der n durch uf dem g füt genossin . Der Hinblick fernung lungen en und dalions⸗ 5 pol. Frauen Klage benfalls 1. Das t dieser er Par⸗ imission astallcte gereiue⸗ werden, Frauen gereinen rr ——— Nr. 23. Gießen, den 5. Juni 1904. 11. Juhrg. Redaktion: Rirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonn Mitteldeutsche Ag5⸗Zeitu Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 10 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellung en Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Juserate 2 Die ögespalt. Bei mindestens Ein Prediger der Wahrheit. Vor Kurzem hat ein Pfarrer der evange⸗ lischen Kirche ein Buch herausgegeben, das in den Reihen der Gescheitelten wie der Gescho⸗ renen nicht geringes Entsetzen hervorrufen wird. Wir dagegen, die wir gewohnt sind, von den Dienern der Kirche mit fanatischem Hasse ver⸗ folgt, mit Lüge und Verleumdung bekämpft zu werden, haben alle Veranlassung, auf die Aeußerungen dieses ehrlichen Mannes und wahren Christen mit Genugtuung hinzuweisen. Ein leibhaftiger Pastor verteidigt die Sozialdemokratie! Das kommt wirk⸗ lich nicht alle Tage vor. Das Buch, von dem die Rede ist, ist unter dem Titel„Sie müssen! Ein offenes Wort an die christliche Gesellschaft“ in Berlin in zweiter Auflage erschienen und hat den Pfarrer Kutter in Zürich zum Verfasser. Kutter ist ein gläubiger Christ, aber ein Christ, der in der offiziellen Kirche die Abgefallene und Ver⸗ räterin an der Lehre Christi erblickt, als deren eigentlichen Vertreter er die Sozialdemokratie ansteht, die, so meint er, ohne sich dessen be⸗ wußt zu sein, die radikalen Forderungen des Christentums zu verwirklichen bestrebt sei. Er faßt das innerste Wesen und Streben der So⸗ zialdemokratte als die höchste Erfüllung des von Christus Gewollten auf. Deshalb müsse die Sozialdemokratie auf die Beseitigung der heutigen Gesellschaftsordnung, der Herrschaft des Geldsacks hinarbeiten. Hören wir den Prediger! Schon die Ueberschriften der einzelnen Ab⸗ schnitte zeigen, wie Kutter seine Aufgabe auf⸗ faßt. Er packt den Stter an den Hörnern, indem er die Angriffe auf die Sozialdemokratie also zusammenfaßt: Die Sozialdemokratie leugnet das Dasein Gottes; die Sozialdemokraten unter⸗ graben und zerstören die christliche Wahrheit; die Sozialdemokratie ist eine revolutionäre Partei; die Sozialdemokraten anerkennen die Sünde nicht; die Sozialdemokraten glauben nur an die Materie und verwerfen den Geist; die Sozialdemokratie verneint die absolute Be⸗ deutung des Rechts und der Moral; die So⸗ zialdemokratie kennt und anerkennt kein Va⸗ terland. N Hier haben wir so ziemlich alle Angriffe zusammen, die speziell aus dem christlichen La⸗ ger gegen uns erhoben werden, deren Hin⸗ fälligkeit nun Kutter in seiner Art und von seinem Standpunkt aus beleuchtet und kritistert. Werfe man der Sozialdemokratie Gottlosig⸗ keit vor, so fragt er: wer unter den Christen das Wort verstehe:„Liebet Eure Feinde“! Oder wer das Gebot begreife:„Sammelt nicht Schätze auf Erden, sorget nicht für den andern Morgen!“„Die Sozialdemokraten hungern und dürsten doch auch nach gerechten 38 u st ä n⸗ den— und sollten gotilos sein? Sie kämpfen für die Barmherzigkeit— und sollten keine Barmherzigkeit erlangen? Sie hassen das Ge⸗ meine, Schmutzige, Lüsterne— und sollen nicht auch Gottes Kinder heißen? Sie werden von allen Seiten geschmäht und verfolgt— und Gott solle sie in die Hölle stoßen? Sie sammeln nicht selbst Schätze, wie die andern Parteien, sie erklären dem Gelde den Krieg— und soll⸗ ten nicht zu Gott gehören, ihm nicht dienen? Sie tun, was Gott von Anfang an durch seine Zeugen gefordert: sie nehmen sich einzig der Armen und Geknechteten an— und sollten ohne Gott sein“? Gottlosigkeit set die Losung, die Stöcker der Sozialdemokratie gegenüber aus⸗ gegeben habe, und Gottlosigkeit sei das Wort, das ein Naumann immer wieder uns entgegen⸗ halte, und das, obgleich wir Ernst machten mit den Forderungen Gottes wider den Mam⸗ mon. Sei es da nicht klar, daß zwischen Gott und dem Glauben der Stöcker und Naumann eine tiefe Kluft bestehe? Die Sozialdemokratie solle man protestantischerseits nicht bekämpfen, sondern in ihrer Erscheinung die Hand des lebendigen Gottes sehen. Die Propheten alle seien revolutionäre Ruhestörer mit wahnwitzigen und hirnverbrannten Ideen ge⸗ wesen, und diese alle würden uns heute als mustergültige Vertreter des göttlichen Wortes vor Augen gemalt. Jesus selbst sei ein„Volks⸗ verführer und Gotteslästerer“, ein Freund der Auswürflinge, der„Zöllner und Sünder“, ge⸗ weilen und seine Apostel der„Abschaum der Gesellschaft“, aber das hindere nicht, daß man sich heute in der ganzen Christenheit auf sie berufe. Die evangelische Kirche habe des lebendigen Gottes vergessen. Kutter kritistert das Programm der Stöcker⸗ schen christlich⸗soztalen Arbeiterpartei, von dem man nicht begreife, was es eigentlich wolle. Was wohl die Herren der Finanz, die Groß⸗ kapitalisten, die Großgrundbesitzer unter dieser schüchternen Programmkundgebung dächten? Es sei als wäre jedes Wort absichtlich in der Schwebe gelassen worden, um das Schifflein des christlichen Sozialismus an dieser gefähr⸗ lichsten aller Klippen unversehrt vorbei zu bug⸗ sieren. Es ist bitter, was Stöcker von seinem Amtsbruder zu hören bekommt, aber die Kritik trifft den Nagel auf den Kopf. Auch Naumann bekommt unangenehme Wahrheiten zu hören. Das Buch ist geschrieben, als Naumann noch über eine eigene Partei verfügte; diese ist jetzt dahin. Es stünden viele Geistliche mit den reinsten Idealen auf seiner, Naumanns Seite, aber man könne nicht mit Absichten, Ent⸗ schlüssen, Idealen und Ueberzeugungen den Feind überwinden, der nur durch einen neuen Geist, durch Feuer und Flammen überwunden werden könne. Und diese Feuerflam⸗ men loderten in den Reihen der Sozialdemokratie. Alle Parteien ohne Ausnahme sorgten nur für sich, die Sozial⸗ demokratie sorge für die Mensch⸗ heit, sie diene einer großer Sache, die sie be⸗ geistere. Weiter sagt er: Die heutigen Besitzverhält⸗ nisse seien aus dem Mammon geboren, sie müßten aufhören. Aber gerade hiervor schrecke die Kirche zurück; sie gehöre selbst noch zu den Besitzenden. Solle aber der Mam⸗ mon fallen, dann müsse das heutige Privateigentum fallen. Man sieht, Kutter hat nicht nur den Mut, der Kirche die unangenehmsten Wahrheiten zu sagen, er schrickt auch vor den Konsequenzen seiner Gedanken nicht zurück. a Warum, fragt er geben die frommen Gläu⸗ bigen immer wieder die bequeme und spießbür⸗ gerliche Antwort: jede Aenderung der Verhält⸗ nisse ist falsch und ungesund, und nie die schwere, gefährliche und entscheidende: Wir können nicht dem Mammon dienen?„Woher kommt es doch, daß ihr die Armen aufs einstige Kommen des Herrn vertröstet und die Reichen nicht mit demselben Kommen schreckt— wie Jesus getan! Warum bringt ihr kein Schelten gegen die Reichen über die Lippen, während ihr die Armen um ihrer Begehrlichkeit willen hart anlasset?— Ich glaube fast, euer Christentum ist ein Christentum der Reichen und nicht der Armen Ihr redet vom Innern, weil ihr kein Licht habt... Ist es doch möglich, innerlich ein Christ zu sein und äußerlich ein Schelm...“ Was ist das für ein Glaube, fährt er fort, der die grausigen Produktionsordnungen, die der Mammon geschaffen, für unantastbar er⸗ klärt und sich damit bescheidet, die Folgen dieser Ordnungen in ihrer Entsetzlichkeit zu mildern? Sind alle die furchtbaren, moralischen und physischen Leiden, die tausend Wunden, aus denen unser Volkskörper blutet, nicht Folgen dieses Produktionssystems?... Und da wieder⸗ holen wir es: Die Kirche, mag sie sich katholischoderevangelisch nennen, ist vom Geist des Mammons be⸗ herr cht. Und weiter hält an einer andern Stelle der mutige Prediger seinen Kollegen vor, wie sie und die Kirche sich stets vor Reichtum und Besitz beugten.„Wie unwürdig ist das Beneh⸗ men so vieler, vieler Pastoren und Geistlichen den Vornehmen dieser Welt gegenüber! Wie viele törichte, unwahre Schmeichelei, wie viel feiges Schweigen und Vertuschen, wie viel Ohnmacht und Charakterlosigkeit? Wer reich ist, wird von der Kirche hoch ange⸗ sehen. Es werden ihm Aemter und Würden übertragen, mit deren Annahme er sie tief er⸗ freut und ehrt— mag er im Leben noch so grausam mit seinen Arbeitern, noch so unge⸗ recht mit den Untergebenen, noch so unehren⸗ haft im Geschäftsverkehr verfahren. Das Geld schützt und schtrmt ihn... Und wir verwundern uns, daß die Sozialdemokratie nichts von der Kirche wissen will? Sollten wir nicht gerade hierin ein Zeichen ihrer Lebendigkeit und Wahrheit er⸗ blicken?“ 5 760 Kurz, der Züricher Pfarrer Kutter kritisiert von seinem religtösen Standpunkte aus die heutigen Zustände und die heutige Gesell⸗ schaft genau in derselben Weise, wie die Sozialdemokratie. Er faßt seinen Beruf anders und ernster auf, als die Mehrheit seiner Kollegen, die nichts besseres zu tun wissen, als über die Sozialdemokratie zu zetern und zu schimpfen, ihre Anhänger als Verbrecher zu stempeln und die heutige Ordnung als eine gottgewollte hinzustellen. Diesen Kämpfern für„Religion, Sitte und Ordnung“ wird seine ehrliche und offene Sprache recht unangenehm in den Ohren klingen. Werden sie es sich zu Herzen nehmen und ihr Verhalten gegen das kämpfende Heer der Besitzlosen und Unter⸗ drückten ändern? Ach, nein. Sie werden piel⸗ mehr ihren Kollegen, der wirkliches Christen⸗ tum predigt, mit der Sozialdemokratie in einen Topf werfen und im übrigen treue Die⸗ ner der Besitzenden und Herrschenden bleiben. Wollten ihm doch schon die Frommen seiuer Gemeinde bei den Erneuerungswahlen beseitigen, n — 3 8—— — ̃ ks— . —— 5 2———— 2— 2 —— —— ee e e ä— 8 . . e eee, Seite 2. WMitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 23. ihn also um sein Brot bringen, als er sein Buch veröffentlicht hatte! Und sie hätten es getan, wenn ihn die demokratischen Kleinbürger 118 sozialdemokratischen Arbeiter nicht geschützt ätten. Wir werden in der nächsten Nummer noch⸗ mals auf die bemerkenswerte Schrift zurück⸗ kommen. —— Pflichten sozialdemokratischer Gemeindevertreter. Besonders auf dem Lande sind unsere in der Gemeindevertretung befindlichen Genossen oft wenig darüber unterrichtet, welche Pflichten ihnen ihr Amt auferlegt. Die„Kommunale Praxis“, deren Abonnement jedem sozialdemo⸗ kratischen Gemeindevertreter dringend zu em⸗ pfehlen ist, brachte darüber kürzlich eine kurze Betrachtung, der wir folgendes entnehmen: Genau wie in andern Parlamenten, so ist auch in den Gemeindevertretungen die Kritik an den bestehenden Verhältnissen mit eine der Hauptaufgaben der sozialdemokratischen Vertreter; genau wie in andern Parlamenten bietet sich auch hier oft genug Gelegenheit, An⸗ griffe auf Rechte und Freiheiten der Bevölkerung abzuwehren; genau wie in anderen Parlamenten gilt es auch hier einzutreten für die Interessen der Besitzlosen. Es kann und darf z. B. nicht gleichgültig sein, wie das Schul wesen der Gemeinde beschaffen ist. Solange nicht das Ziel der Einführung der allgemeinen Volksschule erreicht ist, haben die sozialdemokratischen Ver⸗ treter dafür zu sorgen, daß wenigstens der heu⸗ tigen Volksschule der Charakter der Armen⸗ schule genommen wird. Nicht nur für die geistige, auch für die körperliche Ausbil⸗ dung der Jugend muß weit mehr geschehen, als die Gemeinden im heutigen Klassenstaat dafür tun. Die Hygiene der Volksschule wird selbst in reichen Gemeinden in einer Weise vernachlässigt, die jeder Beschreibung spottet. Auch die öffentliche Gesun dheitspflege im allgemeinen wird nicht den Fortschritten der Wissenschaft entsprechend gepflegt. Erst wenige Gemeinden haben die Kanalisation durch⸗ geführt; noch wenigere wissen den Nutzen einer sachgemäßen Desinfektion zu würdigen. Und doch können die Folgen der Unterlassungssünden auf diesem Gebiet beim Ausbruch einer Seuche, bei Epidemien und dergleichen unabsehbare sein. Selbst die Krankenhäuser der Gemeinden, soweit solche überhaupt vorhanden sind, erinnern oft an mittelalterliche Einrichtungen. Wie es mit der Armen⸗ und Waisenpflege in den weitaus meisten Gegenden bestellt ist, weiß jeder, der in der Verwaltung tätig ist oder der selbst einmal in der Lage war, die öffentliche Unterstützung in Anspruch nehmen zu müssen. Keine Spur von sozialem Geist ist hier zu ent⸗ decken, es wird keine Rücksicht auf den indivi⸗ duellen Fall genommen, sondern es wird schablonenmäßig vorgegangen. Der Arme wird behandelt wie ein Verbrecher, und die Leistungen werden auf das gesetzliche Mindestmaß beschränkt. Gewiß erheischt die Erfüllung der sozial⸗ demokratischen Forderungen Geld, und arme Gemeinden werden kaum daran denken können, irgendwelche sozialpolitische Maßnahmen von Bedeutung durchzuführen. Hier soll der Staat helfend eingreifen, sei es auf dem Wege von Gesetzänderungen, sei es durch Maßnahmen auf dem Verwaltungswege. Besser situterte Ge⸗ meinden dagegen könnten sehr wohl die Mittel für die Durchführung einer zielbewußten kom- munalen Sozialpolitik aufbringen. Denn obwohl die Gemeinden zum Beispiel in Preußen keine Steuer⸗Autonomie haben, so lassen ihnen doch die bestehenden Gesetze ein gewisses Maß von Bewegungsfreiheit, die nur richtig ange— wendet zu werden braucht. Auch ohne eine Belastung der ärmeren Volksschichten ist es möglich, durch ein von sozialpolttischen Gesichts⸗ punkten ausgehendes Gemeindesteuersystem die Einnahmen wesentlich zu erhöhen. Werden auf der andern Seite überflüssige Ausgaben ver⸗ mieden, wird Sparsamkeit am rechten Orte geübt, dann wird es an Mitteln nicht fehlen. So harren der Gemeindevertreter Aufgaben in großer Zahl und sie werden bei ihrer Duürch⸗ führung sicherlich zum Wohle der Gesamtheit beitragen.— Politische Rundschau. Gießen, den 2. Juni 1904. Der Sozialisten⸗Vernichter⸗Verband hat sich zu seinem Vorsitzenden den General⸗ leutnant v. Liebert erkoren, der früher Gou⸗ veneur von Deutsch⸗Ostafrika war. Der Tapfere hat das Kommando übernommen und geht mit einer Schneidigkeit und zugleich Harmlosigkeit ins Zeug, als wäre die deutsche Sozialdemokratie ein von deutschen Kulturträgern demoralisterter Negerstamm und als hätte er ein schlagfertiges Heer bis an die Zähne bewaffneter Sozialisten⸗ töter hinter sich und nicht eine Herde harm⸗ loser Schäflein, die nur die Angst vor der Sozialdemokratie zusammengetrieben hat. Vor allem hat es Liebert auf eine große gewaltige Flotte abgesehen. Er stellt mit den übrigen Flottengeneralen die abenteuerlichsten Forde⸗ rungen und verausgabt, natürlich vorerst nur auf dem Papier, fabelhafte Schätze für die Wehrhaftmachung Deutschlands zur See, die nach Liebert Deutschland befähigen soll, bei allen Händeln der Welt mitsprechen zu können. Natürlich ärgert es den Herrn General, daß der Reichstag nicht ohne weiteres die Mittel bewilligen will und sich überhaupt so erbärmlich schäbig zeigt. Liebert beabsichtigt daher, dem Reichstage eine nationale Erziehung angedeihen zu lassen. Er werde gegen den Reichstag ordentlich hetzen, meinte er in Vorträgen, die er im Rheinlande hielt. Man sieht, der Kommandeur des Reichsverbandes kennt keine Bedenken. Anders fing der Geschäftsführer der So⸗ zialistenvernichter⸗Organisation die Sache an. Der hatte nämlich das Plänchen ausgeheckt, die evangelischen Arbeitervereine dem Reichsver⸗ band anzugliedern, um so dem großen Offi⸗ ziersstab, der gegenwärtig den Reichsverband bildet, auch einige Soldaten zu verschaffen. Ganz leise und demütig hat er sich an die Delegierten der evangelischen Arbeitervereine herangeschlichen, sie heilig und teuer versichert, daß der Reichsverband kein Scharfmacherverein sei, daß er die berechtigten Bestrebungen der Arbeiter zur Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage anerkenne usw. Aber nicht einmal die evangelischen Arbeitervereine hat er von der Nützlichkeit des Reichsverbandes überzeugen können und ist damit gründlich abgeblitzt. Daß er aber überhaupt die Waffenbrüderschaft der evangelischen Schäflein suchte, ist für diese schon bezeichnend. Ende der Sozialistenhetzer. Benedix war ein schneidiger, preußischer Staatsanwalt, Brausewetter ein ebenso schneidiger preußischer Landgerichts⸗ direktor. Im Moabiter Landgericht in Berlin haben die beiden, die geschworene Feinde der Sozialdemokratie waren, so manchen So⸗ zialisten⸗ und Anarchistenprozeß verhandelt; Benedix als Ankläger, Brausewetter als Rich⸗ ter. Wie so mancher, der strebend sich bemüht, haben auch Benedix und Brausewetter das Metier der Sozialistentötung für ein Mittel gehalten, sich bei ihrer vorgesetzten Behörde beliebt zu machen. Der eine oder andre hatte Erfolg damit, bei andern schlug das Mittel fehl, offenbar weil ihren Geistesgaben im Wett⸗ lauf mit der guten Gesinnung die Puste aus⸗ ging. Im Gummischlauchprozeß, der sich vor zehn Jahren am Berliner Landgericht I ab- spielte, hatte Benedix die Anklage zu vertreten; er und der Richter Brausewetter waren in ihrer Voreingenommenheit ein Herz und eine Seele. Benedix beantragte in diesem Prozeß, der dem Ansehen des damaligen Polizeiprä⸗ sidenten einen ungeheuern Stoß versetzt, heil⸗ lose Strafen gegen die acht angeklagten Zeitungs⸗ redakteure, und Brausewetter entsprach so einiger⸗ maßen seinen Wünschen. Herr Benedix wurde etwa ein Jahr später in das brandenburgische Städtchen Guben ver⸗ setzt, wo er noch in einigen kleinen Sozialisten⸗ prozessen unglückliche Anläufe zur Vernichtung der Sozialdemokratie unternahm, dann aber wurde er stille und ist jetzt in einer——— Heil anstalt gestorben. Ein tragisches, man möchte beinahe sagen vergeltendes Geschick hat es gefügt, daß sowohl der Staatsanwalt Benedix wie sein Freund, Landgerichts direktor Brausewetter, in geistiger Umnachtung verschieden sind. Das staatsgefährliche Christentum. Für die Abschaffung des Christen⸗ tums tritt der Deutsche Kolonialbund in einer Eingabe ein, die er an den Reichs⸗ kanzler gerichtet hat. Es soll künftig dafür gesorgt werden, daß die Missionare in Zukunft den Negern nicht mehr durch die ihnen un⸗ verständlichen Lehren von Gleich⸗ heit und Brüderlichkeit die Köpfe verdrehen. Das Christentum ist von Haus aus eine staatsgefährliche Lehre, und wenn die Apostel, deren Fest die gläubige Christenheit eben gefeiert hat, wieder aufstehen und ihren Weg nach Deutschland nehmen würden, so wetten wir einen goldenen Berg gegen eine Leberwurst, daß man sie als„Schnorrer und Verschwörer“ alsbald über die Grenze bugsteren würde. Uns freilich ist die christliche Lehre durch tausendjährige Gewöhnung verstäadlicher geworden; die„Gleichheit“ besteht natürlich nur„vor Gott“, auf Erden aber sollen wir der Obrigkeit untertan sein. Dagegen nahmen die dummen Neger das Reden von„Gleichheit und Brüderlichkeit“ nicht in seiner erhabenen Bedeutung, sondern schließen daraus, daß ste ihre Weiber nicht vergewaltigen und sich selber nicht mit der Nilpferdpeitsche behandeln zu lassen brauchen. Kein Wunder, daß man sich gegen solche„destruktive Tendenzen“ in der Kolonial⸗ politik energisch wehrt. Die weiße„Herrenrasse“ in ihrer gottähnlichen Vollkommenheit ist der einzige Gott, dessen Dienst den Schwarzen er laubt ist! Ihr sollt nicht Schätze sammeln. So predigen zwar die christlichen Priester dem Volke, sind aber dabei nach Kräften be⸗ müht, möglichst viel von schnödem Mammon und irdischen Gütern aufzuspeichern. Besonders das Oberhaupt der katholischen Kirche hat das jederzeit gut verstanden. Nach dem Tode Leos XIII. fand man in allen Ecken und Winkeln seiner Gemächer Geld versteckt, in den Büchern seiner Bibliothek, unter den Hängematten seines Zimmers usw. soll Papiergeld versteckt gewesen sein. Er hatte für mehrere Millionen Edel⸗ steine. Nach Mitteilung der englischen Zeit⸗ schrift„Tits⸗Bits“ betrug das päpstliche Bud⸗ get für 1900 nicht weniger als 21 875 000 Francs in Einnahme und nur 5 647 000 Frs. in Ausgabe; also ein jährlicher Ueberschuß von 16 Millionen Franken! Der jetzige Papst ist noch viel sparsamer und wird noch mehr er⸗ übrigen und so die ungeheuern Reichtümer der katholischen Kirche noch vermehren helfen. Brüder in Christo. Die„Lutherische Rundschau“ schreibt in ihrem Maiheft, nachdem zuerst der Papst als der Antichrist und die„Schwesterkirche“ als die große H... dargestellt wurde, folgendes über die Jesuiten:„Vor allem müssen wir die schwarze Garde des Antichrists, die durch die unendlich boshafte Erfindung des Satans ihre Mordgesinnung und ihre Schandtaten mit dem h. Jesusnamen deckt und sich selbst Gesellschaft Jesu nennt, während sie doch einzig im Dienst des Vaters der Lüge und im Sold des Mör⸗ ders von Anfang steht, also buchstäblich eine Gesellschaft Satans ist, nicht mehr mit dem Jesusnamen in Verbindung bringen und sie Jesuiten nennen.“— Schließlich wird dann noch der Vorschlag gemacht, die Jesuiten in Zukunft„Teufeliten“ zu nennen.— Das sind gewiß ganz artige Liebenswürdigkeiten. Und welch sittliche Entrüstung heuchelt die Gesellschaft, wenn mal in einer sozialdemokr. Versammlung — ein derbes Wort fällt! — . — ten. ung ber gen 0 ger el nd chs⸗ ür 1 ester be⸗ ol ders das Leos keln bern nes sesen 15 eit⸗ 0 000 ch. bon el⸗ del il ö ls ls bes die die iht 1 ca senst Mr, eil deln o fte ant . 0 nd haft, hl 5 Nr. 23. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. 5 Seite 3. Nachwahl in Straßburg ⸗Land. tung⸗Halbinsel gelegenen Stadt, nach hartem Kampfe in ihre Hände gefallen ist. Allerdings Don Nah und Fern. Diesen Donnerstag findet die Stichwahl im Straßburger Landkreise zwischen dem De⸗ mokraten Blumenthal und dem Zentrums⸗ mann Hauß statt. Unsere Parteigenossen treten selbstverstäudlich für Blumenthal ein und so dürfte dessen Wiederwahl gesichert sein, falls nicht etwa das Zentrum noch bedeutende Re⸗ serven aufbringt. Das Resultat können wir vielleicht noch unter„Letzte Nachrichten“ mit⸗ teilen. Stöcker ackerte während des Wahl⸗ kampfes für das Zentrum und forderte auch seine paar Mucker auf, für Hauß zu stimmen. Uebrigens wird der Wahlkampf noch ein ge⸗ richtliches Nachspiel haben. Stöcker hatte die von pfäffischer Unverschämtheit zeugende Aeuger⸗ ung getan, die in einem klerikalen Wahlflug⸗ blatt wiedergegeben wurde, wonach„seit den Tagen des frechen Most noch Keiner in so frecher Weise vom Christentum gesprochen habe, wie der Abgeordnete Blumenthal“. Blumenthal leistet sich nun den Spaß und verklagt wegen dieser Aeußerung das Wahlkomitee der klerikalen Partei für Straßburg⸗Land und seinen Gegen⸗ kandidaten Hauß, welche unterzeichnet hatten. Wahlen in Belgien. Am Sonntage haben in ganz Belgien Neu⸗ wahlen zur Kammer und zum Senat stattge⸗ funden. Es waren die Hälfte der Mandate zu erneuern. Bekanntlich gilt in Belgien das Pluralsystem, das den Besttzeuden gegenüber der werktätigen Bevölkerung bedeutende Vorteile sichert. Infolgedessen verloren unsere Genossen einige Manbate. Bisher hatten die Klerikalen die überwiegende Mehrheit, behalten sie auch nach den Neuwahlen noch, jedoch beträgt sie nur noch 20 Stimmen gegen vorher 26. Im Gan⸗ zen hat unsere Partei einen Verlust von 6 Sitzen zu verzeichnen. Dieser Verlust wird durch den Gewinn der Liberalen ausgeglichen, so daß die Linke um einige Sitze verstärkt wiederkehrt.(Nebenbei: die belgischen Liberalen sinb nicht solche Jammerkerle wie die deutschen.) Die Kammer wird künftig zählen: 93 Katho⸗ liken, 43 Liberale, 28 Sozialisten, 2 christliche Demokraten. Hierdurch vermindert sich die kleri⸗ kale Mehrheit um 6 Stimmen. Gegen pfäffische Anmaßungen wendet sich die französische Regierung in erfreulicher Weise, indem sie es ablehnt, für die weltliche Herrschaft des Papsttums einzutreten und sie hat dabei die Mehrheit des Parlaments und des Volkes auf ihrer Seite. Der Papst hatte nämlich eine Protestnote an die Regierungen gerichtet, in der er den Besuch des französischen Präsidenten bei dem König von Italien als eine Beleidigung des päpst⸗ lichen Stuhles erklärte und in der sich für die französische Regierung beleidigende Sätze be⸗ fanden. Der wirkliche Wortlaut der Note wurde Frankreich nicht mitgeteilt, doch war Jaurés in der Lage, ihn in seinem Blatte zu veröffentlichen. Infolgedessen rief Frankreich seinen Botschafter beim Vatikan ab. Wegen dieses Konfliktes wurde eine Interpellation in der Kammer eingebracht, die am Samstag er⸗ örtert wurde. Mehrere Redner verlangten den entgültigen Abbruch der diplomatischen Bezieh⸗ ungen zum Vatikan. Ministerpräsident Com bes erklärte, die Zurückberufung des Botschafters bedeute, daß Frankreich die weltliche Macht des Papstes ganz und gar nicht aner⸗ kenne. Es habe endlich mit den Ansprüchen der überlebten weltlichen Herrschaft aufräu⸗ men wollen. Redner beantragte, alle An⸗ träge betreffend die Trennung des Staates von der Kirche bis zum Januar zu vertagen, dann werde die Regierung der Frage näher treten. Die Kammer billigte die Haltung der Regierung und die päpstlichen Diplomaten sind die Blamierten. Russisch⸗japanischer Krieg. Die Einschließung Port⸗Arthurs durch die Japaner scheint nun eine vollständige u sein, nachdem Kintschou, die an der schmalsten Stelle des südlichen Teiles der Lao⸗ hat den Japanern der Kampf um diese Position vom 26.—28. Mai gewaltige Verluste gekostet. Es wurden mehrere erfolglose Stur m⸗ angriffe auf die befestigten Höhen gemacht, erst beim letzten Sturm, der von der Artillerie nachdrücklich unterstützt wurde, gelang es, Bresche in die Reihen der Russen zu legen. Der Ansturm der Japaner auf den Berg bei Nanschau am Donnerstag war einer der wil desten und blutigsten in der modernen Kriegsgeschichte. Während des ersten Sturmes wurde jeder Offtzier und jeder Mann weggeschossen, ehe er die erste russische Linie erreichte. Ein großes Glück war es für die Japaner, daß die Minendrähte auf⸗ Bl wurden. Wären die Minen explo⸗ iert, so hätten die Japaner ungeheuere Verluste erluten und die Russen hätten ihre Stellung halten können. Die Japaner sollen bei diesen Kämpfen 3500- 4000 Tote haben. Die Besetzung Dalnhys, der befestigten russischen Hafenstadt in nächster Nähe Port Arthurs, ist durch die Japaner anfangs dieser Woche erfolgt. Die Russen räumten Palny Hals über Kopf, nachdem sie versucht hatten, die Stadt zu zerstören. Mehr als 100 Gebäude, Kasernements, Depots, Eisenbahn⸗, Telegraphen⸗ bureaus sollen beschädigt sein. Die Russen zer⸗ störten den großen Quat und sperrten die Ein⸗ fahrt zum Hafenbassin mit versenkten Dampfern. Das japanische Pulver soll von ganz furchtbarer Explosionskraft sein. Nach Berichten ans Amerika habe die Explosion der mit diesem Pulver gefüllten Geschosse die amerikanischen Attaché's in Staunen gesetzt. Obwohl die schwersten, panzerdurchschlagenden Geschosse nur eine kleine Ladung des Pulvers enthalten, zer⸗ platzen sie in zahllose spitze Stücke, die alles zer⸗ trümmern, was ihnen Widerstand leistet. Immer furchtbarer und raffinierter werden die Mord⸗ waffen und immer mehr Menschen reißen sie mit einem Schlage nieder. Wie lange wird sich die Menschheit diese barbarische Schlächterei noch gefallen lassen? Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Terrorismus der Eisenbahnverwalt⸗ ung. Wie die Eisenbahnarbeiter von oben herunter gezwungen werden, sich einem Verein anzuschließen, davon legt ein Aushang in der Betriebswerkstatt Erfurt, den die Erfurter „Tribüne“ veröffentlicht, Zeugnis ab. Der Ukas lautet: „Die nachstehend benannten Beamten und Arbeiter haben sich bis heute noch nicht zum Beitritt des Eisenbahnvereins erklärt, dieselben werden gemäß Verfügung der Maschinen⸗ inspektion vom 14.5. O4 aufgefordert, den Grund ihres Ferubleibens anzugeben. (Nun folgen die Namen der 54 Sünder, welche sich noch nicht freiwillig zum Beitritt erklärt haben.) gez. Schwabe.“ In dem Einladungszirkular zur Gründung des Eisenbahnvereins hieß es, daß der Beitritt ein freiwilliger sei. Nun werden 54 Arbeiter und Beamte, die noch nicht beigetreten sind, auf eine Liste geschrieben und öffentlich durch Verfügung aufgefordert, zu erklären, warum sie dem Verein fernbleiben! Mit andern Worten heißt das doch wohl: Wer dem Eisen⸗ bahnerverein nicht beigetreten ist, wird auf die schwarze Liste gesetzt und nach dem Grund⸗ satze, den der Zitaten⸗Kanzler in seiner Reichstagsrede den Sozialdemokraten in die Schuhe schob:„Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein“.— Dabei haben die Gegner aller Schattierungen noch die Kühnheit, bon Terrorismus bei der Sozialdemokratie zu reden! In Sachen des Leipziger Aerzte⸗ Streites haben die Ortskrankenkassenmitglieder eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der gegen die Vernichtung des Selbstverwal⸗ tungsrechtes durch die Verfügungen der Kreis⸗ hauptmannschaft protestiert wird. 5 * Hessisches. — Gemeinderatswahlen haben in diesem Herbst in einer großen Anzahl Orte stattzufinden. Für unsere Parteigenossen er⸗ wächst daher die Pflicht, rechtzeitig dazu die erforderlichen Vorarbeiten zu treffen. Besonders ist es notwenig, Umschau nach geeigneten und zuverlässigen Kandidaten zu halten. Wie wich⸗ tig es für die arbeitende Bevölkerung ist, Leute ihrer Klasse in den Gemeindevertretungen zu haben, wurde schon so oft dargelegt, daß sich weitere Ausführungen darüber erübrigen. — Einen Gemeindewahlsieg er⸗ rangen unsere Genossen in Bretzenheim bei Mainz. Dort wurde am Donnerstag bei außerordentlich starker Wahlbeteiligung unser Genosse Fröhder in den Gemeinderat ge⸗ wählt.— Einen weiteren sehr bedeutungsvollen Sieg erkämpften unsere Genossen in Trebur bei Groß⸗Gerau, Kreis Darmstadt. Von den vier neu zu besetzenden Mandaten fielen de m sozialdemokratischen Wahlverein drei zu. Die Wahlbeteiligung war eine außerordentlich starke, von 471 Wahlberechtigten erschienenen 403 an der Urne. Trebur galt auch bis vor kurzer Zeit als antisemitische Hochburg und deshalb ist der zu den Bündlern hinübergewechselte Hirschel wütend über den Wahlausfall. Er schimpft und tobt, daß die Hälfte der besseren Bauern für die Sozialdemokraten gestimmt hätten. Es werden nicht bloß die besseren, sondern auch die vernünftigeren Bauern gewesen sein! Nun, lassen wir den Mann schimpfen, unsere gewählten Genossen werden ihre Pflicht tun und das in ste gesetzte Vertrauen rechtfertigen. — Sie wollen keine Steuern be⸗ zahlen, die Herren von der Kirche näm⸗ lich. Der evangelische Pfarrverein unterbreitete der Zweiten Kammer eine Resolution, in der eine Abänderung des Gesetzes über die Erb—⸗ schafts⸗ und Schenkungssteuer gefordert wird und zwar dahingehend, daß Zuwendungen an Kirchengemeinden von dieser Steuer befrekt sein sollen. Wir sind der Meinung, daß in solchem Falle die Steuern mindestens ebensogut wie von Privaten bezahlt werden können. — Ueber die Disziplinarstrafen in Volksschulen hat das hessische Mi⸗ nisterium des Innern eine neue Verord⸗ nung erlassen, worin folgende Strafen vor⸗ gesehen sind: a) Verweis durch den Lehrer, b) Zurückbehaltung und Nacharbeitenlassen in der Schule, c) Verweis von dem Schulvor⸗ stande und d) körperliche Züchtigung. Die Strafe der körperlichen Züchtigung ist aber nur dann zulässig, wenn nach der Eigenart und dem ganzen Verhalten eines Schulkindes anzu⸗ nehmen ist, daß die übrigen Schulstrafen sich als unwirksam erweisen würden, namentlich wenn ein Schulkind in Trägheit und Lügen⸗ haftigkeit versunken ist, offenbaren Trotz und Böswilligkeit an den Tag legt oder die Gesetze der Zucht und Sittlichkeit gröblich verletzt.— Nach den bisher in Hessen geltenden Bestimm⸗ ungen war in der Schule jede körperliche Züchtigung für Mädchen überhaupt und für Knaben unter 12 Jahren verboten. Die neue Verordnung bedeutet also einen Kulturrück⸗ schritt, wie wie kürzlich schon einmal hervor⸗ hoben. Vom Knuten⸗Oertel und seinen Gesinn⸗ ungsverwandten ist die Verordnung natürlich freudig begrüßt worden. 5 — Der Beleidigungsprozeß wegen der Kreischmann⸗Kriegsbriefe, der gegen unsere Genossen Adelung und Döl ler von der Mainzer„Volkszeitung“ angestrengt ist und der auf vergangenen Montag angesetzt war, ist auf unbestimmte Zeit vertagt wor⸗ den, weil einer der Hauptzeugen, Oberleutnant Balser in Darmstadt wegen Erkrankung nicht erscheinen kann. — Ortskrankenkassentag. Wie alljährlich, fand auch in diesem Jahre wieder eine Zusammenkunft der Vertreter der Ortskrankenkassen Hessens und zwar in Auerbach a. d. Bergstraße statt. Sie war aus allen Teilen Hessens stark besucht; anwesend waren der Bürgermeister von Auerbach, ferner die Kreisamtmänner 10 0 9 9 10 — — 3 Da 2— Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 23. von Mainz, Alzey, Bensheim, Heppenheim und Darmstadt. Die Verhandlungen wurden von Petri⸗Mainz geleitet. Nachdem der Geschäftsführer Göbel⸗Mainz den Jahres⸗ ber icht erstattet hatte, nahm Arbeitersekretär Gräf⸗ Frankfurt das Wort zu seinem Vortrag über die zurzeit so brennende Aerztefrage. Ausgehend von den Vor⸗ gängen in Solingen, Köln und Leipzig verlangte er volle Neutralität der Regierung in dem Streit zwischen Aerzten und Kassen. In der Debatte brachte Fabrikant Sche u⸗ ri g⸗Alzey die dortigen Vorkommnisse der letzten Zeit zur Sprache. Er wandte sich scharf gegen das Verhalten der Aerzte, besonders gegen den wortbrüchig gewordenen Herrn Dr. Reymann, und erklärte weiter, daß die Kasse gegen den vom Kreisamt mit den Aerzten abgeschlossenen Vertrag, weil er gegen die guten Sitten verstoße, ge⸗ richtlich vorgehen werde. Kreisamtmann Lö sslein⸗Alzey legte in überzeugender Weise dar, daß das Kreisamt in dieser Frage nicht anders handeln konnte. Ihm jelbst gefalle der Vertrag auch nicht und er glaube auch. daß er vom Gericht anulliert werde. In der Verurteilung des Verhaltens der Aerzte sei er mit Herrn Scheurig einig. Ueber die Krankenkassen und die Wahlen zu den Versicherungskörperschaften referiert Geschäftsführer Streb⸗ Offenbach. Er ermahnt die Kassen, nur solche Kandidaten aufzustellen, die einen ausreichenden Einblick in die schwierige Materie bereits haben.— Als diesjähriger Beitrag für den Heilstättenverein werden 300 Mark festgesetzt. Der nächste Krankenkassentag findet 1905 in Alzey statt.— Von der Gießener Ortskrankenkasse waren Dahmer und Fourier als Delegierte erschienen. — Die Wahlrechtskommission hatte, nachdem am Donnerstag eine Einigung auf den Kompromißantrag Gutfleisch erzielt war, den Antrag auf Einberufung einer außer⸗ ordentlichen Landtagstagung für Mitte Juni zur Verabschiedung der Reform unter Zustimmung des Kammerpräsidenten Haas ver⸗ einbart. Dagegen erhoben jedoch 21 Abge⸗ ordnete vom Lande Protest unter dem Vorwand, daß im Sommer kein vollständiger Landtag für eine so einschneidende Beratung zusammenzuhalten sei. Am Samstag werden Präsidium und Seniorenkonvent der Kammer zu diesem Protest Stellung nehmen und ihm wahrscheinlich Folge geben, sodaß die Wahl⸗ rechtsreform wieder durch die Agrarier um Monate verschleppt wäre. Die Wähler müssen sich die verkappten Wahlrechtsfeinde merken. „ Die Stadtverordnetenwahlen in Offenbach finden voraussichtlich im No⸗ vember statt. Soweit unsere Parteigenossen in Betracht kommt, läuft diesmal nur das Mandat des Genossen Ulrich ab. Gießener Angelegenheiten. — In der Stadtverordneten⸗ versammlung wurde am Donnerstag u. a. nochmals über ein Gesuch der Deutschameri⸗ kanischen Petroleumgesellschaft betr. Anlage eines Petroleum⸗Tanks verhandelt. Das Gesuch war früher schon einmal abgelehnt worden, weil es das Bestreben der Gesellschaft sei, den Petroleumhandel zu monopolisteren, jede Kon⸗ kurrenz zu vernichten, um dann willkürlich die Preise vorschreiben zu können und somit Grossist und Konsument geschädigt werde. Gegen diesen Beschluß führte die Gesellschaft Beschwerde. Das Ministerium zog Gutachten von den hess. Handelskammern ein, die verlesen werden und die sich mit Ausnahme der Offenbocher und der Friedberger im Sinne des Gießener Stadt⸗ verordneten⸗Beschlusses aussprechen. Die Ver⸗ sammlung beharrt auf ihrem früheren Beschlusse. — Die fortschreitende Konzentration des Kapi⸗ tals, wie ste in der Deutsch⸗Amerik. Petroleum⸗ gesellschaft zu Tage tritt, wird man mit diesem Beschlusse, so gut er gemeint sein mag, aller⸗ dings nicht aufhalten.— Die für das alte Schloß projektierte Treppe wird genehmigt. Der Oberbürgermeister meint, es seien für den Umbau noch 16 300 Mk. verfügbar, womit man auskommen werde. Wir möchten allerdings keinen Eid darauf leisten!— Ferner wird be⸗ schlossen, in diesem Jahre wieder ein Jugend⸗ fest abzuhalten, obwohl sich eine starke Min⸗ derheit des Schulvorstandes dagegen aus⸗ gesprochen hat.— Dann wird noch der Be⸗ bauungsplan für die Schwarzlach genehmigt. Dagegen lagen verschiedeue Einsprachen vor, u. a. von Herrn Löber, der dort Gelände besitzt und sich durch die geplante Straßen⸗ führung benachteiligt sieht. Sein Einspruch wird jedoch wie die übrigen, zurückgewiesen. — Bezüglich des Kreisfestes in Steinberg sei auf mehrere Anfragen mitge⸗ teilt, daß jedenfalls ein Extrazug bis Sta⸗ tion Schiffenberg geht. Derselbe wird kurz vor ½ 2 Uhr in Gießen abgelassen; der Fahrpreis wird für Hin⸗ und Rückfahrt 35 Pfg.(III. Kl.) betragen. Schulkinder sind frei. Es ist not⸗ wendig, daß dem Festausschuß(Gg. Beckmann, Grünbergerstraße 44) bald Mitteilung gemacht wird, wieviel Personen von den einzelnen Orten den Zug benutzen wollen.— Wie bereits früher mitgeteilt, findet das Fest statt, auch wenn das Wetter weniger günstig ift. Es wird genügend für Unterkunft gesorgt. Ferner wäre zu wünschen, daß sich einige Leute meldeten, welche Kinderspiele(Reigen usw.) arrangieren und leiten könnten. fl. Ein Delegiertentag der Arbeiter⸗ Sängervereinigungen Deutschlands fand an den Pfingstfeiertagen in Dresden statt. Die Liederge⸗ meinschaft zählt 1300 Vereine mit ca. 64000 Mit⸗ gliedern; seit 3 Jahren hat sich die Mitgliederzahl ver⸗ doppelt. Der Arbeiter⸗Sängerbund für den Rhein⸗ und Maing au, zu dem die Arbeitergesangvereine in Gießen und Umgebung gehören, ist mit 94 Vereinen und ca. 6000 Mitgliedern der viertgrößte Bund in der Ge⸗ meinschaft. Mufikdirektor Paul Michael aus Leipzig er⸗ stattete den Bericht der Dirigenten⸗Prüfungskommisston, wobei er scharfe Kritik an einem Teil der bereits er⸗ schienenen Lieder übte und als zu seicht ohne belebende Mufik bezeichnete. Er bedauerte die Teilnahmslosigkeit tüchtiger Komponisten der Liedergemeinschaft gegenüber, obwohl sie gerade bei den Arbeitersängern ein recht dankbares Feld für ihre Erzeugnisse finden würden, und wies auf Mittel und Wege hin, tüchtige Leute für uns zu gewinnen. Keine seichten minderwertigen Ar⸗ beiten, sondern nur das Beste für die Arbeiterge⸗ sangvereine!— Abgelehnt wurde die Herausgabe einer Sängerzeitung und ebenso die Abhaltung eines allgemeinen deutschen Sängerfestes. Eine Reihe Auträge, die eine bessere Organisation der Arbeiter⸗Sängerver⸗ einigungen bezwecken, fanden Annahme. Der Delegierten⸗ tag hat ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet, möge auch der weitere Erfolg nicht ausbleiben, mögen die Arbeiter in den bürgerlichen Gesangvereinen bald einsehen, daß dort nicht der Ort ihrer Tätigkeit ist. Möchten sie bald ihrem alten Schlendrian entsagen und sich den bestehen⸗ den Arbeitergesangvereinen anschließen, um mit uns ver⸗ eint das freie Lied in immer weitere Kreise der Be⸗ völkerung zu tragen:„Dem freien Volk das freie Lied!“ Aus dem Rreise gießen. b. Staufenberg. Der Volks verein hielt am Samstag eine Mitgliederversammlung ab, die ver⸗ hältnismäßig gut besucht war. Sie gestaltete sich in⸗ sofern interessant, als über einen Antrag auf— Auf⸗ lösung des Vereins zu heschließen war. Man sollte es nicht für möglich halten, daß in einer Zeit, wo die Verhältnisse den bessern politischen und gewerkschaftlichen Zusammenschluß der arbeitenden Bevölkerung fordern, ein derartiger Antrag überhaupt gestellt werden konnte! Jedenfalls zeigen seine Urheber, daß sie sich über die Aufgaben der arbeitenden und unterdrückten Klasse und die Mittel zu ihrer Befreiung keineswegs im Klaren sind. Erfreulicherweise ist er aber nicht auf die Interessen⸗ losigkeit der Genossen zurückzuführen, sondern lediglich als Folge der törichten Treiberei eines Einzelnen zu betrachten, der verschiedene Mitglieder aus rein persön⸗ lichen Gründen zum Austritt zu bewegen suchte. Der Mann irrte aber sehr, wenn er so leicht eine sozial⸗ demokratische Organisation zu sprengen gedachte, denn einhellig wurde der Antrag abgelehnt! Hoffent⸗ lich haben wir über einen solchen Lntrag nicht mehr zu verhandeln; vielmehr müssen alle kräftig agitieren und für Ausbau der Organisation wirken.(Natürlich. Solche Arbeiter sollten sich zu Herzen nehmen, was in dem Artikel„Ein gutes Wort“ im Unterhaltungsteil zu lesen ist! D. R.) — Pfäffische Unduldsamkeit. Aus Eberstadt bei Butzbach wird uns geschrieben: In der sonst so ruhigen Gemeinde Eberstadt herrscht seit einiger Zeit tiefe Erregung gegen den Pfarrer Veller, der es verstanden hat, sich bei der ganzen Gemeinde mit Ausnahme einzelner Personen gründlich unbeliebt zu machen. In seiner etwa siebenjährigen Tätigkeit hat er es dort glücklich soweit gebracht, daß außer 3—4 Familien die ganze Einwohnerschaft die Kirche meidet. Die Schuld an diesem Zerwürfnis liegt zweifellos auf Seiten des Pfarrers, denn die Gemeinde hat mit seinen Vorgängern immer im besten Einver⸗ nehmen gelebt und man findet die Erregung sehr be⸗ greiflich, wenn man folgende Beispiele seines Verhaltens sich vor Augen führt.— Da war vor längerer Zeit ein Paar getraut worden, bei dem sich der Klapper⸗ storch etwas früher, als er es eigentlich sollte, einstellte. Derartiges ist gewiß schon hier und da vorgekommen, sogar bei frommen Leuten, aber wenn nirgends Schlimmeres passierte, könnte man froh sein. Der Herr Pfarrer sah das jedoch für eine außerordentlich schwere Sünde an; als das Kind getauft war, stellte er die Eltern dadurch an den Pranger, daß er deren Namen öffent⸗ lich von der Kanzel verlas und die übliche„Aussegnung“ der Mutter mit dem Bemerken verweigerte, daß sie sich des kirchlichen Segens unwürdig erwiesen habe. Wie wenig handelte der Moralprediger damit im Sinne des Nazareners, der den die Ehebrecherin Verurteilenden zurief: Wer von Euch ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein auf sie! Ueberhaupt spielt sich der Pastor als strenger Sittlichkeitshüter auf. Er erklärt sogar das Tanze n von Personen verschiedenen Geschlechts mit einander für unsittlich, das erzeuge„Reizung“, es sollten Männer nur mit Männern und Frauen mit ihresgleichen tanzen! Das geht doch noch erbeblich über die ge⸗ schorenen lex-Heinze⸗Männer; so etwas hat Roeren noch nicht verlangt!— Ein andermal gab er Belehr⸗ ung über den Genuß des Abendmahls und donnerte den erschrockenen Gläubigen entgegen: Die Frauen soll⸗ ten nicht nur nippen, sondern trinken, denn Christus habe auch getrunken; die Männer dagegen, besonders die Unverheirateten, sollten sich mehr mäßigen.„In der Kirche wird nicht gefressen und gesoffen, freßt und saufet zu Hause, freßt und sauft im Wirtshause“! Solche Behandlung wurde mit der Zeit selbst den geduldigen Eberstädtern zu bunt und sie machen die größten An⸗ strengungen, diesen ihren Seelenhirten los zu werden. Wiederholt wurde man bei dem Konsistorium in Darm⸗ stadt vorstellig, wiederholt begaben sich sogar Deputa⸗ tionen der Gemeindemitglieder und des Kirchenvorstands dorthin, um die Versetzung des Pastors Veller zu er⸗ reichen, bis jetzt aber noch stets erfolglos. Man fragt sich, warum der Pfarrer nicht von selbst geht, da er doch sieht, daß die ganze Gemeinde seiner überdrüssig ist. Soweit die Zuschrift, die wir erst veröffentlicht haben, nachdem wir über die Richtigleit ihrer Angaben Erkundigungen eingezogen. Es ist begreiflich, daß sich⸗ der durchaus religiös gesinnten Gemeinde über ein der⸗ artiges Auftreten des Pfarrers eine tiefe Erregung be⸗ mächtigte. Alle Gemeindeangehörigen— vielleicht mit Ausnahme einiger Mucker— sind umsomehr empört, als man bisher den Eberstädtern nichts Unrechtes nach⸗ sagen konnte. Allerdings, in vielen andern Orten würde man sich sicher nicht aufregen, sondern den guten Mann ruhig eifern und reden lassen, sich nicht darum kümmern und einfach der Kirche den Rücken kehren. Nicht so ruhig sollte allerdings das öffentlich bloßgestellte Ehepaar die Sache hinnehmen, sondern wegen üffentlicher Beleidigung klagen. In den Augen jedes vernünftig Denkenden liegt in dem Verhalten des Ehepaares viel weniger Unsittliches als in dem des Pfarrers, und wir sind überzeugt, ein energischer und aufgeklärter Mann würde den Herrn Pastor auf die unerhörte Beleidigung kräftig geantwortet haben, vielleicht wie— Götz von Berlichüngen. — Zu dem Kindes mord in Eber⸗ stadt erfahren wir, daß die Denunziation der Mina Görlach von Seiten einiger Frommen erfolgt sein soll. Allgemein wird die Verhaftete für unschuldig gehalten. Sie hat sich stets in gewohnter Weise in der Gesellschaft gezeigt und niemand hat ihr etwas angemerkt, daß sie sich in andern Umständen befinde. Es läßt sich denken, daß dieser Fall dazu beiträgt, die Er⸗ regung, welche durch die Differenzen mit dem Pfarrer ohnehin eine hochgradige ist, noch zu steigern.— Vergangene Woche war ein Be⸗ amter aus Darmstadt in Eberstadt, der jeden⸗ falls im Auftrage des Ministeriums Erkundig⸗ ungen über die Affaire einziehen sollte. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Eine schöne Bäckerei scheint diejenige von Köhler zu sein. Nicht nur in Bezug auf die Arbeitsverhältnisse, sondern auch in Bezug auf Sauber⸗ keit. Ein dort beschäftigt gewesener G selle hat der Polizei darüber interessante Einzelheiten mitgeteilt, wo⸗ rauf bereits eine Revision stattgefunden hat. Unsern Gewährsmann wurde eine Probe von dem verwendeten Staubzucker überreicht, die mit allerhand Schmutz, Papier⸗ fetzen, Rattendreck usw. verunreinigt war. Die Brod⸗ tücher sollen pestialisch gestunken und das Brod aus einer Blechbüchse gebräunt worden sein, die vorher Wagenschmiere enthielt! Daß diese Schweinerei nicht eher entdeckt wurde, beweist die Mangelhaftigkeit der Kontrolle. Schlimm genug ist's ja auch, wenn die dort beschäftigten Leute nicht früher Mitteilung mach⸗ ten; man weiß ja allerdings, daß ein Eingreifen ihrer⸗ seits gleichbedeutend mit Aufgabe der Arbeitsstelle ist. Gegen den genannten„Bäckermeister“(ehe er sich als solcher etablierte, war er Taglöhner) wurde am Gewer⸗ begericht schon öfters geklagt. Er entließ die Leute wiederholt ohne Kündigung aus nichtigsten Gründen. Oefters waren die Gesellen ausgesperrt, wenn sie bis abends 10 Uhr nicht zu Hause waren; wenn sie sich beschwerten, flogen sie eben heraus.— Bei dieser Ge⸗ ... 3 uch v 05 Lare en Pr il ha u bn Abel, 0 U. D beit fe Gel 10 be ung 9 auf t f wur J del. ncht u Vere ohnun ah in u b. D. cher eri duden Ta 6-1 u5 Eungtags 0, B Vetzaare Agen 1. im Fast: ig berg neister l für her b Vekeins Aa uch we Ne 5 faufma lägte, de gegen de Frespre sümtlich Kerurtell fahrens meister m Wet llagten Aus jeden indig⸗ tienige uf die 1 het⸗ gat ber lun aabelen gupler⸗ robe b aus borher luer. fiken ihrer 1 bel funde. — 9 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. legenheit müssen wir auch den Klagen Ausdruck geben, die gegen den Sekretär des Gewerbegerichts erhoben werden, der die Arbeiter kurz abfertigt und ihre Anträge auf Verhandlung vor den Beisitzern unbeachtet läßt. Die Arbeiterbeisitzer sollten die Klagen nachprüfen und wean sie berechtigt sind, bei dem Vorfitzenden Be⸗ schwerde führ en. h. Ueber die Eingabe der Installateure verhandelten die Stadtverordneten in der letzten Sitzung. Wir kommen gelegentlich no) darauf zurück. — Warum über die Enteignungssache Raab nicht öffentlich verhandelt werden soll, ist nicht recht ersichtlich. Es wäre von Interesse für die Bevölkerung, zu sehen, welchen Preis der steinreiche Raab von seiner Vaterstadt für ein paar Quadratmeter Land fordert, das er s. Zt, von dem Musterbürger Packard für eine Bagatelle er⸗ worben hat. h. Der Spar⸗ und Bauverein für Arbeiterwohnungen hielt am Samstag seine Generalversammlung ab, die ziemlich zahl⸗ reich besucht war. Es wurde die Statutenbe⸗ ratung vorgenommen und der vorgelegte Ent⸗ wurf mit kleinen Aenderungen genehmigt. Hier⸗ auf wurden als Vorstand 3 Mitglieder und 9 in den Aufstchtsrat gewählt. Mit der nötigen Umsicht und im richtigen Geiste geleitet, kann der Verein recht segensreich wirken; denn die Wohnungsverhältnisse liegen in Wetzlar schlimmer als in mancher Großstadt. h. Das städtische Freibad ist seit Montag wieder eröffnet und zwar an den Wochentagen zu fol⸗ genden Tagesstunden: von 6—8 Uhr vormittags, von 10—1 Uhr mittags und von 4—8 Uhr nachmittags. Sonntags ist nur von 6—11 Uhr vormittags geöffnet. o. Bestrafter Fastnachts aufzug. Das Wetzlarer Schöffengericht verhandelte am Freitag gegen 17 junge Leute aus Krofdorf, welche am Fastnachtsdienstag einen humoristischen Auf⸗ zug veranstalteten, durch den sich der Bürger⸗ meister Lichtenthäler beleidigt fühlte. Außerdem soll für den Aufzug, den wir in vorletzter Nr. näher beschrieben haben, nicht die im preuß. Vereinsgesetze vorgeschriebene polizeiliche Ge⸗ nehmigung eingeholt worden sein und deshalb auch wegen dieses„Verbrechens“ Anklage erhoben. Die Angeklagten wurden von Rechtsanwalt Kaufmann⸗Gießen verteidigt, der eingehend dar⸗ legte, daß hier weder Beleidigung, noch Verstoß gegen das Vereinsgesetz vorliege und der deshalb Freisprechung beantragte. Trotzdem wurden fämtliche Angeklagten zu je 10 Mk. Geldstrafe verurteilt und ihnen auch die Kosten des Ver⸗ fahrens auferlegt. Außerdem wird dem Bürger⸗ meister das Recht der Publikation des Urteils im Wetzlarer Amtsblatt auf Kosten der Ange⸗ klagten zugesprochen. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. 1. Wahlverein. Die letzte Sitzung des soz. Wahlvereins war ziemlich gut besucht.— Ehe man zur Tagesordnung überging, ehrte man das Andenken des verstorbenen Genossen Weiershäuser in üblicher Weise. Der Vor⸗ sitzende erstattete alsdann Bericht über die po⸗ litische Lage in Deutschland, wobei er u. g. den neugebackenen Reichsverband gegen die Sozial⸗ demokratie, die Nachwahlen zum Reichstage und das Parteischiedsgericht besprach. Hieran schloß sich eine lebhafte und interessante Diskussion. Während einige Redner die neue Sozialistentöter⸗ Organisation als bedeutungslos bezeichneten, waren andere der Meinung, daß man jedenfalls damit zu rechnen habe. Unsere Mißerfolge bei den Nachwahlen müßten zu denken geben. Man war jedoch allgemein der Ansicht, daß der Dres⸗ dener Parteitag daran weniger schuld sei; doch eee es müßte endlich einmal mit den ewigen„Er⸗ klärungen“ und persönlichen Streitigkeiten ein⸗ elner Genossen im Vorwärts und andern Parteiblätter aufhören. Dtese Auseinander- setzungen empfänden die Parteigenossen peinlich und es müßte dagegen protestiert und verhütet werden, daß etwa in Bremen Fortsetzung folge. — Die weitere Distussion drehte sich noch um die Frage„Revisionismus oder Radikalismus? wobei die in der Partei nach vieser Richtung hin zu tage getretenen Meinungsverschiedenheiten besprochen wurden. Die Versammlung war einig in der Ansicht, daß unsere Partei keine Veranlassung hat, etwas an ihrem bewährten Programm, noch an ihrer zu ändern. sieggekrönten Taktik 1 r. Maurer⸗Aussperrung. Die Bauunter⸗ nehmer Marburgs haben die Bauarbeiter ausgesperrt. Für Dienstag Nachmittag 4 Uhr war eine gemeinschaft⸗ liche Maurerversammlung des Zentralverbandes und des Christlichen Maurerverbandes anberaumt worden, um über die Antwort der Unternehmer auf die einge⸗ reichten Forderungen zu beraten. Letztere lauten auf 10stündige Arbeitszeit und 40 Pfg. Stundenlohn. Die „Vereinigten Bauunternehmer“ antworteten darauf: „Es steht jedermann frei, 10 oder 11 Stunden zu ar⸗ beiten. Der Lohn wird nach Leistung bezahlt und be⸗ trägt der Höchstlohn 37 Pfg.“ Die Versammlung sollte nun weitere Maßnahmen beschließen. Bevor die Maurer jedoch die Baustellen verließen, um zur Versammlung zu gehen, wurde ihnen folgender Ukas der Arbeitgeber bekannt gemacht: „Die vereinigten Bauunternehmer von Marburg haben beschlossen, jeden Maurer, der heute Nachmit⸗ tag die Arbeit niederlegt und in die um 4 Uhr statt⸗ findende Maurerversammlung geht, sofort zu ent⸗ lassen“. Trotzdem war die Versammlung stark besucht, nur einzelne in Marburg beschäftigte Leute waren fernge⸗ blieben. Hüttmann vom Zentralverband besprach zuerst die Antwort der Unternehmer. Um zu sehen, wie sich die Maurer dazu stellen, sei die Versammlung in die Arbeits zeit gelegt worden. Da hätten plötzlich die Unternehmer den Arbeitnehmern die Pistole auf die Brust gesetzt und bekannt machen lassen, wer zur Ver⸗ sammlung gehe, ist entlassen. Es sei doch das gute Recht jedes Staatsbürgers, sich zu versammeln, wann und wo es ihnen gefällt und es fiele den Arbeitern auch nicht ein, den Unternehmern den Zeitpunkt ihrer Versammlungen vorzuschreiben. Schließlich riet Hüttmann, sich am andern Tage wieder auf den Baustellen einzu⸗ finden, um zu sehen, ob die Unternehmer ihre Drohung wahr machen würden. Man müsse alles versuchen, um auf friedlichem Wege eine Besserung zu erreichen. Dem schloß sich Becker vom christlichen Verbande an. Dann wurde gegen eine starke Minderheit, die für sofortige Arbeitsniederlegung war, beschlossen, Mittwoch früh sich wieder zur Arbeit zu stellen. Tatsächlich wurden nun 140 Maurer ausgesperrt. Es arbeiten nur noch 25 Mann, die jedenfalls bis Samstag auch aufhören werden.— Die Polizei„beschützt“ die Baustellen, hat aber noch keine Arbeit gefunden. Ein heraus gegebenes Flugblatt mahnt zur Einigkeit. Gegenwärtig herrscht eine rege Bautätigkeit und man wird ja sehen, ob die Unternehmer die Aussperrung lange durchführen können. Eine baldige Verständigung liegt im Interesse beider Parteien. r., Der Arbeiter⸗Gesang verein„Ein⸗ tracht“ unternimmt am Sonntag, den 19. Juni einen Ausflug zum Kreisfest nach Steinberg bei Gießen, um an der Feier teilzunehmen. Selbstverständ⸗ lich können auch die andern Genossen daran teilnehmen und ist recht zahlreiche Beteiligung daher erwünscht, — Einen Ausflug nach Gisselberg unternehmen die Marburger Parteigenossen am Sonntag und mar⸗ schieren nachmittags 3 Uhr vom Schützenpfuhl ab. Es wird zu zahlreicher Beteiligung eingeladen. In der Konitzer Mordaffaire scheint nun endlich die völlige Aufklärung nahe bevorzustehen. Wie amtlich mitgeteilt wurde, haben sich die Verdachtsmomente gegen den schon früher in dem Prozeß verwickelten Arbeiter Maßloff so verdichtet, daß seine Verhaftung erfolgte. Man nimmt an, daß Maßloff den Winter in seiner Wohnung in einer gewissen Situation antraf und im Zorne tötete. „Ueb' immer Treu und Redlichkeit!“ Nach diesem schönen Grundsatze hatten die Metzger in Miesbach in Oberbayern die Maß⸗ und Gewichtsordnung zu ihren Gunsten etwas umgestaltet und waren deshalb auf dem Mandatswege mit Geldstrafen belegt worden. Die„Münch. Post“ hatte sie deshalb Betrüger genannt. Sie gingen zum Kadi und klagten. In der Verhandlung stellte sich nun heraus, daß ste sogar den Eichmeister wiederholt be⸗ trogen hatten, und eine eigene Vorrichtung ge⸗ troffen hatten, daß die für das Gewicht be⸗ stimmte Wagschale nicht tief genug sich senken konnte. Geradezu verblüffend klassisch recht⸗ fertigte sich der eine der Biedermänner mit den Worten:„Wann aa's Gewicht amal a biss'l weniga g'wes'n is, aber i ko do nöt lauta Fleisch hergeb'n. Wann ma dös so g'nau neh⸗ mat, könnt'n dö G'schäftsleut' nimma existiern.“ (Fortsetzung auf Seite 6). .—— Ä ˙—— Kleine Mitteilungen. * Vom Blitz schlag wurde in Marburg ein Bahnbeamter gelähmt. Opfer der Arbeit. Im Steinbruch„Kah⸗ lenberg“ bei Londorf wurden kürzlich fünf Arbeiter durch herabstürzendes Gestein verletzt, einer davon sehr erheblich.— In Treysa geriet ein Bahnbeamter unter die Räder eines Zuges, die ihm beide Beine abfuhren. * Der Mörder des Dienstmädchens in Köln ist am Montag früh in der Person eines gewissen Kauertz in Mainz verhaftet worden. Er hat einge⸗ standen, daß noch zwei Personen an der Mordtat(über die in voriger Nr. berichtet wurde) beteiligt gewesen seien. Partei-Uachrichten. Kreiswahlverein Friedberg⸗Büdingen. Die neuen Statuten sind zum zum Versand ge⸗ kommen. Sollten dieselben in irgend einer Filiale nicht eingetroffen sein oder nicht ausreichen, so erbitten wir uns Nachricht. Außerdem erinnern wir daran, daß pünktlich am 1. Juni abgerechnet wird und umgehende Einsendung der Abrechnung und der Gelder an den Kreiskassterer erfolgen muß. Der Vorstand. Ihl, Vorsitzender. Der Zukunftsstaat der Junker. Unter diesem Titel hat der Parteiverlag Buchhandlung Vor⸗ wärts die Reden der Herren häus ler Manteuffel und Graf Mirbach gegen das Reichstagswahlrecht und für den Staatsstreich herausgegeben, begleitet mit Ein⸗ leitung und Anmerkungen von Kurt Eisner.— Die drei Bogen starke Broschüre, in der auch die Porträts der beiden Haupthelden, Manteuffel und Mirbach, mitten in ihrer gesetzgeberischen Tätigkeit von Künstlerhand ge⸗ bannt sind, kostet 20 Pfg. Eine für die Agitation be⸗ stimmte Ausgabe, die aber nur an Agitationskomitees, Wahlvereine, Vertrauensleute usw. abgegeben wird, ist zu billigem Preise hergestellt. Wir empfehlen die Bro⸗ schüre unsern Parteigenossen, ist es doch überaus wichtig, daß wir die große Masse der uns fernstehenden Arbeiter, aber auch den Mittelstand, den kleinen Bauern mit den Plänen vertraut machen, die das preußische Junkertum gegen das gesamte arbeitende Volk schmiedet. Namentlich unsere Wahlvereine machen wir auf die agitatorische Wirkung dieser konservativen Reden aufmerksam. Von einem schweren Unglück ist die Fa⸗ milie des Genossen May in Solingen betroffen worden. Genosse May verbüßt zur Zeit im Gefängnis zu Elberfeld eine gegen ihn als Redakteur der Solinger Arbeiterstimme erkannte Strafe von zwei Monaten. Am Samstag hatte er wieder als Angeklagter vor der Elberfelder Strafkammer zu erscheinen. Seine Frau war von Solingen nach Elberfeld gekommen, um ihren Mann bei der Vorführung aus dem Gefängnis sehen und sprechen zu können. Die Kinder hatte sie für diese Zeit in fremde Obhut gegeben. Während nun gegen unsern Genossen verhandelt wurde, wurde in So⸗ lingen sein dreijähriges Söhnchen von einem Metzgerwagen überfabren und auf der Stelle getötet. Als Genosse May die Trauerbotschaft erfuhr, wurde er sofort aus seiner Haft beurlaubt, sodaß er fast zu glei⸗ cher Zeit wie seine Frau an der Bahre seines Lieblings eintreffen konnte. Zwei Ersatzwahlen zur Berliner Stadtver⸗ ordnetenversammlung fanden statt. Unsere Genossen Re⸗ dakteure Leid und Dr. L. Arons wurden mit großer Mehrheit gewählt. Versammlungskalender. Samstag, den 4. Juni. Gießen. Wahl verein Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Montag, den 6, Juni. Gießen. Schneider verband. Versammlung bei Orbig. Altenbuseck. Volksverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Wilh. Becker. Wichtige Tages⸗ ordnung, deshalb zahlreiches Erscheinen! Dienstag, den 7. Juni. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Briefkasten. Volksver. Staufenberg. Schleifen werden be⸗ sorgt. Der Vertrauensmann. Letzte Nachrichten. Bei der Stichwahl in Straßburg⸗ Land erhielt der Demokrat Blumenthal 9385, der Zentrumsmann Hauß 8624 Stimmen. Ersterer ist somit wiedergewählt. Abends 9 Uhr N 1. 0 J!!( f Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. I 1 Nr. 23. 8(Fortsetzung von Seite 5). Das Gericht war anderer Ansicht über diese neueste Methode, den Mittelstand zu heben, sprach den Genossen Gruber frei und verur⸗ teilte die Kläger zu den Kosten, da ste in ge⸗ winnsüchtiger und unreeller Absicht gehandelt, was in volkstümlicher Ausdrucksweise immer noch Betrug genannt werde. Unteroffizier und Sozialdemokrat. Ein Bergmann im Essener Revier erhielt bei seinem Abgang vom Militär wegen guter Führung in seinem Paß den Vermerk, daß er zum Unteroffizier der Reserve be⸗ fähigt sei. Vor kurzem wurde sein Militärpaß eingefordert, und als er ihn zurückerhielt, war dieser Vermerk gestrichen. Der Betreffende, der sich schließlich wohl ganz gut mit dieser erschütternden Tatsache abfinden wird, ist ein solider, makelloser Mann, der seit seinem Ab⸗ gang vom Militär sich nicht das geringste zu schulden kommen ließ, aber den Mut hatte, seiner Ueberzengung folgend, sich in den Berg⸗ arbeiterverband und den sozialdemokratischen Verein aufnehmen zu lassen. Solche Leute kann man aber als Unteroffiziere nicht brauchen, die müssen unter allen Umständen ordnungspartei⸗ lich gesinnt sein, wenn sie auch schlechter schießen und noch sonstige andere Mängel aufweisen! Etwas über Sozialismus. (Schluß aus voriger Nummer.) Was für einen Vorteil würde diese kom⸗ munistische Versorgung der Bevölkerung einer Gemeinde gegenüber den jetzigen Verhältnissen haben? Die ganze Bevölkerung würde sich besser und billiger ernähren als jetzt. Jetzt müssen kinderreiche Familien, trotzdem Vater und Mutter fleißig arbeiten, darben, weil, wie man zu sagen pflegt, viele Mäuler schwerer zu ernähren sind als wenige. Zweitens würde die Bevölkerung, und zwar jeder einzelne, von den Hauptsorgen befreit sein, die jetzt Millionen, ja mitunter auch den Leuten, die man für wohlhabend hält, das Leben verbittern und in der Regel die eigentlichen Ursachen des Zwistes in den Ehen sind. Ganz schön, wird der Gegner sagen, aber wenn diese kommunistische Versorgung mit Lebensmitteln usw. eingeführt ist, dann wird der Fleißige für den Faulen arbeiten müssen. In der Tat wird es neben den Fleißigen auch immer Faule geben. Aber muß die Bevölkerung nicht heute schon eine ziemlich große Zahl von Leuten ernähren, sund 2 wahrsten Sinne des Wortes Faulenzer n Geht jetzt die menschliche Gesellschaft den⸗ noch nicht zugrunde, so würde das bei kommu⸗ nistischer Besorgung des Lebensunterhalts eben⸗ sowenig eintreten. Im Gegenteil würde es dann wahrschein⸗ lich viel weniger Faule geben als heute. Wa⸗ rum? Weil jeder Mensch, schon um der Lange⸗ weile zu entgehen, ein Interesse daran hat, regelmäßig zu arbeiten. Es kommt nur darauf an, die Arbeit so angenehm wie möglich zu machen, und daß dies möglich ist, dafür wird jeder aus seinem eigenen Beruf Beispiele in Hülle und Fülle anführen können. In welch außerordentlichem Maße die Ar⸗ beit vereinfacht, erleichtert und verkürzt werden kann, zeigt die Großindustrie, insbesondere die Amerikas. Dort verfährt man allerdings nicht nach dem deutschen Grundsatz, den Pfennig zu sparen und den Taler zum Fenster hinauszu⸗ werfen. Man wirtschaftet dort nicht kleinlich wie bei uns und kommt deshalb viel schneller vorwärts. Immerhin wird es, wie schon gesagt, auch Faule geben, Leute, die lieber für sich arbeiten lassen, als selber tätig zu sein. „Für solche wirklich unverbesserlich Faule würde auch bei der kommunistischen Besorgung des Lebensunterhalts als letztes Mittel das⸗ selbe am Platze sein, was schon heute, aller⸗ dings nur gegenüber armen Leuten angewendet wird, nämlich der Arbeitszwang. Wer dann, wenn die Gemeinde ihn mit allem Not⸗ wendigen versorgt, seine Steuern nicht bezahlen wollte, weil er nicht arbeiten, sondern faulenzen will, nun, der würde mit viel größerem Rechte, als es meist heute mit jemand geschieht, der vom Bettel lebt, zur Arbeit gezwungen werden. Aha, da haben wir den Zuchthausstaat! rufen die Gegner. b Gemach, gemach! Was ist eure vielgerühmte „Ordnung“ von heute für die Mehrzahl der Menschen anders als eine Zuchthausordnung, und mitunter noch schlechter als diese? Warum werden so viele Verbrecher heute rückfällig? Weil sie es immer noch besser haben als in der Freiheit unter einer„Ordnung“ wie der heutigen, einer Ordnung, die im Grunde ge⸗ nommen nur eine Anarchie ist, in der der Pfiffige und Skrupellose, der sogenannte„Starke“ den Schwachen, Braven und Ehrenhaften unter die Füße tritt und treten kann, ohne daß ihn ein Gesetzbuch dafür straft, wenn er die Vor⸗ sicht gebraucht, sein Unrecht im Rahmen der Gesetze zu tun. Und wenn nun die quälende Not um den täglichen Lebensunterhalt von der Bevölkerung genommen, die Arbeit zweckmäßig durch die Gesellschaft organisiert wäre, so würden auch die Sitten, Gewohnheiten und Bedürfnisse des Volkes edler werden. Die Liebe zu Kunst und Wissenschaft, die heute erst in sehr geringem Maße vorhanden ist, würde immer mehr Kreise ergreifen, die Behandlung der Kinder durch die Eltern würde viel freundlicher und verständiger werden, als sie heute vielfach ist, und das Resultat müßte eine freie und glückliche Nation sein, denn die erste Bedingung der Freiheit und des Glückes ist: ein gesicherter, guter Lebensunterhalt. l 9 eee b Unterhaltungs-Ceil. 9 2 Binaus! nur hinaus! Wir lassen die Sorgen Und fliehen das Haus Und ziehen am Morgen Sum Lenze hinaus— In blühende Täler, An den rauschenden Strom, Sum singenden Walde, Dem herrlichen Dom. Auf rollendem Rade Durchs maiende Land, Auf blumigem Pfade Sur felsigen Wand; Su Fuß und zu Wagen Ninaus! nur hinaus! Laßt hinten des Marktes, Der Werkstatt Gebraus. Die Lerchen, sie steigen In Liedern empor Und führen den Reigen Im jubelnden Chor. Es laden die Fluren, Die Felder, der Hain Mit Sang und mit Glocken Sur Wanderlust ein. Es singen die Cüfte, Es jauchzt in der Brust: O wonnige Düfte! O Himmel! O Blust! Wie herrlich zu folgen Der göttlichen Spur! Wie selig zu ruhen, Am Herz der Natur.— Robert Seidel. Auf der Wanderschaft. Erzählung von Robert Schweichel. . Der um 2 Uhr 44 Minuten fällige Zug war mit geringer Verspätung in Thale am Harz eingelaufen. Es war ein außergewöhnlich langer Zug. Denn die großen Ferien hatten Tags zuvor begonnen und er war daher von unzähligen Sommerfrischlern und Touristen benutzt worden. In dem hart an der Bode gelegenen Garten der Akttenbrauerei waren bald sämtliche, schon gedeckte Tische von Gästen besetzt. Die Kellner rannten mit Speisen und 1 schäumenden Gläsern hin und her. Das Klappern ir von Tellern, Messern und Gabeln, das Ge schwirr der Unterhaltungen, aus dem dann und 0 wann ein lautes Lachen aufschlug, erstickten 10 selbst das Rauschen und Brausen der Bode, n fl die zwischen und über Geröll und Felsblöcken zz hi in ihrem Bette dahinschoß.* In dieses geräuschvolle, hastige und lustige Treiben trat unbeachtet ein später Gast. Es war offenbar ein Fußwanderer, denn seine derben Bergschuhe waren bestäubt, eine abge⸗ nutzte Reisetasche hing von seiner Schulter, und in der braunen Hand führte er einen starken Hakenstock mit spitzer Eisenzwinge. Er hatte die Dreißig schwerlich schon erreicht, war von kräftigem Wuchse, mittlerer Größe und mit einem Lodenauzuge und einem Hütchen 125 aus ähnlichem Stoffe, die beide wohl manches 10 z Unwetter bereits ertragen hatten, bekleidet. Die 11 Beinkleider hatte er von den Bergschuhen zu. 98 rückgeschlagen, der Hals erhob sich ohne Kragen Voit aus dem wollenen Hemd und die Hände streck. 1 ten sich ohne Manschetten aus den Aermeln. 10 5 Blaue Augen schauten aus dem scharf ge⸗ ch schnittenen, sonnenverbrannten Gesichte einge 5 Zeit vergebens nach einem leeren Platze sich n Elen um. Endlich entdeckte er dicht am Hause eine. an lange Bank, welche zwar mit mancherlei Hand- Ne gepäck belegt war, immer aber noch ein Plätze chen bot. Hans Gruber bedachte sich nicht lange, al, legte seine Tasche gleichfalls dorthin, setzte sich bars auf das noch freie Ende der Bank, schob den ar un Lodenhut in den Nacken und bestellte bei einem e 40 vorüberhuschenden Kellner ein Glas Bier. Ah, eka wie wohl die Ruhe tat und dann das kühle ton Bier! Denn Hans Gruber hatte bereits einen ug wer tüchtigen Marsch hinter sich. Er tat einen tiefen ur, Zug, holte dann aus seiner Went eine kleine um Holzpfeife hervor, zündete den Tabak an und auen stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel. Seine len da blauen Augen folgten den Rauchwölkchen, die Die b zwischen den blondbärtigen Lippen langsam„„ empor sich kräuselten und in der sonnig durch⸗ pet, l leuchteten Luft verschwebten, verwehten. In dualen, seinen Blicken, den Mienen, der lässig ruhenden aal af Haltung verriet sich ein gesättigtes Wohlgefühl. uberode Es war nur zu erklärlich. Hatte er sich doch uu doch zum ersten Male seit fast drei Jahren von ehulare allen Redaktionsgeschäften, Versammlungen und„a, Agitationsreisen auf vierzehn Tage losgelbst ire, w und durchwanderte nun als eig völlig freier e ent Mensch mit Ränzel und Stab das Harzgebirge. Gute Es war die erste Bergwelt, die dem Nordländer 0, ihren Schönheitszauber erschloß. 0% la „Es öffnen sich die Täler, es streben 1 Die Berge kühn zum Himmel hinan, 10 U Frei wie die Wolken ziehen und schweben, e Durchmißt die Welt des Wanderers Bahn. en f Und keiner Sorge Zagen und Schwanken 0 Schü Verhält den Mut der glühenden Brust, 18 Frei schweift der Vogel, frei die Gedanken: O wandern, wandern, selige Lust!“. So klang es aus einem alten Liede durch Gruber's Seele. Da traf eine Stimme sein Ohr, welche fragte, ob er Zeit hätte? Zwei junge Damen standen vor ihm, und die Stimme gehörte den älteren. Sie trug einen karrierten Staubmantel, ö einen schwarzen Kapotehut und hielt einen zier⸗ lichen Regenschirm in der Hand. Ihr Gesichk war schmal und bleich, und ein goldener Kneifer, den sie auf der etwas spitzen Nase an 1 b ö In 1 Aulerkun + 3— Kettchen trug, gab ihrer Miene einen strenge Ausdruck. Es mochte wohl ihre Begleiter sein, denn auf dieser ruhte dabei sein Bli welche Hans Gruber die heitere Antwort auf die Lippen legte:„O, eine Fülle von 05 Diese, etwa zwei bis drei Jahre jüngere Dame stand in einem grauen Wollenkleide und eng. anschließenden Jacket schlank, kräftig und blühend ihrer Gefährtin zur Seite. Ein graues Filz- hütchen, das mit einem paar Adlerfedern ge? schmückt und um dessen Kopf ein blauer Schleier gewunden war, beschattete das rund? liche, rosige Gesicht, aus dem zwei sanfte braune Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. gen leuchteten und, wie auch die weichen Mer, bei Gruber's Antwort ein wenig lächelten. den„Worin kann ich den Damen mit ihr Klappe dienen“ fügte er, sich erhebend, hinzu. damm un Hexentanzplatz, die Georgs. und Viktorshöhe,“ „ r a0 fl 8 1 01 Dame 955 1 Oe uns er Boll trocken klingenden Stimme.„Können Sie uns dͤelloch dahin führen und was verlangen Sie dafür?“ Sie hielten ihn für einen Bergführer. Hans und lutz lachte in sich hinein, und die gute Laune reizte Ga.. ihn, nach einem zweiten Blick auf die jüngere denn fe Dame, die Rolle zu übernehmen.„Sie haben tine ab wohl viel Gepäck?“ fragte er, noch zögernd. Sgchll“„Nein, nur eine Handtasche,“ sagte die e er iu Aeltere.„Wir haben unsere Reisekörbe direkt winge. C mit der Bahn vorausgeschickt. Es kommt also 155 15. noch auf den Preis an, den Sie ver— Hröße un langen.“ u Hüthe]„Ach, darüber werden wir uns ja nachher 0 manch Bank 1 8 hne fe e Pfeife g an der ladet, Je] Bank hinter sich seine kleine Pfeife aus, um schuhen zu] sich nicht in das Gesicht sehen zu lassen. ue rage„Das ist nicht meine Gewohnheit,“ bemerkte ande reh die Wortführerin mit großer Bestimmtheit. n Aermels!„Man vermeidet auf diese Weise alles nach⸗ scharf g.! tägliche Reden und etwaige Streiten. Also—“ ichte einig Ihre Begleiterin zupfte sie verstohlen an Platz h dem e lie und sie e 15 ause eint„Nun gut, liebe Irma, wenn Du meinst,“ 1 sagte sie, noch ein wenig zögernd.„Also lassen ein Patz! wir 85 noch in der Schwebe und brechen f wir auf.“ 1 er f Hans Gruber zog seine silberne Taschenuhr ee S0 Möggee die Denen nur noch darauf 110 Re:, en n 10 aufmerksam machen, daß es bis Alextsbad eine dos kühl] Tagestour ist und wir bereits vier Uhr haben. zretts eln Auch werden sich die Damen vorher wohl noch ellen fefen ein wenig im Bodetal umsehen wollen, wenigstens eine klein] bis zum Bodekessel, da Sie einmal hier sind. al an un Gereuen würde es Sie sicherlich nicht. Sie kel. Sein, halten dann in Suderode Nachtruhe.“ älter 5 55 1 70 nh sahen nde 5 enen! an.„Wir hatten nicht erwartet, daß es no 1 0 so weit bis Alexisbad sei,“ seufzte das ältere 15 35 Fräulein, und das jüngere rief darauf heiter: g erde„Also erstes Reiseabenteuer: wir nächtigen in 0 gaht] Suderode, liebe Julie. Und Abenteuer möchten 1 15 dot 89 1 75 15 14 105 erleben als fahrende 8 Scholaren, n 2 ö b e„Ja, Liehste, wenn ich Jo gesund und rasti lunge ala wäre, wie Du,“ seufzte Julie nochmals und e sgh fügre entschlossen hinzu:„Also dann vorwärts döüig gen in Gottes Namen.“ ige„Ja, das hilft nun nichts, wie Jung⸗Jochem Nordlände 1 Nl sagt,“ lachte Fräulein Irma und holte flink bon dem Platze, wo sie mit der Freundin zu „ dab ch 1 wollen nach Alexisbad, über den ehen Mittag gespeist hatte, deren elegante lederne nan, Handtasche und einen hübschen Rucksack, dessen schwehen, Riemen sie auf dem Rückwege gewandt über crers Bohl ihre Schultern streifte.(Fortsetzung folgt.) 1 Allerlei. 1 Ein gutes Wort. In letzter Zeit habe ich wiederholt folgende Bemerkung vernommen: Wenn das oder jenes geschieht, dann tritt unsere Sektion aus dem Verband, oder unser Verband aus dem Gewerk⸗ schaftsbunde, aus dem Arbeiterbunde. Dabei habe ich mich weniger geärgert als geschämt, denn ich hörte die Unternehmer dabei lachen und sagen: Die Leute brauchen wir nicht ein⸗ mal zu fürchten, deren Forderungen können wir noch ruhig ablehnen. Die sind nicht gefähr⸗ lich. Wann werden wir einmal diese albernen Kinderunarten los? Die mögen etwa passen für einen Kegelklub, oder ein Tabaks⸗ kollegtum, oder eine Skat oder Saufgesellschaft, für Leute, die Vergnügen wollen, aber nicht für eine Gewerkschaft, in der man für die Existenz und die Rechte der Arbeiter kämpft, die also eine Notwendigkeit ist. Wir wollen mitbestimmen im Arbeitsvertrag, wir wollen Gemeinde und Staat meistern, ja, wir streben eine vollständige Umgestaltung der ganzen Ge⸗ sellschaft an— und wir lassen uns immer wieder drohen, daß man wegen kleinlicher Mein⸗ ungsverschiedenheiten unsere eigenen Schöpfungen zerstören will? Welcher Widerspruch! Es ist wahrlich hohe Zeit, daß wir endlich einmal solche Albernheiten aus unsern Versammlungen und aus unserer Presse hinausweisen, denn sie blamieren und schädigen uns nur. Nicht fort⸗ Harfe nne und weiterarbeiten, das ist die Parole einer demokratischen Organisation. Was gesund ist, wird Meister werden und das Ungesunde mag verschwinden. Mehr Brüderlichkeit und weniger Rechthaberei, mehr freundliche Verständigung und freiwillige Disziplin und weniger Eigen⸗ sinn— dann erst werden wir aus unserer Ohnmacht endlich einmal herauskommen.“ So schrieb jüngst der alte Führer der schwei⸗ zerischen Sozialdemokratie, Hermann Greu⸗ lich. Möge jeder Parteigenosse und jedes Ge⸗ werkschaftsmitglied sich diese Worte zu Herzen nehmen, die ebenso, wie für ganze Gewerkschaften, für jedes einzelne Mitglied derselben und jeden Parteigenossen Geltung haben. Splitter. Das Königtum ist die nach dem Bilde Gottes gemachte Regierung; sie ist Traum. Die Republik ist die nach dem Bilde des Menschen gemachte Regierung; sie ist die politische Wirk⸗ lichkeit. 2 * Im Kopfe die Klarheit, Im Munde die Wahrheit, Im Herzen die Treue, Und nimmermehr Reue! ** * So lange die Vernunft allein ist, Man als Wahnsinn sie verhöhnt. Wenn der Wahnsinn allgemein ist, Wird er als Vernunft gekrönt.(Fl. Bl.) Humoristisches Sozialistenvernichtung in der Ka ⸗ serne. In der Kaserne des Leibkürasster⸗Re⸗ giments waren sozialistische Flugschriften ein⸗ geschmuggelt und verteilt worden. Der Kom⸗ mandeur, dem dies gemeldet wird, ordnet an, daß die Mannschaft über die Gefahren des Sozialismus und die Falschheit seiner Lehre unterrichtet werde. Bei der 3. Schwadron wird Leutnant Erbgraf von Halm⸗Schleinzingen mit dieser Aufgabe betraut. Er ist über diese Bestimmung sehr indigniert und findet es ko⸗ misch, daß man gerade von ihm, dem Erbgrafen von Halm⸗Schleinzingen, verlangt, daß er etwas vom Sozialismus wissen soll. Er greift auf den Rat eines Kameraden zum großen Meyer, aber das soll der Teufel verstehen und behalten, was der alles über den Sozialismus zu er⸗ zählen weiß. Plötzlich bekommt er eine groß⸗ artige Idee. Die Schwadron tritt an.— Leutnant Erbgraf von Halm⸗Schleinzingen ruft:„Kürassier Muricke, treten Sie mal vor — eh— und erzählen Sie den Leuten— eh — was über den Sozialismus. Wenn Sie fertig sind— eh— lassen Sie's wir mal nach dem Kasino sagen.“— Wozu war denn in der Schwadron der Sozi Muricke, dessen Beaufsichtigung und Ueberwachung dem Schwa⸗ dronschef zu besonderer Pflicht gemacht worden war, der mußte doch genug über diesen Höllen⸗ spuck wissen! Nach zwei Stunden wird gemel⸗ det, daß Muricke fertig sei. Leutnant Erbgraf von Halm⸗Schleiningen begiebt sich zur Schwa⸗ Lümmel von Sozzis wollen— eh.— Js Alles falsch— eh— erstunken und erlogen. — eh.— Sind lauter Schweinehunde— eh — und verdienen zu baumeln.— Eh.— Merkt Euch das.— Eh.— Weggetreten!“ Ein Neidischer. Hubersepp: Höllsakra! Da lies i von dem Grafen von Königsmark, der wo von sel'm Vater sür's Heiraten jahrlt 14.000 Markeln kriagt. Und für jed's Kind, wo er macht, no 10,000 Markeln jährli extra! Kruzitürken, Kruzitürken! So'n Vater, wenn i hätt'. Alle Madeln im Dorf tät i heiraten, un olli Sonntäg müßt Kindstauf sein in der Kirch'n! Und nix wie Zwilling un Drilling müßt i krieg'n no extral „Südd. Postill.“ PPPPPPFFFTTCTCTCTCTCT(TFT—T—T—T—T—T—T—TT—T—T—T—T—T——— Geschichtskalender. 5. Juni. 1902: Wilh. II. Polenübermuts⸗Rede in Marsenburg. 1728: Adam Smith, Begründer der National⸗Oekonomie“ 6. 1901: Waldersee verläßt China— ohne Lorbeer. 7. 1870: Abschaffung des Sklavenhandels in England. 38. 1888: Reichs⸗Spitzelminister Puttkamer ge⸗ stürzt. 1896: Jules Simon, ehemaliges Mitglied der „Internationale“. 9. 1832: Gentz, Reaktionswerkzeug Metternichs F. 10. 1903: Serbische Offtziere ermorden ihren an⸗ gestammten König Alexander und seine Draga. 11. 1878: Auflösung des Reichstags(infolge der ——————— Empfehlenswerte Schriften. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Bedeutende Preisermässigung! Sommer-Schuhwaren Einige Gelegenheitskäufe ganz besonders preiswert. Frankf. Schuhlager * gewähre auf sämtliche—— in empfehlende Erinnerung. Freunden und Bekannten bringe meine Schuhmacherei Georg Baum, Schillerstr. 29. Reparaturen werden gut und schnell ausgeführt. M. 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Berichterstgttung vom Kongreß in Leipzig und von der Ge⸗ neralversammlung der freien Vereinigung hess. Krankenkassen. Wir bitten um zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Sehulstrasse 5 Spbzsalgeschaf 50 ll. 1 Unrketten Carl Geismar, Uhrmacher Giessen Schulstrasse 5 la. Kornbrot v. Kinzenb. Mühle ist erhältl. in: Gießen, Brotladen am Lindenpl. Heuchelheim Heinr. Kröck V. 0 Heinr. Schmidt V. Kinzenbach Georg Pfaff Dorlar Joh. Klas Waldgirmes Dönyes, Schmidt [& Wolff Naunheim J. Wagner Niedergirmes J. Mohr Wetzlar R. Wagner, Hermann⸗ steinerstraße J. Noll, 1 Garbenheim Karl Amend Gleiberg Witwe Leib Launsbach Heinrich Leib 5 Ph. Debus Wißmar Georg Speier. Um gefl. Zusßirtch bei meinen Verkaufsstellen bitte ergebenst Wilh. Schimmel. 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