r p..— — Gießen, den 22. März 1903. 10 Jahra, VNedaktion: Celchenpiatz 11, Schloßgasse. Ut Mitteldeutsche kitl 5 Mevaltionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. * Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 2 Juserate 2 finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 500, Bei mindestens Volkswohlstand auf dem Papier. ps. Das hessische Finanzministerium hat soeben eine Schrift über die Entwickelung der Einkommensteuer seit dem Jahre 1885 heraus⸗ Abaeseh, die allgemeine Beachtung verdient. bgesehen von sonstigen interessanten Einzel⸗ e scheint die Schrift die Behauptungen erjenigen zu stützen, die fortgesetzt von einer Hebung des Volkswohlstandes reden. Doch bevor wir auf die Schrift selbst eingehen, zu⸗ nächst einige Vorbemerkungen: Die Steuerpflicht beginnt in Hessen bei einem jährlichen Ein⸗ kommen von 500 Mk. Alle Einkommen von 5002600 Mk. sind in der zweiten Abteilung steuerpflichtig, die in 10 verschiedene Klassen eingeteilt ist; alle Einkommen über 2600 Mk. sind in der ersten Abteilung steuerpflichtig, deren Klassenzahl eine unbeschränkte ist. Der Höchst⸗ besteuerte in Hessen, Freiherr v. Heyl in Worms, der ein Vermögen von 30—31 Millionen und ein Einkommen von ca. 1750000 Mk. ver⸗ steuert, ist z. Z. in der 1728. Steuerklasse. Um je weitere 1000 Mk. avanciert er eine Klasse: 1729, 1730 usw. Der Bearbeiter der oben erwähnten Statistik folgert aus den von ihm beigebrachten Ziffern „vom allgemeinen volkswirtschaftlichen Stand⸗ punkte aus freudig zu begrüßenden Er⸗ scheinungen: einmal die starke Vermehrung der Anzahl der Steuerpflichtigen und dann fortwährendes Schieben von unten nach oben, sodann aber auch die Verschiebung in Bezug auf das Aufbringen der Einkommen⸗ steuer nach höheren Klassen im Allgemeinen und insbesondere nach der ersten Abteilung, also von den weniger leistungsfähigen nach den tragkräftigeren hin.“ Deutlicher konnte sich ein Ministerialbeamter, der eigentlich nur Tatsachen anführen sollte, nicht ausdrücken, wenn er andeuten wollte: der Wohlstand nimmt zu und die Aermeren und weniger Bemittelten werden auf Kosten der Wohlhabenden entlastet. Sehen wir uns die Ziffern an. Natürlich können wir nur einen dürftigen Auszug hier reproduzieren, nehmen doch in der Denkschrift die Ziffernkolonnen bis über zwei Meter breite Bogen ein! Also: Steuerpflichtige Klasse: Einkommen: 1885: 1902: ö 15 500 600 Mk. 58 577 48 298 2. 600— 750 60 38 902 53 081 3. 750— 900 15 26 426 51244 4. 900-1100„ 16407 38 401 5. 1100-1300„ 10542 24697 6. 1300-1500„ 6988 13 615 105 1500— 1700„ 5 546 10281 8. 1700-2000„ 4850 8875 5 2000-2300„ 3780 6993 10 2300-2600 2663 6771 Ganz richtig hat der' Statistiker ausgerechnet, daß 1885 nur 19,79% aller Einwohner steuer⸗ pflichtig waren, 1892 dagegen 25,46%. Kein Zboeifel: der Wohlstand hat zugenommen; in 18 Jahren sind 5,67% mehr steuerpflichtig geworden! Und noch mehr: 1885 waren 92,280% in der zweiten und 7,72% aller Pflichtigen in der ersten Abteilung, 18 Jahre später aber war die zweite Abteilung„zusammengeschmolzen“ auf lumpige 91,10 und die erste Abteilung hatte sich„ausgewachsen“ auf 8,90%. Welch'! keiner eingeschätzt. ein glänzender Beweis für das Wachstum des Wohlstandes: in fast zwei Jahrzehnten eine Differenz von 1,18]! Die Verelendungstheorie ist wieder einmal n den ad absurdum ge⸗ führt worden. Wenn der Wohlstand jeweils in 18 Jahren um 1,18ů% zunimmt, dann können sich im Jahre 2903 selbst unter dem kapitalistischen Regime vielleicht alle Menschen halbwegs sattessen. Aber ganz abgesehen von den angegebenen Prozenten zeigt uns ja auch ein Blick auf die oben angegebenen Ziffern der Steuerpflichtigen von 1885 und 1902, daß in der Tat ein Auf⸗ stieg in höhere Lebenslagen— ach nein!— ein Aufstieg in höhere Steuerstufen nicht zu bestreiten ist. Es fällt uns nicht ein, etwa zu läugnen, daß für Tausende wirklich Lohn⸗ aufbesserungen während der letzten 20 Jahren eingetreten sind. Es wäre ja zum Verzweifeln, wenn die Jahrzehnte lange emsige Arbeit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften auf dem Lohngebiete ganz einflußlos gewesen sein sollte. Aber wir bestreiten ganz entschieden, daß die oben angeführten Vergleiche von 1885 und 1902 irgend etwas beweisen für eine Auf⸗ besserung der Lebenslage der großen Masse der Bevölkerung. Soweit wirklich Lohnaufbesse⸗ rungen eingetreten sind, hielten sie kaum Schritt mit der Steigung der Preise für Lebensmittel. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und behaupten, daß die Ziffern in jeder Hinsicht irreführend sind; wir stehen nicht an, zu be⸗ haupten, daß es auf Grund solcher Ziffern eine Kleinigkeit sein müßte, übers Jahr zu „beweisen“, daß der Wohlstand abermals be⸗ deutend zugenommen habe. Die Steuerbehörden brauchten nur die Anweisung zu erhalten, ein⸗ mal gründlich auf's Ganze zu gehen! Wie viele Hundert, wenn nicht Tausend, deren Ein⸗ kommen bisher um je 3 Mk. zu niedrig ein⸗ geschätzt worden ist, würden dann in höhere Steuerstufen avancieren! Daß trotz alledem der Wohlstand zuge⸗ nommen hat, ist aber eine unerschütterliche Tatsache, nämlich der Wohlstand der Wohl⸗ haben den und Reichen. Dafür einige Ziffern, die uns Auskunft über die erste Ab⸗ teilung geben. Es hatten zu versteuern: Personen Personen 6000- 10 000 Mk. 1385: 2220 1902: 3316 10000— 20000„ 7 955 0 1913 20000— 30000„ 5 190 7 393 530000— 40 000„ 55 87 10 211 840 000— 50000„ 15 30 65 105 50 000- 100 000„ 5 73 1 178 100 000- 200000 4 7 17 15 73 200 000- 300 000„ 75 4 7 11 300000 400 000„ 1— 55 5 400 000 500 000„„ 1 1 500000— 1 Mill.„ 0. 6 1 Mill, und mehr 1 5 3 Hier ist klar und deutlich zu sehen, wie das Kapital heckt; wo Tauben sind, fliegen Tauben zu. Während die beigebrachten Ziffern über die zweite Abteilung gar nichts beweisen, weil die Einschätzungen der Pflichtigen in Bausch und Bogen durch die Steuerbehörden resp. Kommissionen erfolgen, beweisen die Ziffern der ersten Abteilung sehr viel, sie beruhen auf den Deklarationen der Pflichtigen und zu hoch hat sich gewiß an vergleiche, wie sich die Einkommen in der ersten Abteilung ge⸗ steigert haben von 1885 bis 1902! Das Finanzministerium liefert aber selbst einige Angaben, aus denen mit aller Klarheit zu ersehen ist, in welchen Kreisen der Wohl⸗ stand zunimmt. Es gehörten von allen Steuer⸗ pflichtigen an der 1. Abt. 1885: 7,72%; 2. Abt. 1885: 92,28%; 1902: 8,900 /,; 1902: 91,10%; 1885 betrug das gesamte Steueraufkommen Mk. 3920858, 1902 aber Mk. 8460 966. 1885 brachte von dem gesamten Steuerauf⸗ kommen die erste Abteilung 50,30 /, die zweite Abteilung 49,70% auf. 1902 aber brachten die 8,90% der Steuerpflichtigen(1. Abteilung) 63,80%, die 91,10%(2. Abteilung) der Steuer⸗ pflichttgen nur noch 36,2008! Die oberen Zehn⸗ tausend werden immer deutlicher erkennbar. Erwähnt sei ausdrücklich, daß in der Zeit von 1885 bis 1902 eine sogenannte progresstve Einkommensteuer eingeführt worden ist, diese spielt aber bei der Verschiebung des Steuer⸗ aufkommens„von den weniger leistungsfähigen nach den tragfahigeren Klassen“ hin nicht die Rolle, die man ihr gern zuschreiben möchte, denn die Progression geht nicht einmal bei dem lederköniglichen Rieseneinkommen des Herrn v. Heyl bis zu 5%. Immerhin: wir geben zu, daß man den Einwand erheben kann, unsere Beweisführung sei anfechtbar. Man kann sagen: ja worauf soll man sich denn stützen, wenn nicht auf der⸗ artige Angaben der Steuerbehörden? Bon! Stützen wir uns auf amtliche Ziffern. Aber wir setzen denjenigen, die aus den finanz⸗ ministeriellen Steuerstufennachweisen folgern, daß sich der Volkswohlstand gehoben habe, andere Ziffern amtlicher Herkunft ent⸗ gegen, die direkt das Gegenteil beweisen; Ziffern, die unsere Behauptung, daß es sich bet den„Schiebungen von unten nach oben“, so weit die zweite Abteilung in Betracht kommt, in der Hauptsache um schärferes Zugreifen der Steuerbehörden handelt, auf das Kräftigste unterstützen! Fast zu gleicher Zeit mit der finanz ministe⸗ riellen Steuer⸗Denkschrift ist von der Großh. Zentralstelle für die Vandesstatistik im hessischen Staatsverlag ein statistisches Handbuch heraus⸗ gegeben worden, in dem wir ein sehr inter⸗ essantes Kapitel über die segensreiche Wirkung des hessischen Gerichts vollziehers entdeckt haben. Hier die Quintessenz des Kapitels: Steuer⸗ Steuer⸗ Steuer⸗ Steuer⸗ pflichtige pflichtige pflichtige posten wurden erhielten wurden waren gemahnt: Pfand⸗ gepfändet: unein⸗ briefe: l bringlich: 1890/91 252342 140881 93 820 18 892 1891/92 251928 148 875 98650 19286 1892/93 258 384 158 434 102 991 20 766 1893/94 278 126 167441 105790 196386 1894/95 277845 171843 108 915 15504 1895/96 285 970 178039 112977 15986 1896/97 281731 173343 107504 15 950 1897/98 285 438 183432 115 645 18557 1898/99 294909 178 446 116 294 19656 1899/00 328 349 195125 138381 25313 Wie bescheiden nehmen sich die 1,18⸗ resp. 5, 67=prozentigen„Volksaufstiege“ in den letzten 18 Jahren aus gegenüber den saftigen Prozenten, die uns der Gerichtsvollzieher über die Ver⸗ o Rabatt. — AON 11 ene — Seite 2. Mtteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. Nr. 12. 2 schlechterung der Lebenslage des Volkes unter⸗ breitet. Die Zahl der An emahnten stieg innerhalb 10 Jahren um 76007= 30,1%; die Zahl der mit Pfandbriefen an die guten Zeiten Erinnerten stieg um 54244 38,5% die Zahl derjenigen, die selbst nach dem Empfang der Pfandbriefe nicht zu za h⸗ len vermochten und denen deshalb die Möbel usw. mit den bekannten schönen Marken beklebt wurden, stieg um 44561— 47,5%; und die Zahl der armen Teufel, bei denen der pfiffigste Gerichtsvollzieher schon ar nichts mehr holen konnte, stieg um 421= 345/ Wer zweifelt noch daran, daß sich die Zeiten gebessert haben für die— Wohlhabenden und die Gerichtsvollzieher! Die Reichen sind reicher geworden und die zweite Steuerabteilung, der 1885 92,78% aller Steuerpflichtigen angehörten, hat in einem Zeitraum von 18 Jahren 1,18% an die erste Abteilung(Einkommen über Mark 2600) abgegeben. Ein glänzender Aufstieg des Proletariats! Zu den Reichstagswahlen. IV. Die Antisemiten. Ehe wir nun, nachdem wir in der narleu Nummer die Nationgllihe re eocletzten Hecbacc tpngechterabeit in ihren Be⸗ en. Kae gelen derten, weiter nach links zu den Greisinnigen ꝛc. übergehen, müssen wir uns zunächst mit den Antisemiten und dem Zentrum befassen. Erstere müssen wir sogar etwas ausführlicher behandeln, nicht wegen ihrer Bedeutung— denn die ist gering— sondern weil diese Partei in allen Wahlkreisen unseres Verbreitungsgebietes in Betracht kommt und ihr namentlich viele Kleinbauern und Handwerker anhängen, hier und da auch noch mancher Arbeiter nachläuft. Im Reichstage waren die Antisemiten mit 10 Abgeordneten vertreten, die aber wieder in mehrere Gruppen gespalten waren. Antisemi⸗ tische Stimmen wurden 1898 242046 abgegeben, 41414 weniger als 1893.(In der amtlichen Statistik werden 284.300 angegeben, dann sind aber ca. 48000 christlich⸗soziale mit eingerechnet.) Von einer antisemitischen Partei kann erst seit dem Auftreten des ehemaligen Hofpredigers Stöcker gesprochen werden, der im Anfang des Jahres 1878 die christlich⸗s oziale Partei gründete. 1890 gewann der Antisemitismus durch Böckel in Hessen Terrain; einige Jahre später fiel ihm ein großer Teil des sächsischen Spießer⸗ tums in die Arme. Wie schon ihr Name besagt(Anti= gegen; Semiten heißen die Völker im südlichen Vorder⸗ asten, die angeblichen Nachkommen von Sem, Noahs ältestem Sohne, wozu also auch die Juden gehören) richtet sich die Agitation der Antisemiten vornehmlich gegen die Juden und deren vermeintlichen oder mindestens überschätzten Einfluß im politischen und wirtschaftlichen Leben. In dem Antisemitismus erblickte der ökonomisch schlechter gestellte Teil des Mittelstandes, die Kleinbauern, Kleinhandwerker und der niedere Beamtenstand sein Heil. Während der Sozi⸗ alismus die Verhältnisse erkannt hat und das ganze kapitalistische Wirtschaftssystem be⸗ kämpft, wendet sich der Antisemitismus blos gegen einige seinen Anhängern besonders uabe⸗ quem gewordene Erscheinungen, nur gegen einen Teil der dem Mittelstande gefährlichen obfapftalistischen Konkurrenz, nämlich gegen von den Juden geübte. Jene Schichten werden aber bald erkennen müssen und haben zum Teil schon erkannt, daß die übermächtige wirtschaftliche Kraft ihrer Konkurrenten ihnen e ist, nicht deren jüdisches Glaubens⸗ ekenntnis oder semitische Abstammung. Die Juden waren ehemals ein ackerbau⸗ treibendes Volk und unter ihnen gab es die Handwerke, die auf beginnender Kultur sich entwickeln: Spinner, Weber, Töpfer, Schmiede, Ziegler, Schreiner, Bauarbeiter ꝛc. Erst mit ihrer Unterjochung und mit ihrer Zerstreuung in fremde Lande, wandten ste sich in ausge⸗ dehnterem Maße den Gewerben und dem Handel, noch später auch den Wissenschaften zu. Früh⸗ zeitig wurden die Juden durch die Christen verfolgt. Vertreter einer älteren Kultur und ausgestattet mit höherer Intelligenz, verbot man ihnen den Betrieb des Landbaues und des Handwerks und trteb ste so dem Schacher und dem Haudel in die Arme. Zahlreiche Verfolgungen, denen sie in den „christlichen“ Staaten ausgesetzt waren und wobei Zehntausende der ihren grausam gemartert, getötet, Hunderttausende ihrer Habe beraubt wurden, beförderten ihren engen Zusammen⸗ schluß. Man machte sie rechtlos. Geld und Gold waren die einzigen Mittel, durch die ste sich vor Verfolgungen schützen konnten, deshalb suchten sie möglichst viel davon zu erlangen. Das konnten sie bei dem Handel, der viele Jahrhunderte lang die einzige Beschäftigung war, welche man ihnen erlaubt hatte. Hierin brachten sie es daher, unterstützt durch natür⸗ liche Anlagen zu Fähigkeiten, wegen der ste von ihren christlichen Konkurrenten gefürchtet werden. Dadurch kam es auch, daß sie weite Gebiete des Handels in den Händen haben, was natürlich den Neid anderer Interessenkreise hervorruft. So sieht ein großer Teil unserer Kleinbauern im Juden den Feind. weil Juden es sind, die 129. N N*. ˖ vorzugsweise vie Geschafle mit ihnen machen Handwerker und Kaufleute sehen im Juden den Feind, weil der Handel mit Fabrikaten, die früher das Handwerk fertigte, wie Schuh⸗ und Kleiderwaren ꝛc., vielfach in den Händen von Juden ist, oder weil die Handelsgeschäfte der Juden den sogenannten christlichen Kaufleuten Konkurrenz machen. Der Student ist Autisemit, weil der jüdische Student in der Regel viel fleißiger ist wie der ehrsame Germane, der bei Kneipgelagen, beim Kartenspiel und auf der Mensur die Zeit totschlägt. Aehnliche Gründe sprechen gegen die Konkurrenz, der jüdischen Aerzte und Rechtsanwälte. Ein großer Teil des Adels, der Offiziere wie der Grundherren sind Antisemiten, weil Juden ihre Gläubiger sind und die adeligen Grundherren öfter ihre Söhne mit einer geldbegnadeten Tochter Israels verehelichen müssen, um die gesellschaftliche Verschwendungssucht jener befriedigen zu können. Alle diese gegen die Juden aufgebrachten Elemente erkennen nicht— denn ihr Klassen⸗ standpunkt erhält sie in der Bornirtheit— daß, wenn heute sämtliche Juden verschwinden würden, an ihre Stelle sofort sogenannte Christen träten, die das Ausbeutungsgeschäft genau mit demselben Erfolg für die Mehrzahl ihrer Konkurrenten fortsetzten.— Die Tätigkeit der Antisemiten im Reichs⸗ tage wollen wir in der nächsten Nr. einer kurzen Betrachtung unterziehen. politische Rundschau. Gießen, den 19. März. Musterpatrioten. Vorige Woche kennzeichnete Bebel im Reichstage die Prozentpatrioten ganz richtig, indem er hinwies auf das Anerbieten Krupps an Napoleon III., diesem„Erbfeind“, dessen Angriff auf Preußen wegen der Luxemburger Angelegenheit grade damals zu fürchten war, Kanonen liefern zu wollen. Der Brief, den Bebel im Auge hat, lautet in der Uebersetzung: „Sire! Ermutigt durch das Interesse, welches Eure erhabene Majestät für einen einfachen Industriellen und die glücklichen Er⸗ gebnisse seiner Bemühungen und seiner uner- hörten Opfer bewiesen haben, wage ich von Neuem, mich Allerhöchstderselben zu nahen, geruhen zu wollen, dem beifolgenden Atlas anzunehmen. Er enthält eine Sammlung von Zeichnungen verschiedener in meinen Werkstätten ausgeführten Gegenstände. Ich gebe mich der offnung hin, daß besonders die vier letzten Seiten, welche die Gußstahlkanonen dar⸗ stellen, die ich für verschiedene hohe Regierungen Europas angefertigt habe, einen Augenblick die Aufmerksamkeit Eurer Majestät auf sich lenken dürften und meine Kühnheit entschuldigen werden. Mit dem tiefsten Respekt, mit der größten Bewunderung bin ich Eurer Majestät untertänigster und ergebenster Diener.“ Dieselben Kanonen, mittels welchen nur, nach der Behauptung des freisinnigen Volks⸗ parteilers Eickhoff, seiner Zeit der Sieg über Frankreich erfochten werden konnte, sind vorher dem Franzosenkalser durch Krupp und seinem Agenten Haas angeboten worden. Aber darum waren Krupp und alle seine Nachkommen doch Ehren männer und Patrioten, denen das Reich zu Dank verpflichtet ist, auch nach freistnnig⸗ volksparteilicher Auffassung! Doch nicht nur Kanonen, auch Gewehre werden von den deutschen Prozentpatrioten Jedem geliefert, der sie kaufen und bezahlen will. Ueber die Waffenfabrik Mauser im württembergischen Schwarzwald wird soeben berichte: Im laufenden Jahre bringt die Fabrik zunächst noch eine Lieferung für die preußische Militärverwaltung zum Abschluß. Im Uebrigen ist den Betkteben des Unter⸗ nehmens durch die Bestellung der ottomanischen Regierung auf 200 000 Infanteriegewehr für die Jahre 1803/04 volle Beschäftigung gesichert.— Man sieht, auch der deutsche Gewehr⸗ patriotismus muß international sein, um den Aktienbesitzern eine fette Rente zu garantieren. 5 Wettrüsten zur See. Wie schwer von allen Völkern die geradezu tolle Vermehrung der Land und Wasserstreit⸗ kräfte empfunden wird, zeigt eine Aeußerung des englischen Finanzsekretärs der Marine, Forster, die dieser bei Begründung der Marine⸗ voranschläge im engl. Unterhause tat. Er er⸗ klärte dort am Montag, als Staatsbürger be⸗ dauere er, daß die große und bittere Rivalität unter den Nationen andauern solle, welche diese gewaltigen unproduktiven Ausgaben nötig mache. Die Admiralität sei nicht stolz auf die Höhe der Anschläge, die unter den bestehenden Verhältnissen notwendig seien.— Nach dem Bauprogramm sollen drei neue Schlachtschiffe gebaut werden, die ähnlichen Schiffen fremder Marinen in jeder Beziehung überlegen seien. Jedes würde viel mäch⸗ tigere Geschütze als bisher erhalten.— Und was wird die Folge sein? Die andern Nationen werden noch mehr und bessere Schiffe, noch wirksamere Geschütze sich anzuschaffen suchen, immer toller wird die Hetzjagd! Die Völker aber seufzen unter der Riesenlast; ste werden vom Militarismus und Marinismus bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt. Aus der Ferienkolonie. Einer scheußlichen Soldatenmiß⸗ handlung machte sich der Wachtmeister Fuchs beim 1. Garde⸗Ulanen-Regiment in Potsdam schuldig. In der 5. Eskadron des Regiments diente im zweiten Jahre als Freiwilliger der Ulan Würzberg, der im vorigen Monat zu dienstlichen Rügen Veranlassung gegeben hatte. Der Wachtmeister Fuchs hat nun dem Manne gegenüberseine Dienstgewalt in unerhörter Weise gemißbraucht. Zwei Unteroffiziere mußten Würz⸗ berg halten und über einen Tisch legen, während ein Gefreiter mit einem Stock un barm⸗ herzig auf ihn einschlagen mußte. Würzberg wurde infolge dieser Mißhandlung krank und kam ins Lazarett, aus dem er am 16. Februar als geheilt entlassen wurde, aber noch als Revierkranker dienstfrei verblieb. Dem Ulan war infolge der Mißhandlungen das Soldatenleben völlig verleidet worden, er ent⸗ fernte sich heimlich aus der Kaserne und begab ch in den Wald, wo er sich erhängte. Die verrohten Stellvertreter Gottes wurden natür⸗ lich verhaftet. Was nützt aber nun ihre Be⸗ strafung? Das 9 ihrer Ouälerei ist dahin. Fast hat es den 0 als ob die Sitten im Heere immer mehr verwilderten, so viele Fälle von Ausschreitungeu wurden in der letzten Zeit mitgeteilt. Söoldaten⸗Selbstmorde haben sich wieder zwei auf einmal in Hannover ereignet. Der Ulan Hinrich von der ersten Schwadron des Königs⸗Ulanen⸗Regiments erschoß sich mit setnem Karabiner, den er mit Wasser geladen hatte. Ferner beging der Füstlier Kühne von der zweiten Kompagnie des Infanterie⸗Regi⸗ ——— — Nr. 12. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. ments Nr. 74 Selbstmord. In den letzten sechs Wochen sind hier vier Selbstmorde von Soldaten vorgekommen, darunter drei beim Königs⸗Ulanen⸗Regiment.— Wirklich geheime Abstimmung bei den Wahlen ist von je allen Volksfeinden ein Greuel gewesen, darum bekämpfen die Junker und Scharfmacherblätter die von der Regierung angekündigte Vorlage zur Sicher⸗ ung des Wahlgeheimnisses. Von dieser hörte man auch jetzt lange nichts mehr und es hieß schon, sie werde überhaupt nicht an den Reichs⸗ tag gelangen. Jetzt ließ aber Graf Bülow durch seine Preßorgane verkünden, daß die Vorlage dem Bundesrat und Reichstag„sehr bald“ zugehen wird. Man darf gespannt sein, wie die Junker jetzt ihre Beine stellen werden, um die Vorlage zu Fall zu bringen. Wie„germanisiert“ wird. Welche Blüten die Germanisterungspolitik in den polnischen Landesteilen treibt, dafür liefert ein Gerichtserkenntnis des Schöffengerichts in Thorn b der Posen) ein Beispiel. Dort wurde nämlich der Uhrmacher Louis Joseph, der in seinem Laden Schmucksachen mit der polnischen Inschrift„Gott erlöse Polen“ aus⸗ gestellt hatte, zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt und außerdem wurde auf u Schung und Vernichtung der betreffenden Schmucksachen erkannt.— Wollte man solches Vorgehen mit den richtigen Ausdrücken bezeichnen, so müßte man sehr„unparlamentarisch“ werden. Immer zeigt sich aber wieder, wie recht der alte Oxen⸗ stierna hatte, als er sagte: Du glaubst nicht mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird! „Hinaus mit dem Sozialdemokraten.“ Das war die Losung bei dem Parlament für Elsaß⸗Lothringen, dem als einziger sozial⸗ demokratischer Abgeordneter Genosse Emmel⸗ Mülhausen angehörte. Seine Wahl hatte der Bezirksrat in Straßburg wegen Verletzung des Wahlgeheimnisses für ungültig erklärt. Der hiergegen von Emmel eingelegte Rekurs beim kaiserlichen Rat ist jetzt verworfen worden, so daß der erste Sozialdemokrat im Landesaus⸗ schuß diesen wieder verlassen muß.— Sie hatten Furcht vor dem Hecht im Karpfenteich. Doch es wird den Herren nichts helfen, denn Emmel wird sicher wieder gewählt werden.— Alters schwäche des Nationalliberalismus. Das„Frankfurter Journal“, ein nationalliberales Organ, hat kürzlich sein Er⸗ scheinen eingestellt. Das Blatt war die älteste Zeitung Deutschlands— es zählte 287 Jahrgänge— und nahm früher eine sehr angesehene Stellung ein. Mit dem National⸗ liberalismus kam aber auch sein Organ her⸗ unter, bis es schließlich an Abonnentenschwind⸗ sucht verstarb. Nun, es konnte getrost in die Grube fahren, denn die nationalmiserable Politik vertritt ja der Frankfurter Generalschmarrer zur Genüge.— Nach dem Stande ihrer Presse kann man die Entwickelung der Parteien beur⸗ teilen. Die sozialdemokratische Presse gewinnt immer größere Verbreitung, während national⸗ liberale Blätter eingehen— das zeigt, in welcher Richtung sich die unsere, und in welcher sich die andere Partei bewegt. Der schweizerische Zolltarif wurde bei der Volksabstimmung, die am Sonnta darüber stattfand, mit 326 588 gegen 222 81 Stimmen angenommen. Die Beteiligung war eine außerordentlich starke, gegen 85 pat. der Stimmberechtigten gingen zur Abstimmung. Die Annahme des Tarifs bedeutet gegenüber dem jetzigen Tarif eine Erhöhung der Zölle von 25—50 Prozent, besonders hoch sind die landwirtschaftlichen Produkte belastet. Die unterlegene Minderheit von 223 000 Stimmen ist ja immerhin eine ganz bedeutende; verschiedene iudustrielle Kantone verwarfen den Tarif mit neunzehntel Mehrheit. Angeftchts der auch in der Schweiz erfolgreich betriebenen Verhetzung der Bauern, auch der großen Zahl jener Klein⸗ bauern, die auf keinen Fall von den hohen Zöllen Vorteile haben. Für tausende Derjenigen, die am Sonntag mit Ja stimmten, durfte die Nichterfüllung der ihnen von den Ueberzöllnern 50 schwindelhaften Versprechungen ein rwachen mit Schrecken sein. Revolutionäres aus Rußland. Trotz aller barbarischen Gewaltmaßregeln der kosakischen Regierung gelingt es ihr uicht, die revolutionäre Bewegung zu unterdrücken. So wurde aus Rosto w a. Don berichtet: Unter Entfaltung zweier roter 1 durch⸗ zog am Sonntag ein Volkshaufe die Stadt. Die Polizei trieb die Menge auseinander, wo⸗ bei mehrere Personen verletzt wurden, darunter ein Polizeioffizier schwer. Abends war die Ruhe wieder hergestellt.— .—— Die Wahlbewegung. Als gemeinsamer Kandidat der Demokraten und Freistinnigen in Frankfurt wurde kürz⸗ lich Dr. Hch. Rößler(der Direktor der Gold⸗ und Silberanstalt) bezeichnet. Die Frftr. Ztg. bestreitet die Richtigkeit dieser Meldung. Im Wahlkreise Kassel⸗Melsungen, wo der bisherige Abg. Sanitätsrat Endemann eine Wiederwahl ablehnt, haben die National⸗ liberalen und Freisinnigen den Gutsbesitzer Beinhauer als Mischmaschkandidaten aufgestellt. Als Zentrums kandidat in Mainz ist der Kaufmann Racké aufgestellt worden, der in dem Kreise früher schon kandidierte und zu⸗ letzt 1890 durchfiel. Hoffentlich passiert ihm jetzt das Gleiche. Herr Zimmermann in Dresden, der Führer der sogenannten deutsch⸗sozialen Reform⸗ partet, war seit Monaten auf der Suche nach einem Wahlkreise, der ihn in den Reichstag zu schicken geneigt wäre. In letzter Zeit wurde er auch als Kandidat für den Kreis Marburg an Stelle Böckels, den man absägen wollte, genannt. Nunmehr hat ihn das sächsische „Ordnungs“⸗Kartell im 10. sächs. Wahlkreise (Döbeln) untergebracht. Dieser Kreis wählte in der Nachwahl im vorigen Jahre unsern Genossen Grunberg im ersten Wahlgange, es dürfte deshalb der Durchfall Zimmermanns mit ziemlicher Sicherheit erwartet werden. Deutscher Reichstag. Am Mittwoch und Donnerstag wurde noch über den Militäretat beraten, namentlich füllte die Kritik der Arbeits verhältnisse in den Spandauischen Militärs werkstätten durch unseren Genossen Zubeil einen großen Teil der Sitzungen aus. Zubeil geriet hierbei mit dem konser⸗ vativen Vertreter des Spandauer Wahlkreises, dem Schreinermeister Pauli, heftig zusammen. Pauli empfahl sich als den„schlichten Mann aus der Werkstatt“, wo⸗ rüber ihn die Linke natürlich auslachte. Militär⸗ und Marine⸗ Forderungen. Beschlußunfähigkeit setzte dem am Freitag sehr eifrigen Arbeiten des hohen Hauses ein Ziel. Es wurden trotzdem eine ganze Menge Tagesordnungspunkte erledigt. Der gefräßige Militarismus erhielt dabei ein paar Nasenstüber. Die Riesensumme, die für den Truppenübungsplatz zu Neuhammer gefordert wird, wurde an die Budgetkommission zurückverwiesen, nach⸗ dem der Kriegsminsster v. Goßler einige Entschuldi⸗ gungen gestammelt und seine Schwäche im Kaltulieren ziemlich unverblümt eingestanden hatte. Genosse Bebel ermahnte das Haus, in Zukunft besser das Budgetrecht zu wahren und nicht in Bausch und Bogen Summen zu bewilligen, für die keine rechnerischen Voranschläge vorliegen. Weiter nahm Bebel Gelegenheit, den merk⸗ würdigen Patriotismus der Firma Krupp zu beleuchten, die vor 1870 ihre Kanonen auch— Napo⸗ leon III. angeboten hat. Auch die Ablehnung des Truppenübungsplatzes in Ohrdruff und einige andere kleinere Streichungen sind unter die Zahl der Schlappen zu rechnen, die St. Moloch am Freitag zu Lande erlitt. Aber auch dem Marinismus blühten Niederlagen. Unter anderem wurde eine Million von den für die Reparatur der Kreuzer Kaiserin Augusta und Irene geforderten 2 Millionen gestrichen. D. h. nicht definitiv gestrichen, denn bei der Abstimmung hierüber stellte sich die Be⸗ schlußunfähigkeit heraus. Auch die Samstags-⸗Sitzung nahm durch Kon⸗ statierung der Beschluß unfähigkeit ein vorzeitiges Ende. Nachdem man den Etat für Klautschou, den teuren Platze an der Sonne fast ohne Debatte erledigt hatte, kam der Rest des Marineetats an die Reihe. Darunter befand sich auch die Forderung für ein pal ast⸗ ähnliches Gebäude für das Marineamt, das in der teuersten Straße Berlins errichtet werden soll. Doch es wurde ohne Widerstand die von der Kommission vorgeschlagene Streichung der geforderten Summe zum Besch uß des Hauses erhoben, nachdem Genosse Singer mit überlegenem Spott den Staatssekretär abgefertigt und den Kommissionsvorschlag glänzend ge⸗ rechtfertigt hatte.— Dann wurden Wahlprüf ungen vorgenommen. Hierbei kam auch die Wahl des national⸗ liberalen Abg. Sieg zur Sprache, die schon seit Jahren das Haus beschäftigt. Bei dieser Gelegenheit war es, daß Herr Bassermann aus kleinlichstem Fraktions⸗ interesse die Beschlußunfähigkeit anzweifelte und den Schluß der Sitzung herbeiführte. Montag gelangten Petitionen und kleinere Vor⸗ lagen zur Erledigung; Dienstag fand keine Sitzung statt. —— II. Krankenkasseukongreß. Unter überaus zahlreicher Beteiligung— es sind 1129 Delegirte anwesend— eröffnete der Vorsitzende der Zentralkommission, Sima⸗ nowski am Sonntag den zweiten allgemeinen Krankenkassen⸗Kongreß in Berlin. Einleitend führte der Einberufer aus, daß es gelte, die neue Krankenkassen⸗Novelle zu prüfen, um der Regierung anzugeben, welche Wünsche die Krankenkassen zu derselben hätten. Es seien sämtliche in Betracht kommenden Behörden eingeladen worden. Eine Antwort sei einge⸗ laufen vom Minister für Handel und Gewerbe, dem es nicht möglich sei, einen Vertreter zu entsenden, da es sich um Beratung von Gesetzen handle. Unter ähnlicher Begründung hätten auch der Minister für das Medizinalwesen, sowie die Präsidenten des Reichsversicherungs— und des Reichgesundheitsamtes die Einsendung von Vertretern abgelehnt. Dagegen sei der Berliner Magistrat durch die Stadträte Weigert und Fischbeck und den Kommissar für die Krankenkassen, Dr. Meurer, vertreten. Von Abgeordneten waren Dr. Hensli(Zentrum), Pfannkuch, Albrecht, Molkenbuhr und Stadt⸗ hagen anwesend. Das erste Referat hatte Stadtverordneter Dr. Friedeberg übernommen. Er sprach über„Stellungnahme der deutschen Krankenkassen zu der Regierungsvorlage der Novelle zum Krankenversicherungs⸗ Gesetz.“ Er führte etwa aus: Die Regierung hat nicht einmal versucht, die allerbescheidenste Forderung zu erfüllen, nämlich auch diejenigen unter das Krankengesetz zu stellen, die auch unter der Invalidenversicherung stehen, wie die land⸗ und forstwirtschaftlichen Ar⸗ beiter und die Dienstboten. Vorteile seien: die Beseitigung der die Geschlechtskrank⸗ heiten ausschließenden Bestimmungen, die Wöch⸗ nerinnenunterstützung, sowie die Erhöhung der Zahlung für 26 Wochen statt 13 Wochen. Für die Wöchnerinnen müsse ein Schutz von 6 Wochen vor und 6 Wochen nach der Ent⸗ bindung gefordert werden. Durch eine Zentra⸗ lisation der Kassen und eigne Apotheken könnten acht bzw. zwölf Millionen Mark an Verwaltung und Ausgaben gespart werden, die den Ver⸗ sicherten dann zu gute kämen. 5 Gräf⸗Frankfurt sprach hierauf über„Die Beschränkung der Selbstverwaltung der Krankenkassen durch die Regierungsvorlage“. Dieser Referent wendete sich in scharfen Worten gegen die Bestimmungen in der Novelle, welche geeignet sind, die Selbstverwaltung zu beein⸗ trächtigen. Eine im Sinne der beiden Referate gehaltene Resolution, in welcher die Vorlage der Regierung für unannehmbar erklärt wird, wenn nicht die auf Beschränkung der Selbstverwaltung gerichteten Bestimmungen gestrichen werden.— Die weiteren Verhand⸗ lungen des Kongresses befassen sich mit den Beschlüssen des Aerztetages; ferner mit — — ——— 2er 2 — 1 2 7 ———— 272 ͤĩ75k — Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung⸗ Nr. 12. dem Verhältnis der ztrantenkassen zu den Apotheken und schließlich mit der„An⸗ gliederung der Kranken versicherung an die Invalidenversicherung.“ Ueber letzteren Punkt referierte Fräß dor f⸗Dresden, der in einer Resolution die Verschmelzung der a Arbeiterversicherung forderte. Die esolution wurde angenommen. Der Kon⸗ greß erledigte dann noch eine große Anzahl Anträge, die meistens Forderungen und Wünsche zu der Krankenkassengesetz⸗Novelle betreffen. Pon Nah und Fern. Hessisches. Mittelstandsretter. Unter den Namen„Wirtschaftliche Vereinigung“ hat sich im Hess. Landtag eine neue Partei zusammengetan. Eigentlich sollte man meinen, es gäbe deren dort genug. Doch es ist nur ein neuer Name für eine alte Sache. Die Vereinigung will keine Fraktion sein, sondern nur die„gemeinsame Vertretung und Behandlung der wirtschaftspolitischen Fragen“ bewirken. Schutz der Bauern und Ihre Devise ist: des Mittelstandes! Formell bilden ihr Mit⸗ eine Fraktion nicht, im glieder allerdings a wesentlichen aber ist. die Vereinigung doch weiter nichts-als eine Fraktion, da sie Beschlüsse faßt und ihre Mitglieder darauf verpflichtet. Die Farbe erhält die„Vereinigung“ durch den Bauernbund, dessen Abgeordnete ihr alle beige⸗ treten sind; dazu kommen eine Anzahl agrart⸗ scher Nationalliberale und einige„Wilde“, die in ländlichen Bezirken gewählt und im Grunde nichts als reine Agrarier sind. Wie die von der Vereinigung beabsichtigte„Mittelstands⸗ politik“ aussehen wird, läßt sich danach unschwer ermessen.— Interessant ist der Beitritt der nationalliberalen Agrarier. Daß sie nebenbei in ihrer„Fraktion“ bleiben, meint die„Fftr. Ztg.“, ist bezeichnend für Charakter und Be⸗ deutung der nationalliberalen Partei. Es ist ja bekannt genug, daß die in der Vereinigung domintrenden Bauernbündler mit der national⸗ liberalen Partei ganz und gar nicht harmoniren. Wenn dennoch nationalliberale Abgeordnete ihnen Schleppträgerdienste leisten dürfen, ohne daß die Fraktion ihr Veto eingelegt und zur Geltung bringt, so ist damit für die Oeffent⸗ lichteit nur erneut der Nachweis erbracht, daß von einer Disziplin der nationalliberalen Partei Hessens gar keine Rede mehr ist, weder im Parlament noch im Lande. Sie geht rettungs⸗ los dem Verfall entgegen. * Die Wahlprüfungskommission der Zweiten Kammer erklärte die Wahl des natl. Abg. Heidenreich für ungiltig. Dagegen wurden sowohl die Wahl Ulrich's als Orb's (Offenbach⸗Land) für giltig erklärt. Ebenso wurde die Wahl des Antisemiten Hirschel⸗ Grünberg für giltig erklärt.— Herr Hirschel kann von Glück sagen, handelte es sich hier doch nur um eine einzige Stimme. Ferner wurden die Wahlen der beiden freisinnigen Abg. Säng und Langenbach(Darmstadt) für ungiltig erklärt. Gießener Angelegenheiten. — Die Gewerbegerichtswahl am Samstag brachte für die freien Gewerkschaften — soweit die Wahl der Arbeitnehmerbeisitzer in Betracht kommt— einen geradezu glän⸗ zenden Erfolg. Während ihre Liste vor drei Jahren nur 239 Stimmen erhielt, brachte sie diesmal 763 Stimmen auf, mehr als das Dreifache der letzten Wahl. Für die Liste des evangelischen Arbeitervereins wurden nur 69 Stimmen abgegeben. Letztere erhalten also — nach, den Grundsätzen der Verhältniswahl— einen, die freien Gewerkschaften elf Beisttzer. Auch die Arbeitgeber beteiligten sich zahl⸗ reicher als beim letzten Male an der Wahl. Für die Liste des Gewerbevereins wurden 84, für diejenige des Gewerkschaftskartells 13 Stim⸗ men, im Ganzen also 97 abgegeben. Mithin entfallen auf erstere 10, auf letztere 2 Beisitzer. — Besonders lebhafte Agitation wurde nicht entfaltet, erst am Wahltage selbst wurde auf beiden Seiten mehr gearbeitet. Das Gewerk⸗ schaftskartell verbreitete im Laufe der Woche ein Flugblatt, in welchem auf die Bedeutung der Gewerbegerichte hingewiesen und dabei be⸗ merkt wurde, daß katholische und evangelische Arbeitervereine, als Organisationen, die unter der Führung von Geistlichen stehen, nicht in der Lage wären, die Arbeiterinteressen zu vertreten. Darauf erschien im„Anzeiger“ folgendes In⸗ serat der Christlichen: „Die Verbreitung eines nach Form und Inhalt äußerst gehässigen Flugblattes der hiesigen sogenannten freien, in Wirklichkeit aber sozialdemokratischen Gewerkschaften ver⸗ anlaßt uns, alle Arbeiter, welche treu zu unserer Sache halten und zu den neutr alen Gewerkschaften stehen, aufzufordern, mit um so größerem Eifer sich an der Wahl zu be⸗ teiligen und nur den von uns vorgeschlagenen Kandidaten ihre Stimme zu geben.“ Durch dieses pfäffische Machwerk erreichten sie aber das Gegenteil von dem was sie wollten. Denn wer das Inserat las, wollte natürlich das Flugblatt haben und so kam es, daß dieses bald vergriffen war und sicher nicht wenig zu dem guten Erfolge der freien Gewerkschaften beigetragen hat.— Uebrigens leistete sich der Wahlausschuß der Christlichen mit jenem Inserat mehrere Unwahrheiten oder die Herren haben keine Ahnung von der Gewerkschaftsbewegung. Denn die christlichen Gewerkschaften sind nicht „neutral“ und wollen es nicht sein, wie schon ihr Name besagt; der katholische Gesellenverein ist überhaupt nicht als Gewerkschaft anzusehen, er ist eben eine religibse Verbindung. Da⸗ gegen wird in den freien Gewerkschaften kein Mensch nach seinem politischen oder religiösen Glaubensbekenntnis gefragt; sie sind in dieser Beziehung wirklich neutral, nicht sozialdemo⸗ kratisch, wie in jenem Inserat gefabelt wird. — Märzfeier. Eine so zahlreiche Be⸗ teiligung hat die Märzfeier in Gießen wohl noch nie aufzuweisen gehabt, als es am Sonntag der Fall war. Das einladende Wetter mag auch mit dazu beigetragen haben, daß Hunderte von Genossen aus Gießen, Heuchelheim, Glei⸗ berg, Krofdorf ꝛc. nach Textors Terrasse hinaus pilgerten, deren geräumiger Saal sich rasch füllte. Viele konnten im Saale keinen Platz bekommen. Nachdem die Gesangvereine einige Lieder vorgetragen, ergriff Gen. Dr. Michels⸗ Marburg das Wort, um in markiger und klarer Rede die Bedeutung des 18. März für die Arbeiterschaft zu schildern. Karl Marx— führte er etwa aus— habe nachgewiesen, daß die Geschichte nicht ausgefüllt werde durch die Kämpfe der einzelnen Nationen mit einander, sondern daß sie sich darstelle als eine Reihe von Klassenkämpfen. Eine beherrschte, emporstrebende Klasse suche die herrschende zu verdrängen und sich an ihre Stelle zu setzen. Die französische Revolution stellt die Befreiung des Bürgertums von der Herrschaft des Adels dar. Napoleon, der Er⸗ oberer, warf die bürgerliche Emanzipation nieder, pflanzte ste aber zugleich in andere Länder fort. Auch in Deutschland zog mit ihm ein freierer Geist ein. Mit den Franzosen wurden jedoch die wenigen Freiheiten wieder niedergeworfen; der Feudal⸗ und Polizeistaat befestigte sich wieder, seine stickige Luft lag drückend auf dem Volke. Da brach 1848 in Frankreich, das immer der Nährboden freiheitlicher Ideen ge⸗ wesen, der Sturm los. König Louis Philipp wurde verjagt; Frankreich zur Republik erklärt. Die Funken des in Paris lodernden Brandes schlugen überall hin. Man ahmte in andern Ländern das Beispiel Frankreichs nach. In Deutschland, das in eine Reihe kleiner, despo⸗ tisch regierter Staaten zerfiel, kam es zu Auf⸗ ständen. Namentlich in den Rheinlanden, die französisch angehaucht, damals nichts von Preußen wissen wollten. Das preußische Gottes⸗ gnadentum war von Gott verlassen. König Friedrich Wilhelm IV. in Berlin geriet in Angst. Er gab nach, suchte zu beruhigen. Aus Dankbarkeit zog die Menge vor das Schloß. Hier wurden zwei Schüsse auf das Volk abge⸗ geben, man weiß uicht von wem. Das Volk schöpfte Mißtrauen, es sah sich verraten. Ueber⸗ all wuchsen jetzt die Barrikaden empor. Redner schilderte nun den Kampf am 18. März, in dem die Arbeiter wie die Löwen kämpften— aber nur für die Interessen der Bourgeoiste. Die Forderungen der Arbeiter wurden in den Hintergrund gedrückt. Das Bürgertum war zufrieden, als die beengenden Fesseln, die es am Profitmachen hinderten, beiseite geräumt waren. Feige und knechtselig wie es war, wagte es nicht die Republik zu proklamieren aus Furcht vor den Arbeitern. Diese, ohne Ziel und Programm vertrauten ihm.— Heute haben wir andere Zeiten, andere Wege. Wir ehren die 48er Kämpfer, nachahmen können wir ihnen nicht. Für uns heißt es heute: Zusammen⸗ halt! Aufklärung! Organisation! Nur auf diesem Wege kommen wir zum Ziele! Die trefflichen Worte des Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Weitere Gesangsvorträge und Musikstücke folgten, bis kurz nach Eintritt der Dunkelheit die Feier endete. Sie lieferte den Beweis für das regere politische Leben, daß sich in der letzten Zeit in erfreulicher Weise innerhalb der Arbeiterkreise bemerkbar macht. — Das Gießener Amtsblatt tritt für bessere Bezahlung unserer Parteibeamten ein! Sein Darmstädter Politikus schreibt, nach⸗ dem er die Sozialdemokratie im hessischen Land⸗ tag als äußerst bewilligungseifrig hingestellt hat, folgendes: „Es wäre übrigens eine interessante Frage, ob Herr Ulrich diese seine Beamtensympa⸗ thien allein auf die hesstschen Beamten be⸗ schränkt oder ob er die Strahlen seiner Gunst auch auf die meist recht kärglich besol⸗ deten sozialdemokratischen Parteibeamten leuchten lassen will. Bisher hat man nichts davon vernommen, daß er auf den Partei⸗ tagen denselben Eifer für deren Besserstellung entwickelt hätte!“ b Merkwürdig, sonst heißt es doch immer, die Agitatoren mästen sich von den Arbeiter⸗ groschen! Bald so, bald so, wies trefft! — Der Konsumverein für Gteßen und Umgegend hält diesen Sonntag(22.), Vormittags 10 Uhr, im„Postkeller“ eine außerordentliche Generalbersammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Ersatzwahlen des Vorstandes sowie Erörterung sonstiger Ange⸗ legenheiten der Genossenschaft. — Besichtigung des Siechenhauses. Der hiesige Sanitätsverein ladet zu einer Besichtigung des nunmehr fertiggestellten Stechen⸗ hauses an der Licherstraße für diesen Sonntag (22.) nachmittags 2 Uhr ein. Jedermann kann sich hieran beteiligen. Zusammenkunft am Haupteingang des Siechenhauses; Entree wird nicht verlangt. — Mordversuch. Am Sonntag machte der Tagelöhner Röder von hier in der neuen Kaserne einen Mordversuch auf seine Ehefrau, die sich dort bei ihrer mit einem Sergeanten verheirateten Tochter aufhielt. Röder feuerte aus einem Revolver mehrere Schüsse auf die beiden Frauen ab, traf ste aber nicht lebens⸗ gefährlich. Auch der zur Begleitung mitgegebene Posten wurde dabei leicht verletzt. Ehelicher 1 soll die Ursache zu der Tat Röders ein. — Ein sinnstörender Druckfehler ist im Leitartikel unserer vorigen Nummer stehen geblieben. In der 3. Spalte muß es in der 14, Zeile von oben statt„Niedersten“ Widerstand heißen; der betr. Satz lautet also richtig:„Denn mit Recht hat der italienische Genosse S. Merlino einmal ausgeführt, daß auch das Bewußtsein moralischen Unrechts den Widerstand der besitzenden Klassen lähmen kann, ꝛc. aus dem Rreise gießen. — Von der Agitation. Die Versamm⸗ lungen, welche unsererseits am Donnerstag und Frei⸗ tag vorige Woche in Bergheim bei Ortenberg und in Oberlais stattfanden, waren stark besucht. In beiden Versammlungen wurden die Ausführungen unseres Ge⸗ nossen Krumm beifällig aufgenommen.— Wie schon in der letzten Nr. mitgeteilt, konnten wir in Gedern kein Lokal erhalten; dort werden später, wenn die Jahreszeit günstiger geworden ist, einfach Versammlungen im Freien abgehalten werden. sacher. 44 e Aus di Mr Cld⸗Laulerbat n. Ueber Mißstände bei der Holzver⸗ steigerung klagt man in Schotten recht lebhaft. Dadurch, daß die Oberförster sich bei der Versteigerung an eine Stelle hinstellen und die Nummern der Holz⸗ haufen vorlesen, kommen viele Irrtümer vor und ein⸗ zelne Käufer werden geschädigt, weil sie nicht wissen, was für Holz die verlesenen Haufen enthalten. Die Oberförster haben doch Zeit genug dazu, um mit nach dem Haufen selbst hinzugehen. n, Aus Schotten schreibt man uns: Wiederholt sind an der Kreisstraße von Schotten nach Rudingshain Obstbäume abgebrochen worden, es gelang aber noch nicht, den oder die Täter zu fassen. Das wäre wünschenswert; denn es hat jedermann Interesse an der Vermehrung und Verbilligung des der Gesundheit zu⸗ träglichen Obstes. Die Obstbäume sind auch für die an der Straße liegenden Felder nicht so nachteilig, als die Ahornbäume mit ihrem dichten Laubwerk und weitem Wurzelgang, deren Beseitigung schon oft vergeb⸗ lich verlangt wurde. e Vom Unglück verfolgt wird der Spin⸗ nereibesitzer Bischoff in Rainrod Gr. Schotten). Vor mehreren Jahren ertrank eines seiner Kinder, dann brannte ihm die Scheune nieder, bald nachher stürzte seine Frau in die Kalkgrube, wo sie ihren Tod fand. Nachdem sich B. vor ca. 3 Jahren wieder verheiratet hatte, ist ihm am 14. ds. Mts. seine Frau wieder durch ein Unglück entrissen worden. Bischoff hatte in Schotten einen Wagen Wolle geladen, worauf sich er und seine Frau bei der Rückfahrt setzten. An einer abschüssigen Stelle kam der Wagen ins Rollen, B. konnte nicht schnell genug bremsen, die Frau fiel herab und erlitt einen Genickbruch, der Tod trat sofort ein. Der Jammer in der Familie ist unbeschreiblich. Aus dem Rreise Wetzlar. h Sinken der Viehpreise wird aus verschiedenen Gegenden, auch der Umgebung von Wetzlar berichtet. Die Fleischkonsumenten verspüren aber davon noch nicht das mindeste, im Gegenteil macht die Metzger⸗Innung einen Aufschlag des Rindfleisches bekannt, das jetzt 65 Pfg. das Pfund kosten soll. h Die Ortskrankenkasse Wetzlar hielt am Sonntag ihre General⸗Versamm⸗ lung ab. Leider war sie nur schwach besucht. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von Mk. 11560,44 nach, dem Mk. 11507,99 Aus⸗ gaben gegenüberstehen. Unter letzteren befinden sich 6373 Mk. Krankengeld, 2596 Mk. für ärzt⸗ liche Behandlung und Arznei usw., Wöchnerin⸗ nen⸗Unterstützung 157 Mk., Kur⸗ und Verpfle⸗ gungskosten 1183 Mk., Verwaltung 681 Mk., Kapitalanlage 450 Mk. Die Mitgliederzahl betrug im Durchschnitt 800. Die vom Vor⸗ stand beantragte Beitragserhöhung wurde ab⸗ gelehnt. aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. R. M. Sonntag Abend 8 Uhr hielt der „Evangelische Bund“ hier im Saale des Museums eine Versammlung ab, in welcher die drei Universitätsdozenten Prof. Mirbt, Prof. Leh⸗ mann und Privatdozent Rade, der Schwager des nationalsozialen Pfarrers Naumann, volltönende Reden gegen die Zulassung der Jesuiten in Deutschland hielten. Das Publikum, in welchem sich, der Aeußerung eines der Redner u Folge, jeder nicht mit den Zielen der Ver⸗ e einverstandene„als ungebetener Gast“ zu betrachten hatte, spendete den Rednern na⸗ türlich großen Beifall. Erheiternd ist es, daß die Veranstalter der Festlichkeit, an der natürlich die Creme der Marburger Bourgeoiste teilnahm, erklärten, nicht aus Furcht zu handeln, sondern — eine ungeheure, wenn auch vielleicht unbe⸗ wußte Heuchelei!— die Verbannung der Je⸗ suiten nur wegen der„Aufrechterhaltung des konfesstonellen Friedens“ fordern zu müssen. Ein logische Gesellschaft, diese Katheder⸗Bour⸗ eoiste! Zur„Aufrechterhaltung des sozialen riedens“ würde sie wohl auch jedem neuen Sogzialistengesetz freudestrahlend zujauchzen! Die„Aufrechterhaltung des Friedens“ bedeutet bei diesen Herren nichts anderes als die Mundtot machung jedes Gegners, die allgemeine Einführung der Kirchhofsruhe. Diesen„freien“ Protestanten ist nichts so ver⸗ haßt als die Bewegungs⸗Freiheit ihrer Wider⸗ Diesmal handelt es sich um die Jesuiten, ein anderes Mal wird es sich um die Sozial⸗ andere erte! eutsch! Counig — kraten handeln den Jesuiten gerne auf. Wir wissen allerdings auch, was wir wollen. Der evangelische Bund aber wird, so wütend er jetzt auch um sich beißt, den Jesuiten zweifellos, sobald diese erst einmal im Land sind, in gesinnungsverwandtschaftlicher Innigkeit die Hand drücken, um mit ihnen gemeinsam der verhaßten Sozialdemokratie wo⸗ möglich eins auswischen zu können. St. Parteiversammlung. Zur Er⸗ innerung an die in den Märztagen von 1848 für die Freiheit gefallenen Volkskämpfer fand auch in diesem Jahre wieder eine öffentliche Parteiversammlung am vergangenen Samstag Abend im Jesberg'schen Lokale statt, welche erfreulicherweise sehr stark, auch von einer An⸗ zahl Damen, besucht war. Die Feier galt aber insbesondere auch dem Andenken unseres großen Vorkämpfers Karl Marx, seit dessen Tode am 14. März zwanzig Jahre verflossen waren. Genosse Dr. R. Michels gab in 1½ stündiger Rede den aufmerksam lauschenden Zuhörer ein anschauliches Bild von dem Leben, Schaffen und den vielerlei Kämpfen des großen Mannes, dem wir soviel zu danken haben. Obgleich es bei uns Führer im Sinne der bürgerlichen Parteien nicht giebt, so besäßen wir doch mensch⸗ liches Gefühl genug, um einen Mann, der sich un⸗ sterbliche Verdienste um die Partei erworben habe, auch über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Redner schloß mit den denkwürdigen Worten von Karl Marx:„Pro⸗ letarier aller Länder vereinigt Euch!“ Reicher Beifall wurde ihm zuteil und der Vertrauens⸗ mann drückte dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen den Dank der Versammlung aus.— Nach einer kurzen Pause gab Genosse Härtling noch bekannt, daß in drei Wochen eine Flugblattverteilung im Wahlkreise statt⸗ finden solle und ersuchte er die Genossen um recht zahlreiche Beteiligung an derselben. Hierauf erfolgte um ½12 Uhr Schluß der sehr schön verlaufenen Versammlung. — Was unsere Bürgersöhnchen für Allotria treiben, davon giebt uns ein Vor⸗ fall Kunde, der sich in einer Nacht kürzlich hier abspielte. Waren da eine Anzahl junger Bür⸗ gersöhne auf dem Hansehause bei einem frohen Zechgelage vereint, bei dessen Verlauf es zu einer Wette zwischen ihnen kam, infolge deren einer von ihnen völlig nackt und nur mit einer Badehose bekleidet, nachts gegen 12 Uhr vom Hansehause bis auf den Markplatz lief, allwo er von einem Schutzmann in Empfang genommen und seine Personalien festgestellt wurden. Ob sich der junge„Held“ bei der gerade herrschenden empfindlichen Kühle nicht mindestens einen tüchtigen Schnupfen geholt hat, konnten wir nicht erfahren. Das Treiben dieser hoffnungsvollen Bürschchen, die später zum Teil als Stadtverordnete oder ehrwürdige Ratsväter auf dem Rathause die Geschicke der Stadt leiten, wird hierdurch wieder einmal grell beleuchtet. Geistlicher als Giftmischer. Vor dem Schwurgericht in Klagenfurt (Kärnten) stand am 11. ds. Mts. der Kaplan Thomas Maschek, der des versuchten Meuchelmordes und Diebstahls angeklagt war. Die Anklage legte ihm zur Last, daß er mittels Nachschlüssel, die er sich anfertigen ließ, aus dem Kasten des Pfarrers ein Sparkassebuch der Böhmischen Sparkasse auf 3842 Kronen stahl und durch ein gefälschtes Telegramm der Sparkasse den Pfarrer zu beruhigen suchte. Er suchte dann den alten Herrn Pfarrer zu beseitigen, indem er ihm zuerst in die Suppe und in den Tischwein Salpetersäure schüttete und schließlich dem Meß wein Cyankali beimengte. Der Pfarrer wäre auch gestorben, wenn er nicht den Wein nach dem ersten Schluck wieder ausgespuckt hätte. Die wenigen Tropfen, die er geschluckt, hatten schon schwere Folgen. Er stürzte am Altar bewußtlos zusammen, wurde aber in einigen Tagen wieder hergestellt. Der Kaplan Maschek wurde wegen versuchten Meuchelmordes an dem Pfarrer Strnadt und wegen Diebstahls schuldig erkannt und vom Wir nehmen ben stampf mir Site d,. Shofe zufünfzehn Jahren schweren Kerters sowie zum Ersatze der gestohlenen 1175 91 5 re N e verur⸗ 5 er Angeklagte hatte bis zuletzt Schuld in Abrede gestellt. 1 555 Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. 7 Bei der am Montag stattgefundenen Ge⸗ werbegerichtswahl in Mainz 10 auf der Arbeitnehmerseite selbstverständlich die freien Gewerkschaften mit großer Mehrheit über die Liste der christlichen Gewerkschaften. .—TFTCffete xe ee Kleine Mitteilungen. k Von Dieben erschossen. In Ful der Lokomotivheizer Rinn aus Gie ß 8. 91 e 1 wo 92 1 7 8 0 eingebrochen waren rfolgte, von einem derselben nieder 5 Mörder wurde verhaftet. 8 eee 55 Zärtliche Verwandten. Die Strafkammer in Fürth verurteilte drei Frauen, welche bei der Be⸗ erdigung einer Verwandten, mit der sie verfeindet waren laut aufgelacht, in die Hände geklatscht und gerufen hatten:„So, jetzt liegt sie drinn, das ist recht!“ wegen Vergehens wider die Religion zu je einem Monat Gefängnis. * Wieder einer. Der frühere Kaplan Peter Wilhelm Knipp aus Aachen war einige Zeit an einer Dresdener Volksschule als Religionslehrer angestellt und hat in dieser Stellung sich gegen eine Anzahl Knaben sittlich schwer vergangen. Das Gericht verurteilte Knipp zu 2 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehr⸗ verlust. Er wird nach Hanau transporttert, wo er sich wegen ähnlichen Straftaten zu verantworten hat. * Opfer der Arbeit. Auf der Zeche Moltke bei Essen wurden 6 Leute, die im Schacht Maurer⸗ arbeiten ausführten, durch hereinbrechende Erdmassen in die Tiefe gerissen. Alle sechs fanden dabei ihren Tot. Versammlungskalender. Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlungen! Sonntag, d. 21. März. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 8½ Uhr Versammlung in Stadt New⸗York. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Briefkasten. F. W. M. Kinzenb. Wenn Sie Steuern zahlen sollen, müssen Sie natürlich einen Zettel, auf dem der Betrag verzeichnet ist, bekommen. Ob das nun ein auf das ganze Jahr lautender Steuerzettel, oder nur ein sog. Aufforderungszettel ist, bleibt sich gleich. Parteigenossen! Gedenket des Wahlfonds! %%%%%% Oeffentliche Versammlung. Dienstag, den 24. März, Abends 8/ Uhr im Café Ebel, Vortrag des Redakteurs Damaschke⸗Berlin über: Wohnungsfrage und Erbbaurecht. Eintritt frei. Bund deutscher Vodenreformer. 96%%%%%%%%%%. 3 —— 0 282 Seite 6. Mitteldeulsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 12. 4 7 4 1 50 4 * S RSS 0 Unterhaltungs-Cril. 5 2 A Die Kommune. Sertrümmert ist der erste Bau, Den unsere Brüder kühn errichtet, Noch war der Frühling allzurauh, Es liegt die junge Saat vernichtet, Die junge Saat, Sum freien Staat, Zu Ehr und Ruhm Dem Menschentum Sum gleichen Recht für Alle. Ein Kampf war es wie nie vorher, Sein oder Vichtsein klang die Frage, Hier fiel das Vorrecht, liebeleer, Die neue Seit dort in die Waage, Die neue Seit, Die uns befreit Von Druck und Last, Von Müh und Hast Will gleiches Recht für Alle! Der Knechtschaft Schergen siegten ob, Sie wälzten sich im Blut der Roten, Und so wie sie der blaue Mob;— Sur Rache rufen drum die Toten! Zur Rache d— Vein! Sum Sieg allein, Trotz Feindes Wut Mit heilger Glut Sum gleichen Recht für Alle! Ein andrer Frühling kommt wohl bald Um allem Schlaf ein End zu machen, Dann wird, ein Phönix an Gestalt, Aus seinem Traum das Volk erwachen, Aus seinem Traum; Giebt weiten Raum Der Weisheit Rat Dem freien Staat, Dem gleichen Recht für Alle. A. Geib. Ein Hlick in den„Zukunstsstaat“. Von Dr. Robert Michels. 8(Fortsetzung.) Am zweiten Tage des Kongresses im Zu⸗ kunftsstaat, will sagen in Imola, sammelten sich plötzlich große Menschenmassen— die Zeitungen sprachen später von sieben Tausend— längs dem viale dei Capuceini(Kapuzinerallée) Eingang der Stadt hinter der Porta Bologna, Männer und Frauen, mit roten Bändern und Schleifen und vor Aufregung geröteten Gesichtern. Wie man beobachtet haben will, hatten manche von ihnen sogar lange in Wachspapierfutterale eingewickelte Stangen mit, die wie Mauern⸗ brecher aus den bösen Zeiten des Mittelalters aussahen. Das war um drei Uhr Nachmittags. Wenige Minuten darauf begannen schon die Glocken der Stadt Sturm zu läuten. In aller Hast sah man den Bürgermeister von Imola nach der bedrohten Stelle hinstürzen. Er war in Amtstracht und hatte die dreifarbige Schärpe umgeschlungen. Und doch gewahrte man in seinem Knopfloch gleichzeitig ebenfalls die rote Insurgentenschleife und an seiner Uhrkette hing sogar ein Medaillon, auf welchem der trotzige Kopf des bekannten Bandenhäuptliungs Karl Marx abkonferfeit war.— Himmel, wie soll man sich das alles erklären? Ist das Aufruhr? Oder der Ueberfall einer Räuberbande? So etwas soll doch, sagt man, in Italien an der Tagesordnung sein! Armes Imola, wie wirst du heimgesucht! Das kommt davon, daß du diesen sozialdemokratischen„Führern“ erlaubt hast, ihren Kongreß in deinen Mauern abzuhalten. Die Kerls haben nun schon seit Jahren das „arme Volk“ aufgehetzt und gegen Tron, Altar und Geldsack aufgewiegelt und nun hat man die Frucht ihrer verbrecherischen Reden in diesem Ueberfall organisierter Horden selbst vor Augen. Imola ist ein wohlhabendes Städtchen? Aha! Also wollen sietes plündern. Rette sich wer kann! Aber seht doch einmal den Bürgermeister! Was macht der denn? Fällt der da einem der In⸗ surgenten um den Hals und küßt ihn auf beide Wangen. Und der blonde Michaels oder Michels oder wie dieser Mann, der den Kongreß ier als Berichterstatter des Worwärts oder orwaerts mitmacht, mit seinem barbarisch klingenden deutschen Namen sonst heißen mag, ist auch dabei und unterhält sich sogar ganz friedlich mit so einer wilden Amazone, aus deren schwarzen Haaren dunkelrote, wie mit wahrem Menschenblut gefärbte Bänder flattern! Und seine Frau, die kleine braunhaarige com- pagna) Gisella, steht sogar in freunds caftlichser Unterhaltung mit so einem blutdürstig aussehen⸗ den, mit einem der vorher beschriebenen Spieße bewaffneten Mann, der ausschaut, als wolle er gleich ganz Imola mit Petroleum begießen und an allen vier Ecken anzünden. Und was machen denn diese früheren Bourgeois⸗Gelehrten, welche den ganzen alten Plunder zum Teufel werfend, sich mit Leib und Seele dem Prole⸗ tariat verpfändet haben, die Universttätspro⸗ fessoren Enrico Ferri, der Kriminalist, Ettore Ciccotti, der Historiker, und Luigi Majno, der Zivilrechtler usw. unter dieser Rotte Kora? Sind sie wirklich schon so weit heruntergekom⸗ men, daß sie, die ehemaligen„Zierden italischer Gelehrsamkeit“ sich nun sogar zu Rebellen führern degradieren? Doch was war das? Da ent⸗ hüllten die braunen Männer eben plötzlich ihre Spieße und es zeigte sich, daß es... Fahnen waren. Aber furchtbar rote Fahnen, blutige Zeichen der menschenmordenden Revolution, welche die„heilige, segensreiche Ordnung“ über den Haufen werfen will. Aber diese Leute sind also doch unbewaffnet? Ach was, sie werden in ihren Taschen wohl schon spitzige Dolche und zweiläufige Pistolen haben? Herr⸗ gott, steh uns bei! Nun geht's los. Sieh, jetzt ordnen ste sich, musterhaft, ganz militärisch, je zu viert in eine ganz endlos lange Reihe. Da ist ja auch Musik dabei. Eins, zwei, dret, vier, fünf Chöre! Nun ja, die werden wohl zum Sturm blasen. Man weiß ja, wie sehr die Musik„den Mut der Truppen“ belebt! Aber die vordersten Sektionen der Kolonnen bestehen ja aus lauter Frauen? Warum denn nicht? Diese wilden Gesichter!„Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen“ ... Jetzt wird es aber ungemütlich! Die Schaaren setzen sich in Bewegung und die vorderste Musikbande spielt die aufrührerische Arbeiter⸗ hymne. Weithin schallt der verbotene Text: „Auf Genossen! Auf, ihr Frauen, „Schließet eure tapfren Reihen! „Unser stolzes freies Banner „Soll die sonn'ge Zukunft weihen! „Nur das Werk der eignen Söhne „Wird der Sieg der Arbeit sein. „Laßt uns leben von der Arbeit „Oder sterben im Verein!— Begeistert drängt alles vorwärts. Die Augen blitzen, die Wangen glühen, die Fahnen und Bänder flattern im Winde. Heilige Madonna, sei uns armen Sündern gnädig! Aber, wie sonderbar! Noch hat immer kein einziger der Räuber seinen Dolch aus dem Wams gezogen, ja, auf ihren Gesichtern liegt sogar eigentlich mehr der Ausdruck stolzer Freude als grimmigen Hasses ausgeprägt. Und die Tore der Stadt öffnen sich vor ihnen, und die Polizei tritt lächelnd bei Seite und in allen Häusern sind die Balkone und Fenster dicht besetzt. Und siehe, da 5 8 aus den Fenstern eines alten Patrizierpalastes, von den Händen eines hüb⸗ schen jungen Mädchens in ersmefarbener Seiden⸗ toilette entsandt, sogar ein ganzes Bündel roter Nelken, triumphierend mitten unter die Schaar der Eindringlinge. Sollte da der ganze Ueber⸗ fen 2 etwa am Ende gar ein... Festzug ein?— Ein Festzug? Ja, es war ein Festzug, und was für einer! Die organisierten Land⸗ arbeiter der Umgegend von Imola hatten das Bedürfnis gefühlt, die Männer, welche im Parlament und in den Arbeiterkammern, im Gerichts saal und in der Studierstube tag aus tag ein für die Emanzipation des Proletariats gekämpft hatten und nun, vom Proletariat des ) compagna heißt Genossin. ganzen Italien entsandt, hier in Imola zur Be⸗ ratung versammelt waren, zu sehen und ihnen ihren dankbaren Gruß zu entbieten. Aber da⸗ mit war der Grund des Aufzuges noch nicht erschöpft. Diese tapferen Arbeiter wollten Banzer f. auch aller Welt zeigen, welchem anner sie folgten und von welcher Seite aus sie ihre Befreiung vom Joche des Kapitals erwarteten. Ihre öffentliche Kräfteentfaltung sollte Gegnern wie Freunden ein richtiges Bild von der Stärke der sozialistischen Bewegung in und um Imola geben. Und nun waren sie herangeeilt, diese braven Männer, aus Land und Stadt, Gehöft und Dorf. Und nicht nur aus Imola und Umgegend, aus allen Teilen der großen Provinzen der Emilia und der Romagna, ja, selbst vom entfernten Toscana, überallher, von wo die Kosten einer Reise nach Imola auch nur einigermaßen zu erschwingen gewesen, waren Schaaren klassenbewußter Pro⸗ letarier zusammengeströmt. Wie viel Opfer⸗ freudigkeit, wie viel wahrhaft rührende Ein⸗ fachheit der Sitten— im guten Sinne des Wortes— lag in diesem Besuch der organi⸗ sterten Arbeiterschaft in Imola! Vielen war die Eisenbahnfahrt zu teuer gewesen. Sie hätten nicht kommen können. Aber kommen mußten sie einfach. Da gab es ein einfaches Mittel: sie kamen zu Fuß. Tagelang mar⸗ schierten sie, ein Stuͤckchen trockenes Brot und etwas Wurst in den Taschen, barfüßig, ihre Schuhe auf dem Rücken. Die Nacht brachten sie auf den Steinfließen der Kirchen zu und, wenn sie nichts mehr zu essen hatten, so hungerten sie eben. So war der Besuch in Imola für viele nur mit härtesten Entbehrungen zu erkaufen gewesen. Und doch! Nun sie am Ziel waren, und die Frucht ihrer Mühen kosten sollten, wollten sie wenigstens an diesem einen Tag einmal vergessen, daß sie arme abgerackerte Arbeitssklaven waren. Freude glänzte auf ihren Gesichtern und mit Stolz zählten fie die vierzig Fahnen sozialistischer und geweikschaftlicher Vereine und bewunderten die vornehmen gold⸗ durchwirkten Banner, welche der Stadt Imola und den drei naheliegenden, ebenfalls in den Händen einer sozialistischen Gemeindeverwaltung befindlichen Städten von Budrio, Reggio⸗Emilia und Molinella gehörten und die dem ganzen Festzug beinah etwas„obrigkeitlich Anerkanntes“ verliehen. Es waren viel prächtige Gestalten, die sich da zusammengefunden hatten. Am meisten Aufsehen erregten die organisterten Reisarbeiterinnen von Molinella mit ihren sonn verbrannten, fast schwarzen Gesichtern, in denen sich der Ausdruck kindlicher Gutmütigkeit mit beinah hart zu nennender Energie mischte, Mädchen, welche ob ihrer jahrelangen, mit be⸗ wundernswerter Standhaftigkeit ausgehaltenen Lohnkämpfe mit den Großgrundbesitzern, welche ihnen für ihre furchtbare, schwer gesundheits⸗ schädliche Arbeit in den mit Malariabacillen geschwängerten, sumpfigen Reisfeldern mit wahren Hungerlöhnen(bis zu 50 Pfg. pro Tag) zahlen wollten, zu den erhebendsten Beispielen eines aufstrebenden Proletariats gehören. Ihre Augen leuchteten wie ein Feuer, Feuer der Freude, aber auch Feuer der Sehnsucht, Freude, daß sie diesen Tag erleben durften, Sehnsucht, daß es immer so werden möge wie heute. Und so, wie diese tapferen Frauen, gefolgt von der Masse der Landarbeiter, denen sich die Fabrikarbeiter der Stadt und ein Teil der Kongressisten anschlossen, nun unter den Klängen der Arbeiterhymne erhobenen Hauptes durch die Straßen der Stadt zogen, einer Stadt, die ihnen gehörte, da konnte man sie wohl mit dem kämpfenden Proletariat der ganzen Welt überhaupt vergleichen, welches ja ebenfalls er⸗ hobenen Hauptes vorwärts dringt durch die Welt, die ihm zwar noch nicht gehört, von der es aber weiß, daß sie ihm einmal gehören wird, wenn es nur erst im ganzen so opferfreudig und so klassenbewußt ist wie diese italienischen Reismädchen es jetzt schon sind. Auch ihm werden sich dann, wie jenen in Imola, freudig Bürger und Gelehrte anschließen und stolz darauf sein, von ihm mit dem Wort Genosse angeredet zu werden.(Schluß folgt.) 9 ——u—— r 9 — 5 15 e e e eee e r r — n— dee K wie ein Blitz. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Ein Narr des 19. Jahrhunderts. Von Heinrich Zschokke. 6(Fortsetzung) „Ich kenne diese heiligen Zustände!“ sagte die Baronin. „Da ich mich erhob, um in die Stadt zu⸗ rückzukehren,“ fuhr Olivier fort, und meine Uniform an mir erblickte, durchzuckte es mich, Ekelhaft lag die Welt mit allen ihren Thorheiten, mit allen ihren Widersinnigkeiten vor mir da; nie heller sah ich den gräßlichen Abfall der Menschheit von dem Ewigen, Wahren und Heiligen als in jenem Augenblick. Ich erkannte, daß Sokrates, lebte er heut', noch einmal den Giftbecher trinken müßte; daß Cristus, lebte er heut', in jeder Stadt sein Jernsalem wiederfinden, von den christlichen Sekten einstimmig zum Kreuz geführt, von den Fürsten als Feind der alten guten Ordnung, als Volksverführer, als Schwär⸗ mer verurteilt werden müßte.— Ich schauterte. Da fragte ich mich mit lauter Stimme: „Hast du Mut?— Der feste Wille durchdrang mich. Ich antwortete mit lauter Stimme: „Ich habe Mut. Cs soll sein. Ich will ver⸗ nünftig werden, erfolge daraus, was wolle.“ „Am andern Morgen— ich hatte einen erquickenden Schlaf getan und fast alles, was ich den Abend vorher gedacht, vergessen— fiel mir dies Buch wieder in die Augen. Ich er⸗ innerte mich meines Entschlusses. Nun erkannte ich das Gefährliche meines Wagestücks. Ich ward schwankend. Und doch mußte ich die Wahrheit meiner gestrigen Ueberzeugungen anerkennen. Wer mein Jünger sein will, soll alles verleugnen. Ich durchdachte meine häus⸗ lichen und öffentlichen Verhältnisse. Ich kam mir vor wie der reiche Jüngling im Evangelium, der traurig von Christo schied. Da fragte ich mich wieder:„Hast du Mut?“— Und mit lauter Stimme anwortete ich:„Den will ich haben.“— Und so beschloß ich, von Stund an vernünftig zu handeln, in Kleinsten wie im Wichtigsten. Nur den ersten Schritt getan und den Hohn der Menschen nicht geachtet, wird jeder folgende Schritt leicht.“ „Ich zittere für dich, du edler Schwärmer 1 rief ich und drückte ihm die Hand.„Nicht so, du erzählst mir doch den Ausgang deines Wagestücks?“ „Warum nicht? Aber so etwas muß im Freien geschehen, unterm Himmel, unter den Bäumen, im Anblick des weiten Meeres“ sagte Olivier.„Denn, lieber Norbert, in der Stube, zwischen Wänden und Mauern sieht manches vernünftig aus, was in der freien Natur, wo sich die Seele gleichsam in das große, reine All auflöst, gar hirngespinstig und träu⸗ merisch erscheint. Und umgekehrt findet man draußen in den Umgebungen der Gottes chöpfung, wo das Ewige und Wahre bleibend steht, daß manches vollkommen richtig sei, was inner den Wänden einer Wohnstube voller häuslichen Rücksichten oder inner den Wänden eines philo⸗ sophischen Lehrsaales, eines Audienzzim ners, eines Ballsaales, eines prunkvollen Gesell⸗ schaftszimmer, wie überspanntes Wesen, wie Albernheit, wie Schwärmerei oder Verrücktheit erscheint. Also komm ins Freie!“ Er nahm mich beim Arm. Die Baronin ging zu ihren Kindern. Olivier führte mich durch den Garten auf einen Hügel, wo wir im Schatten eines Felsen lagerten. Ueber uns schwammen im weiten Luftmeer die zarten Zweige der Birken, unter uns die blitzenden Wogen des Ozeans ins Unendliche. Olivier erzählte dann ungefähr folgender⸗ maßen. Oliviers Erzählung. Das Schicksal begünstigte mich eben damals, als es mit meiner Vernunft zum Durchbruch kam, ganz vorzüglich. Mein Vater, dessen Ver⸗ mögensumstände durch unmäßigen Aufwand zerrüttet worden waren, hatte mir nach seinem Tode nur ein mäßiges Erbteil Allein ich hatte die hinterlassen. Aussicht, nach dem Tode meines Oheims ein sehr stattlicher Gutsbesitzer zu werden. Diese Aussichten waren aller Welt bekannt. Dazu kam noch, daß ich mit der Baronesse von Mooser, der Tochter des Kammerprästdenten, verlobt worden. Sie war eine der ersten Partien im Lande, wie man so etwas zu nennen pflegte, das heißt sie war sehr hübsch, sehr reich und Nichte des Kriegs⸗ ministers. Die Heirat wurde von meinen Verwandten und dem alten Oheim eingefädelt; ich mußte, dem Lauf der Welt gemäß, ein⸗ willigen. Nur die Kränklichkeit meines Oheims, der bei mir Vaterstelle vertrat, verzögerte die Vermählung. Major war ich schon; bei der nächsten Beförderung sollte ich Oberleutnant werden. In ein paar Jahren konnte mir das Regiment nicht fehlen. So standen die Sachen zu jener Zeit. Ich fand nun freilich, nach meiner Genesung zur Vernunft, daß die Sachen scheinbar wider⸗ lich standen. Es ward mir unbehaglich, daß ich freier Mann mein Dasein durch Verwandte an ein Mädchen wegen Geldes, Herkunft und Protektionen hatte verkuppeln lassen, ohne zu wissen, ob das Mädchen mit seinen Eigenheiten, Ansichten, Fehlern und Neigungen zu mir ge⸗ hören könne. Die Baronesse war allerdings hübsch und gut, allein nicht um ein Haar anders, wie Frauenzimmer von eben solcher Erziehung siud und sein können: gutmütig von Natur, aber durch Verkünstelung eitel, lebens⸗ lustig, leichtsinnig, stolz auf Verwandtschaft, auf Rang, auf Schönheit, witzig, und witzig auf Unkosten des Besten in der Welt, in allem mehr französisch als deutsch. Ob sie mich wirk⸗ lich liebe wußte ich nich“; daß ich für sie nicht mehr als für jedes andere gebildete und hübsche Frauenzimmer fühlte, das wußte ich. Ein Brief durch Eilboten forderte mich zu meinem kränklichen Oheim. Ich erhielt Urlaub vom General, schied von meiner Verlobten und ihren Eltern und reiste ab. Als ich ankam, war der Oheim schon gestorben und begraben. Ein alter Verwalter übergab mir die Schlüssel zu den Schränken und das Testament. Ich entrichtete die wenigen kleinen Legate an die Dienerschaft, zog den Verwalter in mein Ge⸗ heimnis und erklärte mich öffentlich arm, alles Vermögen meines Oheims mit Schulden bedeckt. So kehrte ich in meine Garnison zurück und machte mein Mädchen bekannt. Es war mir nur darum zu tun, die Denkart meiner Verlobten zu prüfen, und ob sie Mut genug haben werde, an meiner Seite der Welt zu entsagen und zu werden wie ich.— Um die Sache noch auffallender zu machen, verkaufte ich, was ich entbehren konnte, um meine eigenen Schulden in der Stadt zu bezahlen, denn ich hatte deren in der Tat, alte und neue, eine ziemliche Menge. Meine Kameraden lachten mich aus, und besonders wenn ich vorgab, wenigstens ein ehrlicher Mann zu, bleiben. Selbst der Kammerpräsident und seine Gemahlin rieten mir's ab: ich müsse keinen Eklat machen, ich blamiere mich und ihr Haus; ich gäbe mir und ihnen ein Ridikül usw. Ich blieb bei meinem Sinn: Redlichleit gehe über Glanz, und Armut sei keine Schande. Wer viel entbehren könne sei reich.— Die Redensarten, wie man es nannte, gefielen am allerwenigsten der Baronesse. Ihre Eltern gaben mir zu verstehen, ihr Kind sei an ge⸗ wisse Aisances“) gewöhnt; sie selbst wären nicht reich genug, noch während ihres Lebens mir und der Tochter ein anständig es Sort“) zu machen. Kurz, nach wenigen Tagen traute man ganz unumwunden meinem eigenen Zartgefühl zu, daß ich die Verbindung freiwillig aufgeben werde. Ich nahm gar keinen Anstand, es zu tun und zu erklären, ich fände es billig, weil hier keine gegenseitige Wahl der Herzen, sondern nur eine Uebereinkunft und Geldabrechnung der Verwandten stattgefunden habe. Meine vorgebliche Armut hatte aber noch ganz andere Wirkungen guter Art, nämlich die alten Freunde und lustigen Brüder suchten mich weniger auf. Doch tat mir's wohl, daß *) Spr. Esangs= Bequemlichkeit, Wohlhabenheit. **) Spr. Sohr= Zustand, Loos— hier soviel wie ein anständiges Leben ermögl che i. mich einige ihrer Hochachtung noch immer wert hielten. Die meisten wurden kälter und seltener. Also mit dem Gelde hatte ich für ste das höhere Interesse verloren.„Desto besser!“ dachte ich,„und desto wahrer darfst du reden und sein.“ (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Keine verschimmelten Wände im Stall! In einem größeren Viehbestande verendeten zwei halbjährige Kälber nach zweitägiger Lungenentzündung. Die gesunden Kälber und zum Teil die Kühe zeigten starken Husten. Bei näherer Besichtigung des Stalles zeigten sich die Wände und Decken mit dichtem Schimmelbelag überzogen. Gründliche Reini⸗ gung und Anstrich bewirkte, daß sich die hustenden Tiere bei kräftiger Fütterung und Leinsamentränke ohne wesentliche ärztliche Be⸗ handlung bald erholten. Größere Kartoffelgaben erweisen sich bei der Melkviehfütterung als um so nachteiliger, wenn noch andere wässerige Futter⸗ stoffe, wie Schlempe, Rüben, Rübenschnitzel, von den Tieren verzehrt werden müssen. Wenn letzeres der Fall, ist, ganz abgesehen von sich einstellenden Diarrhöen oder sogar schlempe⸗ mauke⸗ähnlichen Erkrankungen der Kühe, stets nur auf eine wässerige, schlechtschmeckende Milch zu rechnen. Selbst die Mitverfütterung von besten Kraftfutterstoffen(Körnerschrot, Weizen- kleie, Malzkeime, Oelkuchen) vermag daran wenig zu ändern. Splitter. Mancher ist nur deshalb gut, weil er keine Gelegenheit hat, schlecht zu sein. * Ich kenne kein niedrigeres Laster, als die Selbstsucht. — Humoristisches. Eine angenehme Hose. Bauer: Geh Alte, lang' mer amol mei' lederne Hos'n her— die da⸗ hinten im Eck steht!—(Fl. Bl.) Die ideale Forderung. Bayrischer Pfarrer: „Glauben kann a bayrischer Minister was er mog, aber— katholisch muß er sein!“— Raubritter.„Wenn unsere Ahnen Geld brauchten, schlugen sie ein paar Kaufleute tot— wir müssen ihre Töchter heiraten.“(Simpl.) Geschichtskalender. 22. März. 1897: Kotze und andere Duellanten begnadigt.(„Fall Kotze“, Schmähbrief⸗Affaire in der Berliner Hofgesellschaft.) 23. 1895: Bismarck⸗Huldigung im Reichstage abgelehnt. Wilh. II. Entrüstungsdepesche an Bismarck. 24. 1867: Norddeutscher Reichstag eröffnet. 1884: Mignet, franz. Geschichtsschreiber, F. 25. 1898: Streik der christl. Bergarbeiter am Piesberge. 1825: Zar Alexander löst den Fürsten⸗ Rheinbund auf. 26. 1872: Urteil im Leipziger Hochverratsprozesse. 27. 1868: Zollparlament in Berlin. 1810; Glasbrenner, Satiriker,*. 23. 1901: Wilh. II. Unbotmäßigkeits rede bei Einweihung der Alexandriner⸗Kaserne in Berlin. 1849: Kaiserposse im Frankfurter Parlament. — ̃⅛ A 7˙•....⏑7˖,riĩ,ð.t q—— Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hug o. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Grundzüge und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen! — 2 — —.— , 2 2 — 2 Seite g. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Tors ümtereh üessen und Ungegend, Confir- E. G. m. b. H. Sonntag, d ma: l uh en eg Randi e e fslandon- Juherordentl. General-Versummlung 1 Tagesordnung: f 0 1. Ergänzungswahl des Vorstandes und Aufsichtsrates. 2. Be⸗ 1 1 richt über die Entwickelung der Genossenschaft. Der Aussichtsrat. J. A.: Karl Orbig. Wenn Sie einen Sohn zu kon⸗ firmieren haben, so fragen Sie 75 99 Ihren nächsten Nachbar, welcher 8 im verflossenen Jahre dieselbe Freude hatte. Dieser Mann wird S 2.— f anitätsverein. Ihnen, wenn er glaubwürdig ist, Zu einer unentgeltlichen Besichtigung der Provinzial⸗Siechen⸗ e e eee n häuser werden unsere Mitglieder und deren erwachsene Angehörige In den Oberhessischen auf Sonntag, den 22. März, Nachmittags, hiermit 1 sd 5 2 ergebenst eingeladen. 5 e er- d ar von Zusammenkunft Punkt 2½ Uhr am Haupteingang, Licherstraße. h. oller Ortskrankenkasse Friedberg, Wenbung; daa gehe Ordentliche hin:! 7 irst de eee. Ng 50 wire o reed bedient, da — D k i d ab General-Versammum] ̃“-. am Jrei. zum feinsten, ebenso einzelne inn eder een Aurreg 8. Air see den All„ eathaussaale zu Friedberg. Kragen 26. ice, für Land und 5 Tages⸗Ordnung: Stadt passend, aussuchen. 1. Jahresbericht und Rechnung von 1902. 2. Abänderungsantrag zu§ 13, Abs. 3,(Gewährung Nach Maß des Krankengeldes für in die Woche fallende Feiertage). f g 3. Ersatzwahl des Vorstandes. erden die feinsten 4. Verschiedenes. nzüge angefertig Der Vorstand: und auf Verlangen Carl Damm, 1. Vorsitzender. Die Kahresrechnung liegt bis zur Generalversammlung auf dem nach 12 Stunden abgeliefert. Bureau der Kasse zur Einsicht der Interessenten auf. Tung! 2 Zug! d, A en * Das Schulige schiff 51 Paar Stiefel„ 150 95400 bol, 1 1 22 Sonmenshrasse 22 1 feiner Hut 5 175 Repetitions wecker; innerhalb 7 Minuten mal laut weckend, Mk. 3 75. Prima Wecker leuchtd. Mk. 3.—, nichtld. Mk. 2.60. Remontoirs in Metall Mk. 4 75 u. 6.—. in Silber von Mk. 10.— an. Regulateure, Nussb. Schlagwerk Mk. 8.—. hrketten in grosser Auswahl. 2 jährig. Garantie.— Illustrirt. Katalog auf Wunsch kostenfrei. Umtausch oder Zurückgabe gestattet. Eug. Karecker, aten. 5 596 Der gesandte Wecker ist grossarti Lindau i. 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