r ²˙ T S 16 ufen, 205 „3,0 400 „ 6.5 erung. D ,, Ba, — e e e Mr. Gießen, den 12. Juli 1903. 10. Jahrg. MNedaltion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 2 Mitteldeutsche Atags⸗ Zeitung Nebaktioneschtuß⸗ Donnerstag Nachmittag& Uhr — Abonnementspreis: Bestellungen 2 Junserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25 bei 6 mal. Bestellung die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Was nötig ist. Vor 25 Jahren genau um dieselbe Zeit im Monat Juli befanden wir uns ebenfalls in der Wahlbewegung. Die Ordnungsleute befanden sich damals nicht in solcher Verlegenheit wegen einer„Wahlparole“ als in dem hinter uns liegenden Wahlkampfe, sie hatten eine solche, Bismarck hatte den„Kampf gegen den Umsturz“ proklamiert und mit einer wahren Berserkerwut stürzte sich das Spießertum und die Ordnungs⸗ helden aller Farben auf die unglückseligen Umstürzler. Diesen hatte man zwar vorher auch schon das Leben sauer genug gemacht; eine Hetze aber, wie sie im Jahre 1878 gegen die Sozialdemokratie in Scene gesetzt wurde, war noch nicht dagewesen und har auch kaum je wieder ihres Gleichen gefunden. Der im Januar 1877 gewählte Reichstag war kurz nach dem Attentat Nobilings auf Wilhelm J. aufgelöst worden. Man wollte ein Ausnahme⸗Gesetz gegen die Sozialdemo⸗ kratie durchdrücken, was dem Reichstage gleich nach dem Hödel⸗Attentat(11. Mat 1878) vor⸗ gelegt, von diesem aber abgelehnt worden war. Eigentlich wäre eine Auflösung nicht nötig gewesen, auch der alte Reichstag würde bei dem allgemeinen Rotkoller, der damals ausge⸗ brocheu war, das verlangte Gesetz willig apportiert haben. Unsere Partei hielt sich bei der nun folgenden wütenden Hetze tapfer. Allerdings sank unsere Stimmenzahl um etwa 50000; unter diesen Umständen durfte dies aber als ein Erfolg der Sozialdemokratie gelten. Denn was in jener Wahlbewegung, ganz abgesehen von den polizeilichen und sonstigen Gewalttätigkeiten an Lügen, Verdächtigungen und Verhetzungen gegen uns von dem koll gewordenen fanatisierten Spießertum geleistet wurde, ist einfach un be⸗ schreiblich. Trotzdem erhielten wir 437000 Stimmen. Diesmal brachten wir es auf 3 Millionen Stimmen, siebenmal mehr als vor 25 Jahren! Wir haben gewiß Ursache, uns der Fortschritte zu freuen, die unsere Bewegung gemacht hat und wir lassen uns diese Freude nicht dadurch vergällen, daß uns die bürgerlichen Zeitungen immer wieder vorhalten, diese drei Millionen Wähler seien keineswegs alle Sozialdemokraten, es seien eine große Anzahl davon, ja womöglich der größte Teil, Mitläufer. Ja,„Mitläufer“! Wer glaubt denn, daß alle die Wähler, welche für die Nationalliberalen, Konservativen, Antisemiten stimmten, die soge⸗ nannten Grundsätze jener Parteien kannten? Wir behaupten, daß mindestens drei Viertel ihrer Wählerschaft aus Mitläufern besteht. Wo wird denn bei bürgerlichen Parteien noch eine grundsätzliche Politik verfolgt? Nirgends. Wir sehen den Fretsinnskämpen, den Richter'schen Wasserstiefler getrost für den nationalliberalen Reaktionär und Zollwucherer an die Urne marschieren und zwar nicht blos in Gießen. Das Gelungene bei der Mitläufer⸗Geschichte ist aber, daß zum großen Bedauern unserer Gegner, die Zahl unserer„Mitläufer“ eine immer größere wird und daß die Wähler nun schon Jahrzehnte lang mitlaufen! Wie würden sich die Gegner aller Schattierungen freuen, wenn sie über eine solche Mitläuferschar verfügten! Aber die Mitläuferschaft jener Herren wäre noch nicht halb so stark, wenn wir mit unserer Agitation überallhin gelangen könnten. Das ist leider nicht der Fall und deshalb finden die Gegner noch in vielen Gegenden Gläubige für ihre Schauer⸗Märchen, die sie über die Sozial⸗ demokratie verbreiten. Und ihre„geistigen Waffen“ sowie ihre sonstigen sehr ungeistigen Kampfmittel unterscheiden sich in keiner Weise von denen, mit welcher sie bei den Attentats⸗ wahlen von 1878 den„Kampf gegen den Um⸗ sturz“ führten. Wo bei der letzten Wahl⸗ bewegung die Mischmasch⸗Agitatoren nicht zu fürchten brauchten, daß ihnen auf die Finger geklopft würde, brachten sie all' die abgenutzten Mätzchen gegen die Sozialdemokratie vor, mit denen schon ihre Väter krebsen gingen und über die jeder halbwegs gebildete Mensch lacht. Die Gesellschaft hat in dem Vierteljahrhundert nichts gelernt und nichts vergessen. Viel zu wenig gelernt hat leider aber auch ein großer Teil der unbemittelten Klasse und der Arbeiter. Wäre das nicht der Fall, wären die für uns in Betracht kommenden Volksschichten genügend aufgeklärt, so würde nicht jeder Schwindel über die Sozial⸗ demokratie verfangen und wir hätten 6 Millionen Stimmen statt nur 3. Für diese Aufklärung müssen wir sorgen. Und gerade in den Kreisen unseres Verbreit⸗ ungs gebietes haben sich bei der letzten Wahl schwere Mängel in Bezug auf Organisation und Agitation herausgestellt. Wenn wir in Betracht ziehen, daß in diesen Kreisen die Mehrheit der Wähler zur besitzlosen Klasse gehört, so erscheint unsere Stimmenzunahme herzlich unbedeutend.— Wir müssen für die Verbesserung der Organisation und für die Aus⸗ gestaltung unserer Presse sorgen!— Um das zu ermöglichen, machen wir den Vorschlag, die Wahlkreise Gießen, Alsfeld, Wetzlar, Marburg, Dillenburg, vielleicht auch noch Friedberg, Limburg, Siegen zu einem Agita⸗ tionsbezirk zusammenzufassen. Wir ersuchen die Genossen, diesen Vorschlag in den Bereich ihrer Erörterung zu ziehen; später könnte eine von diesen Kreisen beschickte Konferenz das Weitere beschließen. Auf, zu neuer Arbeit! Politische Rundschau. Wegen des soz.⸗dem. Vizepräsidenten im neuen Reichstage zerbrechen sich die bürger⸗ lichen Preßorgane aller Schattierungen lebhaft die Köpfe, während in unsern Parteiblättern die Angelegenheit mit aller Gelassenheit be⸗ handelt wird. Alle Parteiorgane aber, mit nur vereinzelten Ausnahmen, lehnen den Vor⸗ schlag des Genossen Bernstein mit aller Entschiedenheit ab. Wir möchten auch wirklich keinem unserer Abgeordneten zumuten, als Reichstagspräsident dem Manne einen Ergeben⸗ heits⸗Besuch abzustatten, in dessen Augen wir Leute sind, nicht wert, den Namen Deutsche zu tragen, der von den sozialdemokratischen Führern sagte, daß sie die Arbeiter„aufs rücksichtsloseste ausbeuten, terrorisieren und knechten“.— Unter Umständen müßte der sozialdemokratische Präsi⸗ dent gar noch eine Strafpredigt über sich ergehen lassen! Genosse Singer hat in Bezug auf diese Angelegenheit dieser Tage dem Korre⸗ spondenten der Wiener„Arbeiter⸗Ztg.“ erklärt, daß die sozialdemokratische Fraktion wie bereits im Jahre 1898 den Anspruch auf einen Vize⸗ präsidenten erheben wird, selbstverständlich ist es, bemerkte er weiter, daß ein sozialdemokra⸗ tisches Mitglied des Reichstagsprästdiums alle ihm durch die Geschäftsordnung aufer⸗ legten Verpflichtungen erfüllen wird. Diese Erklärung haben wir auch im Jahre 1898 im Seniorenkonvent abgegeben, als wir unseren Anspruch auf einen Sitz im Präsidium erhoben. Aber man wollte uns damals auch gesell⸗ schaftliche Verpflichtungen aufzwingen, die in der Geschäftsordnung nicht begründet sind; und da wir es ablehnten, zu Hof zu gehen, wurde unserem berechtigten Anspruch nicht stattgegeben. Ich sehe keine Veranlassung, von dem Standpunkt, den wir damals einge⸗ nommen haben, abzuweichen, zumal da die Vertretung im Präsidium lange nicht die Bedeutung hat, zu der Bernstein sie aufbauscht. Dieser Ansicht ist ebenfalls zweifellos die übergroße Mehrheit der Parteigenossen. Ueber den Wahlausfall in Sachsen äußerte sich vor einigen Tagen der sächsische Minister des Innern Metsch bei Gelegenheit des Gemeindetages in Pirna. Auf die Be⸗ grüßungsansprache des Leipziger Oberbürger⸗ meisters antwortete der leitende Minister Sach⸗ sens mit einer längeren Rede, in der er unter Hinweis auf das„erschreckliche Resultat der Reichstagswahlen“„zum Zusammen⸗ halten, Zusammenarbeiten, Zusammenfassen der in Staat und Gemeinde funktionierenden öffent⸗ lichen Gewalten“ aufforderte. Es darf nicht verkannt werden— fuhr er fort— daß die zersetzende Agitation sich nicht gescheut hat, das gute, gesunde Bürgertum anzugreifen, und daß sie teilweisen Erfolg gehabt hat in den Bestrebungen, einen Riß in dieses Bürgertum zu schaffen. Im weiteren Verlauf seiner Aus⸗ führungen sagte er noch:„Es sind verbesse⸗ rungsfähige Zustände vorhanden; wo wir erkennen, daß Fehler gemacht worden— und auch die Regierung hält sich nicht für infallibel — ist es unsre Aufgabe, helfend, verbessernd einzutreten. Ich richte daher an diese den erneuten Appell zu gemeinsamem Vorgehen, zu gemeinsamer Arbeit mit dem Ziele, bessere Verhältnisse zu schaffen und das Volk vor gewissen zersetzenden Elementen zu bewahren.“ Der Minister machte zwar viel Worte, sagte aber damit eigentlich nichts. Er hätte an den Taten der Regierung etwas mehr Kritik üben dürfen; die Wahlrechts räuberei, die Erhöhung der Zivilliste des Königs, die Steuer⸗ erhöhung, der Brotwucher und die ewigen Polizei⸗ schikanen gegen die Arbeiter— das sind einige der Ursachen der sozialdemokratischen Fortschritte in Sachsen. Natürlich— der Hauptgrund unseres Wahlsieges ist die wachsende Erkenntnis von der Richtigkeit der sozialdemokratischen Grundsätze. Der einzige bürgerliche Reichs tagsabge⸗ ordnete in Sachsen, der Antisemit Gräfe hat den König sogleich antelegraphiert: „Eurer Majestät senden 100 treue Sachsenherzen Gruß und Treuegelöbnis für alle Zeit aus der vom Feinde ungebrochenen Feste des Sachsenlandes. Die 8 5 5——* 3 . p.. 2 ——— 0 e. 2— e S r * N Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 28. Lausig hält die Treue! Heil! Gräfe. Reichstagsabgeord⸗J wandte, stach ihn ch 5 5 1 sic seis ö Ausland. neter.“ und niederträchtige Tat charakterisiert sich als Der König antwortete also: ganz gewöhnlicher Mord und das Verbrechen rief Die Sozialdemokratie in den Alpen⸗ „Heute früh Ihr Telegramm erhalten. Freue mich ländern herzlich über Ihren Sieg und den Sieg der guten Sache in Ihrem Wahlbezirk. Georg.“ Es mag für einen Landesvater nicht ange⸗ nehm sein, daß die Landeskinder nur in einem gering bevölkerten Wahlkreise in dem noch dazu die nicht deutsch sprechenden Wenden einen starken Teil der Wählerschaft bilden, der „guten Sache“ huldigen, während sich alle anderen Wahlkreise von der„guten Sache“ höchst respektlos abgekehrt haben. Ein christliches Blatt über den Wahlsieg der Sozialdemokratie. Zu dem glänzenden Wahlsiege der Sozial⸗ demokratie wußte die„Ordnungspresse“ im Allgemeinen nicht viel zu sagen. Sie begnügte sich damit, die alten Lügen und Märchen auf⸗ zutischen, die schon seit Jahrzehnten zu den Kampfmitteln unserer Gegner gehören. Die Berliner„Post“ brachte ja mal etwas Neues, indem sie von Wahlmogeleien zu berichten wußte, durch welche unsere Partei den Sieg errungen habe. Andere schreien nach Beseitigung des Reichstagswahlrechts. Desto mehr muß man den Freimut anerkennen, mit welchem ein christliches Blatt, die„Christliche Welt“, unsere Partei beurteilt. Zwischen der Haupt; und Stichwahl schrieb das Blatt: „Das weiß die Partei ganz genau, daß ihr diese Millionen Stimmen nicht von lauter„zielbewußten“ Genossen, nicht auf ihr Programm hin zugefallen sind. Aber daß sie eine große Partei ist, die man nirgends und nimmer wird ignorieren können, und daß sie eine eifrige Partei ist, die treu und unablässig ar⸗ beitet im ganzen Volk bis aufs letzte zugängliche Dorf hin, das hat ihr das Vertrauen dieser Masse von Deutschen verschafft, sie mögen im übrigen sich über ihre Stimmabgabe klar oder unklar gewesen sein. Auch daß sie Ideen hat und Ideale, spürt der gemeine Mann: ich wünschte, man fühlte es der Kirche und ihren Vertretern auch so allgemein ab! Zur Kontrolle dafür, daß wir mit Recht auf den Idealgehalt in der Sozialdemo⸗ kratie Wert legen, mag die Tatsache dienen, daß eben die letzte Reichstagswahl der einzigen Partei, die als reine, scheu⸗ und rücksichtslose Vertreterin einseitiger Interessen aufgetreten ist, der agrarischen, eine so un⸗ verhoffte Niederlage bereitet hat. Will man aber den Erfolg der Sozialdemokratie durchaus auf ein böses Prinzip, auf wüste Agitation und dergleichen, zurück⸗ führen, so bezweifeln wir nicht, daß auf dem für diese Partei so weit ausgedehnten Schlachtfelde arge Aus⸗ schreitungen ihrer Zugehörigen vorgekommen sind(7), aber dem steht die Tatsache gegenüber, daß der Wahlkampf von sozialdemokratischer Seite anderswo tadellos anständig geführt worden ist. Mit dem Ab⸗ wägen von Agitationssünden halte man sich lieber nicht auf, da wird fast von allen Seiten Unsug auf Unfug gehäuft, und nur ein Gott kann da sichten und richten. Nun, man wird die Sozialdemokratie nach dieser Wahl noch ernster nehmen als bisher, und das ist gut. Auch von kirchlicher Seite wird man das tun müssen. Wir nehmen z. B. an, die Stichwahlen im Königreich Sachsen fallen so aus, daß alle Kreise sozialdemokratisch vertreten sind: was sagt die sächsische Landes⸗ kirche dazu? Es sind ja doch ihre Gemeinden, die so gewählt haben?“ Werden sich diejenigen Pastoren, welche den„Kampf gegen den Umsturz“ als ihre spezielle Aufgabe betrachten, diese Ausführungen zu Herzen nehmen? Wir glauben es nicht. Hüssener. Vor dem Oberkriegsgericht in Kiel als Berufungsinstanz wurde am Montag gegen den Fähnrich zur See Hüssener verhandelt, dessen Mordtat am Tage vor Ostern alle Welt in Aufregung setzte. Bekanntlich wurde Hüssener durch das Urteil erster Instanz zu 4 Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt. Die Beweis zufnahme vor dem Oberkriegsgericht ergab den Tatbestand so, wie er bereits in der ersten Justanz festgestellt wurde und allgemein bekannt ist. Weil der Einjährige Hartmann den ihm persönlich von der Schule her be⸗ kannten 19 jährigen Fähnrich Hüssener nicht oder nicht„vorschriftsmäßig“ grüßte, stellte dieser den Sünder zur Rede und als sich der etwas angetrunkene Einjährige zur Flucht durch das abstoßende Benehmen des Täters, der mit albernen Redereien von Ehre und Soldatenpflicht seine heimtückische und bestialische Bluttat zu beschönigen versuchte, noch mehr als jeder andere Mord die allgemeine Abscheu hervor. Der Vertreter der Anklage führte denn auch aus, daß von einem minder schweren Fall keine Rede sein könne und wiederholte den Antrag, der schon in der ersten Instanz gestellt wurde und beantragt 6 Jahre Zuchthaus und Ausstoßung aus der Marine. Der Verteidiger plaidiert auf Freisprechung wegen des Haupt⸗ vergehens. Und das Urteil? Es lautet auf zwet Jahre und 7 Tage Festungshaft! Das überaus milde Urteil, das die Mordtat so gut wie straflos läßt, wird überall die gerechteste Empörung hervorrufen. Festungs⸗ haft! Diese Strafe bedeutet für diesen Mörder soviel, wie für irgend einen Zivilmenschen 2 Jahre Sommerfrische! Es ist beinahe eine Prämie für diese abscheuliche Tat! Man halte diesem Urteil die zahlreichen anderen gegenüber, durch welche Soldaten wegen oft ganz geringfügiger Vergehen gegen die geheiligte Disziplin zu überaus harten Strafen verurteilt wurden; man erinnere sich der Urteile gegen ehrenhafte Arbeiter wegen angeblicher Beleidigung von Streikbrechern— wit führen in der heutigen Nummer wieder einige an— und man wird den richtigen Begriff von der deutschen Rechtspflege, besonders der militärischen, bekommen.— Natürlicherweise rief die Nachricht von der milden Bestrafung Hüsseners in Essen, wo die Eltern des Er⸗ mordeten ihren Sohn betrauern, die größte Entrüstung hervor. Löbtauer Urteil in zweiter Auflage. In dem am Donnerstag voriger Woche in Bromberg beendeten Streikprozeß wurden die 17 Angeklagten wegen der während des Maurerstreiks begangenen Ausschreitungen zu Strafen von 2 Jahren Zuchthaus und 4 Monaten bis 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Hier handelt es sich erst um die Hälfte der infolge der Streiktumulte Angeklagten; weitere 17 Personen sehen der Aburteilung noch ent⸗ gegen.— Und welche Verbrechen begingen die Verurteilten, daß man ihnen so schwere Strafen zudiktierte? Die streikenden Arbeiter konnten es nicht verstehen, daß zum Schutze der natio⸗ nalen Arbeit Russen und Italiener in ganzen Trupps eingeführt wurden. Sie gerieten bei deren Anblick in eine nur zu begreifliche Empö⸗ rung und es kam zwischen beiden Teilen zu Tätlichkeiten, wobei sogar— Flaschen geflogen sein sollen. Die Polizei sorgte indeß für die Streikbrecher, und so ist diesen werten Persön⸗ lichkeiten weiter kein großes Leid angetan worden. Die bürgerliche Gesellschaft aber hat furchtbare Rache genommen; über 30 Personen mit ihren Familien sind ruiniert oder werden es bald sein. Ehrliche Arbeiter, die sich nur durch ihre begreifliche Erregung zu weit hin⸗ reißen ließen, müssen dafür jahrelang im Ge⸗ fängnis und Zuchthaus schmachten!— Noch eine weitere Verurteilung wegen Streik⸗ vergehen wird aus Chemnitz berichtet. Vor dem dortigen Landgericht standen die Former Buffe und Höhne, welche angeklagt waren, bei Gelegenheit des Streiks in der Gießerei in Limbach einen andern Former, der weiter arbeitete, unter Drohung mit Mißhandlung zur Arbeitsniederlegung aufgefordert haben. Buffe wurde zu zwei Monaten, Höhne zu einem Mouat Gefängnis verurteilt. Die beiden Angeklagten waren bisher unbestraft! So sieht die deutsche Gerechtigkeit aus. Landtagswahlen finden diesen Herbst auch in Baden statt, wo alle zwei Jahre die Hälfte der Abgeordneten — 32— auszuscheiden hat. Von den sozial⸗ demokratischen Mandaten erlöschen 4, welche unsere Genossen zu behaupten und noch weitere Erfolge zu erringen hoffen. hat sich in der letzten Zeit ebenfalls mächtig entwickelt, obwohl es früher den Anschein hatte, als ob in diesen entlegenen Tälern unsere Bewegung niemals recht Fuß fassen würde. Wie wenig das zutrifft, dafür war ein Fest Zeuge, das unsere Parteigenossen in Villach in Kärnten und mit ihnen die organisterte Arbeiterschaft ganz Kärntens feierte. Es han⸗ delte sich um die Feier des 25. Gedenktags der Gründung des ersten sozialdemokratischen Ar⸗ beiter vereins in Villach. Die Stadt war festlich geschmückt, die Frühzüge brachten Teilnehmer aus allen Enden des Landes; es fand ein Umzug durch die Straßen statt, kurz, es war ein Volksfest, an dem fast die ganze Stadt teilnahm. Viktor Adler⸗Wien hielt die mit großer Begeisterung aufgenommene Festrede. Schamlose Kinderausbeutung wird, wie der Abgeordnete Pernerstorfer in einer Eingabe an das Ministerium feststellte, in den österreichischen Ziegeleien betrieben. Danach werden auf Verlangen der Werks- leitungen in einzelnen derselben Kinder von 4, 5 und 6 Jahren von den Eltern auf den Arbeitsplatz mitgenommen und zur Arbeit an⸗ getrieben. An vielen Orten haben die Gesell⸗ schaften bei den Schulbehörden schon im April das Ende des Schuljahres der Ziegeleiarbeiter erwirkt. Die Kinder müssen an Wochentagen von 4 Uhr früh bis 8 Uhr abends und sogar an Sonntagen von 5 Uhr früh bis 6 Uhr abends arbeiten. Pernerstorfer und Genossen richten in ihrer Interpellation an den Minister die Frage, ob er dem Kindermißbrauch in den Ziegeleien Einhalt gebieten und ob er gegen die schamlosen Verletzer des Gesetzes mit Strafen vorgehen wolle. Russisches. Zu einer Gefängnisrevolte kam es kürzlich in den Gefängnissen in Kiew. Ein Sträfling hatte einen Wärter geschlagen, der ihn dafür züchtigen wollte. Dieser wehrte sich aber und seine Kameraden ergriffen für ihn Partei. Es wurde Militär herbeigeholt; allein nach zwei Stunden ging der Lärm aufs neue los. Die Gefangenen bewarfen die Wärter aus den Zellen heraus mit allerhand Wurf⸗ geschossen, bis schlietzlich ein Schreckschuß sie zur Ruhe brachte. Derartige Gefängnisrevolten sind in Rußland, namentlich auch bei den politischen„Verbrechern“, nichts seltenes. Meistens sind sie auf die unwürdige und brutale Behandlung zurückzuführen, die diesen Gefangenen, meist hochgebildeten Leuten, von Seiten der rohen und ungebildeten Gefangenen aufseher zu teil wird. Da die Beschwerden der Gefangenen kein Gehör finden, suchen sie denn auf diese Weise die Aufmerksamkeit der oberen Behörden und des Publikums auf die Zustände im Gefängnis zu lenken und eine Untersuchung herbeizuführen, deren Ergebnis nie 125 eine gewisse Besserung der Verhält⸗ nisse ist. Der Papst im Sterben. Leo XIII. liegt hoffnungslos darnieder, der Tod des 94 jährigen Hauptes der Katholiken wird schon seit einigen Tagen erwartet, die zähe Natur trotzte dem Tode noch. Der sterbende Papst wurde als solcher im Frühjahr 1878 als Nachfolger Pius IX. gewählt. Es werden bereits eine Anzahl Namen genannt, welche Nachfolger Leos XIII. werden wollen, am meisten die Kardinäle Oreglia und Vanutelli. 5 ö ————— Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. Der deutsche Holzarbeiter⸗Ver⸗ band blickt jetzt auf ein zehnjähriges Bestehen zurück. Im Frühjahr 1893 faßte der Holz⸗ arbeiterkongreß in Kassel den Beschluß, die Organisationen der Schreiner, Drechsler, Bürstenmacher, Stellmacher ꝛc. zu einem allge⸗ rr YR „ECC P Nr. 28. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seile 3. meinen Verbande zu verschmelzen und der Holzarbeiter⸗Verband trat daraufhin am 1. Juli 1893 mit zusammen 22745 Mitgliedern in's Leben. Am Schluß des Jahres seiner Gründung zählte der Verband bereits 26 144 Mitglieder in 410 Zahlstellen. Die Eutwicklung des Deutschen Holzarbeiter⸗ Verbandes machte in dem verflossenen Jahrzehnt zwar nicht immer gleichmäßige, aber doch stetige Fortschritte. Gegenwärtig zählt ber Verband 77000 Mitglieder. Seit dem Jahre 1895 hat der Verband nach Ausweis seiner Statistik 731 Lohnkämpfe geführt. Mehr als die Hälfte der Kämpfe waren Abwehrstreiks. Insgesamt waren mehr als 150 000 Mitglieder an den Streiks beteiligt. Etwa 75000 der Beteiligten erlangten durch die Streiks eine Verkürzung der Arbeitszeit von durchschnittlich 3¼ Stunden wöchentlich, und für 52000 Beteiligte wurde eine Lohn⸗ erhöhung von durchschnittlich 10 Proz. erlangt. Die Unterstützung der Streiks in den 10 Jahren erforderte annähernd 2200 000 Mk. Außer dem Kampf für Verbessernng der Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse ließ sich der Verband auch die Pflege des Unterstützungs⸗ wesens angelegen sein. Für diesen Zweck wurden während des verflossenen Jahrzehnts ausgegeben: Reiseunterstützung. 310 219,87 Mk. Gemaßregeltenunterstützung.. 84 749,67„ Notfallunterstützungg 64832,20„ Für Rechtsschutz 54 292,63„ 50 420,31„ Umzugskosten f 20,31 564 514,18 Mk. Für die Agitation— einschließlich der Kosten der„Holzarbeiter⸗Zeitung“ gab der Verband 742 737,99 Mk. aus. Die Gesamteinnahme des Verbandes während der 10 Jahre beträgt rund 5500000 Mk., die Gesamtausgabe rund 4500 000 Mk., so daß der Verband zur Zeit über ein Vermögen von rund einer Million Mark verfügt. Schon diese kurze Uebersicht zeigt, daß sich der Holzarbeiter⸗Verband im ersten Jahrzehnt seines Bestehens zu einer starken und einfluß⸗ reichen Organisation entwickelt hat, und daß man bestimmt erwarten darf, der Verband werde auch in Zukunft rüstig vorwäts schreiten und den Berufsangehörigen eine kräftige Stütze bieten zur Erreichung besserer wirtschaftlich er Verhältnisse.— In Gießen, Wetzlar und den andern Orten der Umgebung hat der Holzarbeiter⸗ Verband leider noch nicht so Fuß gefaßt, wie es wünschenswert wäre. Jeder Holzarbeiter muß sich in seinem eigenen Interesse verpflichtet fühlen, seiner Gewerkschaft beizutreten! T Der Buchdrucker⸗Verband hat so⸗ eben seinen Rechenschaftsbericht für 1902 erscheinen lassen. Darin wird auf die Fort⸗ dauer des schlechten Geschäftsganges hingewiesen, wodurch Riesensummen an Unterstützungen aufgewendet werden mußten. Der Verband hatte in diesem Jahre für nicht weniger als 1030325 Tage Arbeislosenunterstützung zu zahlen, wozu noch 400 143 Krankentage kommen. Im Durchschnitt entfallen auf jedes Verbands⸗ mitglied 31 Tage Arbeitslosigkeit und 12 Tage Krankheit. Trotzdem balanciert die Abrechnung des Verbandes mit über 5 Millionen Mark, sein Vermögen beträgt 3176829 Mark. In Bezug auf ihre finanzielle Leistungsfähigkeit steht die Buchdrucker⸗Organisation an der Spitze der Gewerkschaften. Einigung in der Düsseldorfer Holzindustrie. Die angedrohte Holzarbeiter⸗ aussperrung zu Düsseldorf ist durch einen Ver⸗ gleich vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts abgewendet worden. Der auf zwei Jahre ab⸗ geschlossene Vertrag enthält im Wesentlichen folgende Bestimmungen: 1. Der neunstündige Normalarbeitstag bleibt dort bestehen, wo er jetzt eingeführt ist. 2. Werden auch die Arbeit⸗ geberverbände dafür sorgen, daß bei Betrieben, die eine längere als die neunstündige Normal⸗ arbeitszeit haben, die neunstündige herbeige⸗ führt wird; diejenigen Betriebe, die eine neunstündige Arbeitszeit nicht freiwillig aner⸗ kennen wollen, sollen bei Differenzen bezüglich Arbeitszeit und Lohnzuschlag für Ueberstunden seitens der Arbeitgeberorganisationen in keinerlei Weise unterstützt werden. Die weiteren Punkte des Vertrags regeln die Bezahlung der Ueber⸗ stunden ꝛc. Der Vertrag soll am 1. Juli seig anfangen und bindend bis 1. Juli 1905 ein. Rechtssprechung. Streikbrecher Anwerbung hat das Berliner Gewerbegericht als eine arglistige Täuschung bezeichnet. Als nämlich die Former der Firma Hartung streikten, reiste der Fabrikmeister Schröder nach Stettin, wo er drei Former überredete, bei der von ihm vertretenen Firma Arbeit zu nehmen. Vor ihrer Abreise fragten die Former den Meister, ob denn der Streik bei Hartung beendet sei. Obwohl dies tatsächlich nicht der Fall war, antwortete der Meister, der Streik set beendet, die Firma habe zum Teil neue Arbeitskräfte eingestellt. Als die drei Former in Berlin ankamen, erfuhren sie, daß ihnen der Meister die Unwahrheit gesagt hatte. Sie traten des⸗ halb die Arbeit nicht an und verlangten je 12.70 Mk. als Ersatz ihrer Reisekosten und Entschädigung für Zeitversäumnis. Die Zahlung wurde verweigert und die Firma infolge dessen beim Gewerbegericht verklagt. Hier machte der Vertreter der Firma den Einwand: der Meister habe nicht die Unwahrheit gesagt, denn für die Firma sei der Streik zu jener Zeit be⸗ endet gewesen. Diese eigentümliche Auslegung der unwahren Angabe des Meisters ließ das Gewerbegericht jedoch nicht gelten. Es ver⸗ urteilte die Firma Hartung zur Zahlung des geforderten Betrages. In der Urteilsbegründung heißt es u. a.: Die Kläger sind nach Ansicht des Gerichts durch eine arglistige Täuschung des Meisters zum Abschluß des Arbeitsvertrages bewogen worden und können daher nach Er⸗ kenntnis der wahren Sachlage von dem Ver⸗ trage zurücktreten. Sie können daher für ihre in Erfüllung des Arbeitsvertrages vorgenom⸗ menen Leistungen, d. h. für die Fahrt nach Berlin und die dadurch ihnen erwachsene Ver⸗ säumnis Ersatz verlangen.... Die Beklagte war daher gemäß 8 91 der Zivilprozeßordnung kostenpflichtig nach dem Klageantrage zu ver⸗ urteilen. Für den Unternehmer mag es ja recht bitter sein, wenn er mit Mühe und Not etliche Streik⸗ brecher gefunden zu haben glaubt, diese aber wieder abziehen und er noch die Kosten für den verunglückten Fischzug bezahlen soll. Aber ganz in Ordnung; für arglistige Täuschung ehrlicher Arbeiter ist die Kostenzahlung als eine recht milde Strafe anzusehen. Pon Nah und Fern. Hessisches. Die Stärke der Parteien in Hessen. Nach einer Zusammenstellung erhielten in Hessen bei den beiden letzten Reichstagswahlen die einzelnen Parteien Stimmen: Zu⸗ oder 1898: 1903: Abnahme Sozialdemokraten 48962 68834 + 19872 Nationalliberalen 33368 68865 + 35497 Zentrumspartei 18599 33163 + 14565 Freisinnige Volkspartei 9125 9748— 623 Freisinnige Vereinigung 4804—— 43804 Bund der Landwirte 2291 2529— 238 Antisemiten 19373 10595— 8778 Nationalsoziale 1337—— 1337 Die sozialdemokratische Partei, die vor fünf Jahren an die erste Stelle avanziert war, hat diese Stelle behauptet. Es ist läckerlich, wenn ein hessisches Reptil nationalliberaler Kouleur die Behauptung auffstellt: In Bezug auf die Stimmenzahl stiegen bei den letzten Reichstagswahlen die Nationalliberalen von 33368 auf 68865 und rückten damit wieder an die erste Stelle, die Sozialdemokraten, die 1898 an erster Stelle(mit 48962 Stimmen) standen, mußten sich bei ihren 68834 Stimmen mit dem zweiten Platz begnügen. 5 Abgesehen davon, so bemerkte unser Offen⸗ bacher Parteiorgau ganz richtig, daß die „Nationalliberalen“ ganze 31() Stimmen mehr für sich zählen, als sie für die Sozial⸗ demokratie herausgerechnet haben, muß doch wahrheitsgemäß festgestellt werden, daß in ganz Hessen kein„reiner“ nationalliberaler Kandidat aufgestellt worden war, daß vielmehr entweder Freisinnige, Antisemiten oder Bund der Landwirte von vornherein für die sogenannten„Nationalliberalen“ eintraten. Das Verschwinden der freisinnigen Vereinigung und der Nationalsozialen ist darauf zurückzuführen, ebenso, wenigstens teilweise, der Rückgang der Antisemiten, die in Friedberg⸗Büdingen und Offenbach⸗Dieburg diesmal zu Gunsten der Auch⸗Nationalliberalen von der Auffstellung eigener Kandidaten abgesehen haben. Die Zweite Kammer hielt am Dienstag eine Sitzung ab, auf deren Tagesordnung eine Reihe von Anträgen, Vorlagen und Vorstellungen standen. Ein Teil der Anträge, u. a. die zur Regelung der Miet⸗ entschädigung für Dienstwohnungen der Staatsbeamten, zum Reichsgesetz über die Phosphorzündwaren, zur Aus⸗ bildung der Staatsbeamten, zur Aufhebung der Beträge an die großherzoglichen Offizierswitwen⸗ und Waisen⸗ kassen, an die zur gesetzlichen Regelung des Milchveckaufs, zur Uebernahme sämtlicher Volksschullasten auf den Staat ꝛc. werden an die zuständigen Ausschüsse über⸗ wiesen.— Dann wird ein Mitglied in den Petitions⸗ aus schuß an Stelle des ausgeschiedenen Mitgliedes Langenbach gewählt. Bei dieser Gelegenheit beschwert sich Abg. Ulrich, daß die Darmstädter Neuwahl so lange auf sich warten lasse, während der Abg. Or b, dessen Wahl doch zu gleicher Zeit vernichtet wurde, schon längst wiedergewählt sei. Dann wird der von der Regierung vorgelegte, zwischen dem hessischen Staats⸗ ministerium und der Reichsverwaltung geschlossene Ver⸗ trag einstimmig angenommen, nach dem die Kapital⸗ bestände der großherzoglichen Offiziers-Witwen⸗ und ⸗Waisenkassen, die etwa Mk. 700000 betragen, nach Erfüllung der den Kassen obliegenden Verpflich- tungen und nach dem Wegfall sämtlicher Mitglieder derart geteilt werden sollen, daß die hessische Staatskasse 3/5, das Reich 2 erhält.— Der Verkauf des Steuer⸗ kommissariatsgebäudes zu Friedberg und die Errichtung eines Steuerverwaltungsgebäudes daselbst wird nach dem Antrag der Regierung beschlossen. Die für die Tief⸗ bohrungen in Bad Salzhausen mehr verausgabten Mk. 16 000 werden nachträglich bewilligt und weitere Mk. 4000 für Pumpversuche genehmigt. Ein Antrag zur Wahl eines Ausschusses für den in Aussicht stehenden Entwurf eines Landwirtschaftskammer⸗-Gesetzes findet einstimmige Annohme. Darauf vertagt sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. Gießener Angelegenheiten. — Amtsblatt⸗Schwindel. Unsere Leser werden sich noch der„Schandtat“ erin⸗ nern, die anfangs des Jahres der„Gießener Anzeiger“ von einem unserer Genossen, dem Stadtb. Georg in Offenbach berichtete. Dieser Unglücksmensch war nach der sensationellen „Privat⸗Depesche“ des Anzeigers„auf eigen. tümlichen nächtlichen Schleichpfaden“ bei Einbruch der Dunkelheit ertappt worden, als er Oberräder Gärtnersleuten Gemüse gestohlen und gerade in„einen mitge⸗ gebrachten Sack gefüllt“ hatte. Die Mordgeschichte reduzierte sich schließlich darauf, daß Georg bei einem Spaziergange am hellen Nachmittag im Felde einige vereinsamt stehende Rosenkohlköpfchen abgerissen hatte, wofür er ein Strafmandat von 1,70 Mark wegen Uebertretung der Feldpolizeiordnung erhielt. Gegen die„Offenbacher Ztg.“, welche die Schauermär zuerst gebracht hatte, strengte Georg, der inzwischen sein Stadtverordneten⸗ Mandat niedergelegt hat, Beleidigungsklage an, die am Dienstag vor dem Offenbacher Schöffengericht zur Verhandlung kam. Sie konnte nicht zu Ende geführt werden, weil der Hauptzeuge fehlte. Doch es fanden Vergleichs⸗ verhandlungen statt und im Laufe derselben mußte der Vertreter der Offenbacher Zeitung zugeben, daß die Sache in jener Notiz sehr aufgebauscht worden sei und daß die Behauptung, Georg habe sich auf„eigentümlichen nächtlichen Schleichpfaden befunden“, nicht richtig sei. Ein Vergleich kam nicht zu Stande und die Verhandlung wurde vertagt.— Doch es wurde erwiesen, was schon früher feststand, daß das Offenbacher Blatt und der„Gießener Anzeiger“ 5 99272 — 8 7 — 3—— 8 2 Seite 4. Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung. Nr. 28. mit ihrer Notiz einen unerhörten S ch windel verbreitet hatten. Nun kann ja jedes Blatt einmal durch unrichtige Nachrichten getäuscht werden. Anständige Zeitungen berichtigen aber ihre Irrtümer; der„Gieß. Anz.“ hats aber bis jetzt noch nicht getan. 1755 g — Von Landwehrleuten, die jetzt eine 14 tägige Uebung bei dem hiesigen Infanterie⸗ Regiment hinter sich haben, gingen uns wiederum, wie schon im vorigen Jahre, lebhafte Klagen über die Strenge des Dienstes zu. Besonders scharf sind, wie uns mitgeteilt wurde, die unter dem Kommando des Hauptmanns Kreuter stehenden Leute hergenommen worden. Auch die Behandlung ließ sehr zu wünschen übrig; die Landwehrleute bekamen all' die zoologischen Bezeichnungen zu hören, die sonst nur bei der Rekrutendrillerei hier und da angewendet werden. — Am Montag früh verstarb ein aus Ruppertsburg stammender Landwehrmann im Lazarett. Er hat nur 2 Tage darin gelegen und erlag einer Lungenentzündung, die er sich nach Meinung seiner Kameraden durch über⸗ mäßige Anstrengung beim Dienst zugezogen hatte. Ob das zutrifft, entzieht sich unserer Kenntnis; jedenfalls verliert die Kriegstüchtig⸗ keit des Heeres durchaus nichts, wenn die alten Leute weniger abgehetzt werden. Wie die Leute, nachdem ihnen so übel mitgespielt wurde, noch begeisterte Kriegervereinler sein können, das begreifen wir nicht. — Die Arbeitsverhältnisse der Bahnarbeiter auf dem Gießener Bahnhofe bedürfen nach uns gewordenen Mitteilungen sehr dringend der Regelung. Vom Minister ist angeordnet, daß jeder Bahnbedienstete mindestens alle drei Wochen einen freien Sonntag haben soll. Daran ist aber beispielsweise bei den meisten hier beschäftigten Wagen putzern gar nicht zu denken. Für den größten Teil derselben ist nur alle Vierteljahr einmal Sonntag. Wir sind denn doch der Meinung, daß der Dienst sehr wohl so eingerichtet werden könnte, daß diese Leute wenigstens auch alle 3 Wochen ihren Sonntag haben. Das ist gewiß nicht zuviel verlangt. Hinzufügen wollen wir noch, daß es sich hier um Leute handelt, die den Riesenlohn von 2,50 Mk. im Höchstfalle erhalten! F. Lesehalle. Ein täglicher Besucher der Gießener Lesehalle schreibt uns: Unange⸗ nehm berührt ist man unter den ständigen Besuchern der Lesehalle, daß das soz. Organ „Vorwärts“ seit dem 1. Juli nicht mehr in der Lesehalle aufliegt. Der„Vorwärts“ ist, wie Schreiber dieses sich täglich überzeugen konnte, die gelesenste Tageszeitung der Lesehalle. Denkt vielleicht der Vorstand der Lesehalle durch Ent— fernen des Vorwärts der Weiterverbreitung des sozialistischen Gedankens Einhalt zu tun? Der Grundgedanke einer öffentlichen Anstalt muß sein:„Gleiches Recht für Alle!“ — Wahlbeeinflussungen. Bei der tollen Hetze, welche die bürgerllchen Parteien während der letzten Wahl inszenirten hat es natürlich auch an direkten Wahlbeeinflussungen nicht gefehlt. Besonders hatte man es auf die Eisenbahn⸗Beamten und Arbeiter abgesehen. Unter anderem wird uns mitgeteilt, daß sich die zur Station Lollar gehörigen Bahnar⸗ beiter schriftlich verpflichten mußten, den nationalliberalen Kandidaten zu wählen. Der Stationsvorsteher in Londorf soll sich sogar erlaubt haben, den Arbeitern den Besuch der Wirtschaft zu verbieten, in welcher die sozialdemokratische Wählerversammlung statt⸗ gefunden hat!— Wir bitten unsere Genossen, wo sie von derartigen Dingen Kenntnis er⸗ halten, uns oder dem Vorstand des Wahlvereine Mitteilung zu machen, damit gegen solche Un⸗ gehörigkeiten eingeschritten werden kann. Aus dem Rreise gießen. — Unser erstes Kreisfest. In dem kleinen Trohe hatte sich am Sonntage eine so zahlreiche Menschenmenge zu unserem Partei⸗ feste eingefunden, wie sie wohl noch nie in dem Oertchen beisammen war. Aus allen Orten der Umgebung waren unsere Parteifreunde zu⸗ sanmengekommen, um ein paar Erholungs⸗ stunden mii einander zu verbringen. Die Gießener und ein Teil der Heuchelheimer langten mit einem stark besetzten Ertrazuge an, während zu Fuß und zu Wagen die Genossen aus Alten⸗ und Großen⸗Buseck, Wieseck, Lollar, Staufenberg, Reiskirchen, Beuern, Annerod, Watzenborn⸗ Steinberg, Hausen, Leihgestern, Großenlinden, Langgöns, Wetzlar und aus vielen anderen Orten, sogar aus dem Dillen⸗ burger Kreise angekommen waren. Das herrliche Sommerwetter hat natürlich zu dem zahlreichen Besuche viel beigetragen. Bald nach 2 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung, der eine imposante Länge aufwies. Nachdem er wieder auf dem Festplatz angelangt, erfolgte die Uebergabe der Fahne an den Arbeitergesangverein durch die Festjungfrauen, deren Rednerin dem Vereine weiteres Blühen und Gedeihen wünschte. Gen. Krumm hielt darauf die Festrede, in der er zunächst seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck gab, weiter auf die Erfolge unserer Partei bei den Wahlen hinwies, und dann in kurzen Umrissen die Unhaltbarkeit der heutigen Zustände und die Notwendigkeit der Einführung besserer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verhältnisse darlegte. Das Ziel bald zu erreichen, was wir im JIunteresse des Wohlergehens der ganzen Menschheit erreichen müssen, dazu sei jeder nach den besten Kräften mitzuhelfen verpflichtet. Das gelte auch für die Frauen! Krumm schloß seine mit Begeisterung aufgenommene Rede mit der Aufforderung zu festem Zusammenhalt und zur Weiterverbreitung der hohen Ideale des Sozialismus.— Musikstücke der Kapelle Pauli⸗ Marburg wechselten dann mit Gesangsvor⸗ trägen der zahlreich erschienenen Arbeiter⸗ Gesangvereine ab. Einzelne derselben leisteten recht Vorzügliches. Im allgemeinen verlief das Fest in bester Weise zur allgemeinen Be⸗ friedigung der Teilnehmer. Für das Kreisfest im nächsten Jahre läßt sich noch eine weit größere Beteiligung voraussehen, dann wird es auch möglich sein bessere Vorbereitungen zu treffen, als sie diesmal möglich waren. Vor allen Dingen muß etwas für die Kinder auf— geboten werden(Kinderspiele ꝛc.7). Dann muß auch dem Festzug, wenn ein solcher arrangiert wird, etwas mehr Sorgfalt zugewandt werden. Wenn man einmal etwas macht, muß es etwas bedenkliches sein. — Beim Flugblatt⸗Verteilen hatte einer unserer Genossen in einem Dorfe folgende Unterhaltung mit einem Wähler: Flugblattverteiler: Guten Tag! Hier bringe ich Euch einen Stimmzettel und ein Flug⸗ blatt zur Stichwahl. Wähler: Für wen? Fl.: Für Krumm! W.: Krumm? Krumm ist mir Pfui! Fl.: Aber lieber Mann, Sie kennen offen⸗ bar Krumm nicht. Der ist selbst von seinen Gegnern geachtet. W.: Ich meine die Partei. Fl.: Was habt Ihr denn an der Partei auszusetzen? Die Tochter(welche in der Bibel las, den Flugblattverteiler anschauend): Sie wollen die Kirch' vernichte, Sie sagen, die Religion wär' Privatsach'. Fl.: Allerdings, wollen wir die Religion zur Privatsache erklärt wissen. Das heißt aber doch nicht die Kirche vernichten, wir wollen blos, daß in religiösen Dingen volle Freiheit herrschen soll. T.: So! Dann hätt' Ihr emol den „Grundstein“ lese solle, wäi da die Religion verhöhnt war. Fl.: Der„Grundstein“ ist das Maurer- fachblatt, soviel ich weiß. Das ist ein Ge⸗ werkschaftsblatt, das sich wenig oder gar nicht mit Politik beschäftigt. Wenn da wirklich etwas gegen die Religion darin gestanden hat, so ist dafür nicht die Partei verantwortlich zu machen; dann aber muß doch auch jeder das Recht haben ebensogut wie für auch gegen reli⸗ giöse Anschauungen zu schreiben und zu sprechen. W.: Die Sozialdemokraten wollen die Mo⸗ narchie stürzen und das wird ohne Blutvergießen nicht abgehen. — Fl.: Mit Gewalt die Monarchie zu stürzer fällt uns nicht ein. Wir erstreben zunächst die Beseitigung der Kapitalherrschaft und damit der sich aus dieser ergebenden schweren Miß⸗ stände auf allen Gebieten. Die Umwandlung zur Republik, die wir allerdings für eine bessere Staatsform halten, wird sich dann ganz von selbst vollziehen. Der Wähler erkundigt sich über ver⸗ schiedene Bekannte im Heimatsdorf des Gen. und fragt: Was macht denn der H.? Fl.: Der ist schon todt! Er war ein guter Christ und hielt doch stets zu uns! W.: Ja, Ihr in Alten⸗Buseck seid auch nicht so schlimm wie andere, zum Beispiel die Wiesecker. Fl.: Na, die Wiesecker sind doch auch ganz brave Leute! Dort giebts auch Gläubige und Ungläubige, wie überall.— Habt Ihr denn übrigens schon mal die Liberalen nach ihrer Religion gefragt? Die beten in der Mehrzahl zum Geldsack! W.: Nun, der Heyligenstädt hat doch schon viel Gutes getan. Fl.: Mag sein; ärmer ist er dabei aber nicht geworden! Wir wollen übrigens keine Wohltaten, sondern Recht, die Erde hat den Tisch für alle Menschen gedeckt! Hier mußte unser Flugblattverteiler das Gespräch abbrechen, um seiner Arbeit nachzugehen. Aus dem Rreise griedberg-Püdingen. F. V. Freibierwahl des Grafen Oriola. Während des Wahlkampfes ist in einer nationalliberalen Wähler⸗ versammlung in Büdingen dem Grafen Oriola durch Zwischenrufe der Beweis für die Behauptung angeboten worden, daß er bei früheren Wahlen Freibier bezahlt habe. Der Herr Graf hat damals diese Tatsache be⸗ stritten, aber trotz Protestes dem Zwischenrufer nicht auch das Wort gegeben. In einer ganzen Anzahl von Orten wird auch jetzt wieder Freibier, und nach Aus⸗ sage der Wirte und der Bevölkerung, auf Kosten des Herrn Grafen Oriola getrunken. Macht sich der Herr Graf diese Kosten, um seinen mit so vieler Reklame gepriesenen Wohltätigkeitssinn zu betätigen, um seine Wähler für ihre gute Gesinnung zu entschädigen, oder spekulirt er auf den Durst und das gute Gedächtnis der Leute? Aus dem Rreise Wetzlar. h. Bei der Wetzlarer Handelskam⸗ mer haben in der letzten Zeit auffällige Ver⸗ änderungen stattgefunden. Schon vor einigen Wocken legte der Syndikus der Kammer, Dr. Buddéus das Amt nieder und jetzt läuft die Nachricht durch die Presse, daß der Schatzmeister, Bankier Flörsheim, sein Amt niedergelegt habe und aus der Handelskammer ausgetreten sei. Als Grund seines Austrittes wird Meinungs⸗ verschiedenheiten mit dem Vorsitzenden angegeben. Hierbei sei daran erinnert, daß in der nationalliberalen Wählerversammlung vom 8. Juni unser Genosse Habicht Teile de; Handelskammerberichtes als Material gegen die Nationalliberalen verwertete. Und dieselben Herren, die in der Versammlung am Vorstands⸗ tisch saßen, sind auch Mitglieder des Handels- kammer⸗Vorstandes. Schon zwei Tage darauf wurde gemeldet, daß der Syndikus das Amt niedergelegt habe. Und das mitten im Monat, offenbar ohne Kündigung. Er hatte wohl zu offen berichtet? h. Ein Prozeß gegen die Stadt- gemeinde ist für diese verloren gegangen. Es handelte sich um den Entschädigungsan⸗ spruch eines Bürgers für Grund und Boden, den derselbe bei einem Neubau an die Stadt abtreten mußte. Das Reichsgericht hat im Sinne des Klageantrags entschieden, wonach auch für die Baubeschränkung Entschä⸗ digung gezahlt werden muß. Das ist zweifel⸗ los eine Entscheidung zu Gunsten des Privat⸗ besitzers und gegen das Gemeininteresse.— Letzterem gegenüber zeigte der bei diesem Prozeß beteiligte Bürger übrigens sehr wenig Opfer⸗ willigkeit. h. Wahlmärchen. Im„Wetzl. Anz.“ und andern Blättern wird eine Wahlgeschichte aus einem Erzgebirgsdorfe erzählt, nach welcher bei der Stichwahl die Hälfte des Dorfes für den sozialdemokratischen Kandidaten ge⸗ . = = N 65 le ne 2 18 Nr. 28. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung Seite 3. stimmt habe, blos um nicht mit der andern Hälfte des Dorfes, dem„Unterdorfe“, dem herkömmlichen Brauche zuwider, ein und den⸗ selben Kandidaten wählen zu müssen und richtig sei dann der soz.⸗dem. Kandidat mit einer Stimme Mehrheit gewählt worden.— Ach, die Erzgebirgler wissen sehr genau, was und warum sie wählen. Und übrigens ist in keinem einzigen sächs. Wahlkreise der Kandidat mit nur einer Stimme Mehrheit gewählt worden. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. — Parteiversamm lung. Diesen Samstag, den 11. Juli, findet im Lokale von Jesberg eine Parteiversammlung statt. Da außer einem Vortrage auch die Organisations⸗ Frage auf der Tages⸗Ordnung steht, so wollen die Parteigenossen für zahlreichen Besuch sorgen und so weit es geht, auch die Frauen mit⸗ bringen. R. Nachträgliches zur Stichwahl in Marburg. So mancher Wähler, der bei der verflossenen Reichstagswahl Herrn v. Gerlach seine Stimme gegeben hat, muß sich jetzt fragen, wie es kommt, daß jetzt auf einmal der Führer der Nationalsozialen, Pfarrer Naumann zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß die national⸗ soziale Partei nicht existenzfähig ist. Wie kommt es, daß gerade der Gründer jener Partei die Richtigkeit dessen einsieht, was den Nationalsozialen schon so oft durch Wort und Schrift von den Sozialdemokraten gesagt worden ist? Die Botschaft Naumanns hat unter den Gerlach⸗Wählern in Marburg, der „Hochburg“ der Nationalsozialen, große Ver⸗ wirrungen anderichtet, während die Konser⸗ vativen und Antisemiten sich vor Freude kaum halten können. Die„Hess. Landesztg.“ erwähnt natürlich die Niederlage ihrer Partei mit keinem Worte. Was sollten denn auch die Wähler Gerlachs auf den Dörfern sagen, wenn es auf einmal nach der Wahl heißt, unsere Partei, die glücklich mit Hülfe anderer Parteien einen einzigen Abgeordneten durchgebracht hat, die Partei, die den Wählern vorgegaukelt, sie würde sogar die Sozialdemokratie„ablösen“, diese Partei sagt den politischen Konkurs an. Was aber die„Hessische Landesztg“ nicht tut, das wollen wir nachholen, wir wollen den Gerlach⸗Wählern in Stadt und Land klar⸗ machen, daß der Mann, den ste gewählt haben, keine Partei hinter sich hat, daß er im Reichs⸗ tage zur Ohnmacht verurteilt ist, nicht halten kann, was er versprochen und daß es für seine Wähler das Beste und Vernünftigste wäre, sich der 3 Millionen starken Sozialdemokratie an⸗ zuschließen. Ein Beispiel religiöser Duldsamkeit. Ende voriger Woche fand vor der Mainzer Strafkammer eine Verhandlung gegen etwa 20 Einwohner des kath. Ortes Gau⸗Bickelheim statt. Die Angeklagten sind der Störung gottesdienst⸗ licher Verrichtungen auf dem Friedhofe dortselbst, der Bedrohung und tätlichen Beleidigung des freireligiösen Predigers Freiherrn v. Zucco und Cuccagna von hier und des beschimpfenden Unfugs angeklagt. Die Angeklagten befinden sich im Alter von 17 bis 60 Jahren. Am 22. Dezember wurde auf dem dortigen Friedhof ein Landwirt beerdigt, dessen letzter Wunsch war, daß der freireligiöse Prediger ihm die Leichenrede halte. Der Prediger kam diesem Wunsche nach. Schon vor Beginn der Leichen⸗ feier hatten sich auf dem allgemeinen Friedhof zahlreiche Personen, und zwar einzelne mit Pfeifen und Zigarre im Mund, vor dem offenen Grabe eingefunden. Nachdem ein Gesangverein ein Lied gesungen und der Prediger mit der Leichenrede begann, wurde er sofort durch laute Pfuirufe unterbrochen. Als er trotzdem weitersprach und die Ewigkeit erwähnte, entstand ein wüstes Geschrei und furchtbarer Skandal. Leute sprangen über das offene Grab und von allen Seiten wurde nun der Prediger beschimpftund bedroht. Die Menge schlug und stieß auf den Prediger ein, bespuckte ihn und bewarf ihn mit Erd⸗ schollen. Es werden eine große Anzahl Zeugen bernommen. Die Beweisaufnahme ergiebt die Richtigkeit der Anklage⸗Behauptungen. Fast alle Belastungszeugen bestätigen, daß aus der Menge gleich zu Anfang der Leichenrede die beschimpfenden Aeußerungen gefallen seien. Die einzelnen Angeklagten, Lohrum, Hammer und Beck, hätten gerufen:„Du abgefallener Pfaff, geh' nach„Oestreich“,„Ich schlag dich kaput“, „roter Spitzbub“ usw. Lohrum hat ein Kreuz gegen den Prediger gemacht und dabei gerufen: „Du gehörst auf die Schindkaute mit dem Toten“; auch Schick habe beschimpfende Aeuße⸗ rungen gerufen, auch sei gegen den Prediger mit Erdschollen geworfen worden. Jeden Ein⸗ zelnen aus der Menge zu bezeichnen, wer den Spektakel gemacht, sei unmöglich. Der Johann Hammer habe auch an einem Kreuze gerissen, als wolle er es herausreißen und damit nach dem Prediger schlagen. Dieser selbst bekundet als Zeuge, er sei beleidigt, beschimpft und mit Schmutz beworfen worden, doch könne er die Täter nicht bezeichnen. Er erblicke in dem Tumult eine Störung einer religiösen Amtshandlung. Ein Teil der Angeklagten wurde nur wegen groben Unfugs verurteilt und zwar erhielten: Franz Lohrum 3½ Monaten, Johann Hammer 3 Monate, Wilhelm Beck 3 Monate, Michael Arnold und Schick je 6 Wochen, Erbenrich 6 Wochen, Weis 3 Wochen, Jakob Hammer 3 Wochen, Schwalbach 1 Woche, Franz Brandt, Groben je 2 Wochen, Haas 1 Woche, Hilsdorf 3 Tage und Schnabel 5 Tage Gefängnis. „Schlimmer wie die Wilden“ hätte die fromme Gesellschaft auf dem Friedhofe gehaust, erklärt, der Staatsanwalt.— Fälle dieser Art sind schon sehr viel vorgekommen; wir erinnern beispielweise an den Skandal, den der ultramontane Pöbel seiner Zeit bei dem Begräbnis unseres Genossen Krewinkel in Aachen aufführte.— An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen! Eine große Feuersbrunst brach am Montag Nacht in Seligenstadt a. M. aus und gewann bei dem herrschenden Sturme große Ausdehnung. 9. Wohnhäuser und 13 Scheunen mit Nebengebäuden wurden ein Raub der Flammen. Erst gegen 10 Uhr Vormittags gelang es den herbeigeholten Feuerwehren, dem Weiterumsichgreifen des verheerenden Elementes Einhalt zu tun. Der Schaden ist bedeutend. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Bankschwindler. Während der Prozeß gegen die Aufsichtsräte der Pommerschen Hypotheken-Bank, dersich schon monatelang hinzieht und im Verlaufe dessen inte⸗ ressante Dinge von öffentlichem Interesse an das Tageslicht kamen, noch immer fortdauert, sind vor einigen Tagen die Prozesse gegen den Schmidt von der Kasseler Trebertrocknung berüchtigten Angedenkens, sowie gegen den ebenso berühmten Terlinden in Dulsburg beendet worden. Schmidt, der wohl eigentlich als der Haupt⸗ macher bei dem Schwindel mit der Treber⸗ trocknungsgesellschaft erscheint, erhielt 2 Jahr 8 Monate Zuchthaus. Terlinden kam etwas härter daran. Er hatte sich bekanntlich erst nach Amerika geflüchtet, war aber von da ausgeliefert worden. Er war ein sehr frommer Mann. In seinem Bureau praugten fromme Sprüche an den Wänden, z. B.: Ehrlich im Handel Christlich im Wandel. Er wurde wegen Betrug, Wechselfälschung ꝛc. zu 6 Jahren Zuchthaus und ebensoviel Ehrenverlust verurteilt. Sein Mitangeklagter Kosbat erhielt 6 Jahre Gefängnis. Beider Frauen wurden freigesprochen. Wahlschwindel. Bebel und der Züricher See. Was bei den Wahlen über die Sozialdemokratie zusammengelogen wird, daß geht wirklich in's Aschgraue und die christlichen Zentrumsagi⸗ tatoren leisteten von jeher hierin Großartiges. So las man in einem rheinischen Zentrum s⸗ blatte, daß der Vorsitzende einer in Eus⸗ kirchen stattgesundenen Zentrumsversammlung, Pfarrer Bohlen, den Zuhörern vorgelogen hat, Bebel habe jetzt einen Teil des Zü⸗ richer Sees zuschütten lassen, um auf Kosten der deutschen Arbeiter seinen feenhaft eingerichteten Park zu vergrößern.— Der Vorwärts bemerkt dazu, der Pfarrer habe gelogen, Bebel habe dem Vorwärts vielmehr selbst versichert, daß er den ganzen Züricher See habe zuschütten lassen! Wahrhaftig, die Schwarzröcke trauen ihren Gläubigen wirklich einen starken Glauben zu! Kleine Mitteilungen. * Das gewöhnliche Ende. In Frankfurt eyschoß sich der Rechtsanwalt Byk nach Veruntreuung von 150000 Mk. ihm übergebener Gelder, die er zu Börsenspekulationen verwendet hatte. ** Opfer der Arbeit. In Hanau wurde am Sonntag früh der auf der Eisenbahnstrecke Hanau⸗ Friedberg beschäftigter Hilfswärter Betz vom Zug über⸗ fahren und sofort getötet.— Auf Zeche Margarethe bei Dortmund verunglückten am Montag drei Bergleute durch einen zu früh losgegangenen Spreng⸗ schuß. Zwei von ihnen wurden tötlich verletzt.— Am gleichen Tage wurden in dem Walzwerk der Gutehoff⸗ nungshütte bei Oberhausen durch den Bruch eines Kanalrohres ein Arbeiter getötet, zwei schwer und drei leicht verletzt.— Bei den Kanalisierungsarbeiten in Hachenburg wurden drei italienische Arbeiter von herabstürzenden Erdmassen verschüttet. Man konnte sie zwar noch lebend heraus befördern, doch waren sie schwer verletzt. *. Eine heftige Gasexplosion richtete in dem Restaurant„Tonhalle“ in Löbau i. S.— unserm dortigen Parteilokale— bedeutenden Schaden an. Starke Mauern barsten, Türen und Fenster wurden in zahllose Trümmer zerrissen. Die Explosion entstand, als der Besitzer Schreiber den Keller mit Licht betrat, um ins Bierlager zu gelangen. Schreiber erlitt schwere Verletzungen. Die Gasleitung ist dieser Tage erst nach dem Restaurant gelegt worden. n Ein furchtbar«s Eisenbahnunglück wird aus Spanien gemeldet. Auf der Strecke Bilbao⸗ Saragossa stürzte am Sonntag ein Personenzug in den Fluß Nagerilla. Die Zahl der Getöteten beträgt neunzig, verletzt wurden mehr als 100 Personen. Die Ursache des Unglücks soll der schlechte Zustand sein, in dem sich die Brücke befand. Partei- Nachrichten. Eine Erbschaft Bebels. Wie aus Ul m berichtet wurde, soll ein früherer bayr. Leutnant, der kürzlich in einer Heilanstalt verstorben ist, dem Abg. Bebel bereits im Jahre 1879 die Hälfte seines 800 000 Mark betragenden Vermögens vermacht haben. Bebel läßt nach den erbberechtigten Hinterbliebenen forschen. Wegen Majestätsbeleidigung wurde Genosse Dr. Lentsch, früher verantwortlicher Redakteur der „Leipz. Volksztg.“, zu 4 Monaten Festungshaft verurteilt. Er hatte die Stimmungs- und Empfangs⸗ mache anläßlich der Rückkehr des Königs Georg aus Italien abfällig besprochen. Ein Musterwahlbezirk. Im Dorfe Lin den⸗ berg bei Landau waren 104 Wähler, die bei der Reichstagswahl sämtlich zur Urne schritten und sämtlich sozialdemokratisch stimmten! Der Ort ist unserm Altenbuseck noch bedeutend über! Versammlungskalender. Samstag, den 11. Juli. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versaum⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. 1 Montag, den 13. Juli. Gießen. Freie Turnerschaft. sammlung Abends ½9 Uhr im Pfau. wahl des Vorstandes. Mitgliederver⸗ Ergänzungs⸗ Quittung. Für den Wahlfonds gingen noch ein: Verband der Brauer Mk. 25.—. J. A. Gießen Mk. 2.—. S. Gießen Mk. 2.—. H. Mk. 10—. K. Mk. 10.—.„Gießen⸗ Wetzlar“(auf Kreisfest Trohe) Mk. 0.65. Alten⸗Buseck Mk. 26.25. Wieseck Mk. 57.55. —— 22 Werbt stets Parteifreunde! Euer Blatt, die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung! neue Leser für 7 3 0 1 7 4 13 1 Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 28. W. * Unterhaltungs-Ceil. Die Kindesmörderin. Von Guy de Maupassant, Es war wirklich etwas Geheimnißvolles dabei, das weder die Geschworenen, noch der Präsident, noch selbst der Staatsanwalt begreifen konnten. Die unverehelichte Rosalie Prudent, Dienstmädchen bei dem Ehepaar Varambot in Mautes, die schwanger geworden war, ohne daß ihre Herrschaft etwas davon wußte, hatte während der Nacht in ihrem Mansardenzimmer ein Kind zur Welt gebracht, dasselbe dann ge⸗ tötet und im Garten verscharrt. Es war die gewöhnliche Geschichte wie bei allen Kindes⸗ morden durch Dienstmädchen. Aber Eins war dabei nicht zu erklären. Die Durchsuchung des Zimmers der Rösalie Prudent hatte zur Ent⸗ deckung einer ganzen Baby⸗Ausstattung geführt, die das Mädchen selbst hergestellt, indem es drei Monate hindurch Nachts zugeschnitten und ge⸗ näht. Der Kaufmann, bei dem sie zu ihrer nächtlichen Arbeit Kerzen gekauft hatte von ihrem Monatslohn, war als Zeuge aufgetreten. Und dann war es Tatsache, daß die Hebamme durch das Mädchen von ihrem Zustand in Kenntnis gesetzt worden und ihr praktische Ratschläge und Verhaltungsmaßregeln gegeben, für den Fall, daß das Ereignis sich zutrüge in einem Augenblick, wo sie nicht beistehen konnte. Außerdem hatte die Prudent, die ihre Dienstentlassung voraussah, weil das Ehepaar Varambot in so etwas keinen Spaß verstand, sich schon in Poissy eine andere Stelle gesucht. Da standen nun vor Gericht Mann und Frau, kleine Rentner aus der Provinz, wütend gegen diese Person, die ihr Haus beschmutzt. Am liebsten hätten sie es gesehen, wenn man ihr sofort ohne Richterspruch den Kopf abge⸗ schlagen hätte. Sie bestürmten sie mit gehässigen Aussagen, die in ihrem Munde zur Anklage wurden. Die Schuldige, ein großes, schönes Mädchen aus der Nieder⸗Normandie, die für ihren Stand ziemlich gebildet war, weinte un⸗ ausgesetzt und antwortete nicht. Es blieb nur die Möglichkeit, daß sie die grauenvolle Tat in einem Augenblick von Verzweiflung und Geistes⸗ störung vollbracht, weil alles darauf deutete, daß sie gehofft hatte, ihren Sohn am Leben zu erhalten und groß zu ziehen. Der Präsident versuchte noch einmal, sie zum Sprechen, zum Geständnis zu bringen. Nach⸗ dem er ihr mit großer Weichheit zugeredet, erklärte er endlich, daß alle diese Männer die hier versammelt wären, um sie abzuurteilen, ihren Tod nicht im Entferntesten wollten und sogar Mitleid mit ihr hätten. Er fragte:„Nun sagen sie uns mal, wer der Vater des Kindes ist.“— Bis dahin hatte sie ihn beharrlich ver⸗ borgen. Sie antwortete plötzlich und blickte ihre Herrschaft an, die sie eben wütend verdäch⸗ tigt:„Es ist der junge Herr Josef, der Neffe des Herrn Varambot.“ Die beiden Gatten fuhren auf und riefen wie aus einem Munde:„Das ist nicht wahr, das ist gelogen! Das ist eine Unverschämtheit!“ Der Präsident wies sie zur Ruhe und sagte: „Fahren Sie ruhig fort und erzählen Sie uns, wie das gekommen ist.“ 5 Da begann sie plötzlich mit unendlicher Rede⸗ flut zu sprechen, indem sie ihr bis dahin ver⸗ schlossenes, einsames, gebrochenes Herz er⸗ leichterte, ihre ganze Qual ausschüttete vor diefen ernsten Männern, die sie bis dahin für ihre Feinde und unbeugsamen Richter gehalten: „Ja, Herr Josef Varambot ist's gewesen. Bei seinem letzten Urlaub vergangenes Jahr.“ „Was ist denn Herr Josef Varambot“? „Unteroffizier bei der Artillerie, Herr Präsident. Er blieb zwei Monate im Haus, zwei Sommer- monate. Ich dachte weiter nichts, wenn er mich anguckte und schöne Sachen sagte, und dann hat er mich den ganzen Tag über ver⸗ folgt, und ich habe mich betören lassen, Herr Präsident. Er sagte, ich wäre ein schönes Mädchen, und ich wäre nett.... Ich gefiele ihm... und mir gefiel er allerdings... Ja, was kann man dafür? Man hört so was an, wenn man ganz allein ist, ganz allein wie ich. Ich stehe ganz allein auf der Welt, Herr Präsident, ich habe Niemand, mit dem ich reden, Niemand, dem ich meine Bedrängnisse mitteilen könnte. Ich habe keinen Vater, keine Mutter, keinen Bruder, keine Schwester, keinen Menschen. Das war so etwa, wie ein Bruder, der wiedergekommen war, wenn er so mit mir sprach. Und dann hat er mir eines Abends gesagt, wir wollten doch einmal an den Fluß hinunter⸗ gehen, um uns zu unterhalten, daß man es nicht hören sollte. Na, und da bin ich mitge⸗ gangen. Ja, und ich weiß nicht, da hat er mich umfaßt. Ich wollte gewiß nicht, nee, nee, sicher nicht. Ich konnte nicht.... Ich hatte Lust zu weinen, es war so schwül „ und Mondschei nm. Ich konnte nicht, nee, ich schwör's Ihnen, ich konnte nicht. Da hat er getan, was er wollte Das dauerte drei Wochen, so lange er da war. Ich wäre ihm bis an's Ende der Welt nach⸗ Aaufen: er ist fortgemacht. ch wußte nicht, daß ich ein Kind hatte. das merkte ich erst einen Monat darauf.“ Sie begann so zu weinen, daß man ihr Zeit lassen mußte, sich erst wieder zu erholen. Dann sagte der Prösident, mild wie der Geist⸗ liche im Beichtstuhl:„Nun fassen Sie sich, erzählen Sie weiter.“ Und sie fuhr fort:„Als ich merkte, daß ich ein Kind hatte, habe ich Frau Boudin, die Hebamme, gefragt, die doch dafür da ist, habe gefragt, was ich machen soll, wenn es kommt und sie wäre nicht da. Und dann habe ich Nacht um Nacht bis ein Uhr Morgens die Ausstattung gemacht. Dann habe ich eine an⸗ dere Stelle gesucht, denn ich wußte ja, daß sie mich fortschicken würden. Aber ich wollte bis zuletzt im Hause bleiben, um das Geld noch mitzunehmen, denn ich habe doch nischt und ich brauchte doch welches für das Kleene.“ „Ste wollten es also nicht töten?“ „Aber nee, Herr Präsident.“ „Ja warum haben Sie es denn getötet?“ Ja, das ist gerade so. Das ist früher los⸗ gegangen, als ich dachte. Als ich in der Küche Geschirr wusch, da ging's los. Herr und Frau Varambot schliefen schon. Ich gehe also hinauf, schwer wurde mir's, zog mich am Geländer und legte mich auf die Erde, um mein Bett zu schonen. Es hat vielleicht eine Stunde gedauert, vielleicht zwei, vielleicht drei, das weiß ich nicht, so weh hat's mir getan. Dann habe ich alle Kraft zusam mengenommen und fühlte, es war da und hab's aufgenommen. Ach, ich war doch so glücklich, sicher! Ich habe alles geian, was Frau Boudin gesagt hat, dann habe ich's auf mein Bett gelegt. Und da kriegte ich wieder Schmerzen, aber daß ich gleich dachte, ich sollte sterben. Wenn ihr das wüßtet, wie das ist, ihr würdet euch schon in Acht nehmen. Ich bin auf die Knie gesunken, dann auf den Ruͤcken zur Erde gefallen, und da packte mich's wieder eine Stunde, vielleicht zwei. Und ich ganz allein. Und dann hatte ich noch ein's, ein anderes Kleenes,— zwei, ja zwei. Dann habe ich's genommen, wie's erste und habe Sie beide nebeneinander auf's Bett gelegt. Nun sagen Sie mal, ist das blos möglich, zwei Kinder. Ich mit zwanzig Franken monatlich. Nun sagen Sie mal, ist denn das möglich? Eins, ja das geht noch, wenn man sein Geld zusammenkratzt,— aber zwei, das hat mich verrückt gemacht, ich weiß nicht wie. Nun sagen Sie, konnte ich denn da wählen?— Ich weiß nicht, wie das war, ich dachte, mit mir ist's aus. Da habe ich's Kopfkissen draufgelegt, ohne es zu wissen, dann habe ich mich darauf gelegt, habe mich hin und herge⸗ wälzt im Bett und habe geweint, bis ich durch's Fenster sah, daß es hell wurde. Sie waren unter'm Kopfkissen gestorben, ganz sicher. Da habe ich die Hacke vom Gärtner genommen, bin die Treppe runter in den Gemüsegarten gegangen. Dann habe ich die Hacke vom Gärtner genommen und habe sie eingescharrt, so tief ich nur konnte, einen hier, einen da, nicht zusammen, damit sie nicht über ihre Mutter reden, wenn die kleenen Toten sprechen, ich weiß es nicht. Na und dann ist mir's in meinem Bett so schlecht geworden, daß ich nicht mehr aufstehen konnte. Da haben sie den Arzt gerufen, der hat alles gesehen. Das ist die Wahrheit, Herr Präsident. Tun Sie, was Sie wollen, mir ist alles eins. Die Hälfte der Geschworenen schnaubte sich unausgesetzt, um nicht zu weinen. Frauen im Zuschauerraum schluchzten. Der Präsident fragte:„Wo haben Sie denn das andere Kind verscharrt?“ Sie fragte:„Ja welches haben Sie denn gefunden?“„Nun, das in den Artischoken.“„Na, das andere liegt in den Erdbeeren am Brunnen.“ Und sie begann so laut zu schluchzen und zu stöhnen, daß es einem durch's Herz schnitt. Die Rosalle Prudent wurde freigesprochen. Auch ein Bild aus dem Rechtsstaate. Eine Irrenhausgeschichte. 8(Fortsetzung.) Inzwischen war nun meine Schwester von der rächenden Nemists ereilt worden.— Sie lebte anfangs mit ihrem Manne sehr glücklich. Aber da sie nun mit anderen Staatsbeamten⸗ Familien in Verkehr kam, stieg damit gleichzeitig ihr Dünkel derart, daß sie sich ihrer Herkunft schämte. Besonders mir gegenüber ließ sie merken, daß sie sich jetzt zu den„besseren Kreisen“ zähle. Ich hielt dieses überspannte Betragen für eine vorübergehende Erscheinung, aber ich hatte mich getäuscht. Das Einkommen ihres Mannes als Polizei⸗Beamter schätzte sie selbst auf jährlich 4000 Mk., doch hörte ich später, daß es ganz bedeutend weniger gewesen sei. Trotzdem hielt sie sich eine Frau als Köchin und eine Hausgehilfin, und ging abends noch mit ihrem Manne in feine Restaurants zum Abend⸗ essen. Dazu kam, daß sie ihr Vermögen für die Schulden des Mannes opferte. Bald war kaum noch genug zum Leben da. Nach einiger Zeit gebar sie ein Töchterchen. Während ihrer Schwangerschaft war ihr Mann nicht mehr so liebenswürdig, er blieb oft ganze Nächte aus. Meine Schwester hatte vom Balkon in leichtem Gewande im Winter oft lange nach ihm aus⸗ geschaut und sich wohl auch aufgeregt. Zudem hörte sie, daß er mit einer Sängerin Umgang, hätte, was ihrer Gesundheit natürlich arg zu⸗ setzte. Die Aufregung über die Untreue ihres Mannes und das schwere Wochenbett, was ste durchmachen mußte, erschütterten ihren Gesund⸗ heitszustand noch mehr. Sie sah elend aus, war sehr nervös und zeitweise einigemal wie geistesabwesend. Sie sprach wirr in ihrer Erregung. Ihr Mann wurde nun von der Sängerin zum Heiraten gedrängt; die Beiden waren einverstanden, daß eine Ehescheidung zu Stande kommen müsse, um ihre Heirat möglich zu machen. Er hatte amtlich mit Ehescheidungen besonders zu tun und brachte es dahin, seine Frau zu überreden, sich in die Irrenanstalt zu begeben. Sie war überrascht, als er ihr eines Tages sagte, sie solle nach dem Irrenhaus⸗ direktor gehen, der ihm persönlich bekannt war, und Anleitung zur Heilung ihrer Nervosität entgegen nehmen, nötigenfalls auch ein paar Stunden da bleiben. Sie hielt dies nicht für schlimm, kleidete sich daher um, nahm herzlichen Abschied von ihrem Kinde und ging hin. Sie kam nicht wieder heraus.— Man hat sie in dem ersten/ Jahr Niemand von ihren Angehörigen oder Bekannten sehen lassen. Ihre Briefe wanderten in den Papier⸗ korb. Später wurde sie ab und zu besucht. Bei diesen Besuchen war sie stets klar und die Wärterinnen äußerten ihr Bedauern, daß 350 da sei, der sich dieser unglücklichen rau, brauchte, annähme.— Sie hörte, daß ihr Mann 4 Tage nach ihrem Weggang die Sängerin in ihrem Haushalt einzi⸗hen ließ und nachher, daß sie geschieden war und er sich mit derselben verheiratet hatte. 5 1 * e welche doch nicht in der Anstalt zu sein „ e. art, da, ihre hen, 5 in licht Aut die Sie sch in dent Rind ben den den n so nem chen. ale. bol Sie klich. mten⸗ zeitig kunft b. sie eien“ ragen er ich ihres selbst pater, i sei. töchin ch mit lhend⸗ n für 1 niger ihter chr so e aue. achten u dus⸗ Zudem gang g dl ihres has fe esund⸗ d aue, al wie ihrel on del Beiden ung möglich dulgel 0 seilk falt du · eeß chou K l, sft u pant ict fil alice f. Sie geand 5 schel Pabiel⸗ bauch, ulld die Nr. 28. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. „Nach Verlauf von einem Jahre wurde sie in die zum Bezirk gehörige Anstalt gebracht. Ich habe Anhaltspunkte dafür, daß dies auf Betrieb meines würdigen Schwagers geschah, der seiner Frau die Besuche der Bekannten entziehen wollte. Noch im Jahre 1898 soll meine Schwester geistig noch ziemlich gesund gewesen sein.— Zu Pfingsten 1900 war ich in der Lage, sie zu besuchen. Ich fand ihren Zustand allerdings bedenklicher. Sie erkannte mich zwar, lachte und wußte sich vieler Dinge zu erinnern, doch es fehlte ihren Reden der Zusammenhang. Darum konnte ich sie nicht abholen, um sie ihrer früheren Schwieger⸗ mutter, die sie verlangt hatte, zuzuführen. Sie hatte zwar schwer gegen mich gefehlt; trotzdem tat sie mir unsäglich leid, denn in unserer Jugendzeit hatten wir uns stets gut vertragen. Auch in diesem Falle mußte ich mir sagen, wie leicht doch ein Mensch aus der Reihe der Vernünftigen gestrichen werden kann; daß auf Grund falscher Informationen der zuständigen Behörden nicht auch geistig gesunde Leute im Irrenhaus festgehalten werden, dafür giebts meines Erachtens keine Sicherheit. Um meine Mündigung wieder zu erlangen, hatte ich mir bisher große Mühe gegeben. Ich reichte alle die Schriftstücke ein, welche die Anklagen N's., des früheren Bräutigams meiner Schwester, und die fehlerhaften unrich⸗ tigen Aussagen meiner Mutter und Schwester klar widerlegten. Das war mir erst möglich als Amtsgr.⸗Rat D. in den Ruhestand versetzt und an seine Stelle ein anderer Amtsrichter (P.) kam.— Ich wußte wohl, daß meine Mündigsprechung durch ein Gutachten des mir nicht wohlgesinnten Kreisphysikus niemals er⸗ reicht werden konnte, und willfahrte daher der Amtsrichter meinem Gesuch, zu einer Nach⸗ prüfung in einem anderen Irrenhaus, um die Mündigung erreichen zu können. Es war mir zwar nicht bekannt, daß ein Sohn des verstorbenen Professors C., bei welchem ich zuerst internirt und entmündigt worden war, dort als Professor fungierte, und meine Aus⸗ sichten nicht so günstig waren. Ich reiste jedoch hin und habe die 6 Wochen in diesem Irrenhause auch durchgemacht. In dieser Zeit hatte ich jeden Nachmittag freien Ausgang in die Stadt. Dort prüfte man mich mehreremal in allen allgemeinen sowie einigermaßen in den für mich besonders passenden Gebieten. Nach meiner Rückkehr trat ich wieder in die Fabrik, in meine Stelle ein. Aber die nachher erteilte Begutachtung von dort, welche in einigen Punkten nicht klar ausgedrückt war, wurde von Amtsrichter P. angefochten und zur Korrektur Arückgesandt. Darauf stand nichts mehr im Hege, sodaß ich meine Mündigung im Sommer 98 erhielt. Dem Dr. A.,(unserem früheren Hausarzt) hatte ich einige Zeit nach der Entlassung aus dem Hospital gesprochen, als er mich anhielt. Da frug ich ihn, wie er dazu gekommen sei, damals ein Zeugnis ohne meine Gegenwart auszustellen. Da sagte er:„Ach Gott, der N. kam zu mir gelaufen und da er verlobt mit Ihrer Schwester war, glaubte ich er wäre im Recht.“ Ich antwortete ihm, daß er in diesem Falle einem Verbrecher gedient hätte.— Er selbst war, während meines Aufenthaltes im Hospital ½ Jahr krank in der Irrenheil⸗ anstalt gewesen.— Gerne wäre ich nun in eine Stelle nach aus⸗ wärts gegangen, doch ging dies nicht an, da bei Erkundigung meine frühere Entmündigung und Internirung zur Kenntnis gekommen wäre. So wollte ich wenigstens mit meinem Gelde ein Geschäft beginnen. Mit meinen Waren⸗ 2 b 7 Häusburg 7 Papier-PBandlung Elnrahmen von Blldem. . ee e eee eee Heinrich Doll, Giessen 6 8 8 Buchbinderei* Geschüffsbücher*æ Drucksachen kenntnissen, besonders Arbeiten in Landes⸗ trachten, konnte ich in einer anderen Stadt nicht beginnen und ich mußte mich schon dazu verstehen, eine andere Branche nach und nach einzulernen, um später anderswo ein Geschäft fortsetzen zu können. (Schluß folgt.) Majestätsbeleidigung. In einem Buche, das bei E. Pierson in Dresden erschienen und„Buch vom guten Richter“ betitelt ist, findet sich folgende Stelle: Es war einer wegen Majestätsbeleidigung angeklagt.„Der an des Staates Spitze steht“, sagte der Richter,„ist des Staates erster Diener, als solcher, das spricht schon der Name aus, ist er keine Majestät. Ein Menschen⸗ ding, das allen Schwächen und Gebrechen schon durch seine natürliche Beschaffenheit unterliegt, heute rot, morgen tot, hat überhaupt nichts von einer Majestät an sich. Sprechen kann man von einer Majestät der Sonne und von einer Majestät der Berge. Die sind es auf Grund ihrer Erhabenheit und Unnahbarkeit. Die Erhabenheit und Unnahbarkeit aber, in die man ein Menschlein kleidet, ist Mache zum Zwecke der geschäftlichen Ausbeutung, an der die Arrangeure ihren Anteil haben. Gerechtes Recht, das allezeit den geraden Weg zu gehen und den natürlichen Wahrheiten Geltung zu verschaffen hat, darf sich vor solcher Mache nicht beugen. Dem Beleidiger kommt die ge⸗ wöhnliche Strafe zu, wie sie jeder andern Beleidigung auch wird, aber in diesem Falle fehlt der Antrag der Beleidigten. Dem Staats⸗ anwalt steht der Antrag nicht zu, und ich hoffe in diesem Falle, daß der Beleidigte soviel Ein⸗ sicht selbst haben wird, daß er sich nicht als Majestät, welche Ehrenbezeichnung höchstens Gott zukommt, erkennen, sondern den richtigen Gedanken haben wird: ich bin ein Mensch wie jeder andere. Der Angeklagte ist vorläufig auf freien Fuß zu setzen!“ 5 555 Splitter. „Die Presse ist die erste Großmacht!“ Beherzigt diese Worte, Arbeiterfrauen, und strebt darnach, Eure Presse, die Arbeiterpresse, stark und mächtig zu machen 1 * * Cs ist leichter, der Wahrheit in's Gesicht zu schlagen, als ihr in's Gesicht zu sehen. ** 5 * Ein Fragment! Ein Armer ward auf allen Schritten und Tritten Von einem Reichen verfolgt und geplagt. Man riet ihm, die Großen um Hilfe zu bitten. „Ach! seufzt er, das hab ich schon fruchtlos gewagt! Der Geier ist reich, der am Leben mir nagt, Und sie sinds auch, die ihn sollten verdammen, Wie es dann geht, das sei Gott geklagt! Die heil'ge Bibel hat recht, wenn sie sagt: „Die Fetten halten zusammen.“ Psalm. 17. V. 10. Humoristisches. Ist Schweigen immer Gold?„Ich will meine Haare geschnitten haben, aber kein Geschnatter dabei hören, verstehen Sie mich?“ schmetterte ein Mann mit dem Aussehen eines Premier⸗Ministers, als er in Barbierladen trat. „Aber——“ stotterte der Angeredete, ein Jüngling in weißer Schürze. „Wie ich Ihnen schon sagte, junger Mann! Ich bitte mir äußerste Ruhe aus! Keinen Ton will ich hören! Ich lese meine Zeitung, Sie schneiden mir die Haare und damit basta! endlich an!“ Zögernd gehorchte der Mann in der weißen Schürze. Als er fertig war, stand der Fremde schwerfällig vom Stuhl auf und sah sich sorgsam im Spiegel an. „Gerechter Gott!“ schrie er entsetzt,„Wie sehe ich denn aus? Schauderhast! Können wirklich die Friseure ihre Sache nur ordentlich machen, wenn„gute Reden sie begleiten?“ „Das weiß ich wirklich nicht, mein Herr“, sagte freundlich der andre.„Danach müssen Sie schon den Friseur selbst fragen; gleich muß er hier sein!“ „Wa— wa— as?“ „Ich sollte doch durchaus kein Woct reden, sonst hälte ich Ihnen gern mitgeteilt, daß ich eigentlich der Zuckerbäcker von nebenan bin.(Tit⸗Bits.) Harmlos.„Das ist doch unerhört, Herr Bürger⸗ meister! Ich hatte mit dem Ochsenwirt eine kleine Differenz— haut er mir da gleich ein Paar runter...“ „Ach, das dürfen Sie dem nicht übelnehmen— der denkt sich weiter nichts dabei!“— Es hat Alles sein Gutes! Rentier Bliem⸗ chen: Freut euch, Kinder, die Sozialdemokraten haben gesiegt! Jetzt geht in Sachsen der Zukunftsstaat los! Ste: Aber Mann— bist du denn verrückt? Das ist ja das größte Unglück! Jetzt kommt ja die Karnickel⸗ wirtschaft und die Weibergemeinschaft! Bliemchen: Eben drum! Jetzt kriegt jede unserer Töchter von Staatswegen einen Mann geliefert und wir sind die Sorge um die Mitgift und ums Heiraten überhaupt los! (Postill.) Gefühlvoll. Als er vom Königsmord in Serbien vernahm, Da war er fassungslos und Trän' auf Träne kam, Die heißen Tränen all des herzensguten Zaren, Die jüngst bei Kischinew ihm ausgeblieben waren. Nun eint sich Vornehm und Gesindel, Im Festschmuck prangen Markt und Herd: Ein neuer Fürst— der alte Schwindel— Fürwahr! das ist des Jubels wert! (S. Mg. im Ulk.) Geschichtskalender. 12. Juli. 1806: 16 deutsche Fürsten schließen den vaterländischen Rheinbund mit Napoleon. 1864: Fritz Reuter, plattdeutscher Dichter, gestorben in Eisenach. 13. 1870: Emser Depeschen-Fälschung. 1874: Kullmann⸗Attentat. 14. 1789: Bastillensturm. Kongreß Paris. 15. 1839: Aufstand der englischen Chartisten in Birmingham. 16. 1857: Beranger, franz. Dichter, f. Proudhon, anarchist. Theoretiker,. 17. 1899: Soz.⸗dem. Landtagswahlsieg in Bayern. 1902: Sanden(Spielhagenbank-Frommer) 5 J. Gef. 18. 1902: Hunnenprozeß gegen„Vorwärts“. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg⸗ Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe.) Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk. Wilhelm Liebknecht. Wirken. Flink, flink, fangen Sie . 1889: Int. Arbeiter⸗ 1859: Sein Leben nnd Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Die Voraussctzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk. Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk. Edgar Borrmann, Schlosser, Schmiede ꝛce.— Tür⸗, Lager in Herden und Oefen, Haus⸗ Aufsätze.— Großes Sortiment in Fischerei⸗Utensilien. Giesseli Bruteier! Bruteier! Neustadt 11 8 Telefon 298 5 weißer Italiener, mehrjährige Eisen⸗, Stahl⸗ und Messingwaren, Werkzeuge und Bedarfsartikel für Schreiner, Zimmerleute, Küfer, Spengler, Dachdecker, Fenster⸗ und Möbelbeschläge, Drahtgeflechte, Flechtrohr ꝛc.— Vogelkäfige, e un Spezialzucht, nur hö ram. Tiere, sehr 5. à Dtzd. 4 Mark. chengeräten, Verpackung frei. Wasch⸗ u. Wringmaschinen, Landwirtsch. Maschinen u. Geräten,— Kehlleisten, Holzornamenten, Bett⸗ u. 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Bühl des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, Marktplatz 5 Telephon 50. 5 heißer oder 150 kalter Speisen. oder durch unregelmäßige 5 Lebensweise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Mogenkrampf, schmerzen, schwere Verdauung oder schleinung . ugezogen haben, set hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen g * dessen vorzügliche 15 same Wirkungen schon sett vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs- und Blutreiuigungsmittel, der nubert Ulrieh'she Nräuter-Mein. 3 Kräuter-Wein ist au⸗ vorzüglichen, beilkräftig 1 0 efundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet und ttärt und belebt den ganzen erdauungsorganismu⸗ des Menschen, oßne ein Nb hrungsmitlel zu Na Magen⸗ Ver⸗ Kräukerwein zeseitigt ale Fiörungen in den. lut⸗ 1 reinigt das Blut von allen verdorbenen, raukmachenden Ploffen und wirkt fördernd auf die Neu⸗ l bildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des duter⸗Weines werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp⸗ tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bet chronischen (veralteten) Magenlelden um kackt. auftreten werden oft! nach einigen Mal Trinken bes a und deren unangenehme Folgen 8 2 Stuhlverstopfung i Kolikschmer- 1 en, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowte Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hamorrholdalleiden) . 1 werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt, Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaullchkeit, verleiht dem ee nt einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 3 sind meist die Folge schlechter Verdaunng, Entkräftung f Mlatbichung und eines krank⸗ haften Zustandes ber Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gdemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, fechen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter⸗Wein giebt der 2 ein steig Lebenskraft einen schen Impuls. gKräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und e 10 den Stoffwechsel 5 8 5 an, beschleunigt f ssert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven nnd schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter ⸗Wein ist zu haben in Flaschen à Mk. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ Linden, Wetzlar, Fronhausen, Braunfels, Butz bach, Brandoberndorf, Gladenbach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. nsw in den Apotheken. 5 Auch versendet die Firma„lubert Ullrich, Leipzi Weststrasse 82“, 3 und mehr Flaschen Kräuterwein zu Ori⸗ ginalpretsen nach allen Orten Deutschlands porto- u. kistefrei. r Vor Nachahmungen wird gewarnt. 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