722 — — 2—— 8— 1 ——— 1 ——— eee eee e ee eee Nr. 43. Sonnt 15 Gießen, den 25. Oktober 1903. 10. Jahrg. 0 Redaktion: 2 5 Rebaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Wee g Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Mark. die Expedition unter Kreuzban d vierteljährlich 1 Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33˙, Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt, Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 30% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens Verlorene Arbeit. Jährlich gibt Deutschland weit über eine Milliarde Mark für Heer und Marine aus, und jährlich steigt diese Unsumme noch höher. Bei diesem laufenden Aufwande ist noch nicht berücksichtigt, daß auch der weitaus Fan Teil der fast dreitausend Millionen Mk. etragenden Reichsschuld für Heer und Marine verausgabt worden ist. So unglaublich sorglos ein großer Teil des Volkes in Finanz⸗ fragen ist, so läßt sich nicht mehr verhindern, daß gerade die Notwendigkeit der Riesenaus⸗ gaben für Heer und Marine auf immer größere Zweifel stößt. Bei der Arbeiterklasse haben sich naturgemäß diese Zweifel zuerst Bahn ge⸗ brochen, weil die gesamten Ausgaben für den Militarismus zu Wasser und zu Lande durch indirekte Steuern aufgebracht werden, und diese ungerechte Besteuerungsart den Arbeiter und alle anderen Unbemittelten mit acht, ja zehn und zwölf Prozent des Gesamteinkommens belastet, während der Höchstsatz der direkten Besteuerung auch bei den Millioneneinkommen in Preußen nur vier Prozent beträgt. Zur Beschwichtigung der Zweifel hat man eine Anzahl von Phrasen bei der Hand. Man erkennt zwar an, daß die hohen Ausgaben drückend seien, daß es sehr angenehm sein würde, wenn ste vermieden werden könnten, indes— so sagt man— sei das leider un⸗ möglich; Deutschland müsse wegen der„äußeren Feinde“ gerüstet sein. Nun sst mit Recht der Glaube an die Mög⸗ lichkeit eines Krieges in Europa so sehr ge⸗ schwunden, daß der Hinweis nicht mehr zieht. Und da die Verwendung des Heeres gegen den „inneren Feind“, also gegen dasselbe Volk, das sich erst im wahrsten Sinne des Wortes die Kosten für Erhaltung des Heeres vom Munde abdarben muß, nicht populär sein kann, ist man auf die letzte Ausrede verfallen und sagt: das für Heer und Marine verausgabte Geld ist doch nicht weggeworfen; es bleibt im Lande, fließt wieder ins Volk zurück, und es wird viel Arbeit geschafft, so daß auch diese Ausgaben ein volkswirtschaftlicher Segen sind. Selbst Leute, die sonst nicht unbesehens alles für bare Münze nehmen, lassen sich durch die Ausführungen täuschen. Wie liegt aber die Sache? Nicht jede Arbeit fördert den Volks⸗ wohlstand. Wenn wir hunderttausend Arbeits⸗ lose an einen Fluß stellen und sie müßten täglich zehn Stunden lang Wasser durch Siebe gießen, so arbeiten sie zwar, aber irgend welchen Wert hat diese Arbeit nicht. Man könnte den Beschäftigten ebensogut ohne jede Gegenleistung täglich den Lohn aus⸗ zahlen. Also nicht auf das Arbeiten an sich kommt es an, sondern auf den produktiven Wert derselben. Wenn Straßen gebaut wer⸗ den, oder Bahnen, Kanäle, Häuser, Schulen, Maschinen, Werkzeuge, so ist diese Arbeit pro⸗ duktiv, ste vermehrt den Volkswohlstand. Ein überwiegend großer Teil der Ausgaben für Heer und Marine ist dagegen nicht produktiv, bringt darum keinen„volkswirtschaftlichen Segen“, sondern raubt vielmehr dem Volke einen Teil des Einkommens.. Wie hoch das durch Arbeit verdiente Ge⸗ samteinkommen Deutschlands ist, darüber liegen sichere Zahlen nicht vor, weil der kapitalistische Klassenstaat sich schwer hütet, in gewisse Ge⸗ heimnisse des jetzigen Produktionsprozesses hin⸗ einzuleuchten. Es wird jedoch das Gesamt⸗ einkommen aus Arbeit auf jährlich etwas über 20 Milliarden geschätzt. Es ist selbstverständlich, daß das Gesamteinkommen umso größer sein muß, je mehr Personen schaffend tätig sind, aber doch von dem durch Arbeit gewonnenen Gesamteinkommen erhalten werden müssen. Alle Einnahmen ohne Ausnahme sind in letzter Linie auf den Ertrag von Arbeit zurückzuführen. Wenn ein Millionär sein Geld tot im Schranke liegen läßt, so würde er nicht einen Pfennig Zinsen davon haben. Nur wenn er das Geld „arbeiten“ läßt, das heißt in Fabriken, Land⸗ güter, Gruben oder Handelsgeschäfte steckt, wirkt es zinstragend, weil ein Teil der durch Arbeit geschaffenen Werte vom Besitzer des Kapitals als Profit, Rente, Dividende oder 110 0 sonst einer Bezeichnung zurückbehalten wird. Je mehr Arbeitskräfte deshalb in einem Staatswesen tätig sind und je weniger untätige Leute vom Ertrag der produktiven Arbeit er⸗ halten werden müssen, um so besser werden die Zustände für die Arbeiter sein können. Natür⸗ lich kann niemals, auch in der soztalistischen Gesellschaft nicht, der Zustand erreicht werden, daß jeder produktiv arbeitet. Sowohl die Kinder wie auch die Siechen und Alten, ferner die mit der Leitung und Beaufsichtigung des Produktionsprozesses und die mit der Ver⸗ schleißung der Güter Beauftragten müssen vom Ertrag der Arbeit erhalten werden. Ein Teil des Gesamtarbeitsertrages wird also stets ver⸗ wendet werden müssen zur Erhaltung solcher, die nicht am direkten Produktionsprozeß teil⸗ nehmen können. Heute aber ist dieser Anteil der vom Ertrag der produktiven Arbeit an nicht produktive Kräfte abgetreten werden muß, entsetzlich hoch. Die Unsumme von Beamten aller Art, die bei einem einfacheren Mechanis⸗ mus der Verwaltung der produktiven Arbeit dienstbar gemacht werden könnten, die Millionen⸗ einnahmen einzelner Personen als Renten, Zinsen usw., alle die anderen unproduktiven Ausgaben, zu denen auch die meisten für Heer und Marine gehören— das alles zehrt vom Ertrage der Arbeit und bringt es mit sich, daß der Arbeiter nur etwa die Hälfte dessen be⸗ kommt, was seine Arbeit wirklich wert ist. Anders ausgedrückt: Wenn der gesamte Arbeitsertrag in Deutschland jährlich 20 Milli⸗ arden Mark beträgt, so kommen nur vielleicht elf oder zwölf Milliarden den Arbeitern wieder zu gute; die fehlenden acht oder neun Milliarden werden an unproduktive Kräfte gezahlt. Zu diesen unproduktiven Ausgaben gehört nun auch der weitaus großte Teil der Militär⸗ und Marine⸗Milliarde. Nicht nur werden durch den Militärdienst rund 600 000 Arbeitskräfte be⸗ ständig dem Produktionsprozesse entzogen, son⸗ dern diese für die Arbeit brach gelegten Kräfte müssen auch noch vom Arbeitsertrag der schaffen⸗ den Kräfte erhalten werden. Man komme nicht etwa mit dem Einw ande, wenn die 600 000 aktiv Dienenden in den Pro⸗ duktionsprozeß eingereiht würden, dann müsse die Arbeitslosigkeit noch größer werden. Dies könnte nur der Fall sein bei dem unsin nigen kapitalistischen Wirtschaftssystem. Der sozia⸗ listischen Gesellschaft wird es nie an Arbeit fehlen. Nur bei einer wahnsinnigen Wirtschafts⸗ weise ist es möglich, daß gesunde Arbeitskräfte ohne Beschäftigung bleiben. Wer daran zweifelt, daß unsere Beweis⸗ führung richtig ist, wer also immer noch meint, das„Zurückfließen“, das„im Lande Bleiben“ des Geldes sei die Ha iptsache, dem machen Wir folgenden Vorschlag: Die zwanzigtausend reichsten Leute Deutschlands haben zusammen ein Ver⸗ mögen von etwa 30 Milliarden Mark. Mit diesem Gelde könnten etwa 25 Jahre lang die gesamten Kosten für Heer und Marine bestritten werden. Nun wohl! Man setze jedem dieser Leute eine recht hohe lebenslängliche Staats⸗ rente fest und nehme ihnen das Kapital weg für Heer und Marine. Und wenn sie sich wei⸗ gern wollen, sage man ihnen: Habt keine Angst! Das Geld bleibt im Lande und fließt wieder zurück, es geht euch also nichts verloren.— Wenn unsere Millionäre auf diesen Vorschlag eingehen, so wollen wir uns für geschlagen er⸗ klären. Gehen sie aber nicht darauf ein, so beweisen sie, daß sie selbst nicht an das Märchen vom„Zurückfließen“ glauben, das nur für die Gedankenlosen berechnet ist. Politische Rundschau. Gießen, 22. Oktober. Der soz aldemokratische Wahlaufruf zu den preußischen Landtagswahlen ist in der Sonntagsnummer des„Vorwärts“ erschienen und vom Parteivorstand als dem Zentralwahlkomitee unterzeichnet. Der Aufruf kennzeichnet zunächst den volksfeindlichen Cha⸗ rakter des Dreiklassen⸗Wahlsystems, welches die weitaus stärkste Partei vom Landtage ausschließe. Unter der Herrschaft der privilegierten Klassen⸗ vertretung hätten sich Zustände herausgebildet, die eines Kulturvolkes unwürdig sind. Das Abgeordnetenhaus sei eine Versammlung Ge⸗ wählter, die jedem Begriff einer Volksvertretung Hohn spreche; das Herrenhaus eine Versamm⸗ lung Ernannter, von denen die meisten kein anderes Verdienst am Staat und Gesellschaft aufweisen können, als daß sie sich die Mühe nahmen geboren zu werden und zu verzehren, was sie nicht erworben haben. Durch eine möglichst große Zahl sozial⸗ demokratischer Stimmen müsse energisch Protest gegen die entwürdigenden Zustände erhoben und durch Wahl sozialdemokratischer Vertreter die Interessen der arbeitenden Volksmehrheit geschützt werden. Als nächste Forderungen werden u. a. an⸗ geführt: Allgemein gleiches und direktes Wahlrecht. Propor⸗ tionalwahl. Beseitigung des Herrenhauses(Erste Kammer). Beseitigung der Dienstbotenordnungen. Einführung des achtstündigen Normalarbeitstages in den Staatsbetrieben. Volle Gleichberechtigung aller Nationalitäten. Trennung der Kirche vom Staat. Volle Freiheit der Religionsübung und volle Selbstverwaltung der religtlösen Gemeinschaften. Hebung des Volksschulwesens; Vermehrung und materielle Besserstellung der Lehrer; Unentgeltlichkeit des Unterrichts. Beseitigung des Wohnungselends durch staatliche Maßnahmen. —.. 8 .*——— N 2 r —. 2 1 2 TTT 8 Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung. Nr. 3. Förderung von Kunst und Wissenschaft und Zugäng⸗ lichmachung ihrer Erzeugnisse durch die Gesamtheit. Förderung von Industrie und Landwirtschaft durch Errichtung höherer Fachlehranstalten, Lehrwerkstätten, Musterwirtschaften, Musterbetriebe; Unterstützung des Genossenschaftswesens; Verstaatlichung der Gruben und Bergwerke. Ermäßigung und Vereinfachung der Personen⸗ und Frachttarife; Einführung der Reichsverwaltung für das gesamte Eisenbahnwesen. Verbesserung der Rechtspflege durch erhebliche Ver⸗ mehrung der Richterstellen; Verbilligung und Verein⸗ fachung der Rechtspflege. Bekämpfung aller Vorrechte, die einzelnen Ständen oder Klassen auf Kosten der Gesamtheit eingeräumt wurden. Volle Gleichberechtigung bei der Besetzung öffentlicher Aemter und Stellen; Schutz der Beamten gegen Ueber⸗ griffe von oben und finanzielle Besserstellung der niederen Beamtenklassen. Schutz des Publikums gegen Uebergriffe der Be⸗ amten, volle Verantwortlichkeit und Entschädigungspflicht des Staates für die Uebergriffe seiner Beamten. Reform der Armen⸗ und Waisenpflege im Sinne größtmöglicher Humanität. Reform der Steuergesetzgebung: Erhöhung der Pro⸗ gression für die Einkommen über 6000 Mk.; Einführung der Progression für die Vermögens⸗ und Erbschaftssteuer. Volle Selbst verwaltung der Gemeinden; Beseitigung des Bestätigungsrechts für gewählte Gemeindebeamte. Zu der neuen Kanonenforderung schrieb der Oberst a. D. Gaedtke— irren wir nicht, war der Mann früher Kommissar im Kriegsministerium— im„Berl. Tagebl.:“ „Die Höhe der notwendigen Geldsumme wird wohl sehr viel größer sein und der Zeit⸗ punkt, zu dem die Vorlage eingebracht werden soll, mag sich etwas verschleben. Die Regierung wird jedenfalls Wert darauf legen, zunächst die neue Heeres vorlage bewilligt zu sehen, und wird dann erst mit der voraussichtlich sehr beträchtlichen Forderung für die Geschützum⸗ änderung hervortreten. Kommen wird diese Vorlage jedenfalls im Laufe des nächsten Jahres, denn sie ist notwendig. Deutschland ist durch andere Staaten in seinem Geschützsystem erheb⸗ lich überflügelt worden.“ Hält nun der Oberst Gaedtke die kommende Vorlage für notwendig, so beweist er doch gleich⸗ zeitig, daß die letzte Neubewaffnung der Ar⸗ tillerte völlig überflüssig war. Er sagt darüber: „Als wir unsere gegenwärtigen Geschütze im Jahre 1896 beziehungsweise 1898 einführten, waren dafür wohl mehr politische als tech⸗ nische Erwägungen maßgebend. Allein vom Standpunkte der Tech nik aus betrachtet, war das neue Geschütz eineübereilte Konstruktion, da man bei ihm nicht alle diejenigen Ver⸗ besserungen anbrachte, deren Durchfuͤhrbarkeit schon damals übersehen werden konnte. Natar⸗ lich hätte die Erledigung der sich hieran knüpfeu⸗ den Fragen und Versuche noch einige Jahle in Anspruch genommen, was angesichts der da⸗ maligen Bewaffnung bei den übrigen Mächten kein Nachteil gewesen wäre.“ Es ist nicht gerade geeignet, Vertrauen zu erwecken, wenn im Moment, wo eine neue Kanonenforderung kommt, festgestellt wird, daß die erst vor weuigen Jahren aufgewendeten 150 Millionen für neue Geschütze eigentlich wegge⸗ worfen sind. Unsere militärbegeisterten Volks⸗ vertreter wird das gleichwohl nicht abhalten, wieder eine runde Summe von Millionen aus den Taschen des Volkes zu bewilligen. Da scheint es kein Halten mehr zu geben, bis dem Volke selbst einmal die Geduld ausgeht. Dreizehn Monate Gefängnis wurden am Freitag vom Berliner Landgericht über zwei„Vorwärts“ ⸗Redakteure, die Genossen Leid und Kaliskt, wegen angeblicher Majestätsbeleidigung und Beleidigung des Hofmarschalls v. Trothe verhängt. Es handelte sich um die bekann! 8 sserinsel⸗ Angelegenheit. Bekanntlich war in einem im„Vorwärts“ erschienenen Artikel behauptet worden, daß in Hofkreisen der Bau eines festen Schlosses für den Kaiser auf der Insel Pichelswerder erörtert werde. Eine Menge Zeugen vom Hofe waren aufgeboten, u. a. der Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen⸗ Häseler, der Chef des Zivilkabinetts von — Lukanus, Oberhofmarschall Graf Eulen⸗ burg und der Oberhofmarschall der Kaiserin, Freiherr von Mirbach usw. Alle bekundeten, daß ihnen von solchen Plänen nichts bekannt sei. Redakteur Eisner vom„Vorwärts“ gab über die Entstehung des Artikels Auskunft. Derselbe sei auf Grund eines Aktenstückes ent⸗ standen, was amtlichen Charakter getragen habe und nach Form und Inhalt außerordent⸗ lich charakteristisch war. Derselbe Mann, der die handschriftliche Bemerkung auf dem Akten⸗ stück machte und eine sehr charakteristische Hand⸗ schrift besitzt, habe später durch eine Stadtpost⸗ karte der Redaktion mitgeteilt, daß sie näheres von Herrn von Trotha und von Herrn Ebhard erfahren könne. Auf die Frage des Oberstaats⸗ anwalts nach dem Gewährsmanne des Doku⸗ ments verweigerte der Zeuge die Auskunft. Redakteur Wetzker machte dieselbe Aussage. Die Vereidigung der beiden letztgenannten Zeugen wurde abgelehnt, weil sie der Teil⸗ nahme verdächtig seien.— Das Gericht er⸗ kannte, wie oben bereits angegeben, nach dem Antrage des Staatsanwaltes. Amtsblätter, Generalanzeiger und andere stellen sich als Kluge und Vorsichtige hin und schelten über den„Vorwärts“, der solchen plumpen Schwindel der Veröffentlichung wert gehalten habe. Die„Hessische Landesztg.“ wirft unserem Zentralorgan sogar Sensations⸗ bedürfnis vor. Jene„Gutgesinnten“ mögen sich beruhigen; auf das Sensationsbedürfnis der Masse zu spukulieren, kann der„Vorwärts“ getrost anderen überlassen. Und im Laufe der letzten Jahrzehnte haben wir doch wahrhaftig Merkwürdiges genug erlebt, daß wir es dem Genossen Leid nicht verdenken können, wenn er das Schloßbau⸗Projekt glaubhaft fand. Wundern müssen wir uns allerdings dar⸗ über, daß die sonst so mißtrauischen und vor⸗ sichtigen„Vorwärts“ ⸗Redakteure sich in diesem Falle nicht genauere Erkundigungen über den Gewährsmann eingezogen. Es ist unbestritten, daß das angeblich falsche Dokument aus einem beschriebenen echten Briefbogen des kronprinzlichen Hofmarschall⸗ amtes bestand. Ist also das Dokument nicht echt, dann ist es gewiß, daß das amtliche Brief⸗ papier jenes hohen Hofamtes zu einem frevent⸗ lichen, an Urkundenfälschung grenzenden Miß⸗ brauch verwendet worden ist. Diese Fälschung hätte dann ja auch nicht allein den— manchen Leuten immerhin sympathischen— Erfolg ge⸗ habt, zwei Sozialdemokraten ins Gefängnis zu bringen, sondern sie hätte auch die Hauptschuld an der angeblichen Majestätsbeleidigung, die fast ausschließliche Schuld an der erfolgten Be⸗ leidigung des Hofmarschalls und an der hoch⸗ gradigen Beunruhigung, die diese ganze Affäre zur Folge gehabt hat. Diese Tatsache kann dem Hofmarschallamte nicht gleichgültig sein. Denn die Angestellten dieses Amtes sind in den peinlichen Verdacht geraten, an diesem seltenen„Spaß“ irgendwie beteiligt zu sein, oder aber eine solche Nach⸗ lässigkeit walten zu lassen, daß die Utensilien des Amtes jedem gefährlichen Mißbrauch offen stehen.— Solange es nicht gelingt, des Diebes habhaft zu werden, der das Briefpapier des Hofmarschallamtes stahl, um auf ihm das Hof⸗ marschallamt beim„Vorwärts“ und damit vor der Oeffentlichkeit zu verleumden, solange bleibt auf den Angestellten des Amtes der Verdacht haften, daß einer von ihnen aus sicherem Ver⸗ steck den vergifteten Pfeil dieser Fälschung abge⸗ schossen habe. Wie ihm aber immer sein möge, eine Majestätsbeleidigung konnte nur die gewagteste Auslegungskunst aus dem betreffenden Artikel herausdestillieren. Der Kaiser war darin mit keiner Silbe genannt.— Einsichtiger wie die übrige bürgerliche Presse urteilt der in Stutt⸗ gart erscheinende„Thürmer“ über den Prozeß: „Herr Leid soll groben Unfug verübt und sich der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht haben. Auch die Todfeinde der Sozialdemokratiie haben in dem inkrimierten Artikel keine Spur eines dieser beiden Delikte zu finden vermocht. Von einer Majestätsbeleidigung könnte selbst dann nicht die Rede sein, wenn behauptet worden wäre, der Kaiser habe den Plan gebilligt... Bleibt der neueste Mär⸗ tyrer der Sozialdemokraten in Haft, dann werden sie bald im Bibelstil zu den Regierungen sprechen:„Was ihr Leid tatet, wird euch leid tun.“ Aufreizende Urteile. Als kürzlich die Frankfurter Volksstimme die Mitteilung brachte, daß von oben herab An⸗ weisung ergangen sei, die sozialdemokratischen Zeitungen sollten einer schärferen staatsanwalt⸗ lichen Prüfung daraufhin unterworfen werden, ob Majestätsbeleidigungen darin enthalten seien, wurde das amtlich bestritten. Ueberblickt man aber die zahlreichen Majestätsbeleidigungspro esse in der letzten Zeit, so muß man zu der Mel nung kommen, daß die Mitteilung der Volks⸗ stimme doch nicht ganz unrichtig war. Die dritte Strafkammer des Landgerichts Leipzig verurteilte wegen Majestätsbe⸗ leidigung nach mehrstündiger nichtöffentlicher Verhandlung den Redakteur der„Leipziger Volkszeitung“, Lüttich, zusechs, den Redakteur der„Altenburger Volkszeitung“, Hellmann, zu drei und den Redakteur der„Volkszeitung für das Muldental“, Reichstagsabgeordneten Schöpflin, zu vier Monaten Gefängnis. — Die Verurteilung erfolgte wegen einer Notiz, in der mitgeteilt wurde, daß ein in Wien im Spital verstorbener Landstreicher behauptet hatte, Eduard von Battenberg zu heißen und sich ge⸗ rühmt hatte, verwandtschaftliche Beziehungen zum hohenzollernschen Herrscherhause zu haben. Die in der Notiz enthaltenen Angaben stammen aus einer Wiener Polizei⸗Korrespondenz und die Notiz hatte auch in deutschen bürgerlichen Zeitungen gestanden. Wegen eines Artikels, den die„Leipziger Volkszettung“ über diesen Prozeß brachte, ist nun ein neues Verfahren eingeleitet worden und um den Verfasser zu ermitteln, wurde der Zeugniszwang gegen das gesamte Redak⸗ tions⸗ und Expeditionspersonal des Blattes angedroht. Die Betroffenen wurden sämtlich auf Mittwoch Vormittag von 9—11 Uhr vor⸗ geladen, so daß die Bureaus während dieser Zeit geschlossen bleiben mußten. Ueber weitere Majestätsbeleidigungsprozesse ist zu berichten: Die Revision des Redakteurs unseres Königsberger Parteiblattes, der wegen angeblicher Majestätsbeleldigung 3 Monate Gefängnis erhielt, wurde verworfen. Er muß also die 3 Monate absitzen. * Wegen Majestätsbeleidigung wurde am Sonn⸗ abend der Glasarbeiter Ehren berg aus Rauscha in nichtöffentlicher Sitzung von der Görlitzer Straf⸗ kammer zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.— Die Zeitungsnachricht, nach welcher jeder Hohenzollern⸗ prinz ein Handwerk lernt, hatte nach den Aussagen mehrerer Zeugen den Angeklagten zu einer objektiv kränkenden Aeußerung über den Kaiser veranlaßt. Er wurde nach den„Görlitzer Nachrichten“ wegen dieser Aeußerung von einem Kollegen denunziert. Der Angeklagte war zur Zelt des Vorfalls angetrunken. * Wegen Majestätsbeleidigung wurde vom Landgericht Dresden die 1849 in Meißen geborene, in Lo m⸗ matzsch wohnhafte Ziegeldeckersehefrau Amalie Marie Borrmeann, geb. Seifert, zu 6 Monaten Gefäng⸗ nis verurteilt. Die Sünderin hatte das Verbrechen begangen im Gespräch mit mehreren Frauen eine Aeuße⸗ rung über den König Georg zu tun, die sich auf die Ermordung des serbischen Königspaares bezog. * Endlich wird aus Bautzen gemeldet: Der kürzlich mit einem Verweise bestrafte noch nicht 14jährige Schüler Graf wurde von der hiesigen Strafkammer wegen Majestätsbeleidigung nach nichtöffent⸗ licher Verhandlung zu 4 Wochen Gefängnis ver⸗ urteilt. Das erinnert wirklich an das Zeitalter Nero's! Selbst Kinder, die sich eine vorlaute Redensart erlaubt haben, schickt man wegen „Majestätsbeleidigung“ ins Gefängnis! Hütel eure Zungen! Warnt eure Kinder!— * Himmelschretende Rechtsprechung! Ein Wahlkrawallprozeß spielte sich in Halber⸗ stadt ab, der auch bezüglich der verhängten —— — —— K . e e VT n e ————.—.——v— TTT —— Nr. 43. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Strafen an das Drama von Laurahütte er⸗ innert. Am Abend des Stichwahltages wurde bekannt, daß der Roßschlächter Korte über die Arbeiter abfällige Aeußerungen getan habe. Da bieser nur Arbeiterkundschaft 6 verur⸗ sachten seine Bemerkungen bei einigen Arbeitern tiefgehende Erregung und es wurde eine Flug⸗ schrift verfertigt, in dem zum Boykott des Korte aufgefordert wurde. Am Abend des 26. Juni sammelten sich eine Menge Leute vor der Roßschlächterei, es entstand Skandal und verschiedene Fensterscheiben wurden einge⸗ worfen. Als Angeklagte erschienen zum größ⸗ ten Teile junge Burschen von 16—20 Jahren. Die dee bejahten die Schuld⸗ frage auf Landfriedens bruch und das Ur⸗ teil lautete: Gegen den Maler K. Müller auf 2 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht(); gegen den Arbeiter R. Schmidt auf 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und ebenfalls Stellung unter Polizeiaufsicht; gegen den Handschuhmacher Paul Friedrich Ewe auf 1 Jahr Gefängnis; gegen den Färber Rudolf Fredersdorf auf 6 Monate Gefängnis. Die übrigen Angeklagten: Arbeiter H. Horn, E. Brecht, A. Waage, Meyer, Hornung, May erhielten Gefängnisstrafen von 6 Wochen bis 12 Monaten. Im ganzen wurden verhängt: 3½ Jahr Zuchthaus, 10 Jahr Ehr⸗ verlust und 52½ Monat Gefängnks! Im Zuschauerraum spielten sich nach Ver⸗ kündigung des Urteils herzzerreißende Szenen ab, die sich bis auf die Straße fortsetzten. Auch hier müssen wir wieder zum Vergleiche auf das Friedberger Urteil gegen die Kriegervereinler und auf das Marburger gegen die Studenten hinweisen. Die sächsische Wahlreform. Wenn die sächsische Regierung Reformen ankündigt, gleichgültig auf welchem Gebiete, so hat die arbeitende Klasse zu dem allergrößten Mißtrauen Veranlassung. Besonders in Wahlrechtsfragen. Ueber die Regierungs⸗ vorlage, betr. Aenderung des Landtagswahl⸗ gesetzes, über welche vor einigen Wochen schon Andeutungen gemacht wurden, sind der„Leipz. Volksztg.“ jetzt genauere Mitteilungen zuge⸗ angen. Danach sollen 16 Wahlkreise ge⸗ ildet werden, von denen jeder auf Grund eines direkten Dreiklassenwahlrechts drei Abgeordnete wählen soll. Zu diesen 48 Ab⸗ eordneten werden weitere 48, also insgesamt 6, von Interessengruppen gewählt. Davon sollen auf die Handels⸗ und Ge⸗ werbekammern 24 fallen, die übrigen 24 sind den landwirtschaftlichen Organi⸗ sationen zugedacht. 1 Wenn diese Vorlage Gesetz würde, so hätten die Agrarier und Konservativen die unbestrittene Mehrheit in der Zweiten Kammer. Sicher wären ihnen die 24 Mandate der landwirt⸗ schaftlichen Organisationen und die große Mehr⸗ heit der Mandate der landwirtschaftlichen Be⸗ zirke. Die Arbeiter könnten es im aller⸗ höchsten Falle auf 16 Vertreter bringen. Die Arbeiter wären nach wie vor entrechtet und die Industrie einflußlos. Wie es scheint, will man in Sachsen die unsinnigsten Wahl⸗ systeme ausprobieren. Den kleinen Leuten soll durch dieses System eine Schein vertretung gegeben werden, wie sie unter dem Dreiklassen⸗ wahlrechte ein Scheinwahlrecht hatten. Unsere Genossen werden nicht verfehlen, das gesamte Volk zum Protest gehn diese neue Ver⸗ gewaltigung aufzurufen. leiches, geheimes und direktes Wahlrecht ist unsere Parole! Wahlrechtsbewegung in Bayern. Unsere Genossen in Bayern leiten anläßlich der Einbringung des Wahlgesetzentwurfes eine nachhaltige Agitation für das allgemeine Wahl⸗ recht ein. In München fanden am Mittwoch fünf, in Nüenberg vier große Volksver⸗ sammlungen statt, in denen fast überall die Landtagsabgeordneten als Referenten auftraten, die auf die Mängel des Entwurfes hinwiesen. An zahlreichen anderen Orten finden weitere Versammlungen statt und überall soll das Volk zum Protest gegen die im Entwurfe liegende Benachteiligung des arbeitenden Volkes aufge⸗ rufen werden. Zu der Ersatzwahl im sächsischen Kreise Mittweida, wo Göhre gewählt war, der aber bekanntlich das Mandat niedergelegt hat, schrieb die national⸗ soziale„Hilfe“, daß Göhre wahrscheinlich wieder kandidieren werde.„Man wird von beiden Seiten scharf arbeiten und es ist an sich nicht ausgeschlossen, daß Sozialdemokrat gegen Sozialdemokrat kandidiert.“ Genosse Göhre hat den„Vorwärts“ ermächtigt, das ganze als„horrendesten Blödsinn“ zu bezeichnen.— Wer bei den in den nächsten Tagen erfolgenden Kandidaten-Nominierung von unsern Genossen aufgestellt werden wird, ist noch nicht bekannt; Göhre aber bestimmt nicht.— Kürzlich ging eine Notiz durch die Presse, nach welcher di? Antisemiten in diesem Kreise eine lebhafte Agitation entfalten wollten, um ihn uns zu entreißen. Dazu dürfen sie sich allerdings schon etwas anstrengen, denn unsere Partei stegte bei der letzten Hauptwahl mit 8000 Stimmen Mehrheit über die gesamten Gegner.— Die Wahl ist auf den 17. Nobbr. festgesetzt. Ein Parteitag der Antisemiten von der Richtung Zimmermann⸗Hirschel hat vom Sonntag bis Dienstag in Berlin statt⸗ gefunden. Es sollen etwa 300 Personen daran teil genommen haben. Entsprechend einem Antrage der Parteileitung wurde der Name der Partei in„Deutsche Reformpartei“ — früher nannten sie sich deutsch⸗soziale Reformpartei— umgeändert. Der Parteiname wurde geändert, weil er zu Mißverständnissen, besonders in der bäuerlichen Bevölkerung, Ver⸗ anlassung gegeben haben soll, die unter dem Worte Deutschsozial etwas„Sozialistisches“ vermutet hätten. Interessant war, was Zim⸗ mermann über das Verhandeln des Marburger Mandates durch Böckel erzählte: „Kontrollierbare und unkontrollierbare Ge⸗ rüchte durchschwirrten die Luft über die vielen Kandidaten, denen er das Mandat angeboten hatte, unter Voraussetzungen, die sehr merk⸗ würdiger Natur waren. Auch mir war das Mandat durch Vermittlung eines Berliner Herrn angeboten worden. Ich habe darauf gar nicht reagiert, weil ich von der Ansicht finden, daß Wahlkreise nicht zu kaufen sind.“ Demnach wollte der ehemalige„hessische Bauernkönig“ das Mandat nach Hebräer⸗-Art wie ein Paar alte Hosen verschachern. Er hätte sich unter den Reformparteileuten nur genau umsehen sollen, eine Quantität Schnaps und Bier hätte er gewiß herausgeschlagen. Bezahlte Königsmörder. Eine Wiener Zeitung veröffentlicht die Namen derjenigen serbischen Offiziere, welche sich für den Mord Alexanders bezahlen ließen. Diese Träger des vornehmsten Rockes erhielten für das„Abmurksen“ ihres angestammten Herrschers zusammen 300 000 Francs. Wer mag das Geld bezahlt haben? Die an dem Nischer Komplott beteiligten Offtziere, die zu Freiheitsstrafen von einem Jahr oder mehr verurteilt wurden und dadurch den Offiziers⸗ rang verloren, wurden aus der Armee ausge⸗ stoßen und an die Polizeidirektion ausgeliefert, um nach der Strafanstalt überführt zu werden. — An eine Verfolgung der Königsmörder da⸗ gegen denkt niemand. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Kongreß„gutgesinnter“ Arbeiter. Diesen Sonntag tritt in Frankfurt ein „Deutscher Arbeiterkongreß“ zusammen. Als Einberufer unterzeichnen auch der Zentrums⸗ mann Heil, sowie der christlich⸗soziale Werk⸗ meister Bärrn und danach kann man schon ungefähr beurteilen, welcher Geist auf dem „Kongresse“ herrschen wird. Delegierte sollen nur Arbeiter oder aus dem Arbeiterstande her⸗ vorgegangene Beamte sein.— Nach dem Pro⸗ gramm soll der Kongreß die Wege zu einer geordneten„Selbsthilfe“ freimachen und be⸗ sonders uneingeschränktes Koalitions⸗ und Ver⸗ sammlungsrecht fordern.— Was sich da in Frankfurt zusammenfindet, sind proletarische Mitläufer der herrschenden Klassen, sie stehen unter der Patronanz der Kirche, des Staates und staatserhaltender Parteien. Sobald sie sich aber erdreisten, irgendwelche Forderungen zu stellen, werden sie das Wohlwollen der be⸗ sitzenden Kreise sich sofort verscherzt haben. Unternehmer⸗Terrorismus schlimmster Art übt die Glashütte„Wil⸗ helmshütte“ in Nienburg aus. Dort ist folgendes Plakat ausgehängt:„Bekanntmachungl Wir machen hiermit bekannt, daß wir auch fernerhin niemand beschäftigen werden, der die Henkelsche Gastwirtschaft besucht. Nienburg, den 15. September 1903. Homly, Holscher u. Cie.“ Das ist denn doch die Kapitalisten⸗Frechheit auf die Spitze getrieben. Empörend muß es wirken, wenn die Gesellschaft, welche sich vom Schweiße der Arbeiter mästet, diesen solche Vor⸗ schriften zu machen wagt, die noch von der Niedertracht diktiert sind, einem armen Teufel die Existenz zu ruinieren. Und da wagen kapi⸗ talistische Soldschreiber noch von sozialdemo⸗ kratischen Terrorismus zu reden! — Die Crimmitschauer Textil⸗Ar⸗ beiter erlassen einen Aufruf an die Ar⸗ beiterschaft Deutschlands, in welcher dringend um Unterstützung gebeten wird. Acht volle Wochen, heißt es darin, währt der Kampf der ausgesperrten 8000 Kollegen und Kolleginnen Crimmitschaus und noch immer ist ein Ende nicht abzusehen! Das vereinigte Unternehmertum rechnet mit Bestimmtheit dar⸗ auf, daß der Allbezwinger Hunger unsre Kämpfer für den Zehnstundentag, unsre Kämpfer für menschenwürdige Existenz mürbe machen werde, so daß sie bedingungslos zu Kreuze kriechen müßten. Und dann wehe, dreimal wehe den Besiegten! Nicht das Crimmitschauer Unternehmertum allein steht uns in diesem Kampfe gegenüber, sondern das Unternehmertum ganz Deutschlands hat sich unverhohlen gegen jede Bestrebung nach Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen. Der energischste Widerstand soll den Wünschen der Arbeiter ent⸗ gegengesetzt werden. Vom deutschen Textil⸗ unternehmertum ist das nicht anders zu erwarten! Arbeiter Deutschlands! Mit unverhohlener Freude rechnet die Unternehmerpresse aus, daß der Kampf die Kasse des Verbandes bald leer machen werde und daß dann den Unternehmern ein mächtiger Bundesgenosse im Hunger er⸗ stehen werde! f 7 Es ist wohl nicht nötig, hinzuweisen auf die Proben unvergleichlicher Solidarität, welche die deutsche Arbeiterschaft bereits oft und gern gab. Ein gleiches ist auch im gegenwärtigen Kampfe zu erwarten. Allein die Tatsache, daß die am elendesten gestellten aller Arbeiter mit den protzigsten aller Unternehmer kämpfen für die Verkürzung der Arbeitszeit, diese Tat⸗ sache allein wird in jeder Proletarierbrust den heißen Wunsch wecken: Diesen Kämpfern für den Zehnstundentag muß der Sieg werden! Von Nah und Lern. Hessisches. — Ueber die Wahlrechtsvorlage hat der Ausschuß am Mittwoch seine Vorbe⸗ sprechungen mit der Regierung beendet. Zu⸗ nächst wird nun der Plan einer gleichmäßigen Wahlkreiseinteilung, die sich durch das Land erstrecken und 56 Bezirke mit je 20000 Ein⸗ wohnern umfassen soll, ausgearbeitet werden und in etwa 14 Tagen wird die Vorlage zur weiteren Beratung vor den Ausschuß gelangen. Se ite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. — Landtagswahl in Darmstadt. Bei der am Donnerstag vorgenommenen Wahl der Abgeordneten, wurden, wie vorauszusehen war, die nationalliberalen Kandidaten Land⸗ gerichtsgerat Buff und Architekt Müller einstimmig gewählt. Dieses Resultat, was eine Stärkung der Reaktion bedeutet, hat der Frei⸗ sinn auf dem Gewissen. Wie wir schon in letzter Nr. bemerkten, wäre es ein Leichtes ge⸗ wesen, die Nationalliberalen, die mit nur 25 timmen Sieger blieben, aus dem Felde zu schlagen. Das geschah, wenn der Freisinn sich nicht geweigert hätte, der beinahe doppelt so starken Sozialdemokratie ein Mandat abzutreten. Beobachtet der preußische Freisinn bei den Land⸗ tagswahlen dasselbe Verhalten, so wird's ihm in den meisten Fällen wie in Darmstadt ergehen. Gießener Angelegenheiten. — An die Frauen richtet unser Magde⸗ burger Parteiblatt eine recht beherzigenswerte Mahnung. Es ist leider eine höchst bedauerliche Tatsache, schreibt es, daß noch sehr viele Frauen dem Freiheitsstreben ihres Mannes schwere Hindernisse bereiten. Mancher Mann möchte gern auf die Arbeiterpresse abonnieren, wenn die Frau nicht dagegen wetterte. Sie tut das in Unverstand. Sie meint, das Geld könne gespart werden, sie weiß aber nicht, daß sie dadurch viel mehr verliert, als sie an Verlust vermeiden möchte. Denn die arbeiterbedrückenden Zustände und arbeiterfeindlichen Gesetze lasten schwer auf der Tasche des Arbeiters. Sie lassen ihm gar nicht erst so viel zufließen, als bei freiheitlicheren Zuständen möglich wäre, und nehmen ihm das zehn⸗ und zwanzigfache aus der Tasche, was die Frau gern sparen möchte. Wer gar nichts für den Freiheitskampf ausgeben will, darf sich auch nicht beschweren, wenn Unterdrückung und Ausbeutung herrschen. Manche Frau will auch nicht, daß ihr Mann durch Abonnement auf die Arbeiterpresse oder sonstwie verrät, daß er Sozialdemokrat sei. Das ist eine jämmerliche Feigheit. Das heißt sich selber ducken und den andern den Kampf überlassen. Das ist höchst unrecht gegen diese andern. Wenn diese andern durch ihren Kampf für die Arbeiter etwas erringen, dann nimmt man ganz gern an dem Errungenen auch mit teil. Das ist aber verächtlich, sich von andern etwas erobern zu lassen und selber nicht mitzukämpfen. Eine tapfere Frau steht ihrem Manne im Kampfe um Freiheit und Recht ehrlich bei. Sie bittet den Mann, selber mit teilnehmen zu dürfen. Sie liest die Arbeiterpresse selber mit Vergnügen und Genugtuung und freut sich mit dem Manne der Triumphe der kämpfenden Arbeiterklasse. —Eine Erinnerungs feier an den Erlaß des Sozialistengesetzes veranstalten die hiesigen Parteigenossen am Sonntag Nachmittag um 4 Uhr in Lony's Bierkeller. Die Genossen Ulrich und Scheidemann aus Offenbach werden das Tema„Vor 25 Jahren“ behandeln. Umstände halber konnte diese Versammlung nicht, wie vorher geplant war, am Mittwoch, dem Geburtstage des Schandgesetzes stattfinden. Uebrigens dürfte der Sonntag für viele Arbeuer eine sein; es wird daher recht zahlreicher esuch erwartet. Voraussichtlich wird der Arbeitergesangverein„Eintracht“ es sich nicht nehmen lassen, die Feier durch einige passende Lieder zu verschönern. Hier in Gießen richtete das Schandgesetz nicht so große Verheerungen an, wie an vielen andern Orten. Es fanden zwar verschiedene Haussuchungen nach dem„Staatsanzeiger“ (Züricher„Sozialdemokrat“) statt, besonders Genosse Orbig mußte mehrfach solche über sich ergehen lassen, große Sozialistenprozesse schlossen sich aber nicht daran. Nur Genosse Petersen fiel einmal herein und er mußte wegen Verbreitung verbotener Schriften eine Woche brummen. Ende der achtziger Jahre wurden in Gießen etwa zwanzig Exemplare des„Sozialdemokrat“ gelesen. — Die interessante Zeitung. Von einem Parteigenossen wird uns geschrieben: „Wer eine bessere Lektüre als Amts- und Kreisblätter gewohnt ist, manchmal aber wie ich in die Lage kommt, mangels anderen Lese⸗ stoffes ste durchstudieren zu müssen, der muß wirklich an sich halten, daß ihm ob der wider⸗ lichen Byzantinerei und Schweifwedelei nicht der Ekel überkommt. Das trifft be⸗ sonders zu, wenn sich hohe Personen auf Reisen befinden, was bekanntlich nicht selten vorkommt. Ganz richtig dichteten kürzlich die „Lustigen Blätter“: 8 Sie reisen hin, sie reisen her; Von Ende Mai bis Herbstbeginn Beschließt man meistens im Koupee Der Völker Wohl, der Völker Weh. Monarchen reisen massenweise Auf diesem wie auf jenem Gleise Der Telegraph erzählt geschwind, Wo welche eingetroffen sind. Hochzeitsfeier in Darmstadt— Zar Nikolaus in Darmstadt— König von Italien in Paris — was dabei geredet, getoastet wurde, die Uniform der Herren, die Roben der Damen — alles wird bis in's Einzelne haarklein be⸗ schrieben. Was und wie sie aßen, wird den treuen Untertanen— die obendrein noch das Vergnügen haben, dafür zu bezahlen,— getreulich erzählt. Fehlt nur noch, daß der weitere Verdauungsprozeß bis in die intim⸗ sten Verrichtungen genau geschildert wird!“ So ist es in der Tat. Auch heute trifft noch zu, was der selige Hoffmann von Fallersleben vor einem halben Jahrhundert schrieb: Wie ist doch die Zeitung interessant Für unser liebes Vaterland! Was haben wir heute nicht alles vernommen Die Fürstin ist gestern niedergekommen, Und morgen wird— ein Herzog kommen, Hier ist der König heimgekommen, Dort ist der Kaiser durchgekommen, Bald werden sie— alle zusammenkommen— Wie interessant! Wie interessant! Gott segne das liebe Vaterland! — Ein mutiger Mann ist der Mu⸗ seumsdirektor Hofrat Al denhoven in Köln. Er trat auf dem Parteitag der Freisinnigen Vereinigung für die Haltung Barths gegenüber der Sozialdemokratie ein und setzte dazu:„Pach⸗ nicke spricht von dem Honoratiorentisch. Nun, ich bin auch Beamter, und auf die Gefahr einer Maßregelung sage ich Ihnen: Ich habe es für meine Pflicht gehalten, bei der Reichstagswahl für einen Sozial⸗ demokraten zu stimmen. Angesichts dieses Hinweises Pachnickes auf die Nachteile, die den Wählern im Lande entstehen könnten, wenn ste einen Sozialdemokraten wählen, möchte ich mit einem guten Dichterwort schließen: Der eine fragt: Was kommt danach? Der and're: Ist es recht? Und damit unterscheidet stch Der Freie von dem Knecht!“ Das ist recht und gu, und sehr anzuerkennen. Bei den Gießener Freisinnigen käme Herr Aldenhoven damit aber schön an. Er hätte nur die Rede des Herrn Gutfleisch in der en Wählerversammlung hören ollen! — Die Bestattung unseres Parteige⸗ nossen Landtagsabgeordneten Haas in Mainz hat bereits am Donnerstag Nachmittag statt⸗ gefunden. Da dies dem Vorstand des Wahl⸗ vereins erst im Laufe des Vormittags bekannt wurde, war es nicht mehr möglich, eine Deputa⸗ tion oder wenigstens eine Kranzspende nach Mainz zu senden. Deshalb mußten die hiestgen Genossen es bei der Absendung einer Bei⸗ leidsdepesche lassen. Das Leichenbegängnis fand zur festgesetzten Zeit unter außerordentlich zahlreicher Betetlig⸗ ung statt. Sämtliche Stadtverordnete ohne Unterschied der Parteirichtung, ein Vertreter der Bürgermeisterei, sowie Beigeordneter Haffner begleiteten die Leiche, welche von der Haas'schen Wohun z in der Frauenlobstraße nach dem Krenale rium überführt wurde, um dort ver⸗ brannt zu werden.— In der Versammlung, welche die Mainzer Parteigenossen am Mitt⸗ woch zur Erinnerung an den Erlaß des Sozial⸗ listengesetzes abhielten, widmete Genosse Dr. David unserm verstorbenen Freunde tiefem⸗ pfundene Worte des Nachrufs und schilderte seine aufopfernde Tätigkeit als Politiker und Gewerkschaftler. — Im Stadttheater wird am Mitt⸗ woch(28.) wieder eine Volksvorstellung gegeben. Zur Aufführung kommen:„Der zerbrochene Krug“ von Kleist;„Die Geschwister“ von Goethe und„Wallen⸗ steins Lager“ von Schiller. Aus dem Rreise Wetzlar. * Parteiversammlung. Am Sonntag, den 8. November, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale Orbig in Gießen eine öffentliche Par⸗ teiversammlung für den Wahlkreis Wetzlar statt. Als Beratungsgegenstände sind vorge⸗ sehen: 1. Jahresbericht des Vertrauensmannes; 2. Bericht über den Parteitag; 3. Neuwahl des Vertrauensmannes; 4. Verschiedenes. Es wird erwartet, daß die Parteigenossen recht zahlreich erscheinen. h. Die Lesevereinigung hat Herrn Schauspieler Walkotte auch dieses Jahr für eine Rezitation gewonnen. Der Künstler wird hier das Drama des russischen Dichters Maxim Gorcki„Nachtasyl“ zum Vortrag bringen. Auch diesmal findet der Vortrag wie die früheren im Schützengarten statt. Das Ein⸗ trittsgeld beträgt nur 30 Pfg., so daß ein zahl⸗ reicher Besuch erwartet werden darf. h. Der Bürgermeister von Wetzlar versieht zugleich die Stelle eines Amtsanwaltes bei dem Schöffen⸗ gerichte. Dieser merkwürdige Zustand soll nun endlich beseitigt werden. Der Bürgermeister von Zengen hat auf Wunsch der Stadtverordneten die Justizbehörde er⸗ sucht, ihn von dem Posten eines Amtsanwalts zu ent⸗ binden.— Das war höchst notwendig! Man bedenke: Der Bürgermeister ist zugleich Chef der Polizei und als solcher fertigt er Strafmandate aus. Wenn nun dagegen Widerspruch eingelegt wird, so fungiert er bei der Ge⸗ richtsverhandlung als Staatsanwalt! Daß dabei seine Tätigkeit als Stadtoberhaupt erheblich beeinträchtigt wird, ist sehr erklärlich. Und dann: muß die Stadt den Amtsanwalt mitbezahlen? — Dienstbotenlos. Daß die Lage der Dienstboten in sehr vielen Fällen eine wenig benetdenswerte ist und daß oft genug die Be⸗ handlung von Seiten der Herrschaft zu wünschen übrig läßt, ist eine bekannte Sache. Gewiß gibt es Herrschaften, die ihre Dienstboten als zur Familie gehörig ansehen, ihnen humane Behandlung angedeihen lassen und wie ihre Kinder halten. Die sind aber selten. Oft wird kaum noch als menschenwürdig bezeichnen kann. So wird uns von glaubwürdiger Seite mitge⸗ teilt, daß das Dienstmädchen einer Wetzlarer „Herrschaft“— den Namen wollen wir vor⸗ läufig noch verschweigen— gar keine Lager⸗ stätte für die Nacht hat und sich bald hier und bald da Unterkunft suchen muß. Wenn die Leute kein Dienstmädchen beherbergen können, wäre es doch ihre Pflicht, für sonstige ordent⸗ liche Unterkunft zu sorgen, andernfalls muß die „gnädige Frau“ ihre Hausarbeit selbst verrichten. Es ist ja verwunderlich, daß sich das Mädchen so etwas bieten läßt; aber man muß berück⸗ sichtigen, wie schwer es bei öfterem Wechsel einem Mädchen hält, wieder eine ordentliche Stelle zu bekommen. h. Der im Steinbruch verunglückte Rehm, dessen Tod wir in der letzten Nr. mit⸗ teilten, soll, wie uns weiter berichtet wird, sein Unglück selbst verschuldet haben. Er sei schon oft behördlicherseits aufgefordert worden, die nötige Vorsicht bei dem Steinbruchsbetriebe zu beobachten und für Schutzvorrichtungen zu sorgen. Rehm war nämlich selbstständig.— Was wir im Uebrigen über die Opfer der Ar⸗ beit gesagt, wird dadurch nicht berührt. h. Gefallener Kämpfer. Am 19. Oktober wurde in Burg solms unser Genosse L. Schröder beerdigt, der in der Klinik in Gießen der tückischen Schwindsucht im Alter von nur 38 Jahren erlag. Beschäftigt war er als Schmied in der Maschinenfabrik von Momma in Wetzlar, wo noch einigermaßen an⸗ nehmbare Arbeits verhältnisse herrschen. Doch Schröder hatte so viele und schwere Arbeit zu leisten, Kraft bald aufgebraucht war. Als gesunder und kräftiger Mann trat er 1896 in das Geschäft ein und jetzt ist er dahin. Wie Arbeiter mitteilen, wären auf diesem Posten 2 Arbeitskräfte nötig!— Schröder war ein eifriger und ehrlicher Genosse und wir werden ihm ein gutes Andenken bewahren. R f 3 sogar bei„feinen“ Leuten den Dienstboten in Bezug auf Kost, Logis ꝛc. geboten, was man daß seine 1 00 1 1 0 5 1 1 — die . . cht 10 hat le: als gen Ge⸗ elne tigt tabt age fg Be⸗ hen 1 als ane iht 11 0 an inn. i 1 6 1 ae ee 77—s— ralbversammlung war außerordentlich stark Nr. 43. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. W. Von der Ortskrankenkasse. Die am vorigen Donnerstag stattgefundene Gene⸗ besucht. Verschiedene wichtige Punkte des Tages⸗ ordnung, u. a. einschneidende Statutenänderun⸗ gen hatten wohl das Interesse der Mitglieder in höherem Maße wachgerufen. Der Vorsttzende, Buchdruckereibesitzer Bauer, gab zunächst einen Ueberblick über die Kassenverhältnisse, die in⸗ folge fortwährend steigender Ausgabe in der letzten Zeit keine günstigen sind. Bedeutend sind namentlich die Ausgaben für Arzt und Apotheke gewachsen; diese nahmen die Mittel derart in Anspruch, daß seit Jahren keine Rück⸗ lagen für den Reservefonds gemacht werden konnten. Deshalb und im Hinblick auf die am 1. Januar 1904 in Kraft tretenden Aenderun⸗ gen des Krankenversicherungsgesetzes, nach wel⸗ chen die Unterstützung auf 26 Wochen ausge⸗ dehnt, sowie allen Kassen, die den vorgeschrie⸗ benen Reservefonds noch nicht erreicht haben, eine Rücklage von 10 Prozent der Jahresein⸗ nahme vorgeschrieben wird, müssen die Bei⸗ träge erhöht werden. Nach den Vorschlägen des Vorstandes sollen sie künfti 3 Prozent (bisher 2¼) des Arbeitsverdienstes betragen und stellen sich demnach für die I. Klasse auf 52 Pfg., II. Klasse 45 Pfg., III. Klasse 36 Pfg., IV. Klasse auf 27 Pfg. und für die V. Klasse auf 18 Pfg. wöchentlich. Weiter soll durch Beschränkung der freien Aerztewahl Ersparnisse erzielt werden. Nach lebhafter Debatte wurden, abgesehen von einigen kleineren Aenderungen, die neuen Statuten gutgeheißen. Als Revisoren wurden Härtling und Unverzagt gewählt und an Stelle der ausscheidenden Vorstands⸗ mitglieder, die von der Gewerkschaft vorge⸗ schlagenen Schlosser Chr. Euler und Schreiner Peter Wolf von Seite der Versicherten und Ziggel von Seite der Arbeitgeber. * Wegen Flugblätter⸗Vertetlung am Sonntag standen kürzlich zwei Partei⸗ genossen vor der hiesigen Strafkammer. Sie waren mit einem Strafmandat von je 6 Mk. bedacht worden, weil sie während der Wahl⸗ bewegung in Frielendorf an einem Sonntage von Haus zu Haus Flugblätter verteilten, als es bereits zur Kirche läutete. Darin sei eine Störung der Sonntagsruhe durch öffentliche bemerkbare Arbeit zu erblicken. Das Landgericht erkannte aber auf Freisprechung. Daß Flugblätter auf der Straße ausgegeben wurden, sei nicht erwiesen und in dem bloßen Tragen eines Packetes über die Straße sei keine Stör⸗ ung des religiösen Gefühls anderer Leute zu erblicken. Eine Polizeiverordnung, die das verbiete, könne vom Gericht nicht anerkannt werden.— Unsere Parteifreunde müssen sich solche Erkenntnisse für späterhin merken. r. Rezitation. Am Freitag, den 30. Okt., abends 9 Uhr, wird Herr Rezitator Wal⸗ kotte auch hier in Marburg und zwar im Hildmann'schen Saale auftreten. Auch hier kommt wie in Wetzlar das Drama Maxim Gorcki's„Nachtasyl“ zum Vortrag. Die ausgezeichnete Vortragsweise des Herrn Wal⸗ kotte ist hier von früheren Jahren noch gut bekannt, so daß wir kaum nötig haben, den Besuch des Vortrags noch besonders zu empfehlen. Für Mitglieder der Gewerkschaften ist der Ein⸗ tritt frei, für andere auf 30 Pfg. festgesetzt. Lohnkämpfe. Die Bauarbeiter⸗Aussperrung in Kassel ist beendet. Die Arbeitgeber im Baugewerbe haben sich mit den Maurern ge⸗ einigt und die Arbeit wurde am Donnerstag wieder aufgenommen. 8 Patriotische Tatenlust. Aus Goslar wird berichtet: Zu bedauer⸗ lichen Ausschreitungen kam es in Langelsheim bei einer Festlichkeit des dortigen Krieger⸗ vereins. Nach der Auflösung des Festzuges entstand aus einer geringfügigen Ursache unter einigen Teilnehmern ein Streit, der bald zu einer großen Schlägerei ausartete. Einer er⸗ hielt eine starke Kopfverletzung, einem andern F versuchte der 23 jährige seine Geliebte, schießen. Der Schuß ging dem Mädchen in den Kopf, die Verletzung ist aber nicht lebensgefährlich. Sich selbst brachte der Täter ebenfalls eine sehr bedenkliche Wunde am Kopfe bei. Ein sauberer Gottes mensch. In Mülhausen i. E. hatte sich der ka⸗ 1 Abbee Louis Roth, ehemaliger Redakteur eine ung in zwei Fällen und fahrlässigen Mein⸗ eids zu verantworten. der Angeklagte als Herausgeber der iu hausen i. E. erscheinenden Zeitung„Elsaß⸗Loth⸗ ringisches Morgenblatt“. Hauptbelastungszeugen waren seine geistlichen Kollegen und Mitbegründer e Das nis. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr 8 Monate beantragt; eine fallen gelassen. interessanten Einblick in die geistlichen Redaktionen der klerikalen Presse.— klerikalen Blattes, wegen Unterschlag⸗ Die Straftaten beging Mül⸗ Es waren 29 Zeugen geladen. rteil lautete auf 9g Monate Gefäng⸗ Anklage wegen Betrugs wurde Die Verhandlungen boten einen . Kleine Mitteilungen. . Ein blutiges Liebesdrama spielte sich in der Nacht zum Mittwoch in der Vilbelergasse 27 in dem Torbogen dieses Hauses Kellner Bode aus Homburg die Verkäuferin Steinhauer, zu er⸗ rankfurt ab. In „ Ein fetter Posten. Für 10—15 Mk. monatlichen Gehalt sucht das Amtsgericht in Katzen⸗ ellnbogen einen Kanzleigehülfen. nicht liederlich wird! Daß der Mann nur Partei-Nachrichten. —- Philipp Haas, 1. Am Mittwoch starb in Mainz unser Genosse Landtagsabgeordneter Philipp Haas, nachdem er längere Zeit an Lungenleiden darniedergelegen hatte. In dem Verstorbenen, der lange Jahre die Redaktion unseres Mainzer Parteiorgans leitete, verliert die hessische und deutsche Sozialdemokratie einen ihrer unermüdlichsten Kämpfer. Mit selteuer Pflichttreue und vielem Geschick hat er im hess. Landtage, dessen Mitglied er seit 1896 war, die Interessen des arbeitenden Volkes vertreten. Haas wurde am 29. Juli 1854 in Kastel bei Mainz geboren und lernte in Mainz Schriftsetzer. Nach der Lehrzeit durchwanderte er Deutschland und Oester⸗ reich und übernahm nach seiner Rückkehr den Posten eines Gauvorstehers des Mittel- rhein⸗Gaues im Buchdrucker⸗Verband. * daktionsposten der„Mainzer Volkszeitung“ berufen, den er bis zu einer Erkankung mit Gewissenhaftigkeit ausfüllte. Schon vorher wurde er in die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung gewählt und auch hier errang er sich durch sein pflichteifriges Wirken bald all⸗ gemeine Anerkennung. Mit Haas ist aber auch ein prächtiger Mensch dahin gegangen, der es verdiente, geliebt zu werden, zu dem darum auch Tausende in Liebe und Verehrung auf⸗ blickten. Er war ein grundbescheidener Mensch, ein Charakter, treu wie Gold! Wer sich einmal seine Freundschaft errungen, der konnte auf ihn zählen in Freud' und Leid! Hätte nur nicht die Proletarter⸗ krankheit, die Lungenschwindsucht, seit Jah⸗ ren so grausam an seiner Gesundheit gerüttelt und ihn in den letzten Jahren so oft aufs Krankenlager geworfen, das er seit dem letzten Frühjahr nicht mehr verlassen konnte. In diesem Sommer suchte er noch ein Gene⸗ sungsheim im Odenwald auf Besserung * Im Jahre 1898 wurde er zu dem Re⸗ hoffend. Doch ach, zu spät!—— Die hessische und deutsche Sozialdemo, kratie wird sein Andenken in Ehren halten! wurde ein Finger abgeschlagen, ein dritter trug sogar einen doppelten Beinbruch davon. 3— Bei den sächsischen Landtagswahlen hat die Sozialdemokratie auch diesmal kein Mandat erhalten. Im Kreise Zwickau⸗Land hatte unsere Partei die Mehrheit, es wurde aber die Wahl eines unserer Wahlmänner für ungültig erklärt, weil er noch nicht 6 Monate in seinem Wohnorte an sässig war und dafür der Konservative als gewählt proklamiert, obwohl er viel weniger Stimmen erhalten hatte. Die Abge⸗ ordnetenwahl ergab für den Konservativen 51 Stimmen, während unser Genosse Stolle nur 50 erhielt. Versammlungskalender. Samstag, den 24. Oktober. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends ½9 Uhr Versammiung bei Wirt Ferd. Kröck. Sonntag, den 25. Oktober. Alsfeld. Parteiversammlung. Nachmittags 4 Uhr ouf der Pfeffer höhe. T.⸗Ord.: Bericht von der Landeskonferenz. Montag, den 26. Oktober. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 31. Oktober. Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Jesberg. Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 20. Oktober: Butter per Pfd. Mk. 1,10— 1,15, Hühnereier 2 St. 15 Pfg., Enteneier 1 St. 8—0 Pfg., Gänseeier 1 St. 00—00 Pfg., Käse pr St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,00— 5,50 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,50— 5,00, Zwetschen pr. Ztr. 0—0 Mk., Birnen pr. Pfd. 12—15 Pfg., Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,70 bis 0,90, Hühner per St. Mk. 1,30—1,80, Hahnen per St. Mk. 0,70— 1,50, Enten per St. Mk. 1,80 bis 2,40, Gänse per Pfd. 00—00 Pfg. Getreide und Futtermittel. In Frankfurt notierten am 19. Oktober pr. Doppelzentner: Weizen (Wetterauer) Mk. 16.25— 16.35, russischer Mk. 16.75 bis 17.75, La Plata Mk. 16.75 00.00, Roggen, hiesiger neuer Mk. 13.10— 13.25, russischer Mk. 14.25 bis 14.50, Gerste, hiesige Mk. 15.25— 15.50, fränkische Mk. 15.70— 80, Riedgerste Mk. 15.75 16.25, Hafer, hiesiger neuer Mk. 13.00— 13.75. Futterartikel pr. Zentner: Weizenschalen Mk. 4.30 bis 4.50, Weizenkleie 4.30— 4.50, Roggenkleie Mk. 4.90 bis 5.10, Futtermehl Mk. 6.50— 7.25. Biertreber, getrocknet Mk. 5.40— 5.50. Obstpreise in Frankfurt. Tafeläpfel Mk. 16 bis 24, Wirtschaftsäpfel Mk. 10 bis 12, Tafelbirnen Mk. 18 bis 25, Kochbirnen Mk. 12 bis 15, Zwetschen Mk. 7. (Durchschnittspreise für 50 Kilo.) Auf dem Fruchtmarkt in Limburg am 21. Oktbr. kostete durchschnittlich pr. Malter: Roter Weizen 13.50 bis 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00 00.00 Mk., Korn 10.00 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.40 Mk. — —— Sonntag, den 25. Oktober, nachm. 4 Uhr in Saale„Lonys Bierkeller“, Schanzenstraße: Erinnerungs⸗Feier an den Erlaß des Sozlalistengesetzes. Tagesordnung:„Vor 25 Jahren“. Redner: C. Ulrich u. Ph. Scheidemann⸗-⸗ Offenbach. Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges E Ichuhwaren-Lager in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Arbeiterschuhe und Stiefel sowie sämtl. Winterschuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. 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Seht auf den Bäumen die Vöglein an: Sie arbeiten nicht Und sie spinnen nicht— Die singen nur froh zu dem Himmel hinan Und werden ja alle, all' ernährt Und nimmer wird ihnen das Leben erschwert! Am Webstuhl aber da stehen wir, Wir arbeiten früh Und wir spinnen spät: Doch tragen wir Lumpen, doch hungern wir— Doch finden wir nimmer des Lebens Freud' 8 Und schleppen mit uns ein nie endendes Leid!— Luise Otto in der„Gleichheit“. Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. 315(Fortsetzung.) Der Alte sah ihn befremdet an, und Tobias, dem die Liebe den Mut zu einer Art von Widerspruch gab, fuhr fort:„Ich muß dir sagen, Vater, die Sibylle— ich weiß nicht— aber sie gefällt mir nicht.“ „Das sind Redensarten,“ entgegnete der Alte, indem er die Stirn runzelte. Und ganz ernsthaft setzte er hinzu:„Was fehlt dem Mädchen?“ „Nun“, sagte Tobias mit halbem Lächeln, „zum Lieben ist sie doch wahrhaftig nicht ge⸗ macht. Und wenn man eine heiratet und man sie haben muß sein ganzes Leben lang, da sollte man sie doch auch gern haben, sollt' ich meinen. Die Eh' ist am End' eine heilig Sach', und 9 8 hernach doch nicht so mir nichts dir nichts.“ Das Befremden des Alten war bei diesen Worten in einem Grade gestiegen, daß er den Sohn braunern Gesichts mit großen Augen ansah und ihn unterbrechend rief:„Was sind das für Einfäll'? Steckt dir von deinem Doten noch was im Kopfe? Die Sibylle ist brav, ist geschickt und fleißig bei der Arbeit, und ich hab' in meinem Leben gar manche gesehen, die lang nicht so schön gewesen ist und doch einen Mann gekriegt und gut mit ihm gehaust hat. Willst du etwa gar heikel sein und den Vornehmen spielen und aus dummem Stolze dein Glück verpassen? Oder— hast du viel⸗ leicht eine andere?“ Tobtas errötete bei dieser Frage, rief aber schnell mit so tiefer Empfindung:„Ach, wie sollt' ich zu einer anderen kommen!“ daß der Vater bei der geringen Meinung, die er über⸗ haupt von seinen Fähigkeiten hatte, die Röte falsch deutete und spöttisch erwiderte: „Ja, das möcht ich auch wissen!“ Ernsthaft setzte er hinzu:„Also laß diese Späß' jetzt mach' vorwärts! Du weißt, lang Streiten ist meine Sach' nicht. Ich hoff', ich hör' die Woch noch, daß du im Reinen bist!“ „Aber so schnell, Vater—.“ „' ist schon ausg'red't jetzt“, versetzte der Alte und kehrte ihm den Rücken zu. Die Sache stand schlimm für Tobias. Der Vater hatte einen festen Beschluß gefaßt und ihm, obwohl er jetzt noch gar nichts wußte, schon eine Miene gezeigt, die ihn erschreckte;— was war erst von ihm zu erwarten, wenn er die Wahrheit erfuhr?— Das mußte jeder ein⸗ sehen: diese ihm jetzt zu sagen, war unmöglich! Ebenso unn öglich war es aber, seinen Willen zu tun und die Sibylle zu heiraten. Und was konnte sonst geschehen? Nach einer Ueberlegung erhielt das erbangte! Gesicht des Guten einen getrösteren Ausdruck. Es war ihm ein schon früher erwogenes Mittel eingefallen. Ging's nicht mit der Wahrheit, so ging's mit dem Schein. Konnte er dem Alten nicht wirklich folgen, so konnt' er sich doch anstellen, als ob— und das beschloß er. Er wollt' es klug machen und in Bezug auf den Fortgang der Bewerbung Hindernisse er⸗ finden, die ihn eben nicht zum Zwecke gelangen ließen; so hoffte er wenigstens für die nächsten Tage Frieden und zum Ausdenken von Rettungs⸗ gedanken Zeit zu gewinnen. Obwohl er den Webersleuten rechtzeitig kondoltert hatte, sprach er jetzt doch wieder bei ihnen ein und drückte mit ernstem Gesicht und würdiger Haltung wieder sein Bedauern aus über das Unglück, daß sie betroffen, indem er die gewöhnlichen Trostgründe anfügte, die man auf dem Lande zu wiederholen nicht müde wird. Der alte Weber dankte und Sibylle sah ihn mit Augen an, als ob sie nun wenigstens eine Anspielung erwartete, die zu dem Heiratsantrag hinüberführte. Tobias behielt aber eine Miene, deren Ernst zu sagen schien, daß man jetzt an nichts anderes denken könne als an den Trauer⸗ fall; und Sibylle, die stcherer geworden war, fand sich auch nicht bewogen, ihm entgegenzu⸗ kommen. Man sprach nur einiges vom Wetter, das einige Tage trocken gewesen war, kam darin überein, daß jetzt„a kloes Regale“(ein kleiner Regen) nicht schaden könnte, und Tobias ver⸗ abschiedete sich. Heimgekehrt und vom Vater befragt, erzählte er, wo er gewesen, fügte jedoch hinzu, die Leute wären noch so traurig, daß es ihm jetzt nicht möglich gewesen sei, ihnen mit einem Heirats⸗ antrag zu kommen. Er habe indessen gesehen, wie es stände, und die Sache habe wirklich keine Eile. Bei der Sibylle werde ihm keiner den Weg verlegen, das wisse er nun genau. Der Alte war beruhigt und prägte ihm nur noch ein, die nächste passende Gelegenheit ja nicht zu versäumen. Tobias lächelte schlau für sich hin. Er fühlte zum erstenmal den Reiz, den es hat, einen Despoten, der auf seine Herrschaft los⸗ sündigt, durch List zu bekämpfen und ihn tüchtig anzuführen. Was einmal gegangen war, konnte öfter gehen. Auch sollte ihm dann etwas Neues ein⸗ fallen, womit der Alte wieder zufrieden war; unterdessen wurde die Sibylle, die ihm schon diesmal nicht mehr so eifrig geschienen hatte, ungeduldig, es kam ein anderer an sie und nahm ste ihm weg,— er hatte von dieser Seite minde⸗ stens Ruhe und konnte daran denken, die Heirat mit der Bäbe ebenso fein durchzusetzen. In dem süßen Bewußtsein, für seine Liebe etwas getan zu haben, wollte er sich nun auch durch ihr Anschauen belohnen. Er wußte, daß die Bäbe in der Dämmrung Milch holen mußte, und fand sich rechtzeitig in dem Gäßchen ein, durch das der Weg zur Verkäuferin führte. Und richtig, sie kam daher mit dem leeren Ge⸗ fäß, und schon von weitem, als ste ihn erkannte, blinkten ihm ihre holden Augen entgegen! Nach⸗ dem sie sich vorsichtig nur wie Bekannte, nicht wie Liebende, gegrüßt, blieb Tobias doch um so mutiger bet ihr stehn, als ihm der von Gartenhecken eingeschlossenen Gasse niemand gewahrte. Und nun sahen sie sich wenigstens an wie Liebende, und Seligkeit füllte das Herz des Schneiders. Was war das, mit der Sibylle verglichen, für ein Mädchen! Wie schaute sie her, wie glänzte ihr Gesicht, wie lachte sie ihn an!— Ach, ihr nur die Backen zu streicheln muß ja besser schmecken als Zucker! Ihr nur die Hand zu drücken, muß ein Glück sein für Kaiser und Könige! Und dieses Mädchen, das ihn liebte, sollte er nicht zum Weibe haben? Er sollte die„Wilde“ nehmen und die Schöne einem andern lassen? Nein, dies geschah— dies litt er nicht, und wenn er in Stücke zer⸗ rissen würde! Das Pärchen wurde in ein Gespräch ver⸗ wickelt, das wir nicht weiter verfolgen wollen, da es den Lesern schwerlich so wunderschön vor⸗ kommen möchte wie ihm, und nichts zur Ge⸗ schichte Gehöriges darin verhandelt wurde. Sie fragten sich, rühmten sich wechselseitig und fragten 5 sich noch einmal, wußten eigentlich selbst nicht, was sie sagten, und fühlten nur, daß es köstlich war und daß man so fortreden konnte ohne aufzuhören. Und beide gefielen sich besser als je vorher. Der Bäbe kam das Gesicht des Tobias heute entschlossener, männlicher vor; und sie schten dem Tobias sogar bei der Liebes⸗ erklärung nicht so lieb gewesen zu sein wie jetzt „zwischa' Liecht“(zwischen Licht, in der Dämm⸗ rung). udlich hörten sie starke Schritte von weitem und schraken auf,— Tobias, wenn ich die Wahrheit sagen soll, etwas lebhafter als die Bäbe. Ein Mann kam die Gasse herauf. Bäbe sagte mit gedämpft süßer Stimme Gute Nacht und ging mit ruhigem Schritt und unbefangener Haltung den Weg zur Bäuerin. Tobias eilte in die Hauptgasse zurück und begab sich heim.— Es war das letzte reine Glück, welches unserm Paar das Schicksal gönnte. Der Mann, der die Gasse heraufkam, war jener Bekannte des alten Schneiders, der ihm schon seine Beobacht⸗ ung wegen der Sibylle mitgeteilt hatte. Den jungen Schneider so vertraulich bei der Pfarr⸗ magd stehn zu sehn, fiel ihm auf; und so un⸗ befangen die Bäbe an ihm vorüberging, so merkte der alte Praktikus doch aus einem ge⸗ wissen Leuchten des Gesichts, daß es keine ge⸗ wöhnliche Ansprache gewesen sein konnte, welche die beiden miteinander gehabt hatten. Als Tobias am andern Morgen in die Stube trat, bemerkte er in dem Gesicht des Alten einen Ernst und zumal in den hängenden. Lippen eine Strenge, die ihm sehr verdächtig vorkam. Augenblicklich fielen ihm seine begangenen Sünden ein, und er harrte mit Bangigkeit auf die erste Rede. Sie kam schneller und schlimmer, als er gedacht. Mit der Miene des Anklägers fragte der Alte barsch: „Was hast Du denn des Abends um Bet⸗ läuten mit der Pfarrmagd zu reden?“ Tobias fuhr zusammen und erblaßte. „Ich?“ brachte er endlich mit Mühe hervor. „Ja Du!“ entgegnete der Vater.„Von. Dir ist die Sprach'!“ „Nun“, erwiderte der Gute, der sich einiger⸗ maßen gesammelt hatte,„wie man eben in eine Ansprach' kommt miteinander. Ich hab' gefragt, wo sie hinginge, und sie hat gesagt: 15 Huftenbäurin; und wie eine Red' die andere gibt.“ Der Alte, der aus dieser Erklärung und der ganzen schuldbewußten Haltung des Burschen gesehn, daß die hübsche Pfarrmagd ihm nicht e sei, fiel ihm ins Wort und ver⸗ etzte: „Los'(höre), wir wollen deutsch miteinander reden. Du hast mir versprochen, daß Du's mit der Sibylle sobald als möglich richtig machen willst;— ist's so oder nicht?“ „Ja“, erwiderte der der Ueberführte me⸗ chanisch. „Du hast nichts getan in der Sach'! Da⸗ für muß ich hören, daß Du mit der Pfarr⸗ magd vertraut diskurierst und daß sie aus⸗ sieht, als ob Du ihr, Gott weiß was, in den Kopf gesetzt hättest. Willst du mich hinters Licht führen? Willst Du Deinen Vater für'n Narr'n haben?“ „Ach“, rief der erschreckte Tobias, warum nicht gar! Wie kannst Du nur—.“ „Gut“, versetzte der Alte.„Wenn Du's nicht willst, so zeig's! Die Pfarrmagd hat nichts und paßt nichts für Dich: bei der Sibylle bist Du versorgt, bleibst im Dorfe und kannst einen rechten Mann machen. Ich verlang', daß Du zwischen heut und morgen mit den Leuten red'st, oder— ich red' selber! 45 „Aber mein Gott“, rief der Unglückliche,„so übers Knie kann man die Sache doch nicht ab⸗ brechen?“ f „Ich hoff' doch“, entgegnete der Vater, ind m er den Widerstrebenden argwöhnisch betrachtete, f „daß Du's kannst. Sonst könnt' ich am End Dich über's Knie nehmen und—.“ Er machte eine deutliche Bewegung. Der Alte war kein böser Mann; er fühlte, daß er am Ende nichts gut machte, wenn er den Sohn mit Gewalt zum Weber hinnötigte, eee 8 D le Nr. 43. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. und von dem wahren Verhältnis mit der Pfarrmagd hatte er noch keine Ahnung; daher fsagte er nach kurzem Bedenken:„Nun gut; 1 ich will zeigen, daß ich auch dir deine Weis' lassen kann. Acht Tag' will ich warten. Aber dann hab' ich die Antwort?“ „Dann hast du die Antwort“, erwiderte der ohn. Mit Nachdruck, obschon in etwas milderem Tone, setzte der Alte hinzu:„Das Reden mit der Pfarrmagd laß jetzt unterwegs. Ein junger ergehen lassen. Mensch kann wohl einmal einen Unterhalt haben mit so einer— ich weiß wohl, wie man in den Jahren ist; für dich aber schickt sich's jetzt nicht mehr. So! ich geh' hinaus aufs Feld— und du mach das„Leible“(Weste) fertig. Wenn du verständig bist und mir folgst, dann sollst du sehen, daß auch ich als Vater an dir handeln kann. Willst du mir aber was vormachen und gehst mit Lügen um, dann sei dir unser Herr⸗ gott gnädig!“ Nachdem er dies mit entsprechendem Schwingen des Zeigefingers gesagt, setzte er den Schaufel⸗ hut auf und verließ die Stube. Tobias fühlte sich tief niedergeschlagen oder, besser zu reden, vernichtet. Das letzte Mittel, wodurch er die Sache glaubte hinziehen zu können, bis irgend eine rettende Wendung ein⸗ trat, war ihm genommen. Er mußte sich ent⸗ scheiden, mußte entschlossen mit der Farbe her⸗ ausgehen— aber das war gerade das Unmög⸗ liche! Wenn er nach allem, was bisher geschehen und was er jetzt wieder versprochen hatte, vor seinen Vater hintrat und ihm erklärte, er wolle die Pfarrmagd heiraten— den Auftritt, den es da gab, wollte er nicht einmal denken, ge⸗ schweige denn erleben! Wenn er's aber doch tat, so half es nichts, denn der Alte gab nicht nach. — Er war ihm, als ob ihm Hände und Füße mit Stricken gebunden wären und er nichts tun könnte, als ruhig dasitzen und alles über sich Eine Zeitlang gab er sich stillem Brüten hin und kostete das Gefühl der Rettungs⸗ losigkeit von Grund aus. Dann raffte er sich auf und arbeitete an dem Leibchen, und nähte hastige Stiche und riß wiederholt den Faden ab. Es war zu arg, wie es ihm ging! Sein Lebelang war er schlecht behandelt worden, und während andere ihr Glück machten, hatte er nur Verdruß und Unehr' gehabt in der Welt. Und jetzt, wo auch er glücklich werden konnte, sollte er dies expreß nicht, nein, sondern unglücklich sollte er werden! Das war ja doch, um ins Wasser zu springen. Wahrhaftig, wenn er ein rechter Kerl war, lief er jetzt fort und machte seinem Leben ein Ende! Gab's noch einen Menschen, wie er einer war? Der Teufel hatte sein Spiel mit ihm ganz extra! Nur ihm sollte alles konträr gehen— sonst niemand! — Der gute Tobias, auf dieser Höhe des Zornes angekommen, stieß einen Fluch aus, der einem Stärkern Ehre gemacht hätte, strampfte mit dem Fuße und warf die Arbeit auf den Tisch, daß es klatschte— zum Glücke für den Eigentümer des Leibchens, der ein kläglich genähtes Stück auf den Leib erhalten hätte. Nach und nach legte sich der Sturm seiner ä Aufregung. Er begann wieder zu nähen und süuchte in akkurater Arbeit die Qualen seines Innern zu vergessen. Als er so mit stillgefaßtem Duldergesicht 0 dasaß, kam die Walpurg von der Küche herein und sah ihn von der Seite an. Sie wußte nichts von der Bäbe, kannte aber den Plan mit Sibylle und hatte als erfahrenes Weib g ähre Gedanken. Mitleidig sagte sie:„Ja ja, Tobias, ich glaub' schon, daß du nicht dran willst! Die Schönst ist sie freilich nicht, die besser, als man's hätte denken sollen. Sibylle; aber du mußt halt ein Aug' zudrücken. In der Eh' geht's manchmal gar kurios, und es hat schon manchem eine nachher besser ge⸗ heben 1215 vorher. Dir kann's wohl auch so gehen!“ Tobias starrte sie an.„'s mag sein,“ er⸗ widerte er und nähte weiter. Er hatte einen elenden Tag, unser Schneider; aber das Elend, die andauernde Gesunkenheit seines Wesens, machte ihn müde, und er schlief (Fortsetzung folgt.) Eutfernungen im Weltraum. Außerhalb des Sonnensystems wissen wir nicht viel von dem Vorhandensein ähnlicher Verbände von Weltkörpern, obgleich sich teils vermuten, teils mit Sicherheit hat nachweisen lassen, daß gewisse Fixsterne dunkle Begleiter haben, die wie die Planeten nur fremdes Licht empfangen. Die Veränderlichkeit im Glanz vieler Sterne ist auf ein deractiges Verhältnis zurückzuführen. In noch viel größerer Zahl sind Beispiele eigentlicher Doppelsterne bekannt, in denen sich zwei selbstleuchtende Sonnen um⸗ einander bewegen, und es gibt auch Verbindungen von drei, vier oder noch mehr Fixsternen unter⸗ einander. Mitunter sind diese aneinanderge⸗ fesselten Sonnen recht weit voneinander entfernt, viel weiter als einer der bekannten Planeten von unserem Muttergestirn. Die Erde hat von der Sonne einen Abstand von rund 150 Mil⸗ lionen Kilometern, der Saturn einen solchen von 1413 Millionen Kilometern. Der Doppel⸗ stern Procyon besteht aus zwei Weltkörpern, die 2573 Millionen Kilometer von einander entfernt sind. Bei den beiden Elementen des Sirius wächst die Distanz auf 3139 Millionen Kilometer. Auch dies sind aber immer noch verhältnismäßig geringe Abstände, die auch noch innerhalb der Enfernungen des Planetensystems bleiben, denn der fernste Sklave der Sonne, der Neptun, hat von dieser eine Distanz von 4467 Millionen Kilometern. Der allbekannte Polarstern im Sternbild des kleinen Bären ist gleichfalls ein Doppelstern, aber die beiden Himmelskörper, aus denen er besteht, sind über 37 Milliarden Kilometer von einander entfernt. Noch gewaltiger ist der Abstand zwischen den Elementen des mächtigen Doppelsternes Alde⸗ baran im Stier, der zu fast 42 Milliarden Kilometer bestimmt ist, und bei einem Doppel⸗ stern im Bild des Eridanus wächst er gar auf 70 Milliarden Kilometer. Unser Sonnensystem stellt also im Vergleich zu den anderen Welt⸗ systemen mit seiner Ausdehnung keine hervor⸗ ragende Größe dar. n Humoristisches. Die neuesten Litzen. Vater(Gum Sohn, dessen Militärrock auf dem Oberarm zwei Querlitzen zeigt):„Ja, Schorschl, was haben's denn Dir für zwoa Stroaflnu aufi g'flickt?“„Woaßt, Vota: weil d'Impf⸗ blattern so guat kemma san bei mir, hams mi dekoriert!“ (Jugend.) Vom Kasernenplatz. Unteroffizier:„Stell' dich nur nicht ganz wie'n Rindvieh an, Meyer, dadurch hilfste der Fleischnot ja doch nicht ab!“— Mildernder Umstand. Richter:„Sie geben also zu, die Zigarren gestohlen zu haben; haben Sie etwas anzuführen, was Ihre Strafe mildern könnte?“ — Angeklagter:„Jawohl, ich rauche sonst eine bessere Sorte!“ Geschichtskalender. Glashütte in Albi. Leipzig. 26. 1894: Sturz des Reichskanzlers Caprivi. 27. 1902: Ende des amerikanischen Bergarbeiter⸗ streiks. 1553: Calvin läßt Hervet als Ketzer verbrennen. 23. 1901: Holländische Hafenarbeiter planen den Boykott der englischen Schiffe, um den Buren zu Hilfe zu kommen. 1878: Hamburg⸗Altonaer„Volksblatt“ sozlalistengesetzlich verboten. 29. 1897: Henry George, amerik. Arbeiterführer, F. 1477: Tizian Vezellio, berühmter ital. Maler,. 30. 1901: Bruno Schönlank, soz. Abg., F. 1880: Belagerungszustand über Hamburg verhängt. 31. 1884: Albert Dulk, sozialist. Schriftsteller, F. 1848: Windischgrätz unterwirft Wien. 1796: Hinrich⸗ tung der Girondisten. ä——— Litterarisches. Der Arbeiter ⸗Notiz⸗ Kalender für 1904 ist— reichhaltig ausgestattet— bei der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Die erste Seite bringt als Illu⸗ stration den Sitzungssaal des Reichstags, mit Angabe der den einzelnen Fraktionen zugewiesenen Plätze. — Wir finden dann im Kalender„Die Ergebnisse der Reichstagswahlen 1903“ nach den bisher veröffentlichten Resultaten mit Angabe der für unsere Partei bei den 1898er Wahlen abgegebenen Stimmen. Außerdem ist das Prozentverhältnis unserer Stimmen zu den überhaupt abgegebenen ersichtlich. Daneben finden sich noch viele wissenswerte Notizen über die Reichstags wahlen, Fraktions⸗ stärken ꝛc. und endlich in vorzüglichem Druck die Por⸗ traits der soztaldemokratischen Reichtags⸗ abgeordneten. Vielen Parteigenossen werden auch die im Kalender enthaltenen Lebensschicksale unserer Abgeordneten von Interesse sein, bieten sie doch die beste Widerlegung der Behauptung unserer Gegner, daß die sozialdemoktratischen Abgeordneten keine Arbeiter seien.— Ferner enthält der Kalender: Das Kinder⸗Schutzgesetz, die Adressen der deutschen Gewerbe⸗Inspektoren, des Parteivorstandes, der Vorsitzenden der deutschen Gewerkschaften, der Mit⸗ glieder der Generalkommisston, der internationalen Sekre⸗ tariate, der deutschen Arbeiter⸗Sekretariate usw. Der textliche Inhalt ist dabei um 16 Seiten vermehrt und auch die äußere Ausstattung stellt sich bedeutend geschmackvoller dar, als in früheren Jahren. Der Kalender kann daher jedem Arbeiter als ein nützliches und praktisches Nachschlagebuch empfohlen werden. Der Preis ist wie bisher 60 Pfennig. 25 Jahre Kampf und Sieg. Unter diesem Titel hat die Buchhandlung„Vorwärts“ ein illustriertes Festblatt zur Erinnerung an den Erlaß und die Zeit des Sozialistengesetzes herausgegeben. Eingeleitet mit einem Gedicht von Clara Müller, gibt es in mehreren Artikeln von Bebel, Bernstein, Motteler, Singer und Auer Erinnerungen aus den Zeiten des schwersten Kampfes. Bernsteins Artikel ist der Geschichte des Züricher„Sozialdemokrat“ gewidmet, der, 1879 gegründet, vom Wydener Kongreß 1881 an bis zum Oktober 1886 offizielles Organ der deutschen Sozialdemokratie war, aber auch danach noch bis zu seinem Eingehen 1890 dasjenige Blatt blieb, in welchem die Interessen der Partei am rücksichtslosesten vertreten werden konnten. Der Artikel trägt an der Spitze eine verkleinerte Nachbildung des Kopfes des„Sozialdemokrat“. Als ein Dokument aus jener Zeit ist auch der„Rote Teufel“ zu bezeichnen, der die preußisch⸗deutschen Ge⸗ walthaber jener Zeit nicht wenig geärgert hat, von den heutigen Parteigenossen aber nur wenigen bekannt setn dürfte. Eine verkleinerte Abbildung seines Kopfes wird gleichfalls gegeben. Neben anderen Abbildungen bringt die Festschrift drei hübsche Bildchen als Proben des Humors, der die Genossen auch unter dem Sozialisten⸗ gesetz nicht verlassen hat. Cins derselben verspottet Kautsky als— Reformdudler und dieser selbst ist der Zeichner.— Möge das Erinnerungsblatt den Jüngeren, die jene Zeiten noch nicht als Parteigenossen mit durchlebten, ein Ansporn sein, denen nachzueifern, die Gut und Blut für ihr Ideal einsetzten; den Aelteren ist es eine stolze Genugtuung, zu sehen, daß nicht um⸗ 1878: Verbot des„Vorwärts“, 25. Oktober. 1898: Sturz des französischen]sonst gekämpft wurde.— Das Blatt ist bei unserer Min isteriums Brisson. 1896: Eröffnung der Arbeiter⸗ Expedition erhältlich, der Preis beträgt 10 Pfg. Sg 0 8 f 344 Empfehle 1 Dozld 0280 0 f Ia. Kornbrod 0 S 7 0 owie N 8 fr Grahambrödchen Taschen- u. Weeker-Uhren, Uhrketten als Spezialität Carl Geismar, Uhrmacher L. Müller i Seltersweg 46. Giessen Seltersweg 46. Gießen, Bahnhofstraße 61. 9 GSOc tages 79 2 5 S. S. EE 2 33 S8 3— 2 S NFS 22 E 2 28 2— 3 85 22e 2.* 8. 8 SSS— E— S 8 5 22 bft O e 2 3 ⸗heaük 92— . 8 8—— — ä— e —— — ———— 3 1 1 CCSFFVT Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. No. 43. Lony's Bierkeller. Vereinigte Gewerkschaften Marburgs. Prima fette Harzkäse Donnerslag, den 29. Oktober, abends 81 Uhr: a biakernte 2 100 Si ee 335 Freitag, 30. Oktober, abends 8 ½ Uhr Postkiste= 100 Sic Mi 8,0. Rezitations⸗Abend. in fHiaenzm chen 1 fe be Sele A e Alten mn dna: pit ations-Abend se Programm: 1.„Die Antwort des Kapitalisten“.„Der steife 1.— Grog“, von Max Hofmann. 2.„Der Mistkäfer“,„Ohrwurm des Herrn 5, an, über: Packkorbe und Fliege“,„Die Hammelherde“, von Hans Hrch.⸗Ewers. 8 4„esc, Se. raufen Benner& Brut 3.„Der Stiefelknecht“,„Der Regenschirm“, v. Peter Rossegger. Eintritt für Organisterte frei. Nichtorganisierte 20 Pfg. 5 Eintritt 20 Pfeunig. Gießen, Bahnhofstr. 40. Die Gewerkschaftsmitglieder wollen ihre Karten bei den Kartell⸗ delegierten in Empfang nehmen. Das Gewerkschaftskartell. Mein Len-, Gold- und Silberbarem- Gesch befindet sich jetzt Neustadt No. 19 Neubau, neben Herrn Metzgermeister Kreuder. D. Kaminka Uhrmacher und Goldarbeiter. 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K 10,0. 5 5 Giessen, Bahmhofstr. 0. FTP ee Dertag er Diltteid. Sonmtags-Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen.