„ fu, ungen — Jon gewent b den it der el de h. dung järts 2 nn NMmota RG Nuala nas FFF ⁹%ůãℳꝛ!;!.. r-. rr nee ——* e Nr. 3. Gießen, den 18. Januar 1903. 10. Juhrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeuts ch kit Medaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Assträger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 331/%ͤ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt, 1 Jnserate 2 Die ögespalt. Bet mindestens Unsere„Ordnungs“presse. Welcher Art die„öffentliche Meinung“ ist, die in den Amts⸗ und Kreisblättern verzapft wird, das ist von der sozialdemokratischen Presse schon oft in gebührende Beleuchtung gerückt worden. Sozialistenfresserei, Verdächtigung und Beschimpfung der Arbeiterbewegung, Vertei⸗ digung der Geldsacksinteressen, Kriechen vor den Großen und Mächtigen— das betrachten jene Ordnungsblätter für ihre hauptsächlichste Auf⸗ gabe. Man bezeichnet diese ehrenwerten Organe als Reptilien. Was versteht man darunter? Reptilien sind, wie jeder weis, Kriechtiere. Diese Bezeichnung wandte man nach der Rede Bis marcks vom 29 Januar 1869 auf die„gut⸗ gesinnten“ Zeitungen an, die direkt oder indirekt von den Behörden unterstützt werden, also käuflich sind. Unter Bismarck sind zahlreiche Blätter direkt un terstützt worden, damit sie seine Politik dem Spießbürger, der nur„beschränkten Untertanen⸗ verstand“ hat, mundgerecht machten. Die Un⸗ terstützungen wurden aus den Summen bezahlt, die die Preußen dem König von Hannover abknöpften, nachdem sie zuvor sein Land„ge— pachtet“ hatten. Nebenbei sei nur bemerkt, schreibt unser Offenbacher Parteiorgan, daß die besten Freunde und Helfer Bismarcks bei dem Umstürzen der Throne in Hannover und Kassel die Begründer des Nationalvereins waren, also die tüchtigsten Nationalliberalen; jetzt glauben die kleinen nationalliberalen Hausburschen der preußischen Junker bekanntlich etwas besonders Furchtbares den Sozialdemokraten vorzuwerfen, wenn sie sagen, diese wollten tun, was Bis⸗ marck mit nationalliberaler Hilfe 1866 getan hat.. 8 Die Millionen also, die dem verjagten König von Hannover weggebismärckert waren, wurden als sogenaunter Welfenfonds verwaltet. Der Fonds sollte dazu dienen, die Bestrebungen auf Wiederherstellung des Rechtszustandes vor 1866 seitens derjenigen Hannoveraner, die ihrem davongejagten König treu bleiben wollten, zu unterdrücken. Kurzum: der Welfenfonds wurde zum Rep⸗ tilienfonds, zahlreiche Blätter wurden mit Geld unterstützt, um den bisherigen Untertanen der von ihren Thronen verjagten Fürsten die Treue aus dem Herzen zu merzen und dafür die Liebe, Verehrung und Treue für den neuen so plötzlich„angestammten“ Landesvater hinein- zupflanzen. Es schadet gewiß nichts, an diese wunderschönen Perlen preußisch⸗deutscher Poli⸗ tik hin und wieder einmal zu erinnern. Reptilienblätter nannte jeder anständige Mensch diejenigen Zeitungen, die aus dem Welfenfonds subventionirt wurden. Dieser Fonds besteht jetzt nicht mehr. Sind mit ihm auch die„Reptilien“ verschwunden? Keines⸗ wegs! Es besteht jetzt eine über das ganze Reich verbreitete Reptilienpresse, kein Krels im en 2 1 in dem nicht ein eptil sein Leben fristete! f 95. Aufgaben der von Bismarck gezüchteten und gefütterten Reptilien haben fetzt die Amtsblätter zu erfüllen. Diese müssen die Politik der Staats⸗ und Stadtverwaltungen unterstützen und erhalten als Belohnung die behördlichen Bekanntmachungen. Selbst wenn letztere mit keinem Pfennig bezahlt würden, bedeuteten sie doch für die betr. Blätter baar Geld. Viele Interessenten gibt es, die die amtlichen Publikation genau beachten müssen; sie sind geradezu gezwungen, die Amtsblätter zu lesen. Dadurch werden den Reptilien nicht nur behördlich Abonnenten zugetrieben, sondern mit diesen auch Inserenten. So fördern also die Behörden Blätter, die unter allen Umstäuden dann die behördliche Poli⸗ tik fördern müssen. Einen neuen und schlagenden Beweis dafür, wie die Amtsblätter alles unterdrücken, was nur irgendwie einer Kritik der Regierung oder der Behörden ähnlich stieht, wie sie ihren Man⸗ tel nach dem Winde hängen, der von„oben“ weht, liefert der Professor der Staats- wissenschaft an der Universität Gießen, Dr. Biermer. Das ist gewiß kein nörgelnder Sozi, ein auch in den Augen der„Gutgesinn⸗ ten“ unverdächtiger Zeuge! Dieser hat eine Broschüre:„Die Finanzen des Großherzogtums Hessen“ herausgegeben, in deren Vorwort er einen klassischen Beitrag zur Naturgeschichte der Reptilien liefert. Diese Broschüre sollte erst in Form von Zeitungs⸗ artikeln erscheinen. Der„Gießener Anzeiger“, Organ des Kreisamts, hatte Herrn Biermer Ae gebeten, Aufsätze für das Blatt zu schrelben. Biermer sandte Artikel ein. Dann erzählt er weiter: „Zu meiner großen Ueberraschung ließ mir der Verleger des Gießener Anzeiger nach zwei Tagen durch seinen politischen Redakteur mitteilen, daß er die Artikel in seinem Blatte doch nicht aufnehmen könne; denn die Art kel kritisirten die hessische Finanzwirtschaft der letzten Jahre, und eine solche Kritik könne dem Blatte, das amtliches Organ des Großherzoglichen Kreisamtes sei, schaden. Ich bemerke hinzu, daß natürlich meine Artikel nicht anonym erscheinen sollten, sondern mit meinem vollen Namen unterzeichnet waren und, wie alle Zeitungsartikel, die ich bisher geschrieben habe, unter grundsätzlichem Verzicht auf jedes Honorar. Obgleich also der Gießener Anzeiger gar nicht die Verantwortung zu tragen gehabt hätte, machte er mir aus einer geradezu kind⸗ lichen Angst vor der Staatsregierung unüberwindlich' Schwi rigkeiten, mich in sachlicher Weise über die Finanz⸗ zustände des Großherzogtums in seinen Spaltes zu äußern. Dasselbe Blatt, das noch kürzlich einen Auf⸗ ruf von antisemitischer Seite, in dem mit einem neuen Bauernkrieg der oberhessischen Bauernbündler gegen Land und Reich gedroht wurde, zum Abdruck gebracht hatte, weigert sich also, dem Professor der Staats⸗ wifsenschaften an der Landesuniversität Gelegenheit zu geben, den Staatsvoranschlag wissenschaftlich zu be⸗ leuchten. i Diese Vorgänge sind ungemein charakteristisch, denn ste bewelsen, auf welchem Niveau der Geschäfts⸗ journalismus Gießens steht. Wir haben es in Geeßen mit unseren Preßverhältnissen also wirklich so weit gebracht, daß man Originalartikel von allge⸗ meinem Interesse die nach der einen oder nach der anderen Richtung hin vielleicht unbequem werden könnten, nicht unterbringen kann. Also, der Redakeur selbst darf keine eigene Entscheidung treffen, aber er darf wenigstens als„besserer“ Hausdiener seines Verlegers dem Autor ausrichten, was der Herr Zeitungsbesitzer, der für seinen Profit zittert, ihm aufgetragen hat. Beueidenswerte Männer, diese Amtsblattsredakteure! Herr Prof. Biermer irrt gewaltig, wenn er etwa annehmen sollte, daß das„Niveau des Geschäftsjournalismus“ anderswo höher sei als in Gießen. Es herrscht fast in allen Amts⸗ blättern dieselbe„kindliche Angst vor der Staatsregierung.“ Wenn der Redakteur eines Reptilienblattes einmal etwas nicht gut finden sollte, was Staats-, Kreis- oder Stadt⸗ regierung ausgeführt haben, dann muß er seinen Zorn hinunterschlucken, andernfalls steigt einer der Herrn„Regierenden“ dem Verleger des Blattes auf's Dach und dieser zeigt dann seinem Kuli, wo der Zimmermann das Loch in der Redaktionsstube gelassen hat. Der Reptilien⸗ redakteur muß so handeln, wie sein Verleger befiehlt, und der Verleger befiehlt so, wie er befehlen muß, wenn er die behördlichen In⸗ serate nicht entzogen haben will. Die„Unabhängigkeit“ des„Gieß. Anzeigers“ trat schon früher einmal recht schön zu Tage. Als nämlich die sozialdemokratische Partei vor einigen Jahren einen Wahlaufruf als In serat aufgeben wollte, befragten die Herren vom Anzeiger erst den Kreisrat, ob er gegen die Aufnahme des Inserats nicht einzuwenden hat! Die niedliche Affaire sollte jeden Arbeiter veranlassen, sich die Amtsblätter vom Halse zu halten und nur die Zeitungen abonnieren, die ohne Scheu die Wahrheit sagen. Das sind aber nur die sozialdemokratischen! Politische Rundschau. Gießen, den 15. Jauuar. Der Reichstag ist am Dienstag wieder zusammengetreten. Verschiedene Resolutionen zum Zolltarif waren erster Beratungsgegenstand. Zunächst eine Resolution der Kommission, die dahin geht, mit möglichster Beschleunigung und unter Hin⸗ zuziehung von Interessenten des inländischen Tabakbaues in eine Prüfung darüber einzu⸗ treten, in welchen Beziehungen die Vorschriften über die Besteuerung des Tabaks im Interesse der kleineren Tabakbauern vereinfacht werden können. Der hessische Agrarter und Lederkönig v. Heyl will höhere Tabakzölle. Unser Genosse Ehrhardt⸗Ludwigshafen schildert die Placke⸗ reien, die das Besteuern des Tabakbaues im Gefolge hat, und geht besonders auf die Verhältnisse der kleinen pfälzischen Tabakbauern ein. Trotzdem die Resolution nur ein Ver⸗ legenheltspflaster sei, würden aber die Sozlal⸗ demokraten dafür stimmen. Ueber die Resolu⸗ tion selbst, die den kleinen Tabakbauern einen übrigens mehr formellen als materiellen Nutzen zu bringen bestimmt ist, waren sich alle Parteien einig: wenn die Resolution auch nicht allzu viel nützen dürfte, so schaͤdet sie wenigstens auch nicht. Das wurde auch von den übrigen Red⸗ nern unserer Partet Geyer, Molkenbuhr und Elm hervorgehoben, die auch auf die schädlichen Wirkungen des Tabakzolls und auf die Mehrbelastungspläne, mit welchen die Re⸗ gierung sich trägt, hinwiesen, während die Agrarier Rösicke⸗Kaiserslautern, Lucke, der salbungsvolle Schrempf usw. natürlich die Wunderwirkungen des Zolls nicht genug zu rühmen wußten. Herr v. Heyl spielte die gekränkte Leberwurst und behauptete, beim Tabakbau sei gar nichts zu verdienen. e ——T—•——Sê N— 8 7 ——— See ä — 3 Mitteldeulsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 2. Die Resolution wurde schließlich fast ein⸗ stimmig angenommen.— Mittwoch kamen weitere Resolutionen zum Zolltarif zur Be⸗ ratung. Aus dem Neichstagsetat. Der Etat stellt sich in Einnahme und Aus⸗ gabe auf 2464972734 Mk.(mehr 160 489 619 Mk. gegen 1902). Das Deftzit für 1903 wird auf 118‘ Mtllionen beziffert, und durch außerordentliche Deckungsmittel— also Pump— sollen insgesamt 239 903 924 Mark beigebracht werden. Von den Ausgaben eutfallen 1 998 644768 Mark(mehr 25816945 Mk. gegen 1902) auf die fortdauernden, 226 424042 Mk.(mehr 45 863 569) auf die einmaligen ordentlichen und 239 903 924 Mk.(mehr 88 809 105) auf die einmaligen außerordentlichen Ausgaben. Die Ueberweisungen an die Bundesstaaten sind auf 542 092000 Mk.(weniger 14 143 000) normiert. Wie immer, verschlingen außer dem Militarismus und dem Marinismus die Kolonien gewaltige Summen. Es wird lustig darauf los gepumpt; die Reichsschuld ist glücklich bis in die dritte Milliarde ange⸗ wachsen und zu ihrer Verzinsung sind mehr als hundert Millionen Mark nötig. Anstatt aber die Wohlhabenden durch Einkommensteuer heranzuziehen, soll wiederum die ganze Bürde der Mehrausgaben des Reiches auf die breiten Massen der Bevölkerung ge⸗ wälzt werden, welche die Zölle und Verbrauchs- steuern entrichten. Wenn der Karren nachher ganz festgefahren ist, daun sollen ihm neue Steuern aus dem Sumpfe helfen: man will Bier und Tabak mehr„bluten“ lassen, man will das Volk noch mehr schröpfen und auspowern, um die von den Einzelstaaten besteuerten Wohlhabenden zu entlasten. Zu dem Brotwucher auch noch diese neue Lasten in drohender Nähe; das ist das Neujahrs⸗ angebinde, das die herrschenden Klassen und ihr regierender Ausschuß dem arbeitenden Volke darbringt! Wem die Getreidezölle nützen. Welchen dreisten Schwindel die Wucher⸗ zllner trieben, und noch treiben, wenn sie den Bauern vorreden, daß durch die Erhöhung der Getreidezölle den Kleinbauern geholfen werde, ist schon oft genug nachgewiesen worden. Aber selten so schlagend, wie es durch eine Schrift geschieht, die kürzlich in Karlsruhe erschienen ist und in welcher der Regierungsassessor Dr. Hecht die Ergebnisse seiner statistischen Unter⸗ suchungen über die badische Landwirtschaft niedergelegt hat. Es kommt zu folgenden Resultaten. Unter der badischen Bauern⸗ bevölkerung haben an den Getreidezöllen kein Interesse(weil den Bedarf selbst deckend) 14,6% aller Familien ein geringeres Interesse(da der Verkauf von Getreide unter 20 Zentner bleibt). 7,9% aller Familien ein mäßiges Itteresse(da der Verkauf 20— 100 Zentner e, ein erhebliches Interesse(da der Verkauf 100 Zentner beträgt 0,6% aller Familien gegenteiliges Interesse(weil sie keine oder nicht genügende Brotfrucht bauen) 70,7% aller Familien Bei dieser Aufstellung handelt es sich blos um die bäuerliche Bevölkerung Badens; die in Handel und Industrie tätige, die natür- lich erst recht kein Interesse an hohen Getreidezöllen hat, sowie alle übrigen Berufs⸗ schichten in die Untersuchung nicht mit ein⸗ bezogen sind. Also es ergeben sich mehr als 0 Prozent, beinahe drei Viertel der rein bäuerlichen Bevölkerung welche durch die Zölle direkt geschädigt, werden weitere 14,6 Prozent haben zum Mindesten kein Inte⸗ resse daran. Das aber nur innerhalb der landwirtschaftlichen Bevölkerung selbst! Zieht man aber die übrige Bevölkerung mit in Be⸗ rechnung, so ergiebt sich, daß von je 100 Be⸗ wohnern des badischen Landes volle 93 nicht nur keinen Vorteil, sondern direkten materiellen Schaden an den Getreidezöllen a N Verlag d 6,2%% aller Familien haben, und nur die restlichen 7 unter je 100 sind an den Zöllen auf Brotgetreide interesstert. — Die Dr. Hecht'schen Untersuchungsergebnisse beweisen, daß der Zolltarif den gemeinsten Bauernbetrug darstellt, der nur ersonnen werden konnte. Sie sind vernichtend für die Verteldiger der Wucherzölle und kommen gerade noch zur rechten Zeit, um im bevor⸗ stehenden Reichstags⸗Wahlkampf den Gegnern des agrarischen Ueberzöllnertums als schneidigste Waffe zu dienen, an deren Schärfe auch die geriebenste Lügenkunst der Brotwucherer zu Schanden werden muß. Wer aber sehr viel Interesse an den Zöllen hat, das geht aus einer Zusammenstellung des„Adelsblattes“ über die adeligen Besitz⸗ tümer in der Provinz Brandenburg hervor. Dort werden 35 adlige Großgrundbesitzer der Provinz Brandenburg aufgeführt, deren jeder über 5000 Hektar, zusammen besitzen ste 459 Güter mit über 500 000 Hektaren! Den Löwenanteil haben die Familien Arnim und das preußische Köuigs⸗ haus, die allein in der einen Probinz Brandenburg 76342 und 62174 Hektar Landes besitzen! Wie groß die Vorteile sind, die den adligen Familien aus der Zoll⸗ politik erwachsen, bedarf danach keiner weikeren Berechnung. Skandale in Fürstenhäusern. Ueber die Flucht der Kronprinzessin von Sachsen ist im Verlage der„Sächs. Arb.⸗Ztg.“ eine Broschüre erschienen. Diese Schrift rührt von einem Parteigenossen her, der Ge⸗ legenheit hatte, sich bei den in Frage kommenden Persönlichkeiten über die wahren Ursachen der Tragödie am sächsischen Hof zu unterrichten, so daß er wirklich eingeweiht ist. Die amtlichen Blätter und die Ordnungspresse in Sachsen bemüht sich, von dem Hofskandal soviel nur möglich zu vertuschen. Man versucht das Volk durch widerspruchsvolle Erklärungen irre zu führen. Vor den Folgen dieses Ereignisses hat man in hohen und höchsten Kreisen höllische Angst. Die ist auch nicht ganz unbegründet; in bürgerlichen Kreisen hat man sich schon da⸗ hin ausgesprochen, daß diese Affaire ein Todes⸗ stoß für die Monarchie sei. Man darf aber die Bedeutung der Geschichte nicht überschätzen, möglich ist schon, daß sie mit zur Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen bei der näch⸗ sten Reichstagswahl beiträgt.— Mit der noch immer in Genf befindlichen Kronprinzessin soll es zu einem Vergleiche gekommen sein, wonach sich beide Teile mit der Ehescheidung einver⸗ standen erklärt hätten. * Eine neue„fürstliche“ Familien⸗ affaire aus dem österreichtschen Hause macht von sich reden. Gräfin Lonyay, die ehemalige Kronprinzessin von Oesterreich soll, wie in Wiener„aristokratischen Kreisen“ mit Bestimmt⸗ heit verlautet, sich mit der Absicht der Trennun 9 ihrer Ehe tragen und zwar infolge unlösbarer Differenzen zwischen den beiden Ehegatten. Wie die„Zeit“ meldet, habe Graf Lonyay infolge Zwistigkeiten seine Gattin verlassen und ist bisher nicht zurückgekehrt. Sein Aufent⸗ haltsort sei unbekannt. Mit einem„schlichten Mann aus der Werkstatt“ wollen die Stöckerianer ihr Heil bei der nächsten Reichstagswahl auch im Kreise Hanau versuchen. Dort haben sie den Geschäftsführer des christlichen Zieglerverbandes Ellerkamp aus Lippe aufgestellt. Zwar kann dieser Kan⸗ didat auch nicht mehr so recht als Mann aus der Werkstatt gelten; er ranglert als Angestellter seiner Gewerkschaft vielmehr unter die„Agita⸗ toren“, aber es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er als ein Kandidat im Sinne der Kaiser⸗ rede empfohlen werden wird. Natürlich wird der Unglücksmensch in dem sozialdemokratischen Kreise einen fürchterlichen Reinfall erleben. Die Stöcker'schen wollen nach der Rh.⸗Westf. Ztg. 10 Wahlkreise mit eigenen Kandidaten besetzen. Im 5. nass. Kreise(Dillenburg) soll Herr v. Oertzen, in Wetzlar⸗Altenkirchen wollen sie in Gemeinschaft mit den Antisemiten einen im Krelse ansässigen Landwirt aufstellen. Wenn diese Mitteilung zutreffend ist, wäre Hirschels Kandidatur, von der früher die Rede war, wieder fallen gelassen worden. 2 — ccc Parteigenossen! Gedenket des Wahlfonds! Ein erfreuliches Wahlresultat für unsere Partei lieferte die Ersatzwahl in Danzig, die infolge des Ablebens Rickerts vorgenommen werden mußte. Bei der 1898er Wahl erhielten: die Freisinnigen 7231; die Konservativen 2968; das Zentrum 3086; die Sozialdemokraten 3822 Stimmen, ein paar Hundert wurden noch für Polen und Antise. miten abgegeben. Am Dienstag fielen auf den Freisinnigen Mommsen 6176; den Konser⸗ vativen v. Heydebeck 4282; den Sozialdemo⸗ kraten Bartels 5568 und auf den Polen 329 Stimmen. Unsere Stimmenzahl stieg also um beinahe 2000 während die Gegner insgesamt über 3000 Stimmen verloren! Das ist für die bevorstehende allgemeine Reichstags⸗ wahl von guter Vorbedeutung; wenn in allen Kreisen unsere Stimmen in denselben Verhält⸗ niß steigen, können wir zufrieden sein, dann kommen wir weit über die drei Millionen! Gegen Polizei⸗Ulebergriffe die in letzter Zeit in unheimlicher Weise über⸗ hand genommen haben, hat der preuß. Minister des Innern einen Erlaß gerichtet. Anlaß dazu haben ihm nach seinen eigenen Ausführungen, auch die im Reichstag am 22. November ge⸗ schilderten Uebergriffe der Polizeibehörden ge⸗ geben. Die Verfügung sagt über diese Be⸗ schwerden, daß die eingehenden Untersuchungen ergeben haben, daß, wenn auch manche der in der Presse gegebenen Schilderungen dem wahren Sachverhalt nicht entsprachen, doch bedauerlicher⸗ welse seitens verschiedener und nicht nur der untersten Polizetorgane eine Reihe von Miß⸗ griffen vorgekommen ist, die sich nicht entschul⸗ digen lassen. Weiter sagt der Minister, es sei Aufgabe der Vorgesetzten, die unteren Polizeiorgane ge⸗ hörig zu instruiren; sie sollten sich stets bewußt sein, daß die persönliche Freiheit durch die Verfassung gewährleistet sei. Die Verfügung macht die unmittelbaren Vorgesetzten persönlich verantwortlich, daß hier⸗ nach verfahren wird und daß Fälle wie sie in der letzten Zeit die Oeffentlichkeit erregt haben, vermieden werden. Etwas hat die Kritik also genützt. Der Polizeiminister giebt zu, das et⸗ was faul ist im Staate Dänemark. Ob die Verfügung sonst praktische Folgen hat, das kommt natürlich auf ihre Handhabung an.— In der letzten Zeit sind wieder eine ganze Anzahl Poltzei⸗Uebergriffe vorgekommen. „Recht“ sprechung in Deutschland. Der verstorbene Abg. Lieber— ein Führer des Centrums— bezeichnete einmal im Reichs⸗ tage die Rechtsprechung als„himmelschreiend“. Dafür erhielt er zwar einen Ordnungsruf, die Arbeiter und besonders wir Sozialdemokraten wissen aber, daß, wenn man die deutsche Recht⸗ sprechung richtig karakteristeren wollte, weit schärfere Ausdrücke anwenden müßte. Jüngst wurden wieder zwei Urteile von ein und dem⸗ selben Gericht, dem Schöffengericht in Halle gefällt, die man nur gegenüber zu stellen braucht, um jeden zu beweisen, das Madame Justia sehr oft unter der Binde hervorschielt, um die Per son des Angeklagten sich anzusehen. Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe!— Zuerst stand ein Student der Rechte vor den Schranken, also ein„Gebildeter“, einer der später selbst als Richter, Staats⸗ oder Rechts⸗ anwalt zu fungieren gedenkt. Der 25jährige Student namens Gauda war wegen Beleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. 2 Er hatte sich am Abend des 7õĩõĩ?Q ²” 5 in ertz der die die dar ise⸗ den ser⸗ no⸗ len ieg net as 93 len ült⸗ 1 t⸗ ster — 5 ³ Nr. 3. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seste 3. 8. Jult v. J. zwei anständigen Damen gegen⸗ über in der rüpelhaftesten Weise benommen. Als zwei Verkäuferinnen gegen 10 Uhr eine verkehrsreiche Straße entlang gingen, bot der Angeklagte den Mädchen mit zweideutigen Redensarten in der aufdringlichsten Weise seine Begleitung an. Die Damen verbaten sich dieses und wichen dem Angeklagten aus, letzterer verfolgte die Mädchen aber auf Schritt und Tritt und sagte schließlich:„Bedenken Sie, ich bin ein Jurist, ich will einmal zeigen, was ich kann.“ Schließlich ver⸗ setzte er der einen Verkäuferin einen Schlag auf den Kopf, und als das Mädchen schrie: „Mein Hut!“ entgegnete er:„Der kostet doch nur 25 Pfg“. Die beiden Mädchen schrien schließlich nach der Polizei, und als ein Polizist kam, besaß der junge Rechtsgelehrte noch die Frechheit, den beiden Mädchen zuzurufen: „Wartet, Ihr Säue, wartet, da kommt ein Schutzmann, der soll Euch verhaften.“ Der Schutzmann befreite die beiden Mädchen und transportierte den gewaltsam Widerstand leistenden Angeklagten nach der Wache. Er suchte sich mit Betrunkenheit zu entschuldigen, es stellte sich aber heraus, daß er vollkommen nüchtern gehandelt hatte. Er erhielt ganze 230 Mk. Geldstrafel Gleich nach diesem Falle wurde verhandelt gegen die vier Mitglieder des Töpfer verbandes Hippert, Stephan, Rohde und Pawlowski, die sich gegen§ 153 der Gewerbeordnung vergangen haben sollten. Die Angeklagten sind durchaus unbescholtene Arbeiter. Im August vorigen Jahres trat der Töpfer Taubert unter der Vorspiegelung, er sei Verbandsmitglied, in Arbeit. Er hatte, wie er in der Verhandlung zugeben mußte, seine Kollegen belogen, sie an⸗ gepumpt und verhetzt. Als die Angeklagten entdeckten, daß Taubert, den sie in der kolle⸗ gialsten Weise aufgenommen und behandelt hatten, gar nicht Verbands mitglied ist, forderten sie unter dem Hinweise, sonst die Arbeit einzustellen, Tauberts Entlassung. Fabrikant Böhme entließ Taubert auch sofort und die vier Angeklagten wurden deshalb nun zu je einer Woche Gefängnis ver⸗ urteilt. Als im August vorigen Jahres der Wagenfabrikant Lindner über 20 Metallarbeiter wegen ihre Zugehörigkeit zum Metallarbeiter⸗ Verband aussperrte, da lehnte der angerufene Staatsanwalt das Einschreiten gegen Lindner ab. Gegen die Töpfer wurde vor⸗ gegangen. Ja, wenn wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe! * Das Flugblattverteilen als groben Unfug zu erklären, hat ein sächsisches Gericht, das Schöffengericht in Zwickau, fertig gebracht. Es verurteilte zwei Genossen zu je 40 Mark Geldstrafe, weil ste in einem Dorfe Flugblätter verteilten. Trotzdem kein Beweis beigebracht werden konnte, wer sich über das Flugblatt „geärgert“ hat, heißt es in der Urteilsbegründung, das Gericht habe als erwiesen angesehen, daß der Inhalt der Flugschrift sehr wohl geeignet set, öffentliches Aergernis zu erregen und Belästigung unter dem Publikum her⸗ vorzurufen. Außerdem sei die„gehässige“ Schreibweise gut geeignet,(II) den Haß in die Bebölkerungsklassen hineinzutragen. Hierdurch schon sei der Tatbestand des groben Unfugs gegeben. Viele Leute werden der Ansicht sein, daß eine derartige Rechtsprechung selbst grober Unfug ist. 5 Eine weitere Illustration zur Rechtsprechung bietet ein Urteil des Augsburger Schöffen⸗ gerichts. Es sprach einen Fabrikanten frei, der einen Arbeiter„Rindvieh“ nannte. Der Arbeiter hatte bei seiner Entlassung eine Auseinandersetzung, wobei der„gebildete“ Fabrikaut wiederholt äußerte:„O Sie Rind⸗ vieh!“ Vor Gericht bestritt er, daß er den Arbeiter mit diesen Worten beleidigen wollte, und das Urteil lautete auf Freisprechung und Ueberbürdung der Kosten auf den beleidigten Arbeiter. Die Urteilsbegründung lautete, daß die Absicht zu beleidigen nicht vorhanden war und e, daß„Sie Rindvieh“ eine Beleidigung ist, brauche werde., da der Fabrikant in Wahrung berech— tigter Interessen() gehandelt habe! Jean Jaureèes, unser französtscher Genosse in der Deputierten kammer, wurde am Dienstag zum Vizepräst⸗ denten gewählt. Die Linke, an ihrer Spitze Minister Pelletan, applaudlerte stürmisch und beglückwünscht Jaures unter den Rufen: Es lebe der Sozialismus! Doch wurde auch ep fiffen und die Pfaffen und verkapyten onarchisten spektakelten. In Marokko hat sich die Lage noch ver wickelter und bedroh⸗ licher gestaltee. Der Sultan soll verloren haben. Er hätte seinen Bruder einkerkern lassen, worauf der Aufstand neu ausgebrochen sei. Gewerkschaftl u. Arbeiterbewegung. F Der Weberstreik in Meerane st beendet! Und zwar zu Gunsten der Ar⸗ beiter. Die Unternehmer sind zu der Einsicht gekommen, daß sie klüger handeln, wenn sie die Organisation der Arbeiter anerkennen und mit dieser verhandeln. Auf Veranlassung der Fabrikanten wurde der Verbandsvorsttzende Hübsch zur Unterhandlung herbeigezogen. Hätten die Fabrikanten diesen Standpunkt vor Beginn des Ausstandes eingenommen, so konnte dieser Streik vermieden werden. Die Meeraner Weber und Weberinnen haben mit der Auf⸗ bietung aller Kräfte von Anfang bis zu Ende geschlossen gekämpft. Dreizehn Wochen hielten sie ihre Phalanx fest geschlossen. Nicht ein volles Dutzend sind aus ihren Reihen geflüchtet. Durch diese mutvolle Ausdauer und durch ihre ruhige, besonnene Kampfesweise haben sich die Meeraner lee i die Sympathie der 9 gebildeten Welt erworben und erhalten. ie deutsche Arbeiterklasse kann auf diesen Kampf stolz sein. Ste hat in diesem ihre Pflicht getan, indem sie ihre Brüder und Schwestern von Meerane in jeder Beziehung tatkräftig unterstützt hat. Sind doch allein zu der stattgefundenen Weinachtsbescherung über 12 000 Mk. deutscher Arbeitergroschen bei dem Gewerkschaftskartell eingegangen. Noch am Tage vor der Verständigung wurde in der bürgerlichen Presse mitgeteilt, daß die i wiederum gescheitert seien, da die Unternehmer keine höheren Löhne bewilligten könnten. die Unternehmer doch nachgegeben. geht doch! von Rah und Fern. Hessisches. Aus dem Landtage. Der Finanzausschuß der Zweiten Kam⸗ mer, welcher seit Anfang Dezember seine Sitz⸗ ungen abhielt, hat die Beratungen des Ordi⸗ nartiums des Etats soweit beendet. Dabei wurde in den Berichten auf die fortlaufenden roßen Steigerungen der Ausgaben in den etzten Jahren hingewiesen. Der Ausschuß war allseitig der Meinung, daß größte Sparsam⸗ keit im Staatshaushalt von Nöten sei, da sonst, um eine Gleichstellung der Ausgaben mit den Einnahmen herzustellen, eine Steuererhöhung von 20 Proz. eintreten müsse. Aus den Be⸗ willigungen set diejenige der geforderten nicht penstonsfahtgen Dienstalterszulagen für die Mitglieder der Großh. Hofmusik auf die Dauer eines Jahres herausgegriffen, welche nach längeren Debatten erfolgte. Man war im Ausschuß einstimmig der Ansicht, daß vor Allem die Großh. Kabinetsdirektion und die Stadt Darmstadt die Pflicht hätten, die Mitglieder der Hofmustk menschenwürdig zu bezahlen. Es ist immer die alte Geschichte: aus dem Leder der Landessteuern läßt sich at Riemen schneiden! Die zahlpflichtigen Stellen paren dabei ihr Geld; die armen Musiker aber 155 dabei wahrlich zu bedauern. Nun haben Also es nicht nachgewiesen! Gießener Angelegenheiten. r Vortrag, den Frau Dr. David⸗ Mainz diesen Samstag im Sack des Lenz'schen Felsenkellers hält, machen wir noch⸗ mals besonders aufmerksam. Das Thema des Vortrages lautet: Wie schützen wir uns bor der Verteuerung der Lebensmittel durch Ringe und Kartelle? Wir empfehlen ganz besonders den Frauen, diese Versammlung zu besuchen. — Der sozialdemokratische Wahl! verein hält diesen Sonntag nachmittags 3 Uhr im Vereinglokale seine Generalversammlung ab. Die Mitglieder wollen recht zahlreich er⸗ scheinen; es stchen wichtige Punkte auf der Tagesorduung. Ueberhaupt ist jetzt eine regere politische Betättgung aller Genossen vonnöten, die Reichstagswahl rückt immer näher und es ist Pflicht eines jeden, soviel in seinen Kräften steht an dem Siege der Sozialdemokratie mit⸗ zuarbeiten! e Wahl der Gewerbegerichts⸗ Beisitzer für das Gewerbegericht Gießen wird in nicht ferner Zeit stattfinden. Voraus⸗ sichtlich werden die bisherigen Beisitzer dem⸗ nächst in einer Gewerkschaftsversammlung Bericht über ihre Tätigkeit erstatten. Für die einzelnen Gewerkschaften erwächst die Auf⸗ gabe, schon jetzt zu der Wahl Stellung zu nehmen und besonders ihre Kaud daten zu be⸗ zeichnen, damit alle Berufe— soweit dies möglich ist— im Gewerbegericht vertreten sind.— Die Arbeiter in den Orten der Um⸗ gegend Gießens sollten sich erneut an die Be⸗ hörde wenden, damit die örtliche Zuständigkeit des Gießener Gewerbegerichts auf die stark industriellen Orte ausgedehnt werde. Es kommen da natürlich ebenfalls viele Streitig⸗ keiten aus dem Arbeitsverhältnis vor, die dann vor dem Amtsgericht ansgefocht werden müssen, wodurch beiden Teilen höhere Kosten erwachsen, der Arbeiter manchmal gar nicht zu seinem Rechte kommen kann, weil er in vielen Fällen abreisen muß, ehe seine Sache erledigt ist. So kam vorige Woche bei der hiesigen Zivilkammer als Berufungsinstanz die Streit⸗ sache eines bei Alsfeld wohnenden Arbeiters (Steinklopfers) zur Verhandlung. In dieser Sache hatte also das Alsfelder Amtsgericht schon entschieden, der Arbeitgeber hatte aber Berufung eingelegt. Das Gericht vertagte aber die Sache nochmals um noch Gutachten einzuholen. Der Prozeß kann also ungefähr ein halbes Jahr dauern. Dabei handelte es um ganze sechs Mark und zwei Rechtsan⸗ wälte bemühten sich darum, einer war sogar von Alsfeld zu dem Termin gekommen! In diesem Falle dürften die Kosten den Wert des Streitgegenstandes mindestens um das Zehn⸗ fache übersteigen.— Die Arbeiter in Lollar, Wieseck, Alten- und Großen⸗Buseck, Leihgestern, Lich ꝛc. sollten daher beim Kreisamt vorstellig werden, damit die Zuständigkeit des Gewerbe⸗ Gerichts auf den ganzen Kleis Gießen ausge⸗ dehnt werde. — Die„Freien Stunden“, llustrirte Roman⸗ bibliothek, haben etzt ihren siebenten Jahrgang begonnen. Der Erf lg, den sich diese Wochenschrift für das ar⸗ beitende Volk in der Zeit ihres Bestehens errungen hat, zeigt zur Evidenz, daß der von ihr betretene Weg der richtige ist und das Streben der Redaktlon die richtige Würdigung findet. Dle Schriftleitung der„Freien Stunden“ geht wie bekannt, davon aus, daß die besseren Werke nicht allein der neueren, sondern auch der älteren Romanlitteratur Gemeingut der arbeitenden Bevölkerung werden sollen und bringt daher in geschickter Gruppie⸗ rung Werke der bekanntesten Autoren. Der neue Jahrgang führt der Arbeiterschaft einen populären ungarischen Dichter vor. Von Maurus Jokai wird der Roman„Ein Goldmensch“ veröffentlicht, der sich durch reiche Phantaste und spannende Handlung, auszeichnet. Ferner werden wir mit dem elsässischen Schriftsteller⸗Paar Erckmmann⸗Chatrian in seiner zur Zeit der französischen Revolution spielenden Erzählung „Frau Therese“ bekannt gemacht. Eine kurze Bio⸗ graphie von Jotai sowie allerhend Miscellen vervoll— ständigen den Inhalt des ersten Heftes der„Freien Stunden.“ Der billige Preis von 10 Pfg. für das all wöchentlich erscheinende Heft wird dazu beitragen, daß den alten Freund n dieser Zeitschrift viel neue hinzugefügt werden. Alle Zeitungskolporteure 222 Expedition unseres Blattes nehmen Bestell ns „Freien Stunden“ entgegen. r —— — Seite 4. Mitteldeutsche Souutags⸗ Zeitung. Nr. 3. — Arbeitslosigkeit soll in Gießen nach einer früheren Aeußerung des Gießener Anzeigers nicht vorhanden sein. Tatsächlich gibt es jetzt hier jetzt sehr viel Arbeitslose und was das Schlimmste ist, diese werden noch nicht einmal bei den Notstandsarbeiten ange⸗ nommen. Nach einem Beschlusse der Stadtverordneten sollen nämlich die sogenannten Saisonarbeiter, Maurer, Zimmerleute, Dachdecker ꝛc. bei den Notstandsarbeiten nicht beschäftigt werden. Wir wissen nicht, welche Gründe für diesen Beschluß maßgebend waren, wir halten ihn aber für sehr bedauerlich. N 5 Es gibt hier eine ganze Anzahl Arbeiter, die schon seit 8—10 Wochen arbeitslos sind und infolgedessen sich mit ihrer Familie in schlimmster Notlage befinden. Wir meinen, es wäre Pflicht der Gemeindeverwaltung, hier ein⸗ zugreifen und den Leuten Arbeit anzuweisen. — Erschossen hat sich hier am Mittwoch auf der Bahnstrecke nach Wetzlar ein etwa 30⸗ jähriger Mann. Wie sich später herausgestellt hat, ist es der Wirker Otto Grenzdörfer aus Apolda. Der Selbstmörder ist nach den Berichten Frankfurter Blätter aus dem Heiliggeist⸗Hospital in Frankfurt entsprungen, wo er Aufnahme gefunden hatte. Vorher soll er auf der Frankfurter Polizeiwache schwer mißhandelt worden sein. 5 —(Eingesandt.) Alle Parteigenossen und Gewerkschastsmitglieder, namentlich die jüngeren unter ihnen, möchte ich auf die Dis⸗ kussions⸗ und Unterrichts⸗Abende, die auf Beschluß des Wahlvereins eingerichtet wurden, aufmerksam machen. Diese finden jeden Dienstag im Lokale Löb(oberes Zimmer) statt. In diesen Unterrichtsstunden sollen die Teilnehmer mit dem Notwendigsten aus dem Gebiete der Politik, Volkswirtschaft, Litteratur ꝛc. bekannt gemacht werden. Ferner wird deutsche Sprache und später Buchführung durchgenommen werden. Hier ist also jedem Gelegenheit ge⸗ boten, seine Kenntnisse zu bereichern. Die beiden letzten Abende verliefen äußerst interessant und es wäre sehr erwünscht, wenn recht zahlreiche Beteiligung stattfände. Kosten erwachsen für den Teilnehmer nicht. Max Frenzel. Aus dem Rreise gießen. * Ein Denunziant? Aus Lich wird uns die Mitteilung, daß der dort wohnende Arbeiter Ledermann, der das Amt eines Totengräbers bekleidet, vor einiger Zeit einen Licher Einwohner wegen Majestätsbeleidi⸗ gung angezeigt haben soll, wegen welcher der Betreffende auch bestraft worden ist. Ebenso soll der dortige Bürgermeister wegen einer ge⸗ ringfügigen, wohl mehr aus Gefälligkeit be⸗ gangenen Amtsverfehlung auf Anzeige des Ledermann hin verurteilt worden sein. Wir haben von diesen Dingen s. Zt. keine Kenntnis bekommen, sonst würden wir uns selbstverständ⸗ lich damit beschäftigt haben, besonders, da Ledermaun als Sozialdemokrat angesehen wird. Gegenwärtig untersucht der Vorstand des Kreiswahlvereins diese Angelegenheit und wird sie der demnächst stattfindenden Kreis- konferenz zur weiteren Beschlußfassung unter⸗ breiten. Wir wollen der zuständigen Partei⸗ instanz nicht vorgreifen; soviel steht aber fest: wenn es sich herausstellt, daß Ledermann wirk⸗ lich solche verächtliche Handlungen begangen hat, die nicht blos jeber Sozialdemokrat, son⸗ dern jeder anständige Mensch verurteilt, wird sich die Konferenz bestens bedanken, ihn als Parteigenossen anzuerkennen. Unsere Partei hält es stets mit dem alten Spruch: Der größte Lump im ganzen Land, Das ist und bleibt der Denunziant! Aus dem Nreise sriedberg⸗Püdingen. r. Nationalliberale Versammlung in Friedberg. Am Sonntag fand eine vom national⸗ liberalen Wahlkomité einberufene Versammlung in dem Hotel„Drei Schwerter“ statt, in der Graf Oriola über seine Tätigkeit im Reichstage und den Zolltarif referirte. Es waren nur die bürgerlichen Parteien eingeladen, Mahrscheinlich fürchteten die Oriola und Genossen, Pen Sozialdemokraten ihr Verhalten bei den werde. So schloß man einfach die 8 Verlag d Sozialdemokraten von der Versummlung aus. Dadurch zeigte es sich aber deutlich, wie gering hier die An⸗ hängerzahl der Nationalliberalen ist; man kann sie bald an den Händen abzählen. Wären nicht aus den Nach⸗ barorten die Großbauern vertreten gewesen, se könnte man den Besuch der Versammlung kläglich nennen. Graf Oriola versuchte in einer/ stündigen Rede sein Verhalten bei der Beratung des Zolltarifs zu recht⸗ fertigen, wobei er in erster Linie die Obstruktion als das Karnikel darstellte, welches die Schuld trage, daß der Zolltarif, der eigentlich niemand besriedige(auch ihn selbst nicht), zu Stande gekommen sei. Zur Bekräftigung seiner diesbezüglichen Ausführungen stützte er sich auf die bekannten Artikel der Freisinnigen Zeitung. Komisch wirkten seine Ausführungen in Bezug auf einzelne sozial⸗ demokratischen Redner und ihre Obstruktions-Methoden und zwar deshalb, weil der Herr Graf sich bemühte, die Redner als Komödianten hinzustellen. Er hätte für noch höhere Gelreidezölle gestimmt,(natürlich, er hat ja Vorteil davon! D. R.) aber unte dem Einfluß der Obstruktion habe er sich entschlossen, das Mögliche zu erlangen.„Sollte ich meinen Landwirten nichts mitbringen?“ so erklärte der Graf wörtlech,„Besser ein halbes Ei, als eine leere Schale.“ Festgenaget sei hier auch die Bemerkung, die der Herr Graf in Bezug auf unsere Reichsfinanzen machte. Der Herr Graf sagte nämlich:„Wo soll es hinführen, wenn dem Reiche die Einnahmen aus den Zöllen entzogen würden.“ Nach⸗ dem der Herr Graf sich bemüht hatte, den Arbeitern begreiflich zu machen, daß auch sie am Zolltarif ein Jalteresse ätten, indem die Konkurrenz der ausländischen Industrien durch denselben erschwert würde, ermahnte er die bürgerlichen Parteien zur Einigkeit der Sozialdemo⸗ kr tie gegenüber, und zwar mit einem Pathos, welches bei denkenden Menschen nur ein Lächeln hervorrufen konnte. Als der Herr Graf geendet, erklärte der Vo⸗ sitzende, Advokat Windecker: Wenn Jemand von den bürgerlichen Parteien eine Anfrage an den Herrn Grafen zu richten habe, so möge er sich zum Wort melden. Als sich hierauf Genosse Busold erhob, um nach den Gründen zu fragen, weshalb man keine Diskussion zu⸗ lasse, wurde ihm sofort bedeutet, daß auf Grund der Einladung, wonach nur Bürgerliche geladen seien, auch diese nur Anfragen stellen könnten. Dieses feige Aus⸗ kneifen machte die Blamage zu einer vollkommenen. Wenn die Herren so fortfahren, in der kommenden Wahlbe⸗ wegung der Kritik aus dem Wege zu gehen und die Oeffentlichkeit in ihren Versammlungen auszuschließen, dann liefern sie uns wertvolles Agitationsmittel. S. Vermißt wird seit Montag der Teil⸗ haber der Firma Schönberg und Strauß in Niederwöllstadt, Max Strauß, welcher seit längeren Jahren mit seiner Familie in Fried⸗ berg wohnt. Er hat in Frankfurt einen größeren Geldbetrag auf einem Bankhaus ausgeliefert und wollte von dort aus die Rückreise antreten, traf jedoch nicht zu Hause ein. Man vermutet, daß dem Manne ein Unglück zugestoßen ist. Aus dem Rreise Alsfeld-Cauterbach. J. Die Krupp⸗Affaire ist einem Alsfelder Gemeinderatsmitglied, dem Herrn Sattlermeister Berk in den Kopf gefahren. Derselbe äußerte kürzlich nach einer ziemlich langen Sitzung in einer hiesigen Restauration in Bezug auf den Fall Krupp, die Sozialdemokraten seien Lumpen⸗ bande. Bei der letzten Landtagswahl hat er sich aber von den Sozialdemokraten als Wahl⸗ mann wählen lassen. Der gute Mann scheint also erst vor Kurzem seine ordnungsparteiliche Gesinnung entdeckt zu haben. Na, lassen wir ihn schimpfen! n. Aus Schotten schreibt man uns: Im Schottener Kreisblatt findet sich folgende Anzeige: Tüchtige Former und Gußputzer auf dauernde und lohnende Beschäftigung ge⸗ sucht. von Arnim'sches Eisenwerk Marienhütte Auheim b. Hanau. Diese Branche ist doch hier und in der Umgegend sehr wenig vertreten, es scheint, als sollten die Vogelsberger zu Lohndrückern benutzt werden. Wir möchten den Arbeitern nicht raten auf den Leim zu gehen, jedenfalls giebts auch bei Hanau Arbeiter genug. — Die Antisemiten sind doch recht unpraktisch e Leute. Richtet da Herr Hirschel eine Anfrage an die Regierung, worin er wissen will, ob die Zustände mit den Hütekindern im Vogelsberg wirklich so sind, wie sie ein Geist⸗ licher in der Frkftr. Ztg. schilderte. Warum fragt denn Kirschel seinen Parteigenossen Bin de⸗ wald nicht, der jetzt hier in der Umgegend — schreibt man uns aus dem Vogelsberge— seine Weisheit verzapft? Der prahlt doch immer * mit seiner Kenntnis der Verhältnisse, muß es also wissen. er sich mit solchen Kleinigkeiten nicht abgeben? — Die Hauptbeschäftigung der Kleinen besteht im Viehhüten; vielfach werden sie auch zum Antreiben des Viehes beim Pflügen sowie bei der Ernte verwendet. Gewöhnlich werden die Kinder von solchen Bauern angenommen, die selbst keine Kinder im Alter von 10—14 Jahren haben. Meistens sind es Kinder armer Indu⸗ striearbeiter, die froh sind, ein Mäulchen weniger am Tisch zu haben, obgleich es ihnen wehthut, ein Kind in so zartem Alter schon zu harter Arbeit bei fremden Leuten anzuspannen. Als Bezahlung erhalten die Kleinen nur Kost und 9 einige Kleidung, höchstens bekommen die Eltern noch etwas Kartoffeln. Es geht auch nicht 9 ohne Unglücksfälle ab. Vor längerer Zeit hatte ein Bauer in E. den Sohn eines Knechtes angenommen. Beim Heuabladen, als der Bauer dem Kinde das Heu auf die Heubühne reichte, stieß sich der Knabe in die Heugabel, deren Zinken ihm durch das Auge in Kopf drang, wodurch der Tod des armen Jungen herbeige⸗ 1 ö führt wurde.. Aus dem Nreise Wetzlar. a N h. Der Vortrag des Herrn Prof. Man n⸗ heimer war leider nicht stark besucht. Die kalte Witterung mochte wohl zum Teil mit schuld sein. Die Zuhörer verfolgten aber die Aus⸗ führungen des Vortragenden mit gespannter Aufmerksamkeit. In kurzen Zügen schilderte Prof. Mannheimer den Entwickelungsgang unseres größten Volksdichters Schiller und 4 0 besprach dann eingehend das dramatische Erst⸗ lingswerk Schillers:„Die Räuber.“ Dieses Werk bedeute eine soziale Tat; es sei ein Protest gegen Tyrannei und Bevormundung, der Freiheitsgedanke komme in ihm stark zum Ausdruck. Trotz einiger Mängel sei es ei Meisterwerk ersten Ranges. Mehrere Szenen, in denen die meisterhafte Zeichnung der Charaktere und der menschlichen Leidenschaften gan besonders hervortritt, wurden von den Schau⸗ spielern Herren Brosch und Becker aus Gießen in sehr exakter Weise vorgetragen. Alles in Allem war es ein sehr interessanter Vortrag und wir glauben, daß alle Zuhörer befriedigt waren. 1 r. Wie man Stimmpieh einfängt. Aus Haiger wird uns geschrieben: Amtsrichter Hoff⸗ mann, der Reichstagsabgeordnete für den V. nass. Wahlkreis hat der Schützengesellschaft in Haiger ein Reliefbild Bismarcks gestiftet, das in einem hiesigen Geschäfte ausgestellt ist. Herr Hoffman fühlt sich wohl veranlaßt, etwas für seine Wiederwahl zu tun, mit der es allerdings wackelig genug steht, sogar frühere Hauptstützen von ihm haben sich jetzt gegen seine Wahl ausgesprochen. In dem Begleitschreiben soll erwähnt gewesen sein, daß wie die Schützen stets in's Schwarze treffen,(So? D. R.) so habe auch Bismarck immer ins Schwarze getroffen. Ja, wenn es sich um die Geld⸗ sacks⸗Interessen handelte! Bezüglich des Herrn Hoff⸗ mann sind seine Wähler allerdings der Meinung, daß er bei Vertretung ihrer Interessen immer vorbeigeschosst hat und sie werden dieser ihrer Meinung durch Abg sozialdemokratischer Stimmzettel Ausdruck geben.— A die Christlich⸗Sozialen haben ihren Unterhäuptling, d Rentier Dr. Burkhard hierher auf die Stimmenjagd geschickt, der den Stöcker⸗Kandidaten als den wahren Jakob anpreist und der Sozialdemokratie mit den be⸗ kannten Mitteln den Garaus machen will. Es wird. ihm schwer halten! Will man die Christlich⸗Sozialen kennen lernen, so braucht man nur hier und da ein Blick in ihr Organ„Volk“ zu werfen. Da wird wenig christlicher Weise gehetzt, gegen Sozialdemo⸗ kraten, Juden und andere. Rühmt sich doch Häuptling Stöcker, den Kampf gegen das Judentum angefacht zu haben; Der Prediger des Wortes Gottes— Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!— reizt auf zu Haß und Verachtung gegen seine Mitmenschen; auf anderen Seite will man den„Heiden“ die Religion Liebe beibringen. Pharisäer! Ihr seid erkannt; un Wahlkreis wird keinen Christlich⸗Sozialen wählen, mag noch soviel Apotheker— Latein gesprochen werde Liest man die Berichte, die Dr. Burckhard über Versammlungen im Dillkreis schreibt und war selb der Versammlung, so muß man wirklich den Kt schütteln. Es wird immer so dargestellt, als habe Christlich⸗sozialer des Versammlungsortes den geschrieben, was nämlich eine gröbliche Täuse eniget thut, harter As und Iltern hatte echtes dauer eichte deren rang, beige dan! Die schulb Aus: aunter ilberte gang und Ert Dieses ei ei dung, k zun 8 kl ene, tun g en Gießen les 1 ort nedig . 975 V. 1a. I biet ich ml mit de frühe 11 B40 ernihl n inet 10 ie 0 m b 11 cc 1 — — — PTT ni i 1 Nr. 3. Mitteldeussche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. — Wir Sxzialdemokraten werden rastlos damit auch iu unserem Wahlkreise die Morgenröte der Aufklärung die Finsternis besiegt. Vorwärts für unsere gerechte Sache! Werbe jeder neue Streiter! Verbreiten wir vor allem unser Blatt, die Mitteldeutsche Sonn⸗ tagszeitung! Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. St. Volksküche. Die schon lange erwartete Einrichtung einer Volksküche wird demnächst zur Tatsache werden. In dem 3. Zt. leer⸗ stehenden Hause der luth. Gemeinde, das sonst zu Pfarrwitwen⸗Wohnungen diente, wird gegen⸗ wärtig daran gearbeitet die nötigen Räume für eine Volksküche herzustellen. In den oberen Stockwerken soll eine Kleinkinderschule Unter⸗ kommen finden und auch die Kinder aus der Volksküche gespeist werden. Hoffentlich läßt nun die Eröffnung eines Volksbades auch nicht mehr allzulange auf sich warten. Gewerkschaftsfest. Schon jetzt machen wir die hiesigen Gewerkschaftsmitglieder auf das am Sonntag, den 22. Februar d. J. im Café Quentin(Höck) stattfindende Winterfest der Gewerkschaften aufmerksam, damit sich Jedermann danach richten kann. Außer Theater⸗Aufführung findet Vokal⸗ und Instrumental⸗Konzert sowie Tanz statt. Ein zahlreicher Besuch dieses Arbeiterfestes ist sehr erwünscht. Zur Bekämpfung der Sozial⸗ demokratie müssen neuerdings wieder die Kriegervereine herhalten. So wurden kürzlich in Sachsen Mitglieder von Kriegervereinen, weil sie Konsumvereinen() beigetreten waren, von den Kriegervereinen ausgeschlossen. In Sachsen ist ja bekanntlich Alles möglich, daß aber auch in Hessen so etwas passieren kann, hätten wir nicht für möglich gehalten. Es ist aber Tatsache. Trotzdem in deu Kon⸗ sumvereinen keinerlei Politik— weder sozial⸗ demokratische noch konservative— getrieben wird, erhielt der Bierbrauer Ludwig Keil in Melsungen, wegen seiner Mttgliedschaft bei dortigem Konsumverein vom Vorstand des Kriegervereins ein Schreiben, worin ihm mit⸗ geteilt wurde, daß er aus obigem Grunde, da der Konsumverein auf sozialistischer Grundlage beruhe, aus dem Kriegerverein ausgeschlossen worden sei! Der Mann wird sich wohl diesen Beschluß jener patriotischen Männer, welche das Vaterland wieder einmal gerettet zu haben glauben, nicht allzusehr zu Herzen nehmen. — Kommunales. Die nächste Stadt⸗ verordnetensitzung wird sich, wie aus der Tages⸗ ordnung zu ersehen ist, u. a. mit der Frage der Errichtung einer Straßenbahn beschäftigen. Hoffentlich kommt ein vernünftiger Beschluß in dieser Sache zustande. — Bergiftet. Ein hiesiges Dienst⸗ mädchen, welches aus unbekannten Gründen eine Dosis un verdünnte Salzsäure zu sich nahm, verstarb unter furchtbaren Schmerzen in der Klinik. Preußische Polizeischlauheit. Die Berliner politische Polizei versuchte, wie der Vorwärts mitteilt, den Redaktions⸗ boten unseres Zentralorgans zu bestechen und ihn zum Verrat von Geschäfts⸗ und Partei⸗ geheimnissen zu verleiten. Der Polizist blitzte arbeiten, aber damit ab. Vielleicht ist der betreffende Polizeikommissar ein verkappter Sozialdemokrat, der unserer Partei Wasser auf die Mühle 1 75 will! Wir habens allerdings gar nicht nötig. Mit dem Huldigungsadressen⸗ Schwindel haben die Arrangeure bedenklich Schiffbruch gelitten. In Magdeburg sowie in Stettin erklärten die Arbeiter in großen Versammlungen, daß sie die Ergebenheitsadressen nicht frei⸗ willig unterzeichnet hätten. In Magdeburg erklärte eine Versammlung der Arbeiter vom Grusowerk die Maßregelung ihrer Kameraden Andre und Kutzner als eine Schmach und Schande. Damit ist der Huldigungsschwindel gerichtet. Ein Freiherr als Zuhälter. Das Landgericht in München hat einen Freiherrn v. Leitner, der, Sohn eines kgl. Kämmeres, nach kurzem humanistischen Studium aus Not das Gewerbe eines Kellners erlernte, zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er den Zuhälter einer Prostituirten machte und von derem Erwerb lebte. Dieses Ver⸗ hältnis war von einer Verwandten Leitner's, einer Gräfin, begünstigt worden, und nach dem Nachrichtenbureau soll es nicht ausgeschlossen sein, daß gegen die Gräfin wegen Kuppelei vorgegangen wird. In der Konitzer Mordsache soll sich eine neue Spur gefunden haben. In Metz, bei dem Artillerie-Regiment Nr. 34 be⸗ findet sich unter den zuletzt eingestellten Re⸗ kruten ein Mann, der vorher in der französischen Fremdenlegion gestanden hat und von dort aus desertiert ist. Der Mann erzählt, daß er in einer Kompagnie mit einem Fleischergesellen zusammengewesen sei, welcher angiebt, bei dem Morde des Gymnasiasten Winter Beihilfe ge⸗ leistet zu haben. Von Gewissensbissen geplagt, habe dieser Fleischergeselle mehrere Male ge⸗ beten, verhört zu werden, sei aber von den vorgesetzten Behörden immer zurückgewiesen worden, da diese glaubten, er wolle auf diese Weise nur seine Entlassung erreichen. Der Rekrut ist in Metz eingehend verhört worden 1 1 ö ö ö 1 und das Aktenmaterial wurde dem Staats⸗ anwalt zugesandt.— Kleine Mitteilungen. * Der General bevollmächtigte der Langsdorfer Spar- und Darlehenskasse Klee aus Orleshausen wurde vorige Woche von der Gießener Strafkammer wegen Unterschlagung ꝛc. zu 3 ¼ Jahren Zuchthaus verurtei t. n Unfall bei der Arbeit. In der Ziegelet Müller bei Kinzenbach verunglückte der Ar⸗ beiter Stein müller aus Heuchelheim dadurch, daß er durch herabfallende Erdmassen verschüttet wurde. Schwer verletzt wurde er in die Klinik gebracht. Beim Holzfällen in dem Gemeindewald von Fronhausen wurde ein Arbeiter durch ein zurück⸗ fliegendes Stück Holz schwer am Kopfe verletzt, so daß er ärztliche Hilfe aufsuchen mußte. Die Leiche eines zwanzigjährigen Mädchens wurde am Montag unterhalb Wetzlar aus der Lahn geländet. — k Theaterbrand. Das Bühnenhaus des Stadt⸗ theaters in Dortmund wurde am Dienstag ein Rauh der Flammen. Das Feuer begann vor der Vorstellung. Der Theatersaal ist gerettet. Partei-Nachrichten. Ein hochbetagter Genosse Rechtsanwalt und Notar Ludwig Emil Putt⸗ rich in Leipzig, beging vor einigen Tagen sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum. Er ist ein alter Demokrat, der sich konseguent zum Sozialisten weiterentwickelt hat. Im Jahre 1879 wurde Puttrich in den sächsischen Land⸗ tag gewählt, wo er mit Liebknecht und dem Rechtsanwalt Freytag die sozialdemokratische Vertretung bildete. Wegen einer Augenkrank⸗ heit, die später zur Erblindung führte, mußte er sein Mandat niederlegen. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 15. Februar 1902, Vormittags 10 Uhr RKreiskonferenz in Gießen, Lokal Orbig, Rittergasse 17. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht und Neuwahl des Vertrauens⸗ mannes; 2. Organisation und Agitation im Kreise (Ref. Gen. Orbig); 3. Die bevorstehende Reichstags⸗ wahl(Ref. Gen. Krumm); 4. Maifeier(Ref. Beck⸗ mann). Die Parteigenossen aller Parteiorte im Kreise werden ersucht, für ihre Vertretung zu sorgen. Jeder Ort hat das Recht, bis zu drei Delegierten zu ent⸗ senden. Etwaige Anträge sind baldmöglichst einzureichen. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Versammlungskalender. Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlungen! Samstag, den 17. Januar. Gießen. Abends 9 Uhr Vortrag von Frau Dr. David im Lenz'schen Felsenkeller. Wieseck. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung im Vereinslokal. T.⸗O.: 1. Abrech⸗ nung; 2. Vorstandswahl; 3. Kreiskonferenz. Sonntag, den 18. Januar. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Gene al⸗Versammlung bei Orbig. Marburg. Gewerkschaftskommission. Vor⸗ mittags 10 Uhr Sitzung bei Hilberger, Hirsch⸗ berg 12. Montag, den 19. Januar. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 25. Januar. Lauterbach. Soz.⸗dem. Wahlverein. Nach⸗ mittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Kaut. Gießen. Glaser⸗Verband. Nachmittags 3 Uhr Generalversammlung bei Orbig. Samstag, den 24. Januar. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung in Stadt New-Nork. Gießen. Jeden Dienstag, Abends punkt ½9 Uhr, Diskusstons⸗ und Unterrichtsstunde im„Wiener Hof“ bei Lö b(oberes Zimmer). Briefkasten. Bei Einsendungen bitten wir, möglichst schmales Papier zu verwenden und nur auf einer Seite zu schreiben. J. Villingen. Ohne nähere Kenntnis des Ehekontraktes ist die Frage nicht zu 95 5 8 20 kaum Giessen Marktstrasse 17 part., I., II., III. Et. vorgefunden, welche wir, Inventur-Aus glaublichen Preisen verk Wir bitten um Beachtung unserer Bei unserer Inventur-Aufnahme haben sich viele einzelne Artikel um schnell damit zu räumen, in unserem verkauf aufen. Schaufenster! J. Cohn& Co,, CASS EL. beantworten. W * giessen Marktstrasse 17 part., I., II. III. Et. N N 4 4 0 222 2e 2 8 ————...— ..— Mitteldeulsche Sountags⸗Zeitung. Seite 6. 01. E———— e a Anterhaltungs-Ceil. Die Arbeit. Es mag der Arbeit heut erklingen Ein ernstes Lied, und ihr allein. Es soll von Herz zu Herzen dringen, Mit Ciebe soll's geschrieben sein. Sie tritt hinaus auf das Gelände Am Morgen früh, am Abend spät, Sie regt die mehr als fleiß'gen Hände Da wo sie ackert, wo sie mäht. Sie läßt den Hammer niedersausen, Sie zieht die Feile scharf und schwer, Und sie beherrscht der Räder Brausen Und ist zu Haus auf weitem Meer. Sie holt den Reichtum aus der Erde Und fördert täglich neues Gut. Sie trotzt der härtesten Beschwerde Und opfert hin das eig'ne Blut. Sie schmiedet künstliches Geschmeide Und webt den Stoff zum Prachtgewand Sie rauscht im feinsten Seidenkleide Und lispelt leis in jedem Band. Sie nährt der faulen Schlemmer Garde, Sie nährt des Reichen Freudenweib Sie selbst hat nur das taube— Warte! Und friert und darbt am eignen Leib! Sie hilft die schönsten Freuden schaffen Und neigt das Haupt so sorgenschwer, Und wenn sie glaubt das Glück zu raffen, — Dann ist für fie die Schaale leer. Doch wenn sie nach dem Recht will rufen Und nach der Freiheit Lebenslicht,— Dann tritt man sie mit Pferdehufen Und schleppt sie vor das Strafgericht! Giebt's denn vor diesem qualvoll Bösen Für sie nicht Rettung, keine Wahl p O doch, sie wird sich auch erlösen! Doch davon kling's ein andermal. Aus einem deuischen Hause. Ein Familienbild aus dem neunzehnten Jahrhundert von Ludwig Schierk. (Fortsetzung.) Ter Erbprinz bezog seine geistige Kost aus den Händen dreier Mentoren, welche sich in die Arbeit, einem abgestumpften Knabenhirne das zu gewissen Prüfungen, die eine fürsorg⸗ liche Staatsgewalt vorschreibt, unumgänglich nötige positive Wissen einzuprägen, redlich teilten. Die Spuren dieser nützlichen Tätigkeit waren auf einem Tisch zu erblicken, dessen nach allen Regeln des Kunstgewerbes getäfelte Platte aus einem Wuste von beschriebenen Papierblättern, regellos durcheinander geworfenen Büchern und dergleichen Schulgerippen hervorblickte. Während Martha, still und gedrückt wie ste gekommen, die Reste des Frühstückes ab⸗ räumte, warf Prinz Ewald einen Blick voll unsäglicher Verachtung nach dem Schauplatze seines täglichen Leidens. „Martha, bringen Sie mein Zimmergewehr!“ sagte er dann schüchtern. „Sle wissen doch, Herr Ewald!“ erwiderte das Mädchen,„daß Professor Barra sogleich eintreffen muß.“ Offenbar enthielt diese Antwort wenig Tröst⸗ liches für den gesättigten jungen Herrn; denn er verzog das Gestcht zu einem zor nigen Grimme und warf sich gegen die Lehne eines wunder⸗ schönen Stuhles, dessen stilvolle Schnitzerei zu dem Zwecke, dem sie hier diente, in einem Eben trat die Figur eines Mannes in die Türe. Es war der Professor; er nickte Martha zu, die grüßend hinausschritt. Professor Karl Barra war Zeichenlehrer an einer der Unterrichts⸗ anstalten, welche eine opferwillige Regierung dem kleinen Landstädtchen aufgehalst hatte, das den Rahmen zu den Fabrikanlagen der Firma C. v. H. bildete. In seinen jungen Jahren gab er sich der Täuschung hin, ein Maler zu sein; jetzt trug er schwer an der Last, die ihm seine Frau und zehn Kinder auferlegten. Die Frau Professorin war von einer allzu⸗ freigebigen Natur mit einem Uebermaße von körperlicher Erscheinung bedacht worden, und dieser Umstand schien den schwer arbeitenden Gatten zusehends herunter zu bringen. An seinem Familientische kam er selten zu beschau⸗ licher Ruhe. Sein Körperchen war gezwungen, sich der Reihe nach den einzelnen Bestandteilen seines Kindersegens zuzuwenden, und die Menge kleiner Dienste, die er einer anspruchsvollen Nachkommenschaft zu leisten hatte, prägte seinem ganzen Wesen jene eilfertige Zuvorkommenheit auf, die sich überall nützlich machen wollte. „Hänschen da, Lieschen dort! Ella soll ich Dir auch ein Brötchen schneiden?“ so redeten alle seine Bewegungen. 12 2 Etwas dieser Art lag in der selbstverständ⸗ lichen Bereitwilligkeit, mit der er das Getäfel des Tisches von dem geistigen Schutt befreite, der es bedeckte, um Raum zu schaffen für eine Tätigkeit, die seinen erwachsenen Töchtern die Möglichkeit bot, ihren Bedarf an Hüten, Sonnen⸗ schirmen und Handschuhen zu decken. Die prachtvolle Pendeluhr, welche die Tapeten⸗ wand gegenüber symmetrisch teilte, gab mit zehn melodischen Schlägen das Zeichen zum Anfang, und wenige Minuten später unternahm der kinder⸗ und gedankenreiche Professor den Versuch, das Bild eines Zimmergewehres, das einen lockigen Kuabenkopf erfüllte, der die schul⸗ gerechten Theorien das Euklid zu ersetzen. II. Die kunstgewerbliche Treppe, welche aus Flur und Küche zu den prunkenden Höhen der Familienzimmer, der Gesellschafts⸗ und Em⸗ pfängsräume, des Mustk⸗ und Speisesaales emporstieg, ruhte auf einem mächtigen Mtttel⸗ pfeiler, dessen Scheidel das Bild einer nackten, weiblichen Figur trug. Diese Figur wandte dem Eintretenden die reizvollste Seite ihres geschmeidigen Körpers zu, drehte in einer sehr stilvollen Verrenkung des Oberleibes den Kopf etwas zur Seite und wies mit dem Zeigefinger nach einer Türe von Spiegelglas, die das Treppenhaus abschloß. Der kleine, witzige Advokat, der zu den Gestalten gehörte, die in regelmäßigen Zwischen⸗ räumen das gastfreie deutsche Haus von seinen Vorräten an Champagner befreiten, vergaß beim Abschiede nach solchen Gelagen niemals, einen letzten Blick des Bedauerns auf die marmorne Schöne zurückzuwerfen. „Weiß Gott!“— sagte er dabei zu seinen lachenden Freunden—„weiß Gott, wie oft ich mir schon gewünscht habe, daß das verfluchte Mädel nur fünf Minuten lang lebendig wäre!“ Auch in dieser späten Nachmittagsstunde, da er eben die wohlbekannten Stufen empor⸗ stieg, deren teppichbelegte Flächen jeden Tritt einschluckten, versäumte er nicht, dem stilvollen Erzeugnisse des nationalen Kunstgewerhes seine Anerkennung zu zollen und den reizenden Weg⸗ weiser mit einem verlaugenden Blicke zu streifen. „Fast stieß er dabei an die Gestalt Marthas, die lautlos wie ein Schatten aus dem Familien⸗ himmel nach abwärts stieg. In flüchtigen Schreck wandte er sich von der toten nach der belebten Schönheit, die unter dem forschenden Gesichte des welterfahrenen Rechtsfreundes befangen den Blick senkte. „Gerechter Himmel!“— murmelte der Dok⸗ tor—„wie sieht das Kind aus! Ist denn kein Haus mehr in Deutschland ohne diese jammernden Gretchenaugen zu finden, die jeden Eintretenden für eine Madonna halten und Ach! neige, du Schmerzensreiche, Dein Antlitz gnädig meiner Not!“ Und kopfschüttelnd trat er durch die Spiegel⸗ ür. Der kleine Dokter war Sachverwalter der Firma C. v. O., deren vielfältige und schwie⸗ rige Rechtsgeschäfte ihm indes genügend Zeit ließen, einen vorübergehenden Blick in die unter⸗ geordneten und weit einfacheren Zustände zun tun, welche das Familienleben des Inhabers der Firma ausmachten. 3 Er plauderte achtungsvoll mit der vornehm tuenden Hausfrau, er hänselte Ewald mit seinen Lektionen, er redete klar und sachlich mit dem verständigen Fabrikherrn. In diesem vorsichtigen Aupassen eic der kleine Doktor einer welterfahrenen Stubenflieges, die 55 ihrem Rüsselchen jedem Safte gerecht wird. 1 Eigentlich ahnte niemand, daß er sich über Alle lustig machte. Die neugierige Welt verdankte ihm die Kunde, unter welchen Umständen der fünfund⸗ dreißigjährige Inhaber der Weltfirma C. v. O. das arme zwanzigjährige Fräulein Flora von Noor einst zu seiner Hausfrau gemacht. „Ihr meint, die Ehen werden im Himmel geschlossen?“ lachte er eines Abends.„Ich kenne eines dieser erhabenen Bündnisse, das der Sekt zu Stande gebracht hat.“ Die Freunde machten große Augen. 1 „Doktor!“— brummte ein hagerer Hilfs⸗ beamter—„man stellt keinen Lehrsatz ohne Beispiele auf!“ „Sollt Ihr haben!“ klang es behaglich zu⸗ rück.„Es war einmal ein Mädchen, hieß Florette, außerordentliche Erscheinung, so dumm als schön. Gesellschaftsball im Sommer vor sechzehn Jahren. Geriebene Mutter ein wei⸗ licher Advokat. Die schöne Tochter in weißem, stilvoll engem Kleidchen, langes Schneewittchen haar: ganz Göttin für ein kunstgewerbliches Treppenhaus. Im Ballsaal ein Mann, Besitzer eines solchen Treppeuhauses; zur Zeit bei der dritten Flasche Sekt. In drei Minuten ver⸗ liebte Szene hinter der Palmengruppe, die unsere Gesellschaftsbälle so anziehend macht. Süßes, lockendes Geflüster; unschuldsvolles, zorniges Auffahren; nachgiebige Verschämtheit, und so weiter. Fahrt zu zweien durch eine Sommernacht; als Gegensatz eine trostlos suchende Dame im Ballsaale, die eine beküm: merte Mutter vortrefflich zu spielen versteht. Süßes Glück zweier Menschen verschiedenen Geschlechtes in irgend einem vornehmen Garten⸗ pavillönchen;— gekränkte Mutter; Heirat; ein geistvoller Knabe— Schluß!“ So redete in glücklicher Nachahmung eines berühmten Lustspieldichters der erfahrene Rechts⸗ freund unter dem schallenden Gelächter des kleinen Kreises, der sich jeden Freitag in einem Hinterstübchen bes Hotels„Zur deutschen Warte“ zu versammeln pflegte. „Der Doktor hat Recht!“— brummte der hagere Hilfsbeamter in zynischer Gelassenheit, —„Frau von Ostheim hält die Mitte zwischen einer Maitresse ihres Mannes und einem Mar⸗ morbilde, das man nach Bedarf in diese oder jene Ecke des Empfangsaales postirt.“ 8 Der erfahrene Rechtsfreund wurde in diesem Augenblicke im Hause der Firma C. v. O. mit einiger Ungeduld erwartet. Der Chef dieses vaterländischen Hauses befand sich in seinem „Arbeitszimmer.“ So lautete der Name eines Gemaches, das sich jeuseits des Spiegelver⸗ schlußes inmitten des Familienhimmels befand, der das gesamte obere Stockwerk des eleganten Wohngebäudes in Beschlag nahm, obwohl Nie⸗ mand recht anzugeben vermochte, welcher Art die Arbeit war, die hinter jener verschnörkelten Türe mit den bekannten drei Buchstaben und Wander Krönchen im Mittelfelde verrichtet wurde.— Unter den Räumlichkeiten der umfangreichen Behausung, welche dem nationalen Kunstgewerbe so viel Anlaß gegeben hatte, seine hohe Vol⸗ lendung zu zeigen, nahm dieses Arbeitszimmer in Hinsicht einer stilvollen Ausstattung unbedingt die erste Stelle ein. Kein Zoll breit des Fuß⸗ bodens, keine Spanne der Wandflächen, kein sonderbaren Gegensatze stand. ihm zuflöten: Winkelchen der drei Fensternischen, das nich —————ũ—d — * — = ——— bel 5 Markte gefördert. In malerisch aufgebäumter karren, der jenem Biedermann die Möglichkeit kaufen, das spater dem eleganten kunstgewerb⸗ sttufenweise fort bis zu jenem Diplome in ver⸗ goldeter Fassung, mit dem der Landesfürst die chens zu stellen. scchöne Land entdeckt worden ist, eine fortgesetzte fieihe von Grausamkeiten, Metzeleien, Kriegen Frieden und Gedeihens. bpenig von beiden genießen dürfen.“ henderheerden durchziehen das Land. Es lassen Nr. 3. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Zeugniß abgelegt hätte von jenem Schwung nationalen Geistes. Das Tintenzeug des Schreibtisches war eine wunderbar feine Nachahmung des„Sebaldus⸗ grabes“ von Peter Vischer in getriebenem Silder; der Zigarrenbehälter, der unserem kleinen Rechtsfreunde so oft das Herz höher schlagen machte, der Kölner Dom im Kleinen; die Ampel, die von der in bunter Ornamentik fast erstickten Decke herabhing, ein Bild der Lampe, die der sangesfrohen Tafelrunde der Landesgrafen von Thüringen den Saal der Wartburg erleuchtet hatte. In einer Ecke dieses Zimmers fland auf einer Estrade ein reizendes Modell des Wohn⸗ hauses und der Fabrikanlagen der Firma C. b. O., bis in den kleinsten Zug genau nachge⸗ bildet; über dem Bogentore der Luchskopf mit den geheimnißvollen drei Buchstaben im Schutze eines gezackten Krönchens. Es war ein Ge⸗ schenk der städtischen Vertretungskörper, die mit dieser sinnigen Gabe den um die lokale In⸗ dustrie so hoch verdienten Mitbürger gebührend ehren wollten.„Sie haben“— hatte damals der befrackte Bürgermeister am Schlusse seiner Rede gesagt,—„Sie haben unsere ärmere städtische Bevölkerung dem Leben wiedergegeben, indem Sie ihr Gelegenheit zu einträglicher Be⸗ schäfttgung boten; einer Beschäftigung, welche dem Einzelnen ebenso wie der gesamten Na⸗ tion zu gute kommt, die in Ihnen eine Leuchte deutschen Geistes erblickt!“ „Rinder!“— lachte der Doktor am Abende jenes erhebenden Tages im Hinterstübchen des Hotels„Zur deutschen Warte,“—„heut habe ich den deutschen Geist einmal in allen seinen Schattierungen kennen gelernt!“ Jenem Beweise mitbürgerlicher Dankbarkeit gegenüber war an der Hauptwand des Ge⸗ maches die Geschichte des Hauses C. v. O. aufgestellt. Unter Glas und Rahmen hing ein faden⸗ scheinig Tragband, das erste Transportmittel, mit dem der Vater des gegenwärtigen Inhabers der Weltfirma sein kleines Warenbündels zu Haltung stand daneben der abgenützte Schub⸗ werschafft hatte, das einfache Häuschen anzu⸗ lichen Palais weichen mußte. So ging es Firma ermächtigt hatte, die beiden Wörter ihres Namens durch ein trennendes„von“ zu udeln und in den Schutz eines gezackten Krön⸗ Dies war die bewegte und lehrreiche Ver⸗ angenheit, welche eine verkommene Gegenwart fuß dem Namen Carl von Ostheim zusammen⸗ faßte. (Fortseßung folgt.) eee Venezuela. „Die Geschichte Venezuelas ist, seitdem das und Revolutionen mit kurzen Pausen des Es ist die aufrühre⸗ nüschste aller lateinisch⸗amerikanischen Republiken, und obgleich es der Schauplatz der ersten Zivi⸗ ksation auf dem amerikanischen Festlande war und sich als erstes Land für die bürgerliche Freiheit erklärte, hat seine Bevölkerung sehr In diesem Urteil, schreibt ein englisches Blatt, faßt W. E. Curtis die Geschichte des Landes zusammen. sich deutlich drei klimatische Zonen unterscheiden, und man hat die Wahl des ewigen Sommers oder ewigen Winters. Unter anderem wachsen Bananen, Ananas, Zuckerrohr, Palmen, Kokos⸗ nüsse und Orchideen in Venezuela.„Eine Reise den Orinoko hinauf auf einem der guten Dampfer, die den Yankees gehören, ist so be⸗ zaubernd, wie eine Nilreise, und kann von Newpork in etwa sechs Wochen für 1200 bis 1600 Mark, gemacht werden,“ sagt Curtis. Den Kongreß, der die Legislative darstellt, hat zwei Abteilungen, den Senat und das Abge⸗ ordnetenhaus; die Senatoren werden von den Abgeordneten gewählt. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden vom Volk gewählt, und zwar einer auf 35,000. Senatoren und Volksvertreter versammeln sich vereint und wählen sechzehn aus ihrer Zahl, die als Bundes⸗ rat tätig sind, der wieder den Präsidenten wählt. Der Präsident wohnt im„Gelben Hause“ der„Casa Amarilla.“ Venezuela ist berühmt durch seine Revolutionen, deren Art der amerikanische Konsul in La Guayra ssehr sarkastisch schilderte.„Wir haben hier oft welche,“ sagt er.„Das Leben in diesem Lande ist so grausam langweilig, daß sie fast die ein⸗ zige Erregung während des Jahres sind. Das wird folgendermaßen gemacht. Wenn ein Mann findet, daß eine genügende Zahl Freunde zu ihm halten, besticht er einiges Kriegsvolk zu 10 Cents pro Kopf und steht dann an der Spitze eines Heeres. Damit marschiert er in ein großes Tal in der Nähe der Stadt und erwartet die Ankunft der Regierungstruppen. Wenn nun diese kommen, ziehen sie mit allen Generalen auf die andere Seite des Tales. Sie sind ganz sicher, da beide Seiten des Tales nicht in Schußweite von einander liegen. Am frühen Vormittag, ehe die Sonne zu heiß brennt, geben beide Seiten eine Salve aufeinander ab, wenden sich dann um und stürzen in die Stadt. Die Seite die zuerst hereinkommt, ergreift alle Druckpressen und veröffentlicht den Bericht von einem glänzenden Sieg. Gewinnen die Em⸗ pörer, so werden die Freunde des Führers mit Stellen im öffentlichen Dienst belohnt, an Stelle ihrer besiegten Vorgänger, und der Staatsschatz wird geleert. Die Empörer, die von der entfernteren Seite des Tales kommen, haben es nicht so leicht, in die Stadt zu kom⸗ men; sonst würde die Regierung noch öfters wechseln.“ Die drah lose Telegraphie, bezüglich deren Verwendbarkeit in der Praxis man früher starken Zweifel hegte, gewinnt in der letzten Zeit seit den erfolgreichen Versuchen des Italieners Marconie immer mehr an Bedeutung. Dieser Tage soll Marconie in New Pork über die Zukunft der drahtlosen Tele⸗ graphte geäußert haben:„Wir werden unsere Gebühr für tranusatlautische Telegramme bald von 10 auf 1 Cent für das Wort herabsetzen. Gegenwärtig befördern wir 34 Worte in der Minute. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, wann wir Stationen ausrüsten werden, von denen aus wir 200 Worte in der Minute senden können. Wenn es erforderlich wäre, könnte ich es in wenigen Tagen tun. Nach Errichtung dieser Stationen wird die drahtlose Telegraphie der Post die Hälfte des Verkehrs zwischen Amerika und Europa abnehmen.“ Der Nährwert von Pfarrhof und Schule. In einer tschechischen Stadt fand vor einiger Das schöne Land im Norden Südamerikas ist iber eine Million Quadratkilometer groß und bird von 1047 Flüssen, darunter dem mächtigen Lrinoko, bewässert. Es hat 32 natürliche Häfen und 50 Buchten, deren größte, der Marg⸗ cibosee, über 2000 Quadratmeilen groß ist. m Innern zeigt es ein Naturwunder, einen frst 1700 englische Meilen über dem Meeres siegel gelegenen See. Etwa ein Drittel des bebietes ist Acker-, fast die Hälfte Weideland Zeit eine Lehrerkonferenz statt die Lehrer be⸗ sichtigten nach beendeter Arbeit auch die Seheus⸗ würdigkeiten der Stadt und kamen schließlich in das städtische Bad. Dort ist es nun Brauch, daß die Besucher gewogen werden, wobei das Gesamtgewicht der 42 Lehrer mit 2750 Kilo⸗ gramm festgestellt wurde. Wenige Wochen später hielten auch die Pfarrer der Dibzese eine Konferenz ab; auch sie besuchten das städtische Bad und ließen sich wiegen. 31 Pfarrer hatten 65% Kilogramm, ein Pfarrer ein Gewicht von 98¾ Kilogramm.— Der Klerus hat eben das Uebergewicht. 2. Splitter. Eben ganz leichtsinnige und der Besserung unfähige Menschen klagen sich oft am lebhaftesten an, bekennen ihre Fehler mit großer Freimütig⸗ keit und bereuen sie, ob sie gleich nicht die mindeste Kraft in sich haben, don dem Wege zurück zu treten, auf den eine übermütige Natur sie hinreißt. Goethe. **f * Man darf nur alt werden, um milder zu sein. Ich sehe keinen Fehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte. Goethe. 5** Lasse dir den Mut nicht rauben; Sei im Unglück stolz und fest! Werden doch die besten Trauben Stets am härtesten gepreßt! L. Kalisch. * * Der große Mann geht seiner Zeit voraus, Der Kluge geht mit ihr auf allen Wegen, Der Schlaukopf beutet sie gehörig aus, Der Dummkopf stellt sich ihr entgegen. Bauernfeld. Humoristisches. Zur Abwechslung. Gefängniswärter: Herr Direktor, die Gefangenen beschweren sich, daß sie jetzt drei Tage hinter einander Kartoffeln mit Rüben zum Mittagessen gehabt haben. Direktor: So, so! Na, dann geben wir ihnen zur Abwechslung jetzt mal drei Tage Rüben mit Kartoffeln. Wohltätig. Kammerjungfer:„Frau Baro⸗ nin, eine arme Frau frägt, ob sie nicht ein altes, ab⸗ gelegtes Kleid bekommen könnte?“ Baronin:„Das habe ich nicht, aber ein altes Modejournal kann sie haben!“ Ein höflicher Mann. Richter(zum Ange⸗ klagten, der wegen Körperverletzung vor Gericht steht): „Angeklagter, Sie haben dem Ihnen vollständig unbe⸗ kannten Hausbesitzer Steigerer nachts den Weg abgepaßt und ihn ohne jeden Anlaß mit einem Prügel auf den Kopf geschlagen!“— Angeklagter:„Ja, ja! Aber ich hab' sogleich pardon gesagt, wie ich g'seh'n hab', daß ich den Falschen erwischt hab'!“ In den Kruppschen Eisenwerken hatte kürzlich ein Arbeiter das Unglück, von der Maschine er⸗ faßt zu werden. Nach stundenlanger Arbeit gelang es endlich, ihn aus den Rädern los zu machen. Belde Arme waren ihm ausgerissen. Der Betriebsleiter trat auf ihn zu und sagte:„Das haben Sie bloß gemacht, um die Adresse nicht zu unterschreiben. Sie sind ent⸗ lassen.“ (Simpliciss.) . 8———ä——ñ Geschichtskalender. 18. Januar. 1902: Arbeitslosen⸗Interpellation im Reichstage. 1896: Wahlrechtsliga in Leipzig auf⸗ gelöst.— Floquet, franz. Politiker 5. 19. 1902: Brand des Stuttgarter Hoftheaters. 1874: Hoffmann von Fallersleben, freigesinnter pol. Dichter, f. 1736: James Watt(spr. Uatt), Hersteller der ersten brauchbaren Dampfmaschine,*. 20. 1898: Brodkrawalle in Italien. 21. 1793: König Ludwig XVI,. von Frankreich geköpft. 22. 1887: Die Berliner Genossen Hensel, Lach⸗ mann und Nauen brechen beim nächtlichen Flugblatt⸗ verteilen auf dem Eise der Havel ein und ertrinken. 1729: G. E. Lessing,*. 23. G. Doré, ber. Maler, f. 24. 1890: Reichstag beschließt die Ewigkeitsdauer des Sozialisten⸗Gesetzes. Err Parteigenossen, Arbeiter! werbt stets Abonnenten für die und das übrige hat Waldbestand. Große das Gewicht von 3061 Kilogramm. Es hatten also durchschnittlich ein Lehrer ein Gewicht von „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ —— „ Ae er 22 Seite 3. Ortskrankenkasse Friedberg. Laut Beschluß der Generalversammlung vom 19. November 1902 und unter Genehmigung Großh. Kreisamtes Friedberg vom 29. Dezember 1902 erhält der 8 30 des Statuts vom 1. Januar 1903 ab folgende Fassung: Die Kassenbeiträge betragen wöchentlich: Hiervon entfallen auf den Arbeitnehmer Arbeitgeber 1. Für die Mitgl. der 1. Kl. 12 Pfg. 1. Klasse 8 Pfg. 4 Pfg. 2. 7 1 7 7 2. I 18* 2. 1 12 7 6 1 8. 7* 7„ 3.* 27 7 3. 77 18 1 9 19 4.* 1* 9 4. 7 33„ 4. 7 22 N 11 1 5 1 1 7 1 5. 1 39 1 5. 7 26 7 13 7 6 1* I 1 6. 7 51 I 6 I 34 1 17 1 1 1 770 38 1 7 I I 8 7 70 77 Die Erhebung der Beiträge findet in den vom Vorstand zu bestimmenden Fristen, jedoch längstens von Monat zu Monat statt. Die angefangene Kalenderwoche wird als voll berechnet. Y Der Vorstand: Carl Damm, 1. Vorsitzender. e i n e eee Zweite große 555 ng 93 25 55 Lanatien. und Vogef-Husste veranstaltet vom Verein Kanaria für Gießen u. Umg. verbunden mit Prämiierung und Verlosung in den Tagen vom 23. bis 25. Jaunar er. im Saale des Hotels„Einhorn“. Eintritt 20 Pfg. Kinder in Begleitung Erwachs. 10 Pfg. Lose sind in den mit Plakaten belegten Handlungen 25 à Stück 50 Pfennig zu haben. 1 e e e Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11. 1 Telefon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus und Küchen- Geräte-Handlung Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗- u. Gaskocher Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Fleischhack⸗u.Reibemasch Rasenmäher Waagen und Gewichte Dr. Kleins Fleischsaftpress Stehleitern Messerputzmaschinen Feuerlöschapparate ꝛc. * Wieseck. Sonntag, den 13. Jauuar, zuachmittags 3 Uhr im Lokale des Herrn Philipp Keller: Allgem. Arbeiter- Versammlung. T.⸗O.: Gründung einer Verwaltungsstelle der Allgem. Krauken⸗ und Sterbekasse für Arbeiter aller Berufe Deutschlauds.(E. H.⸗K.) Sitz Meißen. Der Einberufer. 2 Hohe Pleischpreise! Sehr billige Seefische! Bei den heutigen überteueren Fleischpreisen empfehle als passend besten und billigsten Ersatz für Fleis 5 f 17 5 8 Hochfeine See fische wie Schellfische, Cabliau, Seehecht, Seelachs etc. aus täglich frischen Zufuhren, zu den billigsten Tagespreisen. für Abendbrot— Lachtessen riesige Auswahl von allen Sorten geräucherte und marinierte Fische. Spezial⸗Haus für feineFFischkonserven, Rollmöpse, Bismarkheringe, Sardinen, Bratheringe, Hering in Gelee, Aal in Gelee ꝛc. Jeden Tagz von 4 Uhr ab; frisch gebackene Fische in feinster Zubereitung. Seemuscheln täglich eintreffend 100 Stück 50 Pfennig. Feinster Nürnberger Ochsenmaulsalat 2 Pfd. Dose 90 Pfg., 1 Pfd. 56 Pfg. lose gewogen p. Pfd. 50 Pfg. 2 3 Großer Versand nach Auswärts L. Bühl, Gießener Fischbörse Maktplatz 5. Telephon Nr. 50. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. RRR Se W. Walter, Essen322 Koukurrenzsänger, ein heimische Sänger u. Exoten. 5 a EP Beinrich Holl, Giessen Krankenkasse 6 7[Bäusburg 7 5 Papier-Bandlung 8 00 Buchbinderei* Geschäffsbücher*& Drucksachen — 2 MSL Auf die gut eingef. u. feststehende (eingeschr. Hilfskasse No. 87) welche den Namen„Union““ führt, machen wir unsere Genossen zum Beitritt auf. Ohne ärztliche Untersuchung! Zahlstellen: Altenbuseck: Justus Einrahmen von Bildern. 8 hiermit aufmerksam und fordern Fertige ederbeiten mit 8 Pfund Federn gefüllt, Stück zu 10.50, 12.— 14.— 18.— Mark und besser. Kiffen mit 2½ Pfund gefüllt, 5 Stück zu 2.75, 3.50, 5.50, darunter Haupttreff. jähr. von Mk. 5540 000 2 0 lb, J 400 20* 20 Cob, 65 10 000 kommen im Laufe der Vereinszeit zur Verloosung Jedes Loos ein Treffer. Die kleinsten Treffer betragen mindestens ca. 97 pCt. des Ein- satzes, daher bei Verloosung fast ein Nisico Unsere Gesellschafts-Kombi- nationen bieten die Grösste Gewinnchancen. 112 verschiedene Nummern Monatlich Beteiligung nur Mk. 4. Anmeld. befördert umgehend: 6.70, 8.— Mark und besser unter Garantie für vollständig reine und neue Füllung, empfehlen Gebr. Weil Neustadt 10. Oos in ganz Deutschland gesetzl. erl 38022 Millionen mark Seuling I. Gr.⸗Buseck: Friedr. Nicolai. Wieseck: Chr. Heinr. Kreiling. Staufenberg: Phil. Becker. Daubringen u. Lollar: Friedr. Rudolph. Trohe und Rödgen: Heiur. Müller. Dauns⸗ bach u. Wißmar: Gg. Eckhardt. Reiskirchen u. Umgegend: Ludw. Schneider. desund und kräftig Bornbroch von der Kinzenbacher Mühle erhältl. in den bekannt. Verkaufsst e esoolsuegeluy Sinus qolheszs 9 Millionen Für lagen leidende N Allen denen, die sich durch Erkültung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, de heißer oder 5 kalter Speisen, oder durch unregelmäßige ebensweise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit ptelen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreiuigungsmittel, der Hubert Ulrich'she Kräuter- Wein. 5 705 Kräuter-Wein ist aus vorzüglichen, heilßräftig efundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsorgauismu⸗ des Menschen, ohne ein Abfüßrungsmitlel zu sein Kräukerwein beseitigt alle Störungen in den Blut⸗ gefäßen, reinigt das Wlut von allen verdorbenen, krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neu- bildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des äuter⸗Weines werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ Sog odeseses den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp⸗ tome wie: Koptschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen (veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kolikschmer- zen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blukanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrholdalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel. 2 sind meist die Folge schlechter Verdaunng, Entkräftung mangelhafter Blutdirdung und eines 0 haften Zustandes oer Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, stechen oft solche Kranke langsam dahin. 889 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung nd e regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt nd verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter ⸗Wein ist zu haben in Flaschen a Mk. 1.25 u. 75 in: Gießen, Großen⸗ Linden, Wetzlar, Fronhausen, Braunfels, Butz⸗ bach, Brandoberndorf, Gladenbach, Weilburg, Hroß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, zaubach, Bad Nauheim Marburg usw. usw. in den Apotheken. 3 Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig Wäeststrasse 82, 3 und mehr Flaschen Kräuterwein zu Ori⸗ ginalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto⸗ u. kistefrei d Vor Nachahmungen wird gewarnt. Man verlange ausdrücklich mert Ulirienh' sehen Kräuter-Wein. 8 5 r 2. Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandteile ind Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Rothwein 240,0. Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 420,0, enchel, Ants, Helenen⸗ wurzel, Enztanwurzel, Kalmuswurzel aa 10,0. K Cigarren fabelhaft billig zu verkaufen. 100 St. 5 Pf.⸗Cigarren nur M. 2,95 100„ 6„ 7 1 t. 3,70 100 7 8 7 7 7 7 4,70 100„ 10*„ 6,15 Bei 300 Stück Frankolieferung. Versand gegen Nachnahme. Für Güte der Ware wird aus⸗ drücklich garantiert. Tausd. Anerkennungen liegen vor Berndt& 00., Berlin⸗ Schöneberg 178a, Ebersstraße 75. Täglich frische Kreppel. bei L. Müller Bahnhofstraße 58. Tüchtige badiatosen-Folmer modellschlosser u. Werkzeugmacher sofort bei hohem Verdient gesucht. Offert. u. A. 0901 bef. d. Exped. Arbeiter aller Berufe önnen ohne ärztl. Untersuchung n die Allg. Kranken- u. Sterbe⸗ asse für Arbeiter aller Berufe Deutschl., E. H.⸗K., Sitz Meißen, gegr. 1891, eintreten. Keine Agent. Generalagenten und Direktoren, ondern Selbstverwaltung durch die Mitglieder. Gründer der Kasse: Reichstagsabg. Gg. Horn. Näh. 1 Statuten, Aufnahme⸗ scheine durch den Geschäftsführer Bruno Reinhold, Meißen, Martinstraße 2.— Ferner erteilt Auskunft Former Johs. Lemp, Treis a. d. Lumda, Bahnhofstr. 3. Wasserkrüge Packkorbe kaufen Beuner& Krumm Gießen, Bahnhofstraße 40. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur F. 8 2 2 8 . A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen.