T n 3. *. N 8. Gießen, den 29 März 1903. 10 Arg. Redaktion: 2 0 Medaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr . 5 * Jeitun Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellung n nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33/0 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 1 Juserate Die ögespalt. Bei mindestens Parteigenossen allerorts! Nur noch wenige Wochen trennen uns von der Reichstagswahl. Neueren Mittei⸗ lungen zufolge soll der Wahltermin— wie vor fünf Jahren— auf den 16. Juni gelegt werden. Für diesen, von der halbamtlichen „Nordd. Allg. Ztg.“ angegebenen Zeitpunkt spricht alle Wahrscheinlichkeit. Es bleiben uns daher kaum noch 2½ Monate zu den Wahlvorbe⸗ reitungen übrig, wir müssen diese gründlich ausnutzen, wir dürfen keinen Tag verlieren! Parteigenossen! Ihr alle kennt die Bedeutung der Reichstagswahlen und wißt, was dabei für die werktätige Bevölkerung auf dem Spiele steht. Leider verfügt unsere Partei in den Wahlkreisen unseres Verbreitungsgebietes (Gießen, Friedberg, Alsfeld, Wetzlar, Dillen⸗ burg, Limburg, Marburg ꝛc.) nicht über die genügende Anzahl agitatorischer Kräfte, um in allen Orten Versammlungen abhalten und die Wähler über die politischen und wirtschaftlichen Fragen aufklären zu können. Darum muß die private Agitation der einzelnen Par⸗ teifreunde eingreifen und nachhelfen! Hier muß jeder seine Pflicht im vollsten Maaße erfüllen! Jeder muß seine Freunde, Verwandten, Kollegen, Mitarbeiter mit den sozialdemokratischen Grundsätzen und Forde⸗ rungen bekannt machen, auf die Jämmerlichkeit und Ungerechtigkeit der heutigen Zustände hin⸗ weisen, für Beteiligung an der Wahl und Ab⸗ gabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels anzufeuern suchen. Unsere Gegner aller Schattierungen werden nicht verfehlen, die Sozialdemokratie und ihre Bestrebungen mit allen Mitteln zu verdächtigen. Wie schon früher in unserm Blatte erwähnt, beabsichtigt der Zentralverband deutscher In⸗ dustrieeller, jene großkapitalistische Scharfmacher⸗ truppe, ein Flugblatt in der Riesenmasse von 8 Millionen Exemplaren zu diesem Zwecke zu verbreiten. Die anderen bürgerlichen Parteien werden mit ähnlichen Machwerken nicht zurückbleiben, sie alle stehen uns in gleichem Maaße feindlich gegenüber! Ferner dürfen unsere Freunde nicht vergessen, für die nötigen Geldmittel zum Wahlkampfe zu sorgen. Trotzdem viele Wahlarbeit von den Genossen umsonst geleistet wird, verschlingt jede Wahl bedeutende Summen. Um nur den Druck eines Flugblattes zu bezahlen, sind eine Menge kleiner Beiträge nötig! Was unsere Gegner öfter über den Reichtum unserer Partei⸗ kasse schreiben, ist bedauerlicherweise nicht richtig, wie aus den Jahresabrechnungen des Parteivorstandes hervorgeht. Darum trage jeder sein Scherflein bei, besonders derjenige, der aus irgend welchem Grunde der Partei⸗ organisation nicht angehören kann. In erster Linie aber lasse sich jeder Genosse die Verbreitung der Parteipresse angelegen sein. Durch sie wird nicht nur der Wahlkampf am wirksamsten und nachdrücklichsten unterstützt, sondern sie sorgt auch für die so dringend nötige Aufklärung in allen Fragen des politischen und wirtschaftlichen Lebens. Ohne Furcht zieht die sozialdemokratische Presse die Mißstände in der Gesellschaft, der Recht⸗ sprechung, der Armee ꝛc. an das Licht, was die„gutgesinnten“ Zeitungen niemals wagen! Das werktätige Volk, die minderbemittelte und besitzlose Klasse findet ihre Interessen nur in den sozialdemokratischen Zeitungen vertreten.— Die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung wird wie bisher so auch fernerhin mit Ent⸗ schiedenheit die Interessen des arbeitenden Volkes, der Minderbemittelten und Besitzlosen, Ausge⸗ beuteten und Unterdrückten wahrnehmen und jederzeit für Freiheit und Gerechtigkeit eintreten. Pflicht aller Arbeiter ist es daher, ihr Blatt nachdrücklich zu unterstützen und an seiner Weiterverbreitung mitzuarbeiten. Es sind noch Tausende zu gewinnen! Die einmal wöchentlich erscheinende „Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet nur 25 Pfennige den Monat. Durch die Post bezogen 75 Pfg. das Viertel⸗ jahr, unter Kreuzband 1 Mk. Was das herrliche Kriegs⸗ heer kostet. Daß die Kirche einen guten Magen hat, ist bekannt. Sie hat Länder und Völker auf⸗ 18 a und doch ist ihr Hunger, ihre Gier is heute noch nicht gestillt. Aber ste ist nicht die einzige, deren Unersättlichkeit den Völkern um Fluche und zum Verderben wird. Das eitalter des Kapitalismus hat einen Moloch gezeugt, der durch seine unstillbare Freßgier anfängt, der Schrecken der Welt zu werden. Dieser Moloch heißt Militarismus. Was er vertilgen kann, davon mögen nachstehend einige Zahlen Zeugnis ablegen. Während 1869 die Präsenzstärke des Herres 192000 Mann betrug, ist sie jetzt mit Einschluß der Offiziere, Einjährigen ꝛc. auf rund 615000 Mann ge⸗ bracht worden. Die laufenden Ausgaben, das sind die jährlich wiederkehrenden, betrugen 1872 für das Heer 250 Millionen Mark, ste sind im Laufe der seitdem verstrichenen drei Jahrzehnte auf 576 Milltonen gestiegen. Die Marine beanspruchte 1872 einen Jahresaufwand an laufenden Ausgaben von 12 Millionen Mark; jetzt sind es bereits 94 Millionen. Die Militär⸗ penstonen betrugen 1872 jährlich 47 Millionen Mark, jetzt sind es 120 Millionen. Die Summen der laufenden Ausgaben für Heer und Marine haben sich somit von 1872 bis jetzt von 309 auf 790 Millionen Mark erhöht; sie sind somit auf das zweieinhalbfache gestiegen. Die einmaligen Ausgaben für Heer und Marine beanspruchten im Jahre 1880 nur 61 Millionen Mark. In den folgenden Jahren waren es 65, 39, 45, 49 und 68 Millionen Mark; bis auch hier das Jahr 1887 mit seinen Schwindelwahlen eine entscheidende Aenderung brachte. Schon 1887 stiegen die einmaligen Ausgaben auf 182 Millionen; sie sind in einigen der folgenden Jahre wieder etwas gesunken, aber vorübergehend auch auf 350 Millionen(1890) angeschwollen und sind seit 1895 im beständigen Steigen begriffen. Dieses Jahr betragen sie 275 Millionen Mark. Ziehen wir die Summen der einmaligen und der laufenden Ausgaben für Heer und Marine zusammen und sehen wir dahei von den sieb⸗ ziger Jahren ab, da in denselben bekanntlich hohe einmalige Aufwendungen für Festungs⸗ bauten ꝛc. bewilligt sind, so ergiebt sich folgende Uebersicht: Die Gesamtausgaben für Heer und Marine g betrugen: 1880: 463 Millionen Mark, 1885: 472 5 15 1890: 716 9 5 1895: 729 5 5 1900: 931 4 1 1901: 982 7 1 1902: 1016 1 5 1903: 1065„ Jedes Jahr frißt also Moloch jetzt über eine Milliarde! Und wenn man die 90 Millionen Mark hinzuzählt, die jährlich für Verzinsung der Reichsschulden, die fast nur für Heer- und Marinezwecke aufgenommen wurden, geopfert werden müssen, wenn ferner alle in⸗ direkten Ausgaben für Heer und Marine mit in Betracht gezogen werden, dann gelangen wir zu der ungeheuerlichen Summe von rund 1200 Millionen Jahresausgabe für Heer und Marine. Noch nicht eingerechnet sind dann die beträchtlichen Millionen, die von den Familien der Soldaten an diese als Zuschuß espendet werden, und die auf mindestens 20 Maltonen zu veranschlagenden Aufwendungen für die 10000 Einjährig⸗Freiwilligen. Doch auf fünfzig Millionen mehr oder weniger kommt es bei dem riesigen Etat schon gar nicht mehr an. Jeder Deutsche, auch die Kinder bis zu den Säuglingen und die Greise und Witwen mit eingerechnet, muß jetzt im Durchschnitt jährlich rund 21 Mark für Heer und Marine aufbringen und dabei sollen im nächsten Jahre, wenn das Quinquennat von 1899, also die Festlegung des Heeresetat auf fünf Jahre be⸗ endet sein wird, weitere Truppen ver⸗ mehrungen vorgenommen werden. Außer⸗ dem hat bereits der Kriegsminister in der Budgetkommission die anmutige Eröffnung ge⸗ macht, daß für die artilleristische Neu⸗ bewaffnung 150 Millionen Mark erforderlich seien, wobei nur an die Belagerungs- und Küstenartillerie gedacht war, sowie an die für den Feldkrieg zur Verwendung kommenden Geschuͤtze der Festungsartillerie, so daß der bereits in Aussicht gestellte Umge staltung die 1 8 noch nicht in den 150 Millionen teckt. 2 2 2 2 2 — ——— . —— .——— 9. 5* 2— 5 8 — „ —— 1 4 e —— 9 . * — * ———— „ —— —— zerlegt sein können, 1. Oktober 1900 verboten. Seite 2. Mtteldentsche Sonntags⸗Zeituno. Nr. 13. Das sind sehr angenehme Aussichten. Bei sich allerdings noch sehr. Das Scharfmacher⸗ Duellraufereien politischer Persönlich⸗ den nächsten Wahlen werden alle Kandi⸗ organ, die„Post“, sowie die konser vativen keiten daten auf Herz und Nieren zu prüfen sein, wie sie sich zur weiteren Heeresvermehrung stellen, und es ist selbstverständlich, daß die Wähler sich nicht mit allgemeinen Phrasen abspeisen lassen, etwa mit den Worten:„Ich werde auf größte Sparsamkeit im Reichshaushalte dringen und nur das bewilligen, was zur Sicherung des Reiches unbedingt erforderlich ist.“ Der⸗ artige Phrasen verpflichten zu nichts; es ist aber unerläßlich, daß ae weitere Heeres⸗ und Flottenvermehrung abgelehnt wird. Die Wähler mögen auf der Hut sein! Von seiten der Regierung wird nicht daran gedacht, den Moloch bescheidener zu machen. Und von allen Parteien bietet einzig die Sozial⸗ demokratie die sichere Gewähr dafür, daß sie unter allen Umständen gegen die kultur⸗ feindliche Mästung des Militarismus ihre Stimme erhebt. Politische Aundschau. Gießen, den 26. März. Verteuerung des Fleisches. Von 1. April ab tritt der Rest des Fleisch⸗ beschaugesetzes in Kraft. Es handelt sich jetzt um die Untersuchung des 47rd Fleisches. Frisches Fleisch darf vom 1. April ab nur noch in ganzen Tierkörpern, die bei Rind(Kälber ausgenommen) und bei Schweinen in Hälften und zwar nur im Zu⸗ sammenhang mit den inneren Organen(Brust⸗ und Bauchfell, Lunge, Herz, Nieren, Euter) und Pökelfleisch, mit Ausnahme von Schinken, Speck, Därmen, nur in Stücken von mindestens 4 Kilogramm eingeführt werden.(Für Würste und Büchsenfleisch ist die Einfuhr schon seit Die Einfuhr frischen Fleisches wird noch durch das Verbot der Borsäure als Konservirungsmittel erschwert). — Für die tierärztliche Untersuchung sind natürlich Gebühren zu entrichten. Für ein Rind betragen diese z. B. 2,50 Mk., Schwein 0,75 Mk., Speck 0,02 Mk. für das Kilo ꝛc. Durch diese Bestimmungen wird sich selbstver⸗ ständlich die Fleischeinfuhr schwieriger und damit teurer gestalten. Wir haben daher vom 1. April ab mit weiteren Verteuerung des Fleisches zu rechnen. Es wird die Zeit kommen, wo das Fleisch für den Arbeiter nur noch ein Leckerbissen ist, den er sich bloß an den drei hohen Festtagen im Jahre gönnen kann. Sicherung des Wahlgeheimnisses. Dem Reichstage, der am Dienstag in die Osterferien gegangen ist, ist nun die Vorlage betr. die Abänderung des Wahlreglements zugegangen. Abgeändert werden§§ 9, 11 bis 13, 15 bis 21, 27 und 34 des Wahlreglements. Die wesentlichsten Abänderungen sind: Die Wahlhandlung beginnt um 10 Uhr Vormittags und dauert bis 7 Uhr Nachmittags, also eine Stunde länger als bisher. Die Stimmzettel müssen von weißem Papier und dürfen mit keinem Kennzeichen versehen sein. Sie sollen 9 zu 12 Ctm. groß und von mittel— starkem Schreibpapier sein und siud von dem Wähler in einem mit amtlichem Stempel ver⸗ sehenen Umschlage, der sonst kein Kennzeichen haben darf, abzugeben. Die Umschläge sollen 12 zu 15 Ctm. groß und aus undurchsichtigem Papier hergestellt sein. Sie sind in der er⸗ forderlichen Zahl bereitzuhalten. Ferner sollen Nebenräume im Wahllokal geschaffen oder Nebentische aufgestellt werden, wo der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet in das Couvert legen kanu. Die amtlich gestempelten Umschläge verabfolgt eine im Wahllokal aufzustellende Person an die einzelnen Wähler. Der Wahl- vorsteher hat Stimmzettel zurückzuweisen, welche die Wähler nicht in dem abgestempelten Umschlag abgeben wollen, ebenso die Stimmzettel solcher Wähler, welche sich in den Nebenraum oder an die Nebentische nicht begeben haben.— Ob die Vorlage, die ja immerhin einige Besserungen bringt, so glatt zur Annahme kommt, fragt Blätter eifern dagegen. Natürlich, dann können eben die Junker, die Fabrik und Bergwerks⸗ besitzer die Abstimmung„ihrer“ Arbeiter nicht mehr in dem Maße kontrollieren, als das bisher der Fall war, wo stellenweise die Ar⸗ beiter wie die Schaafheerden zur Wahlurne geführt wurden.— Ein Gesetz über Einführung von Diäten für die Rei end wird diesem Reichs⸗ tage, wie berichtet wird, nicht mehr zugehen. „Nationale“ Wahlredner gesucht. Den staatserhaltenden Parteien fehlen für die bevorstehende Wahlbewegung die Leute, welche die Sünden der Wucherzöllner zu ver⸗ teidigen geneigt wären. Darum suchen sie ihre Agitatoren auf dem Wege des Zeitungsinserats. Im Annoncenteil der„Kreuzzeitung“, des Junkerorgans, war zu lesen: „Herren, welche sich bercits als Redner in Wahlversammlungen für den Mittelstand, gegen Soztaldemokratie und Freisinn, betätigt haben und dies wieder tun wollen, werden um Nachricht gebeten,“ ꝛc. Man betrachtet also die Personen, welche 199 Ueberredungsgabe in den Dienst der nationalen Parteien stellen wollen, von vornherein als Geschäftsreisende, und dementsprechend werden ihre Anmeldungen eingefordert, als ob es sich um den Vertrieb einer neuen Art von Patent⸗Hosenträgern oder Schweizerpillen han⸗ delte. Man sieht, daß die antisozialistischen Parteien sich ganz richtig einschätzen. Eine Wahlrechnung. 8 Von den Wahlkreisen, welche die Sozial⸗ demokratie noch nicht im Besitz hat, zählt ein Parteiblatt 27 als aussichtsvoll auf. Das sind alle diejenigen, wo wir bei der letzten Haupt⸗ wahl über 40 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielten. Natürlich ist nicht daran zu denken, daß wir alle diese 27 Kreise gewinnen; es kann uns anderseits auch mancher jetzt in unserem Besitze befindliche Kreis wieder verloren gehen. Wir werden uns tüchtig anstrengen müssen, wenn wir 12—15 Mandate zu den bisherigen 58 gewinnen wollen. Hauptsache ist übrigens, wenn wir eine gewaltige Stimmen⸗ zunahme zu verzeichnen haben! Zum sächsischen Hofsftandal. Ueber die„Eheirrung“ in Sachsen war es in der Presse schon so ziemlich ruhig geworden, als ein Erlaß des Königs von Sachsen„an mein Volk“ die Affaire wieder in die öffentliche Diskusston rückte. In diesem Erlasse giebt der König der Hoffnung Ausdruck, daß wieder Ruhe im Volke einkehren und es ihm(dem König) vertrauen möge. Den Vorkommnissen am Hofe liege, wie es wörtlich heißt,„lediglich die ungebändigte Leidenschaft einer schon lange im Stillen tief gefallenen Frau zu Grunde.“ Es ist begreiflich, daß die Prinzessin, als stie von dem Erlaß Kenntnis erhielt, in höchste Aufregung geriet.„Wie ist es möglich, daß man mir mein Schweigen so dankt?“ soll sie ausgerufen haben. Sie hatte die Absicht, mit den Gründen ihrer Flucht an die Oeffentlichkeit zu treten; sie konnte nur mit Mühe von ihren Angehörigen und ihrem Rechtsbeistande davon abgehalten werden. Der Zustand der Prinzessin ist infolge der Aufregung äußerst bedenklich.— Welche Gründe mögen dafür vorliegen, daß man der so schwer angegriffenen Frau verwehrte, sich zu verteidigen? — Der Erlaß des Königs muß übrigens zu mancherlei Gedanken anregen. Zunächst wird sich die Mehrheit des sächsischen Volkes durch die Hofgeschichte kaum viel aus der Ruhe bringen lassen. Wer aber den Erlaß gelesen, dem muß das Gefühl überkommen: Wenn die„Gefallene“, auch weiter„im Stillen“ gesündigt hätte, wäre sie doch noch eine würdige Landesmutter ge⸗ worden, aber nun, da sie unklug die Konse⸗ quenzen ihrer Liebe gezogen hat, ist sie„eine tief gefallene Frau“. Und weiter zeigt sich hier, zu welchen verzweifelten Mitteln das Gottes⸗ gnadentum greifen muß, um seine Sache zu führen und„das Vertrauen“ sich zu erhalten. sind in Frankreich noch viel im Schwange. Auch unsern Genossen Jaurés wollte der frühere Kriegsminister Cavaignac zum Duell zwingen. Jaurés ließ den Hanswurst gehörig abblitzen. Cavaignac hatte in einer Versamm⸗ lung behauptet, Jaurés bekannte Friedensrede wäre von den Gegnern der Protestler in Metz in deutscher Sprache öffentlich angeschlagen und zu einer antifranzösischen Agitation benutzt worden. Jaurés hatte durch das Zitat eines Artikels des Metzer Blattes„Le Messen“ ge⸗ antwortet, worin diese Behauptungen Cavaignacs als absolut erfunden bezeichnet werden. Cavaignac warf nun Jaures in einem offenen Brief, den die„Liberte“ publizierte, vor, daß er eine Verleumdung vorgebracht und eine Feig⸗ heit begangen habe. Jaures lehnte es darauf ab, sich mit Cavaignac zu schlagen und macht das Publikum zum Richter darüber, ob Cavaignac durch ein entstelltes Zitat aus einem Metzer Blatte das Recht verwirkte, als loyaler Gegner erachtet zu werden. Der Kampf der amerlkanischen Kohlenbergleute im vorigen Jahre ist bekanntlich dadurch beendigt worden, daß im Einverständnis mit den Grubenbesitzern die Forderungen der Arbeiter zur Entscheidung einem Schiedsgericht überwiesen wurden, das Präsident Roosevelt zu berufen hatte. Dieses hat den Bergleuten eine 17 15 rozentige Lohnerhöhung zugebilligt. ach den mittlerweile eingegangenen näheren Nachrichten soll diese Lohnerhöhung rückwirkende Kraft haben und von November an zahlbar sein, was für die Arbeiter drei Millionen Dollars ausmachen würde. Ferner hat das Schiedsgericht eine Verkürzung der Ar⸗ beitszeit für verschiedene Arbeiterkategorien bestimmt. Die übrigen Forderungen wurden abgeschlagen, indessen empfiehlt die Kommission den Grubenbesttzern, die Gewerkschaft anzuer⸗ kennen. Auch die Abschaffung der Kinderarbeit wurde e Das Schiedsgericht veran- schlagt den Gesamtverlust durch den Kohlenstreik auf 100 Millionen Dollars. Die Wahlbewegung. Im Wahlkreise Dillenburg-Herborn ist, wie berichtet wird, der christlich-soziale Kandidat v. Oertzen zurückgetreten. An seiner Stelle ist dem bekannten Parteisekretär der Stöcker'schen, Herrn Privatier Dr. Burckhardt in Godesberg, die Kandidatur übertragen worden. Herr Dr. Burckhardt wird sich also den Wählern als der„schlichte Mann aus der Werkstatt“ demnächst vorstellen. K Polizeilich aufgelöst wurde am Sams⸗ tag eine sozialdemokratische Wählerversammlung in Trier, in welcher Dr. Erdmann⸗Köln sprach und die von ca. 500 Personen besucht war. Heutzutage wirds aber selbst in dieser schwarzen Gegend nicht mehr gelingen, mi solchen plumpen Polizeistücken unsere Bewegung zu unterdrücken. * Einen Mischmasch sehr merkwürdiger Art planen die gegnerischen Parteien in Würz⸗ burg. Dort wollen Nationalliberale, Frei⸗ sinnige, Demokraten und— der Bauernbund zusammengehen. Unsere dortigen Genossen, die am Sonntag den Landtagsabgeordneten Franz Schmitt in München als ihren Kandidaten proklamierten, erklärten zugleich, daß der Misch⸗ maschkandidat, falls er in die Stichwahl käme, nicht auf sozialdemokratische Unterstützung rechnen könne. * Im Wahltreise Marburg, den bisher Dr. Böckel vertrat, sind eine respektable Anzahl Kandidaten aufgestellt. Große Anstrengungen macht der Nationalsoziale v. Gerlach, der den Kreis schon monatelang bearbeitet. Konser⸗ vativer Kandidat ist Frhr. v. Pappenheim: als Antisemit Zimmermannscher Richtung soll 9 en er en en n gt. en ide har en 1 Ir. len en 'on er⸗ eit a lt r iale iner der dt el der * ——————— e eee dae Nr. 13. Mitteldeutsche Sonntogs⸗Zeitung. Seite 3. nach neuen Mitteilungen ein Hauptmann g. D. Grimm auf estellt worden sein, Böckel dürfte allenfalls wieder kandidiren, ferner der Zentrumsmann Bau m⸗Fulda, möglicherweise wird auch noch ein Nationalliberaler aufgestellt. Unser Kandidat ist Genosse Bader in München. Die Wehrsteuer. In den letzten Tagen ist in den Reihen der Konservativen, Freikonservativen, National⸗ liberalen und Zentrumsleute eine Art steuer⸗ politischer Veststanz ausgebrochen. Diese klugen Leute haben wirklich nichts Besseres zu tun, als jetzt neue Steuern zu erfinden. Sie habens mit der Wehrst euer. Die Wehrsteuer ist die Besteuerung der Militäruntüchtigkeit. Sie ist eine Steuer auf Buckel, Hühnerbrust, Klumpfüße, Taubheit, Kurzsichtigkeit, Epilepste, Herzfehler, Lungen⸗ schwindsucht, Asthma, Skrophulose und ähnliche schöne Dinge, und hat daher in Oesterreich als„Krüppelsteuer“ eine berühmte Stellung im Steuersystem gewonnen. In Deutschland fehlt sie noch; wo man den Hunger besteuert, muß man wohl auch Krankheit und Körper⸗ schwäche als Steuerobjekt gelten lassen! Als Bismarck im Jahre 1881 mit diesem Projekt vor den Reichstag trat, hat er damals erleben müssen, daß sein Vorschlag mit Stimmen⸗ einheit abgelehnt wurde. Insbesondere war es der Zentrumsführer v. Schorlemer-Alst, der damals die Wehrsteuer bekämpfte als eine neue„direkte Steuer, die die ärmeren Klassen mehr bedrückt, als die anderen“. Heute erklärt sich dagegen der ganze d die ganze Brodwucherbande mit rührender Uebereinstim⸗ mung für die Wehrsteuer, und dem Reichsschatz⸗ sekretär blieb es vorbehalten, den tapferen Anschlag dahin zu charakteristeren, daß man ohne Grausamkeit gegen Einzelne durch ihn kaum nennenswerte Beträge erbeuten könne. Das hindert aber den Zentrumsmann Kirsch nicht, den Reichsschatzminister zur Einbringung einer neuen Wehrsteuervorlage zu animiren; ob er dann dafür oder dagegen stimmen werde, will der Schlaukopf erst später sagen— wenn die Wahlen vorüber sind. Diese hirnverbrannte Wahlstrategie des Zollritterkartells ließ sich allenfalls immer noch begreifen, wenn die Wehrsteuer sich nur gegen die Industriearbeiterschaft richtete; dieser Wähler⸗ schichte gegenüber hat man ohnehin schon ein so schlechtes Gewissen, daß es auf eine Schand⸗ tat mehr oder weniger doch nicht ankommt. Die Wehrsteuer ist aber besonders drücken d für die ländliche und bäuerliche Bevölkerung. In der Stadt wird der Sohn des Arbeiters wieder Arbeiter; seine Arbeitsgelegenheit zwing: ihn oft, bald dem elterlichen Hause Ade zu sagen und eine selb⸗ ständige Wirtschaft zu begründen. Der Bauer aber, der seine Söhne zu Hause behält und das bischen Geldeinkommen der ganzen Familie allein verwaltet, wird von der Krüppelsteuer so oft getroffen, als er es sich erlaubt hat, militäruntüchtige Söhne in die Welt zu setzen. Am schlimmsten aber ist er just erst dann daran, wenn er außer diesen militäruntüchtigen Söhnen auch noch militärtüchtige hat. Dienstpflicht und Steuerpflicht können gemeinsam auf die ganze Wirtschaft einen Druck ausüben, der für sie geradezu ruinös wird. Das hat auch der alte Schorlemer⸗Alst sehr richtig eingesehen, indem er erklärte:„Die Wehrsteuer würde namentlich die ländliche Bevölkerung schwer belasten. In vielen Fällen würde ste auch eine doppelte Belastung herbeiführen, namentlich für solche Eltern, welche schon mehrere 1 5 bei der Armee haben und außerdem noch für andere Wehrsteuer zahlen sollen.“ Mögen diese Worte des Zentrums⸗ führers doch im Wahlkaupfe gegen dle falschen klerikalen, konservativen und antisemitischen Bauernfreunde einen recht kräftigen Wiederhall finden! Es wird sich dann zeigen, ob die Wehrsteuer 5 so„volkstümlich“ ist, wie ihre Befürworter ehaupten. Vergebens versucht man mit Werkzeugen der Logik an die heranzukommen. ründe des neuen Streiches Natürlich kann die Frage der Wehrsteuer in diesem eee nicht mehr entschieden werden. Die Reichsregierung scheut sich vorläufig, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, der nach ihrer Meinung ohne Grausamkeit nicht ertragbringend sein kann. Trotzdem erklärte ein Redner de: nationalliberalen Partei trocken, dann müsse eben der Reichstag die Initiative ergreifen, und der allerchristichse Herr Kirsch bittet die Regierung thre Scheu vor Grausam⸗ keiten zu überwinden und eine Wehrsteuervorlage einzubringen. Bier- und Tabaksteuer drohen, nun soll die Krüppelsteuer Dritter im Bunde sein. Den Herren muß ein Licht aufgesteckt werden über die Steuerfreudigkeit ihrer Wähler, und den Bauern vor allem muß in der Wahlagitation in ihrem eigensten Interesse das Mahnwort entgegenschallen: Wehrt Euch gegen die Wehrsteuer! R Deutscher Reichstag. Am Mittwoch hielt der Reichstag nur eine kurze Sitzung ab. Für die Beteiligung an der Weltaus⸗ stellung in St. Louis werden 1½ Millionen Mk. gefordert. Dies gab den Konservativen Gelegenheit, Proben ihrer Amerikafeindschaft und ihres Kultur⸗ und Industriehasses abzulegen. Vorwand bot natürlich die schlechte Finanzlage.— Von den nachträglichen Kosten des Hunnenzuges, die im diesjährigen Etat auf 15 Millionen veranschlagt waren, wurden auf Vorschlag der Kommission trotz der schüchternen Einrede des Staats⸗ sekretärs v. Richthofen wenigstens drei Millionen gestrichen. Ein mehr— oder weniger— als magerer Trost für den deutschen Steuerzahler, dem die nicht eingelösten Lorbeerwechsel des Grafen Waldersee schwer im Porte⸗ monnaie liegen! Deutschlands auswärtige Politik war am Donnerstag Gegenstand der Reichstags⸗ verhandlungen. Etliche Anfragen des Zentrumsmannes v. Hertling an den Reichskanzler gaben diesem den gewünschten Anlaß, alle Schleusen seiner Beredsamkeit zu öffnen und über Macedonien, den Dreibund, Vene⸗ zuela ec. in stellenweise recht anregender Weise zu plaudern. Nachdem der Alldeutsche Hasse, der Verte eter der See⸗ stadt Leipzig, eine Pauke gegen Ungarn gehalten, dabei sich aber mit der preußischen Polen⸗ und Dänenhetze einverstanden erklärt hatte; nichdem ferner der dicke Oertel den Interessen des raffgierigen Agrariertums das Wort geredet hatte, blieb es unserm Genossen Gradnauer vorbehalten, in einer sehr wirkungsvollen Rede die entwürdigenden Liebesdienste, die Deutschlands Behörden, Deutschlands Polizei und— neuerdings— Deutschlands Universitäten dem russischen Knuten⸗Abso⸗ lutismus erweisen, mit der gebührenden Schärfe zu geißeln. Die Englandhasser der Rechten und der Na⸗ tionalliberalen sind unempfänglich für die moralischen Knutenhiebe, mit denen Väterchen Deutschland züchtigt. Die Antwort des Staatssekretärs v. Richthofen auf Gradnauers Rede war so schwach wie möglich. Inter⸗ essant war das Zugeständnis, daß in der Tat die rus⸗ sische Regierung sich Polizeibureaus in den Hauptstädten Europas, spezlell auch in Berlin, hält und daß diese auswärtigen Polizeibureaus von den Behörden Deutschlands alle erdenkliche Beförderung erfahren. Auf den empörenden Fall Kalajew, den Genosse Dr. Grad⸗ nauer besonders ausführlich erwähnte, irgendwie näher einzugehen, hütete sich der Staatssekretär des Auswär⸗ tigen sehr wohl; Aus weisungssachen gehören zur Kom⸗ petenz der Einzelstaaten, Punktum; damit glaubte er diesen Schergendienst abgetan. Im Volke denkt man anders darüber. Bei der Fortsetzung der Debatte über den Etat des Auswärtigen Amtes am Freitag geißelte Bernstein aufs Neue die Liebedienerei, die das offizielle Deutsch⸗ land, im schnöden Gegensatz zur Voltsstimmung, der Moskowitentyrannei erwelst, und wies auf dle menschen⸗ unwürdigen Zustände hin, die im Widerspruch zu den Bedingungen des Berliner Vertrags auf dem Balkan und im Orient überhaupt herrschen. Der dick⸗ Oertel dagegen ist mit der Hatz auf die russischen Revolutionäre ganz einverstanden. Schließlich ging Genosse Dr. Gradnauer nochmals auf die Fälle Kalajew, Kugel und Buchholz ein und wies nach, wie unrecht die deutsche Regierung hierin gehandelt hatte, indem sie jene Leute den kosakischen Schergen auslieferte. Am Samstag begann die Sitzung schon Vor⸗ mittag 10 Uhr. Man beeilte sich, die Etatsreste auf⸗ zuarbeiten, es ging damit auch schnell voran, ohne daß es zu bemerkenswerten Debatten kam. In der Montags ⸗Sitzung wurden„Dritte Lesungen“ vorgenommen. Vorher widmete der Präsident dem ver⸗ storbenen Zentrumsführer Frhr. v. Heeremann den üblichen Nachruf. Dann wurde zuerst das Kinder⸗ schutzgesetz erledigt. Tretz mancher Mängel des Gesetzes, auf welche Molkenbuhr und Wurm hin⸗ wiesen, stimmte unsere Fraktion in Anbetracht der un⸗ leugbaren Fortschritte, die es bringt, in der Schluß? abstimmung für dasselbe, während einige Konservative ein verneinendes Votum abgaben.— Die dritte Lesung des Etats brachte nur beim Kapitel Reichsamt des Innern eine Debatte. Hierbei nahmen unsere Genossen Bebel und Singer eine exemplarische Züchtigung Stöckers vor. Bebel stellte fest, daß nur bodenlose Unkenntnis oder unglaubliche Frivolttät die Behauptung wagen kaun, die Herr Stöcker vorzubringen sich nicht entblödet hat, daß er, Bebel, sich von der Bezichtigung des Meineids nicht gereinigt habe, die der Poltzeispitzel Normann⸗Schumann gegen ihn vorgebracht hat. Auf diesen genannten Polizeispitzel und— auf seine Be⸗ ziehungen zu Herrn Stöcker fielen dabei derartige Schlag⸗ lichter, daß die wilde Erregung, in die der teure Gottes⸗ mann und zweite Luther geriet, einigermaßen begreiflich erscheint. Kein Mensch im ganzen Haus erhob sich zur Verteidigung des Hospfaffen, der sich unter den morali⸗ schen Peitschenhieben wand, die hageldicht auf seinen an solche Behandlung allerdings seit Alters gewohnten Rücken herabsausten. Die dritte Lesung des Etats wurde am Dienstag beendigt, worauf der Reichstag bis zum 21. April in die Osterferlen ging. Von Nah und Lern. Hessisches. Staatsangehörigkeitsfragen spielten bei dem Proteste gegen die Wahl unseres Genossen Ulrich in Offenbach eine Rolle. Die Mischmaschleute behaupteten bekanntlich, daß 926 Personen mitgewählt hätten, die zwar die hessische Staatsangehörigkeit erworben, aber ihre bisherige fremde nicht aufgegeben hätten. Sie wären deshalb keine hessischen Staatsbürger im Sinne des Artikels 14 der hessischen Ver⸗ fassung, weil sie einem fremden Untertanen. Verbande angehörten. Diese Auffassung erklärt der Wahlprüfungsausschuß als unzutreffend. Er ist vielmehr der Ansicht, daß nach Lage der Verhältnisse der Begriff des fremden Unter⸗ thanen verbandes lediglich in Bezug auf außer⸗ deutsche Staaten aufzufassen ist. Diese Aus⸗ legung des Artikels 14, die übrigens die seit Jahrzehnten geltende ist, wird eingehend be⸗ gründet und zum Schluß gesagt, eine Umwäl⸗ zung der seitherigen Praxis umsoweniger ange⸗ bracht sei,„als wir an der Schwelle einer, in ihren freiheitlichen Grundzügen von der großen Majorität des Hauses bereits gebilligten, durch⸗ greifenden Umgestaltung des Systems unserer Wahlgesetzgebung stehen, mit deren Geist eine derartig engherzige Beschränkuug des Wahlrechts schwerlich in Einklang zu bringen sein dürfte.“ as Offenbacher Kuddelmuddel ist also mit seinen rückständigen Ansichten hereingefallen; der Ausschuß beantragt vielmehr, die Wahl des Abg. Ulrich für giltig zu erklären. Antisemitischer Wahlschnaps. Wie wir in letzter Nr. mitteilten, hat der Wahlprüfungsausschuß die Wahl des Abg. Hirschel(Grünberg) für giltig erklärt. Wir bemerkten schon neulich, das Hirschel mit diesem Ergebnis sehr zu frieden sein kann. Denn ein⸗ mal war er nur mit einer Stimme Mehrheit gewählt, dann geht aber auch aus dem Bericht des Wahlprüfungsausschusses hervor, das bei der Wahl Dinge vorgekommen sind, die Wahl⸗ beeinflußungen verteufelt ähnlich sehen. Bier⸗1 und Branntweinspenden haben offenbar mit zun der Wahl Hirschels beigetragen. In demzt⸗ Bericht heißt es u. a. verschiedenen Zeugenaus⸗ sagen u. a. „Aus diesen Aussagungen geht allerdings her⸗ vor, daß auch bei dieser Wahl das in dortiger Ge⸗ gend übliche Wahlbier und der Wahlschnaps eine bedauerliche Rolle gespielt haben, aber nachgewiesen ist nicht, daß eine direkte Beeinflussung und ein Versprechen versucht oder gar stattgefunden hat. Am bedenklichsten ist zweifellos das Benehmen des Wahlmanns⸗ kandidaten Zulauf in Atzenhain, der hart bis an die Grenze des Erlaubten gegangen if de der Ausschuß verurteilt dasselbe zwar ebenß ret entschieden, wie das seiner Freunde Keil. Wü seil t und Baumann, konnte es aber nicht — U J. in jeder Hütte das ö Siegezodadurch können wir unsere Sache zum Seite 4. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung⸗ Nr. 1 scheidenden Grund zur Bestandung der Wahl gelten lassen.“ Nach Ansicht des Ausschusses ist aber eine direkte Beeinflussung nicht nachgewiesen, wes⸗ halb er beantragt, die Wahl für giltig zu erklären. Gießener Angelegenheiten. — Konsumverein für Gießen und Umgegend. Die außerordentliche General⸗ versammlung, die am Sonntag Vormittag im Postkeller“ stattfand, war infolge des schönen etters nur schwach besucht. Zunächst wird das Mttglied Paul Nie wisch einstimmig in den Vorstand gewählt. Als Ersatzleute für den Aufsichtsrat werden Krug, Männche und Müller gewählt.— Im Weiteren be⸗ richtete der Vorstand über die Entwickelung des Geschäfts, mit der man ja zufrieden sein könne, die aber bei lebhafterem Interesse der Mitglieder noch bedeutend besser zu gestalten möglich sei. Die Mitgliederzahl ist auf 220 angewachsen. — Höhere Steuern stehen den Gießenern für das kommende Etatsjahr in Aussicht. Auf eine An⸗ frage unseres Genossen Krumm teilte der Herr Ober⸗ bürgermeister in der letzten Stadtverordnetensitzung mit, daß eine Erhöhung des Gemeindesteuerzuschlages von 100 auf 114 Prozent vorgesehen sei. — Schulkinder als Versuchskaninchen. In der letzten, am Freitag(20.) stattgefundenen Stadt⸗ verordneten ⸗Sitzung brachte Genosse Stadtverord⸗ neter Orbig zur Sprache, daß auf Veranlassung des Prof. Vossius Schulkinder von Lehrern aufgefordert worden sind, sich in der Augenklinik zu Studienzwecken die Augen untersuchen zu lassen. Dafür sind den Kindern 5 oder 10 Pfg. geschenkt worden. Das sei entschieden unzulässig; umsomehr, als auch dem Schulvorstande dar⸗ über nichts mitgeteilt worden sei. Oberbürgermeister Mecum erklärt, daß eine Genehmigung dazu nicht er⸗ tei t worden sei; er werde dafür sorgen, daß den Lehrern untersagt werde, künftighin an die Kinder solche Auf⸗ forderungen ergehen zu lassen. Es entspann sich dar⸗ über eine Debatte, in welcher Herr Prof. Gaffky be⸗ merkte, daß die Untersuchung in hygienischer Beziehung wertvoll sei, im Uebrigen sich aber den vorgebrachten Bedenken anschloß. — Eine 1½ Millionen⸗Anleihe hat die Stedt Gren aufgenommen. Die 3 ½ prozentige An⸗ lelhe wurde der Mitteldeutschen Kreditbank, welche das Höchstgebot eingereicht hatte, übertragen. — Wegen Kuppelei stand vorige Woche ein hiesiger Wirt(vom Neuen Schützenhof) vor der Strafkammer. Der Wirt erhielt 4 Monate Gefängnis, seine Ehefrau 8 Monate. In den Urteilsgründen wurde gesagt, daß die Angeklagten die Kuppelei in schamloser Weise betrieben hätten, wobei die Frau noch schuldiger sei als der Mann. Der Staatsanwalt hatte einen weit höheren Strafantrag gestellt.— Ein anderer Wirt stand unter ähnlicher Anklage, doch diese Sache wurde vertagt. Aus dem Rreise gießen. p. In Lollar verstarb am Sonntag unser Genosse Ernst Buchwald nach langem schweren Leiden. Der Wahlverein so⸗ wie die Gewerkschaft verlieren in ihm einen treuen unermüdlichen Mitkämpfer. Ehre seinem Andenken! f — Versammlungen fanden am Sonntag in Allendorf a. d. L., Allertshausen und Clim⸗ bach statt. Der Besuch in diesen Versammlungen war — wohl infolge des schönen Wetters— nur mäßig; aber es fanden die Ausführungen unserer Redner bei den Erschienenen ungeteilte Zustimmung. Im ersteren Orte sprach Genosse Krumm, in den beiden anderen Vetters. Ueberall bemerkt man eine für unsere Partei günstige Stimmung, auch in Orten, wie z. B. Climbach, wo wir 1898 gar keine Stimme erhielten. Die Hausagitation die von seiten des Arbeiterbildungsvereins Steinberg für die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung unter⸗ nommen wurde, hatte zur Folge, daß sich unsere Abonnentenzahl um/ erhöhte, wir brachten es von auf 65 in Steinberg. Dieses beweist zur Genüge, daß wenn es die Genossen allerorts erusthaft anpacken, der schöne Erfolg nicht ausbleibt. Wir ⸗önnen mit diesem Resultat vorläufig zufrieden sein. Unsere Auf⸗ gabe aber ist es, nicht eher zu ruhen, bis daß Arbeiterblatt gelesen wird, nossen ins Rathaus einziehen und gut tun, sich schon 1. Aus Steinberg schreibt man uns: Uunsere Ge⸗ meinde bekommt alljährlich aus den Domänewaldungen Schiffenberg 1056 mtr. Loosholz, welches nach den Bestimmungen unter die 300 ältesten Ortsbürger ver⸗ teilt wird. Loosholzberechtigt ist derjenige, welcher das Ortsbürgerrecht besitzt, oder wer von auswärts zuzieht, sich dasselbe mit der Summe von 90 Mark erwirbt. Soweit ist es hiermit richtig. Unrichtig ist es aber, daß der Herr Pfarrer und noch drei Lehrer, welche auch von auswärts sind, und obige Summe nicht be⸗ zahlt haben, ebenfalls Holz bekommen. Dem Herrn Pfarrer giebt man sogar noch doppelt soviel als ein anderer Ortsbürger bekommt. Der hat dann soviel Holz daß er davon verkaufen muß. Anspruch auf Holz bat nur die erste Lehrerstelle. In dieser Sache brachten unsere Genossen schon im voriten Jahre einen Antrag im Ge⸗ meinderat, wonach eine andere Regelung stattfinden und das Unrecht beseitigt werden sollte. Doch die Mehrheit des Gemeinderats unterstützte den Antrag aus leicht begreiflichen Gründen nicht. Und doch ist die Mehr⸗ heit der Bürger mit den jetzigen Verhältnissen nicht einverstanden, nicht etwa blos unsere Genossen! aus dem Nreise Alssesd-Cauterbach. X. Die Alsfelder Gemeinderatswahlen haben einen antisemitischen Schneidermeister so in Auf⸗ regung gebracht, daß der Be dauernswerle den Rotkoller lekommen hat. Wo er geht und steht schimpft er über unsere drei Kandidaten, sogar Prügel stellte er ihnen in Aussicht, ohne indessen die menschenfreundliche und christliche Absicht auszuführen. Dazu fehlt ihm die nötige Kourage. Kein Gemeinderatsmitglied hätte sich neben unsere Senossen gesetzt, wenn sie gewählt worden wären, schtupfte der Spietzer weiter, sie wären keine geboren Alsfelder und hatten nichts auf dem Rathaus zu suchen.— Nun lassen wir das Männlein zetern. Er wird es hoffentlich noch erleben, daß unsere CEe⸗ jetzt mit diesem Gedanken vertraut zu machen, damit er dann nicht in noch größere Aufregung gerät, die für ih selbst nur von größtem Nachteil sein könnte. Schließlich wird er finden, daß es sich unter sozial⸗ demokratischem Regiment besser als unter dem jetzigen lebt und man sich deswegen nicht totzuschießen braucht. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Die Nationalliberalen auf Agitation. Herr Abg. Krämer hielt, unterstützt von dem Partei⸗ sekretär der nationalliberalen Partei, Dr. Johannes⸗ Köln, vergangene Woche eine Agitatian, im Wahlkreise ab. Ob aber die Hercen mit dem Ergebnis derselben zufrieden sind, ist sehr fraglich. Die erste Versammlung fand om Montag in Rodheim statt. Die Mehrzahl der Versammlungsbesucher waren Arbeiter. Herr Krämer sprach zunächst kurz über die seine und der national⸗ liberalen Partei Tätigkeit im Reichstage, wobei er es als ein besonderes Verdienst selner Partei pries, beim Zustandekommen des Zolltarifs mitgeholfen zu haben. Dr. Johannes ergänzte die Ausführungen Krämers, empfahl dessen Wiederwahl und suchte die Haltung der natlonalliberalen Partei in den Fragen, die den Reichs⸗ tag beschäftigten, zu rechtfertigen. Genosse Vetters, der darauf zum Wort kam, legte die Schäden dar, die der großen Masse des Volkes durch den Zolltarif z ge⸗ fügt werden, wies auf die ungeheuren Militärlasten, die großen und zwecklosen Aufwendungen für die Kolonien, sowi⸗ auf die Ungleichheit in der Rechtssprechung hin, erinnerte daran, daß die Nationalliberalen für das Sozialistengesetz eingetreten seien und das Reichstags⸗ wahlrecht lieber heutr als morgen beseitigten. Unter dem Beifall des größten Teiles der Versamm ung for⸗ derte er auf, bei der Wahl für den Sozialdemokraten zu stimmen. In seiner Erwiderung suchte Herr Dr. Johannes, die Angriffe unseres Genossen abzuwehren und glaubte mit tönenden nationalen Phrasen Eindruck zu machen, erntete aber damit nur bei einem kleinen Teile der Versammlung Beifall. Genosse Beckmann beleuchtete die soziale Gesetzgebung, zu der es ohne die Sozialdemokratie nie gekommen wäre. Eilig erfolgte Schluß der Versammlung, von der wir hoffen, daß fie unserer Partei mehr als der nationalliberalen nützte.— Ebenso die an Dienstag in Burgsolms. Diese war zu ca./ von Arbeitern besucht, welche die Ausfüh⸗ rungen unseres Genossen Habicht, der hier den Herren Krämer und Dr. Johannes entgegentrat, begeistert zu⸗ stimmten.— In Schwalbach, am Mittwoch, war die Versammlung ebenfalls stark besetzt. Das ist ein stark antisemitischer Ort, deshalb war auch Herr Reuther erschienen, um Herrn Krämer entgegen zu treten. Die Antisemiten wiegen sich nämlich in der thörichten Hoff⸗ nung, in die Stichwahl zu kommen. Reuther aber, der in seiner kläffenden, polternden Weise auftrat, machte gar keinen Eindruck, dagegen fanden auch hier die Aus⸗ führungen unseres Genossen Habicht den Beifall eines großen Teiles der Versammlung. Das Gleiche war Donnerstag in Niederkleen der Fall, wo die Ver⸗ h. In Launsbach findet Freitag, den 27. März abends 9 Uhr eine Wählerversammlung im Lokale Wittwe Pfaff statt. Die Genossen der Umgebung werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Streik im Siegener Industriebe⸗ zirk. Vorige Woche wurde berichtet: Die Sprengstofffabrik Nahnsen u. Co. in Anz⸗ hausen hat infolge eines Streiks der Patronen⸗ macher ihren Betrieb vorläufig eingestellt. Die Werksverwaltung hatte den Arbeitern den ge⸗ forderten höheren Lohnsatz bereits bewilligt, doch erklärte sich die Zentrale in Berlin mit diesem Vorgehen nicht einverstanden. So blieb nichts übrig als die Arbetter zu entlassen, und, da Ersatz nicht zu finden war, den Betrieb einzustellen.— Dieses Vorkommnis beweist, daß es im Siegerlande auch eie Arbeiter giebt, was Stöcker vor einiger Zeit in einer dort abgehaltenen Versammlung bestritt. Damit hatte er aber Unrecht, wie in vielen anderen Dingen. * Aus Geiz verhungert ist in Siegen die unverehelichte Katharine Sinz. Die Frau, deren Ver⸗ mögen auf über 100,000 Mark geschätzt wird, bewohnte allein ein großes Haus an der Sandstraße. Als dessen Läden vor einigen Tagen geschlossen blieben, erzwangen sich die Nachbarn gewaltsam Zutritt zur Wohnung und fanden die Frau in bewußtlosem Zustande dem Tode nahe im Bette liegend vor. Man schaffte sie zum Krankenhause, wo sie an Entkräftung gestorben ist. In ihrer Wohnung fand sich nichts Genießbares vor. aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain. St. Zur Beachtung! Wie bereits in letzter Parteiversammlung bekannt gegeben, findet wahrscheinlich am ersten Sonntage im eine Flugblattverteilung im Wahlkreise statt. sich recht zahlreich an derselben zu beteiligen. Die Teilnehmer wollen sich vorher bei unserem Vertrauensmann, Gen. Härtling, behufs näherer Instruktion melden. Derselbe wohnt Ritterstraße 9 J. und ist in der Mittags⸗ stunde sowie Abends von 6 Uhr ab zu sprechen. — Eine wichtige Entdeckung hat der hiesige Gelehrte Geheimrat Prof. 1 Behring gemacht. Wie er kürzlich in einem in Wien gehaltenen Vortrage ausführte, ist es ihm gelungen, ein Mittel zur Immunistrung der Rinder gegen die Tuberkucose zu präparieren. Die von ihm gemachten Versuche seien vollständig gelungen. Die Sache hat in weiten Kreisen ungeheures Aufsehen erregt. Geheimrat Behring erklärte bei dieser Gelegenheit, daß er hoffe, auch ein Mittel gegen die Tuberkulose der Menschen zu entdecken. Sollte ihm dies wirk⸗ lich gelingen, so wäre dies wohl als die 19 und segensreichste Entdeckung auf iesem Gebiete zu bezeichnen, die es überhaupt geben kann und käme dieselbe hauptsächlich der von jener furchtbaren Krankheit am meisten heim⸗ gesuchten Arbeiterbevölkerung zuteil. — Nachklänge zur Katser Geburts- tagsfeier. In der Strafkammersitzung am 24. d. Mts. standen zwei schon mehrfach wegen Körperverletzung usw. donde Brüder, Heinrich und Johann Faul stich aus Rüddings⸗ hausen in Oberhessen vor den Schranken. Dieselben hatten am Abend des 27. Januar in Roßberg mit mehreren dortigen Ein⸗ wohnern in den Eisnerschen Wirtschaft daselbst gelneipt und später eine Rauferei mit diesen begonnen, die in eine förmliche Schlacht ausartete, bei welcher es Messerstiche und sonstige Verletzungen in Masse absetzte; auch verübten die Angeklagten Hausfriedensbruch, indem sie mit Gewalt in das verschlossene Lokal eindrangen, aus dem sie vorher hinaus geworfen worden waren. Die Geburtstagsfeier sollte ihnen aber übel bekommen, denn sie er⸗ hielten, außer einer gehörigen Tracht Prügel an Ort und Stelle, vom Gericht eine Gesamt⸗ strafe von 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis für Heinrich, und 2 Jahren Gefängnis für Joh. Faulstich zudiktirt und wurden sofort in Haft genommen. f Pfarrer und Krieg erverein. Den Zorn des katholischen Ortsgeistlichen genossen, verhelfen. sammlung ebensalls gut besetzt war. hat der neugegründete Kriegerverein von Nied⸗ Wir ersuchen hierdurch nochmals die Partei⸗ — — Mitleldeulsche Sonntags⸗Zeitung. altdorf erregt. Von der Kanzel erließ der getreue Knecht im Weinberge des Herrn folgen⸗ den Bannstrahl gegen die Vereinsmitglieder: Ihr habt euch eine Teufelskirche hier ge, i gründe und einen Teufels priester gewählt.“ Der Vorsitzende des Kriegervereins verließ sofort das Gotteshaus und hat sich seitdem gehütet, die Kirche wieder zu besuchen. Der Pfarrer aber setzte am nächsten Sonntag seine Angriffe fort und sagte jetzt, man habe einen Verein ehemaliger Kommißbrodesser, man könnte ebenso gut einen Verein ehemaliger Wickelkinder gründen.— Damit hat ja der Pfarrer gar nicht so unrecht; aber es geht ihm im Grunde doch nichts an, was andere Leute für Vereine gründen. Spiritistischer Schwindel. ik Vor der zweiten Strafkammer des Land⸗ gerichts 2 Berlin findet gegenwärtig der Prozeß gegen das„Blumenmedium“ Anna Rothe aus Chemnitz statt. Die Angeklagte, eine kleine untersetzte Person mit energischen Gesichtszügen, aber von leidendem Aussehen, wird aus der Untersuchungshaft zu der Ver⸗ handlung vorgeführt. Sie wird des Betrugs und Betrugs versuchs in 61 Fällen beschuldigt. Ihr Mitangeklagter, der frühere Kognakreisende und spätere„Impresario“ Marx Jentsch ist geflüchtet. Eine große Anzahl Zeugen— etwa 100— wurden vernommen. Kleine Mitteilungen. e Aus„besseren“ Kreisen. Vom Amts⸗ gericht Groß-Gerau wurde am Freitag voriger Woche die 20 jährige Tochter des Barons v. Secken⸗ dorf aus Rüsselsheim verhaftet unter dem Ver⸗ dacht, in Fulda vor beinahe 2 Jahren ihr neugeborenes Kind getötet zu haben. Sie wurde der Staatsan⸗ waltschaft Hanau ausgeliefert. Das Kind war ihrem Verhältnis mit dem Reitknecht entsprossen. . Geständiger Verbrecher. Vor einigen Wochen verschwand in Rödelheim die 12jährige Tochter des Bäckers Simon. Nach wenigen Tagen fand man das Mädchen als Leiche in der Nidda. Als verdächtig, das Kind, nachdem er es vergewaltigt, ermordet zu haben, wurde der Gärtner Strack in Rödelheim verhaftet, der aber jede Schuld leugnete, bon verschiedenen Ortsgrößen auch in Schutz genommen wurde. Jetzt hat er nun eingestanden, daß er das Kind in seine Gärtnerei gelockt und dort zu vergewaltigen versucht habe. Dieser Versuch sei ihm mißlungen, da ihm das Kind entlaufen, und nun aus Versehen in die Nidda gefallen sei. Ob dieses Geständnis den Tatsachen entspricht, muß die weitere Untersuchung ergeben. ak Meineidiger Stadtrat. Das Schwur⸗ gericht in Köln a. Rh. verurteilte den Fabrikant und ehemaligen Stadtrat Bauer, eine nationalliberale Ordnungs stütze, wegen Verleitung zum Meineld und Unterschlagung zu 1¼ Jahren Zuchthaus und drei⸗ jährigem Ehrverlust. . Aus frommem Lande. gericht in Trier wurde gegen den 46 Jahre alten Ackerer Mathias Zeimet, gegen seinen 21 jährigen Sohn Hilarius Zeimet und seine 19 jährige Tochter Elisabeth Zeimet, Alle aus Keim, wegen Blutschande, Vor dem Schwur⸗ Setundenlang schwankten in den Häusern, namentlich Holzhäusern, Bretter und Balken. Die Erschütterungen waren sehr erust und beängstigend. Viele fürchten den Eintritt der Nacht; an eigentliche Nachtruhe ist nicht mehr zu denken. Unter der Bevölkerung herrschte große Erregung. Prof. Eduard Süß in Wien erklärte, daß die Erdbeben in Böhmen und Sachsen ungefährlich seien. Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. Der Zentralverband der Zimme⸗ rer und verwandten Berufsgenossen veröffentlicht seine Abrechnung für 1992. Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug 24 483. Vereinnahmt wurden insgesamt 587 321,29 Mk., verausgabt 341 551,88 Mk. An größeren Aus⸗ gaben sind zu erwähnen: Reisenunterstützung 9163,10 Mk., Streiks 209 705,23 Mk., Agi⸗ tation inkl. Bauarbeiterschutz 25 542,70 Mk., Rechtsschutz 7231,54 Mk., Verbandsorgan 47 336,38, Gehälter 9640 Mk. Das Gesamt⸗ 1 des Verbandes beträgt 419 111,81 ark. Partei-Nachrichten. Die sächsischen Genossen hielten am Sonntag in Mittweida ihren Parteitag ab, der von 68 Dele⸗ girten besucht war. Es wurde der Bericht des Landes⸗ komlte's, sowie Referate über Reichstags⸗ und Landtags⸗ wahlen entgegengenommen. Die Verhandlungen zeigten die alte Kampfesfreudigkeit, die immer bei den sächsischen Sozialdemokraten vorhanden war. Unter anderem gelangte ein Antrag zur Annahme, der sich für die Erhöhung der Parteibeiträge ausspricht.— Genosse Reichstagsabgeordneter Seifert erklärte, infolge wirt⸗ schaftlicher Verhältnisse für den 19. sächsischen Reichs⸗ tagswahlkreis nicht mehr kandidieren zu können. Die Märzfeier der Wiener Arbeiter nahm auch dieses Jahr einen äußerst imposanten Verlauf. Ungeheure Massen marschierten im geschlossenen Zuge nach dem Denkmal der 48er Gefallenen, wo über 100 Kränze niedergelegt wurden. Redner der deutschen, tschechischen und polnischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften sprachen am Denkmal. Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen. Wir geben den Parteigenossen hiermit bekannt, daß Sonntag, den 12. April(Erster Osterfeiertag), Nachmittags 2 Ühe in Friedberg, Stadt New⸗ Vork, Haagstr. 11, eine Parteikonferenz stattfindet mit der Tagesordnung:„Die nächsten Reichstagswahlen.“ Ref. Genosse Busold. Die Genossen werden gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß, in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung, möglichst jeder Ort des Kreises ver⸗ treten ist. Vesonders sei bemerkt, das Vertreter solcher Orte, an denen sich keine Filialen des Kreiswahlvereins befinden, ihre Reisekosten aus der Kreiskasse vergütet erhalten. J. A.: Georg Repp. Versammlungskolender. Sonntag, den 28. März. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Steinberg. Arbeiterbildungs verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Witwe Schmandt. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen notwen dig. Montag, den 30. Mäcz. r e Unterhaltungs-Ceil. —— ————ů— 2 Ein Hlick in den„Zukunstsstaat“. Von Dr. Robert Michels. (Schluß.) Die Rathausuhr schlug halb fünf, als der Boden der Piazza Maggiore in Imola unter den Schritten vieler Tausender erdröhnte und der Zug der Arbeiter mit ihren entfalteten Fahnen unter den Märschen der Musikchöre anrückte. Die Piazza Maggiore ist, wie der Name schon sagt, der größte Platz der Stadt. Es fällt gleich auf, wenn man ihn betritt, daß die große weite Fläche desselben nicht den in Italien üblichen monumentalen Mittelpunkt aufzuweisen hat. Kein König, kein Staatsmann und kein General stören hier die Ruhe durch ihre mar⸗ mornen oder bronzenen Bildwerke. Imola liegt, wie es scheint, recht weit von Byzanz entfernt. Und dennoch, man sollte es kaum für möglich halten, macht der Platz einen durchaus vor⸗ nehmen Eindruck. Die eine Längsseite desselben wird von dem aus dem 15. Jule hundert stam⸗ menden Palast des Geschlechtes der Sersantt eingenommen, dessen Säulenhallen bis zum zweiten Stock heraufragen, so daß er eigentliche nu eine einzige nach deutschen Bourgeois⸗Begriffer brauchbare Etage, die über den Säulenhaller gelegene, hat. Die beiden Querseiten des Platze. werden von einer Anzahl etwas niedrigerer Häuser begrenzt, von welchen viele ebenfalls im Besitze von Säulenhallen sind. In der Mitte der einen Querseite erhebt sich eine alte ziemlich breitspurig, aber auch ziemlich verlasse ausschauende Kirche und die süböstliche Platzeck wird durch einen alten zacktgen Turm ausgefüllt Das interessanteste Bauwerk des Platzes ist aber der geräumige Palast des Rathauses, Palazzo Communale genannt, dessen Hauptfror! — er ist viereckig und besitzt einen großen He in der Mitte— fast die ganze Längsseite d. Platzes einnimmt. Mit seinem flachen Da und seinen ziemlich schmucklosen drei Fenste reihen, macht der Palast von Weitem de Eindruck eines jener im Kasernenstil erbaute preußischen Königsschlösser, halb Zwingbur halb Gutsgebäude. Aber das in strengster wenn auch sehr einfachem Renaissance⸗Stil e baute Portal des Palastes verleiht dem ganz. Gebäude eine künstlerische Weihe. Zwei S lule! paare erheben sich zu beiden Seiten des C. gangstores, um den auf dem ersten Stockn befindlichen Altan zu tragen, und setzen sich schlanken Formen als Hochreliefs bis de Dache fort, sodaß die starren Linien des mass Gebäudes gebrochen werden und das G *— eure. 4 — — — N — 8 1 N g. . 1 Kindestötung und Beiseiteschafung der Leiche verhandelt. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 uhr eine gewisse anmutige Würde zur Schau t⸗. 70 Vater und Sohn haben mit Tochter und Schwester Versammlung bei Orbig. In der Höhe des obersten Stockwerks befindef! 1 g geschlechtlichen Verkehr gehabt. Das dem unnatürlichen VBileffaste von den Säulen umrahmt, eine Nische, in wei 1 1 ö len. Verhältnis entsprossene Kind haben sie getötet. Die i 755 eine Statue der Madonna, etwa in Fel 1 dl Staatsanwaltschaft beantragte gegen Hilarius Zeimet H.⸗Rödgen. Soviel wir aus Ihrer Zuschrift] größe, Platz gefunden hat.— Dieser alte J 1 ö 5 1 9 810 e de 95 1 Aue e 7 51 8 1 0 Sie 9000 ieee hat viel erlebt. Er hat die ganze Wandlu. 1 ö aft eimet 1 Jahr Gefäng is und gegen Mathias Zeime zum Vorwurf, daß er für einen Gegner ein esud schichte seines Städtchens mit durchgem 4 0 11 Jahre Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ angefertigt, diesem also einen e erwiesen habe. 11 9 0 Pfaffen, Pipstliche und Ahne 0 lacht rechte und wegen Beiseiteschaffens der Leiche einen Monat Das ist doch wahrhaftig keine Sünde! Der betr. Ge⸗ haben in ihm über das Volk befohlen. 1 und 0 Gefängnis. Das Urteil lautete dem Antrage gemäß. nosse hat dann im Gegenteil recht hübsch gehandelt. ehört er der neuen Zeit und es sitzen Mä. J 11 uh* Vier Menschen durch giftige Gase Jeder Genosse soll im privaten Verkehr allen 10 ih A eb e A eltanschauun bes el 9 uu, getötet. Beim Entleeren einer Dunggrube in Menschen, auch seinen politischen Gegnern gegenüber, 1 be 1 1 en, 9 bel gen. f g uc, 10 aferthal bei Mannheim stieg einer der dabel Be⸗ freundlich und gefällig sein. Deswegen braucht er nicht Er ist das Eigentum der sozialistischen Sstadt⸗ 4 sel, 0 1—häftigten hinab, um ein Rohr in Ordnung zu bringen.] ein Titelchen seiner Ueberzeugung aufzugeben, kann den verwaltung.— 1 1 8 ali u fiel aber lautlos aus halber Höhe von der Leiter politischen Kampf mit aller Schärfe führen.— Vor dem Palazzo staute sich erwartung voll 1 geil die Grube. Drei andere Männer, die ihn retten] Sollte sich im vorliegenden Falle der Genosse Ihrer[die Menge. Der vieltausendköpfige Zug hatte ie ei- lien, wur den ebenfalls durch die giftigen Gase Meinung nach etwas haben zu schulden kommen lassen, Halt gemacht und sich aufgelöst und nun standen ügel ü tet. so bringen Sie es getrost auf der Kreiskonferenz, die] Männer und Frauen dicht aneinandergedräugt fall 1955 Vulkanausbrüche und Erdbeben. In] am 1. Osterseiertage in Friedberg stattfindet, zur Sprache. und starrten mit vor Freude glänzenden Augen 3 fil Arb falz, Baden sowie in Süofrankreich wurden am e Genage 0 1 nach dem Balkon hinauf, gerade als ob von 1 kk- ͤw)M! œ.;.. 000 N 5 ten bald 1 5 elben Zeit die Vulkane R.⸗Daubringen. Für einen Ordnungswächter 0 r tanden, ebenso Lug 55 0„ ebenfa e 1 1 5 0 550 S.. 1 05 und Mont Pelée passen sich solche Extratouren gewiß am allerwenigsten; e en„Führer“, Param 1. Jus inique in lebhafter Tätigkeit. Schon inige aber für Erörterung in der Zeitung ist die Geschichte Gele yrte, aber auch wer sonst noch urgenbbie 1 J rtinique in lebhaf 9 i ö l hatte Platz finden kön Bauern, Rei N ö 5 114 orher gab es heftige Erdstöße in mehreren] nicht wichtig genug. Mag ihm sein Vorgesetz er darüber 01 55 1a 900 el können, aulern, 1 öder— lichen i des Erzgebirges. In einer Nachricht des aufklären, daß derartige Dinge nicht zu seinen dienst⸗ tertunen, Postbeamten, J, in N 0 755 155 d= 101 Reparsänder Anzeigers aus Untersachsenburg heißt es: lichen Obliegenheiten gebözen. es bis jetzt Gottlob keine Buddes!— sell/ st 4 3 15 1 * 7 Alle beseele, noch weiter und immer weiter um „Abgestumpftheit verharrend, nicht teil nehmen wollen an der großen Bewegung zur Befreiung (ihrer Klasse. brüderlichen Gruß mit dem festen nicht eher in unserem Kampfe erlahmen zu wollen, als bis das letzte Privileg des Kapitals und des Wappens gefallen ist. tönte bei jedem unserer Worte nicht e 559 55 etwa wie das Hurrahgebrüll eines Regischroen⸗ Joldaten, dem der Herr Oberst soeb' nicht schneidiger klar gemacht“ hatte, noch wie das e e gelungenen Pose eines Don 9 ung zollten, sondern es 51 9, Bravorufen nahe een e welchem Kopf und Herz a 5 waren. Und, sonderbch Der Akeitsgefühls und Früdern reden. ann, freue ich mich von Herzen, Seite 6. Mitteldeuische Sountaas⸗Zeitung. Eisenbahner. Alle Fenster des weiten Palastes waren dicht besetzt. An zweien derselben ge⸗ wahrte man sogar Offiziere in Uniform mit thren Damen, die sich wohl einmal„die Roten“ in der Nähe besehen wollten. Auf einmal erscholl ein lautes Händeklatschen und ein noch lauteres Evvivarufen(Hoch!), be⸗ 1 0 von lustigem Hüteschwenken. Oben auf dem alkon aber begann Andrea Costa mit weithin schallender Stimme zu reden. Und nach ihm andere, unter diesen anderen auch der, der dieses schreibt. Es war ein unvergeßlicher Anblick. Unten die ungezählte Menge, aus welcher viele tausend Augen von Begeisterung trunken hin⸗ auf schauten, die Menge, der die bunten Fahnen etwas Kriegerisches verliehen und die doch so ungeheuer friedlich gesinnt war. Rings um den Platz herum die Paläste aus alter Zeit, ganz im Hintergrund, jene noch überragend, ein leuchtend weißes Haus, auf dessen flachem Dache einige hohe Palmen eine alte griechische Marmorstatue schützend umgaben. Das Ganze, Menge, Fahnen, Häuser, alles gebadet in flimmerndes Sommerlicht der großen ttalieni⸗ schen Glühsonne mit ihrem intensiv blauen Himmel!— Und wir sprachen eigentlich alle dasselbe, wir Redner. Wie sollten wir auch anders, waren wir doch alle von genau denselben Gedanken der Liebe zu jener Menge und des Stolzes über sie erfüllt, und so überbrachte denn jeder von uns den versammelten Genossen aus der Romagna und Emilia den Gruß der Gegend, aus der er stammte, und gab in warmen Worten dem Wunsche Ausdruck, daß der Gedanke, der uns sich greifen möge zur Herbeiführung einer besseren, einer gerechteren Welt! Und auch derer wurde gedacht, welche noch in törichter Auch ihnen entsandten wir unseren Versprechen, Und unten er⸗ f gat die Und dieser Jubel war 190 An⸗ Stimme„die Bedeutung„eigements vHützeren mit ckhielt 3 Tages 4 geßhie einer gut umisften V in zarlos ihre Be⸗ Zusammengehör vereinigten, sodaß die ganze Luft erzitterte, daß ferner unten auf dem Platze und in den an⸗ liegenden Straßen die Menschen sich weinend in den Armen lagen und daß die Redner den ganzen Tag über, wo man ihrer nur ansichtig wurde, überfallen und stürmisch umarmt wurden, das wissen nicht blos die Poeten, das wissen wir alle, die wir den Tag mitmachen durften. Und daß an diesem Tage, an welchem die Nerven so vieler Tausender bis auf's äußerste erregt waren und das ungeheure Zusammen⸗ strömen von Fremden allen Gesetzwidrigkeiten hätte Vorschub leisten können, niemand bestohlen oder beraubt, keine Schädel, nicht einmal eine Laterne eingeschlagen, keinem Kandelaber, ge⸗ schweige denn einem Menschen das Lebenslicht ausgeblasen wurde und überhaupt niemand arretiert zu werden brauchte, das wissen wiederum nicht blos die Poeten, sondern auch die Polizei⸗ behörden der Stadt. An diesem Tage feierte man eben nicht Kaisers Geburtstag, sondern den Freudentag einer Bewegung zur Befreiung der Menschheit! Als ich mit meiner Frau den Rathauspalast verließ, da hatte ich einen schweren Stand. Ich mußte doch an die Post ellen, um dem Vorwärts meinen versprochenen Bericht recht⸗ zeitig zuzusenden! Aber keine Möglichkeit! Keine drei Schritte konnten wir tun, ohne an⸗ gehalten und umarmt zu werden. Einer rief es dem anderen zu:„E lui!“(Er ist's!) und dann ging ein Fragen los, nach Deutschland, und den deutschen Genossen und dem Vorwärts. Bebel kannten fast alle, auch Singer und Klara Zetkin wurden vielfach, zumal von Bologneser Studenten, gekannt. Und das Leben und Treiben nahm kein Ende und das herzliche Begrüßen und Händedrücken auch nicht. Die Sonne war schon schlafen gegangen, als wir uns endlich, halbtot von den Anstreagungen des Tages und vor nagendem Hunger, aber voll Stolz, einer solchen Partei anzugehören, recht prosaischer Weise in eine Osteria flüchteten. Da standen in einem Hofe eine Reihe Bänke und darum herum saß fröhlich beisammen eine N Männer, Frauen und Kinder. Kaum It Li jali f jone d nun iva il socialismo internazionale!“ Und 1 0 wir die Runde machen und aus 1 der uns dargebotenen Gläser 1 rüch dann aßen wir schnell bei angeregtem Ge 1 zu Abend und wir waren noch nicht fertig bie Fwar der Ausdruck ö trafo ein Beifall, an 1 Sue 9 ur gleichmäßig beteiligt uch die Madonna wurdt', ein Poet— und es es Altaus freundsdem ten unter den ne einen Jesustind sogar gesehen haben, 195 elt, zugeflüsten ol in ihrer Nische zu Häupte le die da untelosse ichst Beifall genickt und ihrem ad wie do wereychen, das sie auf dem Schooße ngen Sie Gewft habe:„Du, nicht wahr, 1 eeuen unermin, hast Du es doch auch gemeint Andenken! Lauf der kleine Junge aus seinem 11— Schlafe aufgewacht sei und ach Auer Vlibe aufmerksamsten Zuhörens dem Re 85 inten auf dem Altan geantwortet hätte: 3 5 Nutter, und wenn ich 1 85 f a e e rür i i elle 6 dern aden. Ss aber, wo ich das nich daß 16 9 9 igstens endlich wieder einmal einen Go es⸗ Neef in meinem Sinne mitmachen kann.“ 9 7 al, Jesus also zu seiner Mutter galt, daß habe, da hätten seine Augen so gef en ß ein Priester, der hinten am been l sten Platzes aus Neugier den Reden der Sozia 1 g gelauscht hatte, diesen Blick nicht habe ausha 1 f können und sich eilends aus dem Staube f habe wie Satanas, als er den Herrn erblickte! — Aber das alles hat blos ein Poet gesehen und gehört und gar 1 „aß aber, kau 8 195 been det hatte, deten sehen und hören oft pocht Inga Dinge. als der letzte Redner seine die Freude der Menge Wiberhaupt keine Grenzen mehr kannte und sich damit, da erschien unvermutet ein Harmonium und lockte uns zu heiterem Tanz bis in die a heren 5 e undlich gegen Mitternacht, l 0 Bewußtsein, 111 9 595. 158 Saft kostet zu haben, da 921975 bene weite enen, 1 elbe schon an der 7 170 15 debe“ 155 er uns zu„Ihr kommt i nen eben war eine Schaar Genossen da, mit. und Mandolinen. Die wollten euch eine ser 1 5 (Ständchen) bringen.“—„Aber ware 1115 das 2“ erwiderte ich zwischen Freude un 15 wunderung!„wir 175 a de 118 tet.“—„Aber“ 9. 1015 schlug mich fin 1 18 er:„Du bist aber gut!. feaust ganz vergessen, daß Du unser 9 Genosse bist, und so weit Werben—. Deinem hohen e e mi 9 5 n zu beraten und 3— e mit schwerem klopfendem Herzen ging ich zu Bett. das alles wieder gut machen? Wie kann ich ieder doc bei mir selber. Wie wäre es, wenn i inem ö molenser Genossen einmal zu e deutsch aa ere g unealige d 055 tscland! fiel es mir ein. Das un b en, Scthen Das hat zwar Soldaten un 05 1 5 und Kasernen, Krupps und Rotschilds, 15 a städte, Schildas und Dalldor u Dll a Kl aber keinen Bürgermeister, der unsere fremden Genossen willkommen heißen, i tadttheater, 17 a Ratspalastbalkon, 5 Musilchören zu einem ö von Stimmen mit den die vielen tausenden kranfenden Siegeslich ir das Evangelium von der B N Volkes verkünden könnten. tio bere d t, Dr. G E cee sekretär der nationalliberalen Partei O 1 g ihnen seine Pforten das ih 95 8 Befreiung des Ja Nr. 13. [dürfte denn überhaupt ein italienischer Genosse auch bei uns einen„Blick in den Zukunftsstaat“ tun? Ich bezweifle es. Kaum in den Gegenwarts⸗ staat, wenn er nicht als„lästiger Ausländer“ schon vorher wieder den heimatlichen Penaten zurückgesandt worden wäre! Aber wird es nicht endlich doch gelingen....? Bums! Da schlief ich ein und sah den ganzen Faun staat, nicht den in Imola, sondern den wirk⸗ lichen, den, der bereits alle Schlacken der heutigen Mißwirtschaft überwunden hat und 9590 den der von Imola sich ausnimmt wie ein ABC⸗ Buch neben dem Marx'schen„Kapital“.— Aber nun wende ich mich an Euch! Sagt es selber, hatte nicht auch das Imola, welches ich Euch beschrieb, etwas vom Zukunftsstaat an stch?? Und doch war es Wirklichkeit! Ein Narr des 19. Jahrhunderts. Von Heinrich Zschokke. 7(Fortsetzung) Ich machte aber, und das war vorausge⸗ sehen, mit der Wahrheit so wenig Glück wie jeder andere vor mir. Seit einigen Wintern pflegte ich den Offiziercorps Vorlesungen über wissenschaftliche Gegenstände zu halten. Ich war noch jetzt daran, sprach nun aber frei mein Inneres aus. Als ich aber mit folgenden Sätzen hervortrat: Jeder Krieg, der nicht für Unabhängigkeit und Sicherheit des Vaterlandes gegen fremde Unterdrücker gesührt werde, sondern für persönliche Launen des Fürsten, JIntriguen der Minister, Ehrgeiz der Höfe, um zu erobern, um sich in die Angelegenheiten anderer Völker zu mengen, um eine Rache zu üben, sei ungerecht; stehende Heere seien die Plage der Länder, der Ruin der Finanzen, die Kerkerknechte des Despotismus, wo der Fürst Despot sein wolle— der Soldat sei Bürger— der Erb- und Briefadel heut' Un⸗ sinn, der nur unter Wilden und Barbaren eine c hefe nech die 2 rt Sinn gehabt. Babe. „ Aetlen, im W leide U eee e e uber ker fta after aischiig, 155 en Alk eben, daß alle dee 9 i n den Sitzen und in tee en ein Konkordat sich über Aufhebung der u i e es uns vielstimmig entgegen: denten J stehender Heere verständigen i der alle waffenfaͤhigen Bürger zu Gl 9 werden— Duellanten 9412 15 mi A ee e Perborteat aud ihre Nichtgke i u welcher der und ihre Richtigkeit erwies, a t uschenverstand nicht zwe fe 5 1 115 die 0 verboten, 15 300 General gab mir d Verweis. 1 und bekam Arrest. e e 88g e e e s. Doch übera t i N05 Ungnade, in 5 6 bie Sil an. e don ul gurbazadehen, Alan ach a on Einige der witzigsten lachte und spöttelte viel. 9 ian dn ich für verrückt und meinten, 8 Schreckens, denn ich 15 coscast vereitelten Hoffnung auf die a 9 0 8 la, daß loc men bisheriger Bedienter lauf sehr bet mir bleiben wollte, weil ic nicht mehr bei mir bleibe Kot ährte 50 mich und ihn mit zu karger nühm und n Kaffee abschaffte, selten Wein a bisherigen reichen Livree ei chen arne 21 c lassen wollte, ungefähh, wie die, in der du mich jetzt siehst. it ez, Dagegen erhielt ich zu derselben 930 Haus Brief, der mir für alles Ersatz bot. 6 feier nämlich vor Jahren ein armes Bette mäsie er⸗ weinend vor der Scheuer eines Baue ruhzrügel gefunden. In der Scheuer lag 17 15 esamt⸗ Mutter des Mädchens sterbend, in 3 fins für Ich erfuhr von dem sterbenden 117 ür Joh. selbst noch sehr jung war, es sei 0 schaff a 51 Dieust einer enen Eltern Fersschalt getreten, dort vom 1 4 verführt, dann mit einem Stück Ge 10 Hause gewiesen worden, habe 1 2 bindung Dienst gesucht, aber 1 0 fel nirgends langen Unterhalt gefunden, 0 — in Haft — se t“ 0 10 n J 5 1 en el t 00 Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Geschlechtsnamen seiner Mutter kannte, besser gekleidet in eine weibliche Erziehungsanstalt umhergestrichen, habe zuletzt nur von Almosen gelebt und könne nun für ihre Tochter nur noch beten.— Ich lief in das Bauernhaus, ihr Erfrischungen zu kaufen, denn der Bauer hatte ihr kaum den Ruheplatz in der Scheuer gestatten wollen. Als ich zurückkam zu ihr, lag sie schon entseelt auf dem Heu und das kleine Mädchen jammernd über dem Leichnam der Mutter. Ich tröstete, so gut ich konnte, bestritt die Begräbnißkosten und schickte das verwaiste Mädchen, welches nicht einmal den nach Rastrow. Es hieß Amalia; ich gab ihm zum Almosen noch den Beinamen Scheuer nach dem Fundort. g Jetzt eben, da alles von mir wich, erhielt ich aus der Anstalt Rastrow von dieser Amalte Scheuer einen Brie, der noch zu meinen Kleinodien gehört. Du sollst ihn lesen. Er rührte mich damals zu Tränen. Der Inhalt war ungefähr: Sie habe mein Unglück ver⸗ nommen und glaube nun ihrem Vater, so pflegte ste mich zu nennen, nicht länger zur Last sein zu müssen. Sie werde suchen, als Erzieherin in einem guten Hause oder durch Stickerei, Putzmachen, Unterricht im Klavierspiel oder auf irgend eine Art ihren Unterhalt selbst zu erwerben. Ich möge für sie unbekümmert sein; nun sei die Reihe an ihr, Kummer für mich zu haben. Du mußt den Brief selbst lesen mit den schönen Ausbrüchen von Dank⸗ barkeit. Es ist die Abspiegelung der frömmsten, reinsten Seele. Sie bat nur um die Erlaubnis, ein einziges Mal ihren Wohltäter zu sehen, dessen Bild ihr nur dunkel im Gedächtnis schwebe seit dem Todestag ihrer Mutter.— Ich schrieb ihr zurück, lobte ihre Gesinnungen, aber versicherte, ste habe nicht Ursache, sich zu übereilen; ich würde für sie sorgen, bis sie einen angemessenen Platz habe. (Fortsetzung folgt.) Ein freigebiger Seelenhirte. Beim Pastor Rabius in Seelze war kürz⸗ lich große Auktion. Als dieselbe beendet war, Jeguste ne der Pastor sein Dienstmädchen, fämt⸗ liche alten Papiere usw. den Flammen zu über⸗ liefern und zu diesem Zweck in die Küchenplatte zu stecken. Als das noch sehr junge Dienst⸗ mädchen in dem alten Papier herumkramte, entdeckte ste ein buntes Bild, das sich bei nähe⸗ rem Zusehen als ein Hun dertmarkschein erwies. Nach eingehenderem Suchen entdeckte es noch sechs von der Sorte, welche es still⸗ schweigend auf die Fensterbank legte. Kurz da⸗ rauf wurde es draußen laut.„Weib, wo hast du das Geld gelassen?“„Weib, schaff mir das Geld wieder an!“ so hörte das Mädchen den Pastor draußen rufen, und nun ein Gerenne und Gelaufe, treppauf, treppab, ein Wehklagen ing durch das ganze Hans, bis schließlich die Pastorin zu dem Dienstmädchen in die Küche trat und fragte:„Luise, hast du zwischen den alten Papieren keine bunten Bilderchen gefun⸗ den?“ was diese auch unter Ueberreichung der steben Banknoten bejahte. Voller Freude lief nun die Pastorin zu ihrem Herrn Gebieter, wel⸗ cher nach kurzer Zeit erschien und dem Mädchen mit pathetischer Geberde und mit den in sal⸗ bungsvollstem Tone gesprochenen Worte: Jeder ehrliche Finder ist seines Lohnes wert, eine ganze Mark in die Hand drückte. Staats retter⸗-Pech. In dem großen Porfe It. im Kreise Tilsit wurde, wie das jetzt so üblich ist, ein evange⸗ lischer Arbeiterverein gegründet, natürlich zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Das große, staatserhaltende Werk war vollbracht, man konnte nun an die Vernichtung der verdammten Sozis herangehen. Geld wurde gesammelt, eine Fahne wurde angeschafft, und Verein und Fahne vom Pfarrer gesegnet. Doch der heilige, glühende Feuereifer erkaltete bald, Abteil der Verein wollte nach einiger Zeit nicht mehr so recht vorwärts kommen. Da, eines Tages, o Graus, erklärte der Fahnenträger, ein kleiner Besitzer, er trage die Fahne nicht mehr, er— sei Sozialdemokrat geworden! Möge die Fahne tragen, wer wolle. Man hätte nur die bestürzten Gesichter der Gründer dieses Vereins sehen sollen. Mit dem Fahnenträger traten gleichzeitig die Mitglieder aus, und der an⸗ fänglich zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gegründete Verein verendete, weil die meisten Mitglieder Sozialdemokraten geworden waren. Das ist bitter, wirklich sehr bitter für unsere „Staatserhaltenden“. r Humoristisches. Kavallerie⸗ Vermehrung. Ameier: Der Kriegsminister hat ja auch eine Vermehrung der Kavallerie und ihres Offizierskorps angekündigt.— Bmeier: Die In zahlreichen Garnisonstädten mangelt es an Tänzern.(W, Jak.) Babel und Bibel.„Hebe dich hinweg, Sklave; wir können in Babylon keine Wurst mehr essen, wenn nicht die Berliner ihren Senf dazu gegeben haben.“ (Simpl.) —— 252822———————— Geschichtskalender. 29. März. 1888: Max Kayser, soz. Reichs⸗ tagsabg., f. 1883: Soz.⸗dem. Parteitag in Kopen⸗ hagen. 1826: Wilhelm Liebknecht,*. 30. 1901: Oberleutnant Rüger zu 6 Jahren Zuchthaus wegen Mordes verurteilt. 1897: Neuer Panamaskandal vor der franz. Kammer. 31. 1881: Erste Verlängerung des Sozialisten⸗ gesetzes. 5 1. April. 1897: Schultze⸗Königsberg, soz.⸗dem. g., F. 2. 1898: Zola vom Kassationshof freigesprochen 3. 1849: Friedrich Wilh. IV. lehnt die Kaiser krone ab. 5 4. 1900: Oertel-Nürnberg, soz. Reichstagsabg. F. ist auch dringend nötig. für Putz! 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