509 p Nfg. 0 eue liert 1 N 1 1 Nr. 32. Gießen, den 9. August 1903. 10. Juhrg. Redaktion: 2 9 WMebafttoneschlug Kirchenplatz 115 Schloßgasse. Mitteld cut che e Na 4 Uhr 9 35 2 Sonntags- UAbounemeutspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Keuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die finden in der Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. * D Juserate 5. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Bei mindestens Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33/0 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Die Landes-Konferenz der Sozialdemokraten Hessens findet Sonntag, den 6. September 1903, vormittags 10 uhr im Gasthaus zum Darmstädter Hof in Steinbach a. T., Station Weiskirchen, Bahnlinie Frankfurt⸗ Homburg, statt. Vorläufige Tages⸗Ordnung: I. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Genosse C. Ulrich, Offenbach a. M. II. Rechnungsablage. Referent Genosse J. Orb, Offenbach. Die stattgehabten Reichstagswahlen. Dr. David, Mainz. VI. Der Parteitag in Dresden. Balth. Cramer, Darmstadt. V. Einlau tende Anträge. VI. Wahl des Landes⸗Komitees. VII. Wahl des Ortes der nächsten Landes⸗Konferenz. Parteigenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konferenz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Delegierte ge⸗ wählt werden. Diskutiert die Tages⸗Ordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können. Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee, dle⸗ selben können von Genossen Ulrich bezogen werden. * Um einen Ueberblick über den Staud der Bewegung im ganzen Lande zu erhalten, ver⸗ sendet das Landeskomitee an die Vartraueus⸗ leute der einzelnen Kreise Formulare, durch welche ein„Situations⸗Bericht“ gegeben werden soll. Die Geuessen werden hiermit aufgefordert, diese Formulare alsbald gewissenhaft auszufüllen und an den Geuossen Ulrich einzusenden. Offenbach, den 30. Juli 1903. Das Landes⸗Komitee. C. Ulrich, J. Orb, Gr. Marktstraße 23. Friedrichstraße 24. EF. ˙ 5v———.. ̃7˙—Lp———..... Eine Verschwörung gegen das Neichstagswahlrecht. Beweise dafür, daß die„Staatserhaltenden“ dem Reichstagswahlrecht je schneller je lieber an den Kragen gehen möchten, braucht man kaum noch zu erbringen, solcher liegen unzählige vor und es ist ja einigerma en begreiflich, daß nach dem Ausfall der letzten Wahl die Ab⸗ neigung gegen dasselbe auf jener Seite nur noch größer geworden ist. Wurde der Kampf gegen das Wahlrecht früher nur in Zeitungs⸗ artikeln, Reichstags⸗ und Gelegenheitsreden geführt, so läßt man sich jetzt damit nicht mehr genügen, sondern sucht System und Organisation in die Sache zu bringen. Dem„Vorwärts“ gelang es, einen fein ausgeheckten Plane zur Abmerchelung des geltenden Wahlrechts auf die Spur zu kommen und er unterbreitet die Aktenstücke darüber der Oeffentlichkeit. Schon vor den Wahlen erging an eine Anzahl Vertreter des Großkapitals folgendes Rundschreiben: Auf Anregung und unter Befürwortung der mitunterzeichneten Herren gestatte ich mir im Verfolg meiner früheren ergebenen Mit⸗ Referent Referent Referent Genosse teilungen über die, für den Ausbau des all⸗ gemeinen Wahlrechts eingeleitete Bewegung diese vertrauliche Mitteilung und Bitte im Interesse der Sache, deren reiche und günstige Fortentwicklung durch die eingetretenen Verhältnisse eben jetzt zu erwarten steht. Mit seltener Beharrlichkeit fordern die Mehrheits-Parteien die Einführung von Di⸗ äten oder Anwesenheitsgeldern; dem gegen⸗ über hat der Reichskanzler in der Sitzung vom 22. Jannar v. J. erklärt, daß mit dem Diatenantrag gleichzeitig die übrigen reformbedürftigen Punkte des Reichswahlrechts erledigt werden müssen, und ich bin von kompetenter Seite informiert, daß die Verbün⸗ deten Regierungen den willkommenen Anstoß zu der unabweislich gewordenen Revision des Reichswahlrechts nützen wollen, daß es dazu der Vorbe⸗ reitung der öffentlichen Meinung bedarf und somit die schleunige Aufnahme der allge⸗ meinen Propaganda geboten erscheint. Diese erfreuliche Wendung zur Entschiedenheit wie die erwähnten Intentionen der Reichs⸗ regierung sind auch noch durch die spätere Rede des Reichskanzlers, in welcher er den Reichstag mahnte,„nicht selber Hand an die Wurzeln des Parlamentarismus zu legen, dessen Macht bei uns eine Grenze an der stärkeren Macht des Monarchismus finde“, und der Diäten mit den Worten gedachte, daß die Zeit dafür„noch nicht“ gekommen sei, vor der Oeffentlichkeit bestätigt worden. Die Vorarbeit der Reform ist durch die nunmehr sechsjährigen Bestrebungen soweit getan, daß man bon einem Umschwung in der liberalen Anschauung von der Wahl⸗ gleichheit sprechen kann, und es ist gewiß bezeichnend, daß die Ideen der betr. Leit⸗ artikel, Abhandlung usw. gerade in der frei⸗ sinnigen und demokratischen Presse Verbrei⸗ tung und Zustimmung gefunden haben; hier wirken Erkenntnis und Erfahrung gemeinsam und nur die Rücksicht auf die Gunst der unteren Wählermassen hält noch das freie Eingeständnis zurück. Wäre die Gleichheits⸗ korrektur nicht auch eine Forderung der Konservativen, sie wäre heute schon ein Pro— grammpunkt der Liberalen. Von weiterer Dringlichkeit und entschei⸗ dender Bedeutung ist auch der Umstand, daß das voraussichtliche neue Anschwellen der soztalistischen Stimmen bei den nächsten Wahlen das Bürgertum zum Zusammenschluß gegen das, die politische Vormacht an sich reißende Proletariat über den Parteien weg treiben wird, und wir dann schon fertig gerüstet dastehen. Unter diesen verheißenden Verhältnissen und Anzeichen folge ich gern dem mir unterbreiteten Vor⸗ schlag, den Freunden und Bekennern der Reformidee die Sammlung eines Agi⸗ tationsfonds in der Höhe nahezulegen, die eine Massen verbreitung der Schriften über das ganze Reich, die Beeinflussung der Presse, Wandervorträge usw. usw. ermöglicht. Die Abwehr der Sozialdemokratie wird merzen, das den sozialistisch⸗kommunistischen Staat von selber aufbant. Dazu zwingt uns die Selbsterhaltung— der stärkste Trieb im Leben; das Notwenbige aber ist immer durch⸗ führbar, wenn es zugleich das Logische und Natürliche ist. Dr. A. Giesebrecht. Der Dr. Giesebrecht soll schon früher in der Bekämpfung des„Gleichheitsprinzips“ ge⸗ arbeitet haben. Doch ist er in der Oeffentlichkeit bisher fast unbekannt geblieben und sein Rund⸗ schreiben könnte lediglich als Versuch eines Beliebigen gelten, der die Befehdung des Reichs⸗ tags⸗Wahlrechts als Erwerbsquelle betrachtet. Doch er stützt sich auf die„Anregung und Befürwortung der mitunterzeichneten Herren“— eine ganze Anzahl Kommerzien⸗ räte, Industrielle, auch Abgeordnete sind darunter. Also einge regelrechte Verschwörung gegen das gleiche Wahlrecht! Als Attentäter erscheinen in erster Linie Vertreter der Großindustrie und des Groß⸗ handels, denen es unerträglich ist, daß der besitzlose Arbeiter das gleiche politische Recht haben soll wie der kapitalistische Krösus, der aus hundert und tausend Arbeitskräften Kapital aufhäuft. Natürlich ist die Liste der Minierer nicht durch die obige Aufzählung erschöpft und eine größere Anzahl ähnlicher kapitaler Leute haben ihre Neigung für„die große und wichtige Aufgabe“ bekundet, aber gefordert, daß ihre Namen vorläufig in der Reserve bleiben. Diese Vorsicht üben insbesondere die parlamentarischen Vertreter des Großkapitals. Das vorläufige Ziel der Verfassungs⸗-Um⸗ stürzler kommt in dem Satze zum Ausdruck: Der„Vorwärts“ hat sich ein Verdienst da⸗ mit erworben, daß er die sauberen Pläne der im geheimen wühlenden politischen„Umstürzler“ an das Tageslicht gefördert hat. Der fein ausgedachte Ueberfall ist damit unwirksam ge⸗ macht und das deutsche Volk wird die ihm zugedachten Schriften und Wanderredner mit der nötigen Unzweideutigkeit empfangen. Mit Recht weist der„Vorwärts“ auf die politisch bedeutsamste Stelle des Schreibens hin: „man sei von kompelenter Seite informiert, daß die Verbündeten Regierungen den willkommenen Anstoß zu der unvermeidlich gewordenen Revision des Reichstagswahlrechts nützen wollen“ und daß sie nur noch auf die nötige Vorbereitung der öffentlichen Meinung warten. Eine klare Aussprache des Reichs⸗ kanzlers als des Vertreters der Verbündeten Regierungen über diese außergewöhnliche Unter⸗ stellung ist unbedingt erforderlich. Im lebrigen werden unsere Genossen auf dem Posten sein und den Wahlrechtsräubern die verdiente Niederlage bereiten. politische nundschau. Gießen, 7. August. Verbesserung der Mordwaffen. In der letzten Zeit sind, wie Berliner Blätter mitteilen, Versuche mit einer neuen ewig vergeblich bleiben, solange wir nicht aus unserm Staatsgrund— recht das Gleichheitsprinzip aus— Gewehrmunition angestellt worden. Es wird aber so halb und halb dabei zugegeben, daß zu den neuen Patronen eine neue Flinte 198 1 10 8 8 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 32. nötig sein wird, wenigstens muß das bisherige Gewehr umgeändert werden. Vorläufig sollen eins oder mehrere Regimenter diese Neuerung erproben, die auf erheblich weitere Entfernung als bisher Treffsicherheit biete. Also jedenfalls wieder ein neuer Schießprügel, dessen Ein⸗ führung Millionen verschlingt. Dazu ist Geld da, wenn aber durch Hochwasser-Katastrophen Tausende in Not und Elend geraten und es Pflicht des Staates wäre, sofort einzu⸗ greifen, dauert es gewiß wochenlang, bis sich die hochmögende Regierung entschließt, ein paar Hunderttausend Mark flüssig zu machen. Leuchte der Wissenschaft. Ein Professor der Geschichte an der technischen Hochschule in München, Graf Damoulin mit Namen, hielt beim Stiftungs- feste eines Studentenkorps eine Rede, in der a. sagte: „In dem Augenblicke, in dem es keine Studenten mehr gibt, die den Speer(Schläger) schwingen, verzichte ich auf das Lehr-Amt.“ Weiter sagte er:„Wahrhaftig, eine Schmarre ist oft mehr wert, als eine alte Scharteke. Manch' geschwänztes Kolleg ist besser angewendet, als ein geschwänzter Fechtboden.“ Das ist ein Lehrer und Erzieher unserer vaterländischen„gebildeten“ Jugend! Nach ihm ist es also die Hauptsache, wenn das Gesicht des Studenteu ordentlich verhauen ist, ob er etwas im Schäde hat, darauf kommt es nicht an. In einem wirklichen Kulturstaate würde eine solche Sorte Professoren ohne weiteres zum Teufel gejagt. Aufgelöste„Ablöser“⸗Partei. Die Nationalsozialen haben ihren Konkurs angemeldet. Bei der Freisinnigen Vereinigung hat der Pastor Naumann ange⸗ fragt, ob er und seine Anhänger dort ein Unterkommen finden könnten. Und weil die Wadenstrümpfler ganz gut einigen Zuwachs brauchen können, gleichgültig, wo er herkommt, so stellten sie den Obdachlosen ihre Partei als Herberge zur Verfügung. Wie weiter verlautet, wollen die Ablöser der Sozialdemokratie inner halb der Orgauisation der Freisinnigen eine gewisse Landesorganisation aufrecht erhalten. Das können sie auch ganz gut, denn die Orga⸗— nisation der Freisianigen von der weiblichen Linie ist nicht viel besser wie gar keine. National⸗Soziales. Bei der in Elberfeld tagenden Versammlung der Nationalsozialen Rheinlands und Westfalens war wohl das interessanteste die Erklärung des Oberlehrers Guttmann(der den Anschluß an die Freisinnige Vereinigung vertrat), daß der nationalsoziale Parteisekretär Maurenbrecher zur Sozialdemokratie übertreten werde. Daß noch eine weitere An⸗ zahl Nationalsoztaler den gleichen Schritt, tun, ist zweifellos.— Unser„alter Freund“ Hoppstädter wollte die Nationalsozialen in die liberalen„Jugend⸗ bünde“ hinein reden.— Für„Hoppstädter'schen Liberalismus“ sind die„um Naumann“ denn doch auch wirklich zu schade; es sind meistens ehrliche Idealisten, während die Hoppstädtersche Sorte sich unter den Sammelnamen„Kreisblatt⸗ Liberalismus“ zusammenfinden sollte. Kriegervereinliche Agitation. Wie Arbeiter in den Staatsbetrieben in die Kriegervereine gepreßt werden, davon gibt ein Schriftstück Zeugnis, das unserm Parteiorgan in Erfurt auf den Tisch geweht wurde. Es Ket aus von dem Kriegerverein in Neudaber— tedt, ist datiert vom 25. Juli und lautet: „Wir haben erfahren, daß Sie Ihrer Militärpflicht bei einem Truppenteile der deutschen Armee genügt haben, wodurch die Bedingungen für die Aufnahme in unsern Verein erfüllt sind. Jeder ehrliebende, alte Soldat, vor allen Dingen aber die im Staatsdienst als Arbeiter oder Be⸗ amte beschäftigten, die sozusagen aus der Staatskrippe essen und in der Kolonie ihren Wohnsitz haben, sollten es für ihre vornehmste und heiligste Pflicht erachten, unserm Verein, der Mitglied des preußischen Landeskriegerverbandes und des Deutschen Kriegerbundes ist, an dessen Spitze S. Majestät unser allergnädigster Kaiser und König als Protektor steht, anzugehören. Ueber Zweck und Ziel, sowie die Bestrebungen und den Nutzen dieser Vereinigungen alter Soldaten ist der unterzeichnete Vorstand jederzeit gern bereit, Ihnen näheren Aufschluß zu geben. Wir ersuchen Sie hierdurch kameradschaft⸗ lichst, sich unserm Verein anzuschließen und Ihren Beitritt so rechtzeitig anzumelden, daß wir in die angenehme Lage versetzt werden, Sie noch vor der Fahnenweihe, welche am 9. August cr. stattfindet, in unsern Verein aufzunehmen und als Kamerad in unsern Reihen willkommen heißen zu können. Mit kameradschaftlichem Gruß! Der Vorstand. J. A.: Köppen, Vorsitzender.“ Der Unterzeichner ist Eisenbahn-Betriebs⸗ Sekretär. So werden also die abhängigen Arbeiter in die Kriegervereine indirekt von ihren Vorgesetzten hineingetrieben. Wagen aber dann die Krieger, ihre Interessen als Arbeiter wahrzunehmen oder sonst irgend eine unvor⸗ schriftsmäßige Gesinnung zu betätigen, so fliegen sie hinaus und ihre gezahlten Beiträge sind zum Teufel! Aus der Ferienkolonie. Eine Soldatenschinderei en gros wurde durch den Selbstmord des Musketiers Kruse vom 17. Infanterieregiment in Metz ans Tageslicht gefördert. Die eingeleitete Unter⸗ suchung ergab, daß der bereits sechs mal vorbestrafte Unteroffizier Dunkel die Schuld an dem Selbstmorde des Soldaten trug. Die Untersuchung ergab aber weiter, daß Dunkel nicht nur den Verstorbenen, sondern alle seine Untergebenen in wahrhaft bestialischer Weise tyrannisierte. Nicht weniger als 576 einzelne Fälle von Miß handlungen wurden ihm in der vor dem Kriegsgericht der 33. Division geführten Verhandlung zur Last gelegt. Tagtäglich gab er seinen Untergebenen Faust⸗ schläge, Ohrfeigen, Fußtritte gegen den Leib, Schläge mit der flachen Klinge und mit der Scheide, sowie mit Putzstöcken; beim Turnen kniff er den Leuten in die Beine ꝛc. Ein Rekrut mußte auf Befehl mit dem Kopf gegen das Spind rennen. Oft mußte die ganze Rekruten⸗ mannschaft auf Befehl Marsch-Marsch unter die Betten kriechen. Wer in der Instruktionsstunde falsch antwortete, mußte seinen Schemel um⸗ drehen, sich auf einen der vier Füße setzen, oder auch ölige Gewehrteile zwischen die Zähne nehmen und das Flötenblasen markieren. Der unglückliche Kruse mußte einst nach einem Straf⸗ rapport feldmarschmäßig ausgerüstet, mehr als 20 mal hintereinander die Treppe hinauf und herab marschieren. Musketier Liedecke hatte ein kleines Loch in der Schuhsohle. Das riß Dunkel so weit auf, daß er ihm fünf Kieselsteine hineinstecken konnte, und damit mußte der Rekrut 125 Meter weit marschieren. Von den 576 Fällen nahm das Kriegsgericht 366 als durch die 52 vorgeladenen Zeugen erwiesen an und verurteilte Dunkel trotz seines artnäckigen Leugnens zu 2½ Jahren Ge— fängnis und zur Degradation. Der mitangeklagte Leutnant Mahl, der verschie— dentlich Mißhandlungen des Dunkels gesehen hatte, ohne dagegen einzuschreiten, kam mit einer Woche Stubenarrest davon. Unternehmer ⸗„Entbehrungs“löhne. Ueber die Verdienste der Textilin dustri⸗ ellen macht der Bericht der Handelskammer in Plauen i. V. interessante Angaben. Die schlechten Zeiten, über die man auch in der Textilindustrie zu klagen hatte, haben allerdings manche Entbehrung für die Arbeiter gebracht. Kürzung der Löhne, Arbeitslosigkeit und Ver⸗ schlechterung der Lebenslage, das waren die hauptsächlichsten Begleiterscheinungen. Anders liegen aber die Dinge bei den Unternehmern. Hier scheint man trotz der„schlechten Zeiten“ noch ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Von 17 Aktiengesellschaften der Textilindustrie des Vogtlandes, deren Rechenschaftsberichte im Handelskammerbericht enthalten sind, wird fest⸗ gestellt, daß die Gesellschaften im Jahre 1901 durchschnittlich 9,90 Prozent des eingezahlten Aktienkapitals an Reingewinn verteilten, im Jahre 1902 aber 13,23 Prozent. Das bedeutet eine Zunahme von zirka 3 Prozent. Wie sich der Gewinn bei einzelnen Gesellschaften gestaltet hat, mögen einige Beispiele beweisen. Der Reingewinn der Falkensteiner Gardinen⸗ Weberei und Bleicherei stieg von 58 707 Mk. im Jahre 1901 auf 72 970 Mk. im Jahre 1902. Demnach wurde auch die zu verteilende Dividende von 60000 Mk. auf 75000 Mk. erhöht. Die Zwickauer Kammgarnspinnerei erzielte 1901 einen Reingewinn von 222402 Mk., und 1902 einen solchen von 407861 Mk. Die Dividende wurde erhöht von 12,36 Proz. auf 22,66 Proz. Ein Bombengeschäft muß auch die Plauener Spitzenfabrik H. Herz und Co. gemacht haben. Ihr Reingewinn erhöhte sich von 71317 Mk. auf 164572 Mk. und die Prozente von 14,26 auf 32,91. Schon diese wenigen Beispiele zeigen, daß man von einem fühlbaren Notstand der Aktionäre durchaus nicht sprechen kaun. Die Arbeiter haben aber von all diesem„Fortschritt“ wenig oder gar nichts wahrgenommen und wenn sie neuerdings wieder versuchen, ihre Lage zu verbessern und den sei: Jahren ge⸗— forderten Zehnstundentag einzuführen, so wird man wieder erleben müssen, daß sich das Unter⸗ nehmertum diesen Forderungen gegenüber ab— lehnend verhält und diese Ablehnung mit „schlechtem Geschäftsgang“,„drückender Kon⸗ kurrenz“ und„ungenügendem Gewinn“ be— gründet, wenn es eine Begründung seiner ab⸗ lehnenden Haltung überhaupt für geboten erachtet. Der„bauerufreundliche“ Dreschgraf. Llls neulich das Hochwasser über Schlesien hereinbrach und entsetzliche Verwüstungen an⸗ richtete, war auch Klein⸗Tischirne, wo der berühmte Antisemitenhäuptling Graf Pückler haust, in großer Gefahr. Am gefährdesten war das Dorf, wenn der Damm am Schloß⸗ park brach. Mit bewundernswertem Fleiße ar⸗ beiteten hier Zivil und Militär. Graf Pückler erscheint, sieht zwei Herren, denen er nicht be⸗ sonders„gnädig“ gesinnt zu sein scheint, ver— bietet ihnen den ferneren Aufenthalt im Park und giebt Befehl, sie zu arretieren. Immer „schneidig“!— Es senkt sich der Tag, Flut steigt auf Flut, die Gefahr wird immer größer, die Leute strengen ihre letzten Kräfte an, da — horch!— lustiges Trompetengeschmetter! Graf Pückler läßt sich von seiner Kapelle zum Konzert aufspielen! Klingt dieses lachende „Geschmetter“ nicht wie Hohn für die arbeiten⸗ den, rettenden, händeringenden Dorfbewohner und für alle, die herbeigeeilt waren, zu helfen? Ich bin Graf Pückler; wer seid Ihr? 1! Mehr als einmal wollte Graf Pückler, als der Damm, der den Schloßpark umgiebt, zu rutschen oder durchzubrechen drohte, den Schutzdamm an einer vom Schloß und Park möglichst weit entfern⸗ ten Stelle durchstechen lassen. Auf die Ge⸗ fahr aufmerksam gemacht, die dadurch begreif— licherweise für das Dorf entstehen müßte, sprach er zu dem neben ihm stehenden Leutnannt: „Mögen die Klein⸗Tschirner Bauern ersaufen, sie haben mich schon oft genug geärgert! Es sollte mir eine Freude sein, wenn ich im Kahne durch die Tschirner Dorfstraße fahren und Klein⸗Tschirne im Wasser ansehen könnte!“ Aussand. Der„Finger Gottes“. Der„Frkftr. Ztg.“ schreibt man aus Brüs⸗ sel: Das Schicksal des kurzlich verstorbenen ehemaligen Priesters und verdienstvollen Geologen Prof. A. Renard wirft charakte ristische Streiflichter auf das Thema„Wissenschaft und Klerikaltsmus in Belgien“. Etwa zwei Wochen vor seinem Tode erhielt der Gelehrte einen Brief, in dem ihm angedeutet wurde, daß seine entsetzlichen Leiden,— Renard starb an Krebs— die gerechte Strafe Gottes iet 1 05 le 0 — — Nr. 32. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. für seinen Abfall feien. Weiter heißt es dann in dem Briefe:„Ein Paternoster und ein Ave sind in den Prüfungen des Lebens mehr wert, um uns Kraft, Mut uund Resignatton zu geben, als alle philosophischen und wissenschaftlichen Erwägungen.“ Der Schreiber dieses Briefes aber war kein anderer als Herr Manston, Professor der Mathematik an der Universität Gent, Präsident der naturwissenschaftlichen Klasse der kgl. belgischen Akademie. Und was antwortete der sterbende Gelehrte seinem lang⸗ jährigen Freunde und ehemaligen Kollegen? Er schrieb ihm am 2. Juli, neun Tage vor seinem Tode:„Weit entfernt, zugeben zu können, daß meine gegenwärtigen Leiden die Strafe für meinen Austritt aus der Kirche und für meine Heirat seien, sehe ich diese beiden Handlungen vielmehr für die würdigsten und lobeswertesten meines Lebens an. Gerade der Gedanken an ste tröstet mich am meisten in den letzten Tagen meiner Existenz. Dies auszusprechen, schulde ich der Wahrheit!“ — Das sind ehrliche, tapfere Worte. Entwicklung der Sozialdemokratie in Oberhessen und den angrenzenden Bezirken. Wahlkreis Dillenburg⸗Herborn. Die Wahlen in diesem Kreise zeigen folgende Tabelle: ö 0 ö ö 8 E—— 2 2 2 I 3 3 F 83 SE f 85 1871 5771— 4094———— 1874 3556 11467————— 1877 3253 7221 32 3736——— 1878 4053 7049— 3444——— ee 1881 2462 1726 6175 2900———ĩ Stichw.—— 103 50* 36408——— 1884 7203— 7126———— 1887 10666]— 7481———— 1890 6959— 9392—— 148. 1898— 10254 5116— 2201089— 1898— 7343 569 3477 841— 2061 1903— 4733 809 4097131215267 4326 Stichw.— 7223 5——— 9337 * Liberale Vereinigung. Bund der Landwirte. Wie man aus der Tabelle ersehen kann, liebte die Wählerschaft dieses Kreises sehr die Abwechselung, fast bei jeder Wahl fiel er einer andern Partei zu, verbessert hat er sich dabei allerdings nicht. 1871 hatte ihn der zonservative Regierungs⸗Präsident a. D. Winter inne, der 1874 dem nationalliberalen Sanitätsrat Thi⸗ lenius Platz machen mußte. Dieser trat 1880 der Liberalen Vereinigung bei, wurde aber 1884 von dem Regierungs⸗Präsidenten v. Wurmb(Reichsp.) verdrängt. Die in der Tabelle für die Konservativen angegebenen Stimmen sind von 1884 ab als für die soge⸗ nannte Reichspartet abgegeben zu verstehen. Merkwürdigerweise eroberten im Jahre 1890 die Freisinnigen den Kreis, obwohl ihre Stim⸗ menzahlen nngeheuere Schwankungen aufweisen, auch später brachten sie nur noch einige hundert Stimmen auf. Bei der 1893er Wahl fiel der Kreis wieder den Nationalliberalen zu, die ihren Abgeordneten, den Amtsrichter Hoff⸗ mann in Rennerod, auch 1898 wieder durch⸗ brachten. Diesmal aber brachten sie es in der Hauptwahl nur zu einer verhältnismäßig nie⸗ drigen Stimmenzahl und in der Stichwahl unterlag Amtsrichter Hoffmann dem Rentier Burckhardt, dem Vertreter der„christlich⸗ sozialen“ Muckerpartei.— Die Sozialdemokratie, welche erst 1893 zum ersten Male mit einem Kandidaten auf den Plan trat, gewann bei jeder Wahl zirka 500 Stimmen. Auch fehlte es uns an agitatorischen Kräften. Nach dieser Richtung hin ist aber in der letzten Zeit einige Besserung eingetreten und bei durchgreifender Arbeit werden wir zur nächsten Wahl mit einer ins Gewicht fallenden Stärke auftreten können. Unter allen Umständen muß die heuchlerische Muckerpartei nicht blos im Dillen⸗ burger, sondern auch im Siegener Kreise wieder hinausgeworfen werden! Und das geschteht, sobald die zahlreichen Arbeiterwähler und kleinen Leute über das volksfeindliche Wesen der Stöckerianer aufgeklärt sind. Beherzigenswerte Worte schrieb bei Gelegenheit des 1897 statt⸗ gehabten 20 jährigen Jubiläums der „Chicagoer Arbeiterzeitung“ ein vor einiger Zeit verstorbener bekannter Arbeiterführer in den Vereinigten Staaten, Dr. Ernst Schmidt. Sie verdienen, allen Arbeitern zur Kenntnis gebracht zu werden: f „Nie sollte der Arbeiter durch Unter⸗ stützung kapitalistischer Preßorgane zum Verräter an sich und den Seinigen werden. Kleinliche Zwistigkeiten und Meinungs⸗ verschiedenheiten sollten ihm niemals hierzu den Anlaß geben. Wir können unmöglich Alle der⸗ selben Meinung über die beste und den meisten Erfolg versprechende Weise der Agitation und des Kampfes gegen das bestehende Unrecht sein, aber wir sollten fürs Erste jedem Mitkämpfer brüderlich die Hand reichen, von dem wir völlig überzeugt sind, daß er es aufrichtig und ehrlich damit meint, dieses Unrecht aus dem Wege zu räumen und so den Baugrund zu ebnen, auf dem das Gebäude einer freien und gerechten Gesellschaftsordnung aufgeführt werden kann. Dann wird es Zeit sein, uns über den Neuban zu beraten und zu verständigen. In der Zer⸗ splitterung hierüber liegt unsere Schwäche; nur bei dem brüderlichen Zusammenwirken Aller, die, ohne dabei ihren Grundsätzen Etwas zu vergeben, dem gemeinsamen Ziele Opfer zu bringen wissen und gewillt sind, werden wir unwiderstehlich und siegreich sein.“ Parteigenosse und Leser! Hast Du Freunde, Bekannte, Mitarbeiter, so erkundige Dich, ob sie Abonnenten Deines Parteiblattes sind. Wenn nicht, so erachte es als Deine Parteipflicht, sie für das Abonnement zu gewinnen. Du bist Mit⸗ eigentümer des Blattes und bist als solcher an der gedeihlichen Entwicklung desselben mitinteressiert. Sehe also zu, daß Du einige neue Abonnenten . für das Arbeiterblatt gewinnst. r Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. + Berliner Feilenhauerstreik. Die Feilenhauer Berlins und Umgegend beschlossen in einer am Montag stattgehabten Versammlung, in den Generalstreik einzutreten, weil die Feilen⸗ hauer⸗Innung den verlangten Lohntarif sowie alle sonstigen Forderungen rundweg ablehnte. In der Wurzener Teppich⸗ und Veloursfabrik haben am vergangenen Samstag zirka 80 Arbeiterinnen die Arbeit eingestellt. Die Differenzen der betr. Arbeiterinnen mit der Firma dauern schon viele Wochen; ste hatten ihren Ursprung in der Maßregelung einiger Kolleginnen wegen Zuge⸗ hörigkeit zur Organisation und angeblicher Veröffentlichung von Mißständen. Die Forde⸗ rungen bestehen in einem Mindestlohn von 12 Pfg. pro Stunde für die Teppich⸗ knüpferinnen, 8 Mk. pro Woche für die in der Weberei und Spinnerei beschäftigten Arbeiterinnen, 6 Mk. pro Woche für die Neu⸗ eintretenden usw. T Der Streik der Bauarbeiter Hamburgs ist beendet! Zwei Drittel der Innungsmeister haben die Forderungen bewilligt. Ueber 14 Geschäfte bleibt die Sperre bestehen. Tarifvertrag. Nach langen Ver⸗ handlungen haben das Dresdener Gewerkschafts⸗ kartell und die Verbände der Böttcher und Brauereiarbeiter einen Tarifvertrag mit den Brauereien von Dresden und Um⸗ gegend abgeschlossen. Der Vertrag, der nach mancher Richtung gegenüber den bisherigen Verhältnissen einen Fortschritt bedeutet, gilt bis zum 1. Juli 1906. eee Von Nah und Lern. Hessisches. — Staatliche Schlacht vieh versiche— rung. Der Entwurf eines Gesetzes über die Einführung einer staatlichen Schlachtviehver⸗ sicherung ist erschienen und den Interessenten: Metzgerinnungen, landwirtschaftlichen Ver⸗ einen ꝛc. zur Begutachtung übersendet worden. Dem Entwurfe, der noch im Herbste dieses Jahres den Landständen zur Beratung vorgelegt werden soll, seien folgende hauptsächliche Be⸗ stimmungen entnommen: Nach dem Art. 1 des Gesetzentwurfes wird für das Großherzogtum Hessen eine staatliche Viehversicherungsanstalt auf Gegenseitigkeit unter staatlicher Verwaltung errichtet. Versicherungspflichtig sind die im Gebiete des Großherzogtums zur Schlachtung kommenden über 3 Monate alten Rinder und Schweine. Gießener Angelegenheiten. — Erwerbt die Staatsangehörig⸗ keit! Für die nächste Zeit steht zwar teine Landtagswahl in Hessen bevor, trotzdem erscheint es uns sehr angebracht, an die Erwerbung der Staatsangehörigkeit zu erinnern. Möge jeder in Hessen ansässige Genosse, der dem hessischen Staatsverbande noch nicht angehört, bei Zeiten dafür Sorge tragen, daß er vorkommenden Falls nicht von der Ausübung der wichtigsten staatsbürgerlichen Rechte ausgeschlossen ist. In vielen Fällen dauert es immer einige Zeit, bis die Formalitäten erledigt sind und wenn erst kurz vor einer Wahl das Nötige zur Erwerbung der Staatsangehörigkeit eingeleitet wird, kann es vorkommen, daß die Sache dann nicht mehr zur Erledigung kommt.— Formulare sind, wie bekannt, bei dem Vorstand des Kreiswahlvereins (auch in der Wirtschaft Orbig) zu haben und bei Abfassung der etwa sonst noch erforderlichen Schriftstücke sind wir gern bereit, den Genossen an die Hand zu gehen.— Auch derjenige besitzt die hessische Staatsangehörigkeit micht, der zwar in Hessen geboren ist, dessen Eltern aber Nicht⸗Hessen waren. Nur dann sind die Kinder hessische Staatsangehörige, wenn die Eltern vor ihrer(der Kinder) Groß jährig⸗ keit Hessen geworden sind. Daß es in manchen Fällen gut ist, wenn man sich über seine Zugehörigkeit zu irgend einem der zahlreichen deutschen Vaterländer Gewißheit verschafft, beweist der Fall eines Heuchelhe imer Genossen, der kürzlich in den Nachlaßpapieren seines Vaters eine Urkunde fand, aus der hervorging, daß der Vater schon vor langer Zeit in den hessischen Staatsverband aufgenonmen worden war. Von dieser Tat⸗ sache war den Söhnen nichts bekannt, sie be⸗ mühten sich infolge dessen nochmals um Er⸗ werbung der Staatsangehörigkeit, was sie gar nicht nötig gehabt hätten. Nun sind die Ge⸗ nossen doppelt Hessen, was ihnen allerdings weiter nichts nützt. — Die Wahlvereinsversammlung am Samstag war recht gut besucht. Zunächst erstattete der Vorsitzende Beckmann den Vorstandsbericht, in dem er kurz auf die Reichstagswahl hinwies, bei welcher der Vorstand eine umfassende Tätigkeit entwickeln mußte. — Die Schriftenkolportage hat sich ganz leidlich ent⸗ wickelt; sie ergab in etwas mehr als einem Jahre einen Ueberschuß von Mk. 245.02. Das sei ja für diesen Zeitraum nicht viel, man könne aber damit für den Anfang zufrieden sein— 200 Mk. davon wurden dem Wahlfonds überwiesen.— Der Kassenbericht für das erste Halbjahr 1903 weist eine Einnahme von Mk. 432.79 und eine Ausgabe von Mk. 321.16 auf, es verbleibt mithin ein Kassenbestand von Mk. 111.63. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeit der Abrechnung, worauf der Kassierer entlastet wird.— Bei der Vor⸗ standswahl wurden die bisherigen Mitglieder desselben auf Antrag des Genossen Keßler durch Akklamation wiedergewählt.— Genosse Krumm spricht hierauf über die neue Friedhofs- und Begräbnisord nung, deren wichtigste Bestimmungen er mitteilt und die wir, weil es in unserem Blatte noch nicht geschehen ist, aus⸗ zugsweise wiedergeben wollen.— Der Friedhof ist Eigen⸗ tum der Stadtgemeinde, seine Verwaltung ist der Friedhofskommisston übertragen, welche zur Aufsicht einen Friedhofsaufseher bestellt. Diesem ist das Beerdigungs⸗ personal unterstellt, seine Obliegenheiten sind durch eine 8 74 — . 8 . — — 9 —.— ——— 5 e — — ä—— ———— — TÄ Seite 4. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitnug. Nr. 32. besondere Dienstvorschrift geregelt.— Alle Beerdigungen und was damit zusammenhängt, besorgt das mit dem Standesamt verbundene Begräbnisamt.— Jeder Todesfall muß sofort bei dem Standesamt angezeigt werden, d'ese Meldung gilt zugleich für das Begräbnis⸗ amt. Innerhalb 24 Stunden wuß jede Leiche in die Leichenhalle des Friedhofs verbracht werden. Die Be⸗ erdigung ist erst 48 Stunden nach eingetretenem Tode gestattet.— Auf Wunsch der Hinterbliebenen vermittelt das Begräbnisamt auch die Bestellung des Sarges.— Die Gebühren für die Grabstätten und die Be⸗ erdigungen sind annä ernd dieselben als früher. Soweit die Gebühren für die Reihengräber in Betracht kommen, richten sie sich nach dem Einkommen des Zahlungs⸗ pflichtigen. Bei Einkommen unter 900 Mk. geschieht die Abgabe des Grabes unentgeltlich. Im Uebrigen betragen die Sätze bei Einkommen des Zahlungspflich⸗ tigen über 2600 Mk.: Für einen Erwach senen: 20 Mk.; für ein Kind von 3— 10 Jahren 15 Mk.; für ein Kind unter 3 Jahren 5 Mk.; bei einem Einkommen von 900 bis 2600 Mk. die Hälfte der obigen Sätze. Der Entwurf sah die Un⸗ entgeltlichkeit der Gräber bis zu 1500 Mk. Einkommen vor; die„liberalen“ Stadtväter haben aber die Vorlage verschlechtert. Weiter sind an Beerdigungskosten zu zahlen, einschließlich der Gebühren für den Laichen⸗ wärter oder Leichenfrau: 5 für einen Erwachsenen 50 Mk.; für ein Kind von 3— 10 Jahren 30 Mk.; für ein Kind unter 3 Jahren 20 Mk.; wenn ein Leichenwärter oder Leichenfrau nicht zugezogen wird, sind die entsprechenden Sätze 45, 25 und 15 Mk. Diese Beträge können auf Nachsuchen vom Bürgermeister auf die Hälfte ermäßigt werden, wenn der Zahlungs⸗ pflichtige unter 2600 Mk. Einkommen hat.— An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Debatte, an der sich Diehl, Keßler, Bock und Fourter beteiligten. Allgemein wird betont, daß die angesetzten Gebühren entschieden zu hoch sind. Dann wird getadelt, daß unsere beiden Vertreter gerade bei der Verhandlung über die Begräbnisordnung in der Stadtverordnetenversamm⸗ lung fehlten. Krumm erklärt im Schlußwort, daß Fälle, wo beide Genossen verhindert sind, sehr leicht vorkommen können. Man müsse eben mehr Sozial⸗ demokraten in die Stadtverordnetenversa mlung wählen! Im Uebrigen sei ja leicht getadelt; man müsse doch bedenken, daß er wie Orbig„nebenbei“ noch andere Beschäftigung hätten. Schließlich geht Redner noch auf die„Friedhofs- affaire“ ein. Der Friedhof sei unkonfessionell; eine einzelne Konfession kann ihn nicht weihen. Pfarrer Naumann sei in dem Streite der schuldige Teil, der Oberbürgermeister sei weit genug entgegengekommen. Infolge zu großer Nachgiebigkeit kirchlichen Ansprüchen gegenüber hatte die Stadt ohnedies 40 000 Mk. mehr Kosten. Soviel kostet das Kreuz auf der Kapelle! Damit war man einer Religions genossenschaft entgegen⸗ gekommen. Das mußte man den andern gegenüber auch. In besonders unschöner Weise wurde von Seiten eines Geistlichen der Oberbürgermeister als„Katholik“ präsentiert, obwohl man ganz genau wußte, daß man damit etwas Falsches behauptete; man schämte sich so— gar nicht, auswärts in diesen Privatangelegenheiten herumschnüffeln zu lassen! Nun ist ja in dieser Sache Beschwerde bei dem Ministerium eingelegt und man wird sehen, was dabei herauskommt. Bemerkt muß noch werden, daß diverse„Freisinnige“ bei dieser Affaire eine recht klägliche Rolle gespielt haben.— Hierauf trat man in die Besprechung des vierten Punktes der Tagesordnung:„Kreiskonferenz“ ein. Von mehreren Seiten wurde hierbei gewünscht, die Preß⸗ verhältnisse auf der Konferenz zu erörtern und vorge— schlagen, zunächst die Ansammlung eines Fonds zu betreiben. Diesem wird zugestimmt und demgemäß ein entsprechender Antrag an die Konferenz gestellt werden. Als Delegierte werden Diehl, Fourier und Keßler gewählt. r. Schneiderversammlung. Am Montag, 3. Aug., fand im Lokale Orbig eine gut besuchte Schneider⸗ versammlung statt, in welcher Gen. Mirus⸗Frankfurt a M. über die gegenwärtige Lage im Schneiderverband sprach. In vorzüglicher Weise führte der Referent in 1½ stündiger Rede den Versammelten vor Augen, wie unbedingt notwendig der gewerkschaftliche Zusammenschluß der Arbeiter ist. Gerade im Schneidergewerbe sei ein solcher vonnöten, denn die wirtschaftliche Lage der Arbeiter lasse auch hier viel zu wünschen übrig. Die Gehilfenschaft möge sich ein Beispiel an der Unternehmer⸗ organisation nehmen, die in kurzer Zeit aus wenigen lokalen Verbänden zur Zentralorganisation ausgebant worden sei zu dem ausgesprochenen Zwecke, überall da, wo die Gehilfenschaft wegen Verbesserung ihrer Lebens⸗ lage vorstellig werde, diese Bestrebungen besser bekämpfen und unterdrücken zu können. Anch die Gießener Schneidergehilfen hätten alle Ursache, wachsam zu sein; denn auch hier habe sich ein Verein der Meister gebildet, der, wie Herr Möller(in Firma Schwarz Söhne) bei Konstitnierung des Vereins betonte, den Zweck verfolge, zum„Schutze“ des Gewerbes„unberechtigte Forderungen“ der Gehilfen abzuwehren. Redner forderte zum Schlusse die Versammelten auf, mit allen Kräften den Ausbau der Organisation in Angriff zu neh men, und nicht eher zu rasten, bis auch der letzte dem Verbande fernstehende Kollege sich diesem angeschlossen habe. In der Diskussion bezweifelte u. a. Schneider Diehl, daß selbst der beste Tagarbeiter einen Durchschnittswochenlohn von mehr als 22 Mk. erhalte. Ziehe man dabei die Länge der Arbeitszeit, bei Heimarbeitern die häufige Mithilfe der Frau usw. in Betracht, so ständen die hiesigen Schneider⸗ gehilfen im Durchschnittsstundenlohn noch hinter den städtischen Arbeitern zurück.— In seinem Schlußwort betonte der Referent nochmals, daß es Pflicht jedes einzelnen sei, die lässigen und indifferenten Kollegen aufzurütteln, damit auch die Gießener Schneider bei etwaigen Anstürmen von seiten der Unternehmerorgani⸗ sation gut gewappnet seien. r. Die Freie Turnerschaft Gießen richtete an die Stadtverwaltung eine Eingabe um zeitweilige Ueberlassung einer städtischen Schulturnhalle zur Ab⸗ haltung ihrer Turnst unden. In der letzten Stadtver⸗ ordnetensitzung sagte Oberbürgermeister Mecum Prüfung der Eingabe zu, und ging dieselbe der betr. Kommission zu. Hoffen wir, daß die Turner mit ihrer Eingabe Erfolg haben. — Ferien! Mit dem Ablauf der nächsten Woche beginnen für die Gießener Volksschulen ebenfalls die Ferien, auf die unsere Kleinen sich schon wochenlang freuen. Hoffentlich bekommen wir gutes Wetter, damit sich die junge Welt nach Herzenslust im Freien tummeln kann. Es ist schade und unseres Erachtens nicht richtig, daß der Schulschluß erst in vorgerückter Jahres⸗ zeit erfolgt, wo die Tage schon kürzer werden und in der Regel das Wetter unfreundlicher. Dieses Jahr trifft das allerdings ausnahmweise weniger zu. Besser wäre es, wenn in der gewöhnlich heißesten Jahreszeit 4 Wochen und im Frühherbst nochmals 14 Tage Ferien gegeben würden. Die höheren Schulen haben übrigens bereits geschlossen und 6 Wochen Pause. Warum ein derartiger Unterschied gemacht wird? Den ärmeren und schleuter genährten Kindern der Volksschule ist doch eine längere Erholung mindestens so nötig als denen der„besseren“ Leute, dasselbe trifft auf die Lehrer zu. Der Klassenunterschied tritt eben überall zu Tage. — Zur Obstzeit ist die Mahnung ange⸗ bracht, das auf dem Markte gekaufte Obst einer gründlichen Reinigung zu unterziehen, bevor man es genießt. Durch den Straßen- staub, durch Fliegen ꝛc. wird das in den Ver⸗ kaufsständen feilgebotene Obst natürlich ver⸗ unreinigt, außerdem geht es, ehe es vom Kon⸗ sumenten gekauft und gegessen wird, durch viele Hände, die nicht immer ganz sauber sind. Darum ist das Reinigen desselben vor dem Genusse unbedingt nötig. r. Bei der 2. hessischen Kammer ist eine Vorstellung unserer Genossen zu Bieber ein⸗ gegangen, betr. den Protest des Karl Döring zu Bieber gegen die Wahlmännerwahl dortselbst. Unsere Genossen bezeichnen die in obigem Protest aufgestellten Behaup⸗ tungen, die Wahlkommission habe nur aus Sozialdemo⸗ kraten bestanden, ferner daß 100 Personen in die Wählerliste eingetragen worden seien, die nicht stimm⸗ berechtigt gewesen waren usw., in ausführlicher Be⸗ gründung als unwahr. Im Anschluß hieran führen unsere Bieberer Genossen eine ganze Reihe von Fällen an, in denen verschiedenen Wählern resp. deren Frauen Geldgeschenke angeboten wurden, sofern die betr. Wähler für die Wahlmänner des Herrn Lammert stimmen würden. Wahlbeeinflussungen zu Gunsten Lammerts wurden ferner dadurch versucht, daß man Steuer- reste einzelner Wähler am Tage der Wahl bezahlte, ver⸗ schiedenen Arbeitern mit Brotlosmachung drohte, falls sie rot wählten usw. Und bei derartig krassen Gesetzes⸗ verletzungen wagen unsere Gegner noch von sozialdem. Terrorismus zu sprechen und„Wahlproteste“ einzureichen. Aus dem Nreise gießen. p. Metallarbeiter-Versammlung in Lollar. Eine gut besuchte Metallarbeiter— Versammlung fand am 28. Juli im Lokale „Zum Schwanen“ statt. Ehrler-⸗Frankfurt referierte über den Einfluß der Krise auf die Gewerkschafts-Organisation. Dieselben hätten sich die Frage vorzulegen, welche Lehren für ste aus den Krisenjahren zu ziehen seien, wie sich die Gewerkschaften in Zukunft verhalten müßten, um dem vereinigten Unternehmertum gewachsen zu sein. Hocherfreulich sei, daß trotz der schlechteren Lohnverhältnisse der Metall⸗ arbeiter⸗vVerband ganz gewaltig zugenommen habe. Das beweist, daß die Avbeiterschaft den Wert der Organisation erkannt hat. Fester Zusammenschluß ist jetzt nötiger als je, wo das Unternehmertum versucht, durch Massen⸗ aussperrungen die Arbeiter-Vereinigungen zu vernichten. Anfänge dazu sehen wir an ver⸗ schiedenen Orten, bei uns in Iserlohn und ähnlich in Dänemark und i.! England. Unsere Mitglieder haben aber trotz höherer Beiträge tapfer Stand gehalten; das muß die Kollegen in Lollar anfeuern, ebenfalls ihre Pflicht zu tun und soviel in ihren Kräften steht, für Besserung ihrer wahrhaftig höchst ungürstigen Arbeits- und Lebensverhältnisse zu sorgen. Die Ausführungen des Redners fanden beifällige Aufnahme. Aus dem Rreise Wetzlar. * Hinter dem durchg ebrannten Kaufmann Hermann Jakob zu Wetzlar ist von der Staatsanwaltschaft zu Limburg ein Steckbrief wegen Wechselfälschung, als schwerer Urkundenfälschung, erlassen. Ueber das Ver⸗ mögen des Flüchtigen ist der Konkurs eröffnet. Die Höhe der durch Fälschungen, Betrug und Vorspieglung falscher Tatsachen ergatterten Summen dürfte nach den bisher erfolgten Feststellungen etwa 90 000 Mk. betragen. Der Vorschuß⸗ und Kreditverein Wetzlar ist mit zirka 22 000 Mk. an den Verlusten beteiligt. * In der letzten Sitzung der Handelskammer wurde als künftiger Syndikus Herr Dr. Wickert aus Wies⸗ baden vorgestellt und eingeführt. Ueber die Gründe des plötzlichen Rücktritts des früheren Syndikus, sowie des seitherigen Schatzmeisters wurden— auffallender Weise— keine offiziellen Mitteilungen gemacht. * Die Bahnfrage— Wetzlar-Usingen— wurde durch eine Petition der altstädtischen Handel- und Ge⸗ werbetreibenden aufgerollt, welche eine Linienführung Wetzlar⸗Süd, Nauborn, Laufdorf, Solmsbachtal, befür⸗ wortete. Die Handelskammer zeigte in ihrem Beschluß über die Petition wenig Gegenliebe und sprach sich für die Route Albshausen, Solmsbachtal aus. Die letztere Linie wird die Altstadt erheblich schädigen, da sie den Verkehr aus 8 Dörfern des Solmsbachthales ablenkt. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. R. Das 10 jährige Bestehen des Deutschen Holzarbeiter⸗Verbandes wurde von den hiesigen organisierten Schreinern am letzten Sonntage im festlich geschmückten Saale des Herrn Hildemann unter starker Beteiligung gefeiert. Der Vorsitzende, Koll. Weiershäuser, hielt die Festrede, in der er die anwesenden Kollegen auf⸗ forderte, dahin zu wirken, bis auch der letzte Schreiner in Marburg dem Verbande zugeführt wird. Versammlungen. Der Arbeiter⸗Gesang⸗ Verein Eintracht hält am Sonntag, den 9. August, vormittags punkt 11 Uhr bei Jesberg seine General versam mlung ab, an der sich aktive sowie passive Sänger beteiligen wollen. Am Dienstag, den 11. August findet eine öffentliche Bauarbeiter-Versammlung 115 Jesberg statt. Anfang abends präzis 7 Uhr. Eine öffentliche Parteiversammlung findet am Sonnabend, den 15. Augnst bei Jes⸗ berg statt. Wie aus dem Inserat ersichtlich, ist die Tagesordnung eine reichhaltige und ist zahlreicher Besuch daher zu erwarten. Zur Marburger Stichwablange⸗ legenheit erhalten wir folgende Zuschrift: Der„Vorwärts“ verkündet in der Marburger Stichwahlangelegenheit Schluß der Debatte! Eine Anerkennung seiner Schuld haben wir nicht erreicht! Mit großem Geschick hat er stets den prinzipiellen Punkt umgangen. Er verteidigt sich gegen Vorwürfe, die wir nie erhoben und erhebt Klage gegen uns um Dinge, die wir nie begangen. So wurde es ihm leicht, den Schein des Rechtes für sich zu wahren! Immer wieder erscheint die Frage nach der taktischen Richtigkeit oder Falschheit des hiesigen Stichwahlbeschlusses im Mittelpunkt der Er⸗ örterung, während unserm eigentlichen Anklage⸗ punkt gegenüber bisher auch nicht einmal der Versuch einer Verteidigung gemacht worden ist. Sollte der„Vorwärts“ wirklich noch nicht erkannt haben, worum es sich handelt, und trägt vielleicht unser eigenes Ungeschick die Schuld, daß trotz so langer Verhandlungen dieser eine Punkt noch immer nicht zur Klar⸗ heit gekommen ist? Wir nehmen bescheiden ger Nr. 32. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. uns selbst als die Schuldigen an und versuchen daher noch einmal vor den Genossen das Wesentliche unzweideutig und übersehbar dar⸗ zulegen!— 1) Es handelt sich in dem obschwebenden Streite nicht mehr oder nicht in erster Linie um die Frage nach der taktischen Richtigkeit oder Falschheit des hiesigen Stichwahlbes chluss es! Der Beschluß— gleichgültig ob taktisch richtig oder falsch— lag ordnungsmäßig gefaßt tatsächlich vor! Nun die Prinzipienfrage: a) War der„Vorwärts“ befugt, diesem Beschlusse gegenüber zu intrigieren? p) Hatte die Parteileitung,„der Vor⸗ wärts“, oder irgend ein einzelnes Parteimitglied das Recht, über den Kopf der hiesigen Ortsgruppe hinweg mit dem Gegner zu paktieren? Daß derartige Machenschaften tatsächlich vorgekommen sind, ist leider gewiß! Durch Telegramm des Abgeordneten Genossen Heine ist jene„Vorwärtsnotiz“ mit Ueber gehung der hiesigen Ortsleitung sofort in die Hände des nationalsozialen Kandidaten von Gerlach gelangt. Diesem Punkte wird von hier aus noch weiter nachgegangen werden! 2) Wir haben nie und nirgends dem „Vorwärts“ das Recht bestritten, an unzweck— mäßig erscheinenden Beschlüssen einzelner Orts⸗ gruppen Kritik zu üben. Wir würden auch einer solchen selbst scharf gefaßten Kritik 10 5 niemals den Empfindlichen gespielt aben. Die beliebte Fassung als diktatorisches Dekret überschritt jedoch durchaus die Befugnisse des„Vorwärts“ und mußte nach aller Vor⸗ aussicht geeignet sein, die hiesige Organisation zu desorganisieren. 3) Endlich bestand für solch' intrigenhaftes und illoyales Vorgehen von seiten des„Vor— wärts“ auch nicht der geringste Scheingrund! In der ganzen Stichwahlangelegenheit ist von der hiesigen Ortsgruppe durchaus ordnungs- gemäß und loyal verfahren worden! Die Bemerkung des„Vorwärts“, der hiesige Beschluß sei ihm erst aus der„Frankfurter Zei⸗ tung“ bekannt geworden, verschleiert den wahren Sachverhalt. Gleich nach der Hauptwahl ist von seiten des Genossen Bader Bericht an die Parteileitung erstattet worden mit Darlegung der hiesigen Verhältnisse und der Bitte um Angabe einer Stichwahldtirektive! Der Bescheid auf diese Anfrage, welcher der beabsichtigten Stimmenenthaltung zustimmte, wurde in der ordentlichen Partei⸗ versammlung zur Verlesung gebracht.— Vor Beschlußfassung also war bie Partei⸗ leitung durchaus über die örtliche Lage orientiert und konnte, wenn es geboten schien, ihr be⸗ stimmendes Gewicht rechtzeitig in die Wage werfen. Den gefaßten Beschluß hat dann Genosse Dr. Michels sofort der Parteileitung mitgeteilt. 4) War noch in später Stunde eine Aende⸗ rung der Stichwahltaktik wünschenswert ge⸗ worden, so mußte ein entsprechender Bescheid der hiesigen Ortsleitung sofort telegraphisch übermittelt werden!— Einem ordnungsmäßig gefaßten Beschlusse gegenüber gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder: strenge Auf⸗ rechterhaltung, unbekümmert um et⸗ waige Aenderungen der Lage— oder: Aufhebung beziehungsweise Ergän⸗ zung desselben durch eine neue ord⸗ nungsmäßige Versammlung! 5) Zuletzt noch ein Wort über die Gründe der hiesigen Taktik! Wir bekämpften Gerlach nicht als isolierten, immerhin liberal gesinnten Mann, sondern als Mitglied einer bedenklichen Partei! Diese Partei— das wußten wir genau— stand und fiel mit Gerlachs Wahl oder Nichtwahl! In unserer Hand lag es also unter Umständen, eine Parteiorganisation von der Bildfläche verschwinden zu lassen, die nur geeignet ist, Verwirrung und Unklarheit zu stiften, eine Partei überdies, deren Wähler — wie Naumann selber ausgesprochen— nicht um des sozialen Teiles ihres Pro⸗ gramms den nationalsozialen Kandidaten ihre Stimme geben! In Summa: Die Zweckmäßigkeit der hiesigen Stichwahlbewegung ist diskutabel! Von unserer Seite ist in dieser Hinsicht auch niemals Schwierigkeit erhoben worden. Der Münchener Parteitag steht auf unserer Seite. Innerhalb der durch ihn ge⸗ zogenen Grenzlinien müssen die Eutscheidungen der Ortsgruppen durchaus autonom sein! Es gab einen geordneten Weg, Beschlüsse, gegen welche noch in letzter Stunde Bedenken erhoben, einer Revision zu unterziehen. Dieser ordnungsmäßige Weg ist nicht einge⸗ halten worden, vielmehr sind unbegründete Zwangsmaßregeln ausgeübt und über die Köpfe der hiesigen autonomen Gruppe hinweg, direkte und indirekte Hilfsdienste dem Gegner geleistet worden. Wegen dieser Vorkommnisse, und ihret⸗ wegen allein erheben wir Beschwerde! Dr. Ernst Thesing. * Obwohl wir mit dem Vorwärts der Meinung sind, daß es angezeigt erscheint, in dieser Angelegenheit Schluß der Debatte zu machen, hielten wir uns aus mehreren Gründen für verpflichtet, die Ausführungen des Genossen Dr. Thesing aufzunehmen, allerdings zwangen uns Rück⸗ sichten auf den Raum zu einigen unwesentlichen Kürzungen. Unsern Standpunkt in dieser Sache haben wir schon vor der Stichwahl angedeutet. Wir hielten die Unter⸗ stützung Gerlach's für geboten, weil das Gegenteil die Wahlhilfe für den Zollwucherer und Wahlrechtsfeind bedeutet hätte. Aber darum dreht sich ja, wie Genosse Thesing ganz richtig bemerkt, der Streit eigentlich nicht, sondern darum, daß von parteigenössischer Seite unbefugt gegen die regelmäßig zu Stande gekommenen Beschlüsse der Marburger Partei gearbeitet wurde. Und hierin müssen wir den Marburger Genossen Recht geben. Wir billigen die Ausdrücke des Genossen Dr. Thesing, der in Bezug auf den„Vorwärts“ und Genossen Heine von„intrigieren“ und„mit dem Gegner paktieren“ spricht, nicht, denn beide glaubten sicher im Interesse unserer Sache zu handeln, aber halten die vom„Vorw.“ und Genossen Heine beliebte Art der Einmischung in die Marburger Parteiangelegenheiten für unzulässig. Unbegreiflich erscheint uns, wie Heine dazu kommen konnte, den Nationalsozialen die Vorwärtsnotiz telegra⸗ phisch zu übermitteln. Das war ganz entschieden nicht seine Sache, auch wenn er mit v. Gerlach persönlich befreundet ist.— Schließlich sei noch bemerkt, daß in⸗ folge eines Druckfehlers im„Vorw.“ der Irrtum ent⸗ stehen konnte, daß ein die Wahl Gerlach empfehlender Brief vom Parteivorstand kurz vor oder nach der Partei⸗ versammlung eingetroffen sei. Das ist nicht richtig und damit erledigt sich auch die Zuschrift eines anderen Marburger Genossen. Red. d. M. S.⸗Ztg. Eine beispiellose Roheit. Unser Münchener Parteiblatt berichtet aus Halle a. S: Die wohlhabenden Gutsbesitzer— söhne Wilhelm Heese und Paul Freyer aus Rabutz bei Gröbers, die an zweiten Pfingstfeiertage den Schmied Emil Wust ge⸗ legentlich eines Pfingstvergnügens ohne Anlaß derartig mißhandelt hatten, daß an Wusts Auf⸗ kommen gezweifelt wurde, standen am ver— gangenen Samstag wegen Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behand— lung vor der Ferienstrafkammer. Beide renom— mierten damit, bei den Garde-Husaren bezw. Garde⸗Dragonern gedient zu haben und gute Kriegervereinsmitglieder zu sein. H. ist sogar Unteroffizier gewesen und sein Vater ist Vertrauensmann des Bundes der Landwirte. Nachdem sie dem armen Schmied beim Niedersetzen aus reiner Rauflust die Bank weggezogen hatten, zogen sie ihn in den Hausflur, stießen ihn mit dem Kopf gegen die Türklinge und gegen die Wand, dann rannten sie ihn mit dem Leib wiederholt gegen eine Tischkante, so daß der als Sachverständiger geladene Arzt bewunderte, daß keine Zerreiß⸗ ung des Magens und der Leber des Verletzten stattgefunden hat. Schließlich stürzten sie den Mißhandelten die nach dem Hofe führende Treppe hinunter, schleppten ihn fast leblos nach dem Pissoir und ließen ihn dort liegen. Der Verletzte hat an Gehirnerschütterung schwer krank gelegen und kann sich heute noch nicht bücken. An Arbeit kann er vorläufig nicht denken. Das Gericht bezeichnete die Tat als eine ungeheuerliche Roheit, verur⸗ teilte Heese zu zwei Jahren und Freyer zu sechs Monaten Gefängnis. H. be⸗ fand sich in Haft. Wieder ein Bankschwindler. Der Kommerzienrat Viktor Hahn von der liquidierenden Dresdener Bankfirma Eduard Rocksch Nachfolger wurde auf Grund eines Verstoßes gegen das Depotgesetz von 1896 wegen eigenmächtiger Weiterpfändung fremder Depots verhaftet. Die Delikte sollen vor der Liquidation datieren. Die Dresdner Bank, welche mit anderen die Liquidation durchführt, hat nichts damit zu tun; überhaupt soll keine Denunziation vorliegen, sondern der Staatsanwalt auf Grund ihm vorliegender Akten eingeschritten sein. — Ein bürgerliches Blatt schreibt dazu: Wenn die jetzt eingeleitete Untersuchung gegen Geheimen Kommerzienrat Hahn für ihn ein schlimmes Ende nimmt, so ist er in erster Linie als das Opfer einer maßlosen Groß— mannssucht anzusehen. Die Früchte seiner Finanzoperatlonen und Spekulationen schienen ihm nur Mittel zum Zweck, sich bei geeigneter Gelegenheit zur Geltung zu bringen und so seine Ehren zu ernten. Doch erkennt das Blatt an, daß Hahn zu bedeutenden finanziellen Opfern sich oft bereit gefunden hat. Ob es meint, daß diese Aehnlichkeit mit den„Darlehen“ der Pommern— bank an den Presseklub haben? Kleine Mitteilungen. * Der Raubmörder Detrois, bekanntlich in Mainz wegen Ermordung seiner Tante in Spornsheim zum Tode verurteilt, hatte mit einem andern Verbrech er einen Fluchtversuch verabredet. Seine Revision ist vom Reichsgericht verworfen worden. Nur rechnet er noch auf die Begnadigung. ** Ein verhängnisvolles Hochzeitsmahl. Von den Teilnehmern an einem Hochzeitsmahl in Sammenheim bei Gunzenhausen sind dreizehn Personen schwer erkrankt; ein Teilnehmer ist bereits gestorben. * Verunglückte Arbeiter. Donnerstag vo⸗ riger Woche wurden zwei Bergleute der Zeche„Erin“ bei Dortmund vom fallenden Gestein verschüttet; einer davon wurde getötet.— Durch die Explosion eines Kessels mit Teer in einer Kohlendestillation zu Bochum wurden sechs Arbeiter schwer verletzt. Der Teer wurde viele hunderte eter weit geschleudert. Partei-Nachrichten. Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach⸗Schotten. Sonntag, 16. August, nachmittags 4 Uhr, findet zu Alsfeld auf der Pfefferhöhe eine Kreiskonferenz statt.— Tages or nung: 1. Rechnungsablage; 2. Delegiertenwahl zur Landeskonferenz; 3. die Reichs⸗ tagsstichwahl; 4. Verschiedenes. Um zahlreiche Beteilt⸗ gung ersucht Der Kreisvertrauensmann. Jakob Eder. Die Parteigenossen, welche noch im Besitze von Sammellisten von der Reichstagswahl sind, sowie alle die⸗ jenigen, welche noch Forderungen an das soz. Wahlkomitee haben, werden ersucht, dieselben bis 20. August d. J. an Aug ust Bock, Dammstraße 22 einzusenden. Das soz. Wahlkomitee. Versammlungskalender. Samstag, den 8. August. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versan un lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbetter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag.— Brauer. Abends 9 Uhr Versammlung bel Lö b „Wiener Hof.“ Sonntag, den 9. August. Friedberg. Soz. ⸗dem. Wahl verein. Abends 8½ Uhr Versammlung in Stadt New-Mork. Donnerstag, den 13. August. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends ½9 Uhr Mitgliederversammlung im Vereinslokal. Briefkasten. C. B. Vielleicht in nächster Nr. Im Uebrigen Weiteres sehr angenehm, natürlich stets nur, was un⸗ bedingt der Wahrheit entspricht. — Eee 7 0 . 1 * ———„— 5 .. e r r 7 4 N — r Se ite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 32. 2 1 N SSS 0 Unterhaltungs-Ceil. 7 ————ů— 2 Der Wunderschrank. Vaterländische Erzählung von Ludwig Schierk. (Fortsetzung.) III. Der glücklichste aller Menschen ist doch der Schmied im Dorfe. Da steht er im Schurzfell, die Ledermütze schief auf dem Ohr neben seiner Hölle, ein rechter König der Arbeit. Wie er seine Eisenstäbe schiebt und wendet, wie er den Hammer sausen läßt, es geht doch Alles nur nach seinem Willen. Recht ge⸗ mächlich, wie der Bürgermeister vor dem Ratstische, steht er mit den beiden Beinen vor dem Amboß. Sein gehorsamer Sklave, der schielende Feuerjunge, knetet pflichtängstlich an den Bälgen. Er kann ihn ohrfeigen oder mit dem Fuße treten, er kann ein Eisenstück nach ihm werfen oder den Wasserkrug über ihn aus⸗ schütten, ganz nach Laune und Bedürfnis, wie der König dem Kanzler. Aber die Leute sind mit nichts zufrieden. Aber der lange Hans, Wagen- und Huf⸗ schmied des Nelkendorfes, hat ein kleines Häuschen neben dem braunen Dorfwege. Vor der schwarzen Seitentür, durch die man seine mächtige Gestalt beim Feuer sehen kann, stehen immer zwei oder drei Pferde, indes die Bauern in der Schmiede sind und der Arbeit zusehen. Er sagt ihnen den Preis, schreibt ihn auch des öftern in ungefügen Zeichen mit Kreide an die lange schwarze Tafel und erwidert, wenn sie gehen, ihren Gruß sehr obenhin. D innen in der reingefegten Stube sitzt sein Lenchen, das hübsche Kind, nach dem sich die Burschen die Hälse verdrehen. Blumen- töpfe an den Fenstern, im Käfig zwei grüne Dorfheckenvögel, in der Ecke der große Kachel⸗ ofen... aber der Alte flucht und wettert den ganzen Tag. „Blasius, du Hundsjunge, das Feuer geht aus. Du bist ein Kerl, wie mein Schulgenoß in der Stadt. Hat auch geknetet und gezogen an meinen Bälgen, daß die Hölle so lustig glühte und ließ dann doch den Brand mit Fleiß ausgehen, daß wir alle verküolten, meine Alte und Lenchen und ich auch! O, daß ich den Heidenschädel mit seinem Banknotenkasten und seinem windigen Pomadejungen einmal unter dem Hammer da hätte! Mich aus dem Haus rumpeln lassen, daß ich in das Bettel— dorf mußte! Aus dem Haus, in dem das Lenchen zur Welt kam... in dem meine arme Alte starb vor lauter Kummer und Schande!“ Dem Schmid fällt der Hammer aus der Hand. Er schlägt beide Hände vor das grau⸗ bärtige Gesicht, und seine Brust keucht unter dem Drucke eines mühsam getragenen Loses. Blasius knetet derweil an den Bälgen. Ja, die Leute lesen nichts! Da ist der große Dorfgeschichtenschreiber, der aus den Volke und fürs Volk geschrieben hat. Wozu all die tugendheften Brosis, die demütigen Barfüßele, die fleißigen Steinhauer, die philo⸗ sophischen Uhrmacher, wenn sich Niemand an ihnen ein Beispiel nimmt? Warum hat der lange Schmied nicht das lehrreiche„Edelweiß“ gelesen?„So morgens aufstehen, und da ist eine Arbeit, die wartet; das tut wohl und hilst auf; und wenn ich feile, da feile ich mir alle nichtsnutzigen Späne aus dem Kopfe, und wenn ich hämmere, gebe ich allen schweren Gedanken einen Schlag und fort sind sie.“ Ist das kein Trost für die bösen Erinner⸗ ungen des langen Hans, den sie aus seinem verschuldeten Stadthause in das Nelkendorf getrieben haben? Sein Freund, der alte Wachtmeister, hat die liebe Not mit dem Polterer. Der Wacht⸗ meister Reußer, wohnt gleich nebenan; denn auf den Dörfern finden sich die schönen Seelen sogleich zusammen. Die Staatsgewalt, die ihn bezahlt, hat ihm zwei Stuben gemietet. Ueber der niedrigen Haustüre droht das schreckliche Amtsschild: Gendarmerie-Posten-Kommando, obschon Niemand weiß, welche Armeen von dem Alten kommandirt werden. Die Bettler und Vagabunden ducken sich hinter das Strauchwerk am Dorfbache, wenn ste vorüber müssen. Aber die Schelme haben es kaum nötig. Der Alte marschiert mit Dienstflinte und Federhut den ganzen Tag und die halbe Nacht in der Gegend umher. Er sucht in den Schenken nach den Kartenspielern, er sucht in den Wäldern nach den Holzdieben, er sucht in den Herbergen nach arbeitslosen Handwerkern. Denn die Staatsgewalt, die ihn bezahlt, ist von Gott über ein merkwürdiges Land gesetzt. In diesem Lande sind einige Kartenspiele ein Verbrechen und das Lotterie— spiel eine öffentliche Einrichtung. In diesem Lande sind die bleichen Knaben der Lohnweber, die unter der Last eines mäßigen Holzbündels den steinigen Waldweg daher keuchen, gemeine Strauchdiebe— und austernsatte Börsenleute angesehene Personen. In diesem Lande ist der arbeitslose Handwerkergesell ein gemeingefähr⸗ licher Strolch und der vornehme Müßiggänger ein Kabinetsrat. Der alte Wachtmeister fand nicht viel. Trat er in die Tür der rauchigen Wirts- stube, sprangen die Spieler beim Feuster in den Garten hinaus. Strich er durch den Wald, so quälte ihn sein böser Husten so sehr, daß ihm die schlauen Weberjungen noch zeitig genug hörten, um ihre Bürden in Sicherheit zu bringen. Kam er in die Herbergen, so waren die faulen, arbeitslosen Gesellen allemal Verwandte des Hauswirtes, den sie auf der Durchreise besuchten. Der Alte lachte gutmütig zu solchem Unfug. Jeden Monat hatte er genauen Bericht über seine Tätigkeit an den Kreisvorstand zu liefern; der Gestrenge war sehr unzufrieden. Aber der Wachtmeister Reußer war immer sehr zufrieden. Am zufriedensten, wenn er bei dem langen Hans in der Werkstätte saß. Der unzufriedene Schmied fluchte gewöhnlich das blaue vom Himniel. Der alie Reußer hörte mit der größten Aufmerksamkeit zu und schloß nur zuweilen die Werkstättentür, wenn der Hans gar zu sehr aufdrückte. Es war immer die alte Geschichte. „Wachtmeister, habt Ihr auch einen Schul⸗ genoß in der Stadt, der Euch einmal das Fell über die Ohren gezogen hat; wie der Thomas Seebald, der meine Haut in seinem Wunder- schrank aufhob? Wir waren zwei junge Kerle, da er seines Vaters Fabrik erbte mit den vielen Leuten in Kitteln und Pantoffeln, die eigentlich auch zu dem Erbe gehörten. Hat alles später zu Geld gemacht, kauft sich statt der Zeughütte einen Wunderschrank für seinen Pomadebengel. Ließ seine Leute betteln gehen; aber vor seiner Tür stand ein Affe im blauen Rock, der sie zu den Nachbarn trieb, wenn sie kamen. Sein schönes Geld war auf den Dächern der halben Stadt eingeschrieben. Lag auch an der Kette des Herrn Seebald. Denn er hatte seine Kettenhunde, die er für sich bellen l'eß. Wir standen alle auf seinen Schuldbögen. Schuster, Schneider, Tichler, Schmied,... das ganze Handwerk saß bei ihm in der Kreide. Gevatter Schuster hämmerte sich das Knie wund, Onkel Schneider stach sich die Finger blutig, Meister Tischler hobelte Tag und Nacht, meine Hölle glühte von Früh bis Abends.... alles für den Wunderkasten. Wir hatten zwei Götter in der Stadt, den Steuerboten und den Herrn Thomas. Aber für mich wurde aus dem Herrn Thomas der Teufel. Jeden Sonntag fuhr er spazieren, den Affen im blauen Rock hinten auf. Da standen seine Kettenhunde vor den Türen und wedelten mit dem Schweife. Aber ich blieb in der Stube. Da kommt der Herr Thomas zu mir ins Haus, grüßt mich als seinen Schulgenoß, spricht gar artig mit meiner Frau, kommt öfter; denn, Wachtmeister, meine Alte war saön wie die Mairosen! Die Lust sollte ihm vergehen. Wachtmeister, der Kerl war mein Schulgenoß, und ich hatte ihn oft unter mir, wenn wir Knabeu rauften. Aber an den Tag wird er denken, und wenn er ewig lebt! Meine Alte fiel um, Blasius rief alle Heiligen an, der Herr Thomas brüllte aus Leibeskräften. Wachtmeister, ich allein sagte nichts. Zwei Tage konnt' ich meinen Hammer nicht fassen; meine Hände waren lahm yeschlagen!“ „Strafgesetz, Paragraph 311, Vergehen gegen die Sicherheit des Lebens“ brummte Reußer gedankenvoll. „Ja, ja, Sicherheit des Lebens!“ sagte der Hans.„Es ging uns Allen ans Leben. Der Herr Thomas ließ mir das Haus verkaufen, meine Alte starb; nur Blasius, der alte Kerl, ging mit mir.“ „Und das Lenchen?“ ergänzte der Wacht⸗ meister. „Ach, das Lenchen!“ ächzte der Schmied. „Könnt Ihr's ausdenken, Wachtmeister, die war dem Pomadebengel gut! Jetzt sitzt mir das Kind und starrt jeden Abend in die Kerze. Ihr junges Glück hab' ich mit meinen Luder⸗ fäusten auch noch zerhauen!“ Es fügt sich gut, daß der Wachtmeister etwas vertragen konnte. Denn der kummervolle Zorn des Schmiedes ergoß sich in einem gewal⸗ tigen Gallenstrome, dessen stets gleiches Rauschen jeden anderen zur Verzweiflung gebracht haben würde. Dabei hieb er mit dem Hammer frisch drauf los. Nicht selten nahmen die Hiebe eine solche Gewalt an, daß der treue Blasius ängst⸗ lich den Rücken krümmte und besorgt nach seinem Herrn schielte. Denn für Blasius hatte der Schmied, der es gewagt, den allmächtigen Herrn Seebald aus dem Hause zu werfen, fast das Ansehen eines überirdischen Wesens erhalten. Der Junge mochte fühlen, daß vor jenen Fäusten kein Mensch mehr sicher sei. Der alte Reußer dagegen rauchte behaglich aus seiner Holzpfeife, die er mit einem glühenden Drähtchen, das in der Esse der Schmiede lag, von Zeit zur Zeit wieder anzündete. Einem richtigen Gendarmcrie-Wachtmeister kommt das Schicksal nur schwer bei. In den dreißig Jahren seines Dienstes hatte der Alte so viel fremdes Elend gehört, gesehen, verhütet und beklagt, daß in seinem Kopfe der Begriff des Daseins von dem des Elends nicht getrennt werden konnte. Wer dreißig Jahre lang unter Hüttenleuten, Lohnwebern, Holzschlägern, Kohlenbrennern und Gebirgsbauern lebt, bildet sich von der Zweckmäßigkeit des Weltenbaues, sowie von dem, was die Bibelkundigen die göttliche Vor⸗ sehung nennen, allmählich ganz eigentümliche Vorstellungen. Das Los des Schmiedes war für ihn ein Fall mehr in der großen Beispielschule des Unglücks, ein Glied mehr in der langen Kette des Schicksals, an welcher der Teufel die Menschenkinder zur Hölle gängelt. a Dieser Engel des Poltzeihimmels war über⸗ haupt ein wunderlicher Kauz. Die Staatsge⸗ walt, die ihn bezahlte, hatte ihn über Vaga⸗ bunden, Diebe und Kartenspieler gesetzt. Er jedoch sah lieber nach Leuten, die keine Strolche waren, aber es werden konnten. Blieb dabei das Gefängnis seines Bezirkes leer, sein Herz war um so voller. Es glich darin dem Wunder⸗ schrank des Herrn Thomas Seebald; jenem Zauberkasten, der um so reicher an Inhalt wurde, je mehr sich die Taschen der armen Handwerker leerten, die seine Schuldner waren. Vor Jahresfrist war der alte Reußer in der späten Abendstunde in die Schenke des Nelkendorfes getreten, nach Vagabunden und Kartenspielern zu suchen. e Draußen lag frostiger Nebel, und der braune Dorfweg zeigte seine feine Kothülle, die das schwere Schuhwerk der Bauern so artig zu schmücken pflegt. Es war jenes behagliche Wetter, das den Handwerksburschen unserer vaterländischen Dichtung die Wahl läßt, in den Straßengräben zu erfrieren oder in den Schenken der Polizei in den Rachen zu laufen. 5 In der Stube qualmte eine trübselige Gesellschaft müder Hüttenleute, die um Mitter⸗ N 1 Nr. 32. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. nacht ihren Dienst anzutreten hatten, aus kurzen Tonpfeifen. Bei dem runden Tisch in der Mitte unternahm ein betrunkener Säufer wohl zum zehnten Male den Versuch, sich auf die Beine zu stellen. Die Lichter brannten trüb, und der Wirt schien eingeschlafen zu sein. Aber in der Ofenecke saß ein Mann, der ein Brannt⸗ weinglas so grimmig umklammerte, als ob er den Feind an der Gurgel hätte. g Der Polizeiblick des Wachtmeisters hing fünf Sekunden an dem unheimlichen Gaste. Offenbar formte dieser Graukopf Gedanken, die dem jungen Kreisrichter, der im Städtchen vor Langeweile starb, hoch willkommen sein würden, sobald ste nur erst jenen Kopf verlassen hätten. Es bedurfte kaum noch eines zweiten Blickes auf die feine Mädchengestalt nebenan, hinter der sich das schielende Gesicht eines berußten Jungen zu verbergen trachtete. „Fremde hier?“ rief Reußer durch den Qualm. Der Wirt in der blauen Schürze erwachte aus seinem Schläfchen, nahm das Filzkäppchen ab und wies verlegen in die Ofenecke. „Sie wollen hier bleiben“— sagte er. „Der Alte säuft in einem fort und guckt ins Glas, als ob er den Teufel sähe. Das Mädel und der schielende Junge, die bei ihm sitzen, haben noch kein Wörtlein geredet.“ Reußer trat an den Tisch. (Fortsetzung folgt). Die Obstruktion der brandenburgischen Städte gegen die Lebensmittelzölle vor mehr als 400 Zahren. Von Collner. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Aber die Städter pfiffen etwas auf die Urteile, die sie ganz richtig als das erkannten, was sie waren— als eine Farce, und sie dachten nicht im Traume daran, den verlangten Zoll zu entrichten. Der Kurfürst begann daher mit seinen Untertanen neue Unterhandlungen. Er meinte, er wolle aus dem Lebensmittelzoll gar keine höheren Einnahmen erzielen, als 4000 Gulden jährlich; wollten ste diese Summe auf irgend eine andere Weise aufbringen, so würde ihm das auch recht sein— ein Vorschlag, auf den die Städter ebenso wenig eingingen, wie auf alle bisherigen. Albrecht war im höchsten Grade ungehalten über die Halsstarrigkeit seiner Landeskinder; er überließ daher jetzt die Verwaltung der Mark seinem Sohne, dem Markgrafen Johann, dem Kanzler und einigen Räten, er selbst aber zog gen Augsburg auf den Reichstag. Man kann sich denken, daß unter dem Interims⸗Regiment die Lage für den Kurfürsten sich nicht besserte, denn es fehlte dem Sohn nicht nur die Erfahrung und die Kraft des Vaters, sondern auch dessen Ansehen, wenigstens bei einem Teile der Bevölkerung; wie hätte er also die Anerkennung eines Rechtes durchsetzen können, die dem eigentlichen Fürsten schon nicht gelungen war! Trotzdem hatte er den Mut, da er die Absicht hatte, sich mit Margarethe von Sachsen zu vermählen, die Städte um 10 000 Gulden zu seiner Aussteuer zu bitten — eine Forderung, die ihm natürlich rundweg abgeschlagen wurde. Der Markgraf schämte sich, seinem zukünftigen Schwiegervater als Ursache der Verzögerung seiner Hochzeit seinen Geldmangel anzugeben, andererseits war es ihm auch peinlich, den Ständen seine Bitte nochmals vorzutragen; indes Not bricht Eisen, und gelegentlich eines im Sommer 1473 zu Berlin abgehaltenen Land⸗ tages trug er von neuem sein Anliegen vor. Die Städte zeigten sich nicht abgeneigt, dem bemitleidenswerten Bräutigam das gewünschte Geld zu geben, aber nicht eher, als bis der Kurfürst die Aufhebung des Lebens mittelzolls verfügt hätte. Johann und sein Kanzler meinten, man könne doch an den Fürsten nicht eine solche Zumutung richten, die wie eine Drohung er⸗ scheinen müsse, hingegen wolle man den Regenten in einem Schreiben bitten, auf den Zoll zu verzichten, die Städte würden jetzt 4000 Gulden nach eigenem Ermessen aufbringen und die übernommenen Schulden tilgen. Aber das geftel den Städtern nicht, ebenso wenig auch der weitere Vorschlag, ein Gesuch wegen Er⸗ mäßigung des Zolls an Albrecht zu richten. Der Kurfürst riet seinem⸗Sohne darauf an, sich mit den Querköpfen auf 3000 Gulden jährlich zu einigen, doch solle er so tun, als ob er, der Fürst, nichts von diesem Anerbieten wisse; indes auch darauf gingen die bevoll⸗ mächtigten Vertreter nicht ein, und mit konse⸗ quenter Energie erklärten sie nach wie vor: Es gibt gar nichts. Albrecht Achill sann hin und her, wie er den Widersetzlichen wohl beikommen könnte. Er sagte sich, wenn sein Ansehen auch nicht groß genug set, seinen Willen bei den Märkern durchzusetzen, würde doch wohl ein Machtgebot des Kaisers Eindruck machen. Er ließ sich daher von Kaiser Friedrich III. die in seinen Angelegenheiten ergangenen Urteile bestätigen und sandte die Urkunden an seinen Sohn, der jedoch auch damit ganz und gar nichts erreichte und seinem Vater in einem Briefe beweglich klagte, die gesandten Aktenstücke würden von den Untertanen gar nicht gewürdigt und geachtet. Die Lage des jungen Markgrafen war eine recht wenig angenehme. Fortgesetzt bat er seinen Vater, er möchte doch nach Brandenburg kom— men, da er nicht mehr wüßte, wie ers anfangen sollte; auch seine Hochzeit könne doch nicht bis in alle Ewigkeit hinausgeschoben[werden, und zudem machten die begehrlichen pommerschen Herzöge schon wieder Miene, in das Land ein⸗ zufallen. Tatsächlich bedrohten sie auch bald darauf Gartz, doch trotz des Aufgebots, das Markgraf Johann erlassen hatte, zeigten sich die Städte im höchsten Grade unwillig, Heeres⸗ folge zu leisten; so sandte Frankfurt statt 40 Mann deren 12, und als man der Stadt vor— hielt, sie sei doch zu einer größeren Leistung verpflichtet, entgegneten ihre Vertreter, in Zu⸗ kunft werde sie überhaupt nicht einen Mann ins Feld schicken, wenn nicht die Abschaffung des Lebensmittelzolls verfügt würde.——— Wie dieser Zollstreit geendet hat, darüber wissen die Historiker nichts Genaues zu berichten. G. W. von Raumer, dessen Mitteilungen über die Ereignisse jener Zeit wir im Vorstehenden im Großen und Ganzen gefolgt sind, meint zwar, daß die Städte wohl später in irgend einer Weise nachgegeben haben, indessen braucht dies keineswegs richtig zu sein, denn nur so viel ist erwlesen, daß die Stände sehr viel später dem Nachfolger Albrechts, dem Kurfürsten Johann, die Biersteuer bewilligten, zum Dank dafür, daß er mit den Raubrittern so überaus energisch aufgeräumt hatte. Gemeinnütziges. Mücken im Sommer aus den Zim⸗ mern zu vertreiben. Man lege auf ein Kohlenfeuer oder ein glühendes Eisen ein Stück Kampfer und räuchere damit, wodurch sie augenblicklich vertrieben werden. Wie lange sollen wir unser Kind schlafen lassen? Im Kindesalter ist noch viel Schlaf notwendig, weil während desselben die Zunahme des Körpers und seiner Gewebe, die Verdauung des Genossenen und die Stärkung des Körpers erfolgt. Man darf daher die Schlafzeit nicht verkürzen oder beeinträchtigen und muß sich in dieser Hinsicht ganz nach dem Bedürfnisse des Kindes richten, derart, daß man ein gesundes Kind im 2. und 3. Lebensjahre 12 bis 14 Stunden, ein blutarmes, schwächliches dagegen 14 bis 16 Stunden innerhalb 24 Stunden schlafen läßt. Warnung vor ungekochter Milch. Bei den regelmäßig um diese Zeit auf⸗ tretenden Typhus- Erkrankungen muß dringend vor dem Genuß von ungekochter Milch gewarnt werden, weil diese geeignet ist, Typhus⸗ und andere Krankheitskeime zu übertragen. Die Milch muß mindestens 5—7 Minuten gekocht werden. Das Abkochen der Milch erfolgt am besten gleich in dem Gefäß, in das die Milch von dem Lieferanten hineingegossen ist. Wird die Milch in einem anderen Topfe abge⸗ kocht, so darf man sie wenigstens nicht in jenes erste Gefäß zurückgießen, bevor dieses mit kochendem oder sehr heißem Wasser gereinigt ist, weil sonst die in dem Gefäße sich etwa befindlichen Krankheitskeime in der durch Ab⸗ kochen sterilisierten Milch erst recht günstige Bedingungen zur Vermehrung finden. Humoristisches. Ein Geschäft. Küster: Das ganze Dorf hat sozialdemokratisch gewählt!— Pfarrer: Die gottlosen Banditen— keinem wird Absolution erteilt!— Küster: Freilich, Hochwürden! Nachher gibt's ein anständiges Ablaßgeld! Der liebe Gott hört's doch. Ein zum sonn⸗ täglichen Gottesdienst kommandierter Leutnant hatte nach dem am Abend vorher stattgefundenen, bis zum frühen Morgen ausgedehnten Liebesmahle das natürliche Be⸗ dürfnis sich in der Kirche auszuschlafen. Zum Unglück sitzt in seiner Nähe ein biederer, gottesfürchtiger Ostpreuße, der durch seinen andächtigen, lauten Gesang den ruhe— bedürftigen Offizier am Schlafen hindert. In höchster Erregung sucht deshalb der gequälte Vorgesetzte den lauten Sänger durch den heftig zugeraunten Befehl zum Schweigen zu bringen:„Kerl, willst du wohl dein un⸗ verschämtes Brüllen unterlassen; der liebe Gott hört dich auch, wenn du leise singst.“(Simpl.) Des Sachsen Trost. „Mir sein vom beesen Feind bedroht, Das ganze Ländchen is Sie rot! Nur Eenen Drost in all der Not, En' eens'gen hat der Badriot: Die gute, dreie Elbe, Die blieb Sie scheene gelbe!“ (Kladderadatsch.) 9. August. 1901: Deutsche Südpolexpedition. 1792: Pariser Kommune. 2 10. 1902: Max Kegel, Arbeiter⸗Dichter, Verf. d. Sozialistenmarsches, 7. 1895: Feuerbestattung Engel's in Rockwood(England). 1792: Sturm auf die Tuilerien in Paris. 11. 1901: Crispi, ital. Beutepolitiker, gestorben. 1815: Napoleon I. wird auf die Insel St. Helena gebracht. 12. 1848: Stephenson, Erfinder der Lokomotive, gestorben. 1792: Ludwig XVI. als Gefangner im Temple. 13. 1802: Nikolaus Lenau(Niembsch v. Streh⸗ lenau), Dichter,*. 14. 1902: Frauenstimmrecht in Neu-Südwales eingeführt. 15. 1831: Revolution in Warschau. 1534: Ignaz von Loyola stiftet den Jesuitenorden. Litterarisches. Großes illustriertes Kräuterbuch von Dr. C. Anton. Unter diesem Titel ist vor Kurzem im Verlage von E. Stahl in Regensburg ein Liefe⸗ rungswerk erschienen, dessen Verfasser sich bemüht, eine gründliche und leicht verständliche Beschreibung und Er⸗ klärung aller in⸗ und ausländischen Pflanzen und Früchte zu geben. In der ersten Lieferung, die uns vorliegt, sind die Nahrungspflanzen behandelt; in den folgenden sollen die Pflanzenarten, welche Gewebe, Gerb- und Färbestoffe, Gewürze, Genuß-⸗ und Arznei⸗ mittel liefern, beschrieben werden. 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Preis brosch. 2 Mk. 4 N Srl. 2 „ e 2 ——e 2 5 17 5 1 3 4 4 N 1944 Ni . 14 0 1 2 1 15 0 — 2 ae Seite 8. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. No. 32. W Marburg! Sonnabend, 15. August, abends 9 Ahr: Oeffentliche Partei⸗QCersammlung im e Jesberg, Wehrdaerweg 2. Tages⸗Ordnung: 1. Parteitag: a) Stellung der Sozialdemokratie zur bürgerlichen Linken; Fall Marburg und Reichstags⸗Vicepräsident.(Referent: Genosse Dr. Ernst Thesing). b) 1. Mai; Internat. Kongreß und e an bürger⸗ lichen Zeitschriften.(Referent: Gen. Dr. R. Michels). 2. Abrechnung des Vertrauensmaunes. 3. Abrechnung der Kolportage. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vertrauensmann. Johs. Henle Steinweg 20. Schuhmacher Steinweg 20. 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