Stellung des Menschen die Bücher, die er liest. Wie mancher große Mann ist nur mit ihrer Hilfe durch Selbst⸗ unterricht seinen niederen Verhältnissen ent⸗ wachsen. Wir brauchen ja nur an unseren Bebel zu erinnern. Nun hat auch gewiß von unsern Lesern der eine oder der andere die Absicht, seinen Kindern zu Weihnachten ein Buch zu schenken. Da möchten wir ihm einen guten Nat geben. Es ist ja so schwer, unter der Masse von Büchern, die alljährlich au Markt kommen, die guten wirklich herauszu⸗ finden. Da gibt es nun ein Verzeichnis der besten und billigsten Sachen, das eine große Zahl pädagogisch und literarisch er⸗ fahrener Männer aus ganz Deutschland zu⸗ sammengestellt hat. den Wer eine Postkarte an Herrn Wilh. Seuger in Hamburg, Wagner⸗ straße 53 schreibt, bekommt dieses Verzeichnis kostenlos zugeschickt. Es ist in Gruppen über⸗ sichtlich eingeteilt, so daß man leicht für jede Altersstufe das Passende herausfinden kann. Diese 5 Pfennig für eine Postkarte machen sich Denn wer nach dem genannten erzeichnis wählt, ist sicher, für wenig Geld 15 bezahlt. nur gute Ware zu erhalten, während in den 9 ö Geschäften oft reinster Schund verhältnismäßig viel zu teuer verkauft wird. Den Buchhändlern aber empfehlen wir dringend, sich dies Ver⸗ zeichnis ebenfalls schicken zu lassen, um sich 1 danach zu richten. Selbst in einigen wenigen Punkten, wo wir mit den Ansichten des ge⸗ nannten Prüfungsausschusses nicht ganz einer Meinung sind, müssen wir doch immer sagen, daß er jedenfalls nichts schlechtes empfiehlt. Die bösen Hurrageschichtsbücher oder christlich⸗⸗ moralischen Erzählungen, mit denen so vielfach (auch bei der sog.„gebildeten Jugend“) der junge Geist ein ganz falsches und oberflächliches Bild von der Welt eingeprägt bekommt, 1 5 r in dem Verzeichnis zum Glück völlig. können also nur zuraten. Dem können wir nur zustimmen. Zugleich machen wir auch auf unsere Parteiliteratur aufmerksam, die viele für Weihnachtsgeschenke passende Bücher aufweist. Wegen unseres knap⸗ pen Raumes ist es uns nicht möglich, auch nur einen Auszug davon zu vringen; unsere Expe⸗ 1 dition übermittelt aber jeden, der es wünscht, die Kataloge der Dietz'schen und der Vorwärts ⸗ Buchhandlung. — Ein schweres Unglück hat unsern Genossen Georg Dahmer, Vorsitzender der Ortskrankenkasse, betroffen. Sein 6 jähriges Söhnchen starb nach kurzem Krankenlager an Gehirnentzündung. Wir dürfen wohl im Namen aller Parteifreunde den Eltern das 0 herzlichste Beileid aussprechen. Aus dem Nreise gießen. n. Ueber den Zust and der Straße Gießen⸗ 9 Krofdorf führen die Krofdorfer, Launsbacher ꝛc. Ar⸗ beiter, die sie täglich benutzen müssen, lebhafte Klage. b Besonders die Strecke der Gießener Gemarkung ist für Fußgänger fast unpassierbar, in dem tiefen i a 5 1 bleibt man in der Dunkelheit beinahe stecken. unerhört, daß nichts zur Besettigung dieses tatsächlich bodenlosen Zustandes getan wird. Wenn man doch wenigstens die neue Straße noch vor dem Winter fertig gestellt hätte! Man will aber, wie es scheint aus Spar⸗ samkeitsgründen, die alte Straße so lange als möglich benutzen. Wir find überzeugt, wenn„bessere“ Leute den Weg täglich benutzen müßten, wäre er gewiß in Ordnung, den Arbeitern mag aber der Schmutz zu den Stiefeln hineinlaufen! o. Wasserleitungsfrage in Trohe. Unsere 1 Gemeinde will sich endlich auch eine Wasserleitung zu: legen, die schon längst notwendig gewesen wäre. Denn es sind nur 3 Brunnen im Orte, davon gehören zwei der Gemeinde, die haben aber fast das ganze Jahr kein Wasser. Am Dienstag Abend befaßte sich eine Bürger⸗ Man beschloß, falls das Wasser der in Aussicht genommenen Quelle gesundheitlich 1 versammlung mit der Frage. einwandfrei ist, dieselbe zu fassen. Für unsern Ort liefert dieselbe jedoch zu wenig Wasser. Einführung von Wasseruhren lehnte die Versammlung merkwürdigerweise ab! Aus dem Rreise Alssesd⸗Cauterbach. 1 ü b. Alsfeld. Die am Montag stattgefundene Gemeinderatswahl bedeutet für uns einen ganz erfreulichen Erfolg und unsere Genossen lönnen damit zufrieden sein, wenn es auch diesmal noch nicht gelang, einen Sozialdemokraten aufs Rathaus zu bringen. Unsere Kandidaten erhielten Stimmen: Eder 153, Jako 155. Das ist fast das doppelte dessen, was unsere Genossen bei der letzten Wahl aufbrachten, damals hielt Eder 79, Jakob 83 und Dechert 95. Dies war die Wahlbeteiligung bedeutend größer als früheren Wahlen, es stimmten von 811 Wahlberech⸗ tigten 510 ab, also 63 Prozent, die vorher nie er⸗ reicht wurden. Arbeiten unsere Parteigenossen elfrig unablässig weiter und sorgen namentlich für guten 2 2 rr S 2 22 A re e 2 2 2—.— 2 m 00 50. — Unter uf den luszy⸗ g der kin 9 en. d zu⸗ t an agner: ichn uber⸗ r jede kann. e ü unnten Geld in den mäßig indlern Ver⸗ im sch penigen 6s ge⸗ J einer agen, pfiehlt. istlich⸗ helfach 0 der chliches fehlen Vir nugleich ratur sechenke 5 kuap⸗ uch nur e Ehe; wünscht, rwärls⸗ unsern der der jähriges ger an hl im un das Gießen⸗ er u, Ar⸗ fe Klage g it fit Schaun . b it tutsichii man doe ler 115 aus Spark 4. Lale gewiß il ab du den e. lust tung i 1. d hören dun Johr eln fle Binge, 0 5 falle 500 e 1 unsern Nr. 50. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. bau der Organisation, so werden zweisellos bei der nächsten Wahl Sozialdemokraten iu den Gemeinderat einziehen.— Die sechs Gewählten erhlelten Stimmen: Koch 368, Bücking 259, mMamspeck 223, Gundrum 214, Müller 207, Braun 190. Ferner fielen noch auf Klingelhöfer 139, Kemmer 125 Stimmen. a In der Versammlung, welche am Sonntag abend im Saale zum Deutschen Kaiser stattfand und die recht zahlreich besucht war, sprach an Stelle des Ge nossen Hauschild⸗Offenbach Genosse Vetters ⸗Gießen. Redner erläuterte und begründete eingehend die kommunalpolitischen Forderungen unserer Partei. Seine Ausführungen wurden von der Versammlung beifällig aufgenommen, auch einige anwesende Angehörige anderer Parteien mußten sie als richtig und begründet aner⸗ kennen. In der Diskussion empfahl zunächst— mit Be⸗ zug darauf, daß Vetters die Unentgeltlichkeit der Leichen⸗ bestattung gefordert hatte— der Vorsitzende einer Sterbekasse(Bornemann) sein Institut zum zahlreichen Beitritt. Das hatte nun allerdings wenig mit dem Verhandlungsgegenstande zu tun, beiläufig bemerkt muß auch werden, daß verschiedene Arbeiter, welche der Sterbekasse beitreten wollten, zurückgewiesen wurden. Ein anderer Handwerksmeister kam auf das Submissions⸗ wesen zu sprechen und beklagte sich lebhaft über die Um⸗ stände, die dem Handwerker mit der Erwerbung des Meistertitels gemacht würden und darüber, daß von den Behörden vielfach Arbeiten nur an die Inhaber der Me istertitel vergeben würden. Diese Dinge empfinde das Handwerk, das doch gerettet werden solle, als Plage. — Im Uebrigen nahm die Versammlung den besten Verlauf. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Kalenderverbreitung! Der„Land⸗ bote“ ist nunmehr eingetroffen und seine Ver⸗ breitung muß sofort geschehen. Zu dieser Parteiarbeit wollen sich die Genossen in recht großer Zahl zur Verfügung stellen. Je mehr sich einfinden, desto leichter die Arbeit für den Einzelnen. Tretet darum am Sonntag Mann für Mann an! Aber schon vorher wolle man sich bei A. Fauth, Mühlgraben 911 melden und die Kalender in Empfang nehmen. t. Tätigkeit„unseres“ Reichstags⸗ ab geordneten. Herr Krämer, der Abg. für Wetzlar, war kürzlich Berichterstatter über die Handwerker⸗Petition im Reichstage. Er entledigte sich seiner Aufgabe in sehr kurzer Rede, er erklärte einfach:„Ich verzichte“. Uns genügt ja dieser„Bericht“ vollkommen. Ob aber auch den Handwerkern, welche die Nationalliberalen bei den Wahlen durch Redens⸗ arten von Handwerks⸗ und Mittelstandsrettung für sich einzufangen suchten, ist allerdings eine andere Frage. h. Nichts wie Denkmäler und Ge⸗ denktafeln! Man muß sagen, daß in Deutschland auf diesem Gebiete etwas geleistet wird. Eine„Bismarcksäule“ z. B. wird wohl bald in jedem, auch dem kleinsten Städtchen zu finden sein. Vorige Woche beschlossen die Wetzlarer Stadtväter am Geburtshause des Ehrenbürgers der Stadt, des Leibarztes Wil⸗ helms I., v. Lauer, eine Gedenktafel anzu⸗ bringen. Daß sich v. Lauer besonders um die Menschheit verdient gemacht hätte, davon ist nichts bekannt. a h. Volks vorlesung. Die Lesever⸗ einigung veranstaltet diesen Sonntag, 11. Dez., nachmittags 4 Uhr, im Saale des„Schützen⸗ garten“ ihren 4. Vortrag.„Ludwig Uhland“ als Volksmann und Dichter lautet das Thema. Mitglieder des akademischen Dürerbundes in Gießen haben den Vortrag, sowie die dabei vorkommenden Rezitationen Uhlandscher Gedichte übernommen. Wie immer, kosten die Karten im Vorverkauf 20, an der Kasse 30 Pfg. h. Hundetollwut ist in der Gegend von Groß⸗Rechtenbach ausgebrochen. es ist daher Hunde⸗ sperre angeordnet worden. Zwei Kinder sind von einem Hunde gebissen worden und in die Gießener Klinik ge⸗ bracht, von wo sie in das Institut für Infektionskrank⸗ heiten in Berlin weitergegeben wurden.— Vorsicht ist also dringend zu empfehlen. Westerwald und Anterlahn. * Für die Lahnkanalisation von Niederlahn⸗ stein bis Ems sollen nach einer Mitteilung des Eisen⸗ bahnministers Budde 408 000 Mk. in die Etats für 19056 eingestellt werden. I Flamersb ach(Westerw). Recht eigentüm⸗ liche Zustände haben sich unter der„Regierung“ unseres neuen Bürgermeisters eingenistet. Kürzlich beschloß die — Gemeinde⸗Vertretung, auf einem vom Landrat und KAxeisbaumeister gutgeheißenen Platz, einen Bullen⸗ stall zu bauen. Da nun heutzutage wie überall, so auch in Flamersbach, Interessenpolitik getrieben wird, versuchte unser Dorfbürgermeister durch eine Eingabe, für die er Unterschriften nach ländlich sittlicher Weise sammelte, die vorgesetzte Behörde zu einer Revidierung ihres Gutachtens zu briugen, und war so— pietätvoll den alten Friedhof, der vor 30 Jahren noch benutzt wurde, als Bauplatz vorzuschlagen. Darob nun helle Entrüstung im ganzen Dorf. Selbstverständlich hat dann die Gemeindevertretung diesen Vorschlag zweimal abgelehnt, nun soll der Kreisausschuß entscheiden. Wir hoffen, daß dieser so gefühlvoll ist, und die Bebauung des alten Friedhofs, der leider schon als Baumschule benutzt wird, nicht erlaubt, zumal der größte Teil der Gemeinde Gegner des Kirchhofsprojekts ist. Sonst ist man doch hier so peinlich, kürzlich sollte eine Hebamme ausgebildet werden, weil aber die zuerst für gut be⸗ fundene Person Difsidentin war, und die Gefahr bestand, daß die Hebamme die mit ihrer Hilfe ans Licht ge⸗ brachte Nachkommenschaft des Ortes zu Ungläubigen machen werde, sind von frommer Seite Vorstellungen an die Regierung gelangt und nun ist wirklich eine evangelische Amme im Dorf. Das von Rechts wegen. Im Lande der Gottesfurcht und frommen Sitte haben wir vielleicht bald christlich⸗sozlale,„rote“ liberale c. Ammen!— + Milchpantscherei. In Dillenburg wurden vor einiger Zeit von verschiedenen Land⸗ wirten, die dorthin Milch zum Verkaufe bringen, Proben entnommen. Die Untersuchung der Milch ergab bedenkliche Mängel; in einer Probe des Landwirts und Bäckers Jakob C. fand man zur Hälfte Wasser zu⸗ gesetzt. Der Brave und seine Ehefrau wurden deshalb von der Wetzlarer Strafkammer zu je 75 Mk. Geld⸗ strafe verurteilt. Sind billig davon gekommen! Denn das Publikum hat wohl ein Recht zu fordern, daß solchen Versuchen zur„Hebung der Laud wirtschaft“ energisch entgegengetreten werde. Trotzdem kommen die Fälle sehr zahlreich vor. Erst kürzlich wurden einer großen Molkerei in München— es war sogar ein „Hoflieferant“— ekelregende Dinge nachgewiesen, der Besitzer auch zu längerer Gefängnisstrafe verurteilt. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. Zur Lokalfrage. Mit Recht beklagen sich die Wirte, die uns ihre Lokalitäten zur Verfügung stellten, darüber, daß ste von den Genossen und Gewerkschaftsmitgliedern zu wenig berücksichtiget werden. Allerdings kann man wahrnehmen, daß seit der Reichstagswahl ein großer Teil Genossen in Lokalen verkehrt, deren Inhaber unserer Bewegung feindlich gegenüber stehen. Dieses Verhalten unserer Genossen und Gewerkschaftsmitglieder muß unserer Sache schaden. Wir müssen es als unsere Pflicht erachten, in erster Linie die Lokale Jesberg, illberger und Hildemann zu berück⸗ sichtigen, die uns jederzeit zur Verfügung stehen. Dagegen ist das Restaurant„Schloßgarten“ nicht mal mehr zu Arbeiter festen zu haben. Der Besttzer Müller, der früher den Gewerk⸗ schaften nachlief, damit sie ihre Feste bei ihm feiern sollten, hat jetzt vielleicht von irgend⸗ woher einen zarten Wink erhalten. Dessen⸗ ungeachtet werden die Arbeiterfeste aber doch gefeiert und am Ende dürfte Herr Müller noch mal froh sein, wenn die Arbeiter wieder kommen, hat er doch nach seiner eigenen Aus⸗ sage dabei immer gute Geschäfte gemacht. r Die Einwohnerzahl Marburgs betrug am 1. Dezember d. J. 19 353. Für die Arbeiter ist es von einiger Bedeutung, wenn die Bevölkerungsziffer über 20000 wächst, denn dann muß bekanntlich ein Gewerbe— Konrad Marktplatz 18 GIES SP IU Moderne Herrenhũüte Seidenhüte Chapequx claques Dützen aller rt, Rnaben- und HKinderhüte gericht errichtet werden. Der Mangel eines solchen hat sich in zahlreichen Fällen empfind⸗ lich fühlbar gemacht. r Bürgermeister Kohmann in Ge⸗ münden a. d. Wohra ist zum zweiten Male durchgegangen. Von Seiten der Regierung wurde eine Repision vorgenommen, bei welcher noch weitere Veruntreuungen zu Tage kamen, so daß es dem getreuen Ortsoberhaupt am geratensten schien, wiederum durch die Lappen zu gehen. Den Mörder des Pfarrer Thöbes in Heldenbergen, Metzger Oskar Hudde hat man noch nicht ergriffen. Anfangs der Woche wurde seine Verhaftung aus Kirn a. d. Nahe gemeldet, sie bestätigte sich jedoch nicht. Jetzt wird bekannt gegeben, daß einige bei dem Pfarrer geraubte Gegenstände in Braunschweig und Hannover zum Kauf angeboten worden seien. Partei-Nachrichten. Dr. Kurt Freudenberg, bis vor Kurzem sozlaldemokratischer Stadtverordneter in Berlin ist dort am Montag an der Lungentuberkulose gestorben. Freudenberg arbeitete trotz seines aufreibenden Berufes als Frauenarzt stets eif ig und mit hingebender Wärme für unsere Partei. Er kränkelte jedoch schon lange und suchte, als sein Leiden immer schlimmer wurde, in Kairo Heilung, von dort kehrte er im Oktober zurück, ohne sie gefunden zu haben. Unser Genosse Auer ist von seiner längeren Krankheit so weit hergestellt, daß er sich wieder an den Reichstagsverhandlungen beteiligen konnte. Als er kürzlich wieder im Reichstage erschien, wurde er von unsern Genossen, wie auch von bürgerlichen Parlamentariern freudig begrüßt. Auer sieht sehr wohl aus, nur das Gehör läßt zu wünschen übrig. Hoffentlich har unser alter, wackerer Kämpe die tückische Krankheit, die ihn so lange geplagt, nun endgiltig überwunden. Versammlungskalender. Sonntag, den 11. Dezember. Gießen. Küferverband. Vormittags 9¼ Uhr Versammlung bei Lö b(Wiener Hof). Montag, den 12. Dezember. Gießen. Schneider verband. Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Letzte Nachrichten. Tod des Nationalisten Syveton. Der nationalistische Abgeordnete der franz. Kammer Syveton, welcher vor kurzem das Attentat auf den Kriegsminister ausführte, ist am Donnerstag an Kohlengasvergiftung ge⸗ storben. Freitag hätte er wegen seiner Tat vor dem Schwurgericht erscheinen sollen. Don⸗ nerstag Mittag legte sich Syveton schlafen, nach⸗ dem er, offenbar, weil es im Zimmer zu heiß war, den Kaminzug geschlossen hatte. 5— Konsumsren S. e S D 2 f 2. S Giessen und Umgegend. EE 8 2 82— Kinderstrümpfe 2 223 Damenstrümpfe 1 2 3 Herren-Socken 8— Herren-Unterhosen. 5 Herren- Westen.— Gute Qualitäten! E Billige Preise! Brumm Darktplatz 18 .—— ttets grösste Auswahl. 3 22222 ——-—.—y-2— 7 9 9 1 Seite 6. Mitteldenische Sonutags⸗Zeitung. Nr. 50. Politische Rundschau. Faule Zustände bei den Antisemiten. Ueber die finanziellen und Organisations⸗ Verhältnisse in der sächsischen„Reformpartei“ führt ihr Häuptling, der große Oswald Zi m⸗ mermann in einem vertraulichen„Mahnwort“ an seine Getreuen lebhafte Klage. Unser Leipziger Parteiorgan schreibt darüber: Es ist auch wirk⸗ lich erbärmlich bestellt um die sächstsche Reform⸗ partei. Organisation„is nich“, und Geld gleich gar nicht. Wie soll aber Herr Oswald Zim⸗ mermann den Sozialdemokraten in Sachsen die „letzten“ 21 Wahlkreise abnehmen, wenn hinter den reformerischen Offizieren keine Soldaten stehen, die das nötige Kleingeld zur Nieder⸗ werfung der Sozialdemokratie aufbringen können? So kann und darf es nicht weiter gehen, ruft Herr Oswald seinen„Getreuen“, die sich als so unsichere Kantonisten erweisen, zu.„Die deutsche Reformpartei hat ihre geachtete Stellung im Königreich Sachsen vor allem der rührigen Werbearbeit, ihrer zielbewußten Tätigkeit gegen die Sozialdemokratie zu verdanken. Die beiden einzigen national vertretenen Reichstagswahl⸗ kreise im Königreich Sachsen gehören der Re⸗ formpartei an. Das sollte(ja solltel) ein Ansporn für alle sein, um unserer Partet die vorderste Reihe im Kampfe zu sichern. Nach dem beispiellosen Wahlerfolg von Marienberg schten es(nämlich dem großen Oswald), als weun die Geister erwachten, als wenn es auf der ganzen Linie vorwärts gehen sollte. Die Leitung des Landesvereins hat sich redliche Mühe gegeben, neue Wege zum Ausbau der Bewegung zu weisen, sie vermag, trotz einzelner erfreulicher Fortschritte, aber bisher nicht von einem allgemeinen Erfolge ihrer Bemühungen zu sprechen.“ Die Erfolge sind ausgeblieben, trotz der eifrigen Werbearbeit des bedauerns⸗ werten Zin'mermann. Da wird von dem Generalkommando eine aufklärende Schrift über die neuere(h Stellung der Reformpartei zur Sozialgesetzgebung gewünscht. Oswald setzt sich hin und schreibt über die„neuere“ Stellung der Partei zur Sozialreform— so was kann man doch nicht aus den Aermeln schütteln. Als das Werk fertig, wurde es natürlich fleißig gekauft und studiert? J wo, vom Kaufen war doch nicht die Rede. Nun liegt der Segen da und Oswald soll sich nicht ärgern? Dann wird ein Flugblatt gewünscht über„die Aufgaben deutscher Mittelstandspolitik'“. Macht Zimmer⸗ mann! Aber denkt ihr, es wird gekauft? Kuchen! Das Flugblatt enthielt zwar die Leitsätze der reformerischen Mittelstandsretterei, es fand viel Lob, aber verbreitet wurde es nicht. Noch schlimmer als mit der Organisation stebt es mit dem Kassenwesen. Hier machen sich die„Mißstände“ am ärgsten geltend. Wir fühlen es dem Zimmermann nach! Wie soll er ohne Moneten den Kampf gegen die Sozial⸗ demokratie führen? Nicht einmal die Mitglieds- beiträge werden an den Landesverein abgeführt. Unter solchen Verhältnissen müssen selbst„be⸗ währte Mitarbeiter amtsmüde und mißmutig werden“. Das ist gar nicht zu verwundern. Glücklicherweise hat aber Oswald den Mut noch nicht verloren.„Hoffentlich“, ermahnt Herr Zimmermann seine Parteigenossen,„wird dieses Mahnwort gelesen und beachtet“— denn „ich bin der Ueberzeugung, daß Zeit und Volksstimmung„unserer“ Sache günstig sind.“ Eine starke Ueberzeugung gehört dazu allerdings! Besser wie in Sachsen wirds übri⸗ gens nirgends in der antisemitischen„Partei“ aussehen. Ueberall großmäuliger Radau, es steckt aber nichts dahinter. Unsittlicher Moralprediger. Vorige Woche wurde in Heigenbrücken bei Aschaffenburg der Kaplan Deppisch wegen Vornahme unsittlicher Handlungen mit schulpflichtigen Kinder verhaftet. Es soll sich um über zwanzig Fälle handeln. Deppisch war auf der Kanzel ein großer Moralprediger, der auch gelegentlich eifrigst vor dem verderblichen Einfluß der sozialdemokratischen und liberalen Presse warnte. Die alte Geschichte von dem Wolfe im Schafspelze trifft eben heute noch immer zu! Ein feiner Pastor. Vor einiger Zeit wurde an der Koblenzer Straftammer gegen drei Einwohner aus Bacharach a. Rh. wegen verleumderischer Beleidigung des evangelischen Pfarrers Zimmer mann verhandelt. Nach mehrtägiger Verhandlung sprach die Strafkammer die An⸗ geklagten frei. Es handelte sich um die Be⸗ hauptung eines unsittlichen Angriffs gegen eine Frau H. In den Urteilsgründen war aus⸗ geführt, daß die eidliche Bekundung des Pfarrers Zimmermann nur„bewußt wahrheitswidrig“ abgegeben sein könne. Weiter war gesagt: „daß Zimmermann, als sein Schwiegervater seine Rechtfertigung vor Gericht verlangte, eine bewußt falsche Aussage gemacht habe, in der Erwartung, seiner bestimmten eidlichen Versicherung werde mehr Gewicht und Glauben beigemessen werden, als der uneidlichen An⸗ gabe der Frau H.“ Die gerichtliche Vorunter⸗ suchung gegen Zimmermann wegen Meineides ist jetzt eröffnet worden. Idyllen aus einem Gebirgsdorfe. Frei nach dem Leben von Ludwig Schierk. 4.(Fortsetzung.) Die guten Hüttenleute gingen ihr scheu aus dem Wege; denn der arme alte Kasten war der Gefährte des Unglücks. In jenen barbarischen Zeiten wußten die Apostel der Humanität noch nichts von einer Versicherung gegen Unfälle. Aber der Graf, dem die Hirsche im Walde gehörten, kam ihren Ideen zuvor. Es war ein schöner Maitag, als er einst das Eisenwerk mit seinem Besuche beehrte. Elastischen Schrittes ging er zwischen den dröhnenden, sausenden Maschinen umher und sah den Gestalten nach, die ihm im Vereine mit jenen Maschinen den Champagner auf den Tisch zauberten. Im Uebermaße des Behagens beugte er sich vor; da faßte eines der Räder den gräflichen Rock. Aber im gleichen Augen⸗ blick griff eine schwielige rußige Hand nach dem Rade. Eine Stunde später fuhr der tötlich erschreckte Graf in seinem Korbwagen nach dem viertür— migen Schlosse mit dem klugen Vorsatze, nie wieder die gefährlichen Räume des Werkes zu betreten. Zur selben Zeit lag ein blutender, alter Hüttenmann ächzend auffärmlichem Stroh; man schnitt ihm den zerschmetterten Arm ab. Ein richtiger Hüttenmann braucht aber zwei Arme. Der Graf, dem die Hirsche im Walde gehörten, tat einen tiefen Griff in seine Kasse. Er kaufte die Drehorgel und lieh sie dem armen, alten Hüttenmann. Der nahm sie auf den Rücken und wanderte nach dem Städtchen, wo der Landesfürst das Gericht unterhält. Der Weg war weit, aber der Alte gewöhnte sich daran. Beim ersten Hause hielt er an und spielte den Marsch. Der Leinenfabrikant, der den Lohnwebern das Brot gab, trommelte ver⸗ mug auf den Tisch; dann warf er eine upfermünze aus dem Fenster. Störte ihn aber bie gute Drehorgel in seinem weinschweren Mittagsschlummer, dann ersetzen ein paar kräftige Schimpfworte die Kupfermünze. Aber der alte, einarmige Hüttenmann ge⸗ wöhnte sich auch daran. Er stellte sich vor das zweite Haus und spielte das Tanzmotiv. Da machte er zwei Glückliche. Ein Ehepaar hatte sich hier vor fünf Tagen ein warmes Nest gebaut. Das Zimmer zeigte hübsche Bilder, denen man die Ratenzahlung nicht ansah; auf dem Fußboden lagen weiche, anständige Teppiche. Alles nahm einen Anlauf zu bequemer Häuslichkeit. Die junge Frau machte große mitleidige Augen über den Einarm. Straße, und die Spenderin erhielt von dem liebenden Gemahle einen dankbaren Kuß. Aber die Zeit vergeht und die Silberstücke nehmen ab. Als unser Einarm nach Monden an der⸗ selben Stelle steht, da lehnt ein blasses Weib tränenfeuchten Auges am Fenster. Er hebt erwartungsvoll den Kopf; da steht er in tief enttäuschte, gramdurchfurchte Züge, und er trottet, noch mit der Hälfte des Tanzmotives in seinem Kasten, davon. g Einmal steht er unter einem kleinen, ver⸗ gitterten Fenster. Er spielt das Lied an den Landesvater, der im Städtchen das Gericht unterhält. In seiner Befangenheit prüft er den Ort nicht. Er befindet sich vor dem Arrest, der die bösen und schädlichen Personen zur Bestrafung aufnimmt. Eine braune Hand er⸗ scheint am Gitter und läßt eine dürre Brot⸗ rinde auf seinen Kasten fallen. Da macht er sich eilig davon; er ist noch nicht der Elendeste unter der Sonne. Allmählich wurde unser guter, alter Einarm mit seiner Drehorgel sehr vertraut. Ihre Weisen verschmolzen ihm nach und nach zu jener dröh⸗ nenden, furchtbaren Melodie, die er sein Leben lang gehört hatte. Mochte der Marsch locken, das Tanzmotiv schmeicheln, das Lied an den Landesvater erschüttern; er vernahm zuletzt immer nur den einen ewigen Sang:„Das Geld regiert die Welt.“ Als man ihm auf dem Kirchhofe ein Holz⸗ kreuz mit einer gedankenreichen Inschrift setzte, fiel die alte Drehorgel an den gräflichen Eigen⸗ tümer zurück. Man hüllte die arme Musikantin in den Gummiüberzug und stellte sie in den stillen Winkel... für alle Fälle. Die jüngeren Hüttenleute sangen bisweilen auch andere Melodien; denn der traurigste Vogel zwitschert ab und zu ein fröhlich Stücklein. Aber man mußte die dunstige Schenke auf⸗ suchen, die der alte Jude im„Erbgerichte“ hielt, wollte man diese Musik hören. Gehen wir, lieber Leser! W. Man überschreitet den Dorfbach, in dem sich der wahnsinnige Müller ertränkte. Die Brücke ist nur schmal, und Du mußt wohl Acht haben, denn der Abend ist sehr dunkel. Ein spindeldürrer Schneider, der das Mode⸗ bedürfnis der armen Dorfleute befriedigt, trat es einst durch das morsche Holz. Es heißt darum das Schneiderloch. Der Arme hinkt seitdem; wir treten vorsichtig darüber hin. Nun kommt der holperige Dorfweg, den der Müller mit den Federbüschen hinabschritt, die ihn ins Gefängnis führten. g Endlich stehst Du die Ruine; der schmale Lichtschein, der aus einer Fensterspalte dringt, zeigt uns das Nest der Eule. Auf schlüpfrigem Boden tappt man sich hin; an der niedrigen Türe stieß sich mancher Hartkopf das Stirabein noch härter. Wir treten ein. Es ist ein niedriges Gemach, das sich über braunem Lehmboden wölbt. Ueber einem langen Tische, der die Mitte einnimmt, qualmt eine Lampe. Noch sind die„Stammgäste“ nicht da. Eine Gestalt von abstoßender Häßlichkeit macht sich in einer Ecke zwischen Flaschen und Gläsern zu tun. Das ist der Jude. Er wird Isaak oder Lazarus oder Markus heißen, wie alle alten Juden; aber kein Mensch im Dorfe weiß es. Jeder denkt nur an das Getränk, das er feil⸗ bietet, keiner an ihn. Um den Kopf hat er ein grobes Wolltuch gewunden, aus dem das harte Gesicht mit der Riesenbrille eulenhaft hervorguckt. Es ist zugig in seiner Behausung, und Jehovah hat sein Volk gegen die Dämonen der Gicht nicht zu schützen vermocht. Auf dem Tische in der Mitte sitzt eine hübsche Dirne. Sie führt dem Alten das Hauswesen und Platte des Tisches in einer Stellung, die man im Salon des Leinenfabrikanten, der den Lohn⸗ Ein Sülberstück flog auf die In der Mitte hat die Brücke ein Loch. bedient die Gäste. Zur Zeit sitzt sie auf der webern das Brot gibt, sehr anstößig finden 4 Nr. 50. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. würde, die aber in dieser Umgebung höchst stil⸗ voll erscheint. Bei unserem Eintritte springt sie ruhig auf den braunen Lehmboden und grüßt. Wir sind die ersten Gäste. Bald aber beginnt ein starkes Schreieen vor der Türe, und es strömt herein. In der Mitte einer Schaar rauchgeschwärzter Gestalten dreht sich das zierliche Schneiderlein, dem das Loch in der Brücke seinen Ursprung verdankt. Sie haben es unterwegs aufgelesen und der Meister geht keinem Trunk aus dem Wege. „Jüdlach!“ sagt ein starker Bursch,„der Schneider trinkt heut' auf meine Kreide!“ a Der das spricht, ist erster Lakai des Hammer⸗ königs. Mit einer Riesenzange dreht und wendet er die glühenden Klumpen, die der Gestrenge bearbeitet. Eine Art Bewußtsein dieser Würde liegt auf seinem geschwärzten Gesichte. Seine Kameraden nennen ihn„Hammerklipp“. Er hat den größten Einfluß auf sie; er ist Soldat gewesen und trinkt keinen Branntwein. Lebte er in unserer Zeit, er läse auch die verhaßten Blätter der Arbeiter. „Ihm zu Liebe hält der Jude ein dünnes, grünschillerndes Bier. Während er sich setzt, hat er die Dirne gefaßt, die sich am Tische zu schaffen macht. Er tut das mit jener Sicher- heit und Geübtheit, die— frei von Gemeinheit — gleichwohl verrät, daß ihm die Schöne leicht zu Willen ist. Im nächsten Augenblick springt er auf. „„Jüdlach, Deine Stube ist heute sehr frostig; der Schneider schlottert an allen Gliedern!“ Dabei faßt er den Tisch und trägt ihn an den Ofen, in dem ein kümmerlich Feuerlein murmelt. Bald sammelt sich um die heilige Flamme einträchtig das Völkchen. Da sitzen die hohlwangigen Gestalten mit den trüben, entzündeten Augen. Wie lange 1 ste kein Waldesgrün, hörten keinen Vogel ugen! Aber Hammerklipp ließ keine trübe Stimmung aufkommen. „Schneider, heut' bist Du mein Vogel; singe!“ Das Meisterlein, dem das Haar grau um die Schläfe hängt, zwinkert nach der Dirne, die sich ihrem Schatz gegenüber an den Ofen drückt und hebt an. Es ist ein kläglich Tönen, das jetzt durch die Stube schwebt; ein Tönen, das der Sänger mit Geberden voll tiefen Gefühles begleitet. „Ich bin schon manchen Schritt gegangen, Und um die Liebe zu erlangen; Und aber ich hab' sie nie gekriegt, Weil sie zu tief verborgen liegt.“ „Du armer Schneider!“ sagte Klipp im Ton des Bedauerns, indem er trinkt. Die Andern lachen. Aber der Meister droht der Dirne mit dem Finger. „Ich weiß schon was dich hat verdrossen, Weil ich die Tür' hab' zugeschlossen, Und du konntest nicht herein, Und das mag wohl die Ursach' sein!“ „Oh! oh!“ machten die Hörer. Aber der sangeskundige Meister schloß achselzuckend: „Und wärst du nur allein gekommen, So hätt' ich dich herein genommen; Und aber zwei war'n mir zu viel, Nur du allein, du warst mein Ziel!“ Ein lautes Gelächter lohnte den Vortrag; über den rauhen Stimmen der Männer schwebte das Kichern des Mädchens wie ein Täubchen. Der Jude hustete. „Schneider, das ist ein Meisterlied!“ rief Klipp;„wir wollen Dich grüßen dafür!“ Und er hebt den Schreienden hoch empor und trägt ihn im Zimmer umher. „Klipp, nun ist an Dir die Reihe!“ meint der Schneider, als er auf sicherem Boden steht. Klipp reckt seinen großen Leib gewichtig. „Schneider, wünsch' Dir das Unglück nicht auf den Hals!“ warnt er.„Wenn ich mich hören lasse, fällt uns der alte Bau über dem Kopfe zusammen.“ (Fortsetzung folgt.) Allerlei. Für die armen Soldaten. Bilder aus dem russischen„Roten Kreuz“. Fürst Orlow(zum Generalquartier⸗ meister): Exzellenz, hier übergebe ich Ihnen ein Scheck auf eine Million Rubel für unsere armen Soldaten im fernen Osten. Der Generalquartiermeister(zum Armeeoberzahlmeister): Gott segne den durch⸗ lauchtigsten Fürsten Orlow. Hier überreiche ich Ihnen eine halbe Million Rubel, die er mir soeben für unsere arme Soldaten im fernen Osten übergeben hat. Der Armeeoberzahlmeister(zum Armeezahlmeister): Wenn das heilige Rußland nur viele solche grozherzige Wohltäter hätte wie Seine Exzellenz den Fürsten Orlow. Sorgen Sie dafür, daß diese 250000 Rubel, die er für die Armee gespendet hat, ihrer Be— stimmung zugeführt werden. a Der Armeezahlmeister(zum Korps— intendanten): Fürst Orlow geruhte für die Armee die hohe Summe von 100000 Rubel zu spenden, die ich Ihnen für leidende Soldaten Ihres Korps übergebe. Eine Bestätigung? Ich danke, es ist nicht nötig. Der Korpsintendant(zum Unter- intendanten): Hier haben Sie 20000 Rubel für arme Soldaten. Spende des Fürsten Orlow. Der Unterintendant(zum Regiments⸗ kommandanten): 901 das Regiment spendete Fürst Orlow 2000 Rubel, die ich Ihnen, Herr Oberst, hiermit übergebe. Aus dem Regimentsbefehl: An Spenden sind eingelaufen: Eine Schachtel Scho⸗ kolade von Frau Muschin, drei wollene Hosen, Spender unbekannt, 1 Rubel von Exzellenz Fürsten Orlow. Humoristisches. Alles umsonst. Ich wünsche ein Bilderbuch für ein Kind von zwei Jahren!“—„Vielleicht ein un⸗ zecreißbares?“—„Nein— da strengt sich ja das arme Kind beim Zerreißen zu sehr an!“ Triftiger Grund. A.: Ich begreife nicht, weshalb der Zar nicht mehr Truppen nach dem Kriegs schauplatz entsendet? Da wäre doch das blutige Trauer— spiel sehr bald aus! B.: So? Und wer soll den nachher daheim die Eisenbahnlinien bewachen, wenn der Zar mal reisen will? (Südd. Postillon) ug. Steuerzahlen darf der Sozi, Zahlen, daß die Schwarte knackt, Darf die Glieder kühn verrenken Im Kasern⸗Paradetakt, Darf sein rotes Blut vergießen, Wenn ein Feind ins Land einbricht— Pflichten hat er zentnerweise, Aber Rechte hat er nicht. (Südd. Postillon,) * Genosse Hug in Bant(Oldenburg) war von der Gemeindevertretung zum Orts vorsteher gewählt worden, er wurde jedoch, trotzdem er erklärt hatte, sich nur seinem Amte zu widmen und Agitattonsreisen nicht zu unternehmen, von der Regierung nicht bestätigt. 1 ch u h Mäusburg 10. Mlius Buch, Giessen. Ecke Wettergasse. empfiehlt sein großes Schuhlager in allen Sorten Schuhwaren.— 4 Tuchschuhe von den einfachsten bis zu den hochfeinsten für Herren, Damen und Kinder. stets grosse Auswahl in Arbeiterschuhen und»Stlefeln. Ferner große Aus wahl in Stoff⸗ und Filzhüten. Stets Neuheiten in allen Sorten Mützen für Herren und Kinder. Anfertigung aller Sorten TH On- Miilzen als: Eisenbahner⸗, Hotel⸗Diener⸗, Gesellschafts⸗ und Vereinsmützen nach Maß. Reelle Bedienung. eise. Leder⸗, Filze und und Act.-Ges. einzuladen. Lichter. Kasten- und Leiterwagen Viele Neuheiten! J. H. Fuhr- Giessen Sonnenstrasse 25 erlaubt zum Besuche seiner diesjährigen bedeutend vergrôsserten 0 Weihnachts-Ausstellung in Ciistbuaumschmuc. Puppenheilanstalt Vorteilhaftes Angebot! Direkter Bezug Fabrik für Private Ausfall des Händler-Aufschlages versendet zu Händler-Preisen ihre Fahrräder Fahrradfabrik. Schwalbe“ Duisburg-Wanbeimerort Preisliste umsonst und portofrei. D. Kaminka Uhrmacher Giessen, Neustadt 19, Neubau empfiehlt Uhren, Gold. und Silberwaren. Wegen Aufgabe der Zucht zirka 25 Kanarienhähne sowie: Einsatzkäsige und Heckutensilien billigst abzugeben. Hech. Weber, Riegelpfad 33. von der unter Zubehörteile. Gegründet 1896 Lichthalter. uheNMAodg-epulnen- usddnꝗ Grösste Auswahl! * in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Sowie alle sonstigen Schuhwaren ö Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges chuhwaren-Lager Arbeiterschuhe und-Stiefel in jeder Preislage und reicher Auswahl. Justus Benner Marktstrasse 44. Seite 8. Mitteldeutsche Sonntaas⸗geituna Ve. 50, 2 A 6 Schulstrasse 6 S IESSEN enhaus A. Goldschmidt 6 Schulstrasse 6 — — Meine Weihnachts-Husstellung enthält eine große Auswahl schöner und praktischer Fest-Geschenke See ds sergeträi hubie hi lligen seslen Preisen. Zugabe bei Einkäufen von Mk 1.— an ein schöner Abreiss-Kalender. Sonntag bis abends 7 Uhr geöffnet! .— Auswärtige erhalten bei Einkäufen von 20, Mk. an Reisekosten bis zu 3.— Mk. vergütet, gegen Vorzeigung der Fahrkarte. Sonntag bis abends 7 Uhr geöffnet! Sie erleichtern sich Ihre Wabl beim Einkauf von Weihnachts- Geschenken wenn Sie meine 4 Schaufenster worin fast sämtliche Artikel mit] Preisen versehen ausgestellt sind, 5 besichtigen. . Heibronner Marktstrasse 7, part., I., II., Il. Telephon No. 439. 75 Ferd. Nennstiel Giessen, Nochs di. 8. Lager in samtlichen Kastenmöbeln, poliert und lackiert, Vertikows, Kleiderschränke Tische, Stühle, Spiegel Le cusmöbel Küchenmöbel Spezialität: Betten und Polstermöbel eigener Anfertigung Uebernahme voll- Glas-, Porzellan- und Steingutwparen empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen Lang& Wiederstein Marktstraße 4 Gießen Telephon 394. J. Burgmayer empfiehlt bestens L. Müller Gießen, Bahnhofstraße 61 „ FCbristbaun.. esbnachtskonfekt, schmuen ww und Lebkuchen Ramstock's Nachf. Seltersweg 2 Seltersweg 2 empfiehlt zu Weihnachten: Gold. Herren-Ubren v. 40 Mk. an 2200 οο οοοꝙ ο ο οοοοο h; Empfehle mein grosses Lager in Spazierstöcken mit Silber- und Elfenbeingriffen Portemonnaies Cigarrenetuis Rauchservice Brieftaschen Naturstöcke in allen Preislagen Feuerzeuge 2 2 Schreibzeuge Photographie- Tabakkasten und Postkarten-Albums Soling. Taschenmesser . Zigarrenabschneider Figuren Tafelaufsätze und uswW. us W. Schulstrasse 1.(Engelapotheke.) Schulstrasse 1. 8 5 * S 3 Bierkrüge 8 Gläser Köh 8 Johannes KO ler „„„ Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. ießen. Verantwortl. 57 Damen-*** 20** bib. Perten-ubren„ 12„ 2 51 Damen-„ 1 2** Trauringe in allen Preislagen. Großes Lager in: Regulateuren, Freischwinger und Wecker, sowie Gold- u. Silberwaren Reparaturen an Uhren u. Gold⸗ waren prompt und billig. Für jede neue Uhr 2 Jahre schriftliche Garantie. 30 Nit für Pröbt rende Naslermesser aus denkbar bestem engl. Silberstahl(eigenes Fabrikat) fertig zum Gebrauch abgezogen und für jeden Bart passend. — 5 Jahre Garantie! zu 5 Nichtgetall., Betrag inkl. 1 sofort retour. No. 33 extra,, 4 Etuis] Also kein Risiko. Sicherheits- Rasiermesser Mk. 2.75 D. R. G. M.(Verletzung un- mögl.) Prachtkatal., neu. Ausg. von ff. Soling. Stahlw.. Waffen, Haushaltgeräte, Gold-, Silber- und Lederwaren. Musikwerke etc. gratis u. Emil Jansen. Wald No. 232, Solingen Stahlwarenfabrik und- Versandhaus. No. 27 fein hohl à Mk. 1.50 No. 29 sehr„ à„ 2.00 2.50 d. h. f Wirkut gegen Richtul mit de bor un wirkte. Wi von he ihnen Verkör wir, 1 bewun erstere Ne blatt, Theos das„ Denn lichen leben und es Zahl Lessing sind. daher Zeiche W mit d geist beherr ssog. dem theori so kö erkenn 00 Uirchli Welte darf doch große man sönl nicht sönlic ihrer liche gere seine in der an ein selbst und g W battye Izlale Aufga Prop drono! sst un — 7 1 5 — Beilage zur Mitteldeutschen Sonntags-Teitung. Ar. 50. Gießen, Sonntag, den 11. Dezember 1904. 11. Jahrg. Heisch und Mammon. „Fleisc“ und„Mammon“, das sind die Namen, mit denen die Bibel die beiden Haupt⸗ nährböden der Sünde bezeichnet. Wie steht das Christentum heute zu ihnen? Aber seien wir genau: Das Christentum, d. h. die unsichtbare rein geistige vorbildliche Wirkung der Persönlichkeit Christi im Kampf gegen diese Feinde, die kann ja natürlich ihre Richtung gar nicht ändern. Sie wirkt in uns mit demselben leidenschaftlichen Feuer, wie sie n nach Christus in allen großen Herzen rkte. Wie aber stehen„Kirche“ und„Theologen“ von heute zu diesen beiden Dingen? Sind sie ihnen gegenüber wirklich die vollsten und besten Verkörperer des„Christentums“? Müssen wir, wenn wir das letztere hoch schätzen und bewundern, dieselben Gefühle auch gleich auf erstere übertragen? Neulich hatte das bekannte Münchener Witz⸗ blatt, der Simplizissimus, die protestantischen Theologen bös mitgenommen. Da mußte auch das„Fleisch“ herhalten. Aber mit Unrecht! Denn darin gerade kann man unsern Geist⸗ lichen das Wenigste nachsagen. Ihr Familien⸗ leben pflegt ein gesundes und schönes zu sein und es ist gewiß kein Zufall, daß eine große Zahl unserer bedeutendsten Köpfe(Herder, Lessing u. a.) aus Pfarrhäusern hervorgegangen sind. Daß sich die Geistlichkeit in diesem Punkte daher etwas feinfühlig zeigte, ist nur ein gutes Zeichen. Wie aber steht's mit dem anderen Punkte, mit dem Kampf gegen den Mammons⸗ geist gegen die lediglich vom Gel derwerbtrieb beherrschte den Mitmenschen aeg brutale (sog.„schneidige“) Gesinnung? Wie stehen ste dem„gesunden Egoismus“ und der„Almosen⸗ theorie“ gegenüber, die im„goldenen Buch“ so köstlichnaiv als Unternehmermoral sich zu erkennen gibt? Hier ist's, wo der große Gegensatz von kirchlich konservativer und modern sozialer Weltanschauung zu Tage tritt. Aus ihm nur darf man unsere Feindschaft oder mindestens doch unser Mißtrauen gegen die Kirche und die große Mehrzahl ihrer Vertreter erklären, wenn man uns gerecht werden will. Nicht um per⸗ sönlichen Haß handelt es sich dabei, auch nicht um Haß oder Geringschätzung der Per⸗ sönlichkeit Christi oder seiner Lehre und ihrer Kulturbedeutung. Es ist ein rein sach⸗ licher Haß gegen das, was wir für Un⸗ gerechtigkeiten halten, ein Haß, der seine leuchtende und wärmende Kehrseite hat in dem begeisterten und opferfreudigen Glauben an eine bessere Zukunft, wenn nicht für uns selbst mehr, so mindestens für unsere Kinder und Kindeskinder. Wenn wir es für möglich hielten, konser⸗ vative Geistliche auf andere Gedanken zu bringen, so müßten wir natülich an dieser Stelle die soziale Frage aufrollen. Aber das ist unsere Aufgabe nicht. Ste haben ja„Moses und die Propheten“, will sagen die Bücher der National⸗ zkonomie so gut wie wir. Wenn es ihnen ernst ist um die„Rächstenliebe“ so werden sie ja nicht anders können, als diese Werke ein wentg ansehen. Es kam uns kürzlich ein Schriftchen von Prof. Sombart in die Hand, worin er die Nationalökonomie als die Zentral- wissenschaft unserer Zeit bezeichnete und gerade auch den Geistlichen besonders an's Herz legt. Der Mann hat recht. Aehnlich wie es der große Gedanken der Reformationszeit war, daß jeder einzelne seinem Gott gegenüber nur auf das eigene Gewissen gestellt werden dürfe, so ist es der große unsere Zeit beherrschende Gedanke: Daß nur solidarisches Vor⸗ gehen der Menschheit zum Siege über allgemeine Notstände führen könne: Das ist der soztale Gedanke. Einzelhilfe und Einzeltrost ist ohn⸗ mächtig gegenüber Mißständen, die in der Ge⸗ — 6—?s˙..—o».Oc, e ··˙¹] sellschaftsordnung von heute liegen. Von diesen entscheidenden Kulturfragen aber sind gar manche der frommen Herren recht ungenügend unterrichtet. So wird man auch auf dem Lande gewiß viel mehr Pfarrer finden, die sich auf die Bienenzucht verstehen, als solche, die einmal ein Buch wie Katz„Landarbeiter in Oberhessen“ oder Herkner„die Arbeiter⸗ frage“ gelesen hätten. Und solche, die auf das sittlich gefährliche Unterbringen von Knechten und Mägden oder ähnliche Mißstände auf dem Lande die großen Grundbesitzer einmal direkt aufmerksam zu machen wagten, ach diese Mutigen sind sehr, sehr dünn gesät. Von gar zu vielen gilt das Gedicht„Gesegnete Mahl⸗ zeit“ von Theodor Storm, das mit der Strophe schließt: Die Geistlichkeit, die Weltlichkeit, Wie sie so ganz verstehen sich! Ich glaube, Gott verzeihe mir, Sie lieben sich herzinniglich. Ein Mann, wie der Schweizer Pfarrer Kutter, dessen Buch unser Blatt ja auch kürzlich besprach, der ein rückhaltloses, ent⸗ schiedenes, hingebendes Eintreten für die sozial Unterdrückten fordert, wäre wohl bei uns in Preußen⸗Deutschland bald zum Märtyrer seiner Gesinnung gemacht. Diese Stumpfheit des Gefühls gegenüber den sozialen Fragen, diese Enge der Beurteilung vom gegebenen Augenblick aus, das ist es, was einen an unsern amtlichen Christusnachfolgern so reizen kann oder sie verächtlich scheinen läßt. Wenn sie Mäßigkeit in allen irdischen vor allem geschlechtlichen Freuden pflegen und predigen, so bilden ste sich bereits ein, der„Sittlichkeit“ gewaltige Dienste geleistet zu haben. Sie ver⸗ gessen dabei zu oft, daß das als Forderung eines nur auf seine Gesundheit bedachten Egois⸗ mus mindestens eben so wirksam sich hinstellen läßt, wie als göttliches Gebot. Mit dem Gebot der Nächstenliebe dagegen wird's ganz entschieden bei sehr vielen von ihnen zu leicht genommen, sei es aus(bei studierten Leuten wahrhaftig nicht sehr entschuldbarer), Unkenntnis der sozialen Dinge, sei es aus Mangel an tiefer Empfindung. Und hier ist auch die Stelle, wo der Glaube an das„ewige Leben“ so leicht eine verhängnisvolle Rolle spielt, indem er das Mitgefühl mit dem Nächsten und die Mitarbeitssust bei der Fortbildung der menschlichen Einrichtungen abstumpft. Je mehr einer den Schwerpunkt seiner Weltanschauung in das Jenseits verlegt, umso untauglicher und leichgültiger wird er für die Aufgaben dieser Welt. Hat es doch dieser gefährliche Glaube zeitweise fertig gebracht, die Nächstenliebe ge⸗ radezu in ihr Gegenteil zu verkehren: Die Ketzer wurden verbrannt, um sie für die jen⸗ seitige Seligkeit zu retten. Und so sieht auch der Theologe von heute das Blut eines ge⸗ richteten Verbrechers spritzen und beruhigt alle Stimmen der Menschlichkeit in sich selbst und andern mit dem Hinweis auf das Jenseits. Welch ungeheuer praktisches und vereinfachtes Verfahren zur Lösung auch der denkbar schwie— rigsten Probleme. Schon Herder hat diese Kehrseite des Jenseitsglaubens richtig erkannt. Er schreibt darüber in seinen schönen„Briefen zur Beför⸗ derung der Humanität“(d. h. edler Mensch⸗ lichkeit) im 25.: „Das Ziel ausschließlich jenseits des Grabes setzen, ist dem Menschengeschlecht nicht förderlich, sondern schädlich. Dort kann nur wachsen, was hier gepflanzt ist, und einem Menschen sein hiestges Dasein rauben, um ihn mit einem andern außer unsrer Welt zu belohnen, heißt den Menschen um seln Dasein betrügen. Ja, dem ganzen menschlichen Geschlecht, das also verführt wird, seinen Endpunkt der Wir⸗ kung verrücken, helßt ihm den Stachel seiner Wirksamkeit aus der Hand drehn und es im Schwindel erhalten.— Je reiner eine Religion war, desto mehr mußte und wollte ste die Humanität befördern. Das ist der Prüf⸗ stein selbst der Mythologie der verschiedenen Religionen. Die Religion Christt, die er selbst hatte, lehrte und übte, war die Humanität selbst. Nichts anderes als sie, sie aber auch im wettesten Inbegriff, in der reinsten Quelle, in der wirksamsten Anwendung. Christus kannte für sich keinen edleren Namen, als daß er sich Menschen sohn, d. i. einen Menschen nannte.“ Humanität, edle Menschlichkeit, dia s ist das Ideal aller der Großen, die, ob mit oder ohne Christennamen und Jenseitsglauben, vor Christi Zeiten nicht minder hingebend wie nach ihm, am lebendigen Kleide der Menschheit mit gewirkt haben. Es ist auch das unsre. Es gilt hin⸗ zustreben auf eine möglichst gerechte Gesell⸗ schaftsordnung, die jeder menschlichen Persönlich⸗ keit Gelegenheit zur Entfaltung aller in sich gelegten guten Keime und Früchte bietet. Wann und wie dies Ziel erreicht werden wird, wer will es sagen? Das aber ist gewiß: Wo wir es mit schreienden Ungerechtigkeiten in unsern Tagen zu tun bekommen, da ist jeder Eifer und Zorn, da ist jede Art des Kampfes gerecht und gut. Von der heutigen Gesellschaftsordnung gilt leider in vieler Beziehung noch das Goethe⸗ sche Wort: „Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt Ihr ihn der Pein.“ Man kümmert sich um die Existenzverhält⸗ nisse der niederen Klasse nur so obenher, nach⸗ her wundert man sich über ihre„Roheit.“ Fast, wie man's in der Reformationszeit mit den Bauern machte. Erst behandelte man ste nach der Melodie: Der Bauer ist sozusagen ein Vieh Nur daß ihm die Natur keine Hörner verlieh. Nachher war man dann stttlich höchst empört, als er sich wirklich etwas„viehisch“ gegen seine Peiniger benahm. Heilig gesprochen zu werden verdient auch der heutige Staat wahrhaftig noch nicht. Noch uuf hat er Schillers 4 5 Mahnung nicht erfüllt: Es ist die große Sache aller Throne Und Staaten, daß geschah, was rechtens ist. Auf dem steilen Wege zur Gerechtigkeit steht uns der Mammonsgeist entgegen, jeden Fuß breit läßt er nur in 1 Kampfe sich entreißen, die widersinnsgsten Vorrechte hält er in blutgterigen Krallen fest, solange er kann, Phrase ist ihm jeder Appell an sein Gewissen, Phrase ist ihm jede glaubensfrohe Verkündigung ee Nichts ist ihm heilig als sein „Geschäft“. Und ihr, christliche Geistliche? Auf wessen Seite steht ihr in diesem Kampfe? Wollt ahr uns helfen? Wollt ihr wieder, wie die Apostel einst, alle Menschenfurcht von euch tun? Den Thronen und den Geldsäcken ebenso offen und eifrig die strengen christlichen Grundsätze predigen, wie ihr ste etwa einem gefallenen armen Mädchen oder einem hungrigen Diebe vorzuhalten pflegt? Beweist euer Christentum durch Opfer und Taten, und ihr werdet wieder die Führer des christlichen Gedankens sein, eure Kirchen werden wieder voll werden, vertrauensvoll werden die Massen wieder zu euch kommen, wie ste zu Luther kamen, wie sie zu Christus gekommen sind. Wie? Oder soll unser Appell ins Leere verhallen? Ihr wollt eure einsameren Pfade durch ein ruhiges Erdenleben zu einem seltgen Jenseits ungestört weiterziehen wie bisher? Nun, so geht! Wir aber wissen, warum wir euch nicht folgen. Wir wollen weiter kämpfen! Speremus atque agamus schreibt Herder unter den Brief, den wir oben z. T. angeführt haben, zu deutsch: Laßt uns handeln und hoffen! Und ein tiefer englischer Denker, Carlyle, der leider auch zu denen gehöst, die bei unsern Gebildeten mehr gelobt als ge⸗ lesen werden, sagt: Arbeiten und nicht verzweifeln. K. Wbr. Seite 10. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. g Nr. les SHA TSS HSTC SSH ST SAINT Sad— Was sollen wir schenken? Empfehle mein reichhaltiges Lager in Gute und solide Sehuhwaren sind die besten und nützlichsten 7 g Gummi- und Winter-Schuhen. 5 r 9 N 8 5 2 2 Mein Lager bietet die denkbar größte Auswahl in allen Preislagen. Markt MARBURG Aulgasse 4 a Da men⸗Boxcals⸗Knopf⸗ und 1 Herren ⸗Wichs leder⸗echnürstiefel 4 50 Mk. 1.. 1 Herren⸗Boxcalf⸗Schnürstiefel 8. Schnürstiefel in feiner Ausführung 8 50 Mt.. SSS e Herrea-Boxcalf⸗Schnürstiefel[Lack⸗Tauzschuhe 5 g N 1 Goodyear Weit, hochfein 10.50„ Weiße Glaes Tanzschuhe 3.—„ 1 8 L ee N 5— 2 82 Damen⸗Boxcalf⸗Kuopf⸗ und Winter- Schuhe 1 Die arl Müller e 9 15* in großer Auswahl. 0 3 Giessen, Flockstr. 12 1 Gum mi- Schuhe 21 2 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in 4 N g Puppenwagen Blumentische in allen Größen und in 3 verschiedenen Qualitäten. 1 Ei Sporiwagen Blumenstan der Umtausch nach dem Feste gern gestattet. 5 Leiterw agen. L— E 1 4 1 dee Taschen f Marktstrasse 9 2 uss hettergasse.] Alle Arten Bürsten u. Besen, Haus⸗ u. Küchengeräte 1 Bu zu billigen Preisen E 5 1„ ...... 1 17 1 m ö Bringe meinen Salon zum 4 1 90 N;: 23 F 0 f 1 0 0. IS eit kein Geschäft Hessens, welches dem reellen n eee u eren 9 Arbeiter dieselben Vorteile bietet wie der 1 in enpfehlens Eren 5* gute und saubere Bedienung zusichernd. ode I N ö Gleichzeitig empfehle mich zur Anfertigung von Haar⸗ 11 2 7 T. arbeiten aller Art, Zöpfe, Toupets, sowie zu Weihnachten 1 5 1 4 Haarketten mit und ohne Goldbeschläge. 5 bis 14 Um recht zahlreichen Besuch. zeichne 5 die 105 hochachtungsvo N we 1109 Offeriere aus meinem Riesenlager(meine Räume umfassen 3000 13 Löwengasse 13. 1 ges 1 Quadratmeter): 1 gurkin-⸗Herren- Anzüge 68,00 Mik.. 10 do. 65 e 9. 10. 1„ 5 1 ammgarn- u. Cheviot-Anzüge, blau, braun, schwarz 13,„ N J Aüerfeiast Herren-Anzüge, mit Seitentaschen, ü Praktische Weihnachtsgesehenke a U 1 beste Verarbeitung T sind f 1 Saccos in bester Ware, in prima Kammgarn, Cheviot, 45 3 1 6 Hurkin in Ia. Gualität, früher 15 Mk., jetzt 6,00„ 6 * Herr.-Burkin-Hosen, in bester Ware, früh. 9 Mk.,„ 3,00„ N 0 1 Radfahrer-Anzüge, früher 30 Mk., jetzt.„10,00„ 0. 10 Lederhosen in 20 Gnali täte. von 3,00„ an Sehr preisen e e a ö 0 Burkin-Hosen, neueste Muster, mod. verarbeitet„ 3 4 4 8 9 e e. Joppen Ae 1— Aae 7 1 Rudolf Richter mit 10 Filzhüte, Strohhüte von g. au. en, Socken, rümpfe, chlipse 5 J 0 Cravatten, Barchent-Hemden von 1 Mk. an, Unterhosen in Leinen und Bante Giessen. Marktstrasse No. 26. 15 . wolle, Normalhemden.— Stiefel und Stiefeletten von gewöhnlicher bis feinster l Qualität, Arbeiterschuhe und Stiefel, schwer beschlagen, Wasserstiefel, extra gute 4 nan N Ware, 12 Mk.— Regenschirme, Stöcke, Koffer in Holz und Leder von 1,50 Mk., 8— 10 1 Hosenträger, Pantoffel, sowie 1000 andere Artikel. Ed Car Bo rrmann Giessen 5 1 0 Kinder- und Knaben-Anzüge sowie Damen-Blousen, Damen-Röcke, Damen- 8 7 1 lch 1„ Laauets. Capes Eisenhandlung 5. 0 1 Eeinkaufshaus für Italiener, Franzosen, göhmen und Polen, Neustadt 11 e w Telephon 298 1 5 5 sowie die umliegenden Ortschaften. empftehlls ö 2 160 Versäumen Sie nicht den Besuch meines bekannten Hauses. Herde und Oefen— Landwirtschaftl. Geräte 1 Fruchtpressen— Keltern— Bohnenschneider tit 7 Petroleum⸗, Spiritus⸗ u. Gaskocher— 1 ö .. Wasch⸗, Wring⸗ u. Mangelmaschinen lich g 1 0 G1 U d Fecher 8 an Messe pe male. 4, elb⸗ u. esserputzmaschinen „ ö Konsumverein lesSell U. mgegel Rasenmäher— Vagelkäfige und Züchter⸗Utensilien N 900 1 b Gartenmöbel— Stehleitern— Tünchergeräte 90 100 Für die bevorstehenden Heuser e e mare 8 119.— geflechte— ischereigeräte— r. ein et aftpresse ö 1 N Weihnachts- Feiertage sowie sein großes Lager in ö Vin 1 1 empfehlen wir unseren Mitgliedern alle zur Werkzeugen— Beschlägen— Eisen⸗Krüͤrz⸗ und Solinger Stahls. 1 1 5 au 19— HKuchen- und Konfektbäckerei de N nötigen Zutaten. n J f i Ganz besonders: Ia. Mehl aus einer der besten süddeutschen Mühlen. Schirme 9 N 7 7 1 Det 10 Glas-Christbhaumschmuck Spazierstöcke a 1 in reizenden Neuheiten bei billigen Preisen. kauft man gut und billig in der 15 140; i Css ler Schirmf abril ner 0 la. Lebkuchen echt Pulsnitzer Zungen eee f 0 Wall- und Haselnüsse. Marburg Fulda Cassel 10 0 ö Neu-Elutritte können stets in unserer Verkaufsstelle r Bahnhofstrasse 31 W erfolgen e Schirme werden repariert und neubezogen. in 1 5 Der Geschäftsanteil beträgt 30 Mark und ist innerhalb drei Jahren zu bezahlen. rl ö Verkauf nur an Mitglieder. 1 Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler D Meyer, Gießen. —