150 die ter 1 8 2 15 e rr 0 5 5 * 1 Nr. 50. Gießen, den 13. Dezember 1903. 10. Jahrg. mNedaftion: 2„ Redaktionsschluß: Nirchenpiutz 11. Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr e Sonntags- b itung. Abonnementspreis: Die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Direkt durch] Druckerei, Ludwigstr. 30, jede jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33 ½¼% Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die D Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ö5gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Postanstalt und 4 mal. Bei mindestens Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 5 Bemüht Parteifreunde! c netz nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung! Feuerprobe. Unter den Initiativanträgen, die die sozial⸗ demokratische Fraktion im neuen Reichstag ein⸗ ebracht hat, befindet sich auch einer, der die inführung des allgemeinen, gleichen Wahl⸗ rechts für beide Geschlechter zu allen deut⸗ schen Parlamenten bezweckt. Daß dieser Antrag den Wünschen des Volkes entspricht, darüber kann wohl kein Zweifel be⸗ stehen. Denn kein Volk der Welk verzichtet überlegend und freiwillig auf das Recht, sein Geschick selbst bestimmen zu dürfen. Daß der Antrag auch zeitmäßig ist, das beweisen die zahlreichen Wahlreformen oder Wahlreförmchen, mit denen sich die meisten größeren Einzel⸗ regierungen Deutschlands herumquälen. Allerdings bedeutet dieser Antrag auch eine Abänderung der Reichsverfassung, Denn sein Grundgedanke geht dahin, daß für die Zu⸗ gehörigkeit jedes Einzelstaats zum Bundesstaat die Demokratie der eigenen Gesetzgebung Vor⸗ bedingung sein soll. Aehnliche Bestimmungen befinden sich in den Verfassungen der Schweiz, sowie der amerikanischen. Bundesrepubliken. Verhältnismäßig neu wäre nur die verlangte Einführung des Frauenstimmrechts; aber auch ste hat schon in Australien ein Vorbild gefunden. Es liegt also eigentlich gar nichis Revo⸗ lutionäres in dem sozialdemokratischen Antrag. Viel eher könnte man von einem besonnenen Konservatismus sprechen, der vorhandene Keime weiter entwickeln will und die Quelle innerer Kon⸗ flikte ist zweifellos in der Tatsache vorhanden, daß die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Einzelstaaten auf so durchaus ver⸗ schiedenen Grundlagen ruhen. f Wie kommt es nun, daß diese naheliegende, sehr ruhige, sehr maßvolle, sehr besonnene Volksforderung, die die sozialdemokratische Fraktion vertritt, so gar keine Aussicht auf Er⸗ füllung hat, daß eigentlich niemand ernstlich ihre Bewilligung durch die gesetzgebenden Faktoren des Reichstags erwartet? Es wäre lächerlich, diesem Antrag gegen⸗ über die Fahne des Partikularismus zu erheben und von einem Eingriff in die Rechte der Bundesstaaten zu reden. In einem Staate, der nach modernen Begriffen gerecht und vernünftig verwaltet wird, hat eben kein Teil das Recht, die Rechte seiner Bevölkerung zu verkürzen. Die preußische, bayerische, sächsische und andere Re⸗ gierungen mögen sich das Recht anmaßen, dem Volke seinen Anteil an der Gesetzgebung nach eigenem Ermessen zuzuschneiden, der bayerische, der preußische, der sächsische— kurz jeder Teil des deutschen Volkes wird seiner Regierung dieses Recht energisch bestreiten. Ein zweiter Standpunkt, den man wahr⸗ scheinlich dem sozialdemokratischen Antrag gegen⸗ über geltend machen wird, ist jener, der den Frauen die Fähigkeit bestreitet, in der Politik mitzuarbeiten. Wir sind gerne bereit, mit den Gegnern des Frauenstimmrechts zu diskutieren, und hoffen, dabei manche Eroberung zu machen. Wenn sich aber das bornierte urmännliche Selbstherrschertum vorläufig dennoch nicht aus die Einführung des Volkswahlrechts vorerst fur die Männer, aber nicht als eine volle Be⸗ friedigung unserer Wünsche, aber doch als eine annehmbare Abschlagszahlung akzeptieren. Wir sind bescheidene Leute und lassen uns auch auf Raten ein. Trotzdem, trotz alledem wird sich— wir wagen es zu prophezeien und wollen uns gerne hinterher als schlechte Propheten erweisen— in diesem Reichstage des allgemeinen Wahlrechts keine Mehrheit finden, die den sozial demokratischen Antrag auch nur für ernsthaft diskutabel hält. Warum? Weil die Mehrheit dieser vom Volke gewählten Abgeordneten ihr Mandat durch falsche Vorspiegelungen erlistet hat, weil sie das Volk innerlich verachten, dem sie vor den Wahlen so tiefe Bücklinge gemacht haben, weil ihnen im Grunde ihrer Seele das Wahl⸗ recht verhaßt ist, dem sie vor ein paar Monaten in der Volksversammlung den Fahneneid ge⸗ schworen haben, weil sie sich als Volksvertreter aufspielen, in Wahrheit aber nur Vertreter der herrschenden Klassen sind. Es wäre so überflüssig wie unnütz, solche Eutrüstung zu überschütten. Denn die herrschen⸗ den Klassen kämpfen auf Tod und Leben, und da gilt für sie auch nicht einmal der Grundsatz, daß man nickt in fremder Uniform kämpfen darf. Diesem Verkleidungsmanöver macht der sozialdemokratische Antrag ein Ende, und aus dieser schätzenswerten Aufklärung mag dann das wahlberechtigte Volk die Erkenntnis schöpfen, daß von seinen 397 Wahlen vom Juni immer noch 316 Fehlwahlen gewesen sind. —::.̃. 7˙•¾Awàww ̃⁵⅛ A2 Politische Rundschau. Gießen, den 11. November. Vom Reichstage. Nach der am Donnerstag erfolgten Eröffnung des Reichstags hat das„hohe Haus“ am Freitag die Präsidentenwahlen vollzogen. Die Reichsboten waren hierzu zahlreich erschienen, 311 waren anwesend, eine Zahl, die sich sonst nur bei wichtigen Entscheidungen einstellt. Es kam dabei so ein richtiges reaktionäres Zöllner⸗ Präsidium zusammen. Nach altem parla⸗ mentarischen Brauche wird der Präsident der stärksten Fraktion entnommen und so erhielt Graf Ballestrem, der Präsident des vorigen Reichstags, die Mehrheit, jedoch protestierten hundert weiße Zettel gegen seine Wiederwahl. Die Rede, mit der er die Annahme der Wahl erklärte, war denn auch ein Ausdruck unter⸗ drückten Aergers über den keineswegs glänzenden Ausfall der Abstimmung und der Kampfes⸗ stimmung gegen die Linke, die doch gerade dem Präsidenten, dem Hüter unparteiischer Gerechtig⸗ keit, am fernsten liegen sollte. Auf den ersten Vizepräsidentenposten hatte bekanntlich unsere Fraktion durch Präsentation des Genossen Singer Anspruch erhoben. Auf ihn fiel keine bürgerliche Stimme; nur zu weißen Zetteln schwangen sich die freisinnigen Parteien auf, einige machten den faulen Witz, ungebeten für seiner Stellung verdrängen läßt, so würden wir falsche Freunde der Volksrechte mit sittlicher die Genossen⸗Bernstein und Vollmar zu stimmen. Singer unterlag natürlich dem konservativen Grafen Stolberg ⸗ Wernigerode. Zum dritten Prästdenten, den„nach parla⸗ mentarischem Gebrauch“— der aber der Sozial⸗ demokratie gegenüber nicht geübt wird— die Nationalliberalen zu stellen hatten, schlugen diese ihr reaktionärstes Mitglied, den Professor Paasche vor, der auch zum Dritten im Bunde des Brotwucher⸗Präsidiums ernannt wurde. Noch nicht einmal einen Schriftführer haben die Gegner der sozialdemokratischen Fraktion— der zweitstärksten im Reichstage— zugestanden. Daß so die Lösung der berühmten„Vizepräsi⸗ denten⸗Frage“ aussehen würde, wußte jeder ein⸗ sichtige Genosse im voraus und die vollendete Tatsache beweist, wie überflüssig auch der Streit in der Partei und die tagelangen Diskussionen in Dresden über jene Frage waren. So beginnt denn die neue Session, wie die alte schloß, unter dem Zeichen des Brotwuchers. Es ist gut, daß gleich die ersten Sitzungen nicht den geringsten Zweifel über die Stimmung im Parlament aufkommen lassen: Es weht ein scharfer Wind, es wird an Kampf nicht fehlen und unsere Fraktion wird allein die Interessen der Volksmassen zu verfechten haben. Am Mittwoch begann die Beratung des Etats. Der neue Reichsschatzsekretär v. Stengel ergreift zunächst das Wort und bedauert, daß er keinen günstigeren Etat vor⸗ legen könne, der Fehlbetrag beziffert sich be⸗ kanntlich auf 30 ¾ Millionen. Das Bedauern stärker sein, als bei dem Minister. Er rühmte dann im Weiteren, daß sich alle Resorts im vorliegenden Etat der größten Sparsamkeit befleißigt hätten. Nach dem Schatzsekretär hob der Zentrumsredner Domkapttular Schädler zur einer langen Rede an, nichts Besonderes sagte. Zum Schlusse sprach er sich gegen Ausnahmegesetze und die Polenpolitik aus und verlangt nachdrücklich Diäten für den Reichstag.— Bebel wird am Donnerstag sprechen. Anträge der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Ueber die im Reichstage einzubringenden Anträge haben unsere Genossen im Reichstage in ihrer Fraktioussitzung Beschluß gefaßt. Ein Antrag verlangt die Wiederherstellung der alten Bestimmung in der Geschäftsord⸗ nung des Reichstags über die Wortmeldungen „zur Geschäftsordnung“. Ein zweiter Antrag verlangt, daß in allen Bundesstaaten und in Elsaß⸗Lothringen eine auf Grund des all⸗ gemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für alle über 20 Jahre alte Einwohner ohne Unterschied des Geschlechts hervorgegangene Volksvertretung zu bestehen habe. Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Errichtung eines Reichsarbeitsamts usw., der seit 1884 regelmäßig von unserer Fraktion ohne Aenderung eingebracht wurde, wurde nach lebhafter Debatte von der Fraktion in seinen Grundlagen gutgeheißen, es wurde aber eine Kommiffion von 9 Kollegen gewählt, die die eventuellen Aenderungen im Sinne der gegebenen Anregungen, aber ohne an den Grund⸗ lagen des Entwurfes etwas zu ändern, aus- — hierüber wird indessen bei dem Volke noch in der er indessen. 9—— TTT... 2 — N 2 — A —— f 3 9 ————ç— 3 F Seite 2. Mittel deuische Sountags⸗Zeitung. —.— Ar, 50. arbeiten sollen. Beschlossen wurde ferner die Einbringung der Anträge betreffend die Auf⸗ hebung der Majestätsbeleidigungs⸗Para⸗ graphen und der Abänderung des Artikels 31 der Verfassung, der von der Immunität der Abgeordneten handelt. Der Antrag unserer Fraktion fordert, daß auf Verlangen des Reichstags jede Inhaftierung eines Abgeordneten für die Dauer der Sitzungsperiode aufgehoben werden muß. Der Gesetzentwurf über das Koalitionsrecht wurde, um noch Abänderungen vornehmen zu können, zurückge⸗ stellt. Beschlossen wurde ferner noch, einen Antrag einzubringen, der die öffentliche Wahl bei den Knappschaftswahlen verlangt.— Als Redner zum Etat wurden Bebel und Singer bestimmt. Außerdem werden unsere Genossen Interpellationen wegen der Wurmkrankheit der Bergarbeiter und des gegen ostpreußische Sozialdemokraten eingeleitete Strafverfahren wegen Beihilfe zum Hochverrat gegen Ruß⸗ land und zur Beleidigung des Zaren. Zwanzig Mark Diäten wollen„die Kerls“ haben. Liberale und Zen⸗ trümler haben einen Antrag auf Aenderung des Artikels 32 der Verfassung gestellt, welcher künftighin lauten soll: „Die Mitglieder des Reichstages erhalten aus Reichsmitteln während ver Legislaturperiode, und zwar so lange der Reichstag versammelt ist, sowie acht Tage vor Eröffnung und acht Tage nach Schluß desselben, freie Fahrt auf den Eisenbahnen und für die Dauer ihrer An⸗ wesenheit in Berlin Anwesenheitsgelder in Höhe von zwanzig Mark für den Tag. Der An⸗ wesenheit in Berlin steht es gleich, wenn der Abgeordnete durch Arbeiten für den Reichstag verhindert ist, in Berlin anwesend zu sein.“ Der Bundesrat wird diese alten Bekannten, so fürchten wir, wieder wie früher zur Tür hinaus komplimentieren. Den Kerls sollen eben keine Diäten gezahlt werden! Möglicher⸗ weise versucht man dabei noch dem Wahlrecht den Hals umzudrehen! Erledigtes Reichstagsmandat. Der Abg. v. Schele(Welfe) ist gestorben. Er wurde in der Stichwahl mit einigen Hundert Stimmen gegen den Nationalliberalen gewählt. Im ersten Wahlgang hatten die Welfen 12573, die Nationalliberalen 8997, die Sozialdemokraten 6371, die Konservativen 2213 Stimmen erhalten. Krupps Geschäft blüht. Wie aus Essen berichtet wird, hat eine militärische Kommission die Prüfung der Rück⸗ laufkanonen vorgenommen und ihre Zu⸗ friedenheit bekundet. Die Kruppsche Fabrik trifft Vorbereitungen, um schnellsteus Massen⸗ umänderungen vorzunehmen, woraus geschlossen wird, daß der Auftrag in allernächster Zeit erfolgt.— Außerdem setzen gewisse Flotten⸗ patrioten die Pauke für Verstärkung der Aus⸗ landsflotte in egung. Natürlich stecken da⸗ hinter nur die Geschäftsinteressen der Schlot⸗ barone und Aktiengesellschaften. Die Tüchtigkeit sozialdemokratischer Soldaten lobte kürzlich der bayrische Kriegs minister. Er sagte auf die Anregung eines sozialdemo⸗ keatischen Redners in der Militäretats-Debatte: „Der Herr Abbeordnete hat erwähnt, daß man be⸗ absichtige, die sozialdemokratische Partei zu beschuldigen, sie hetze die Mannschaften zu Ausschreitungen gegen die Offiziere auf. Einen derartigen Vorwurf zu erheben, ist wenigstens mir nicht eingefallen. Ich hätte absolut keine Anhaltspunkte, diese Klage zu führen. Der Herr Abgeordnete hat auch ferner erwähnt, daß die So⸗ zialdemokraten, die in die Armee eingestellt, jeden Kon⸗ flitt mit ihren Vorgesetzten vermeiden, und daß sie im ganzen als gute Soldaten zu bezeichnen sind. Es war vor Jahren, daß ich hier an diesem Platze erwähnte, ich hätte die Ehre gehabt, ein Regiment zu kommandieren, in dem meiner Ueberzeugung nach sehr viele Sozial⸗ demokraten steckten, und ich hatte keine Klage über sie zu führen..“ „Der Kriegsminister hätte getrost noch hinzu⸗ fügen können, daß nach wiederholt veröffent- lichten Beobachtungen verständiger Offtziere ge⸗ rade die aus den Reihen der organisterten Ar⸗ beiter ausgehobenen Soldaten zum intelligentesten Material der Armee zählen, den Anforderungen des Dienstes sich besser gewachsen und im all⸗ gemeinen sich gewandter zeigen, wie die aus den bäuerlichen Einöden Einberufenen. Und nicht die intelligenten Soldaten, die auch besser in⸗ formiert sind über ihre spärlichen Befugnisse hinsichtlich des Beschwerderechts, sondern gerade die ungelenkeren ländlichen Elemente stellen den größten Prozentsatz der Opfer aller Schindereien. Die neulich von verschiedenen gegnerischen Blättern ausgesprengte Behauptung, daß So⸗ zialdemokraten in der Armee„die Vorgesetzten zu Mißhandlungen reizten“ wird hier von maß⸗ gebender Seite in das Reich der Fabel verwiesen. Bürgerliche Zeitungsmache. Wie blind und gedankenlos die bürgerliche Presse ins Zeug geht, wenn es sich darum handelt, der Sozialdemokratie etwas anzuhängen, zeigt wieder einmal folgendes: Die„Tägliche Rundschau“ in Berlin brachte am Mittwoch vor acht Tagen einen Leitartikel, der folgender⸗ maßen begann:„Als einen sozialdemokratischen Auftakt zu den Reichstagsverhandlungen kann man die stürmische Versammlung bezeichnen, die gestern im 3. Berliner Wahlkreise, den der Abg. Heine vertritt, stattfand.“ Nach einigen weiteren anzüglichen Glossen über Dresden und „Reinemachen“ druckt das Blatt sodann wort⸗ getreu noch einmal seinen Bericht über die bereits im Oktober stattgefundene Versammlung ab. Daran schließt es dann noch einige blöde Beschimpfungen unserer Partei. In der nüchternen Klarheit des nächsten Tages aber hat es seinen belustigenden Reinfall bemerkt und es schreibt an versteckter Stelle ganz zer⸗ knirscht: „Durch ein bedauerliches Versehen unseres politischen Redakteurs ist gestern in Abwesen⸗ heit des Chefredakteurs ein Bericht über die erste Versammlung des Abg. Heine nach dem Dresdener Parteitage, den ein Berichter⸗ statter zum zweiten Maleeingesandt hatte, in den Satz gegeben und zur Unterlage des gestrigen Leitaufsatzes gemacht worden. Wir bitten, den unliebsamen Irrtum gitigst entschuldigen zu wollen.“ So weit, so gut. Was geht uns schließlich die all deutsch⸗nationale„Tägl. Rundschau“ au. Interessant für uns wird die Sache erst dadurch, daß eine Reihe anderer arbeiterfeindlicher Blätter — auch„liberale“ sind darunter— den Artikel der„Tägl. Rundschau“ in allem Ernst voll⸗ inhaltlich abdrucken. Blinder Eifer schadet nur. Wenn gewisse bürgerliche Blätter nicht so überaus gedankenlos zusammengeschnitten und⸗geschmiert würden, wäre ein solcher Reinfall nicht möglich, da der Versammlungsbericht ganz A 8 das Zeichen seiner Zeit an der Stirne trägt. Lügenhafter Zentrums führer. Herr Liborius Gerstenberger, bayrischer Reichstags⸗ und Landtags⸗Abgeordneter, Haupt⸗ agitator des Zentrums, hatte, wie seinerzeit von uns berichtet wurde, gegen den verantwort⸗ lichen Redakteur unseres Nürnberger Partei⸗ blattes, Genossen Eberhard, eine Privatbeleidi⸗ gungsklage angestrengt, weil dieser in der „Fränkischen Volkstribüne“, einem Kopfblatt des Nürnberger Organs, ihm den Vorwurf der politischen Lügenhaftigkeit gemacht hatte. Die Beleidigung erblickte der Privatklägen in zwei Notizen der„Fränk. Volkstribüne“, worin Gerstenberger u. a.„ein gemeiner Fälscher und Lügenbartl“ genannt wurde. Das Schöffen⸗ gericht verurteilte am 15. Oktober d. J. unseren Genossen Eberhard wegen Beleidigung in zwei Fällen zu je 10 Mk., wobei es ausdrücklich den unanständigen Ton Gerstenbergers kon⸗ statierte und festlegte, daß der erbotene Wahr⸗ heitsbeweis für die Lügenhaftigkeit des Herrn Benefiziaten Gerstenberger in zwei an⸗ deren Fällen als erbracht anzusehen sei.„In diesen beiden Fällen habe der Privatkläger die bewußte Unwahrheit gesagt, also gelogen“, wie es direkt in der schriftlichen Urteilsbegrün⸗ dung heißt. Gegen dies Urteil hat Herr Gersten⸗ berger das Rechtsmittel der Berufung ergriffen, die am 3. Dezember vor dem Landgericht Würz⸗ burg verhandelt wurde. Gerstenberger war persönlich erschienen, um sich zu seiner moralisch schweren Niederlage auch noch die juristische zu holen. Er machte keinen Nersuch, das Ergebnis der ersten Verhandlung zu widerlegen. Er hat jedoch die Gründe des ersten Urteils, soweit sie sich darauf beziehen, daß er in zwei Fällen be⸗ wußt die Unwahrheit gesagt, also wissentlich ge⸗ logen hat, akzeptiert und nur gegen das Straf⸗ maß Berufung eingelegt. Damit war dem An⸗ geklagten die Möglichkeit der weiteren Beweis⸗ führung genommen. Herr Gerstenberger hob ganz besonders die Schwere der beleidigenden Ausdrücke hervor und meinte, daß für Worte wie„Lausbub“ und„gemeiner Fälscher und Lügenbartl“ denn doch gewiß eine höhere Strafe am Platze sei, als für jedes Mk. 10 Geldstrafe. Nach längerer Beratung verkündete das Gericht die Verwerfung der Berufung und legte auch die Kosten derselben Herrn Gerstenberger zur Last. Herr Gerstenberger bleibt also von Gerichts⸗ wegen der wiederholten Lügenhaftigkeit überführt! Flüchtige des Antisemitismus. In seinem Offenbacher Schimpf-Blättchen erklärt Herr Hirschel, daß er den Vorsitz im Landesverbande der deutschen Reformpartei niedergelegt habe und zugleich aus dem Verein ausgetreten sei. Wie wir schon früher hörten, wird Hirschel die Stelle eines Genossenschafts⸗Direktors in Friedberg er⸗ halten. Welche Gründe Herrn Hirschel veran⸗ laßten seiner Partei den Rücken zu kehren, wissen wir nicht, interessiert uns auch weiter nicht, wie uns die ganze Geschichte ziemlich gleichgiltig läßt. Neugierig sind wir nur, wie es Hirschel mit seinem Landtagsmandat halten wird. Er ist als Abgeordneter für den Kreis Grünberg, wenn auch nur mit einer Stimme Mehrheit und unter Schnaps⸗ und Bieropfern gewählt worden und zwar als Vertreter der anti⸗ semitischen Partei. Tritt er nun aus dieser aus, so müßte er es für seine Anstandspflicht halten, auch das Mandat niederzulegen, denn man kann doch nicht annehmen, daß die Wähler zugleich mit ihm den Antisemitismus über Bord geworfen haben!— Der berühmte Reuther soll ebenfalls desertiert sein. Die Ratten ver⸗ lassen das Schiff! Keine Reitung vor dem Umsturz! Bald nach den Reichstagswahlen wurde, wie unser Königsberger Parteiblatt berichtet, der Gemeindevorsteher des Dorfes Neu⸗ Strehmenen im Kreise Tilsit seines Amtes enthoben, weil er sich öffentlich als Sozial⸗ demokrat bekannte und für die Sozialdemo⸗ kratie tätig war. Die Führung der Geschäfte wurde dem ersten Schöffen, Herrn Dettmann, übertragen. Kaum war Herr Dettmann Ver⸗ walter der Gemeindegeschäfte, da— wurde auch er Sozialdemokrat und stellte der Partei sein Haus zu Versammlungen zur Verfügung. Schon zwei sozialdemokratische Versammlungen haben bei ihm stattgefunden. Und es ist in diesem Zusammenhange gewiß bemerkenswert, daß in beiden Versammlungen Frauen anwesend waren, so daß sogar aus diesem Grunde der überwachende Gendarm in Unkenntnis des Ver⸗ einsgesetzes die zweite Versammlung auflöste. Fast ist danach zu befürchten, daß sich in dieser Gemeinde kein Nichtsozialdemokrat für das Amt des Gemeindevorstehers findet und man die Verwaltung schließlich dem— Gendarm über⸗ tragen muß! Gemeindewahlsiege hat unsere Partei in der letzten Woche recht erfreuliche erfochten. Bei einer Reihe Gemeinde⸗ wahlen in Württemberg, so in Cannstadt, Eßlingen, Nellingen u. a. Orten wurden die sozial⸗ demokratischen Kandidaten gewählt und auch sonst haben wir erfreuliche Stimmenzunahme zu verzeichnen.— Ferner wurden Siege aus Sachsen, aus Johanngeorgenstadt und Penig emeldet. In letzterem Orte haben unsere enossen die Mehrheit im Gemeinderat. ee n — P — 2 r r r K r= . r PDP * Nr. 50. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Ausland. Nussisches. Wegen der Judenmetzeleien in Ki⸗ schine ro wird jetzt dort ein Prozeß gegen die Schuldigen geführt. Viele Zeugen berichteten schauerliche Einzelheiten über die verübten Greuel. Alle Aussagen stimmen darin überein, daß Be⸗ hörden und Polizei den Mördern und Plünderern ruhig zugesehen haben und sie ge⸗ währen ließen. Die Studenten in Kiew veranstalteten am 16. November eine Gedächtnisfeier für den hingerichteten Kiewer Studenten Bal ma⸗ schow, der den Minister des Inneren Sipjägin ermordet hat. Es wurden revolutionäre Reden gehalten. Der Rektor erschien und bat ver⸗ gebens die Studenten, auseinanderzugehen. Später kam es zu studentischen Demonstrationen auf der Straße. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Belagerungszustand in Crimmitschau! In Crimmitschau kämpfen die Behörden den Verzweiflungskampf für das Unternehmer⸗ tum. Seit vorigen Freitag sind alle Versamm⸗ lungen verboten! Die öffentlichen Versamm⸗ lungen sind verboten, die nichtöffentliche sind verboten, die Volksversammlungen, die Vereins⸗ versammlungen, die Fabritzusammenkünfte sind verboten! Umzüge dürfen nicht stattfinden. Alle Tanzvergnügen sind untersagt. Die Behörden begründen ihr Vorgehen mit dem Hinweis auf angebliche Volksaufläufe; auf den Straßen aber bewegen sich in Massen nur Polizei und Gen darmen. Die Behörden berufen sich auf angeb⸗ liche Verstöße gegen den§ 153 der Gewerbe⸗ ordnung; nie aber ist ein solcher Riesenkampf in größerer Ruhe, mit mehr Würde geführt als der in Crimmitschau! Erbarmungslos gemacht durch den wütenden Haß gegen die Organisation warf der Crimmitschauer Kapitalismus über 7000 brave Männer und Frauen auf die Straße, um sie durch Hunger auf die Knie zu zwingen. Den Hunger im eigenen Leibe, das Weh im Herzen über das Elend ihrer Kinder standen die Tausende dennoch aufrecht, ungebeugt, und wichen keinen Schritt im Kampfe. Ihre Versammlungen wurden ihnen untersagt, das Streikposter stehen wurde ihnen unmöglich gemacht, auf ihre Führer ließ man, weil sie Flugblätter unterschrieben hatten, den§ 153 der Gewerbeordnung los. Die Fabrikanten machten aus dem Kampf um eine Verkürzung der Arbeitszeit einen Klassen⸗ kampf; die Behörden wandelten durch ihr Vor⸗ gehen den wirtschaftlichen Kampf um in einen politischen. Die Gesetzlichkeit der Zehnstunden⸗ kämpfer brachte beide zur Verzweiflung. Seit Freitag mittag hat das öffentliche Leben in Crimmitschau aufgehört. Wenn auch nicht formell, herrscht doch tatsächlich der Belagerungs⸗ zustand. Kein ermutigendes Wort kann mehr zu den Streikenden gesprochen werden; still liegen die Straßen da, auf denen nur die Schritte der Polizei widerhallen und die Waffen klirren, die zum Leidwesen des Kapitals nichts zu tun bekommen. An den Arbeitern Deutschlands ist es nun, das russische Vorgehen der Behörden mit Zusendung reichlicher Unterstützungen an die Weber in Crimmitschau zu beantworten! So unverhüllt wie in Crimmitschau tritt die Rechts⸗ ungleichheit selten zutage.— Mögen die Würfel in diesem Riesenkampfe fallen wie sie wollen— die von den Herrschenden ausgestreute Drachen⸗ saat wird aufgehen. In Herz und Hirn jedes deutschen Arbeiters wird Crimmitschau unaus⸗ löschlich sich einbrennen als ein anspornender und vorwärtspeitschender Zuruf, die Klassen⸗ herrschaft zu brechen! Wegen des Vorgehens der Behörden begab sich eine Deputation der Streikenden zu dem Minister des Innern, Metsch. Ein Versuch, ihn am Samstag zu sprechen, war vergeblich; am Dienstag wurden die Arbeiter jedoch vor⸗ gelassen. Der Minister erklärte, nichts in der behörden nicht vorgreifen. Die Sache gehe ihren geordneten Gang. Am Montag war die De⸗ putation bei der Kreishauptmannschaft Zwickau vorstellig geworden. Aber auch diese erklärte, nichts tun zu können. Der Ausnahmezustand besteht also weiter! Hier in diesem Kampfe zeigt sich, wie richtig es ist, die Staatsbehörden als Bediente des Unternehmertums zu be⸗ zeichnen. Ein Riesenaufgebot von Gendarmen zum angeblichen notwendigen Schutze der Unter ⸗ nehmer und der Streikbrecher. Der„Schutz“ der letzteren geht soweit, daß sie gefangen gehalten werden. Unter den Wenigen, die sich zur Streikbrecherrolle hergeben befinden sich an⸗ rüchige Elemente— sogar Zuchthaussträf⸗ linge werden dahin beordert— damit diesen Rettern in der Not kein Schaden geschieht, werden sie, selbst wenn sie in ganz geringer Anzahl eintreffen, mit einer wegen ihrer Stärke geradezu komisch wirkenden Eskorte nach der Fabrik geleitet. Ein Streikbrecher schreibt am 2. Dezember aus Crimmitschau an seine Mutter: „Wie wir hier sind angekommen, nahmen uns vier Mann gleich an 20 Gendarmen in Empfang.“ Derselbe Briefschreiber teilt mit, daß er und seine Kollegen nicht aus der Fabrik können, denn„man steht stets unter Polizeiauf⸗ sicht“, daß sie 13 Tage Kündigung haben und 14 Pfg. Stundenlohn erhalten. Um dem Unternehmertum zum Siege zu verhelfen, drücken königlich sächsische Sendarmen davor die Augen zu, daß jenes Unternehmertum den Streikbrechern die Freiheit raubt. Einen Hauptcoup dachte man in Werdau ausführen zu können: die dortige Textilarbeiterschaft sollte einfach zur Unterstützung der Crimmitschauer Unternehmer ebenfalls ausgesperrt werden. Doch der Plan kam nicht zur Ausführung; mit 76 gegen ca. 30 Stimmen lehnten die Textil⸗ fabrikanten die Aussperrung ab. Crimmitschau — schreckte sie. Eine neue Aussperrung. Die Kachel⸗Ofenfabrikanten in Meißen in Sachsen haben ihre Arbeiter ausgesperrt. Warum? Weil in Velten und Fürstenwalde der Streik der dortigen Töpfer noch fortdauert. Hier zeigt sich die Solidarität der Unternehmer, wenn es den Kampf gegen die Arbeiter gilt. Wer„teilt“? Wie die Herren„staatserhaltenden“ Kapi⸗ talisten zu„teilen“ verstehen, davon zeugt wieder die Meldung, daß die Ilseder Hütte für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende von mindestens 50 pt. zur Verteilung bringen werde. Im Vorjahre gelangten 46 pt. zur Verteilung.— Die Hildesheimer Zucker⸗ raffinerie verteilt sogar 75 Prozent! — Daß die Herren Aktionäre die Summen, die sie unter sich verteilen, erarbeitet haben, das glaubt auch der stärkste Mann nicht. Wie viele der Aktionäre mögen überhaupt noch keinen Fuß in jenes Werk gesetzt haben, wo ruß⸗ und rauchgeschwärzte Männer Tag und Nacht an glühenden Oefen im Schweiße ihres Angesichts schaffen, damit die Besitzer jener Papierfetzen, Aktien genannt, die sie vielleicht von einer alten Tante geerbt oder mit Vaters Geld gekauft haben, 50 pt. Dividende unter sich verteilen können. Ein Wunder freilich ist es nicht, daß diesen Herren Aktionären die jetzt übliche Teilerei— den Armen die Arbeit, den Reichen ein Wohlleben in fauler Ueppigkeit— sehr gut gefällt und sie deshalb auf die Sozial⸗ demokratie nicht gut zu sprechen sind. e Hessischer Landtag. Am Dienstag trat die Zweite Kammer zu einer jedenfalls nur kurzen Tagung zusammen. Bei der Eröffnung spricht der Präsident zunächst Worte der Trauer über den Tod der Prinzessin Elisabeth aus und verliest dann die Botschaft des Großherzogs. Es wird die Absendung einer Adresse an den Großherzog beschlossen. Das Haus ehrt dann die Abg. Reinhardt und Schönberger, die jetzt 25 Jahre Mitglieder der Kammer sind, ebenso den Abg. Möl linger, Sache tun zu können. Er könne den Unter⸗ der sein 80stes Lebensjahr zurücklegte. Hlernach erfolgt die Vereidigung der neu eingetretenen Abgeordneten Adelung⸗Mainz Gut und Buff und Müller-⸗Darmstadt a Die Kammer tritt darauf in die Beratung der Regt rungsvorlage betreffend den Staats⸗ vertrag zwischen Hessen und Baden über die Auflösung des bezüglich der Gemeinde Kürnbach bestehenden Kondominatsverhält⸗ nisses(Miteigentümerrecht Hessens an der Gemeinde). Staatsminister Rothe tritt in ausführlicher Rede für die Vorlage ein, dar⸗ legend, daß die Verhältnisse in Kürnbach ganz unhaltbar geworden seien; Berichterstatter Mol⸗ than schließt sich dem an. Abg. Bähr be⸗ kämpft das Gesetz. Dessen Ausführungen hält Staatsrat v. Krug entgegen, daß eine Verge⸗ walt igung keineswegs geplant sei, sondern der Staat Hessen verliere nur das Oberhoheitsrecht. — Ulrich spricht sich ebenfalls gegen die Vor lage aus. Für ihn sei der springende Punkt⸗ daß man die Leute über ihren Kopf weg an; einen anderen Staat abtrete. Die staatsrecht⸗ liche Frage komme für ihn erst iu zweiter Linie. Redner führt weiter aus, man könne ja nicht leugnen, daß die wirtschaftlichen und politischen Zustände unberechtigt und zu beseitigen seien, denn die Kürnbacher seien in einer bevorzugten Ausnahmestellung, während sie von rechtswegen doch in keinen von Hessen gemachten Gesetzen ausgenommen seien. Das Privileg habe sich überlebt und müsse beseitigt werden, man solle aber zunächst einen diesbezüglichen Vertrag vor⸗ legen, der die Behandlung der Kürnbacher ge— nau wie der anderen Staatsan⸗ gehörigen vorschreibe. Redner gehe darin wohl nicht fehl, wenn er annehme, daß die Kürnbacher dann wohl selbst lieber Badenser werden, wenn sie erst ihre Privilegien verloren, denn die ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse derselben gravitierten nach Baden. Unrecht sei es aber, die Menschen einfach zu verhandeln wie in Kriegszeiten, wo der Schwache sich dem Mächtigen fuͤgen müsse. Redner plädiert schließ⸗ lich für eine nochmalige Verweisung an den Ausschuß; man solle das Odium des rücksichts⸗ losen Verkaufs vermeiden. Gutfleisch tritt namens der Mehrheit des Ausschusses für die Vorlage ein.— Die Be⸗ ratung hierüber wird am Mittwoch fortgesetzt, in der sich Gutfleisch zunächst gegen die von den Kürnbachern eingelaufene Petition wendet. Die Kürnbacher wollten sich nur die seither ge— nossene Steuerfreiheit ferner erhalten. Ulrich wiederholt sein Ersuchen, die Sache nochmals an den Ausschuß zurückzuweisen.— Dieser An⸗ trag wird jedoch abgelehnt und der Vertrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Bauernbündler angenommen. Dann kommt der Zentrumsprotest gegen die Wahl Orb's für Offenbach⸗Land zur Ver⸗ handlung. Bekanntlich war die Wahl auf Be⸗ treiben des Zentrums schon einmal umgestoßen worden, bei der Nachwahl wurde Orb jedoch glänzend wiedergewählt. Die Wahl wird nach kurzer Debatte gegen die Zentrumsstimmen für gültig erklärt. Der Zweiten Kammer ging eine Re⸗ gierungsvorlagezu, wonach das Beerdigungs⸗ wesen den Kirchengemeinden genommen und den politischen Gemeinden übertragen werden soll, ohne daß dafür eine Vergütung gewährt wird. Nach Artikel 2 des Entwurfs liegt es den bürgerlichen Gemeinden ob: 1, dafür Sorge zu tragen, daß Friedhöfe, welche der allgemeine n Benutzung unterliegen, vorhanden sind; 2. so⸗ weit dies von der zuständigen Gesundheitsbe⸗ hörde für erforderlich erachtet wird, für das Vorhandensein von Leichenhäusern oder Leichen hallen zu sorgen; 3. die nach den örtlichen Verhältnissen für die Verbringung und die Beerdigung von Leichen erforderlichen Vorkehr⸗ ungen zu treffen. Werden andere als die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Leichenwagen benutzt, so ist die für die Benutzung der Gemeinde⸗ leichenwagen festgesetzte Mindesttae zur Ge⸗ meindekasse zu entrichten. Daneben soll jedoch nach Artikel 3 den Konfessionsgeneinden und religiösen Verbänden — —— ——— *— 5 e ———-—¼ . r . 3 ——— — 7 9—— — — 3 3 5 Seite 4. Mitteld eutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 50. auch fernerhin das Recht überlassen bleiben, vorbehältlich der Genehmigung durch die zu⸗ ständige Behörde, einen nur für die Leichen der Angehörigen ihrer Konfesston bestimmten Fried⸗ hof anzulegen. n Wir vertreten bekanntlich die Forderung, daß das Beerdigungswesen von den polt⸗ tischen Gemeinden unentgeltlich ausgeübt wird. Unsere Freunde im Landtage werden nicht ver⸗ säumen, diese Forderung bei dieser Gelegenheit energisch zu betonen. von Nah und Lern. Gießener Angelegenheiten. — Verminderung der Schülerzahl in der Volksschule. Die soztaldemo⸗ kratische Landtagsfraktion hat bei der Zweiten Kammer folgenden Antrag eingereicht: Hohe Kammer wolle beschließen, Großherzogliche Re⸗ gierung zu ersuchen, alsbald den Landständen eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, durch welche der zweite Absatz des Artikel 3 des Gesetzes vom 16. Juni 1874, das Volksschul⸗ wesen betr., abgeändert wird wie folgt: Die Schülerzahl einer Klasse darf 40 nicht übersteigen. Unter besonderen Umständen können einem Lehrer bis zu 60 Kinder zum Unterricht zu⸗ gewiesen werden. Daß dieser Antrag seine große Berechtigung hat, wird niemand bestreiten. Jeder Lehrer weiß, daß es bei 60 und mehr Kindern, wie sie hier in Gießen die Volksschullehrer zu unter⸗ richten haben, nicht möglich ist, sich mit dem einzelnen Kinde so zu beschäftigen, wie es gründ⸗ licher Unterricht erfordert. So liegt die An⸗ nahme dieses Antrages im Interesse der Schüler wie der Lehrer. Ob aber die Mehrheit der „staatserhaltenden“ Landtagsabgeordneten dar⸗ auf eingehen wird, ist eine andere Frage. — Bedeutend billigere Fleisch⸗ preise als sie im Einzelverkauf von den hie⸗ sigen Metzgern gefordert werden, sind der hie⸗ sigen Garnisonverwaltung bei Vergebung der Fleischlieferung für das hiesige Regiment ge⸗ stellt worden. Es forderten die Metzger Schlörb und Heßler für Ochsenfleisch 1.26 M., für Kuhfleisch 1.16 M.; Hilgardt, Möhl und Schlörb für Schweinefleisch 1.20 M.; Kon⸗ rad Malkomesius für Hammelfleisch 1.44 bis 1.46 M.; Schlörb für Kalbfleisch 1.22 M. pro Kilo.— Da meinen wir, könnten die Ladenpreise doch auch etwas niedriger sein. — Zu der kleinen Friedhofsaffaire, die wir vor acht Tagen berichteten, erklärte uns der Schwieger⸗ sohn des Herrn Klingspor, Herr Dr. V., daß er durch die wenig würdige Weise, wie hier bei der Beerdigung vor⸗ gegangen worden sei, sowie das Verhalten der Leute in hochgradige Erregung geriet. Wenn die Stadt verlange, daß die Leichen binnen 24 Stunden in die Leichenhalle verbracht werden müßten, so liege auch die Verpflichtung dafür vor, daß eine würdige Aufbahrung möglich sei. Sonst werden die Angaben der Nottz nicht bestritten. — Das Schwurgericht hatte in seiner letzten Session in diesem Jahre nur wenig Ar⸗ beit. Wenn das ein Zeichen für die Abnahme der Verbrechen wäre, so könnte man es mit Freuden begrüßen, leider wird es nur ein Zufall sein. Es gelangten nur zwei Straftaten zur Aburteilung. Am Montag hatten sich die beiden Glasarbeiter Kuhl und Jüngling aus Olershausen bei Büdingen wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an einer Geistes⸗ kranken, zu verantworten. Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgeführte Verhandlung endete mit Freisprechung der Angeklagten. — Wegen Körperverletzung mit tötlichem Ausgange stand am Dienstag der 23jährige Kuecht Klostermann aus Grünberg vor den Geschworenen. Die von dem Angeklagten im September verübte Tat rief dort große g hervor. Kl. war mit einem anderen jungen Burschen namens Kemba in Streit geraten, in dessen Verlauf er das Messer zog und dem Kemba einen so wuchtigen Stich in die Schläfe versetzte, daß der Verletzte wenige Minuten darauf seinen Geist aufgab. Die Beweisaufnahme ergiebt, daß der Angeklagte ihm die Geschworenen mildernde Umstände zu, sprechen ihn im Uebrigen schuldig im Sinne der Anklage. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gefängnis. — Zu dem Vortrag des Genossen Thiel aus Kassel, der am Montag im Café Leib stattfand, hatte sich ein recht zahlreiche Zuhörer⸗ schaft eingefunden. Wenn man jetzt, kurz vor den Feiertagen, wo sehr viele Arbeiter aus ver⸗ schiedenen Gründen abgehalten sind, solchen Veranstaltungen beizuwohnen, einen guten Besuch verzeichnen kann, so beweist das jedenfalls, daß in den Arbeiterkreisen ein lebhaftes Interesse für solche Vorträge, wie der gebotene, vorhanden ist. Was der Vortrag brachte, haben wir in der vorigen Nummer schon mitgeteilt; es bleibt nur noch hinzuzufügen, daß die Darlegungen des Vortragenden allgemein fesselten und von Zuhörern mit größter Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Die Lichtbilder gelangen vortrefflich und erregten das lebhafteste Interesse. Sie stellten die Himmelskörper recht anschaulich dar, von denen der Vortrag handelte. In verständ⸗ licher Weise schilderte der Vortragende, was die Wissenschaft bisher über unser Planetensystem und was dazu gehört, festgestellt hat. Viel⸗ leicht wäre Manches noch eingehender zu be⸗ handeln gewesen; allein es reichte dazu die zur Verfügung stehende Zeit nicht aus. Die bei⸗ fällige Aufnahme des Vorträge dürfte das Gewerkschaftskartell zur Abhaltung ähnlicher ermutigen. — Zur Kalender verteilung an⸗ treten! Wie der Kreisvertrauensmann in der letzten Nr. bekannt gemacht hat, soll diesen Sonntag, den 13. Dez. die Verbreitung des „Hess. Landboten“ vorgenommen werden. Daß sich die Parteigenossen hierzu recht zahlreich zur Verfügung stellen ist umsomehr notwendig, als das schtechte Wetter mehr Leute ersorderlich macht. Mit Recht beschweren sich die Genossen darüber, daß der Kalender so spät herauskommt, ein paar Wochen früher wären die Wetterver⸗ hältnisse günstiger und die Verbreitung leichter durchzuführen gewesen. Woran die Verzögerung liegt, wissen wir nicht; es könnte uns das aber auch nichts nützen; die Hauptsache ist vielmehr, daß der Kalender hinauskommt und darum: alle Mann auf Deck! — Das diesjährige Gewerkschafts⸗ fest findet am 2. Januar im Saale der Café Leib statt. — Die allgemeine Sterbekasse Gießen, welche vor nunmehr 14 Jahren gegründet wurde und jetzt in ihr 15. Geschäftsjahr tritt, besteht zur Zeit aus 1199 Mitglieder. Dieselbe hatte im verflossenen Jahre einen Zuwachs von 105, dagegen einen Abgang von 12 Mitgliedern(9 durch Tod, 3 ausgeschlossen). Während seines 14 jährigen Bestehens hat der Verein 135 Sterbefälle unter seinen Mitgliedern gehabt und wurden hierfür an 15 Mitglieder à 75 Mark, an 15 à 100 Mark, an 24 4 120 Mark, an 23 4 150 Mark, an 10 4 170 Mark, an 14 à 185 Mark, an 13 4 200 Mark, an 12 4 210 Mark und an 9 à 230 Mark, in Summa 20435 Mark ansgezahlt. Außerdem besitzt der Verein einen Reservefond von 5348 Mark und ist mithin im Stande, selbst in außergewöhnlichen Fällen, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auch ist die Sterbekasse wieder in der angenehmen Lage, vom 1. Jan. 1904 ab, das Sterbegeld von 230 auf 250 Mark zu erhöhen. 5 Das Eintrittsgeld beträgt für eine Person: im Alter von 16—25 Jahren Mk. 1.00, 7 17„. 25— 30*„ 1.50, 7. 17 30—35 1„ 2.50, „„ i 35 40„„ 4.00, „ 40—45„ 7.00. Bei der Aufnahme ist außerdem noch ein Sterbefallbeitrag von 25 Pfennig zu bezahlen. Für jeden Sterbefall eines Mitgliedes ist der Kasse ein Beitrag von 25 Pfennig zu entrichten, welcher durch den Kassenboten gegen Quittung erhoben wird. Ein von Gießen wegziehendes Mitglied kann auch ferner bei der Kasse verbleiben, wenn der Wegzug desselben dem Vorstande mitgeteilt wird. Zur Auskunft in allen Fragen ist Herr Schuhmachermeister Seid ewand, Teufelslustgärtchen 20, sowie Herr H. Bruchhäuser, Wolffstraße 8, gerne bereit. Aus dem Rreise gießen. — Der Volksverein in Staufenberg, der vor einigen Monaten gegründet wurde, hat den Zweck, die erst von Kemba bedroht wurde; deshalb billigen Interessen der Arbeiter und Minderbemittelten zu ver⸗ treten. Es ergeht daher an die Angehörigen dieser beizutreten. Aus dem Nreise ꝗriedßberg⸗Büdingen. * Der Wahlkrawall von Burgaräfenrode kommt nächsten Dienstag in zweiter Instanz vor dem Landgericht Gießen zur Verbandlung. In Verbindung damit wird gleichzeitig eine Anklage wegen Majestäts⸗ beleidigung gegen einen der Beteiligten verhandelt. v. Eine Baugenossenschafts⸗ Konferenz fand am Montag in Friedberg statt. Auwesend waren einige 40 Vertreter der Bauvereine in Alsfeld, Bensheim, Butzbach, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Groß⸗Steinheim, Lich, Mainz, Nidda, Offenbach, Ostheim, Rüsselsheim und Worms. Es wurde die Gründung eines Revisionsverbandes beschlossen, zu dessen Vorstand gewählt wurden: Landeswohnungsinspektor Kretzschel⸗ Darmstadt, Rendant Döring⸗Gießen und Direktor Hoch⸗ gesand⸗Worms. Der Vorstand soll die Verbandsstatuten ausarbeiten. Als wünschenswert wurde bezeichnet, statu⸗ tarisch festzulegen, daß Aftervermietung und Verkauf des Hauses zulässig sind. N Aus dem Nreise Alsfesd-Cauterpach. . * Aus Alsfeld wird uns zu dem Artikel„Woh⸗ nun gsnot“ in voriger Nummer geschrieben, daß derselbe allerdings bezüglich der Schilderung des der betreffen⸗ den Familie angewiesenen Logis im Spital der Richtig⸗ keit entspräche; es sei auch zu billigen, wenn die Ar⸗ beiter aufgefordert würden, bei den Gemeindewahlen Ver⸗ treter ihrer Klasse in die Stadtvertretung zu bringen, die auf Beseitigung derartiger Mißstände hinarbeiten. Unrichtig sei dagegen die Behauptung, daß dem Be⸗ troffenen K., nichts nachgesaat werden könne. Im Gegen⸗ teil habe der Mann sein Mißgeschick zum größten Teil selbst verschuldet. Er sei streitsüchtig und habe sich oft zu Tätlichkeiten hinreißen lassen.— Wir müssen es unserem Gewährsmann überlassen, sich hierzu zu äußern. Aus dem Kreise Wetzlar. h. Zu den Lohndifferenzen in der Gerberet Ferdinand Rübsam— nicht zu verwechseln mit der Firma Wilhelm Rübsam— schreibt man uns bon beteiligter Seite: Was wir befürchteten ist Tatsache geworden: befinden sich seit dieser Woche im Ausstand. absetzung auf Umwegen zu erreichen, indem er entsprechende Mehrleistungen verlangte. Aber trotzdem er dabei mit aller respektablen Schlauheit zu Werke ging, wird er doch einsehen lernen, daß die Zeit der unumschränkten Unter⸗ nehmerwillkür auch für ihn vorüber ist. Heute hat es Herr Rübsam mit organisterten Arbeitern zu tun, die keineswegs gewillt sind, alles über sich ergehen zu lassen; wenigstens soll man ihnen nicht mehr zumuten und ste nicht schlechter behandeln, als es Herr Rübsam für seine beiden Pferde für angemessen hält.— Arbeits⸗ willige hat Herr R. allerdings zur Verfügung —„tüchtiges Personal“ Der ist z. B. der „lange Hinkel“ und der„Rote“. Schade, daß diese Leute nicht immer bei Herrn R. arbeiten. Es liegt nun jedenfalls im Interesse beider Parteien, wenn so bald wie möglich der Streik beigelegt wird und wir raten Herrn Rübsam, daß er sich mit seinen Arbeitern ver⸗ ständigt und nicht auf seinen Reichtum pocht, den ihm seine Arbeiter in früheren Jahren er⸗ werben halfen. h. Ortskrankenkasse. In der letzten Generalversamm lung der Wetzlarer Orts⸗ krankenkasse wurden bei der Vorstandswahl die ausscheidenden Mitglieder R. Ritter, F. Neu⸗ haus und C. Imgardt wiedergewählt. Zu Rech⸗ nungsprüfern für die laufende Rechnung wur⸗ den die Herren Adam Jung, Ludwig Röhrs⸗ heim und Architekt Robert Schneider ernannt, während die Herren Marx und Bobisch zu Krankenkontrolleuren bestimmt wurden. Hier⸗ mit war die Tagesordnung erledigt und schloß der Vorsitzende, Herr Biek die Versammlung. beitern, die sich in der glücklichen Lage befinden, über einen besseren Arbeitsverdienst als die Freunde von der Nadel verfügen zu können. Und deren giebts noch einige in Wetzlar. Kreise die dringende Mahnung, demselben als Mitglied Die Arbeiter der Gerberei Ferdinand Rübsam 4 Herr Rübsam wollte den Lohn seiner Arbeiter um je 4— 5 Mk. kürzen und suchte diese Her⸗ h. Für die Crimmitschauer sammelten die Wetzlarer Schneider Mk. 15. Hoffentlich findet dies schöne Beispiel Nachahmung, besonders bei solchen Ar⸗ —— 2— 2 2 — a S ˙ 3% vb!——. n r— 1 1 ur. 50. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. Aus dem Kreise Dillenburg Herborn. ES.„Christliche“ Kampfes weise. Aus einem Westerwald⸗Dorfe schreibt man uns: „Verleumde darauf los, es bleibt ja immer etwas hängen.“ Dies scheint der heiligste Grund⸗ satz des pharisäerisch⸗vermuckerten„Cass. Sonn⸗ tagsblattes“ zu sein. So gibt ihm jetzt das Märchen von Bernau Veranlassung, erneut über die Sozialdemokratie herzufallen. Und um es recht wirkungsvoll auszuschlachten, fügt des den bekannten Kreuzzeitungs⸗Erzählungen hinzu:„So geschehen im Jahre 1903, wo weder „ein Bebel noch Singer in Preußen herrscht. Wie wird es erst im Zukunftsstaat in den . Kirchen aussehen?“ g Der Schwindel ist ja längst widerlegt. Aber das fromme Blättchen benutzt die er⸗ wünschte Gelegenheit, seinen Köhlergläubigen 2* 5 4 wieder einmal gruselig zu machen und ihnen „zeigen zu können, welch eine religtonsfeindliche hpberkommene Schwefelbande die Sozial demokratie 4 doch nun einmal ist. i — Nun möchten wir doch einmal die Frage aufwerfen: Womit ist denn wahre Religion a am meisten beleidigt, wenn man auf der einen „Seite in eine Kirche, welche sozusagen staats⸗ „amtlich zum Schlachtfeld poltiisher Leiden schaft bestimmt ward, eine Mahlzeit einnimmt, „oder wenn fromme Sonntagsblättchen in Form 5 religiöser Predigten einen Bericht entstellen, 10 um dadurch den Gegner zu beschimpfen und zu vbverleumden. N Eine Berichtigung bringt natürlich das 9 de „Blättchen niemals, wenn sich die Unwahrheit einer Mitteilung herausgestellt hat. oft Eigentlich wäre es doch Pflicht nicht nur der Sozialdemokratie, sondern eines jeden, dem die Religion mehr als ein Gewerbe ist, solch elenden — Pharisäern, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig voller Totenbeine und allen Unflats sind(Matth. 23, V. 27) die Maske er der Heuchelei schonungslos vom Gesicht zu u reißen um ste für jeden kenntlich zu machen. 7. Für die Sozialdemokratie an und für sich, b. ift es eigentlich sogar schmeichelhaft, wenn man u. jedesmal, um ihr etwas am Zeug flicken zu können, die Wahrheit vergewaltsgen muß. Ge⸗ id. finnungslumpige Gegner aber, die uns nie ter anders, als mit Lüge und Verdächtigung zu bekämpfen wissen, bestätigen dadurch ihren mo⸗ kralischen Bankerott. Aus dem Kreise Marburg ⸗Kirchhain. ben r. Reptil-Lügen. Was für ungeheuer⸗ tr lichen Schwindel die„Ordnungs“blätter über le die Sozialdemokratie verzapfen, beweist wieder ern die Notiz, welche kürzlich die hiesige„Ober⸗ hessische Zeitung“ brachte. Da wird nach der nan Halleschen Zeitung berichtet, daß Singer in ter einer Versammlung, wo man über Wohnungs⸗ den reform beraten habe, gesagt hätte: ti⸗„Es fällt mir nicht ein, dem Arbeiter eine besondere ung Wurst zu braten. Denn, wenn er eine besse re der Wohnung hat, so ist er zufrie den, und wenn de er zufrieden ist, so ist er für unsere Zwecke 15 nicht zu haben.“ f se Und diesem offenbaren Schwindel 105 fügt der biedere„Oberhesse“ hinzu:„Das ist 1 der bekannte Standpunkt der Sozialdemokratie; un Singer hat also nichts neues gesagt. Daß er 1 aber wieder einmal festgestellt hat, wie die ö, sozial demokratische Partei es darauf aalegt, die . Arbeiter in Unzufriedenheit zu erhalten, ist recht Was hält dann die herrschenden 1 0 dankenswert.“ Infanterie⸗Regiment Nr. 153 zu Altenburg wegen haarsträubender Soldatenmiß⸗ handlungen zu 1 Jahr 2 Monaten Ge⸗ fängnis und Degradation verurteilt. Kirchner hatte in zahlreichen Fällen seine Leute so mißhandelt, daß sie in Ohnmacht fielen. Ferner hatte er den Mannschaften gewohnheitsmäßig ins Gesicht gespuckt. Die nichtöffentliche Verhandlung dauerte zwei Tage. 3—— Kleine Mitteilungen. * Bei Cölbe wurde am Sonntag früh ein Dienst⸗ mädchen vom Zuge überfahren und schwer verletzt. * Opfer der Arbeit. In einer bei Siegen gelegenen Farbmühle fand man die furchtbar verstüm⸗ melte Leiche des dort beschäftigten Arbeiters Schulte im Triebwerk hängen. Der Körper war in mehrere Stücke zerrissen. e Zu Tumulten kam es bei der Gewerbe⸗ Gerichtswahl in Köln, als abends die Arbeiter in großen Massen sich zur Wahl drängten. Der Wahlakt wurde geschlossen und ein neuer Termin angesetzt. * Verschwunden ist vor einigen Tagen ein in Frücht bei Lahnstein wohnender Bergmann. Man ver⸗ mutet. daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. * Zugentgleisung. Bei dem Bahnhof Zoll⸗ haus entgleiste am Montag früh der von Nastätten einlaufende Zug. Vier Wagen wurden zertrümmert; doch kamen Personen glücklicherweise nicht zu Schaden. . Gefährliche Künste. Einen gräßlichen Tod erlitt am Sonntag die Tierbändigerin Fischer in Dessau, als sie in der gegenwärtig dort befindlichen, ihrem Manne gehörigen Menagerie Vorstellungen im Löwenkäfig geben wollte. Einer der Löwen wurde wild und gab der Frau Fischer einen solchen Schlag mit der Vordertatze, daß die Schädeldecke zertrümmert und das Gehirn blosgelegt wurde. Nur mit Mühe konnte man die Bändigerin dem wütenden Tiere entreißen, doch war sie nach wenigen Minuten eine Leiche. Die Kinder der Unglücklichen mußten den grausamen Vorfall mit ansehen! EAE—. 0——.—.— 7 7 5 Partei-Nachrichten. Ein Grabdenkmal für Bruno Schoen⸗ lank wurde kürzlich auf dem Leipziger Friedhofe ent⸗ hüllt. Das Denkmal besteht aus roh behauenem Granit. Eine Bronzetafel trägt oben Schoenlanks Bildnis, um⸗ geben von einem Lorbeerkranze; darunter befindet sich eine Arbeitergestalt. Die Tafel trägt die Strophe, die Schoenlank einst selber für sein Grab wählte: Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trug, Mich reut der Tag, der keine Wunde schlug, Mich reut, ich sag' es mit zerknirschtem Sinn, Daß ich nicht dreifach kühn gewesen bin. Genosse Vollmar ist nach Mitteilungen aus München schwer an Influenza erkrankt. Die Krank⸗ heit ist derart, daß er seine parlamentarischen Verpflicht⸗ ungen im Reichstag und Landtag kaum wird nachkommen können, sondern im Süden Heilung suchen muß. Ein Parteiveteran, der Parteigenosse Karl Geck sen. in Offen burg, feierte am Sonntag sein siebzigstes Geburtstagsfest. Er ist einer der ältesten der noch lebenden Genossen, die schon Mitte der 70er Jahre Pionierarbeit für die Partei in Baden verrichteten. Seine parteigenössischen Pflichten hat der Jubilar auch noch in den letzten Jahren getreulich erfüllt. Der Vor⸗ stand der badischen Landesorganisation brachte dem ver⸗ dienten Genossen zu seinem Ehrentage seine Glückwünsche dar und wir tun es hiermit nachträglich. Ein trauriges Ereignis hat die Familie des Genossen Sabor in Frankfurt, der von 1884— 1890 Reichstags⸗Abgeordneter für Frankfurt war, in tiefes Leid versetzt. Vorige Woche hat sich sein hoffnungs⸗ voller Sohn, der auf dem Polytechnikum in Darmstadt studierte, und in letzter Zeit praktische Bauarbeit verrichtete, in einem Anfalle von Schwermut erf chossen. Der sonst sehr tüchtige junge Mann war nervenleidend und man vermutet, daß er die Tat aus Furcht vor längerem Siechtum beging. Nichts wie Anklagen! Gegen den verant⸗ wortlichen Redakteur der„Mainzer Volkszeitung“, Genossen Döller, ist ein Strafverfahren wegen Be⸗ leidigung des Eisenbahnbau⸗Inspektors Scherr ein⸗ geleitet worden. In dem Blatte waren die Maßrege⸗ lungen der organisierten Arbeiter in der Darmstädter Eisenbahnwerkstätte, die den Genossen Kramer zu seiner von uns in der letzten Nummer besprochenen Inter⸗ pellation im Landtage veranlaßt haben, einer herben Kritik unterzogen. Quittung. Für die ausgesperrten Weber in Crimmit⸗ schau gingen ein: Von L. in Leihgestern gesammelt Versammlungskalender. Samstag, den 12. Dezember. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Brauer. Abends 9 Uhr Versammlung bei Zöb(Wiener Hof.) Lauterbach. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 8½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer. Sonntag, den 13. Dezember. Gießen. Metallarbeiter. Nachmittags 3 Uhr Gener al⸗Versammlung bei Orbig. Gießen. Kartell⸗Kommission. Abends 8 Uhr Sitzung bei Orbig. (Die für 13. geplante Gewerkschaftsversammlung fällt aus). — KKB ññ— Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Der NeueWelt⸗Kalender für 1904. Reicher Inhalt und viele Illustrationen. Preis 40 Pfg. Die Volksschule wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. A 10 Pfg. Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen! Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Christentum und Sozialismus. Von A. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Sozialdemokratie und Zentrum.(Arbeiter⸗ versicherung und Zentrums politik). Preis 20 Pfg. Der Umsturz im Reichstage.(Die Kämpfe um den Zolltarif.) Preis 20 Pfg. Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ tritit. Preis brosch. 2 Mk. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernste in. Preis brosch. 2 Mk. Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk. Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitit. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 9 Mk. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und stizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ tn Klassen ab, die Arbeiter zufrieden zu machen? , Man schaffe doch bessere Wohnungen, dle stelle ihre sonstigen Beschwerden ab, mache sie an, zufrieden! Damit kann die„Oberh. Ztg. sech. die Sozialdemokratie vernichten und— wir sind un, selber damit einverstanden. D* Das Schwurgercht verhandelte am Mittwoch ant, gegen die Ehefrau Elisabeth Weiershäuser von Goß⸗ in felden, die im Streit ihrem Mann mit einem vorher Hel“ für etwaige Prügeleien bereit gestellten Stück Holz den loß Schädel eingeschlagen hatte, sodaß der Tod ein⸗ 1 trat. Sie wurde uater Annah ne mildernder Umstände t zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. 1„ „% Aus der Ferienkolonie. *— Vom Kriegsgericht der 8. Diviston zu Halle wurde der nterofftzier Kirchner vom Mark 3.— über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgahe.) N Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 50. * a Unterhaltungs- Ceil. 1 r— 2* Freiheit. Die Freiheit läßt sich nicht gewinnen, Sie wird von Außen nicht erstrebt, Wenn nicht zuerst sie selbst tief innen Im eignen Busen dich belebt, Willst du den Kampf, den großen, wagen, So setz' zuerst dich selber ein: Wer fremde Fesseln will zerschlagen, Darf nicht sein eig'ner Sklave sein. Nur reinen Herzen, reinen Bänden Gebührt der Dienst im Heiligtum; Der Freiheit Werk rein zu vollenden, Dies, deutsches Volk, dies sei dein Ruhm, Die Cüge winkt, die Schmeichler locken, Mit seiner Kette spielt der Knecht: Du aber wandle unerschrocken Und deine Waffe sei das Recht! Robert Prutz. Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. 11.(Fortsetzung.) In dem Augenblick, wo er diese Erwägung machte, drehte sich ein Schlüssel im Schlosse der Haustür, und wie von selber trug ihn sein Fuß hinter den Baum. Die Tür ging auf, die Bäbe trat auf die Schwelle und sah umher. Als sie den Erwarteten nicht erblickte, ent⸗ schlüpfte ein aus der tiefsten Brust kommendes „Ah!“ ihrem Munde. In diesem„Ah!“ lag so viel Bedauern, so viel getäuschte Hoffnung, so viel Gekränktheit, daß es den Burschen in die Seele traf. Er ging vor und richtete seine Schritte nach der Tür. Und nun folgte ein anderes„Ah!“, das Freude, Liebe, Beifall ausdrückte und auf seine Seele noch ergreifender wirkte. An dem Auftritt angekommen, bot er ihr leise guten Abend; die Bäbe rief in kräftigem Flüsterton:„Komm!“, und winkte ihm energisch. In demselben Moment glaubte er von der Gasse die Schritte eines Vorübergehenden zu vernehmen— hastig stieg er hinan und trat über die Schwelle. Es war geschehen. Der Pfad war ihm gewiesen, er konnte nicht mehr zurück und mußte vorwärts— zum Heil oder zum Verderben. Aber wie sollte er vorwärts? Die Bäbe hatte die Tür wieder zugemacht und eingeklinkt— tiefes Dunkel umfing sie. In der schauerlichen Finsternis wurde ihm das Schwarze seiner Tat wieder recht fühlbar, und das Herzklopfen be⸗ gaun aufs neue. Er ergriff die Hand der Bäbe mit dem Instinkt der Furcht, die nach der Verbindung mit dem Mute trachtet, und drückte sie— die gute Bäbe meinte, aus Liebe! Aber gleich sollte sie enttäuscht werden. „Bäbe,“ flüsterte der Schneider,„eh' wir weiter gehen, laß uns überlegen! In dem Hause ist's fürchterlich dunkel, ich seh' nicht einen Stich und bin nicht so bekannt hier, daß ich blind hin und her gehen könnt'. Wenn ich falsch treten und an etwas anstoßen tät' und die Pfarrleut' würden aufwachen—“. Ein Beben seiner Hand ergänzte den Satz. Das Mädchen hatte überlegt. Um in ihre Kammer zu gelangen, mußte man die Stiege hinauf und oben im Gange an der Schlafstube der Herrschaft vorbei. Eben im Gange standen aber zwei Kästen, an die ein Unkundiger sich wohl stoßen konnte. Tobias war in einer Gemütsverfassung, in der man nicht sicher zu gehen pflegt— er hatte Angst, der gute Bursch, und ein Fehltritt war möglich, auch wenn sie ihn führte. Sie mußte ein übriges tun, das sah sie schon. Und er, der ungeachtet seiner Furchtsamkeit gekommen war, und von ihr einen kühnen Vorschlag zu hören, verdiente es auch. Mit dem Wohlwollen halb einer Liebenden, halb einer Mutter, sagte sie:„Du hast recht. Wel was Ich kenn' mich um so besser aus erst hier, und ich„gock“ dich hinauf(trage dich Huckepack).“ „Ah,“ entgegnete der Schneider, durch diesen Vorschlag höchlich überrascht.„Gocken!— was fällt dir ein!“ „Nun,“ versetzte die Bäbe mit einem Lächeln, das Tobias nicht sah, wohl aber aus dem Tone entnehmen konnte,„glaubst etwa, du bist mir zu schwer?“ In dieser Frage und in der muntern Art, womit sie gestellt war, schien dem Burschen ein Stich auf die Schmächtigkeit seiner Figur zu liegen; ein gewisser Schneiderstolz rührte sich in ihm und gesellte sich zu der Furcht, und mit dem abweisenden Tone eines Verletzten erwiderte er:„Geh' doch! Gocken! Mich! Wie ein kleines Kind!“ „D,“ versetzte die Bäbe mit Heiterkeit,„das wär nicht das erstemal, daß man ein Manns⸗ bild gockt! In der Not greift man eben zu dem, was hilft!“ Und ernster setzte sie hinzu: „Was bleibt uns sonst übrig? Die Leut' auf⸗ wecken wollen wir nicht, und hier stehen bleiben können wir auch nicht. Also?“ „Wir können aber doch noch etwas anderes tun,“ meinte Tobias zögernd. „Nun?“ N „Wir könnten'- uns gesagt sein lassen, daß es nicht sein soll, was wir vorhaben, und—“ Er hielt inne. „Und du,“ ergänzte das Mädchen,„könntest wieder gehen, meinst du? Allerdings, das könntest du; und du kannst es auch wirklich. Gesehen und gehört hat dich bis jetzt niemand, und die Tür ist gleich wieder aufgemacht; ich für meine Person will dich aber durchaus nicht aufhalten!“ Tobias, der aus dem Tone, in dem sie diese Worte sprach, die Gesinnung des Mädchens erraten hatte, sagte:„Wir könnten ja ein anderes Mal zusammenkommen, an einem Orte, wo—“ „Nein,“ versetzte die Bäbe mit Ernst und Entschiedenheit,„dafür bedank' ich mich! Mit uns Zwesen ist's dann aus für immer! So einen„Ich möcht' gern und trau' mir nicht“ kann ich nicht brauchen— da käm' ich nie zu etwas! Ich hab' dir bis jetzt vieles nachgesehen, Tobias; aber zuletzt hat alles ein End'. Was zu miserabel ist, das ist zu miserabel!—“ Der Unmut hatte sie die letzten Worte etwas kräftiger be onen lassen, als es ursprünglich ihre Absicht gewesen. Tobias sah sie erschreckt an und flüsterte: „Nur nicht so laut! Du bist immer gleich so hitzig!— mir ist's mehr um dich gewesen als um mich, wenn ich gemeint hab', ich könnt' wieder gehen! Am Ende, was frag' ich danach? Aber du bist hier im Dienste—“ „Ich fürcht' mich aber nicht, mein lieber Tobias,“ entgegnete die Bäbe. „Nun,“ versetzte der Bursche, aus der Not eine Tugend machend, nach einer kleinen Pause, „wenn du dich nicht fürchtest, dann fürcht' ich mich auch nicht. In Teufels Namen— so gock' mich!“ Das Mädchen, welches die Zeit verstreichen sah, stellte sich zurecht, rief mit einem gewissen Kommandoton:„Mach!“— und nach einer Sekunde saß Tobias wie Eginhard oder wie die Männer von Weinsberg, seine glücklichen Vorgänger. Die rüstige Bäbe trug den ebenso geliebten wie leichten Schneider ohne Schwierigkeit die Stiege hinan. Da sie in Strümpfen ging, so war ihr Tritt fast unhörbar, und mit Sicher⸗ heit wurde eine Stufe um die andere über⸗ schritten. Tobias hatte die seltsamsten Gefühle. Ihm war's, als ob er träumte— und doch war's keine Einbildung, was ihm widerfuhr. Er hielt mit seinen Armen den Hals der Geliebten um⸗ schlungen und fühlte an seinen Händen den Hauch ihres Mundes.— Wie mußte sie ihn lieben, die gute Bäbe, daß sie das für ihn tat und für ihn riskierte! Ja, sie hatte ihn wirk⸗ lich gern! Sie war brav, sie war herzhaft und entschlossen— sie war das beste Weib, das er finden konnte! Die letzte Stufe war überschritten. Oben auf dem Gange war es heller, als sie hätten erwarten können. Der abnehmende Mond war aufgegangen, die Wolken im Osten verzogen, und der Schein ftel durch das hintere Fenster. Mit um so größerer Sicherheit ge⸗ traute sich die Bäbe geräuschlos an der Tür des Schlafzimmers vorbeizukommen, das auf der Gartenseite lag. Sie wendete sich und ging vorwärts. Als sie aber noch zwei Schritte von der Tür entfernt war, fing es drinnen an zu husten. Es war der geistliche Herr, der an solchen Anfällen zu leiden pflegte. Er hustete stark, nachhaltig, und mußte völlig wach sein. Die Möglichkeit, 0 und entdeckt zu werden, schreckte einen Moment auch das Herz des Mädchens. Den Schneider überkam eine unaussprechliche Angst. Bei dem ersten Laute in der Kammer hatte er mit seinen Händen instinktmäßig den Kopf der Bäbe zurückgezogen, wie ein Reiter die Zügel anzieht, und sein Herzklopfen war so stark geworden, daß es die Trägerin an ihrer Schulter spürte. Schnell ergriff sie seine rechte Hand und gab ihr einen Druck, der die Bedeutung hatte:„Um Gotteswillen, sei ruhig!“ — und stand. Und Tobias ermannte sich; er ließ ihren Kopf und Hals in Frieden, hielt sich gelassen fest und blieb stumm. Das Schlagen seines Herzens und das Atmen der Angst zu verhindern, ging natürlich über seine Kräfte. Nach zwei peinlichen Minuten wurde das Husten schwächer, und endlich hörte es ganz auf. Die Bäbe setzte sich wieder in Marsch. Sie schritt beherzt an der Tür vorüber und unaufhaltsam weiter in dem Gange, bis sie an das entgegengesetzte Fenster kam. Dann öffnete sie links an der Wand eine Tür, die geräuschlos aufging, weil die Kluge sie vorher geölt hatte, bückte sich, trat ein und ließ den Schneider vorsichtig herunter. Unverweilt machte sie die Tür wieder zu und schob sachte ein kleines Riegelchen vor. Ein wenig Quieken des Eisens bei dieser Gelegenheit ging dem Burschen noch durch die Seele. Doch— der Hafen war er⸗ reicht, die Fracht geborgen. Die Kammer der Bäbe machte auch bei der gegenwärtigen Beleuchtung den Eindruck der Sauberkeit und Nettigkeit. Auf der Seite gegen⸗ über der Tür stand das Bett, das schön gemacht war, und davor ein Stuhl, auf welchem ein Oberkleid lag. Hinter dem Bette erhob sich ein Tisch mit Leuchter, Wasch- und Trinkgefäß. An der Türseite lag ein Schrein, der die Hab⸗ seligkeiten des Mädchens enthielt, und die Wand zierte ein Spiegel mit einem kleinen Bilde, dem Präsent einer Ulmer Freundin. Das alles war sehr einfach, aber ansprechend verteilt und ein Beweis für die Ordnungsliebe des Mädchens. Tobias, der sich nach dem Vorschieben des Riegels von seiner Bangigkeit erholt hatte, sah beim Scheine der Sterne, die zum offenen Fenster hereinblickten, umher und sog die er⸗ uickende sommerliche Nachtluft ein. Der auber, mit der Geliebten in gesichertem Raume allein zu sein, ergriff ihn und tilgte den letzten Rest der Furcht und Sorge aus seinem Herzen. Er faßte die Hand des Mädchens und drückte ste wiederholt; er sah ihr ins Gesicht und sein Herz begann wieder zu klopfen, aber diesmal aus schönern Gründen. Beide setzten sich auf den Schrein. Mit den Armen sich umfassend und Wang' an Wange gelehnt, saßen sie ein Weilchen ohne zu sprechen. Es dünkte den Burschen hier so schön und so reizend, daß er sein Sträuben, herauf zu kommen, schwer begreiflich fand. In dem Glücke, das ihn erfüllte, wurde sein Herz gerührt durch die Liebe und den Mut, welchen die Bäbe bewiesen hatte, damit ste so weit kamen, wie sie waren. Er fühlte, daß er alles zu danken hatte, daß sie ihn glückl gemacht habe trotz seines Widerstrebens, und indem sie für ihre Person alles aufs Spiel setzte. Sein Herz zerschmolz in Dankgefühl, und der Strom desselben stieg endlich empor und öffnete ihm unwiderstehlich die Lippen. „O Bäbe,“ rief er mit der 17 5 eines bewegten Herzens,„o Bäbe, was bist du für e 5 U 1 112 8 riskierst so viel für„ als ob er Für⸗ nehmst' wär' in der Welt! und weiß Gott, ich bin's nicht! Wenn ich noch so gute Vorsätz 222. 2 ĩ˙ᷣͤ 7——e r 52S* 8 8 r E 7 2 rr r N 7 e or or“ die der Erwachsene als vollendet voll, als daß es sich vom vollendeten Spielzeug schränken lassen will. oder weniger lebhafter Bewegung oder doch Nr. 50. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. fass', immer gerat' ich wieder in meine Dumm⸗ heiten und henehme mich— nein, ich bin's nicht wert,* für mich geschieht!“ Der äbe war der Ton, den der Bursch anschlug, zu ernsthaft; sie erwiderte munter und wohlwollend:„Lassen wir jetzt die Humm⸗ heiten Dummheiten sein! Ich hab' dich nun einmal gern mit samt deinen Dummheiten!“ Dem Burschen gefiel diese Entgegnung un⸗ gemein; aber seine im Glücke bereuende und nach Absolution strebende Seele ging unwill⸗ kürlich weiter.„'s merkwürdig,“ fuhr er fort, „daß man so sein kann, wie ich bin! Einmal ist's mir, als könnt' ich alles tun und es müßt' mir alles durchgehen! Und wenn's nun drum und dran kommt, läuft mir plötzlich alles davon, und es ist mir, als ob ich gar nichts könnt'!“ Er hatte bei dieser Selbstbeurteilung den Arm von dem Mädchen niedersinken lassen auf den Schrein und schüttelte seinen Kopf so bedenklich, daß die Heitere fast gelacht hätte. Sie fand es auch jetzt„merkwürdig, daß man so sein konnte, wie er war“, und versetzte mit freundlicher Ungeduld:„Mach dir doch keinen Kummer! Das sind menschliche Dinge, die du schon ablegen wirst.“ „Ich hoff's,“ erwiderte Tobias;„und Mühe will ich mir geben. Aber ich sag' dir's voraus, Bäbe, so schnell wird das nicht anders werden. Es kommt über mich wie ein großes Wasser, auf einmal, so daß alles ersäuft wird.“ „Uebertreib's doch nicht,“ entgegnete die Bäbe.„So etwas steckt in jedem Menschen, und es kommt nur darauf an—“ (Fortsetzung folgt.) Ueber Kinderspielzeug. Der Stadtschulrat Dr. Kerschensteiner in München beantwortet die Frage, was man den Kindern zu Weihnachten schenken solle, folgendermaßen: 1. Schenke dem Kinde nichts an Spielsachen, bezeichnet. Denn das normale Kind ist viel zu phantasie⸗ das Spiel der Phantasie auf die Dauer be⸗ Je einfacher das Spiel⸗ zeuge, desto besser.— 2. Schenke dem Kinde nichts an Spielsachen, die es nicht in mehr Tätigkeit erhalten. Denn das normale Kind ist durchaus aktiv, durchaus schöpferisch; es will nicht beschäftigt werden, sondern es will sich beschäftigen.— 3. Schenke dem Kinde nichts an Spielsachen, die nicht auf den Boden fallen dürfen. Denn das wirklich spielende Kind lebt in einer anderen Welt, als in der es spielt, und es gibt andere Gelegenheiten als das Spiel, das Kind zur Achtsaͤmkeit zu erziehen. — 4. Schenke dem Kinde nichts an Bilder⸗ büchern und Bildern, wo nicht der Humor zum Durchbruch kommt und die Tugend auf Stelzen geht. Denn das Kind soll beim Sptkelen fröhlich sein, und die Tugend will in diesem Alter nicht gepredigt, sondern geübt werden.— 5. Schenke dem Kinde nichts an Bilderbüchern, aus denen es lesen, schreiben, rechnen lernt. Das kann es in der Schule noch früh und lange genug treiben. — 6. Schenke dem Kinde nichts an Bilderbüchern, die künstlerisch wertlos sind. Du brauchst da⸗ bei nicht die allerhöchsten Ansprüche zu machen. Aber bedenke: Was lebhaft in des Kindes Geist bis zum siebenten Lebensjahre eingeht, gräbt sich in sein Gehirn unauslöschlich wie auf eine Erztafel ein. Nun gehe hin und suche. Und wenn du deine Auswahl unter sorgfältiger Berücksichtig⸗ ung dieser sechs Verbote getroffen hast, und dein Kind gleichwohl sich nicht dauernd in einem stillen Winkel beschäftigt, sondern dich immer und immer wieder mit der ewigen Frage quält: „Was soll ich tun?“, so habe Geduld mit den armen Kleinen; denn dann fehlt es entweder an der geistigen Entwicklung des Kindes— oder an deiner vorausgegangenen Erziehungs⸗ tätigkeit. Er bat sich seine Sünden vergeben. Der fromme Pastor Krösell nämlich, nebenbei antisemitischer Reichstagsab⸗ geordneter. Gelegentlich eines Beleidigungs⸗ prozesses, den Pastor Krösell vor dem Schöffen⸗ gericht Stargard gegen den Gutsbesitzer v. Derenthall führte, ging der Verteidiger Derent⸗ halls auf die Lebensführung des Paßtdrs ein. Dabei trat denn eine gar wunderliche e 1 r auffassung des Herrn Pastors zu Tage. gab den nicht mehr hinwegzuleugnenden intimen Verkehr mit seiner Wirtschafterin zu. Er habe sich, sagte Herr Kröfell,„in dieser Person leider getäuscht“ und nicht gewußt, daß er es mit einer geschiedenen Frau zu tun habe. Dann habe er„gehandelt wie es einem Pastor zukomme“, und sie aus dem Hause ge⸗ wiesen. Nach einer eingehenden Rücksprache mit einem über ihm stehenden Amtsbruder habe er das heilige Abendmahl empfangen, und damit habe er sich dieser Sünde ledig gefühlt.— Das ist in der Tat sehr bequem. Herrenwäsche Wenn Sie bei Ihren Ein⸗ hkäufen Vorteile genießen wollen, dann überzeugen Sie sich von der enormen Billigkeit meiner sämtlichen Artikel. Massenauswabl! in Damenkonfektion Damenputz, Kleiderstoffe Baumwollwar., Teppiche Gardinen, Kurzwaren Jacobheilbronner Gießen, Marktstraße 17 Parterre, 1., 2. und Und diese Gesellschaft weiß nicht genug über die„verderbte“ Sozialdemokratie zu schimpfen! Humoristisches. Immer protzig. Hausdame:„Wir haben ein großes Unglück, unser Sohn ist gemütskrank geworden.“ Be such:„Ach, der arme Junge!“ Hausherr:„Nu, nu, wir haben ihn in eine Irrenanstalt ersten Ranges gebracht.“ Aus dem„„Tagebuche eines Offiziers“ giebt die neuste Nummer des„Simplicissimus“, die den Vorgängen in der„kleinen Garnison“ gewid⸗ met ist, folgende Notizen: Eines fürcht' ich immer: daß mal plötzlich eine Kriegserklärung kommt, weun gerade die ganze Garnison besoffen ist. * Kein Ort in der Welt ist so langweilig, daß man dort nicht mehr Schulden machen könnte, als man je bezahlen kann. * Man wird hier allmählich so stumpfsinnig, daß man die Frauen der Kameraden mit seiner eigenen verwechselt. * Habe heute aus lauter Stumpfsinn versucht, Goethe zu lesen. Furchtbar langweiliges Zeug. Man merkt, daß der Mann auch in einer kleinen Garnison gelebt 150 ha 1 Der verfluchte Bilse! Nun werden wir bald alle unsere Kenntnisse als Zivilmenschen verwerten müssen. Na, das wird eine schöne Ueberproduktion an Tur n⸗ lehrern geben. — Geschichtskalender. 13. Dezember. 1902: Zollwuchererdebatte im Reichstage; 20 stündige Sitzung. Antricks 8 Stunden ⸗ Rede. 14. 1902: Zollvorlage im Reichstage morgens 5 Uhr angenommen. 1900: Bankier Sanden erhält einen Orden.(Im vorigen Jahre wegen großer Schwindeleien verurteilt.) 1844: Bürgermeister Tschech in Spandau hingerichtet 15. 1896: Barcelonaer Anarchisten in Montejuch 16. 1898: Daudet, franz. Romanschriftsteller, f. 1897: Wilh. II. Rede von der„gepanzerten Faust.“ 17. 1896: Wilh. II. lobt die Hamburger Rheder wegen Abweisung der Arbeiterforderungen 13. 1896: Hamburger Senat weist das Gesuch der streikenden Hafenarbeiter um Vermittelung ab. 1773: Beginn des nordamerik. Befreiungskrieges. 19. 1890: Cäsar de Paepe, sozialistischer Schrift⸗ steller in Brüssel,. Konsum-Verein Giessen u. Umgegend. Für die bevorstehenden Feiertage empfehlen wir unseren Mitgliedern den regen Besuch unserer Verkaufsstelle. 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Genau wird diese Frage erst beantwortet werden können, wenn einmal in Deutschland eine reichsamtliche gute Arbeitsstatistik eingerichtet sein wird. Bis dahin bleiben alle Angaben unsicher. Die Frage wird jetzt in Fachzeitungen wieder aufgeworfen, weil die Finanzminister⸗ konferenz neue Befürchtungen über eine eventuelle Erhöhnng der Tabaksteuer wachgerufen hat. Die Süddeutsche Tabakzeitung warnte davor, eine Industrie, die 160 900 Arbester beschäftigte, immer mit Steuerprojekten zu beunruhigen oder sie gar durch höheren Zoll oder Steuern zu ruinieren. Diese Zahlenangabe veranlaßte einen, wie das Blatt schreibt, hervorragenden Inter⸗ essenten, zu bemerken, daß diese Ziffer noch zu utedrig gegriffen set und folgende Angaben zu machen: Nach dem Jahresbericht der Tabaksberufs⸗ genossenschaft pro 1902 waren bei letzterer an⸗ gemeldet am 31. Dezember 1902 141 237 Voll⸗ arbeiter(zu 300 Arbeitstagen). Nicht ver⸗ sicherungspflichtig sind 1. die Hausarbeiter und 2. diejenigen Betriebe, welche nicht das ganze Jahr hindurch ununterbrochen mindestens einen Vollarbeiter beschäftigen. Die beiden Kategorien liefern aber noch eine ganz be⸗ deutende Anzahl von Arbeitern. Es gibt ganze Gegenden z. B. die westfälische, in denen die Hausarbeit vorherrscht, und von dem Rechte der fakultativen Versicherung der Hausarbeiter haben nur sehr wenige Firmen Gebrauch gemacht. Also die Summe der Heim⸗ oder Hausarbeiter, für das ganze Deutsche Reich addiert, ist eine sehr bedeutende, ebenso aber auch die Summe der in den nicht versicherungspflichtigen Klein⸗ betrieben tätigen Arbeitskräfte. Es gibt in den verschiedensten Gegenden Deutschlands, in den größeren Städten sowohl als auf dem flachen Lande, zahlreiche selbständige Existenzen, die mit ihren Familienaugehörigen, gelegentlich auch unter Zuziehung fremder Arbeitskräfte, Zigarren fabrizieren, um dieselben in eignen kleinen Ladengeschäften abzusetzen oder damit zu hausieren. Wenn in den kleinen und aller⸗ kleinsten Betrieben vorwiegend nur die Familten⸗ angehörigen mit dem Familienoberhaupt mit⸗ arbeiten, so wird dadurch doch die Gesamtheit der in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter bedeutend erhöht. Es ist sonack anzunehmen, daß die Gesamtzahl der Tabakberufsgenossen⸗ schaft nicht versicherten Arbeiter(Heim⸗ arbeiter und in Kleinbetrieben beschäftigte Ar⸗ beitskräfte) mit 60 000 nicht zu hoch angeschlagen ist, und daß man daher ruhig behaupten kann, daß die Tabakindustrie des Deutschen Reichs gegenwärtig 200000 Arbeitskräfte ernährt. Dementsprechend dürfte auch der Gesamtbetrag der in der Tabakindustrie verdienten Löhne, welcher doch in die Kanäle der Volkswirtschaft fließt, mit 100 Millionen Mark keinesfalls zu hoch gegriffen sein. i Wie gesagt, werden alle Angaben unsicher bleiben, aber die Schätzung, daß die Industrie 200000 Arbeiter beschäftige, scheint uns den Tatsachen zu entsprechen. Die Hausindustrie hat erschreckend um sich gegriffen, weshalb ja auch die Regierung an eine gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältnisse in der Hausindustrie denkt. Und wer weiß, ob nicht, wenn eine genaue Zählung der Hausarbeiter vorgenommen würde, die eben abgeschätzte Zahl noch zu gering wäre. KB II 222 BH Soziales. Eine beilsame Lehre erteilte das Ge⸗ werbegericht in München einem Bäckergehilfen. Dieser hatte vereinbarungsgemäß bei seinem Prinzipal an 10 Tagen je zwei Ueberstunden über die vorgeschriebene Maximalarbeitszeit von 12 Stunden gearbeitet. Da der Meister sich weigerte, hierfür Zahlung zu leisten, so zitierte ihn der Gehilfe vor das Gewerbegericht. Dieses wies jedoch die Klage kostenpflichtig ab mit dieser Begründung: Durch Bundesratsverord⸗ nung dürfe für Bäckereien die 12stündige Arbeitszeit nicht überschritten werden. Haben trotzdem Kläger und Veklagter Ueberstunden vereinbart, so ist ein solches Rechtsgeschäft nichtig, weil es gegen ein gesetzliches Verbot im Sinne des§ 134 des B. G.⸗B. verstößt. Es besteht vielmehr überhaupt kein rechtliches Verhältnis, und demgemäß kann der Kläger auch keinen Anspruch an den Beklagten erheben. — Für Bäcker empfiehlt es sich also, Ueber⸗ stunden nicht zu leisten. Auch für andere Arbeiter! Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. Am 1. Januar 1904 tritt das Gesetz vom 30. d. J., die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben betr., in Kraft. Gemäß§ 8 dieses Gesetzes leiden die Bestimmungen in§ 5 des⸗ selben auf die Beschäftigung von Kindern beim Austragen von Waren nnd bei sonstigen Boten⸗ gängen entsprechende Anwendung. Nach diesem letzteren Paragraphen dürfen Kinder unter 12 Jahren überhaupt nicht und über 12 Jahre alte Kinder nicht in der Zeit zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens und vor dem Vor⸗ mittagsunterrichte beschäftigt werden. schäftigung darf nicht länger als drei Stunden und während der Schulferten nicht länger als vier Stunden täglich dauern. Am Mittag ist den Kindern eine mindestens zweistündige Pause zu gewähren. Am Nachmittag darf die Be⸗ schäftigung erst eine Stunde nach beendetem Unterricht beginnen. Für die ersten zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes kann die untere Verwaltungsbehörde gemäß§ 8 nach Anhörung der Schulaufstchtsbehörde allgemein oder für einzelne Gewerbszweige gestatten, daß die Beschäftigung von Kindern über 12 Jahre bereits von 6½ Uhr morgens und vor dem Vormittagsunterricht stattfindet, jedoch darf die Beschäftigung vor dem Vormittagsunterricht nicht länger als eine Stunde dauern. Als Kinder im Sinne des erwähnten Gesetzes gelten nach § 2 desselben Knaben und Mädchen unter 13 Jahren, sowie solche Knaben und Mädchen über 13 Jahre, die noch zum Besuche der Volks⸗ schule verpflichtet sind. Von Nah und gern. Aus dem Rreise Wetzlar. n. Freigesprochen! Nicht bloß von den Ge⸗ richten, die nur aus Berufsrichtern zusammengesetzt sind, auch von den sogenannten„Volksgerichten“, wo Laien das Urteil zu sprschen haben, von den Schwurgerichten, werden oft Urteile gefällt, welche mit dem Rechtsgefühl des Volkes nicht in Einklang zu bringen sind. Zahlreiche Urteile liegen vor, wodurch Angeklagte für geringfügige Vergehen mit überaus harten Strafen belegt wurden. Wir erinnern hier nur an das fürchterliche Urteil des Dresdener Schwurgerichts gegen die Löbtauer Arbeiter vom Jahre 1899, dessen Opfer noch heute zum Teil im Zuchthause schmachten. Aber im Gegensatz dazu hören wir auch oft von Urteilen, wo der Freispruch des Angeklagten durchaus nicht mit Befriedigung im Volke aufgenommen wird, wie z. B. im„Fall Stietencron“, wo der Angeklagte frei ausging, obwohl er einen Arbeiter ab⸗ sichtlich, mindestens fahrlässig getötet hatte.— Dle am Freitag vom Limburger Schwurgericht erfolgte Frei⸗ sprechung des Fritz Walter aus Nauborn, der im September einen Bruder, den Mechaniker Karl Walter durch einen Revolverschuß tötete, ist für das allgemeine Rechtsempfinden ebenfalls schwer verständlich und wird in der Wetzlarer Bevölkerung lebhaft besprochen. Allgemein ist man der Meinung, daß fahrlässige Tötung unbe⸗ dingt vorliegt. Man findet es mit Recht unerhört ver⸗ werflich, wenn ein Mensch den Revolver gegen einen Bruder erhebt. Zum Vergleiche wird der Fall Nagel herangezogen, wo der Angeklagte 12 Jahre Zuchthaus erhielt, weil er einen Menschen getötet hatte, von dem er sich in stockfinsterer Nacht angegriffen glaubte.— Gewiß, besser 10 Schuldige freigesprochen, als ein Un⸗ schuldiger verurteilt; in diesem Falle findet man aber die Freisprechung als zu milde. Die Be⸗ Auch das Schwurgerichtsurteil gegen das Dienstmädchen Halfmann von Niedergirmes, das wegen Kindestötung auf 2 Jahre Gefängnis lautete, wird viel besprochen. Weniger des Strafmaßes, als des Umstandes wegen, daß der Vater des getöteten Kindes ein verheirateter gut christ⸗katholischer Mann in Wetzlar sein soll. Wenn richtig ist, was behauptet wird, daß nämlich das Mädchen geistig nicht völlig normal sein 20 f 10 trifft den Verführer entschleden die größere uld. Aus dem Rreise Dillenburg-Herborn. — Vom Westerwald schreibt man uns: Daß Polizei und Behörden der sozialdemokratischen Agitatlon alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg legen, ist ja bekannt und kommt in noch viel krasserer Form vor, als Ste es in der Rundschau⸗Notiz der vorletzten Nummer: „Wie es einem gerechten Richter ergeht“ aus Militsch in Schlesien schilderten. Man muß da wirklich oft die behördlichen Erfindungsgabe für allerlei Chicanen und Maßregeln uns gegenüber bewundern, während man bei oft recht groben Verstößen der Gegner eine rührende Nachsicht, wenn nicht gar Blindheit beobachten kann, Auch wir im entlegenen Westerwald, wo die sozialistische Bewegung doch noch im Anfangsstudium sich befindet, können ein Liedchen davon singen. Die Saalabtreiberei wurde beispielsweise hier stets ganz besonders geübt; auch bei der diesjährigen Wahl war es uns nicht mög⸗ lich, ein Versammlungslokal zu erhalten.— Am Pfingsten waren unsere Genossen bei Türk in Emmerichenhaim zusammengekommen, um die Flugblätter⸗ Verteilung zu regeln. Obwohl es sich hierbei nur um eine private Besprechung handelte, hatten doch alle Be⸗ teiligten hochnotpeinliche Verhöre zu bestehen, man wollte absolut jene Zusammenkunft zu einer„Versamm⸗ lung“ stempeln und Strafmandete wegen Nichtanmeldung austeilen. Dagegen scheint dieselbe Behörde bis heute noch nicht zu wissen, daß in einem andern Ort desselben Amtes der Gemeindediener den Wählern im Auftrage des Bürgermeisters ein Schriftstück zur Unterzeich⸗ nung vorlegen ließ, laut welchem sie sich zur Wahl Hofmann's verpflichten sollten.— Und Herrn Burckhardt ist, wie er in der Versammlung in Waldaubach erklärte, nie eine Anmeldungsbescheinigung abverlangt worden. Derartige Fälle von zweierlei Maß könnten wir wohl eine ganze Anzahl anführen. Uns ist aber nichts davon bekannt, daß sich hier wie in Militsch ein Richter ge⸗ funden hätte, der solch einseitiges Vorgehen nicht in Ordnung fand oder gar gerügt hätte; im Gegenteil mußte Genosse Türk mit 15 Mk. dafür büßen, daß er seinen Gesinnungsfreunden die Türe nicht vor der Nase zu⸗ machte, weil diese ihren Besuch nicht polizeilich ange⸗ meldet. Dieselbe Strafe traf den zufällig an wesenden Gen. Bartels(Berlin), weil er auf einige Anfragen anderer Genossen die schuldige Auskunft gab. Nun, Opfer dieser Art sind auch hier nicht umsonst gebracht, sie wirken agitatorisch! Alle rechtlich Denkenden, gleichviel ob sie zu den Gleichgüftigen oder den Gegnern gehören, werden dadurch stutzig gemacht, erkennen das Unrecht und quittieren dafür durch Abgabe fozialdemokr. Stimmzettel! Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Innungsmeisterliches. Im Früh⸗ jahr d. J. wurden die Schreinergesellen mit einer Arbeitsordnung beglückt, deren Ein⸗ führung jedoch durch einmütiges Zusammen⸗ halten der Arbeiter verhütet wurde. Die Bau⸗ konjunktur wurde mittlerweile eine regere und so schlief die Sache ein; wenigstens wurde die berühmte Arbeitsordnung keinem Gesellen mehr zur Unterschrift vorgelegt. Nach den Kämpfen um die Arbeitsordnung wurde der Bevoll⸗ mächtigte des Verbandes und ein Mitglied des Schiedsgerichts gemaßregelt. Letzteres wurde wieder eingestellt, während man den Bevoll⸗ mächtigten auf Schritt und Tritt verfolgte. Aus seiner letzten Arbeitsstelle vertrieb ihn der Oberinnungsmeister Banz, indem er den Meister aufforderte, den Bevollmächtigten zu entlassen. Derselbe kam auch diesem Verlangen nach, aus Furcht vor dem Urteil der Innung, da es Innungs⸗ beschluß war: kein Meister darf den Bevollmächtig⸗ ten einstellen.— Am Freitag war nun Versamm⸗ lung zur Wahl des Gesellenausschusses einberufen, zu der die Verbandsmitglieder ge⸗ schlossen anrückten. Der Vorstand der Zwangs- innung bemerkte das mit Schrecken und erklärte, daß die Wahl nicht vorgenommen werde, denn die Gesellen seien zu einem andern Zwecke ge⸗ r —. e Seite 10. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 50. kommen. Das verursachte auf Seite der Ar⸗ beiter gewaltige Erregung und dem Vorsitzenden Banz wurden bittere Wahrheiten gesagt. Man warf ihm vor, daß er das auf seinen Wunsch eingesetzte Schiedsgericht mißachtet und Verrufs⸗ erklärung verübt habe. Als glücklich die Wohl vorgenommen werden konnte, ergab sie als Re⸗ sultat die Wiederwahl des bisherigen Altge⸗ sellen, der die Interessen seiner Kollegen ener⸗ gisch vertrat. Der Vorsitzende, Herr Banz, er⸗ klärte sich mit diesem Resultat nicht zufrieden; er wolle es der Aufsichtsbehörde unterbreiten, mit den Gesellen wolle er nichts mehr zu tun haben. Hierzu machten die Gesellen laute Zu⸗ rufe, was ihn derart alterierte, daß er die Ver⸗ sammlung auflöste.— Jedenfalls hat der Vorstand der Schreinerzwangsinnung gemerkt, daß er mit den Arbeitern nicht nach Belieben umspringen kann. r. v. Gerlach über die Sozialdemo⸗ kratie. Unser Abgeordneter scheint einen ztemlichen Ruck nach links gemacht zu haben. Er sagt im„Tag“ über unsere Landtagswahl⸗ taktik: Wer nicht blind ist oder sich blind stellt, muß doch sehen: die Schuldigen bei den so unendlich bedauerlichen Siegen der Reaktion in Breslau, Charlottenburg und Bielefeld sind allein die Liberalen. Die Sozial⸗ demokraten wären Narren gewesen, wenn ste anders gehandelt hätten, als sie getan haben. Und über die Wahlbeteiligung unsrer Parteigenossen an sich führt Herr v. Gerlach aus: Man versetze sich nur einmal in die Seele eines Arbeiters, namentlich zu den Zeiten knapper Arbeits⸗ nachfrage, der an den Wahltisch treten soll, wo sein Arbeitgeber als Wahlvorsteher fungiert. Schlimmerweise hat man seinen eignen Werkmeister als konservativen Wahlmann aufgestellt. Unter den Augen seines„Brot⸗ gebers“ soll er gegen seinen unmittelbaren Vorgesetzten stimmen. Er hat Frau und Kinder zu ernähren. Alles setzt er aufs Spiel, wenn er nach seiner Ueberzeugung stimmt. Heroismus gehört in solchem Falle dazu, sozialdemokratisch zu wählen. Daß die Sozialdemokratie unter solchen Umständen Hunderttausende an den Wahltisch bringt, das scheint mir fast ein größerer Triumph als alle ihre Reichstagssiege. Eine Unsumme von Disziplin, von Begeisterung und von Tapferkeit steckt in den Tausenden von Wahlmännersiegen der Sozialdemokratie. In der Mehrzahl der Fälle haben die Sozialdemokraten jedenfalls weiter nichts getan, als auf strikte Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen zu bestehen. Das war nicht nur ihr gutes Recht, sondern sogar ihre Pflicht, so unangenehm es für alle beteiligten Wahlmänner auch sein mochte. Einem in seiner Grundlage so schändlichen und in seiner Ausführung so schikanösen Gesetz gegenüber, wie es die preußische Drei⸗ klassenwahl ist, ist jede gesetzliche Bekämpfung und Diskreditierung verdienstvoll. Was man tun kann, um es den herrschenden Klassen zu verekeln, muß man tun. Wirklich liberale Männer sollten in jedem solchen Fall den Sozialdemokraten beistehen. Aber wer ist denn noch wirklich liberal? Der 12. und der 20. November haben gezeigt, daß der Liberalismus moralisch noch schwächer ist als ziffernmäßig. Mit diesen Urteilen ihrer Gegner kann die Sozialdemotratie zufrieden sein. Beinahe komisch muß es aber wirken, wenn es Herr v. Gerlach ausspricht, der bei der Reichstagswahl nicht genug über Taktlosigkeit der Soztaldemokratie eifern konnte! Erstklassige Menschen. Das Kriegsgericht in Magdeburg verurteilte in geheimer Verhandlung den Lieutnant C. vom 27. Infanterie⸗Regiment in Halberstadt wegen Fahnenflucht zu 8 Monaten Gefängnis und Ausstoßung aus dem Heere. Aus der Urteilsbegründung ging hervor, daß der Ange⸗ klagte ein intimes Verhältnis mit einer Hauptmannsgattin unterhielt. Er war nach der Schweiz entflohen, hatte sich aber später freiwillig gestellt.— Derlei Dinge kommen also unter den Trägern des vornehmsten Rockes auch in Magdeburg vor, das doch keine„kleine Garnison“ ist.— Das Kriegsgericht in Frank⸗ furt a. d. Oder verurteilte den Oberstleut⸗ nant von Götz und Schwanenflies wegen schwerer Urkundenfälschung zu 2¼ Jahre Zucht⸗ haus und den üblichen Nebenstrafen. Unglückliche Vaterlandsverteidiger. „Ein Soldat der 9. Kompagnie des in Göttingen garnisonierenden 82. Jufanterie⸗ Regiments hatte sich von seiner Truppe entfernt und in den Waldungen bei Northeim versteckt. Jetzt hat man den Unglücklichen in vollständig hülflosem Zustande mit erfrorenen Gliedmaßen aufgefunden. Dem Manne mußten im Garnison⸗ lazarett beide Beine abgenommen werden. Es ist fraglich, ob es gelingt, den unglücklichen Soldaten am Leben zu erhalten. Veelleicht ist es auch besser, wenn ihn der Tod baldmöglichst von seinen Qualen erlöst. Hoffentlich wird eine strenge Untersuchung klarstellen, wer und was den Mann so in Furcht setzte, daß er lieber draußen im Walde wie ein wildes Tier 950515 und erfriert, als bei der Truppe eibt. Dackel mit Unterofsiziersauszeichnung. In der„Hohenzollerischen Volksztg“ war dieses Inserat zu lesen: Anzeige. Kleiner schwarzer Dachshund, auf den Namen Feldmann hörend, (Halsband mit Unterofsiziers⸗ tresse u. Sergeantenknöpfen) verloren. Abzugeben gegen Belohnung bei v. Blumröder, Hauptmann. Ob dem Deserteur wohl zur Strafe die Tressen und Sergeautenknöpfe abgenommen werden? Sicherlich aber hat sich der arme Kerl die Anwartschaft aufs Portepee für alle Zeiten verscherzt. r Sieben Kinder in zwei Jahren wurden einer Familie in dem Spreewalddorfe Leipe beschert. Die Ehefrau des Kossäten Friedrich Richter in diesem Orte kam im Jahre 1902 mit Zwillingen nieder; im Januar des gegenwärtigen Jahres gebar sie aberm als Zwillinge und am 2. Dezember Drillinge. Sämtliche Kinder waren Knaben. Die beiden Zwillingspaare sind —— und Krimmer 7 es- Sehuhe von 30 Pfeunig an bis zu den feinsten Qualitäten. 7 es- Handschuhe iu allen Größen, gestrickt, gewebt, mit Leder A Jacken,(Unterjacken) von 1 Mark an. damen und Jagdwesten in allen Größen und Weiten, von 1,50 Mk. . 75 bis 5. F 85 9175 4-6 Mk. 6 mnterziehzeuge, als: ormalhemden autjacken, Unter⸗ fe- hosen, in großer Auswahl. 5 f en Paletots und Haveloes für Herren, Burschen u. Kinder. 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