— lität + . 2 — * * — Nr. 27. Gießen, den 3. Juli 1904. 11. Juhra. Redaktion: 0 Nedaktionsschluß: Archerplah 15 Schloßgasse Mitteld eutsche Donnerstag Nachnittag 4 Uhr Spun Is ⸗Je n itung. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch dle Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33/0 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 2 Juserate Die ögespalt. Bei mindestens Die Wahlreform in Hessen. Bezüglich des Zustandekommens eines ver⸗ nünftigen Wahlgesetzes in Hessen haben wir uns, das gestehen wir ganz offen, niemals be⸗ sonders großen Hoffnungen hingegeben und noch in der vorigen Nummer unseren Zweifel zum Ausdruck gebracht. Und nach dem Verlaufe des ersten Tages der Debatte über die Wahl⸗ rechtsvorlage erscheinen diese Zweifel noch be⸗ gründeter, ja nach verschiedenen Mitteilungen u schließen muß man mit dem Scheitern er Vorlage rechnen. lich, denn soviel wir auch an ihr auszusetzen haben, sie bedeutete wenigstens einen kleinen Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustande, wo ez gewissen Leuten möglich war, sich auf aller⸗ lei dunklen Wegen Mandate zu erschleichen. Das ist gewiß bedauer⸗ Freilich veranlaßt gerade dieser Umstand verschiedene hessische„Volksvertreter“ an dem jetzigen Wahlgesetz festzuhalten, denn sie würden bei dem direkten Wahlrecht abgelehnt werden. Zu ihnen gehört der Wormser Lederkönig Heyl nebst seinen Trabanten und von dorther sind auch der Wahlreform die denkbar größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden. Am Sonntag hatte man etiod ein Hundert Heylsmänner nach Oppenheim zusammen⸗ getrommelt, die gegen die Wahlvorlage„protes⸗ tieren“ mußten. Dieser Mache versuchte man den Anschein einer Kundgebung aus dem Volke zu geben und sandte dementsprechend zugestutzte Depeschen in die Welt. Man gab ein Flug⸗ blatt heraus, in dem die„Gründe“ für die Stellungnahme der Heylstruppe angegeben sind— das unsinnigste rückständigste Zeug, was je zusammengefaselt wurde, wenn Fragen dieser Art zur öffentlichen Diskusston standen; es ist der Geist Stumms und Schweinburgs der sich darin zeigt! Bringen die nationalliberalen und agrarischen Rückschrittler die Vorlage zu Falle, so wird die Sozialdemokratie den Schaden nicht Haben. Sie erhält ein wichtiges Agitationsmittel und wird es zu benutzen verstehen. * Die Mittwochs⸗Verhandlungen nahmen fol⸗ genden Verlauf: Zuerst ergriff der Staatsminister Rothe das Wort. Er gab eine Uebersicht über die bisherigen Schicksale der Vorlage und weist es mit Entschiedenheit und mit deutlich nach Worms und gegen die Oppenheimer Protestler gerichteten Spitzen zurück, daß man bei dem Gesetz von einem unvorbereiteten Machwerk zu reden sich erlaubte. Seit langen Jahren habe sich die Regierung eifrig mit der Durcharbeitung der Materie beschäftigt, alle Einwendungen, alle Vorschläge seien gebührend berücksichtigt worden. Die Einführung des Prinzips der direkten Wahl sei eine Folge des im Hause mehrfach und dringend geäußerten Verlangens. In Zeiten, wo wie heute die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze so scharf gegeneinander ständen, sei es von größtem Nachteil, wenn nun auch über Verfassungsfragen der Kampf ent⸗ brenne. Der Streit aber werde künstlich geführt mehr noch durch versteckte, als durch offene Gegner. Im Falle der Ableh⸗ nung würde die Regierung die Wahlrechts⸗ vorlage immer wieder einbringen. Der Minister wies dann weiter darauf hin, daß die Vorlage vielfach aus persönlichen Motiven bekämpft würde. Dadurch, daß die Kammer sich nicht mehr Vertretung der„Stände“, sondern„Landtag“ nennen wolle, habe sie ja dokumentiert, daß siie nicht einzelne Klassen oder Bevölkerungen, sondern das ganze Volk, das ganze Land zu repräsentieren habe.— Von dem Ergebnis der Verhandlungen der Kammer werde die Regierung ihre Stelluug zu dem Kompromißvorschlag betreffend Erhöhung der Zahl der Abgeordneten und Einteilung der Wahlkreise abhängig machen. Aus der Rede des Ministers klang der ehrliche Wille heraus, eine Besserung auf dem Gebiete des Wahlrechts zu schaffen, deshalb fand sie auch bei den Freunden der Wahlreform beifällige Aufnahme. Nach dem Minister ergriff der Berichter⸗ statter des Ausschusses, Zentrumsmann von Brentano das Wort. Er beleuchtete ebenfalls das Treiben der von dem 30⸗fachen Millionär Heyl kommandierten Klique. Man lobte auf jener Seite das preußische Dreiklassen⸗ wahlrecht, das„elendeste aller Wahlsysteme“ und verlangte die Oeffentlichkeit der Wahl, das Ungerechteste, mas es in dieser Beziehung geben könne. Man sage durch das Wahl männer⸗ system werde der Agitation die Schärfe ge⸗ nommen. Das ist nicht wahr. Dieses System begünstige aber das Spiel hinter den Ku⸗ lissen, verursache Theilnahmslofigkeit der Wähler und endmündige das Volk. In der Presse der Wahlrechtsfeinde sei bewußt ge⸗ logen worden. Das Blatt, das am frivolsten gegen die Reform vorgehe— der Redner meinte die Wormser Zeitung, das Organ Heyl's— habe bald für und bald gegen die Vermehrung der städtischen Sitze geschrieben, je nachdem, wie es ihm im Kram gepaßt habe. „Wir erstreben mit der Vorlage, ein Wahlrecht dem Volke zu geben, bei dem sein Wille mög⸗ lichst treu und frei zum Ausdruck kommt. Das Hetzen und die Verleumdung, das von einer ganz bestämmten Stelle aus⸗ geht, kann höchstens dazu führen, daß sich die ganze Opposition im Lande einmal mächtig zum Kampfe gegen jene Richtung zu⸗ sammenschließt.„Gegen die Heylsarmee“ rief hier unser Genosse David dazwischen. Der Nattonalliberale Reinhart erklärt dann im Namen einer größeren Anzahl seiner Parteigenossen, daß er für die Regierungs⸗ vorlage und eventuell für den Kompromißvor⸗ schlag Gutfleisch's stimmen werde. Er wendet sich dann ebenfalls gegen die verkappten Wahl⸗ rechtsfeinde und kritistert in scharfer Weise bie Presse seiner eigenen Partei. Ihm habe man unterstellt, daß er im Interesse katholischer Be⸗ strebungen für die Wahlkreiseinteilung einge⸗ treten sei. Eine solche hinterlistige und frivole Kampfesweise wird nur von Leuten beliebt, die eben nicht offen gegen das direkte Wahlrecht agitieren mögen. Redner geht im Weiteren auf das Wormser Flugblatt ein und weist im Uebrigen unter lebhaftem Beifall die Niederträchtigkeiten von jener Seite auf das Entschiedenste zurück. Zum Schluß der Mittwochsdebatte trat ein Gegner des direkten Wahlrechts in der Person des Nationalliberalen Heydenreich auf. Er erklärte im Namen von vier seiner Parteige⸗ nossen, sie seien dagegen, daß das Land noch mehr von„agitatorischen Elementen“ beunruhigt werde. Der gute Mann kann die Freundschaft für das preuzische Dreiklassensystem ganz gut mit seinem„Liberalismus“ vereinbaren. Die Sozialdemokratie habe allein das größte Inter⸗ esse an der ganzen Frage. 5 Damit schloß die Debatte des ersten Tages. Ueber den weiteren Verlauf derselben werden wir noch an anderer Stelle kurz Mitteilung machen können. ——— Aus dem hessischen Landtage. Am Dienstag trat die Zweite Kammer zu einer kurzen Tagung zusammen, deren Haupt⸗Beratungsgegenstand die Wahlrechts⸗ vorlage bildet. Diese kam jedoch erst am Mittwoch zur Verhandlung; Dienstag wurde über einen Antrag des Abg. Reinhart(natl.) debattiert, der dahin geht, die Regierung zu er⸗ suchen, gegen die Einführung von Schiff⸗ fahrtsabgaben auf den Flüssen Stellung zu nehmen. Reinhart begründete den Antrag ausführlich und bemerkt, es sei unverständlich, daß von Preußen, in dessen Hand das größte moderne Eisenbahnunternehmen sich befände, die Bestrebungen nach den drückendsten Verkehrserschwerungen ausgingen. In⸗ folge des Verkehrs⸗Aufschwunges auf dem Rheine blühten die Ortschaften an den Ufern mächtig empor. Staatsrat Krug zu Nidda erklärt namens der Regierung, ihr sei nichts davon bekannt, daß an den verfassungs⸗ mäßigen Bestimwungen etwas geändert und solche Abgaben eingeführt werden sollten. Sollte dennoch demnächst ein diesen Gegenstand betref⸗ fender Entwurf eines Reichsgesetzes im Bundesrat zur Vorlage gelangen, so werde die Regierung an der von der Verfassung gewährleisteten Ab⸗ gaben freiheit festhalten. Die Mehrheit des Ausschusses hat sich merkwürdigerweise für die Steuer ausgesprochen und als ihr Wortführer trat Hirschel auf. Die Einführung der Rheinschifffahrtsabgabe, sei in den Aufwendungen der Staaten für den Schiffahrtsverkehr begründet. Von dem Güter⸗ verkehr auf dem Rhein hätten nur der Handel und die Industrie, einige große Firmen Nutzen, nicht aber die Landwirtschaft und die Konsu⸗ menten. Genosse Dr. David erklärt: Die letzten Worte des Abg. Hirschel, daß ja doch augen⸗ blicklich gar keine Gefahr vorliege, würden durch die übrigen agitatorischen Ausführungen des Redners widerlegt. Das Streben, das hier zutage tritt, paßt sich ein in die Kanal⸗ politik der preußischen Agrarier. Die drohende Gefahr ist vorhanden und zwar völlig reifbar. Die Erklärung Buddes im preußischen bgeordnetenhaus stände im schroffsten Gegen⸗ satz zu der des Reichskanzlers. Es sei erfreu⸗ lich, daß die hessische Regierung eine so un⸗ zweideutige Erklärung für die Wahrung des durch die Reichsverfassung gewährleisteten Zu⸗ standes abgegeben habe. Eine Beschränkung des Verkehrs auf dem Rhein würde di. Inter⸗ essen des hessischen Staates aufs allerschwerste schädigen. Der Abg. Hirschel habe eine sehr geringe Kenntnis des Marktverkehrs und der Preisbildung bewiesen. Der großen Mehrheit r — Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 27. der hessischen Landwirte werde durch die Beschränkung des Verkehrs die Lebens⸗ bedingungen verteuert. Nur ein ver⸗ schwindend kleiner Teil der groß grundbesitzen⸗ den Agrarier habe den Profit davon. Ministerialrat v. Biegeleben erklärt dem Abg. Hirschel, daß eine Einführung von Rhein⸗ schiffahrtsabgaben nicht nur mit der Reichsver⸗ fassung, sondern auch mit der Rheinschiffahrts⸗ akte nicht in Einklang zu bringen sei. Alle Landesteile Hessens nähmen gleichen Anteil an den Vorteilen, die der Rheinstrom bringe. Ulrich konstatiert, daß die hessischen Bauern von dem Güterverkehr auf dem Rhein nur Nutzen haben. Die Bauernbündler im Land⸗ tag vertreten einseitig das Interesse der groß⸗ grundbesitzenden Landwirte.— Dem widerspricht der Bauernbündler Brauer und ersucht für die Einführung der Schiffahrtsabgaben zu stimmen. Weiter sagt der gute Mann, das Eintreten der Sozialdemokraten für die Sache der großen Industrie sei bezeichnend und gebe ihm einen deutlichen Hinweis, wie er sein Ver⸗ halten zur Wahlrechts vorlage einzurichten habe. Diese weise Bemerkung löste mehrere „Aha's“ bei unseren Genossen aus. Und wirk⸗ lich, damit plauderte der Bauernbündler offen aus, daß man die Wahlreform auf bündlerischer Seite als Schacherob jekt gebrauchen möchte. Wer genauer zusah, wußte das übrigens schon längst.— Der Antrag Reinharts wird schließlich mit 19 gegen 17 Stimmen angenommen. Die bayrische Sozialdemokratie hielt am Sonntag und Montag in Augsburg ihren 7. Parteitag ab, auf dem 61 Delegierte und die Mit⸗ glieder der Landtagsfraktion anwesend waren. Dem Bericht des Landesvorstandes ist zu entnehmen, daß in Bayern zurzeit 25 454 Parteigenossen polttisch organisiert sind.— In der Debatte über den parlamentarischen Bericht der, Landtagsfraktion, den Abg. Franz Schmitt erstattet, begrüßt Rollwagen ⸗ Augsburg zunächst das unablässige Eintreten der Fraktion für die Arbeiter und Bedienstete der Staatsbetriebe, wenn diese Arbeit wohl auch wenig Lohn finden werde. Einige der jüngeren Mitglieder der Fraktion sollten sich daran gewöhnen, die Minister weniger um„Wohlwollen“ zu bitten, als viel⸗ mehr zu fordern. Maurer⸗München warnt davor, den Versprechun gen des Kriegsministers zu viel Glauben zu schenken. Dessen Haltung gegenüber der Heimarbeiterfrage sei eine durch⸗ aus tadelnswerte.— In der Debatte wird ferner lebhafte Klage über Uebergriffe einzelner Bezirksämter und Poli⸗ zeiverwaltungen gegenüber Arbeitervereinen geführt. Schließlich wird einstimmig folgender Antrag ge⸗ nommen:„Der siebente bayrische Parteitag erklärt sich mit der Tätigkeit der Landtagsfraktion vollständig ein⸗ verstanden und anerkennt, daß sie die Interessen der Partei wie des gesamten werktätigen Volkes nach allen Richtungen hin gewahrt hat.“ Weiter spricht Se gitz über die Wahlrechtsfrage und schlägt eine Resolution vor, in der das Verhalten der Liberalen und Bauernbündler als Verrat an den Volksinteressen gebrandmarkt wird und worin es dann weiter heißt: „Der Parteitag ruft das Volk auf, die Reform des Wahlrechts nunmehr mit verdoppelter Kraft weiter zu betreiben und die endliche Entscheidung darüber zum Hauptpunkt der kommenden Landtagswahlen zu machen. Der Parteitag fordert, daß die zu wählende Abge⸗ ordnetenkammer vor allem aus dem Gesichtspunkt der schleunigen Schaffung der Wahlreform zusammengesetzt werde, daß die Regierung sofort nach dem Zusammen⸗ tritt des Landtags den Entwurf des neuen Wahlgesetzes wieder vorlege und daß nach dessen gesetzlicher Fertig⸗ stellung die Kammer alsbald wieder aufgelöst werde, damit das Volk in die Lage komme, die neue Landes⸗ vertretung auf Grund eines besseren Wahlverfahrens zu bilden.“ Weiter wird in der Resolution noch erklärt, daß die sozialdemokratische Partei den Wahlkampf unabhängig von den übrigen Parteien in voller prinzipieller Schärfe führen, aber mit allem Nachdruck dahin wirken, wird, daß eine sichere Zweidrittelmehrheit für die Wahl⸗ reform aus den Wahlen hervorgeht.— Nach dem ein⸗ gehenden Referat Segitz gelangt die Resolution einstimmig zur Annahme. Weiter wird noch über die Gemeindewahlen verhandelt. 2 Politische Rundschau. Gießen, den 23. Juni 1904. Lob aus gegnerischem Munde. Wir haben in voriger Nummer mitgeteilt, wie anerkennend sich ein gegnerisches Blatt, die 05 verloren ging. „Kölnische Volkszeitung“ über die Tättgkeit des emeinderates in Mül⸗ hausen i. E. äußerte. Heute sei noch ein wei⸗ teres Urteil eines Gegners erwähnt. Der E konservatibe Nationalrat Ming schreibt über die sozialdemokratische Gruppe im schweizerischen Nationalrat folgendes: „Wir überschätzen diese an Zahl nicht her⸗ vorragende Partei kaum, wenn wir behaupten, daß sie im Parlamente nicht bloß die regsamste ist, sondern daß sie verhältnismäßig am meisten bedeutende Köpfe und ganz gewiß von den un⸗ ermüdlichsten Arbeitern unter ihren Mitgliedern zählt.... ste lieben rastlose geistige Arbeit. In der geistigen Ueberlegenheit, die sie sich da⸗ durch über die vielfach träge gewordenen Poli⸗ tiker der alten Parteien erringen und in der Ueberzeugungstreue, mit welcher mancher stich wider eigenes materielles Interesse und Be⸗ quemlichkeit für die Ideen opfert, die er als richtig und dem Gemeinwohl förderlich erkannt hat, liegt das Geheimnis der sozialdemokratischen Parteiführer. Solange die akademische Jugend der alten Parteien alles, was über Biersimpelet hinausgeht, als„Strebertum“ verhöhnt, wird sie keine Feldherren gegen die täglich wachsende Armee der Sozialdemokratie ins Feld stellen. Die einstigen Buchbindergesellen Jakob Vogel⸗ sanger und Hermann Greulich wiegen ein ganzes Dutzend solcher Couleurbrüder auf an Wissen und geistiger Gewandtheit und vielleicht auch an Ueberzeugungstreue.“— Allerdings sind die Gegner, welche die Kul⸗ turarbeit der Sozialdemokratie ehrlich anerkennen, fast so selten wie weiße Raben. Bei den W in Koburg⸗ otha sozialdemokratischen hat unsere Partet, wie wir neulich schon mit⸗ teilten, einige Mandate eingebüßt. Nach den nunmehr vollzogenen Abgeordnetenwahlen,— die Wahlen sind indirekt— haben wir im Gothaischen Landtage, wo wir vorher 9 Abge⸗ ordnete hatten, deren nur sechs. Die Namen derselben sind Tillig, Denner, Wolf, Joos, Bock und Seehofer. Im Kobur ger hatten wir bisher nur ein einziges Mandat inne, das Diesmal war die Wahlbeteili⸗ gung eine bedeutend stärkere und wir hatten überall eine beträchtliche Stimmenzunahme zu verzeichnen. Von einer sozialdemokratischen Niederlage, von der verschiedene bürgerliche 7 faselten, kann aber gar keine Rede ein. Ein König muß her! Bekanntlich ist der bayrische König Otto schon seit Jahren und schon bevor er König wurde, unheilbar wahnsinnig. Die Staatskarre läuft deswegen auch nicht schlechter, als wenn ein vernünftiger König da wäre, aber es gibt in Bayern einige sonderbare Leute, die, wie die Frösche in der Fabel, einen König haben wollen, der sich rühren kann. Das sind die Bauernbündler, an ihrer Spitze der berühmte Anton Memminger. Sie haben in der Kammer einen Antrag eingebracht: „Es sei an die Krone die Bitte zu richten, eine Aenderung der Verfassung in der Richtung herbeizuführen, daß die Regentschaft auch bei Lebzeiten eines andauernd willenlosen Königs ihr Ende finden könne.“ Das kann in der Kammer eine interessante Debatte über Monarchismus und das„monar⸗ chische Prinzip“ geben. Soviel ist Tatsache: in vielen Monarchien waren schon die betreffen⸗ den Monarchen„willenlos“ aus irgend einem Grunde— wir erinnern nur an Spanien, wo zeitweilig ein Wickelkind auf dem„Throne“ saß— ohne daß sich dieser Umstand im Staats⸗ leben besonders fühlbar gemacht hatte; in andern Ländern bleibt die Staatsmaschinerie auch im Gange, wenn die Monarchen das ganze Jahr auf Reisen sind. Damit kann bei Beratung des Antrags klar bewiesen werden, daß derselbe e ist und daß es auch ohne Monarchen geht. Die antisozialdemokratischen Aerzte. In Rostock tagte vorige Woche der deutsche Aerztetag, auf dem natürlich auch die Kämpfe mit den Krankenkassen erörtert und die „Siege“ in Köln, Solingen ꝛc. gefeiert wurden. Während einer Sitzung kam es zu einem wüsten Auftritte, bei welchem die Herren Aerzte ihre antisozialdemokratische Gesinnung und zugleich ihre— Bildung zeigten. Dr. Kirberger aus Frankfurt a. M. erklärte bei der Dis⸗ kusston über die freie Aerztewahl: er sei nicht Sozialdemokrat, obgleich auch das keine Schande wäre.„Wären Sie statt Aerzte Arbeiter, dann wären sie allesamt Sozialdemo⸗ kraten!“ Bei diesen Worten erhoben sich stür⸗ mische Rufe:„Schluß, raus, raus!“ Endlich erlangt der Präsident, Prof. Loebker⸗Bochum, das Wort und weist die„Unterstellung“ Dr. Kirberger's in ihrer Allgemeinheit zurück. Als Kirberger fortfahren will, beginnen besonders in der sächsischen Gruppe der Versammlung neue wütende Rufe:„Schluß, raus!“ Der Redner mußte darauf die Tribüne verlassen. — Das zeichnet so recht die Kampfesweise der Herren Aerzte. Wie unser Frankfurter Partei⸗ blatt dazu bemerkte, ist Dr. Kirberger weit entfernt von dem„Verdachte“, Sozialdemokrat zu sein. Er hat bet der Frankfurter Orts⸗ krankenkasse als bisheriger Vorsitzender der Aerztekommission die Honorarforderungen der Aerzte stets energisch vertreten, obgleich er selbst fast gar keine Kassenpraxts hat, allerdings unter Achtung des Selbstverwaltungsrechtes der Kasse. Wahrscheinlich erklärt sich die Rüpelei der Herren in Rostock dadurch, daß Dr. Kirber ger niemals einen Zweifel darüber gelassen hat, n ie sehr er das Zuhilferufen der gewaltsam eingreifenden staatlichen Mächte durch die Aerzte verurteilt.— Vom Aerztetag wird noch weiter berichtet, daß ein Preßberichterstatter wegen eines geringfügigen Irrtums derart insultiert wurde, daß er und seine sämtlichen Kollegen die Berichterstattung einstellten und den Kongreß verließen.— Es ging also in Rostock sehr„gebildet“ zu. Und diese Leute 1 1 über den Dresdener Parteitag auf⸗ alten! Woher die Viehseuchen kommen. Wer ein rechter elgrarier ist, muß glauben, daß keine noch so strenge Fleischbeschau Schutz gegen verdorbenes Auslandsfleisch biete, wogegen das nationale Vieh auch ohne Kontrolle das allergesündeste Fleisch liefere. Und er muß weiter glauben, daß nur ausländische Rinder die Viehseuchen ins Land bringen, daher zum Schutze des heimischen Viehbestandes die Einfuhr unterbunden werden müsse. Nun hat aber der Oekonomierat Plehn es gewagt, in der agrartschen Fachpresse Tatsachen zu veröffentlichen, die zu diesen agrarischen Glaubensartikeln schlecht passen. Die Maul⸗ und Klauenseuche ist neuerdings wieder stärker aufgetreten. Dazu bemerkt Herr Plehn: „Sonst war man schnell bei der Hand mit der Klage, daß die Seuche vom Ausland eingeschleppt ist; das ist diesmal nicht der Fall, denn Schlesien und Bayern, die einzigen Distrikte, in welche lebendes Vieh aus dem Auslande eingeführt werden darf, seien an der Grenze und im Innern ganz seuchenfrei.“ Herr Plehn macht den einheimischen Land⸗ wirten den Vorwurf, daß ihre Nachlässig keit an dem Ueberhandnehmen der Seuche schuld sei. Diese auch schon früher von berufener Seite festgestellten Tatsachen sind natürlich den Agra⸗ riern sehr unbequem und die Häuptlinge Endell, Roesicke ꝛc. erlassen einen geharnischten Protest gegen die Behauptungen Plehns und fordern — schlau wie sie nun einmal sind—, von Plehn die Namhaftmachung bestimmter Besitzer, durch deren Nachlässigkeit die Seuche gefördert worden sei. Man versucht also den unbequemen Tadler in eine Serie von Beleidigungsprozessen hineinzuhetzen. Skandalprozesse der„besseren Kreise“ gibts jetzt fast jede Woche einige. Der Pommernbankprozeß, in welchem die interessante Art, wie der fromme Oberhofmeister der Kaiserin Geld zu Kirchen⸗ bauten zusammentrommelt ans Tageslicht kam, ging zu Ende. Das Urteil soll am 1. Juli verkündet werden. Der Staatsanwalt bean⸗ 0 S S De SS= SDC 2 K SS S 2 e — Nr. 27. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. tragte gegen die angeklagten Banukdirektoren 5 und 6 Jahre Gefängnis und Ehrverlust, während sich die Verteidiger in tagelangen Reden be⸗ mühten, die Bankräuber als vollendete Ehren⸗ männer hinzustellen.— Ein anderer Prozeß, in welchem von dem nationalliberalen Reichstagsa“geordneten Münch⸗ Fer ber höchst schmutzige Geldgeschichten festgestellt wurden, verhandelte die Zivilkammer in Fürth. Münch sowie sein Gegner erhielten Geldstrafen. Unternehmer und Terrorismus. Ein Gegenstück zum Saarbrücker Prozeß, über den die Ordnungepresse kein Wort zu sagen wußte, spielte sich in Dres den ab. Zwei Redakteure der„Sächs. Arbeiterzeitung“ waren der Beleidigung der Firma Siemens, Glasfabrik in Dresden angeklagt. Die Zeugen⸗ aussagen bestätigen, das in den inkrimi⸗ nierten Artikeln Ausgeführte, sodaß selbst das Gericht anerkannte, der Beweis, daß die Firma das Koalitionsrecht der Arbeiter nicht respektiere, sei geglückt. Auch sonst lauteten die Zeugenaussagen zu Gunsten der Angeklagten. So bekundete der Gewerberichter Dr. Häntzsche, die Fabrikleitung behandelte die Arbeiter sehr hart und rigoros in jeder Beziehung. Gewerberichter Stübing erklärt, daß die Firma gezen ihre Arbeiter sehr inhuman sei. Trotzdem wurden die Redakteure Fleißner und Nitzsche jeder zu 1200 Mark Geldstrafe verurteilt! Was Arbeiter mit sich machen lassen. Der etwa 4000 Mitglieder umfassende Mittel deutsche Verband der Evan gelischen Arbeiter⸗Vereine und der Verein der Eisenbahnarbeiter in Erfurt haben sich dem Reichs verbande gegen die Sozialdemokratie angeschlossen.— Nun werden wir aber entgiltig vernichtet. Was mögen aber das für„Arbeiter“ sein? Untaugliche Mittel. Die Stockholmer Zeitung„Aftonbladet“ ver⸗ öffentlichte die Abschrift eines Briefes, den Eugen Schumann, welcher den Gouveneur Bobrtkow erschoß, vor seiner gewiß sehr mutigen Tat an den Zaren richtete. Darin heißt es unter anderm: „Durch Lügen und falsche Darstellungen ist es dem Generalgouveneur und Minister, Staats⸗ sekretär v. Plehwe, gelungen, Ew. Majestät zu Verordnungen und Beschlüssen zu veranlassen, welche den Gesetzen widersprechen, die Ew. Majestät bei der Thronbesteigung fest und unver⸗ brüchlich in voller Kraft zu wahren versprach. Da keine Aussicht vorhanden ist, daß innerhalb eines übersehbaren Zeitraumes eine wahre Dar⸗ stellung des wirklichen Zustandes an Ew. Majestät gelangen wird, und daß der Generalgouveneur abgerufen werde, so bleibt nur noch übrig, zur Nolwehr zu greifen und zu versuchen, ihn un⸗ schädlich zu machen. Das Mittel ist gewaltsam, aber das einzige. Bei der Gelegenheit opfere ich mein eignes Leben mit eignen Händen, um zu versuchen, Ew. Majestät noch mehr davon zu überzeugen, daß im Großfürsten⸗ tum Finnland, wie in Polen und den Ostsee⸗ provinzen, ja, im ganzen russischen Reiche, Miß⸗ stände herrschen.“ 5 Wenn das Schreiben auch wirklich den Zaren erreichen sollte, wird es doch schwerlich auf ihn Eindruck machen und ihn etwa bestimmen, die schauderhaften Zustände zu beseitigen, wenn er überhaupt dazu im Stande wäre. Wenn auch ein Werkzeug der Gewaltherrschaft beseitigt ist, das System bleibt, es kann nur durch Auf⸗ klärung und Organisatton des russichen arbei⸗ tenden Volkes gestürzt werden. Sozialistenverhaftungen in Rußland Dieser Tage sollen in Kiew viele Haus⸗ suchungen stattgefunden haben und 200 Sozi a⸗ list en verhaftet worden sein. Dabei wurde eine geheime Druckerei entdeckt. Dte russischen Revolutionäre und mit ihnen das ganze russische Volk werden sich dadurch nicht abhalten lassen, an der Beseitigung der Gewalt⸗ herrschaft weiter zu arbeiten. Eine kleritale Hochburg haben unsere italienischen Genossen erobert. Im klerikalen Wahlkeise Berga mo siegte bei einer Nachwahl der sozialistische Kandidat Advokat Maironi mit 2000 Stimmen Mehrheit über den Konservativen. Russisch⸗japanischer Krieg. Vor der Entscheldung. Die in den letzten Tagen vom Kriegsschauplatze eingetroffe⸗ nen Nachrichten lassen darauf schließen, daß erstens die Russen nicht im Stande sind, dem Vordringen der Japaner wirksamen Wider⸗ stand entgegen zu setzen; zweitens scheint ein entscheidender Kampf sehr nahe bevorzustehen. Die Japaner rücken unaufhaltsam vor und bereiten den Russen zahlreiche kleinere und größere Niederlagen. Von Petersburg her gemeldete russische Erfolge erwiesen sich als Schwindel oder mindestens als Uebertreibungen. — Am 27. Juni besetzten die Japaner Föng⸗ shuling, nordwestlich von Siujen. Die Russen flohen in Unordnung. Der Verlauf des Krieges ruft in Rußland natürlich eine sehr trübe Stimmung hervor.— Die Mobilisterung in Rußland stößt infolge der Mißstimmung der Bevölkerung auf wachsende Schwierigkeiten. Aus 1 17 wurde berichtet: Es herrscht hier große Erbitterung, daß die in den letzten Tagen mobilisterten Reserveofftziere mit großen Verspätungen an ihrem Bestimmungsorte eintreffen. Aus dem Bezirk Kasan kam über⸗ haupt kein Offizier. Vor Port Arthur fand am Donners⸗ tag wiederum ein Seegefecht statt, über das der japanische Admiral Togo berichtete, daß dabei ein Schlachtschiff vom Pereswjet⸗Typus gesunken sei; ein Schlachtschiff vom Sewa⸗ stopol⸗Typus und ein Kreuzer vom Diana⸗ Typus wurden gefechtsunfähig gemacht. Die japanischen Schiffe blieben im Wesentlichen un⸗ beschädigt. .. ͤ v Das arbeitende Volk muß aufhören, seine eistige Nahrung aus den Zeitungen seiner einde zu ziehen, welche kein anderes Ziel haben als die Beschönigung und die Erhaltung der traurigen und schmachvollen Zustände, unter denen es schmachtet; und da dte Presse nur durch die Presse im Zaum gehalten, überwunden werden kann, so gebietet die Selbstverteidigung dem arbeitenden Volk, der alten Presse eine neue Presse entgegenzusetzen, der Bourgeois⸗, Junker⸗ und Pfaffenpresse eine Arbeiterpresse! Wilhelm Ltebknecht. CCC cc ccrecc Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Große Bauarbeiter Aussperrung angedroht! Eine Konferenz von Bau⸗ unternehmern Süd⸗ und Mitteldeutschlands hat vorige Woche in Frankfurt zu den Bau⸗ arbeiterstreiks in Mainz und andern Orten Stellung genommen. Sie hat beschlossen, den Nane Zentralleitungen der Maurer- und immererverbände Bedingungen zu stellen, die bis zum 2. Juli angenommen sein müssen, andernfalls im ganzen Bereiche des Mittel⸗ deutschen Arbeitgeberverbandes am 18. Juli die ie ee Arbeiter entlassen werden sollen. In Frankfurt fanden deshalb 5 große. Bauarbeiterversammlungen statt. Opfer der Bergarbeit. Im Oberbergamtsbezirke Dortmund be⸗ trug im Jahre 1903 die Gesamtzahl der töd⸗ lich verunglückten Bergleute 561 gegen 474 im Vorjahre. Also bald 100 Tote mehr! Blinder Eifer schadet nur. Von einem hübschen Histörchen berichtet die „Sächsische Arbeiterzeitung“. Auf dem Glück⸗ auf⸗Schachte in Neubannewitz quetschte sich vor — einiger Zeit ein in der Brikettfabrik beschäftigter Arbeiter beim Bedienen der Pechmühle einen Finger weg. Als der Berginspektor anläßlich dieses Unfalles in die Fabrik kam, um den Ursachen dieses bedauerlichen Vorkommnisses nachzuforschen und eventuell Anordnungen zu treffen, die einer Wiederholung solcher Unfälle vorbeugen sollten, war der Brikettmeister eifrig bemüht, dem Verletzten selbst die Schuld zuzu⸗ schieben. An der Maschine versuchte der bei den Arbeitern sehr unbeliebte Meister den Berg⸗ inspektor zu überzeugen, daß nur die Ungeschick⸗ lichkeit des Arbeiters die Veranlassung des Unfalles set. Schließlich rief er aus:„Es kann hier überhaupt nicht passieren, daß sich einer quetschen kann.“ Im Uebereifer, den Arbeiter als allein Schuldigen hinzustellen, griff er mit der linken Hand genau an die Stelle, wo sich der Arbeiter die Finger zerquetscht hatte. Doch kaum hatte der Meister mit der Hand in die Maschine gegriffen, da zog er sie auch schon mit einem Schmerzensschrei schnell wieder zurück. Ein Finger war aber zerquetscht in der Maschine geblieben. Auf diese Weise hat der Meister dem Berginspektor wider Willen gezeigt, welch gefährliches Ding die Maschine ist und daß von einer Verschul⸗ dung des verletzten Arbeiters gar keine Rede sein.— Hoffentlich sorgt man nun auch dafür, daß die Maschine mit S hutzvorrichtungen ver⸗ sehen wird, die eine Wiederholung solcher Ver⸗ letzungen ausschließen. Für den verletzten Meister aber sollen die Arbeiter auf dem Miles e recht wenig Mitleid übrig aben. Von Uah und Fern. Hessisches. Wer ist bei den Gemeindewahlen wahlberechtigt? Bei den Gemeinderatswahlen in Hessen sind stimmfähig: 1. alle in der Gemeinde wohnen⸗ Ortsbürger; 2. alle männlichen Einwohner, welche die deutsche Reichs angehörigkeit besitzen und welche seit 2 Jahren ihren Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde erworben haben, vorausge setzt, daß sie zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt und seit Beginn des dem Rechnungsjahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorausgegangenen Rechnungsjahrs in der Gemeinde kommunalsteuerpflich⸗ tig sind. Nicht stimmberechtigt sind diejenigen, wel che a. unter Vormundschaft oder Kuratel stehen; b. über deren Vermögen Konkurs erkannt worden ist, während der Dauer des Kon⸗ kursverfahrens; c. infolge strafrechtlicher gegen ste ergangener rechtskräftiger Verurteilungen von der Stimmberechtigung in öffentlichen An⸗ gelegenhetten ausgeschlossen sind, für die Dauer der Entziehung; d. zur Zeit der Wahl(d. h. des ganzen Wahlverfahrens einschließlich der Zeit der Aufstellung der Liste) zu ihrem Lebens⸗ unterhalte eine nicht bloß vorübergehende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln beziehen, oder in den letzten der Wahl vorhergegangenen zwölf Monaten bezogen haben; e. mit der Entrichtung der Kom mmunal⸗ steuer zur Zeit der Wahl sich länger als 2 Monate im Rückstande befinden. Wählen kann nur, wer in der Wähler⸗ liste steht. Daher muß sich bei Auslegung derselben jeder Wahlberechtigte überzeugen, ob sein Name darin verzeichnet ist. — Glemeindewahlen in Hessen. In Bauschheim bei Darmstadt gelang es unsern Genossen bei der am Donnerstag voriger Woche stattgefundenen Gemeinderatswahl zwet Mandate zu erobern. Es waren nur drei Mandate zu besetzen; unser dritter Kandidat blieb mit wenig Stimmen in der Minderheit.— Einen glänzenden Sieg erkämpfte unsere Partei bei den Gemeinderatswahen in Hatn⸗ stad t. Drei von unsern 4 aufgestellten Kan⸗ didaten wurden mit 165 Stimmen gewählt. Unsere Genossen haben nunmehr sechs Sitze — Er — —* r — Seite 4. ——— ²˙———— Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 27. im dortigen Gemeinderat und damit die Mehr⸗ heit.— In Seligenstadt dagegen, wo ebenfalls am Samstag gewählt wurde, erlangte die Pfaffenpartei die Mehrheit. Unsere Genossen haben dort nur ein Mandat inne. — Der Kretschmann-Brief⸗Prozeß beginnt am Montag vor dem Mainzer Land⸗ gericht. Die Wahlreform in Hessen. Bei der Weiterberatung der Wahlvorlage sprach am Donnerstag zuerst Abg. Schmitt(Zentrum), der sich ebenfalls gegen Heyl und seine Truppe wandte. Als Gegner erllärten sich Hir s chel und Schill(natl.). Nachdem Gutfleisch für die Vorlage eingetreten, prä⸗ zisiert Ulrich die prinzipielle Stellung der Sozialdemo⸗ kratie, die allgemeines direktes und geheimes Wahlrecht mit Proportionalsystem verlange. Nun aber werde die sozialdemokratische Partei den Ausschußantrag annehmen und die Kautelen in Kauf nehmen, um das Zustande⸗ kommen der direkten Wahl zu sichern, wenn auch die meisten Kautelen gegen die Sozialdemokratie gerichtet seien. Die nationalliberale Partei habe durch ihre Stellungnahme sich selbst gerichtet. Das sind die wirklich vaterlandslosen Gesellen, die im eigenen Vaterland die Bauern von ihren Höfen fortschaffen. Wer ernsthaft die direkte Wahl wolle, stimme für das Gesetz.— Gießener Angelegenheiten. — Aus der Sitzung der Stadt ver⸗ ordneten vom Donnerstag ist zu erwähnen, daß der bisherige Herausgeber des Gießener Adreßbuchs, Buchdruckerei Kindt, den Ver⸗ trag mit der Stadt gekündigt hat. Ein Ab⸗ kommen mit der Brühl'schen Druckerei, wo nach diese 300 Mk. für Lieferung des Materials an die Stadt zahlt, wird genehmigt.— Bezüglich der Sonntags ruhe im Handelsgewerbe liegt eine Eingabe des deutsch⸗nationalen Handlungs⸗ gehülfen⸗Verbandes vor, welche die Offenhaltung der Läden auf die Zeit von 11—1 Uhr Sonntag eingeschränkt wissen will, es wird beschlossen, es bei dem bisherigen Zustand zu belassen. Man will sofort auf diesen Wunsch eingehen, wenn in den Nachbarstädten ein Gleiches geschieht. — Auf dem alten Friedhofe sollen die Fichten⸗ bäume beseitigt und die alten, zum Teil künst⸗ lerischen Denkmäler freigelegt werden.— Zum Besuche der Kurse für Fortbildungsschul⸗Unter⸗ richt erhalten zwei Lehrer eine Zubuße von Seiten der Stadt. Ebenso zwei weitere Lehrer zum Besuche des Kongresses für Knaben⸗Hand⸗ arbeit in Worms. — Der Konsumverein Gießen und Umgegend hat mit Schluß dieses Monats sein 3. Geschäftsjahr vollendet. Wie wir hören, stieg der Umsatz in dem letzten Jahre wiederum ganz erfreulich und ebenso die Zahl der Mit⸗ glieder. Bei der großen Zahl der in Gießen wohnenden Arbeiter sollte die Zunahme aller⸗ dings noch eine größere sein; immerhin ist eine stetige und gute Entwickelung der Genossenschaft zu verzeichnen.— Wie aus dem Inseratenteil zu entnehmen ist, bleibt Sonntag, den 3. Juli das Geschäft wegen Inventur geschlossen. — Ueber die Behandlung der Ar- better auf dem Braunstein⸗Zergwerk gehen uns lebhafte Klagen zu. Die Steiger pflegen beispielsweise die Arbeiter verächtlich mit Spitzuamen anzureden; ein Arbeiter der bereits 8 Jahre auf dem Werke beschäftigt ist, wurde von einem Steiger ohne jede Veran- lassung mit„Kerl“ ꝛc. beschimpft und als er sich das verbat, entlassen. Die Direktion sollte doch dafür sorgen, daß die Leute, deren Ar⸗ beit dem Unternehmen hohe Gewinne bringt, wenigstens einigermaßen anständig behandelt werden. — Vom Gerüst gestürzt. Bei einem Neu⸗ bau in der Ederstraße stürzte am Samstag ein Maurer aus Kirchgöns vom Gerüst und erlitt dabei einen Schenkelbruch. — Hirschelchen über unser Kreis⸗ fest. Unseren Genossen wird es nicht geringes Vergnügen bereiten, zu hören, wie der jetzt aus der Krippe des Bauernfängerbundes fressende Antisemitrich in seinem Friedberger Blättchen für künstlichen Dünger über unser prächtig verlaufenes Kreisfest schimpft. Seine wüten⸗ den und verlogenen Anwürfe werden auch bei dem ernstesten unserer Genossen eine dröhnende Lachsalve hervorrufen. Und weil wir zur Be⸗ lustiaung unserer Freunde beitragen möchten, sei die Leistung hier fast vollständig abgedruckt. Hört, wie dieser Mensch seine paar bedauerns⸗ werten Leser anschwindelt: „Um 1.20 kamen die Genossen mit Kind und Kegel angezogen. Dann gings mit„Juchhe“ durch Watzen⸗ born bis vor die Wirtschaft zur Ludwigshöh. Als die Blase eine geraume Zeit gestanden hatte, kam dann Genosse Häuser mit 2 Adjutanten und einer Mufikbande anmarschirt, um die obenstehende Gesellschaft abzuholen. Sozze Häuser hieß sie willkommen und krächzte„Bataillon Marsch“. Da kam aber Wachtmeister Vogel von Gießen in die Quere und verbot den Umzug und Musik durch Watzenborn, auf Wunsch der Watzenbörner. Als die Heerde Watzenborn passiert hatte, durfte die Mufik spielen. Am Festplatz schleimte sich nun ein soziol⸗ demokratisches Reptil, welches angab, im Wahlkreis Solingen in den Reichstag gewählt worden zu sein, ganz gehörig aus. In seiner Mut taufte er Watzenborn in„Schwatzenborn“, er schimpfte noch mehr und brüllte etwas von der Freiheit, worauf aber die Sozzen nicht viel hörten, denen Essen und Trinken lieber zu sein schien, als das Blech(nach Schema F.) anzuhören, was sie schon so oft gehört hatten. Als die Gieß ener Bebels⸗ Gesellschaft, wie sie hier zu Lande genannt werden, gehörig satt war, gings des Abends wieder nach Haus. Unsere Berichte sind der Schabbeszeitung in die Knochen gefahren. Sie heult und jammert darüber in innigstem Schmerz und ist fast aus Rand und Band. Wir haben ihr allerdings einen ärgerlichen Strich durch die Rechnung ge⸗ macht, die Schoppen Wein im Hotel Großherzog wollen doch bezahlt werden. Die Arbeiter allein wollens auch bald nicht mehr bezahlen und das bischen Indensold von Singer, Arous und Co. schickt nicht. Von Teilnahme der Watzenbörner Vereine konnte die Schabbeszeitung allerdings nichts berichten. Selbst in Steinberg zeigten sich viele, die man für echte Sozial⸗ demokraten gehalten hatte, sehr gleichgiltig. Manche hatten, um sich nicht zu schämen, ihre Kreppeln und Kuchen heimlich gebacken. Geschmückte Häuser, wozu das Komitee aufgefordert hatte, waren fast gar nicht zu sehen. Daß die Sozialdemokraten sich mit ihrem Fest eine gehörige Blamage geholt haben, müssen sie wohl selbst zugeben. Beim Bauern⸗ stand können sie eben doch nicht landen.“ Muß sich der Mensch aber geärgert haben. Wir haben, um die Bildung und christliche Gestttung des Junkersöldlings zu zeigen, ver⸗ schiedene Stellen besonders hervorgehoben. Auf unserem Feste waren aber auch eine große An⸗ zahl Watzenbörner— von den beiden Gesang⸗ vereinen waren mindestens zwei Drittel der Mitglieder anwesend— die den in jeder Be⸗ ziehung guten Verlauf des Festes und besonders die allgemeine Aufmerksamkeit und das Interesse bei der Festrede selbst beobachtet haben. Diese muß nicht bloß die Beschimpfung der Arbeiter in diesem Erguß empören, sondern auch die Ehrlosigkeit, mit der das Blättchen seine eigenen Leute anlügt. Es hat zwar in Watzenborn nur ein Bäckerdutzend Leser, aber auch diese werden einsehen, wie recht seiner Zeit der Antise mit Wilberg hatte, als er schrieb:„Keine Partei hat in ihren Reihen soviele Gaukler und moralisch ver⸗ sumpfte Schaumschlä ger gezählt, wie die unsrige und keine hat sich von Phrasenhelden und elenden Spekulanten nasführen lassen wie die antisemitische.“ Diese Einsicht kam ja auch schon bei der Reichstagswahl zum Ausdruck. In Watzenborn⸗Steinberg erhielten Stimmen: 1898: 1903: Antisemit 89 76 Sozialdemokrat 168 211 Man sieht, keine noch so gemeine Lüge und niedrige Schimpferei hält den Bankrott auf. Selbst jetzt nicht, wo die Spekulanten aus der Kasse des Junkerbundes besoldet werden und deshalb noch ein paar Prozent frecher sind. h Sängerkrieg. Bei dem am Sonntag in Hausen stattgefundenen Sängerfeste kam es zwischen Sangesbrüdern von Steinbach und Albach zum Streit, wobei es blutige Köpfe absetzte. Wir wollten mal die antisemitischen Fischweiber hören, wenn Derartiges auf unserem Kreisfest vorgekommen wäre. — Zur Landeskonferenz. Bekanntlich sind für die diesjährige Landeskonferenz in Pfungstadt zwei Tage vorgesehen. Für viele Parteiorte, namentlich in unserer Gegend, wo noch die ziemlich weite Entfernung des Kon⸗ ferenzortes in Betracht kommt, wird deshalb die Beschickung mit finanziellen Schwierigkeiten verknüpft. Da aber auch für unsern Kreis eine möglichst zahlreiche Vertretung auf der Konferenz wünschenswert ist, so wäre es gut, wenn sich mehrere Orte auf einen Deligirten einigen, wie wir das schon kürzlich anregten und im Inter⸗ esse der Sache für geboten erachten. Die Konferenz beginnt Samstag den 30. Juli abends 8 Uhr. Die Unterzeichnungslisten für die Errichtung eines Gewerbegerichts für den Kreis Gießen, welche noch ausstehen, sollen spätestens bis zum 15 Juli an unsere Expedition oder an die bekannten Adressen des Kreiswahlvereins⸗Vorstandes eingeliefert werden. Dies zur Beachtung für alle diejenigen, welche solche Listen noch im Besitz haben. Aus dem Rreise Wetzlar. r. Die Listen für die Gewerbe⸗ gerichts wahl werden bereits diesen Samstag (2. Juli) geschlossen, deshalb verlange jeder, der wählen will, seine Eintragung. Viele Ar⸗ beiter beschweren sich über die ungünstige Wahl⸗ zeit; die Leute sollten bei dem Landrat Be⸗ schwerde führen, die unseres Erachtens Erfolg haben muß. h. Ein lustiger Krieg ist zwischen den beiden Wetzlarer Ordnungsblätter ausgebrochen. Das Amtsblatt warf nämlich dem sogenannten unparteiischen„General⸗Anzeiger“ einem Blätt⸗ chen von der Schweinburg⸗Kouleur, Abdruck seiner„Orginal“-Artikel vor. Bei dieser Gelegen⸗ heit sagen sich die beiden christlichen Patrioten⸗ Organe allerhand Liebens würdigkeiten über die sich jeder anständige Mensch freut. Das Amts⸗ blatt sagt zum Beispiel: f „Es ist doch gut, daß eine Zeitung nur ein Stück Papier ist, daß sich— nicht schämen kann. Es müßte sonst über manche Dreistigkeit, mit der man seine reine, weiße Fläche be— druckt, feuerrot werden. Sehr richtig, das paßt für beide und noch eine Anzahl andere ihres Kalibers. * Eine freigebige Gemeinde. Am ver⸗ gangenen Sonntag fand in Biedenkopf ein großes Kriegerfest statt. Zum Besuch desselben bewilligte die Gemeinde Naunheim bei Wetzlar jedem ihrer Veteranen 5 Mark aus der Gemeindekasse. Das Wetzlarer Amtsblatt hebt diese Verwendung des Gemeindevermögens rühmend hervor, findet sie offenbar ganz in der Ordnung. Nun, wenn etwa andere Einwohner von Naunheim mal ein auswärtiges sozialdemokratisches Fest besuchen wollen, werden sie hoffentlich auch auf eine Beihilfe aus der Gemeindekasse rechnen dürfen, denn der Gemeinderat macht doch sicher keinen Unterschied in der Behandlung seiner Gemeindeangehörigen.— Ob sich der Landrat nicht ein wenig für diesen Ausgabeposten interessiert? 5 * Bürgermeister Lichtenthäler in Krof⸗ dorf hat seit einiger Zeit die Geschäfte der Bürgermeisteret wieder übernommen, nachdem das Strafverfahren, daß gegen ihn und den Bürgermeisterei⸗Sekretär eingeleitet war, eingestellt worden ist. Bekanntlich wurde L. kurz vor Weihnachten samt dem Sekretär verhaftet und nach Wetzlar abgeführt. Der Sekretär wurde bereits nach wenigen Tagen entlassen, der Bürgemeister jedoch ca. 14 Tage in Haft behalten und dann eiustweilen vom Amte suspendiert. Jetzt hat sich nun nach langer, halbjähriger Untersuchung seine Unschuld herausgestellt und auf grund des neuen Gesetzes betreffend die Ent⸗ schädigung unschuldig Verhafteter kann er Ansprüche er⸗ heben. Zu diesem Ausgang ist Herr Lichtenthäler gewiß zu beglückwünschen. Die Mehrheit der Bevölkerung wird es allerdings sehr merkwürdig finden, daß die damals bekannt gewordenen Verfehlungen als so geringfügige, eine Verfolgung nicht begründende, angesehen werden konnten. Soviel Glück hat wirklich nicht jeder bei der Dame Justitia. k. Das Stiftung sfest des Arbetter⸗Ge⸗ sangverein„Eintracht“ Krofdorf findet be⸗ kanntlich am Sonntag, den 10. Jult statt. Dazu haben zahlreiche Brudervereine der Um⸗ gegend ihre Beteiligung zugesagt. Es darf wohl erwartet werden, daß die Arbesterschaft der Um⸗ Pouch den jungen Verein durch zahlreichen esuch unterstützt. X. Fellingshausen. Der Gesangverein„Kon⸗ kordia“ feiert diesen Sonntag, den 3. Juli sein 13. e sere den. lche ä e kraten sich der Unterdrückten annehmen. dem Grubendirektor Vahlensiec allerdings hat Nr. 27. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 5. Stiftung sfest in der Gartenwirtschaft von Philipp Weber V. Das Fest beginnt um 3 Uhr nachmittags und es wird ein Eintrittsgeld von 20 Pfg erhoben. Wer von den Lesern unseres Blattes in Gießen, Heuchel⸗ heim, Krofdorf und Umgebung einen Ausflug nach der mit Naturschönheiten reich bedachten Gegend unternimmt, sollte Gelegenheit nehmen, das Fest des Arbeitergesang⸗ vereins zu besuchen. Aus dem Rreise Dillenburg⸗ Herborn. m. Politische Versammlungen in Schul⸗ sälen. Dr. Burckhardt, der christlich⸗soziale Reichstags⸗ abgeordnete für den 5. nass. Wahlkreis, hielt kürzlich im Westerwald Agitations⸗Versammlungen ab. Wie uns nun aus Herborn mitgeteilt wird, benutzt Herr B, als Versammlungs⸗Lokale frisch und frei die Schul⸗ säle, z. B. in Lie benscheid. Es ist zwar in Preußen ausdrücklich verboten, Schulsäle zu politischen und reli⸗ giösen Versammlungen zu benutzen, aber solche Kleinig⸗ keiten genieren fromme Leute nicht. Vielleicht macht die Regierung dem Schulvorstande in Liebenscheid(dessen Vorsitzender ein Pfarrer ist), klar, daß derartige Ver⸗ fügungen auch für die Christlich⸗sozialen so gut wie für andere Parteien gültig sind. Oder wollen die Lieben⸗ scheider Herren den Schulsaal auch an Liberale, Sozial⸗ demokraten usw. abgeben? * Einen Raubanfall haben einige bei dem Herborner Bahnbau beschäftigte Kroaten zwischen Uckersdorf und Burg ausgeführt und einen jungen Burschen 150 Mk. abgenommen. Zwei der Uebeltäter wurden verhaftet. Der⸗ artige Elemente zieht Unternehmer ⸗Profitgier in's Land, während deutsche Arbeiter ohne Beschäftigung sind. Langenaubach. Der Artikel der „Miteldeutschen“ in Nr. 20 ist nicht ohne Er⸗ folg geblieben. Gewissermaßen aufatmend wurde allgemein anerkannt, daß nur die Sozialdemo⸗ Bei der wahrheitsgemäße Bericht wie eine Bombe eingeschlagen. Erst ließ er durch seine„willigen“ Organe verkünden, daß er die ganze Redaktion und den angeblichen Artikelschreiber vor den Kadi zitieren wolle und schon Klage eingereicht habe.— In Wirklichkett mußte er aber in ohnmächtiger Wut schweigen, als ihm auch von seinem Obersteiger bestätigt wurde, daß die Lohnabzüge ja nur auf direktes Geheiß des Direktors gemacht waren. Seinen Zorn übte er nun an den beiden Arbeitern aus, die ent⸗ lassen wurden, auch der Obersteiger mußte weichen. Direktor Vahlensiec scheint sich über⸗ haupt als König von Kalkarabien zu betrachten. Er hat einen Fischweiher angelegt und schneidet dadurch den Wiesenbesitzern das Wasser ab, die nun gegen ihn vorgehen und ihr Recht suchen müssen. Der entlassene Obersteiger hatte grüne Erde gefunden, sofort läßt V. mit einem Raffi⸗ nement sondergleichen die Wiesen für ein Sünden⸗ geld erschachern, weil er angeblich einen Weg bauen will. Die Leute bekamen aber noch rechtzeitig vor der Beurkundung Wind und erzielten dann einigermaßen anständige Preise. Ein Wirt, der sich nicht glücklich preist, daß er seine Wiese an die Grube verkauft hat und mehrmals auf Zahlung dringt, wird boykottiert, ebenso ein anderer Wir, der im Gemeinderat die Interessen seiner Mitbürger und nicht die der Grube vertritt. Ein in des Direktors Fahrwasser schwimmender Vater eines Gemeinde⸗ rats erklärte, sein Sohn müsse für Vahlensiec stimmen, weil dieser demselben viel Oel ab⸗ kaufe! Vahlensiec will nun seinem ramponierten Ansehen wieder Glorienschein verschaffen und seinen Arbeitern ein Fest geben, wo wahr⸗ scheinlich den armen Proleten Gelegenheit gegeben wird,„grubenverwaltlich“ ihre Un⸗ zufriedenheit mit dem Dämon Alkohol zu stillen. — Mit nur 10 Pfennig Lohnerhöhung pro Schicht würde ihnen besser gedient sein, als mit einer Rede, Bier und Wurst im Gesamt⸗ betrage von höchstens 1,20 Mk. pro Kopf, gleich einem täglichen Lohnzuschlag von/ Pfg., abgefüttert zu werden. Aus dem RNreise Marburg⸗Rirchhain. r. Wahlverein. In der letzten Sitzung besprach zunächst Gen. Dr. Michels die politischen Ereignisse der letzten Zeit. Nachdem er zunächst einen kurzen Ueberblick über die italienische Sozialdemokratie gegeben hatte, besprach er den Schiedsspruch über den Gen. Dr. Braun, sowie den Fall Mirbach. In der darauf stattgefundenen Diskussion wurde noch der Saarbrücker Prozeß und der dabei festgestellte empörende Terrorismus der nationalliberalen Bergverwaltung besprochen, sowie die abgelehnte Begnadigung des wegen Wahlfälschung verurteilten pommerschen Rittergutsbesitzers Käding.— Nach erfolgter Aufnahme von 5 neuen Mitgliedern teilte der Vorsitzende mit, daß der Parteivorstand den Anschluß Marburgs an die Frankfurter Provinzialkommission gutgeheißen habe.— Schließlich wurde noch mitgeteilt, daß sich etliche„Genossen“ an dem Festzuge der Kriegerkammeradschaft beteiligt und bei Vor⸗ stellungen mitgewirkt haben sollen. Eine dreigliederige Kommisston soll die Angelegen beit untersuchen und event. den Ausschluß der Betreffenden beantragen. r. Ende dee Maureraussperrung. Durch erneutes beiderseitiges Verhandeln wurde die Aussperrung am Donnerstag beendet. Die Unternehmer erklärten schriftlich, daß in diesem Jahre 38 Pfg. Stundenlohn uud vom 1. April 1905 ab 40 Pfg. gezahlt werden sollen. Ferner wurde die 10stündige Arbeitszeit und einige nebensächlichen Forderungen bewilligt. Obwohl auch die Forderung: Maßregelungen dürfen nicht statt⸗ finden, unterschrieben wurde, machten einige Unternehmer Schwierigkeiten und weigerten sich besonders, die Mit⸗ glieder der Lohnkommission einzustellen. Da infolge dieser Haltung der Ausstand anfs neue auszubrechen drohte, gaben die Unternehmer nach und der Kampf hat nach 4½ wöchentlicher Dauer sein Ende und die Ar⸗ beiter eine kleine Besserung ihrer Lage erreicht. Die Mehrzahl der Maurer hat jetzt einen Mehrverdienst von 2—3 Mark pro Woche.— So haben auch die Mar⸗ burger Maurer gezeigt, daß nur eine gute Organisation die Interesse der Arbeiter vertreten kann. Treu zum Verbande halten; das muß auch in Zukunft die Losung für jeden Maurer sein! — Gebildete Jugend. Mehrere Studenten machten sich das„Bergnügeu“, die Reklamemauer mit Farbe zu beschmieren. Sie wurden dabei erwischt und ihre Personalien von der Polizei festgestellt. Das dürfte aller⸗ dings einen teuren Spaß geben, aber außerdem zeigen solche Bubenstreiche die Bildung dieser Herrchen aufs deutlich ste. X. Aus der Gemeinde schreibt man uns: Sonderbare Käuze sind„unsere“ Gemeindevertreter in der ersten und zweiten Klasse. Im Frühjahr starb ein Gemeindevertreter der 3. Klasse. Da man es nicht für nötig fand, eine Ersatzwahl auzuberaumen, stellte ein Gemeindevertreter von der 3. Klasse einen dahingehenden Antrag. Allein die Manschettenbauern der 1. und 2. Klasse wollten davon nichts wissen und stimmten gegen den Antrag mit der Motivierung nieder, eine Wahl sei nicht notwendig! So wirds hier gemacht, was den „besseren“ Herren nicht paßt, wird einfach nieder ge⸗ stimmt. Leider haben sich bisher die Wähler der 3. Klasse um die Gemeindeangelegenheiten sehr wenig be⸗ kümmert. Hier, wo die Mehrheit der Einwohner Ar⸗ beiter und Kleinbauern sind, wäre es ein Leichtes, tüchtige Vertreter in das Gemeinde⸗Parlament zu send en, die den Herren der 1. und 2. Klasse mal die Wahrheit sagen zu können. Deshalb Achtung bei der nächsten Wahl. —— Kleine Mitteilungen. n Unfall. In Burgsolms stürzte ein Weiß⸗ binderlehrling vom Gerüst und verletzte sich schwer. * Die Polizeiflinte. Bei Baukau im Be⸗ zirk Essen wurde ein Bergarbeiter, der bei seiner Verhaftung flüchtete, von einem Polizeibeamten e r⸗ schossen. Der Gebrauch der Schußwaffen sollte der Polizei untersagt werden. Ebensogut hätte ein anderer Mensch getroffen werden können und übrigens ist es unerhört, in der Weise Menschenleben, vielleicht wegen einer Bagatelle zu gefährden. k Bergarbeitertod. Auf der Zeche„Bruch- straße“ bei Essen wurde der Bergmann Knepper durch hereinbrechende Kohlenmassen verschüttet. Auf der Zeche„Prosper“ stürzte der Bergmann Weiner in den Schacht. Beide waren sofort tot. l Wieder ein frommer Sünder. Das Schwurgericht in Düsseldorf verurteilte den Fabrikbesitzer Weyermann wegen Unterschlagung von Kirchengeldern unter Annahme mildernder Umstände zu vier Monaten Gefängnis. * Große Unterschlagungen beging die Buch⸗ halterin Fretwurst bei der Firma Fett jr. in Mainz. Die Höhe der Veruntreuungen soll sich auf 10000 Mk. belaufen. Wenn das der Geschäftsinhaber nicht merkt! Hochgeboren e Radauhelden. Zu einem blutigen Streit kam es vor einiger Zeit in Hannover zwischen Reserveoffizieren und Schutzleuten. Freiherr v. Bodenhausen, Hauptmann v. Besser, Direk⸗ tor Heye und ein gewisser Rheingeld kamen Ockershausen von einer in Hannover stattgefundenen Offt⸗ zierswahl. Sie waren natürlich besoffen, mach⸗ ten Parademarsch nach dem Bahnhofe und brüllten dabei fürchterlich. Die Schutzleute, welche ste zur Ruhe ermahnten, wurden be⸗ leidigt und geprügelt. Deshalb mußten die Beamten von der Waffe Gebrauch machen, wo⸗ bei der v. Bodenhausen eine klaffende Kopf⸗ wunde davontrug.—„Die Sozialdemokratie verroht die Massen“ sagen die Herrenhäusler und die Ordnungsblätter.— Wie später noch bekannt wurde, hat der Edle von Bodenhausen schon früher wegen ähnlicher Ausbrüche nur um seiner ungebändigten Kampfesfreude Strafen erlitten. Er kann also mit gewissen Elementen der Großstadt in Konkurrenz treten. Angenehmer Ordnungshüter. In Crottendorf bei Annaberg in Sachsen wurde der Gemeindekassierer vom Polizei⸗ wachtmeister Schramm mit einem Beile erschlagen, worauf der Mörder mit vielem Geld flüchtete. Die grausige Tat hat der Mensch im Gemeindeamte, das er allein bewohnte, abends nach Schluß der Dienststunden verübt, als der Kassierer nur noch allein anwesend war. Es wurde festgestellt, daß der Raub⸗ mörder die Gemeinde und die Sparkasse um 5763.14 Mk. bestohlen hat. Schon vor fünf Jahren hatte man den Wachtmeister im Ver⸗ dacht, einen Einbruch bei der Gemeindekasse verübt zu haben, trotzdem haben ihn die biedern Gemeindeväter nicht zum Teufel gejagt, er wurde von dem damaligen Gemeindevorstand Weigelt, der jetzt noch wegen Unterschlagung im Gefängnis sitzt, in Schutz genommen.— Schramm, der sich nach neueren Nachrichten ersäuft haben soll, war ein fanatischer Sozialisten⸗ hetzer und schtkanierte unsere Genossen, wo er (Fortsetzung auf Seite 6.) Partei-Uachrichten. Zur Laudeskonferenz in Pfungstadt. Hierdurch machen wir die Genossen, die als Delegierte gewählt sind, nochmals darauf aufmerksam, daß sie sich wegen Nachtquartier rechtzeitig an den Genossen Georg Raab, Zigarrenarbeiter, Pfung⸗ stadt wenden, damit Vorsorge getroffen werden kann. Offenbach, 27. Juni 1904. Das Landeskomitee. Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen! Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die General⸗ versammlung des Kreis⸗Wahlvereins am Sonntag, den 10. Juli morgens 10 Uhr in Vilbel im Gasthaus „zur Lilie“ stattfindet. Ein Parteischiedsgericht hatte am 10. Juni über die Sache gegen den Genossen Dr. Heinrich Braun zu befinden. Es fällt folgender Spruch: „Das Schiedsgericht ist nicht zu der Ueberzeugung gekommen, daß Genosse Dr. Braun sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms, noch einer ehrlosen Handlung schuldig gemacht hat, der Antrag des Genossen Freiwald auf Ausschluß des Ge⸗ nossen Dr. Braun aus der Partei wird hiermit ab⸗ gelehnt.“ Das Schiedsgericht hat indessen dem Genossen Braun schärfsten Tadel, Mißbilligung und scharfe Rüge wegen verschiedene Handlungen, die den Gegenstand der Anklage bildeten und seines Vorgehens auf dem Dresdener Parteitage ausgesprochen. Im Anschluß daran erließ der Parteivorstand eine Erklärung, in der er die Partei⸗ genossen ersuchte, Streitigkeiten in sachlicher und ruhiger Weise auszutragen. N Unser diesjährige Parteitag findet am Sonntag, den 18. September, und folgende Tage in Bremen statt. Die Tagesordnung wird demnächst bekannt gegeben. Versammlungskalender. Samstag. den 2. Juli. Gießen. Wahl verein, Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 3. Juli. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Keutzer. Büdingen. Sozilald. Wahlverein. Nach⸗ mittags 3½ Uhr Mitglieder⸗Versammlung auf dem „Wilden Stein“. Diens tag, den 5. Juli. Gießen Gewerkschaftskartell. Sitzung bei Orbig. Abends 9 Uhr e 3 r —— D2U—ä——— —̃— steht. 8 — 55 ** Seite 6. Mitteldentsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 27. nur konnte. Bei der vorjährigen Reichstags⸗ wahlbewegung verhaftete er gemeinschaftlich mit dem Gemeindevorstand einmal alle Flugblatt⸗ verteiler; ein andermal versuchte der eifrige Staatsretter unsere Genossen sogar mit Stricken zu binden. Nochmals: Christlich-soziale Entstellungen. Unseren Bemerkungen zu diesem Thema in voriger Nummer müssen wir noch einiges hin⸗ zufügen, was beweist, wie Dr. Burckhardt stets den Mantel nach dem Winde zu hängen ver⸗ Besonders übt er seine Kunst an den Reden unserer Genossen im Reichstage, die er entweder gar nicht erwähnt, oder ihnen einen anderen Sinn unterlegt. Manchmal scheint er selbst nicht recht zu wissen, was er will. In Nr. 67 des„Nass. Volksfr.“ schreibt er in einem Reichstagsbericht u. a.: „Ebenso treffend führte Abg. Singer den Abg. Semmler ab. Singer verhöhnte lange Zeit die natl. Partet.“ Und im gleichen Bericht leistet er sich folgende Sätze, die allerdings die Gewissenhaftigkeit, mit der die bürgerlichen Abgeordneten ihre Pflicht erfüllen, in sehr be⸗ denklichem Lichte erscheinen lassen:„Heute lang⸗ weilte als 1. Redner bei der 3. Lesung des Reb⸗ lausgesetzes Abg. Schulze(Soz.) das Haus mit einer endlosen Rede, der aber keine Aufmerk⸗ samkeit geschenkt wurde. Allgemein⸗Unter⸗ haltung der Abgeordneten. Die sozial⸗ demokratische Reden sind ja auch nur für den Vorwärts bestimmt.“— Was ihnen nicht in ihren Kram paßt, wird rücksichtslos in den Kot gezogen. In Nr. 63 des christlichsozialen Organs rempelt der Berliner Mitarbeiter, der ganz, wies verlangt wird in verschiedenen Rollen, bald als Arbeiter, bald als patentierter Sozialistenfresser auftritt, die Katholiken an, die dem Doktor der Apotheke doch zum Mandat verholfen haben. Der Stöckerjünger schreibt: „In Berlin gibt es einige katholische Herren, die für katholische Gewerkschaften schwärmen und innerhalb der katholischen Arbeitervereine, deren Organ hier„Der Arbeiter“ ist, Fachsek⸗ tionen gründen. Die Katholiken, innerhalb der christlichen Gewerkschaften wollen von diesen Zersplitterungen, an deren Spitze der dickköpfige Erzbischof Kopp, der aalglatte Baron v. Savigny und der streitbare Kaplan Dasbach steht, nichts wissen. Diese„Berliner Luft“ ist nicht beliebt und wohin ste weht, findet sie bei den christlichen Gewerkschaften Widerstand. Herr Behrens— das ist der Schreiber— scheint sich nicht klar gemacht zu haben, daß hinter diesen drei Männern die Massen der katholischen Arbeiter stehen, die sich's nach der⸗ artigen christlich⸗sozialen Leistungen wohl über⸗ legen dürften, ob ste sich ein zweites Mal als Stimmvieh gebrauchen lassen. Bei der Beratung der Kaufmannsgerichte kündigte Dr. Burckhardt schon vor der entgiltigen Abstimmung den Umfall der Christlich⸗Sozialen an: Bei Gefährdung des Gesetzes in 3. Les ung werden sie für den Kompromiß stimmen, da⸗ mit das wenn auch verschlechterte Gesetz zu Stande komme. Es fehlt ihnen an Mut, im Unterliegen dem Volke zu zeigen, wo die Ver⸗ fechter seiner Forderungen zu finden sind. In diesem Falle ist auch das Unterliegen ein Er⸗ folg, denn Klarheit zu schaffen in den großen Streitfragen ist an sich schon ein Erfolg. Aber die Christlich⸗Sozialen sind soweit gekommen, daß sie nur den Götzen Erfolg anbeten, mag er ihnen auch in noch so bedenklicher Form ent⸗ gegentreten. Das„Die Welt will betrogen sein, also betrüge sie“ wird immer mehr das Leitmotiv der Christlich⸗Sozialen. Louis Trott, Die Kriege und die Volkskrast. a ficder. Auch die Treffsicherheit hat sich geän⸗ dert. Während nach einem militärischen Sta⸗ tistiker im älteren Kriege durchschnittlich erst auf 85 Kugeln ein Treffer kommt, verschossen im deutsch⸗französischen Kriege die deutschen Handfeuerwaffen 20 Millionen Gewehrpatronen. Diese 20 Millionen mit den schon erwähnten 340000 Feldartilleriegeschossen zusammen be⸗ wirkten die Kampfunfähigkeit von ca. 25 Przt. der gegenüberstehenden Franzosen. Nicht weniger denn 130 Schüsse waren nötig, um einen Gegner unschädlich zu machen. Während der Belagerung von Plewna(1877) verfenerten 160 000 Russen etwa 10 Millionen Patronen, ihre Gegner, 70000 Türken, ca. 15 Millionen. Die Russen verloren 40000, die Türken 30000 Mann, wo⸗ nach Lord Roberts unter Berücksichtigumg der Verluste durch Geschützfeuer einen Treffer auf 360 Gewehrkugeln kalkuliert haben sol. Wolotzkoi berechnet für die Folge bei der Entfernung in⸗ folge verbesserter Waffen erst auf 400 Schüsse einen Treffer. Die Treffsicherheit entwickelt sich also keineswegs proportional der Feuer⸗ schnelligkeit. Ungeheuer ist die Summe der Menschen⸗ opfer, die die Kriege verschlingen. Im allgemeinen werden die Kriege immer kürzer aber blutiger. Hierüber geben einige Prozentzahlen Aufschluß. Die drei schlesischen Kriege brachten 17 Prozent an Toten und Ver⸗ wundeten, die napoleonischen Kriege 15 Prozent, der Krimkrieg(1854) 14 Prozent, der 1866er Bruderkrieg 8 Prozent, der deutsch⸗französische Krieg nur 6 Prozent im Durchschnitt. Einer der mörderischsten Kriege war der Krimkrieg, der nach dem bekannten Statistiker Engel einschließlich der Arbeitsunfähigen und Kranken 750 000, nach andern Quellen aver nur 401000 Mann erfordert haben soll, wovon jedoch bloß 30 000 Mann wirklich in der Schlacht fielen; 311000 starben an Wunden und Krank⸗ heiten in der Krim und 60000 auf dem Heim⸗ wege oder in der Heimat. Der deutsch⸗französische Krieg hat in runder Zahl eine Viertelmillion Menschen gekostet; der österreichisch⸗italienische 70 000, der 1866er Krieg ca. 50 000 Mann. Im deutsch⸗französtschen Kriege war auf deutscher Seite tot oder sind infolge der Verwundung gestorben 28 278, verwundet 88 543, vermißt 12879. Jeder dreizehnte Deutsche wurde ver⸗ wundet, bei den Franzosen war das Verhältnis um mehr als das Doppelte schlimmer, die Ver⸗ lustlisten der Franzosen sind noch nicht genau bekannt, doch wird ein Gesamtverlust von 200000 Kampfunfähigen gewöhnlich ange⸗ nommen, bei ca./ Millionen Mann, die ur⸗ sprünglich im Felde standen. Auch im gegenwärtigen ostastatischen Kriege bestätigt sich die Norm, daß die Ueberzahl im Vorteil ist. Die Japaner sind bis zur Stunde mit ihren zwei Armeen den Russen numerisch über. Sollten die Russen im Ver⸗ trauen auf Deutschlands unbedingte Neutralität wirklich ihre westeuropäischen Truppen an den Grenzen Deutschlands und Oesterreichs zurück⸗ ziehen, um solche auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze zu verwenden, dann würden diese aus den Militärbezirken Warschaus und Wilnas gezogenen fertigen Korps allerdings eine beträchtliche Vermehrung der russtschen Streitkräfte bedeuten, nur könnten diese bei der Langwierigkeit des Transports vor Mitte August nicht an Ort und Stelle, und für die russtsche Armee im Felde schon alles verloren sein. Die Truppenzahl ist überall in Rechnung ie ziehen; Waffen, Strategie und Terrain ent⸗ cheiden daher nicht ausschließlich. Eine besondere Ausnahme machte der denkwürdige Burenkrieg. In der Schlacht an der Katzbach standen 95 000 Verbündete 79000, in der Schlacht bei Leipzig 300 000 Verbündete 170000 Franzosen gegen⸗ über. Bei Waterloo hielten sich die Franzosen und Engländer mit je 75000 Mann die Wage, bis Blücher mit 75000 Preußen für die Eng⸗ händer entscheidend eingriff. Von 67660 Mann der englisch⸗belgischen Armee waren bei Water⸗ loo übrigens 15 000 kampfunfähig gemacht. Die Ueberzahl zeigt sich entscheidend auch im deutsch⸗ französischen Kriege. Während Anfang Augnust 1870 354000 Deutsche mit 1194 Geschützen gegen 250 000 Franzosen mit 924 Geschützen standen, verfügten die Deutschen am 1. März 1871 über 630000 Mann, 61000 Reiter und 1742 Geschütze, gegen 534500 Franzosen, von denen allerdings nur noch 251000 wirklich kampffähig waren. In bezug auf einzelne Schlachten sei daran erinnert, daß bei Wörth 82 000 Deutsche gegen 48 000 Franzosen, bei Gravelotte und St. Privat 187000 Deutsche debe 112000 Franzosen standen; die Schlacht ei Sedan aber schlugen 154000 Deutsche gegen 90000 Franzosen. Das blutige Mars la Tour machte allerdings eine Ausnahme, dort standen 63000 Deutsche 113000 Franzosen gegenüber. In den Kampf kamen jedoch bloß 56 000 Deutsche und 92000 Franzosen. Die Dauer der Schlacht währte 10 Stunden und gaben in derselben die Franzosen 500 Kanonenschüsse mehr ab, als die Deutschen. Die Deutschen blieben schließlich Sieger, aber mit welchen Verlusten! Während die Franzosen 9½ Prozent verloren, hatten die Deutschen 22/ Prozent zu verzeichnen. Hauptmann Otto Berndt, dessen Werk: Die Zahl im Kriege, wir einen Teil unsrer Zahlenangaben entnehmen, nennt die Verhältnisse dieser Schlacht abnorm, denn im großen und ganzen zeige die Kriegsgeschichte, daß der stärkere Teil, wenn er nicht eine besonders schlechte Position einnimmt, schlecht geführt wird oder in seiner Ueberzahl mangelhaft ausgebildete Truppen mit sich führt, auch der siegende Teil ist.(Schluß folgt). Die Scheußlichkeiten des Krieges schildert ein englischer Kriegskorrespondent in einem von Anfang Mat aus Ostasten datirten Briefe, in dem er die Schlacht von Kiu⸗ lienscheng beschreibt u. a.: „Die japanische Fahne wehte über Kiulien⸗ scheng, die Russen zogen sich gegen Hamatan zurück, das sechs Meilen davon entfernt liegt; acht Kanonen und viele Gefangene waren in den Händen der Sieger. Chinesen kamen kriechend aus Löchern im Boden hervor und beteiligten sich schmarotzend an dem Siegesschret, sie stießen die Leichen der Russen mit dem Fuß, um ihre Verachtung für sie zu zeigen, und schickten sich, sobald ste dem wachsamen Auge der Soldaten entgangen waren, an, die Hyänen des Schlachtfeldes zu spielen. Die Mili⸗ tärärzte waren eifrig tätig. Feldlazarette wurden aufgeschlagen, die von den Deutschen geschulten Mediziner öffneten flink und kühl ihre Instrumentenkästen und ihre schnelle Arbeit begann. Es war keine Zeit zu verlieren. Ringsherum starben die Menschen, jeder Augenblick mußte mit Menschenleben bezahlt werden; was geschehen mußte, war schnell zu tun. Hier spürte man nichts von der Freude des Kampfes. Wer von den Wonnen der Schlacht singt, der hat nicht in dem Krankenzelt gestanden, wenn die Wunden, die der Mensch dem Menschen bei⸗ gebracht hat, gewaschen, vernäht und verbunden werden. Ein Kosak in grauem Hemd lag ruhig neben seinem früheren Gegner, der den blauen Rock trug. Der Japaner wurde auf der Tragbahre neben dem sibirischen Fußsoldaten vorbeigetragen; dem einen war durch das Bein geschossen, dem andern in die Seite. Der Japaner stützte sich auf seine Schulter, lächelte hoffnungsvoll und tapfer und starrte dann auf den andern, der nur den Kopf wenden konnte. Hier lag ein toter Infanterist; das Gesicht des jungen Mannes trug im Tode einen Blick kindlicher Verwunderung, sein Gewehr lag dicht neben ihm, wo die von Schmerzen gelähmte Hand es hatte fallen lassen. Seine Beine waren halb heraufgezogen, die Muskeln hatten sich in dem Augenblick, nachdem er ge⸗ troffen war und ehe der Tod ihn ereilte, von selbst zusammengezogen. Dort lag ein ver⸗ wundeter russischer Offizier, der Rock mit der Silberstickerei war weggerissen und von den Aerzten leicht über ihn geworfen; auf sei⸗ nem Gesicht war der Schmerz eingeprägt, aber jeder halbbewußte Gedanke ging unter in dem einen Entschluß, vor den Feinden seines Volkes seinen Schmerz nicht zu zeigen. Ein Japaner, der seiner Uniform nach zu schließen, eine hohe Stelle im Generalstab einnahm, kam zu ihm und sprach sanft und mitleidig mit ihm in seiner Muttersprache. Der Chirurg berührte das zerschmetterte Glied und der Offizier wurde von heftigen Schmerzen gequält.„Mein Gott,“ —— — — fi i lan fra Nr. 27. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. rief er und trotz seiner Willenskraft entrangen sich ihm noch die Worte:„Nicht das!“ Dann war der Mann wieder Herr seiner selbst und es herrschte Schweigen. Dicht neben ihm lag ein deutschsprechender Russe, dem durch die Schulter und den Kopf geschossen war. Was hatte ihn aus seiner polnischen und litauischen Heimat hierherge⸗ bracht? Sein Geist wanderte zurück; der Ver⸗ wundete sah wohl den Rauch, der kräuselnd aus seiner kleinen Hütte aufstieg und er dachte wohl der Frau, die in der Nacht für ihn betete und auf seine Rückkehr wartete.„Meine Liebe!“ stöhnte er. Seine Stimme erstarb zu einem murmelnden Gebet. Dann schreckte er empor und suchte sich zu erheben.„Wasser, Wasser!“ ächzte er heiser und kaum hörbar. Ein japanischer Soldat lief, um ein Zinn⸗ kännchen zu füllen, ein Irländer neben mir hob dem Manne, sanft wie eine Frau, den Kopf, das Wasser kam, der Russe krank und der Schmerz ließ nach...“ Sind diejenigen nicht geradezu Leuflische Verbrecher, welche für diese grauenvollen Schlächtereien die Verant⸗ wortung tragen? eee e „ Unterhaltungs.-Ceil. — Auf der Wanderschast. Erzählung von Robert Schweichel, 6(Fortsetzung) IV. Hold und rosig gleich der Morgenröte, so erschien Hans, keinen reichen Bilderschatz verfügte, Fräulein Irma Schäfer, als sie bald nach ihm aus dem Hause trat. Die Sonne, die schon seit einigen Stunden am Horizont heraufgekommen war, lauchte die schlanke, barhäuptige Gestalt, den feinen Kopf mit der Fülle dunkelbraunen Haa⸗ res in ihren Glanz. Hans eilte ihr froh ent⸗ gegen und sie gab ihm mit einem Lächeln, das eine eigentümliche Beimischung hatte, die Hand. Ihr weiblicher Blick hatte sofort erkannt, daß er an sein wollenes Hemd einen weißen Kragen und Kravatte geknöpft und auch die Manschetten aus seiner Reisetasche hervorgeholt hatte. „Welch' ein herrlicher Morgen!“ rief er. „Freilich noch etwas frisch, aber um so besser wird es sich wandern. Ihre Freundin hat die Nachtruhe hoffentlich vollkommen wieder her⸗ gestellt?“ Fräulein Irma fürchtete, daß dieses nicht der Fall sei. Ihre Freundin hätte eine schlechte Nacht gehabt und sei erst bei Tagesanbruch eingeschlafen. Um ste nicht aufzuwecken, hätte ste selbst sich ganz leise aus dem Zimmer ge⸗ schlichen.„Wir müssen abwarten, wie ste sich beim Erwachen fühlen wird,“ fuhr sie fort. „Im Notfall müssen wir die Eisenbahn von Suderode nach Alexisbad benutzen. Ich habe bereits den Eisenbahnfahrplan, der im Gast⸗ zimmer hängt, studiert.“ Hans machte ein betroffenes Gesicht.„So bald schon soll ich Sie wieder verlieren?“ „Lassen Sie uns ein wenig auf und ab gehen. Zum Sitzen ist es noch zu frisch. Es ist ja noch fraglich, ob wir fahren müssen. Und dann, Sie kennen wohl das Sprüchlein: Finden muß ein Scheiden geben, Ewig Sterben ist das Leben!“ „Und mit dieser Kirchhofs⸗Philosophie soll ich mich zufrieden geben?“ fragte er mit leb⸗ haftem Unmut.„Ich bin eine Kampfnatur, Feinde ringsum, umso besser. Sie glauben lad nicht, was mir der gestrige Tag war. Und jetzt soll das Alles plötzlich ausgelöscht sein?“ Sie errötete, aber sie schwieg. Er kaute an seinem Schnurrbart.„Wie lange gedenken Sie in Alexisbad zu bleiben“ fragte er, den Kopf aufwerfend. „Die Badekur meiner Freundin wird vier Wochen in Anspruch nehmen. Blutarmut und dessen Einbildungskraft über infolge dessen Nervenschwäche. Dann kehren wir nach Hause, nach Berlin zurück.“ „In den Schoß der geehrten Familie,“ bemerkte er bitter. a Sie lächelte.„Mir lebt nur noch mein Mütterchen, und Julie lebt bei uns in Pension.“ „Ich will Ihnen einen Vorschlag machen,“ rief er, wie von einer glücklichen Idee erfaßt. z Sie lassen Ihre Freundin mit der Bahn nach Alexisbad fahren, und wir Beide wandern dann über die Viktorshöhe dahin.“ Sie sah ihn mit großen Augen an und lachte dann laut und heiter auf.„Nein, das geht denn doch nicht“, sagte sie darauf.„Nein, bitte, legen Sie Ihre Stirn nicht in so düstere Falten! Den Kämpfern für die Umgestaltung I. Gesellschaft schaue ich mit der wärmsten eilnahme zu und wünsche ihnen von ganzem Herzen den Sieg, der ja auch uns arme Frauen frei machen wird. Aber ich bin eben keine Kampfnatur wie Sie.“ Er versenkte den Blick tiefer und tiefer in ihre Augen und seine Stirn glättete sich. Dann ergriff er ihre Rechte und schüttelte sie kräftig. „Der gestrige Tag wird auch mir unver⸗ getlich bleiben,“ begaun sie ein wenig verwirrt. „Ich dachte noch, als ich mich schon hingelegt hatte, an Ihre Aeußerungen auf der Wander⸗ schaft, da hörte ich Sie auflachen. Es klang fast unheimlich. Was hatten Sie?“ „O, ich lachte nur über mich selbst,“ er⸗ widerte er leichthin, und als sie ihn darob un⸗ gläubig ansah, so fügte er hinzu:„Ich dachte an die Tiefe, aus der ich mühsam heraufgekommen, mit einem Wort: an meine elende Kinderzeit.“ „Und darf ich sie kennen lernen?“ fragte sie mit sanftem Blick und Ton. „O, es lohnt wahrlich nicht, den herrlichen Morgen zu verderben,“ meinte er achselzuckend. „Dennoch! Vor Ihnen könnte und möchte ich nichts verschließen. So hören Sie denn!“ Er zog sie zu einem Sitze, wo die lachende Ebene vor ihnen lag. Aber als er beginnen wollte, erscholl in dem Gehölz zu ihrer Rech⸗ ten, aus dem der nächste Weg von Suderode vor dem Gasthause mündete, ein Chorgesang von männlichen und weiblichen Stimmen. Er kam näher und näher, ein jubelndes Hurra mischte sich hinein, verschlang ihn, und ein Zug von Männern, Frauen und Kindern, alle mit vaubkränzen geschmückt, strömte auf den reien Platz vor dem Gasthause. Es waren rbeiter aus Quedlinburg mit ihren Frauen, Kindern und Mädchen, welche den Sonntag zu einem Ausflug in das Gebirge benutzten. Die Frauen und Mädchen trugen am Arm in Hand⸗ körben und Taschen die Wegkost. Wie der Feind, der eine Festung stürmt, so ergriff die Gesellschaft unter Lachen, Scherzen und Zurufen Besitz von den Tischen. „Jetzt ist's mit Juliens Schlaf vorbei,“ rief Fräulein Irma und eilte in das Haus. Gruber strich sich mit der Hand über die Augen und musterte die Gesellschaft. Er kannte Niemand in ihr. Als die beiden Freundinnen nach einiger Zeit aus ihrem Zimmer kamen, fanden sie thun bei der 1 55 mit übereinander geschlagenen Armen stehend. Ihn freute die geräuschvolle, derbe Lustigkeit der Leute, die sich inzwischen Bier hatten kommen lassen und von den mit⸗ gebrachten Vorräten schmausten. Mit hellen Mienen wendete er sich zu den Damen. Fräu⸗ lein Mohr sah leidend aus und war sichtlich verstimmt über die laute Gesellschaft. Nun machte es ste verlegen, als Hans sie begrüßte. Denn ihre Freundin Irma hatte sie schon am bend vorher über ihren Führer aufgeklärt. ber Hans half ihr darüber hinweg, indem er sich nach ihrem Befinden erkundigte und ihr dadurch Gelegenheit bot, von ihrem Leiden zu sprechen. Er führte die Damen zu einem un⸗ besetzten Tische, und gleich darauf brachte die Kellnerin den Kaffee. Hans hatte ihn bestellt; er selbst hatte gleich, nachdem er aufgestanden, gefrühstückt. Fräulein Irma trank hastig ihren Kaffee und trieb auch die Freundin zur Eile, um nur bald von der Lauenburg fort zu kommen. (Schluß folgt.) Splitter. Ein Mensch ohne Verstand ist auch ein Mensch ohne Willen. Nur wer denkt, ist frei und selbständig. Feuerbach. * * * Nur selten ruht auf festem Grunde, Was man im Leben„Tugend“ nennt: Denn halb entstammt's der guten Stunde, Und halb dem Temperament. Leiner. * Ein gesunder Mann, der noch Seine fünf Sinne hat, legt kein Gewicht Auf das, was Sterbende, die auf Dem Todesbett sich winden und die Kissen zupfen, In ihrer Angst und Geistesschwäche faseln. Grabbe. * 15* Der Mensch rechnet immer das, was ihm fehlt, dem Schicksale doppelt so hoch an, als das, was er wirklich besitzt. Gottfried Keller Trübe Christen. Die Tempel, welche Gott bewohnt, Woselbst der Allerhoͤchste thront, Entstehen meist, man weiß ja wie, Vermittels einer Lotterie. Ob ihm das viele Freude macht d Hab ich schon oft bei mir gedacht. Er schätzt doch wie ein braver Christ, Was ehrlicher erworben ist. Allein ich seh' in Preußen jetzt, Was mich noch mehr in Staunen setzt. Dort nahm dem Virchenbau zulieb, Die Mittel man von einem Dieb. Man baute dort, und ward nicht rot, Für unsern Herrn Gott Sebaoth, Dem Schöpfer dieser ganzen Welt, Die Häuser mit gestohl'nem Geld. Der Hochaltar, das Kirchenschiff, Entstammen einem Kassengriff. Der hohe Turm, vom Wind umbraust, Und auch die Glocken sind gemaust. Ach ja, das ist wohl wunderbar, Ach ja, ich werde mir nicht klar, Der liebe Gott geht ein und aus, In einem sonderbaren Raus. Peter Schlemihl im„Simpl.“ — ¹¹¹·¹¹1 eee.. 2 Wie erwirbt man die hessische Staatsangehörigkeit? Es ist eine leider nur zu häufige Tatsache, daß bei den hessischen Landtagswahlen viele in Hessen ansässige männliche Personen, die das wahlfähige Alter haben, nicht mitwählen können, weil sie nicht hessische Staatsangehörige sind. Es muß daher ein größeres Augenmerk auf die Gewinnung von Nichthessen zur Aufnahme in den hesstschen Staatsverband gerichtet werden. Da die zu diesem Schritt erforderlichen Maß⸗ nahmen nur geringe Opfer an Zeit und Geld erfordern, so mögen vor allem unsere Genossen, die bis jetzt noch von der Ausübung staatsbürgerlichen Rechte ausgeschlossen sind, das bisher Versäumte nachholen und ungesäumt um die Aufnahme in den hessischen Staatsverband sich be⸗ mühen. Zunächst ist erforderlich, daß der betr. Nichthesse sich von seiner Heimatsbehörd e(dem Regierungspräsiden⸗ ten, den Bezirksämtern ꝛc.), einen Ausweis über seine bisherige Staatsangehörigkeit ausfertigen läßt. Sodann hat er die Geburtszeugnisse für sich und seine Familien⸗ angehörigen zu beschaffen. Hat er diese Papiere erhalten, so läßt sich der um die Naturalisation Nachsuchende von der Ortsbehörde seines gegenwärtigen hessischen Aufent⸗ haltsortes eine Aufenthaltsbescheinigung sowie ein Leu⸗ mundszeugnis ausstellen, fügt diesen Papieren eine Lohnbescheinigung seines Arbeitgebers und seinen Mili⸗ tärpaß hinzu und schickt alle diese erwähnten Ausweise mit einem Gesuche um Aufnahme in den hessischen Staatsverband an das zuständige hessische Kreisamt, Bemerkt sei noch, daß die Kammerverhandlungen über die beantragte Ungiltigkeitserklärung der Wahl des Genossen Ulrich deutlich dargetan haben, daß ein Reichsdeutscher nicht nötig hut, bei seinem Gesuch um Aufnahme im den hessischen Staatsverband seine bisherige Stgatszugehörigkeit zu einem anderen Bundes⸗ staate aufzugeben. Nur Bayern und Elsaß⸗Lothringer machen von dieser Regel eine Ausnahme. Die müssen ihre Staatsangehörigkeit aufgeben, wollen sie einem anderen Staatsverbande angehören. Die Aufgabe der bisherigen Staatszugehörigkelt kann außerdem nur von Reichsausländern(Oesterreichern, Schwelzern ꝛc.) ver⸗ langt werden. — J — Mitteldentsche Sounntaas⸗Zeitung. Kirchweih in Trohe! Sonntag, 3. und Montag, 4. Juli: E Gutbesetzte Tanzmusil ausgeführt von der Kapelle Pauli⸗ Marburg. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Ph. Seipp. Gesangverein„Eintracht“, Krofdorf. Sonntag, 10. und Montag, 11. Juli 1904: 2. Stiktungs-Fest verbunden mit Fahnenweihe bestehend in, Gesaugsvorträgen, Konzert und Tanz, wozu ergebenst einladet Das Festkomitee. 9 Eintritt 20 Pfg. S Dees Schirme Spazierstöcke kauft gut und billig in der Cessseler Schirmfuabrili Glessen, Seltersweg 9. Marburg Tulda Ca ssel Schirme werden repariert und neubezogen. Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 112 Telefon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus⸗ und Küchengeräte⸗ Handlung Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Spaten Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗ u. 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