Nr. 25. Gießen, den 21. Juni 1903. 10. Jahrg. medattion: Airchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche mcduktioneschluk Donnerstag Nachmittag 4 Abs Sonntags⸗Jeitung. — è? ĩi᷑ ᷑ êtêé é ꝛé 7Ex—Q—ů— Abonunementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellung en finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 331½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Juserate Die ögespalt. Bei mindestens Auf zur Stichwahl! Parteifreunde im Wahlkreise Gießen-Grünberg- Nidda! Die Wahlschlacht in unserem Kreise hat zu keinem endgültigen Resultate geführt, sondern es hat Stichwahl zwischen dem nationalliberalen Kommerzienrat Heyligen⸗ staedt und unserem Genossen Krumm stattzufinden. Parteifreunde! Wir dürfen mit dem bei der Hauptwahl erzieltem Erfolge wohl zufrieden sein. Unsere Stimmenzahl ist gegen 1898 um rund 1500 gestiegen und unser Wahlkreis braucht vor den übrigen Wahlkreisen im Reiche nicht zurück⸗ zutreten. Wir dürfen auf das Erreichte mit umso größerer Befriedigung blicken, als es mit nur geringfügigen Mitteln er⸗ kämpft wurde; standen uns doch nur wenige rednerische Kräfte zur Verfügung und unsere Organisation weist ebenfalls noch manche Mängel und Lücken auf. Nun gilt es den Entscheidungskampf zu schlagen, den entgültigen Sieg zu er⸗ ringen! Helfe Jeder mit besten Kräften dazu! Viele Wähler, die zu der Klasse der Minderbemittelten und kleinen Leute gehören, sind bei der Hauptwahl der Urne fern geblieben, diese gilt es heranzuziehen. Wirke jeder Genosse in dieser Beziehung in seinem Freundes⸗ und Bekanntenkreise, die Lässigen angefeuert, die Reserven in's Gefecht geführt! Eine Schande wäre es, wenn die Tausende Arbeiter und Minder⸗ bemittelten ihre politische Vertretung der Partei des Sozialistengesetzes, der Zuchthaus vorlage, der Lebens⸗ mittelverteuerung, des Wahlrechts⸗ raubes, der Partei Drehscheibe überlassen wollten! Das kann und darf nicht sein! Darum nochmals in den Kampf! Wer noch Sinn hat für Freiheit und Ge⸗ rechtigkeit, wer wünscht, daß der Beute⸗ politik ein Ende gemacht und dem Fort⸗ schritt auf allen Gebieten die Bahn frei gemacht werde, der muß der Sozial⸗ demokratie, der wahren Volks- und Kulturpartei zum Siege verhelfen! Auf zur Stichwahl! Auf zum Siege! Derr——————— Volksgericht. Hoch die Sozialdemokratie! Dieser Jubelruf wird sich der Brust eines jeden Genossen entrungen haben, nachdem ihm die Ergebnisse der Hauptwahl bekannt wurden. Sieg der Sozialdemokratie auf der anzen Linie! Mit riesigen Stimmenzahlen 1555 wir im ersten Wahlgange 58 Mandate erobert, in mehr als 100 Kreisen kommen unsere Kandidaten in zum Teil aussichtsvolle Stichwahl. Ein so gewaltiger Sieg einer Partei ist seit Bestehen des Reichstags noch nicht dagewesen. Das Volk hat sein Urteil gesprochen über Vrotwucherpolitik, Militarismus und Chinaabenteuer und das Urteil ist ge⸗ radezu vernichtend ausgefallen. Die Brot⸗ verteurer und Wahlrechtsräuber sind gründlich aufs Haupt geschlagen. Das Volk hat für die Sozialdemokratie entschieden. Soweit das Wahl⸗ feld abzusehen ist, ist unsere Partei stegreich vor⸗ gedrungen. Auch die Gegner haben riesige An⸗ strengungen gemacht. Die Wahlbeteiligung ist in allen Lagern viel stärker gewesen als bei früheren Wahlgängen. Gerade in ihren aus⸗ sichtslosen Wahlkreisen haben die Gegner alle Hunde losgelassen, um den Sozialdemokraten keinen allzu großen Vorsprung zu lassen. Hat aber nicht viel geholfen. In der Reichshaupt⸗ stadt sind fünf Mandate auf den ersten Hieb gefallen, und im I. Kreise(Tiergartenviertel) ist der Sozialdemokrat in der Stichwahl. Berlin ist sozialdemokratisch. In Sachsen haben wir geradezu glänzende Siege erfochten. 18 Kreise wählten Sozial⸗ demokraten und in den übrigen 5 kommen unsere Kandidaten in aussichtsvolle Stichwahlen. Kein einziger Gegner ist in Sachsen gewählt! Wahrlich das sächsische Volk hat mit den Wahlrechtsräubern gründlich aufge⸗ räumt. Riesige Wahlziffern haben die Berliner Genossen aufgebracht. Der VI. Kreis gab für Ledebour 78000 Stimmen ab, und Singer erhielt im IV. Kreise 67000! Aehnliche Ziffern weisen Hamburg, wo natürlich Bebel, Dietz und Metzger im ersten Wahl⸗ gang glatt gewählt wurden, ferner Altona, Charlottenburg, Leipzig⸗Land ꝛc. auf. Unsere Partei dürfte es auf mindestens 3 Millionen Stimmen und etwa 70—80 Mandate(niedrig geschätzt) bringen. Leider haben wir aber auch weniger gute Resultate. Frankfurt brachte nur ca. 100 Stimmen mehr auf als 1898; und Kreise, die bei der letzten Wahl im ersten Ansturm erobert wurden, müssen wir jetzt in der Stichwahl verteidigen, so Offenbach, Hanau und weiter Mainz und Höchst⸗ Usingen, von welchen Kreisen viele Genossen glaubten, daß sie uns im ersten Wahlgange zufallen würden.— Desto glänzender war der Sieg im Kreise Darmstadt, den Cramer mit 15000 Stimmen behielt.— Vollmar siegte in München mit 17000 Stimmen Mehrheit; auch Nürnberg und Stuttgart fiel uns gleich in der Hauptwahl wieder zu. Essen hat seine sozialdemokratische Stimmen⸗ zahl von 4400 auf 22705 erhöht. Das kommt vom Tischtuchzerschneiden! Ueberhaupt sind auch im Rheinland und Westfalen unsere Stimmen ganz gewaltig bestederz Außer Essen, weisen Bochum, Düssel⸗ orf, Elberfeld bedeutende Zunahme auf. — Allein in Berlin beträgt unsere Stimmen⸗ zunahme 63 000; und Sachsen brachte über 120000 mehr sozialdemokratische Stimmen als bei den letzten Wahlen. Die Sozialdemokratie hat jetzt in Sachsen die übergroße Mehrheit der gesamten Wähler hinter sich, sie brachte ca. 100000 Stimmen mehr auf als die ge⸗ samten Gegner. Bis Donnerstag Nachmittag waren alle Wahlresultate bekannt. Gewählt waren: 31 Konservative, 6 Reichsparteiler, 11 Polen, 5 Naionalliberale, 88 Mitglieder des Zentrums, 1 Däne, 4 Wilde, 6 Elsässer, 1 Reformpartei, 3 Bauernbund, 58 Sozialdemokraten.— 168 Stichwahlen sind erforderlich, an denen beteiligt sind: 37 Konservative, 122 Sozial- demokraten, 24 Freisinnige Volkspartei, 10 Freisinnige Vereinigung, 65 Nationalliberale, 6 Polen, 4 Elsässer, 12 Reichspartei, 35 Mit⸗ glieder des Zeutrums, 8 Wilde, 9 Antisemiten, 4 Bauernbund, 8 Welfen, 1 Bund der Land⸗ wirte und 8 Deutsche Volkspartei. Gewählt sind nach dem„Vorwärts“ 58 Sozialdemokraten, darunter die folgenden: Berlin II: Fischer. Berlin III: Heine. Berlin IV: Singer. Berlin V: Schmidt. Berlin VI: Ledebour. Niederbarnim: Stadthagen. Charlottenburg: Zubeil. Brandenburg: Peus. Hamburg I: Bebel. Hamburg II: Dietz. Hamburg III: Metzger. Bremen: Schmahlfeld. Lübeck: Schwartz. Zeitz: Thiele. Halle: Kunert. Breslau⸗West: Bernstein. Altona: Frohme. Ottensen⸗Pinneberg: Elm. Kiel: Legien. Hannover: Meister. Elberfeld: Molkerbuhr. Solingen: Scheidemann. München II: Vollmar. Nürnberg: Südekum. Stuttgart: Hildenbrand. Darmstadt: Cramer. Rostock: Herzfeld. Braunschweig: Blos. Holzminden⸗ Calwer. Greis: Förster. Gera: Wurm. Altenburg: Buchwald. Sachsen: Zittau: Fischer. Löbau: Sindermann. Dresden⸗Neustadt: Kaden. Dresden⸗Altstadt: Gradnauer. Dresden⸗Land: Horn. Meißen: Nitzsche. Pirna: Fräßdorf. Döbeln: Grünberg. Leipzig⸗Land: Geyer. Mittweida: Göhre. Chemnitz: Schippel. Glauchau: Auer. Zwickau: Stolle. Stollberg: Goldstein. Zschopau: Rosenow. Annaberg: Grenz. Reichenb ich: Hofmann. Plauen: Gerisch. — —— rler —— . — b 1 . 5 6 1 155 E 1 * 10 41 —.— —.— — ——— — —— —— e ——— — 8— 8— * 8 Seite 2. Mtteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 25. 5 Der„staatserhaltende“ Liberalismus. Kürzlich beleuchtete unser Hamburger Partei⸗ organ in einem längeren Artikel die klägliche Rolle, welche der Liberalismus und besonders die nationalliberale Partei in Deutschland spielt und führte dabei sehr richtig aus: „Alles, was an wahrhaft liberalen poli⸗ tischen Forderungen noch der Erfüllung harrt — und das ist sehr viel— hat die Sozial- demokratie in ihr Programm aufge⸗ nommen. Allgemeines gleiches und direktes Wahlrecht; Selbstbestimmung und Selbst⸗ verwaltung des Volkes; Wahl der Behörden durch bas Volk sowie Verant⸗ wortlichkeit und Haftbarkeit derselben; Ab⸗ schaffung der stehenden Heere; Freiheit der Meinungsäußerung und des Rechtes der Vereinigung und Versammlung; Trennung der Kirche vom Staat und der Schule von der Kirche; wahrhaft volks⸗ tümliche Reform der Rechtspflege usw. sind ursprünglich liberale Forderungen. Wer aber könnte sich noch darüber täuschen, daß der Liberalismus in all' seinen Schat⸗ tirungen weder die Fähigkeit noch den guten Willen mehr hat, für die Verwirk⸗ lichung dieser Forderungen einzutreten! erleben seit Jahren, daß Liberale im Bunde mit den Konservativen ganz offen die Ver⸗ nichtung des bestehenden Reichstags⸗ wahlrechtes anstreben. Selbst im gegenwärtigen Wahlkampfe haben national⸗ liberale Kandidaten sich unumwunden zu diesem Attentat auf eines der wichtigsten Volksrechte bekannt. Nicht eine einzige der liberalen Richtungen, auch nicht der Richter'sche„Frei⸗ sinn“, ist jemals ernstlich und ehrlich für die Ausdehnung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes auf alle Wahlen und Abstimmungen eingetreten. Wic die National⸗ liberalen gemeinsam mit den Konservativen den Wahlrechtsraub in Sachsen ver⸗ brochen, wie sie in Sachsen und Meiningen das Kommunalwahlrecht verschlechtert und im verflossenen Jahre im hessischen Landtag sich entschieden gegen das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für die Landtagswahlen aus⸗ gesprochen haben, so hat auch der„Freisinn“ sich als Feind dieses Wahlrechtes erwiesen, und zwar entgegen der betr. Forderung in seinem Parteiprogramm. Es sei nur erinnert an den Wahlrechtsraub, den der„Freisinn“ in schles⸗ wig⸗holsteinischen Städten dadurch begangen hat, daß er den Zensus für die Gemeindewahl erhöhte, um„die Arbeiter aus der Gemeinde⸗ vertretung fernzuhalten“. Der Liberalismus rühmt sich, den Arbeltern das Koalitionsrecht verschafft zu haben. Tatsache ist, daß er dieses Recht gewährte, als selbst die reaktionäre Staatsgewalt dasselbe nicht mehr verweigern konnte. Aber er ver⸗ zält sich zu diesem Rechte wie zu allen anderen Volksrechten und Volksfreiheiten; ste sollen ihm dienen zur Dekoration des sogenannten „bürgerlichen Staates“. Die Nationalliberalen haben sich— man denke an die Zucht⸗ hausgesetz⸗Vorlage— als fanatische Feinde dieses Rechtes ganz offen erwiesen, in welchem Maße, das haben wir ja gerade in Hamburg⸗Altona nun schon Jahre hindurch sattsam erfahren. Das nationalliberale Unternehmertum hat hier den unerhör⸗ testen Terrorismus geübt, um den Ar⸗ beitern den Gebrauch des Koalitionsrechtes un⸗ möglich zu machen. Und die Masse der„Frei⸗ sinnigen“ nimmt denselben Standtpunkt ein; auch sie läßt das Koalitionsrecht nur gelten auf dem Papier. Es ist weiter daran zu erinnern, daß schon öfter Nationalliberale ihre Bereitwilligkeit bekundet haben, mit den Konservativen und Ultramotanen gemeinsame 5 8 zu einer Be⸗ schränkung des Rechtes der Freizügigkeit zu machen.“ Gewiß, der Liberalismus ist dem völligen moralischen und prinzipiellen Bankrott verfallen und die Reichstagswahlen haben ihm seinen nahen gänzlichen bevorstehenden Untergang, Wir der aber seibstverschuldet ist, deutlich vor Augen geführt. Politische Rundschau. Gießen, den 18. Juni. Was ehrliche Gegner über die Sozialdemokratie sagen. „Den Sozialdemokraten verdanken wir es, daß wir noch ein kampffähiges Heer haben. Ohne die sozialdemokra⸗ tische Arbeiterbewegung hätten wir keine Arbeiterschutzgesetze und wären die Löhne überall unter das Existenz⸗ minimum gesunken. Hätten die Arbeiter ins⸗ gesammt den Landjunkern und Geistlichen ge⸗ Heiner gleich jenen gottesfürchtigen sächsischen einewebern, die sich mit 400 Mk. Familien⸗ einkommen begnügen, dafür aber nicht mehr im Stande sind, den Pflug zu führen und die Muskel zu regieren, dann würde der Himmel einige Millionen Engel mehr haben, das Vater⸗ land aber zu Grunde gehen.“ Das schrieben vor einiger Zeit die konser— vativen Grenzboten. 1 „Mag die gegenwärtige Wirtschafts⸗ ordnung den höchsten Anforderungen entsprechen, christlich ist sie nicht, sondern sehr unchrist⸗ lich, selbstsüchtig und grausam Aber daß die Wirtschaftsordnung, welche die Sozialdemokraten erstreben, jenen christlichen Grundsätzen der Gerechtigkeit und Brüder⸗ lichkeit viel mehr entspricht, als die gegenwärtige kapitalistische, das kann kein Unbefangener und Klarblickender in Abrede stellen. Die Kirche hat niemals vollen und ganzen Ernst gemacht mit dem offenen Bekennt⸗ nis zu den sozialen Forderungen Jesu und der Apostel.“ Das stellte der Oberkonsistorialrat a. D. Frank in Danzig fest in einer Rede, gehalten am 6. September 1900. Verdienst bei der Landwirtschaft. „So eine Landwirtschaft bringt viel Geld, wenn man's versteht,“ hieß es in einem kürzlich veröffentlichten Brief eines ostelbischen Großgrundbesitzers. Dieses Wort findet seine Bestätigung in Folgendem: Im Regierungsgebäude zu Hildesheim fand am, 10. d. M. die Neuverpachtung des im Kreise Goslar belegenen Domänenvorwerks Schladen statt. Das Vorwerk ist 493,8 Hektar groß, der Grundsteuerertrag ist auf Mk. 18 518,25 worden war. Kindes inne, daß in dieser Anstalt Dinge vor⸗ festgesetzt. est Das bisherige Pachtgeld beträgt Mk. 31 708. Der bisherige Mitpächter von Kaufmann in Linden gab mit Mk. 48 600 das 8 5 bewahren wird, und viel schlimmere Dinge höchste Gebot ab. Mithin übersteigt der neue Pachtzins den alten jährlich um Mk. 16 892, d. h. um rund 50 Prozent. Da der Pächter genau wußte, was aus dem Vorwerk heraus⸗ zu wirtschaften ist, liegt in dieser Steigerung, auch ein Beitrag zur„Not der Landwirtschaft““ Ein Aufruhr⸗Prozeß. Eine Anklage wegen Aufruhrs ist gegen eine Anzahl Textilarbeiter in Kolmar im Elsaß erhoben worden. Anlaß dazu boten die Straßenvorgänge während des Streiks in der Weberei von Kiener. Bekanntlich ist damals die Polizei in sehr rigoroser Weise gegen die Streikenden vorgegangen. Bei der gerichtlichen Verhandlung, die am 11. d. M. stattfand, konnte jedoch keinem der Angeklagten die Beteiligung an einer Zusammenrottung nachgewlesen werden. Sie wurden sämtlich freigesprochen. Ueber die Dreyfus ⸗ Affaire hielt Jaures am Samstag Abend eine große Rede in dem Trianon⸗Theater in Paris. Er hält es für sicher, daß in eine Revision des Prozesses von Rennes eingetreten werden müsse. Die Enthüllungen über den Demissionsbrief des Generals Pellieux, welche Jaurés' letzter Kammerrede folgten, insb sondere die Fest⸗ stellungen Brissons hätten bewiesen, daß das Kriegsministerium 1898 diesen Brief absichtlich verheimlichte, um die Wahrheit nicht aufkom men zu lassen. Die Zeugenaussage Merciers in Rennes sei hinreichend verdächtig und die Rebision juristisch begründet. Jaures hat Vertrauen in die Loyalität des Generals André und der ganzen Regierung, daß sie den Mut besitzen die Affäre zu beenden durch Enthüllung des ganzen Verbrechens. Zweijährige Militärdienstzeit in Frankreich. Der französische Senat nahm am Freitag in zweiter Lesung mit 220 gegen 45 Stimmen den Gesetzentwurf an, durch den die Milttär⸗ dienstzeit auf zwei Jahre festgesetzt wird. Im Verlauf der Debatte erklärten mehrere Generäle, daß sie gegen den Entwurf stimmen würden, während Freyeinet für den Entwurf eintrat, der die Gleichheit des Dienstes für Alle aufstelle. Wahlen in Dänemark. Am gleichen Tage wie in Deutschland fanden auch in Dänemark die Wahlen zum Parlament (Folkething⸗ Abgeordnetenhaus) statt und auch da erzielte die Sozialdemokratie gute Erfolg. Gewählt wurden 74 von der linken Reform⸗ partei, 16 Sozialdemokraten, 12 Rechte und Freikonservasive, 11 gemäßigte Linke. Die Sozialdemokraten gewannen 6 Sitze. Dle Sozialdemokratie in Spanien. Bei den letzten Wahlen zu den Kortes hat die fozialdemokratische Partei zwar keinen Sitz errungen, aber sie drachte es auf 29 000 Stimmen. Im Jahre 1891 fielen erst 5000 Stimmen auf die sozialistischen Kandidaten, 1896 stieg die Zahl auf 14000, 1901 betrug sie 25 000, so daß bei der diesjährigen Wahl wieder ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen war. Besonzders hervorzuheben ist der starke Zuwachs i den rein ländlichen Bezirken.— Es geht überall vorwärts, wenn auch langsam! Wieder ein Kloster⸗Skandal. Ueber haarsträubende Greuel, die im Wiener Kloster der Schwestern„vom guten Hirten“ von den Nonnen verübt wurden, berichtet die Wiener Arbeiter⸗Zeltung. Dieses Kloster ist nämlich eine sogenannte„Erziehungs⸗ anstalt“ für sittlich verwahrloste zunge Mädchen. Seit siebzehn Monaten ist in diesem Kloster ein jetzt noch nicht sechzehnjähriges Mädchen, H. P., festgehalten, das auf Wunsch ihrer Eltern dem Kloster„zur Erziehung“ übergeben Zu spät wurden die Eltern des gehen, von denen jede gute Mutter ihr Kind verübt wurden, als die H. P., die wegen eines Jugendstreiches der Anstalt übergeben worden war, jemals angestellt hat. In dem Moment aber, da diese Erkenntnis den Eltern wurde, machten sie, und namentlich die Mutter, alle möglichen Bewühungen, um das Kind zu be⸗ freien. Da alle ihre Versuche scheiterten, wendete sie sich schließlich an die Arbeiter⸗Zeitung un Hilfe. Einer der Mitarbeiter des Blatt 8 begab sich nun Donnerstag mit der Mutter in das Kloster„zum guten Hirten“, um als Vertreter der Familie die Herausgabe des Kindes zu begehren. Ste wurde ihm verweigert, und zwar mit der Begründung, daß, darüber nur die „Hauskommission“ zu entscheiden habe. Das zweite Begehren, das angehaltene Kind der Mutter vorzuführen, wurde nicht abgewiesen. Das Kind erschien und wurde nun von dem Mitarbeiter in Gegenwart der Schwester Evangelist und der Mutter bei dem Sprech⸗ gitter vernommen. Das Mädchen war im Alter von vierzehn Jahren auf schlechte Wege geraten, weshalb es die Mutter zur Erziehung auf drei Jahre in das Kloster brachte. Bei seiner Vernehmung vor dem Sprechgitter erzählte das Mädchen über in dieser„frommen“ Anstalt vorgekommmenen Greuel Folgendes: 1. daß im Kloster„zum guten Hirten“ eine Art Zwangsjacke, die„Spanische“, angewendet r T ˙—— e O B F ̃ ˙Üů̃ ̃ ͤ. ‚— c * . EF r ² PX,- rr — 2 0 1 Nr. 25. Mitteldeutsche Sonuutags⸗Neitung. Seite 3. werde, in die es selbst einmal acht Stunden lang gepreßt gewesen sei. Seine Hände seien ihm dabei auf den Rücken gebunden worden. ie habe die einfachsten Verrichtungen nicht selbst vornehmen können und das Essen sei ihm entzogen worden. Außerdem hatte es die ganze Zeit über knien müssen. 2. sei es einmal von seinen Mitkorrigen⸗ dinnen mißhandelt worden; 3. sei die Korrigendin Augusta von ihren Mitkorrigendinnen so mißhandelt worden, daß sie nun im Elisabethspital liege. Sie sei mit Füßen getreten und mit einem Lavoir geschlagen worden; 4. sei sie erst von den erfahrenen Mit⸗ korrigendinnen, die früher Freimädchen waren, im Kloster verdorben worden. Was das Kind erzählte, wurde zum Teil von der anwesenden Nonne Schwester Evangelist bestätigt, zum Teil aber in einer Form bestritten, daß der tiefe Eindruck nicht verwischt werden konnte, den die Angaben des Kindes machten. Alle Angaben des verführten Kindes, die den Eindruck vollkommener Glaubwürdigkeit machten, gab der Redakteur der Arbeiter-Zeitung dem Referenten des Landesausschusses, Herrn Landes⸗ sekretär Dr. Hueber, zu Protokoll und knüpfte daran die Bitte, daß das Mädchen H. P. so⸗ fort entlassen werde. Der Beamte erklärte den Landesausschuß für inkompetent, da die Ver⸗ fügung von der Statthalterei getroffen worden sei, und begab sich in der Folge mit dem Redakteur zum Statthaltereirat Grafen Lippe, der der Delegierte der Statthalterei in der „Hauskommission“ ist. Dieser Beamte nahm das Protokoll zur Kenntnis und erklärte, daß die Hauskommission mit größter Beschleunigung den Fall prüfen und die Freilassung des Mädchens erwirken werde. Königsmörder im Osfiziersrock. Ueber die scheußliche Schlächterei in Belgrad liegen jetzt Berichte vor, die an⸗ scheinend von den Mördern selbst stammen. Das Wiener„Fremdenblatt“ brachte folgende Darstellung: Die Verschworenen warteten bis 1 Uhr nachts in der Offiziers messe in Kali⸗ mafdan. Sie gingen dann in kleinen Abtei⸗ lungen vor den Konak. Als dort das Bataillon des 6. Regiments erschien, öffnete der mitver⸗ schworene amtierende Adjutant des Königs, Panajodo witsch, die Eisentür des Vorder⸗ gartens. Die Hofgendarmen verweigerten den Eintritt. Es kam zu einem Zusammenstoß, wobei geschossen wurde, auf beiden Seiten kamen Verletzungen vor. Die Hofwache wurde ent⸗ waffnet, worauf die Verschworenen, von Nau⸗ mowitsch geführt, das im Hochparterre be⸗ legene Dienstzimmer öffneten. An der Treppe des ersten Stocks versuchte Generaladjutant Petrowitsch die Verschworenen aufzuhalten, er wurde durch einen Leutuant nieder- geschossen. In diesem Augenblick ging in Folge absichtlicher Störung das elektrische Licht im ganzen Hause aus. Die dreißig Ver⸗ schworenen tappten im Dunkeln über die Stiegen zu den Privatappartements des Königs, wo sie Kerzen fanden und anzündeten, worauf die Suche begann. Die Räume wurden viel⸗ mals vergeblich durchsucht. Die Verschworenen glaubten, das Königspaar sei entflohen. In dem Verbindungsgang zwischen dem alten und neuen Palais wurde in einem Kämmerchen der Kammerdiener der Königin entdeckt, der gezwungen wurde, das Versteck zu verraten, worauf er niedergeschossen wurde. Naumowits ch und Maschin(der Schwager der Königin, Bruder ihres ersten Gatten) übernahmen die Führung; sie versperrten die Tür des alten Palais, die den Axthieben widerstand. Die Verschworenen benutzten Dynamit, wobei Naumowitsch und Kapitän Miljkowitsch getötet wurden. Waschin entdeckte endlich in der Maueröffnung einen kleinen Knopf, der das Versteck des Königs öffnete. Mischitsch rief dem König zu:„Erkläre Deine Resignation! Der König erwiderte:„Wir kommen nur auf Ehrenwort, daß uns nichts geschieht.“ Mehrere riefen:„Vorwärts, mit Dir wird nicht verhandelt.“ Der König weigerte sich, von der bebenden Draga zu weichen. Er wurde in die Mitte des Gemaches gezerrt. Da er auf den Zuruf!„Danke ab!“ nichts erwiderte, traten die Kapitäne Anjelkowitsch, Lazarewitsch, Dimitrjewitsch, Radjwojewitsch und Toipkowitsch vor und gaben die ersten Schüsse ab. Die Anderen feuerten nach. Alexander wurde von Kugeln för mlich durchlöchert und sank tot zu Boden. Hierauf wurde die vor Schreck halbtote Draga ergriffen und dicht an der Maueröffnung von einer Salve Revolverschüssen niedergestreckt. Ein Gewährsmann des Korrespondenten versichert, es sei unwahr, daß die Leichen durch ein Fenster in den Park geworfen wurden. Es wurde wohl der Antrag gestellt, doch Mischitsch erklärte, es wäre eine Rohheit. Er ließ die Leichen in Leinentücher hüllen und nach dem neuen Konak bringen. Wie die ärztliche Obduktion ergab, ist der König von 27 Revolverkugeln durchbohrt, Draga hatte fünf Schüsse und mehrere Dolchstiche, außerdem soll ihr Körper nach weiteren Berichten fürchterlich zerfetzt gewesen sein. Der Unterleib sei aufgeschlitzt gewesen, eine Brust abgeschnitten. Bezeichnender Weise findet man in der deutschen bürgerlichen Presse ebenfalls wenig Tadel für die Anarchisten im vornehmsten Rock ausgesprochen. Mit kühler Ruhe wurden die Nachrichten über das Blutbad in Belgrad erzählt. Und doch war Alexander auch ein „Gesalbter“. Als König Umberto von einem Halbverrückten erschossen wurde, als die öster⸗ reichische Kaiserin Elisabeth von einem geistig nicht normalen Menschen erdolcht wurde, ja als Selma Schnapke ein Küchenbeil und Schlosser Weyland eine Schienenlasche gegen Wilhelm II. warf, da gab es ein fürchterliches Geheul über die schrecklichen Taten der„Umstürzler“, und die Scharfmacherpresse schrie nach Ausnahme⸗ gesetzen gegen die Sozialdemokratie, die doch wahrlich mit all diesen Dingen nicht das Geringste zu tun hatte. Aber das Gemetzel in Belgrad wird mit Seelenruhe verzeichnet und irgend ein Vorwurf gegen die Mörder nicht erhoben. Wie kommt das? Nun, in Belgrad haben Offiziere, Angehörige des ersten Standes, Träger des vornehmsten Rocks und wie sie sonst noch genannt werden, mit der Bestialität von Schinderknechten ihren An⸗ gestammten, dessen Frau und eine Reihe anderer Personen umgebracht. Nicht die Tat, sondern die Täter resp. der Stand der Täter kommen für die Beurteilung in Betracht. Zum neuen König von Serbien hat die Skuptschina, die serbische Volksvertretung, nunmehr den Peter Karageorgewitsch proklamiert. Dieser befand sich bisher in Genf. Er ist ein Verwandter des montenegrinischen Fürstenhauses. Ueber seinen Aufenthalt an der Universität Zürich in den 80er Jahren berichten bürgerliche Blätter, daß er damals ein eifriger Besucher der sozialistischen Partei⸗ versammlungen gewesen sei, wo er vielfach unter dem Namen„Der rote Peter“ bekannt war. Damals existierte noch eine kleinere Verbindung sozialistischer Parteiführer unter dem Namen„Mohrenklub“. Neben hervor⸗ ragenden Schweizer Genossen waren auch die heute noch lebenden deutschen Führer v. Vollmar, Richard Fischer und Kautsky Mitglieder und in den Sitzungen dieses Klubs war Karg⸗ georgewitsch ein häufiger Gast.— Das ist, wie der„Vorwärts“ mitteilt, ein Märchen. Wohl habe ein Serbe damals in den Kreisen unserer Genossen verkehrt, der aber auf den in Serbien sehr gebräuchlichen Namen Reodoro⸗ witsch gehört habe. Die regierenden Häupter Europas brauchten also den neuen Vetter nicht wegen sozialdemokratischer Gesinnung in Verruf zu erklären. 12 Wenn Peter Karageorgewitsch wirklich mit Sozialdemokraten verkehrt und von ihnen etwas gelernt hätte, würde er mit den militärischen Mordbanden von Belgrad nichts zu tun haben und aus ihren Händen sicher keine Krone an⸗ nehmen wollen. Man mag über Alexander und seine Draga denken, wie man will, für die bestialischen Schlächtereien giebt es keinen Schein von Entschuldigung. Die„poluische Notwendigkeit“ bedingte ihre Entfernung aus Serbien, aber gewiß nicht den Mord. Die Gesellschaft, die sich stark genug wußte, den Konak zu überfallen, wäre auch stark genng gewesen, ohne Blutvergießen die Absetzung des Königs durchzuführen. 5 Genossen! Freunde! Auf zur Stichwahl! Agitiert unermüdlich, damit die Sache des Volkes zum Siege gelange! — Pon Nah und Fern. Heran zur Arbeit! Parteifreunde, Arbeiter! Nachdem bei der Hauptwahl eine endgültige Entscheidung nicht gefallen ist, müssen wir uns nochmals mit ganzer Kraft in die Agitation für die Stichwahl stürzen. Bis zum Stichwahltage haben wir nur eine ganz kurze Spanne Zeit zur Verfügung, die nach besten Kräften ausgenutzt werden muß. Tretet des⸗ halb alle zur Arbeit an! Zunächst findet diesen Sonntag eine Flugblatt⸗ Verbreitung statt, zu der alle Genossen antreten müssen. Stelle sich jeder zur Verfügung. Je mehr Leute, in desto weniger Zeit ist die Arbeit erledigt. Wir müssen alle unser Möglichstes tun, um den Sieg an unsere Fahne zu heften. Nehmen wir uns ein Beispiel an den sächsischen und Berliner Genossen! Ebenso werden am Stichwahltage viel Leute gebraucht. Wer irgend es ermöglichen kann, lasse die Arbeit wenigstens für den Nach⸗ mittag ruhen und helfe mit bei der Wahl⸗ arbeit! Es ist ja nur alle fünf Jahre einmal Wahl! Wir müssen arbeiten, arbeiten bis zur Erschöpfung. Nehmen wir uns ein Beispiel an unserm alten Bebel, der seit Wochen un⸗ ausgesetzt auf Agitation sich befindet, der trotz seiner 64 Jahre neulich in Meerane drei Ver⸗ sammlungen an einem Abend abhielt. Tretet deshalb in großer Zahl an, Parteifreunde! Es gilt mitzuhelfen, damit endlich einmal bessere, menschenwürdigere Zustände herbei⸗ geführt werden. Friede, Freiheit und Wohl⸗ fahrt für alle Menschen ist unser Kampfesziel! Die Reichstagswah' im Kreise Gießen⸗Grünberg-Nidda. Die Reichstagswahl hat auch im Kreise Gießen, wie fast überall, ein Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen gezeigt. Gegen 1898 hat unsere Partei über 1500 Stimmen gewonnen, ein Ergebnis, mit dem wir zufrieden sein können, wenn auch mancher unserer Genossen eine größere Zunahme erwartet hatte. Aber auch unsere beiden Gegner haben eine Zunahme ihrer Stimmen zu verzeichnen und zwar ge⸗ wannen die Liberalen 1200, die Autisemiten 300. Das vollständige Resultat ist: Krumm 6034, Heyligenstaedt 5352, Köhler 5022 Stimmen. Zum ersten Male seit 10 Jahren ist der Antisemit aus der Stichwahl gedrängt. Folgende Zusammenstellung zeigt, in welcher Weise sich die Parteiverhältnisse im 1. hessischen Wahlkreis entwickelt haben: Natlib. Freisiun. Autis. Sozdem. 1884: 8648 6843— 497 1887 10918 7941— 387 1890: 4363 5905 4566 1732 1893: 4300 1883 5606 2352 1896: 2447 2192 4177 3371 1898: 4174 4703 4577 1903: 5355 5087 6034 In den früheren Wahljahren hatten wir Stimmen: 1881: 256; 1878: 381; 1877: 1431; 1874: 151 und bei der ersten Reichs⸗ tagswahl im Jahre 1871 wurde für die Sozialdemokratie nicht eine einzige Stimme abgegeben. Berücksichtigen muß man hierbei, daß bei den Wahlen von 187887 unsere ganze Agitation unter den Einfluß des Sozia⸗ listengesetzes stand. * 2 222 5 Seite 4. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Nr. N 25. Die Ergebnisse an den einzelnen Orten des Kreifes sind für uns fast durchweg günstiger als bei der letzten Wahl. Wir verweisen auf die Tabelle auf der 8. Seite. In Gießen beträgt unsere Zunahme ca. 300 Stimmen, die Liberalen gewannen dagegen 500. Eine große Anzahl Wähler sind nicht an die Urne gegangen, diese gehören zweifellos zum größten Teile der Arbeiterschaft an; es muß alles getan werden, um die Säumigen zur Wahl heran zu ziehen!— Aehnlich liegt es auch in Heuchelheim, wo wir fast keinen Stimmen⸗ gewinn zu verzeichnen haben. Lollar weist einen ganz leidlichen Fortschritt auf, doch sind hier sicher auch noch Reserven vorhanden. Wenig Gewinn oder gar keinen brachte uns ferner Grünberg, Lich, Ortenberg. Das ist sehr erklärlich, denn in diesen Orten ist das Beamten- und Philistertum vorherrschend. — Wieseck hielt sich recht gut, auch in Klein⸗ linden, Großenlinden, Leihgeistern und— in der antisemitischen Hochburg Lang⸗ göns haben wir erfreulichen Zuwachs. Den besten aber in Staufenberg, Reiskirchen, Rüddingshausen und einer Anzahl kleinerer Orte.— Nun Genossen, überall fleißig agitirt! Bei nachhaltiger Arbeit muß uns der Sieg zufallen! Gießener Angelegenheiten. — Die Nationalliberalen in frei⸗ sinniger Beleuchtung. Wie weit der heutige„Freisinn“ in Gießen heruntergekommen ist, indem er sich mit den nationalliberalen Reaktionären verbündete, zeigt am besten die Art, wie die Freisinnigen früher die national⸗ liberale Partei beurteilten. In einem im „Gieß. Anz.“ veröffentlichten Wahlaufrufe der reisinnigen, vom 19. Februar 1890, heißt es wörtlich: „Das Deutsche Reich und die Grundlagen des Staatswesens sind solange in Gefahr, solange die nationalliberale Partei im Parlament existiert! Die National⸗ liberalen haben gegen ihr feierliches Versprechen, an der Verfassung nicht zu rütteln, die Legislaturperiode von 3 auf 5 Jahre verlängert! Die national⸗ liberale Partei wird schon lange von al len Parteien als die Partei der„Grundsatz⸗ losigkeit und Gesinnungslosigkeit“ bezeichnet. Die nationalliberalen Parteiführer Gießens haben in dem heute zu Ende gehenden Wahlkampf durch Schimpfen, Lügen und Verleumdungen ihre Fahne so besudelt, daß di selbe nicht noch mehr beschmutzt werden kann!“ In diesen Sätzen liegt zugleich eine Ver⸗ urteilung des heutigen Freisinns, der mit unter der besudelten Fahne kämpft, wie sie schärfer nicht gedacht werden kann. Wer sich wirklich freiheitliche Grundsätze bewahrt hat, der stimmt nicht für den Drehscheibenmann, sondern für den Sozialdemokraten, der niemals ein Titelchen der Voksrechte und Volksfreiheiten preisgeben wird. — Ueber die Kampfesweise der Sozialdemokraten heulmeierte jüngst der „Gieß. Anz.“, der dabei seinen Lesern vor⸗ schwindelte, daß unsere Genossen nur die geg⸗ nerischen Versammlungen zu stören beabsichtigten. Diesen törichten Verdächtigungen sei entgegen⸗ gestellt, wie der Bündler Dr. Hahn über die sozialdemokratischen Redner urteilt. Dieser antwortete kürzlich in Lehe auf eine Anfrage: „Ich muß mit Vergnügen konstatieren, daß das Verhalten der Sozialdemokraten in meinen Versamm⸗ lungen ein geradezu musterhaftes war. Es steckt in diesen Leuten eine Disziplin, um die ich sie beneide. In meinen Anhängern steckt leider eine solche Disziplin noch lange nicht. Weiter muß ich konstatieren, daß die sozialdemokratischen Redner, die mir entgegengetreten sind, mit einer Ruhe, Sachlichkeit und Schlagfertigkeit diskutiert haben, die meine volle Bewunderung findet. Auch er⸗ kläre ich, daß die Ausführungen der sozialdemokratischen Redner auf einer ganz andern geistigen Höhe standen, als die Ausführungen liberaler Redner, die weiter nichts zu tun wissen, als sich in persönlichen Angriffen zu ergehen.“ Dr. Hahn ist doch gewiß kein Freund der Sozialdemokratie, das hat ihn aber nicht abge— halten, uns Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er unterscheidet sich dadurch sehr vorteilhaft von den Soldschreibern im Gießener Amts⸗ blatte, die neulich unsere Partei in so gemeiner Weise verdächtigten. —„Arbeiter.“ Der Gießener„evan⸗ gelische Arbeiter⸗Verein“ fordert⸗ vor der Hauptwahl seine Mitglieder auf, für den Millionär Heyligenstädt, der als National⸗ liberaler natürlich für Knebelgesetze cegen die Arbeiter zu haben ist, zu stimmen. Die alte Geschichte von den Kälbern, die ihre Metzger selber wählen. Ob übrigens dem Vorstand des Vereins nur ein einziger Arbeiter angehört? * Ueber die Lohnverhältnisse in dem Lollarer Buderus'schen Eisen⸗ werk sind uns in der letzten Zeit viele Klagen zugegangen. Vor Kurzem berichtete uns ein Arbeiter, daß er in acht Arbeitstagen den Riesenlohn von 14 Mark erzielt habe! Daß es da den Arbeitern schwer wird,„zufrieden“ zu sein, kann man sich denken. Da hatten es die Kommerzien⸗ und Gerichtsräte in den liberalen Versammlungeu allerdings nötig, Zu⸗ friedenheit als die größte Tugend für den Arbeiter natürlich— hinzustellen. Wer mit solchen Löhnen den Lebensunterhalt einer Familie bestreiten soll, muß von dieser Tugend schon eine gehörige Portion besitzen. Aus dem Rreise Friedberg⸗Püdingen. * Glänzender Erfolg der Sozialdemo⸗ kratie ist das Wahlergebnis im Friedberger Kreise. Unser Genosse Busold erhielt 6329 Stimmen und kommt mit den Grafen Oriola in Stichwahl. Aus dem Rreise Alsfesd-Cauterbach. Das Wahlresultat im Kreise Alsfeld⸗ Lauterbach ist Stichwahl zwischen dem bisherigen Abg. Bindewald(Antis.) und dem liberalen Kreisrat Wallau. Letzterer erhielt 5623, Bindewald 5 406, unser Genosse Michels 1132 und der Zentrumsmann 495 Stimmen. Unsere Stimmenzahl weist seit der letzten Wahl eine, trotz der geringen Agitation, die unsererseits entfaltet werden konnte, recht erfreuliche Steigerung auf. 1898 wurden nur 809 sozialdemokra⸗ tische Stimmen abgegeben.— Selbstverständlich wäre, wie gesagt, für uns ein noch bedeutend günstigeres Resultat zu erreichen gewesen, wenn eine systematische und nachhaltige Agitation hätte betrieben werden können. Leider fehlten uns die rednerischen Kräfte. Aber in iesem Kreise sind unsere Aussichten für die Zukunft gar nicht ungünstig; bei gründlicher Bearbeitung wird's uns möglich sein, die bürgerlichen Parteien aus dem Felde zu schlagen, wenn auch deren Stimmenzahl bei der diesmaligen Wahl einiges Wachstum aufweist. — Unsere Stellung für die Stichwahl ist gegeben, sie kann nicht anders sein als: Wahlenthaltung. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Zur Flugblattverteilung im Gießener Kreise, wollen sich für nächsten Sonntag die Genossen unseres Kreises, soviel immer können, zur Verfügung stellen. Meldungen in der Wirtschaft Orbig am Sams⸗ tag Abend oder spätestens am Sonntag Morgen, dann aber recht frühzeitig. s. Wahlbetrachtungen aus dem Wahlkreise Wetzlar⸗ Altenkirchen. Das Resultat steht fest, der Nationalliberale Krämer kommt mit dem Zentrumsmann Breidebach in die Stichwahl. Aller Vor⸗ aussicht nach wird auch Krämer gewählt. Die Stimmen für unseren alten Bebel sind um fast 25 Prozent, die der gesamten bürger⸗ lichen Parteien nur um knapp 10 Prozent gestiegen; ein Beweis dafür, daß der sozialistische Gedanke auch hier dauernd die Köpfe erfaßt, trotz aller Widerstände.— Noch niemals ist in einem Wahlkampf mit Saalabtreibungen, Verweigerung von Annoncen-Aufnahmen und Versammlungsanzeigen in den„unparteiischen“ Zeitungen, mit Lügen, infamen Verleumdungen und Fälschungen in Flugblättern und Ver⸗ sammlungen von Seiten der Gegner gegen die Sozialdemokratie so gearbeitet worden, als in diesem Wahlkampf. Jene Partei, die am meisten gelogen und verleumdet hat, die Kampfmittel schriftlich und mündlich gebrauchte, die jeder anständige Mensch verschmäht, die antisemitische nämlich, hat die richtige Antwort erhalten. Noch zwei Stunden vor Festsiellung des Wahlresultats hat Thomas Reuther, der berühmte Antisemiten⸗Agitator, jubelnd die Gewißheit ausgesprochen, daß„seine Partei in die Stichwahl kommt und— siegen wird!“ Und nun 2 Nach 2 jähriger Arbeit, die dem An tisemiten⸗Bund— oder einem anderen Bund? — ein Heidengeld gekostet und teutsche Mannes⸗ lungen verbraucht hat— ein Durchfall für Reuther und Giese zum ohnmächtig werden! Dahin, dahin! Es erscheint als sicher, daß Krämer in der Stichwahl siegen wird. Nicht eine Stimme darf das Zentrum von unseren Ge⸗ nossen kriegen! Von allen Parteien unseres Wahlkreises ist keine so ge⸗ fährlichals das Kultur⸗und Arbeiter⸗ feindliche Zentrum! Sollten unsere Ge⸗ nossen sich überhaupt an der Stichwahl beteiligen, empfiehlt es sich leere Stimmzettel als Protest abzugeben. Der Wahlausfall zeigt nur, daß der Gedanke des Sozialismus auch hier stetig zu wachsen beginnt,— aber das Resultat dieser Wahl mit einem Zuwachs von 25 Prozent zeigt uns, wieviel wir noch zu tun haben. Die nächsten 5 Jahre von heute an, müssen zum Ausbau einer Parte ⸗Organisation ausgenutzt werden, die bei der uächsten Wahl tadellos funktioniert. h.„Versammlungsfreiheit“. Nicht genug, daß uns im Wetzlarer Kreise alle Ver⸗ sammlungslokale abgetrieben wurden, auch Versammlungen im Freien wurden uns un⸗ möglich gemacht. Auf Anmeldung einer Ver⸗ samulung im Freien in Burgsolms erhielt der Einberufer folgendes Schreiben: Braunfels, den 12. Juni 1903. Die für Burgsolms auf den 14. ds. Mts. angesetzte Volksversammlung, die unter freiem Himmel stattfinden soll, darf nach§ 9 des Vereinsgesetzes ohne polizeiliche Geneh⸗ migung nicht abgehalten werden. Die Ge⸗ nehmigung wird versagt, weil aus der Ab⸗ haltung der Versammlung Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu be⸗ fürchten ist. Der Dunsch'sche Garten, der als Versammlungsplatz angegeben ist, grenzt an die Ortsstraße, auf der sich, da der Platz beschränkt ist, die Menschen stauen, so daß der öffentliche Verkehr gehindert ist. Außer⸗ dem ist durch die vielen Wahlversammlungen, die in letzter Zeit in Burgsolms und Um⸗ gegend abgehalten worden sind, die Stim⸗ mung so erregt, daß Schlägereien zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien und Tumulte zu befürchten sind. Der Bürgermeister: Weber. Bei aller Fürsorglichkeit, die die Behörde für die Ruhe der Wähler an den Tag legt, muß die Arbeiterschaft das Verbot als eine Beeinträchtigung ihrer ohnehin kümmerlichen Rechte empfinden. Die Wahl hat aber gezeigt, daß solche Mittelchen den Fortschritt unserer Sache nicht aufhalten. t. Aus dem Wahlkreise Dillenburg-Her⸗ born. Die Würfel sind vorläufig gefallen und wir können stolz auf das von uns erzielte Resultat sein, unser Kandidat August Bebel erhielt 1295 Stimmen gegen 841 im Jahr 1898. Der Apotheker Dr. Burk⸗ hardt kommt mit Amtsgerichtsrat Hoffmann(natl.) in Stichwahl. Die Nationalliberalen sind, wenn sie unterliegen, selbst schuld, sie waren zu wenig rührig, hatten auch in ihrem Agitator einen nicht glücklichen Griff getan, was sie ja auch in verschiedenen Versamm⸗ lungen, wo es„raus mit dem Schulmeister“ hien, hören mußten. Dagegen hatte der teure Gottesmann Burk⸗ hardt das ganze Heer der Mucker auf seiner Seite zu der Wühlarbeit und Verhetzung der Arbeiter. Es war keine christliche Kampfesweise, die der„christliche“ Kandidat beliebte und die Arbeiter des Dillkreises find zu bedauern, daß sie auf die Leimruten der Pharlsäer gekrochen sind.— Die sogenannten Gläubigen sind mit Blindheit geschlagen, sonst hätten sie den Wolf in Schafskleidern erkannt.— In den letzten Tagen war die Bewegung sehr lebendig. Mucker aus allen Kreisen durchstreiften die Ortschaften und fingen die armen Schäflein unter dem Deckmantel der Frömmigkeit für das neue christlich soziale Pabsttum ein, in dem Stöcker als Pabst tronen, herrschen und— schwören wird. Unser Genosse Trott⸗Haiger trat leider erst in den letzten Tagen den christlich⸗sozialen Bauernfängeru ent⸗ gegen. In Frohnhausen(Dill) lernte derselbe so recht die christlich⸗sozlale Kampfesweise kennen; Burkhardt fühlte sich dort so recht sicher, pöbelte alle Parteien und besonders unsere an und ließ alle gegnerischen Redner ie er 1 Nr. 25. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung Seite 3. austrampeln. Unser Genosse wurde sogar tätlich bedroht und am Sprechen verhindert, man hatte sogar Arbeiter hinter ihm postiert, die ihn rauswerfen sollten. Er erklärte mit dem nationalliberalen Redner, daß er sich für viel zu gut hielte, vor solcher Rotte Korah zu sprechen.— In Donsbach wollte der nationalliberale Retter am Freitag abend reden, weil aber der böse Sr zialdemokrat von Haiger da war, der immer vom Invalidengesetz spricht, hielt man die Versammlung nicht ab. Unser Genosse gab dann den anwesenden Wählern noch Winke für die Wahl, die nach dem Resultat auf fruchtbaren Boden gefallen sind.— Am Samstag abend sprach Burkhardt in Herbornseelbach— anständig, weil er wußte, er war unter Sszial⸗ demokraten. In der Diskusston nahm der Fabrikant Döring ⸗Sinn ein Selbstlob seiner Arbeiterfreundlichkeit vor, fand aber keinen Anklang; dann sprach Lehrer Weider⸗ Dillenburg und brandmarkte Burkhardt als „Verleumder“, aber mit einer Italiener⸗Rettung klappte es nicht, er wurde ausgejohlt. Alsdann sprach Genosse Trott und beleuchtete scharf B. Doppelzüngig⸗ keit, widerlegte seine Verdächtigungen und riß Burkhardt, gestützt auf Tatsachen, den Mantel der Arbeiterfreund⸗ lichkeit ab. Daß seine Ausführungen richtig und för⸗ dernd waren, hat der Wahltag iu Herbornseelbach gezeigt, ein halbes Hundert weitere Genossen haben wir dort erhalten. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. R. Zur Stichwahl! Diesen Sams- tag, den 20. Junt, findet eine sozialdemo⸗ kratische Parteiversammlung im Lokale des Herrn D. Jesberg statt, in welcher über unsere Stellung zur Stichwahl beschlossen werden soll. Die Parteigenossen werden ersucht, voll⸗ zählig zu erscheinen. — Wahlergebnis im Kreise Marburg ⸗ Kirchhain. Bei der diesmaligen Reichstags⸗ wahl erhielten in unserem Wahlkreise die auf⸗ gestellten Kandidaten folgende Stimmenzahlen: Pappenheim(Kons.) 4917, Gerlach (Nat. ⸗soz.) 3605, Zimmermann(Antis.) 2385, Baum(Zentr.) 1892, Bader(soziald.) 1469. Zersplittert waren 29. Es ist somit Stichwahl zwischen dem Konservativen v. Pappenheim und dem Nattonalsozialen v. Gerlach not⸗ wendig.— Im Jahre 1898 erhielten: Bader (Hess. Volksp.) 1556, Böckel(Antis.) 2866, b. Battenwerffer(Kons.) 2370, v. Gerlach 1841 Müller(Zentr.) 1905, Liebknecht 495.— Be⸗ zeichnend ist, daß auch hier in Marburg, das seit Jahrzehnten als antisemitische Hochburg galt, der Antisemit aus der Stichwahl gedrängt wurde, die gänzliche Vernichtung des Anti⸗ semitismus wurde hier vollendet.— Wie sich unsere Genossen zur Stichwahl stellen werden, darüber werden sie in der Parteiversammlung am Samstag beschließen. Aber selbst wenn unsere Genossen, was wohl anzunehmen ist, beschließen für Gerlach einzutreten, ist die Wahl desselben mehr als fraglich,— Hoch er⸗ freulich ist die starke Zunahme der sozialdemo⸗ kratischen Stimmen, die von 495 auf 1469 an⸗ gewachsen sind, sich also verdreifacht haben. Damit können die Marburger Genossen schon zufrieden sein, sie sind bei dem allgemeinen Vormarsch nicht zurückgeblieben. Kleine Mitteilungen. „ Die Weißmühle bei Großen⸗Buseck ist am Sonntag früh total abgebrannt. Das Feuer griff so schnell um sich, daß die Bewohner sich nur mit Mühe retten konnten. Der ca. 25 000 Mk. betragende Schaden ist zum größen Teile durch Versicherung gedeckt. ** Schlimmer Erzieher. Der Lehrer Josef an der höheren Mädchenschule in Wörstadt hatte sich vor der Mainzer Strafkammer zu verantworten, weil er sich an mehreren seiner Schülerinnen uns ittlich ver⸗ gangen hatte. Der Staatsanwalt beantragte 6 Jahre Zuchthaus. Die Strafkammer erkannte auf 2½ Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. r Zum Tode verurteilt wurde von dem Schwurgericht in Mainz der Raubmörder Detrois, der im Frühjahr seine Tante in Sponsh eim bei Bingen ermordete. ß—ä— An die Wähl Gießen⸗Grü Die Wahl vom 16. Juni hat zu einer entgültigen Entscheidung nich Kommerzienrat Beyligenstädt und uns „ Wänler! zwischen dem nationalliberalen stattzufinden. Alandwerker! Arbeiter! lastung droht dem Volke. indirekten Steuern aufgehalst werden sollen. Für Die Nulionulliberulen sind (Beweis: Der Wahlrechtsraub in Sachsen), Chikanen die Wahlreform verhindert; erklär abhängig ist, gebührt kein Wahlrecht! sie sind von jeher die offenen und geheimen Freunde von wesen, wie sie überhaupt die unduldsamste Volkes gewesen, und wenn sie, immer erst so gestaltet, daß man von„Arbeiterschutz“ tritt ein für: Mehr Soldaten, neue Schiffe, neue, indirekte Steuern, Verfolgung und Chikanierung jed Arbeiter und Handwerker durch einen Zolltarif, d die nicht der ganzen Aation, Der Wahlruf aller minderbemittelten Wähler muß aber sein: Brotverteuerung, der Arbeiterknebelung. Wer Freiheit und Stadtverordneter in Gießen. atischen Stimmzettel f f Das sozialdemokratische Wahlkomitee. der Schulden, für Handelsverträge, kommen, usw. usw. samten Volkes erstrebt, der wähle Edluard krumm, Auf zur Stichwahl! Geht alle zur Urne und gebt den sozialdemokr Neue Heeresvermehrungen sind angekündigt, deren er des Wahlkreises nberg Nidda! t geführt, vielmehr hat eine St ieh wahl erem Kandidaten Edu ard Rrumm Buuern! Viel steht bei der diesmaligen Wahl auf dem Spiele. Neue, schwere Be⸗ Gegnern ebenso stimmten Ausnahme-, Partei in Deutschland sind. um Arbeiterstimmen zu fangen, für Arbeiterschutz⸗Gesetze nur ironisch sprechen konnte.— sie gegen Neueinteilung der Wahlkreise. te doch der nationalliberale Abgeordnete Jöckel: Die Liberalen siud Gegner Knebel⸗, Zuchthaus⸗ und Umsturzgesetzen ge⸗ Die Liberalen sind niemals Vertreter des arbeitenden er unbequemen Meinung, e 5 u er nur 5 Prozent der Bevölkerung nützt, nämlich den Millionären, sondern nur den Lyndikaten und Börsen-Millionären zu gute Nieder mit der Partei des Volksverrats, der Gerechtigkeit liebt, wer mit uns die Wohlfahrt des ge⸗ Kosten den Minderbemittelten wieder in Form von solche Volksbelastungen treten die Liberalen ein. ges Reichstugs- WNWausilrechis. In Hessen haben sie mit allen Dem Mann, der irgendwie des Houlilionsrechlis, stimmten, dann haben sie dieselben vorher Wer einen Nationalliberalen wählt, der neue Liebes gaben an Zunker und Großindustrie, Vermehrung Berschlechterung der Lage der Bauern, ab! l 27 0%%%%% iw. Feuerwehr Heuchelheim. Marb 1 2 Turnverein Wiseck. 8 8 555 Aarburg! 4 2 2 Sountag, den 21. Juni 1903 4 68 1 8 N Feier des 25: jährigen Samstag, 20. Juni, 5 Feier des 8 2 abends 9 Uhr: 1* N Stiftungs- Festes. Gulet? Al. Sfiftungstfostes: Programm: 10— 11 Uhr Empfang der ausw. Wehren. P* 52 5 8 11—12 Uhr Uebung mit eb 1½ Uhr Auf⸗ artel 8 am 20., 21. und 22. Juni 1903.* e e, Versammlung? a e een, 8 turn. Aufführungen, Tanz. Abends großes Feuerwerk. bei Dauiel Jes berg, 9 Der Vorstand. 3 Montag, 22. Junl: Großes Volksfest. Wehrdgerweg 2. 2 Bezugnehmend auf obiges beehre ich mich, meine Morgens 9 Uhr: Konzert auf dem Festplatz. 2 Uhr: 8 Tages⸗Ordnung: 8 Wirtschaft in empfehlende Erinnerung zu bringen. 2 Festzug und später Tanz. 1. Stellungnahme zur Stich⸗ 5 1 Frisch geschlachtet. 8 Es ladet freundlichst ein der Festwirk Aug, Rinn. e 1 Aa rte Für gute Speisen und Geträrke wird bestens gesorgt. Der Festplas ist gegen jede Witterung geschüst. 835 Der Berlrauensmann 8 Karl Kreiling IV., Festwirt. 2 Eintritt frei! eee 5 2.—.——. 55 8 8 N 5 Sees Voraussichtich erscheint am Mitwoch eit 8 2 5 1 . 4 4 3 1 6 3 Seite 6. Mitteldeuische Sonutags⸗Zeitung. Nr. 25. 15 8 7 „AUnterhaltungs-Ceil. ———ů—ůů E Auch ein Bild aus dem Rechtsstaate. Eine Irrenhausgeschichte. 5(Fortsetzung.) Dann wurde ich nach dem düsteren, alten Magazin gleicher Erde gebracht, ausgezogen uud in die Zelle gesperrt. Auch hier fügte ich mich ohne Widerstand. Am Abend kam ich oben hinauf. Später zu einem epileptischen Pflegling in eine Doppelzelle. manche schrecliche Nacht durchmachen müssen. Derselbe bekam oft 12 und mehr mal in einer Nacht Krämpfe, und jedesmal mußte ich auf, ihn im Bette festzuhalten, bis ich ihn dann auf den Boden gleiten und liegen ließ. Manchmal war er nach den Anfällen aufgeregt und es war lebensgefährlich bei ihm zu sein. Meinem Nachfolger(ein ordentlicher Mensch) passierte es, daß er nach seines epileptischen Zellengenossen Anfällen einschlief, und wurde plötzlich von Letzterem an der Kehle gewürgt und mußte er mit ihm ringen.— Nach etlichen meiner Beschwerden brachte man ihn bei Beginn der Anfälle nach unten in eine Einzelzelle, auf eine Matraze.— Nach 2 Monaten wurde ich in den Haupt⸗Ostbau verlegt. Da war man tags⸗ über in einem großen Saal, wo über 100 Menschen zusammen waren. Während der Winterszeit, wo Alle im Saal blieben, war der Aufenthalt dort fast unerträglich. Das Getöse der Zänker, Gewohnheitsschwätzer, der Schimpfenden, war scheußlich. Hier hauten sich zwei Pfleglinge, dort wurde einer vom Wärter geprügelt, und dann wurde wieder vollständige Stille erzwungen, daß man sich nicht vom Platz bewegen durfte. Vielfach habe ich mir da die Zeit mit Zeitungs⸗ und Bücherlesen vertrieben. — In Folge eines Fluchtversuchs im März 1894 kam ich 8 Tage lang wieder in die düstere Magazinzelle, wo sich nebenan die epileptischen Kranken in ihren Anfällen und Tobende, mit widerlichen Gesprächen und viehischen Brüllen befanden. Darnach wurde ich nach oben rechts verlegt, wo es etwas besser war.— Fast im ganzen Hospital mußte man sich um 7 Uhr zu Bette legen. Hier um ¼7, unten schon um 5 Uhr, im Hochsommer um ½6. Mein letzter Aufenthalt war im Lazaret, wo ich zusammen 2 Jahre zugebracht habe. Meinc Arbeiten im Hauptbau und zum Teil im Magazin und Lazaret waren Betten machen, Kehren, Scheuern, Spülen der Eßnäpfe, Roßhaare zupfen ce. Im Lazaret kam hinzu: Handstricken von Strümpfen, Binden wickeln, Strohkissen stopfen, Wäsche sortieren und Mittagessen aus der 5 Minuten entfernten Küche zum Lazaret tragen.— Im Winter kam man außer dem Essenholen gar nicht aus dem Hause und im Sommer(9395) in einen großen und mit hohen Mauern um— gebenen Garten. Im Sommer 93/94 bis Mitte August kam ich meist nur alle Sonntag zur Erholung in diesen Tollgarten, wo sich über 400 Menschen befanden, teits bezüglich ihrer Kleidung in anstößigem Zustande und betäubendes Geschrei vollführend.— Dahinein kam ich schon am ersten Tage nach meiner Ankunft. Der Direktor ging gegen 11 Uhr durch den Garten. Der Eindruck, den er mir machte, war nicht vertrauenerweckend. Ich frug ihn, warum ich hergeschafft worden sei? Er ant⸗ wortete:„Ihr Vormund hat es so bestimmt, ein Jahr dauerts, der Kopf geht nicht ab.“ Ich fand für diese Niederträchtigkeit keine Worte. — Briefe zu schreiben war mir alle 4 Wochen einer erlaubt. Mehr Briefe zu besorgen hegte er keine Lust. Wenn vom Vormunde Brief⸗ marken gesandt waren, durfte ich alle 14 Tage einen einreichen. Das war für die riesige Langweile und Sehnsucht nach Freiheit spärlich genug. Für meine Arbeiten erhielt ich im ersten halben Jahre nichts. Vom Hezbr. 93 Da habe ich — bis Juni 96 wöchentlich 2 Mal 75 Gramm Wurst; nachher alle Tage 50 Gramm Servelat⸗ wurst zum Frühstück. Was die Gesundheitspflege anbelangt, so fehlte es zunächst an einem Zahnarzte. Zähne wurden daher weder gereinigt noch plombiert, sonst hätte ich mir meine Zähne besser erhalten. Die Kost war nicht kräftig genug. Da gab es längere Zeit eine Sorte Viehkartoffel von Blinden geschält, mit Keimen und großen Fasern, zum Teil hart und faul. Gelbe Kohlrabi erhielt man/ Jahr lang wöchentlich 2 Mal. Reisbrei in Wasser gekocht, gab es bis zum Jahre 95; trockene Gemüse waren nicht be⸗ sonders schmackhaft, ebenso die Möhren, welche auch lange Zeit im Jahre aufgetischt wurden. Weiße Bohnen, Erbsen oder Linsen, welche es 2 Mal in der Woche gab, waren jedoch nicht schlecht, ebenso Mittags⸗Suppen, Fleisch und Würstchen. Es gab 4 Mal in der Woche mittags Fleisch, einmal Würstchen, was die Haupternährung ausmachte. Grüne Bohnen und frische Gemüse im Sommer waren auch gut, aber so dünn. (Fortsetzung folgt). Dr Die Klage des alten Esels. Ein Leser der„Altenb. Volksztg.“ stellt dem Blatte die nachstehende Fabel zur Verfügung, die er aus dem Georgischen, einer der südkau⸗ kasischen Sprachen, übersetzt hat. Sie ist dem alten, von den Menschen ausgebeuteten Esel in den Mund gelegt und lautet: „Man sagt, der Esel sei ein kräftiges Tier und brauche dabei doch wenig Futter. Drum eilten alle armen Schlucker herbei und hofften, ich würde ihnen schnell zu Reichtum verhelfen. Eines Tages faßte mein Herr mich beim Zügel und führte mich nach Tschiatura. Anfangs setzte mich Alles rings umher in Erstaunen. Da lag vor mir der Ort in eine schwarze Dunstwolke gehüllt, und ich dachte: Was ist das für ein verdammtes Nest! Und Alles, was ich gefürchtet hatte, geschah nun tatsächlich. Am nächsten Tage schon wurde ich gesattelt und mit Körben beladen, und unter meinem J⸗-a⸗Geschrei ging es in die Berge. Vor Angst klopfte mir das Herz. Aber als ich zurückblickte und sah, daß mein Herr mit mir ging, beruhigte mich der Gedanke, daß mein Herr mit mir untergehen würde, wenn ich sterben sollte. Und so begann ich die Felsen zu erklettern. Aber, o weh! Gleich am ersten Tage meinte ich, es wäre besser, ich läge in der Erde verscharrt! Denn Tag für Tag wurden die Körbe schwerer, während meine Kräfte immer mehr schwanden und die Wunden immer mehr schmerzten. Ich war an die Berge gewöhnt, auch mit den Lasten, die allerdings unerträglich schwer waren und mich bergabwärts ziehen wollten. Aber mein Herr hatte sich noch mehr daran gewöhnt, immer mehr und mehr in die Körbe zu tun. Ich verstand nicht, warum mein Herr meine Last täglich vergrößerte. Allein, mein Freund, ein erfahrener Esel, flüsterte mir unter⸗ wegs zu:„Er tuts, um dich besser auszubeuten.“ „Mag sein! Aber der Esel ist doch kein Riese und auch dessen Kraft geht einmal zu Ende,“ antwortete ich und seufzte dabei aus tiefster Seele.„Na, du Hundefraß, was hast du zu stöhnen?!“ ertönte da plötzlich die Stimme meines Besitzers, und er schlug mich so mit der Peitsche an die Seite, daß mir fast die Sinne schwanden. So verflossen drei Wochen. Da, eines Tages ging meine Haut„krach“ in Stücke, und das Fleisch meines Rückens war bloßgelegt. O, dachte ich, jetzt begreift vielleicht mein Herr, daß er mich nicht mehr so plagen darf. Aber welcher Mensch hätte mir Ruhe gegeben, so lange ich noch nicht ganz Haut und Knochen war! Als mein Herr endlich bemerkte, daß meine Kräfte zu Ende waren und es nicht länger mehr mit mir gehen würde, nahm er mir mitten auf dem Wege die Zügel ab, und kaltherzig rief er mir zu:„Jetzt bist du frei! Dein Wert ist längst aus dir herausgeschlagen. Du bist genug ausgenutzt. Jetzt mach, daß du fortkommst!“ Wie schlug mir das Herz! Was sollte aus mir werden, mutterseelenallein in dieser Ver⸗ lassenheit? Man hatte mein Innerstes getroffen nicht, weil es vielleicht der letzte Tag meines“ Erdenlebens war, an dem man mich freigelassen hatte! Wie viel lieber wäre ich unter der gewohnten Last tot zusammengebrochen!— Aber so: ich war unfähig, davonzulaufen, und wer weiß, ob der verdammte Wolf mich nicht. spürte, und, meine Schwäche benutzend, mich in Stücke riß! Wer weiß, ob nicht, ehe der Mor⸗ gen graute, mein Fleisch sein Fraß wurde! Der Gottlose, mein Herr, hat mir den Sattel auf dem Rücken gelassen, der wahrscheinlich auch nicht von Sammt und Seite war— ich aber hätte meinen zerfetzten Rücken der Natur zeigen und ihr zurufen mögen: Da siehst du, was die Hand der bösen Menschen mir getan! Ich rutschte auf dem Erdboden hin und her, um vielleicht etwas Gras zu erlangen; wenn aber irgendwo Gras zu finden gewesen wäre, hätte mein Herr mir nicht den Abschied gegeben, mir nicht zugerufen:„Ade, leb wohl!“ Ja, ja; es gab kein Gras, war es doch Winter— und mein Herr hatte nicht Lust, noch etwas für mich auszugeben. Wie sehnte ich mich danach, mich vor meinem Ende noch einmal satt zu fressen. Aber er verschwendete nichts mehr an mich, nicht einen Heller, trotz aller Schätze, die er mit meiner Hilfe angesammelt hatte. Um das Unglück voll zu machen, bekam ich zuletzt noch die Krätze. Und wer da im Gebirge kam und ging, alle verspotteten sie mich und riefen sich zu:„Seht da den krätzigen Esel!“ Ha, ha, ha, ha! Jawohl, ein Krätziger! Aber durch wen ein Krätziger, du gottloser Mensch? Doch nur durch dich! Hast du mich nicht unglücklich gemacht? Hast du mich nicht ausgesogen bis auf den letzten Blutstropfen? Nun schaust du von oben auf mich herab und spottest: Krätziger! Da, nimm dieses Hufeisen! Vielleicht kannst du es brauchen! Ja, du Habgieriger du! Durch dich bin ich ein so elendes Geschöpf geworden, und du wagst es, mich zu verhöhnen?“ Diese Fabel ist für Arbeiter recht nützlich zu lesen. Millionen von ihnen blüht dasselbe Schicksal wie hier dem alten Esel, der sich ge⸗ duldig und ohne zu murren ausbeuten und quälen ließ— sie werden einfach auf die Straße geworfen, wenn sie ausgebeutet sind. Ja, die gequälten und ausgebeuteten Menschen stehen an Einsicht sogar noch hinter dem Esel in der Fabel zurück, denn dieser betraute wenigstens seinen Bedrücker nicht mit der Vertretung seiner — nämlich des Esels— politischen Interessen! Wie viele Arbeiter geben aber bei den Wahlen ihren Ausbeutern die Stimme— Kälber, die ihre Metzger selber wählen! Humoristisches. Berechtigter Aerger. Kartellbrüder: In⸗ sernationales Gesindel, diese Sozialdemokraten! Fort⸗ während kriegen sie Geld aus dem Ausland für ihren Wahlfond, während wir nicht einmal aus dem Juland welches kriegen! Wenn das so weiter geht, pfeifen wir auf die Nationalität und werden auch international, damit wir wenigstens nicht hinterher alleweil die Wabl⸗ kosten selber tragen müssen! Das größte Uebel. Sie: Was? Der Pückler, der immer so für die Heiligkeit der Ehe kämpft, hat sich jetzt selber scheiden lassen? Pfui Teufel! Er: Aber Frau, so mäßige dich doch! Du kennst ja die Ursache gar nicht! Sie: So? Ist sie ihm etwa untreu ge⸗ worden? Er: Viel schlimmer als das! Knoblauch⸗ wurst soll sie gegessen haben!(Postill.) Geschichtskalender. 21. Juni. 1746: Letzte Hexenverbrennung in Deutschland(Würzburg). 22. 1899: Amtsantritt des französischen Ministe⸗ riums Waldeck⸗Rousseau. 1633: Galilei's Widerruf („Und sie bewegt sich doch.“) 23. 1902: Sozialdemokratische Gemeindewahlsiege in Elsaß. 1848: Junischlächterei in Paris. 24. 1894: Präsident Carnot ermordet. 25. 1901: Bankkrach in Leipzig. 1848: Einzug der Preußen in Karlsruhe. 26. 1899: v. Hammerstein aus dem Zuchthause entlassen. 1893: Gouverneur Altgeld begnadigt die Chikagoer Anarchisten Schwab, Fielden und Neebe. 27. 1898: Minister Berlepsch entlassen. S F A lt 150 ir l, l , rc Mitteldeutsche Sountags⸗Zeilung. Seite 7. 2 Papier-PBandlung 8 Frankfurter — N. Reiss e Giessen s grösstes ui billigstes Schuibum-enν,ü s. Diesen Monat kommen verschiedene Posten Schuhwaren für Damen, Herren und Kinder, zu außerordent⸗ lich billigen Vorzugspreisen zum Verkauf, teilweise in der Auslage ersichtlich. N Schunlager sbeiterschufe von Mk. 4.50 an 1 (asseler Schirmfabrik J Th. Budde& C0. f Seltersweg 9, nahe am Kreuzplatz. Nang e. J., Neustadt 11. gelesen, His fal ee, Buttermarkt 14. Beste Bezugsquelle für schißnE sröcke 2 * Billige Preise! Solide Ware! Schirme werden repariert und neu bezogen. re— Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11 u dTeleson 298 Eisen⸗, Stahl⸗ und Messingwaren, Werkzeuge und Bedarfsartikel für Schreiner, Zimmerleute, Küfer, Spengler, Dachdecker, Schlosser, Schmiede ꝛce.— Tür⸗, Fenster⸗ und Möbelbeschläge, Drahtgeflechte, Flechtrohr ꝛc.— Vogelkäfige, Vogelzüchterutensilien, Lager in Herden und Oefen, Haus⸗ und Küchengeräten, Wasch⸗ u. Wringmaschinen, Landwirtsch. Maschinen u. Geräten, Kehlleisten, Holzornamenten, Bett⸗ u. Tischstollen, Cement, Gyps, Chamotte.— Erntestricke, gnt. Garbenbänder, Johns Kamin⸗ Aufsätze.— Großes Sortiment in Fischerei-Utensilien. 1 Nur 7 500 Lose! Die altbeliebte und gewinnreiche Ged. otete 125 000 J. Prämien u. Gewinnen von Wird im Juni gezogen. 0 Sofortige Entscheidung durch mur * Hohe Pleischpreise! Sehr billige Seefsche! Bei den heutigen überteueren Fleischpreisen empfehle als passend besten und billigsten Ersatz für Fleisch; Hochfeine Seefische Schellsische, Cabliau, Sechecht, Seelachs ete. aus täglich frischen Zufuhren, zu den billigsten Tagespreisen. pur Abendbrot— Lachtessen riesige Auswahl von allen Sorten geräucherte und marinierte Fische. Spezial⸗Haus für feine Fischkonserven, Rollmöpse, Bismarkheringe, Sardinen, Bratheringe, Hering in Gelee, Aal in Gelee ꝛc. Jeden Tag von 4 Uhr ab: frisch gebackene Fische in feinster Zubereitung. ö Seemuscheln täglich eintreffend 100 Stück 50 Pfennig. Feinster Nürnberger Ochsenmaulsalat 2 Pfd. Dose 90 Pfg., 1 Pfd. 50 Pfg. lose gewogen p. Pfd. 50 Pfg 2 Großer Versand uach Auswärts 2 L. Bühl, Gießener Fisehbörse Maktplatz 5. Telephon Nr. 50. Kornbrod schng 5 von Kinzenbacher Mühle, 7 f vorzüglich im Geschmack, 810 Tage srisch und wohl genießbar bleibend, erhält man auf Wunsch direkt und an folgenden Stellen: Carl Seibel, Gießen, Frankf.⸗Str. Vollständige Betten als: Bettstelle Matratzen— Willi„ Ederst 2 8. 4. Vrcabef an Liens ae beckbett S 2 OO. 1 7 1 gan 2 Kissen . ebu 23 0 A. Wwe. Anna Leib Gleiberg Mk 45 OOO. einrich Kröck V. Heuchelheim 0 0 usw. Herten V. d 0 wobei für vollständige neue Ales bar One Abzug Serge Fans eech 0. eine Faun gebenen 9 0 60 Klas Dorlar Ludwig Dönges Waldgirmes Andr. Schmidt 1 Wilhelm Wolff d Gebr. Weil Neustadt 10. Beim Quarkalswechsel zum Abonnement empfohle 5 Unter ständiger Karl Kautsky * Wochenschrift der Deutschen Sozialdemokratie* Eingetragen im Reichspoftkatalog unter Nr. 5389 8 pro Qua rtal Mk. 3.25, des einzelnen Heftes 25 Pfennig. l r Zeilschrift für die Interessen der Arbeilerinnen Redigirt von 8 Klara Zetkin Eingetragen im Reichspostkatalog unter Nr. 3051 Preis p. Quart. 55 Pf. ohne Bestellgeld, der einzelnen Nummer 0 Pf. Beinrich Doll, Giessen 7[läusburg 7 Buchbinderei* Geschäftsbücher* Drucksachen Einrahmen von Bildern. S * le fabelhaft billig zu verkaufen. Mitarbeiterschaft 100 St. 5 Pf.⸗Cigarren nur M. 2,95 von A. Bebel, 3 10⁰„ 1„* 1 3,70 1 J 10⁰ 57 8 5 5 4,70 e Paul Lafargue Bei 300 Stück Frankolieferung. u. A. redigirt von] Versand gegen Nachnahme. Für Güte der Ware wird aus⸗ g Tausende Anerkennungen liegen Bruteier! 9 Millionen Cigarren drücklich garantiert. vor. Berndt& 00., Berlin ⸗Schöneberg 1783a, Ebersstraße 75. weißer Italiener, mehrjährige Tiere, sehr gute Leger, à Dtzd. 4 Mark. Verpackung frei. Rothergraben 21, 2. Etage. K 2 J. Kam inka Uhrmacher Giessen, Marktplatz 18. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ Porto u. Gewinnl. 30 Pf. ertra Bruteier! U Eine rosse Aich. J Jo, Wagner VI. Naunheie—. cocedstaler neee G. Mohr Miebergirmes d Lose-Verkaufstellen: 8 % 3 M.„ 43 W. Prima %& M. 30 M. Korn brod bei Bäckermeister L. Müller Bahnhofstraße 58. Georg Koch Uhrmacher und Optiker jetzt Bahnhofstrasse 50 empfiehlt Silberne Herren- u. Damen-Rem.-Uhren von 10 Mark an. Nickel-Remontoir-Uhren von 5 Mark an. Laufmuntel v.. 5.— an 0 Luftschlauche, 3.— an. N Fatern., Glock. ete. sehr billig. jederverk. ges. Catalog gratis. Volks Trambauer, Nürnberg. Wecker von 2.50 Mark an. Große Auswahl in Brllten und Zuleher für jedes Auge passend, Thermometer, Operngläser Spezialzucht, unt höchstpräm. Neueste Muster in Uhrketten für Herren u. Damen Alle Reparaturen schnell, gut und billig. Garantie für gute Ware, sowie sämtliche Reparaturen. Neil. Holen.—* 0 Marburg a. d. 8 995 ee eee e een Freie Turnerschaft Giessen. Die Mitglieder werden ersucht, sich an dem am Somumtag, den 21. Jin 1903 in Wieseck stattfindenden Turnfeste zahlreich zu beteiligen. Abmarsch 12 Uhr pünttlich 2 a nnd Delberwaren bom Walltor(Ecke Ost⸗ und Nordanlage). Der Vorstand. e mne Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantm. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen. 28 euer 7 2 N N Liberale. 8 ame des Ortes ern Deutsch⸗—— 5 ationall Aecen Sozial- 7 u. Freis. eformer demokraten— re 18981 ä „ Alba is e 9031893 1898 1903 1 1893 Name d Liberale 2 Allen orf 8. d. Lahn. 18981903 es Ortes Vereinigun — Allendorf a. d. Lumda„ 8 National sozialc 5 Alerts garsen V 27 37 4 1 Trei u. Freif. Reformer So 2. 155 F 8 41 57 155 42 37 755 1 11 1 7 a. d. Lda. 1898 1005 e 9 nero 8 8 9. 8 8 2 8. 13 158 27 31 5 0 7 l 8. 8 1893 1 55 j N* 16 9 11. 5 898 19 S k bein—. 5 15 28 12 ee 1 55 1 Willingen„„ A g 1 51 68— Lee 828.1292 Bersrod mit Winn W 13 1 e 25 en 5 mit Steinberg„ 7 9 8 1 91 g 11 24 — en SJ 9 85 3 Weiterhin„*„. 1 45 0 %. 1121 14 8 19 14 Wi e 5 17 35 77 75 15 30 5 r V 10 43 309 5 4 2 r 7 12 47 809 9 Bun 6 5 a 13 62 3¹ 1 g 8 5 5 1 20 1 70 9 27 . rthardsfelden 5 8 23 45 68 46 3 16 Kreis. ü 38 9 25 8 168 ..— f 1 333 6 0 20 211 eee Vf. N88 1 * D ngen mit Heiberts 80. 8 1 8 4 10 36 41 30 ernsfeld. g 5* 5 1 1 3 5 7 2 1 1 7 hausen- 5 6 10 0 0 111 27 Ermenrod e ä 7 e e A mit Arnsburg„ 34 41 3 1⁵ e Abe 3. 40 5 17 20 35 8 Garbentech e i. h 7 59 6 80 Naönheln„„ N i F S Geer ul F 4 345 80 e Merlau mit Kir„ n 1 S — ießen mit Schiffenb. 5 8 5 9 5 12 28 89 94 9³ 1 4 4 1 Nieder⸗Ohmen schgarten 5 5 8. 1 8 2 2 15 1 8 3 3 5 22 n. 658.. 17 18 55 35 40 0 3 23 Ober⸗Ohmen N. 5 17 35 9 1 5 5 22 2 Großen Binder„ 8 1706 2240 10 105 13 11 11 7 e 1. 70 8 5 22 45 7 3 6 5 S Henne 1 2 105 e 1555 dn 2 2 1„ 2 Hrüningen e„ ee 5 40 8„%% 5 22 45 8 13 51 Harb V 411 38 95 47 d K 5- 7 13 33 11 .. n 0 Eichelsdorf reis Schotten„ 11 1 84 2] bau Rode 6 4 le 70 V 11 11 4 3 2 11725 1 10 5 8. n 71 1 7 78 5. 8 Heu helheim 1 Vs e ee N 2888 5 b 5 r 5 48 6 N 2 11 1 8 ee. 2 43 3 5 0 SB Menn„„„5 91 0 17 144 31 8 o FFT 67 82 9 45 Mittel⸗S BBT 5 18 91 3 185 91 78 77 nheider ö 5 35 26 4 8 eemen 8 1 30 15 4 2 ef elbach. 3 1 111 147 199 41 199 405 61 ee en S 8 21 42 17 8 4 1 72 — e S b 8. 2 5 5 e. 33 355 12—. 2 Langzd 8 i 10 23 63 36 1 16 23 8 1 5 1 5 9 6 7 17 8 „„ 4„„ e%% 2 e Lauter 2 5 5 0. 5 5 4 N 9 25 2 119 100 38 41 90 5 fee Pei 5 8 a: 8 3 3 29 15 48 8 17 5 2 1 K Ji e„ 40 4 208 1 f tr e ie s 2 5 0 mit Hof Albach, Colnhauser 5 1 19 102 78 178 1135 Kreis Bü. 8 16 8 12 40 29 F Ii Fw n e Wi ee% Hellmut üdingen. 9 e r e sen 100 5 88 8 Bergheim. 1 15 e B 1 ane FFC 8 70 83 5 113 25 Biss uit d„ 3„„ 7 15 ünster. 9 85 e 5 8 36 11 5 54 132 166 Bleichenbach erstädter Markwald 1 25 11 85 11 09 12 1 5 — N schenheim 19995 Hof⸗Güll. 8 8 8 75 9 15 59 13 20 36 37 25 Blofeld mit Reichelsk 5 2 5. 8 11 61 64 198 4 4 20 * N 1. 5 4 0 55 55 5 11 22 Ab er bemer Ant. 2 n engenheimer Mart 8 16 40 18 7 5 14 15 enrot 5. 8 7 5 19 45. 1 23 rsdorf mit ar 40 3— Obb 5 8 1 51 59. 0 D Harbwald 3 7 4 515 20 31 = ornhofen e: 4 75. 5 auernheim 8 3 10 28 2 Ober⸗Bessingen. 3 7 15 1 40 5 1 8 15 zell mit cler aka Hof und Sch 5 8 15 5 25 5 20 1 — Ober⸗Hörgern E 5 4 9 8 21 6 5 5 11 Eckartsborn er Markwald bleifeld 2 9 91„ 8 6 555 2 Odenhausen mit A 1 8* 8— 6 50 54 8 2 4 8 Effolderbach 5 4 2 3. 8 19 9 80 5 2— 1 21 e. nnn 5 19 5 37 1*** 1 147 50 91 2 ueckborn. 3 14 75 2 eiß⸗Nidd 35. 15 1 7 5 E Nabertshauf 533 2 99 1 G 5 3 8 22 N 16 15 au 5 N 4 2— 8 elnhaar 5 1— 22 FB i e 340 2 1 00 irchen 3* 4 21 21 23 44210 6 9 Se e 5 2 8 24 5 16 14 35 5 8 4 — 1 5. af Graß 5„ N z 8 1.* E b A 7 55 11. 1 5 hden* 5 3 2 5148 17 0 0 S Roöthges a. 20 12 S Leidhecken 8 e e— 55 . 8 5. 5 f 8 a f 4 3— Rüddingshausen 8 2 a a 5 8 17 5 68 45 85 10 31 71 Lißberg 5 5 2 5 5. 5 52 18 34 28 41 45— 1 Rutters 2 1 8 Michel 3 e 30 3 7 a 1 50 Saasen Auen nt Rech sgsg 1 0 11 831 11 20 38 73 1 Nidd V* 4„„ 13 1 54 31 3 1 5 55 Bollnbach, Beitsberg mit Wirrberg a 0 14 50 25 21 1 1 2 Ober Widdersheim„„. 8 15 2 18 10 25 88 t er 5 5 8 8 3 8 f 2 8 Steba mit Friedelhausen. 1* N 8 5 23 5 55 24 2 17 50 Nanstadte 2 5* 5 f 5* 8 5 119 12 41 92 27 52 20 23 S 5 5 3. 2 5 8 b 5 9 15 15 18 2 6 8 16 Schwickartshausen 7. 5 5 1 8. 75 5 41 17 15 37 2 5 .. 1 I Sele ut Eiwrads erf„„„I 505 ee„. 6 1 02 59 45 13 Unter⸗Schmitten e„ 75 5 3„ 5 N 21 27 5 6162 e Mae mit 833 15 44. 80 20 5 3 allernhausen 55„ 2 29 21 3 11 34 e 5 5 8. 5 5.— 2 50 42 36 45 12 14 5 „%%% ᷑.! r 1 1 3 R 24 22 4 II7T 5 55590 S 2 705087 805 257 3 4577 6043