212 ——⅛¼——————— — ͤ— 2 Nr. 1. Gießen, Neujahr 1903. 10 Jahra. 5 Redaktion: 2 Nedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. M Id sch Douuerstag Nachmitt 1 l g 4 Uhr 5 itteldeutsche 25 2 kit Uf. Abounementspreis: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespal. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellun ü 5 f 30; 8 g gewähren wir 25 bei 6 mal. Bestellun die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33/0 und bei mindestens 12 mal. be 50%, Wan An unsere Leser! Mit der vorliegenden Nummer tritt die „Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung“ in ihren zehnten Jahrgang. Wie sie als Organ der Sozialdemokratie es stets für ihre Aufgabe gehalten hat, für die Interessen der wirtschaftlich Schwachen, der politisch Unterdrückten einzutreten, so wird sie auch in Zukunft stets auf deren Seite zu finden sein. Unser Blatt hofft, auch in neuem Jahre auf die Unterstützung der Arbeiter und aller Kleinen rechnen zu können. Diese ist umso notwendiger, als uns in diesem Jahre schwere Wahlkämpfe bevorstehen, in denen wir in erster Linie auf unsere Arbeiterpresse als unser bestes Kampfmittel angewiesen sind. Jeder, der zu dem großen Heere der Besitzlosen zählt, jeder, in dessen Brust ein Funken Freiheits⸗ liebe glüht, muß es für seine heilige Pflicht halten, für den Sieg der Sozialdemokratie mitzuarbeiten, soviel nur in seinen Kräften steht. Mit tötlichem Hasse verfolgen die herrschenden Klassen die Partei der Arbeit und der Wahrheit. Jedes Mittel, Lüge, Verleumdung, Gewalt, Hinterlist ist unsern Feinden willkommen, wenn es gilt, uns niederzuschlagen. Arbeiter, Parteigenossen! Freunde! Heftige Kämpfe erwarten Euch! Unter Bruch von Recht und Gesetz hat der Reichstag den gefährlichen Zolltarif angenommen, der in Kraft tritt, sobald es der Regierung beliebt. Der Regierung eben jenes Klassen- staates, in dem kein gleiches Recht für arm und reich besteht! Schon wagen die Feinde des Volkes frech an dem letzten Recht zu rütteln, das Euch noch geblieben ist: Das gleiche Wahl- recht ist in Gefahr! Darum gilt es die Massen rechtzeitig aufzuklären, damit an dem Votum der arbeitenden Volksschichten die Pläne der Gewalthaber scheitern. Neue Militärausgaben, neue Ausgaben für die Flotte, für Kolonialpolitik, für romantische Seeabenteuer sind schon ange— kündigt. Für die Linderung der Arbeits⸗ losigkeit aber haben die herrschenden Parteien nichts übrig. Haben sich diese schädlichen Richtungen innerhalb des Reiches doch stets geweigert, durch eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit die Not, die Verzweiflung, die Leiden der breiten Massen wenigstens zu lindern. Im Hinblick auf Alles dies ist fester Zusammenschluß der arbeitenden Klasse notwendig. Wir wiederholen des⸗ halb dringend unsere Aufforderung: schließt Euch unsern Parteivereinen an, sorgt vor allem für größere Verbreitung der Arbeiter⸗ presse, werbt neue Leser für Euer Blatt, die Mitteldeutsche Sonntagszeitung! Im Kreislauf des Jahres. Wenn in die heimatlichen Gauen Der Frühling siegreich einmarschiert, Da pflegt der Himmel nicht zu blauen Und keine Lerche jubiliert. In Wettern kommt er hergeschritten, Sturmfluten künden seinen Lauf! Erst wenn das Land er sich erstritten, Pflanzt er sein Sonnenbanner auf. Dann erst erfüllt er Flur und Haine Mit seinem holden Blütenduft, Dann erst im gold'nen Morgenscheine Schwingt sich die Lerche in die Luft. Und wenn des Sommers sanftes Glühen Uns träumerisch umschlungen hält, Wenn Falter gaukeln, Rosen blühen— Nur scheinbar ruhend liegt die Welt. Das ist ein Drängen, ist ein Reifen Vom Erdenschoß herauf zum Licht, Bis wir zu Sens' und Sichel greifen, Zu mäh'n der Garben Vollgewicht. Dann ist des Sommers Kampf zu Ende, Dann hat auch er sein Ziel erreicht; Es kündet uns die Sonnenwende, Daß zögernd er von hinnen weicht. Nun kommt der Herbst— es geht ein Zittern Durch's buntgefärbte Buchenlaub. Des Herbstes rauhen Ungewittern Fällt nun der Erde Schmuck zum Raub. Er fegt hinweg mit keckem Zorne, Was abgedörrt und welk und alt, Doch in des Weines edlem Borne Reift er der Trauben Goldgehalt. Das Echte, Edle läßt er gelten, Nur Ueberlebtes ficht er an— So stellt, gleich einem Freiheitshelden, Der Herbst als Kämpfer seinen Mann. Der Winter naht mit wildem Toben, Legt in Erstarrung Hain und Flur— Er lehrt uns uns're Kraft erproben, Er ist der Vater der Kultur. Dem Menschen zeigt' er seine Schrecken, Bis ihm der Mensch als Gegner stand, Bis er den eisumstarrten Recken Im mücht'gen Ringen überwand.— So zeigt das Jahr zu allen Zeiten Uns nur des Kampfes Wechselspiel: Dem Menschen gleich im Vorwärts⸗ . schreiten, Der kämpfend nur gelangt an's Ziel. ———— Zum neuen Jahr. ieder ist ein Jahr entschwunden und zum Beginne des neuen entbieten wir allen Parteigenossen und Genossinnen, allen unsern Lesern herzlichsten Gruß und Glückwunsch! Von ganzem Herzen wünschen wir jedem Angehörigen des werktätigen Volkes Besserung seiner Lage in jeder Beziehung! Aber die Lage und die Verhältnisse des Einzelnen können nur gehoben werden durch die Besserung der Gesamtverhältnisse, durch Förderung der Wohlfahrt der Gesamtheit. Und dafür kämpf⸗ ten wir bisher, dafür werden wir weiter kämp⸗ fen. Geloben wir uns, auch im neuen Jahre mit ganzer Kraft an der Verwirklichung un⸗ serer Ideale zu arbeiten, für den Sieg des Sozialismus, die Befreiung aus wirtschaft⸗ licher und politischer Knechtschaft und Bevor⸗ mundung unablässig zu streiten! Wohl kaum zu einer Zeit ist unsere Bewegung, ist die So⸗ zialdemokratie heftiger angegriffen worden, als in deu letzten Wochen; die Gegner aller Schat⸗ tierungen überschütteten unsere Partei mit einer wahren Flut von Beleidigungen, Beschimpfungen und perfiden Verläumdungen. Wir können uns darauf gefaßt machen, daß, wenn im neuen Jahre die Wahlbewegung einsetzt, die Hetze noch viel toller werden wird. Da bedarf es dann der hingebenden und unablässigen Arbeit jedes einzelnen Parteigenossen und Freundes der Freiheit und Gerechtigkeit. Von unserer Seite ist das kommende Jahr als„das rote Jahr“ bezeichnet worden; es stehen für den Sommer die Reichstagswahlen, für den Herbst die preußischen Landtagswahlen bevor, beide Wahlen sind für die Sozial demo⸗ kratie von größter Bedeutung. Soll das rote Jahr unsere Hoffnungen und Erwartungen er⸗ füllen, so müssen wir ungesäumt an die Arbeit gehen, überall, in der Werkstatt, in Freundes⸗ und Bekanntenkreisen neue Mitstreiter zu wer ben suchen. Das gilt auch für die Frauen! Sehr richtig schreibt unser Gen. Bebel in der Neu⸗ jahrsfestschrift: Wohl sind leider die Frauen vom Wahl⸗ recht ausgeschlossen. Aber was man ihnen nicht nehmen kann, ist ihr Eintritt in die Volks⸗ versammlungen, ist ihr Einfluß auf den Gatten, den Bruder, den Bräutigam, den Verwandten, den Freund! Die Frauen sind es, die unter dem Druck hoher Lebensmittelpreise am meisten zu leiden haben. Sie sind die Leiter der häuslichen Wirtschaft, Hüter des Herdes; sie sollen mit kärglichen Mitteln die Nahrung schaffen und bereiten, was um so schwerer wird, je teuerer die Nahrungsmittel werden und je zahlreicher die Familie ist, die ernährt werden soll. Können also die Frauen nicht wählen, so müssen sie doppelt eifrig agitieren! Und so wir Alle! Deshalb mutig in den Kampf! Prosit Neujahr! . 1———— —— 7 2 r ———— Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 1. Politische Rundschau. Gießen, den 29. Dezember. Fürsten⸗Ehen. Die Kronprinzessin von Sachsen ist ihrem hohen Gemahl einfach durchgebrannt und hat sich in Gesellschaft des jungen französischen Sprachlehrers Giron, der die prinzlichen Kinder unterrichtete und als ein auffallend hübscher Mensch geschildert wird, in Genf häuslich eingerichtet. Diese Affaire lenkt die Blicke der ganzen Welt nach der sächsischen Residenz und ihrem fromm katholischen Hofe. Wir haben keine Veranlassung— schreibt die Münchner Post— uns der Entflohenen mit besonderer Wärme anzunehmen oder aus ihr gar ein heroisches Ueberweib zu machen. Aber es reizt, den Motiven ihres Handelns nachzugehen, umsomehr, da eine solche Unter⸗ suchung auf das ganze gesellschaftliche Leben und Treiben der sächsischen Königsstadt helles Licht fallen läßt. Diese Stadt ist die phili⸗ ströseste Bourgeoisstadt, die man sich denken kann; wundervoll zwischen grünen Hügel am Elbstrom gelegen, eignet ste sich so recht zu einem Schlemmerleben für diejenigen, die von anderer Leute Arbeit zu leben wissen. Ein korrupteres, gehässigeres und engherzigeres Bür⸗ 1 findet man auf der ganzen Welt nicht eisammen. Schein und Form sind ihm Alles und es haßt den Arbeiter schon deshalb, weil er russige Hände und einen staubigen Kittel hat. Politisch auf der Stufe des primitivsten Antisemitismus stehend, träumt der sächsische Spießer von einer groben Zerschmetterungs⸗ politik, die ihm die Roten ein für alle Male vom Halse schaffen soll. Und dabei diese„An⸗ ständigkeit“, diese„Frömmigkeit“! In Gottes⸗ furcht und frommer Sitte läßt er sich nun einmal von Niemandem übertreffen(„wenn wir nur erst zu Hause sind, dann wird sich schon Alles finden!“), und monarchisch ist er bis auf die Knochen(nur darf die Zivilliste nicht noch⸗ mals erhöht und ein Steuerzuschlag dafür er⸗ hoben werden!). In diesem Sumpf gedieh das gewisseglose und gerissene Spekulantentum, dessen Untaten beim Hereinbruch der jetzigen Krise so peinliches Aufsehen erregten; und zu dem Milieu paßt auch die Presse, deren Organe eines nach dem anderen von unserem Bruder⸗ blatt, der Sächsischen Arbeiterzeitung, der Be⸗ stechlichkeit überführt wurden. Die Hofgesellschaft ist unter der Regierung des kinderlosen Albert verstockt und verstaubt; sie lebt ihr Leben unter sich und pflanzt sich redlich durch konzentrirte Inzucht fort, so weit nicht etwelche ihrer Mitglieder zeitweilig zum Volke herobsteigen, um es zu beglücken.— In diese Gesellschaft kam die lebenslustige Prinzessin aus dem Hause Toskana und es war bekannt, daß sie sich darin durchaus nicht wohl fühlte, zumal sie dort gewissermaßen behandelt worden sein soll, als ob sie unter Polizeiaussicht stände. Der französische Sprachlehrer, der Geistliche Giron kam an den Hof und trat mit der Kron⸗ prinzessin in Beziehung. Das blieb nicht ge⸗ heim, es gab eheliche Zwistigkeiten, die Prin⸗ zessin soll sogar vor einem halben Jahr schon einmal entflohen sein, man habe sie damals aber zur Rückkehr bewogen, doch habe sie seit dieser Zeit die ehelichen Beziehungen zu ihrem Gemahl aufgegeben. Sie hat jetzt in Genf ihrem Rechtsanwalt erklärt, daß sie weder nach Deutschland noch Oestereich zurückkehren werde da sie überzeugt sei, daß man sie, wenn sie zurückkehre, für geistig gestört ausgeben würde, um sie in ein Irrenhaus zu interniren. Sie sei glücklich, sich unter dem Schutze der schweizerischen Gesetze zu wissen. Erz⸗ herzog Joseph Ferdinand erklärt, er set nach der Schweiz gekommen, um die Schwester zu begleiten, zu schützen und in den augenblicklichen großen Schwierigkeiten nach Kräften zu unker⸗ stützen. Dieser Erzherzog hat ebenfalls seine Affaire.“ Er hatte ein Mädchen„vom Theater“ kennen und lieben gelernt. Nach Standessitte hätte er die Geliebte wohl als Maitresse aus⸗ halten, aber niemals heiraten dürfen. Er in⸗ dessen hatte ein wirkliches Herzensbündnis ge⸗ schlossen und wollte, daß seine Geliebte auch seine Gattin sei. Darüber hatte er heftige Kämpfe zu bestehen und— focht sie aus. Er verzichtete auf seine Titel und Würden und ging unter einem bürgerlichen Namen ins Aus⸗ land, um dort seine Geliebte zu heiraten. Er schützte seine Schwester so gut er konnte, es soll dabei zwischen ihm und dem zukünftigen König von Sachsen sogar zu Tätlichkeiten gekommen sein. Man muß anerkennen, die beiden Geschwister haben mehr moralischen Mut gezeigt als die meisten ihrer Standesgenossen. Was sagt aber die bürgerliche Presse zu der Geschichte? Sie benimmt sich größten⸗ teils geradezu erbärmlich. Die Blätter die bisher nur mit dem Stammeln der Verzücktheit vom Liebes- und Familienglück im Kronprinzen⸗ hause zu erzählen wußten, die ihre Leser täglich mit devotesten Verhimmelungen der Prinzessin als Weib, Gattin und Mutter fütterten, die hündisch, wie nur je ein 9 aus Leibes⸗ kräften wedelten, wenn die Frau einmal ein leutseliges Wort gesprochen oder einen Thaler verschenkt hatte— sie schreien jetzt in die Welt hinaus: die Kronprinzessin ist geflohen, nur um geilen Trleben Befriedigung zu gönnen. Pfui Teufel! Im Volke empfindet man Ekel über solche Gesinnungslumperei. Ob eine oder mehrere Prinzessinnen ent⸗ fliehen, kann uns fürchterlich gleichgültig sein. Wir hatten durchaus nichts dagegen, wenn alle Fürsten auf ihre Würden verzichten und ins Ausland gingen. Aber diese Affairen beleuchten rell die Zustände in den Kreisen, die dem Volke immer als Muster hingestellt werden. Kochmals der Fall Krupp! m. Die kapitalistischen Schreihälse sind über den„Fal! Krupp“ recht kleinlaut geworden. Nur in den von den Krupp und Genossen direkt ausgehaltenen Blättern wie„Post“ und„Neueste Nachrichten“ tobt das Schimpfkonzert noch munter fort und wird auch so lange dauern, wie eben der Geldzufluß von Krupp's Erben währt.— Auch das Gießener Amtsblatt, welches die tollsten Bockssprünge in Beschimpfung des„Vorwärts“ leistete, gesteht jetzt resigniert, daß dle Einstellung des Strafverfahrens den „guten Eindruck“ der diversen Kaiser⸗ reden bedenklich abschwäche und bei Leuten, die nicht die Gewißheit() von Krupps Un⸗ schuld haben, wie der Gießener Anzeiger, „allerlei Zweifel“ an dieser Unschuld wach würden. Wir begreifen den Schmerz des wackeren Blattes; es gehört eben zu dieser blamierten Presse, die unbesehen jede Hetze gegen die Sozialdemokratie mitmacht und daun fat jedesmal durch die Thatsachen der Un⸗ wahrheit So ine wird. Die„Gewißheit“, von der der 5 flunkert, ist natürlich Phantasteprodukt. Er weiß genau so viel und so wenig wie die übrige bürgerliche Hetzergesell⸗ schaft in der Presse; so muß der Rückzug aus der schimpflichen Attacke beschönigt werden. Einverstanden sind wir mit dem„guten Eindruck“ der Kaiserreden; wir haben die Gewißheit, daß es für uns wünschenswert wäre, wenn der Kaiser jeden Tag 2 Reden wie in Breslau und Görlitz hielte; sie wirken noch weit erfreultcher wie der Gießener Anzeiger annimmt— für die Sozial⸗ demokratie nota bene. Ueber den Huldigungsadressen⸗Unfug der aus Anlaß der Krupp⸗Affaire und der darauf bezüglichen Kaiserreden in unheimlicher Weise um sich griff, äußert sich die„Soziale Praxis“ des ehemaligen Ministers v. Berlepsch ebenfalls 1 abfällig. Sie schreibt: „Ebenso wie wir jedes ehrliche Bekenntnis der Herzensmeinung deutscher Arbeiter ehren, verwerfen wir schlechthin jede Manifestation, die fremder Anregung und äußerem Drucke zugeschrieben werden muß. Wer es auch immer sei, der Arbeiter wider ihren Willen zur Unterschrift unter Loyalitätsadressen nötigt, der ladet eine schwere Verschuldung auf sich: Um sich is ein gutes Licht zu setzen, täuscht er den Kaiser, fälscht die öffentliche Meinung und versündigt sich schwer an den Arbeuern. Schon wird von Fällen berichtet, wo nicht nur durch Androhung von Nachteilen Unterschriften erzwungen sind, sondern auch die Verweigerung der Unterzeichnung mit Entlassung bestraft worden ist. Wir können uns kaum etwas Verächtlicheres und Schändlicheres denken als dies frivole Gebaren. Jeder Zwank und Druck in dieser Richtung muß Erbitterung, Haß und Verachtung wecken. Und unter den heutigen Verhältnissen, wo Arbeitsmangel, Lohnschmälerung, Preisteuerung und Kälte das Los der Arbeiter besonders hart gestalten, ist es ein doppeltes Verbre⸗ chen, diese Notlage zu benutzen, um Kund⸗ gebungen zu erpressen, die der Wahrheit zuwiderlaufen. Wucherzöllners Weihn achtsgebet. Ein Pfaffenblatt, die„Märkische Volksztg.“ eine berüchtigte Dasbach'sche Gründung schrieb in ihrem Weihnachts artikel: „Welche Weihnachten würden wir gehalten haben, wenn dieser Kampf nicht vorher beendet worden wäre! Wie wäre das Fest des Friedens und der Freude entheiligt und geschändet worden! In zwei Heerlager scharf geschieden, würde das deutsche Volk sich gegenüber gestanden haben, bereit gleichsam, einander zu zerfleischen— wegen materieller Güter!“ Hierzu bemerkt der„Vorwärts“ sehr treffend: „Eine wahre Ketzer⸗ und Hexenverbren⸗ nungs⸗Logik! Damit man sich zur Weihnacht nicht über materielle Güter zanke, haben die Frommen sich vorher diese matertellen Güter gestohlen.... Es war einmal ein hei⸗ 1410 Räuber, der überfiel acht Tage vor eihnachten einen Menschen und nahm ihm nach verzweifelter Gegenwehr die paar Pfennige ab, die er besaß. Am heiligen Abend fiel der gläubige Räuber auf die Knie und betete: „Herr, bist Du mir nicht dankbar, daß ich vor Weihnachten den Mann niederschlug? Wie W wäre das Fest, wenn er heute noch sich gegen mich wehren würde— um materieller Güter willen.“ Die Adresse des heiligen Räubers ist in der „Märkischen Volkszeitung“ zu erfahren. Keine Herabsetzung der höchsten Sc hälter. Im Landtage von Schwarzburg-Rudol⸗ stadt hatten die Soztademokraten bean⸗ tragt, das Ministergehalt bei dem nächsten Ministerwechsel auf Mk. 8000 herabzusetzen und den regierenden Fürsten durch das Hof⸗ marschallamt zu ersuchen, in Anbetracht der schlechten Finanzlage des Landes auf die Dauer der laufenden Finanzperiode auf jährlich Mk. 120 000 Einkünfte aus der Zivllliste zu Gunsten des Landes zu verzichten; ferner stellten sie den Antrag, die Apanage für den Prinzen Sizza zu streichen. Natürlich wurden diese Anträge von der Mehrheit des Landtags abgelehnt. „Den Kerls keine Diäten. Kürzlich ging die Nachricht durch die bürger⸗ liche Presse, daß die Regierung geneigt sei, der Forderung des Reichstags auf Diätenzahlung für seine Mitglieder zuzustimmen. Es ist aber nichts damit, die Nachricht erwies sich sehr bald als unrichtig. In einem Slatte wurde der König von Sachsen als einer der Haupt⸗ gegner der Diäten bezeichnet. Das wäre doch merkwürdig; dem König von Sachsen wurde bei seinem Regterungsantritte die Zivilliste erhöht, sollte er der Meinung sein, daß die Reichstagsabgeordneten umsonst arbeiten können? Unserer Partei bietet die Diätenlosigkeit übrigens kein Hindernis; was soll aber der„ schlichte Mann aus der Werkstatt“ machen, wenn er in den Reichstag gewählt wird? Steuermsgelei eines Patristen. Ein Steuerpflichtiger in Offenbach, der dort sein Geschäft besitzt, aber in Frankfurt wohnt, zahlte dieser Tage eine sehr erhebliche Summe Steuern nach. Er that dies, um der Strafverfolgung wegen Steuerhinterziehung vorzubeugen, denn die Steuerbehörde war da⸗ —————— „ S W or N ö—— fürchterlich miß handelt. Nr. 1. Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung. Seite 3. hinter gekommen, daß sein Einkommen bedeutend; höber sein müsse, als von ihm angegeben war. Bisher hatte der brave Patriot und ordnungs⸗ liebende Bürger nur reichlich 2000 Mk. jährlich versteuert, jetzt meldete er auf einmal ein Ein⸗ kommen von mehr als 40000 Mk. an und zahlte für mehrere Jahre die entsprechende Steuersumme nach. Das ist aber sicher nicht der Einzige. Wäre es möglich, die Einkommen⸗ Deklarattonen überall nachzuprüfen, so würde noch manche Staatsstütze der Steuermogelei überführt werden. Wetzlar z. B. dürfte auch einige von dieser Sorte aufzuweisen haben. Von der deutschen Gerechtigkeit. Wir waren schon oft genötigt, auf Urteile deutscher Gerichte hinzuweisen, die allgemeines Kopfschütteln erregen, mit dem Rechtsgefühl des Volkes absolut nicht in Einklang zu bringen sind. Kurz vor Weihnachten erging ein solches geradzu schauderhaftes Urteil von der Strafkammer in Halle gegen den Redakteur unseres dortigen Parteiorgans, Gen. Däumig. Dieser erhielt 1 Jahr Gefängnis. Un warum? Folgendes ist kurz der Thatbestand: Anfangs November erschien im„Volksblatt für Halle“ eine Notiz, in welcher dem in der Maschinenfabrik Weise und Monski beschäftigten Eisenbohrer Piltzing Unterschlagung gesam⸗ melter Gelder nachgesagt wurde. Dieses un⸗ wahre Gerücht hatten zwei leichtgläubige Metallarbeiter einem sonst durchaus e Gewährsmaun des Volksblattes unterbrei et, der dann die Aufnahme jener Notiz veranlaßte. Sobald die Redaktion bemerkte, daß die Notiz auf einer Mystifikation beruhte, wurden die Behauptungen öffentlich widerrufen und Piltzing war rehabilitiert. Er hatte bei dem Staats⸗ anwalt Strafantrag gestellt und der Redaktion schließlich zugesagt, den Antrag unter gewissen Bedingungen zurücknehmen zu wollen. Als er aber vor Gericht stand, erklärte er, daß er den Strafantrag nicht zurückziehe. Der Staats⸗ anwalt beantragte dann gegen Däumig wegen Beleidigung 9 Monat und erkannt wurde auf 1 Jahr Gefängnis. Das Urteil wird kein rechtlich Denkender billigen, die verhängte Strafe steht in einem schreienden Mißverhältnis zu der Verfehlung. Mit Recht bemerkt der Vorwärts dazu: Es handelt sich um einen gutgläubigen, schnell wieder gut gemachten Irrtum eines Blattes, wie er tagtäglich in der Presse vor⸗ kommt. Wenn man die Fülle der staatsanwalt⸗ lichen und polizeilichen Mißgriffe bedenkt, die in der Oeffentlichkeit erörtert worden sind, Mißgriffe, die trotz des gewaltigen Informations⸗ apparates der Behörden geschehen konnten, so wird man derlei Irrtümer der Presse, der nicht die behördlichen Mittel zur Verfügung stehen, nicht sonderlich schwer beurteilen. Eine an⸗ ständige Frau wird behördlich als Dirne be⸗ handelt, man entschließt sich kaum zu einer Entschuldigung. Hätte die Polizei jenen Halle⸗ schen Arbeiter auf Grund einer Denunziatton wegen Unterschlagung verhaftet und Monate lang in Untersuchungshaft behalten oder hätte sie es nur aus Verwechselung mit einem Anderen gethan, die verantwortlichen Beamten hätten im schlimmsten Falle einen Verweis erhalten. Hier aber wird ein soztaldemokratischer Redakteur zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, weil er mystifiziert worden. Tagtäglich müssen die Sozialdemokraten die schlimmsten Beschimpfungen über sich ergehen lassen; und nicht etwa nur gutgläubige Unwahrheiten, sondern bewußte niederträchtige Verleumdungen. Viel⸗ leicht empfiehlt es sich, gelegentlich bei einem greifbaren Anlaß die bürgerlichen Blätter zu verklagen, damit man erkenne, wie hoch die sozialdemokratische Ehre von deutschen Gerichten taxiert wird. 1 Ein anderer Fall. In Köln stand neben drei wohlhabenden Bürgern ein Schutzmann vor Gericht, der Mißhandlung angeklagt. Sie hatten bei einer Radtour, drei junge Fabrik⸗ arbeiter, von denen sie belästigt sein wollten Einer der Geschlagenen war drei Wochen arbeitsunfähig, der Andere acht Tage; der Dritte kam ziemlich glimpflich davon. Der Staatsanwalt beantragte 7 7 den Schutzmann acht Monate Ge⸗ ängnis, gegen die anderen Angeklagten je fünf Monate. Das Gericht erkannte— es ist nicht zu glauben— auf Geldstrafen von je Mk. 100 und auf Zahlung von Entschädigungen im Betrage von Mk. 70, 50 und 20. Der Schutzmann war wegen Mißhandlung im Amte vorbestraft!— Das ist die Gleich⸗ heit vor dem Gesetz. Wilitärjustiz. Das Kriegsgericht der e Division in Insterburg verurteilte den Militärbäcker Georg Reimann, der am Tage vor der Entlassung in angeheitertem Zustande an einem Krawall eben zwei Unteroffiziere teilgenommen und da⸗ ei einen mit einem Stein eworfen, den anderen mit dem blankgezogenen Seitengewehr bedroht hatte, wegen militärischen Aufruhrs, Gehorsams⸗ verweigerung, e u. s. w. zu sechs Jahren 1½ Monat Gefängnis.— Welch' eine unerhört schwere Strafe für ein verhältnismäßig leichtes Vergehen! Der Mann hat nichts Schlimmeres getan, als neulich die Marburger Studenten bei dem nächtlichen Skan⸗ dal und er muß dafür sechs Jahre büßen! Ob der Verurteilte noch viel Begeisterung für den Militarismus empfindet! Sine Spitzel Bombe. In der Nacht vom 22. auf den 23. Dez. wurde in Genf bei dem hölzernen Monumen⸗ talportal der Kathedrale St. Peter eine Bombe geworfen, durch welche das Schloß des Portals zerstört und zahlreiche Fensterscheiben an der Kathedrale und an benachbarten Häusern zer⸗ trümmert wurden. An dem Orte der Tat fand man Stücke eines Dochtes, Nägel und Fetzen des italienischen Blattes„Il Secolo“ vom 1. ds. Mts.— Ob sich diese Bombe zu einer Hetze gegen die Arbeiterbewegung be⸗ nutzen läßt, erscheint mindestens fraglich. Die Schwindler⸗Familie Humbert ist dieser Tage von Madrid nach Paris ge⸗ bracht worden, wo ihr jedenfalls bald der Prozeß gemacht werden wird. Von verschiedenen Blättern wurde bereits die Meinung ausge⸗ sprochen, daß die Strafe kaum sehr hoch aus⸗ fallen würde, da eine Reihe Straftaten bereits verjährt seien. Doch dürfte der Prozeß viel des Interessanten bieten, well darin mehrere hochgestellte Personen verwickelt sind. Im Venezuela ⸗Streit hat Präsident Roosevelt das Schiedsrichteramt abgelehnt und die Streitfrage soll jetzt dem Haager Schiedsgericht überwiesen werden. Die klugen Staatsmänner in Dentschland und England, denen die geniale Idee gekommen ist, den Präsidenten des Staates, der nächst den direkt Beteiligten das größte Interesse an der Sache hat, zum Schiedsrichter zu bestellen, Roosevelt also, obwohl er selbst bis zu einem ewissen Grade Partei ist, gleichzeitig zum Richter und zum eventuellen Vollstrecker des Schtedsspruches zu machen, scheinen inzwischen gemerkt zu haben, daß sie mit ihrer Diplomaten⸗ kunst keine sonderliche Schlauheit bewiesen haben. Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. Zum Weberstreik in Meerane, der bereits 10 Wochen dauert, wird berichtet, daß Bürgermeister Wirthgen dieser Tage wiederum eine Besprechung mit einer Deputation der Webereibesitzer gehabt hat, eine Einigung war aber nicht zu erzielen. Die Webfabri⸗ kannten behaupten, der Konkurrenz wegen keine höheren Löhne zahlen zu können. Daß die Stadt unter der gegenwärtigen Situation ganz bedeutend leidet, il kein Wunder. Welchen protzenhaften Uebermut die Fabrikanten an den Tag legen, zeigt die Aeußerung eines derselben, der erklaͤrte, er werde lieber die Räder seiner Maschinen vergolden lassen, als den Ausstän⸗ digen Zugeständnisse machen. Und dieser saubere Christ hat sicher an Weihnachten gesungen: Ehre sei Gott in der Höhe! . Generaltommisston der Gewert⸗ schaften Deutschlands. Das Bureau der Kommission sowie die Rebaktion des„Corre⸗ spondenzblatt“ werden am 1. Januar nach Berlin 80, Engeluser 15(Gewerkschafts⸗ haus) verlegt. Das Correspondenzblatt erscheint vom 1. Januar 1903 ab regelmäßig Sonnabends; es ist von diesem Tage ab in der Postzeitungsliste unter der neuen Num mer 1707 eingetragen. Vom 1. Januar an sind alle für die Generalkommission bestimmten Briefe und Sendungen zu adressiren an Carl Legien, Berlin 80 16, Engelufer 15; alle für die Generalkommisston und den Verlag des Correspondenzblatt bestimmtenGeldsendungen an H. Kube, Berlin 80 16, Engelufer 153 alle für die Redaktion des Correspondenzblatt bestimm⸗ ten Briefe und Sendungen an Paul Umbreit. ..——— Pon Nah und Lern. Gießener Angelegenheiten. — Die neue Friedhofsordnung wurde in der letzten Stadtverordneten— sitzung nochmals revidiert, es blieb jedoch bei den in der vorigen Sitzung gefaßten Beschlüssen. Von diesen ist noch der bemerkenswert, welcher die Uebernahme der Leichenkassen⸗Gesell⸗ schaft durch die Stadt ausspricht. Die Einstellung des städtischen In⸗ stallationsbetriebes hatten die Gießener Installateure beantragt. Ihre Eingabe lehnte die Stadtverordnetenversammlung in der letzten Sitzung ab. Es gehört ein hoher Grad von Egoismus dazu, aus den Taschen der übrigen Steuerzahler ein Geschenk von ½ Million Mark(den Ertrag in Kapital umgerechnet) zu verlangen. Nur früher hätte den Herren Bescheid werden müssen; es war unnötig, die Sache so lange zu vertagen; derartige Ansinnen verdienen sofortige, nicht allzu zarte Ablehnung, damit den Herren die Lust zum Wiederkommen vergeht. Wer heute noch glaubt, die Interessen einer ganzen städtischen Bevölkerung einer Handvoll Innungsschwärmern unterordnen zu müssen, der paßt nach Krähwinkel und nicht nach Gießen. — Rückständig! Wie sehr diese Bezeichnung auf die Mehrheit der Gießener Stadtverordneten— Versammlung zutreffend ist, daß bewies wieder ein⸗ mal die Behandlung der Vorlage betreffend Einrichtung einer städtischen Lebens- und Rentenversiche⸗ rung. Bürgermeister Mecum, dessen soziales Ver⸗ ständnis dasjenige der meisten Stadtväter weit überragt, hatte diese Vorlage ausgearbeitet und begründete sie eingehend. Er legte die Vorteile und die Zweckmäßigkeit dieser Einrichtung dar, wodurch sich Gießener Einwohner gegen mäßige Beiträge Sterbegelder von 300— 1500 Mk. und Altersrenten, die vom 66. Lebensjahre ab zu zahlen sind, in der Höhe von 150— 750 Mk. jährlich sichern können. Aber trotz der warmen Empfehlung!, die Herr Mecum seinem Projekt angedeihen ließ, fanden sich nur wenige Stimmen dafür, während die Mehrheit der Ge⸗ meindevertretung eine Sache verwarf, deren segensreiche Mirkung außer allem Zweifel steht. Die dagegen vor⸗ gebrachten Gründe:„Die Sache sei verfrüht“—„Die Stadt habe noch andere, dringendere Aufgaben“— „noch keine Stadt habe die Einrichtung“ und noch eine Anzahl ähnlichen Kalibers können doch beim besten Willen nicht als stichhaltig anerkannt werden. Zu etwas Gutem ist es nie zu früh, andere Gemeinwesen müssen nicht immer voran gehen und Gießen braucht nicht wach⸗ zuhinken. Wir hoffen, daß über die Sache die Akten noch nicht endgültig geschlossen sind, weil wir glauben, daß der Oberbürgermeister mit seinem Projekt der Bürger⸗ schaft genützt hätte. — Die Zwanziĩpfennigstücke, die silbernen sowohl als die größeren aus Nickel, werden aus dem Verkehr zurückgezogen. Die kleinen silbernen sind 1. Januar 1903 endgiltig wertlos. Die Zwanzigpfennigstücke dagegen werden bis Ende 1 noch del den Reichs⸗ und Landeskassen angenommen. Es ist zwar anzunehmen, daß sich nur noch wenige dieser Münzen im Verkehr befinden; wer aber noch welche besitzt, tausche sie schleunigst um, wenn er keinen Verlust erleiden will. Ein 19 jähriges Dienst⸗ — Selbstmord. mädchen, daß sich sest eingen Tagen aus seiner hiestgen Stelle entfernt hatte, wurde am Dienstag als Leiche aus der Lahn gezogen. Wie es heißt, hat das Mädchen Selbstmord begangen, weil es von seinem Bräutigam, einem Schlosser, — LL D z —— — 8 11 8 15 15 0 1 Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 1. verlassen worden war. Es stammte aus Trais⸗ Horloff. — Weihnachtsveranstaltungen. An den Feiertagen hatten der Schneider⸗ und der Glaserverband, sowie an dem zweiten Feiertage der Gesangverein Eintracht Familien⸗Abende arrangiert. Diese geselligen Unterhaltungen verliefen aufs Beste. Besonders zahlreichen Zuspruches erfreuten sich die Schneider und auch der Gesangverein; der Besuch bei den Glasern war weniger stark. Leider herrscht hier in Bezug 25 derartige Veranstaltungen eine bedauerliche Zersplitterung. Es muß später unbedingt ermöglicht werden, daß eine gemeinsame Feier der Gewerkschaften, des Wahl⸗ und Gesangvereins stattfindet. Wir wissen, daß dies bisher an der Lokalfrage scheiterte; aber es müßte doch merkwürdig zu⸗ gehen, wenn die Gießener Arbeiter nicht im Stande wären, diese bald einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen! Daß bei einem ge⸗ meinsamen Feste nicht nur die Organisationen selbst besser abschneiden würden, sondern auch den Besuchern viel mehr geboten werden könnte, leuchtet ohne Weiteres ein. Unsere Festbesucher stellen in letzterer Beziehung gewiß keine hohen Ansprüche, die Vereins vorstände und Festkomitees sollten sich aber doch bemühen, reichhaltigeren und besseren Unterhaltungsstoff zu bieten. Das ist mit wenig Mühe und Kosten zu erreichen. Die Verlosungen und die langweiligen Ver⸗ steigerungen müßten möglichst eingeschränkt werden. Gegen eine Verlosung ist schließlich noch weniger zu sagen, wenn darauf gesehen wird, daß nur einigermaßen brauchbare Gegen⸗ stände dazu ausgewählt werden. Manchmal kommt da ein ganz wertloser Plunder zur Verlosung, Zeug, was mit dem Drittel des dafür gezahlten Preises schon zu teuer gewesen wäre. Früher war der Unfug ja noch schlimmer, in letzter Zeit hat es sich darin viel gebessert, trotzdem bleibt noch Manches zu wünschen übrig. Wenn diese Zeilen, durch die wir selbst⸗ verständlich Niemandem zu nahe treten wollen, ein wenig„reformierend“ wirken würden, so wäre das im Interesse unserer Bewegung nur mit Freuden zu begrüßen.— Die erfreuliche Eut⸗ wickelung, die der Arbeitergesangverein und der vor Kurzem gegründete Turnverein in letzter Zeit genommen, läßt das Beste hoffen. Aber es giebt auch viele Genossen, die bei einiger Mühe sehr wohl im Stande wären, durch Vor⸗ tragen guter Gedichte ꝛc. zur Verschönerung eines Festes beizutragen. — Auch ein Stück Gerechtigkeit. Am Tage vor den Feiertagen reiste ein Metallarbeiter hier in Gießen zu, der sich auf dem Wege nach seiner Heimat in der Schweiz befand. Er kam aus Morungen in Han⸗ nover, wo er sechs Monate in dem Ar⸗ beitshause zugebracht hatte. Warum? Der 29 jährige Arbeiter begab sich im Frühjahr dieses Jahres von Oerlikon bei Zürich aus auf die Reise. Er bekam keine Arbeit und war beinahe drei Monate auf der Wanderschaft, als er in einem hannöverschen Dorfe erwischt wurde, als er sich bei einem Bauer ein Stück Brod bettelte. Vor Gericht gestellt, bekam der arme Teufel 10 Tage Gefängnis und sechs Monate Ueberweisung in das Arbeits— haus! Dabei war der Mann, wie aus seinen Papieren hervorgeht, vollkommen unbestraft! Er erhielt hier als Verbandsmitglied Unter⸗ stützung, damit er die Reise nach seiner Heimat fortsetzen konnte. Er wird an die christlich⸗ deutsche Gerechtigkeit denken! Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. St. Zum Jahreswechsel ist es wohl angebracht, wenn wir uns auch in politischer Beziehung an unsere Tätigkeit für die Arbeiter⸗ sache im verflossenen Jahre erinnern und uns einmal die Frage vorlegen:„Haben wir auch immer der Partei gegenüber unsere Pflicht er⸗ füll?“ Gar mincher Parteigenosse— auch hier in Marburg— wird sich da sagen müssen: „Du hast öfters gefehlt!“ Es ist nicht allein damit getan, daß man unsere Zeitung und wohl auch eines der Witzblätter hält, die Hauptsache ist die, daß man die Versammlungen besucht und außerdem überall, wo es nur irgend an⸗ gebracht ist, für unsere gerechte Sache agitirt und andere Leute über die Ziele unserer Partei aufzuklären sucht. Wie dies mit Erfolg zu machen ist, hat uns ja unser Genosse Vetters bei seinem letzten Referat über den Parteitag erklärt. Gerade jetzt, wo wir wieder so reich⸗ lichen Agitationsstoff durch die Sünden der herrschenden Parteien erhalten haben, ist es uns leicht gemacht, rege zu arbeiten und neue Streiter anzuwerben. Darum rufen wir allen Parteigenossen zu:„Tut im neuen Jahre mit verdoppelten Eifer Eure Pflicht, damit es uns endlich gelingt, der verderblichen Wirtschaft der Junker und Pfaffen ein„Halt!“ zu gebieten. Und hiermit allen Parteigenossen ein frohes „Prosit Neujahr!“ —„Eintracht.“ Unser Arbeiter⸗Gesang⸗ verein hielt am ersten Feiertag bei D. Jesberg seine Weihnachtsfeier ab, welche sehr gut besucht war. Durch den Vortrag mehrerer schöner Lieder, sowie Musikstücke und durch Geschenkver⸗ losung war für Unterhaltung bestens gesorgt und der gute„Stoff“ unseres lieben Daniel versetzte die Anwesenden bald in die animirteste Stimmung, sodaß die Feier einen recht gemüt⸗ lichen Verlauf nahm. — Die neue Volksschule, von der wer in letzter Nr. berichteten, scheint neulich in der Stadtverordnetensitzung überhaupt noch nicht zur Verhandlung gekommen zu sein, denn in einer Bekanntmachung der Tagesordnung für die nächste Sitzung steht dieser Punkt auch wieder. Hoffentlich kommt es diesmal zu einer bejahenden Entscheidung. Die hessische Volkspartei das unter der Geburtshilfe Hirschels zur Welt gebrachte neue Parteigebilde, dem neun Ab⸗ geordnete, darunter sämtliche Antisemiten an⸗ gehören, kündigt eine Haupt⸗ und Staatsaktion an. Kürzlich schrieb ein Geistlicher in der Frkftr. Ztg. über die Ausbeutung der Kinder auf dem Lande und besonders im Vogelsberg. In den Artikeln, von denen wir in vorletzter Nummer Auszüge brachten, waren die Schäden dieser Kinderarbeit geschildert und das Ein⸗ greifen des Staates gefordert worden. Diese Artikel hat nun der neue antisemitische„hes⸗ sische Volkspartei“ zum Gegenstand einer Anfrage an die Regierung gemacht. Be⸗ zeichnend ist, daß die„Volksparteiler“ nicht etwa von der Regierung strenge Maßregeln gegen die Mißstände verlangen, sobald diese nachgewiesen sind, sondern um Auskunft bitten, ob im Falle der Feststellung der„Un wahr⸗ heit oder mindestens der Unrichtig⸗ keit“ die Regierung die Frankfurter Zeitung zu einer entsprechenden Berichtigung ver⸗ anlassen will. — Nun, die Fragesteller sind doch Leute, welche angeblich die ländlichen Verhältnisse sehr genau kennen, sie müßten doch wissen, daß die Ausführungen jener Artikel richtig sind. Warum die Interpellation? Die Schilderungen sind den Herren wohl unbequem? Was wird dann, wenn die Regierung bestätigen müßte, daß der Geistliche Recht hatte, als er der Frkf. Ztg. schrieb: die armen Kinder würden biel⸗ fach„abgehetzt und geschunden“? Soll dann die Regierung dem genannten Blatte schreiben: habe Dank für deine Aufklärung? Weihnachtsbetrachtung des Judenfressers. J Aus Marburg wird uns geschrieben: „In der„Offenbacher Volkswacht“ Nr. 102 befindet sich auf der ersten Seite der übliche Weihnachtsartikel. In der Regel werden ja diese augenverdrehenden Artikel von der ge⸗ sinnungstüchtigen Presse aus Fabriken be⸗ zogen. Anders der„Weihnachtsartikel“ in der Volkswacht, der nämlich„eigenes Fabrikat“ zu sein scheint. Hier ist der Anfang des Artikels: Weihnachten war von jeher das Fest hoher himmlischer Freude,— schon damals, als man noch nicht die Zeit der großen göttlichen Sonnenwende, sondern nur eine Wende der irdischen Wintersonne feierte. Schon damals klang es durch die stillen 3 Lande, von Mund zu Munde, hoffnungssalbig und siegesgewiß: Fröhliche Weihnachten. Für die schlechte Korrektur des vorstehenden Satzes kann man den, verantwortlichen“ Hirschlel) wohl nicht verantwortlich machen. Denn man kann doch nicht verlangen, daß ein Herr„Chef⸗ redakteur“ und„Leitartikler“ auch noch die Korrekturen liest. Indessen dafür, daß schon vor der Zeit, ehe in germanischen Landen die„göttliche Sonnenwende“ gefeiert wurde, von Mund zu Mund der„hoffnungssalbige“ und stegesgewisse Ruf„Fröhliche Weih⸗ nachten“ erscholl, muß man den Hirschlel) wohl doch verantwortlich machen. Schade daß es damals noch keine„Offenbacher Volkswacht“ gab, die von einem Hirsch(el) redigirt wurde. Sie hätte doch die schönste Gelegenheit gehabt, die„große göttliche Sonnenwende“, die von dem„Juden“ Christus ausging, als eine gegen die Religion der„Urteutschen“ gerichtete„jüdische Mache“ zu kennzeichnen. Man steht, wenn diese Sorte von„Journalisten“ sich bei gewissen Anlässen in religios⸗sittlichen Betrachtungen ergehen will, was da für ein Monstrum her⸗ auskommt. Wir hätten nur sehen mögen, wie dieser„Leitartikler“ dagesessen und an der Feder gekaut hat, bis er seinen Unsinn zusammen⸗ gewürgt hatte: der ganze Artikel ist nämlich von Anfang bis Ende der vollendetste Quatsch und obiger„göttlicher“ Satz ist nur eine Probe davon. Bei den„Journalisten“ von der„Volks⸗ wacht“ erlischt sofort der Spiritus, wenn sie etwas schreiben sollen, wobei sie nicht schimpfen können. Den Hirschlel) möchten wir aber rateu, künftig sein Weihnachtsblech doch lieber aus irgend einer Fabrik zu beziehen, denn wenn dieses Blech auch jämmerlich ist, so ist es doch wenigstens nicht zum Erbarmen.“ Gegen den antisemitischen Amtsrichter, der vor kurzem von der Darmstädter Strafkammer zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er im Verein mit noch ein paar teutschen Genossen einen jüdischen Reisenden im Eisenbahncoupé rüpelhaft belästigte, ist das Disziplinarverfahren eingeleitet worden Redakteure und Straßendirnen! Mit Raubmördern dürfen Redakteure nicht mehr zusammengekuppelt werden. Staatsanwalt in Fürth i. B. hat jedoch ein Surrogat gefunden. In einer Landgerichts⸗ sttzung wurde eine Prostituirte wegen einer un⸗ flaͤtigen Aeußerung über die Tochter des Fürther Landgerichtsaufsehers zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Den Strafantrag begründete Herr Staatsanwalt Krapp in überaus origineller Weise. Er erklärte, die unflätige Aeußerung 1 a— e —. — 8 83 Der Erste 1 5 jener Dirne stehe in innigstem Zusammenhang mit der„Knödelausstellung“ der„Bürgerztg.“ (Anspielung auf einen früheren Prozeß der Zeitung), Quint, der Redakteur der letzteren und die Straßendirne seien zwei ebenbürtige Bundesgenossen. Diesen rührenden Konnex zwischen Redakteuren und Prostttuierten baute der Herr Staasanwalt dann noch ein kleines halbes Stündchen weiter aus und beleidigte den Genossen Quint in der unerhörtesten Weise. Quint hatte jedoch kein Verständnis für diese staatsanwaltlichen Liebenswürdigkeiten, zudem er den Namen jener Prostituierten zum ersten⸗ mal durch die Gerichtsberichte erfahren und die Verurteilte nie in seinem Leben gesehen hat, 1 3 9 3 . 5 er stellte Strafantrag gegen den Staatsanwalt und reichte außerdem eine umfangreiche Be⸗ schwerde gegen diese bei der Oberstaatsanwalt⸗ schaft Nürnberg ein. Ein neuer Ausbruch des Mont Pelee · a Aus Saint Thomas(Westindien) wird berichtet, daß der Dampfer„Newington“, der am 27. Dez. hier eintraf, von Santa Lucia kommend, als er morgens um 1110 Uhr den Mont Pelee passierte, ein heftiger Vulkans erfolgte und dichte schwarze Rauch⸗ und Staubwolken zu einer großen Höhe empo stiegen. Nachrichten aus anderen Quellen b 55 sagen, daß während der Nacht von dem Berg⸗ kegel ein hellleuchtender Schein ausging. usbruch des Nr. 1. Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitnug. Seite 5. Kleine Mitteilungen. ** Tod bei der Arbeit. Im Steinbruch bei Ober-⸗Widdersheim wurde am Montag(22. Dez.) ein Arbeiter aus Rodheim durch herabstürzendes Gestein erschlagen. k Neue Mineralquelle. An der Wippenbacher Quelle bei Ortenberg wurden seit längerer Zeit Tief⸗ bohrungen vorgenommen. Diese hatten Erfolg, die Quelle liefert jetzt eine bedeutende Menge stark salzhaltigen Wassers. Prof. Lepsius aus Darmstadt ist, wie der „Gieß. Anz.“ berichtete, mit weiterer Untersuchung be⸗ schäftigt. ** Wieder eine fürstliche„Affaire“. Der 20 jährige Prinz Dieter zu Yenburg⸗Büdingen, der als Leutnaut im 115. Infanterie⸗Regiment zu Darmstadt dient, schoß sich in der dortigen Kaserne eine Kugel in den Kopf. Die Verletzung soll sehr schwer sein. Was mag den Edelsten zu der That veranlaßt haben? ** Gattenmordversuch. Am Weih⸗ nachtsabend drang ein Schuhmacher in Frank⸗ furt der von seiner Frau getrennt lebt, in deren Wohnung ein und feuerte auf die unglückliche Frau, die ihre sieben Kinder ernährt, einen Schuß aus einem Flobertgewehr ab. Die Kugel drang in den Nacken. Außerdem brachte der verkommene Trunkenbold der Frau auch noch schwere Hiebwunden an der Stirn bei. * Der Mörder Matrese Kohler von der „Loreley“, der vor einigen Wochen auf diesem Schiffe, das im Hafen von Athen vor Anker lag, einen seiner Kameraden tödtete und die Geldkiste des Schiffes raubte ist unter Bedeckung in Wilhelmshafen eingetroffen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Da die Voruntersuchung abgeschlossen ist, dürfte die Abur⸗ teilung schon in nächster Zeit erfolgen. Partei-Rachrichten. Die Konferenz sozialdemokratischer Gemeindevertreter, die vergangenen Sonn⸗ tag in Frankfurt stattfand, war von 37 Delegir⸗ ten aus 16 Gemeinden besucht. Gegenstand der Beratung bildete, wie in letzter Nr. bereits mitgeteilt, die Frage der Städtischen Not⸗ standsarbeiten. Nach einem einleitenden Referate des Genossen Dr. Quarck entspann sich darüber eine sehr lebhafte und eingehende Debatte. Man kam dahin überein, durch eine Umfrage noch weiteres Material zu sammeln, das dann einer neuen Konferenz vorgelegt werden soll. Zur Grundlage für diese stellte die Konferenz steben Punkte auf, in denen die bezüglich der Beschäftigung Arbeitsloser zu er⸗ hebenden Forderungen formulirt sind. Die Hauptpunkte lauten: 1. Die Gemeinde hat die Pflicht, für die in den letzten sechs Monaten in ihrem Bezirk ständig beschäftigt gewesenen und arbeitslos gewordenen Personen Arbeit bereit zu halten. 2. Arbeitslosenzählungen nach der Methode der Volkszählungen haben mindestens zweimal jährlich auf Kosten der Gemeinden stattzufinden. 3. Es ist eine ständige Kommission(Deputation usw.) einzusetzen, der Vor⸗ und Mitberatung, wie die Ueberwachung der Notstandsarbeiten zu übertragen ist, und in der Vertreter der Arbeitslosen und Gewerk⸗ schaften Sitz und Stimme haben. 4. Die Arbeiten sollen möglichst in Regie ausgeführt werden. 5. Für die Beschäftigung der Arbeitslosen ist zu berücksichtigen:(auch wenn die Arbeiten von Unter⸗ nehmern ausgeführt werden) a) Verwendung nur zu Arbeiten, zu denen sie geeignet sind; b) mindestens orts⸗ üblicher Tagelohn für Nichtgerernte, für Gelernte die tariflich oder branchenüblich festgelegten Arbeits⸗ bedingungen. 6. Im Interesse der Beschäftigungslosen, namentlich in den kleinen Gemeinden, ist auf Kreise, Bezirks⸗ verbände und Staat zur Veranstaltung eigener Notstandsarbeiten hinzuwirken. Die Konferenz dauerte von Vormittags 10 bis abends 6 Uhr mit kurzer Mittagspause. Gießen war nicht vertreten. Ein Parteitag der polnischen Sozial⸗ demokraten hat an den Weihnachtsfeiertagen in Berlin stattgefunden. Es kam zu einer Verständigung; die polnische Partei behält ihre selbständige Organisation, fügt sich aber in dem Rahmen der deutschen ein. Die einzelnen Wahlkreise sollen ihre Kandidaten selbst auf⸗ stellen. Somit sind die Differenzen in befriedigender Weise ausgeglichen. Majestätsbeleidigung soll unser Mainzer Par⸗ teiorgan verbrochen haben. Am Tage vor den Weih⸗ nachtsfeiertagen erschienen Schutzleute in Zivil auf der Redaktion und beschlagnahmten die noch vorhan⸗ denen Exeuplare der Nummern 284 und 291 des Blattes, in denen angeblich Beleidigungen der Majestät enthalten sein sollen. Der Redakteur Adelung erhielt auch alsbald eine Vorladung. Es geht auch im katholischen Rheinland vorwärts! Vor Wochen wurde schon berichtet, daß die Abon⸗ uentenziffern unserer rheinsschen und westfälischen Par⸗ teiblätter erfreuliche Steigerung aufwiesen— trotz der Krupphetze. Jetzt ist in Bezug auf den Bergarbeiter⸗ verband ein G eeiches zu konstatiren. Während die Auflage der Bergarbeiterzeitung anfangs dieses Jahres eigener 39 000 betrug, ist sie jetzt auf über 51 000 in die Höhe gegangen. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist in diesem Jahre um über 10 000 gestiegen, wobei der 0 1—.— Arbeiter⸗Aotiz⸗ Kalender 1903 Mit Illuftrationenm: Berliner Gewerkichaftshaus und in der Nachwahl gewählte sozialdemokratische Abgeordnete. Geb. 60 Pfg., Porto 10 Pfg. 8 55 5 zum Jdhreswechsel! 8 2 8. 85 kannten Löwenanteil aufs Ruhrgebiet fällt. werkschaften können hübsche Es geht vorwärts! Neuer Wahlsteg in Amsterdam. Bei den Gemeinderatswahlen in der Hauptstadt Hollands haben unsere Genossen wieder einen Sieg erfochten. Genosse Polak, der Vorsitzende des Diamantarbeiter⸗ bundes wurde mit 2611 Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Er zieht als erster Sozialdemokrat in diese Körperschaft ein. Der internationale Arbeiter Kongreß in Amsterdam, der dort in diesem Jahre und zwar im August stattfinden sollte, ist, nach einer Mitteilung der Frankfurter Zeitung vom internationalen Komitee auf das Jahr 1904 verlegt worden. Auch andere Ge⸗ Fortschritte konstatieren. Versammlungskalender. Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlung en! Samstag, den 3. Januar. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung in Stadt New⸗NPork. Vortrag über„Liebknechts Leben“. Ref. Busold. Montag, den 5. Januar. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden Mittwoch, Abends ½9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr im„Pfau“. In freien Stunden. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Prospekt der illustrierten Romanbibliothek „In freien Stunden“ bei, den wir allseitiger Beachtung empfehlen. — r...——— Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 30. Dezbr.: Butter per Pfd. Mk. 1,10— 1,15, Hühnereier 2 St. 15— 19 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg., Gänseeier per St. 00— 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,20— 5,50 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 3,50—4,50, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,80 bis 0,90, Hühner per St. Mk. 1,00— 1,20, Hahnen per St. Mk. 0,70 1,25, Enten per St. Mk. 2,00 bis 2,60, Gänse per Pfd. 50—64 Pfg. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 70 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 68— 72 Pfg., Hammelfleisch 50—70 Pfg. Helnichste 6 Meinen werten Gästen, Freunden und Be— Ickwänsche zum Jahreswechsel! August Albeld,„Zum Gambrinus“. E. Krumm, Gießen. Inhalts⸗Auszug: Re ichtagswahl-Ergebnisse mit Nach⸗ wahlen.— Soclaldemokrat. Abge- ordnete in den Landtagen.— Minke für die Reichtagswahlen.— Aas mufs ber Arbeiter von der Wehrpflicht wissen?— Elwas von der Slektri- zität.— Ortsübliche Tagelöhne. Gewerklchaftliche Hrtihkel: Deutsche Streikstatiltik 18901901. Meinen werten Gästen ein Sröhliches Meufjahr! N V P Profit Deujqdhr 1903! Allen unseren Freunden, Bekannten und Gästen wünschen wir ein glückliches neues Jahr! re . 5 Jean Arnold„ Aarburg Daniel Jesberg um Schi kapaß“ 7 Wehrdaerweg 2. und Frau. 9 25 n S Adresfen der Gewerkschafts-Organi⸗ satsanen, Gewerbe-Inspektoren, Ar⸗ beitersekretarigte.— Die Eeiftungen der deutschen Gewerkschasten.— Vom Schlachtfelde der Arbeit.— Die Nitgliederzahlen der freien Gewerk⸗ schaften.— Ein Kapitel aus dem Gewerbegerschtsgesetz. Wie der Inhalt zeigt ist der Kalender für Gewerkschaften und Partei ein praktisches und unentbehrisches Meinen werten Gästen die herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel! August Rinn, Heuchelheim.* 5 Nachschlagebuch. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Buchhandlung Vorwärts Berlin Sw. 68, Lindenftr. 69. Allen werten Freunden und Gönnern zum Jahreswechsel die besten Wünsche! 912 Louis Lob und Frau Marburg Hirschberg 12. Unseren werten Gästen, sowie Freunden und Bekannten wünschen wir ein herzliches rosit Neujahr! Rest. Hilberger u. Frau „Stadt Braunschweig“. 5 Freuden zue Jahr geht zu Ende. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung · ——— Nr. 7. * Nimmer werde mir ein Glück gegeben, Das nicht alle, Alle, die da leben, Ueberströͤmt mit gleichem, tiefen Heil! Tragen will ich, dulden und vermissen Cieber, als um einen Segen wissen, Der nicht aller Kreatur zu Teil! Keinen Vorzug will ich vor den Andern, Nicht auf weichen Blumenpfaden wandern, Während ihre Bahn durch Wüsten geht, Und nicht treten in die Himmelshalle, Wenn die helle Pforte nicht für Alle Aufgetan und weit erschlossen steht. Denn ein Vorzug, mir allein gegeben, Müßte mich als bittere Scham durchbeben, Und ich litte in der Freude Schoß! Du, für die im Innersten ich brenne, Meine Menschheit! keine Gnade trenne Von dem Deinen deines Kindes Los! Betty Paoli. Organisiert. Eine Sylvestergeschichte von Karl Ewald. Der Sylvestertag war angebrochen. Blei⸗ grau hingen die schneeschwangeren Wolken am Himmel, als wollten sie jeden Augenblick der um Alles weit und breit mit dem weißen Leichentuch zu bedecken. Mit trüben Aussichten hatte das Jahr fü die Menschen, vorzüglich für die Pre selost⸗ begonnen und unfreundlich cc rreten⸗Pietarier, schied nehmen zu woller wichen es auch Ab⸗ „Das al, itteresse.. 5 Was wird nickel unn ell. das neue bringen?“ so seufzte Mancher heute am Sylvestertag in Sorgen und Befürchtungen. Um die zweite Nachmittagsstunde mochte es sein, als ein dürftig gekleideter, aber kraft⸗ voll gebauter Mann in den dreißiger Jahren auf der Landstraße dahin wanderte, welche nach der Provinzialstadt Weisheim im Westen Deutschlands führt. Schon weit mußte der dem Arbeiterstand Angehörige gepilgert sein, denn sein Gang war nicht mehr so engerisch und fest, wie man nach dem Körperbau des Mannes hätte erwarten können. l. Prüfend blickte sein Auge wiederholt zum schneeschwangeren Himmel.„Beinahe sechs Stunden habe ich noch bis Weisheim,“ sagte er zu sich selbst.„Ob ich's heute noch erreiche 2 Wenn nur der Schneesturm so bald nicht los⸗ bricht! Hin muß ich, denn wo jetzt Arbeit bekommen. ja in der Formerei alle Bestellungen dort gemacht werden. Hm dahinter. Man will sich eine wo im Falle eines größern audern Städten mit aufgeklärter, Arbeiterschaft die Warer⸗ die den Feiernden in den Rücken fallen. Knabe! Kannst vielleicht im Karpfenteich sein!“ mit neuer Kraft. Sein erstrahlte in lebhaftem Feuer. Seine Ausdauer eine sehr harte Probe gestellt werden. ungefähr Orkan ausartete. Im Nu war ö gehüllt. Ununterbrochen sandte der Erde die winterlichen Flocken herniedersenden, 2 — eltener, seinem Kutscher den Befehl sollte ich sonst In Weisheim muß es ganz ungewöhnlich rege zugehen. Eigentümlich ist's, daß gerade jetzt Am Ende steckt irgend ein Fabrikantenkniff Stätte verschaffen, Ausstands in den organisirter fertig gestellt werden sollen, Streikbrecher konzentrirt werden 10 a, um so mehr mußt da nach Weisheim, alter wieder einmal Hecht Diese Erwägungen erfüllten den Wanderer Schritt wurde fester, seine Haltung stolzer und sein blaues Auge sollte indessen noch auf Nach einer Viertelstunde begann ein heftiges Schneegestöber, das schließlich in einen wahren seine weißen Flocken. In kaum einer Stunde begann der gefallene Schnee schon dem einsamen Wanderer beschwerlich zu werden. Nur müh⸗ sam kam er vorwärts, dazu bot ihm die dürftige Kleidung faft gar keinen Schutz gegen die eistge Kälte. Langsamer und langsamer wurden seine Schritte. Da drang plötzlich ein helles Wagengeläute an sein Ohr. Von zwei kräftigen Rappen gezogen, fuhr ein Landauer heran, in welchem nur ein einzel⸗ ner korpulenter, durch Decken aufs Beste gegen das Unwetter verwahrter Mann saß. „Der muß mich mitnehmen,“ murmelte der Pilgrim der Landstraße.„Heute kann kein Christenmensch so etwas abschlagen. Er fährt ja auch augenscheinlich nach Weisheim.“ „Holla“ rief er dann laut, als das Ge⸗ fährt an seiner Seite war;„wollen Sie mich nicht nach Weisheim mitnehmen? Ich bin durchnäßt und so durchfroren, daß ich kaum weiter kann, und noch sind's drei und eine halbe Stunde nach der Stadt.“ „Der Dicke im Wagen warf einen prüfenden Blick auf den Armen, dann griff er in die Tasche und reichte ihm ein Geldstück dar. „Hier habt Ihr einen Fünfziger,“ erwiderte er. „Kauft Euch dafür im nächsten Dorfe einen Schnaps, der wird Euch schon auf die Beine helfen. Mitnehmen kann ich Euch nicht. Weiß nicht, wer Ihr seid. Bin mir selbst der Nächste, 150 1 ist die Mutter der Weisheit. Da nehmt!“ Dem unglücklichen Manne stieg das Blut in den Kopf ob dieser Herzensroheit. Entrüstet rief er:„Behaltet nur Euer Sündengeld. Es kann mir doch nicht helfen. Nach Schnaps steht nicht nein Sinn. Fahrt nur zu! Soll ich auf der Landstraße im Schnee elend um⸗ e asche 1 9 1 sein!“ 1 nverschämter Flegel⸗ D es aus den Peg. A de ertönte doch Ar. gr en und Pelzhüllen heraus; rah es der seltsame Menschenfreund ge⸗ zu beschleu⸗ nigter Fahrt zu geben. 5 1 Schellengeläute verhallte. Müde und matt schlich der Wanderer weiter. Der Schnee ballte sich an seinen Füßen zu Klumpen, heftiger Frost schüttelte ihn. Vor seinen Augen be⸗ gannen Feuerräder zu kreisen. Noch eine Weile faumelte er weiter, dann mußte er sich auf einem eben noch aus dem Schnee hervorragen⸗ den Steine niedersetzen. Sein Bewußtsein be⸗ gann zu schwinden. Er fühlte die Kälte fast nicht mehr. Wirre Traumbilder umgaukelten ein Hirn f g Aber Mann, um des Himmels Willen, was macht ihr hier!“ rief da plötzlich eine Stimme dicht vor ihm. Ein kräftiger Arm rüttelte ihn an der Schulter.„Steht auf, sonst seid ihr ein Kind des Todes!“ Der Unglückliche machte Anstrengung, empor zu kommen. nicht mehr. 8 „Steht es schon so eine vergebliche Es ging “ sagte der Warner, ein kräftiger ländlicher Arbeiter.„Na, denn trinkt mal einen kräftigen Schluck! Das hilft! Zugleich hielt er dem gänzlich Ermatteten die Schnapsflasche an die Lippen. N Mechanisch sog der Arme den feurigen Trank, der seine Wirkung nicht verfehlte. Mit Hilfe seines Retters richtete er sich auf. 1 „Na, kommt nur mit mir nach Hause! meinte der Samariter gutmütig.„Fürs Erste könnt ihr heute doch nicht mehr weiter. Laßt wenigstens das Schneewetter etwas austoben, dann 1 0 ihr 1 walzen. Ihr wollt wohl nach Weisheim?“ chiilenlos folgte der Ermattete dem wohl⸗ meinenden Manne, während er ihm seine Aus⸗ sichten und Pläne langsam auseinandersetzte. „Ha, Ha! Also gemaßregelt seid Jr Das laßt nur ja in Weis heim Niemanden merken, sonst kommt Ihr schief an! Wir haben in Weis heim nur wenig aufgeklärte Leute. Das Nest ist zu schwarz. Immerhin aber ist es dort noch besser als bei uns auf dem Lande in den Zuckerfabriken.— Arbeit giebt's in Weisheim genug. Da habt Ihr recht. Wenn Ihr könnt, müßt Ihr heute noch hin. Erst aber sollt ihr Euch bei mir ordentlich auf⸗ die ganze Gegend in Weiß Himmel Statt aller Antwort drückte der Gerettete seinem Helfer die Hand. Bald waren stie an dem kleinen Häuschen des Mannes angelangt. Eine robuste Frau mit gutmütigen Zügen empfing sie. Ohne lang zu fragen, nahm sie sich des Gastes an. Schnell war ein kräftiges Mahl bereitet, dem der Wan⸗ dersmann heißhungrig zusprach. Gegenrede aus. Der Samariter und seine Frau waren eines Sinnes mit ihrem Pflegling. Als er endlich Abschied nahm, um nach Weisheim weiter zu pilgern, schied er wie ein guter Freund von dem wackern Paare. Das Wetter war liche 1 mußte gewagt werden. Dem Pro⸗ letarier Zaudern. „Hier habt Ihr unsern letzten Zwanziger!“ sagte der Landarbeiter beim Abschied.„Nehmt ihn nur, wir helfen uns schon weiter. Viel 9 95 93 Weg. n dem Auge des armen Pilgers blitzte es feucht.„Von 0 0 gerne annehmen,“ antwortete er.„Was der Arme dem Armen giebt, das kommt von Herzen. Meine heißen Segenswünsche begleiten Euch; vielleicht sehen wir uns wieder. Nochmals tausend Dank für Eure Menschenfreundlichkeit!“ Der Neugestärkte schied. Auf der Land⸗ straße schritt er rüstig aus; allein, er hatte seine Kräfte doch überschätzt. Die kurze Rast in der warmen Stube ließ ihn vergessen, welche Strapazen er schon heute überstanden. Das rächte sich nun bitter. Nach einer Stunde setzte auch das Schnee⸗ gestöber wieder N keuchte der ch 1 dogte,„Söll ich am nahen „Ziele noch scheitern? Nimmermehr!“ Langsam kam er weiter, indessen er gelangte doch seinem Ziele näher. Mehr als alles Andere hatte ihm das frische, freie Wesen des selbst kärglich genug gestellten Landarbeiters wohl etan. . altes Haus?“ sagte er, Du willst verzagen 5 ö sich selbst ermunternd. 5„Dein Retter verdient doch nur achtzehn Groschen a f Pracht doch 1593 drei Wochen in Arbeit zu stehen, dann bist du auh dem Dalles. Vor⸗ wärts! Der echte Proletarier kriecht so leicht * 0 1 nicht zu Kreuze starke Wille da ist, gelingt Wo der gute, Schwieriges. Welche Heldentaten muß der roletarier nicht alltäglich ungekannt und un⸗ Ae verrichten, um sich und die e durchzubringen. Der berühmte Marsch de Marschalls Vorwärts von Ligny nach Waterloo ist wahrlich ein Kinderspiel hiergegen. Unter unsäglichen Strapazen verflossen dem einsamen Pilger wieder über zwei Stunden. Endlich, als er fast umfallen wollte, tauchten die Lichter von Weisheim vor ihm auf. war auch die höchste Zeit. schöpft wankte er in die erste beste Restauration, assen. Wee Geschas, hilf weiter!“ murmelte er, als er zur Tür der Wirtsstube hineinschwankte. Das Geschick half. Er war in ein Gasthaus geraten, in welchem sich die organisirten Arbeiter, meistens Former und Metallarbeiter, zusammen⸗ fanden. 988 ben hatte man den schon von dem Wan⸗ eren geahnten Kniff der Fabrikanten besprochen, hier in von Formern einzustellen, vielleicht welche sich im F als Streikbrecher gebrauchen ließen, um Während dessen tauschte man Rede und 1 inzwischen etwas besser geworden. Der beschwer⸗ 1 äßt das Geschick wenig Zeit zum 1 J nch will ich die Gabe herzlich . „Vorwärts! Vorwärts— den Tag und dn Auf den Tod er⸗ 1 um sich für die zwanzig Pfennig etwas Warmes 4 1 Weisheim ein Kontignent rühi is und Indifferenz; rühjahr aus Unkenntnis u den 7 5 . 15 1 1 C 1 1 — 1 0 1 4 0 1 streikenden Berufsgenossen in nicht mit allen rief ein bärtiger in der Mitte Alles 2 allen. g „Ein Hundsfott, wer etzt Mitteln unsere Sache vertritt!“ Mann an dem dichtbesetzten Tische des Lokals. Jetzt gilt es zu agitiren? muß für die Agitation gewonnen werden. 10 Der neue Ankömmling horchte auf. 1 elektristrt eilte er an den Tisch.„Bravo! 5 10 er, indem er in die Tasche griff und sein Ver⸗ bandsbuch hervorholte.„Einer für Alle, wärmen und stärken. 5 für Einen! Mögen sie uns hundertma Rücken zu 103 Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. 8 Nr. 1. regeln, siegen müssen und werden wir trotz alledem!“ I Die Anwesenden horchten auf. So etwas kam nicht alle Tage vor. 4„Was, Neumann aus Berlin!“ rief da . Plötzlich eine Baßstimme.„Donnerwetter, altes Haus, Dir müssen sie schön mitgespielt haben, 5 bi Du in diesem Hundewetter auf der Walze f 1 15 0 5 sagte der Angeredete 5 achend. — Alle Müdigkeit war jetzt bei ihm verschwunden. 15 Hier lid saß echte Proletariergerzen. W Bald saß der von Allen freudig begrüßte 5 Neumann inmitten der Genossen, die dem Ge⸗ m maßregelten jeden Wunsch an den Augen abzu⸗ 0 sehen strebten. 1 An diesem Sylvesterabend wurde der heilige * Wund der proletarischen Solidarität neu ge⸗ 0 schlossen und gefestigt. Die ersten wirksamen b Maßregeln wurden nach Neumanns klugen Rat⸗ „ schlägen getroffen, den Fabrikanten und der 10 unit ihnen verbündeten schwarzen Klerisei ihr llichtscheues Treiben gründlich zu vereiteln. u Als die Mitternachtsglocken das neue Jahr , einläuteten, erhob sich Neumann, hielt sein Glas 10 hoch empor und rief leuchtenden Auges mit 1 kräftiger Stimme:„Freunde, Genossen! Dieses Glas dem neuen Kampfe des neuen Jahres, W. diem Sieg unserer Organisation! Ein Geist s seoll herrschen, so weit der Proletarier wirkt und Nat schafft, der Geist des Opfermuts und der lde Solidarität! d? Die Lieb soll uns zusammenketten; 1 Wir strecken aus die Bruderhand, W Aus geist'ger Schmach das Vaterland, 263 Das Volk vom Elend zu erretten!“ 5 ö Jauchzender Beifall erscholl. Schöner wurde wohl nie eine Sylvesterfeier begangen. 1 15 Was ist Elektrizität? wob Arthur Wilke weist in dem letzten Heft der Zeutralzeitung für Optik und Mechanik darauf , hün, daß auf diese Frage eine Antwort über⸗ diem haupt nicht erwartet werden könne, weil sie 0 N im sich selbst einen Irrtum enthalte, der aller⸗ „ bengs nicht so offen zu Tage liege. Unsere , Erkenutnis der Natur wird uns durch die fünf eh Sinne vermittelt, aber es giebt Kräfte in unserer lungebung, die auf unsere Sinne nicht wirken uu und uns daher durch sie auch nicht erraten ö u merden können. Entdeckt werden sie erst dann, Dun, uenn sie mittelbar unseren Sinnen zugänglich en gemacht werden. Wie das geschieht, lehrt z. B. 9 d me solche Entdeckung wie die der Röutgen⸗ el srahlen. Die Naturvorgänge, die unsere Sinne unmittelbar beeinflussen, bilden nur 1% eien kleinen Teil der Gesammtheit. Die sinn⸗ 12 ich nicht wahrnehmbaren Vorgänge dagegen . an langen doch schließlich in den Bereich unseres 1 sassungsvermögens, indem sie sich fortpflanzen, 0„ sch umwandeln und andere Geschehnisse veran- 1 o, ssen, die auf unsere Sinne wirken. Als 10 10 beispiel können uns die chemischen Kräfte dienen. zun zurch die Betätigung solcher können zwei „ lserer Sinne, nämlich Geschmack und Geruch, 7 begt werden, die aber so unvollkommen ent⸗ Wal 10 bickelt sind, daß sie für unsere wissenschaftliche oil Erkennntnis nicht viel zu bedeuten haben. bel 65 wenn wir von der Chemie nicht mehr wüßten, aun is wir durch Geschmack und Geruch von ihr 90 skahren, so würde es recht schlecht um unsere 1 We gelehrsamkeit auf diesem Gebiete bestellt sein. hun die chemischen Vorgänge aber beeinflussen kü, läcklicherweise auch die mechanischen und valle eischen Zustände, und werden uns dadurch dffag sobar als Veränderungen im Raum und um + l. Umwandlungen der Farbe. Letztere spielen e e Vergleich zur ersteren nür eine geringfügige lle in der Forschung. Die Beobachtung der 1 a(zränderungen im Raum muß die Grundlage h l die wissenschaftliche Betrachtung und Ver⸗ 00 l ung sein. Auch die Elektrizität ist, wie e ec andere Begriffe von Kräften, nur eine 1 efsvorstellung um eine Reihe von Erschein⸗ e augen im Raume zu erklären. Gilbert hat sie e 0 etwa 250 Jahren geschaffen, indem er 0 g gwpisse Vorgänge auf die Aeußerungen oder 1 I kungen einer Kraft zurückfuhrte, die er 1 Elektrizitat naunte. Die späteren Forscher behielten seine Anschauung bei, weil ste eine große Zahl von natürlichen Vorgängen einheitlich zusammenfaßte. Wenn man nun aber meint, es gäbe da draußen in der Natur etwas Gesondertes, das unserer Vorstellung von Elektrizität entspricht, so ist das ein Irrtum. Die Vorstellung besteht nur in unserem Geist, der eine Anzahl gleichsam telegraphischer Zeichen aus der Außenwelt in einen Kreis gebannt und dessen Inhalt als Elektrizität benannt hat. Was in der Natur selbst den in diesem Kreis der Vorstellung enthaltenen Vorgängen entspricht und wie ihre Ursachen zusammenhängen, wissen wir nicht. Höchstens kann soviel mit Gewißheit behauptet werden, daß die von uns beliebte Zusammenfassung in der Natur nicht vorhanden ist, und daß es also keine individuelle Naturkraft der Elektrizität giebt. Wenn wir diese Geburt unserer geistigen Vorstellung auf wirkliche Raum⸗ vorstellung zursckführen könnten, so würde dadurch vielleicht noch nicht einmal etwas gewonnen sein, denn auch sie würde sich weiter- hin nicht erklären lassen, so daß nur ein neuer rätselhafter Begriff an die Stelle des alten etreten wäre. Es geht wohl mit allen unseren orstellungen der Natur und ihrer Kräfte ebenso, und die Frage: Was ist.... 2 läßt sich überhaupt nicht beantworten, gleichviel, worauf sie sich bezieht. Wir können nicht weiter kommen als bis zu einer Verknüpfung unserer Vorstellungen und zum Aufbau einer höheren Vorstellung durch die Zusammenfassung einzelner. „ Splitter. Mann gegen Mann die Kraft erproben Im Kriegskampf: ja ich muß es loben, Jedoch der Kräfte schönste Wette Ist, wo es lautet: Rette, rette! Fr. Th. Vischer. **ñ d Jahrhundert rollt sich zu Jahrhundert In ewig gleicher Ebv' und Flut; Verflucht wird, was man einst bewundert, Gesegnet, was vermodert ruht. A. Böttger. Humoristisches. In der Kneipe. Gast: Warum ist denn das Amtsblatt heute so naß? Das ist wohl in den Spül⸗ bottich gefallen? Wirt: Gott bewahre! Das trleft blos vor sittlicher Entrüstung über den„Vorwärts.“ Die Lücke im Zolltarif. Sie: Wo ist denn das Weibsbild eigentlich her, das unserer Minna den Referendar weggefischt hat? Er: Ich glaube aus Oester⸗ reich. Ste: Na ja! Du Esel! Da hast Du nun den ganzen Sommer in der Zolltarifkommission gesessen, hast über allerhand Schutzzölle auf Reis, Rosinen, Heringe, Gurken, Eier und Stiefelschmiere geschwatzt, und an die Hauptsache, einen Schutzzoll für heiratsfähige Töch⸗ ter, hast Du nicht gedacht! (Südd. Postill.) Doppelsiunige Frage. Baron(ttark ver⸗ schuldet): Sehen Sie, Herr Doktor, den steilen Felskegel mit den Trümmerresten? Dort stand mein Ahnenschloß, dort haben meine Vorfahren jahrhundertelang gehaust. Doktor: Und wann ist Ihr Geschlecht eigentlich her⸗ untergekommen? Beschichtskalender. 1. Januar. 1895: Rede Wilh. II.„Rotte von Menschen“. 1881: Blanqui, franz. sozialist. Revolu⸗ tionär f. 2. 1886: Hofbaurat Demmler, soz. Reichstags⸗ abgeordneter. 3. 1893: Bergarbeiterstreik im Saarrevier. 4. 1892: Wilh. II. Erlaß gegen die Wahlfreiheit der Beamten. 5. 1898: Polizeikommissar Tausch vor dem Dis⸗ ziplinargericht. 6. 1816: Aufhebung des Tugendbundes durch d. König v. Preußen. 7. 1896: Negerschinder Wehlau vor Gericht. 3. 1892: Umsturz⸗Debatte im Reichstage. 9. 1899: Malestätsbeleidigungsprozeß Müller in Magdeburg. 4 Jahre Gefängnis. 10. 1898: Esterhazy⸗Prozeß in Paris. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommisston des Wahlverelns— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Der Neue Welt Kalender für 1993. Preis 40 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der soeben erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und polltischen Grundlag en der katholischen Kirche und stizztert die pr inzi pielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Gerade jetzt, wo in Frankreich der Kulturkampf tobt und in Deutschland das Zentrum nicht blos in der Frage des Zollwuchers, sondern allgemein die Schutztruppe der protestantischen Reichsregierung ist, kommt die Schrift zeitgemäß. Preis 30 Pfg.(Agi⸗ tationsausgabe.) Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dleser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Weltkrach und Weltmarkt. tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Etsner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Grundzüge und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen! Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk. Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg. Sozialdemoratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen Von A. Eine weltpoli⸗ A 20 Pfg. Gebunden 9 Mk. Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anati⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk. Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hugo. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt- schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinvand 6.50 Mk. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk. Führer durch das Gewerbe⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. 5 durch das Bau Unfallversicherungs-Gesetz. durch das Unfallversicherungs-Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Juvalideaversicherungs-Gesetz. Jedes einzelne Wert ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto. * A geboren;= gestorben 2— .— 8 f 8 71 83 4 Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Ortskrankenkasse Gießen. Durch Beschluß der General⸗Versammlung vom 12. November 1902 und mit Genehmigung Großh. Kreisamts Gießen vom 15. Dezember 1902 erhält das früher bestandene Kassenstatut folgende Aenderungen: I. Bei§ 2 wird Absatz 1 gestrichen. II. Der§ 5 hat nunmehr folgende Fassung: 1. Berechtigt, der Kasse als Mitglieder anzugehören, sind: a) Die in Betrieben der in§ 1 bezeichneten, ohne Gehalt oder Lohn beschäftigten Personen. b) Die in Communalbetrieben und im Communaldienst be⸗ schäftigten Personen, auf welche die Anwendung des 8 1 des Gesetzes nicht durch anderweite reichsgesetzliche Vor⸗ schcift erstreckt ist. c) Diejenigen Angehörigen von Gewerbetreibenden, der in 8 1 bezeichneten Art, welche in den Betrieben der Letzteren zwar beschäftigt werden, aber nicht auf Grund eines Ar⸗ beitsvertrages. d) Diejenigen Personen, welche von der Verpflichtung, der Kasse anzugehören, wegen ihrer Beteiligung an einer, dem § 75 genügenden Hilfskasse befreit sind. e) Dienstboten. 1) Selbständige Gewerbetreibende der in§ 1 bezeichneten Art, welche nicht regelmäßig einen Lohnarbeiter beschäftigen. g) Gehülfen und Lehrlinge in Apotheken. .Das Recht zum Beitritt fällt für die unter a—g aufgeführ⸗ ten Personen fort, sofern ihr jährliches Gesammteinkommen 2000 Mark übersteigt. Die Aufnahme der unter 2—g auf⸗ geführten Beitrittsberechtigten erfolgt nur dann, wenn sie sich durch ein Attest eines Kassenarztes über ihre Gesundheit aus⸗ weisen. III. Bei§ 15 erhält der letzte Absatz folgende Fossung: Die im Krankenhause Untergebrachten erhalten, wenn sie Angehörige haben, deren Unterhalt sie bisher aus ihrem Arbeitsverdienst bestritten haben, die Hälfte des jeweiligen Krankengeldes, andernfalls/ des in 8 13 als durch⸗ schnittlichen Tagelohn festgesetzten Betrag. IV. 5 22 erhält folgende Fassung: Für die in ihrem Haushalt lebenden, dem Versicherungs⸗ zwang nicht selbst unterliegenden Fa milieuangehörigen, (Ehefrau und Kinder unter 14 Jahren), wird den Kassen⸗ mitgliedern gewährt: 1. Im Falle der Erkrankung, sofern nicht Kur und Verpflegung in einem Krankenhause erforderlich ist, freie ärztliche Be⸗ handlung durch die Kassenärzte für die Dauer der Krank⸗ heit, höchstens jedoch für 13 Wochen im Laufe eines Zeit⸗ raumen von 12 Monaten. Spezialärztliche Behandlung ist ausgeschlossen. Außerhalb des Kassenbezirks wohnende Mitglieder erhalten, falls die Behandlung der betr. Ange⸗ hörigen nicht durch einen Kassenarzt erfolgen kann, auf die Aerzterechnung folgende Sätze vergütet: a) Für eine Consultation in der Sprechstunde des Arztes oder für einen Besuch am Wohnort des Arztes 50 Pfg. b) für einen Besuch außerhalb des Wohnorts 1 Mark. 2. Im Todesfalle der Ehefrau ein Sterbegeld in Höhe der Hälfte, eines Kindes im Alter von 6—14 Jahren in Höhe von Einviertel, und allen unter 6 Jahren in Höhe von Einfünftel des dem Mitgliede nach§ 21 des Statuts zustehenden Sterbegeldes. Das Sterbegeld für die Ehe⸗ frau und Kinder wird, wenn solche nicht selbst Mitglieder der Kasse sind, nur dann gewährt, wenn das Mitglied vom Todestage rückwärts gerechnet, in den letzten sechs Monaten mindestens 13 Wochen der Kasse angehört hat. V. Im 8 31 erhält der letzte Absatz folgende Fassung: Für Mitglieder, welche innerhalb der ersten Wochentagen (Montag, Dienstag, Mittwoch) in die Kasse eintreten, aber innerhalb der drei letzten Wochentage,(Donnerstag, Freitag, Samstag) aus derselben ausscheiden, ist der volle Wochenbeitrag zu zahlen. Für Mitglieder, welche inner⸗ halb der drei ersten Wochentage aus der Kasse ausscheiden, oder innerhalb der drei letzten Wochentage in dieselbe ein⸗ treten, ist ein Beitrag für die betr. Woche nicht zu ent⸗ richten. Für Mitglieder, welche in den drei letzten Wochentagen eintreten, aber in der dem Eintritt folgen⸗ den Woche in den drei ersten Wochentagen wieder aus⸗ treten, wird ein voller Wochenbeitrag in Ansatz gebracht. Geburtsärztliche Hilfe gemäß den Art. 136, a und 8 138, 141 und 142 der ärztlichen Gebühren ordnung wird von der Kasse, laut Vertragsabschluß mit den Kassen ärzten, honorirt. Der Vorstand. Gg. Dahmer, 1. Vorsitzender. Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11 2. Telefon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus- und Küchen- HMeräte-Hlandlung Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum- u. Gaskocher Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Fleischhack⸗u.Reibemasch. Rasenmäher Waagen und Gewichte Dr. Kleins Fleischsaftpress. Stehleitern Messerputzmaschinen Feuerlöschapparate ꝛc. darunter Haupttreff. jähr. von Mk. 3 8 840 bob. 8 22400 l, 20005 30 40 hob, 55 10 000 8 kommen im Laufe der Voreinszeit 9 zur Verloosung Jedes Loos ein Treffer. Die kleinsten Treffer betragen mindestens ca. 97 pCt. des Rin- satzes, daher bei Verloosung fast Lein Risico Unsere Gesellschafts- Korbi- nationen bieten die Grösste Gewinnchancen. 112 ferschiedene Nummern 3 Monatlich Beteiligung nur Mk. 4. Anmeld. befördert umgehend: 80 W. 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