—— SonntagsZeitung. Nit. 45. Gießen, den 8. November 1903. 10. Juhrg. Redaktion: 2 Nedattionsschluß: epi ll, Schloßgasse. Mitteld eutsche. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr n Abounemeutspreis: Durch die Post bezogen Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. erteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 331/% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bestelluugen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die 8 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt, Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung Bei mindesten z Die Neuwahl des Dreiklassen⸗ hauses. Nächsten Donnerstag, am 12. November, finden die Urwahlen zum preußischen Ab⸗ geordnetenhause statt. Sie nehmen dies⸗ mal ein erhöhteres Interesse in Anspruch, denn diesmal wird sich die Sozialdemokratie, die bei K den letzten Reichstagswahlen in Preußen 1649699 Stimmen aufbrachte, zum ersten Male selb⸗ ständig beteiligen. Es geschieht dies auf Grund des Beschlusses der Gesamtpartei auf dem Mainzer Parteitage, wonach in denjenigen deutschen Staaten, in welchen das Dreiklassen⸗ wahlrecht besteht, die Parteigenossen verpflichtet sind, mit eigenen Wahlmännern in die Wahl⸗ agitation einzutreten. Eine am 26. April d. J. in Berlin stattgefundene Landeskonferenz legte die dabei zu beobachtende Taktik fest. Die aus 433 Mitgliedern bestehende Zweite Kammer, deren Legislaturperiode wie die des Reichstags fünf Jahre währt, geht aus allge⸗ meinen Wahlen hervor. Zur Anwendung kommt hierbei das berüchtigte Dreiklassenwahl⸗ system, dessen Ungerechtigkeit und Erbärmlich⸗ keiit von uns schon oft genug dargelegt wurde. Allgemein ist das Wahlrecht zwar insofern, als jeder selbständige Preuße, welcher das 24. Lebensjahr vollendet hat und im Vollbesitz der bürgerlichen Rechte ist, in der Gemeinde, worin er seit sechs Monaten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat, stimmberechtigter Urwähler ist— aber ein gleiches und direktes ist dieses Wahlrecht nicht. Durch die Dreiklassen⸗ wahl haben die besitzenden Klassen von vornherein das Uebergewicht; außerdem wird durch die öffentliche Abstimmung und das ganze verwickelte, chikanöse Wahlverfahren die minderbemittelte Klasse des Volkes auf das N Schwerste benachteiligt, der Volkswille kommt bet dieser Wahl nicht, oder verfälscht zum Ausdruck. 8 Früher, als unsere Partei noch schwächer war, beteiligte sie sich an der Wahl nicht, weil sie keine Aussicht hatte, ohne Hilfe der bürger⸗ lichen Parteien auch nur einen Sitz zu erringen; Abmachungen mit den bürgerlichen Parteien wollte man nicht treffen, weil man davon Ver⸗ wi.irrung in den eigenen Reihen fürchtete und schließlich wollten wir nicht den Anschein er⸗ wecken, als billigten wir das herrschende Wahl⸗ unrecht. i 5 1 Heute liegen die Dinge anders, heute ist unsere Beteiligung eine politische Notwendigkeit. Und wenn die Sozialdemokratie auch jetzt keinen einzigen Abgeordneten durchbringen sollte, so ist das keine Niederlage, keine Schande, viel⸗ mehr eine Schande für den preußischen Land⸗ tag, wenn die stärkste Partei in ihm unver⸗ 0 treten bleibt. e 1 Die gewichtigen Gründe, welche unserer C ˙. ˙²m. ⁰wU N Partei die Wahlbeteiligung gebieten, sind oft schon erörtert worden. Es gilt, trotz des un⸗ gerechten und für die Arbeiterklasse ungünstigen Wahlsystems Vertreter des arbeitenden f Volkes in das Bourgeois⸗ und Junker⸗Par⸗ lament zu bringen, oder wenigstens die Bildung einer reaktionären Mehrheit zu verhindern. Bisher bildeten die Konservativen mit dem Zentrum zusammen eine erdrückende reak⸗ 255 klonäre Mehrheit und sie haben diese Macht⸗ ö stellung stets redlich gegen das Volksinteresse ausgenutzt.— Vornehmlich handelt es sich aber bei allen Wahlen für die Sozialdemokratie darum, ihrer Sache neue Köpfe zuzugewinnen. Sie muß die Geister von der kraut⸗ und schlot⸗ junkerlichen Klassenherrschaft befreien. Ihr Wahlerfolg liegt darum nicht so sehr in dem Mandatsgewinn, als in dem Wachstum ihrer Anhängerschaft. Der Kampf gilt darum in erster Linie der Beseitigung des Drei⸗ klassenwahlsystems und Herbetführung eines allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts mit geheimer Stimmabgabe. Durch die Beteiligung der geschulten Proletarier⸗ massen an den preußischen Landtagswahlen soll die Schändlichkeit und Lächerlichkeit des geltenden Klassenwahlrechts vor aller Welt bloßgestellt werden. Man hat zwar versucht, dem morschen Ueberbleibsel aus düsterster Reaktionszeit durch Aufsetzung einiger neuer Flicken ein modernes Gepräge zu geben. Aber schon der Eintritt der Ar⸗ beiter in den Wahlkampf gibt ihm einen töd⸗ lichen Stoß. Dem System des kompliziertesten, des tausendfach verfilzten und verschmutzten Unrechts tritt die Partei der vollkommensten politischen Gleichheit, die Hüterin aller Volks⸗ rechte, die Todfeindin aller reaktionären Klassen⸗ gewalt gegenüber! Wir wollen womöglich einige unserer Ge⸗ nossen in den preußischen Landtag bringen, damit sie dort über die Interessen des arbeitenden Volkes wachen, und von seiner Tribüne herab das politische Gewissen aufrütteln. Wir wollen auf alle Fälle dafür sorgen, daß das Volk aufmerksamer und kritischer als bisher die Taten der preußischen Regierung und der preußischen Gesetzgebung verfolgt und in die Lage kommt, durch Druck von außen, durch die Macht der öffentlichen Stimme, die schlimmsten Taten der preußischen Regierung und des preußischen Land⸗ tags kräftiger als bisher abzuwehren. Der Wahlkampf zum preußischen Landtage ist Kampf um die nächstliegenden Interessen des arbeitenden Volkes! Unsere Gegner wenden bei den Landtags⸗ wahlen im Kampfe gegen uns dieselben verrosteten und stumpfen Waffen an, wie bei den Reichs⸗ tagswahlen. Die alten Phrasen müssen wieder herhalten. Eigentum und Familie zerstören — Volk wehrlos machen— Zuchthausstaat errichten— neben diesen schönen Dingen wirft man uns vor, daß wir keine„positive Arbeit“ im Landtage leisten wollten, daß wir nur agitatorische Zwecke verfolgten. Keinesfalls! Wir wollen sehr bestimmte Vorschläge machen. Wir wollen dem Landtage darlegen, was den preußischen Arbeitern nützt und was ihnen schadet! Wir drängen uns dazu, positive Arbeit zu leisten. Wir wollen mitberaten über die politischen Rechte, die den Preußen nützlich sind, über die beste Art, Kinder zu tüchtigen Menschen zu erziehen, über die Führung und Verwaltung der ungeheuren Betriebe, die der preußische Staat unterhält. Wir wollen die Bedingungen schaffen helfen, unter denen Kunst und Wissenschaft am freiesten und fröhlichsten gedeihen. Wir wollen die Lage der ländlichen Arbeiter besprechen und sehr ernst gemeinte Vorschläge zu ihrer Hebung machen! Wir wollen nach bestem Wissen und Gewissen für Volks gesundheit und Ar⸗ beiterschutz, für Kulturanlagen und Verkehrswege sorgen helfen, auch die Kanalvorlage sind wir u. a. zu bewilligen bereit. Wir wollen für eine geordnete und umane Rechtspflege sorgen helfen. Wir hwollen uns um die Ordnung in den Gemeinden küm⸗ mern, soweit sie vom Staate abhängt, und praktische Vorschläge zum Wohle ihrer Ange⸗ hörigen erstatten. 5 Eine Unmasse von praktischer Arbeit, die die Sozialdemokratie im Landtage erwartet. Man gebe ihr nur Gelegenheit, sich zu betätigen! Warum versperrt man uns den Weg dazu, warum bietet man alles auf, das Eindringen von Sozialisten in den Landtag zu verhindern? Jeder denkende Arbeiter kann sich hierauf selbst Antwort geben! In den preußischen Bezirken unseres Ver⸗ breitungsgebietes bewirken die traurigen Zu⸗ stände, daß von Seiten der Sozialdemokratie nur eine geringe und vereinzelte Wahlbeteiligung stattfinden kaun. Schwer, an einzelnen Orten unmöglich ist es, Wahlmänner zu bekommen, weil jeder Abhängige, der sich dazu aufstellen läßt, den Terrorismus der besitzenden Klassen zu fühlen bekommt. Wirtschaftlichen Boykott, geschäftliche Schädigung, behördliche Nadelstiche hat ja hier jeder zu erwarten, der öffentlich für die Sozialdemokratie eintritt. Aber trotz alledem, trotz aller entgegenstehenden Schwierig⸗ keiten, haben unsere Genossen die Pflicht, überall, wo nur irgend die Mög⸗ lichkeit gegeben ist, in den Wahlkampf mit aller Energie einzutreten. Wir wissen, daß dies auch für den einzelnen Wähler mit Opfern verbunden ist. An den Opfermut der Anhänger unserer Sache wurde aber noch nie vergeblich appelliert. Wer darum das schreiende Unrecht der Dreiklassenwahl beseitigen helfen, wer die politische Macht in Preußen nicht auf ewig dem Kraut⸗ und Schlotjunkertum über⸗ lassen, sondern mit uns für ein freies Wahl⸗ recht, für das Recht des Volkes und die Wohlfahrt Aller arbeiten will, der trete für die Sozialdemokratie ein! Politische Rundschau. Gießen, 5. November. Die Einberufung des Reichstags soll für den 1. Dezember in Aussicht genommen sein, wie die agrarische„Deutsche Tagesztg.“, die ja mit vielen maßgebenden Regierungsleuten gute Beziehungen unterhält, zu berichten wußte. — Nach den Berl.„Pol. Nachr.“ ist es sicher, daß den neuen Reichstag neben dem Reichs- haushaltetat auch eine Militärvorlage beschäftigen wird.— Das ist von unseren Parteiblättern schon früher mitgeteilt worden, wie das aber fast immer bei solchen Dingen geschieht, wurde die Nachricht damals von den Regierungsorganen als„Erfindung“ bezeichnet. Wie ostelbische Agrarier das Wahlglück korrigieren. Vor der Strafkammer in Köslin hatten sich die beiden Rittergutsbesitzer, Otto und Gustav Kädinz aus Groß- Satspe, wegen Wahlfälschung zu verantworten. Bei der Stichwahl stand im Wahlkreise Colberg⸗Köslin der konservative Agrarier Malkewitz gegen 282 ——— — 22000 eee Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 45. den Freisinnigen Dr. Barth, der mit nur zirka 200 Stimmen Minorität seinem Gegner unterlag. In Groß⸗Satspe, wo die Brüder Käding Wahlvorsteher waren, erhielt bei der Hauptwahl der Konservative 20, Dr. Barth 23 und unser Genosse 30 Stimmen. Trotzdem die Sozialdemokraten für die Stichwahl die Parole ausgegeben hatten, für den Freistnnigen einzu⸗ treten, fielen auf diesen nur 15 Stimmen, dagegen 60 auf den Konservativen. Das fiel natürlich auf und es meldeten sich sogleich 40 Personen, die erklärten, für Barth gestimmt zu haben und beeideten dasselbe in der Verhand⸗ lung. Es stellte sich heraus, das Gustav Käding die Stimmzettel falsch vorgelesen und sein Bruder Otto dementsprechend Barth'sche Stimm⸗ zettel mit solchen für Malkewitz vertauscht hat. Das nennt man in der plumpen deutschen Sprache allerdings betrügen. Die braven Ordnungsmänner, die so nach dem Rezept des seligen Riccaut de la Marlinière für König und Vaterland und Wucherzölle arbeiteten, erhielten jeder 6 Wochen Gefängnis. Monarchen⸗ Begegnungen. Wilhelm II., der am Sonntag noch oben an der Ostsee sich aufhielt, traf andern Tags bereits in Wiesbaden ein, wo er mit dem russischen Kaiser zusammentrifft. Dabei wird ein gewaltiges Truppenaufgebot zum Zwecke der Spalierbildung und Absperrung in Bewegung gesetzt. Sechs Infanterie⸗Regimenter werden in Wiesbaden zusammengezogen. Das benach⸗ barte Mainz stellt dazu das Hauptkontingent; es wurden aber auch Truppenteile aus Hom⸗ burg, Gießen, Paderborn und Berlin, letzteres mit der Ehren⸗Kompagnie des Kaiser Alexander⸗Gardegrenadierregiments. Die Ein⸗ quartierungs⸗ und Verpflegungskosten fallen der Stadt Wiesbaden zu. Die Stadtver⸗ tretung kann also da den Beutel gehörig auf⸗ tun.— Die umfassenden Sicherheitsmaßregeln sollen, wie versichert wird, dem ganz persön⸗ lichen Wunsche des Zaren entsprechen. Es wäre zu wünschen, daß der Zar, wenn er solche Sicherheitsmaßregeln für nötig hält, auch die Kosten derselben deckt.— Uebrigens muß das ewige Hin⸗ und Hertransportieren der Soldaten das Jahr über ein nettes Sümmchen ausmachen. Im Reichstage sollten sich unsere Geuossen einmal nach der Höhe desselben er⸗ kundigen. Wer ist Schuld an den Soldatenmiß⸗ handlungen? Natürlich die Sozialdemokraten! Diese Neuigkeit setzt die„Nationalliberale Korrespon⸗ denz“ in die Welt. Wie sie nämlich gehört hat, wird bei den Reichstagsverhandlungen „settens der Heeresverwaltung darauf hingewiesen werden, in welchem Maße die Neigung in den Reihen der Mann⸗ schaften, die von soztialdemokratischen Einflüssen angesteckt sind, wächst, einmal die Vorgesetzten zum Mißbrauch der Dienstgewalt förmlich zu reizen und dann den Weg der Denunziation zu be⸗ schreiten. Beweise dafür, daß Unteroffiziere und Offiziere, beispielsweise namentlich im Königreich Sachsen, wo die Sozialdemokratie am gewissenlosesten wühlt, von Agenten der letzteren im Rocke des Königs absichtlich gereizt werden, liegen in nicht geringer Zahl vor. Diese Versuche mindestens ebenso hart zu strafen, wie die Ueberschreitungen der Dienstgewalt, ist unbedingt geboten.“ Diese Sätze verdienen wirklich der allgemeinen Lächerlichkeit überliefert zu werden! Welcher Mensch ist wohl so blödsinnig, an das„absicht⸗ liche Reizen“ zu glauben? Danach lassen sich also die armen Teufel von Rekruten halbtot prügeln und schinden, nur um den Unteroffizier anzeigen zu können!— Und die Schinder, die Hunderte von Mißhandlungen verbrochen haben, sind unschuldig, ganz unschuldig! In der Tat, eine gloriose Entdeckung! Militärjustiz. Das Heidelberger Schreckensurteil, durch welches am 22. September 4 Soldaten vom bad. Grenadier⸗Regt. Nr. 110 mit er⸗ schreckenden Strafen belegt wurden, hat vom Oberkriegsgericht in Karlsruhe noch eine Ver⸗ chärfung erfahren. Die Angeklagten hatten während der Manöver in Reichardtshausen in Zivilkleidern zwei Unteroffiziere tätlich angegriffen und gemißhandelt. Das Heidelberger Kriegsgericht hatte am 22. Sep⸗ tember Keinarth zu 10 Jahren Zuchthaus, Oehler und Habich 50 je 6 Jahren und Feinauer zu 3 Jahren 9 Monaten Gefängnis ver⸗ urteilt. Das am Montag gefällte Urteil lautet gegen Keinarth wegen„Meuterei“ verbunden mit Aufruhr auf 7 Jahre Zuchthaus, gegen Feinauer wegen Aufruhr und Meuterei auf 6 Jahre Gefängnis, gegen Oehler und Habich auf 6 Jahre Gefängnis wegen Meuterei. Also das harte Urteil der ersten Instanz schien wenigstens gegen einen der An⸗ geklagten dem Oberkriegsgericht noch nicht ein⸗ mal hart genug!— Aus der Ferienkolonie. Wegen gemeiner Soldatenschinde⸗ reien stand der Sergeant Wilhelm Nebelung vom 36. Infanterie⸗Regiment vor dem Kriegs⸗ gericht in Halle. Gegen diesen Stellvertreter Gottes führte der Vertreter der Anklage ein ganzes Register empörender Quälereien Unte r⸗ gebener ins Feld. Daß der Angeklagte seinen Untergebenen die Spinde ausräumte, Putzpomade, Flaschen, Wäsche und Kleidungsstücke auf einen Haufen warf und dann mit den Füßen darin umhersprang, das war nicht das schlimmste. Hundsgemein war es aber, daß er die Leute am rotglühenden Ofen 500 bis 700⸗ mal die Gewehre strecken ließ. Zur Instruktionsstunde ließ er seine Leute in strenger Kälte ohne Kopfbedeckung und leicht gekleidet vor seinem Fenster antreten. Er stand in der Stube, mit dem Mantel bekleidet, am Fenster und stellte daun seine Fragen. Wer gut ant⸗ wortete, konnte hineinkommen und sich wärmen und wer eine schlechte Antwort gab, wurde mit dem Kopf ins Wasser getaucht. Mit den Mänteln bekleidet und mit präsenttertem Gewehr mußten die Leute Kniebeuge machen, bis sie am geheizten Ofen zusammenbrachen. Die Stube ließ er zuweilen mit Zahnbürsten scheuern. Ein Mann, der braun und blau geprügelt worden war, hatte gesagt: Ich melde mich nach China, denn schlimmer kann ich dort auch nicht geschliffen werden. Der Ankläger beantragte mit Rücksicht auf das gemein⸗ gefährliche Treiben 1 Jahr Gefängnis. Das Gericht erkannte jedoch nur auf 4 Monate Gefängnis. Degradation wurde nach den vor⸗ liegenden Berichten nicht ausgesprochen, der Biedere kann, wenn er wieder herauskommt, seine Schindereien fortsetzen. Fortschreitende antisemitische Verlemduung. Welch traurige Rolle die Antisemiten bei den sächsischen Landtagswahlen gespielt haben, schildert Gen. Fleißner in den Neuen Zeit mit folgenden Worten: Bei der vorletzten Wahl traten ste in zehn der fraglichen Kreise den Konservativen mit eigenen Kandidaten ent⸗ gegen und forderten entsprechend ihrem Pro⸗ gramm das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. Diesmal haben sie in keinem einzigen Kreise erusthaft kandidiert; der eine Reformer, Herr Zimmermann, ist mit Hilfe der Konservativen in einer für ihn geradezu— auch persönlich— entwürdi⸗ genden Weise gewählt worden. Das anti⸗ semitische Programm hat er in der für Sachsen wichtigsten, der Wahlrechtsfrage, positiv ver⸗ leugnet. Für den einst gefeierten Partei⸗ führer ist der Besttz eines Mandats heute ein einfaches Recheuexempel, eine Frage der mate⸗ riellen Existenz. Wie und wo das Mandat erlangt wird, ist gleichgültig. Während dieses Trauerspiels mit ihrem Führer verhielt sich die antisemitische Parteileitung wie überhaupt zur ganzen Wahlagitation mäuschenstill, während die antisemitische„Deutsche Wacht“ tüchtig auf die Konservativen und das Dreiklassenwahlrecht schimpfte. Ein ekelhafter politischer Sumpf. Bei den Landtagswahlen in Baden, die am Freitag stattgefunden haben, hatte unsere Partei in 9 von 32 Bezirken eigne Kandidaten aufgestellt. Zu verteidigen hatten unsere Ge⸗ — nossen vier Mandate und zwar zwei von Mann- heim⸗Stadt, je eins von Pforzheim und Dur⸗ lach. Pforzheim ging leider an die National⸗ liberalen verloren. f Für uns ist das Ergebnis kein günstiges. Unser Mannheimer Parteiblatt erklärt dies damit, daß die Regierung die Wahl am Frei tag hat stattfinden lassen, wo in Baden viel⸗ fach Lohnzahlungstag ist, ferner damit, daß die Gegner die Vorgänge auf dem Dresdner Partei⸗ N 1 * * 5 wel tag ausgeschlachtet haben, sowie aus einer Reihe 10 lokalen Ursachen. Im neuen Landtage werden die National- liberalen 25 Abgeordnete haben, Zentrum 23 wie bisher, Demokraten 6, bisher 5, Sozial⸗ demokraten 5, bisher 6, Freisinn 2 wie bis⸗ her; Konservative und Antisemiten haben je einen Abgeordneten. Ausland. Polizeigewalttaten gegen Arbeiter in Paris. Als am Sonntag in der Pariser Arbeits⸗ börse etwa 6000 Arbeiter der Lebensmittel⸗ branche versammelt waren, um gegen die Aus. beutzung der privaten Stellenvermittler und die Lässtgkeit der Regierung, hiergegen ge⸗ setzgeberische Maßnahmen zu ergreifen, zu pro⸗ testieren, entstand beim Verlassen des Lokals ein Konflikt mit der Polizei. — In der Kammer protestierten die Sozialtsten gegen das Vorgehen der Polizei. Neues Ministerium in Italien. Nach längeren Verhandlungen hat Giolotti, der bereits dem früheren Ministerium ange⸗ hörte, die Bildung eines neuen übernommen und auch zustande gebracht. Giolotti befragte auch Sozialisten von der gemäßigten Richtung wegen Eintritt in sein Ministerium, diese lehnten jedoch ab. Doch sollen sie ihm ihre Unterstützung versprochen haben, da ste von ihm eine aufrichtige demokratische Politik erwarten.— Das vorher⸗ gehende Ministerium kam über die unterbliebene Zarenreise nach Rom zu Falle. kundgebung gegen ihn zu erwarten war. Streikunruhen in Spanien. Vorige Woche ist es in Bilbao, einern der bedeutendsten Industriestädte Spaniens, zu f heftigen Unruhen gekommen. Sogar Barri⸗ kadenkämpfe haben stattgefunden, bei denen es auf Seiten der Aufständischen, wie auch auf Seiten der Polizei und dem zur Herstellung der„Ordnung“ herbeigerufenen Militär, Tote 10 und Verwundete gab.— In dieser im Norden Spaniens, am Golf von Biscaya gelegenen Stadt, befinden sich zahlreiche Fabriken aller Art und die Arbeiterbevölkerung vermehrt sich von Jahr zu Jahr. Eisen⸗ und Stahlwerke, Gießereien, Schiffswerften, Mühlen, Papier-, wieback⸗, Konserven⸗, Zement⸗, Thonwaren⸗, eder⸗, Segeltuch⸗, Seilerwarenfabriken und andere Industrien haben in Bilbao ihren Sitz, die Arbeiter sind politisch und gewerkschaftlich organistert und in ständiger Fühlung mit den Arbeitern der berühmten Eisengruben der Um⸗ gebung, die zum Teil der Firma Krupp gehören. Bilbao wird als eine liberale Stadt geschildert, in der letzten Zeit hat die spanische Sozialdemokratie festen Fuß gefaßt; in der Provinz jedoch herrscht der Pfaffe, der Jesuit. Das Unternehmertum beutet die bedürfnislosen Arbeiter in unverschämter Weise aus und so kam es zu einer Streikbewegung, die bei dem leidenschaftlichen Temperament der Südländer bald zu Tumulten führte. Die Pfaffen hetzten gegen die Arbeiter, die sich ihrer Vormundscha Regierung verschärfte die Gegensätze durch eine bedeutende Verstärkung der Garnison und durch provokatorisches Vorgehen gegen die Streikenden. Das Sozialistenkomitee veröffentlichte einen Aufruf, durch den die Arbeiter aufgefordert werden, die Ruhe zu bewahren und Zu⸗ zu entziehen suchen und die reaktionäre spanische ö sammenstöße mit dem Militär zu vermeiden, 1 denn es wäre den Arbeitgebern gerade erwünscht, Diese schluig bliud auf die Menge ein, Blut floß in Strömen. Der russische Kaiser blieb Rom fern, weil dort eine Volks⸗ 05 — a Tr. 45. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. dun enz die Arbeiter gegen die Soldaten kämpften. on, der General Zappino wurde beauftragt, zwischen 5 0 1 sen Arbeitern und Unternehmern zu vermitteln und er scheint einigen Erfolg gehabt zu haben. dh sie bescheiden die Forderungen der Arbeiter biele d de arte 1 Reih Inal⸗ n Fial, 5 biz en f x in heitz; ittel⸗ Aus. tler n ge⸗ brh⸗ dals lug men. listen . ptth ange⸗ men ragte tung fte ung b thel⸗ chene sishe alls fommenen Bedingungen lauten: baren, läßt ein Telegramm der„Frkftr. Ztg.“ dom Montag erkennen. Darin heißt es:„Der Minenstreik in Bilbao ist trotz heftigem Wider⸗ tand der Unternehmer, besonders der Uẽusländer, aufgehoben. Der General⸗ sapitän ordnete die Zurückziehung der Truppen aus dem Minenbezirke an. Die Bedingungen her Arbeiter wurden angenommen. Die ange⸗ wöchentliche Cohnzahlung, Aufhebung des Kaufzwangs, des Wohnungszwangs der Arbeiter in den Etablisse⸗ ments der Unternehmer, staatliche Beaufsichtigung der Handlungen mit Lebensmitteln und Arbeiter⸗ — ä wohnungen.“ Zu den Parteistreitigkeiteu. Die auf dem Parteitage in Dresden aus⸗ gebrochenen, höchst unerquicklichen Streitigkeiten haben sich in der Presse bis auf die letzten Tage fortgesetzt und im Vorwärts nehmen die „Erklärungen“,„Entgegnungen“ und„Richtig⸗ ftellungen“ ganze Seiten ein, sodaß wir uns gewundert haben, daß die Berliner Partei⸗ geuossen nicht schon längst dagegen protestierten. Das ist aber nun in der Mittwochsnummer geschehen. In einer Zuschrift an das Zentral⸗ organ verlangen eine ganze Anzahl Partei⸗ genossen, daß es dem eklen Gezänk endlich seine Spalten verschließen solle.— In der Tat wirkt das Literatengezänk geradezu widerlich; wir finden es aber begreiflich, wenn die Redaktion des„Vorwärts“ sich außer Stande erklärt, die Auseinandersetzungen zu verhindern. Bewun⸗ dernswürdige Geduld legen die Leipziger Ge⸗ nossen an den Tag, die in ihrem Organ fast tagtäglich etliche Seiten derartiger Streitartikel über sich ergehen lassen müssen. Und der Ton, in dem diese gehalten sind, ist alles andere eher als parteigenössisch. Einzelne Genossen werden in einer Wetse angegriffen, als handelte es sich um hinterlistige, mit den schäbigsten Mitteln arbeitende Gegner.— Mehrings Rechtfertigungs⸗ broschüre ist kürzlich erschienen und hat natürlich noch Oel ins Feuer gegossen. Sie hat wieder eine Reihe von„Entgegnungen“ provoziert und Mehring hat schon eine Neuauflage angekündigt. Denjenigen Genossen, die sich in politischen und wirtschaftlichen Fragen unterrichten wollen und mit ihren Groschen haushalten müssen, würden wir zum Ankauf der Mehring'schen Broschüre nicht raten. Sie können daraus nichts lernen. Wir bekennen uns nicht zum„Revisionis⸗ mus“, eher zum Gegenteil, wir müssen aber dem zuum großen Teil zustimmen, was vor Kurzem Genosse Ehrhardt⸗Ludwigshafen auf der Kreiskonferenz des ersten pfälzischen Wahlkreises sagte. Ehrhardt, der schon seit langen Jahren 1 in der Bewegung steht und dem man noch immer zu den„Radikalen“ zu zählen gewohnt war, sagte unter anderem: „Schwere Vorwürfe wurden erhoben: Wir trieben Komödienspiel, wir hätten Eiterbeulen, der Süden sei ein Sumpf, in Capua(München) gingen die besten Ge⸗ nossen an Leib und Seele verloren usw. Der Geist der Zwietracht wurde unter die Genossen getragen, die sich plötzlich gegenseitig Fremde, ja Feinde wurden. Bebel hat den Parteitag nicht günstig beherrscht. Nahe⸗ zu 60 Seiten des Protokolls füllen seine Reden aus und infolge seiner langen Reden konnten die übrigen eingezeichneten Redner, die praktischen Arbeiter, keine Gelegenheit finden, sich zu äußern. Bebel sagte in einer Berliner Versammlung, wir wären Neurastheniker, wenn wir solches Gebahren nicht vertragen könnten. Aber würde Bebel die Kleinarbeit, die wir zu verrichten haben, tun müssen, er würde anders reden! Es ist tief bedauerlich, daß die Genossen im Lande diese Art der Parteiverhandlung gutheißen, ja zum Teil noch an⸗ feuern. Sehr viel hätte der Parteitag tun können und sollen; um die Maifaler läuft alles herum, wie die Katze um den heißen Brei; über unsere nächsten sozial⸗ politischen Aufgaben im Reichstage, uber all diese Dinge war dringend nötig zu sprechen. Alles schreit jetzt:„Kreuzigt die Sünder!“, die man als Beute opfern will. Sind denn diese absolut an dem Streit schuld? Schon längere Zeit betreiben Mehring und sein Adlatus Jäckh in der Leipziger Volkszeitung eine recht häßliche systematische Hetze gegen verschiedene Parteigenossen, namentlich auch ist es die Art ihres Kampfes gegen unser Zentralorgan, den Vorwärts. Das ist nicht mehr parteigenössisch! Schon anfangs September hat Mehring in der Leip⸗ ziger Volkszeitung aus den gesamten Jahrgängen der Hardenschen Zukunft alles zusammengesucht, um zu be⸗ weisen, ein wie großer Bösewicht Harden sei, und daß sich an seinen„Bübereien“ die Parteigenossen Braun, Göhre, Bernhardt und Heine beteiligten. Die seit Monaten Gequälten haben fich schließlich ihrer Haut gewehrt. Dem Parteitag lag eine Be⸗ schwerdeschrift der Genossen vor. Ich gebe zu, Braun hat seine Sache recht ungeschickt verteidigt, aber er war bis Dresden ein alter verdienter Genosse. Die Art des Eingriffs von Bebel in dieser Frage ist im höchsten Maße bedauerlich. Gerade er, den wir alle so sehr schätzen, hätte statt hetzen das Gegen⸗ teil tun müssen. die stolze Millionenpartei auf ihrem erwartungsvollen Parteitag nicht anders zu tuu hatte, als einen bürger⸗ lichen Journalisten an den Haaren auf die Armsünder⸗ bank zu zerren, als wäre dieser unser größter Feind. Ein Lump ein Geldmacher, ein Charakter, der mit einer Prostituierten zu vergleichen sei, wurde er genannt. Die Genossen, die in seinem Blatte einige Artikel, die teils in unserer Presse beifällig abgedruckt wurden, ge⸗ schrieben hatten, hat man als Marodeure bezeichnet, die für Judaslohn arbeiten, sich verkaufen, und ein kräftiges„Pfui!“ über sie gerufen. Mehring dagegen war unserem Bebel nur ein pspchologisches Rätsel. Ueber eine solche Art der Stellungnahme fehlt mir jedes Verständnis, ich kann es nur als eine grobe Entgleisung bezeichnen. Der Parteivorstand soll nun die vier Uebeltäter verurteilen. Ich reiche heute noch den vier Angeklagten, von denen mir keiner ans Herz gewachsen brüderlich dite Hand; ich halte mich dazu um so mehr verpflichtet, als ich empfinde, ihnen ist Unrecht geschehen. Ich habe heute noch gegen den vielgeschmähten Göhre die⸗ selbe Hochachtung wie zuvor. Unter dem Sammelnamen Revision hat man auf dem Parteitag Reichstagswahl, Vizepräsidentenfrage und Taktik zusammengeworfen, um endlich abzurechnen und gründliche Arbeit zu machen. Ich mache nicht in Theorie; seit ich vor über 30 Jahren in die Bewegung kam, trage ich immer eine tüchtige Last der Kleinarbeit, die meine Zeit derart absorbiert, daß ich nur mit dem Nötigsten mich beschäftigen kann, um mir ein selbst⸗ ständiges Urteil zu bilden. Erst sei der Julihitze hat Bebel Bis heute ist die Spezies noch nicht auf ihre wahre Beschaffenheit geprüft worden. Dem„talmudischen“ Bernstein lann man doch nicht mehr anziehen, er hat doch in Lubeck pater peccavi gesagt. Unsere Grund⸗ lehren sollen angezweifelt worden sein, unsere altbewährte, sieggekrönte Taktik über den Haufen geworfen werden. Wir haben uns, seit wir sozialistisch denken, darauf etwas eingebildet, daß wir keine Bibel und keine Päpste haben, daß wir keine Sekte irgend einer Lehre, sondern eine Parte sind, die ihr Programm stets mit der Wissenschaft in Einklang zu erhalten hat. Wer die Parteientwicklung verfolgt, muß erkennen, daß, so lange die Bewegung besteht, wir auch Meinungs⸗ differenzen haben, sie haben müssen. Den alten Lasalle⸗ anern war es sicherlich recht empfindlich, daß zwei Grundpfeiler der Forderungen, die der große Meister Lassalle aufstellte, eingerissen wurden; aber es mußte geschehen, die Partei hat keinen Schaden erlitten. Wir stehen heute nicht mehr auf dem Standpunkt, daß alle politischen und wirtschaftlichen Kämpfe nur unsere Machtlosigkeit erkennen lassen. Vor 35 Jahren hatte ich eine Arbeitszeit vou 16 Stunden; man ver⸗ gleiche damit, wie die Dinge heute liegen. Es ist ein Fortschritt vorhanden, warum sollen wir ihn ableugnen? Wir haben ihn nicht dem guten Willen des Unter⸗ nehmertums, auch ntcht der väterlichen Fürsorge des Staates, sondern der Arbeiterbewegung, im besonderen der Gewerkschaftsbewegung zu verdanken. Wir haben früher Gewerkschaften gegründet als Mittel zum Zweck, sie sollten eine Vorschule für die Partei sein. Heute ist das anders geworden. Der Kampf derselben bezweckt eine beständige Hebung der Lebenshaltung der Arbeiter⸗ klasse. Bebel sagte:„Wir waren noch nie so uneinig als jetzt.“ Diese Behauptung hat er durch nichts be⸗ wiesen. Wie schon bemerkt, hatten wir in der Partei stets Meinungs differenzen...“ Die Konferenz erteilte Ehrhardt ein Ver⸗ trauensvotum. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. In Crimmitschau ist die Lage noch un⸗ verändert. Mit heißem Bemühen suchen die Es ist geradezu jämmerlich, daß entdeckt, daß es unter uns von Revisionisten wimmle. dergiftung gestorben war, die Rente an die Fabrikanten Arbeitswillige zu erhalten, doch haben sie nur geringen Erfolg. Vor einigen Tagen erklärten sie, daß sie ihrem Vorsitzenden verboten haben, sich auf Verhandlungen mit den Arbeitern einzulassen. Der Bürgermeister hat den Führern der Bewegung aufgegeben, sie möchten ihre Leute warnen, es käme eine neue Polizeiordnung heraus zum Schutze der Arbeitswilligen. Das Polizeiaufgebot ist wiederum verstärkt worden. Die Fabrikanten liefen am Montag bei Arbeitsbeginn durch die Straßen, um die Arbeits willigen zu schützen. Eine Anzahl Arbeitswilliger sind gleichwohl wieder von der Arbeit ferngeblieben.— Uater⸗ stützung ist dringend notwendig! Eine Einigungskommission zur Beilegung von Lohnstreitigkeiten ist von den Arbeitern und Arbeitgebern der Ber⸗ liner Holzindustrie geschaffen worden. Man perständigte sich auf die Schaffung einer solchen Einrichtung, um die fortwährenden Differenzen rascher schlichten zu können. Die Organisationen der Arbeitgeber sowohl wie der Arbeitnehmer haben sich bereit erklärt, die Entscheidungen der Einigungskommission als für ihre Mitglieder verbindlich anzuerkennen. Die Parteien wählen in diese Kommission je 7 Vertreter. Diese Kommission soll bei allen Differenzen ihre Ent⸗ scheidung treffen. Wegen unbedeutender Streitig⸗ keiten in den Werkstätten soll sie nicht angerufen werden, sie wird vielmehr nur dann in Wirk⸗ samkeit treten, wenn der größere Teil der Arbeitnehmer die Verhandlungen Entstehen in diesen Betrieben Differenzen, so soll die Arbeit nicht früher niedergelegt werden, bis die Kommission einen Versuch zur Schlich⸗ tung unternommen hat. Zur Prüfung muß ihr eine angemessene Zeit, mindestens eine Woche, gegeben werden. N Rechtssprechung. Das Reichsversicherungsamt hat in einem Falle entschieden, daß für einen Arbeiter, der während der Betriebsarbeit von einem Insekt gestochen wurde und dann an Blut⸗ Hinterbliebenen zu zahlen sei, weil es sich um einen Unfall handelte, der mit dem Betrieb ursächlich zusammenhing. Der Betrieb war ein Steinbruch: in dessen Nachbarschaft befand sich ein Tümpel, der verwesende Stoffe enthielt, die schädliche Insekten herbeilockten. Um das Koalitionsrecht suchen manche Unternehmer die Arbeiter dadurch zu bringen, daß ste einen Passus in die Arbeitsordnung aufnehmen, wonach die Arbeiter, wenn sie ihrer Gewerkschaft beitreten, entlassen werden. Da ist eine Entscheidung von Interesse, welche das Gewerbe-Gericht in Katserslautern kürzlich fällte. Eine dortige Buchdruckerei hat in ihrer Arbeitsordnung die Bedingung, daß Gehilfen, die dem Verband Deutscher Buch⸗ drucker angehören, nicht bei ihr aufgenommen werden und ihre sofortige Entlassung erfolgen könne, wenn sie dem Verbande insgeheim bei⸗ treten. Unter diesen Bedingungen wurde ein Gehilfe eingestellt, der am 28. August kündigte. An diesem Tage erfuhr auch der Prinzipal, daß jener dem Verband angehört, weswegen er ihn sofort ohne Zahlung einer Entschädigung entließ. Das angerufene Gewerbegericht ent⸗ schied, daß der Prinzipal zur Zahlung des Lohnes für 14 Tage verpflichtet sei. Jene Be⸗ stimmungen der Arbeitsordnung seien nach§ 138 des B. G.⸗B. ungültig, weil sie den guten Sitten widersprächen. Von Nah und Lern. Hessisches. Im Finanzausschuß der Zweiten Kammer brachte Genosse Ulrich zu dem Antrag unserer Fraktion betr. Beseitigung der Stempelsteuer und Deckung des Aus⸗ falles durch eine Erhöhung der Progres⸗ sion der Einkommensteuer, eine Berech⸗ nung, die im Gegensatz zu der von dem Finanz⸗ ministerium bereits veröffentlichten Berechnung, wünscht. 1 15 f g 1 729 1 5 1 1 15 1 0 N 4 3 1 0 1 1 5 3 f . l 1 9 —— .—— 1 5——————— „. — — 5. r — — 1 b 3—.. ͤͤ——— Seite 4. Mitteldentsche Souutags⸗Zeitung. Nr. 45. die Höchststeuerleistung bei einem Einkommen von 1½¼ Million auf 130 000 Mk. festsetzt. Es wurde beschlossen, die Regierung aufzufordern, auf Grund dieser Berechnung eine Aufstellung vorzulegen, aus der zu ersehen ist, welche Mehr⸗ einnahmen hierdurch zu erzielen seien. Für den Um bau der Markuskirche in Butz bach verlangt die Gemeinde Butzbach einen Beitrag unter Hinweis darauf, daß es sich um Erhaltung eines Baudenkmals handele, das für das ganze Land historisches Interesse habe.— Wir meinen, das Geld wäre an vielen andern Stellen notwendiger zu gebrauchen. Für die Renovierung solcher und ähnlicher „Baudenkmäler“ sind in den letzten Jahren sehr bedeutende Aufwendungen gemacht worden, man sollte damit mal etwas langsam tun. Gießener Angelegenheiten. — Von der Lebenshaltung der Ar⸗ beiter. Es wird immer viel davon geredet, daß sich in den letzten Jahrzehnten die Lebens⸗ haltung und die Lage der Arbeiter überhaupt vedeutend gebessert habe. So hieß es in einem Artikel, den sich der„Gieß. Anz.“ vor einiger Zeit„vom Lande“ schreiben ließ: Der Volkswohlstand hat sich seitdem ent⸗ sprechend gesteigert; die Lebenshaltung des Einzelnen ist infolge höheren Verdienstes besser, wenn auch teurer geworden. Besonders für die Arbeiterklasse haben sich die ma⸗ teriellen Verhältnisse erheblich gebessert. Die Leute, welche derartiges behaupten, sollten sich einmal genau über die Arbeiter⸗ verhältnisse orientieren. Die Besserung ist keineswegs in dem Maße eingetreten, wie es öfters dargestellt wird. Wo soll sie auch her⸗ kommen? Man sehe sich nur die Löhne an, die gegenwärtig gezahlt werden, sie sind kaum höher als vor 20 Jahren. Gewöhnlichen Tage⸗ löhnern bietet man selten mehr als täglich 2 Mk.; Zigarrenmacher kommen nicht viel höher. Aehnlich stehts mit andern gewerblichen Arbeitern. Erst kürzlich wies eine Statistik über die Löhne der Bergarbeiter das Sinken derselben im Jahre 1902 nach. Und dabei stetige Verteuerung der notwendigsten Lebens⸗ mittel und vieler Haushaltungsartikel. Man vergleiche die heutigen Preise der Haupt⸗Konsum⸗ artikel, mit denen vor 20 Jahren und man wird fast überall eine Steigerung feststellen können. Wohnungsmiete, Kohlen, Lebensmittel, Schuhwerk, Steuern— für alles das muß heute die Arbeiterfamilie mehr opfern. Daß heute mindestens neun Zehntel aller Arbeiter sich nicht menschenwürdig ernähren können, ist eine bekannte Tatsache, es lehrt der Augenschein. Von sonstigem Lebensgenusse ist überhaupt keine Rede. Bezüglich der Er⸗ nährung sagte vor Kurzem die„Deutsche Wirt⸗ schaftspolitik“: „Aber von den vorgenannten 35000000 hat nur der kleinst Teil ein Einkommen von 900 Mk., der weitaus größte Teil muß mit noch weniger auskommen, und so ist es nicht erstaunlich, daß viele Millionen Deut⸗ sche überhaupt auf Fleischnahrung verzichten müssen. Speisefette und Speiseöle, sowie Heringe treten in diesen Klassen unserer Arbeiterbevölkerung an die Stelle des Fleisches.“ Die Leute, welche soviel von den besseren Verhältnissen in der Arbeiterklasse reden, sollten einmal genötigt sein, sich ein Vierteljahr mit einer Lebenshaltung, wie sie Arbeiter führen müssen, zu begnügen, sie würden dann bald zu anderer Ansicht kommen. — Friedensvortrag im Krieger⸗ verein. Am Mittwoch Abend hielt ein Agitator des Friedensvereins, Herr Fel d⸗ haus aus Basel, in Steins Garten einen Vortrag vor den Kriegervereinen über den „Krieg der Zukunft“. Nach dem Bericht des „Anz.“ schilderte er die Schrecken des zukünf⸗ tigen Krieges und das Unheil, was daraus für alle Völker entstehen muß. Ein solcher werde gewaltige Erschütterungen des Geldmarktes her⸗ vorrufen, das Versagen der Verkehrsmittel zu Wasser und zu Lande werde eine unerträgliche Verteuerung der Lebensmittel und Hungersnot zu Folge haben. Es gebe, um Kriege zu ver⸗ meiden, nur einen Ausweg: das Schiedsgericht. Der Redner schloß seine Ausführungen mit den Worten des großen Pasteur:„Die Wissenschaft und der Friede werden triumphieren über Un⸗ wissenheit und Krieg“.— Hm, von sozialdemo⸗ kratischer Seite ist alles das schon seit Jahr⸗ zehnten gesagt worden, da hat man das aber alles höchst vaterlandslos gefunden. Es ist ent⸗ schieden ein Fortschritt, daß die Kriegervereine sich einen derartigen Vortrag halten ließen, das ist jedenfalls besser, als„nationale“ Hetz⸗ reden. Rückständiger als die Gießener sind die Wetzlarer Krieger, die ließen den Friedens⸗ mann nicht reden. — Antisemitische Gemeinheit. Diese Woche wurde vor dem Schwurgericht in Hanau gegen eine Anzahl Burschen und Männer aus Lütter bei Fulda verhandelt. Diese waren im vergangenen Sommer eines Nachts in das Haus des dorthin neu zuge⸗ zogenen Schneiders Schäfer eingedrungen, hatten dasselbe demoliert, die Bewohner furchtbar mißhandelt, den Schäfer erschlagen. Aus der Verhandlung ging hervor, daß die blutige Tat von den verrohten Menschen aus Haß gegen den Fremden verübt wurde. Auch der religiöse Fanatismus spielt dabei eine Rolle. Wie wir hierbei gleich hinzufügen wollen, erhielten drei der Täter 6 Jahre Zuchthaus, einer 3 Jahre Zucht⸗ haus, einer 1¼ Jahr Gefängnis.— Bevor nun die Gerichtsverhandlung noch stattgefunden hatte, besaß das Offenbacher antisemitische Blättchen die unerhörte Frechheit, jene mensch⸗ lichen Bestien als Sozialdemokraten zu bezeichnen! Ueber einen solch' ver⸗ rückten und schmutzig⸗gemeinen Angriff wird jeder Einsichtige lachen! Der in jeder Beziehung bankrotte Antisemitismus versucht jetzt nur noch mit derartigen Schwindelnotizen Eindruck zu machen. Nein, in jenem entlegenen Orte gibts keine Sozialdemokraten. Sind wir soweit, daß jene zurückgebliebene Gegend sozialdemokratisch ist, dann kommen solche Roheiten nicht mehr vor, dann wird man aber auch nichts mehr von Antisemitismus hören. Denn es ist Pück⸗ lerischer Geist, der in dieser Tat zum Ausdruck kommt, derselbe, der auch die Anti⸗ semiten beseelte, die vor Kurzem in Schlochau den armen jüdischen Handwerksburschen tot⸗ prügelten. — Der Arbeiter-Sänger bund für den Rhein⸗ und Maingau hielt am Sonntag vor 8 Tagen seine fünfte von 75 Vertretern besuchte Generalversammlung in Sossenheim ab. Nach dem vom Vorsitzenden, Ge⸗ nossen Fladung⸗Hausen erstatteten Vorstandsbericht ge⸗ hören dem Bunde zur Zeit 86 Vereine mit etwa 5500 Mitgliedern an. Außerdem gehören noch zwei gemischte Chöre dem Bunde an. Neu gewonnen wurden in diesem Jahre 24 Vereine. Anschließend an den Vor⸗ standsbericht gab Genosse Burkhard den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 1002,11 Mk., denen Ausgaben von zusammen 822,61 Mk. gegenüberstehen. Der Ver⸗ mögensbestand beträgt 484,40 Mk. Dem Bericht über das Sängerfest in Die burg entnehmen wir, daß an Ausgaben an die Gemeinde 20 Proz. vom Eintritts⸗ geld und 5 Proz. von der Einnahme für Volksbelustig⸗ ungen gezahlt werden mußten. Der Ueberschuß dürfte etwa 100 Mk. betragen.— Bei der Beratung der Statuten werden die Bundesbeiträge in Zukunft wie folgt festgesetzt: Vereine bis zu 25 Sänger zahlen pro Quar⸗ tal 1,50 Mk., bis 50 Sänger 3 Mk., und Vereine über 50 Sänger 4,50 Mk.— In den Vorstand wurden die Genossen Fladung als Vorsitzender, Burkhard als Kassier gewählt.— Eine größere Anzahl von Vereinen hatten sich um die Abhaltung der nächsten Generalver⸗ sammlung in ihren Orten beworben. Die Mehrheit der Delegierten entschied sich für Kostheim.— Aus Gießen nahm Fourier an der Generalversammlung teil. Aus dem Rreise sriedherg⸗Püdingen. * Wegen Körperverletzung im Amte hatte sich am Dienstag der Lehrer Kredel aus Petterweil vor der Strafkammer in Gießen zu ver⸗ antworten. Er hatte während der Schulstunden die 11 jährige Tochter des Bahnarbeiters Leichner derart geschlagen, daß diese einige Tage das Bett hüten mußte. Die vom hessischen Ministerium für die Lehrer herausgegebene Instruktion verbietet aber vernünf⸗ tigerweise die körperliche Züchtigung der Schulmädchen und es charakterisiert sich eine solche deshalb als Körper⸗ verletzung. Es mag wohl Fälle geben, wo es dem Lehrer sehr schwer gemacht wird, die Instruktion zu be⸗ folgen; besonders wenn er es, wie in diesem Falle mit einem recht ungezogenen Kinde zu tun hat. Der An⸗ geklagte steht bereits im 75. Lebensjahre, seit 54 Jahren ist er Lehrer in Petterweil— die Eltern des betr. Kindes gingen schon bei ihm in die Schule— und er hat sich während dieser langen Zeit nichts zu schulden kommen lassen, seine vorgesetzten Behörden stellen ihm das beste Zeugnis aus. Der Staatsanwalt bedauerte, daß man gesetzlich genötigt sei, diese Sache hier(am Landgericht) zu verhandeln. Er billigte dem Ange⸗ klagten mildernde Umstände in weitestem Umfange zu und beantragte 3 Mk. Geldstrafe. Das Gericht er⸗ kannte auf 25 Mk. Geldstrafe und Kosten.— Wenn aus der Rede des Staatsanwalts das Bedauern heraus⸗ klang, daß die erwähnte ministerielle Instruktion über⸗ haupt besteht, so vermögen wir uns demselben leineswegs anzuschließen. Anderseits läge es aber im Interesse der Eltern und besonders der Kinder, wenn erstere sich mehr mit dem Lehrer verständigten und bei der Er⸗ ziehung zum Besten ihrer Kinder Hand in Hand mit ihm arbeiteten. Es kommt leider noch oft vor, daß durch das Verhalten der Eltern dem Lehrer sein ohnehin nicht leichter Beruf erschwert wird, was ihn in eine gereizte Stimmung versetzt. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Vortrag. Die Lesevereinigung hält am Donnerstag 12. November ihren zweiten Vor trags⸗ abend ab. Herr Prof. Kohl-Marburg spricht über „Die Beziehungen des Lichts zur Pflanzenwelt.“ h. Auf die Parteiversammlung, welche diesen Sonntag nachmittags 3 Uhr im Lokale Orbig in Gießen stattfindet, machen wir nochmals aufmerksam. Landtagswählerversammlung. Am Sonntag fand im Schützengarten zu Wetzlar eine stark besuchte Versammlung konserv. Land⸗ tagswähler statt. Der Kandidat der Konser⸗ vativen, Herr Stackmann, hielt seine Pro⸗ grammrede. In der Diskussion sprachen nur konservative Redner, obwohl die Herren des natl. Wahlvereins einschließlich ihres Kandidaten anwesend waren. Es fiel allgemein auf, daß der seitherige Vorsitzende des nationall. Vereins, Herr Justizrat Aldefeld demonstrativ am Vor⸗ standstische der Konservativen Platz genommen hatte. Die Nationalliberalen werden am Wahl⸗ tage die Erfahrung machen, daß man eine Minderheit vergewaltigen kann und doch am letzten Ende mit der Mehrheit keine Erfolge er⸗ zielt. Am nächsten Sonntag wollen die Nationalliberalen eine Wählerversammlung abhalten, in der Dr. Johannes aus Köln reden wird. Sie wollen nichts vom Frieden hören. Die internationale Friedensliga zu Bern läßt gegenwärtig durch einen Wander⸗ redner für ihre Ideen Propaganda machen. Derselbe sollte im Kriegerverein zu Wetzlar über„den Krieg der Zukunft“ reden, und den Vortrag mit Lichtbildern zu ergänzen. Der Kriegerverein hat aber dem Redner wieder ab⸗ geschrieben, als die Vereinsmacher merkten, daß die Friedensidee nicht zu den chauvinistischen Tendenzen der Kriegervereine paßt.— Wie wir hören, wird der Vortrag nun doch von einem andern Verein aufgenommen werden.(Siehe unter Gießener Angelegenheiten. Red.) — Volks versammlung in Gleiberg. Zur Gedenkfeier an den Erlaß des Sozialisten⸗ gesetzes fand am Sonntag im Feußer'schen Saale in Gleiberg eine Versammlung statt, die einen sehr starken Besuch aufzuweisen hatte. Die Ge⸗ nossen Vetters und Krumm aus Gießen schilderten die Ursachen, welche Bismarck zur Verhängung jenes Gesetzes über die Arbeiter- bewegung veranlaßten, sowie die Kämpfe und Verfolgungen, die unsere Genossen während seiner Herrschaft über sich ergehen lassen mußten. Das Wachstum unserer Partei beweist, wie kläglich das Unterfangen der besitzenden Klasse, unsere gute und gerechte Sache zu vernichten, scheiterte. Unter lebhaftem Beifall schlossen beide Redner mit der Mahnung, im Kampfe nicht nachzu⸗ lassen, sondern tüchtig an der Ausgestaltung der politischen und gewerkschaftlichen Organi⸗ sation weiter zu arbeiten.— Hierauf wurde noch über die bevorstehende Landtagswahl dis⸗ kutiert und beschlossen, sich an derselben durch Aufstellung eigener Kandidaten zu beteiligen. Einer Kommission wurden die Vorarbeiten hier⸗ zu übertragen. J Aus dem 5. nassauisch. Wahlkreis. Von dem Artikel in Nr. 42 der M. S.⸗Z.— so schreibt * 2 — — — FFFFCCCTCrTrTTßTT(T000TT 3 7 r— ir f 2 D r N e zu bewegen. „Nachtasyl“ Elend bis zur Neige durchgekostet hat. „Nachtasyl“ schildert er die Armen, mit denen — ——— Nr. 45. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. man uns aus Haiger— in dem die luxuriöse Ein⸗ richtung der Kaffeebude der Auslader auf der Agnes⸗ hütte geschildert war, ist der Direktor Wenner nicht sehr erbaut, trotzdem er durch Instandsetzung der Bude aner⸗ kannte, daß hier Abhülfe nötig war. Die Bude ist nunmehr geweißt, die Türen sind verschließbar und die Fenster dicht gemacht. Auch das Dach ist mit Pappe repariert worden. Trotzdem jst der genannte Leiter un⸗ zufrieden mit dem Artikel, als dessen Verfasser er unseren Genossen Trott vermutet; er hat an den Landrat geschrieben, damit unser Genosse in Zukunft besser bewacht werden soll. Dagegen hat dieser gewiß nichts einzuwenden, denn es giebt hier Leute, die andere mit der Hundepeitsche bedrohen. Außerdem hat der Direktor gegen Trott Strafantrag gestellt, weil dieser bei der angeblichen Besichtigung der Bude das Bahn⸗ gellise unbefugt betreten haben soll. Es hätte nichts geschadet, wenn man lieber die Zustände an dem Bähn⸗ chen ein er eingehenden Revision unterzogen hätte. Sorge man beispielsweise für genügende Beleuchtung! Jetzt müssen sich die Auslader zum teil mit selbstgekauften Laternchen behelfen, sodaß die Arbeiter abends, wenn rangiert wird, geradezu in Lebensgefahr schweben. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. * Gen. Dr. Michels hält sich gegen⸗ wärtig in Paris auf, wo er bei den deutschen wie auch bei französischen und italienischen sozialdemokratischen Vereinen Vorträge hält. bh. Wahlvereins versammlung. Am vergangenen Samstag fand im Jesberg⸗ schen Lokale die regelmäßige Versammlung des Wahl vereins statt. Zum ersten Punkt hielt Gen. Dr. Thesing einen beifällig aufge⸗ nommenen Vortrag über:„Sozialdemokratie und Religion“, an den sich eine kurze Diskussion schloß.— Der zweite Punkt betraf die Land⸗ tags wahlen. Gen. Weber erläuterte die Bestimmungen des Klassenwahlrechts und hob dabei hervor, wie notwendig und vorteilhaft es auch für die Marburger Genossen sei, sich an den Wahlen zu beteiligen. Jetzt allerdings sei es zu spät, da keine Zeit mehr für die Agitation übrig bleibe.(Dieser Meinung sind wir nicht. Es können sehr wohl noch Wahl⸗ männer aufgestellt und auch noch Versammlungen abgehalten werden. Die Marburger Genossen müssen doch in der Lage sein, eine Anzahl Wahl⸗ männer durchzubringen.)— Hierauf wurde die Landagitation wieder zur Sprache ge⸗ bracht, bezüglich deren in letzter Zeit recht wenig getan worden ist. Man erklärte sich damit einverstanden, daß jeder seine gelesene Zeitung an den Vertrauensmann zur Ver⸗ wendung als eIgitationsmaterial abliefern solle. — Die Mitgliederzahl des Wahlvereins weist at 5 Steigerung auf, sie beträgt je 8 bh. Eine Bäckerversammlung fand am Freitag Abend im Hildmannschen Saale statt, die von einigen 20 Personen besucht war. Als Referent war Genosse Leidig aus Frank⸗ furt erschienen, der über die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation sprach. Wie in vielen andern Orten, sind auch hier die Bäcker schwer zum Beitritt in die Gewerkschaft Sie laufen lieber Vergnügungs⸗ vereinen nach; es mangelt ihnen das Ver⸗ ständnis für die ernsten und hohen Aufgaben der Arbeiterbewegung. Dabei gibt es wohl kaum einen Beruf, in dem es mit den Arbeits⸗ berhältnissen so schlimm bestellt ist, als in diesem. Man macht in dieser Beziehung bei den Bäckern die gleiche Wahrnehmung, wie bei bei den Metzgern, Kellnern ꝛc. W. Walkottes Rezitation am Freitag Abend hatte auch diesmal Zuhörer in großer Zahl angezogen, der Hildmannsche Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Hier hatte man zur Rezitation ebenfalls das Drama des russischen Dichters Maxim Gorckt ausgewählt. Der Vortragende schickte dem Stück eine kurze Lebensbeschresbung Gorcki's voraus, der unter den erbärmlichsten Verhält⸗ nissen aufgewachsen ist und das 1 m er lebte. Durch den vorzüglichen Vortrag des beliebten Rezitators wurde jede Person des Stückes deutlich markiert und wie der reiche Beifall am Schlusse bewies, waren die Zuhörer auch diesmal voll befriedigt. Kleine Mitteilungen. * In Kloppenheim fiel das zweijährige Töchterchen eines Bahnarbeiters Wiener in einen mit Seifenbrühe gefüllten Waschzuber nnd ertrank. „ Unsinnige Wette. Der 19 Jahre alte Techniker Friedrich Hohweller aus Neustadt a. H. hatte in Bingen nach einer Bierreise gewettet, innerhalb weniger Minuten vier Schoppen neuen Wein zu trinken. Er löste seine Wette ein, verfiel aber kurze Zeit darauf in Bewußtlosigkeit und Krämpfe, und starb andern Tags. * Ordnungs stütze. Der ehemalige Stadtver⸗ ordnete Bauer in Köln, Vorsitzender des Rheinisch⸗ westfälischen Tonröhrensyndikats, wurde wegen fortge⸗ setzter Unterschlagungen und Verleitung zum Meineide zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt; außerdem wurde auf 3 Jahre Ehrverlust erkannt.— * Ein Großfeuer, das am Sonntag Nachmit⸗ tag in der Gerichtsstraße in Oberlahnstein aus⸗ brach, äscherte vier Wohnhäuser ein. Dadurch wurden acht Familien obdachlos. * Wegen dreifachen Kindesmords be⸗ findet sich die Büglerin Klees in Wiesbaden in Untersuchungshaft. Vor zwei Jahren hat sie in Mainz geboren und das Kind beiseite geschafft und voriges Jahr, als sie in Wiesbaden in Stellung war, und wiederum geboren hatte, eine gleiche Tat verübt. Den dritten Kindesmord verübte die Klees vor einigen Wochen. Sie packte, wir bekannt, die Leiche in einen Koffer und schickte ihn an eine fingierte Adresse nach Gießen. Der Koffer kam wieder an die Ober⸗Postdirektion nach Frank⸗ furt zurück, wo man beim Oeffnen die Kindesleiche ent⸗ deckte. Die Klees soll ein Geständnis abgelegt haben. „ Wer begnadigt wird. Dem früheren Oberleutnant Rueger ist seine über ihn vom Ober⸗ kriegsgericht in Metz am 30.“ März 1901 verhängte Zuchthausstrafe von 6 Jahren durch Gnadenerlaß des Kaisers für den verbleibenden Rest in gleichdauernde Gefängnisstrafe umgewandelt worden. Rueger, der bei dem Infanterie⸗Regt. in Mörchingen stand, hatte seiner Zeit den Chef der neunten Kompagnie, Hauptmann Adam, erschossen. Partei-Nachrichten. Genosse Franz Hoffmann, Reichstagabg. für den 22. sächs. Wahlkreis Reichenbach ist am Mittwoch abend in Chemnitz ge⸗ storben. Hoffmann, am 26. Februar 1852 in Stötteritz bei Leipzig geboren, lernte Zigarrenmacher und etablierte sich 1886 als Zigarrenfabrikant in Leipzig. Von dort im gleichen Jahre auf Grund des Sozialisten⸗ gesetzes ausgewiesen, wandte er sich nach Chemnitz, Seit 1892 vertrat er den genannten Wahlkreis im Reichstage; von 1895 bis 1900 gehörte er auch dem sächs. Landtage an. Genosse Wenzel in Ludwigshafen starb dort am Freitag voriger Woche. Als einer der ältesten pfälzischen Parteigenossen erfreute er sich seines liebens⸗ würdigen Charakters wegen allgemeiner Achtung. Ein riesiger Leichenzug von ca. 10 000 Teilnehmern gab ihm das letzte Geleite. Am Grabe widmete Abg. Ehrhardt dem Toten herzliche Abschiedsworte. Stadtverordnetenwahlen. In Görlitz wurden bei der Stadtverordnetenwahl zwei Sozial⸗ demokraten gewählt. Drei stehen in Stichwahl, — In Köln siegten die Zentrumskandidaten mit 6600 Stimmen, Sozialdemokratische Stimmen wurden 1150, liberale 2000 abgegeben. Versammlungskalender. Samstag, den 7. November. Gießen. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Wetzlar. Parteiversammlung für den Kreis Wetzlar nachmittags 3 Uhr bei Orbig-Gieß en, Rittergasse. Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Ludwig Germer. Die Genossen werden um zahlreiches Erscheinen gebeten. Montag, den 9. November. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 11. November. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 8 Uhr Sitzung bei Orbig. Samstag, den 14. November. Lauterbach. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer. Berichtigung. In einem Teile der heutigen Auf⸗ lage ist ein Satzfehler stehen geblieben. Die Ueberschrift des Rundschau⸗Artikels auf Seite 2, zweite Spalte muß heißen: „Fortschreitende a ntisemitische Versumpfung“. Zu den preußischen Landtags⸗ wahlen. Wie erfolgt die Wahl der Wahlmänner durch die Urwähler? Jede der nach der Höhe des Einkommens ge⸗ bildeten Klbassen wählt für sich Wahlmänner. Für je 250 bis 499 Einwohner des Urwahl⸗ bezirks ist ein Wahlmann, für jeden Wahlbe⸗ zirk also 3 bis 6 Wahlmänner zu wählen. In jeder Klasse sind, wenn 3 oder 6 Wahl⸗ männer zu wählen sind, gleich viel(1 oder 2) Wahlmänner zu wählen. Sind 4 Wahlmänner zu wählen, so wählt die zweite Klasse 2, die übrigen je einen Wahlmann. Sind 5 zu wählen, so wählt die erste und dritte je 2, die zweite einen. Die Wahl der Wahlmänner wird in folg⸗ ender Art vorgenommen: Im Wahllokal wird jeder Wähler— die der dritten Klasse zuerst — einzeln aufgerufen, tritt an den Wahltisch und gibt öffentlich(nicht durch Stimmzettel) seine Stimme für so viel Wahlmänner ab, als in der Abteilung zu wählen sind.— Die Namen der zu wählenden Wahlmänner kann der Wähler sich vorher aufschreiben oder aufschreiben lassen und dann ablesen. Wer nach Eröffnung der Verhandlung kommt, meldet sich beim Vorsteher und kann an der noch nicht geschlossenen Wahl teilnehmen. Im Wahllokal dürfen nur die Stimmberech⸗ tigten bleiben, indes kann der Wahlvorstand uach seinem Ermessen vorübergehend die e gestatten. Die dritte Abteilung wählt zuerst. Es ist deshalb durchaus erforderlich, auf die Minute pünktlich zu erscheinen. Ist die Wahl der dritten Klasse geschlossen, so haben die Mitglieder derselben das Wahl⸗ lokal verlassen. Es folgt dann die Abstimmung der zweiten Klasse. Hat sich die absolute Mehrheit auf die zu wählende Anzahl Wahlmänner vereinigt, so sind diese gewählt. Ist eine absolute Mehr⸗ heit nicht bei allen Wahlmännern erreicht (ist z. B. bei einer Wahl von drei Wahl- männern nur auf einen Wahlmann die Mehr⸗ heit gefallen), so kommt in die ä engere Wahl die doppelte Anzahl der noch zu wählenden Wahlmänner(bei unserem Beisptel also vier). Ueber diese vier wird abermals abgestimmt und diese Prozedur so lange fortgesetzt, bis die erforderliche Anzahl Wahlmänner mit absoluter Mehrheit gewählt ist. Erst dann können die zur Wahl erschienen Urwähler abtreten. Es ist daher erforderlich, daß jeder Urwähler genau weiß, wem er die Stimme zu geben hat, daß ferner der leicht stattstndenden Stichwahlen halber der Urwähler so lange im Lokale bleibt, bis die Stichwahlen erledigt sind. Wahlmänner. Der Wahlmann muß im Urwahl⸗ bezirk wohnen, Urwähler desselben Urwahl⸗ bezirkes sein, wie seine Wähler. Er kann aber Wähler einer anderen Klasse sein, als von der er gewählt wird. Nach dem Mainzer Parteitagsbeschluß dürfen nur sozialdemokratische Wahlmänner von unserer Partei aufgestellt werden. —— 23 Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 4. November: Butter per Pfd. Mk. 1,00— 1, 10, Hühnereier 1 St. 7—9 Pfg., Enteneier 1 St. 8—0 Pfg., Gänseeier 1 St. 00— 00 Pfg., Käse pr. St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,00— 5,50 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,50—5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,70 bis 0,90, Hühner per St. Mk. 1,30—1,80, Hahnen per St. Mk. 0,70— 1,50, Enten per St. Mk. 1,70 bis 2,20, Gänse per Pfd. 56—60 Pfg. Stuuteb bhονꝓ: Teuer. Spielplan für Giessen. Sonntag, 8. Nov.:„Bluthochzeit“. Dienstag, 10. Nov.:„Don Carlos“. Mittwoch, 11. Nov.(in Dillenburg): „Alt⸗ Heidelberg“. Freitag, 13. Nov.:„Hasemanns Töchter“. Spielplan für Marburg. Montag, 9. Nov.:„Glück im Winkel“. Donnerstag, 12. Nov.:„Bluthochzei.“. 5 ———— —— — ——— Seite 6. Nr. 45. Diejenigen Wahlmänner ⸗Kandidaten, welche bei den Urwahlen gewählt worden sind, müssen, wenn ste im Wahllokal bei Verkündung ihrer Wahl anwesend sind, sofort erklären, ob sie die Wahl annehmen. Sind ste nicht anwesend, so haben sie binnen 3 Tagen, nachdem die Wahl ihnen angezeigt, die Erklärung abzugeben. Theodor Mommsen ist am Sonntag Vormittag in Berlin, beinahe 86 Jahre alt, gestorben. Sein Tod bedeutet einen empfindlichen Verlust für die deutsche Wissenschaft und wird als solcher in der ganzen Presse gewürdigt. Geboren am 30. November 1817 zu Garding(Schleswig), wo sein Vater Prediger war, widmete sich Mommsen von 1838 bis 1843 zu Kiel juristischen und histo⸗ rischen Studien und lebte dann einige Zeit als Privatlehrer zu Altona. Darauf machte er wissenschaftliche Reisen in Italien und Frankreich und wurde 1848 als außerordentlicher Professor der Rechte nach Leipzig berufen. 1858 wurde der Gelehrte zur Leitung des großen lateinischen Inschriftenwerkes von der Akademie der Wissenschaften nach Berlin berufen. 1874 wurde er zum ständigen Sekretär der königlichen Akademie der Wissenschaften gewählt; dieses Amt legte er 1895 nieder. 1895 wurde er Mitglied der Pariser Akademie, 1886 Ehren⸗ bürger von Rom. 1873 bis 1882 gehörte Mommsen dem preußis hen Abgeordnetenhause an, wo er sich erst zur nationalliberalen Fraktion hielt, später der liberalen Vereinigung beitrat. Mommsen war Forscher in der alten, speziell der römischen Geschichte. Die materialistische Geschichtsauffassung blieb ihm fremd, er sah die Ereignisse als„Taten“ großer Persönlich⸗ keiten. Aber er war doch Sachkenner genug, um nichts zu verhüllen und sein Forscherfleiß und Forschergeschick machten ihn zum Quellen⸗ finder ersten Ranges. Er blieb ein tapferer Mann bis in sein Alter. Er hat zur Zeit der Zolltarifdebatten bekanntlich erklärt, die einzige große Partet, die Anspruch auf Achtung habe, sei die Sozialdemokratie. Eine Anerkennung der Wahrheit, die seinen bürgerlichen Freunden ein Wermutstropfen ist im Tranke der Erinnerung an den großen Toten. Geht auch ohne Fahne! Die Kriegervereine in Schöppenstedt und Wieda i. Harz waren aus dem braun⸗ schweigischen Landwehrverbande ausgetreten. Daraufhin hatten sie von der Behörde(Kreis⸗ direktion) die Aufforderung erhalten, entweder dem Verbande wieder beizutreten oder das braun⸗ schweigische Landeswappen aus der Fahne zu entfernen. Der Kriegerverein in Wieda hat jetzt, wie berichtet wird, den Wiederbeitritt ab⸗ gelehnt und beschlossen, die Fahne künftig un⸗ benutzt zu lassen. Solchen gesunden Oppo⸗ sitionsgeist dürfte man bei den meisten Krieger⸗ vereinen vergeblich suchen. Zur Konitzer Mordaffaire. Moritz Lewy, der im Jahre 1901 vom Konitzer Schwurgericht wegen Meineid zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ist kürzlich begnadigt worden. Lewy hatte damals eidlich erklärt, daß er den ermordeten Ernst Winter nicht gekannt habe. Auf Grund einiger Zeugen⸗ aussagen, mit denen aber andre im Widerspruch standen, hatte das Schwurgericht angenommen, daß diese Angabe unwahr gewesen sei. Es gibt aber viele veute, welche überzeugt sind, daß L. zu Unrecht verurteilt worden sei. Die antisemitische Presse nutzte jenen Wahrspruch für ihre Hetzereien aus und stellte es unter bewußten Been so hin, als ob der Spruch der eschworenen einen bestimmten Schuldverdacht gegen die Familie Lewy in Bezug auf die Er⸗ mordung des Winter enthalte, und hatte in diesem Zusammenhang immer wieder von einem Ritualmord gesprochen. Beides ist inzwischen bündig widerlegt worden. Die Familie Lewy steht außerhalb jedes Verdachts, und gleichzeitig ist amtlich festgestellt worden, daß von einem „Ritualmord“ keine Rede sein kann. entsprechendem Selbstgefühl wegen bewiesener Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. S 8 Anterhaltungs-Ceil. — Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. 6.(Fortsetzung.) Tobias kehrte zurück.„Es ist nichts,“ sagte er zu der Bäbe.„Auch auf dem Felde ist niemand— wir können ganz außer Sorge sein.“ Erheitert schaute das Mädchen den Wackern an, der bei erneuter Röte des Gesichts und Geistesgegenwart ein stattlicheres Ansehen er⸗ langt hatte. Sie freute sich, daß er der Ge⸗ fahr so beherzt entgegengetreten war, um ste zu beruhigen, und belohnte ihn mit einem Blicke voll Erkenntlichkeit. Dann fragte sie:„Du bist so gut, Tobias— Hast du mich denn wirklich so gern? „Wie kannst du nur so fragen!“ rief Tobias. „Ins Feuer tät ich gehen für dich, wenn's nötig wär'! Umbringen ließ ich mich— auf der Stell'!“ „Nun,“ entgegnete die Bäbe,„so weit wird's nicht kommen!“ Lächelnd ließ sie ihren Blick auf ihm ruhen. Sie sah, daß er viel versprach, aber sie sah auch, daß er's aus Liebe und aus ganz ehrlichem Herzen tat. Sie fühlte, daß er ihr gehörte, und gab sich schweigend der Lust dieser Empfindung hin. Nach einer kleinen Weile rief sie kindlich erfreut und empordeutend:„Ei sieh!—“ Eine Grasmücke hatte auf dem nächsten Baume ihren holden, heimlichen Sang begonnen; eine zweite, durch sie angeregt, antwortete ihr aus benachbarter Baumkrone. Die Liebenden horchten mit Ausrufungen des Vergnügens. Sie hörten nun auch den Lerchensang, der fern und hoch herab ertönte, eine Himmelsmusik, die feiner, ätherischer und allseitig erscholl, so daß die ganze Welt von stlängen umfaßt schien und die fernen di hen nicht störten, sondern recht eigentlich deze mmten. Der Abend war köstlich. Die ungewöhnlich klare Luft hatte von den Strahlen der tief⸗ stehenden Sonne einen goldenen Ton erhalten, der ihr Blau lichter und wärmer erscheinen ließ, und die grünen Bäume hoben sich in reinster Frische davon ab. Es war alles verschönt und verklärt. Die Blumen von dem kleinen Beete hinter dem Hause leuchteten aus dem Schatten mit auffallendem Scheine; sogar das Unkraut im Winkel sah fett und behaglich her, und den Nesseln schien es wohl in ihrer stachelgeschützten 1 zu Nabe f ie Bäbe fühlte sich so glücklich, daß sie das ernste Gespräch, um dessentwillen sie 155 kommen war, nicht sogleich beginnen, sondern lieber uoch den Augenblick genießen wollte. Sie sah umher und sagte zu Tobias:„Wie schön ist s jetzt im Garten! Sieh nur, so hell ist mir der Himmel noch nie vorgekommen wie heute, und so schön hab' ich die Vögel noch nie singen hören, mein' ich. Jetzt horch nur!“ Tobias horchte ein wenig, sah aber haupt⸗ sächlich dem Mädchen ins Gesicht und meinte: „Nun,'s freut mich, daß es dir gefällt! Aber ich 1 doch noch besser als du!“ 0 1¹ Ja; denn ich seh' das Allerschönste!“ Die Bäbe lachte über das Kompliment, das der gute halb wohlgefällig, halb geschämig vorgebracht hatte, und erwiderte neckend:„Du bist ein rechter Schmeichler und Lügner! Sei still 1 5 15 Hand ich geh' fort!“ obias hatte ihre Hand gefaßt und rief: „Das probier' einmal!“ 5 5 Sie zog ein wenig, er drückte stärker, und sie ließ sich gerne drücken und den Geliebten, den Mann, seine Kraft an ihr beweisen.„Ach,“ rief sie,„wer hätte geglaubt, daß du so stark bist Hör' auf, oder ich schrei'!“ das Drücken zum för enlichen Pressen, und die Bäbe tat den Mund auf, als ob sie schreien wollte. Er aber kehrte sich nicht dran und leistete nochmals das Allerbeste, dann erst ließ er sie los. f Die Bäbe, mit der Miene jenes Scheinvor⸗ wurfs, der die beste Anerkennung enthält, sagte: „Du bist aber bös! Wenn ich jetzt geschrieen hätt', und man hätt's gehört, und uns hier getroffen?“ „Bah“, rief Tobias in stolzer Sicherheit; „so hitzig geht's nicht! Und am Ende— was wär's dann?“ Sie, die mutige Weise ihm lassend, versetzte mädchenhaft:„Ja, das glaub' ich, du hast gut reden! Aber wenn man mich bei dir im Garten träfe, da würde es schön über mich hergehen!“ „'s hat keine Gefahr,“ entgegnete Tobias. „Kein Mensch ist um den Weg,? ist ordentlich, als ob's so sein sollt', daß wir hier ungestört beisammen sind. Schau doch herum— siehst du was?“ Das Mädchen sah und hörte niemand; aber ste sah, daß die Helle sich gemindert hatte, daß die Sonne untergegangen und die Frist beinahe schon verstrichen war, die ihr die Pfarrerin zum Besuch einer Kamerädin vergönnt hatte. Sie sagte;„s wird dunkel, Tobias, und die Zeit vergeht. Wir müssen jetzt von dem reden, warum wir zusammengekommen sind!“ Tobias war ernsthaft geworden. Die Mahn⸗ ung hatte ihn mit einem Rucke aus dem heitern Gebiete der Phantasie in die wirkliche Welt versetzt, wo man sich nicht so frei und so schön bewegen kann, sondern vor Hindernissen steht, die aus dem Wege geräumt sein wollen. Be⸗ deutsam nickend, sagte er:„'s ist wahr!“ Die Bäbe begann:„Du hast mir geschrieben, daß du die Sibylle heiraten sollst und nicht weißt, wie du's anfangen sollst, um von ihr loszukommen! Nun sag' mir vor allem eins: hast du mit ihr, eh' du mich kennen gelernt hast, vom Heiraten gesprochen?“ 5 „Nein!“ versetzte Tobias, froh, diese Antwort geben zu können. „Auch mit ihrem Vater nicht?“ „Nein“, wiederholte er.„Ich hab' wohl. gesehen, daß sie mich gern hätt' und sich viel⸗ leicht auch einbildet, ich wollte sie; aber gered't ist nichts worden in der Sach'!“ 5 „Nun, das ist gut,“ sagte die Babe.„Wir haben's also nur mit dem Vater zu tun!“ „Ja“, versetzte Tobias,„nur mein Vater will's haben! Aber das ist ein gewalttätiger Mann, der sich nicht weisen läßt, und wenn er sich einmal was in den Kopf gesetzt hat, dann meint er, es muß'nausgeführt sein, bieg's oder brech's. Darum hab' ich dir eben geschrieben, ob du mir keinen Rat geben kannst, wie wir auf irgend eine Weis'—“ Er hielt inne und schaute sie fragend an. Nach kurzem Bedenken entgegnete sie:„Wir können zweierlei tun. Wenn s wirklich ernst 110 mir ist und du etwas wagen willst für m— „Bäbe!“ rief Tobias mit der Miene des Vorwurfs,„kannst du daran noch zweifeln? Alles wag' ich für dich— alles, was du willst, gar alles!“ „Nun,“ erwiderte das Mädchen,„dann hat's keine Not, und die Sach' ist einfach. Du gehst zu deinem Vater, sagst, du kannst die Sibylle nicht nehmen, und er solle und er müsse ein Einsehen haben; du würdest unglücklich sein dein ganzes Leben lang— es ginge nicht und Wa nicht tun— um die ganze Welt nicht!“ Tobias hatte betroffen gehorcht und sah nun sehr betreten vor sich hin. Um ein solches Gespräch mit seinem Vater zu vermeiden, hatte er ja gerade an sie geschrieben und von ihr einen Rat gewünscht— und jetzt war das der Vorschlag, den sie machte? Nun, den hätte er sich auch wohl selber machen können und nicht nötig gehabt, deswegen an sie zu schreiben und mit ihr im Garten zusammenzukommen!— Er hatte gedacht, sie wüßte eben ein Mittel, wo er mit seinem Vater gar nicht mehr zu r Tobias, dem das Lob seiner Stärke wohler tat als alle Schönheit des Abends, steigerte reden brauchte! So ein Mittel, wo die Sache auf irgend eine andere Weise ging, ohne einen .—— c r — W.—— — Er stellte Nr. 45. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Auftritt, und' ohne daß er—! Kleinlaut Rio er:„Ist das der Rat, den du mir f i ft I 2 .„Ja,“ versetzte die Bäbe;„und ich weiß keinen gescheiteren. Das ist der gerade Weg, und der ist immer der beste. Frisch gewagt, und gesagt, wie die Sach' ist, und wenn's nicht gleich durchgeht, wie zu vermuten ist, dann Stand 1 Tobias nickte bedenklich.„Diesem Manne so was sagen,“ erwiderte er,„meinem Vater!“ „Grad weil's dein Vater ist,“ versetzte das Mädchen,„mußt du vor allen Dingen mit ihm den Versuch machen und ihm die Ehr' antun!“ „Ja,“ entgegnete der Bursche mit einem kuriosen Lächeln,„dann wird aber er mir auch die Ehr' antun— fürcht ich!—“ Die Bäbe verstand diese tronischen Worte nur halb; in der Meinung, Tobias 101055 nur heftigen Widerspruch und Schimpfreden, fuhr sie fort:„Nun, den ersten Zorn mußt du eben aushalten. Du 19 ja vorhin gesagt, daß du etwas wagen wolltest für mich— oder hab' ich nicht recht gehört?“ „Ja,“ erwiderte Tobias,„das hab' ich schon gesagt!“ Und ganz im Ernste und in bester Meinung hat er's gesagt. Er wollte etwas, er wollte alles wagen für die Bäbe: aber es mußte etwas Außerordentliches, Un⸗ aussprechliches sein, und besonders etwas, das weit vom väterlichen Hause weg vor sich ging. So etwas, hoffte er, würde die Bäbe wissen; und jetzt wollte sie just das gewagt sehen, welches zu vermeiden er gerade alles andere wagen wollte. „Ja,“ begann er nach einer Pause aufs neue,„wagen will ich etwas, ganz natürlich, und recht gern will ich's tun; aber—“ Er hielt wieder inne. Die Bäbe wurde ungeduldig. Mit einem Tone, der ihre Empfindung verriet, bemerkte ste:„Es scheint, du willst just das wagen, was niemand von dir verlangt und was nötig ist, aber gerade nicht!“ 5 „Nicht so,“ erwiderte Tobias;„aber stehst du, Bäbe, vor meinen Vater hintreten, nach allem, was jetzt geschehen ist, und nachdem er glaubt, ich sei mit seinem Plane einverstanden.“ sich vor, wie er das machen sollte, dachte sich das Gesicht des Vaters, seine ersten Reden und Antworten— und es war ihm, als ob's eben nicht ginge. Er stand ratlos da. Die Bäbe fühlte sich ernstlich gekränkt. Sie verzog den schönen Mund und sagte mit dem Nachdruck eines verletzten Herzens:„Nun, ich seh' schon, daß du trotz deiner schönen Reden nichts für mich tun willst, daß du mir nur was vorgemacht hast und daß es mit deiner Lieb' zu mir nichts ist. Ich bin recht dumm ewesen, daß ich geglaubt hab', du hättest mich o gern wie ich dich! Jetzt seh' ich, wie's steht, und jetzt will ich schnell gehen, eh' man uns hier bei einander sieht und ich mit dir ins Geschrei komm' wegen nichts und wieder nichts!“ Sie drehte sich, um fortzugehen. Tobias hielt sie am Arme.„Aber, Bäbe“, rief er vorwurfsvoll,„wie kannst du mir so unrecht tun! Hab' ich denn 951 gesagt, daß ich's nicht tun will? Ich hab's ja nur über⸗ legt— und das wird man doch dürfen? Nun casseler Schirmrfabrik Th. Budde& 00. Sies g¹ naht um Terlaples- Maus- berg a. L., Neugabt ii. Feeldla. duttermartt 14. Beste Bezugsquelle für SCHIRME STockkE Binige Preise! Solide Ware! Schirme werden repariert und neu bezog gut, ich will mit meinem Vater reden— wenn du's durchaus haben willst!“ Das Mädchen war begütigt, und aus dem dunkelbraunen Auge ging ein Strahl auf ihn, der Lieb' und Lob ausdrückte.„Das laß ich mir gefallen,“ rief ste freundlich.„Und sieh, das ist auch bei weitem das beste, was wir tun können! Man sucht oft etwas in der Ferne und hat's ganz in de be. D sag' dir, Tobias: reden, aushalten und auf seinem Sinne bleiben— das führt zum Ziele.“ „Nun,“ versetzte Tobias mit Ergebung,„in Gottes Namen!— Aber— du hast ja vorhin gesagt, du wüßtest noch etwas! Möchtest du mir nicht vorher auch noch sagen—?“ „Nein,“ rief die Bäbe mit Nachdruck.„Es wäre sündhaft, wenn wir etwas anderes täten, eh' du mit deinem Vater gesprochen hast und eh' wir's mit ihm versucht haben. Wenn's da nicht geht und wenn alles nicht hilft, dann ist's immer noch Zeit!“ Tobias machte ein Gesicht, das zu sagen schien:„Alles gut; aber man könnte doch auch das andere Mittel vorher noch überlegen!“ Die Bäbe, die seine Gedanken erriet, fuhr fort,„Wenn man zu etwas kommen will in der Welt, muß man sich resolvieren können und frischweg tun, was man sich vorgenommen hat. Dann setzt man dem anderen etwas in den Weg, und er mag dann zusehen, wie er damit zurecht kommt. Wenn dein Vater so gewalttätig ist, wie du sagst, dann wird er freilich meinen, was er im Kopfe hat, das müss' durchgehen. Aber du sagst eben: ich kann nicht und ich mag nicht— und was will er dann, machen? Fressen wird er dich nicht; und viel⸗ leicht schimpft und tobt er nicht einmal so arg, wie du meinst.“ „Ja, ja, Bäble,“ bemerkte Tobias mit dem Ausdruck tieferer Einsicht,„arg wird's wohl werden!“ „Nun, dann mag's arg werden!“ erwiderte die Bäbe entschlossen.„Wenn man haben will, was man gern hat und was einem das liebste ist, da muß man auch was dafür dulden können. (Fortsetzung folgt.) 555 Weltstatistik. Die Gesamtbevölkerung wird für das Jahr 1902 mit 1,627,770,000 Personen geschätzt. Der Gesamteinfuhrwert in allen Staaten betrüge 60,755,620,454 Francs; der Ausfuhrwert 50, 477,344,125 Francs. Der Gesamtschulden⸗ stand habe im Jahre 1793 12, 160,000,000 Francs betragen; im Jahre 1848 40,095,000,000 Francs, im Jahre 1902 172,847/,611,705 Francs, und zwar entfällt auf Europa eine Schulden⸗ last von 137,854,637,430 Francs, auf Asien von 8,309,342,692 Francs, auf Afrika von 5, 476, 825,475 Francs, auf Amerika von 14,681,821, 250 Francs, auf Ozeanien von 6,544,923,580 Francs. Das Eisenbahnnetz der Welt hat eine Länge von 831,948 Kilometer, wovon 304,402 Kilometer auf Europa, 51,607 Kilometer auf Asten, 19,651 Kilometer auf Afrika, 418,233 Kilometer auf Amerika und 38,065 Kilometer auf Ozeanien entfallen. Die Handelsmarine zählt 22,588 Dampfer mit 13,621,090 Tonnengehalt und 55,107 Segel⸗ schiffe mit 9,276,287 Tonnengehalt. Eur und Amerika zählen die melden Stciff⸗ 25 Splitter. Nicht die sind groß, welche weniger Leiden⸗ Pöhnlich 10 Ihen 1 besitzen als ge⸗ hnliche Menschen, sondern jene allein, wel größere Absichten haben. 1 Rochefoucauld. * 1* Meinungen sind noch nie durch Piken und Schwerter und Kanonen aus einem 515 ver⸗ trieben worden. 5 2 Fox. * Geht, ihr Prediger des zufriedenen, ehrlichen Stolzes ins Bergwerk, in die Muhle, die Schmiede, in die schmutzigen Tiefen der tiefsten Abgründe der Menschenvernachlässigung und sagt dann, kann eine hoffnungsvolle Pflanze edeihen in einer Luft, die so verderbt und so faul ist, daß die helle Fackel 1 Seele auslöscht, so schnell als sie angezündet worden? 0 Dickens. Humoristisches. Des Königs Rock. Unteroffizier zum Rekruten:„Dein Rock is mir heilig, Piefke, aber in die Fresse hau' ich dir, soviel ich will.“ Jedem das Seine. Ein Pfarrer begegnet auf seinem Morgenspaziergang einem Bauern seines Sprengels, der sich auf seinem Acker die Erträgnisse der Ernte mit unzufriedener Miene betrachtete. Nachdem der Bauer seine Not geklagt hatte, sagte der Pfarrer:„Es ist halt Jo! Unser Herrgott gibt jedem seine Bürde zu tragen.“ „Ja, ja, Hochwürden, da haben Sie recht! Bei dem einen ist es die schlechte Ernte, beim andern der dicke Bauch! Auf Kündigung. Junker(im Reichsanzeiger die Rede Wilhelm II. an seine Söhne lesend):„Ich rate euch von Herzen: schafft und arbeitet ohne Unter⸗ laß,— das ist der Kern des Christentums. Am schwersten wird der bestraft, der nichts tut, mit dem Strome geht und die andern arbeiten läßt.“— Jetzt weiß ich nicht, soll ich zuerst das Christentum oder den Mon archismus abschwören.(W. Jak.) Hoffe auf des Himmels Segen, Sprich die Wahrheit allerwegen, So verfällst Du ziemlich bald Der Pleite und dem Staatsanwalt. Dr Geschichtskalender. 3. November. 1900: Eisenbahnunglück be, Offenbach. 1620: Eigentlicher Beginn des 3 O jährigen Krieges. 9. 1848: Robert Blum in Wien ersch ossen. 1799: Napoleon I. wird Konsul. 10. 1880: Kleiner Belagerungszustand über Ham⸗ burg⸗Altona verhängt. 1807: Robert Blum*. 1759: Schiller,. 1485: Luther,* 11. 1901: Grube Kunglück zu Staßfurt; 13 Berg⸗ leute tot. 1887: 4 Ch icagoer Anarchisten gehängt. 12. 1901: Der Bundesrat stimmt der Zollvor⸗ lage zu. 1896: Stöcker wegen Verleumdung verurteilt. 13. 1862: Ludwig Uhland, Dichter, F. 14. 1902: Geschäftsordnungsbruch der Zollmehr⸗ heit im Reichstage. 1831: Friedrich Wilhelm Hegel Philosoph, f. 1716: G. W. v. Leibnitz, berühmter Gelehrter in Hannover. sowie Sämtl. gut und billig ausgeführt. PPUPPPPUP Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges 1 Arbeiterschuhe und Stiefel Winterschuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. Anfertigung nach Mass! 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