1 1 r. 15. 70 meßen, den 10. April 1904. 115 Jihra. stehende Stilllegung hervorgerufen wird, nimmt stetig zu. Die Ge⸗ namentlich aber die heschädigten Bergarbeiterbevölkerung, sehen in 5 Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche 18-30 nebartionsschluß: 5 Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 7 itung Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P. ⸗Z.⸗K. 5107) 1 Juserate 2 finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Gegenwartsstaat. Im Ruhr⸗Kohlenbezirk vollziehen sich gegen⸗ wärtig Dinge, welche den Kapitalismus und seine Verderblichkeit für das Volksganze im schönsten Lichte zeigen. Es handelt sich um Maßnahmen der Gruben⸗Kapftalisten, welche für große Bevölkerungsschichten den wirtschaft⸗ lichen Ruin bedeuten. Das Kohlensyndikat hat nämlich für die beteiligten Werke eine Höchstziffer der Kohlenförderung festgesetzt, die eine Einschränkung der technisch möglichen För⸗ derungsmengen bedeutet. Die großen Riesen⸗ aktlengesellschaften unter den Werken suchen nun in der Weise zur vollen und schnelleren Ausnützung ihrer Kohlenschätze zu kommen, daß ste kleinere Gruben aufkaufen und dann still legen. Die so frei gewordene Förderungsmenge wird nun den großen, technisch besser eingeübten Werken zugeschlagen. Eine Maßregel, die vom Standpunkt der Wirtschaftlichkeit nur zu billigen ist, die die großen Trusts Amerikas auch an⸗ gewandt haben und die in einer zweckmäßig organisterten Wirtschaftsordnung nur gute Fol⸗ gen haben würde, in unserer jetzigen Ordnung aber nur Not und Elend gebiert. Die schlimmste Seite des Syndikatswesens und überhaupt der Kapitalskonzentration zeigt sich hier. Ist ein Erwerbszweig in der Hand weniger Privutgesellschaften monopolisiert, dann können diese eine Herrschaft ausüben, wie sie polttisch nicht einmal ein Monarch hat. Der produzierende Arbeiter, das konsumierende Volk und der Staat, ste sind fast gleichermaßen von der Willkür solcher Gesellschaften abhängig. Und die Bergwerksgesellschaften gebrauchen ihre Macht rückfichtslos, wie es sichs nur erdenken läßt. Heute stellen sie Tausende von fremden Arbeitern ein, morgen werfen sie Tausende der eingesessenen Bergbevölkerung auf die Straße. Um die Pflichten der Menschlichkeit kümmern sie sich nicht. Was fragen sie nach dem Wohl⸗ befinden der Arbeiterfamilie! Die Arbeiter der stillgelegten Gruben wer⸗ den einfach entlassen— was kümmerts das Kapital, was aus den Leuten wird. Niemand denkt daran, die Arbeitszeit in den andern Gruben zu verkürzen, daß die Entlassenen wie⸗ der Arbeit finden. Aus der Arbeiterschaft ein⸗ zelner Bergwerke besteht fast die ganze Bevöl⸗ kerung gewisser Orte des Ruhrrepiers, von ihr lebt die ganze Schaar der Geschäftsleute. Ge⸗ meinde und Geschäfte werden durch die Politik der großen Bergwerksgesellschaften in ihrer Existenz bedroht. Und so brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn dem Berliner Tagebl. gemeldet wird: Die Erregung in allen Schichten der Be⸗ völkerung, welche durch den beabsichtigten An⸗ kauf von Zechen durch große Bergwerksunter⸗ nehmungen und die damit in Verbindung einer Bergwerksbetriebe meindebehörden, der gewerbliche Mittelstand, große Masse der dadurch einer solchen Stilllegung ihren wirtschaftlichen Ruin und erheben lauten Protest. In einer im Bezirke der Zeche Bickefeld⸗Tiefbau in Hörde abgehaltenen großen öffentlichen Volksversamm⸗ lung, an der alle Klassen der Bevölkerung teil⸗ nahmen, wurde eine Resolution an die Staats⸗ regierung angenommen; sie weist darauf hin, daß durch die Stilllegung verschiedener kleiner Zechen die bergarbeitende Bevölkerung der Ar⸗ beitslosigkeit anheimfällt oder zum Verzuge ge⸗ zwungen wird; daß hierdurch aber viele andere Berufsklassen, Handwerker, Aerzte, Kaufleute, Landwirte ihren Kundenkreis verlieren und dem Ruin verfallen. Es heißt in der Resolution, daß die Kommunen,„die durch die bisherige, durch den Zechenbetrieb stark augewachsene Be⸗ völkerung zu ganz enormen Ausgaben für Schul⸗, Kirchen⸗ und Verwaltungszwecke ge⸗ zwungen worden sind, nach Verlust eines steuer⸗ kräftigen Bevölkerungsteiles die zu obigen Zwecken kontrahierten Schulden nicht zu zahlen vermögen; daß ferner die Aufstellung der Ge⸗ meindehaushaltspläne durch die plötzlichen Steuerabgänge illusorisch gemacht werden; alle Unternehmungslust werde gelähmt und der Staat werde durch den Untergang blühender Gemeindewesen eine ungeheuere Einbuße erleiden; der Staat dürfe daher nicht dulden, daß diese Kulturstätten zur Einöde würden.“ Schließlich wird die Regierung gebeten, zur Rettung der schwer bedrängten Gemeinden einzuschreiten, was am sichersten dadurch erreicht werde, daß der Staat die kleinen Zechen erwerbe. So verbreiten die großen Kapitalistenver⸗ einigungen Schrecken und Not im Ruhrrevier. Aber kühl lächelnd können die Herren Unter- nehmer über alle die lebhaften Beschwerden und Klagen der Arbeiter und kleinen Leute hinweggehen, sie machen ja nur legalen Gebrauch von ihrem gesetzlich geschützten Eigentum. Was dadurch für andere Menschen entsteht, danach zu fragen sind sie nach dem Rechte der kapita⸗ listischen Gesellschaftsordnung nicht verpflichtet. Jeder für sich— und wer keinen Geldsack er⸗ wirbt, möge sehen, wo er bleibe. Gießen, den 7. April 1904. Zwanzig Jahre Kampf. Das Zentralorgan unserer Partei, der „Vorwärts“ hatte am 30. März das Alter von 20 Jahren erreicht. Am 30. März 1884 erschien die Probe⸗Nummer des„Berliner Volks⸗ blattes“, nachdem Berlin über fünf Jahre ohne sozialdemokratische Presse gewesen war. Die Versuche der Parteigenossen, für die im Oktober 1878 auf Grund des Sozialistengesetzes ver⸗ botene„Freie Presse“ durch Herausgabe ganz harmloser Blätter einen teilweisen Ersatz zu schaffen, scheiterten an der Bismarckschen Polizet⸗ brutalität, die selbst dem rigorosen Soztalisten⸗ gesetz entgegen auch solche Blätter gleich am Tage ihres Erscheinens unterdrückte, in denen von sozialdemokratischen Bestrebungen, geschweige denn von Handlungen gegen das Ausnahme⸗ gesetz, auch nicht entfernt die Rede war. Das Blatt umschiffte glücklich die Klippen des Schandgesetzes. Nur eine Nummer, die bom 23. Oktober 1887, wurde verboten. Natürlich hatte das„Berliner Volksblatt“ anfänglich einen schweren Stand. Nach mehrmonatlichem Bestehen erschien das Blatt in einer Auflage von rund 2400 Exemplaren. Die Agitation bei den Reichstagswahlen im Herbst 1884, deren Ertrag in der Eroberung des vierten und sechsten Berliner Reichtags⸗Wahlkreises bestand, brachte auch der Zeitung einen Zuwachs an Abonnenten; jedoch betrug die Auflage Anfang 1890 immer⸗ hin erst 10000 Exemplare. Ein Jahr darauf, nach Aufhebung des Sozialistengesetzes, waren es einige zwanzigtausend, nach zehnjährigem Bestand 1894 ungefähr 43000 und heute, nach 20 Jahren, 83000 zablende Abonnenten. Das ist gewiß ein schöner Ecfolg, aber der Kampf hat auch bedeutende Opfer gekostet. Nach einer Aufzählung, die auf absolute Ge⸗ nauigkeit keinen Anspruch macht, sind seit dem Falle des Gesetzes im Jahre 1890 bis zum heutigen Tage über die verantwortlichen Redakteure des „Vorwärts“ verhängt worden: 101 Monate Gefängnis, drei Monate Festungshaft und sechs Wochen Haft, ungerechnet die zahlreichen, sich in die Zehntausende Mark belaufenden Geld⸗ strafen. Die heute an unserem Zentralorgan tätigen Redakteure tragen im ganzen 108 Monate Gefängnis auf ihren Schultern; unbe⸗ straft ist keiner von ihnen. Prügelkultur. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung,“ das Mundstück der Reichsregierung, schrieb dieser Tage: Wihrend in Dänemark die Parlamentsmehrheit die Einführung der Prügelstrafe für Roheitsver⸗ brechen als angemessen und vernünftig erachtet, erhebt sich bei uns ein wahnwitziges Geschrei seitens der Sozialdemokratie, wenn auch nur einmal ein Abgeordneter einen ähnlichen Standpunkt vertritt. In der Tat hält die Sozialdemokratie die Knutenwirtschaft für ein gänzlich ungeeignetes Mittel zur Bekämpfung der Roheit. Auch die Häufung von Duellverbrechen, Soldatenmiß⸗ handlungen, Brüsewitze reien, Hüssene⸗ reien, die zahlreichen kolonialen Untaten in ihrer raffinierten Scheußlichkeit, die häufiger werdenden Mißhandlungen von Streikposten durch Arbeitswillige, ja durch Unternehmer— diese und zahllose andre Aeußerungen eines gewalttätigen Sinnes vermögen die Sozial⸗ demokratie von ihrer Ansicht nicht zu bekehren. Der Strafvollzug ist— wie zahlreiche Beispiele beweisen— wahrlich hart genug, und Mißgriffe sind nicht selten. Der Prinz Arenberg, der doch zweifellos ein Roheitsverbrechen begangen hat, ist später als geisteskrank erkannt worden. Würde die„Norddeutsche Allgemeine“ wünschen, daß dieser Herr ausgepeitscht worden wäre? Die Sozialdemokratie ist für solche Exekutionen, die die Roheit nur vermehren, nicht zu haben.. Daß aber ein Regierungs- und patentiertes Ordnungsblatt der Sozialdemokratie, der Partei des„rohen Pöbels“, der„Elenden“ Vorwürfe macht, daß sie bei solcher Roheits⸗ politik nicht mittun will, zeigt deutlich genug, wie die Dinge bei uns liegen.— Sozialdemokratische Kongresse haben während der Osterfeiertage eine ganze Anzahl stattgefunden. Innerhalb Deutschlands tagten zunächst der württembergische Lan⸗ desparteitag in Stuttgart und der sächsische in Chemnitz. Außerdem fand der rheinische Parteitag in Köln und eine Konferenz sozial⸗ demokratischer Gemeinderäte der Pfalz in Neu⸗ stadt a. d. Hardt statt.— Die württembergische 1— 1 N 5 1 1 5 N 2 5 1 25 ä— r Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 15. Landesversammlung war von 292 Delegierten besucht. Sie beschäftigte sich besonders mit der Gemeindereform. Die Berichte konstatier⸗ ten, daß in ganz Württemberg gute Fortschritte der Sozialdemokratie zu verzeichnen sind.— Auf dem sächsischen Parteitag beschäftigte man sich besonders mit der Zschopauer Wahl und der Angelegenheit Göhre. Nach eingehender und sachlicher Erörterung einigte man sich auf eine Resolution, welche die Entscheidung über Kan⸗ didaten⸗Aufstellungen dem Parteivorstand zu⸗ weist, wenn sich die Wahlkreisorganisationen mit den Agitationskomités darüber nicht einigen können. Im Auslande fanden sozialdemokratische Kongresse in der Schweiz, in Ungarn und in Belgien statt. Ueber den belgischen finden unsere Leser in anderer Stelle einige nähere Angaben. Auf dem ungarischen Kongreß in Bu dapest waren 665 Delegierte anwesend. Der erstattete Jahresbericht läßt er kennen, daß die Organisation der ungarländischen Arbeiter ganz bedeutende Fortschritte gemacht hat. Auch dieser Kongreß, der einen würdigen Verlauf nahm, beweist wie alle übrigen, daß die sozia⸗ e Bewegung unaufhaltsam vorwärts ringt. Die Zschopauer Wahl hat natürlich zu langen Artikeln in der Partei⸗ presse Veranlassung gegeben, in denen über die Ursachen unserer Niederlage tiefsinnige Betrach⸗ tungen angestellt werden. Einerseits wird Göhre die Schuld an dem Ausfall der Wahl gegeben, anderseits den Komités, die ihn zur Niederlegung der Kandidatur veranlaßten. Wir meinen, beides trifft nicht zu. Schuld an der Niederlage ist mangelhafte Organisation in diesem Kreise. Zweifellos hat auch die schwindelhafte Agitation der Antisemiten manche bürgerlichen Wähler zur Urne gebracht, die sonst zu Hause geblieben wären. Im ganzen haben sich unsere Genossen noch ganz gut ge⸗ schlagen; unsere Stimmzahl ist trotzdem höher als bei der Wahl von 1898. Und trotz der Göhre⸗Differenzen ist nicht eine einzige Stimme für Göhre abgegeben worden. Das ist ein Beweis ausgezeichneter Disziplin. Den Zimmer⸗ mann wird sich übrigens der Kreis bald wieder vom Halse schaffen, das ist sicher! Gemeiner auntisemitischer Schwindel. Heber die Wahlbewegung im Zschopauer Kreise hat das Berliner Pücklerorgan, die „Staatsbuͤrgerzeitung“ einen ganzen Sack voll der unerhörtesten Lügen verbreitet. Unter anderm brachte das ehrenwerte Zeitungspapier folgen⸗ den Schwindel über den Genossen Bebel: „Am Abende vor seiner Ankunft lief im Hotel„Gerichtsschänke“ ein Telegramm fol⸗ genden Inhalts ein:„Bitte die drei besten 3 957 75 für mich zu reservieren. Bebel.“ te drei Zimmer wurden reserviert und Bebel hat in ihnen residiert wie ein Fürst.“ Bebel schickte darauf dem Blatte folgende Berichtigung: „Diese Angaben sind von A bis 3 erlogen. Die Wahrheit ist: Freunde von mir ließen ein einfaches Zimmer für mich reser⸗ 5 205 das ich mit dem üblichen Preise be⸗ zahlte.“ In der Wahlbewegung im Zschopauer Kreise ist von den Antisemiten in fast unglaub⸗ licher Weise geschwindelt worden. Es ist eine alte Wahrheit, sagt der Vorwärts dazu, daß es keine gemeinere und verlogenere Partei als die antisemitische giebt. Aus der Ferienkolonie. Eine statistische Aufzeichnung der Sol- datenschindereien im ersten Vierteljahr 1904 zeigt wiederum erschreckende Zahlen. Es wurden in dieser Zeit gegen militärische Vor⸗ gesetzte im ganzen 11 Jahre 4 Monate 26 Tage Freiheitsstrafen, 5 Degradationen und 2 Dienstentlassungen wegen Mißhandlung und Beleidigung Untergebener verhängt. Diese Ziffer gewinnt noch eine schwerwiegendere Be⸗ deutung, wenn man erwägt, wie milde im Allgemeinen die Mißhandlungen bestraft wer⸗ den und wie viele überhaupt nicht zur Anzeige und nicht zur Bestrafung gelangen.— Beson⸗ ders wenn Offiziere wegen Mißhandlungen abgeurteilt werden, pflegen die Strafen nicht allzuschwer aus zufallen. So erhielten der Ober⸗ leutnant v. Kunowsky vom preußischen In⸗ fanterie⸗Regiment Nr. 94 6 Wochen Festungs⸗ haft, Oberleutnant Karl Schulze 14 Tage Stubenarrest, Leutnant Wilhelm v. Ger⸗ mer 2 Monate Festungshaft, Leutnant Wilhelm Walter vom bayrischen 17. Infan⸗ teri⸗Regiment 35 Tage Stubenarrest, bay⸗ rischer Reserveleutnant Eyßen 2 Tage Stuben⸗ arrest. Ein besonders schwerer Fall war der des Leutnants v. Schweinichen vom Metzer Königs⸗Infanterie⸗Regiment, der zu einem Jahre und 1 Monat Festunghaft und Dienstentlassung verurteilt wurde. Dieser erstklassige Mensch be⸗ leidigte u. a. in der Trunkenheit einen bayri⸗ schen Feldwebel, mißhandelte einen wachthaben⸗ den() bayrischen Gefreiten, warf einen bay⸗ rischen Artilleristen aus dem Bett und legte sich selbst hinein, um seinen Rausch auszuschlafen. Außerdem wurden ihm noch zahlreiche andere Mißhandlungen Untergebener nachgewiesen. Einige in den letzten Wochen erfolgte Ver⸗ urteilungen von Soldatenschindern seien hier noch angeführt.— Ganze neun Tage Stu⸗ benarrest erhielt der Leutnant Hans von Rochow in Magdeburg wegen Mißhandlung Untergebener. Der noch jugendliche Leutnant prügelte einen Ulanen beim Turnen.— Das Kriegsgericht in Neiße verurteilte den Unteroffizier Mitschke vom 6. Fußartillerie⸗ regiment wegen Mißhandlung Untergebener in 87 Fällen zu drei Monaten Gefängnis.— Mit 12 Tagen Mittelarrest kam der Unterofftzier Stolper vom 11. Grenadier⸗ regiment davon, obwohl er den Grenadier Trenke so geohrfeigt hatte, daß eine dauernde Verletzung des Trommelfells und eine Gehör⸗ minderung eintrat.— Wegen Mißhandlung Untergebener in 156 Fällen wurde vor Kur⸗ zem der Sergeant Becker vom Pionierbataill. Nr. 21 in Mainz zu einem Jahr Gefängnis und Degradation verurteilt. Dieser Schinder quälte die Soldaten monatelang in der raffintertesten Weise.— Sehr gelinde kam auch der Un⸗ teroffizier Reinhardt vom Infanterie⸗Regi⸗ ment Nr. 153 weg, der für 40 Fälle von Mißhandlungen nur 6 Wochen Mittel⸗ arrest vom Kriegsgericht in Halle zudiktiert erhielt! Dabei hat dieser Stellvertreter Gottes einen Musketier elfmal zu verschiedenen Zei⸗ ten ins Gesicht geschlagen; einen andern mit der Faust unter das Kinn gestoßen. Die gleiche Mißhandlung ist dem Musketier Martin zuge⸗ fügt worden, der auch zwei Ohrfeigen erhielt, die er aber verschuldete. Musketier Zahn ist „nur leicht“ viermal in die Backe gekniffen worden, hat sechs„leichte“ Schläge gegen die Backe erhalten und bekam sonst noch Stöße und Püffe, ebenso noch andere seiner Leidens⸗ gefährten.— Der Unteroffizier Brawers in Cleve hatte sogar 367 Mißhandlungen auf dem Kerbholz. Das dortige Kriegsgericht verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis. Da kommt also auf jeden Fall noch nicht einmal ein Tag Gefängnis!— Von einer andern Kriegsgerichtsverhandlung, die in Erfurt gegen den Unteroffizier Zimmermann geführt wurde, wird berichtet, daß dieser Angeklagte die Soldaten mit den Stiefeln ins Ge⸗ sicht trat! Kurz, eine so endlose Reihe von Scheuß⸗ lichkeiten und Brutalitäten passteren in unserm herrlichen Kriegsheere, daß es nicht möglich ist, ste alle anzuführen. Man muß sich nur immer wieder darüber wundern, daß die Ge⸗ quälten nicht von dem Rechte der Notwehr Gebrauch machen. Noch mehr aber darüber, daß es unter den Geschundenen noch welche giebt, die nach ihrer Dienstzeit noch dem Krie⸗ gerverein beitreten! Unterdessen macht man in Bayern we⸗ nigstens den Versuch, die Soldatenschindereien etwas nachdrücklicher zu bekämpfen. Ein Er⸗ laß des Generalkommandos des III. bayr. Armeekorps wendet sich in sehr eindringlichen Worten an die militärischen Vorgesetzten, alles zu tun, um Ausschreitungen und Rohheiten zu vermeiden. Das ist sicher alles recht gut ge⸗ meint und die höhern Vorgesetzteu mögen auch den besteu Willen haben, den scheußlichen Zu⸗ ständen entgegenzuwirken, trotzdem sind wir der Meinung, daß diese Ermahnungen ebenso frucht⸗ los wie frühere bleiben müssen. So lange das heutige System des Militarismus aufrechter⸗ hoffen bleibt, ist auf eine Besserung nicht zu offen. Wie in Afrika„kultiviert“ wird. Ueber die Ursachen des Herero⸗Aufstandes wurde kürzlich von Seiten der Missionare nach Deutschland berichtet. Es war darin angeführt, daß die von den Weißen ausge⸗ übten zahlreichen Grausamkeiten sowie die Praktiken der Händler die Hereros bis zur grenzenlosen Erbitterung gereizt und ste zu ihren Rachemaßregeln hingerissen haben. Man hat versucht, die Glaubwürdigkeit der Berichte der Missionare in Zweifel zu ziehen, um die schuldigen Weißen zu entlasten. Gegen diese Versuche wehrt sich jetzt Pastor Haußleiter, Inspektor der Rheinischen Missionsgesellschaft, in einer im„Reichsboten“ veröffentlichten Erklärung. Er führt aus: „Wenn jemand die materiellen egoistischen In⸗ teressen den allgemeinen Grundsätzen der Menschlichkeit und Sittlichkeit übe rordnet, so ist er bei Licht besehen doch nichts anderes als ein Barbar, mag er nebenher noch so gebildet und vermögend sein. Solche Phäno⸗ mene einer übersättigten Kultur begegnen uns heute af Schritt ünd e Und zu den berichteten angeblichen Greuel⸗ taten der Herero sagt die Erklärung: „Wenn jetzt allerlei heidnische Grausamkeiten verübt worden sind, so ist das sehr zu beklagen. Es darf aber nicht allen Hereros zur Last gelegt werden. Die Hin⸗ schlachtung wehrloser Frauen ist bis jetzt noch in keinem einzigen Fall nachgewiesen; wohl aber verdankte eine ganze Reihe der armen Farmerswitwen ihre Rettung einzelnen Hereros und den Misstonaren. Wäre die Mission nicht im Lande gewesen, wie ganz anders noch hätten die verblendeten Wilden gehaust! Man denke nur an ihre früheren Kriege gegen die Namas! Es kann nicht scharf genug betont werden, daß es sich heute nicht um einen Rassenkampf zwischen Schwarz und Weiß, sondern um einen nationalen Aufstand und Rachekrieg handelt, bei welchem, so schrecklich er geführt wird, doch immer noch gewisse Rücksichten bestehen und jedenfalls auf unserer Seite aufrecht erhalten werden müssen.“ l Das mächtige Anklagematerial, was die Missionare gegen die europäischen„Zivilisatoren“ zusammengestellt haben, wird jedenfalls im Reichstage einer eingehender Erörterung unter⸗ zogen werden. Die belgische Sozialdemokratie hielt an den Osterfeiertagen ihren Parteitag in Brüssel, zu dem 488 Delegierte erschienen waren, ab. Es wurden zunächst auf Antrag Vanderveldes Sympathie⸗Erklärungen an die russische und die japanische Sozialdemokratie beschlossen. Ferner wird ein Antrag angenommen, der das Wahlrecht der Frauen für Ar⸗ beitsräte u. Einigungsämter(Gewerbe⸗ gerichte) fordert. Bet der Diskusston über die Taktik der Partei tritt Vander vel de in einer begeisternden Rede für eine Resolution ein, welche für die bevorstehenden Wahlen ein Zu⸗ sammengehen mit den Etberalen für die Er⸗ kämpfung der bekannten demokratischen Grund⸗ forderungen zugibt, aber gleichzeitig mit dem Kampf gegen den Klerikalismus auch den gegen den Kapitalismus verlangt. Ein früherer Be⸗ schluß, wonach in den sozialistischen Genossen⸗ schaftshäusern kein Alkohol zum Ausschank gelangen soll, wird erneuert und streng durchzu⸗ führen beschlossen. Schließlich werden Anseele und Vandervelde als Delegierte zum Amster⸗ damer internationalen Kongreß gewählt und tatkräftige finanzielle Unterstützung der streikenden Diamantarbeiter in Antwerpen beschlossen. Abtrünnige Priester. Im französischen Klerus herrscht gegenwär⸗ tig eine starke Gährung, deren Ursache haupt⸗ sächlich die Verfolgung des Reformkatholizis⸗ In den mus durch die römische Kurie ist. Nr. 1 Ei Geil dus de in T0 Let offene dub ein i lagen schrelb angel! 10 schlo die P der Er Werle erricht mibers ligkeit, Oehlrt die lä ethabe mus kanne schmel 5 1 panern Ortsb. rege. Und de nach d zu geb es hal Nr. 15. Mitteldentsche Sonntaas⸗Zeitung. Seite 3. letzten Tagen haben wieder zwei katholische Geistliche ihr Priesteramt aufgegeben und sind aus der Kirche ausgetreten: der Abbe Peyron in Toulon und der Abbé Celly, Pfarrer von Testinolieres. Beide haben ihren Schritt in offenen Briefen an ihre Bischöfe begründet. Insbesondere der Brief des Abbé Peyron ist ein menschliches Dokument voll bitterer An. klagen gegen die„Mutter Kirche“. Jesus, schreibt Peyron, hat keinen Mummenschanzkultus angeordnet, keine intoleranten Dogmen formu⸗ liert, hat niemanden vom Himmelreich ausge⸗ schlossen— ausgenommen die Pharisä er und die Priester. Der Katholizismus aber, der der Erbe seines Gedankens, der Fortsetzer seines Werkes zu sein behauptet, predigt den Haß, errichtet Scheiterhaufen, er stickt das Denken, widersetzt sich dem Fortschritt und der Gerech⸗ tigkeit, tötet den Willen, trocknet Herz und Gehirn aus, verdum mt die Gläubigen durch die lächerlichsten Praktiken und macht aus der erhabenen Religion Jesu den gröbsten Fetischis⸗ mus(Bilderdienst) und die bedrückendste Ty⸗ rannet.— Das Konterfei ist nicht eben ge⸗ schmeichelt. Aber ein ehemaliger Priester muß es ja wissen! Neue Judenhetzen in Rußland. In Odessa werden neue Gewalttaten gegen die Juden vorbereitet. Wie berichtet wird, soll das hauptsächlichste Agitationsmittel die Be⸗ schuldigung bilden, daß die Juden am Kriege mit Japan schuld seien und mit den Ja⸗ panern sympathisteren. Es heißt zwar, die Ortsbehörden seien angewiesen, strenge Maß⸗ regeln zur Aufrechterhaltung des Friedens und der öffentlichen Ruhe zu ergreifen, doch ist nach den gemachten Erfahrungen darauf wenig zu geben. Es ist nach allem sehr möglich, daß es bald wieder zu neuen Greueltaten kommt. Russisch⸗japanischer Krieg. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatze, die in den letzten Tagen eingelaufen sind, meldeten schnelles Vordringen der Japaner gegen den Jalufluß(der Nordgrenze Koras) hin, über den sich die Russen bereits zurückgezogen hätten. Korea wäre von den Russen bereits vollständig geräumt, so daß keine Kämpfe mehr auf korea⸗ nischem Boden möglich seien, da der japanische Vormarsch in Massen eine Rückkehr der Russen absolut verhindere. Eine weitere Meldung be⸗ hauptete, daß die japanische Armee unter Ge⸗ neral Kuroki jetzt in der Lage sei, jederzeit den Uebergang über den Jalu erzwingen zu können, doch es scheine, als ob die Vollendung der zweiten japanischen Mobilisterung abge⸗ wartet würde. Ueber die Stellung der japani⸗ schen Soztalisten zum Krieg spricht sich der Führer derselben, Sen Katahama, der sich gegenwärtig in Amerika befindet, in einem Artikel aus, den er in der„Sozialist. Revue“ in Chicago veröffentlicht. Er schildert die Pro⸗ testbewegung der japanischen Sozialisten und faßt deren Einwände gegen den Krieg zusammen wie folgt: Die große Masse der japanischen Soldaten gehört der Arbeiterklasse an; es ist die Arbeiterklasse, die deshalb vom Kriege am meisten zu leiden hat; nach dem Kriege ist es wiederum die Arbeiterklasse, welche den größten Teil der Kriegskosten aufzubringen hat. Dazu höchst wahrscheinlich die Kosten für Vermehrung von Militär und Flotte; im Kriege fechten japanische Arbeiter gegen russische Arbeiter, zwischen denen selbst keinerlei Feindschaft be⸗ steht. Katayama schließt:„Ich bin gegen den Krieg, aber als ein Japaner wünsche ich nicht, daß Japan von Rußland bestegt werde; von kem Rußland, das in Kischinew die Juden hinschlachtete und das die Finnen und andre Nationen in brutalster Weise unterdrückt und die Arbeiter und andere Freiheitskämpfer miß⸗ handeln und totschießen läßt.“— Aehnlich haben uch auch die rusfischen und andere Soztaldemo⸗ kraten ausgesprochen. ee Soziales, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Der wabre Zweck der christlichen Gewerkschaften. Im Saargebiet wird die Generalkommisston der Gewerkschaften Deutsch⸗ lands in nächster Zeit ein Arbeitersekre⸗ tariat errichten. Es muß von jedem Menschen⸗ und Arbeiterfreund aufs freudigste begrüßt werden, daß durch diesen Schritt den Lohn⸗ sklaben an der Saar, im Königreich Stumm, endlich auch die gewerkschaftliche Organisation in weiterem Maße zugänglich gemacht werden soll. Die Zustände in Saarabien sind so weltberüchtigt, daß über die große Bedeutung des von der Generalkommisston vorbereiteten Unternehmens kein Wort weiter gesagt zu werden braucht. Hoffen wir, daß den Arbeitern an der Saar nun bald etwas Licht und Freiheit zu teil werde. Kaum ist der Plan der General⸗ kommission bekannt geworden, da werden auch die christlichen Arbeiterzersplitterer munter. Wenn es nach den Führern der christlichen Gewerkschaften ginge, könnten die Arbeiter in Hunger und Elend verkommen; sie würden keinen Finger rühren. Sobald es aber den freien Gewerkschaften gelingt, nach hartem Kampf endlich in rückständigen Gegenden Ein⸗ gang zu finden, sofort kommen auch die christ⸗ lichen Quertreiber mit ihren Sondergewerk⸗ schaften, um die Geschäfte der Zentrumspartei zu besorgen. Die„Köln. Volksztg.“ brachte einen Artikel aus Saarbrücken zu dem Plan der Generalkommission, worin zur Einführung der christlichen Gewerkschaften aufgefordert wird. Der Schreiber verleumdet das Unternehmen der Generalkommisston, als parteipolitisch, als sozialdemokratisch, obwohl es aus rein gewerk⸗ schaftlichen Erwägungen entsprungen ist. In dem erwähnten Artikel werden die christlichen Gewerkschaften aufgefordert, nun ihrerseits auch ein Sekretariat zu errichten, da die Arbeits verhältnisse im Saargebiet„viel zu wünschen übrig ließen.“ Das hat aber bis her die christlichen Gewerkschaften nicht veranlaßt, die Arbeiter des Saargebietes zu organisteren und ein Sekretariat zu errichten. Nun aber, wo die freien Gewerkschaften kommen und den Arbeitern den Segen der Organisation bringen wollen, nun entdecken die christlichen Gewerkschaftsführer ihr Herz und wollen dem Saargebiet eine „erhöhte Aufmerksamkeit“ zuwenden. Wo wäre es wohl nötiger als an der Saar, wo das brutalste Unternehmertum herrscht, daß die Arbeiter in einiger und geschlossener Macht ihm gegenüber stehen? Kaum aber ist der erste Schritt dazu getan, sofort kommen die sich „christlich“ schimpfenden Arbeiterverführer, um Zwietracht und Zersplitterung unter die Arbeiter zu 9 Dies Treiben ist geradezu Arbeiter⸗ verra Zur Gewerbegerichtswahl in Offen⸗ bach. In voriger Nummer waren in einem Teile der Auflage die Wahlziffern über die Gewerbegerichtswahl in Offenb ach nicht rich⸗ tig wiedergegeben. Es wurden auf der Ar- beiterseite insgesammt 4987 Stimmen ab⸗ gegeben, davon 4359 auf die Liste der freien Gewerkschaften und 628 auf diejenige der „christlichen“ Arbeiter. Wie schon bemerkt, war die Beteiligung eine außerordentlich starke und unsere Genossen trugen einen bedeutenden Er⸗ folg davon. Während vor 3 Jahren nur 1518 Stimmen für die Liste des Gewerkschaftskartells abgegeben wurden, hat sich diese Zahl dies⸗ mal fast verdreifacht, trotzdem die Macher der christlichen Bewegung sowie das Offen⸗ bacher Amtsblatt in der niedrigsten und gehässigsten Weise gegen die freien Gewerk⸗ schaften kämpften und ihre Kandidaten ver⸗ dächtigten. Die 628 christlichen Stimmen dürften zum größten Teile von Arbeitern vom Lande stammen, die in Offenbach beschäftigt sind. Nach dem Proportionalsystem entfallen also 17 Bei⸗ sitzer auf die Liste der freien Gewerkschaften, 3 auf die christliche.— Auf der Arbeit⸗ geberseite wurden 912 Zettel abgegeben. Davon erhielten die bürgerliche Liste 831, die der„Freien Vereinigung“ 65 Stimmen. Letztere erhält somit einen Beisitzer, die ersteren 19. Ar⸗ beitgeber⸗ und Arbeitnehmer⸗Beisitzer zusammen⸗ gerechnet, befinden sich unsere Genossen immer⸗ hin in der Minderheit. rr ·˙» Von Nah und Fern. Hessisches. .Die beleidigten Hessen. Wegen des Abdrucks der Kriegsbriefe des Generals v. Kretschmann ist nun wahrhaftig gegen die Redakteure der„Mainzer Volksztg.“ Ade⸗ lung und Döller Anklage erhoben worden. Bekanntlich wird in den Kriegsbriefen behauptet, daß hessische Truppen im Jahre 1870 in dem französischen Orte Sens, wo sie einquartiert waren, geplündert hätten. Der Stcafantrag ist von einigen hessischen Offtzieren gestellt wor⸗ den. Auf die Verhandlungen kann man wirk⸗ lich gespannt sein. Ob die hessischen Patrioten und Kriegervereinler etwa behaupten wollen, daß in diesem Kriege alles so glatt und ge⸗ mütlich zugegangen sei? Hunderte von bekannt gewordenen Fällen beweisen das Gegenteil. Es wäre geradezu wunderbar, wenn derartiges nicht vorgekommen wäre; Plünderungen, Raub und Mord sind, wenn auch nicht geradezu not⸗ wendige, so doch regelmäßige Begleiterschein⸗ ungen aller Kriege. Und daß der Krieg von 1870 eine Ausnahme bilden, die Hessen kein Wässerchen getrübt haben sollten, ist nicht wohl anzunehmen. Und dann: Will man einen königlich preußischen General von tadellos patrio⸗ tischer und monarchischer Gesinnung als Lügner hinstellen? — Für die Viehseuchen wird von agrarischer Seite stets das ausländische Vieh verantwortlich gemacht. Deswegen haben denn auch die Agrarter„im Interesse der Volksge⸗ sundheit“— nicht etwa zur Erzielung höherer Viehpreise— die Grenzsperre durchgesetzt. Aber trotz der Grenzsperre haben die Seuchen kanm abgenommen, wie man sich aus den Be⸗ kanntmachungen der Behörden überzeugen kann. Sogar Trichinose ist nicht selten, wie aus einer Mitteilung des hessischen Ministeriums an die Kreisämter hervorgeht. Darin wird ge⸗ sagt:„Vereinzelt werden fast alljährlich in den⸗ jenigen Städten, in welchen, wenn auch fakul⸗ tativ, die mikroskopische Fleischbeschau geübt wird, nicht allein in eingeführten, son⸗ dern auch in hier zu Lande gezüchteten und gemästeten Schweinen Trichinen aufgefunden. Es konnte deshalb auch nicht fehlen, daß Trichinose⸗ Erkrankungen be⸗ obachtet wurden, die zwar meist gutartig waren, deren letzte jedoch auch einen Todesfall herbei⸗ führte.“ Es wird dann weiter darauf hinge⸗ wiesen, daß man sich vor der Trichinosts nur schützen könne, wenn alle Schweinefleischstücke völlig gar gekocht oder durchgebraten seien, vor allen Dingen müsse aber entschieden vor dem Genusse vor rohem Schweinefleisch gewarnt werden. Diese amtliche Bekanntmachung ist wie⸗ der ein kleiner Beleg für die Unwahrhaftigkeit der agrarischen Agitation. — Dem Großherzog wird seine neuer⸗ liche Unterredung mit dem Genossen Ulrich auch von diversen hessischen Ordnungsblättern übel vermerkt. So von dem Heylsorgan in Worms und dem nationalliberalen Darmstädter „Tägl. Anzeiger“. Letzteres Drehscheiben⸗Organ belehrt den Großherzog über die umstürzlerische Scheusäligkeit der Sozialdemokratie und be⸗ sonders darüber, daß sie in erster Linte die „Abschaffung der Monarchie“ erstrebe. Ob das auf den Großherzog Eindruck machen und ihn veranlassen wird, sich künftig nur mit National⸗ liberalen unterhalten wird, dürfte einigermaßen zu bezweifeln sein. Eine Dummdreistigkeit uud Verlogenheit leistet sich aber das Darm⸗ städter Blatt mit der Behauptung, in unserer Partei würde die Unterhaltung agitatorisch ausgebeutet. Diese niedrige Verleumdung weist selbst die„Kl. Presse“— ein bürgerliches Blatt — fogendermaßen zurück: „Eine direkte Enstellung aber ist es, weun man behauptet, von den sozialdemokra⸗ tischen Kreisen würde die Unterhaltung mit dem Großherzog zu agitatorischen Zwecken — — — p p— T——T—T—T—TbT—T—T—T—T—T—CTCTT—T—T—T—T—T——————— Seite 4. Mitteldeutsche Sonntaas⸗Geitung. Nr. 15. ausgebeutet. Demtzwiderspricht schon die einfache Tatsache, daß der Land⸗ tagsabgeordnete Ulrich von dem Inhalt des Gesprächs, das ungefähr 20 Minuten währte, nicht das Geringste auch nur andeu⸗ tungsweise bekannt gibt.“ Es ist eben nichts zu dumm und zu verlogen, es muß den„Gutgesinnten“ zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie dienen. a — Dekorierter Volksvertreter. Dem ultramontanen Landtagsabg. Rechtsan⸗ walt Dr. Schmitt⸗Mainz ist der Philipps⸗ Orden J. Kl. verliehen worden. Welche beson⸗ deren Verdienste Herr Schmitt hat, wissen wir zwar nicht, indessen, er wird den Orden jeden⸗ falls verdienen. Es klingt aber fast wie Ironie, meint unser Mainzer Parteiblatt, daß man einem ultramontanen Volksvertreter ge⸗ rade diesen Orden aufgehängt hat, denn der Stifter desselben, Laudgraf Philipp„der Groß⸗ mütige“(1504—1576) war ein keineswegs nobler Herr, der die„Pfaffen“ sehr im Magen hatte und die Reformation in Hessen einführte. Gießelner Angelegenheiten. .— Stadtverordneter Eduard Ha⸗ nau, der seit etwa einem halben Jahre an einer Lungenkrankheit schwer darniederlag, ist am Ostersamstag seinem Leiden erlegen. In ihm fverliert die Stadt einen tüchtigen und ehrenwerten Bürger, der Verständnis für die Interessen des Gemeinwesens hatte und ihm in uneigennütziger Weise diente. Mit Offenheit und Ehrlichkeit vertrat er seine Ansichten in der städtischen Vertretung ohne Rücksicht darauf, welchen Erfolg er damit bei der Mehrheit hatte. Am zweiten Feiertage wurde er unter äußerst zahlreicher Beteiligung zu Grabe ge⸗ tragen. Bürgermeister Mecum legte im Namen der Stadt Gießen und der Stadtvertretung Kränze am Grabe nieder und gedachte in an⸗ erkennenden Worten der Tätigkeit des Ver⸗ storbenen. Auch die Ay beiterschaft hat Ursache, dem Verstorbenen, der auch lange Jahre im Vorstand der Ortskrankenkasse tätig war und großes, sozialpolitisches Verständnis zeigte, ein gutes Andenken zu bewahren. — Gießens Stadtvertretung hat seit der letzten Wahl bereits vier ihrer Mit⸗ glieder durch den Tod verloren und zwar die Stadtverordneten Grüneberg, Dr. Fuhr, Flett und Hanau. Für die letzteren drei müssen bei der in diesem Jahre vorzunehmen⸗ den Stadtverordnetenwahl Ersatzwahlen vorge⸗ nommen werden; das Mandat Grünebergs wäre in diesem Jahre abgelaufen. Außerdem haben folgende Stadträte in diesem Jahre aus⸗ zuscheiden: Faber, Georgi, Dr. Gutfleisch, aubach, Heichelheim, Jughardt, Kirch, Krumm, oos, Petri und Wallenfels. 1— Unser diesjähriges Kreisfest, welches nach Beschluß der letzten Kreiskonferenz in Steinberg stattfindet, ist auf den 19. Junt festgesetzt worden. An alle befreundeten Vereine ergeht die Mahnung, ihrersetts auf diesen Tag von festlichen Veranstaltungen Ab⸗ stand zu nehmen, damit eine große Beteiligung am Kreisfeste ermöglicht wird. — Die„Freie Turnerschaft“ Gießen unternahm am 2. Feiertage einen Ausflug nach Heuchelheim, um dort in Gemeinschaft mit den Heuchelheimer Turngenossen eine Vorturnerstunde abzuhalten. Diese fand bei Wirt Kinn unter großer Beteiligung auch der Heuchelheimer Turngenossen statt. Nach der Vorturnerstunde wurde noch eine gemütliche Sitzung abgehalten, worauf die Gießener Turner gegen 1 Uhr mittags mit dem Be⸗ wußtsein abmarschieren konnten, der Sache der Freien Turnerschaft wieder neue Freunde gewonnen zu haben. — Der jetzige Rektor der Uni⸗ versität, Professor der Mineralogie Dr. Brauns hat zum 1. Oktober den Ruf an die Universität Kiel angenommen. — Vom Gießener Braunsteinbergwerk wird uns im Auftrage mehrerer Arbeiter geschrieben: Den Arbeitern des Gießener Braunsteinbergwerkes wurde zu Ostern ein Ukas bescheert, dessen Schlußpassus fol⸗ endermaßen lautet:„Am Dienstag, den 5. April wird nicht gefeiert und finden Beurlaubungen an diesem Tage nicht statt. Wer ohne Urlaub fehlt, wird nach Artikel 45, Absatz 2 be straft.“ Zur Erläuterung sei folgendes bemerkt. Seit einigen Jahren wurde an keinem dritten Feiertage gearbeitet und die Leute waren auch — ganz gut damit einverstanden, hat doch ein Jeder an diesem Tage etwas Arbeit zu Hause, denn viele haben noch etwas Garten oder Ackerland, welches an diesem Tage bearbeitet wird. Auch empfindet man es als eine Wohltat, wenn man sich das ganze Jahr hindurch im Dienste des Kapitals für andere abplagen muß, wenn man dann einmal einige freie Tage genießt und nicht den Antreibereien seitens der Unterbeamten oder der Beobachtung durch das Fernglas aus der Wohnung des Direktors ausgesetzt ist. Wird nun von diesen Leuten mit dem Fernglas, deren ganze Arbeit im Genießen besteht, gesehen, daß ein Arbeiter seinen ge⸗ krümmten Rücken einmal streckt, so wird gleich mit Lohn⸗ abzug und Strafen gedroht. Wir Arbeiter fühlen uns durch oben angeführten Ukas und durch die unwürdige Behandlung unangenehm berührt und Jeder, der etwas Menschen würde in sich trägt, befindet sich in gerechter Erregung. An sonstigen Arbeitstagen wird Urlaub nach Bedarf erteilt, doch wird von jeder Urlaubsschicht 10 Pfg. Urlaubsgeld in Abzug gebracht, was man auch nicht als eine gerechte Einrichtung bezeichnen kann. In bezug auf die Lohnverhältnisse herrschen erbärmliche Zustände. Schwankt doch der Lohn für erwachsene im Tagebau beschäftigte Arbeiter zwischen 23 bis 29 Pfg. pro Stunde! Wir glauben nicht, daß es für diejenigen, die uns dieses Anerbieten machen, für Zigarren und Wein reichen würde. Angesichts dieser Zustände sollte es jeder Arbeiter als heilige Pflicht erkennen, Lauheit und Gleichgiltigkeit ab⸗ zuschütteln, und mit vereinten Kräften Besserung anzu⸗ streben. Wir fordern deshalb die Belegschaft des Werkes auf, sich einer Organisation anzuschließen, etwa dem Deutschen Bergarbeiter⸗Verbande, oder dem Ver band der Erd⸗ und Hilfsarbeiter. Denn nur durch festen Zu⸗ sammenschluß kann erreicht werden, was dem einzelnen unmöglich ist. „Volk der Arbeit aufgewacht und erkenne deine Macht, Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ — Zu der Lehrlingsprügelet, die wir vor Kurzem an einem Friseur am Lindenplatz zu tadeln hatten, schreibt uns Herr Balser, daß der betr. Lehr⸗ ling sich renitent gezeigt habe, weshalb er ihn„an die Luft gesetzt“ habe. Er bestreitet in seiner Zuschrift nicht, den Jungen geschlagen zu haben. Wir haben unserer damaligen Notiz nichts hinzuzufügen. — Die Musterungen in Gießen finden 15„Lonys Bierkeller“ an folgenden Tagen att: Dienstag, den 12. April, vormittags von 8 Uhr an: der Militärpflichtigen der Gemeinden Allen⸗ dorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten⸗Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Hattenrod und Mainzlar; Mittwoch, den 138. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Daubringen und der Stadt Gießen, Jahrgang 1902; Donnerstag, den 14. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen, Jahrgang 1903, sowie der Gemeinden Oppenrod und Reiskirchen; Freitag, den 15. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen von Buchstaben A des jüngsten Jahrgangs(19040; Samstag, den 16. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen von Buchstaben 82 des jüngsten Jahrgangs, der Gemeinden Groß⸗ buseck, Großen Linden und Trohe; Montag, den 18. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Heuchelheim, Klein⸗ Linden, Lollar und Ruttershausen; Dienstag, den 19. April, vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Rödgen, Staufen⸗ berg, Treis a. d. Lda. und Wieseck. Unsere jungen Freunde, welche die Muster⸗ ungen mitzumachen haben, ersuchen wir, sich von den dabei üblichen Saufereien fernzuhalten. Es ist ein geradezu widerliches Schauspiel, wenn die buntbebänderten Burschen johlend und lorkelnd durch die Straßen ziehen! — Kontrollversammlungen finden in Gießen an folgenden Tagen im Hofe der alten Ka⸗ serne statt: Am 15. April, vorm. 8 ½ Uhr für die Kon⸗ trollpflichtigen der G meinden: Annerod, Allendorf an d. Lahn, Altenbuseck, Beuern, Großenbuseck; nachmittags 2 Uhr Großenlinden, Kleinlinden, Heuchelheim. Am 16. April, vorm. 8 ½ Uhr für diejenigen der Gemeinden: Hausen, Langgöns, Leihgestern, Oppen⸗ rod, Rödgen, Trohe; nachmittags 2 Uhr Burkhards⸗ felden, Steinberg, Watzenborn, Wieseck. Aus dem Rreise gießen. — Der„verdienstvolle“ Volksvertreter Joutz will es sich mit seinen Verdiensten bei der Butz⸗ bach⸗Licher Bahn noch nicht genügen lassen. Er verlangt für Vorarbeiten für die geplante Bahnstrecke Lich⸗Grün⸗ berg 1500 Mk. von den beteiligten Gemeinden. Diese wollen aber nichts oder nur eine kleine Entschädigung bezahlen, womit sich Herr Joutz nicht zufrieden ggeben will. Möglicherweise gibt es also noch eine gerichtliche Joutz⸗Affaire. Verwunderlich ist nur, daß die Butzbacher Wähler dem Geschäftelhuber nicht schon längst den Stuhl vor die Türe gesetzt haben. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Gemaßregelt. Der Fuhrunternehmer Völk in Wetzlar hat zweien seiner Arbeiter, von denen der eine 5 Jahre, der andere 2 Jahre bei ihm beschäftigt waren, plötzlich ge⸗ kündigt. Warum? Weil sich die beiden dem Transport⸗Arbeiter⸗Verbande angeschlossen hat ten. Herr Völk scheint also von Organisation nichts wissen zu wollen. Wenigstens von einer solchen der Arbeiter nicht, deren Mitglieder er als„Ketzer“ bezeichnete. Für die Unterneh⸗ merorganisation besitzt er offenbar mehr Ver⸗ ständnis, denn er gehört selbst dem Internatio⸗ nalen Möbeltransport⸗Verbande an. Wir woll⸗ ten mal hören, was er demjenigen sagen würde, der ihm etwa wegen Zugehörigkeit zu diesem Unternehmerverbande Vorhalt machen würde. Hat er etwa die beiden Arbeiter um ihretwillen, aus besonderer Gnade beschäftigt? Die Leute haben ihr Brot sauer genug verdienen müssen; für ihre 3 Mk. pro Tag mußten sie oft bei Um⸗ zügen 3 Uhr morgens antreten und kamen erst 11 oder 12 Uhr nachts von der Arbeit nach Hause ohne Extravergütung für die Ueber⸗ stunden! Herr Völk ist allerdings dabei ein sehr vermögender Mann geworden. Die Arbeiter müssen aber aus diesem Falle lernen. Sie müssen sich alle der Orgauisation anschließen, dann kann das Unternehmertum nicht so will⸗ kürlich mit ihnen umspringen. h. Eingestrenger Herr war Platzmeister Rademacher in der Sophienhütte. Seine Art, Arbeiter zu behandeln, gab oft zu Klagen von Seiten der letzteren Anlaß, die auch schon in unserm Blatte Ausdruck fanden. Jetzt ist er nun plötzlich entlassen worden, aus welchem Grunde ist uns nicht bekannt. Man zahlte ihm aber, wie das bei Beamten üblich ist, ein Vier⸗ teljahrsgehalt als Entschädigung aus, ein Ent⸗ gegenkommen, dessen sich kein Arbetter zu er⸗ freuen hat. Gestrenge Herrn regieren nicht lange, sagt das Sprichwort, in diesem Falle war's aber schon viel zu lange. *„Nordstern“ nennt sich ein„Kranken⸗ und Arbeitslosen⸗Versicherungs⸗Verein“, der seinen Sitz in Bochum hat. Das Unternehmen sucht im Wetzl. Anz. Vertreter gegen„hohe Provision“. Wir raten zur Vorsicht. * Für Gemeindepyertreter in Preußen ist es oft nicht leicht, die Interessen ihrer Wähler und Gemeindeangehörigen wahrzu⸗ nehmen, weil die Bürgermeistereien ihnen manch⸗ mal, wenn nicht aktiven so doch passiven Wider⸗ stand entgegensetzen. In Krofdorf kam es in letzter Zeit mehrfach vor, das ordnungsgemäß gestellte Anträge in der Sitzung nicht vorgelegt wurden und somit nicht zur Verhandlung gelangten. Bei der Feldbereinigung hatte man auch die e des Gießener Weges oberhalb der Seemühle ins Auge gefaßt, eine Sache, bei der die ganze Gemeinde interesstert ist und deren Ausführung allgemein gewünscht wird. Aber obgleich mehrere Gemeindevertreter einen diesbezüglichen Antrag gestellt hatten, erschten er nicht auf der Tagesordnung. Der sparsame Vorsteher kann sich der Kosten wegen nicht für das Projekt erwärmen. Für die Wähler und Gemeindemitglieder ist es not⸗ wendig, daß sie von der Sachlage unterrichtet werden, damit sie ihren Vertretern gegen gewisse Einflüsse den Rücken steifen, wenn es gilt, das Gemeininteresse wahrzunehmen. — Kontroll⸗Versammlungen finden statt in Wetzlar, Schützengarten, 11. April 8 Uhr 30 vormittags nur für Ersatzreserve von Wetzlar⸗ Niedergirmes. Aßlar, Bahnhof, 11. April 1 Uhr 15 nachm. für Aßlar, Berghausen, Blasbach, Klein⸗ Altenstädten, Werdorf. Wetzlar, Schützengarten, 12. April 9 Uhr von Wetzlar⸗Niedergirmes. 12. April 2 Uhr nachmittags für Landwehr von Wetzlar⸗Niedergirmes, Oberndorf, Ausgang nach vormittags für Ersatzreserve Wetzlar, 13. April 12 Uhr 45 nachmittags für Albs⸗ hausen, Bonbaden, Braunfels, Burgsolms, Oberndorf. Wißmar, am Bahnhof,— Wirtschaft Brück — 15. April 11 Uhr 30 vormittags für Ersatz⸗ reserve von Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Oden⸗ Wetzlar, Schützengarten, Nr, 10 — alen, b an Bal 50 fach Glüberg, Vöberg, ul 9 dulenhof sels, Alendors Slockhaus Als 1 ö errang k. Rehe Thon der bill aubele — aral gen, die Aus 77 ut: Hesse hier an summlunt Mitliede Fraunlfut und Allen Delegiertt gehmatza lungen( Walen d des Gau dem Naur und jetzt Geschäfte Frankfurt mußte d walters spondent ut jähr. wurde di Lo senell ult Verls beschlosse höhung! gegen wu und Wal Tarifb Aussprac 11 0 cborstehe Veshränt Mucke, führung duuterge die Best. 5.0 — I acer l mer iter, 1 12 ge⸗ dem hat⸗ tion iner eber eh⸗ Ver⸗ atlo⸗ voll⸗ irde, em irde. len, eule sen; Um⸗ erst nach cher. ein eiter Sie chen, will⸗ iter Att, Von n in st er chem ihm Bier Ent⸗ l er⸗ licht. 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Grimm in der dritten Klasse gewählt. Hoffentlich folgen bald andere Gemeinden diesem Beispiele. Die Gewählten — daran zweifeln wir nicht— werden jederzeit bemüht sein, die Interessen der Minderbemittelten wahrzunehmen. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. * Buchdrucker⸗Gautag. Der Gau Frank⸗ furt⸗Hessen des deutschen Buchdrucker⸗Verbandes hielt hier an den beiden Osterfeiertagen seine 13. Gauver⸗ sammlung im Hildemann'schen Lokale ab. Die fünf Mitglieder des Gauvorstandes und 43 Delegierte aus Frankfurt, Offenbach, Gießen, Fulda, Nauheim, Kassel und Allendorf waren anwesend; mit den drei Marburger Delegierten übertraf der diesjährige Gautag die Teil⸗ nehmerzahl der früheren ganz bedeutend. Die Vechand⸗ lungen boten denn auch ein erfreuliches Bild über das Die Mitgliederzahl des Gaues ist in fortwährendem Steigen begriffen, nach dem Neunstundenkampfe 1891/92 fiel dieselbe unter 400 und jetzt nach 12 Jahren beträgt sie 1640, Die Geschäfte des Gaues können namentlich im Vororte Frankfurt nicht mehr im Nebenamt versehen werden und es mußte deshalb zur Anstellung eines besoldeten Gauver⸗ walters geschritten werden. Die Stelle soll im„Korre⸗ spondent“ für Mitglieder des Gaues ausgeschrieben und mit jährlich 2000 M. Gehalt dotiert werden. Ferner wurde die Erhöbung des Gauzuschusses zur Arbeits⸗ losen⸗Unterstützung von 25 auf 50 Pfga pro Tag mit Verlängerung der Karenzzeit von 26 auf 52 Wochen beschlossen. Diese beiden Beschlüsse machten eine Er⸗ höhung des Gaubeitrages um 5 Pfg. notwendig. Da⸗ gegen wurde die obligatorische Einführung der Witwen⸗ und Waisenkasse abgelehnt. Eine Besprechung über die Tarifverhältnisse im Gau zeitigt eine lebhafte Aussprache, wobei einzelne Frankfurter Delegierte das Wirken des Gehilfenvertreters kritisterten. Für die bevorstehende Sitzung des Tarifausschusses wurde eine Beschränkung der Lehrlingsskala, besonders der für Drucker, gefordert, da durch die fortschreitende Ein⸗ führung von Setzmaschinen die Arbeitslosigkeit im Buch⸗ druckergewerbe immer bedenklicher werde. Weiter sollen die Bestimmungen des§ 616 des B. G. B. im Tarife einer Verbesserung unterzogen werden. Die übrigen Punkte der Tagesordnung fanden fast durchgängig eine glatte Erledigung. Das Gesamtbild der Verhandlungen zeigte von einer Kraft und Geschlossenheit, wie man sie bei der Einigkeit und Solidarität der Buchdrucker⸗Or⸗ ganisation gewöhnt ist und die mit Recht als vorbildlich für andere Arbeiter hingestellt werden kann.— Die innerhalb des Gaues bestehende Witwen⸗ und Waisen⸗ kasse hielt am zweiten Feiertage ihre Generalversamm⸗ lung ab.— Nach dem Vorbild anderer Gaue hatten die Maschinensetzer eine Gau⸗Vereinigung erstrebt und veranstalteten am zweiten Feiertage eine Zusammenkunft, die von Maschinensetzern aus Franlfurt, Kassel, Gießen und Marburg besucht war, und die Gründung einer Gau⸗Vereinigung vornahm, welche die Interessen der Maschinensetzer in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht wahrnehmen soll. Die durch die moderne Technik geför⸗ derte Einführung der Setzmaschinen und dadurch bedingte Verdrängung der Handsetzer ist auch der Buchdruckerver⸗ band nicht im Stande zu verhindern. Recht vernünftig ist es daher, wenn die Organisation beizeiten Einfluß auf die neuen Produktionsverhältnisse zu gewinnen sucht, um auf solche Weise die stärkere Einführung des Maschinen⸗ betriebes nicht in dem Maße fühlbar zu machen, wie es leider vielfach in anderen Gewerben der Fall ist.— Für die gesellige Unterhaltung der auswärtigen Gäste hatte der Bezirksverein in bester Weise gesorgt. Die Besichtigung der Aula der Universität mit ihren großen Wandgemälden fand am ersten Tage statt und am zweiten Tage früh ein Spaziergang nach Spiegelslust sowie nachmittags ein solcher nach dem Schloß und Stadtpark. Den Glanzpunkt der Veranstaltungen bildete jedoch der am ersten Feiertage im Schloßgarten abge⸗ haltene Kommers. Hier entwickelte sich bald allge⸗ meine, wirklich kollegialische Fröhlichkeit, wie man sie bei den Buchdruckern und namentlich auch bei den Mar⸗ burgern oft beobachten kann und die mit dazu beiträgt, den Zusammenhalt unter den Angehörigen des Verbandes Lebhafte Begeisterung weckten die Reden des Bezirksvorfitzenden Weber, des Ganvorstehers Dominé, des Gießener Delegierten Keßler und des Reichstagsabgeordneten Scheide mann, der früher in Marburg als Bezirks vorsitzender des Ver⸗ bandes tätig war. Durch gemeinsame Lieder und Gesangvorträge des Arbeiter⸗Gesangvereins„Ein⸗ tracht“, welche unter der neuen Leitung mit guter Präzision in bester Weise zur Geltung kommen, sowie mehrere ko mische Vorträge wurde den Teilnehmern ein genußreicher Abend bereitet, sodaß auch die dem Gesang⸗ verein angehörigen Nichtbuchdrucker und die Delegierten der Gewerkschaftskommission, welche fast vollzählig der Einladung gefolgt waren, sich im Kreise der Buchdrucker recht wohl fühlten und wohl alle Teilnehmer mit Befrie⸗ digung an den Marburger Gautag der Buchdrucker zu⸗ rück denken. Erwähnt soll noch werden, daß auch mehrere Vertreter anderer Gewerkschaften den Verhand⸗ lungen des Gautages als Zuhörer beiwohnten und sich dadurch einen Einblick in das Wirken des Buchdrucker⸗ verbandes verschaffen konnten. Zentrums kaplan Das bach, Reichstagsabgeordneter für Daun⸗Bitburg und Gründer vieler katholischer Zeitungen, wobei er sich als geriebener Geschäftsmann erwies, hatte vorige Woche als Zeuge in einem Erpressungs⸗ prozeß vor der Strafkammer in Köln auf⸗ zutreten. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Ein Kellner Pohl wird des Erpressungsversuchs an dem Kaplan Dasbach beschuldigt. Der Angeklagte verlangte von diesem 100 Mark, wenn er von Gerüchten, die über Dasbach verbreitet waren und von widernatürlicher Unzucht handelten, schweigen solle. Diese Gerüchte wurden als nicht erwiesen angesehen und der bereits wegen Erpressung vorbestrafte Angeklagte zu neun Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrver⸗ lust verurteilt. Ein sozialistischer Konsumverein soll nach den Meldungen bürgerlicher Blätter in Posen in Konkurs geraten sein. Das ist unrichtig; sozialistische Konsumvereine gibt es nicht und darf es nach dem Gesetz nicht geben. Das Genossenschaftsgesetz verbietet den Genossenschaften politische Betätigung. Ein Bombenattentat wurde am Donnerstag in Barcelona gegen den König von Spanien verübt, der sich gegenwär⸗ tig dort aufhält. Es wurden zwei Gendarmen verwundet. In Barcelona und Umgebung ist 1 Bevölkerung in der Mehrheit republikanisch gesiunt. Klerikaler Durchbrenner. In Lille(Frankreich) ruft eine große Schwindelaffäre in klerikalen Kreisen un⸗ liebsames Aufsehen hervor. Angeklagt ist ein gewisser Bourget de Travanet, Direktor der Stiftungen für die Verbreitung der Frömmig⸗ keit, der Heiligen Familie und des Heiligen Antonius von Padua; er ist nach Einsackung von nicht weniger als sieben Millionen Francs Subskriptionsgeldern verschwunden. Aufgeklärter Kaplan. Ein Priester, der sich weigert, auf dem Totenbett den„Trost der Kirche“ anzunehmen, dürfte denn doch zu den Seltenheiten gehören! Kürzlich starb in Lukka(in Italten), im Alter von 76 Jahren, der Priester Triglia, der sich weigerte, die Sterbesakramente zu nehmen! In seinem Testament fand man die Bestimmung, daß er sich jede kirchliche Handlung bei seiner Beerdigung verbitte.— Kleine Mitteilungen. l Von einem Mammut⸗Fund bei Bü⸗ dingen berichtete die„Frankfurter Ztg.“ Danach fand man bei der Feldbereinigung in Diebach Ueberreste eines solchen vorsintflutlichen Tieres, worauf weitere Ausgrabungen unter Leitung des Universitätsprofessors Dr. Brauns⸗Gießen vorgenommen wurden. Dabei för⸗ derte man einen mächtigen Stoßzahn von fast 2 Meter Länge und 20 Ctm, Stärke, ferner einige Backen⸗ zähne, von denen der größere beinahe 11 Pfund wiegt, sowie mehrere Rippen und Schenkelknochen zu Tage. * Ein„Erstklassiger“ als Zuhälter. Von dem Berliner Landgericht ist der Student von der Technischen Hochschule Max Lukas von Er au ach wegen Zuhälterei zu 6 Monaten und 3 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Der Erstklassige hat sich von zwei Mäd⸗ chen, die gewerbsmäßig einen unsittlichen Lebenswandel führten, aushalten lassen. Außerdem war er wegen Be⸗ tru ges unter Anklage gestellt worden. * Zuvkel Religton. Bei einer Misstons⸗ predigt in der Kirche Sankt Daniel bei Prävalt in Kärnten wurden vier Frauen von religiösem Wahn⸗ sin nu befallen. * Eine große Feuersbrunst legte am Mittwoch in dem Dorfe Possessern, das zwischen Lötzen und Angerburg in Ostpreußen gelegen ist, fünfzehn Gehöfte mit fünfzig Gebäuden, darunter 25 Wohnhäuser in Asche. Ein Mann und drei Kinder verbrannten, ebenso viel Vieh. n In Oberlahnstein a. Rh, wurde ein Vremser verhaftet, dem Sittlichkeitsverbrechen an Kin⸗ dern zur Last gelegt werden. Partei-Nachrichten. Maizeitung. Wie alljährlich, so erscheint auch in diesem Jahre eine reich il lustrierte Maifest⸗ Zeitung im Verlage der Buchhandlung„Vorwärts.“ Auf dem Titelbilde begrüßt der Arbeiter den neu heran⸗ brechenden Tag des Sozialismus. Das Mittelbild ist von Walter Crane gezeichnet. Auf die Bitte um einen Beitrag hat Walter Crane geantwortet, daß er mit Freuden bereit sei, ein Bild zu zeichnen,„das die Idee des Sieges des Sozialismus verkör⸗ pern wird,“ Und dieses Bild bieten wir den deutschen Arbeitern dar. Die letzte Seite des Kunstblattes ziert eine Umrahmung von Käthe Kollwitz. Die Künstlerin hat die Sehnsucht des Alters nach den Früchten des Soziallsmus dargestellt, die zu pflücken der Jugend vorbehalten ist. Die textlichen Beiträge weisen auf die Bedeutung der Maifeier für die politische und gewerk⸗ schaftliche Organisation der Arbeiterklasse hin. Preis: 10 Pfg., bei Partiebezug Rabatt. Tag esorduung des Internationalen Arbeiterkongresses in Amsterdam. Das internationale sozialistische Komité ladet soeben alle sozialistischen und gewerkschaftlichen Vereinigungen zu dem vom 14.— 20. August in Amsterdam statt⸗ findenden Internationalen Kongreß ein. Aus der bekannt⸗ gegebenen Tagesordnung seien folgende Punkte erwähnt: Bericht des Sekretariats; Berichte der Nationen; Inter⸗ nationale Regeln der sozialistischen Politik; Kolonial⸗ politik; Auswanderung und Einwanderung; Generalstreik; Sozialpolitik und Arbeiterversicherung; Der Achstundentag; Trusts und Arbeitslosigkeit; Schutzzoll und Freihandel; Militarismus; Der Klerikalismus und die Schulen; Gewerkschaftsbewegung und Politik; Internationale Pe Arbeiterwohnungen; Internationale Soli⸗ arität. Zum Parteisekretär in Frankfurt wurde der Genosse Wilh. Dittmann, bisher Redakteur des Parteiblattes in Solingen gewählt. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 9. April. Gießen. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr sammlung bei Heinrich Keller. Sonntag, den 10. April. Gammelsbach i. O. Oeffentliche Versam m⸗ lung nachmittags 3¼ Uhr im Vereinslokal. T.⸗O.: 1.„Die agrarische Gefahr.“ Ref.: Klein⸗ Ebersberg. 2. Die Maifeier. Montag, den 11. April. Gießen. Schneiderverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 13. April. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr. Sitzung bei Orbig. Briefkasten. W.-Cölbe. Das nach Ihrer Ansicht reizende Gedicht ist weder der Form noch dem Inhalt nach zur Aufnahme geeignet. Wollten wir die Reichen an— dichten, von ihren Schätzen abzugeben, so wäre das eine würdelose Bettelei und würde auf die Besitzenden gar keinen Eindruck machen. Wir verlangen nicht Wohl⸗ taten, sondern Recht! Es stimmt auch nicht, wenn Sie sagen, daß die Natur den Reichen Güter geliehen habe. Das ist der gar nicht eingekallen. Vielmehr haben, wie alle gutgesinnten Preßorgane glaubwürdig versichern, die Reichen ihren Besitz durch Fleiß und Sparsamkeit erworben. Hoffentlich revidieren Sie Ihre Ansicht dahin.— Warum schlagen Sie Ihre wertvolle Zeit mit Reimereien tot? Ver⸗ — —— — Seite 6. Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung. —.—...———.—6—ßP—— 3 2————ê——.—.— Sozialdemokratie u. Moral. Es giebt eine Menge öder Schwätzer, be⸗ sonders in den sogenannten christlichen Parteien, welche fortgesetzt die himmlischen Heerscharen und die Satansbrut der Hölle im Munde füh⸗ ren und dabei über den sündhaften Matertalis⸗ mus wettern, dem die Sozialdemokratie ver⸗ fallen sei. Es tut nichts, daß diese Leutchen in Wirklichkeit sich selbst durch ihre Hab⸗ sucht, ihre Jagd nach Profit und Genuß als die ärgsten Materialisten kennzeichnen— sie reden sich und andern vor, daß sie mit ihrer Weltanschauung der Inbegriff höchster Moral seien, und daß die Sozialdemokratie alle Moral vernichten werde. Gebildete und denkende Menschen halten sich zu schade, solch albernes Geschwätz nachzu⸗ äffen oder anzuhören. Sie wissen, daß die wissenschaftlichen Betrachtungen des sozialen Lebens im letzten Grunde immer auf die gesetz⸗ mäßige Erforschung der wirtschaftlichen Erscheinungen zurückkommen müssen. Sie wissen ferner, daß die materialistische Geschichts⸗ auffassung der Sozialdemokratie nichts, gar⸗ nichts zu tun hat mit dem sinnlichen, dem moralischen Materialismus, gegen den ein phart⸗ säerhaftes Christentum Sturm läuft. Das geben auch bürgerliche Gelehrte zu, welche die materialistische Geschichtsauffassung nicht in allem als richtig anerkennen. So Professor Stammler, ein Gegner Jer Sozialdemokratie. Er gesteht zu, daß die Ge⸗ schichtsauffassung der Sozialdemokratie das Aufkommen idealer Ziele durchaus nicht ausschließe, und er nimmt mit uns an, daß die menschlichen Vorstellungen von Gut und Böse nichts Selbständiges sind, sondern als Folge bestimmter wirtschaftlicher Zusammen⸗ hänge, das sind die materiellen Fragen, womit wires zu tun haben. Der sittliche, religtöse, rechtliche Ueberbau der Gesellschaft erscheint den Sozialisten als eine Folgerung der wirtschaftlichen Tatsachenreihen. Alle bisherige Geschichte war, wie Engels aus⸗ führt, die Geschichte von Klassenkämpfen. Die einander bekämpfenden Klassen der Gesellschaft sind jedesmal Erzeugnisse der Produktions⸗ und Verkehrsverhältnisse, mit einem Worte der ökonomischen Verhältnisse ihrer Epoche. Die Sozialdemokratie ist der Ueberzeugung, daß die vor unsern Augen sich vollziehende Auf⸗ saugung von Klein- und Mittelbetrieb durch Groß- und Riesenbetrieb zur Verdrängung der heuigen Warenproduktion führen muß. Die Ablösung kann nur eine gemeinschaftliche Wirt⸗ schaftsmethode sein. Deshalb legt aber nicht die Sozialdemokratie die Hände in den Schoß, abwartend, wie die wirtschaftlichen Kräfte unser Endziel vorbereiten. Nein, wir arbeiten stetig, um die Arbeiterklasse körperlich kräftig zu er⸗ halten, geistig zu heben, politisch zu schulen und auch moralisch zu bessern. Es war ein Libe⸗ raler,— Bodenstedt— der das Wort nieder— schrieb,„die Politik verdirbt den Charakter“; wir lehnen es ab, daß auf unsere Partei dieser Vorwurf bezogen werde. Im Ganzen wirkt gerade die Politik der Sozialdemokratie mora⸗ Iisch hebend, sie hat die Massen aus dumpfem Schlafe geweckt, den Proletarier erst zum denkenden undstrebenden Staats⸗ 1 gemacht und seinen kritischen Geist erweckt. Die Sozialdemokratie strebe nach der Macht und deshalb behaupten die Gegner, sei die Partei rücksichtslos in der Wahl ihrer Mittel, frei von jeder moralischen Absicht. Selbst wenn dies wahr wäre, was ja nicht der Fall, son⸗ dern nur ein Trugschluß ist, so müßte gefragt werden, was die anderen, die bürgerlichen Par⸗ teien zur Hebung der Moral ihrer Anhänger tun. Wir können ruhig behaupten, daß keine Partei mehr für die moralische Hebung ihrer Anhäager tut, als die Sozialdemokratie. In dem interessanten Buche des russischen Professors A. A. Issaieff,„Der Sozialismus und das öffentliche Leben“(Stuttgart 1901, Verlag von J. H. W. Dietz Nachfolger), findet sich ein Abschnitt über Sozialismus und Sitt⸗ lichkeit. Er bezeichnet— Ausnahmen natürlich zugestanden— die Art, wie die Sozialisten Sozialdemokratie ihre Meinung zum Ausdruck bringen, als eine maßvolle und sachgemäße. Die sozialistische Presse fordere oft die Arbeiter auf, kaltblütig und vernünftig zu bleiben, nicht die geringste Gewalttätigkeit zu begehen, bloß gesetzliche Mittel in Anwendung zu bringen, sich aller leidenschaftlichen Ausbrüche zu enthalten, die ihnen nur schädlich und gefährlich werden könn⸗ ten. Der Sozialismus, führt der russische Ge⸗ lehrte weiter aus, erzieht seine Anhänger zu einer außerordentlichen, fast beispiellosen Ar⸗ beitsfreudigkeit. Die Sozialisten beschäf⸗ tigten sich eingehend mit den Ursachen, welche die Ausbreitung der Trunksucht begünstigen und arbeiten stetig darauf hin, die Laster ein⸗ zuschränken. Häufig begegnet man Arbeitern, die unter dem Einfluß des Sozialismus völlig eine Wiedergeburt erlebt haben. Durch den gewaltigen Einfluß, den die Sozialdemokratie auf ihre Anhänger ausübt, entwickelt ste in ihnen eine bis zur Selbstaufopferung gehende Begeisterung für die gemeinsame Sache und eine ungewöhnliche Ausdauer in der Verfolg⸗ ung der angestrebten Ziele. Ueberall, wo die Sozialdemokraten bereits Einfluß gewonnen haben, stehen der Partei zahlreiche Kräfte zur Verfügung, die bereit sind, der gemeinsamen Sache zu dienen. Weist man den Anhänger der Sozialdemokratie auf die Mühen hin, mit denen die Propaganda ihrer Ideen verbunden ist, dann hört man, wie Professor Issateff fest⸗ stellt, die Antwort:„Was schadet es, wenn ich dabei leide, meine Persönlichkeit hat wenig Be⸗ deutung; wichtig ist nur die große Sache, der wir dienen.“ In der Nationalitätenfrage hat die Sozialdemokratie stets den Chauvinismus und die unlauteren Mittel bekämpft, mit denen er die fremden Nationalitäten bekriegt; für jeden Unschuldigen, dem die heute herrschenden Ge⸗ walten Unrecht tun, ist die Sozialdemokratie eingetreten. Die Sozialdemokratie hat erst bei Millionen Enterbten ein Gefühl für menschliche Würde erweckt, sie hat mehr für die Heb⸗ ung der Frau getan, als die Frauenrechtler aller Zeiten zusammen. Die Sozialdemokratie hat den Bildungsdurst in die Masse getragen, ste hat das Bedürfnis nach Erholung in Bah⸗ nen gelenkt, die den minderbemittelten Volks⸗ schichten bisher unbekannt waren. Das Wort Schiller's„Alle Menschen gleich geboren, sind ein adliges Geschlecht“, sucht erst die Sozialdemokratie zur Wahrheit zu machen. Sie kämpft dafür, daß jeder Arbeiter das Ge⸗ fühl der Gleichberechtigung in der Brust trage, sie bekämpft die Unterwürfigkeit vor denen, welche sich durch ihre Geburt, Stellung oder wegen ihres Kapitalbesitzes aufblähen. Die 5 bekämpft die Kriege, sie ist die wahrste, ja die einzige Friedens⸗ partei, sie arbeitet damit in hochstttlicher Weise für die Erhaltung und für die Interessen der gesamten Menschheit, sie bekämpft die natio⸗ nalen Vorurteile, die staatlichen Organisations⸗ formen, welche oft den Anlaß zu Kriegen ge⸗ geben haben, sie ist die Trägerin des hohen Gedankens der Internationalität, sie macht sie zur felsenfesten Tatsache durch die Solidarität welche sie werktätig übt. Issaieff schließt seine Betrachtungen folgen⸗ dermaßen:„Je aufmerksamer wir den Einfluß des Sozialismus auf die ihn umgebenden Ver⸗ hältnisse beobachten, desto mehr überzeugen wir uns von der Abgeschmacktheit des Vorwurfes, daß der Sozialismus die Sittenlosigkeit fördere. Vielmehr bildet sich unter seinem Einfluß all⸗ mählich eine höhere Sittlichkeit heraus.“ Die Sitt⸗ lichkeit der Arbeiter, sagt der italienische Sozia⸗ list Croce richtig, ist eine Errungenschaft des politischen Kampfes. Um diese sich von Grund auf Grund neu gestaltende Sittlichkeit zu be⸗ greifen, muß man sich vergegenwärtigen, was diese Arbeiter sind, die sich in Gewerkschaften und Vereine zusammentun, die ihre eigenen Zeitungen lesen, die die Tätigkeit ihrer Abge⸗ ordneten kritisieren und die Beschlüsse ihrer Kongresse sanktionieren. In dieser ihrer mannig⸗ fachen Betätigung erlangen die Arbeiter ihre sittliche Erziehung. r 122 E 7 b Anterhaltungs-Ceil. ——ů Die Sühne. Von Guy de Maupassant. Der Kirchhof, voller Offtziere, sah aus wie ein blühendes Feld. Man hatte soeben die Frau des Obersten Limousin begraben. Sie war vor zwei Tagen beim Baden ertrunken. Der Oberst war fast ein Greis, groß, ma⸗ ger, mit weißem Schnurrbart. Vor drei Jah⸗ ren hatte er die Tochter eines Kameraden ge⸗ heiratet, die durch den Tod ihres Vaters, des Oberst Sortis, Waise geworden. Der Rittmeister und Leutnant, auf die sich ihr Kommandeur stützte, versuchten ihn fortzu⸗ führen. Er widerstand, Tränen in den Augen, die er voll militärischer Haltung nicht fließen ließ, und flüsterte leise: „Nein, nein. Noch einen Augenblick.“ Er wollte durchaus dableiben, mit brechenden Knieen, am Rand der Grube, die ihm grundlos erschien, ein Abgrund, in den sein Herz und sein Leben versenkt lag, Alles, was ihm auf Erden ver⸗ blieben war. Plötzlich trat General Ormont heran, nahm den Oberst beim Arm und schleppte ihn fast mit Gewalt fort: „Vorwärts, vorwärts, alter Kamerad! Sie können nicht hier bleiben.“ Der Oberst gehorchte und kehrte heim. Als er die Tür seines Zimmers öffnete, sah er einen Brief auf dem Schreibtisch liegen. Er nahm ihn und wäre vor Ueberraschung und Bewegung beinahe zusammengebrochen, denn er hatte die Schrift seiner Frau erkannt, dabei war der Brief vom gleichen Tag gestempelt. Er riß das Kouvert auf und las: „Vater! Erlaube mir, Dich noch Vater zu nennen wie früher. Wenn Du diesen Brief er⸗ hälst, bin ich tot und begraben. Vielleicht kannst Du mir dann vergeben. Ich will nicht versuchen, Dich weich zu stimmen, noch meinen Fehler zu entschuldigen. Ich will nur mit der ganzen Offenheit einer Frau, die in einer Stunde in den Tod geht, Dir die ganze volle Wahrheit sagen. Als Du mich aus Großmut. geheiratet hattest, hatte ich mich Dir in Dank⸗ barkeit geweiht und Dich mit der ganzen Em⸗ pfindung meines Mädchenherzens geliebt. Ich liebte Dich so, wie ich Papa liebte, beinahe eben so sehr. Und eines Tages, als ich auf Deinen Knieen saß und Du mich küßtest, habe ich Dich, ohne es zu wollen, Vater genannt. Es war ein instinktiver, plötzlicher Ruf aus innerstem Herzen, Du warst wirklich für mich, wie ein Vater. Du lachtest und sagtest zu mir: „Nenne mich immer so, Kindchen, das macht mir Spaß“. Wir sind in diese Stadt gekommen, und verzeih Vater, ich verliebte mich. O, ich habe lange, beinah zwei Jahre lang, wider⸗ standen. Deine Augen lesen richtig: fast zwei Jahre lang. Aber dann bin ich unterlegen, schuldig geworden, ward eine verlorene Frau. „Und er? Du wirrst nicht erraten, wer es ist. Ich bin ganz beruhigt darüber, denn ein Dutzend Offiziere, die Du meine zwölf Tra⸗ banten nanntest, waren immer um mich und mit mir. Vater, suche ihn nicht ausfindig zu machen und hasse ihn nicht. Er hat das ge⸗ tan, was irgend ein anderer an seiner Stelle auch getan haben würde. Und dann bin ich gewiß, daß er mich aus tiefster Seele liebte. Aber nun höre mich an. Eines Tages hatten wir ein Stelldichein auf der Schnepfeninsel, weißt Du, die kleine Insel unterhalb der Mühle. Ich sollte hinüberschwimmen und er wollte mich im Gebüsch erwarten. Und dann wollte er bis zum Abend dort bleiben, daß man ihn nicht zurückkommen sähe. ihm zusammengetroffen, als sich die Zweige auseinanderbogen und wir Philipp sahen, Dei⸗ nen Burschen, der uns überrascht hatte. Ich fühlte, wir waren verloren, und er schrie laut:; ch war eben mit beluhig Welche wir eh wenn tiefer. Ich ga ich mi sem K suche! — daf sehen indem N eulen, schien, Leben i ber⸗ nahm hn fast ) Sie . fnete, liegen. 10 Und enn er dabei belt. ner zu ef e⸗ sllecht nicht Nr. 15. Mitteldeutsche Sonutags⸗geitung Seite 7. „Schwimm langsam wieder zurück, meine Liebe, und laß mich mit diesem Manne allein.“ Ich schwamm fort, erschrocken, daß ich beinah das Ufer nicht wieder erreicht hätte, und bin dann heimgekehrt in der Erwartung, es würde etwas Furchtbares eintreten. 8 i „Eine Stunde fpäter sagte mir Philipp leise im Korridor vor dem Salon, wo ich ihn getroffen:„Gnädige Frau, ich stehe zu Ihrer Verfügung, wenn gnädige Frau etwa einen Brief zu besorgen haben.“ Da begriff ich, daß er sich verkauft hatte und mein Freund Käufer war. Und ich habe ihm Briefe zum Besorgen egeben,— alle meine Briefe. Er trug sie fort und brachte die Antwort zurück. Zwei Monate lang ging das so. Wir vertrauten ihm, genau wie Du auch ihm vertrautest. „Und nun, Vater, höre was geschah. Eines Tages traf ich auf derselben Insel, wohin ich beim Baden geschwommen, aber diesmal ganz allein, Deinen Burschen. Der Mann hatte mir aufgelauert und sagte, er würde Dir alles 1 55 und Dir Briefe übergeben, die er zu⸗ rückbehalten, die er unterschlagen, wenn ich ihm nicht zu Willen wäre. O Vater! Vater! Da ergriff mich die Furcht, eine feige Furcht, eine empörende Furcht, vor allen Dingen vor Dir, der Du so gut bist,— den ich betrogen. Dann Furcht für ihn, denn Du hättest ihn getötet. Furcht— auch vielleicht für mich. Ach Gott, ich weiß nicht was, ich hatte den Verstand ver⸗ loren. Ich meinte, ich würde ihn noch einmal beruhigen, diesen Elenden, der mich auch liebte. Welche Schmach! „Wir sind so schwach, wir Frauen, daß wir eher den Kopf verlieren als ihr. Und dann, wenn man einmal gefallen ist, fällt man immer tiefer. Ich weiß kaum, was ich getan habe. Ich sah nur ein, Einer von Euch Beiden und ich mußten sterben. Und da habe ich mich die⸗ sem Kerl hingegeben. Du siehst, Vater, ich suche mich nicht zu entschuldigen. Dann, dann — dann ist eingetreten, was ich hätte vorher⸗ sehen müssen: er forderte, wann er nur wollte, indem er mich immer wieder bedrohte. Und auch er wurde mein Geliebter wie der Andere — alle Tage. Ist das nicht fürchterlich? Ist das nicht grausig, Vater! „Da habe ich mir gesagt, ich muß sterben. Nichts hätte mich reingewaschen, ich hatte mich zu sehr beschmutzt. Ich konnte nicht mehr lie⸗ ben, nicht mehr geliebt werden. Mir war es, als beschmutzte ich die ganze Welt, wem ich nur die Hand gab. „Ich werde jetzt mein Bad nehmen, und nicht wiederkommen. Dieser Brief an Dich geht an meinen Geliebten. Er wird ihn nach meinem Tode erhalten, wird nicht verstehen, was er bedeutet und wird ihn meinem letzten Wunsche gemäß Dir schicken. Und Du wirst ihn lesen, wenn Du vom Kirchhof wiederkommst. Lebewohl, Vater! Ich habe Dir nichts mehr 10 sagen. Tue was Du magst, und verzeih' mir.“ Der Oberst wischte sich die Stirn, auf der Schweiß stand. Seine ganze Kaltblütigkeit, die Kaltblütigkeit, wie er sie in vergangenen Schlachten gezeigt, war plötzlich wieder über ihn gekommen. Er klingelte. Ein Diener erschien. „Schicken Ste mir Philipp“, sagte er. 19 9778 5 öffnete er das Fach seines Schreib⸗ es. Der Bursche trat fast sofort ein, ein großer Soldat mit rötlichem Schnurrbart, verwegen, mit tückischem Blick. Der Oberst sah ihm gerade ins Gesicht: „Du wirst mir den Namen des Geliebten meiner Frau nennen!“ Abe Herr Oberst“ Aus dem halb offenen Fach nahm der Oberst seinen Revolver: „Vorwärts, schnell. Du weißt, ich scherze nicht.“ Ader Sbeist es ist der Ritt⸗ meister Saint⸗Albert.“ Kaum hatte er den Namen ausgesprochen, als das Feuer ihm in die Augen schoß und er niederschlug auf's Gesicht— eine Kugel mitten in der Stirn. An die Nationalen. Ihr alle, die ihr treu und bieder seid, Und die ihr patriotisch uns verdammt, Und denen hinter'm scharfen Brillenglas Das blaue Auge in Entrüstung flammt, Ihr hebt die Hände drohend gegen uns, Und schwarze Galle fließt euch ins Gemüt, Ihr sagt, daß uns die Heimatliebe fehlt, Die euch so deutsch in tapfern Herzen glüht. Ich bitte euch, ihr Männer guter Art, Wenn ihr das Vaterland so brünstig liebt, Warum ist keiner unter euch so deutsch, Daß er der Wahrheit furchtlos Ehre giebt, Wenn unserm Land von oben Schaden droht? Macht euch nicht schamrot der verdiente Hohn, Der in dem Lächeln unsrer Nachbarn liegt? Was steht ihr feige schweigend vor dem Thron? Sagt doch ein Wörtchen! Sagt, was jeder denkt! Fällt euch das Deutschtum in das Hosenbein? Und seid ihr bieder auch beim Festkommers, In Fürstensälen könnt ihrs nimmer sein. Theaterhelden, schert euch fort! Und wenn Nur einem unter euch die Feigheit schwand, Dann sei das Predigen euch gern erlaubt, Dann schwätzt uns wieder von dem Vaterland. Peter Schlemihl im Simpl. n Splitter. Den Schweiß stellten die Götter vor die Tugend. Hestod. * * Unser Reden von Humanität ist unerquick⸗ lich ohne Tat. Es ist unendlich schwerer, einen einzigen Menschen glücklich zu machen, als ein ganzes Leben lang für die Menschheit schwärmen. Otto Ludwig. * 95* Vielleicht überzeugt man sich bald, daß es keine patriotische Kunst und patriotische Wissen⸗ schaft gebe. Goethe. E Wer unter Heimatliebe nur Zuhausehockerei versteht, wird der Heimat nie froh werden und sie wird ihm leicht nur zu einem Sauerkrautfaß! Gottfried Keller. r— Humoristisches. Erklärt.„Peinlich sauber ist's bei dem Schlächter Klauer, das muß man sagen; nicht ein Stäubchen hab' ich in der Wurstküch' bemerkt!“—„Iq, das kommt alles mit in die Wurst!“ Aus der Kinderstube. Mila und Friedel werden gebadet. Der kleine Junge betrachtet sich auf⸗ merksam von Kopf bis zu Fuß und stellt dann die nachdenkliche Frage:„Mama, wozu ist denn der Nabel da?“—„Zur Verzierung!“ antwortet schlagfertig das sechsjährige Mädchen. Gewitzigt. Frau(zum Dienstmädchen):„Anna, der Doktor kommt! Ziehen Sie rasch die Jalousie in die Höhe, sonst bringt er wieder einen Nachtbesuch in Anrechnung!“ . Geschichtskalender. 10. April. 1898: Wahlaufruf der sozialdemo⸗ kratischen Reichstagsfraktion veröffentlicht, 11. 1825: Ferdinand Lassalle,*. Napoleon I. dankt ab. 12. 1891: Kühnemänner⸗Komplott gegen Metall⸗ arbeiter enthüllt. 13. 1903: Holländischer Generalstreik zusammen⸗ gebrochen. 14. 1900: Eröffnung der Pariser Weltausstellung durch Millerand. 1865: Abraham Lincoln, nordameri⸗ kanischer Präsident, ermordet. 15. 1881: Nihilistin Sofia Perowskaja und 3 Genossen in Petersburg gehenkt. 16. 1863: Lassalles Auftreten vor Leipziger Ar⸗ beitern. * 1814: Marktberichte. Viehpreise in Frankfurt am 5. April(Amtl. Notier.): pr. 100 Pfd. Schlachtgew. Och sen: a. vollfl. ausgem. bis 6 Jahre Mk. 69— 71, b. junge fleischige, nicht ausgem, ältere ausgem. 65— 67, c. mäßig gen. junge. gut genährte ältere 60—63, Bullen: a. vollfl. höchst, Schlachtw. 60— 62, b. mäßig gen. jüngere und gut gut geu. ältere 57—58. Färsen: a. vollfl. ausgem. höchsten Schlachtw. 60— 62, b. vollfl. ausgem. Kühe höchsten Schlachtw. 57—59, c,. ältere ausgem. Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 44—46, d. mäßig gen. Kühe und Färsen 41 bis 43. Bezahlt wurde für 1 Pfund Kälber: a. feinste Pfg. 84—86, b. mittlere 78—84,. geringe Saugkälber 63—66, d. ältere gering gen. Kälber (Fresser) 00.00. Schafe, Mastlämmer und jüngere Masthämmel, 70— 72, b. ältere Masthämmel 60— 64. Schweine: a. vollfl. der feineren Rassen 52— 00, b. fleischige 51— 52, C. gering entwickelte, sowie Eber 44— 46 Pfg. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommisston des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Die Volksschule wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut. schen Reiches und die Sozialdemokratie⸗ Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen! Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd, in Leinwand 6.50 Mk. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner Mit Porträts und Abbildungen. Preis 3. Pfg. Sozialdemokratie und Zentrum(Arbeiter⸗ versicherung und Zentrums politik). Preis 20 Pfg. Der Umsturz im Reichstage.(Die Kämpfe um den Zolltarif.) Preis 20 Pfg. Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 M.k Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mt. Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 2 Mk. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomlschen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agttationsausgabe.) Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hugo. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk. Von A. Seite 8. Mitteldentsche Sonn tags⸗Zeitun. g No. 15. Wie erwirbt man die hessische Staatszugehörigkeit? Es ist eine leider nur zu häufige Tatsache, daß bei den hessischen Landtagswahlen viele in Hessen ansässige männliche Personen, die das wahlfähige Alter haben, nicht mitwählen können, weil ste nicht hessische Staatsangehörige sind. Es muß daher ein größeres Augenmerk auf die Gewinnung von Nichthessen zur Aufnahme in den hessischen Staatsverband gerichtet werden. Da die zu diesem Schritt erforderlichen Maß⸗ nahmen nur geringe Opfer an Zeit und Geld erfordern so mögen vor allem unsere Genossen, die bis jetzt noch von der Ausübung staatsbürgerlichen Rechte ausgeschlos⸗ haltsortes eine Aufenthaltsbescheinigung sowie ein Leu⸗ mundszeugnis ausstellen, fügt diesen Papieren eine Lohnbescheinigung seines Arbeitgebers und seinen Mili⸗ tärpaß hinzu und schickt alle diese erwähnten Ausweise mit einem Gesuche um Aufnahme in den hessischen Staatsverband an das zuständige hessische Kreisamt. Bemerkt sei noch, daß die Kammerverhandlungen über die beantragte Ungiltigkeitserklärung der Wahl des Genossen Ulrich deutlich dargetan haben, daß ein Reichsdeutscher nicht nötig hut, bet seinem Gesuch um Aufnahme im den hessischen Staatsverband seine bisherige Staatszugehörigkeit zu einem anderen Bundes⸗ staate aufzugeben. Nur Bayern und Elsaß⸗Lothringer machen von dieser Regel eine Ausnahme. Die müssen ihre Staatsangehoͤrigkeit aufgeben, wollen sie einem gemacht werden. Wer als Nichthesse sich die hessische Staatszugehörigkeit nicht verschafft, hat kein Recht sich zu beklagen, daß er wohl Steuer zahlen, aber seine wichtigsten Staatsbürgerrechte nicht ausüben dürfe. N Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 7. April: Butter per Pfund Mk. 1,00— 1,10, Hühnereier 1 St. 6— 7 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00— 7,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 9 12 Pfg. Zwiebeln per Ztr. Mk. 7,00 10,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,30—1,40 Mk., 5— — ̃—— ———————— —.. ̃ͤ—. — W —— 2 n — sen sind, das bisher Versäumte nachholen und ungesäumt[anderen Staatsverbande angehören. Die Aufgabe der Hahnen per St. O, 80—1„70 Mk., Enten per St. 1,70 um die Aufnahme in den hessischen Staatsverband sich be- bisherigen Staatszugehörigkelt kann auserdem nur von bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 70 Pfg. N dle M mühen. Reichsausländern(Oesterreichern, Schwelzern ꝛc.) ver⸗ Fleischpreise in Gießen am 7. Apel: Ochsen. Auttti Zunächst ist erforderlich, daß der betr. Nichthesse] langt werden. fleisch per Pfd. 68— 78 Pfg, Kuh⸗ und Rindfleisch 62 Du d sich von seiner Heimatsbehörd e(dem Regierungspräsiden⸗ Da also die Abwickelung der Naturalisationsgeschäfte bis 68 Pfg., Schweinefleisch O0 bis 72 Pfg., Schweine⸗ dle Epe ten, den Bezirksämtern ꝛc.), einen Ausweis über seine] keine schwierigen sind und auch vom Landeskamstee zur fleisch, gesalzen, 76 Pfg., Kalbfleisch 67— 74 Pfg.— bisherige Staatsangehörigkeit ausfertigen läßt. Sodann] Erleichterung derselben vorgedruckte Form u- Hammelfleisch 50—74 Pfg. pr. Pfund. hat er die Geburtszeugnisse für sich und seine Familten-][lare herausgegeben werden, die durch die Partei⸗ Auf dem Fruchtmarkt in Limburg am 6. April angehörigen zu beschaffen. Hat er diese Papiere erhalten,, vertrauensleute unentgeltlich zu be⸗ kostete durchschnittlich pr. Malter: Roter Weizen 14.79 so läßt sich der um die Naturalisation Nachsuchende von[ziehen sind, so sollte von der Gewinnung der bis 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00- 00.00 Mk., der Ortsbehörde seines gegen wärtigen hessischen. hessischen Staatszugehörigkeit der weitgehendste Gebrauch Korn 10.50 Mk., Gerste 8.42 Mk., Hafer 6.70 Mk. Auf 8 am E. Ferd. Nennstiel Wasserkrüge uh Giessen, Hochstr.&. Packkörbe a Lager in sämtlichen Kasteumöbeln, poliert und lackiert, als 4 5 1 ae. Genosse 4 1 8 eßen, Bahnhofstr. Vertikows, Kleiderschränke N 10 Tische, Stühle, Spiegel Tüchtige bon An e c 0 1. 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