don. fung hlt: get ic er In n⸗ uren hard, Frau tel s⸗ und Nl. wird tags den bens tage und 1 ee eee r i Wortlaut: . W 71 1 * 1 * J 1 1 1 Nr. 41. ————— ... * ....— ̃ ̃ ‚———————— Gießen, den 9. Oktober 1904. 11. Jahrgang. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Ut Mitteldeutsche 121 * 3 Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Austräger fre ins die Expedition unter Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 2 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Sozialdemokratische Kommunalpolitik. Bekanntlich befaßten sich die sozialdemo⸗ kratischen Parteitage von München und Bremen mit der Kommunalpolitik. Das Referat über diesen Gegenstand lag beide Male in den Händen des Genossen Dr. Lindemann. Die von ihm in Bremen vorgeschlagene und vom Partei- tag angenommene Resolution hat folgenden „Die Gemeinde im heutigen Staate ist ein Ver⸗ waltungskörper, der den sozialen Bedürfnissen einer an die begrenzte Lokalität gebundenen Bevölkerung dient; sie ist zugleich Hilfsorgan der staatlichen Verwaltung. In beiden Eigenschaften unterliegt sie den aus der Klassen⸗ organisatton unsres Gesellschafts- und Staatslebens mit Notwendigkeit entspringenden Bestrebungen, ihre Ver⸗ waltungstätigkeit im Interesse der herrschenden Klassen und für deren Herrschaftszwecke auszuüben. Nur durch die Aufhebung der Klassenherrschaft kann daher die demokratische Organisation der Gemeinde vollendet und die Bahn für eine Verwaltungstätigkei frei gemacht werden, welche die Wohlfahrt aller gleichermaßen fördert. Der Umfang der kommunalen Verwaltungstätigkeit wird einerseits durch die Bedürfnisse bestimmt, welche das soziale Zusammenleben der Gemeindeangehörigen innerhalb der Gemeinde und im Rahmen der größeren Verwaltungskörper erzeugt, anderseits durch ihre lokale Gebundenheit beschränkt. Im Gegensatz zu der heutigen im Dienste der herr⸗ schenden Klassen geschaffenen Verfassung und von ihren Interessen beherrschten Verwaltung der Gemeinde ver⸗ langt die Sozialdemokratie die Umgestaltung des kommu⸗ nalen Verfassungs⸗ und Verwaltungswesens nach fol⸗ genden Grundsätzen: 1. Die Verwaltung der Gemeinde soll nur dem Gesetz und den Gerichten unterworfen sein. Daraus folgt: a) Bildung des Wahlkörpers nach den Grundsätzen der Einwohnergemeinde; Aufhebung aller Besitzprivllegien; Einkammersystem; Bildung der Gemeindevertretung durch allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlen. Verhältniswahlen.) b) Beschränkung des staatlichen Aufsichtsrechts auf das Recht der Beanstandung ungesetzlicher Verwaltungs⸗ akte der Gemeinden; Prüfung ihrer Gesetzmäßigkeit durch die ordentlichen Gerichte; Aufhebung der die Selbstverwaltung einschränkenden Befehlsgewalt der Staatsbehörden gegenüber den Gemeinden. 2. Das Gemeindesteuerwesen ist in seinen Grundzügen durch Staatsgesetz zu regeln. Die Deckung des kommunalen Bedarfs soll erfolgen durch: e Zuschüsse für die Aufgaben des Volks⸗ gesundheitswesens, des Schulwesens, der Armen⸗ pflege, des Wegebaus. 2 bp) Zuschüsse zu den staatlichen Einkommen⸗, Vermögens⸗ und Erbschaftssteuern. Wo derartige staatliche Steuern nicht existieren, soll den Gemeinden das Recht zustehen, besondere kommunale Einkommen⸗, Vermögens⸗ und Erbschaftssteuern auszubilden. c) Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses an Grund und Boden. 3. Für die kommunale Verwaltung sind fol⸗ gende Grundsätze maßgebend: a) Die Einrichtung und der Betrieb der für die Er⸗ füllung der kommunalen Aufgaben notwendigen An⸗ stalten soll durch die Gemeinden selbst erfolgen. Das gilt besonders für die Betriebe, die die Benutzung kommunaler Verkehrsanstalten zur Voraussetzung haben und durch ihre Natur zu monopolistischer Ausbeutung neigen(Licht⸗, Kraft⸗ und Wärmezent⸗ ralen, Straßenbahnen ꝛc.) sowie für die Einrich⸗ Bekämpfung der Krankheiten, Bestattungswesen), Volksbildung(Bibliotheken, Lesehallen 2c.), des Wohnungswesens. b) Das Prinzip der Unentgeltlichkeit der Benutzung ist bet allen Iunstituten des Volksgesundheitswesens und des Volksschulwesens durchzuführen. Im übrigen soll die Art und Höhe der Gebühren der Leistungs⸗ fähigkeit der die kommunalen Einrichtungen benutzen⸗ den Volksklasse angepaßt sein. 4. Auf dem Geblete der kommunalen Ar⸗ beiterpolitik sind folgende Forderungen an die Ge⸗ meinde zu richten: a) Einrichtung von Arbeitsämtern als Zentralstellen kommunaler Arbeiterpolitik mit den Aufgaben der Arbeiterstatistik, des Arbeitsnachweises, der Arbeits⸗ losenfürsorge, der Auskunftserteilung und der Ueber⸗ wachung der sozialpolitischen Gebarung der Gemeinde⸗ verwaltung; Einfügung der sogenannten Lohnklausel in die Arbeits⸗ und Lieferungsverträge der Gemeinden, sowie der von ihnen konzesstonierten Privatunter⸗ nehmungen und Ablehnung der Streikklausel; strenge Maßregeln, um bei Vergebung und Abnahme von Gemeinde⸗Arbeiten und Lieferungen allen Schädi⸗ gungen vorzubeugen, die den Gemeinde ⸗Interessen von den Bewerbern insbesondere durch die Aus⸗ nützung einer offiziellen Stellung in der Gemeinde⸗ vertretung zugefügt werden könnte.: Einsetzung von Arbeiterausschüssen zur Vertretung der Interessen der Gemeindearbeiter; Feststellung der Arbeitsordnungen und Arbeits bedingungen und Heran⸗ ziehung der Arbeiter⸗Ausschüsse und der gewerk⸗ schaftlichen Organisation der Gemeindearbeiter; Fest⸗ setzung der Löhne nach Gewerkschaftssätzen; Bildung von Lohnklassen und Lohnskalen nach Dienstzeitdauer; Achtstundentag; Ferienurlaub mit Fortdauer der Lohnzahlung; Gründung einer Pensions⸗, Witwen⸗ und Waisenkasse, an die klagbare Rechte gegeben werden, sowie Ausdehnung der Kranken-, Alters⸗ und Invaliditätsversicherung auf alle Gemeinde⸗ arbeiter. c) Volle Koalitionsfreiheit für die städtischen Arbeiter und Beamten. Der Parteitag fordert die sozialdemokratischen Ge⸗ meindevertreter auf, ihre kommunale Tätigkeit im Rahmen dieser Grundsätze auszuüben. Sofern die Durchführung der vorstehenden Forde⸗ rungen durch die mangelnde Leistungsfähigkeit der ein⸗ zelnen Gemeinden in Frage gestellt wird, empfiehlt sich die Schaffung von Gemeindeverbaͤnden.“ Auf dem Parteitage erfolgte die Annahme dieser Resolution keineswegs glatt und ein⸗ stimmig, es wurden vielmehr von verschiedenen Delegierten Einwendungen gemacht und zwar sowohl gegen die Resolution als Ganzes, wie auch gegen einzelne Sätze derselben. Bekannt⸗ lich haben sich die Parteigenossen verschiedener Bundesstaaten schon früher Kommunalpro⸗ gramme geschaffen, die sie natürlich den Ver⸗ hältnissen und der f beds ihres Landes angepaßt haben. Es ist daher erklärlich, daß einzelne Parteitagsdelegierte ihrem Landespro⸗ gramm den Vorzug vor der Lindemann'schen Resolution gaben. Doch wurden grundsätzliche Bedenken nicht dagegen geltend gemacht. Das in der Resolution niedergelegte Programm ist das Ergebnis gründlicher Beratungen einer Kommisston, welcher eine Anzahl Genossen an⸗ gehörten, die seit langem auf dem kommunalen Gebiete hervorragend tätig sind. Und was immer aus den Erfahrungen der Praxis an allgemeinen Sätzen für richtig befunden wurde, ist in dem allgemeinen Programm zusammen⸗ gefaßt worden, das nun vom Parteitag als b — der auch der Parteitag den Antrag ab, den Linde⸗ mann'schen Entwurf nochmals einer Kommtssion zur weiteren Durchberatung zu überweisen und erst auf dem nächsten e darüber zu beschließen, vielmehr wurde die Resolution Lindemann mit großer Mehrheit angenommen. Selbstverständlich kann die Lindemann'sche Resolution, die für ein Reich bestimmt ist, das in 27 verschiedene Bundesstaaten mit einer bunten Musterkarte von Gemeindeverfassungen zerfällt, nur ganz allgemeine Fingerzeige, nur die Grundlinien der sozialdemokratischen Kom⸗ munalpolitik geben, die Ausfüllung dieses Rah⸗ mens für den einzelnen Fall, die Spezialisierung für die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinde oder der Gemeinde eines Bundesstaates oder etner 1 muß den betreffenden Partei⸗ gruppen überlassen bleiben. Möge die sozialdemokratische Kommunal⸗ politik unter dem neuen Banner tüchtig weiter marschieren. Die Schaffung des Programms ist ein Zeichen dafür, daß in der Partei allge⸗ mein das Bewußtsein von ber Bedeutung der Kommunalpolitik zum Durchbruch gekommen ist. Möge diese Anerkennung eifrige Arbeit zum Ergebnis haben. Politische Nundschau. Gießen, den 6. Oktober 1904. Positive Arbeit der Sozialdemokratie. Vorige Woche tagte in Basel die dritte General⸗Versammlung der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiter⸗ schutz. Diese General⸗Versammlung, die von fast sämtlichen europäischen Regierungen be⸗ schickt war, wurde vom Baseler Regierungs⸗ prästdenten, dem Sozialdemokraten Wull⸗ schleger, begrüßt, ihre Leitung lag in den Händen des Regierungsrats von St. Gallen, des Sozialdemokraten Scherrer. Man hätte nun glauben sollen, daß die Vertreter der deutschen Reichsregierung, Ministerialrat Caspar und Geheimer Regierungsrat Koch sofort das Lokal verlassen hätten, sobald ste bemerkten, daß man hier unter dem Vorsitz und Schutze vaterlandsloser Gesellen tagte. Sie blieben aber ruhig sitzen und hörten beifällig schmunzelnd Wullschlegers Begrüßungsrede an, die in dem Wunsche ausklang, man möge die Arbeiterklasse in ihrem Streben nach Gleichberechtigung und Anteilnahme an den Errungenschaften der Kultur das den wesent⸗ lichen Inhalt ihres historischen Emanzipa⸗ ttonskampfes ausmache, fördern. Herr Ministerialrat Caspar, der auf diese Begrüßungsrede antwortete, schien von dem Eindruck seiner Erlebnisse so überrascht, daß er den preußisch⸗deutschen Text, nach dem man in Berlin solche Fragen zu behandeln pflegt, völlig vergessen zu haben schien. Von den schönen Redensarten über die Sozialdemokratie, die nur zerstören könne, und die Erhabenheit des soztalen Königtums hörte man kein Wort. Herr Caspar hatte den Preußen vollständig ausgezogen und benahm sich ganz als gebildeter Europäer. Er sagte u. a.: „Deutschland habe den festen Willen, auf tungen des Vollsgesundheitswesens(Reinigungs⸗ wesens, der Ernährung, Förderung der Körperpflege, Richtschnur für die sozialdemokratische Kom⸗ munalpolitik aufgestellt wurde. Deshalb lehnte den einmal betretenen Wege der Sozialreform und des Schutzes der Arbeiterinteressen nach —— VWBw——— b 3— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 41. Maßgabe der Verhältnisse fortzuschreiten. Um aber auf dem Wege der Scozialreform fortschreiten zu können, bedürfe es auch einer starken Strömung der öffentlichen Meinung, auf die sich die Regierung in ihren Maßnahmen stützen könne. Darin wirke die Internationale Vereinigung anregend. Die öffentliche Meinung habe aber auch die Folge, daß sie auf die Regierungen anregend einwirke; denn keine Regierung werde sich, ohne sich im Innern ernsten Gefahren aus⸗ zusetzen, diesen Anregungen auf die Dauer entziehen können.“ Na also! Hier wird von amtlicher Stelle die positive Arbeit der Sozialdemokratie aner- kannt.— Ein leibhaftiger preußisch⸗deutscher Ministerialrat fährt im Auftrag der Regierung in die Republik Basel, fraternistert dort mit dem Umsturz, tauscht mit Petroleuren feierliche Be⸗ grüßungsreden und hetzt die Arbeiter, die ohne⸗ hin schon eine gute und gesicherte Existenz haben, unter lebhaftem Beifall des versammelten Umsturzgesindels zu immer größerer Begehrlichkeit auf! Die Welt steht nicht mehr lang! Nationalliberaler Ehrenmann. Vor einiger Zeit wurden von dem national⸗ liberalen Reichstagsabgeordneten für Hof in Bayern, Kommerzienrat Münch⸗Fer her, in einem Zivilprozesse recht unsaubere Dinge ans Tageslicht gezogen. Es stellte sich heraus, daß bei dem Herrn in Geldsachen die Freund⸗ schaft aufhört, daß sich seine im Geschäft be⸗ teiligten Verwandten durch ihn benachteiligt fühlten. Man glaubte allgemein, Münch⸗Ferber werde nach dieser Affatre sein Mandat nieder⸗ legen. Das fällt ihm aber gar nicht ein, wie er jetzt erklären läßt. Er besitzt also ein dickes Fell, und ist in Bezug auf ein moralisches Ge⸗ fühl überschätzt worden. Solche„Kleinigkeiten“ hindern diesen Zollpolitiker nicht, auch ferner noch eine Zierde der nationalliberalen Reichs⸗ tagsfraktion zu bleiben. Zum Nachfolger Herbert Bismarcks im Wahlkreis Jerichbw hatten die Bündler und Konservativen den Knuten⸗Oertel aus⸗ ersehen. Dieser läßt jedoch erklären, daß er die Kandidatur nicht annehmen könne. Viel⸗ leicht hilft aber einiges Zureden. In dem Kreise geben die Freisinnigen den Ausschlag. Sie erhielten bei der Hauptwahl im vorigen Jahre 6480 Stimmen, unser Parteigenosse 8140 und Fürst Bismarck 10 430. Es wäre aber ein leichtes gewesen, diesen Kreis der Reaktion zu entreißen, wenn die Freisinnigen eben nicht für den Junker Bismarck gestimmt hätten. Und wenn Oertel noch aufgestellt werden sollte, dürften wir das Schauspiel er⸗ leben, daß der Freisinn dem extremsten Rück⸗ wärtspolitiker auf allen Gebieten, dem Vor⸗ kämpfer für die Einführung der Prügelstrafe, in den Reichstag verhilft.— Als konservativer Bündler⸗Kandidat wird ein Hauptmann v. Brau⸗ chitzsch genannt. Eine weitere Ersatzwahl ist in dem Kreise Schwerin-Wismar uötig, der dort gewählte Konservative Dröscher, dessen Mandat üb⸗ rigens vom Reichstag für ungültig erklärt wurde, hat es jetzt niedergelegt. Er siegte in der Stichwahl mit nationalliberaler Hilfe, doch nur mit 100 Stimmen Mehrheit über unseren Genossen. Landtagswahlen fanden in Gera(Reuß j. L.) statt. Wie be⸗ richtet wird, wurden drei unserer Genossen und zwar Böttger, Vetterlein und Leven gewählt, zwei weitere, Kahnt und Werner, kommen in Stichwahl. Sechs Kandidaten waren von unserer Partei aufgestellt. Wegen angeblicher„Wahlfälschung“ hatten sich vor kurzem zwei Arbeiter aus Hassel⸗ bach im Taunus vor der Strafkammer in Wies⸗ baden zu verantworten. Sie sollen sich gegen den § 108 des Strafgesetzes vergangen haben, weil sie zur Reichstagswahl bei der Hauptwahl in Frankfurt a. M., wo ste arbeiteten, bei der Stichwahl dagegen in ihrem Wohnort Hasselbach gewählt hatten. In beiden Orten waren sie in den Wählerlisten eingetragen. Die beiden Arbeiter versicherten wiederholt im besten Glau⸗ ben und ohne jede böse Absicht gehandelt zu haben; aber der Staatsanwalt ließ die Ver⸗ sicherung nicht gelten, sondern führte aus, die Arbeiter hätten das zweitemal in Hasselbach gewählt, weil es im Wahlkreis Höchst⸗Usingen auf jede sozialdemokratische Stimme ankam, wenn der Kandidat Brühne als Sieger aus der Wahl hervorgehen sollte. Das erstemal wurde der Termin vertagt, um den Bürgermeister zu Hasselbach zu vernehmen, ob er die beiden Ar⸗ beiter bei der Stichwahl auf die Ungesetzlichkeit ihres Tuns aufmerksam gemacht habe. Das wurde verneint. Und so blieb dem Staats⸗ anwalt nichts übrig, als selbst die Frei⸗ sprechung der beiden Angeklagten zu bean⸗ tragen. Das Gericht erkannte demgemäß unter der Begründung, daß allerdings die Leute eigent⸗ lich bei der Stichwahl nur dort hätten wählen dürfen, wo sie auch bei der Hauptwahl ihre Stimme abgegeben hätten. Der§ 108 des Strafgesetzbuches setzte den Dolus voraus, der sei aber bei den Angeklagten nicht nachzuweisen. — Bei dem Abg. Genossen Herzfeld lag die Sache ganz genau so, derselbe wurde aber be⸗ kanntlich verurteilt. Ueber den„Fall Schippel“ verhandelten am Samstag die Parteigenossen des Chemnitzer Wahlkreises in einer Partei- versammlung, in welcher die Delegierten des Bremer Parteitags Bericht erstatteten. Nach lebhafter Debatte für und wider Schippel be⸗ schloß man folgende Resolution: „Die Parteiversammlung des 16. sächsischen Reichstagswahlkreises erklärt sich mit der Haltung ihrer Delegierten auf dem Partei⸗ tag in Bremen einverstanden. Zu den gegen Genossen Schippel auf dem Partei⸗ tage angenommenen Resolutionen erklärt die Parxteiversammlung, daß keine Veran⸗ lassung vorliegt, Konsequenzen daraus zu ziehen, die das Reichstagsmandat Schippels berühren.“ Antisemitische Schnorrerei. Die Antisemiten brauchen Geld, sie wollen ihrem Häuptling Liebermann eine„Ehren⸗ gabe“ stiften. Deshalb wenden ste sich in einem Aufruf an alle„deutschgesinnunten Männer“, um ihnen von dem welterschütternden Ereignis Kunde zu geben, daß Liebermann von Sonnen⸗ berg vor 25 Johren zum erstenmal den poli⸗ tischen Kampfplatz betrat. Dem„berufenen Führer einer einzelnen Partei“ sollen die Kämpfe der kommenden Jahre durch die erwähnte Lieber⸗ mann⸗Ehrengabe erleichtert werden. Die antise⸗ mitische Reklame dürfte außerhalb der„einzelnen Partei“ nicht den geringsten Erfolg haben, und so werden die Liebermänner wohl selbst in den eigenen Geldbeutel greifen müssen. Die Behauptung, daß an dem Plane freudig und opferwillig Männer aus allen Ständen und aus allen„völkisch“ gestunten Kreisen lebendigen Anteil nehmen, kann man als eine der bekannten Aufschneidereien ruhig übergehen. Widerspenstiger Kriegerverein. In dem großen industriereichen Dorfe Stützerbach bei Ilmenau(Thüringen) wurden bei der Stichwahl im Jahre 1903 für den sozial⸗ demokratischen Kandidaten Redakteur Schulz 206 und für den Nationalliberalen Hagemanu 56 Stimmen abgegeben. Der Kriegerberein des Ortes, der über hundert Mitglieder zählte, wollte in diesem Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern. Bestimmungsgemäß stiftete der Kaiser an diesem Ehrentage den Kriegervereinen ein Fahnenband. Der Vorstand des Vereins machte also von dem bevorstehenden Feste an zuständiger Stelle Mitteilung und ersuchte um die Stiftung des Fahnenbandes. Die zuständige Stelle wurde aber von anderer Seite auch auf den Ausgang der Wahl anfmerksam gemacht und ihr mitge⸗ teilt, daß die meisten Mitglieder des Kriegervereins böse Sozis seien. Der Vor⸗ stand wurde aufgefordert, die Sozialdemokraten auszuschließen, was dieser jedoch ablehnte. Nunmehr wurde der Kriegerverein aus dem Bundeau sg eschlossen, worauf die Mitglieder seine Auflösung beschlossen. Vorige Woche wur⸗ den auktionsmäßig sämtliche Inventarienstücke des Vereins zum Verkauf gebracht. Die Fahne — auch Symbol der Treue genannt— wurde für 10 Mk. losgeschlagen. Ein Handelsmann war der glückliche Käufer, der sie aber alsbald wieder für 15 Mk. an einen Fabrikanten ver⸗ kaufte. Der Erlös des Mobilars und sonstiger Inventarien, sowie der Kassenbestand wird nun⸗ mehr unter den ehemaligen Kameraden ver⸗ teilt werden. So vergeht die Herrlichkeit der — Kriegervereine. Der Arbeiterverein gründete eine Sterbekasse, um die Neugründung des Kriegervereins überflüsstig zu machen. Dieser Kasse gehören jetzt zirka 1100 Mitglieder an; sogar ein Teil der Mordspatrioten schloß sich derselben an. Die Auflösung des Kriegervereins hat auch zu einem stillen Boykott der Kirche geführt. Man meidet die Kirche, weil man der Ansicht ist, daß der Pfarrer und ein Lehrer die Angeber waren. Russisch⸗japanischer Krieg. Die Heere in der Mandschurei richten sich jetzt ihre Winterquartiere ein. Da⸗ bei spielt die Verproviantierung der Truppen eine große Rolle. Diese soll für die Russen schwerer zu lösen sein, als für die Japaner. Solange die japanische Armee südlich von Char⸗ bin steht, kann sie ihren Bedarf an allem selbst beziehen, während die russische Armee in ge⸗ steigertem Maße auf die Zufuhr aus der Heimat angewiesen ist. Die reichste Gegend in der Mandschurei ist um Liaujang. Dort ist in diesem Jahr die Ernte außerordentlich gut ge⸗ wesen. Kaufleute, die das Land genau kennen, versichern, daß General Kuropatkin fast alle Lebensmittel einführen müsse, je mehr er auf Charbin zurückgehe. Die Japaner haben die Eisenbahn vom Süden nach Liaufang bereits wieder in den Stand gesetzt und es verkehren ständig die Züge von Dalny und Niutschwang nach Liaujang. ö 50000 Reservisten hat Japan, wie aus Tokio berichtet wird, wiederum zur Be⸗ setzung der südlichen Mandschurei mobili⸗ stert. Dadurch wird Oyamas volle Armee frei. Kuroki dringt weiter vor und wartet Verstär⸗ kungen zur Umgehung der russischen Flanke von Osten her ab. Auf Port Arthur soll nach Berichten vom Anfang der Woche ein mehrere Tage an⸗ dauernder Sturmangriff stattgefunden haben. Die Japaner gingen mit großer Entschlossenheit vor, doch war ihnen das Glück nicht günstig. Ihr Angriff auf den„Großen Hügel“ schlug fehl und ein Bataillon, das sich in einer un⸗ gedeckten Stellung in einem Tale befand, wurde durch das russische Schrapnellfeuer nahezu vernichtet. Ueber die Beweg ung der Japaner meldete eine Londoner Depesche: Es scheint, als ob ein Vormarsch mehrerer japanischer vor⸗ geschobenen Posten im Norden von Jantai und Bensihu stattfände; die Japaner haben jetzt un⸗ gglähr dieselben Stellungen inne, wie am 5. v. Mts., doch sind diese jetzt verstärkt worden. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Ein Wort der Erkenntnis. Der Bremer Verein für innere Misston hielt dort seine Jahresversammlung ab. Bei dieser Ge⸗ legenheit hielt der Baron v. Uexküll eine Ansprache über das Thema:„Unsere Brüder von der Landstraße“. Der Herr hat sich nicht ohne Nutzen für seine Einsicht mit dem Gegenstande beschäftigt. Er sagte in seiner An⸗ sprache die wahren und eindringlichen Worte; „Wer Arbeit sucht, der findet sie! Ein schändliches Wort! Ein Wort voller Lug und Trug, geeignet, uns das Herz zu ver⸗ 1 härten. Ich stehe als Zeuge dafür ein, daß dieses Wort eine nuwahlheit ist. Für einen Schlosser bin ich 3¼ Tage herumgelaufen, habe nichts anderes getan und habe keine Ar⸗ 2 — E — S = — = ö ieg. chu rei 10 Da⸗ Auppen Russen abaner, n Char⸗ n selbst in ge⸗ bereits erkehren schwang U, wie ur De moblli⸗ ner frei Verstär⸗ Inke von gerichen age al- hahn. osenhet gung. c iner un- „ wurde nahezl 0 gen ccheil, 1 her bo! 1 kek u, Pie l f „ bub. I Z3bwecke sollen überall öffentliche Versamm⸗ Nr. 41. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite. beit für ihn gefunden, für einen anderen Ar⸗ beiter in fünf Tagen nicht und für einen dritten habe ich endlich nach vielen Bittgängen eine Stelle gefunden. Auf der Landstraße, in den Pennen, den Hunger im Magen, die schlechten Sitten vor Augen, wie leicht wird da der Mensch verdorben. 20,000 unserer Brüder stehen jeden Tag, den Gott werden läßt, auf der Landstraße,... und im großen Publikum weiß man nichts davon.“ Uns sagen diese Worte nichts Neues. Aber daß ste an dieser Stelle ausgesprochen wurden, das ist ganz anerkennenswert. Nur sollten die Leute aus bürgerlichen Kreisen, die solche Er⸗ kenntnis gewonnen haben, dafür sorgen, daß sie nicht bloß auf den kleineren Kreis einer Versammlung für innere Mission beschränkt bleibt, sondern daß sie der großen Oeffentlich⸗ keit des Bürgertums vermittelt wird. Und dann muß man aus solcher Erkenntnis, wenn ste Wert haben soll, auch Konsequenzen ziehen. Mit Bettelsuppen ist dem Elend der Arbeits⸗ losigkeit nicht abzuhelfen. Urlaub für städtische Arbeiter. Die Stadtverordnetenversammlung in Halle stimmte einem Antrage der sozialdemo⸗ kratischen Mitglieder zu, den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, dahingehend, daß jedem städtischen Arbeiter unter Fortzahlung des Lohnes eine Woche Urlaub gewährt werde. Wie es mit der„guten und gesicherten Existenz der Arbeiter“ in Wirklichkeit aussieht, weiß jeder, der mit den Verhältnissen nur einigermaßen vertraut ist. Jeder Tag bringt dazu treffliche Illustrationen. So wird aus Halberstadt berichtet, daß dort die Lage der Handschuhindustrie immer bedenklicher wird, viele Handschuhmacher arbeitslos sind, oder ihrem Berufe bereits den Rücken gekehrt und andere Arbeit übernommen haben. Trotz verkürzter Arbeitszeit nehmen die Fabriken zahl⸗ reiche Entlassungen vor, weil ste keine Aufträge haben. Die Organisation der Handschuhmacher hat schwere Opfer zu bringen. Die Unter⸗ stützungsgelder derselben schützen aber die Ar⸗ beiter, welche Mitglieder sind, wenigsten vor der äußersten Not. Denen, die nicht organistert sind, geht es noch viel schlechter. Ein anderes Beispiel für die„gesicherte Existenz“ bot ein Vorkommnis, das sich nahe bei Berlin abgespielt hat. Ein Landarbeiter⸗ Ehepaar, beide Eheleute gegen 80 Jahre alt, wohnten bisher in der Schäferei des Ritter⸗ gutsbesttzers v. Kähne in Petzow bei Werder a. H., bei dem sie ihr Leben lang gedient hatten. Für die Schafstall⸗Wohnung hatten sie jährlich 42 Mk. Miete im voraus zu zahlen. Wegen andauernder Kränklichkeit blieben die alten Leute mit der Miete im Rückstande und wurden des⸗ halb mit ihrem elenden Hausrat einfach an die Luft gesetzt. Unter einer Brücke, die über einen Graben führt, suchten die Unglücklichen zuerst Schutz und wurden dort von mitleidigen Men⸗ schen mit Nahrung versehen, bis sich nach einigen Tagen anderswo Unterkunft fand. Welch ein entsetzliches Menschenelend! Und welche christliche Nächstenliebe des edlen Agrariers! Das ganze aber heißt„göttliche Weltordnung“! Im Verband der Schneider soll im Oktober und November in allen Filialen eine rege Agitation entfaltet werden gegen den vor kurzem ergangenen Erlaß des preußischen Han⸗ delsministers, wonach die Ueber zeit an den Samstagen und an den Vorabenden zu den Feiertagen zulässig sein soll. Weiter soll gegen die Behauptung der Berliner Handelskammer Protest erhoben werden, in der Berliner Kon⸗ fektionsbranche verhielten sich die Arbeitsuchenden gegenüber den Vohnbüchern gleichgültig und seien nicht gegen deren Beseitigung. Zu diesem lungen einberufen werden, für die die Berufs⸗ genossen und Schneiderinnen soweit wie möglich herangezogen werden. Einen schönen Erfolg erzielten die Gasarbeiter der Frankfurter Gasgesellschaft bei einer Aussperrung. Sie waren bei der Direktion um eine Verbesserung der Lohn⸗ und treter des Fabrikarbeiter⸗Verbandes, wie auch mit einem Arbeiter der Fabrik ab. Und als sich die Arbeiter mit dem Vorgehen ihrer Sprecher solkdarisch erklärten, wurden 40 Mann Knall und Fall entlassen. Der Gauleiter des Fabrik⸗ arbeiter⸗Verbandes wandte sich nun an das Gewerbegericht und bat um dessen Vermittelung. Und hier zeigten sich die Direktoren auf einmal entgegenkommend. Die Solidarität der Arbeiter hatte sie jedenfalls doch zur Besinnung ge⸗ bracht. Vor dem Gewerbegericht einigte man sich auf Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen, die eine bemerkenswerte Besserung gegen die bisherigen darstellen. Auch ist im Protokoll bestimmt, daß der Organisation der Arbeiter nichts in den Weg gelegt werden soll.— Diese Be⸗ dingungen sind weitgehender als die Forderungen der Arbeiter und die Organisation der Fabrik⸗ Ersolg. kann mit Recht stolz sein auf diesen rfolg. Eine großartige Entwickelung hat der Konsüm verein Leipzig⸗Plag witz aufzuweisen, der eben das 20. Jahr seines Be⸗ stehens vollendet. Im Jahre 1884 von 95 Mit⸗ gliedern gegründet, weist dieser bedeutendste aller deutschen Konsumvereine nach 20 Jahren 36 654 8 auf! Er hat während dieser Zeit 7618 523 Mk. als„Dividende“, davon im letzten Jahre allein 1 158 272 Mk. zurückgezahlt. Man fing im ersten Ge⸗ schäftsjahre mit einem Um satz von 16573 Mk. an, jetzt beträgt er 12085 345 Mk. Etwa zwei Fünftel der gesamten Bevölkerung Groß⸗ Leipzigs nimmt heute Anteil am Konsum⸗ verein Leipzig⸗Plagwitz!— Für Löhne und Gehälter wurden imletzten Jahre 478 442 Mk., für Steuern 93 794 Mk. ausgegeben. Der Reingewinn beträgt 1238030 Mk., wovon 1061428 Mk. als 10 Proz. Warendividende an die Mitglieder zurückgezahlt wurde. Der Verein besitzt einen Reserve⸗ und Spezialreserve⸗ fonds von 456000 Mk., 87 500 Mk. Dis⸗ posttionsfonds, 54 500 Mk. Personalunter⸗ stützungsfonds. So kann der Konsumverein Leipzig⸗Plagwitz als ein grundsolides, gefestigtes, den Mttgliedern sehr nützliches Unternehmen bezeichnet werden. Wie Bebel Sozialdemokrat wurde. Darüber erzählt der Leipziger Geuosse Ull⸗ rich in der Jubiläumsnummer der„Leipziger Volkszeitung“ vom Sonntag folgendes: Zu Ende der sechziger und zu Anfang der stebziger Jahre war der Mittelpunkt des Partei⸗ lebens von Sachsen, ja von ganz Deutschland, im Arbeiterbildungsverein Leipzig. Hier wurden Pläne geschmiedet und Agitatlonstouren festge⸗ setzt, die auch fast alle in Wirklichkeit ausge⸗ führt wurden. Der Arbeiterbildungsverein war Kopf und Seele der ganzen Partei, soweit sie der Eisenacher Richtung angehörte; aber welch außerordentliche Arbeit dazu gehörte, ehe es so weit kam, davon haben die wenigsten heute noch einen Begriff. Nach Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins am Himmelfahrtstage 1863 hatte der Verein Vorwärts, aus dem er hervor⸗ ging, so wenig Mitglieder behalten, daß sein Bestand gefährdet war. Es wurde deshalb auf dem Arbeiterbildungsvereinstag, der im Oktober 1864 in Leipzig tagte, beschlossen, daß sich sämtliche Vereine Schulze⸗Delitzscher Richtung, die in einer Stadt bestehen, zu vereinigen haben. Diesen Beschluß mußten auch der gewerbliche Bildungsverein und der Verein Vorwärts ausführen. a August Bebel, der auf diesem Vereinstage als zweiter Vorsitzender amtierte und mit in den Vorstand gewählt wurde, wurde mit der Ausführung dieser Vereinigung betraut. Aber welche Riesenarbeit war dabei zu bewältigen. Wollte doch die Mehrzahl der Mitglieder des „Gewerblichen“, wie er immer kurz genannt wurde, von ihrem Namen nicht lassen, ebenso die Mitglieder des Vorwärts, und erst nach viermonatlichen Verhandlungen konnte die Ver⸗ einigung und Namensänderung vor sich gehen, nachdem man sich auf den Namen Arbeiter⸗ dem trat eine ganze Anzahl Mitglieder aus, weil ste an dem Arbeiterverein Anstoß nahmen. So beschränkt war damals noch eine große Anzahl Arbeiter, daß sie„Gehilfen“, aber keine „Arbeiter“ sein wollten. Der Zusammenschluß der Vereine und ihre Namensänderung war trotzdem von großem Nutzen. Denn vom Verein Vorwärts kam eine zwar kleine Zahl von Mitgliedern, unter der sich aber die besten Kräfte befanden. Zwar platzten die Geister sehr oft scharf aufeinander, doch auch dies war auf die Dauer nur von Nutzen. Unsere erste Generalversammlung, in welcher der Vorsitzende und der Vorstand ge⸗ wählt wurden, dauerte drei Abende, und erst den dritten Abend um 12 Uhr konnte das Resultat der Wahl verkündet werden: August Bebel vom„Gewerblichen“ war als erster Vorsitzender und August Dolge vom Vorwärts als zweiter Vorsitzender gewählt. Die„Ge⸗ werblichen“ hatten den Sieg davongetragen. Die vom Vorwärts versprachen, treu zum Verein zu halten; aber Gegensätze blieben immer noch genug bestehen. Nur hatten die Gegensätze das Gute, daß sich einige ganz leidliche Redner dabei ausbildeten. Im ganzen war das Ver⸗ einsleben zwar rege, aber hielt sich im einseitigen Fahrwasser der Fortschrittspartei und des National vereins. Im Frühjahr 1865 kam Liebknecht nach Leipzig und in den Arbeiterbildungsverein. Aber als Vortragenden wagte oder wollte ihn Bebel nicht nehmen, obgleich Ltebknecht Bebel sehr oft, wie Bebel selbst sagte, in seiner Werk⸗ statt aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Bebel äußerte einmal, als man in einer Vorstandssitzung auf Liebknecht zu sprechen kam: „Donnerwetter, bei dem kann man was lernen!“— was unseren damaligen Hauptkassterer Max Epstein veranlaßte, den Antrag zu stellen, Liebknecht einen Vor⸗ trag halten zu lassen. Da Liebknecht schon englischen Unterricht im Verein gab, stand dem nichts entgegen. Der Verein hatte damals einen sehr tüch⸗ tigen Stab von Referenten. Freilich gab es darunter auch zweifelhafte Existenzen: es waren hauptsächlich drei: ein Honved⸗ Hauptmann— Korn, der in Kindererziehung machte; ein Schrift⸗ steller Badewitz, der eine erzgebirgische Arbeiter⸗ zeitung in sehr konservativem Sinne herausgab. und ein Dr. Weitmann, der in allem machte. Der Hauptmann Korn und Schriftsteller Bade⸗ witz befehdeten sich auf das heftigste und be⸗ nutzten dazu hauptsächlich den Verein. Für die aufgeklärten Mitglieder war dieser Zank ein wahrer Gräuel, so daß einmal ein Mitglied, als sich Badewitz und Korn wieder zankten, zornig ausrief:„Vereinsgenossen, diese beiden, Korn und Badewitz, sind beide Lumpen,“ wo⸗ durch wir wenigstens Badewitz los wurden. Für Liebknecht war also Platz geschaffen, so daß er jetzt öfters Vorträge hielt, ohne aber bei Bebel mit seinen Bekehrungsversuchen Fort⸗ schritte zu machen. Da kam ein auswärtiger Freiheitskämpfer Liebknecht an Es war dies Professor Eckhardt aus Mannheim, damals Herausgeber des demokratischen Wochenblattes in Mannheim. Eckhardt kam in irgend einer Angelegenheit nach Leipzig und wurde dabei von Liebknecht veranlaßt, einen Vortrag in einer Volksversammlung zu halten. Eckhardt wählte sich als Stoff zu diesem Vortrag den Bauern⸗ krieg und erntete ungeheueren Beifall. Bebel ersuchte Eckhardt, auch einen Vortrag im Arbeiterbildungsverein zu halten. Eckhardt wählte sich als Thema: Die Gothaer im Nationalverein und ging diesen sehr scharf zu Leibe. Er machte sich über den roten Saum an ihrem Kleide lustig, womit sie ihre Volks⸗ tümlichkeit bezeugen wollten. Eckhardts wie Liebknechts Vorträge konnten nicht im Dunkeln bleiben und es war kein geringerer als Ber n⸗ stein, der Redakteur der Berliner Volkszeitung, der gegen ein solches„Treiben“, wie er es nannte, vom„Leder“ zog. Durch diesen Arkikel fühlte sich eine große Anzahl von Vereins⸗ mitgliedern beleidigt und beantragten, die Berliner Volkszeitung im Verein nicht mehr auszulegen, Arbeits verhältnisse eingekommen. Diese lehnte aber ursprünglich ein Verhandeln mit dem Ver⸗ bildungsverein geeinigt hatte. Aber trotz⸗ obgleich der Verein ste gratis erhielt. Unter — — ——ů —— ——— — —— ——(— ——— 2 Mitteldeutsche Souutags⸗Zeitung. Nr. 41. dem Vorsitz des Ehrenpräsidenten Roßmäßler nahm der Verein zum großen Verdruß einiger Mitglieder, unter anderm des vorhin genannten Weckmann, den Antrag mit großer Mehrheit an. Darauf erschienen wieder einige sehr giftige Artikel in der Berliner Volkszeitung, worauf im demokratischen Wochenblatt in Mannheim ein sehr scharfer Artikel erwiderte, in dem die Leipziger Herren, die gegen den Antrag gestimmt hatten,„milchwasserblaue Scheindemokraten“ genannt wurden. Dieser Artikel machte dann noch mehr böses Blut. Als Verfasser des Artikels hatte man Liebknecht im Verdacht und dieser Verdacht bestätigte sich auch. (Schluß in nächster Nummer.) r Tt... Pon Nah und Lern. Hessisches. — Zur Einkommenst euer in Hessen. Genosse Ulrich hatte vor längerer Zeit dem Finanzausschusse der Zweiten Kammer Vor⸗ schläge über die Erhöhung der Progres⸗ sion der Einkommensteuer unterbreitet. Der Finanzminister sagte damals eine Prüfung der Ulrichschen Vorschläge zu, deren Wirkung er den Abgeordneten unterbreiten wolle. In einer Zuschrift an die Zweite Kammer erklärt nun die Regierung, daß ste„in Rücksicht auf schwer⸗ wiegende wirtschaftliche Interessen des Staates und der Gemeinden“ außer Stande sei, gesetz⸗ geberisch in der Weise vorzugehen, wie es der Antrag Ulrich anrege. Dieser ablehnende Be⸗ scheid wird unter Hinweis darauf zu rechtfertigen gesucht, daß nach der Ulrichschen Skala in Hessen die höchste Steuerbelastung 10 Prozent betrage, dagegen in Preußen nur 4, Sachsen 5 und Baden nur 3¼. Außerdem betrage der Mehr⸗ ertrag der Einkommensteuer nach Ulrichs Skala nur 1,900 000 Mk., es werde also der Ausfall der Stempelsteuer mit 2 920 000 Mk. nicht ge⸗ deckt werden, sondern noch 1020000 Mk. aus der Vermögenssteuer zu decken sein.— Das Ende vom Liede ist also, daß die Reichsten weiter geschont werden sollen, während der Masse der Minderbemittelten die Hauptsteuer⸗ last aufgebürdet wird. — Die Kriegsbriefe des Generals Kretschmann. Zu dem Prozeß, der kürzlich in Mainz wegen der vielbesprochenen Kriegs⸗ briefe stattfand— wir berichteten in voriger Nummer über den Ausgang desselben— erließ die Herausgeberin, Frau Lily Braun folgende Erklärung: „Ich werde, um das Andenken meines Vaters zu schützen, demnächst ausführlich darstellen, welche Tatsachen meinen Vater zu seinen Mit⸗ teilungen veranlaßt haben. Es wird sich er⸗ weisen, daß alle Vorgänge sich mit geringfügigen Modifikationen so abgespielt haben, wie mein Vater sie erzählt, und daß in Sens und den diesen Ort später passierenden Truppenteilen die— allerdings irrige— Anschauung verbreitet wurde, diese Handlungen fielen den Hessen zur Last, während sie in Wahrheit einem andern Kontingent zuzurechnen sind. Diese objektive Unrichtigkeit in den Angaben meines Vaters wird dadurch vollkommen erklärt. Gleichzeitig stelle ich fest, daß die Behauptungen des Staats⸗ anwalts, wonach ich im Widerspruch mit dem Willen meines Vaters die Kriegsbriefe ver⸗ öffentlicht haben soll, längst öffentlich widerlegt sind. Die im Geheimfach meines Vaters be⸗ findlichen Papiere hat meine Mutter verbrannt. Die Kriegsbriefe haben sich nicht darin gefunden, sondern sind von meiner Mutter, an die sie gerichtet waren, dem Willen meines Vaters gemäß, aufbewahrt worden.“ — Die Mainzer Stadtverordneten⸗ wahlen finden am 5. November statt. Es sind im ganzen 17 Mandate erledigt. Sozial⸗ demokraten und Demokraten werden voraus⸗ sichtlich eine gemeinsame Liste aufstellen. Gießener Angelegenheiten. — Für die Stadtverordneten ⸗ wahlen ist ein bestimmter Tag noch nicht fest⸗ diesmal nicht weniger als 16 Mandate erledigt und zwar scheiden aus, wie wir schon vor längerer Zeit erwähnteu, die Herren Faber, Gutfleisch, Haubach, Heichelheim, Jughardt, Kirch, Krumm, Loos, Petri und Wallenfels. Außerdem finden Ersatzwahlen statt für die verstor⸗ benen Mitglieder Flett, Fuhr, Hanau und Pirr, wie für den nach Berlin verzogenen Prof. Gaffky und für Heyligenstädt, der an Stelle des ver⸗ storbenen Grüneberg zum Beigeordneten ge⸗ wählt wurde. Wahlberechtigt sind 1. alle in der Gemeinde Gießen steuerpflichtigen Ortsbürger, 2. alle männ⸗ lichen Reichsangehörigen, die seit zwei Jahren den nner nenst erworben haben, zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt sind und in dem der Wahl vorangegangenen Jahre zur Ein⸗ kommensteuer herangezogen worden sind. Von auswärts Zugezogene müssen also mindestens 4 Jahre in Gießen ansässig sein, wenn ste wählen wollen. Ferner sei darauf hingewiesen, daß derjenige vom Stimmrecht ausgeschlossen ist, der mit der Staats⸗ oder Gemeinde⸗Steuer⸗ zahlung sich im Rückstande befindet. Unsere Parteigenossen wollen dies beachten und auch ihre Bekannten darauf aufmerksam machen. Ueber unsere Kandidaten⸗Liste ist ein end⸗ gültiger Beschluß noch nicht gefaßt und ins⸗ besondere noch unentschieden ob eine reine oder eine sogenannte„gemischte“ Liste aufgestellt werden soll. — Told bei der Arbeit. Bei den Kanalisationsarbeiten in der Grünber gerstraße ereignete sich am Freitag(30. Sept.) ein schwerer Unglücksfall, bei dem ein braver Arbeiter sein Leben einbüßte. Man war im Begriff, die Schächte für Aufnahme der Kanalt⸗ sationsrohre an der Gabelung der Grünberger⸗ und Licherstraße herzustellen. An der Stelle, wo die beiden Schächte aus den genannten Straßen im spitzen Winkel zusammenlaufen, scheint die Verschalung ungenügend gewesen zu sein, es stürzten Erdmassen herab und begruben drei Arbeiter. Während zwei mit leichteren Verletzungen davon kamen, konnte der dritte, Karl Jünger aus Lich, nur als Leiche aus dem Schutt herausbefördert werden, er war offenbar erstickt. Der Verunglückte stand im Alter von 29 Jahren, war verheiratet und Vater 1115 Kinder. Außerdem hat die Fa⸗ milie bald weiteren Zuwachs zu erwarten. Diese Kanalisationsarbeiten werden von der Firma Hch. Winn fun folter Zur Verhütung derartiger Unglücksfälle sollten doch alle nur möglichen Schutzvorrichtungen getroffen werden. In diesem Falle scheint es daran gefehlt zu haben. — Der„Fall Kehrein“, der vorigen Freitag vor dem Schwurgericht zur Verhand⸗ lung kam, endete mit der Verurteilung des Angeklagten zuf drei Jahren Befäng⸗ nis. Die Geschworenen sprachen ihn der Körperverletzung mit tötlichem Erfolg schuldig, billigten ihm aber mildernde Umstande zu. Eine große Anzahl Zeugen kamen zur Ver⸗ nehmung. Kehrrein gab an, den Monteur Lucht aus Köln in der Notwehr erschossen zu haben, aus den Bekundungen der Zeugen geht aber hervor, daß davon keine Rede sein konnte. Der noch unbestrafte Angeklagte erfreute sich allgemeiner Achtung und Beliebtheit, niemand kann ihm Roheiten oder Exzesse nachsagen. Umso unverständlicher bleibt seine Tat an jenem verhängnisvollen Sonntagmorgen, durch die er zwei Familien ins Unglück stürzte. Der Ge⸗ tötete Lucht hat wohl früher einige unbedeutende Vorstrafen erlitten, doch wird er vom Wirt Rahnefeld, wo er mehrere Wochen wohnte, und auch von anderen Zeugen als ein fried⸗ fertiger Mensch geschildert, der den Angeklagten in keiner Weise provoziert habe. Der von Kehrein geführte Revolver wird vom Sach⸗ verständigen als die gefährlichste Handfeuer⸗ waffe der Neuzeit bezeichnet; das Stahlmantel⸗ geschoß durchschlägt noch auf 200 Mtr. Ent⸗ fernung zweizöllige Tannenbretter. In eine traurige Lage ist die Witwe des Getöteten durch die Tat gebracht worden; sie kann infolge eines körperlichen Leidens sich selbst kaum er⸗ gesetzt, doch darf man dafür Mitte November mit ziemlicher Sicherheit annehmen. Es sind nähren, hat aber noch für ein Kind zu sorgen und befindet sich außerdem noch in gesegneten Umständen.— Zieht man diese Folgen in Betracht und vergleicht man das Urteil mit dem gegen die Kindesmörderin Görlach ge⸗ fällten, so erscheint die Strafe der letzteren als entschieden zu hoch.— Am Samstag wurde der Dienstknecht Hölzer aus Niederflorstadt wegen Notzuchsverbrechen begangen an einer 60 jährigen Frau zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.— Wegen eines gleichen Verbrechens erhielt der Arbeiter Leo Fröhlich von Steinzell am Donnerstag 1¼ Jahr Zuchthaus. — Ueber den Bremer Parteitag wird der Delegierte für den Wahlkreis Gießen, Genosse Beckmann, diesen Samstag in der Versammlung des Gießener Wahlvereins Be⸗ richt erstatten. Die Genossen werden ersucht, recht e zu erscheinen. — Der„Gießener Anzeiger“ schwört seine Vergangenheit ab. Auf die vor einiger Zeit in der„Frftr. Ztg.“ erschienenen und fast von der gesamten linksstehenden Presse nach⸗ gedruckten Klagen eines Kreisblatt⸗Redakteurs bezugnehmend meinte er gelegentlich, ein hessischer Amtsblatt⸗Redakteur sei kein solcher Jammer⸗ kerl, wie ein preußischer. Demgegenüber führte unser Offenbacher Parteiblatt den bekannten Gi aus der 96er Wahlbewegung an, wo der teßener Anzeiger einem Inserat des sozial⸗ demokratischen Wahlkomitees die Aufnahme verweigerte, weil er dazu die Genehmig⸗ ung des Kreisrates einholen muͤsse, die er wegen Abwesenheit desselben nicht erlangen könne. Auf diese Festnagelung kommt das nicht preußische Aemterorgan mit der un⸗ glaublich plumpen Ausrede, daß die Richtigkeit jener„Anekdote“ nicht nach zu kontrollieren sei. Und jetzt sei der Anzeiger ein ganz anderer Kerl wie früher. So? Wie war es dann mit den Artikeln des Herrn Professor Biermer, die das Amtsblatt nicht zu veröffentlichen wagte, weil sie eine ganz sanfte Kritik der Regierungs⸗ Steuerpolitik enthielten? Das ist doch noch gar nicht so lange her! Wenn wir uns ferner an das Verhalten des Amtsblattes bet der letzten Reichstagswahl, beim Friedhe streit und bei vielen anderen Gelegenheiten erinnern, so können wir es mit dem besten Willen nicht höher einschätzen als seine preußischen Kollegen. Es muß so gut wie diese seinen Blick nach „oben“ richten und von dort hören, was seine „Ueberzeugung“ sein soll und darf. Aus dem Nreise gießen. — Die Parteivereine werden ersucht, sich wegen Berichterstattung über den Partei- tag baldigst an Genossen Gg. Beckmann, Grün⸗ bergerstraße oder an die Redaktion unseres Blattes zu wenden. Mit der Wiesecker Wasserleitungs⸗ Angelegenheit befaßte sich eine dort am Samstag im„Gambrinus“ stattgefundene gut⸗ besetzte Bürgerversammlung. enosse Dech meinte, es sei die höchste Zeit, daß die Sache endlich einmal besprochen werde, wäre das früher geschehen, so hätten manche Wünsche berück⸗ sichtigt werden können. An der Hand reichlichen Materials wies er nach, daß das fortwährende Suchen neuer Quellen unnötig sei und die Ge⸗ meinde viel Geld koste. Die Leitung hätte bei der günstigen Witterung sehr wohl, wie es vor⸗ sprochen war, am 1. September fertig sein können, wenn für genügende Arbeitskräfte ge⸗ sorgt worden wäre und der Unternehmer die Leute entsprechend behandelt hätte. Wie feststeht, liefert die Quelle Flößer⸗ brunnen täglich 216 Kubikmeter oder 216000 Liter Wasser. Bei einer Bevölkerung von 3000 Seelen beträgt das pro Kopf und Tag 70 Liter Wasser 7 Eimer. Rechnet man 250 Arbeiterfamilien und ebensoviel Bauern⸗ familien, jede Familie 6 Köpfe stark und nimmt für jede der ersteren 100 Liter, für jede der letzteren 500 Liter täglichen Wasserverbrauch, so ergiebt das 25 und 125 Kubikmeter. Mithin bleibt von der einzigen Quelle ein Ueberschuß von 66 Kubikmetern pro Tag. Reichte aber dieses Quantum trotzdem nicht aus, so hatte man in den Wiesen eine Quelle, die l genügend lieferte, das mit unerheblichen Ko. 1 2 — n E Nr. 41. Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. 10000 Mk. reichlich— in den tiefer liegenden Teil des Ortes befördern könnte. Unzufriedenheit herrschte aber auch über die Auna Wassergelderhebung. Danach soll der uschluß 6 Mk. kosten, für Großvieh solle 1 Mk., für Kleinvieh 50 Pfg. bezahlt werden. Es sollten richtiger Wassermesser angeschafft werden. Bei einem Preise von 15 Pfg. pro Kubikmeter würde, bei täglichem Verbrauch von 150 Kubik⸗ metern, die Gemeinde einen Ueberschuß von 2712 Mk. erzielen, der sich bei Verbrauch der 216 Kubikmeter auf 6586 Mk. steigerte. Bei Verbrauch von 200 Kubikmeter könnte der Kubik⸗ meter für 10 Pfg. abgegeben werden und es blieben immer noch 1800 Mk. übrig. Nach dem Wassergeldtarif des Ortsvor⸗ standes ergiebt sich folgende Tabelle: D 2— E 1 8 8 8 5 8 „„„ 8——— 2 8 88 2 8 8 S 2 H 6 Köpfe— 60 L. 21,9 Kb. 6 427,8 4 6„ 4 St. 100 8. 355„ 8„ 21,0, Kl.⸗Vieh 6„ St. 400 8. 146„1180% 7„ Gr.⸗Vieh 3 St. Kl.⸗Vieh 6 10 2 St. 650 L. 237 77 15 7 6,* Gr.⸗Vieh 4. St. Kl.⸗Vieh Es geht daraus hervor, daß derjenige, der das wenigste Wasser verbraucht, dasselbe 3 bis 4 mal teurer bezahlen muß, als der größere Verbraucher. Die Forderung der Einführung von Wasseruhren ist durchaus berechtigt. (Schluß des Berichts in nächster Nummer.) — Die Wiesecker Gemeinderats⸗ wahl ist wegen eines Formfehlers für ungültig erklärt worden und es muß demnächst eine Nachwahl stattfinden. Hoffentlich sind unsere Parteifreunde dann etwas zahlreicher auf dem Posten, als es bei der neulichen Wahl der Fall war. ö — In Rödgen starb am Sonntag Abend unser Genosse, der unverheiratete Zigarren⸗ macher Louis Balser. Eine Lungenkrank⸗ heit raffte ihn in dem noch jugendlichen Alter von 27 Jahren dahin. Was in seinen Kräften stand, hat er stets getan, um unsere Sache zu fördern. Unsere Parteifreunde werden ihn im guten Andenken behalten. h. Daubringen. Einen erfreulichen Er⸗ folg errangen unsere Genossen bei der diesjährigen Gemeinderatswahl, welche am 29. Sep⸗ tember stattfand. Wohl noch niemals wurde o hartnäckig um die Mandate gestritten, wie iesmal; unablässig wurde am Wahltage agi⸗ tiert, kaum graute der Tag, waren unsere Gegner schon auf den Beinen und eilten von Haus zu Haus. Aber auch unsere Genossen waren auf dem Posten am Wahltag sowohl wie auch schon vor der Wahl. Das Resultat hat gezeigt, daß wir nach Kräften unsere Schuldigkeit getan haben; nur wenige Arbeiter waren diesmal der Wahlurne fern geblieben. Von 3 zu besetzenden Mandaten wurde eins behauptet und eins errangen wir nur. Wilh. Schäfer J. wurde wiedergewählt mit 89 Stimmen; der Vorsttzende des Arbeitervereins Genosse Karl Rudolph erhielt 49 Stimmen; der Gegenkandidat 52. Unser dritter Kandidat brachte es auf 42 Stimmen. r. Gemeindewähler in Watzenborn⸗ Steinberg! Laut amtlicher Bekanntmachung findet die Gemeinderatswahl Samstag, den 8. Oktober, nachmittags von 3 bis 7 Uhr statt. Fehle keiner an der Wahlurne, mache jeder von seinem wichtigsten Rechte Gebrauch! Wer will, daß in unserer Gemeinde bessere Zustände geschaffen werden, wer will, daß das Gemeindewesen sich weiter entwickele und die Aufgaben erfülle, die man heute in dieser Be⸗ 7 55 zu stellen berechtigt ist, kurz, wer will, aß die Gemeinde vom Gestchtspunkt der Ge⸗ samtwohlfahrt geleitet und verwaltet wird, 9 r gebe den von der Arbeiterschaft aufgestellten Kandidaten seine Stimme! Unsere Kandidaten sind: Karl Häuser II., Balthaser Pitz III. und Joh. Jakob Häuser. Wähler! Wie oft habt ihr euch beschwert gefühlt über ge⸗ meinderätliche Maßnahmen und Beschlüsse, die euren Interessen und Wünschen zuwider liefen; wie oft hattet ihr Veranlassung, gegen zweck⸗ lose Ausgaben eure Stimme erheben zu müssen! Denkt an unsern Antrag auf Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen, er wurde von der Mehr⸗ heit abgelehnt, die Herren getrauen sich nicht, die öffentlichen Gemeindeangelegenheiten öffent⸗ lich zu behandeln. Jetzt müssen die Gemeinde⸗ mitglieder selbst zeigen, daß ste das Verhalten der Gemeinderats⸗Mehrheit nicht billigen. Laßt euch deshalb nicht von persönlichen Vorurteilen oder den Zersplitterungsversuchen der Gegner beeinflussen, sondern wählt Mann für Mann die von uns vorgeschlagenen Kandidaten! Aus dem Rreise Friedherg⸗Püdingen. * Ein Parteigenosse verunglückt. Im Steinbruch bei Stammheim verunglückte am Sams⸗ tag der 41 Jahre alte Steinbrecher Jakob Karl Hart⸗ mann. Durch herabstürzendes Gestein wurde er ver⸗ schüttet und getötet. Es war ein braver Partei⸗ genosse. Ehre seinem Andenken! Aus dem Nreise Wetzlar. * Im Wetzlarer Krankenhause. Gegen unsere Notiz, die wir in Nr. 38 unter dieser Ueberschrift brachten, wandte sich Herr Sanitätsrat Dr. Herr mit bedeutender Ent⸗ rüstung. Wir haben die Tatsachen nochmals genau festgestellt und wir haben danach keine Veranlassung, irgend etwas von unserer Notiz abzuschwächen oder zurückzunehmen. Es ist Tatsache, daß das an Blinddarmentzündung erkrankte Mädchen, das stark fieberte, von 1/12 Uhr bis abends 7 Uhr ohne jede ärztliche Hilfe lag. Uebrigens gibt ja der Herr Sani⸗ tätsrat in seiner Zuschrift selbst zu, daß er es abgelehnt hat, abends nach der Kranken zu sehen. Möglich, daß sich Dr. Herr dazu nicht „verpflichtet“ fühlte. Dann existieren eben schlimme Zustände in dem Krankenhause, es müßte doch ein Arzt da sein, der dazu ver⸗ pflichtet ist. Und in dieser Beziehung ist Abhülfe dringend nötig, sonst verfehlt das Krankenhaus vollkommen seinen Zweck. Bei objektiver Betrachtung muß Dr. Herr selbst zu dieser Meinung kommen.— Ob es ferner zweckmäßig ist, einem Patienten etwas zu ver⸗ ordnen, ohne ihn gesehen zu haben, möchten wir bezweifeln und wir werden darin bestärkt dadurch, daß der in diesem Falle konsultierte Arzt die gegentetlig wirkenden Mittel an⸗ wandte!— Wenn also Dr. Herr uns am Schlusse seiner Zuschrift nach beltebten Mustern mit dem Staatsanwalt droht, so läßt uns das ziemlich kalt. Bei eventueller Gerichtsverhand⸗ lung sind wir vielleicht in der Lage, noch weitere Mißstände aufzudecken und davon kann die Gesamtheit, besonders aber die armen Kranken nur Vorteil haben. Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn. — Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Dillenburg⸗Herborn fand am Sonntag in Haiger statt. Sie war von 12 Vertrauensleuten besucht, einige weitere hatten ihr Ausbleiben entschuldigt. Gen. Trott erstattete als Vertrauensmann seinen Bericht, aus dem hervorzuheben ist, daß einige Genossen wegen Ueber⸗ tretung des Vereinsgesetzes bestraft wurden. Zur Agi⸗ tation wurden Kalender und Broschüren verteilt; in mehreren gegnerischen Versammlungen traten Partei⸗ genossen von uns auf. Die Abrechnung balanziert mit 51 Mk. Im Anschluß an den Bericht gaben die De⸗ legierten ihre Erfahrungen aus der Heimat zum Besten: es wurde dann die Gründung einer Organisation er⸗ örtert und beschlossen, zum 1. November einen Rreis⸗ wahlverein ins Leben treten zu lassen. Weiter stand der Punkt„Presse“ auf der Tagesordnung. Er wurde dahin erledigt, daß man beschloß, den Parteigenossen, welche ein Tageblatt lesen wollten, die Volksstimme, und als Wochenblatt die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung zu empfehlen. Ferner soll sich der Kreiswahl⸗ verein dem Frankfurter Agitationskomitee anschließen. Manche Anregungen wurde noch von einzelnen Genossen gegeben, die hoffentlich auf fruchtbaren Boden gefallen find.— Nachmittags fand eine öffentliche Ver⸗ sammlung statt, in der Gen. Dr. Quarck⸗Frank⸗ furt über:„Nieder mit den Sozlaldemokraten“ unter lebhaftem Beifall sprach. An der Dis kusston beteiligten sich in wirkungsvoller Weise der Gen. Krumm⸗Gießen, sowie Gen. Trott. Wird hier unverdrossen und unab⸗ lässig weiter gearbeitet, tun die Genossen im Kreise ihre Pflicht und läßt es auch das Provinzialkomitee nicht an Unterstützung fehlen, so dürften in diesem Kreise die Bäume der Stöckeret nicht in den Himmel wachsen. Aus dem RNreise Marburg⸗Nirchhain. r. Herr Spediteur Heppe klagte beim Bezirksausschuß in Kassel gegen die Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahlen, er wurde jedoch damit kostenpflichtig abgewiesen. Vor den Wahlen hätte nämlich der Oberbürger⸗ meister erklärt, wenn der als Kandidat auf⸗ gestellte Heppe gewählt würde, werde er sein Amt niederlegen— weil nämlich Heppe zu Fastnacht ein Zündel Heu aufs Rathaus ge⸗ schickt hatte mit dem Zusatz, das sei für die Ochsen da oben. Heppe erhielt bei der Wahl zwar ziemlich Stimmen, fiel aber doch durch. Er stützte seine Klage darauf, daß in der Erklärung des Bürgermeisters eine Wahlbeeinflussung zu seinen Ungunsten zu erblicken sei. Wie bemerkt, schloß sich der Bezirksausschuß dieser Meinung nicht an. Wir sind ja gewiß keine Partei⸗ gänger des Herrn Heppe, nach unserer Meinung und nach der Praxis der Mandatsprüfungs⸗ kommisston des Reichstags liegt hier aber un⸗ bedingt eine Wahlbeeinflussung vor. Kleine Mitteilungen. * In Nauborn wurde das 18 Monate alte Söhnchen der Eheleute Best von einem mit Eisenstein schwer beladenen Wagen überfahren. Es starb auf dem Transport nach der Klinik in Gießen. * In Friedberg schoß am Montag ein Jäger dem 12 jährigen Knaben Egly von dort eine Schrot⸗ ladung in den Unterleib und die Oberschenkel. Der Knabe war schwer verletzt. Der Schütze sollte in Zu⸗ kunft die Finger von dem Schießprügel lassen, *Lebenslängliches Zuchthaus und noch fünf Jahre darüber— es klingt allerdings etwas sonderbar— erhielt vom Kölner Schwurgericht der Raubmörder Kauerz zudiktiert. Er hatte ein Dienst⸗ mädchen ermordet, um in der Wohnung einen Diebstahl auszuführen. — Partei-Nachrichten. Aus schwerer Zeit. Am 28. September waren es 25 Jahre, daß in Zürich die erste Nummer des „Sozialdemokrat“ erschien, das Kampforgan, das unter dem Ausnahmegesetz das geistige Band der jungen Sozialdemokratie bildete. Nie wird vergessen werden, was es war und wie es wirkte! Die Leipziger Volkszeitung feierte am ersten Oktober ihr zehnjähriges Bestehen. Die aus diesem Anlaß herausgegebene Jubiläumsnummer war 64 Seiten stark! Zu der Auflage waren nicht weniger als 190 Zentner Papier erforderlich. Gewiß eine höchst erfreu⸗ liche Entwickelung unserer Parteipresse! Ein Parteikonflikt ist in Leipzig wegen der Haltung der„Leipiger Volkszeitung“ ausgebrochen. Diese brachte während des Parteitags eine überaus gehässige Notiz gegen den Genossen Südekum, welche die Miß⸗ billigung des Parteitags hervorrief. Dieses Vorkomm⸗ nis wurde in einer Parteiversammlung in Leipzig, in der über den Parteitag Bericht erstattet wurde, zur Sprache gebracht und dabei an der Schreibweise der L. V. gegenüber den Parteigenossen und der übrigen Parteipresse Kritik geübt. Darauf legten die Redakteure Fr. Mehring und Jaekh die Redaktion nieder. Auf 7. Oktober ist eine weitere Parteiversammlung ein⸗ berufen, die sich mit der Sache befassen soll.— Mit Wohlbehagen stürzt sich das bürgerliche Zeitungsgeschwister auf die Brocken, die da abfallen. Wird aber daran keine dauernde Freude erleben. Versammlungskalender. Samstag, den 8. Oktober. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 9. Oktober. Wieseck. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Ver⸗ sammlung im„Gambrinus“ bei Wacker. Tages⸗ ordnung: Gemeinderatswahl. Rezitation Wallkotte. „Das Tal des Lebens“ historischer Schwank in 3 Akten. Freitag, den 28. Oktober er., abends 9 Uhr im Saale d. Hotels„Einhorn“ am Lindenplatz. Eintritt 20 Pfg. Eintritt 20 Pig Es ladet freundlichst ein — Das Gewerkschaftskartell. —— ́——— — —— P 2 3 — 3— Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 41. Von Nah und Fern. Der„Arbeitswillige“ als Messerheld. Aus Halle wird berichtet: Auf Geschworene soll es einen guten Eindruck machen, wenn man sich als„leidender Arbeits williger“ vorstellt. Dies schien auch der Maurer Friedrich Tanz on Merseburg zu glauben, der wegen Körper⸗ Fei eung mit Todeserfolg angeklagt war. Mitte April verbreitete die bürgerliche Presse, in der Absicht, den Maurerstreik in Merseburg in Mißkredit zu bringen, die Schauermär, der Maurer Tanz, der aus einer Versammlung der Streikenden gekommen sei, habe in der Nacht um 17. April nach stattgehabtem Wortwechsel den Arbeiter Klinkmüller auf dem Marktplatz erstochen. Von der Behauptung stellte sich durch die Schwurgerichtssitzung allerdings als wahr heraus, daß Tanz den K. erstach; im übrigen wurde aber das Lügenmärchen der bürgerlichen Presse gründlich zerstört. Tanz hatte nicht nur nichts mit der Organisation zu tun, sondern er war ein braver, schon sehr oft wegen Gewalttätigketitsvergehen vorbestrafter Arbeitswilliger. Er renommierte damit, zur Zeit des Streiks in Amendorf gearbeitet zu haben und will von dem Erstochenen durch die Worte:„Beffchenfritze“ und„Streikbrecher“ gereizt worden sein. In jener Nacht sei er nicht von der Versammlung, sondern vom Karten⸗ spiel gekommen. Tanz kam unter Zubilligung mildernder Umstände mit einem Jahr sechs Monaten Gefängnis davon. Ein Hundedenkmal. Unterhalb des königlichen Schlosses auf Wilhelmshöhe, so berichtet unser Partei⸗ blatt in Kassel, befindet sich eine kleine Insel. Dem Publikum ist es streng verboten, ste zu be⸗ treten. Das strenge Verbot dieser Insel gab zu allerlei Vermutungen Anlaß, was für Ge⸗ heimnisse die Insel wohl bergen möge. Endlich beschloß ein Neugieriger, den Schleier von dem Geheimnis zu reißen und siehe da, er entdeckte ein Grab mit folgendem Gedenkstein: „Dem Andenken meines treuen Dachshundes Erd 17 a 1 n.“. Das also war des Rätsels Lösung! Nun, darob braucht man doch wahrlich nicht zu solch strengem Verbot Zuflucht zu nehmen. Wir können die meuschlichen Gefühle verstehen, einem treuen Hund einen Grabstein zu stiften. Gebrochene Staatsstütze. Ein Sozialistenhetzer, der in Halle zur Zeit des Sozialistengesetzes hinter unseren Genossen her war, wie ein Jagdhund, der Kriminalpolizist Horn, ist seinem Schicksal verfallen. Er ist wegen zahlreicher Betrü⸗ gereien und Urkundenfälschungen, die er in seiner jetzigen Eigenschaft als Oberausseher der städtischen Straßenreinigung begangen hat, in Untersuchung gezogen worden. Erstklassiger Skandal. Der Leutnant v. Rink in Karlsruhe, in dessen Privatwohnung die Frau des Rechts⸗ anwalts Dr. Schlesinger aus Mannheim in trautem Tete⸗a⸗tete angetroffen und von ihrem Ehemanne herausgeholt wurde, hat den Rechts⸗ anwalt zum Duell gefordert. Dr. Schlesinger hatte keine Lust, sich von dem sauberen Leutnant auch noch umbringen zu lassen und lehnte die Aufforderung zur Duellprügelei ab. Bestrafter Menschenschinder. Der gräfliche Gutspächter Szul⸗ czewski in Kleingrötzig bei Wollstein(Provinz Posen) wurde von seinen Knechten mit einer Wagenrunge erschlagen, weil er einen Knecht geohrfeigt hatte. Wenn diese geduldigen und unterwürfigen Arbeitstiere zu einer solchen Verzwelflungstat schritten, kann man sich denken, was sie vorher zu erdulden hatten. Parteifreunde! cnc nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung! . 1 ae e ee —————ů 2 Die Zwillingsbrüder. Von n Rieger. Zweimal in der Woche— an jedem Donners⸗ tag und Samstag— fuhr durch die verkehrs⸗ armen Straßen der Landstadt ein kleiner, mit einem Hunde bespannter Wagen. Zwei fünf⸗ zehnjährige Knaben begleiteten ihn. Der eine von ihnen half neben dem folgsamen Tier das Gefährt ziehen, der andere ging hinten und schob. Der Wagen war mit allerhand Grünzeug und Gemüse beladen. Auch Zimmerblumen fehlten nicht. Fast vor jedem der einstöckigen Häuser hielt er an. Die Frauen traten aus den Haustoren und kauften für die nächsten Tage. Kam niemand aus dem Tor, so trat der eine Knabe ins Haus und bot den Parteien die Waren an. Das Gefährt mit dem Hunde und den zwei bildhübschen Jungen war in der ganzen Stadt bekannt. Die Frauen kauften gern, denn das Gemüse war frisch und wohlgepflegt. Und die es verkauften, waren zwei Waisen. Sie waren einander so ähnlich, daß man den einen von dem 1 kaum unterscheiden konnte: Zwillings⸗ rüder. Beide erfreuten sich einer gewissen Beliebt⸗ heit. Vielleicht spielte auch etwas Mitleid mit gegenüber den braven Jungen. Sie hatten sich immer wohlanständig aufgeführt und in der Schule nie zu Beschwerden Anlaß gegeben. Auf den kindlichen Zügen der Zwillinge lag ein Hauch von Melancholie. Aus ihren Augen sprach der Ernst des Lebens. Selten sah sie jemand lachen. Sie gingen, auch als ste noch die Schule besuchten, immer zusammen. Eine unerklärliche Scheu hielt sie vor den anderen Kindern zurück. Seit einem Jahr waren sie in der Lehre. Ein Gärtner war ihr Meister. Der aber war ein hartherziger Geselle. Er plagte die Jungen und beutete sie aus. Die Zwillingsbrüder schliefen gemeinsam in einem schlechten Bett. Zeitlich am grauenden Morgen wurden sie mit rauhem Gruß geweckt. Und erst spät am Abend legten sie sich nieder. Wehe, wenn ihre ungeübten Hände bei der Arbeit nicht so flink zugriffen, als der„Meister“ es wollte! Oder wenn ste bei den Fahrten durch die Stadt zu wenig verkauft hatten! Da setzte es Schläge und grobe Worte ab. Der Gärtner hatte zu den verlassenen, schutz⸗ losen Waisen so recht alle Empfindungen eines gewalttätigen Herrn. Seiner Brutalität setzte niemand eine Schranke. Die Zwillingsbrüder waren seine jungen Sklaven und er behandelte sie danach. Nur einen Freund hatten sie, das war der Hund. Er war stets bei ihnen. Er schaute ihrer Arbeit in den Gärten zu und war ihr Begleiter bei den Botengängen. An den freien Nachmittagen der Sonntage leistete er ihnen treue Gesellschaft. Er schlief in ihrer Nähe und stand mit ihnen auf. Er war ihnen zugetan, als hätte er Verstand und ein fühlendes Herz. Und erhob der Meister gegen die Zwillings⸗ brüder die Hand zum Schlage, so fuhr der Hund wild empor und fletschte gegen den Herrn die Zähne. 5 Die Zwillingsbrüder ertrugen ihr Leid so gut als sie es konnten. Gegenüber fremden Leuten trauten sie sich nicht zu klagen. Denn hätte der Meister es erfahren, so war ihnen noch ärgere Mißhandlung gewiß. In der Stadt war es kein Geheimnis, wie der Gärtner mit den Lehrlingen verfuhr. Viele waren aus der Ferne Zeuge gewesen, als der Meister die Waisen schlug, unbarmherzig auf ste niederprügelte. Man sprach auch viel davon und fand es nicht in der Ordnung. Aber es gab niemanden, der sich der Gepeinigten angenommen halle. Keiner wollte mit dem rohen Gärtner anbinden. Schließlich sagte sich jeder, daß ihn die Sache nichts angehe. Die Behandlung der Zwillingsbrüder wurde von Tag zu Tag unerträglicher. Und das, obwohl sie sich redlich Mühe gaben, allen An⸗ forderungen zu genügen. Ste arbeiteten un⸗ ablässig und richteten sich nicht auf, mochten der Rücken, die Finger noch so sehr schmerzen. Was sie trotzdem nicht vermochten, das war: den Meister zufriedenzustellen. Sie hätten das auch nicht fertig gebracht, selbst wenn ste tausendmal fleißiger gewesen wären. Ihr Herr und Gebieter wollte nicht zufrieden sein. Es bereitete ihm Wollust, die Knaben zu quälen. Bestialität und Bosheit beseelten ihn. 1 Warum er die beiden Brüder so grimmig haßte? Das ist gar bald erzählt. Erdmann— so hieß der Gärtner— war einst sehr verliebt. Das Mädchen, nach dessen Besitz er geizte, war die spätere Mutter der Zwillingsbrüder. Sie wies seine ungestümen Werbungen zurück und blieb auch dann stand⸗ haft, als er sie mit wilden Drohungen ver⸗ folgte. Selbst eine Arbeiterin, reichte sie einem Arbeiter die Hand. Bei Erdmann wandelte sich die Liebe in blinden rachsüchtigten Haß. Er hätte die früher Verehrte am liebsten umgebracht, wäre es ihm dabei nicht selbst an den Kragen gegangen. Die Ehe der Arbeiterin währte nur ein Jahr. Das schwächliche Weib gebar Zwillinge. Während die kräftig entwickelten Säuglinge in die Wiege gelegt wurden, starb die Mutter. Neben der Geburt neuen Lebens verrichtete der Tod sein gefürchtet Handwerk. (Schluß folgt.) Zweifel. Ach, bei diesen bösen Zeiten Werd' ich wahrlich noch ganz dumm. Mich beschleicht sogar der Zweifel An dem Gottesgnadentum. Bin ein treuer Untertane! Für den allerhöchsten Herrn Auf dem angestammten Throne Gäb' ich Leib und Leben gern. Herrlichkeit und Macht und Weisheit Ward zuteil von oben ihm, Und die Gnade erbt sich weiter— Wenn die Zeugung legitim. Aber ach, das Legitime, Dieses ist das Zweifelwort! Wehe! Von den Fürstenhöfen Wandte sich die Keuschheit fort! Pflichtvergessene Prinzessinnen! Mehrmals sahn wir den Skandal. Unentdeckt bleibt wohl manch andrer Allerhöchste Sündenfall. Und bei solchen bösen Zeiten Geht mir dies im Kopf herum: Weiß denn, ob sein König echt sei, Heutzutag das Publikum? (Wahrer Jakob.) Der Pfarrer. Wie man sich so für was entscheidet, Studierte Max Theologie. — Sein Vater, Tubalternbeamter, Erschwang das Geld mit vieler Müh'.— Doch machte ihm nach vier Semestern Gar mancher Zweifel arge Pein, Und als der Glaube ihm ging flöten, Weiht jammernd er die Eltern ein. Der Vater sprach vom Hungertuche, Die Mutter bat:„Max, bleibe stark!“—— — Und jest belügt er die Gemeinde Für monatlich dreihundert Mark. (Simpl.) Humoristisches Der freundliche Schutzmann.„Sie stehen hier Streikposten? Kommen Sie mal mit, ich werde dafür sorgen, daß Sie sich eine Weile setzen können.“ Der Simulant.„Der Unteroffizier hat Sie etwas kräftig angefaßt und da ist Ihnen der Arm ge⸗ brochen, Sie poltzeiwidriger Jammermensch! Und jetzt wollen Ste am Ende gar noch Schmerz gespürt haben? Waasss!“ ö PPP ²⁵ AA e e U —— 4 lle eh 0 rde a5, Ah. un: len en. ar: ch el icht heit ig Var ssen det nen d⸗ bel lem No. 41. Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Seit. 7. Streng feste Preise! v. NEISS Mausbug de besen Mäusbug le Alle Sorten Winterschuhe für Damen, Herren u. Kinder sind eingetroffen. Größte Auswahl! Arbeiterschuhe von 4.50 Mk. an. Billigste Preise! 6 ausgewählte Edgar Borrmann, Giessen Eisenhandlung Neustadt 11 28 2 Telephon 298 empfiehlt: Herde und Oefen— Landwirtschaftl. Geräte Fruchtpressen— Keltern— Bohnenschneider Petroleum⸗, Spiritus⸗ u. Gaskocher Wasch⸗, Wring⸗ u. Mangelmaschinen Dezimal⸗ 1 und Wirtschafts⸗Waagen Fleischhack⸗, Reib⸗ u. Messerputzmaschinen Rasenmäher— Vogelkäfige und Züchter⸗Utensilien Gartenmöbel— Stehleitern— Tünchergeräte Ernte⸗Cocosfaserstricke— Flechtrohr und Raffiabast Drahtgeflechte— Fischereigeräte— Dr. Kleins Fleischsaftpresse sowie mein großes Lager in Werkzeugen— Beschlägen— Eisen⸗Kurz⸗ und Solinger Stahlw. Birnen und Aepfel feinste edle Tafelsorten tragbare vierjährige Pyramiden- Bãume reich m. Fruchtholz besetzt daher f. nächst. Herbst schon hübsche Ernte versprech. 6 solche Pyramidenbäume zusammen M 8, einzelne Exemplare à Stck. 1,50 M. 6 tragbare Stachelbeer-Sträucher feinste grossfrüchtigste deutsche und englische Elitesorten susammen M. 2. 6 tragbare Johannisbeer-Sträucher die besten Sorten zum Rohgenuss u. z. Weinbereitung zusammen M. 1, 20. 6 tragbare Himbeer-Sträucher nur anerkannt vorzügliche reich- 100 kräftige Pflanzen 9 Riesen- Alands-Bpabeeren In d. 5 allerbesten, grossfrüchtigsten und ertragreichsten Sorten, von köstlichstem Aroma u. prächtigem Aussehen zusammen für 3 Mark Monatserdbeeren-Neuheit „Ruhm von Machern“ wurden die ersten Früchte aus d. freien Lande mit 2 Mark pro Pfund bezahlt, während die ersten Früchte der Carl Müller Giessen, Plockstr. 12 Alle Arten Bürsten u. Besen, Haus⸗ u. Küchengeräte zu billigen Preisen tragendste Sorten mit feinstem Aroma 2&8g. zusammen 75 Pfg. 0 Die beste Pflanzzeit ist jetzt i. Herbst. Gebr. Ziegler,. Erfurt 09 7 Lieferanten Sr. Maj.d.deutsch. Kaisers Hyacint.s Wassergläsern zu ziehen ist sehr interessant u. in jedem Wohnzimmer leicht und mit sicherem Erfolg auszuführen. Wir liefern m.genauer Anweisung zur Behandlung in garantirt blühbaren Zwiebeln f dieSschönsten Haarlemer Hyacinthen echt Haarlemer Zwiebeln m. 0 Lest a hocnfeinen Salongläsern zus. für 3½ Mk. (ohne Gläs. à St. 20 Pf) Haarlem. UHyasint. sehr schöneflischg. 100 Stek. 13 Mk. 10 Stck. 1 40 Mk. (etwas schwäch., aber ebenf. blühb. gesunde Zwiebeln à St. 10 Pf.) 50 gefüllte e 0 inpverschied. Pracht- sorten mit Namen susammen 2,.— Mk N 50 einfache ö I daarkener fen inp verschied. Pracht- sorten mit Namen Zusammen 2,— Mk. 100 Haarlemer Crocus in 5 versch. Prachtsorten m. Namen zusammen, 20 Mk. Afrikanische Riesen-Calla bringt Riesenblumen von 25-30 em Durchmesser. à Stck. 1,.— Mk. 80 Haarlemer Blumenzwiebeln für den Garten allerhand schöne Sorten gemischt Zusammen für 1,50 Mk. 50 Haarlemer Blumenzwiebeln feinste Sorten für Zimmerzncht Zusammen für 2,.— Mk. Sämtliche Zwiebeln garant. blühbar. Anweisung zur Behandl. liegt bei. Zahlreiche Anerkennungen. Gebr. Ziegler, Erfurt 78 Lieferanten Sr. Maj. d. deutsch. Kaisers f 5 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Die 0 Reisekörben Kinderwagen U 1 1 eee eee,„odd. Teinbäckele Jon Fee Rane er Taschen Holßkoffer Deutschlands das Wertzeugnis. Von Türvorlagen Handkoffer L. Müller Gießen, Bahnhofstraße 61 hält sich bestens empfohlen. Sorte„Ruhm 101 ee nur— 70 Pfg. pro Pfund erzielten.; G ele Pflanzen, echt, Einfach 1000 St. 40 M., 100 St. 5 M., 108t 60 Pf. Gebr. Ziegler, Erfurt 78 Lieferanten zu vermieten. Sr. Maj. des deutschen Kaisers. möbl. Zimmer Bahuhofstraße 27 II. een Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Ichuhwaren-Lager in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Arbeitersehuhe und-Stiefel in jeder Preislage und reicher Auswahl. Justus Benner Marktstrasse 34. 8. sowie alle sonstigen Schuhwaren 4 2 1 30 Haß fur Probe werzende Nuslermesser zum Gebrauch abgezogen und für jeden Bart passend. 5 Jahre Garantie! 3 .. Nichtgefall., Betrag sofort retour. Also kein Risiko. No. 27 fein hohl à Mk. J, 50 No. 29 sehr„ à„ 2,00 K No. 33 extra, 4„ 2,50[ Etuis Haushaltgeräte, Gold-, Silber- u. Lederwaren, Musikwerke etc. franko. Stahlwarenfabrik und Versandhans. Sicherheits-Rasiermesser Mk. 2,75 D. R. G. M.[Verletzung un- mögl.] Prachtkatal., neu. Ausg. von ff. Soling. Stahlw., Waffen, aus denkbar bestem engl. Silberstahl(eigenes Fabrikat), fertig eratis u. Emil Jansen, Wald No. 232 Solingen Wasserkrüge Packkörbe aufen Benner& Krumm SGG esse Arbeiter erhält Schlafstelle bei M. Melcher, Wetzsteingasse 10. Es gibt kein deschäft Hessens, welches dem reellen Arbeiter dieselben Vorteile bietet wie der » Oberhess. Nleider⸗Bazar Marburg a. d. Lahn 2 Offeriere aus meinem Riesenlager(meine Räume umfassen 3000 Quadratmeter): Burkin-Herren-Amüge do. schwerste Qualität 1 8 9 8,00 Mk. 1000 Kammgarn u. Cheuiot-Anzüge, blau, braun, schwarz 13,00„ Allerfeinste Herren-Anzüge, mit geitentaschen, beste Verarbeitung 3 Sacros in bester Ware, in prima Kammgarn 1000 „ Cheviot, Burkin, in Ia. Qualität, früher 15 Mk., jetzt 6,00„ Herr.-Burkin-Hosen, in bester Ware, früh. 9 Mk.,„ 3,00„ Nadfahrer-Anzüge, früher 30 Mk., jetzt Tederhosen in 20 Qualitäten 1. 1 Burkin-Hosen, neueste Muster, mod. verarbeitet 5 Manchester⸗Hosen, Mauchester⸗Röcke, Joppen und Westen.— Blaue Sammthosen, 4 10,00„ von 3,00„an 95 3,00 5 55 Filzhüte. Strohhüte von 10 Pfg. aun.— Mützen, Socken, Strümpfe, Shlipse, Cravatten, Barcheut⸗Hemden von 1 Mk. an, unterhosen in Leinen und Baum⸗ wolle, Normalhemden.— Stiefel und Stiefeletten von gewöhnlicher bis feinster Qualität, Arbeiterschuhe und ⸗Stiefel, schwer beschlagen, Wasserstiefel, extra gute Ware, 12 Mark.— Regenschirme, Stöcke, Koffer in Holz und Leder von 1,50 Mr. Hosenträger, Pantoffel, sowie 1000 andere Artikel. Kinder- und Knaben-Anzüge sowie Damen-Blousen, Damen-Röcke, Damen- Jaquets, Capes. Einkaufshaus für Italiener, Franzosen, Löhmen und Polen, sowie die umliegenden Ortschaften. Versäumen Sie nicht den Besuch meines bekannten Hauses. 13 19 1 5 10 N 9 1 10 1 9 1 „4 1 1 1 1 5* 1 1 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung eite 8. 1 Nr. 41. Achtung! Herbst- u. Winter- Saison! Garnierte und ungarnierte Damen- und adchen-Fiznüte vom einfachsten bis elegantesten Genre. Herrenflfeck Damenfleck Kinderfleck Nunn gn? Schuhwarenlager u. Sehubmacherei Uöengasse 20 Heinrich Aff Uöxengasze 20 besohlt schnell, gut und billig(Handarbeit und gutes material) Herrenschuhe von Mk. 1,80 an Damenschuhe„„ Kinderschuhe biligst 1,30„ von„ 0,60„ „» 0,50„ „ O, 25 Herren- und Knaben- Filzhüte in verschiedenen Qualitäten. Minder-Ccanatten,-Allütsru.-Järkrllen Madchen; u. Frauentucher u. Chales Strümpfe, Socken, Cravatten, Wäsche Hosenträger Taschentücher, Normalwäsche eie. Damen- Gürtel, Corsets Schuhm Besohle schnell und gut: Damenschuhe„ Herrenfleck. Damen fleck 7. Hinderfleck 7 gutes Kernleder verarbeite. Empfehle meine Herrenschuhe von 2,50 Mk. an acherei. 1, 80„„, 1. O0, 60„„, 0,40„„, Diese Preise stellen sich um deswillen so hoch, weil ich nur Georg Baum, Schillerstraße 291. N Handschuhe, Schürzen, Röcke eto. Damen⸗Pelzgarnituren Reizende Neuheiten la. Kornbrot v. Kinzenb. Mühle ist erhältl. in: Gießen, Brotladen am Lindenpl. Heuchelheim Heinr. Kröck V. Heinr. Schmidt V. Neu eingeführt: Riehard Loewenthal 8 Co. e, a [& Wolff ESSEN A Naunhei Eee Maurlalstr. ebe J. Mohr Wetzlar R. Wagner, Hermann⸗ steinerstraße J. Noll, HahmmshOoñ/ ser. 1 MARBUR GUI Vorteilhaftes Angebot! Garbenheim Karl Amend 95 f Gleiberg Witwe Leib Sonnabend, 15. Oktober, abends 9 Uhr 1 Ph. Debus Wißmar Georg Speier Um gefl. Zuspruch bei meinen Verkaufsstellen bitte ergebenst Wilh. Schimmel. Oeffentl. Parteioersammlung im Jesberg'schen Lokal, Wehrdaerweg 2. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Bremer Parteitage(Referent: Genosse Vetters⸗Gießen). 2. Abrechnung des Vertrauensmannes. 3. Ab⸗ rechnung der Kolportage⸗Kommiffion. 4. Neuwahl des Vertrauens⸗ 3 der N mannes. 5. Verschiedenes. Fabrik für Private Drucksdchen unter Der wichtigen Tages ordnung halber ist das Erscheinen aller Genossen dringend erwünscht. aller firt lertigt die Buchdrucherel Ausfall des Händler-Aufschlages Ronsumverein Giessen u. Umgegend. Unseren Mitgliedern zur Nach⸗ richt, daß im Laufe der nächsten Woche die Kartoffeln zur Verteilung kommen. Wir ersuchen unsere Mitglieder, die Aufbewahrungsräume bereit zu halten, da die Säcke sofort entleert werden müssen. Da i der Wee teueren Kartoffelpreise ein Ge⸗ schäftsaufschlag nicht stattfindet, können Rabattmarken nicht ver⸗ abfolgt werden. Zugleich empfehlen wir die neu eiagefähsten Artikel Herren-Unterhosen Herren-Westen Herren- Sachen Damen-u. Kinderstrümpfe Neuaufnahmen können jeder⸗ zeit in unserer Verkaufsstelle Bahnhofstraße 31 erfolgen. Sonntags ist dieselbe Preisliste umsonst und portofrei. Der Vertrauensmann. nur von 11—1 Uhr geöffnet. Prüfen Sie meine ehe Sie Ihren Bedarf darin decken. Die Preise sind hervorragend billig. Damen- Konfektion Sämtliche Artikel zeichnen sich durch tadellosen Sitz, schicke Ausführung, vorzügl. Verarbeitung aus. Massenauswahl in sämtlichen Preislagen. Damen-Jacketts aus Satin double, schick garniert. 5.75 Damen- Capes aus schweren Winterstoffen 5.50 Damen- Jacketts aus vorzuügl.) gerauhtem; Winterstoff S. 50) Damen- Capes aus gemust. Stoffen, schick garniert 9.75 Damen-Juacketts aus Ia. Eskimo, elegant ausgeführt 13.50 Damen- Capes aus hoch modernen Stoffen 16.50 Damen-Jacketts aus Ia. Covereoat, Saison-Neuhett 13.785 Kinder-Jackets in allen moglichen Ausführungen 2. 25 an Damen-Jacketts aus feinen Stoffen, aparte Ausführ. 18.50 Mädchen-Jacketts in enormer Auswahl. 4.50 an J. Heilbronner, Marktstrasse 17, Beachten Sie gefl. meine Schaufenster. Verlag der Mitteld. Sonutags-Zel ung(C. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redatteur F. A. Vetters, Gießen, Beachten gie gefl. meine Schaufenster. 2 N 4 — 3 5* Druck von Oeppeler X Meyer, Gießen. p.,. II, III. eee eee e e