e. pfe fl. ut 49 Eee lie 5 . el. Gießen, den 23. August 1903. Nr. 34. 10. Jahrg. eee 7 gsf e. Mitt eld eutsch e Veen int Nacken 4 Uhr. Sonntags eit —— g. Abounementspreis: Bestellungen 2 FJuserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107)[33¼½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Die Wurzel unserer Kraft. In der„Schwäbischen Tagwacht“, unserm Stuttgarter Parteiorgan, richtete kürzlich Genosse Stern an die Parteigenossen folgende mah⸗ nenden Worte, welche wir allen Freunden und Lesern zur Beachtung und Nacheiferung em⸗ pfehlen: Die Wahlen sind vorüber. Die Brust von freudigen Hochgefühlen geschwellt, blickt die deutsche Arbeiterschaft auf ihre glänzenden Triumphe, die ihr bewunderndes Echo fanden im Proletariat aller Länder. Läge uns nicht alle nationale Ueberhebung fern, so könnten wir nicht geringen patriotischen Stolz darüber em⸗ pfinden, daß das proletarische Deutschland, das ohnehin längst an der Spitze der internatio⸗ nalen sozialistischen Armee marschiert, seinem Ruhmeskranze so viel neue Blätter und Blumen einzuflechten vermocht hat. Wohl aber ziemt es über die Ursachen nachzudenken, weshalb gerade in Deutschland die Sozialdemokratie einen so prächtigen Aufschwung nehmen und einen so großen Vorsprung vor den übrigen Ländern gewinnen konnte. Unsere Gegner von der bürgerlichen Linken sind schnell fertig mit dem Wort: das Aus⸗ nahmegesetz und die Scharfmacherei im Verein mit den Junkern haben das Wachstum der Sozialdemokratie mächtig gefördert. Wie sie sich nach dem Fall des Sozialistengesetzes in dem holden Wahne wiegten, unsere Partei würde aus Rand und Band gehen, nachdem der„eiserne Reif, der sie zusammenhielt“, beseitigt, so reden sie sich wieder ein, die sozialdemokratische Partei verdanke ihre Erfolge lediglich den diversen Mißgriffen und Auswüchsen des herrschenden Kurses, welche die darüber verstimmten Wähler der Partei der schärfsten Tonart in die Arme getrieben hätten. Daran ist ja wohl etwas Wahres, zumal in anbetracht der„bewährten“ Schwächlichkeit und Jämmerlichkeit der bürgerlichen Parteien, worüber manche Führer der letzteren im Schmerz⸗ efühl ihrer brennenden Wunden ein bußfertiges Bekenntnis ablegten und ihren Weg mit guten Vorsätzen pflasterten— wie schon so oft. Zur Aufklärung der gewaltigen Fortschritte der sozialdemokratischen Propaganda in Deutsch⸗ land reicht aber das nicht entfernt aus. Das Geheimnis ihrer Simsonkraft liegt vielmehr unstreitig in der sozialistischen Wissen⸗ schaft, deren Quintessenz“) dem klassenbewußten Proletariat in Deutschland in Saft und Blut übergegangen. Was die Marx, Engels, Lassalle, Liebknecht und ihre Gefährten und Nachfolger gelehrt und in mannigfaltigen, so gediegenen wie fesselnden Publikationen popularistert haben, hat die urwüchsige Klassenbewegung des Prole⸗ tariats, seine natürliche Auflehnung gegen Ausbeutung und Unterdrückung, mit höheren Ideen getränkt und befruchtet, zum er⸗ kenntnisklaren Kulturideal sie erhoben. Aus einer Bewegung von Tageskämpfen um kleine Vorteile und Erleichterungen und Rechte wuchs sie so empor zum völligen Emanzipa⸗ tionskampf der Arbeiterschaft und zugleich zur weltumwälzenden Bewegung mit der Perspektive auf eine durchgreifende soziale Renaissance im * Extrakt, Auszug, das Beste aus einer Sache. Sinne allgemeiner materieller und geistiger Befreiung aus den Sümpfen des Klassenstaats. Nur ein solch hohes Ideal war und ist fähig, große Massen zu begeistern, zu sieg⸗ reichen Aktionen im großen Stil mobil zu machen, zu unermüdlichem, zähem, opfermutigem und einmütigen Kampfe zu entflammen, der keinerlei Hindernisse, Gefahren und Verfolgungen scheut. — Im taghellen Lichte dieses Ideals ist es in den von ihm erhellten Köpfen auch all jener traditionelle Spuk zerstoben, der noch jetzt rückständige Proletarier im Banne der herr⸗ schenden Klassen festhält.— Indem aber die Gedanken unserer großen Theoretiker sich streng aufbauten auf dem granitnen Grund der mate⸗ riellen Wirklichkeiten und aus der Retorte kühler Logik gewonnen wurden, ohne Bei⸗ mischung tendenz⸗illustonärer Elemente, sind sie zugleich untrüglicher Kompaß gewesen für unsere Bewegung, haben sie ihr die allein rich⸗ tigen Wege gewiesen, auf denen sie immer weiter vorwärts gelangt ist, haben sie dieselbe bewahrt, von den vielen listig lauernden Irr⸗ lichtern sich auf Abwege verlocken zu lassen und in die Scylla oder Charybdis zu geraten. Den klaren, nüchternen, ziel⸗ und wegsicheren Blick, vereint mit tatkräftigem Enthustasmus — diese seltene Mischung— verdankt das Pro⸗ letariat im Volke der Denker seinen größten Denkern. Und dieser„Imponderabile“ verdankt es im wesentlichen seine Triumphe. Gibt man aber das zu, so liegt darin auch eine richtige praktische Weisung. Es war natürlich, daß wir im Wahlkampf hauptsächlich mit der Gegenwartspolitik uns zu befassen hatten— wenn es auch eine ganz faule Flause ist, die mit Vorliebe von der „Frankf. Ztg.“ wiedergekaut wird, daß wir unser Endziel sorgsam in der Tasche behielten— es galt vor allem, die Wähler über die viel⸗ seitigen Aufgaben der kommenden Legislatur⸗ periode aufzuklären. Nun aber, da die Wah⸗ len vorüber, gewinnen wir wieder mehr Muße für die Theorie. Den jüngeren Genossen namentlich, die zur Partei kommen, als sie schon Gelegen⸗ heit hatten, im Reichstag, in den Landtagen und auf den Rathäusern sich an den praktischen Tagesfragen lebhaft zu beteiligen, dürfte nach⸗ drücklich zu empfehlen sein, daß sie sich nun⸗ mehr auch mit den Fundamentalgedanken un⸗ serer Theorie vertraut machen durch emsige Lektüre der einschlägigen Litteratur. Ganz besonders möchten wir das Studium des Werkes empfehlen, das überaus lichtvoll und gemeinfaßlich über die Grundgedanken der sozialistischen Wissenschaft orientiert und eine unerschöpfliche Fülle von Belehrung enthält. Es sind jetzt genau 25 Jahre, daß es in Buch⸗ form erschienen ist, aber trotz dieses Alters hat es um nichts gealtert. Wie aus einem Berg⸗ quell sprudeln daraus kristallklare Ideen in erquicklichster Frische. Es ist das Buch von Friedrich Engels:„Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft.“ 2. Aufl. Stuttgart, Dietz 1894. Und auch das von Marx und Engels ge⸗ meinschaftlich verfaßte„Ko mmunistische Manifest“, das älteste Dokument des wissen⸗ schaftlichen Sozialismus, sollte jeder Genosse aufs gründlichste kennen. Eine kleine Schrift, aber von ganz verständlichem, fruchtbarem Ideenreichtum.„Ein Wald von himmelhohen Gedanken!“ Nicht besser können sich die Genossen für die Agitation ausrüsten, als durch gediegene Kenntnis unserer Theorien. * Der Partei ⸗Bericht an den Dresdener Parteitag ist erschienen. Er gedenkt zuerst der Kämpfer, die im Berichtsjahre aus unsern Reihen gerissen wurden und erwähnt Kegel, Metzner, Wächter Gielefeld), Pätzfeld(Dortmund), Keßler(Mannheim) ꝛc. Ferner erwähnt der Bericht die erheiternde Tatsache, daß der Parteikasse aus preußischen Regierungsgeldern 60 Mark zugeflossen sind, durch die am 13. Januar ein Polizeibeamter einen Redaktionsdiener des Vorwärts vergeblich zum Treubruch zu bewegen suchte. Der an der Spitze des Vorwärts mehrfach veröffentlichten Aufforderung, das Geld abzu⸗ holen, kam der Geldgeber aus leicht begreiflichen Gründen nicht nach. Einen erfolgreichen Vorstoß zum Schutze des Ko a⸗ littonsrechts unternahm die Mecklenburger Volks⸗ zeitung in Rostock. Sie erließ die Aufforderung, eine ungesetzliche Verordnung des Rates von Rostock, die das Streikpostenstehen generell verbot, nicht zu beachten, Ein Strafverfahren wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze usw. wurde gegen unser Parteiblatt nicht eingeleitet— die Staatsanwaltschaft zog es vor, dem Rostocker Polizeiamt mitzuteilen, daß sie die Rechts⸗ gültigkeit der Verordnung nicht anerkennen könne. Sie verschwand darauf in der Versenkung. Erfolglos war dagegen die Anfrage der württem⸗ bergischen Genossen im Landtage an die Regierung, ob sie geneigt sei, im Bundesrat für eine Vervollständigung des§ 153 der Gewerbeordnung in dem Sinne eintreten zu wollen, daß jeder, der durch Erschwerung der Arbeits- gelegenheit, Drohung oder Verbot einen anderen an der Ausübung des in§ 152 der Gewerbeordnung gewähr⸗ leisteten Koalitionsrechtes verhindert, bestraft wird. Der Ministerpräsident gab namens des Gesamtministeriums die Erklärung ab, daß die Regierung im Bundesrat für eine solche Forderung nicht eintreten könne, da durch sie die rechtliche Stellung des Arbeiters und des Arbeit— gebers zu Gunsten des ersteren in ungerechtfertigter Weise geändert werden würde. Die Arbeiter sollen nach wie vor der durch„schwarze Listen“ bedingten wirtschaft⸗ lichen Vogelfreiheit preisgegeben bleiben. Von den bürgerlichen Parteien des schwäbischen Parlaments war keine für die Forderung unserer Partei zu haben. Eine recht erfreuliche Tatsache stellt der Bericht mit der Meldung fest, daß der bald zehn Jahre hindurch das Parteileben lähmende Bruderzwist im Wahlkreise Solingen im November vorigen Jahres endlich bei⸗ gelegt wurde. Die Einigung wurde durch die Wieder⸗ eroberung des Reichstagsmandats belohnt. An Arbeitersekretariaten existieren jetzt 39. In Ausführung eines Beschlusses des vorjährigen Gewerk⸗ schaftskongresses, ist am 1. Januar d. J. in Berlin das Zentralarbeitersekretariat errichtet worden. Die Behörden wissen die Bedeutung der Sekretariate zu würdigen. Der Präsident des Kaiserlich Statistischen Amtes hat sie neben den Gewerkschaftskartellen aufge⸗ fordert, dem Amte bei der Herausgabe des Reichs⸗ Arbeitsblattes durch Lieferung von Material behilflich zu sein. Im Herbst dieses Jahres finden die preußischen Landtagswahlen statt, an denen sich die preußischen Genossen zum erstenmal allgemein beteiligen. Um die Vorarbeiten der Wahlagitation in die Wege zu leiten, und um den Genossen eine feste Richtschnur der einzu⸗ haltenden Taktik zu geben, fand auf Einladung des Parteivorstandes am 26. März d. J. in Berlin eine Konferenz preußischer Delegierter statt, die von 92 Teil⸗ nehmern besucht war. Mehrere Provinzial-Agitations⸗ komitees haben sofort nach dem Abschluß der Reichstags⸗ wahlen die Agitation für die Landtagswahlen begonnen. Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. Das Gleiche gilt von unseren Genossen in Sachsen, die sofort nach ihren glorreichen Reichstagswahlsiegen unmittelbar die Agitation für die Landtagswahlen auf⸗ nehmen mußten. Es scheint, daß die sächsische Regierung unter dem Druck der für sie so außerordentlich ungünstig ausgefallenen Reichstagswahlen eine Reform des sächsischen Landtagswahlrechts vornehmen will. Bei der durch und durch reaktionären Natur der sächsischen Regierung und der Feigheit und Charakterlosigkeit der sächsischen Bour⸗ geoisie, darf man von dieser Reform nicht viel erwarten. Unsere sächsischen Genossen entfalten eine intensive Wahl⸗ agitation mit der Forderung: Einführung des all ge⸗ meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Ueber Organisation sagt der Bericht: Dem Ausbau der Organisation widmen die Genossen allerorts die größte Aufmerksamkeit und mit Recht. Beruht doch auf einer guten Organisation der Erfolg des Kampfes und die Möglichkeit, erkämpfte Positionen zu behaupten. Wiederum ist eine größere Anzahl Parteiorte und auch Wahlkreise dazu übergegangen, Wahl- resp. Kreiswahl⸗ vereine mit festen Beiträgen zu bilden, um der Agitation eine feste und gesicherte Grundlage zu geben. Durch die Reichstags⸗Wahlagitation gefördert, ist in fast allen Wahlvereinen die Mitgliederzahl in erheblichem Maße gestiegen und damit eine wesentliche Aufbesserung der Parteifinanzen erzielt. Schiedsgerichtsverfahren über die Partei⸗ zugehörigkeit hat der Vorstand im Berichtsjahr eins eingeleitet. Es betraf den Genossen Streb in Offen⸗ bach, der eine ernste Rüge erhielt. Zwei Fälle aus Düsseldorf und Charlottenburg wurden vertagt und können vor dem Parteitag nicht mehr erledigt werden. Einem Auftrage des Münchener Parteitags ent⸗ sprechend, schlägt der Parteivorstand folgende Aenderung des§ 2 des Organisationsstatuts vor: § 2. Zur Partei kann nicht gehören, wer sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteipro⸗ gramms oder wer sich einer ehrlosen Handlung schuldig gemacht hat. Ueber die fernere Zugehörigkeit zur Partei entscheidet ein Schiedsgericht, das der Parteivorstand beruft. Die Hälfte der Beisitzer wird von denjenigen bezeichnet, welche den Ausschluß beantragen, die andere Hälfte von dem durch diesen Antrag Betroffenen. Den Vorsitzenden bezeichnet der Parteivorstand. In Orten oder Wahlkreisen, in denen die Geschäfte der Partei durch eine Vereinsorganisation geführt werden, ist der Ausschluß eines Mitgliedes aus der betreffenden Organisation dem Ausschluß aus der Gesamtpartei gleich zu achten. Der Ausschluß aus einer solchen Organi⸗ sation darf daher nur im Wege des vorstehend festgesetzten schiedsgerichtlichen Verfahrens erfolgen. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Beteiligten binnen 6 Wochen die Berufung an die Kontrollkommission und gegen deren Entscheidung an den nächsten Parteitag zu. Verzichtet ein Parteigenosse, gegen den ein Ausschluß⸗ antrag gestellt wird, auf schiedsgerichtliche Verhandlung, oder unterläßt er es, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist, Schiedsrichter zu ernennen, so gilt er ohne weiteres als ausgeschlossen. Mit dem Tode, dem Austritt oder der Ausschließung aus der Partei verliert der frühere Parteigenosse jedes Recht, das er etwa gegen die Partei, gegen den Partei⸗ vorstand, gegen die Kontrollkommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Parteimitgliedschaft erworben hat. Den ihm vom Münchener Parteitag gewordenen Auftrag, zwischen der deutschen Partei und der Organi⸗ sation der polnisch-deutschen Sozialdemokratie eine Verständigung und Einigung herbeizuführen, hat der Parteivorstand sofort nach dem Parteitag entsprochen und die Verhandlungen in die Wege geleitet. Das Resultat war ein negatives. Doch zeitigten die Ver⸗ handlungen insoweit ein praktisches Resultat, als die Genossen der beiderseitigen Organisationen in Posen und Oberschlesien sich über die aufzustellenden Kandidaten verständigten und über die Leistungen zu den Wahlkosten einigten. Bezüglich der Mitarbeiterschaft von Partei— genossen an bürgerlichen Blättern gibt der Vorstand eine längere Darlegung über die Entstehung der vielbesprochenen Veröffentlichung darüber. Der Kassenbericht konstatiert: Die von Freund und Feind anerkannte Opferfreudigkeit unserer Partei⸗ genossen hat sich im abgelaufenen Rechnungsjahre in glänzender Weise gezeigt. Die Gesamteinnahmen, nach Abzug der übernommenen Kassenbestände sind gegen das Vorjahr um 289 838,73 Mk., die allgemeinen Ein⸗ nahmen um 265 383,83 Mk. gestiegen und betrugen im Ganzen 628 247 Mk. Bewunderns wertes hat wieder die Berliner Parteigenossenschaft geleistet. Sind doch im Berichtsjahre allein vom 6. Berliner Wahlkreis 68 259,16 Mk. an die Zentralkasse abgeführt worden. Aber auch die Ausgaben der Zentralkasse haben mit 554 211,88 Mk. eine noch nicht dagewesene Höhe erreicht. Obenan stehen natürlich die Ausgaben für die Kosten der Reichstagswahlen. Sie sind um 68 840,35 Mk höher als im letzten Reichstagswahljahr 1898. Neben⸗ her wurden im Berichtsjahre auch noch für allgemeine Agitation 28 788,42 Mk. mehr ausgegeben als im Jahre 1898. Während aber 1898 wie im vorhergehenden Wahl⸗ jahre 1893 die Zentralkasse mit einem beträchtlichen Defizit abschloß, weist der vorliegende Kassenbericht einen Ueberschuß auf. Bei der Ausdehnung der Partei und der großen Zahl der in Tätigkeit gewesenen Wahlkomitees konnte anderseits bis zum Schluß des Rechnungsjahres nur erst ein kleiner Teil der Wahlabrechnungen erledigt werden. Es sind noch viele aus der Wahlbewegung stammende Verbindlichkeiten vorhanden, deren Erfüllung die Zentralkasse wird übernehmen müssen, so daß der derzeitige Ueberschuß noch sehr zusammenschmelzen dürfte. (Schluß folgt.) Politische Rundschau. Gießen, 20. August. Wie der Zolltarif die Arbeiter schädigt. Die Brenner, Kutscher, Maschinisten, Böttcher und Hülfsarbeiter der Breslauer Brenne⸗ reien legten kürzlich dem Verein der Brennerei⸗ besttzer des Stadt⸗ und Landkreises Breslau einen Lohntarif zur Annahme vor. Der Verein hat die Anerkennung des Tarifs ein⸗ stimmig mit folgender Begründung abgelehnt: Die derzeitigen schlechten Verhältnisse der Brennereien, die durch das Daniederliegen der Industrie und durch die schon im zweiten Jahr anhaltende schlechte Witterung heraufgerufen sind, gestatten es nicht, die Betriebe durch Er⸗ höhung der Spesen weiter zu belasten. Wenn diese Gründe auch nur vorübergehend seien, so gebiete außerdem die mit dem Zolltarif beschlossene ungeheuere Erhöhung der Zölle auf Gerste, Malz und Hopfen, sowie die in Aussicht stehende Erhöhung der Brausteuer auch für die Zukunft kategorisch, jede weitere Belastung von den Betrieben fern zu halten. Also auch hier sind es die Arbeiter, die den„Segen“ des Zolltarifs verspüren, von dem ihnen die agra⸗ rischen Schwadroneure vorzulügen wußten. Agrarischer Terrorismus. Liberale Blätter berichteten dieser Tage aus Freiberg in Sachsen, dem früheren Wahlkreise des Agrarier⸗Häuptlings Oertel, folgendes: In Freiberg in Sachsen besteht immer noch eine lebhafte Erregung über die Reichstags⸗ wahl. Diese Erregung wird freilich zum Teil künstlich wachgehalten durch die Erörte⸗ rungen, die der frühere Vertreter dieses Kreises, Dr. Oertel, mehrfach über seinen Durchfall angestellt hat und sogar der Nach⸗ welt in einer Denkschrift überliefern will. Hatte schon das Verhalten agrarisch⸗konser⸗ vativer Wähler Oertels, die einen Liberalen nach der Wahl tatsächlich mißhandelt haben, den Unwillen der liberalen Bevölkerung er⸗ regt, so ist jetzt durch Angriffe gegen den Freiberger Bürgermeister die Erregung noch weiter gesteigert worden. Bei diesen tut sich besonders der Direktor des Bundes der Land⸗ wirte in Sachsen, Oswin Schmidt⸗Freiberg, mit Eifer hervor. In Nr. 30 vom 25. Juli 1903 ist im Organ Bund der Landwirte direkt zur Boykottierung zweier her⸗ vorragender Freiberger Betriebe aufgefordert worden. Wie verlautet, hat der Besitzer eines dieser Betriebe gegen den Verfasser, als welcher sich Oswin Schmidt bekannt hat, Klage auf Schadenersatz erhoben. Noch jetzt erhalten Führer der liberalen Bewegung Drohbriefe über Drohbriefe. Man muß sich gewärtig halten, daß alles dies von einer Partei ausgeht, die in ihrem Programm das Eintreten für Recht, Sitte und Ordnung als Hauptforderung hinstellt. Und eine solche Gesellschaft wird nicht müde, in ihren Versammlungeu und ihren Blättern von„sozialdemokratischem Terrorismus“ zu reden. Das ganze Volk muß es den Sozial⸗ demokraten Dank wissen, daß sie den über⸗ mächtigen Einfluß dieser Sippe in Sachsen gebrochen haben. Neuer Kriegsminister. „Der Kriegsmintster v. Goßler, von dessen Rücktrittsabsichten schon seit Wochen die Rede war, hat uun seine erbetene Entlassung erhalten. Als sein Nachfolger ist General v. Einem, bisher Direktor im Kriegsdepartement, ernannt worden. Von dem neuen Manne hofft man vielleicht an gewissen Stellen, daß er die beab⸗ stchtigten Militärvorlagen eher durchzudrücken im Stande ist, als sein Vorgänger. Militär⸗Justiz. 6 Monate Gefängnis diktierte das Kriegsgericht in Allenstein(Ostpreußen) dem Musketier Schablonowski wegen Beleidi⸗ ung zu. Und worin bestand diese Beleidigung? er Musketier wurde am 14. Juli wegen Beteiligung an einem„Aufruhr“(Angriff gegen den Unteroffizier Rattay) zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Von dieser Bestrafung beabsichtigte Schablonowskt seinem Freunde Schröter in Königsberg Mitteilung zu machen. In dem betr. Schreiben glaubte der Soldat seinem gepreßten Herzen Luft machen zu dürfen und gebrauchte beleidigende Wendungen gegen den betr. Unteroffizier. Da Sch. sich in Unter⸗ suchungshaft befindet, weil er gegen seine Ver⸗ urteilung Reviston eingelegt hat, müssen seine Briefe vor der Weiterbeförderung einem Kriegs⸗ 0 0 vorgelegt werden. Dieser ließ den rief zu den Akten nehmen und die Beleidi⸗ Monate erheben. Das Urteil lautete auf 6 onate Gefängnis, obwohl der Vertreter der Anklage nur 3 Monate beantragt hatte.— Was geschieht dagegen einem Vorgesetzten, wenn er die ehrenrührigsten und beleidigendsten Be⸗ schimpfungen gegen die Soldaten gebraucht? In solchen Fällen wird noch nicht einmal Ge⸗ fängnisstrafe verhängt! ö Staatsanwalts⸗Ansichten. Justiz⸗Beamte und ganz besonders Staats⸗ anwälte haben doch oft höchst revistonsbedürftige Ansichten über die Sozialdemokratie. In einem Prozesse gegen einen sich als Nicht-Sozial⸗ demokraten bezeichnenden Maurer, der wegen Wahlbetrug angeklagt war, sagte der Staats⸗ anwalt in Erfurt: „Eine ganze Anzahl solcher Doppelwahlen sei an das Tageslicht gekommen und merkwürdigerweise hatten immer Sozialdemokraten ihre Hand im Spiele. Selten wird dergleichen entdeckt. So wird es sich erklären, daß 3 Millionen Stimmen, deren sich die Sozialdemo⸗ kraten rühmen, zu Stande gekommen sind.“ Dem kundigen Staatsanwalt wäre zu empfehlen, zur Hebung seiner politischen Bildung die Protokolle der Wahlprüfungskommission des Reichstages zu studieren. Er wird dann finden, daß die staatserhalten den Parteien und nicht die Sozialdemokratie gewohnheits⸗ gemäß die Wahlen fälschen. Der Nationalsoziale Parteitag ist auf den 29. und 30. August nach Göttingen einberufen. Naumann wird ein Referat über die Zukunft des nat.⸗soz. Vereins erstatten, zu welchem Punkte Wenck⸗Marburg das Korreferat übernommen hat. Die Verhandlungen sind, außer den Mitteilungen über die Kassenverhält⸗ nisse, öffentlich.— Die Kassen scheinen übrigens doch sehr leer zu sein. Den Delegterten können 15 einmal wie früher die Reisekosten ersetzt werden. Ausland. Ein vernünftiges Urteil fällte das Zuchtpolizeigericht(Strafkammer) in Marseille, indem es zwei Klerikale freisprach, die den Ministerpräsidenten Combes aus gepfiffen hatten. Die Begründung hat folgenden Wortlaut:„Wenn ein Minister eine von allen Zeitungen im voraus angekündigte, ausschließlich politische Rundreise zum klar ausgesprochenen Zweck macht, seine Politik vor der öffentlichen Meinung zu verteidigen und Beifallklatschen einzuheimsen, dann muß man annehmen, daß auch abweichende Meinungen das Recht haben, sich zu äußern; die gegnerische Kundgebung der Angeklagten muß also nicht als Beleidigung des Ministers, sondern als Mißbilligung der ministeriellen Politik angesehen werden, und ist nicht strafbar.“ 272SCCç0ç0sç0 c r( S o e ——— Nr. 34. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Hätten wir in Deutschland eine ähnliche Justiz, so würden sich bei manchem„hohen Be⸗ such“ sehr energische und sehr zahlreiche Pfiffe in das Hurragebrüll mischen. Der König von Mörders ⸗Guaden. Peter von Serbien scheint sich auf seinem Throne nicht besonders behaglich zu fühlen. Schwierigkeiten vielfacher Art stellen sich ihm entgegen und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Die Herren Königsmörder haben ihn in der Hand und werden ihm aufsässig, wenn er nicht nach ihrer Pfeife tanzt. Denn es steht nach neueren Mitteilungen mit ziemlicher Bestimmt⸗ heit fest, daß Peter von dem Mordplane gegen Alexander und Draga gewußt hat. So ver⸗ öffentlichte kürzlich die„Rhein.⸗Westf. Zeitung“ eine Zuschrift, die von einer den Mördern nahestehenden Seite stammen soll und in der es u. a. heißt: 0 „König Peter ist nur pro forma(der Form nach) König; die Königsrechte übt nicht er aus, sondern die revolutionäre Regierung, oder besser gesagt, die Teil⸗ nehmer der Verschwörung.... Die Erklärung dafür ist aber sehr einfach: Die Ermordung des Königspaares geschah mit Wissen des Prinzen Peter Karageorgewitsch, ja er stellte den Verschwörern sogar eine Verschrei⸗ bung aus, daß, wenn er König würde, den Teilnehmern am Morde kein Haar gekrümmt werden solle.... Den Plan der Verschwörung teilte der jetzige Handels minister Gencsics persönlich dem Prinzen Peter mit. Die Mit⸗ teilung, daß Prinz Peter einverstanden sei, überbrachte Gencsies den Verschwörern mit der Versicherung, daß sie vor jeder Verfolgung geschützt werden sollten. Der Ausschuß in Belgrad wollte sich mit diesem Versprechen begnügen, aber die verschworenen Offiziere hatten Be⸗ denken und wünschten, daß Prinz Peter Karageorgewitsch eine bindende Erklärung schriftlich ausstellen möge. Einstimmig wurde beschlossen, Gencsies neuerdings nach Genf zu entsenden. Er kehrte triumphierend von dort zurück, denn er brachte ein eigenhändiges Schreiben des Prinzen Peter Karageorgewitsch.... Darin liegt die Erklärung, wieso es kommt, daß der Wille der Ver⸗ schwörer heute in Serbien maßgebend ist. Der Brief König Peters ist der Draht, an dem man den König zieht; er ist in ihrer Macht.... Die Diktatur der Verschwörer wird über kurz oder lang neue Verwicke⸗ lungen hervorrufen, und wenn König Peter die tatsäch⸗ liche Macht in die Hand bekommen will, dann wird ihn das einen harten und gefährlichen Kampf kosten....“ Nun haben auch noch die Minister ihre Entlassung gegeben, weil einige den Ver chwörern mißliebige Offiziere der Belgrader Garnison nicht versetzt worden waren. Auch in der Armee herrscht Unzufriedenheit. Etwa 300 Offiziere sollen in einer Denkschrift an den König die Enthebung der Verschwörer von den leitenden Stellen verlangt haben, mit dem Hin⸗ zufügen, daß sie, im Fall ihre Bitte nicht erfüllt werde, genötigt seien, ihren Abschied zu erbitten. Diese Dinge haben den armen König verdrossen gemacht und er soll schon erklärt haben, die Krone wieder niederlegen zu wollen.— Das kommt davon, wenn man den Gottbegnadeten spielen will und sich, um seinen Ehrgeiz zu befriedigen, mit Verbrechern einläßt! Aufstand auf der Balkanhalbinsel. Seit Monaten schon tobt der Klein- und Bandenkrieg, den die Bulgaren in Mace⸗ donien gegen die türkische Herrschaft führen. Zahlreiche größere und kleinere, immer aber höchst blutige Gefechte und Metzeleien haben stattgefunden. Die Erfolge der gegen die Auf⸗ ständischen aufgebotenen türkischen Truppen sind gering, denn die Aufstandsbewegung dehnt sich über ein weites Gebiet aus. Ein angesehener Grundbesitzer sprach sich über die Zustände da⸗ hin aus:„Bei Tage sind die Türken die Herren, sobald aber der Abend seine Schatten vorausschickt, so beginnen die Bulgaren ihr Schreckensregime, und die türkischen Soldaten verkriechen sich.“— In einem Gefechte bei Perlepe wurden 200 Insurgenten getötet und §0 gefangen. Ein entsetzliches Blutbad ver⸗ anstalteten die Insurgenten in Itschobina, in der Kasa Isbiwitsche, wo 800 Muselmanen, Frauen und Kinder massakriert wurden. Die Insurgenten haben beschlossen, an die Zer⸗ störung der größeren Bahnobjekte zu gehen, besonders der längeren Brücken, deren Reparatur fast gänzlich. Bei der 42 Kilometer weit von Saloniki entfernten Station Amatowo wurde ein Personenzug in die Luft gesprengt. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist sehr groß.— Die Türken mögen ja die besten Brüder auch nicht sein; es sind aber christliche Völker, welche diese Mordtaten verüben. r Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. + Ausgesperrt wurden am Samstag 600 Maurer in Düsseldorf. 60 christ⸗ lich⸗organisterte Maurer arbeiten weiter. + Maureraussperrung in Krefeld. Nachdem der Krefelder Zimmererstreik mit einem teilweisen Erfolg der Ausständigen beendet ist, sind die Maurer in eine Lohnbewegung einge⸗ treten. Ste fordern 10 stündige Arbeitszeit, 50 Pfg. Stundenlohn und entsprechenden Zu⸗ schlag für Ueberstunden und Sonntagsarbeit. Falls die Bauinnung diese Forderungen ablehnen würde, sollte am 17. August der Streik beginnen. Auf einen Beschluß der Unternehmer sollen bis zum 17. August alle der freien Gewerkschaft angehörenden Maurer ausgesperrt werden. Ein Tell der Unternehmer hat diesen Beschluß bereits zur Ausführung gebracht. Der Generalstreik bei den Lanzschen Fabriken in Mannheim ist persekt. Es sind daran 2500 Mann beteiligt. Seitens der Fabrik⸗ leitung wurde bereits eine„schwarze Liste“ ver⸗ sandt. Durch Angebot eines Stundenlohns von 70— 80 Pfg. sucht man Streikbrecher zu gewinnen; hätte man einen solchen Lohn, der übrigens nur für die Dauer des Ausstandes gezahlt würde, bisher gezahlt, wäre es stcherlich nicht zum Ausstande gekommen.— Wie jetzt mitgeteilt wird, hat eine dieser Tage stattge⸗ fundene Versammlung der streikenden Lanzschen Arbeiter beschlossen, die Intervention des Fabrikinspektors anzurufen. 1 Günstige Folgen der Beitrags⸗ erhöhung für die Entwickelung seiner Gewerkschaft stellt der Vorstand des Hol z⸗ arbeiter verbandes in seiner letzten Quar⸗ talsabrechnung fest. Er bemerkt, nachdem er ziffernmäßig das Anwachsen des Verbandes nachgewiesen:„Die Befürchtungen, daß die mit der Einführung der Arbeitslosenunterstützung verbundene Beitragserhöhung dem Verband einen Rückschlag geben würde, haben sich, wie ähnliche frühere Prophezeiungen, wieder einmal nicht erfüllt. Mögen alle Verbandsmitglieder aus dieser erfreulichen Tatsache neuen Mut schöpfen zu neuer, intensiver Agitation.“ Aehnlich günstige Erfahrungen haben alle Organisationen bisher mit der Einführung von Unterstützungen und Erhöhung der Beiträge gemacht. + Nutzen der Arbeiter-Organisa⸗ lion. Die Berg⸗ und Hütienarbeiter⸗Zeitung schreibt:„Unterm 5. August hat den Vorstand des Bergarbeiter⸗Verbandes eine Eingabe an den Verein für die Bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund gerichtet, in der ausführlich die schwere Schädigung der Bergleute durch die Wurmkrankheit dargelegt ist. Unter besonderer Betonung der Dringlich⸗ keit der Erledigung dieser Angelegenheit, die große Erregung bei den Belegschaften verursachte, ersuchte unser Verbandsvorstand den Werks⸗ besitzerverein, den Wurmkranken Lohnentschädi⸗ gung zu bewilligen. Unsere Eingabe ging auch an das königliche Oberbergamt und an das königliche Ministerium für Handel und Gewerbe. Es hat denn auch schon am 9. August eine Versammlung des Werksbesitzerverbandes statt⸗ gefunden, in der„beschlossen“ sein soll, den Wurmkranken täglich 2 Mark Zuschuß zum Krankengeld zu zahlen. Eine andere Korre⸗ spondenz schreibt babegen es sei den Zechen „empfohlen“ worden, den Durchschnittslohn zu vergüten, wie es auf einer Reihe Werke schon geschieht. Der genaue Beschluß ist uns zur Zeit noch unbekannt, aber so viel steht fest, es wird eine Besserung für die Opfer der Wurm⸗ krankheit eintreten! Und das ist angesichts des Elends nur zu notwendig.“ nicht leicht durchzuführen wäre. Auf den Orientalischen Bahnen stockt der Personenverkehr Bestünde keine kraftvolle Bergarbeiter⸗Organi⸗ sation, wütete vielleicht die unheimliche Wurm⸗ krankheit noch unbekämpft weiter, der Lohn stünde vielleicht auf der Höhe, wie ihn chinesische Kulis bekommen, und die Behandlung wäre die der Negersklaven. Hoffentlich nehmen sich die bisher noch nicht organisierten Bergarbeiter und alle ihrer Gewerkschaft nicht angehörigen Arbeiter überhaupt das zu Herzen und stellen sich mit in die Reihen ihrer kämpfenden Brüder. + Zirka 160 Spengler befinden sich seit Montag in Hannover⸗Linden im Aus⸗ stande. Unterhandlungen, die einen günstigen Erfolg versprechen, sind mit der Innung im Gange. Zuzug ist streng fernzuhalten. Von Nah und Lern. g Gießener Angelegenheiten. — Zur Landeskonferenz drückt im Offenbacher Parteiorgan ein Genosse den Wunsch aus,„daß die Punkte der Konferenz,„Die Reichstagswahlen“ und„Der Parteitag“, nicht so abgehaspelt werden, wie in Worms. Ulrich als Referent über„Die Reichstagswahlen“ referierte kaum 15 Minuten und Kramer als Referent über„Der Parteitag in München“ ahmte dieses„gute“ Beispiel nach und wickelte sein Pensum ebenfalls in wenigen Minuten ab. Eine derartige Kürze halten wir für verfehlt. Die ländlichen Delegierten haben großes Interesse an diesen Verhandlungen. Dieselben empfangen wertvolle Anregungen, die zu Hause bei den Genossen sehr gut zu verwerten sind. Um eben mehr Zeit für längere Referate zu bekommen, schränke man die überflüssige Diskussion ein.“ Letzteres wird wohl nicht gut angehen. Man kann nicht sagen, daß auf den bisherigen Kon⸗ ferenzen die Diskusstonen zu ausgedehnt gewesen wären. Dann ist aber doch auch der vornehmste Zweck der Konferenzen, eine allgemeine Aussprache über alle Parteiangelegenheiten zu erzielen und man muß jedem Genossen Gelegenheit geben, seine Beschwerden, Wünsche und Ansichten vor⸗ zubringen. Daß die Delegierten— und nicht blos die ländlichen— ausführlicheren Vorträgen über die erwähnten Punkte großes Interesse entgegenbringen, steht ja sest, zu solchen dürfte aber die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreichen.— Auf der Tagesordnung vermissen wir übrigens einen Bericht über die Tätigkeit unserer Genossen im hess. Landtage; wir meinen, daß hierbei viel mehr zu sagen wäre, als über den Dresdener Parteitag und die verflossenen Reichstagswahlen.— Unter allen Umständen müssen die Parteigenossen für zahl⸗ reiche Beschickung der Steinbacher Konferenz sorgen! — Eine 63 jährige Dienstzeit bei der Stadt Gießen hat der Kanzleirat Demuth hinter sich, der vorige Woche aus dem Dienste schied und in den wohlverdienten Ruhestand trat. Er ist bereits 79 Jahre alt. Während seiner langen Dienstzeit amtirten nacheinander steben Bürgermeister und manche Wandlung in der Verwaltung ist vor sich gegangen. De⸗ muth stand in dem Rufe eines tüchtigen und gewissenhaften Beamten und erfreute sich all⸗ gemeiner Beliebtheit und jedermann wird ihm einen freundlichen Lebensabend wünschen. — Die Friedhofs weihe wird voraus⸗ sichtlich die evangelische Landessynode beschäftigen, die im September zusammentreten soll. Der Pfarrer Wahl in Langen hat nämlich bei dem Oberkonsistorium eine Interpellation einge⸗ bracht: 1. Sind hoher Kirchenbehörde Ursachen und Verlauf der Vorgänge bekannt, die neuerdings in Gießen dazu führten, daß dem ersten evan⸗ gelischen Pfarrer Dr. Naumann von Seiten des Oberbürgermeisters Mecum die Vornahme einer Weihe des neuen Friedhofs unter Androhung von Gewalt untersagt wurde? 2. Welche Maßregeln gedenkt hohe Kirchenbehörde zu er— greifen, um für die Zukunft eiuer etwaigen Wiederholung solch völlig rechtswidrigen Ein⸗ greifens in die Sphäre evangelisch⸗ kirchlichen Lebens vorzubeugen. Es ist wirklich ein starkes Stück von dem Pastor, hier von rechtswidrigem Eingreifen in kirchliche Angelegenheiten zu reden. Seite 4. Mitteldeulsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. — Immer etwas Neues bringt Bürger⸗ meister Köhler von Langs dorf, der frühere Vertreter Gießens im Reichstage, aufs Tapet. Vor einiger Zeit arrangierte er ein glänzend verlaufenes„Geißen⸗Fest“, bei welchem alle Ziegen im Orte schön aufgeputzt und im feier⸗ lichen Zuge nach dem Festplatz geführt wurden. Die nützlichen Tiere, die ob solcher Ehrung höchst erstaunt waren, sollen sich übrigens auf ihrem Feste königlich amüsiert haben.— Jetzt will Herr Köhler nun die Kirmessen ver⸗ edeln, wie er in einer Bekanntmachung in der Hungener Landpost ankündigt. Ganz klar ist es eigentlich nicht, wie er das zu bewerkstelligen gedenkt. Und wenn er in erwähnter Bekannt⸗ machung sagt:„Zuchtloser wie je ist die Jugend allenthalben geworden und weder kennt sie noch Scheu vor Gott und den Menschen, noch Ehr⸗ furcht vor Alter, Ansehen und Obrigkeit. Darum müssen ihr neue Grenzen gesetzt werden, aber es müssen solche sein, wie sie unsere freigeistige Zeit erfordert, die Selbstverwaltung“, so wird man auch dadurch nicht genauer in das neue Projekt eingeweiht. Uebrigens sind diese Sätze sehr anfechtbar. Der Jugend neue Grenzen setzen— wir wissen nicht, wie das angehen soll .. denn ganz von selbst und ohne Erbarmen naht das Alter.— Wer hat aber denn die Jugend bisher erzogen, daß ste so„zuchtlos“ geworden ist? Ist es vielleicht der so viel gerühmte und gepflegte christlich⸗germanisch⸗ antisemitisch⸗kriegervereinliche Geist, der sie so unheilvoll beeinflußte? Aus dem Rreise griedberg⸗Püdingen. — Trauriges Ende einer Staats⸗ stütze. In Ortenberg wurde neulich, wie unser Frankfurter Parteiorgan berichtete, der früher in Frankfurt tätige Polizeikommissar Seipp verhaftet, weil er sich in der Nähe von Gedern an einem noch nicht 14 Jahre alten Schulmädchen sittlich vergangen hatte. Merk⸗ würdiger Weise wurde Seipp, den man für unzurechnungsfähig hielt, später in die Irren⸗ anstalt nach Heppenheim gebracht. Er scheint doch noch Geistesklarheit genug gehabt zu haben, um die Höhe der Strafe für das von ihm ver⸗ übte Verbrechen ermessen zu können. Aus Furcht vor der zu exwartenden Strafe hat sich Seipp am Freitag in der Anstalt Heppen⸗ heim erhängt und sich dadurch der richterlichen Verurteilung entzogen. Es ist charakteristisch, daß viele von denen, die sich in Chikanen gegen die Arbeiterbewegung besonders auszeich⸗ neten(bei Seipp war es auch der Fall) entweder f Irrsinn verfallen oder durch Selbstmord enden. Aus dem RNreise Alsfesd-Cauterbach. „*Die am Sonntag, den 16. August, nach⸗ mittags auf der Pfefferhöhe bei Alsfeld angesagte Kreiskonferenz war von 16 Genossen besucht. Die Hauptfrage, welche die beinahe vierstündige Versammlung zu erledigen hatte, war die Stichwahlangelegenheit. Der Sach⸗ verhalt, der durch die langen Debatten, an denen sich fast sämtliche Anwesenden, zumal aber die Genossen Eder und Wiegandt⸗ Alsfeld, Orbig-Gießen und Michels-Mar⸗ burg beteiligten, festgestellt wurde, ist kurz fol⸗ gender: Die Alsfelder Parteileitung hatte, im Einverständnis mit dem Reichstagkandidaten des Kreises, beschlossen, in der Stichwahl zwi⸗ schen dem Antisemiten Bindewald und dem Nationalliberalen Kreisrat Wallau Stimmen⸗ enthaltung anzuempfehlen, gleichzeitig mit der Hinzufügung, daß jedenfalls kein Genosse für den Antisemiten eintreten dürfte. Leider wurde dieser Stichwahlbeschluß aber durch das durch nichts begründete Erscheinen zweier Flugblätter des Genossen Krumm ⸗ Gießen, welche von den Alsfelder Antisemiten herausgegeben wurden, einerseits, sowie durch etliche andere Flugblätter der Alsfelder Parteileitung, in welchen diese sich dazu hinreißen ließ, ohne weiteres für Herrn Wallau einzutreten, andererseits durchbrochen. — Die Konferenz bedauerte einmütig das völlig unbefugte Eingreifen des Genossen Krumm in die Stichwahlangelegenheit eines Nachbarkreises und mußte zugeben, daß auch von Seiten der Alsfelder Genossen eine Reihe von Fehlern begangen worden seien, die, wenn auch aus der Jugend der sozialdemokratischen Bewegung im Kreise zu begreifen, für eine nächste Wahl unter allen Umständen zu vermeiden seien. Sodann wurden in geheimer Abstimmung die Genossen Dr. Michels und Jakob Eder als Delegierte zur Landeskonferenz sowie Dr. Michels als Delegierter zum Dresdener Parteitag gewählt. Die Rechnungsablage war in Ordnung befunden worden. Die e in welcher die unter den Genossen herrschenden Gegensätze zu⸗ erst in sachlicher, aber scharfer Form stark auf⸗ einandergeprallt waren, schloß, wie es unter echten Sozialdemokraten üblich ist, mit offenem gegenseitigem Bekenntnis der gemachten Fehler und dem auf's Neue gegebenen Versprechen, in einträchtigem Kampfe Schulter an Schulter gegen den gemeinsamen Feind weiter zu fechten. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Am Sonntag, den 16. August fand eine zahlreich besuchte Kreiskonferenz statt. Zu⸗ nächst wurde der Kassenbericht erstattet, nach welchem eine Einnahme von M. 833.69 und eine Ausgabe von M. 734.93 zu verzeichnen war. Nach der, von aus der Mitte der Teil⸗ nehmer gewählten Revisoren, erfolgten Prüfung der Abrechnung, welche für richtig befunden, wurde dem Genossen Fauth⸗Wetzlar Entlastung erteilt. Der zweite Punkt der Tagesordnung, „Der Parteitag in Dresden“, fand eingehende Besprechung, und wurde Fauth⸗Wetzlar als Delegierter und Stork⸗Krofdorf als Ersatzmann gewählt. Nach kurzer Debatte wurde der dritte Punkt vertagt und auch der Punkt„Presse“ fand nach etwas heftiger Auseinandersetzung nicht seine volle Erledigung. Für Sonntag, den 30. August bestimmte man eine Volks⸗ versammlung, in der Genosse Habicht⸗Frank⸗ furt über Lassalle sprechen wird. Gegen 8 Uhr abends erfolgte Schluß der Konferenz. h. Der„Wetzl. Anz.“ brachte vor kurzem folgende Notiz: „Dem„Rhein. Kur.“ wird von hier ge⸗ schrieben: Hier sind mehrere Fälle von Typhus⸗ erkrankungen konstatiert worden. Die Massen⸗ einquartierungen, welche bei den demnächst be⸗ ginnenden Manöverübungen für unsere Stadt vorgesehen waren, sollen deswegen auf die um⸗ liegenden Ortschaften verteilt werden.(Wir glauben einstweilen nicht, daß es dazu kommt. Red. d. W. A.)“ Nun, wem es vergönnt war, dieser Tage am hiesigen Schlachthaus, das mitten in der Stadt gelegen, vorüberzugehen, in welchem am hellen Nachmittag, bei einer Hitze von 20 R. die„Düngergrube“ geleert und das„Ge⸗ wonnene“ dann durch die Stadt gefahren wurde, der glaubte sich in einer Abdeckerei zu befinden, aber nicht in einem zahlreich bewohnten Stadtviertel. Es wird die höchste Zeit, daß hier die Behörde, wie dies längst in anderen Städten geschehen, für solche Arbeiten a m Tage, im Interesse der allgemeinen Gesundheit, ein Verbot erläßt. h. Kürzlich erkrankten bei einem hiesigen Handwerker, die meisten Angehörigen. Eine zu Besuch weilende Verwandte starb bald darauf und 3 Personen befinden sich noch in Behandlung. In letzter Zeit wurde viel über verdorbene Wurst geklagt und sei hiermit zur Vorsicht gemahnt. t. Aus Haiger schreibt man uns: Auf der hiesigen Miner va⸗Hütte versucht man jetzt die Kon⸗ toristen nach militärischer Art zu drillen. Dabei kommt man zu ganz merkwürdigen Anordnungen und Verord⸗ nungen. So wurde kürzlich verfügt, daß die Beamten den früheren Teilhaber und Leiter des Werkes, der sich jetzt eine eigene Fabrik baut, weder grüßen, noch mit ihm verkehren sollten. Und wie mancher der jungen Leute verdankt seinem früheren Chef seine ganze kauf⸗ männische Fertigkeit! Vorschriften solcher Art müssen sich„freie deutsche Männer“ bieten lassen! Nicht ge⸗ grüßt soll der frühere Chef werden— sehr untertänig gegrüßt aber ein als Prokurist eingestellter blutjunger Mensch, der sich lebhaft beschwerte, als die Beamten nicht Unterwürfigkeit genug an den Tag legten.— Einesteils geschieht es ja den Kaufleuten, die sich so gern besser dünken als andere Arbeiter, recht, wenn sie wenig respektvoll behandelt werden, denn bei ihnen ver⸗ mißt man in der Regel jedes Solidaritätsgefühl, vielmehr sucht jeder durch Streberei und Schmuserei seinen per⸗ sönlichen Vorteil. Damit können natürlich die Maßnahmen der Hütten⸗Direktion in keiner Weise entschuldigt werden. Diese springt mit Arbeiter⸗Existenzen um, daß es eine Art hat. Ohne jeden ersichtlichen Grund werden Arbeiter auf die Straße geworfen. Das ist die„Freiheit“ im heutigen Staat! Sie wird den Arbeitern von den jetz⸗ igen Leitern des Werkes so recht vor Augen geführt, zu deren Verhalten das arbeiterfreundliche Wesen des Gründers in wohltuendem Gegensatz stand. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. G. M. Sonnabend den 15. August fand im Jesbergschen Lokal eine gut besuchte öffentliche Parteiversammlung statt, welche sich mit dem Dresdener Parteitag zu beschäftigen hatte. Auf der Tag⸗sordnung standen infolgedessen auch dieselben Themen, welche in Dresden zur Verhandlung kommen werden, und zwar hatten die Genossen Dr. Thesing und Dr. Michels sich in die Referate über die einzelnen Punkte geteilt. Zunächst erörterte Gen. Thesing die Stellung der Sozialdemokratie zur bürgerlichen Linken. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß da der heutige Liberalismus mit seinem Manchestertum zu einem Schutzpatron für den unverfälschtesten Kapitalismus geworden und sein ursprünglicher Wahlspruch„Freiheit, Gleich⸗ heit, Brüderlichkeit“ zur Phrase herabgesunken sei, ein Zusammengehen der Sozial demokrattie mit der bürgerlichen Linken unmöglich wäre, und jedenfalls nur schädlich auf unsere Partei wirken könnte. Deshalb halte er auch das Bedauern, das auch in unsern Reihen über den Rückgang der bürgerlichen Demokratie laut geworden sei, für durchaus falsch. Wir sollten uns, namentlich wenn wir uns vor opportu⸗ nistischer Verführung nicht ganz sicher fühlen, lieber ganz davon fern halten!— Ebenso ab⸗ lehnend verhielt Gen. Thesing sich zur Vize⸗ präsidentenfrage. Der Gedanke des Kaiserbesuches entspringe aus einem verderb⸗ lichen Opportunismus— nie dürfe man Prin⸗ zipien für kleine Vorteile des Augenblicks ver⸗ leugnen! Der dritte Punkt des Thesingschen Referats drehte sih um die Marburger Stichwahlangelegenheit, welche höchst wahr⸗ scheinlich auf dem Parteitage zur Sprache kommen wird. Dr. Thesing verlas die Ent⸗ gegnung des Genossen Heine im Vorwärts und wandte sich mit aller Schärfe gegen die Entschuldigungsbersuche wegen des von ihm an Gerlach gesandten Telegramms. In der darauffolgenden Diskussion sprach sich Genosse Weber im Sinne des Referenten über die Frage des Reichstagsvizepräsidenten aus, wandte sich aber gegen die Angriffe auf Heine, in dem er die Angelegenheit so darzustellen suchte, als ob die Marburger Genossen Heine nur zum Prügelknaben stempeln wollten. Genosse Michels widerlegte diese Behauptung, indem er kurz den Entwicklungsgang der Stichwahlfrage noch einmal anseinandersetzte, aus welchem sich klar ergebe, daß der Beschluß der Stimmenenthaltung mit vollem Recht auf Grund des Parteitagbeschlusses und eines zu⸗ stimmenden Briefes von der Parteileitung ge⸗ faßt worden sei und daß ein zweiter Brief des Genossen Pfannkuch, welcher nachträglich nochmalige Unterhandlungen mit Gerlach an⸗ empfahl, an diesem Beschluß nichts mehr hätte ändern können, da zu einer etwaigen Ein⸗ berufung einer neuen Versammlung zu noch⸗ maliger Beschlußfassung keine Grundlage ge⸗ boten worden sei. Im übrigen stehe Genosse Weber mit seiner abweichenden Ansicht über das Benehmen des Vorwärts und des Gen. Heine ja fast allein, da die eine der drei Stimmen, welche damals gegen die das Vorgehen des Vorwärts tadelnde Resolution gestimmt hätten, auf den Genossen Thesing entfalle, welcher nur mit der Form ber Resolution nicht einverstanden gewesen sei.— Auch Gen. Michels stellte sich in der Vizeprästdentenfrage auf denselben Standpunkt wie die beiden Vor⸗ redner. Er hob noch als besonders ausschlag⸗ gebendes Moment hervor, daß selbst der Kaiser eine größere Hochachtung vor der Sozialdemokratie bekommen würde, wenn dieselbe ihren Prinzipien treu bliebe und nicht um eine Audienz bei ihm bäte. ie er se ie 5, le, en le . 97 el le/ uf . ge ef ich in⸗ lte J Nr. 34. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. Nachdem auch Genosse Abel im Sinne der Genossen Michels und Thesing das Wort er⸗ griffen hatte, legte zunächst der Vertrauensmann, Genosse Härtling, den letzten Rechnungs⸗ bericht der Parteikasse vor und dann erhielt Genosse Michels das Wort zum zweiten Teil der zu erörternden Fragen. In Bezug auf die Maifeier erklärte er sich dahin, daß seiner Meinung nach man nicht so weit gehen könne, allgemeine, strikte Arbeitseinstellung für den ersten Mai zu fordern, wohl aber sei es wün⸗ schenswert, daß der in letzter Zeit aufkommenden Unsitte, die Maifeier nicht am 1. Mai, sondern an irgend einem beliebigen darauf folgenden Tage zu begehen, gesteuert werde. Dann ging Redner auf die Frage der Mitarbeit an bürger⸗ lichen Zeitschriften ein. Er halte es seiner Meinung nach durchaus nicht für unrichtig, ja im Gegenteil sogar für nützlich, wenn ein Sozialdemokrat in irgend einem bürgerlichen Blatte eine wirtschaftliche Frage vom sozta⸗ listischen Standpunkt aus behandele. Denn mancher Bürgerliche bekomme dadurch einen richtigeren Begriff davon, was ein Sozial⸗ demokrat eigentlich sei, und werde, wenn auch nicht bekehrt, so doch vielleicht in manchen Dingen stutzig gemacht. Natürlich sei es andererseits durchaus verwerflich, wenn ein Sozialdemokrat in einem bürgerlichen Blatt seinen Standpunkt verleugne oder verschleiere, aber es gehe doch nicht an, etwa eine schwarze Liste derjenigen bürgerlichen Blätter aufzustellen, an denen ein Sozialdemokrat unter keinen Umständen mit⸗ arbeiten dürfe. Zu diesem Punkte äußerte sich Genosse Weber, daß er es selbst nicht tadelns⸗ wert fände, wenn ein Parteigenosse als Lokal⸗ berichterstatter an irgend einer feindlichen Tages⸗ zeitung angestellt sei. Denselben Standpunkt vertrat Genosse Thesing, während Genosse Michels meinte, eine derartige Stellung könne den Betreffenden doch häufig in ein zweideutiges Licht bringen, da er doch z. B. eventuell ge⸗ zwungen sein könnte, über eine politische Ver⸗ sammlung in gegnerischer Beleuchtung berichten zu müssen. Nach Schluß der Diskussion über diese Fragen wurden die Gen. Dr. Michels und Dr. Thesing einstimmig zu Delegierten für den Dresdener Parteitag gewählt und fol⸗ gende Resolutionen angenommen: 1) Der Parteitag wolle beschließen: Dem Zentralorgan bezüglich seiner Haltung den lokalen Organisationen gegenüber in taktischen Fragen bestimmte, nicht über die kritischen Auf⸗ 15 desselben hinausgehende Grenzen anzu⸗ weisen. 2) Der Parteitag wolle beschließen: Daß das Verhalten der Reichstagsfraktion zur Re⸗ gierung überall und jederzeit den republikanisch⸗ demokratischen Prinzipien unserer Partei zu entsprechen habe. 3) Die Genossen des Marburger Wahlkreises empfehlen die Stiftung eines Fonds zur Be⸗ streitung der Reisekosten der Delegierten zum Parteitag, damit alle anderen Rücksichten außer Kraft gesetzt werden, durch welche sich die ein⸗ zelnen Sektionen heute in der Wahl der Dele⸗ gierten vielfach noch binden lassen mögen. Unter„Verschiedenes“ empfahl Genosse Rösler, unterstützt von Genossen Abel, die Beteiligung an den bevorst ehen den Stadtver⸗ ordnetenwahlen, und es wurde daraufhin eine dreigliedrige Kommission zur Eialeitung der erforderlichen Schritte gewählt. zaun Auf die im„Vorwärts“ veröffentlichte hochfahrende Erklärung des Gen. Rechtsanwalt Heine haben die Marburger Genossen beschlossen, vorderhand nicht einzugehen, das Benehmen Heines aber auf dem Dresdener Parteitag zur Sprache zu bringen. g f — Wie aus dem Inserat ersichtlich ist, findet am Sonnabend, den 29. August, die erste Versammlung des Wahlvereins statt, an der sich die Genossen zahlreich beteiligen wollen. Wieder zwei schwere Eisenbahnunfälle. In der Nähe von Berlin, zwischen Groß⸗ Lichterfelde und Teltow, erfolgte am Samstag Vormittag ½10 Uhr ein Zusammenstoß zwischen dem von Berlin nach Kassel abge⸗ gangenen Personenzug und dem Münchener Schnellzug. 17 Personen wurden verletzt, da⸗ von 5 schwer. Das Unglück wäre noch be⸗ deutender gewesen, hätte nicht der Lokomotiv⸗ führer des Personenzuges Gegendampf gegeben. — Ferner entgleiste am Sonntag abend auf der Strecke Wilpschhaus⸗Karlsfeld unweit der Station Rothenburg von einem Personenzug die Maschine und acht Wagen. 5 Personen wurden getötet und 30 schwer, 30 leicht verletzt. Wieder eine geborstene Ordnungsstütze. Viel Aufsehen erregt in Mülhausen i. E. die bereits gemeldete Verhaftung des Gefängnis⸗ inspektors Brendle, welcher der Unter⸗ schlagung angeschuldigt wird. Entdeckt wurden die Unregelmäßigkeiten in den Büchern während einer Urlaubsreise des Angeschuldigten. Die Unterschlagungen datieren schon von einer Reihe von Jahren her und sollen eine Höhe von 17000 Mk., vielleicht noch mehr erreichen. Man glaubte Brendle bereits flüchtig, weil man ihn in Berlin, wo er sich aufhalten sollte, ver⸗ gebens suchte; doch am Mittwoch Abend traf er mit dem Berliner D⸗Zuge ein und wurde auf dem Bahnhofe von den ihn erwartenden Kriminalbeamten verhaftet. Brendle war Präsident des Kriegervereins und hat noch vor den Wahlen in seinem Vereinle blutrünstige Reden gegen die Sozialdemokraten gehalten. Es bewährt sich hier wieder, was Mehring in seiner Geschichte der Sozialdemokratie sagt, daß die größten Gauner die rote Fahne am grim⸗ migsten hassen.— Zu bemerken ist noch, daß Brendle von den Schutzleuten in einer Droschke erster Güte am Bahnhof abgeholt und ganz geräuschlos nach seiner„neuen Wohnung“ ge⸗ bracht wurde. Politische Verbrecher, welche in einer Versammlungsrede oder in einem Zeitungs⸗ artikel eine staatliche Einrichtung verächtlich gemacht oder gar einen Nachtwächter beleidigt haben sollen, müssen gewöhnlich froh sein, wenn man sie vor der Ueberführung ins Gefängnis oder bei der Vorführung vor den Richter nicht sogar fesselt! Wegen unsittlicher Handlung an Schülern wurde dieser Tage von der Strafkammer in Cleve ein Lehrer aus Goch zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Dabei wurde die merk⸗ würdige Tatsache aufgedeckt, daß dieser Jugend⸗ bildner schon einmal mit 8 Monaten Gefängnis bestraft worden ist wegen Vor⸗ nahme unsittlicher Handlungen mit Schülern. Wie es zugeht, daß ein Mann, der unsittlicher Handlungen mit Schülern überführt und des⸗ wegen bestraft ist, noch weiter als Lehrer tätig sein kann, wurde leider in der Verhandlung nicht festgestellt. Ein scharfer Schuß bei der Landwehr⸗ übung. Ein seltsamer Unfall ereignete sich, wie aus Freiberg i. S. mitgeteilt wird, auf dem Exerzierplatze des dort garnisonierenden Jäger⸗ bataillons. Die bei dem Bataillon eingezogenen Landwehrleute hatten auf dem Platze Vorstellung; hierbei fanden Uebungen gegen einen markierten Feind statt. Als die zweite Kompagnie, die den Feind därstellte, gegen die übenden Landwehr⸗ leute mit Platzpatronen schoß, fiel auf eine Entfernung von 600 Meter ein scharfer Schuß, der einem Landwehrmann eine fingertiefe Fleisch⸗ wunde beibrachte. Dicht neben dem Landwehr⸗ mann stand der Hauptmann v. Abeken, so daß ein Racheakt vermutet wird. Das Gefecht wurde sofort abgebrochen und eine Untersuchung eingeleitet. Kleine Mitteilungen. a Ueberfahren wurde auf dem Gießener Güter⸗ bahnhof am Mittwoch morgen der Hilfsweichensteller Reinhard Hofmann aus Wieseck. Beide Beine wurden dem Bedauernswerten unterhalb des Knies abgefahren. z Bei einer Schlägerei auf dem Lindenplatze in Gießen erhielt der Spengler Cretzschmar einen Stich in die Lunge. Er ist seinen Verletzungen erlegen. a Arbeiterrisiko. Am Dienstag abend wurde einem Arbeiter auf der Main⸗Weserhütte in Lollar pon einem Treibriemen ein Arm vom Rumpf geschnitten. * In Langgöns brachte die Frau eines Land⸗ wirts ihrem Manne im Verlauf eines Streites eine erhebliche Verletzung durch einen Hieb mit der Sichel in die Brust bei. Zum Bürgermeister von Lich wurde der seitherige Bürgermeister Heller mit 327 gegen 66 Stimmen wiedergewählt. * Verhafteter Mörder. Der vor fünf Jahren wegen Lustmordes zum Tode verurteilte Deserteur Wey⸗ gand, der seinerzeit aus dem Darmstädter Gefängnis entflohen war, wurde in Mainz verhaftet. N * Als Beigeordneter in Offenbach an Stelle des Beigeordneten Wolff, dessen Dienstentlassung das Gericht bekanntlich bestätigte, wurde am vorigen Freitag der Stadtrat Zopf aus Aue i. S. auf die Dauer von 6 Jahren gewählt. Sein Gehalt beträgt 6000 Mk. * Ertränkt. Bei Groß⸗Karben wurde am Samstag die seit Dienstag verschwundene 21 jährige Dienstmagd Anna Dröller von dort tot aufgefunden. Sie war für Dienstag nach Vilbel vor Gericht geladen worden, um sich wegen der Anklage, das Verbrennen eines Kornhaufens verschuldet zu haben, zu verantworten. * Vom Zug e überfahren ließ sich am Freitag bei Ems eine junge Dame, die Frau eines Geschäftsmannes aus Ems. Sie warf sich in selbstmörderischer Absicht mit ihrem etwa vier Jahr alten Töchterchen unter den nach Frankfurt gehenden Personenzug, wurde von der Maschine erfaßt und getötet, während das Kind mit einer Kopfwunde davon kam. Partei-Uachrichten. Wahlsieg in Baden. Bei der Wahl zum Bürgerausschuß in Lörrach GBaden) erfocht unsere Partei einen glänzenden Sieg. Von 508 in der 3. Wählerklasse abgegebenen Stimmen fielen 276, also 21 über die absolute Mehrheit auf den sozialdemo⸗ kratischen Wahlvorschlag. Auch in anderen Gemeinden des Amtes Lörrach haben unsere Parteigenossen bei den Gemeindewahlen schöne Siege erfochten. Wahlkreis Wetzlar. Sonntag, 30. August, nachmittags 3 Uhr findet in Gleiberg, im Gasthaus zum„Schwarzen Walfisch“ (Karl Bender) die diesjährige„Lassalle⸗Feier“ statt, worauf wir die Genossen und Genossinnen aufmerksam machen möchten. Wahlkreis Gießen · Grünberg⸗Nidda. Kreiskonferenz Sonntag, den 30. August, vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig in Gießen. Tagesordnung: „Bericht des Reichstagswahlkomitees. Geschäfts⸗ und Kassenbericht des Vorstandes. . Vorstandswahl. . Landeskonferenz. . Parteitag in Dresden. Verschiedenes. Die Parteigenossen der einzelnen Orte im Kreise werden ersucht, für zahlreiche Beteiligung an der Kon⸗ ferenz zu sorgen und die Wahlen der Delegierten recht⸗ zeitig vorzunehmen. Anträge wolle man an den Vor⸗ sitzenden Gg. Beckmann, Gießen, Grünbergerstr. 44, gelangen lassen. Sf Versammlungskalender. Samstag, den 22. August. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Hillberger.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Jesberg. Staufenberg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamulung bei Geißler. Wahl der Delegierten zur Kreis konferenz. Montag, den 24. August. Alten⸗Buseck. Volks⸗Verein. Abends 97 Uhr Versammlung bei Wirt Becker. Letzte Nachrichten. Ueber die Wahlrechtsraub-Pläne bringt der „Vorwärts“ neue Enthüllungen. Daraus geht als Wichtigstes hervor, daß die preußische Regierung von dem sauberen Plane Kenntnis gehabt und ihn ge⸗ wissermaßen unterstützt hat.— Die Redaktion den „Kölnischen Zettung“ leistete einen Geldbeitrag dazu von 150 k.; ferner wird nachgewiesen, daß verschiedene Reichstagsabgeordnete— sogar„liberale“— die Ver⸗ nichtung des Wahlrechts zu betreiben sich erboten haben. 0 — —— —— ——— —— 52 7 * — — A Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 34. b Unterhaltungs-Ceil. — 2 Gern bin ich allein. Von Hermann Allmers. Gern bin ich allein an des Meeres Strand, Wenn der Sturmwind heult und die See geht hohl, Wenn die Wogen mit Macht rollen zu Land— O, wie wird mir so kühn und so wonnig und wohl! Die segelnde Möve, sie ruft ihren Gruß Noch oben aus jagenden Wolken herab, Die schäumige Woge, sie leckt meinen Fuß, Als wüßten sie Beide, wie gern ich sie hab'. Und der Sturm, der lustig das Naar mir zaust, Und die Möv' und die Wolke, die droben zieht, Und das Meer, das da vor mir brandet und braust, Sie lehren mich alle manch' herrliches Cied. Doch des Lebens erbärmlicher Sorgendrang O, wie sinkt er zurück, wie vergeß ich ihn, Wenn die Wogenmusik und der Sturmgesang Durch das hoch aufschaudernde Herz mir zieh'n! Der Wunderschrank. Vaterländische Erzählung von Ludwig Schierk. (Fortsetzung.) Mit der Tiefe dieser Erkenntnisse wuchs sein Haß gegen die Leute, die ihren Unterhalt aus dem nährenden Safte eines Wunderschrankes zogen, und da der Meister als überwiegend praktischer Philosoph seine allgemeinen Gefühle an einem besonderen Falle zur Geltung zu bringen liebte, war ihm Herr Thomas Seebald der erwünschte Heilige. Er liebte ihn fast in seinem Hasse. Auch Lenchen hatte ihren Heiligen: es war der Wachtmeister. Das Mädchen sprach ihn heilig, nachdem es seine Geschichte gehört; eine Geschichte, die ge⸗ wissermaßen eine Episode des drolligen Lust⸗ spieles bildete, das den erhabenen Inhalt unserer Zeit ausmacht. Der alte Reußer war ein Soldatenkind. Dieser Umstand fügte es, daß ihn der Staat an seine nährende Brust nahm und über Holz⸗ diebe, Vagabunden und Kartenspieler setzte. Der Wachtmeister stand damals im dreißigsten Jahre. Dies ist die Zeit, wo ein vernünftiger Mann daran denkt, sein Einkommen und seine Behaglichkeit dadurch zu schmälern, daß er sich verheiratet. Indes hatte der alte Reußer diesen Schritt nicht zu bereuen. Seine kleine Frau verstand das Kunststück, dem armseligen Haushalte das Aussehen von Anständigkeit und ihrem dürftigen Kleidchen den Schein von Eleganz zu geben. Das Ehepaar lebte so, daß weder Bäcker noch Fleischhauer ihre nützlichen Geschäfte zu ver⸗ größern genötigt waren. Da der liebe Gott solche Ehen begünstigt, so wurde dem glücklichen Wachtmeister nach Jahresfrist ein Sohn geboren, den er Robert nannte. Als er zum erstenmal die Entdeckung machte, daß er graue Haare bekäme, war der Knabe so hoch gewachsen, daß an die Rolle gedacht werden mußte, die er in dem Lustspiele, das den erhabenen Inhalt unserer Zeit aus⸗ macht, etwa übernehmen könnte. Der Wachtmeister entschied sich für eine höhere Bedientenrolle und beschloß, seinen Sohn studieren zu lassen. In dem Lande, wo er lebte und wo der Wunderschrauk des Herrn Thomas Seebald stand, gab es in den Städten fast so viel Schulen als Schüler. In diesen Schulen war ein Ueberfluß von physikalischen, naturhistorischen und geographischen Kabineten, aus deren Schätzen die jungen Leute die Verhältnisse ihres Vater⸗ landes genau kennen lernten. Hatte man diese Schulen hinter sich, so galt man als befähigt, die Zauberlaute jener anheimelnden Sprache zu verstehen, von denen die vaterländischen Exerzierplätze widerhallten. Der Zudrang wißbegieriger Jünglinge wurde in diesen Schulen dadurch auf das richtige Maß einiger zur Hälfte gefüllten Lehrsäle zurückgeführt, daß man diese Anstalten in solche Städte verlegte, wo die Söhne armer Eltern fast verhungerten. Die kleine Frau des Wachtmeisters, die ihren Sohn nach Art armer Frauen liebte, kam auf einen sonderbaren Gedanken. Sie erlernte das Plätten und Waschen der feinen Leinwandstücke, welche die Persönlichkeiten vornehmer Jünglinge vom Schlage des Herrn Thomas Seebald junior so überaus anziehend machen. Als ste diese nützliche Fertigkeit er⸗ worben, ließ sie ihren Mann allein und zog mit Robert in die große Stadt. Dort mietete ste eine Stube, die ein um das Wohl dieser Stadt hochverdienter Bürger aus einem Pferde⸗ stalle hervorzuzaubern wußte. An der Stelle, wo die Tiere des arischen Hauses gewöhnlich den Magen mit vaterländischem Hafer gefüllt hatten, stand das kleine Tischchen, an dem der junge Robert in einigen Jahren die Befähigung erwarb, sich dem Chef der großen, baterländischen Firma Mörwitz und Sohn vorstellen zu dürfen, der dem fleißigen Menschen in dem Zeichensaale seiner Fabrik einen Platz anwies. Die kleine Frau verwendete während dieser Zeit ihre ganze Sorgfalt auf die feinen Leinwandstücke, mit denen die vornehmen jungen Herren die schönen Köpfchen der blondgezöpften Bürgertöchter völlig verdrehten. Der Wachtmeister saß allein im Nelkendorfe. Er kochte selbst sein Essen, reinigte seine Stiefel von der feinen Kothülle, die der braune Dorfweg darauf zurückließ und brüstete sich nach zwei Monaten mit der Tatsache, daß er in einer einzigen Sommernacht seine Unterkleider mit eigener Hand zu waschen im Stande wäre. Nach Jahren kam die kleine Frau heim. Sie fiel dem Wachtmeister um den Hals, weinte und lachte eine Stunde lang und setzte sich dann auf die hölzerne Bank neben dem Ofen. „Franz, Dein Bart ist aber weiß geworden, und wie braun Du im Gesichte bist!“ Der Wachtmeister sagte nichts. Er sah nur auf das bleiche Gesicht vor ihm und auf die kleine, gebückte, hüstelnde Gestalt, die seine Frau sein sollte. Als die liebe Lenzluft über die Berghalde wehte, starb sie. Der Schnee schwand aus dem Nelkendorfe, der braune Dorfweg kam wieder zum Vorschein, und die bleichen Jungen der Lohnweber keuchten wieder über die Feldsteige gegen den gräflichen Wald. Der Wachtmeister stand an dem Grabe seiner kleinen Frau und hielt die Hand seines Sohnes krampfhaft umklammert. Um dieselbe Zeit reichten in dem Schlosse des Landesfürsten, der den jungen Kreisrichter des Städtchens zur Bestrafung der Holzdiebe, Vagabunden und Kartenspieler eingesetzt hatte, zwei vornehme Personen in einiger Verlegenheit einander die Hände. „Marschall!“— sagte die etne—„es wird Ihnen kein anderer Ausweg bleiben; Sie werden die Truppen zu dem Manöver sogleich befehlen müssen. Seine Durchlaucht können die Reise nach Italien erst im Herbste antreten, da die Prinzessin Irene eben noch einigen Unterricht in der Malerei zu nehmen gedenkt, und wir haben zwei lange Monate vor uns, die ausge⸗ füllt sein wollen. Seine Durchlaucht liebt die Jagd nicht mehr, wie Sie wissen, Marschall! und ich befinde mich in einer Verlegenheit, aus der nur Sie mich retten können!“ Der Marschall versprach dem armen Oberst⸗ hofmeister, zur Erheiterung und Zerstreuung des guten Landesfürsten ein kleines Manöver der vaterländischen Truppen zu veranstalten. Diesem Entschlusse des gefälligen Marschalls dankte es der junge Robert, daß er sein Geschäft als Zeichner der großen Firma Mörwitz und Sohn unterbrechen durfte, um in das männer⸗ bildende Feldlager einzurücken. Es wurde ein herrliches Manöver. Die Truppen ritten siegreich durch die Felder der Bauern oder sanken ermattet in den Straßen⸗ Galen zusammen. Die Offiziere schliefen unter elten, rauchten Zigaretten und lasen aus den Karten den Weg zu dem Dorfe, das in der Ferne gesehen wurde. 5 Als sich die Sache dem Ende zuneigte, erschien die Prinzessin Irene im offenen Wagen. Der Obersthofmeister ftel aus den Wolken; denn das Programm war abgewickelt. Der dienstwillige Marschall kam seinem Freunde zu Hilfe und befahl noch ein kleines Schwarmfeuer. Die Offiziere fluchten, die Mannschaften stürzten nach den Munitionswagen, und in drei Minuten knallte es aus den Kartoffelfeldern. Die Prinzessin Irene hatte ihr Hütchen abgenommen und blickte gedankenvoll nach den kleinen Rauchwölkchen, die den Reihen der vaterländischen Truppen entstiegen. Da tönte in dem harmlosen Geknatter der Gewehre plötzlich der scharfe Knall eines vollen Schusses, und einer der jüngeren Offiziere fiel seinen Kameraden in die Arme. Eilige Trompeten schmetterten die Einstellung des Feuers; schweißtriefende eldjutanten brachten Befehle und Meldungen; wütende Kompagnie⸗ chefs ordneten strenge Untersuchungen an; die Prinzessin Irene fragte zweimal nach dem Stande der Sache. Man trug den Verwundeten ins Zelt; ein Arzt mit langem Schnauzbart schüttelte den Kopf; der Telegraph rief den Vater des Offiziers ins Lager. Der alte Reußer kam. Er saß am Lager des Sohnes und hielt seine kalte Hand krampfhaft umklammert „Robert, wirst Du auch von mir gehen?“ Der Sterbende hörte ihn nicht mehr. Der Wachtmeister kam ins Nelkendorf zurück. Er kochte wieder sein Essen; er reinigte seine Stiefel von der feinen Kothülle, die der braune Dorfweg darauf zurückließ; er wusch in einer einzigen Sommernacht seine Unterkleider mit eigener Hand. (Fortsetzung folgt.) —— 1 Von der Obrigkeit und vom Ehrgefühl. Es ist doch eine Freude und ein beruhigendes Gefühl, ein deutscher Untertan zu sein. Wenn auch leider die vermaledeiten Sozialdemokraten in Deutschland mächtiger als in allen anderen Ländern ins Kraut geschossen sind, so kann das doch keinen braven Untertan beunruhigen, weil wir ja eine starke und eifrige Obrigkeit haben. Und eine prächtige Armee dazu. Allerdings läßt im Heere das Ehrgefühl der Gemeinen zu wünschen übrig, wie ein höherer Ofsizier von vierzig Dienstjahren dieser Tage entdeckt hat, indem die Kerls sich meist gar nicht be⸗ schweren, wenn sie wie Hundsfötter behandelt werden. Die Kerls bilden sich nämlich merk⸗ würdigerweise, unter völliger Verkennung des Sachverhalts, ein, Beschweren über den Vor⸗ sitzenden heiße den Teufel bei seiner Großmutter verklagen, anstatt, wie ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit wäre, überzeugt zu sein, daß den Herren Vorgesetzten keine größere Freude bereitet werden kann, als wenn sie einen ehr⸗ liebenden Mann unter ihren Untergebenen finden, der sich Verletzungen seiner Menschenwürde nicht gefallen läßt. Am liebsten sähen die Herren Vorgesetzten, wenigstens die Herren Offiziere, wenn sich der dümmste Rekrut bei jedem regle⸗ mentswidrigen Schimpfwort beschwerte. Und wenn die Herren Leutnants oder der Herr Hauptmann es selbst gewesen sein sollten, deren Zahngehege die reglementswidrigen„Biester, Schweinehunde, Lausekerls“ und so weiter ent⸗ sprungen wären, der Beweis gesunden Ehr- gefühls würde sie zweifellos doch riestg freuen und wenn sie selbst ein paar Stunden Stuben⸗ arrest, was die nobelste Art der Freiheitsstrafe und die für Offiziere neben der Festungshaft überhaupt einzig erträgliche ist, dafür absitzen müßten. Deshalb würden sie dem Manne mit dem feinen Ehrgefühl nicht einmal ein böses Gesicht machen, geschweige denn sich gar erlauben, ihn nur im geringsten und gelindesten zu zwiebeln. Aber leider wird den Herren Offizieren nur selten eine solche reine Freude bereitet und mit aufrichtiger Trauer müssen ste beobachten, wie die Kerls sich von den Unteroffizieren das schändlichste Traktement, von dem natürlich die Herren Offiziere niemals nicht eine Ahnung o RR 9 GGG 5 ˖ . ö ( 0 Nr. 34. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. haben, gefallen lassen, als wär's fortgesetzte Liebkosung. Wer will's den Herren Offtzieren verdenken, wenn ste schließlich auf den Stand⸗ punkt kommen, daß die Kerls wegen ihres mangelnden Ehrgefühls nichts Besseres verdienen, als die Unteroffiziersfaust ins Gesicht und den Unteroffiziersspeichel in den Mund und die Wurzelbürste an die Fußsohlen und andere, noch empfindlichere Körperteile. Ja, bei solchem schandbaren Mangel an Ehrgefühl kann es den Herren Offizieren überhaupt nicht einfallen, etwa extra aufzupassen, ob ein Unteroffizier die militärischen Erziehungsmittel durch ein paar raffinierte Grausamkeiten vermehrt.— Aber wenn auch die Gemeinen leider zu wenig Ehr⸗ gefühl haben und somit voraussichtlich wenig Aussicht ist, daß der verdammten sozialdemo⸗ kratischen Presse die Gelegenheit genommen wird, über Soldatenschindereien zu zetern— denn es kommt immerhin mal was raus durch einen dämlichen Selbstmord, den so ein Kerl ohne Ehrgefühl begeht oder durch sonst einen vertrackten Zufall und die verdammte Oeffent⸗ lichkeit des Gerichtsverfahrens sorgt ja dafür, daß das Zivil alles erfährt—, unser Kriegs⸗ heer bleibt deshalb doch das glorreichste der Welt, denn was den Gemeinen an Ehrgefühl mängelt, das ersetzen die Offiziere reichlich durch ihr höchst geläutertes Ehrgefühl, das bekanntlich so fein ist, daß jede Beleidigung durch Blut abgewaschen werden muß. Ja, Deutschland marschiert unzweifelhaft an der Spitze des Militarismus. Und dazu haben wir die starke, umsichtige Obrigkeit, der nichts entgeht, was die Ordnung, des Staates gefährden könnte. Eher läßt sich die Berliner Polizei zehn Mörder entgehen, als daß sie eine umstürzlerische Ver⸗ sammlung unbeaufsichtigt ließe und eher läßt die deutsche Sicherheitsbehörde zehn Defrau⸗ danten übers große Wasser kommen, ehe sie einen rot angehauchten Rekruten ohne die nötige Anmerkung in seinem Nationale in die Armee eintreten ließe. Und eher ließe sie ein paar Dutzend Rowdies unbehelligt, als daß sie einen Streikbrecher ohne genügenden Schutz ließe und einen Streikposten ungestört sein verbrecherisches Wesen treiben ließe. Und eher verzichtet die deutsche Justiz darauf, die verschlungenen Pfade geschickter Bankenführung und Mtllionenverposa⸗ mentierung zu erhellen, als daß sie die kleinste Majestätsbeleidigung ungeahndet ließe. Sie weiß sie aufzuspüren und wenn sie noch so raffiniert hinter russtscher Sprache und russischen Lettern verborgen wäre. Und sie kennt kein Ansehen der Person, unparteiisch waltet sie ihres Amtes, und ob ein ernster Denker, dessen Ruhm den Erdkreis erfüllt, in von hohem sitt lichen Eifer durchglühter Untersuchung das Maß der Kritik an die Handlungen der Majestät legt oder ob ein Betrunkener in der Bierlaune sie mit einem Schimpfwort belegt, das ist vor ihrem Richterstuhl ein und dasselbe. Durch die Majestät des Geistes läßt sie sich nicht beeinflussen, wenn es gilt, das Ansehen der Majestät der Krone zu wahren. Obst und Gemlise Marktplatz 5 Verkaufsstelle des Konsum⸗ vereins Gießen u. Umgegend bene Steinweg 20. vorzügliches Mittel zum Imprägnieren v. Holz- und Mauerverk sowie gegen Fäulnis des Holzes. Allein erhältlich bei: Marburg! Sen arne, Johs. Henkel L. Rütel* Empfehle mich den werten Parteigenossen von Marburg und Umgebung zur Anfertigung Dorinoihecheeganter Schüwaene in einfacher bis zur feinsten Ausführung bei solider Berechnung und prompter Lieferung. D Reparaturen werden schnell und billig ausgeführt. Aber auch das eigene Ansehen weiß die Obrigkeit energisch zu schützen. Das hat man in Oschersleben gesehen, wo die Nörgelei an dem braven, pllichteifrigen Polizeikommissar Haensch gebührend zurückgewiesen worden ist. Das wäre ja auch noch besser, wenn die lumpigen eidlichen Aussagen untergeordneter Beamter, die von zivilen Einflüssen bedenklich angekränkelt erscheinen, einen höheren Beamten um seine Stelle und um die Qualifikation bringen könnten, das Zivilistenpack zu komman⸗ dieren. Und was ist denn auch dagegen einzu⸗ wenden, wenn ein Kommissar seine Unterbeamten anhält, recht viele Anzeigen zu machen und oppositionelle Stadtverordnete zu kneifen, daß sie am Leben verzagen. Das zeigt doch nur, mit welchem edlen Biereifer der Herr seine Pflicht, Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten und gute Gesinnung zu wecken, erfüllt hat. Und daß er einen Untergebenen aus dem Pulte eines aufsässigen Kollegen die Beschwerde⸗ schrift gegen den Herrn Kommissar entnehmen ließ, das zeugt auch nur von seinem unermüd⸗ lichen Bestreben, allen Wünschen gerecht zu werden, denn selbstverständlich wollte der Herr Kommissar das Schriftstück nur haben, um zu sehen, was er noch tun müsse, um seine Unter⸗ gebenen zufrieden zu stellen. Kurz und gut, von welcher Seite man die Wirksamkeit dieses Herrn Kommissars Haensch auch betrachten mag, überall erstrahlt er als Spiegel echter Beamtentugend und es hieße geradezu vor Umsturz und Anarchie eine Verbeugung machen, wenn man einen solchen verdienten Mann aus seiner Stellung entfernen wollte. Aber so etwas tut eine preußische Regierung Gott sei Dank nie und nimmer— der Untertan kann ganz ruhig sein und wenn er's etwa nicht ist, so wird ihn die Regierung zu Magdeburg oder Herr Haensch in höchsteigener Person verklagen und ihm begreiflich machen, daß es nicht seines Amtes ist, zu raisonnieren, sondern daß er in gebührender Ehrfurcht auch die seinem beschränkten Untertanenverstande unerforschlichen Beschlüsse und Anordnungen der Obrigkeit aufzunehmen hat. Und wenn die Obrigkeit den Einbrecher Stemmeisen zum Nachtwächter machte, so hätte der potente Bürger, der was bedeutet und was hat, überzeugt zu sein, daß für die Sicherheit seines Eigentums in außerordentlich zweckent⸗ sprechender Weise gesorgt ist— und den großen Haufen, dem nichts gestohlen werden kann, den geht's überhaupt nichts an. (Sächs. Arb. Ztg.) Der Tabakkonsum kann nachgerade als Gradmesser für den Wohl⸗ stand einer Bevölkerung betrachtet werden. Er ist ein so allgemeiner, daß aus einer Ein⸗ schränkung oder Erhöhung desselben sehr gut sich ein Schluß ziehen läßt, in welchen Ver⸗ mögensverhältnissen ein Volk sich befindet. Der Verbrauch von Tabak sagt nämlich bis zu einem gewissen Grad, wie viel dem einzelnen nach der Befriedigung seiner unausweichlichen Bedürfnisse übrig bleibt, um sich den Luxus einer Zigarre zu gestatten. Einen guten Beweis dafür geben die Nachweisungen der österreichischen Tabakregie über die Veränderungen im Ver⸗ schleiß während des Jahres 1901. Der Ge⸗ samterlös an Tabakfabrikaten betrug 216 Millionen Kronen und wies zwar eine Steigerung von 3 Millionen Kronen dem Vor⸗ jahr gegenüber auf, aber im Absatz der einzelnen Rauchsorten gingen stark einwirkende Verände⸗ rungen vor sich. Die Verschleißsteigerung ist nämlich nur der Steigerung des Zigaretten⸗ und Rauchtabakverkaufes zuzuschreiben. Bei Zigaretten ist eine Steigerung um 206 383 000 Stück zu verzeichnen, die einen Wert von 3,9 Millionen Kronen hatten, beim Rauchtabak ein Mehr von 243 Mehrzentnern im Werte von 446 254 Kronen. Dagegen ist der Verkauf der Zigarren überhaupt, insbesondere der gewisser Sorten, sehr empfindlich zurückgegangen. Sie weisen eine Abnahme von 19,2 Millionen Stück im Werte von 1,6 Millionen Kronen auf. Der Rückgang war besonders zu verzeichnen bei den sogenannten„Fünfercubas“, aber sogar auch bei den„Kurzen“. Ebenso ist auch der Verschleiß der feinen Zigarrensorten ganz auffallend zurückge⸗ gangen. Die echten Havanna zum Beispiel um 21,2 Prozent gegen das Vorjahr. Eine Steigerung erfuhr dagegen der Verkauf der Portoriko und der Virginier. Bei den Zigaretten haben aber die stärkste Steigernng die Sport (19,5 Prozent) erfahren. Der Bericht führt die Veränderungen im Konsum nicht mit Unrecht auf die Krise zurück. Die Krise wirkt auf alle Bevölkerungsschichten, die Aermsten können überhaupt nicht mehr rauchen. Die Bessergestellten gretfen zu schlech⸗ teren Zigarrensorten. Daher die Bewegung von der„Fünfercuba“ zur Portoriko und von den Zigarren zur Zigarette. —— Humoristisches. Frommer Rat. Pfarrer: Man muß sich nicht über seine eigene Lage beklagen, man muß die Großen nicht beneiden und soll nicht verlangen, was man nicht hat. Proletarier: Wenn ich aber daran denke, daß ich mit meiner Familie hungern muß, so steigt mir der Groll beim Halse heraus. Pfarrer: Schlucke ihn hinunter, mein Sohn, und du wirst ge⸗ sättigt sein.(O' Asino.) e Geschichtskalender. 23. August. 1897: Internationale Arbeiter⸗ schutzkonferenz in Zürich. 1875: Kongreß der soz.⸗dem. Partei in Eisenach(daher„Eisenacher“), 24. 1898: Abrüstungsvorschlag des russ. Zaren. 25. 1840: Immermann, Dichter, T. 1830: Ausbruch der Revolution in Brüssel. 26. 1902: Otto Gildemeister, Uebersetzer, F. 27. 1900: Nietzsche, Philosoph in Weimar, 5. 1770: Hegel, Philosoph,*. 28. 1864: Duell Lassalles mit v. Rackowicza. 1749: Wolfgang Grethe,. Schuhmacher Steinweg 20. Andreas Euler, Gießen Holzhandlung.* E. e 8 4 1 1-Stück 5 Pfg., Dtzd. 55 Pfg bz „ ausgesucht große 0 IJ. tück 6 Pfg. Dzd. 68 Pfg. E. I. Bühl Marktplatz 5 eee eee e 1* 1 2 2* Beinrich Doll, Giessen; Papier-Bandlung 0 Buchbinderei& Geschäftsbscher* Drucksachen Elnruhmen pon Bildern. Telephon 50 G Nele Ferdinand Nennstiel Giessen, Plockstr. 8 Lager in sämtlichen Kastenmöbeln, poliert und lackiert, als Vertikows, Kleiderschränke Tische, Stühle, Spiegel Lee usmbel Küchenmöbel Spezialität: Betten und Polstermöbel eigener Anfertigung Uebernahme voll- ständ. Ausstattung. C 7 äusburg 7* * 5 * 2 — sich vor minderwertigen Nachahmungen. Leser auf die regelmäßig erscheinenden Inserate. N 4% dieses ausschließlich von der National Starch ö„Maizena 5 Co., Nen Jord, e ele und seit nahezu 50 Jahren in Deutschland eingeführte Maismehl ist unübertrefflich zur Bereitung aller Arten Küchen, Nachtisch, Gerichte, Sommerspeisen (usw., und genießt nicht umsonst den Ruf eines vorzüglichen Nah⸗ srungsmittels für Kinder und Kranke. N Packet die Schutzmarke Duryea's„Maizena“ trägt und hüte — Man achte stets darauf, daß Wir verweisen unsere —— ————— 5 3 2— 8———————————* 2 TTTbPPPPTTTTT0TTTbT. ͤ—.——— 5 5 3* 1 2 9 N 1 7 Seite 3. Lassalle-Feier. Sonntag, 30. Aug. 1903 in Cony's Wierkeller: Konzert Gesangsvorträge Ser scge „Eintracht“ 17 1 0 2 Anfang 3½ Uhr. Eintritt 10 Pfg., Tanz 30 Pfg. Das Gewerkschaftskartell. Wahlkreis Mitteldeutsche Souutags⸗Zeitung. — Grosser Raumungs- Ausverkauf Anfang Oktober I. Js. verlege ich mein Geschäft nach Neustadt No. 19, Neubau. Bis dahin verkaufe ich sämtliche Waren-Vorräte zu bedeutend herabgesetzten Preisen. D. Kaminka, Uhrmacher Giessen, Hur hipladz. Friedberg-Lüdingen. Sonntag, den 30. August, Vormittags 10 Uhr: Kreis⸗Konferenz in Friedberg, im Lokale Stadt New⸗Nork. Tages⸗Ordnung: . Kassenbericht. . Vorstandswahl. Die Landeskonferenz in Steinbach. Der Parteitag in Dresden und ev. Wahl von Delegierten. . Verschiedenes. Die Orte Vilbel, Rodheim und Büdingen haben zugleich einen Revisor zu wählen und wollen dieselben bereits um 8 Uhr zur Stelle sein. Um zahlreiches Erscheinen ersucht S D D= Der Vorstand J. A.: Heinrich Busold. —Maur burg! Sonnabend, den 29. August, abends 9 Uhr: Konstituferende Versammlung e des Wahl⸗Vereins im Lokale Jesberg, Wehrdaerweg 2. Tages⸗Ordnung: „Bericht des Vorstandes und Rückblick auf die Reichstagswahl. Mosbacher per Liter 12„ Konsumverein Giessen und Umgegend. casseler Schirmfabrik Mineral, If. Budde& 00. Wasser! giessen: Lahe um Netepiss elterswasser per F Pfg Mess- be. L., Neustadt 11. Hulda: Buttermartt 14. Beste Bezugsquelle für SCHIRME Solide Ware! do. 77 11 7 18 Limonade„ Flasche 18„ Verkauf nur an Mitglieder. Vasserkrüge Packkörbe kaufen Beuner& Krumm SröckE Billige Preisel Schirme werden Empfehle 1 iert und bezog Ia. Kornbrod eee ee sowie 2 Nahm brd uỹẽjnen Edgar Borrmann, Giessen als Spezialität. L. Müller Gießen, Bahnhofstraße 61. Neustadt 11 u dTelefon 298 Eisen⸗, Stahl⸗ und Messingwaren, Werkzeuge und Bedarfsartikel für Schreiner, Zimmerleute, Küfer, Spengler, Dachdecker, Schlosser, Schmiede ze.— Tür⸗, Fenster⸗ und Möbelbeschläge, Drahtgeflechte, Flechtrohr ꝛc.— Vogelkäfige, 15 eee Lager in Herden und Oefen, Haus⸗ und üchengeräten, Wasch⸗ u. Wringmaschinen, Landwirtsch. Maschinen u. Geräten, Kehlleisten, Holzornamenten, Bett⸗ u. Tischstollen, Cement, Gyps, Chamotte.— Erntestricke, gut. Garbenbänder, Johns Kamin⸗ Ausschneiden! Diese Annonce erscheint nur einmal! Schwere, langjährige 1 Krämpfe 3 1. eden 2. ant 3. Verschiedenes.— Aufsehe. Großes Sortiment in Fischerei⸗Atensilien. 995 Zahlreichen Besuch erwartet Volle Heilung unter Garantie 3 Der Vertrauensmaun. ssehr billig, auswärts brieflich. W Apotheker Fr. Jekel, Herisau ö 1 bei St. Gallen. Porto 20 Pfg.]: . Ki i 5 as-, Porzellan- und 1 ⸗Fest st lontun Stef 1 irchweih⸗Fest z U teingutwaren 0 1 0 5 Vonständige Betten empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen 9 5 1 7 als:*— 0 1 zu Wie se cf 5 Lang& Wiederstein 10 S 2 5 a 2 becchett 8 8 Marktstraße 4 Gießen Telephon 394. 1 Sonntag, 23. u. Montag, 24. Aug./ 2 Kissen 5 Es laden ergebenst ein die Wirte: Mk. 45, N B. Wacker. K. Kreiling. Ph. Kreiling. 2 b. bein id dn 15 6. Schneider. A. Ziegler. 3 1 45 S adebr. Weil* 5 eee bebe weste sette 9— 15 6 Usbsskl N 98 7 Carl Geismar, Uhrmacher f 4 5* c a 5 1 5 1 SVe 8 u Seltersweg 46. Giessen Seltersweg 48. 1 f * in a 5. ö Uhren Gold⸗ und Silber are ññ%é?1'a 9. 1 5 l 3 44 ist die . See Heueulend herabgesetzten Preisen, beste 5 wegen Verlegung des Geschäfts nach Seltersuveg 10 55 Roman. 1 11 8 1 * 0 Stöver„2„•ß⸗ß⸗ß53ͤ. 0 1 1 5 Folmd 8. 0 amann zu haben in der Expedition der mitteld. Sonntags- Zeitung.. 1 6. Kirchenplatz 6. 8 e ö 9 Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen.