Gießen, den 3. April 1994. IJ. Juhrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche Redaktions schluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Ags⸗Ztitung. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 2 Juserate Die ögespalt. Bei mindestens die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Ring ein Brausen und ein Wehen, 0 Kings ein heilig Auferstehen! In den Bäumen steigt der Saft, In den Sweigen schwillt die Kraft. Ungestüme Kräfte drängen In den Knospen sie zu sprengen. Aus der heilgen Mutter Erde Lockt das Grün ein göttlich„Werde“! Blau des Himmels lichter Dom! Frei von Fesseln geht der Strom! VDogelsang und Stürmebrausen, Sonnenkuß und Wetterkrausen! Aus den Gräbern dringt die Sage Von dem Auferstehungstage, Wo nach banger Grabesnacht een Auferstehung! — Neu der Heiland aufgewacht. Frei, von Sonnenglanz umwoben, Hat er sich zum Licht gehoben, Nat gesprengt des Grabes Wucht, Schlug die Wächter in die Flucht.— In des Elends Finsternissen, Auf der Trübsal Tränenkissen Ruhen heute auch die Armen— Keine Sonne will sie warmen! Lebend liegen sie begraben, Duldend andere zu laben, Doch auch ihres Elends Nacht Scheucht der Weckruf:„Aufgewacht!“ Von den steinbedeckten Särgen de Treibt die Freiheit einst die Schergen, Und dann wallen sie hervor, Die Begrabenen, aus dem Tor! 5 Helle Lichtflut wird sie blenden, Wenn zum Leben sie sich wenden, Aber jubelnd tut ihr Mund Helle Osterfreude kund. Auferstehen! Auferstehen! Frei als Mensch auf Erden gehen, Ungebeugt und unbedrückt, Von der Sonne Glanz entzückt— O, wie wird das Herz da weit! Osterzeit! Osterzeit! E. Klaar im„Süddeutschen Postillon“. * D Ostern! Rings im Laude läuten die Kirchenglocken. Voller denn sonst ist es heute in den frommen dämmrigen Säulenhallen. Auch die Halben und Lauwarmen lassen sich einmal wieder mit fortziehen von der allgemeinen Stimmung. Der Geistliche hat seine Predigt sorgsamer ausgearbeitet und spricht aus vollerem Herzen. Er steht heute nicht, wie an den gewöhnlichen Sonntagen, vor halbleeren Bänken. Und nicht ganz so sehr wie sonst, haben Frauen und Kinder heute in seiner Zuhörerschaft das Ueber⸗ gewicht. Aber trotzdem! Welch, gewaltige Zahl ernster denkender Menschen bleibt auch heute der Kirche fern, sieht dem frommen Schauspiele mit ähn⸗ lichen Gefühlen zu, wie etwa ein Erwachsener dem wunderlich altklugen Treiben von Kindern. Und es ist einem, als müßte man fragen: „Wißt ihr eigentlich, was und wen ihr da nun so treuherzig feiert? Wer von euch denkt wohl so recht klar daran, daß dieser Jesus von Nazareth der Sohn eines armen jüdischen Schreiners gewesen ist? Daß er niemanden grimmiger und leidenschaftlicher bekämpft hat, als die Kirche, die Pfarrer und Theologen seiner Zeit? Daß er vom Staate dieser nämlichen Zeit eben deswegen als gefährlicher Unruhe⸗ stifter behandelt worden tst? Und nun feiert ihr ihn als den Sohn eures Gottes! Wißt ihr auch, wie viel andere Gottessöhne wir feiern müßten, wenn wir alle Berichte gläubiger Anhänger großer Menschenkinder einfach als geschichtliche Wahrheit hinnehmen müßten? Ihr feiert das Wiederlebendigwerden seiner Leiche. Wißt ihr, was das eigentlich für eine Zumutung an nachdenkende Menschen ist, sich das vorstellen zu sollen?“ Aber lassen wir sie. Zeitumstände haben die„Weltkirche“ in die Höhe geführt, Zeitum⸗ stände führen sie auch darüber hinaus und wieder talwärts wie andres Menschenwerk. Wir aber, wir Katechtsmuslosen, wollen heute unsern Blick abwenden von diesem Zeitlichen und Vergehenden. Wir wollen die Augen los⸗ lösen von de; Einzelerscheinung selbst eines Jesus und an die ewige emporstrebende Lebens⸗ kraft denken, die in ihm, aber auch in allen andern Großen vor und nach ihm, die vor Jahrtausenden und Jahrhunderten, aber auch in unsrer eignen Zeit wirkt und schafft, ringt und kämpft, wie draußen in der Natur Früh⸗ lingslust und hoffnung mit Winterstod und ⸗starrheit. Und der Anblick dieses Kampfes soll uns Kraft und Mut stählen für unser eignes Schaffen. Alle Jahre ist's das gleiche erbitterte Ringen. Den einen Tag freundlicher Sonnenschein, den folgenden wieder Wetter und Sturm. Lieblich treiben heute unzählige Blätter⸗ und Blumenknöspchen und morgen schon kann gleich einer schweren kalten Hand sich ein ver⸗ späteter Frost darauflegen und all das Wachsen und Werden vernichten. Aber schließlich ist doch immer wieder das Leben der Sieger. Und fühlen wir dieses Leben auch in uns selbst! Nicht in müßiger Betrachtung des lieblichen Lenzes nur sei das Auferstehungsfest begangen. Nein, machen wir die Augen ehrlich auf vor dem Kampf, den alles Dasein alles Vorwärts⸗ streben bedeutet, stellen wir unsre eigne Lebens⸗ und Arbeitskraft mutig und zuversichtlich hinein in diesen Kampf. Verleumdung und Unver⸗ stand, das sind die winterlichen Mächte, mit denen wir es zu tun haben. Lesen wir Bülows Rede, in der er sich über unsre„Gleichmacherei“ lustig macht! Als ob wir je Unterschiede von dumm und klug, von stark und schwach über⸗ sehen hätten! Was die Demokratie eigentlich will, Herstellung gerechter Anfangsbedingungen für den Wettlauf des Lebens, was Verstaat⸗ lichung und Sozialisierung der Großbetriebe, was Sicherung eines Existenzminimums für jeden Staatsbürger bedeutet, das sind Fragen, über die sich ein deutscher Reichskanzler natür⸗ lich den Kopf nicht zu zerbrechen braucht. So etwas macht er mit ein paar eleganten Witzchen und Mätzchen ab. Daß wir nach der materiellen Besserstellung der niederen Volksschichten streben, weil wir erkannt haben, daß ohne sie auch kein geistiger und sittlicher Fortschritt der Menschheit möglich ist, das wird immer wieder äbersehen. Mit dem Schlagwort„Materialismus“ sind wir abgetan, als ob man den nicht hundertmal mehr gerade in den Reihen der begüterten Müßiggänger fände, als in unseren Kreisen, die in schwerer aufreibender Arbeit sich täglich neu das zum Leben Nötigste erwerben müssen. Au alles Mögliche glauben die Herren da oben. Nur den Glauben an die Menschheit scheinen sie leider verloren zu haben.„Vaterlandslos“ nennt man uns, als ob die Millionen Deutscher Bürger, die wir vertreten, als ob die nicht auch zum deutschen Vaterlande gehörten! Als ob diese schwer beweglichen abhängigen Arbeiter⸗ massen nicht im Grunde sogar noch viel enger und fester an die heimatliche Scholle gebunden wären, als die viel gereisten Herren des inter⸗ nationalen Kapitals! Aber um die großen Massen da unten sich zu kümmern, ist nicht Sache der eben herrschenden Klassen. Ihnen ist es ja so ganz selbstverständlich, daß sie, und nur sie, zu was Besseren geboren sind. Und selbst ein Großherzog, den ein natürlich mensch⸗ liches Mitgefühl einmal dazu treibt, armes Volk in einer Herberge zu besuchen, entgeht den giftigen Anfeindungen der herzverhärteten Scharf⸗ macherpresse nicht. f Wo wir gleiche Rechte verlangen mit den übrigen Staatsbürgern, wird von unsrer„Be⸗ gehrlichkeit“ gesprochen. Wenn der Arbeiter streikt, steht der Staat auf Seiten der lieben guten„Arbeitswilligen“, nur wenn die Aerzte streiken, dann begreift man plötzlich in den oberen Regionen, daß„Streikbruch“ nichts Schönes ist. Die Jesuiten werden gegen uns zu Hülfe gerufen. Lieber die schwärzeste Nacht, als das leuchtende Rot des Sonnenaufgangs! Nun, wir haben nichts gegen ihre Zulassung, weil wir keinen Grund haben, sie zu fürchten. Laßt sie nur schaffen, all diese reaktionären Mächte! Und droht der Winter noch so sehr Mit grimmigen Gebärden,— Es muß doch Frühling werden! e. — 5* .— — Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 14. Je mehr Mißtrauen und Erbitterung die Regierungen säen, umso mehr werden sie davon ernten. Und aufhalten läßt sich die geschichtliche Ent⸗ wicklung ja doch nicht. Alle Mittelstandsretterei hilft dem kleinen Handwerker auf die Dauer nicht, wenn man ihm durch Zolltarife und ähnliches wieder mehr nimmt, als gibt. Den kleinen Bauern rettet die Großgrundbesitzer⸗ politik nicht. Die Syndikate und Trust's wachsen an, und schon wagt der Staat nur noch ganz zaghaft in diese Entwicklung ge⸗ setzgeberisch einzugreifen. Immer weniger sind die großen Gegensätze mit kleinen und halben Mittelchen zu flicken. So geht's vorwärts, vor⸗ wärts. Und je rastloser wir arbeiten und schaffen, umso rascher wird's weiter gehen. Da⸗ rum heran, all ihr Kleinen, ihr Gedrückten, ihr Ohnmächtigen, vereint seid ihr mächtig, seid ihr die Starken, habt ihr euer Schicksal selbst in der Hand und braucht nicht mehr auf den Brocken zu warten, die von der Herren Tische fallen und die doch keinen satt machen. Tretet ein in das Heer der um Fortschritt und Freiheit kämpfenden Sozialdemokratie! Wir ringen nach materieller, nach geistiger, nach siftlicher Hebung des Volkes, der Menschheit. beit, diese Hoffnung, das ist der Früh⸗ uns. In ihr fühlen wir den nämlichen ie er in jenem gekreuzigten Juden lebte. wir die Opfer, die für die höchsten er Menschheit gebracht werden müssen. zt uns die Auferstehung Christi feiern. werden wir stegen, wie draußen all⸗ der Frühling stegt, werden siegen, wie heitlichen Bewegungen in der Geschichte ch gesiegt haben. Wir wollen uns mutig üdig aureihen an den großen Zug, von r Dichter Lenau in seinem„Schlußge⸗ r Albigenser“ redet: Licht vom Himmel läßt sich nicht ver⸗ sprengen, läßt der Sonnenaufgang sich verhängen Purpurmänteln oder dunkeln Kutten. Albigensern folgen die Husstten zahlen blutig heim, was jene litten. Nach Huß und Ziska kommen Luther, Hutten, Die dreißig Jahre, die Cevennenstrelter, »Die Stürmer der Bastille und so weiter! ————. ˖§˙Ä politische Rundschau. Gießen, den 30. März 1904. Zschopau⸗Marienberg. Die am Freitag stattgefundene Stichwahl im 20. sächsischen Wahlkreise hat uns leider elne ebenso empfindliche als unerwartete Nie⸗ derlage gebracht. Dem Ordnungsbrei ist es unter Anwendung der skrupellosesten Mittel ge⸗ Meheh⸗ uns den am 16. Juni mit großer Mehrheit im ersten Wahlgange behaupteten Kreis zu entreißen. Zimmermann erhielt 11956 Stimmen, während unser Genosse Pin⸗ kau es nur auf 11169 brachte. Das ist für uns ein höchst beklagenswertes Ergebnis, wenn auch das Jubelgeheul, in das die bürgerliche Presse darüber ausbrach, durchaus unberechtigt ist. Denn erstens wurde noch nach den alten Listen gewählt— für uns ohnehin ein Nach⸗ tel!— dann sind aber auch Hunderte von Wählern, die seit Juni vorigen Jahres ver⸗ zogen waren, ungesetzlicherweise von der Wahl zurückgewiesen worden, ein Umstand, der zur Ungültigkeitserklärung führen mu ß. Hat doch das sozial demokratische Wahlkomtté festgestellt, daß nicht weniger als 1031 Wähler, weil ste seit Aufstellung der Wählerliste im April vorigen Jahres in einen andern Wahlbezirk verzogen sind, ihres Wahlrechtes beraubt wur⸗ den. Es kommt ferner hinzu, daß die Behörden den geguerischen Parteien im Wahlkampfe allen möglichen Vorschub leisteten, während unserer Partei die Agitationsarbeit nach sächsischer Manter erschwert und fast unmöglich gemacht wurde. Und wie die Ordnungsbrüder gehaust haben, darüber geben zahlreiche uschriften der Genossen an die Partetblätter Auskunft. So heißt es in einer Zuschrift aun die„Leipziger Volksztg.“: „Der Kampf im 20. sächsischen Reichstagswahl⸗ kreise, den die Antisemiten gegen die Sozialdemokratie kämpften, findet seinesgleichen wohl nur in der Zeit der 87er Faschingswahlen. Nicht etwa waren es die Anti⸗ semiten, die hier den Kreis gewannen, sondern es war der sächsische Ordnungsbrei. In einer Versamm⸗ lung in Wünschendorf bei Lengenfeld traten zwei Ge⸗ nossen unsrer Partei dem wüsten Geschimpfe und den unsinnigen Reden des Abgeordneten Gräfe entgegen. Jedem wurden 20 Minuten Redezeit gewährt. Für seine Behauptungen Beweise beizubringen, unterließ Gräfe; dafür wartete er aber mit Zitaten auf, die er aus Auf⸗ sätzen und Reden verschiedener sozialdemokratischer Ab⸗ geordneten aus dem Zusammenhange herausgerissen hatte. Inwieweit sonst noch mit Lügen und Verdreh⸗ ungen operiert wurde, zeigen die von dieser Seite ver⸗ breiteten Flugblätter. Die Genossen Schippel, Calwer und Göhre sowie Dr. Braun spielte man gegen uns in einer Art aus, die für uns einfach widerlich war, bei den ungebildeten Elementen der Wählerschaft aber natür⸗ lich ihre Wirkung nicht verfehlte. Wie weit die Ge⸗ schichte dort oben getrieben wurde, zeigt auch, daß uns in dem benachbarten Lengefeld kein Wirt gegen gutes Geld Nachtquartier gewähren wollte.“ Daß die Pückler-Partei in gewissenloser Verhetzung das Menschenmögliche leistete, glau⸗ ben wir gerne. Als besonders gewichtige Hilfs⸗ kraft hatten sie sogar den wegen unsauberer Manipulationen von den Dresdener Genossen aus der Partei ausgeschlossenen Franz Fricke herbeigeholt. Wir kennen ja die Schwindel⸗ und Hetzagitation dieser rückständigen und bornierten Gesellschaft, die nur mit Verdächtig⸗ ungen und Verleumdungen kämpft und nichts als schimpfen kann, zur Genüge und wir glauben, daß unsere sächsischen Genossen den antisemiti⸗ schen Pöbeleien viel zu anständig gegenüber⸗ getreten find. Aber ganz gleichgültig; wir haben eine Niederlage erlitten und müssen sie als solche registieren. Es muß nach den Ursachen derselben gesucht werden, damit die Scharte wieder aus⸗ gewetzt wird. In jedem Feldzuge gibt es ja auch für den schließlichen Sieger verlorene Ge⸗ fechte; doch uns trifft ein Rückschlag um so schwerer, weil wir gewissermaßen gewohnt sind, zu siegen. Hier hatten wir unter besonders ungünstigen Umständen zu kämpfen, die Ange⸗ legenheit Göhre, der dadurch verursachte Kan⸗ didatenwechsel mußte ungünstig für uns wir⸗ ken. Und, was das Schlimmste ist, unsere O r⸗ gantsatton läßt in diesem Kreise sehr viel zu wünschen übrig. Diese Mängel müssen ver⸗ schwinden, dann wird es unsern sächsischen Ge⸗ nossen ein Leichtes sein, den Schmutzfleck auf fett schönen roten Wahlkarte Sachsens zu be⸗ eitigen. Flotten⸗Koller. Seit kurzer Zeit tauchen Nachrichten in der Presse auf, welche mit ziemlicher Bestimmtheit große, neue Flotten forderungen ankündigen. Den Regterungsblättern sind aber jedenfalls diese Nachrichten„für ein Dementi zu dumm“, sie hüllen sich darüber in dunkles Schweigen, obwohl behauptet wird, daß die Regierung nichts weniger als den Umsturz des Flotten-Programms von 1900 ernst⸗ lich plane. Eine halbamtliche Korrespondenz bestätigt, daß eine Flottenvorlage jedenfalls bald an den Reichstag gelangen werde. Man zsei entschlossen, ein drittes Doppelge⸗ schwader mit den dazu gehörigen Kreu⸗ zern zu fordern und den beschleunigten Bau desselben neben den in den Flottengesetzen vorgesehenen Schiffsbauten zu verlangen.“ Diese Flottentollheiten werden wie gewöhn⸗ lich mit den Rüstungen der anderen Seemächte begründet.— Der deutsche Michel aber wird wieder sehr tief in die Tasche greifen müssen, um das Vergnügen zu bezahlen oder richtiger ausgedrückt, dem arbeitenden und dabei darben⸗ den Volke werden Millionen abgepreßt zur Bereicherung der Panzerplattenfabrikanten und ihres Anhangs. Möge das Volk endlich zur Einsicht gelangen und der verderblichen Welt⸗ und Wasserpolitik ein Ende bereiten. Dividenden ⸗Schlucker. 40 Prozent Dividende gegen 35 im Vorjahre, zahlt die Arenbergische Bergbaugesell⸗ schaft per 1903! Bevor diese Riesendividende ausgerechnet wurde, hatte man 486577 Mark für Abschreibungen und 300 000 Mk. für einen besonderen Reservefonds zurückgestellt. Sonst hätte die Dividende noch bedeutend höher ver⸗ rechnet werden müssen. Der durchschnittliche Schichtlohn der Arbeiter bei dieser Gesellschaft ist 1903 aber nicht gestiegen, wie der Werksbericht selbst zugesteht! Anders stände es bestimmt, wenn die Bergarbeiter auch so unzersplittert daständen, wie die Unternehmer. Dieselbe Erscheinung zeigt sich in der ganzen Bergindustrie. Riesige Ueberschüsse, stei gende Profite auf Seite der Unternehmer; für die Arbeiter dagegen sinkende Löhne, vermehrte Arbeitsleistung, kurz, intenstvere Ausbeutung! Junkerliche Kinderausbeutung. Ein ehemaliger Volksschullehrer in der Prov. Posen, Dr. F. Skowroneck beleuchtete kürzlich in der„Berl. Ztg.“ die Schulzustände im Osten und besonders die Kinderausbeutung auf der herzoglich Ratiborschen Besitzung, wo er als Lehrer fungierte. Er erzählt da wörtlich: Kein Kind kommt frisch in die Schule. Alle haben sie schon vom Morgengrauen an in der Landwirtschaft gearbeitet,... sie 915 schon mit zehn Jahren in Lohn und M Sowie die kleinen Burschen und Mädels sich auf die Schulbank setzen, fallen ihnen die Augen zu. Was soll der Lehrer, dem das Herz vor Mitleid wehtut, tun? Etwa strafen? Aber das„Klassenziel“ soll erreicht werden! Das einzige Mittel ist: singen! Mit⸗ ten im Rechnen:„Auf! Wir singen: In der Heimat ist es schön.() Das hilft für eine Weile. Nach wenigen Tagen Denun⸗ ziation: Der Lehrer lasse fortwährend singen statt zu unterrichten... Zur Kolorierung des Bildes gehört die Zeit des Rübenziehens, wenn die Kinder mit Händen ankommen, die mit Wunden bedeckt sind, die bei der leisesten Beweg⸗ ung... aufbrechen und bluten! Da kann man Resultate im Schönschreiben erzielen! Ich wünschte, ichhättemir ein Dutzend der blutbefleckten Schreibhefte auf⸗ bewahrt und könnte sie den Parla⸗ menten auf den Tisch des Hauses legen. Dann würde vielleicht den Gegnern des Kinderschutzes die Schamröte in die Wangen steigen. Bei der Beratung des neuen Kinderschutz⸗ gesetzes ist bekanntlich die Sozialdemokratie die einzige Partei gewesen, die für die Aus⸗ dehnung des Kinderschutzes auf die Land⸗ wirtschaft energisch eintrat. Der Vorschlag fand aber bei dem Gros der bürgerlichen Par⸗ teien fanatischen Widerstand und fiel.— Herr Skowroneck überschätzt aber die Parteien, wenn er meint, daß sie der Anblick von vertrocknetem Kinderblut umzustimmen imstande wäre. Wenn nur der Herzog v. R. seine Rüben rechtzeitig einbekommt und seinen Profit einsackt, so ist es sehr gleichgiltig, wie die Schreibhefte anssehen. Natürlich ist es dem Junker auch gleichgiltig, ob die Kinder etwas lernen, denn:„Die dümmsten Arbeiter sind vie besten.“ Pfaffen⸗ Terrorismus. Vorige Woche wurde vor dem Landgerichte in Beuthen(Ober⸗Schlesien) ein Beleidigungs⸗ prozeß verhandelt, den der Kardinal Kopp gegen den Redakteur des radikal⸗polnischen Blattes„Gornoslazak“(„Oberschlester“) v. Wols ki angestrengt hatte. Die Beleidigung soll begangen sein durch den Abdruck eines Artikels des Warschauer Blattes„Przeglad Katolicki“, der eine scharfe Kritik der Stellung des Kardinals und seiner oberschlesischen Geist⸗ lichen zum Polentum enthält. U. a. wird in dem Artikel gesagt, das Auftreten des Klerus gegenüber dem polnischen Volke sei eine mora⸗ lische Nichtswürdigkeit, eine Vergewaltigung der Naturrechte und der Rechte der Kirche und in ihren Folgen ein Verrat an der katholischen Sache— aus Gefälligkeit gegen den Staat! Der Artikel beschuldigt dann oberschlestsche Geist⸗ liche, niedrige Intrigen gegen den Abgeordneten ni kt den ic desen ache keine Absol das Abo aus Schopf u den al 650 den Bese Bergmann lichlihe 2 vetwelge bis er, 3 führte, nie dle orden Stellen Otieß weg negung in elles Kit bühren gl. Stundung sage dez 3 Geld? ind, w. Zaun!“ Sie mal, bel Ihrer Ihnen stän Wahrheit. — Andere Kabpläne al gebung de Angehörige lungener den Zwe eellüte na Vertlus. Rosenkranz gun, Aung her Oberschle Terrörtz daß die hg hat woh Biggesee zu holen trag gg 111 bes Undlegte Gefelsch Aue ll Legenhet Und ber schen Te 7 berwend 0 bta late: 5 ö e e e N. 14. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 3. Korfanty geübt zu haben, um ihn als einen Feind der Kirche erscheinen zu lassen. Bei der Beweisaufnahme, die sich sehr günstig für den Angeklagten gestaltete, kamen geradezu erschreck⸗ ende Beispiele blindwütiger pfäffischer Unter⸗ drückungssucht zu Tage. Folgendes sei aus den Zeugenaussagen mitgeteilt: Bergmann Wiezek sollte in der Beichte versprechen, daß er den„Gornoslazak“ nicht mehr lese, und da er sich dessen weigerte, mußte er ohne Absolution da⸗ vongehen. Andere Zeugen bekunden ebenfalls, daß sie keine Absolution erhielten, weil sie sich weigerten, das Abonnement aufzugeben. Agent Kobus aus Schoppinitz: Auf der Kanzel sagte Pfarrer Abramski zu den anwesenden Frauen:„Ihr Frauen, wenn zu Euch ein Agent des„Gornoslazak“ kommt, so nehmt den Besen und haut ihm den Buckel voll!“ Bergmann Mai: Als ich heiraten wollte und das kirchliche Aufgebot beim Pfarrer Jauernik anmeldete, verweigerte dieser die Trauung so lange, bis er, Zeuge, die Agentur des„Gornoslazak“, die er führte, niedergelegt haben würde. Der Zeuge erfüllte die Forderung und wurde dann getraut. Stellenbesitzer Kulisch war mit dem Pfarrer seines Ortes wegen seiner Sympathien für die polnische Be⸗ wegung in Differenzen geraten. Als er beim Ableben seines Kindes nicht in der Lage war, die Begräbnisge⸗ bühren gleich zu bezahlen und den Pfarrer daher um Stundung bat, sagte dieser nach der beschworenen Aus⸗ sage des Zeugen:„Du Lumpenkerl kommst ohne Geld? Soll ich Dir es borgen? Begrabe Dein Kind, wo Du willst, meinetwegen unter dem Zaun!“ Hier meinte der Vorsitzende: Aber hören Sie mal, das ist doch nicht glaublich. Würden Sie bei Ihrer Aussage bleiben, wenn Ihr Pfarrer hier vor Ihnen stände?— Zeuge: Ja, gewiß, es ist ja die Wahrheit. Ich habe sonst nichts gegen unseren Pfarrer. — Andere Zeugen bekunden, daß manche Pfarrer und Kapläne auch Frauen und jungen Mädchen die Ver⸗ gebung der Sünden verweigerten, weil sie oder ihre Angehörigen die polnische Zeitung lasen.— In ge⸗ lungener und offenherziger Weise bezeichnete ein Zeuge den Zweck der katholischen Vereine. Arbeiter Za pp erklärte nämlich: Er sei Vorsitzender eines Rosenkranz⸗ Vereins.— Vors.: Was versteht man unter einem Rosenkranz⸗Verein?— Zeuge: Beten und Zahlen. Kurz, aus den sämtlichen Zeugenaussagen ging hervor, welche Macht das Pfaffentum in Oberschlesien besitzt und welch' haarsträubenden Terrorismus es ausübt. Erstaunlich ist nur, daß die geduldigen Polen sich derartiges so ruhig gefallen ließen.— Der Kardinal Kopp hat wohl selber eingesehen, daß bei diesem Prozesse kein; Lorbeeren für seine Geistlichkeit zu holen waren und er zog den Strafan⸗ trag gegen den Redakteur zurück. Das Ge⸗ richt beschloß darauf Einstellung des Verfahrens und legte dem Kardinal die Kosten auf.— Dieselbe Gesellschaft aber, die hier in der empfindlichsten Weise bloßgestellt wurde, schreit bei jeder Ge⸗ legenheit im Verein mit den Scharfmachern und der Orduungspresse über sozialdemokrati⸗ schen Terrorismus! Welch' schamlose Heuchelei! Für die Opfer des Löbtauer Zuchthaus⸗Urteils verwendete sich kürzlich der Abg. Günther — dort der einzige Freisinnige— im sächsischen Landtage und regte ihre Begnadigung an. Er sagte:„Das sogenannte Löbtauer Urteil wurde seinerzeit nicht nur in Arbeiterkreisen, sondern auch in anderen Bevölkerungsschichten mit Schrecken und Bestürzung aufgenommen. Daß sich die damaligen Angeklagten strafbar gemacht haben, bestreitet niemand, aber ein Strafmaß von zehn Jahren Zuchthaus hatte niemand erwartet. Beim Löbtauer Fall konnte aller⸗ dings ein Menschenleben in Gefahr kommen, aber durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank sind zahlreiche Existenzen vernichtet und einzelne Personen zum Selbstmord getrieben worden. Vergleiche man die in beiden Fällen erlassenen Strafen, werde man kein Verständnis für solche Urteile im Volke finden.“ Die Kammer hätte nicht— sächsisch sein müssen, wenn sie der Anregung sich angeschlossen. Abgeordneter Günther blieb allein! Und der Antisemit Ulrich hatte die Frivolität zu antworten, es habe seinerzeit Leute gegeben, die nicht über das Urteil, sondern über die Bestialität der Verurteilten entrüstet gewesen seien; es gebe doch wohl würdigere Objekte, die man der Gnade des Königs empfehlen könne.—„Wür⸗ digere Objekte“ sind die Duellanten, gewissenlose Unternehmer, Bankspitzbuben usw. die immer die beste Aussicht auf Begnadigung haben. Wahlen. Sozialdemokratischer Bürger⸗ meister. Zum zweiten Male wählten die Bür⸗ ger von Aue bei Durlach(Baden) einen So⸗ ztaldemokraten als Bürgermeister. Nachdem die erste Wahl für ungültig erklärt wurde, erhielt bei der nochmaligen Wahl der soztaldemokratische Kandidat 198 Stimmen, die Gegenkandidaten brachten es auf 90 und 22 Stimmen. Die Ersatzwahl in Altenburg, wo das Mandat für unsern Genossen Buchwald für ungültig erklärt wurde, ist aufß den 19. April— wieder einen Freitag— festgesetzt. Bei der Ungültigkeitserklärung dieser Wahl wurde, wie in Frankfurt⸗Lebus bei der des Gen. Braun eine ganz neue Praxis beobachtet. Sie erfolgte aus dem Grunde, weil Beamte Flugblätter für die Ordnungsparteien unter⸗ zeichnet hatten und zwar unter Beifügung ihres Amtstitels. Diese höchst ungehörige Beeinflussung hat zwar nichts genützt, denn der Sozialdemokrat Buchwald wurde im ersten Wahlgang mit 18 695 Stimmen gewählt. Trotzdem wurde die Wahl für ungültig erklärt! Nun, hoffentlich lassen es unsere Genossen nicht an der nötigen Arbeit fehlen, damit uns dieser Kreis erhalten bleibt. Bei der Stichwahl im Kreise Lüneburg wurde der Welfe Wangenheim mit 11655 Stimmen gegen den Nationalliberaleu Jänecke gewählt. Milde Strafen für Soldateuschinder. Auch in Oesterreich kommen die Soldaten⸗ schinder in der Regel mit sehr gelinden Strafen davon, besonders die aus den Offtzierskreisen. Vor Kurzem wurde das Urteil über die Schul⸗ digen vom Bileker Todes marsch gefällt. Bei den vorjährigen Manövern war für ein Infanterie⸗Regiment ein Uebungsmarsch ange⸗ ordnet und trotz fürchterlicher Hitze und trotzdem die Kommandeure sahen, daß ein Soldat nach dem andern umfiel, durchgeführtworden. Auch wurde nicht für Erleichterungen gesorgt und der Marsch nicht unterbrochen. Infolgedessen gingen zahl⸗ reiche Mannschaften zu Grunde. Deshalb wur⸗ den der Oberst v. Grünzweig zu fünf, Oberst v. Török zu ganzen zwei Monaten strengen Arrestes verurteilt wegen Außerachtlassung von Dienstvorschriften, begangen durch Hintansetzung der dem Vorgesetzten obliegenden Sorge für die Erhaltung und Schonung der ihm unter⸗ gebenen Mannschaft. Die andern Angeklagten wurden freigesprochen. Internationaler Arbeiterkongreß. Wie das Internationale Bureau in Brüssel mitteilt, wird der Kongreß in Amsterdam vom 14. bis 20. August d. J. stattfinden. Die Verlegung in den September, die von mehreren Seiten gewünscht wurde, läßt sich nicht er⸗ möglichen. Der Kongreß weist eine sehr reich⸗ haltige Tagesordnung auf; fast aus allen Ländern sind Anträge gestellt worden, so daß es kaum möglich sein wird, das Material alles zu erledigen. Russisch⸗japanischer Krieg. Den afen von Port⸗Arthur zu sperren ist allem Anscheine nach das Haupt⸗ bestreben der Japaner. In der Nacht vom 26. zum 27. März machten sie wiederum einen Angriff auf die Festung und versuchten dabei, mehrere große Handelsdampfer vor dem Hafen⸗ eingang zum Sinken zu bringen. Der Kom⸗ mandant von Port Arthur berichtet über den Verlauf der Aktion in einem Telegramm an den Zaren, daß infolge des von russischer Seite eröffneten Artilleriefeuers und des kühnen Vorgehens der russischen Torpedoboote die Dampfer den Hafeneingang nicht erreichten, sondern vorher sanken. Gegen 4 Uhr morgens zogen sich die japanischen Torpedo⸗ boote zurück. Zusammenstöße auf dem Lande im Norden Koreas stehen unmittelbar bevor, haben nach verschiedenen Nachrichten schon stattgefun⸗ den. Aus Söul, der Hauptstadt Koreas wurde am Montag ein schnelles Vorrücken der Japaner und Retirieren der Russen in Nord⸗ korea gemeldet.— Eine weitere Depesche mel⸗ dete, daß zwischen Andschu und Tschoengdschu (im Nordwesten Koreas) ein Gefecht stattge⸗ funden habe, in welchem 50 Japaner und 100 Kosaken getötet oder verwundet worden seien. — Nach Aufschneiderei schmeckt folgende japa⸗ nische Meldung: „Admiral Togo ist entschlossen, Port Arthur spätestens im Mat zu nehmen. Das weitere Programm für den Krieg zu Lande wie zur See ist vollständig entworfen, und es stehen ungewöhnliche Ueberraschungen bevor.“ Soziales, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Soziale Fürsorge in Konsumverein en. Unter dieser Ueberschrift schreibt die„Soziale Praxis“: Gegenüber den schweren Vorwürfen, die den Konsumvereinen häufig wegen unsozialer Behandlung ihrer Angestellten gemacht worden sind, ist aus Harburg, Wilhelmsburg und Um⸗ gegend der erfreuliche Beschluß des dortigen Konsumvereins mitzuteilen, der den nicht dem Handelsgesetzbuch unterstehenden Arbeitern und Angestellten des Vereins im Erkrankungsfall für die ersten 14 Tage einen Zuschuß zu dem Krankengeld der Allgemeinen Ortskrankenkasse bis zur Höhe des Lohnes verspricht. Sämtliche Angestellten sollen bei der Allgemeinen Orts⸗ krankenkasse in Harburg gegen Krankheit ver⸗ sichert werden. Die Beiträge für die Kranken⸗ und Invalidenverstcherung werden voll von dem Verein bezahlt.— Dem wäre noch hinzu⸗ zufügen, daß in größeren Konsumvereinen den Angestellten ein bis zwei Wochen Erholungs- urlaub alljährlich gewährt wird, unter Fort⸗ zahlung des Lohnes natürlich. Ueber die Lage in Crimmitschau schreibt der dortige Vertrauensmann, daß das Unternehmertum, nachdem die Arbeiter den Kampf um den Zehnstundentag abgebrochen haben, den noch Ausgesperrten seine Macht fühlen läßt, obwohl damals die Herren ver⸗ sprachen, man wolle die beiderseitigen Wunden vernarben lassen. Die Ausgesperrten laufen vergeblich von Fabrik zu Fabrik, während die Unternehmer noch immer fremde Arbeiter her⸗ anziehen. Die Arbeiter allerorts werden daher dringend ersucht, den Zuzug fernzuhalten. Mißstände in Bäckereien. Bei einer polizeilichen Reviston der Bäckereien und Kon⸗ ditoreibetriebe in Düsseldorf wurden skan⸗ dalöse Mißstände aufgedeckt. Unter anderem befanden sich Backräume sowohl wie die zur Herstellung von Backwaren dienenden offenen Gefäße sehr oft in höchst unsauberem Zustande, der Schwarzbrotteig wurde mit den nackten Füßen eingetreten, Hunde und Katzen wurden angetroffen, die an den Backwaren herum⸗ schnüffelten oder gar auf den zum Backen dienenden Eisenblechplatten herumlagerten; die für die Herstellung von Backwaren benutzten Schwedenhölzer wurden in übelriechendem und faulendem Wasser angefeuchtet usw. Die Polizei⸗ verwaltung hat sich im Interesse der Konsu⸗ menten zu einer öffentlichen Warnung gegen diese Manipulationen veranlaßt gesehen.— Ja, ja, die Herren vom Backtrog wissen sehr viel⸗ fach nur die Gesellen zu maßregeln, aber in ihrem Betrieb sieht's dabei höchst bedenklich aus. Die Gewerbegerichtswahl in Offen⸗ bach fand am Montag statt und zwar kam hier das Proportionalwahlsystem in Anwendung. Auf der Arbeitnehmerseite wurden für die Liste der freien Gewerkscha ften 4316 Stimmen abgegeben, für die christli chen 617. Die Beteiligung war also eine äuß erst lebhafte. Es entfallen auf die freien Gewerk⸗ schaften 17 Beisitzer, auf die Christlichen drei. Auf der Arbeitgeberseite erhalten die Innungen ꝛc. 19, unsere Genossen 1 Beisitze r. — — 1 0 3 ——— v 9 — Seite 4. Miiteldeutsche Sountaas⸗Heitung. Nr. 14. 8 ganges. Unser Blatt hat im letzten Jahre hingewiesen, daß der Tabakarbeiterverband seine Von Nah und Fern. eine recht erfreuliche Steigerung seiner Unterstützungseinrichtungen so vervollkommnet Hessisches. Der Landtag hat sich bereits vorige Woche in die Osterferien begeben und dürfte erst Anfang Mat wieder zusammentreten. Die„Hochgeborenen“ der Ersten Kammer haben ihren parlamentarischen Pflichten auch auf ein paar Stunden genügt. Und in der kurzen Zeit haben sie„erledigt“, woran die Zweite Kammer wochenlang arbeitete. Welches soziale Verständnis sie dabei bekundeten, beweist folgender Bericht über die Verhandlungen: „Dem Antrag Ulrich und Genossen wegen Vertretung der Arbeiterschaft im Ministerium hatte die Zweite Kammer keine Folge zu geben beschlossen. Die Erste Kammer schloß sich dieser Entscheidung an, lehnte aber den Beschluß der Zweiten Kammer,„die Re⸗ gierung zu ersuchen, sie möge im Bundesrat ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die Frage der berufsständigen Organisation(Arbeiter⸗ kammern) baldigst reichsgesetzlich geregelt werde,“ einstimmig ab. Auch der Vorstellung in bezug auf die Reform der Unfallbver⸗ hütungen bei Bauausführungen tritt das Haus nicht bei. Dem Beschluß der Zweiten Kammer bezüglich der Entschädigung un⸗ schuldig Verhafteter wird nicht beige⸗ treten.“ Zu wundern braucht man sich darüber nicht. Was ist anders von einer Gesellschaft von Grafen, Fürsten ꝛc., die von dem Wormser Lederkönig maßgebend beeinflußt wird, zu er⸗ warten. Wenn die Herren„arbeiten“, beweisen sie bloß ihre Ueberflüssigkeit. — Die Eröffnung der Joutz⸗Bahn hat nunmehr am Montag stattgesunden. Von einer sympathischen Teilnahme der Bevölkerung an diesem Ereignisse war nichts zu bemerken. In Etch wurde, wie mitgeteilt wird, der „Festzug“ gar nur von dem Bürgermeister und einem andern Vertreter erwar et. Direktor und „Volksvertreter“ Joutz suchte, was bei seinen Verdiensten bei der Bahn begreiflich ist, seine Person in den Vordergrund zu drängen und sich als Wohltäter der Menschheit hinzu⸗ stellen. Er hielt die Festrede bei dem Festessen in Butzbach und telegraphierte sogar den Groß⸗ herzog und das Ministerium an, das jedenfalls wegen Joutz keinen Vertreter zur Eröffnung gesandt hatte. Herr Joutz hat wirklich ein außerordentlich widerstandsfähiges Ehrgefühl! Gießener Angelegenheiten. — Wer ist Sozialdemokrat? Viele legen sich den Namen Sozialdemokrat bei,— aber nicht alle haben sie das Recht, den Ehren⸗ titel auch zu führen. Viele sind davon über⸗ zeugt, daß sie Sozialdemokraten sind, trotzdem können sie als solche kaum anerkannt werden. Wer nur alle fünf Jahre einmal den sozialde⸗ mokratischen Stimmzettel in die Urne legt und sich sonst um die sozialdemokratische Partei nicht kümmert, der ist kein Sozialdemokrat. Auch derjenige ist es nicht, dessen ganze Tätig⸗ keit darin besteht, am Biertisch den Mund auf⸗ zureißen. Sozialdemokrat ist nur derjenige, der es tagtäglich durch die Tat beweist, daß er die Idee des Sozialismus in ihrem ganzen Umfang begriffen hat und die Pflichten, die ihm aus seiner Zugehörigkeit zur Soztaldemo⸗ kratie erwachsen, vollständig kennt. Die erste und vornehmste dieser Pflichten ist, zu wissen, was die Sozialdemokratie ist und was sie will. Diese Kenntnis kann der Arbeiter sich haupt⸗ sachlich durch das Lesen von Zeitun gen und Broschüren erwerben. Das Abonne⸗ ment auf die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ ist also die erste Bedingung. Die bürgerliche Presse vertritt die Interessen des ausbeuterischen Kapitals, indem sie das Volk in geistiger Rück⸗ ständigkeit zu erhalten sucht. Die sozialdemo⸗ Katische Parteipresse aber verfolgt das Ziel, Aufklärung zu schaffen und die Masse zu geistiger Reife zu erziehen. Mit vorliegender Nummer tritt die „Mitteldeutsche SonntagsZeitung“ in das zweite Quartal ihres elften Jahr⸗ Abonnentenzahl zu verzeichnen, das darf uns aber noch keineswegs genügen und es tritt daher für jeden Genossen die weitere und leicht zu erfüllende Pflicht heran, für Gewinnung neuer Leser nach besten Kräf⸗ ten zu wirken. Jeder muß agitieren, in Werkstelle und Fabrik, Haus und Fa⸗ milie, beim Glase Bier und im geselligen Kreise der Freunde und Arbeitskollegen. Unablässige Arbeit, zähe Ausdauer sichert den Erfolg! Die„Mitteldeutsche Sonntags Zeitung“ erscheint wöchentlich ein mal und kostet nur 28 Pfg. den Monat; 75 Pfg. das Vierteljahr. — Osterausflüge. Am ersten Oster⸗ feiertage unternimmt der Wahlverein einen Ausflug nach Annerod. Die Mitglieder und deren Bekannte sind zu zahlreicher Beteiligung freundlichst eingeladen; man trifft sich 3 Uhr nachmittags auf der Höhe der Licherstraße in der Nähe der Wirtschaft Hengst. In elnnerod bei Wirt Döring. Wenn das Wetter einiger⸗ maßen freundlich ist, so ziehe man mit Kind und Kegel hinaus ins Freie. Das ist gerade für die in staubiger Werkstelle die ganze Woche sich abplagenden Arbeiter dringende Notwendig⸗ keit.— Fröhliche Ostern! — Der„Gießener Anzeiger“ schrieb am Montag zur Zschopauer Wahl: „Bei den letzten Reichstagsersatzwahlen, in Lüneburg, Eschwege und Zschopau⸗Marien⸗ berg in Sachsen, fand ein starker Rück⸗ gang der sozialdemokratischen Stimmen statt. Die Herren Genossen sind verblüfft und in ihrem starren Staunen da⸗ rüber sprachlos geworden. Keines der uns vorliegenden sozialdemokratischen Blätter findet dafür Worte.“ Das war am Montag. Am Sonntag bereits brachte nicht nur der Vorwärts, sondern die gesa mte sozialdemokratische Presse spalten⸗ lange Artikel über diese Wahl, einzelne Blätter, 3. B. die Frankfurter„Volksstimme“ haben sie schon in der Samstagsnummer behandelt. Das ist ja auch ganz selbstverständlich. In der so⸗ zial demokratischen Presse ist es nicht üblich, sich an unangenehmen Dingen vorbeizudrücken, sondern sie werden nach Bedeutung gewürdigt, manchmal sogar mehr wie die nötige Selbst⸗ kritik geübt, was andere Parteien an sich gar nicht wagen. Vertuschungspolitik treibt die Sozialdemokratie nicht, das überläßt sie den Amtsblättern.— Wenn der Artikelschreiber weiter sagt, die„parlamentarische Unfruchtbar⸗ keit“ der Sozialdemokratie habe viele„Mit⸗ läufer“ veranlaßt, ins bürgerliche Lager zu rückzukehren, so ist wohl die Frage nach der parlamentarischen Fruchtbarkeit der Natio⸗ nalliberalen und Antisemiten erlaubt. Spe⸗ ziell die nationalliberale Vertretung des Gießener Wahlkreises hat bisher noch alle und jede Fruchtbarkeit vermissen lassen. Da geht kein Keimchen auf— und der„Anzeiger“ hat doch stets reichlich gedüngt. — Die Gewerkschaften in Gießen haben in der letzten Zeit zum größten Teile recht gute Fortschritte gemacht. Fast alle haben eine Mitglieder⸗Zunahme zu verzeichnen; für andere Berufe sind hier Filialen der betreffenden Verbände gegründet worden. Vor Kurzem wurde eine solche des Transport-Arbeiterver⸗ bandes ins Leben gerufen, die ebenfalls eine gute Entwickelung verspricht. Bedauerlich ist jedoch, daß die Organisationsverhältnisse bei den Tabakarbeitern sehr im Argen liegen. Bei den zahlreichen Angehörigen dieses Berufes in Gießen und Umgebung müßte der Tabak⸗ arbeiter⸗Verband hier eine bedeutende Anzahl von Mitgliedern haben. Die Arbeits- und Lohnverhaͤltnisse in dieser Branche sind doch wahrlich derartig mißliche, daß der Zusammen⸗ schluß der Arbeiter als eine gebieterische Not⸗ wendigkeit erscheint. Es sei auch noch darauf hat, daß auch in Hinsicht darauf der Anschluß zu empfehlen ist. Er wäre gut, wenn unter den Tabakarbeitern mal einige Agitation für die Gewerkschaft entfaltet würde. Wir sind gerne bereit, Beitrittserklärungen zu vermitteln. — Im Wahlverein wurde in der Versamm⸗ lung am 26. März Bericht über die Kreiskonferenz er⸗ stattet. Hieran schloß sich eine lebhafte Diskusston, in der die Mängel unserer Organisation hervorgehoben und Vorschläge gemacht wurden, die eine Besserung herbei⸗ führen sollen.— Im Weiteren diskutierte man über die Einführung einer erhöhten Biersteuer, wie sie für Gießen in Vorschlag gebracht worden ist. Nach längerer Debatte sprach sich die Versammlung dahin aus, daß Erhöhung der indirekten Steuern unter allen Umständen zu verwerfen sei. — Mit dem hessischen Gemeinde⸗ steuer⸗Entwurfe beschäftigte sich Prof. Staudinger-Darmstadt in einer öffentlichen Versammlung der Bodenreformer am Freitag in Café Ebel. Der Redner legte sehr ein⸗ gehend die einzelnen Steuerarten und ihre Wirkung dar und kam zu dem Schluß, daß der Entwurf der hess. Regierung trotz einiger ihm noch anhaftenden Mängel Anerkennung verdiene. An der Diskusston beteiligte sich be⸗ sonders Herr Oberbürgermeister Mec um, der für Umsatzsteuer(bei Grundstücksverkäufen) ein⸗ trat. — Vom Krankenkassenwesen. Von einem Aerzte⸗Konflikt, wie sie in vielen Orten ausgebrochen sind, bleiben wir in Gießen glücklicherwelse verschont. Wie wir hören, hat der Vorstand der Ortskrankenkasse mit den bisher für die Kasse tätigen Aerzten die am 1. Januar nächsten Jahres ablaufenden Verträge auf weitere 3 Jahre erneuert. Allerdings hat eine Erhöhung des ärztlichen Honorars stattgefunden. Außer den bis⸗ herigen Kassenärzten wurde noch mit Herrn Dr. Reine. wald als Spezialarzt für Hals⸗ und Nasenkranlheiten Vertrag abgeschlossen.— Die Krankenkassen und Sani⸗ tätsvereine in Gießen und Umgegend haben sich zu einer„Freien Vereinigung“ zusammengeschlossen. Zweck derselben soll eine gemein same Besprechung aller das Kassenwesen berührenden Fragen sein. Vorsitzende sind die Herren Winn und Horst; Kassierer Bräuti⸗ gam und Lehr; Schriftführer Fourier und Schmidt⸗ Lollar; Hahn ⸗Krofdorf, Becke r⸗Lollar und Peppler⸗ Rodheim Beisitzer. — Die Petit ionslisten wegen Errichtung eines Gewerbe⸗Gerichts für den Kreis Gießen müssen jetzt unbedingt eingeliefert werden, wo das noch nicht geschehen ist. Die Orte, wo etwa noch keine zir⸗ kultert haben sollten, werden ersucht, umgehend bei 5 Vertrauensmann, A. Bock, Dammstr. 22, solche zu verlangen und in Umlauf zu setzen. Aus dem Rreise Friedberg⸗Büdingen. * Für Friedberg und Bad Nau⸗ heim wird die Errichtung eines gemeinschaft⸗ lichen Elektrizitätswerkes, eines Schlachthauses und eines Volks bades sowie einer elektrischen Bahnverbindung angestrebt. Ueber diese Pläne wurde wenigstens in einer vorige Woche in Friedberg stattge⸗ fundenen Bürgerversammlung verhandelt. Man nahm dort eine Resolution an, in der die städtischen Vertretungen aufgefordert werden, die zur Prüfung und Ausführung des Vor⸗ habens erforderlichen Maßnahmen baldigst zu treffen. Nauheim war in der Versammlung ebenfalls vertreten. Mit der Vollendung dieser schönen Sachen wirds allerdings wohl noch einige Zeit haben. Aus dem Rreise Wetzlar. h. In der letzten Stadtverordneten⸗ Versammlung kam u. a. die berühmte Körordnung zur Sprache, wozu eine Eingabe des Landwirts Keiner aus Werdorf vorlag. In der Debatte darüber wird das Vorgehen der Körkommission als eine Beschränkung der persönlichen Freiheit und des Erwerbs bezeichnet und schlietzlich ein Antrag angenommen, wonach die Ankörung eines Simmentaler Zuchtstieres für die Wetzlarer Landwirte gefordert werden soll. h. Die Ortskrankenkasse hielt am Dienstag ihre General⸗Versammlung ab. Nach dem Geschäftsbericht betrug die Zahl der Mit⸗ glieder durchschnittlich 814. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 12970 Mk. auf, der 12925[Mk. Ausgabe gegenübersteht. Am mutet Dabei eile Del eiten Suase eil zwei Fraue kauften, el chen Falle srafung, nellich da und dann b. Ei arbeiter im Gastha Veibandes, oft von l Zweck un Schluß zu kehrk⸗ und gleich auf Vetzlor. zum Nutze clumal dle uit der E das schon im Vorsah a Mi dieser burger Klinkel Sebtember einem Mu darauf we mondat b. ftelgesproe etzlelte er well er n. wußt hab daß Tanze Aus AN Stan wolblressez dagsabg. hört, hatte zue„ aller Kin geeignete Nuenber dem Lernt wieß die Aus r. Kr Aeiczugz Oterzh. dan filr u de 30 Vahlen, eine ih diese im 2 haben, 0 felen und bes Autre l. — selle umnet schluß Unter i für sind itte. dumm lz er⸗ on, in en und hetbel⸗ n über wie sie N00 dahin r allen Prof, liche reltag ein ihre „daß niger nung ch be⸗ , der elnem brochen schont. kenlasse die au de auf böhung en big Meine. heiten Suni sch zu Zwet er dab de fi anti t und Lollar schtung Gleßen 8 noch ine zu⸗ el d ice u 1 1 Nr. 14. Mifteldeutsche Soun aas⸗geitnng. Seite 5. Krankengeld wurden 7110 Mk. bezahlt, für ärztl. Behandlung 1437 Mk. Wöchnerinnen⸗ Unterstützung 147 Mk. Verpflegungskosten 1455 Mk. ꝛc. 0 h. Nahrungsmittelfälschungen. Am 25. März verurteilte das Wetzlarer Schöffengericht die Bauersfrau K. aus Naunheim zu 3 Wochen Gefängnis, weil sie mehrfach Margarinebutter zu einem Butterleibe umgeformt und als gute Landbutter verkauft hatte. Dabei erzielte sie natürlich einen ganz netten Gewinn. Bei einem solch' unverschämten Betrug erscheint die Strafe eigentlich viel zu gelinde. Es wurden auch zwei Frauen ertappt, welche Kisteneier als frische ver⸗ kauften, ein Betrug, der sehr oft geübt wird. In sol⸗ chen Fällen sind wir für eine empfindliche Be⸗ strafung. Eine solche gehört auch dem Metzger, der neulich das kranke Stück Vieh zu verarbeiten suchte und dann noch„beste Hausmacherwurst“ empfiehlt. h. Eine Versammlung der Transport⸗ arbeiter(Kutscher, Fuhrleute ꝛc.) fand am Sonntag im Gasthaus„zum Adler“ statt. Der Gauleiter des Verbandes, R. Habicht⸗Frankfurt hielt einen/ stündigen, oft von lebhaftem Beifall unterbrochenen Vortrag über Zweck und Nutzen der Organisation und ersuchte zum Schluß zum Beitritt in den Verband der Handels⸗Ver⸗ kehrs⸗ und Transportarbeiter. 14 Mann ließen sich so⸗ gleich aufnehmen, gewiß ein ganz schöner Anfang für Wetzlar. Möge der junge Verein sich weiter gut entwickeln zum Nutzen der Arbeiter! Bei dieser Gelegenheit sei einmal die Frage aufgeworfen: Wie steht's denn eigentlich mit der Errichtung eines Gewerkschaftskartells, das schon so lange gewünscht und dessen Gründung schon im Vorjahre erfolgen sollte? * Was ist eine öffentliche Lustbarkeit? Mit dieser Frage hatte sich am Dienstag die Ma r⸗ burger Strafkammer zu beschäftigen. Bei dem Wirt Klinkel in Odenhausen a. d. L. hatten im September v. Js. einige Burschen und Mädchen nach einem Musik⸗Automaten getanzt. Der Wirt wurde darauf wegen unerlaubter Tanzmusik mit einem Straf⸗ mandat bedacht, doch wurde er auf seinen Widerspruch freigesprochen. Auf die Berufung des Staatsanwaltes erzielte er vor der Strafkammer ebenfalls Freisprechung, weil er nachwies, daß er von der Tanzerei nichts ge⸗ wußt habe. Anmeldepflichtig ist aber auch das Tanzen nach einem Automaten. Aus dem Nreise Dillenburg⸗Herborn. A Muckertum. Die„Kl. Presse“ schrieb kürzlich In Stangenrod und andern Orten des Oberwester⸗ waldkreises, der zum Wahlkreis des christl.⸗soz Reichs⸗ tagsabg. Stöckerscher Richtung Dr. Burkhard ge⸗ hört, hatte sich ein„Evangelisatlons⸗Verein“ gegründet zwecks„Verbreitung des Evangeliums als Pllicht aller Kinder Gottes“, womit der Vorstand besonders geeignete Brüder beauftragen solle. Der Landrat in Marienberg versagte auf Grund§ 62 des B. G.⸗B. dem Verein die Genehmigung und der Bezirksaus schuß wies die dagegen erhobene Klage ab. Aus dem Rreise Marburg⸗RNirchhain. r. Kriegervereinliches. Bei der vorjährigen Reichstagswahl brachte bekanntlich das benachbarte Ockershausen 101 sozialdemokratische Stimmen auf. Das fuhr den Lestern des Kriegervereins ganz gehörig in die Nase und wir berichteten schon gleich nich den Wahlen, daß die Vorsitzenden der beiden dortigen Krieger⸗ vereine ihte„Kameraden“ ins Verhör nahmen, weil sie diese im Verdacht hatten, sozlaldemokratisch gewählt zu haben. Es ließ sich jedoch etwas Bestimmtes nicht fest⸗ stellen und so gaben sich schließlich die Vorsitzenden mit der Ausrede zufrieden, es hätten ja nicht alle Wähler in Ockershausen gewählt, und nahm man daher an, die „Kameraden“ hätten überhaupt nicht gewählt. Jedoch die Sache hat noch nicht seinen Abschluß gefunden. Weder der Herr Landrat noch der Kreiskriegerverband lönnen sich über die„roten Kameraden“ in Ockershausen beruhigen und auf dem hier am Sonntag stattgefundenen Delegiertentag des Kreiskriegerverbandes kam die Geschichte der zur Erörterung. Gleich bei der Eröffnungsrede kam Landrat als Vorsitzender darauf zu sprechen. Er zog in üblicher Weise gegen den vermaledeiten Umsturz zu Felde, für den sich bei der letzten Reichstagswahl drei Millionen Deutsche, darunter womöglich viele königstreue Kriegervereinsmitglieder erklärt hätten. Zwar könne jeder wählen, wie er wolle, meinte der Landrat, wer aber sozialdemokratisch wähle, könne nicht Mitglied des Kriegervereins sein. Der„fliegt“ also. Daß ein Sozial⸗ demokrat kein Kriegervereinler sein kann, darin geben wir dem Landrat recht. Einem Kriegerverein wird auch ein überzeugter Genosse nie beitreten. Aber wie liegt die Sache in Wirklichkeit? Die„alten Kameraden“, die den Stamm in den Kriegervereinen bilden, traten diesen zu einer Zeit bei, als sie vom Sozialismus noch nichts gehört hatten. Durch ihre jahrelange Mitgliedschaft haben sie aber ein Recht und den Anspruch auf die Untersrützungen erworben, welche der Kriegerverein bietet. Und um ihrer erworbenen Rechte nicht verlustig zu gehen, bleiben sie dabei, trotzdem ihre Gesinnung eine ganz andere geworden ist, als zur Zeit des Eintritts. Dank der Aufklärung der Sozialdemokratie sind ein Teil der Mitglieder zu der Erkenntnis gekommen, daß ihr Heil nicht in den Kriegervereinen liegt, sondern in den Ar⸗ beiterorgantsationen. r. Buchdrucker⸗Gautag. Der Gau Frank⸗ furt⸗Hessen des Verbandes der Deutschen Buchdrucker hält an den beiden Osterfeiertagen seinen Gautag in Marburg ab. Die Verhandlungen finden im Restaurant Hildmann statt, während der Kommers zu Ehren der auswärtigen Delegierten am 1. Feiertag im Saale zum„Schloßgarten“ abgehalten wird. r. Maurerversammlung. Am Sonntag sprach der Gauleiter des Maurerverbandes Hüttmann⸗ Franksurt in einer gut besuchten Versammlung bei Jes⸗ berg über:„Die Arbeitsverhältnisse der Maurer im Kreise Marburg“. Seine Ausführungen wurden sehr beifällig aufgenommen. Zu gleicher Zeit tagte eine Versammlung des„christlichen“ Maurer⸗Verbandes, über dessen dunkles Treiben wir demnächst berichten werden. r. Ausflug. Der Arbeiter⸗Gesangverein„Ein⸗ tracht“ unternimmt am Charfreitag einen Ausflug nach Niederweimar. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr am Wilhelmsplatz. Die Genossen wollen sich zahlreich daran beteiligen. s. Unternehmer als Wohltäter. Daß es noch Unternehmer gibt, welche um das Wohl „ihrer“ Arbeiter eifrig bemüht sind, zeigt eine „Verfügung“, mit der die Arbeiter der Firma Kaiser und Roth beglückt wurden. Sie hat folgenden Wortlaut: g „Zur Beachtung! Wer sich während der Arbeits⸗, Frühstücks⸗ oder Mittagszeit betrinkt, muß die Arbeits⸗ stelle für den ganzen Tag sofort verlassen; der entstehende Arbeitsausfall wird am Lohn in Abzug gebracht und zwar wird die angefangene Stunde für volle Stunde gekürzt. Wer öfter d. h. mehr wie 3 mal in betrunkenem Zustande bei der Arbeit angetroffen wird, einerlei, ob dies an der Arbeitsstelle oder unterwegs bei einer Fuhre der Fall ist, hat die sofortige Entlassung ohne Kündigungszeit zu gewärtigen. Meine Arbeiter muß ich dringend ersuchen, in ihrem eigenen Interesse sowohl in gesundheitlicher Beziehung wie der Sparsamkeit wegen, vorstehende Verfügung wohl zu beachten und dafür zu sorgen, daß mit dem jeweiligen Verdienst vorsichtig gewirtschaftet wird, damit ein Jeder, falls einmal die Not an ihn herantreten sollte, sich selbst helfen kann und er nicht vollständig auf die Unterstützung seiner Mitmenschen angewiesen ist! Albert Roth.“ Welch' rührende arbeiterfreundliche Fürsorge! Mit der„Verfügung“ glauben die Herren K. und R. gewiß eine soziale Tat ersten Ranges vollbracht zu haben. Fraglich nur, ob die Arbeiter für die väterlichen und wohltätigen Absichten ihrer Unternehmer das nötige Ver⸗ ständnis haben. Denn der Lohn beträgt 20— 26 Pfg. die Stunde bei 10 stündiger Arbeitszeit und bei dieser Sachlage müssen sie die famose Verordnung als eine Verhöhnung und Beleidigung zugleich empfinden. 2 Ein Schnapsstreik wird aus Ober⸗Ohmen gemeldet, wo die Einwohner die Wirtschaften meiden, weil der Schnaps teuerer geworden ist. Wir wünschen den Streikenden, daß sie recht lange aushalten und sich keine Streikbrecher finden mögen. * Bergarbeitertod. Auf der Zeche„Karolus Magnus“ bei Essen wurden drei Bergleute ver⸗ schüttet. Einer ist tot, zwei tötlich verletzt. FTTCCTTbTTTTTTVTCTCTbTCTCTVTVTVTbTbTbTTb Partei-Nachrichten. Mit den Verbältnissen in den Par⸗ teidruckereien beschäftigte sich kürzlich eine in Berlin stattgefundene Konferenz. Festgestellt wurde, daß bei der Parteipresse 1476 Personen als Druckereiperso⸗ nal und 329 Redakteure und Expediteure beschäftigt sind. In den meisten Parteidruckereien besteht der 8 Stundentag und werden Ferien gewährt. Die Konferenz bezeichnete er als nächste Aufgabe, zunächst überall den 8 Stundentag zur Einführung zu bringen. Prinz Arenberg und die Arenberge. Unter diesem Titel wird in den nächsten Tagen im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, eine Schrift erscheinen, in der nicht nur der Fall Arenberg ausführlich dargestellt ist, sondeen die auch das Milieu schildert, in dem dieser ungeheuerliche Fall möglich ge⸗ worden ist. Der Verfasser verfolgt die Laufbahn des Prinzen von der Kaserne, durch den Kolonialdienst, auf die Anklagebank und von hier zur Freiheit. Dement⸗ sprechend gliedert sich die Schrift in drei Teile, deren erster sich unter Zugrundelegung zahlreicher zum Teil wenig beachteter Tatsachen mit aristokratisch⸗militärischen Verhältnissen beschäftigt, deren zweiter den Wert unsrer Kolonialpolitik und das Treiben in den Kolonien be⸗ leuchtet, deren dritter endlich unsere Rechtszustände, die vornehme Irre morden läßt und proletarische Irre im Zuchthause zu Tode quält, sozialkritisch zu erklären versucht. Die Schrift ist eine Anklageschrift gegen Mili⸗ tarismus, Kolonialpolitik und Klassenjustiz. Der Einzel⸗ preis beträgt 20 Pf.; für die Agitation ist eine billig Ausgabe hergestellt. 5 Parteitag für Hessen⸗Nassau. Auf Sonntag, den 10. April vorm. 10 Uhr ruft der Frankfurter Vertrauensmann einen Parteitag für die nassauischen Wahlkreise und die beiden bayerischen Aschaffenburg und Lohr nach Frankfurt ein. Der Parteitag findet im dortigen Gewerkschaftshause statt und seine vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Organisation in Hessen⸗Nassau. 2. Unsere Auf⸗ gaben in den Gemeindevertretungen. 3. Unsere Presse. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver sammlungen! Samstag, den 2. April. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Stichwahl zum Ver⸗ bandstage.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Freie Turnerschaft. Am 2. Oster⸗ feiertag morgens ½9 Uhr Zusammenkunft bei Mißler; Abmarsch zur Vorturnerstunde nach Heuchelheim präzis 9 Uhr.— Nächste Turnstunde: Dienstag, 12. April. Briefkasten. h.-⸗Wetzlar. Na, was ist denn da weiter? Wir sind da eben einmal hereingefallen! Und wenn es auch jetzt mißglückte, früher oder später wird dem Zimmer⸗ mann doch das Loch gezeigt, mögen die Antisemiten jetzt vor Vergnügen Purzelbäume schlagen. So schlau wie Ihr, daß wir„den Fall so kommen sahen“ waren wir allerdings nicht, wir erwarteten vielmehr bestimmt, daß unsere sächsischen Genossen den Rückständigsten der sächsischen Rückschrittler aus dem Felde schlagen würden. m Uuserer heutigen Auflage liegt ein Pro⸗ spekt der Kuraustalt Neuallschwil(Schweiz) bei. Glas-, Porzellan- und Steingutwaren empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen Lang& Wiederstein Marktstraße 4 Gießen Telephon 394. Nehtung! Meiner werten Kundschaft zur o Ronfirmandenstiefel 1 Nachricht, daß sich mein Salon zum Harschneiden, Rasieren und Frisieren Lütrengasse 13 befindet und bitte um recht zahl⸗ leichen Besuch, saubere und nur gute Bedienung zusichernd. Achtungsvoll! max Koscher, uu! Jür Mädchen in Wichsleder, Kalbleder, Box⸗Calf und Chevreaux von li. Damen⸗Stiefel in Box⸗Calf, Chevreaux in Knopf u. Schnür L. Süß, Gießen, Jür Knaben in Wichsleder, Kalbleder und Box⸗Calf von Mit. 4.— an. 5 an. von Mark 8.— an. Marktstr. 9 Wettergasse —— * 8—— —. — — . 2 Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 14. 1 bAUnterhaltungs-Ceil. 7 4 7 aan— 8 3 Osterabend im Vorse. Von Sigmund Schwartz. Es war Osterabend. Weit und breit waren nichts als Felder und Wiesen zu schauen. Ein Same rieselte seit Stunden vom grauen Himmel hernieder und verwandelte den Weg, auf dem ein junger Mann fürbaß schritt, in einen grundlosen Sumpf. Der Wanderer war in dünner Kleidung und trug ein kleines Ränz⸗ chen auf dem Rücken, einen sogenannten Berliner. Er war offenbar ein Handwerksbursche. Der deutsche Handwerksbursche kommt bekanntlich überall hin, und der berühmte Reisende von Schlagintweith ist sogar auf dem Himalaya⸗ gebirge einem solchen begegnet. Unser Handwerksbursche hatte sich offenbar 1 und den Weg zur nächsten Stadt ver⸗ oren. N „Verdammt!“ murmelte er, sich die Hände reibend,„gibt es denn hier gar keine mensch⸗ lichen Niederlassungen? Wiederum schritt er vorwärts, und endlich sah er die Spitze eines Kirchturms aus einem seitwärts liegenden Talgrund emporragen. „Endlich!“ sagte der Wanderer, und seine bleichen Wagen röteten sich etwas, als er aus⸗ holte, um das langersehnte Dorf zu erreichen. Bald schritt der Wanderer wohlgemut in die Dorfstraße hinein. An solchem festlichen Abend konnte es ja nicht schwer sein, bei mild⸗ tätigen und reichen Bauern, und solche schienen in dem stattlichen Dorfe zu wohnen, ein Unter⸗ kommen zu finden bis zum andern Tag. Denn unser Held war, wie wir im Vertrauen mit⸗ teilen wollen, ganz von Mitteln entblößt. Heute sollte er aber erfahren, daß die reichsten Bauern nicht immer die mildtätigsten sind. Er kam an einem Brunnen vorüber, wo einige plaudernde Mägde seinen Gruß scheu erwiderten und ihm neugierig nachsahen; dann blieb er vor einem Bauernhof stehen. Sollte er es hier wagen und um einen Imbiß und ein Nachtlager, wenn auch nur auf dem Heu⸗ boden, bitten? Er wagte es und trat schüchtern ein. Eine alte Frau mit roten Wangen und weißem Haar saß an einem Tisch und schälte Kartoffeln. Ste hieß den Fremden auf der Ofenbank Platz nehmen, sich zu wärmen. „Ihr kommt weit her?“ sagte ste. „Ja,“ meinte er,„zehn Stunden ohne Aufenthalt unterwegs.“ „Und hungrig und durstig seid Ihr auch?“ „Allerdings,“ meinte er schüchtern,„seit gestern Abend——“ In diesem Augenblick ging die Tür der anstoßenden Stube auf und ein Mann trat ein mit derben Zügen, rotem Gesicht und einer herrischen Haltung. „Aha,“ segte er,„ein Landstreicher! Was will Er hier? Betteln natürlich. Da wird nichts draus. Scher' Er sich zum Teufel!“ „Aber Sohn,“ sagte begütigend die Alte. „Still,“ herrschte der Bauer.„Ihr wißt, wie sehr mir Eure Vorliebe für die Art Leute zuwider ist. Die locken uns nur noch mehr ihresgleichen ins Dorf und werden zur Land⸗ Pag, Hinaus, sag' ich Ihm!“ die Greisin beugte ihr Haupt über ihre Arbeit; der Fremde aber verließ das ungastliche Haus mit einem Seufzer. Als er auf die Straße kam, ging eben der Büttel vorüber; 18 cri 5 5 i das Fenster auf un„Heda rigkeit, es gibt 1 Ein dae 5. er Büttel vertrat dem Fremden den Weg. „Papiere!“ herrschte er den Handwerks. burschen an. Derselbe reichte ihm sein Wanderbuch. Es war in Ordnung. „Hm!“ brummte der Büttel.„Gottlieb Heim, Schneider aus Nordhausen. Hat er gebettelt?“ 1 „Ich wollte zur Stadt, wo ich Unterstützung erhalte. Aber ich habe mich verirrt.“ „Keine Mittel?“ „Nein, aber morgen sicher!“ „Aha!“ sagte schlau der Büttel.„Was morgen. Man will betteln!“ Er schaute den Fremden scharf an.„Umschau ist verboten. Marsch mit!“ 5 „Wohin?“ fragte der arme Schneider entsetzt. „Wird man schon sehen,“ antwortete der Büttel,„vorwärts marsch!“ Er schlug an seinen rostigen Säbel. Der Gefangene mußte vorausmarschieren, und während einige Kinder hinterherliefen, erreichte man das Rathaus, wo alsbald der Fremde in den Gewahrsam des Dorfes gebracht wurde. Dort lag er auf harter Pritsche und stellte trübselige Be⸗ trachtungen an über einen solchen Osterabend. So hatte er noch keinen erlebt. Der Ortsschulze des Dorfes war ein gar gestrenger Herr und hatte es ganz besonders auf die sogenannten Vagabunden abgesehen. Er warf die beschäftigungslosen Arbeiter mit wirklichen Strolchen in einen Topf. Der Herr Ortsschulze fühlte sich überhaupt gewaltig in seiner Würde und regierte mit vieler Schärfe, die nur zuweilen durch die Fürbitten und das Eingreifen seiner zwei Töchter gemildert wurde. Die Mädchen des reichen Hofbesitzers waren ihrer verstorbenen Mutter ähnlich mild und gutherzig, und heilten im Stillen manche Wunde wieder, welche die Härte ihres Vaters geschlagen. Der Büttel kam und berichtete pflicht⸗ schuldigst dem Ortsschulzen über seinen Fang. Im Großvaterstuhl, eine lange Pfeife schmau⸗ chend, hörte der Ortsgewaltige den Rapport an. „Wenn der Gendarm durchkommt, soll er den Vaganten nach der Stadt mitnehmen,“ befahl der Gestrenge. „Zu Befehl,“ antwortete der Büttel und ging ab. „Aber, Vater,“ sagte Rosa die älteste Tochter, „könntest du den armen jungen Menschen heute nicht herauslassen? Es ist ja Ostern.“ „Um so wentger hat er zu betteln.“ „Aber zu Ostern gibt man den Bedürftigen gerne etwas,“ meinte Marie, des Schnlzen Liebling. „Schweig,“ rief er und stieß sie rauh zurück, als sie ihm die Wange streichen wollte.„Was versteht das Weibervolk dann? Er soll uns keine Landplage auf den Hals ziehen.“ Die Mädchen schwiegen, denn mit dem Alten ließ sich heute offenbar nicht spaßen. Aber heimlich berieten sie, wie sie dem Ge— fangenen eine Erquickung und Stärkung zu⸗ stellen könnten, denn der Büttel hatte ihnen wider seinen Willen eine ergreifende Schilderung von den Anstrengungen solcher Wanderer gemacht, und dann hatte er bemerkt, es sei eigentlich ein ganz netter junger Mann. Inzwischen wartete der Schulze ungeduldig auf den Boten aus der Stadt. Dieser sollte ihm einen ganz neuen Anzug bringen, einen blauen Rock mit silbernen Knöpfen, dazu eine rote Weste und eine gemslederne Hose; ferner hohe blanke Stiefeln. In dieser Gewandung wollte sich der Schulze am ersten Osterfeiertag der Gemeinde in der Kirche zeigen, und das ganze Dorf war gespannt auf das Schauspiel. Der Bote kam und brachte den Anzug Als der Gestrenge zur Probe in den prächtigen blauen Rock mit den silbernen Knöpfen hineinfuhr, platzte die Gewandung auf dem breiten Rücken des Schulzen jäh auseinander und nicht nur der Naht nach. Die Wut des Schulzen war groß, denn wenn er mit dem neuen Gewand nicht morgen in der Kirche erschien, durfte er sicher sein, all⸗ gemein verspottet zu werden; man hatte schon zu viel Aufhebens davon gemacht. Man schickte nach dem Dorfschneider. Allein dieser hatte sich schon ein Räuschlein angetrunken und schnarchte, als sollten ihn die Posaunen des jüngsten Ge⸗ richts nicht aus dem Schlafe wecken. Der Schulze tobte und wetterte. Rosa aber sprach:„Ich weiß einen Rat. Der fremde Schneider...“ „Der Vagant, der Bettler!“ tobte der Schulze.„Den kann ich nicht brauchen.“ „Dann kannst du eben auch deinen Rock 1 0 nicht anziehen,“ sagte das Mädchen ruhig. „Das Weibervolk hält's mit jedem Land⸗ streicher,“ schrie grimmig der Schulze. Der geplatzte Rock machte ihn aber doch gefügig, so daß er den Schneider holen ließ. „Gottlieb Heim war erstaunt, als er so bald wieder in Freiheit gesetzt wurde. Als ihn der Büttel zum Schulzen gewiesen, betrat er aber doch mit etwas bangen Gefühlen den Hof. Er hatte die Bauern heute kennen gelernt. Auf der Treppe huschte Rosa an ihm vorbei und flüsterte:„Verlangt als Lohn, daß er Euch frei läßt!“ Heim war angenehm berührt; er fand also hier wenigstens Mitgefühl vor. Er faßte Mut und ließ sich durch die barsche Behandlung des 1 0 nicht erschrecken. Als er den Rock besichtigt hatte, sagte er:„Ich will ihn Euch 0 8 machen, aber nur unter einer Be⸗ ingung!“ „Wa—a—a- as? Bedingung?“ tobte der Schulze. „Ja,“ meinte Heim kalt.„Ihr gebt mir ein anständig Nachtquartier und laßt mich morgen ruhig meiner Wege ziehen. Sonst rühre ich den Rock nicht an.“ Alles Wüten des Schulzen war umsonst. Heim sagte:„Ihr könnt mich einsperren, aber mich nicht zwingen, den Rock zu machen.“ So gab der Schulze endlich nach und die Mädchen ergriffen die Gelegenheit, den Fremden die ausgestandenen Strapazen vergessen zu machen. Sie rückten ihm einen Tisch an den warmen Ofen, wo er bald emsig wit Nadel und Schere hantierte; sie setzten ihm einen vortreff⸗ lichen Imbiß vor und plauderten freundlich mit ihm, wobei Gottlieb Heim der Rosa gar freundlich in die blauen Augen schaute. Auch der Schulze fand bald, daß der Fremde„gar kein übler Kerl“ sei. Heim wußte zu erzählen von den bereits durchwanderten fremden Ländern und würzte die Darstellung mit manchem treff⸗ lichen Seitenhieb auf die sozialen Zustände, was den Schulzen oftmals zu einem stummen Kopf⸗ nicken veranlaßte. Er mußte sich sagen, daß die sogenannten„Vagabunden“ oft gescheitere Menschen seien als die Bauern, die nichts ge⸗ lernt und nichts vergessen hatten. Der Rock wurde fertig; die Naht war zu⸗ genäht und der Riß so sauber gestopft, daß der Fehler kaum zu sehen war. Vor Freude drückte der Schulze unserm Schneider einen harten Taler in die Hand und räumte ihm ein gutes Bett ein, worin der Künstler von der Nadel bald den Schlaf des Gerechten schlief. So hatte der Schneider Gottlieb Heim auch seinen fröhlichen Osterabend, und während am anderen Morgen der Schulze in dem blauen Rock gravitätisch zur Kirche schritt, befand sich der Schneider auf dem Wege zur Stadt, nachdem ihn die Schwestern noch reichlich mit Proviant versehen. Der Schulze war von da ab milde gegen die Handwerksburscheu. Gottlieb Heim aber hatte in der Stadt gute und lohnende Arbeit gefunden und wird nächstens einmal das Dorf besuchen. Wenn Rosa noch zu haben ist, wer weiß, was dann geschieht! Prügel als Erziehungsmittel. Ueber dieses Thema schreibt Genossin The⸗ rese Schlesinger⸗Eckstein in der„Schwä⸗ bischen Tagwacht“: Die körperliche Züchtigung, ohne die man heute schon mit den schwersten und widerspenstigsten Verbrechern auszukommen versteht, gilt in weiten Kreisen noch immer für ein unentbehrliches pädagogisches Mittel. Diesen Irrtum halte ich für einen der schädlichsten. Er bringt zahlreiche Eltern, die sonst nicht böse, aber gedankenlos sind, da⸗ hin, zu glauben, daß dem Kinde gegenüber 1 alles erlaubt sei, unter der Voraussetzung, aß man nach Kräften für seine Ernährung und 9 sorgt. Unter Erziehung ver⸗ stehen solche Leute lediglich Bestrafung. Die . — I fr. 14. aun ft been f call: 10 um Die klickt! salen bor ur bol rungen, De neise fabs sle un unge inder fi sch die N kunzudring innen. 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Dabei sind aber jene, die wirklich nur von einem falschen Pflichtgefühl durch⸗ drungen ihre Kinder schlagen, die selteneren. Die meisten Eltern schlagen ihre Kinder, weil sie selbst schlechter Laune, durch Mühe und Sor⸗ gen ungeduldig sind. Auch weil sie und die Kinder sich gar nicht recht verstehen und sie sich die Mühe in das Seelenleben der Kleinen einzudringen, weder geben wollen noch geben können. Manchmal entspringt aber auch die Roheit gegen die Kinder dem Bedürfnis der Eltern, die selber unterdrückt, geplagt und ge⸗ peinigt sind, andere zu unterdrücken und zu peinigen. Diesem Drang würden nur ganz schlechte Menschen, also nur sehr wenige nach⸗ geben, wenn sie sich über ihn und seine Ab⸗ scheulichkeit klar würden. Aber das Vorur⸗ teil, daß Kinder zu schlagen ein erzieheri⸗ sches Werk sei, verhüllt ihre rohen Triebe vor dem eigenen Gewissen und bewirkt so, daß sie diesen Trieben nachgeben. Viele Eltern sind ehrlich genug, nicht zu behaupten, daß sie das Wohl ihrer Kinder im Auge haben, wenn sie diese prügeln, sondern sie führen zu ihrer Rechtfertigung nur an, daß die Kinder sie zu ärgern pflegen. Mögen solche Eltern sich aber doch einmal selber fragen, ob nicht Erwachsene, Vorgesetzte sowohl als Gleich- gestellte, sie auch oft ärgern, ohne daß ihnen auch nur einfiele, dafür zu einem Schlag aus⸗ zuholen. Erwachsene schlägt man eben nicht, weil die sonst zurückschlagen oder die Sache sonst üble Folgen haben kann, wogegen die Roheiten an wehrlosen Kindern straf⸗ los bleiben. Jast alle Eltern wollen ihren Kindern als — vorzügliche Menschen erscheinen und die meisten geben sich der Täuschung hin, daß sie ihnen auch wirklich unter allen Umständen so erschei⸗ nen, mögen sie wie immer reden oder handeln. In Wahrheit aber beobachten die meisten Kin⸗ der sehr scharf und denken sehr logisch. Es fällt ihnen gar nicht ein, den Vater, der wegen einer kindischen Verfehlung, ohne viel wie und warum zu fragen, auf sie losschlägt, für den Inbegriff der Gerechtigkeit und Güte zu halten. Sie halten ihn vielmehr für eine feindliche Ge⸗ walt, vor der man sich schützen muß, so gut es dem Schwachen gelingen mag: durch List und Verstellung, durch Täuschung und Lüge, ganz wie es die Schwachen unter den Er⸗ wachsenen den Gewalthabern gegenüber tun und zu tun vollauf berechtigt sind. Alle Eltern möchten von ihren Kindern ge⸗ liebt werden, aber die wenigsten wissen, wie groß die Gefahr ist, sich die Liebe und das Vertrauen des Kindes zu verscherzen. Unge⸗ rechtigkeit und Härte erwecken immer und unter allen Umständen Widerwillen und Mißtrauen, auch bei dem Kinde. Freilich haften die Ein⸗ drücke im Bewußtsein des Kindes nicht sehr fest. Bald ist der peinliche Vorfall wieder halb vergessen und ein bischen Güte und Humor bon Seiten der Eltern stellt das alte Verhältnis scheinbar wieder her. Scheinbar, denn in Wirk⸗ lichkeit ist immer ein Stückchen Liebe vernichtet 1 worden und noch mehr ein Teil Vertrauen verloren gegangen. a Nun erwächst aber ein großer Teil der Fehler, die Kinder zu begehen pflegen, wie auptsächlich das Lügen und die Unfolgsamkeit, aus einem Mangel an Vertrauen zu den El⸗ lern. Leicht ist es allerdings nicht, das Ver⸗ lauen eines Kindes in dem Maße zu gewinnen, us es kein Geheimnis vor dem Erzieher hat, und daß es nicht nur bei ihm Teilnahme sucht für alle Unbill, die ihm von dritten widerfährt, bondern daß es sogar jeden leisesten Zweifel an der Gerechtigkeit oder Einsicht des Erziehen⸗ den diesen gegenüber zu äußern wagt. Und bas wäre unbedingt anzustreben. Ein Kind, dem in zahlreichen Fällen die Gründe, warum es auch unangenehme Pflichten erfüllen oder auf die Gewährung eines Wunsches verzichten muß, in einer liebevollen und ihm begreiflichen Weise erklärt worden sind, von dem kann man nicht nur mit Recht, sondern auch mit Erfolg verlangen, daß es in jenen Fällen, die sich seinem Verständnis entziehen, ohne weiteres gehorcht, aus Vertrauen zu dem, der ihm den Befehl erteilt, ja sogar, um diesem einen Be⸗ weis seines Vertrauens zu geben. Es handett sich nicht darum, begangene Fehler zu bestrafen, sondern das Kind nicht schuldig werden zu lassen, ihm die Fehler zu ersparen. Wurde aber ein Fehler begangen, dann werden bei dem Kind, das noch nicht durch rohe Behandlung verdorben worden ist, eine strenge Miene und ein ernstes Wort ge⸗ nügen und umsomehr genügen, je mehr das Kind sonst an Liebe und Freundlichkeit gewöhnt ist. Viel schwerer ist es natürlich, solche Kinder zu behandeln, denen von Anfang an ungleich⸗ mäßig, ungeduldig, unfreundlich oder gar hart begegnet wurde und die dadurch zugleich miß⸗ trauisch und stumpf gemacht worden sind. Aber auch die können durch Härte nicht gebessert werden. Man sehe einmal das Gesicht eines Men⸗ schen an, der ein Kind schlägt, und entscheide dann, ob aus diesen Zügen pflichtbewußte, sich selbst überwindende Liebe, oder ob nicht viel⸗ mehr üble Laune, unbesonnener Jähzorn, wenn nicht gar rohe Grausamkeit daraus spricht. Der große russische Dichter Dostojewskt, der in„Die Brüder Karamassow“, die Leiden von Kindern, die durch„gebildete“ Eltern miß⸗ handelt werden, in herzzerreißender Weise ge⸗ schildert hat, zeigte uns einen Vater, der voll pädagogischer Würde zur Rute greift, da aber das geängstigte Kind sich instinktiv windet und zur Wehre setzt, in immer heftigere Erregung kommt, bis er wie sinnlos auf das arme, zarte, zuckende und zappelnde Körperchen losschlägt. Und das dürfte öfter vorkommen. Manche Prügelaktion wird noch mit einiger Besonnen⸗ heit begonnen, aber der rohe Akt wirkt schon, während er vor sich geht, so verwildernd auf den Täter ein, daß er nicht Maß zu halten weiß. Nicht einmal das Maß, das er für rich⸗ tig hält, denn ein wirklich richtiges Maß giebt es da nicht, das besteht eben im— Nicht⸗ schlagen. Das Kind ist ja nicht nur körperlich, son⸗ dern auch geistig schwach, hilflos und nur allzu eindrucksfähig. Es ist gar nicht so schwer, es zu leiten. Wer erinnert sich nicht aus seiner Kindheit, daß er Ehren, wie zum Beispiel die Schultafel abzuwischen oder von den andern Schülern der Klasse die Aufgabenhefte ein⸗ sammeln zu dürfen, gar heiß ersehnt hat. Ich kannte ein kleines Mädchen, das es als schwere Strafe empfand, wenn es an einem Abend dem heimgekehrten Vater nicht die Pantoffel bringen durfte. Einem vierjährigen Knaben wurden, wenn er unartig gewesen, mit großer Feier⸗ lichkeit die erst kürzlich erlangten Höschen aus⸗ gezogen und wieder„Mädelkleider“ angelegt. Weniger Strenge und mehr Humor den Kindern gegenüber, das wäre überhaupt den meisten Leuten zu empfehlen. Wenn es aber jedem Menschen als Unver⸗ nunft und Härte angerechnet werden muß, einem schwachen Kinde Qualen zu bereiten, so sollte der Arbeiter und ganz besonders der so⸗ zialdemokratische Arbeiter der letzte sein, der sein Kind so unzweckmäßig behandelt. Durch Angst und Schrecken, welche die Prügelmethode erzeugt, wird der Mut und die Charakterstärke der Kinder sehr gefährdet und zu oft gebrochen. Der Arbeiter aber will und soll sein Kind zu einem starken und unbeug⸗ samen, zu einem mutigen und stolzen Menschen erziehen! Mögen Leute, die ihre Kinder für Nemter und Ehren in der bürgerlichen Welt großziehen, sie auch beizeiten lehren, ihre Ge⸗ danken zu verbergen, ihren Willen zu beugen, um Gunst zu buhlen, ja die Hand zu küssen, die sie schlägt. Sozialdemokratische Eltern aber sollten unablässig darauf bedacht sein, alles zu tun, was den Stolz und den Mut, das Selbst⸗ gefühl und die Geisteskraft ihrer Kinder för⸗ dern kann und alles zu vermeiden, was geeignet wäre, diese Kinder zu schüchtern, ängstlich und verschlossen zu machen. e Splitter. Das Erste und Letzte, was vom Genie ge⸗ fordert wird, ist Wahrheitsliebe. Goethe. * * * Keinem fehlen die Augen, ihn auf den rechten Weg zu leiten, als dem, der ste zu⸗ drückt und sie nicht gebrauchen will. 4 Shakespeare. * Nichts bricht Herz, Mut und Kraft ge⸗ schwinder als die Lüge; die Lüge ist das teuflischste, weil das feigste Laster. E. M. Arndt, Humoristisches Enfant terrible. Hausherr(zum Besuch): „Unsere Köchin ist wirklich ein sparsames Mädchen! Drei Monate hat sie jetzt schon ihren Lohn bei uns stehen lassen!“— Der kleine Max:„Papa, heute hat sie aber gesagt, länger könnt sie nicht mehr warten!“ Ein Dichter. Gerichts vorsitzender(u einem Zeugen in Arbeiterkleidung):„Was sind Sie?“ Zeuge:„Dichter!“ Vors.:„Wa-a-a-s? Was dichten Sie denn?“ Zeuge:„Die Rohre in der Gasanstalt.“ ——— 2 Geschichtskalender. 3. April. 1849: Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserkrone ab. 4. 1900: Oertel⸗Nürnberg, soz. Reichstagsabg., T. 1848: Chartistenkongreß in London. 5. 1902: 28 russ. Studenten aus Berlin ausge⸗ wiesen. 1901: Sozialistische Wahlsiege in Dänemark. 1794: Danton guillotintert. 6. 1903: Holländischer Generalstreik. 1897: Prozeß gegen den Anarchisten Koschemann in Berlin. 1528: Albrecht Dürer, ber. Maler,“. 7. 1875: Georg Herwegh, Dichter, f.(H. war auch lebhaft an der revolutionären Bewegung 1848 beteiligt), 3. 1902: Wahlrechtsunruhen in Belgien. 1835: Wilh. v. Humboldt, Staatsmann und Gelehrter,. 9. 1903: Streikgesetz in Holland angenommen. 1865: Ende des amerik. Bürgerkrieges. ... Marktberichte. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 29. März: Butter per Pfd. Mk. 0,95— 1,05, Hühnereier 1 St. 6— 7 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00— 7,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 9—12 Pfg. Fleischpreise in Gießen am 30. März: Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 68— 78 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 62 bis 68 Pfg., Schweinefleisch 60 bis 72 Pfg., Schweine⸗ fleisch, gesalzen, 76 Pfg., Kalbfleisch 62— 74 Pfg., Hammelfleisch 50—74 Pfg. pr. Pfund. Getreide und Futtermittel. In Frankfurt notierten am 28. März pr. Doppelzentner: Weizen (Wetterauer) Mk. 17.75— 17.90, russischer Mk. 17.50 bis 19.00, Donauweizen Mk. 17.25 18.75, Roggen, hiesiger Mk. 13.75— 14.00, russischer Mark 14.30 bis 14.60, Gerste, hiesige Mk. 14.65 15.00, Pfälzer, Mk. 14.651500. fränkische Mk. 14.75— 00.00, Riedgerste Mk. 14.75— 15.00, Hafer, hiesiger Mk. 13.25 bis 14.75, russischer Mk. 13.25— 14.75 Futterartikel pr. Zentner: Weizenschalen Mk. 4.45 bis 4.50, Weizenkleie 4.45—4.50, Roggenkleie Mk. 4.95 bis 5.10, Futtermehl Mk. 6.50— 7.25. Biertreber, getrocknet Mk. 5.40— 5.50. Viehpreise in Frankfurt(Amtl. Notierungen): pro 100 Pfd. Schlachtgewicht Och sen: a. vollfl. ausgem. höchsten Schlachtw. Mk. 70— 73, b. junge fleischige, nicht ausgem. ältere ausgem. 65— 67, c. mäßig gen. junge,. gut genährte ältere 60—63. Bullen: a. vollfl. höchst, Schlachtw. 6163, b. mäßig gen. 5859. Kühe und Färsen: a. vollfl. ausgem. Färsen höchsten Schlachtw. 60 62, b. vollfl. ausgem. Kühe höchsten Schlachtw. 57—59, c. ältere ausgem. Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 44—46, d. mäßig gen. Kühe und Färsen 41— 43. Bezahlt wurde für 1 Pfund Kälber: a. feinste Mast⸗ und beste Saugkälber(Hannover) Pfg. 84—86, b. mittlere Mast⸗ und gute Saugkälber 76—82,. geringe Saugkälber 62—65, d. ältere gering gen. Kälber(Fresser) 00.00. Schweine: a. vollfl. der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis zu 1¼ Jahren 52—00, b. fleischige 51-00, c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 42— 44. Ferner wurde für 1 Pfund Lebensgewicht bezahlt: Kälber a. 50— 52 Pfg., b. 46—49 Pfg. Schweine a. 41— 00, b. 40 Pfg. Seite 8. Brautkräuze und Brautschleier, Taschentücher ꝛc. aufmerksam. Bahnhofstr. 1 Giessen FFC Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitun. g .. ² Q——— Abteilung für Putz der Frühjahr- und Sommer-Saison Unsere stetig an Umfang zunehmende Putzabteilung bietet auch in dieser Saison die unstreitig vollkommenste Auswahl in eleg. garnierten Damen- u. Mädchen-Hüten, sowie allerneuesten Façons m. 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