ssen m. end m U 0 agen . ö 1 dell on g. dienung n zahl⸗ Sell (er! riährge spräm, ger, . . , Etage. — 58e ge en 1a Festsetzung der Geschäfts⸗ und Tagesordnung. Nr. 31. Gießen, den 2. August 1903. Medaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche Mebaltionsschruß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Adr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 6 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung 331½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Parteigenossen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der diesjährige in Dresden statt. Auf Grund der Be⸗ stimmungen der§8 7, 8 und 9 der Partei⸗Organisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr, nach Dresden in das Lokal„Trianon“ Schützenplatz, ein. Als provisorische Tagesordnung ist fest⸗ gesetzt: Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituierung des Parteitages. Wahl der Mandatsprüfungs⸗Kommission. Montag, den 14. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch. 2. Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: H. Meister. 3. Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. Berichterstatter: A. Stadthagen. 4. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 5. Der internationale Kongreß in Amsterdam 1904. Berichterstatter: P. Singer. 6. Anträge zum Programm und Organisation. 7. Sonstige Anträge. 8. Wahl des Vorstandes und der Kontrolleure. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorbereitungen für den Parteitag— also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen— rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens den 3 1. Aug ust in den Händen des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz II der Partei⸗Organisation im„Vorwärts“ ver⸗ öffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mit⸗ teilungen zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: Karl Sindermann, Dresden⸗A., Zwingerstraße 22. Mandatsformulare sind durch das Parteibureau J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30 zu beziehen. Berlin, 25. Juli 1903. Mit sozialdemokratischem Gruß! Der Parteivorstand. —.—— Ueber die Lehren des Reichstagswahlergebnisses sprach am Montag Abend Genosse Vollmar in München. Was der bewährte im Kampfe für die Sozialdemokratie ergraute Genosse und bedeutende Parlamentarier sagt, verdient stets die größte Beachtung. Wir geben darum einen Teil seiner Ausführungen nach dem Berichte unseres Münchener Parteiorgans wieder. Wenn eine wichtige Entscheldung gefallen ist, die lange vorbereitet war, begann Vollmar, dann ist es ganz naturgemäß, daß für alle Beteiligten eine Zeit geistiger Sammlung herankommt. Daß man im Hasten der Tages⸗ tätigkeit einen Augenblick einhält, den Blick vom Einzelnen auf das Ganze richtet, den Ent⸗ stehungsgründen des Geschehenen nachforscht und die gewonnene Einsicht auszunützen, Fehler zu verbessern und Lehren und Richt⸗ linien für die Zukunft zu gewinnen sucht. Man hat auch in den letzten Wochen in der Presse aller Parteirichtungen Wahlbetrachtungen lesen können, die zwar ihrer Menge nach nichts zu wünschen übrig ließen, die aber hinsichtlich ihres inneren Wertes nur wenig Ausbeute er⸗ gaben. Man sollte wohl meinen, daß eine Erscheinung, wie das Anwachsen der Sozial⸗ demokratie, die in ununterbrochenem, durch keines der angewandten Mittel verhindertem Aufstieg über 3 Millionen Stimmen erreichte, die Politiker aller Richtungen aufrütteln müßte, daß sie sich auf sich selbst besinnen. Sie müßten sich klar werden, daß in weiten Kreisen des deutschen Volkes in der Tat eine tiefe Unzufriedenheit mit den ganzen poli⸗ tischen Zuständen und Parteien vorhanden ist und daß ein großer Teil des Volkes nur mehr die Sozialdemokratie für fähig hält, die poli⸗ tischen und wirtschaftlichen Interessen der Nation zu vertreten. Man sollte meinen, daß diese Erscheinung Eindruck genug auf sie ge⸗ macht hätte, um sie zum Nachdenken über ihr eigenes Tun und über die unabweisbaren Notwendigkeiten für die Zukunft zu bewegen. Aber hier erweist sich wieder die Wahrheit des Wortes, daß die Geschichte nur dazu da ist, daß man ihre Lehren nicht beherzigt. Mit wenig Ausnahmen suchen die Parteien die Ursachen überall anderswo, als bei sich selbst. Vollmar besprach dann die Mißerfolge der verschiedenen bürgerlichen Parteien und die Art, wie von diesen der Wahlkampf geführt wurde. Vom Zentrum sagt er, es stellt sich außer⸗ ordentlich zufrieden über den Ausgang der Wahlen und gebärdet sich eifrig als uner⸗ schütterter Turm und Beherrscher der Lage. Es nennt sich stolz den„Hort des Staates“ und rühmt sich, daß es allein die Reichspolitik fortführen könne. Aber diese seine Stellung hat große Schattenseiten und wird dem Zentrum noch oft schwere Sorge bereiten. Einmal sind seine Wahlerfolge doch recht mäßig. Richtig ist ja, daß es 340,000 Stimmen gewonnen hat. Aber auf welche Weise! Zunächst hat es überall, wo es nur irgend ging, Zähl⸗ kandidaten aufgestellt. Dann hat es die äußersten Mittel, die nur möglich sind, ange⸗ wendet. Es hat den Religionskrieg erklärt und alle seine Schrecken entfesselt. Es hat in einem früher nicht gekanntem Umfang das Volk mit Millionen der lügenhaftesten Schriften überschüttet. Die Geistlichkeit hat einen unerhörten Amtsmißbrauch getrieben und vom Bischof bis zum Pfarrer herab direkten Gewissenszwang ausgeübt, ja sogar von der Androhung einer Verweigerung der Sakramente hat man gehört. Was bedeuten im Vergleich mit dieser Agitation die I/ Millionen Zentrumsstimmen, während die So⸗ zialdemokratie schon 1898 2,1 Millionen Stimmen hatte und seitdem um 43 pCt. zunahm und 23 Mandate gewann, indessen das Zentrum 3 verloren hat. Da ein Mehr an Verhetzung nicht mehr aufgewendet werden kann, als bei dieser Wahl, so ist eine weitere Steigerung der Macht des Zentrums wohl ausgeschlossen. Das Zentrum hatte viel auf die katho⸗ lischen Arbeiter gehofft und an Ver⸗ suchen, die Arbeiterschaft durch Sonderorgani⸗ sation zu spalten und sie vor den eigenen Parteiwagen zu spannen, hat es nicht gefehlt. Aber der Erfolg dieser Bemühungen war recht mäßig. Das hat sich besonders im Rheinland und Westfalen, der Zentrumsdomäne, gezeigt, wo gerade die Sozialdemokratie riesenhaft ge⸗ wachsen ist. Die katholischen Arbeiter haben massenhaft für die Sozialdemokratie gestimmt und Alles spricht dafür, daß es auch in Zukunft so weiter geht. In den Großstädten und In⸗ dustriebezirken geht das Zentrum zurück, und nur dort, wo die kleinbürgerliche und ländliche Bevölkerung ausschlaggebend ist, hat es einst⸗ weilen noch seine Stellung zu behaupten ver⸗ mocht. Verschiebt sich schon dadurch das Schwergewicht des Zentrums nach der reak⸗ tionären Seite, so wird es auch durch seine ganze Politik in der gleichen Richtung gedrängt. Während der vergangenen beiden Reichstage hat das Zentrum sich fast im Galopp aus einer Oppositlons⸗ in eine Regierungspartei umgewandelt. Das war nicht nur ein Ver⸗ rat am Volk, sondern auch eine ausgesuchte politische Kurzsichligkeit, weil in einem vor⸗ wiegend protestantischen Land, wie es Deutsch⸗ land ist, das Zentrun die geborene Minder⸗ heitspartei ist. 5 Aber das Zentrum muß immer reaktionärer werden, man kann von ihm für die Zukunft das Allerschlimmste erwarten. Der Kampf zwischen Sozialdemokratie und Zentrum wird stärker als jemals zuver und die Folge wird sein, daß das Zentrum von der Scheitelhöhe seiner Macht heruntersteigen muß. 8 Von den Nationalliberalen ist wenig zu sagen. Nach ihrer Wahlniederlage haben sich unter ihnen einige phantastische Leute gefunden, welche für einen entschiedenen Liberalismus eintreten. Ein liberales Blatt ging sogar soweit, daß es verlangte, das arbeitende Volk müsse im täglichen Leben, in öffentlichen Lokalen als gleichberechtigt anerkaunt werden, dann würden die sozialen Unterschiede schmerzlos sein und solcher praktischer Liberalismus wäre der Tod der Sozialdemokratie. Wir haben nicht nötig, uns allzusehr zu fürchten. Die Nationalliberalen sind unver⸗ besserlich, sie werden bleiben, was sie bisher waren, nämlich begeisterte und untertänuige Dienstmannen des jeweiligen Herrschers. ö Die am meisten Leidtragenden sind die Links liberalen, besonders deren größte Gruppe, die unter Eugen Richters Führung stehende Freisinnige Volkspartei. Sie sind bei allgemein größerer Wahlbeteiligung auf ihrer bisherigen Stimmenzahl stehen ge⸗ blieben und von 50 auf 36 Mandate zurück; gegangen. Sie spielten im Zollkampfe eine jämmerliche Rolle und in der Wahlbewegung führten sie den Kampf ausschließlich gegen die Sozialdemokratie, anstatt sich gegen die Reaktion zu wenden. Diese törichte Taktik gaben sie auch bei der Stichwahl nicht auf, obwohl der Vor⸗ wärts gleich nach der Hauptwahl erklärte, bei 6 7 8 2 2 3 3 2 . . 3 Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Ne. 31. den Stichwahlen handele es sich darum, eine möglichst große Oppositionspartei herzustellen, die man auf 140 bis 150 Mandate bringen könne. Die Linksliberalen suchen sich über das eigene Mißgeschick durch die Behauptung zu trösten, daß wir unsere Erfolge hauptsächlich unserer Tätigkeit auf dem Gebiet der staats⸗ bürgerlichen und geistigen Freiheit zu danken hätten und dies Gebiet sei doch eigentlich nicht spezifisch sozialdemokratisch, sondern ursprüng⸗ lich liberal. Darin liegt einiges Richtige. Aber was ergibt sich daraus? Uns ist des⸗ wegen ein Vorwurf nicht zu machen. Gerade umgekehrt ist dies ein scharfes Urteil gegen den bürgerlichen Liberalismus, der sich als unfähig zur Wahrnehmung und Durchsetzung seiner eigensten Aufgaben erweist und darüber das Vertrauen des Volkes verloren hat. Er muß die Erfüllung seiner Aufgaben nun endgiltig den kräftigen Händen der Sozial de mokratie überlassen. Ich will nicht sagen, daß für den Liberalismus keine Aufgaben mehr vorhanden wären; wir Sozialdemokraten sind nicht solche Neidhammel und würden uns aufrichtig freuen, wenn die Liberalen auf politischem und geistigem Gebiete im Kampf gegen die Reaktion mit uns wetteifern wollten. Aber im übrigen muß man sich daran gewöhnen, daß sich die Dinge bei uns etwa so, wie in Belgien entwickeln werden und daß die Liberalen nicht anders tun können, als an der Seite und unter der Führung der Sozialdemokratie ihre Aufgabe durchzuführen. Zur Sozialdemokratie übergehend meinte der Redner: Es gibt zwei Sorten von Erfolg: Den Augenblickserfolg, den des Zufalls, die List und Gewalt des Einen und die Schwäche des Anderen geboren hat. Die blinde Anbetung dieses Erfolges haben wir immer gering ge⸗ schätzt und bekämpft. Wenn aher eine Bewegung, die von ihrem Aufang an und auf ihrem ganzen Wege Alles, was Macht hat in Staat und Gesellschaft im rücksichtslosen Kampfe gegen sich sieht, alle gegen sie aufgeworfenen Hindernisse aus eigener Kraft überwindet und nun solche jeder Berechnung spottenden Siege gewinnt, dann ist das wahrhaftig kein Zufallserfolg, sondern ein Kennzeichen und Beweis ihres Rechtes. Das soll nicht heißen, daß wir uns deswegen für unfehlbar halten und meinen, daß alle unsere Handlungen gleich gut seien. Eine solche Selbstgefälligkeit wäre unser unwürdig und gefährlich. Wir werden immer suchen müssen, unsere Fehler zu entdecken, auch wenn sie durch sehr viel größere Fehler unserer Gegner überragt werden. Wohl aber haben unsere Wahlerfolge aufs Neue und deutlicher als je gezeigt, daß die Sozialdemokratie nicht, wie gewisse Leute meinen, eine„vorübergehende Erscheinung“ ist, eine Flut, die schnell wieder zurückgeht, sondern ein aus solidestem Material gebautes, jedem Angriff widerstehendes Fahr⸗ zeug, das sich mit ruhiger Sicherheit auf der rechten Bahn bewegt und dem erstrebten Ziel zusteuert, der Eroberung der politischen Macht zur Erlösung des unter⸗ drückten Volkes. Man weiß nicht, wie lange der Kampf noch dauert, noch unter welchen Umständen wir den Sieg erringen werden, aber das Eine weiß ich: Eine Partei, die im Kampfe mit staatlichen und gesellschaftlichen Mächten heute bereits die anerkannte Vertretung eines Drittels des deutschen Volkes geworden ist und über deren unaufhaltsame Weiterentwicklung so wenig Zweifel bestehen, daß die Gegner schon vor den kommenden Wahlen Angst haben, diese Partei ist heute ein notwendiges Lebens⸗ Element der weiteren wirtschaftlichen und politischen Entwickelung des Reiches. Sie ist die Partei der nationalen Zukunft und besitzt heute auf politischem Gebiete einen Ein⸗ fluß ersten Ranges. Allerdings kommt dies heute nicht so zur Erscheinung, wie es wäre, wenn die Wahlgesetze besser und nicht so eingerichtet werden, die Größe der Partei nicht zum Ausdruck kommen zu lassen. Wenn wir eine Berechnung anstellen, so sehen wir, daß uns durch ein rechts- und gesetzwidriges Pluralwahlsystem der dritte Teil der uns zu⸗ kommenden Mandate genommen ist. Hätten wir ein Proportional⸗Wa hlsystem, so müßte heute schon die sozialde mokratische Fraktion 125 statt 81 Mandate haben. Darauf bauen auch die Mehrheitspar teien und suchen dem deutschen Volke die Ergebnisse seiner letzten Anstrengungen wieder zu rauben, um die alte Herrschaft im jetzigen Geleise fortführen zu können. Sie haben nur Eines vergessen, daß die Zahl auf politisch⸗parlamentarischem Gebiet zwar viel, aber nicht Alles ist, und daß eine kraftvolle Minderheit, die von dem Willen des Volkes getragen wird, sehr viel vermag. Schon bisher hat die Sozialdemokratie die Regierung zu manchem gedrängt, das wird nun noch mehr der Fall sein; wir befinden uns mit 81 Abgeordneten in größerer Machtstellung als bisher. Beim Abschluß der Handels⸗ verträge kann die Regierung von der Sozial⸗ demokratie abhängig sein, und die Fälle können sich mehren, in denen sie auf uns angewiesen ist. Denn wo immer sie genötigt ist, moderne Forderungen im Interesse des Staatsganzen durchzusetzen, um der dringenden wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung einigermaßen gerecht zu werden, wird sie mit uns rechnen müssen. Redner bespricht dann die Auseinandersetzungen in der Partei über die Präsidentenfrage. Es sei nicht nötig gewesen, diese mit solcher Eile anzuschneiden, das hätte die Fraktion beim Zusammentritt des Reichstags in aller Ruhe erledigt. Wir haben Anspruch auf einen Präsidenten und er kann uns in vieler Be⸗ ziehung nützen. Vollmar beschäftigte sich eingehend mit ver⸗ schiedenen Artikeln, welche in dieser Frage gegen Bernstein geschrieben worden sind und faßt seine Meinung dahin zusammen: Das entschei⸗ dende Moment in der Präsidentenfrage liegt wo anders, es handelt sich darum, ob die zu erwartenden Vorteile die Nachteile aufwiegen oder umgekehrt. Aber daß ein Sozialdemokrat sich etwas vergäbe, wenn er als Vertreter des Reichstages mit dem verfassungsmäßigen Reichs⸗ oberhaupte zusammentrifft, das bestreite ich. Weiß er seinen Mann zu stellen— und ich denke, daß man dies Zutrauen in dem von uns zu Wählenden wird haben können—, so wird er vielmehr viel dazu beitragen können, die Würde der Volksvertretung wirk⸗ sam zur Geltung zu bringen. Und wenn der Kaiser etwa die Wahrheit wissen will, dann würde er sie hören— er könnte es notwendig brauchen!— Ich sehe die Sache also als eine Frage der Macht⸗ erweiterung der Partei an und bin der Meinung, daß diese uns das Recht und die Pflicht auf⸗ erlegt, uns an der Führung der Geschäfte zu beteiligen und die damit verbundene Verant- wortung zu übernehmen. Wie immer nun sich diese und alle anderen parlamentarischen Machtfragen gestalten mögen, unsere Aufgabe wird unter allen Umständen die sein, noch energischer als bisher weiterzu⸗ arbeiten und alle Machtfaktoren des parlamen⸗ tarischen Lebens auszunützen, um unsere Ideale ins Leben zu setzen. Dazu ist aber nötig, daß wir nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und uns nicht verführen lassen, in unseren An⸗ strengungen zu erlahmen. Wir müssen für unsere Gesinnung werben und unermüdlich tätig sein für unsere Organisation. Nur der Rückhalt, den sie uns im Kampfe gibt, schafft uns An⸗ hang und den Glauben an unsere Ideale und 5 0 es, der uns stark, der unwiderstehlich macht. politische Aundschau. Gießen, 30. Juli. Vom christlichen Staate. Die„Staatserhaltenden“ und ihre Diener, die Regierungslente, bemühen sich ja stets auf das lebhafteste, alles zu tun, um dem Volke die vaterländische Gestnnung, Kaiser⸗ und Königstreue und Religion zu erhalten. Man sollte meinen, es müßte dann auch der oberste Grundsatz des Christentums, das Gebot der Nächstenliebe im vollen Umfange betä⸗ tigt werden. Als aber jetzt Unwetter und Ueberschwemmungen in Schlesien über viele Zehntausende unserer Volksgenossen Not und Elend brachten, rührte sich die Regierung nicht, den wirklich und im höchsten Grade Notleidenden zu helfen. Der gottlose„Vor⸗ wärts“ mußte erst die christliche Regierung an ihre Pflicht erinnern. Und wenig genug ist, was jetzt noch getan mird.— Für den China⸗ zug waren ohne Zustimmung des Reichstags Millionen vorhanden; sind aber unsere eigenen Landsleute durch die Wut der Elemente ge⸗ schädigt, so verweist man auf die private Wohltätigkeit! Deutschlands Ein⸗ und Ausfuhr. Nach den Veröffentlichungen des statistischen Amtes über den auswärtigen Handel betrug im ersten Halbjahr 1903 die deutsche Einfuhr (in runden Zahlen) 21,7 Millionen Tonnen (1 Tonne— 20 Zentner), das sind 2,06 Mil⸗ lionen Tonnen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Wert der Einfuhr beträgt 3068,3 Millionen Mark, gegen das Vorjahr 229,2 Millionen Mark mehr. Die Ausfuhr war mit 18,3 Millionen Tonnen um 2,5 Mill. Tonnen größer als im Vorjahre; ihr Wert betrug 2410,4 Mill. Mk., 186,9 Mill. Mk. mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. — Die bedeutendste Zunahme in der Einfuhr zeigen Erze, Holz, Kohlen, Getreide und Land⸗ bauerzeugnisse. Gesteigerte Ausfuhr ist zu verzeichnen bei Kohlen, Eisen und Eisenwaren, Drogerie- und Farbwaren. Kleinbauer und Großgrundbesitzer. Im„Bayerischen Vaterland“, dem ehemaligen Organ des Dr. Sigl, das jetzt eine bauernbündlerisch-ultramontane Richtung vertritt, klagte kürzlich ein guter Kenner der bäuerlichen Verhältnisse über die Gleichgültigkeit der Bauern den Güterschlächtern gegenüber. Er sagt am Schlusse seiner Betrachtungen: „Wer unter Bauern lebt, der weiß, wie schwer es ist, sich ihr Vertrauen zu gewinnen, besonders wenn es sich um wohlhabende Landwirte handelt, bei denen der Bauern⸗ stolz mit im Spiele ist. Kleinere Land⸗ wirte, Gütler und Söldner sind wieder leichter zu organisieren, aber was manchen Großbauern betrifft, mein Gott,— schweigen wir lieber. Und doch sähe ich im Groß⸗ baueenstand das Material, aus dem heut⸗ zutage die Bauernführer genommen werden müßten. Aber es müssen diese Großbauern auch ein warmes Herz für ihre Kameraden, die Söldner und Gütler, haben, dena diese drei Kategorien: Großbauer, Söldner und Gütler, die sind in unseren Augen der eigentliche Bauernstand. Der Groß⸗ grundbesitz mit seiner Neigung zur Latifundienbildung ist weiter nichts, als das große Maul, das nach dem eigentlichen Bauernstande schnappt, um diesen nach und nach aufzuzehren.“ Dazu bemerkt mit Recht unser Münchener Parteiorgan, dem wir obiges Zitat entnehmen, daß die sozialdemokratische Presse genau das⸗ selbe schon längst betont hat, was da über den Großgrundbesitz gesagt wird. Die„berufenen“ Vertreter der Landwirtschaft wollten es aber nicht Wort haben. Vielleicht glauben sie es dem Bündler⸗Blatte. Das Bromberger Zuchthausurteil, wodurch über 13 streikende Arbeiter insgesamt 14 Jahre Zuchthaus und 17 Jahre Gefängnis sowie viele Jahre Ehrverlust verhängt wurden, erfährt in der„Sozialen Praxis“, einem bürger⸗ lichen Blatte, folgende treffende Kritik: „Dies Urteil erfüllt uns geradezu mit Schrecken und Grauen. Gewiß haben die Richter sich an das Gesetz gehalten und nach bester Ueberzeugung ihren Spruch gefällt. Aber kein fühlender Mensch wird bestreiten können, daß die furchtbare Härte der Strafe in keinem Verhältnis zur Tat steht. Die unglücklichen Arbeiter haben in leidenschaft⸗ licher Erregung gehandelt, die doch erklärlich war; sie haben nicht nur Gewalttaten begangen, — d b er ot l e⸗ ite l * l. 1 1 0 der eit er. vie lac lber fell . aft 0 gel, —— Nr. 31. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. sondern sich auch in einer Zusammenrottung gegen die Staatsgewalt aufgelehunt— das ver⸗ dient strenge Strafe. Aber es hat ihnen sicher das Bewußtsein der Schwere ihrer Tat gefehlt; Zorn und Grimm haben ihnen die Hand ge⸗ führt, die begreifliche Erbitterung darüber, daß ihre friedlichen Vorschläge abgelehnt worden waren und ihnen eine Niederlage im Streik drohte. Gehören für einen solchen Augenblick der Verblendung ehrliche Arbeiter und Familienväter wirklich ins Zuchthaus und in Ehrlosigkeit? Schreibt das ein Gesetzesparagraph vor, so muß er geändert werden, weil er dem modernen Rechtsgefühl widerspricht. Hängt es aber von dem subjektiven Ermessen des Staatsanwalts und der Richter ab, so können wir nur wünschen, daß sie sich mit sozialpolitischen Empfindungen erfüllen und in den Arbeitern gleichberechtigte Staatsbürger erblicken, die auf dasselbe Maß von Recht und Wohlwollen wie die Angehörigen anderer Klassen Anspruch haben. Wenn aus den Arbeiterkreisen solche Urteile als„Klassen⸗ justiz“ angesehen werden, so vermögen wir leider nicht zu widersprechen. Hier ist Summum jus summa injuria(das höchste[Buchstaben]⸗ Recht ist das höchste Unrecht. D. Red.), das tief in die Seele des Volkes brennt. Die„Köln. Ztg.“ hat dieser Tage das Bürgertum aufgefordert, sich aller Klassenvorurteile zu entäußern und dem Arbeiter und seinem politischen und sozialen Denken näher als bisher zu treten. Das Bromberger Urteil macht uns aufs schmerzlichste klar, wie weit wir in Deutschland noch hiervon entfernt sind. Gleichzeitig aber müssen wir den Arbeitern warnend zurufen, daß sie durch Exzesse und Tumulte nicht nur sich selbst ins Unglück bringen, sondern auch ihre Sache schädigen.“ f Solche Einsicht findet man in bürgerlichen Blättern sehr selten. Meistens wird über solche Bluturteile ein Triumphgeheul in den Scharf⸗ macherblättern angestimmt, während die übrigen „Ordnungs“organe jene ungeheuerliche Verur⸗ teilung zustimmend abdrucken oder mindestens nicht ein Wort dagegen sagen. Auf der anderen Seite wirken derartige Urteile, die so schroff gegen das Rechtsempfinden des Volkes verstoßen, aufklärend über den Klassencharakter unserer Gesellschaft und unserer Justiz. Aus der Ferienkolonie. In der letzten Zeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Soldatenmißhandlungen grauenhaftester Art in die Oeffentlichkeit gelangen. — Vor dem Kriegsgericht in München hatte sich der Unteroffizier Sippel vom T7. Feld⸗ artillerie⸗Regiment wegen gemeiner Mißhand⸗ lung des Kanoniers Samm zu verantworten. Dieser Stellvertreter Gottes beschimpfte den Soldaten auf dem Schießplatze, indem er ihn eine Bettdecke um den Kopf schlug mit:„Mein⸗ eidiger Schuft!“, mit Rücksicht auf seine Armut:„Armer Hund!“() und mit Rück⸗ sicht darauf, daß er als arme Waise aufge⸗ wachsen:„Sie haben nicht einmal eine elterliche Erziehung genossen!“ Damit hatte aber der Herr Unteroffizier sein Mütchen noch nicht ge⸗ kühlt; um Samm seine volle Verachtung zu zeigen, spuckte er ihn, wie später durch andere Zeugen festgestellt wurde, eine volle Ladung ins Gesicht und auf die Brust. Der Fahrer Samm bewahrte dem allen gegenüber eine bewundernswerte Ruhe, er konnte, obwohl seine Ehre als Mann und Soldat aufs schmach⸗ vollste angegriffen worden war, sich der Disziplin fügen und meldete den Vorfall einfach.— Eigentümlich war die Art, wie der Verteidiger, ein Leutnant desselben Regiments, den ange⸗ klagten Unteroffizier weiß zu waschen suchte. Um die Glaubwürdigkeit des Zeugen— eben des Mißhandelten— zu erschüttern, schlachtete der Herr Verteidiger dessen geringfügige, im Zivil erlittenen Vorstrafen(wegen Bettelus und Dienstentlaufens!) aus. Ferner schilderte er den Samm als einen hinterlistigen Menschen, der einen Vorgesetzten in Strafe bringe, während er selbst bei Reizung zu schlau sei, einen tätlichen Wider⸗ stand zu leisten!!— Das Urteil lautet auf 3 Monate Gefängnis, auf Degradation wurde nicht erkannt, weshalb es nicht ausge⸗ schlossen ist, daß der„makellose“ Unterofftzier der Truppe erhalten bleibt. Nach der Meinung des Verteidigers sollen sich also die Soldaten tätlich gegen ihre Vorgesetzten zur Wehr setzen! Wir hielten das ja auch für das beste Rezept, den scheußlichen Quälereien Einhalt zu tun; was passiert aber dann den Soldaten? Behördliche Agitation für die Sozialdemokratie. Als solche kann man eine selbst in Polizei⸗ preußen verwunderliche Maßregel bezeichnen, welche die Postverwaltung einem tüchtigen und intelligenten Beamten, dem Oberpostdirektions⸗ Sekretär Richard Wagner gegenüber beliebte. Dieser junge Mann hatte die Kühnheit, sich in seinen Freistunden mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Studien zu befassen, anstatt in der Kneipe zu hocken oder sich in Krieger⸗ vereinen und sonstigen mord ppatriotischen Ver⸗ einigungen zu betätigen. Er hat sogar eine poetische Satire„Evangelium der Verachtung“ gedichtet. Das war aber sein Unglück. Weil dessen Inhalt ganz und gar nicht der vor⸗ schriftsmäßigen patriotisch⸗muckerischen Ge⸗ sinnung entspricht, wurde der Dichter gemaß⸗ regelt und nach Hanau strafversetzt. Dies regte den Mann offenbar zu weiterem Nach⸗ denken an und der früher der Sozialdemokratie nicht angehörte hat sich jetzt offen als So⸗ ü demo tent betankt! Die Preußen⸗Deutschland herrschende„Geistes⸗ freiheit“ veranlaßt ihn, mit Tausenden anderen für den sozialdemokratischen„Zucht⸗ hausstaat“ einzutreten! Wahlmogeleien. Gleich nach der Wahl war von ungeheuer⸗ lichen Wahlschwindeleien die Rede, die sich nach den Ordnungsblättern die Sozialdemokraten in Berlin hätten zu schulden kommen lassen. Davon hört man jetzt gar nichts mehr; dafür wird aus dem Wahlkreise Kolberg⸗Köslin, wo von den Freisinnigen Dr. Barth kandidierte, mitgeteilt, daß in dem zu diesem Kreise gehörigen Orte Groß⸗Satspe am 16. Juni 20 konser⸗ vatlve, 23 freisinnige und 30 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, dagegen zählte man offiziell bei der Stichwahl 60 konser⸗ vative Stimmen und nur 15 für den Frei⸗ sinnigen Dr. Barth. Nun sind aber 43 Wähler in Groß-Satspe ermittelt, von denen es nachweisbar ist, daß sie ihre Stimme dem freisinnigen Kandidaten gaben, während nur fünfzehn Stimmen offiziell für denselben gezählt sind. Das liberale Wahlbureau in Köslin hat auf Grund dieser Ermittelungen bei der Staats⸗ anwaltschaft in Köslin die strafrechtliche Ver⸗ folgung der Wahlfälscher beantragt. Leider lassen sich die niederträchtigen Wahl⸗ schwindeleien nicht immer in so klasstscher Rein⸗ heit nachweisen wie in diesem Falle. Ausland. Demonstration für das allgemeine Wahlrecht in Wien. Die Massenversammlung, welche die Wiener sozialdemokratische Partei am Sonntag veran⸗ staltete, um damit den Kampf für das allge⸗ meine Wahlrecht wieder aufzunehmen, nahm einen großartigen Verlauf. Etwa 10000 Per⸗ sonen hatten sich eingefunden und sie nahmen einstimmig eine Resolution an, worin gegen das derzeitige Privilegienparlament protestiert wird, da es ein unüberwindliches Hindernis für jeden sozialen Fortschritt bilde. Die Ar⸗ beiterschaft fordert energisch eine Verfassungs⸗ reform, eine wirkliche Volksvertretung durch allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht. Die Abg. Pernersdorfer und Dr. Adler griffen den Ministerpräsidenten heftig an. Als Abg. Schuhmeier die Apanagen der Erz⸗ herzöge kritisteren wollte, ließ dies der Regie⸗ rungsvertreter nicht zu. Dagegen protestierte die Versammlung. Schließlich zogen die Teil⸗ nehmer vor das Parlamentsgebäude, wo das Arbeiterlied gesungen wurde. Entwicklung der Sozialdemokratie in Oberhessen und den angrenzenden Bezirken. Wahlkreis Wetzlar⸗ Altenkirchen. s 8 3 5 i „ S e E 1871 3276 2300 1088“— 2920—— Stichw. 10520—— 3380—— 1874 2063 10650—— 446900—— 1877 7207 35200— 1878 2353 9322—— 448—— 1881 4047 5722 3605— 4047—— Stichw. 9777 86011———-———ʃ 1884 5155 5219— 2407 4644 35— Stichw. 9377 9192——r 1887 1413]—— 2442 42700—— 1890— 8832— 7268 140 1073 3447 Stichw.— 12131— 934T— 1893— 10224— 1080 4933 1144 3383 Stichw.— 13224—— 5911—— 18988— 6109—— 5274 2507 58037 Stichw.— 13070—— 6208“—— 1903 3828 6743—— 6192 31063901 Seichw.— 14880„„ 1 * Sogenannte„Altliberale“. + Darunter Christl.⸗soz, 3041; Reformpartei 2762. Dieser Kreis, der bei der letzten Wahl so hart umstritten wurde, befindet sich, seit es einen Reichstag gibt, im Besitze der konservativen oder nationalliberalen Partei. Im Jahre 1871 wählten die braven Wetzlarer ihren Landrat, den Herrn von Helldorf, der jedoch schon bei der nächsten Wahl von dem Nationalliberalen v. Beugheim verdrängt wurde, dem auch 1877 der Sieg wieder zufiel. Bei der Attentats⸗ wahl siegte wieder der nationalliberale Kandidat, Hüttendirektor Klein. 1881 eroberten die Konservativen den Wahlkreis wieder mit dem Prinzen Solms⸗ Braunfels und hielten ihn bis 1890 besetzt, wo er dem Nationalliberalen Krämer zufiel, der ihn bei jeder folgenden Wahl behauptete.— Sozialdemokratische Stimmen wurden zuerst 1884 abgegeben. Von 1890 an, wo ebenso wie 1893 von unserer Seite Genosse Paul⸗Hannover aufgestellt war, zeigen unsere Stimmen eine stetige Zunahme. Die Verhältnisse liegen in diesem Kreise für unsere Agitation nicht ungünstig; der weitaus größte Teil der Bevölkerung gehört zur arbei⸗ tenden und besitzlosen Klasse und wenn wir es an der nötigen Arbeit nicht fehlen lassen, so müssen wir das nächste Mal in die Stichwahl gelangen. Wahlkreis Narburg⸗Kirchhain. 0 ö * 8— 2* 0 ö 5— 883 S 2 3 S 5 S S l 8 „ S„ TTT 1 1 1871 2103 3081— 1462 466——d Sich 8%% dx. 1874 2958 2958—— 1292— 2717 Stichw. 4139 5133—————— 1877 5335)—— 1061— 3308 1878 64 14062% 1881 5749— 3639— 159—— 1884 6126 1330—— 590—— 1887 4314— 1057 301— 74— 1890 3361hC—— 46 433 8739— 1893 2754 809 1425 1600 357 6730 166 Stichw. 3062— Natz.— 8778. 1898 2370— 1841 1910 496 2818 1630 Stichw. 4940—-—— 5517 1903 4907— 3605 1892 1490 2385— Stich, 707, dN ö, * Reichspartei. „Was uns bei Betrachtung der Wahlergeb⸗ nisse des Marburger Kreises zuerst auffällt, ist, daß hier schon seit 1871 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, was in ländlichen Kreisen nur vereinzelt vorkam. Bei der Wahl von 1874 und 1877 brachte die Sozialdemokratie sogar eine ganz respektable Stimmenzahl auf, die sie nur bei der letzten Wahl wieder erreichte und überschritt. Diese Erscheinung findet darin ihre Erklärung, daß damals jedenfalls sämtliche Zentrumsstimusen dem sozialdemokratischen Kandidaten zugefallen sind, denn das Zentrum befand sich zu jener Zeit wegen der Kultur- kampfgesetze in scharfer Oppositionsstellung gegen 8 8 7 5 E 7 6 f— 17 8 45 1 1— . N 1 N 375 1 ö . 3 3 ——————.——— e er ee* 5 ee e e ee N 5 n Seite 4. Mittelden i sche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 31. die Regierung. Bei der Attentatswahl brachte unsere Partei uur noch wenige Stimmen auf und auch bei den folgenden Wahlen blieben wir mit Ausnahme von 1884 stets unter 500 Stimmen. Aber die letzte Wahl hat gezeigt, daß auch in diesem, mit Ausnahme weniger Orte, ziemlich rückständigen und unserer Agita⸗ tion wenig zugänglichen Kreise unsere Sache mehr Boden gewinnt. Die fleißige Agitation der Marburger Genossen wird hoffentlich nicht ohne Erfolg bleiben und wir haben auch hier begründete Aussicht, bei der nächsten Wahl in die Stichwahl zu kommen. Das Mandat für Marburg kam bei der ersten Reichstagswahl an den konser vativen Justizrat Grimm, der es 1874 an seinem nationalliberalen Kollegen Justizrat Fenner abtreten mußte. Dann vertrat den Kreis bis 1881 der Oberpräsident v. Ende, welcher zur Reichspartet gehörte und ihm folgte der konser⸗ vative Prof. Dr. Arnold, der 1884 wieder von dem Justizrat Grimm abgelöst wurde. 1887 wurde Böckel gewählt, der bis jetzt den Volksvertreter für Marburg markierte. Und diesmal sendet der Kreis den ersten National⸗ sozialen in der Person des Herrn v. Gerlach in das Reichsparlament. Fraglich ist aller⸗ dings, ob bei der nächsten Wahl noch weitere Kreise dent Beispiele Marburgs zu folgen gewillt sind, vielmehr ist anzunehmen, daß v. Gerlach auch dann noch das einzige Mitglied der nationalsozialen Fraktion bleibt. Pon Nah und Fern. Hessisches. — Wahlprotest. Gegen die Wahl unseres Genossen Orb im Offenbacher Land⸗ kreise haben die Zentrumsbrüder in Bieber schon wieder Protest erhoben, zu dessen Begrün⸗ dung eine Reihe angeblich vorgekommener Ver⸗ stöße angeführt werden. Dem Bürgermeister von Bieber wird vorgeworfen, daß er„durch seine Abstimmung veranlaßt habe, daß die ganze Wahlkommisston aus Sozialisten bestand“. Ferner sollen eine Anzahl nicht Wahlberechtigter abgestimmt haben. Gießener Angelegenheiten. — Unsere Kreiskonferenz findet, wie aus der Bekanntmachung des Kreiswahlvereins⸗Vorstandes er⸗ sichtlich ist, am 30. August in Gießen statt. Die Genossen wollen es sich angelegen sein lassen, für zahl⸗ reiche Beteiligung zu sorgen. Dabei sei bemerkt, daß auch die Genossen solcher Orte, wo eine lokale Organi⸗ sation nicht besteht, einen Delegierten entsenden können, dem unter Umständen das Fahrgeld aus der Kreiskasse vergütet wird.— Die Landes konferenz findet am 6. September in Steinbach(Taunus) statt. Auf der Tagesordnung derselben steht u. a. Referat Davids über die Reichstagswahlen, im Uebrigen die üblichen Geschäftsberichte. — Wahlverein. In der diesen Sams⸗ tag stattfindenden Versammlung wird Genosse Krumm über die neue Friedhofs- und Be⸗ gräbnisordnung sprechen. Die Bestimmungen derselben sind noch lange nicht allgemein be⸗ kannt, darum ist jedem Genossen der Besuch der Versammlung zu empfehlen. Außerdem kommen noch eine Reihe wichtiger Parteifragen zur Eröterung. — Eine Zusammenstellung der dies⸗ jährigen Reichstagswahlergebnisse aus dem ganzen Reiche liegt unserer heutigen Nummer bei und wir sind gewiß, daß diese Beilage den Lesern willkommen sein wird. Der Druck ist so angeordnet, daß die Blätter in Buchform zusammengeheftet werden können, es empfiehlt sich, sie in einem Umschlag zum Aufbewahren und späteren Gebrauche zu befestigen. Die Zahlen sind diejenigen der amtlichen Er⸗ mittelung.— Zu bemerken wäre noch, daß eigentümlicherweise die Stimmen der Antisemiten Zimmermann'scher Richtung, die sich als„Deutsch⸗ soziale Reformpartei“ bezeichnen, nicht in der Tabelle als Antisemiten aufgeführt sind, sondern als„Reform⸗Partei“ unter den„Verschiedenen“. Unter letzteren befinden sich beispielsweise die Stimmen Bindewalds im Alsfelder Kreise, während wir die Köhlerschen unter Antisemiten verzeichnet finden.— Bei unsern in den letzten Nummern gegebenen Zusammenstellungen der Wahlergebnisse in den oberhessischen Kreisen waren die Zahlen der letzten Wahl bei dem Friedberger und Alsfelder Kreise ungenau, wir 1 5 dieselben nach der Tabelle richtig zu tellen. Schließlich sei noch der Prozentsatz der sozialdemokratischen Stimmen im Verhältnis zu den Wahlberechtigten und den Wählern mitgeteilt. Es entfielen vom Beginn des So⸗ zialistengesetzes an sozialdemokratische Stimmen: Im Jahre auf 100 Wahlberechtigte auf 100 Wähler 1878 4,8 7,5 1881 3,4 6,1 1884 5,9 9,7 1887 7,8 10,1 1890 13,9 19,6 1893 16,8 23,2 1898 18,4 27,1 1903 24,1 31,7 Bei der letzten Wahl stellen also die sozial⸗ demokratischen Wähler etwa ein Viertel der Wahlberechtigten und ein Drittel der ge⸗ sauten Wähler dar. — Schlamperei? Man schreibt uns: Die Firma Jäger und Rumpf, die Unter⸗ nehmer der Kanalisation in Gießen, haben am Samstag eine Anzahl Arbeiter entlassen, weil die Firma Gail hier angeblich mit der Baumaterfal⸗Lieferung zu langsam sei. Ist dies wirklich der Grund, dann ist wohl die Frage am Platze, warum denn die Lieferung nicht beschleunigt wird. Es ist doch nicht so einfach, wenn Familienväter Knall und Fall arbeitslos werden. Ein Unglück für die Arbeiter dieser Firma ist überhaupt der Mangel der Organisation; es würden Leute, die mit ge⸗ ringen Unterbrechungen 15 Jahre für die Herren Jäger und Rumpf gearbeitet haben, nicht ohne Weiteres weggejagt, wenn sie organisiert wären. Das geht nicht so schnell, wenn sich die Arbeiter zu einer machtvollen Vereinigung zusammen⸗ geschlossen haben. Vielleicht bewirkt das Schicksal dieser Entlassenen nun bei den Uebrigen, daß sie die Versicherungsprämie gegen derartige Fälle nicht mehr sparen wollen, sondern sich organisieren. Sich und ihren Familien sind sie es schuldig. — Wegen Majestätbeleidigung war gegen den Gen. Vetters ein Strafverfahren eingeleitet. Er sollte bei einem in der konser⸗ vativen Versammlung in Ehringshausen (Wetzlar) ausgebrachten Hoch sitzen geblieben sein, was V. bei seiner Vernehmung bestritt. Jetzt hat der Staatsanwalt mitgeteilt, daß das Verfahren eingestellt sei. Die e nen Sterbekasse der Tischler(Sitz Hamburg) hielt diese Woche in Würzburg ihre General⸗ versammluug ab. Diese beschloß in der Mittwochs⸗Sitzung mit 47 gegen 22 Stimmen die Kasse in eine Zuschußkasse umzu⸗ wandeln. Das heißt also, daß sie dann nicht mehr den Aufforderungen des Kranken⸗ kassen⸗Gesetzes entspricht, ihre Mitglieder nicht von dem Beitritt zu den Zwangkassen befreit sind.— Von dem Gießener Bezirk war Orbig als Delegierter gewählt. — Ein Landarzt. Am Dienstag ver⸗ handelte die Strafkammer gegen den Arzt Dr. Braun in Herbstein wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Herr Dokter wurde zu 300 Mk. Geldstrafe und 80 Mk. Buße an die Geschädigte, die Ehefrau Lehmann, verurteilt. Nach dem Gutachten der Sachverständigen Professoren Dr. Walter und Pfannstiel sowie des Medizinalrat Dr. Haberkorn hat sich der Angeklagte bei der Entbindung der Frau grobe Fehler zu schulden kommen lassen, so daß die Wöchnerin schwer erkrankte. Ein Sachver⸗ ständiger erklärte, daß ihm ein solcher Arzt, der noch nicht einmal soviel von der Ge⸗ burtshilfe wisse, wie jede Hebamme kennen müsse, in seiner langjährigen Praxis noch nicht vorgekommen sei.— Und einem solchen Eisen⸗ bart ist die Landbevölkerung rettungslos preisgegeben! — Um Verwechselungen vorzu⸗ beugen, teilen wir mit, daß mit dem in vorletzter Nummer erwähnten Rechtsanwalt Kaufmann(Notiz aus Krofdorf über Wildschadenersatz) nicht der Herr Rechtsanwalt Kaufmann in Gießen, sondern dessen Kollege gleichen Namens in Wetzlar gemeint ist. Eine an uns gerichtete Anfrage veranlaßt uns zu dieser Feststellung; im Uebrigen war ja in jener Notiz nicht der mindeste Vorwurf gegen den Herrn Rechtsanwalt erhoben. Aus dem Nreise gießen. p. Treis a. d. Lum da. Den Genossen von Treis und der Umgebung diene zur Nach⸗ richt, daß die„Mitteld. Sonnt.⸗Ztg.“ bei Wirt Römer aufliegt. Angesichts des Ver⸗ haltens der hiesigen Ordnungsleute bei der Reichstagswahl ist es für jeden denkenden Ar⸗ beiter ein Gebot der Pflicht, den Zusammen⸗ halt der arbeitenden Klasse zu fördern soviel in seinen Kräften steht und deshalb auch dort verkehren, wo Rücksicht auf seine Interessen genommen wird. Man erinnere sich nur in welcher Art bei der Reichstagswahl in der liberalen Versammlung bei Benner mit ben Arbeitern und ihrer politischen Vertretung von Seiten der„gebildeten“ Ordnungsleute um⸗ gesprungen wurde! Darum wahrt und verteidigt Eure Sache und sorgt für größte Verbreitung Eurer Presse! Aus dem Nreise Alsseld⸗Cauterbach. * Aufgewärmter Schwindel. Erst jetzt brachte das Alsfelder Amtsblättchen jene Schwindelnotiz über die„Zustände in der Vorwärts⸗Druckerei“, die vor etwa 2 Monaten durch die ganze Reptilpresse lief. Daß der „Vorwärts“ schon damals diese Angriffe sofort als gänzlich haltlos zurückweisen konnte, daß selbst die uns gewiß nicht freundlich gegenüber⸗ stehende„Köln. Volksztg.“ jene Vorwürfe als ungerechtfertigt bezeichnete, braucht das Alsfelder Reptilchen nicht zu wissen. Wenn es dann noch hinzufügt:„Solche Klagen über sozial⸗ demokratische Unternehmungen sind nicht gen; die Sozialdemokraten verstehen die kapital“ Methode als Unternehmer vortrefflich zu han haben“, so wäre ihm zu raten, vor seiner eigenen Türe zu kehren. Die Alsfelder Schriftsetzer wären froh, wenn sie halb so günstige Arbeitsbedingungen hätten, als sie im Vorwärts eingeführt sind, wo die Sstündige Arbeitszeit besteht und durchweg höhere Löhne bezahlt werden, als der Tarif vorschreibt. Fraglich, ob das Alsfelder Blättchen tar if⸗ mäßig bezahlt.— Von dem Hirschel⸗Blatte in Offenbach, das neulich auch die Arbeits- verhältnisse in sozialdemokratischen Betrieben glaubte kritisteren zu müssen, wissen wir bestimmt, daß dort noch nicht einmal den Mindestforde⸗ rungen des Tarifs entsprechend bezahlt wird. Diese Schwindelpeter sollen erst einmal bei sich solche Arbeitsverhältnisse einführen, wie sie in sozialdemokratischen Betrieben sind! Aus dem Rreise Wetzlar. h. Zur Landtagswahl. Die Nationalliberalen des Kreises Altenkirchen beschlossen, den bisherigen Abgeordneten Krämer wieder auffustellen. Da ist Herr Pfarrer Heckenroth, der konservative Kandidat bei der Reichstagswahl, welcher Mitglied des Drei⸗ klassenhauses für diesen Kreis werden wollte, wieder daneben getreten. h. Errichtung einer Pensionskasse wird auf der Sophien hütte von Seiten der Verwaltung geplant. Solchen Einrichtungen stehen die Arbeiter durchaus nicht mit großem Zutrauen gegenüber, denn sie haben längst die Erfahrung gemacht, daß bei der⸗ artigen„Wohltätigkeits“⸗Einrichtungen nichts für ste herausspringt, die Nachteile größer als die Vorteile sind. h. Ein Durchbrenner. Der Kaufmann Jakob in Wetzlar hat sich von dort ohne weitere Förmlich⸗ keiten und ohne von seinen Bekannten und Geschäfts⸗ freunden Abschied zu nehmen, entfernt. Dazu hat er allen Grund gehabt, denn er hat Wechselfälschungen und ähnliche Dinge auf dem Kerbholz, so daß ihm der weitere Aufenthalt in Wetzlar nicht mehr wünschenswert erschien. Eine Reihe Geschäftsleute sollen den Verlust von zusammen 40— 50000 Mk. zu beklagen haben. Bei den Arbeitern war Jakob nicht beliebt, obwohl er immer den Biedermann herauskehrte. Er soll den Schauplatz seiner Tätigkeit nach Amerika zu verlegen gedenken. 5 l * l 1 . U U le er n kr U 5 1 er in l 9 fle if fte 5. en t ut bel dell auen — 3—— D Ny. 31. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung Seite 3⸗ Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. St. Konsumverein. Die am Montag abend bei D. Jesberg abgehaltene General⸗ Versammlung war von Mitgliedern schwach besucht; jedoch war eine Anzahl Frauen der⸗ selben erschienen, was recht erfreulich ist. Der Geschäftsführer erstattete zunächst den Bericht über das abgelaufene Quartal, aus dem her⸗ vorging, daß sowohl die Mitgliederzahl wie der Warenumsatz in steter Zunahme begriffen sind und die Warenschulden sich bedeutend ver⸗ ringert haben. Der Bericht des Aufsichtsrates ergab, daß bei den monatlichen Revisionen, die mit größter Umsicht gehandhabt worden alles in bester Ordnung befunden worden sei. Die statutenmäßig ausscheidenden Aufsichtsratmit⸗ glieder Kalb und Schel dt wurden wieder⸗ und Knopf an Stells Abels neugewählt. Der statutenmäßig ausscheidende Kassierer Rohr wurde ebenfalls wieder gewählt. Eine lebhafte Diskusston eutspann sich hierauf über den„8 Uhr⸗Ladenschluß“; im Prinzip erklärten sich sämtliche Redner dafür, doch hielt man den Zeitpunkt für Einführung des 8 Uhr⸗Laden⸗ schlusses als für hiesige Verhältnisse noch für verfrüht. Nach Erledigung einiger anderer Angelegenheiten wurde die Versammlung geschlossen. R. Eine Bauarbeiter⸗Versammlung fand am Dienstag zwecks Gründung einer Filiale des Maurerverbandes statt. Etwa 50 Personen waren anwesend. Gauleiter H. Hütt⸗ mann aus Frankfurt hielt einen 1 stündigen Vortrag über Zweck und Nutzen der Organisation. Da sich genügend Maurer in den Verband auf⸗ nehmen ließen, so ist eine Filiale des Maurer⸗ Verbandes in Marburg gesichert. * Zur Stichwahl. Im„Vorwärts“ wenden sich die Genossen Härtling, Thesing und Michels mit einer längeren Erklärung gegen das Verhalten des Vorwärts bei der Marburger Stichwahl, worauf der „Vorw.“ wieder ausführlich antwortet. Wir kommen rauf in nächster Nr. zurück. Eingesandt. Die Nr. 28 der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Ztg.“ Ingt einen Artikel unter der Ueberschrift„Was nötig 1st.“ Darin wird u. a. darauf hingewiesen, daß sich bei der letzten Wahl in Bezug auf Agitation und Or⸗ ganisation schwere Mängel gezeigt hätten und der Vor⸗ schlag gemacht, die Kreise Gießen, Alsfeld, Wetzlar, Marburg und Dillenburg zu einem Agitations⸗ bezirk zusammenzufassen. Dieser Vorschlag verdient entschieden Beachtung und der Marburger Kreis hätte allen Grund, sich dem Agitationsbezirke anzuschließen, wenn es zur Gründung eines solchen kommt. Gehören doch neun Zehntel der Bevölkerung unseres Kreises der arbeitenden Klasse an; diese Leute aufzuklären ist nur bei andauernder und nachhaltiger Arbeit möglich. Durch Schaffung eines Agitationsbezirkes wird den einzelnen Genossen und Orten die Arbeit erleichtert, es wird Hand in Hand gearbeitet. Jedenfalls werden die Marburger Genossen in etner der nächsten Parteiver⸗ sammlungen diese Frage erörtern und für Gründung eines Agitationsbezirkes eintreten. Rich. Rösler. Anmerkung. Es wäre gut, wenn die Genossen der übrigen Kreise diese Anregung ebenfalls erörtern wollten. Vielleicht könnte dann kurz nach dem Partei⸗ tage in einer Konferenz der beteiligten Kreise das Weitere in die Wege geleitet werden. D. R. Aus Fulda kam dieser Tage die Nachricht, daß dort eine Art Revolution ausgebrochen, Militär konsigniert und der Belagerungszustand proklamiert worden sei. Später stellte sich heraus, daß die Sache nicht so sehr gefährlich war. Italiener, die bei dem Kanalbau beschäftigt sind, haben in verschiedenen Wirtschaften gelärmt und Schläge⸗ reien veranlaßt. Darauf hat der Landrat Steffens, der an hochgradiger Nervosität leidet, die erwähnten Maßregeln angeordnet, die aber infolge Eingreifens eines andern Beamten nicht zur Ausführung kamen. Landrat Steffens ist beurlaubt worden. Bei Kriegervereinsfesten. Vergangenen Sonntag fand in Dreisbach bei Siegen ein Kriegerfest statt. Dabei wurde, wie das Wetzlarer Amtsblatt berichtet, der erstochen.— Bei einem Kriegerfest in La n⸗ genhain(Taunus) vor 14 Tagen kam es schon beim Aufstellen des Festzuges zu einem Kampfe, wobei ein junger Mann mit dem Schlagring arg zugerichtet wurde. Auf dem Festplatze kam es erneut zu Schlägereien.— Es geht immer sehr lebhaft zu bei den Patrioten! Wir wollten die Ordnungspresse mal hören, wenn Derartiges bei Arbeiterfesten vorkäme. Soldaten⸗Massenmord in Ungarn. Der Oberst eines ungarischen Regiments ließ das⸗ selbe bei glühender Sonnenhitze von Trebinje nach Bielek maschieren und dabei Gefechtsübungen vornehmen. Hunderte Soldaten fielen erschöpft nieder, 60— 70 er⸗ litten den Sonnenstich. 30 Gestorbene werden gemeldet. e Kleine Mitteilungen. z Aus der Kaserne. In der Marburger Jägerkaserne entstand zwischen mehreren Soldaten ein Streit, in dessen Verlauf ein Jäger seinen Kameraden einen Fußtritt vor den Leib versetzte. Der Getretene stürzte zusammen und starb nach kurzer Zeit. . Braver Ordnungshüter. Ein gewisser Schulz war bis vor Kurzem Polizeiwachtmeister in Alfeld a. d. Leine, obwohl er früher, wie sich jetzt erst herausgestellt hat, wegen Unterschlagung im Amte eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten erlitten hat. Um diese Tatsache zu verdecken, fälschte Schulz seine Papiere und beschwor öfters diese falschen Angaben vor Gericht. Infolgedessen wird der Polizei⸗ mann wegen Meineid vor Gericht gestellt. * Zwei Kinder verbrannten in Vilber⸗ hofen a. d. Sieg. Sie waren allein zu Hause, hatten mit Streichhölzern gespielt und so das Feuer hervor⸗ gerufen.— Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in Görlitz am Sonntag. Dort verbrannten zwei allein zu Hause gelassene Kinder von 2 und 5 Jahren. In diesem Falle wurden die Eltern verhaftet, weil sie es an der nötigen Aufsicht fehlen ließen. Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. T Bauarbeiter⸗Aussperrung in Cassel. Die von den Bauunternehmern wegen des Schreinerstreiks angedrohte Aussperrung aller Bauarbeiter ist von Montag ab erfolgt. Es sind über 3000 Arbeiter auf das Pflaster ge⸗ worfen. Selbstverständliche Pflicht eines jeden Arbeiters ist es, den Zuzug von Cassel fern⸗ zuhalten und Streikarbeit nach dort nicht zu übernehmen. Der Uebermut der Unternehmer muß an dem festen Zusammenhalt der Arbeiter zu Schanden werden! F Bergarbeiter⸗Bewegung. Aus Essen wurde dieser Tage berichtet, daß dort in der letzten Zeit mehrere stark besuchte Berg⸗ arbeiterversammlungen abgehalten worden sind, in denen die zahleichen Beschwerden der Berg— arbeiter klar gelegt wurden. Es haben auch im Oberbergamtsbezirt Dortmund mehrere Konferenzen stattgefunden, an denen die leiten⸗ den Persönlichkeiten aus dem Bezirk teilnahmen. Die Unzufriedenheit in den Arbeiterkreisen nimmt immer größere Dimensionen an. Die Vertreter der Arbeiterschaft sind damit beschäf⸗ tigt, eine Denkschrift auszuarbeiten, in der die Lage der Arbeiterschaft dargestellt wird. Es herrscht die Ansicht vor, daß ein Bergarbeiter⸗ ausstand unvermeidlich ist.— Wir haben das Vertrauen zu den Bergleuten, daß sie ihre Schritte reiflich erwägen werden. * Ein Streik der Streikbrecher dürfte auf dem Gebiete der Lohnkämpfe noch selten dagewesen sein. Zu einem solchen kam es in Hannover, wo die Maurer aus⸗ gesperrt sind. Die Innungsmeister ließen 160170 Galizier anwerben, denen sie 50 Pfg. Arbeitslohn die Stunde versprachen und die sie verpflichteten, bis Ende Oktober zu arbeiten. Für jeden Mann hatten sie dem Werbe⸗Agenten 5 Mk. Vermittelungsgebühr bezahlen müssen. Die Freude der Unternehmer war aber nur von kurzer Dauer. Nur einen Tag arbeiteten die Arbeitswilligen, seitdem streiken sie und sind weder durch Versprechungen noch durch Drohungen zur Aufnahme der Arbeit zu be⸗ wegen. Sie streiken aus Solidaritätsg efühl mit den Maurern und auf Kosten der Bau- gewerks⸗Innungsmeister! Wie sie behaupten, sind sie unter Vorspiegelung fal scher Maurer Reitz aus Birlenbach im Streite Tatsachen nach Hanubver gelockt worden, und da ein Teil von ihnen organistert ist, so verweigerten sie die Arbeit. Ohne Geldmittel, litten sie Hunger. Die Leitung der Aus⸗ gesperrten hatte ein Einsehen und unterstützte sie einigermaßen. Arbeitersekretär Schrader, mit dem sie sich in Verbindung setzten, erwirkte bei dem Magistrat, daß die Betrogenen von der Stadt verpflegt wurden. Die Kosten da⸗ für sollen später vom Baugewerksamt wieder eingetrieben werden. Partei-Uachrichten. 1 Von dem Abg. Gen. v. Haller wußten bürgerliche Blätter kürzlich zu berichten, daß er sein Mandat zum bayr. Landtage niedergelegt habe, weil es zwischen ihm und anderen sozialdemokratischen Abgeord⸗ neten zum„Krach“ gekommen sei Dazu erklärte unser Nürnberger Parteiorgan: Die Wahlmänner der sozial⸗ demokratischen Partei des Wahlkreises Nürnberg⸗Altdorf haben nach eingehender Erörterung einstimmig entschieden, daß keinerlei Grund für einen Rücktritt Hallers aus dem bayerischen Landtage vorliegt. Gen. Segitz er⸗ klärte im Namen der Nürnberger Abgeordneten, daß sie bedauern würden, wenn Gen. Haller sein Mandat niederlegen würde. Gen. Segitz verpflichtete sich, mit den Gen. Merkel und Löwenstein alle Anstrengungen zu machen, um die bestehenden Differenzen innerhalb der Fraktion auszugleichen. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Kreiskonferenz Sonntag, den 30. August, vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig in Gietzen. 5 Tagesordnung: f „Bericht des Reichstagswahlkomitees. . Geschäfts⸗ und Kassenbericht des Vorstandes. Vorstandswahl. . Landeskonferenz. . Parteitag in Dresden. .Verschiedenes. Die Parteigenossen der einzelnen Orte im Kreise werden ersucht, für zahlreiche Beteiligung an der Kon⸗ ferenz zu sorgen und die Wahlen der Delegierten recht⸗ zeitig vorzunehmen. Anträge wolle man an den Vor⸗ sitzenden Gg. Beckmann, Gießen, Grünbergerstr. 44, gelangen lassen. Wahlkreis Wetzlar. Quittung. Für den Parteifonds gingen ein: Ges. bei einem Ausfluge 6 Mk. Unsere Totenliste. In Leihgestern wurde am Freitag vor 8 Tagen unser Parteigenosse Joh s. Seipp IX. zur letzten Ruhe bestattet. Schon in den siebziger Jahren gehörte er zu unserer Partei und war damals ein eifriges Mitglied des Arbeitervereins, der infolge des Ausnahmegesetzes 1878 aufgelöst wurde. Seipp ist 62 Jahre alt geworden, wegen seines ehren⸗ haften Charakters erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Ehre seinem Andenken!— In Offenbach starb der Genosse Schreiner Adam Demuth. Bei seiner am Montag erfolgten Beerdigung hielt Genosse Ulrich, nachdem der Arbeitergesangverein„Lassallia-Union“ einen Trauerchor vorgetragen, eine kurze eindrucksvolle Gehächtnisrede, die mit dem Gelöbnis schloß, im Sinne des Verstorbenen unentwegt weiter zu wirken. Namens des Holzarbeiterverbandes und des Sozialdemokratischen Vereins wurden Kränze mit entsprechenden Widmungen am Grabe niedergelegt. f Versammlungskalender. Samstag, den 1. August. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag über„Die neue Friedhofs- und Begräbnisordnung“. Referent: E. Krumm. Marburg. Holzarbeiter. sammlung bei Hillberger. Sonntag, den 2. August. Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Nachmit. tags 3 Uhr Versammlung bei Wirt B. Keil. Abends 9 Uhr Ver⸗ Marburg. Gewerkschaftskommission. Vor⸗ mittags 10 Uhr bei Hillberger. Montag, den 3. August. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. e Schneider. Abends 9 Uhr bei Hill⸗ erger. Sonntag, den 8. August. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 8½ Uhr Versammlung in Stadt New-Nork. Brieftasteu. Einige Einsendungen mußten zurückgestellt werden. . 8 8—— SL OLD 2182101 N I 1 — Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 31. Von Mah und Lern. Ein Akt viehischer Roheit wird aus dem Dorfe Lütter bei Fulda be⸗ richtet. Dorthin war der Schneider Leopold Schäfer aus Poppenhausen übergesiedelt, der an einer Bahnstation wohnen wollte, da er öfters Arbeit nach Fulda lieferte. Schon bald nach seiner Ankunft wurde er als Ortsfremder der Gegenstand von Hänseleien. Daraus entstand eine feindselige Spannung, die in der Nacht des vorletzten Sonntags zu einem Sturm auf das Schäfersche Haus führte, an dem sich nicht weniger als fünfzehn ledige und verheiratete Ortseinwohner beteiligten. Mit Knüppeln, Hacken und Steinen bewaffnet, erstürmten stie dessen zweistöckiges Haus, schlugen die Hausbewohner nieder und mißhandelten sie in unmenschlicher Weise. Dem Schäfer wurde mit einer Hacke der Schädel gespal⸗ ten; er ist gestorben. Seine Mutter und Schwester wurden bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen und zertreten. Alle Türen, Fenster und Möbel im Hause, in dem die Un⸗ holde volle vier Stunden, von 10 bis 2 Uhr nachts, wüteten, wurden zerstört, sogar zwet dem Schäfer gehörige Schweine erstochen und eine Ziege erwürgt, endlich auch die Pflanzen im Garten vernichtet und dessen Zaum umge⸗ rissen. Die beiden mißhandelten Frauen schweben zwischen Leben und Tod. Natürlich hat die Hanauer Staatsanwaltschaft die Haupt⸗ beteiligten verhaften lassen.— Die Bevölkerung der dortigen Gegend steht im Rufe großer Frömmigkeit. Roheit und Herzlosigkeit ist immer da in höherem Maße zu finden, wo das Pfaffentum unumschränkt herrscht. Verhungert und verwahrlost. Aus Bamberg wird berichtet, daß dort schon wieder ein Armer au Verwahrlosung zu Grunde gegangen ist— seit wenigen Monaten der dritte Fall dieser Art in jener frommen Gegend. Am 13. Juli verstarb in dem Dorfe Neuhaus bei Hollfeld der in den 70er Jahren stehende Auszügler Taschner. Der Leichen⸗ schauer konstatierte als Todesursache gänzliche Verwahrlosung. Taschner war längere Zeit krank, wurde aber weder gepflegt, noch wurde ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Der ganze Körper war von Läusen zerfressen, am Rücken und am Gesäß befanden sich ganze Löcher, die dicht mit Maden besetzt waren. Der vom Leichenschauer herbeigerufene Bezirks⸗ arzt nahm eine eingehende Untersuchung des Toten vor und fand außer dem Ungeziefer und den Schwären an den Schultern blaue Flecken, woraus er schließt, daß der arme Teufel auch noch schwer mißhandelt worden sei. Die Schuld trifft in erster Linie den Sohn und die Schwiegertochter des Verstorbenen, die außer⸗ ordentlich fromme Leute sein sollen. Diese haben durch verschiedene Handlungen gezeigt, daß sie kein reines Gewissen haben und die gerichtliche Untersuchung wird das Weitere ergeben. Duellfexerei. Ein Säbelduell fand dieser Tage bei Kiel zwischen dem Arzt Dr. Carstens und dem Gerichtssekretär Schütze statt, bei dem Beide, letzterer aber schwerer, verwundet wurden. Ueber die Ursache zum Duell berichtet die Volkszeitung:„Kürzlich saßen die beiden Helden des Duells in Tonderun in der Nachtkneipe von Mylin. Da kurz vorher die Reichstagswahl stattgefunden, so kam auch die Rede auf die Politik. Hierbei entstand ein Wortwechsel, in dessen Verlauf der Gerichtssekretär, ein Reserve— leutnant, die Bemerkung machte, die Frei⸗ sinnigen seien Schlappschwänze.“— Das ist ja nun eine Ansicht, die wir beispielsweise bei der letzten Reichstagswahl in Bezug auf den Gießener Freisinn öfters äußern hörten. Aber durch diese Worte fühlte sich der der freisinnigen Partei angehörende Dr. Carstens getroffen, er stellte an Schütze die Frage, ob er die Worte noch einmal wiederholen wolle. Als diefer, der, nebenbei bemerkt, nicht mehr ganz nüchtern war, die Aeußerung widerholte, ver⸗ setzte Dr. Carstens ihm eine Ohrfeige. Eine solche kann man natürlich nicht zu den unbe⸗ zahlten Rechnungen in die Kommodenschublade legen, es kam deshalb nach dem Brauche der „besseren“ Gesellschaft zur Holzerei, die den oben erwähnten Ausgang hatte. 5 b Unterhaltungs-Ceil. 0——— .—— 2 Sommernachtstraum. Dämm'rung liegt auf Wald und Fluren, Nur des Mondes blasser Schein Wirft sein Licht auf alle Spuren, Die hier schuf der Sonnenschein, Leuchtet über Blatt und Blüten, Ueber Bäumen, Busch und Strauch, Die um Mittag heiß erglühten In der Sonne Strahlenhauch. Holdem Sonnenschein entsprossen, Flüstern in der lauen Nacht f Schlanke Lilien mit den Rosen, Wenn der Mond am Himmel wacht; Leise flüstern Blatt und Blumen, Duftend rauscht der Blütenbaum, Und die Käfer leise summen Sommernacht, süß ist dein Traum! Von den Blütendüften trunken Sitzt im Busch die Nachtigall, Lautlos lauscht sie traumversunken, Bis sie weckt der Sonne Strahl, Und wie ihre Töne steigen, Hoch hinauf zum Himmel jetzt, Merke ich: der Nächte Schweigen Nat sie in Musik gesetzt! Frida Pritzlaff. Der Wunderschrank. Vaterländische Erzählung von Ludwig Schierk. (Fortsetzung.) I Mit siebzehn Jahren schon war er ein Mann. In dem Lande, wo er lebte und wo der Wunderschrank seines Vaters stand, erreichte man diese Würde um so früher, je weniger man den Schweiß und das Vergnügen gemeiner Arbeit zu kosten brauchte. An dem bedeutungsvollen Tage, der ihm die ersehnte Selbständigkeit brachte, verließ er das Familienzimmer, welches die Träume seiner Kindheit gehütet. Er bezog dret kunstgewerb—⸗ lich ausgestattete Wohnräume im nächsten Stock⸗ werke. Sie waren ein Geburtstagsgeschenk des Vaters, der die Schlüssel des Wunderschrankes verwahrte. Denn in dem Lande, wo er lebte und wo jener Wunberschrank stand, machten die Eltern ihren Kindern die sonderbarsten Geschenke. Die gebückte, hustende Frau, welche die blendende Leibwäsche des vornehmen stebzehn⸗ jährigen Herrn zu besorgen hatte, kaufte einst dem hohlwangigen, kleinen Knaben, an dessen Lager sie des Nachts, wenn sie nicht arbeitete, so oft weinte, ein rotes Holzpferdchen mit schwarzen Heidelbeeraugen. Dies geschah an demselben Tage, da der Besitzer des Wunderschrankes seinem Sohne, der ein niedliches Gedicht von fünf Zeilen glücklich im Gedächtnisse behalten hatte, ein richtiges Pferdchen scheukte, das mit den Hufen scharrte und lustig wieherte. Aber lebendige Pferde lenken sich nicht so leicht als rote Holzpferdchen mit Heidelbeer⸗ augen. Der wilde Pony warf den Reiter unter dem Halloh der Leute aufs Pflaster. Damals schrie das alte Paar, das jede Nacht die wirren Laute des Traumes ausstieß, aus dem großen, kunstgewerblichen Fenster die Hilfe des Him⸗ mels an. Das wirkliche Pferdchen erschrak noch mehr und rannte lustig durch die Leute, die ihm gerne Platz machten. Zu dieser Stunde saß der hohlwangige Knabe mit dem roten Holzpferdchen auf der staubigen Straße. Denn gebückte, hustende Frauen erziehen ihre Kinder so sonderbar, daß diese den größten Teil des Tages in dem weichen Staube zubringen müssen, der von den Rädern der vornehmen Wägen gerade hoch genug emporgewirbelt wird, um in die Fenster der niedrigen Arbeiterhäuschen einzudringen, die so unbehaglich dicht am Spazierwege stehen. Als das wirkliche Pferdchen mit seinen hübschen Hufen heranklapperte, warf es den Knaben und das rote Holzpferdchen in den tiefen Graben und ließ sich dann geduldig einfangen. Am Hinterhufe trug es leichte Blutspuren; da konnte man noch von Glück sagen, daß der Betteljunge mit einer leichten Stirnwunde davon kam. Der Besitzer des Wunderschrankes schloß sein unglückliches Kind in die väterlichen Arme und verkaufte das wirkliche Pferdchen, das so viel Unheil angerichtet hatte. Die gebückte, hustende Frau ließ den Armenarzt rufen. Der gute Mann kam, putzte seine Brille, während er an dem fadenscheinigen Bettchen saß, und hielt eine lange Rede über die Pflichten der Mütter, die ihre Kinder besser beaufsichtigen sollten. Dann ging er ins nächste Haus. Dort verschrieb er einem armen Hüttenmann, der sich am Schmelzofen einen halben Arm abgebrannt hatte, eine Mischung von Kalkwasser und Baumöl und verfluchte dabei die Pest des Branntweines, die das Unglück natürlich ver⸗ schuldet haben mußte. Seit jenem Tage durfte die gebückte, hustende Frau die blendende Leibwäsche des vornehmen Knaben besorgen, der von den Dienstleuten der junge Herr genaunt wurde. Da auch die reichen Leute durch Schaden klug werden, hütete sich das alte Paar, das jede Nacht die wirren Laute des Traumes ausstieß, vor Geschenken, die dem Kinde gefährlich werden konnten. Diesem Eutschlusse dankte der siebzehnjährige Geldprinz seine eleganten Zimmer im nächsten Stockwerke. Neben der Treppe lag der Empfangsraum, die Vorhalle der drei Heiligtümer; an der Türe den üblichen Juniorschild aus Email. Er zeigte die stilvolle Einrichtung solcher Stuben, die Gott zu dem Zwecke erschaffen hat, wartende, besorgte Menschenkinder durch zwei Stunden auf die Folter zu spannen. In diesen zwei Stunden konnte man sich in dem großen Spiegel besehen, der nicht ganz staubfrei war; oder an den Wandgemälden erfreuen, die irgend eine brutale Jagdszene in Oelfarbe darstellten. Die folgende Zeit ent⸗ schwand in Betrachtung des kostbar gebundenen Albums, das die Bildnisse gut genährter, energisch blickender Hausfreunde enthielt, die kein Mensch kannte. Ein letzter Blick galt dem reich gezierten Ofen, der nicht geheizt war, oder dem mageren Kleiderstock, der seine dürren, polierten Arme aus einer Ecke kunstgewerblich hervorstreckte. In diesem behaglichen Raume pflegte der junge Mensch seine Stiefel auszuziehen. Auf leisen Sohlen trat er dann durch die hohe Türe aus gebeiztem, vaterländischem Eichenholze in sein Arbeitszimmer. Denn in dem Lande, wo er lebte und wo der Wunderschrank seines Vaters stand, haben die Leute, welche nicht arbeiten, ein eigenes Arbeitszimmer. Hier stand der kunstvolle Schreibtisch, der die Besucher der letzten vaterländischen Gewerbe— ausstellung so sehr entzückte. Er hatte eine Summe gekostet, um die man auf dem Dorfe ein kleines Bauernhaus kauft. Der Eigentümer der berühmten Kunsttischlerei, in deren Räumen das Wunderwerk durch einen jungen, unzu⸗ friedenen Hilfsarbeiter hergestellt worden war, wurde ausgezeichnet. Auf der Ebenholzplatte dieses Schreibtisches sitzend, erwarb sich der vornehme Herr in späteren Jahren einige Uebung im Gebrauche der langen Pfeife, die er jeden Morgen bei dem nützlichen Geschäfte rauchte, einem gezähmten Papagei durch das Vorhalten eines kleinen Spiegels, der die Sonnenstrahlen auffing, zur Verzweiflung zu bringen. Da nach dem Geschmacke unserer kunst⸗ gewerblichen Gegenwart zur Ausstattung eines mit dem Titel eines Hoflieferanten laß rm 5 alte, Del rend Und det igen aus. an, Arm asser deb bel⸗ ende men der Aden daz mes rlich rig fes um, Türt eigte dit elbe, galt ilden ge il ent⸗ ellen tel, die den del, rell, bblic b dll Auf hohe holt salldt, in“ niht f del herbe ei Dult fel 10 l den 1 ch Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Arbeitszimmers notwendigerweise auch Bücher gehören, so hatte der Besitzer des Wunder⸗ schrankes seine grundsatzliche Abneigung gegen Alles, was Schriftstellerei hieß, ein wenig überwinden müssen. Dieser Konzession an die Bine dee Mode verdankten die reichgezierten ände der Werke einiger unserer Schriftsteller ihr Dasein, die in Zeitläuften gelebt und ge⸗ schrieben hatten, da ein mit einer Holzbank und einer Laute möbliertes Gartenhäuschen zu bahnbrechender geistiger Arbeit noch ausreichend befunden worden war. Von der litterarischen Leistungsfähigkeit moderner Dichterzimmer war überdies manch süßes Pröbchen zu sehen. „Diese Bibliothek, mein Kind!“— sagte der Besitzer des Wunderschrankes zu seinem Sohne,—„soll Dir die langen Winterabende verkürzen, wenn Du der Unterhaltung Deiner Eltern überdrüssig sein solltest.“ Der junge Herr merkte sich dies. „Ich lese noch ein wenig, Papa!“— sagte er, seinem Vater die Hand küssend, ehe er die Hintertüre öffnete, um zu seinen Freunden in die„Deutsche Warte“ zu schleichen. Der lange Georg im blauen Frack, der verdrossen im Zimmer fegte, wenn sein Herr abwesend war, warf ein Auge auf diese Bibli⸗ othek: hinter den unsterblichen Gedanken unserer nationalen Geisteshelden ruhten in sicherem Verstecke die Weinflaschen, die der treue Diener zu heimlicher Stärkung seines Leibes den Argusaugen der klugblickenden, kleinen Hausfrau glücklich entrückt hatte. Was ein Wunderschrank zu leisten vermag, davon gab das zweite der Heiligtümer Zeugnis. Es war ein Märchen aus dem Orient. Schwere, düstere Vorhänge hielten das prosaische Licht des vaterländischen Tages zurück, der sein Ansehen durch die leidige Tatsache längst verwirkt hat, daß er die ärmlichen Stuben der Arbeiter zuweilen so traulich erhellt. Prunk⸗ volle Teppiche lagen in prahlerischer Dicke auf dem Boden, so daß man nicht begriff, welchem Zwecke das feine Holzgetäfel dienen sollte, das damit verhüllt wurde. Vollbusige Rollstühle hockten so kunstgewerblich unbequem umher, daß sie nur von Personen benutzt werden konnten, die in langer Uebung die Fähigkeit erworben haben, ihrem Körper jene malerische Haltung zu geben, die aus Stehen und Sitzen zusammengesetzt ist. Die feine Platte eines Riesenspiegels lugte aus einem Walde lang⸗ stieliger Pflanzenbüschel hervor, die unsere sinn⸗ reiche Gegenwart aus den Herbarien afrikanischer Dorfschulen so stilvoll herzustellen versteht. Ein Narrenhaus unfinnigsten Glaströdels beschwerte einen krummbeinigen Marmortisch offenbar in der Absicht, dem armen George im blauen Fracke die wenigen Stunden, die ihm nach dem Gebrauche seiner Weinflaschen geblieben waren, gründlich zu verleiden. Ein grüner Zwerg aus Töpferthon, der beim Hauche des bater⸗ ländischen Winters diesen Wunderraum mit warmer Luft versorgte, schlüpfte in den Schatten eines chinesischen Papierschirmes, welcher mit jenem Marmortisch gute Nachbarschaft hielt. Das Gemach war einer jener für das All⸗ gemeinbefinden der Menschheit so überaus not⸗ wendigen Räume, in denen sich die hilfbereiten Vertreter des vornehmen Teiles unserer Gesell⸗ schaft für zwanzig Minuten zum Zwecke eines Gespräches zusammenfinden, dessen tatsächlicher Inhalt auf den Flügeldecken eines Maikäfers niedergeschrieben werden kann. In diesem Gemache empfing der junge Herr seine kluge Mutter, die zweimal des Tages das Bedürfnis fühlte, ihren selbständigen Sohn zu besuchen. Der lange George im blauen Frack trug bei diesen Anlässen einen grobgeflochtenen Sorgen⸗ stuhl hinter der Gestrengen, welchen er vor den chinesischen Papierschirm stellte. So saß diese deutsche Matrone in der traulichen Wärme, die der grüne Zwerg ausströmte, bei ihrem Kinde. George pflegte um diese Zeit seine Wein⸗ flaschen zu benutzen, da die Türe des Salons eschlossen blieb; denn die kleine klugblickende Kahn war nicht gesonnen, das Ansehen ihres ohnes etwa dadurch zu schmälern, daß die Ermahnungen, die sie an ihn richtete, vor die Ohren der Dienstleute kamen. In diesem Gemache empfing der junge Herr auch seine Freunde von der„Deutschen Warte“; winzige, magere Bürschchen in feinen Anzügen, welche die Resolutionen der Volksversammlungen oder die Maßnahmen des Reichsgesundheitsamtes naseweis besprachen. Zu solcher Zeit schwebte der feine Duft kostbaren Tabakrauches durch den Raum. Aus den blauen Nebeln desselben lugten bald lockende Frauengestalten. „Denn die goldene vaterländische Jugend führt gern tiefsinnige Reden vom Tribute des Weibes. (Fortsetzung folgt.) Die Obstruktion der brandenburgischen Städte gegen die Lebensmittelzölle vor mehr als 400 Jahren. Von Collner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nunmehr schien Alles in Ordnung, aber wie entsetzt war man, als der Kurfürst bald darauf die Landstände in Berlin um sich versammelte und ihnen eröffnete, er habe vom Kaiser die Erlaubnis erhalten, zur Aufbringung seines Anteils an der Schuld einen Lebens mittel⸗ zoll zu erheben. Man redete, im Hinblick auf das früher gegebene Versprechen, ganz offen von einer„falschen List“ des Regenten, man berief sich auf die Freiheiten und Gewohnheiten des Landes, aber Albrecht wollte keinen Ein⸗ wand gelten lassen; er sei als Landesfürst berechtigt, zur chice der Schulden„des Landes“ und zur Sicherung der Straßen die Auflage zu erheben und damit basta— im Uebrigen besitze er die Vollmacht des Kaisers, man solle sich daher nicht lange sperren und sträuben, sondern den Zöllnern, die er in die Städte schicken werde, die Abgaben ordnungs⸗ gemäß entrichten, wie es guten Bürgern und treuen Untertanen zukomme.— Der neue Zoll sollte gegeben werden, neben dem alten Her⸗ kömmlichen, und zwar von jeder Tonne Hering oder Fisch, sie komme zu Lande oder zu Wasser, drei Brandenburgische Groschen; von der Tonne Wein, Hering, Schmalz, Talg, Fleisch, Theer und allen anderen Waren, die tonnenweise geführt wurden, drei Groschen; die alten Frei⸗ heiten sollten für diesen Zoll nicht gelten, und wer Defraudationen dabei beginge, dessen Ware sollte konfisziert werden. Unerhört erschien den Städtern das Ver⸗ langen des Landesherrn; wo bliebe denn da ihre Freiheit, äußerten sie zornig, wenn es dem Kurfürsten gestattet sein sollte, ganz, wie er es wollte, Zölle zu erheben und zu erhöhen, und wo sollte das hinaus, wenn man sich erst ein⸗ mal mit einem solchen Prinzip einverstanden erklärt hätte! Die Erregung der Bürger und Bauern griff auch zum Teil auf die Edlen der Nation hinüber, ja die Pfaffen schürten noch mit kräftigen Reden den allgemeinen Unwillen. Man verlangte wenigstens die Einberufung eines Landtages, auf dem Alles gehörig beraten werden sollte, aber Albrecht meinte, man habe bereits genug Landtage abgehalten, er befehle ihnen— bei Vermeidung seiner Ungnade— sich seinem Willen zu unterwerfen. Aber auch das nutzte nichts, im Gegenteil, die Zöllner wurden zum Teil aus den Ort⸗ schaften verjagt, zum Teil so bedrängt, daß sie allein von dannen zogen, und eine große Anzahl der Städte weigerte sich nunmehr auch, ihre Teile der übernommenen Schuldsumme zu be⸗ zahlen, deren erste Rate bereits fällig geworden war. Die Sache nahm ein kritisches Aussehen an, doch vermied es der kluge Kurfürst auch jetzt, Gewalt anzuwenden, vielmehr hielt— wohl in seinem Auftrage— der altmärkische Landeshauptmann Ritter Busso von Alvens⸗ leben den trotzigen Städtern in Salzwedel ihre Sünden mit sanfter Strenge vor, mahnte sie, sich vor Strafe zu hüten und riet ihnen ernstlich — wollten sie sich nicht den Zorn des Landes⸗ vaters zuztehen— dem Fürsten zu geben, was ihm zukomme. Er warne ste als ihr Haupt⸗ mann und Nachbar noch einmal im Guten; sie sollten es nicht bis zum Aeußersten kommen lassen, denn würde der Streitfall erst durch Waffengewalt zur Entscheidung gebracht, so würden sie ganz zweifellos unterliegen und aller ihrer alten Rechte und Freiheiten, die sie bisher noch genössen, verlustig gehen. Doch trotzig verharrten die Städter auch weiterhin in ihrem Widerstande. Albrecht machte deshalb einen anderen Versuch, bei seinen Untertanen die Befriedigung seiner Wünsche herbeizuführen; er setzte nämlich ein großes Schriftstück auf, welches er den Städten zugehen ließ und in dem er— nicht ohne diplomatisches Geschick— in väterlichem Tone den Abtrünnigen gut zuredete und sie auf die Treue und den Gehorsam hinwies, die sie ihm, ihrem Landes⸗ herrn, schuldig seien. Auch in staatswirtschaft⸗ licher Beziehung ist der Aufsatz interessant, denn er sucht zu beweisen, daß durch den Zoll einzig und allein der aus ländische Kaufmann be⸗ troffen werde; überdies würde der Ertrag daraus nur gering sein, denn was z. B. der Heringszoll, über den so sehr viel räsonniert werde, anbetreffe, äßen ja die Märker selbst wenig gesalzene Fische, da sie genug frische Fische hätten. Indessen waren die einfachen Bürger klug genug, die Beweisführung Albrecht's für eine sehr mangelhafte zu halten; sie sagten sich sofort, daß der Handelsmann den Zoll nicht aus seiner Tasche bezahlen, sondern ihn einfach auf den Preis der Ware aufschlagen würde; sie blieben daher hartnäckig. Der Kurfürst versuchte nun ein anderes Mittel, um zum erwünschten Ziele zu gelangen. Er schritt nämlich zur Niedersetzung eines Schiedsgerichts, das über seine Ansprüche be⸗ raten und nach Recht und Sitte ein Urteil abgeben sollte. Mit der Bildung dieses Gerichts wurde der dem Landesherrn treu ergebene Kanzler, der Bischof von Lebus, beauftragt, der selbstverständlich bestrebt war, nur solche Männer heranzuziehen, deren„Wohlgesinntheit“ ihm bekannt war. Vor diesem meist aus hohen geistlichen Würdenträgern, Grafen, Baronen und gewöhnlichen Edelleuten bestehenden Ge⸗ richtshof erschien nun Albrecht Achill„in ge⸗ hegter Bank“, schilderte den ganzen Verlauf des Rechtsstreits ausführlich und erreichte na⸗ türlich ein obstegendes Erkenntnis, das ihm auf seinen Antrag noch schriftlich zugestellt wurde.— Da auch ein großer Teil der Städte sich noch immer sehr säumig in der Bezahlung der übernommenen Schuld zeigte, so ließ der Regent, da ihm die Gerichtsposse anscheinend gut gefiel, kurz darauf nochmals einen Gerichts⸗ hof zusammentreten, vor dem er wiederum erschien, um seine Rechte geltend zu machen, und vor welchem er selbstverständlich ebenfalls ein obsiegendes Urteil erstritt.— Das war am 8. März 1473. (Schluß folgt.) Splitter. Man muß keinem Menschen trauen, der bei seinen Versicherungen die Hand aufs Herz legt. Lichtenberg, Humoristisches. Vereinfacht. Städter:„Ihr wascht wohl Eure Kinder gar nicht, Huberbäuerin?“— Bäuerin: „Im Sommer benn mer ke Zeit dazu, da wer'n se nur schnell abg'staubt!“(Fl. Bl.) Fürsten nichts als Dunst. Sehr anzüglich heißt es im sogen.„Halberstädter Gesangbuch“ in dem Liede„Du, meine Seele singe...“ auf Seite 245: Ihr menschen, laßt euch lehren, Es wird euch nützlich seyn, Laßt euch doch nicht betören Die welt mit ihrem schein. Verlasse sich ja keiner Auf fürsten macht und gunst, Weil sie, wie unser einer, Nichts sind als nur ein dunst. Wahrheiten findet man eben manchmal da, wo man sie am wenigsten vermutet.— 2 — 2—— 5— n —... Seite 3. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. No. 31. a i andelspolitik und Soziald 5 Geschichtskalender. e 1 1 arl 1 7175 Eine 1 2 8 0 123 ie Kolportage⸗Kommission de ahlvereins— delspol Streit 5 l 1 i 2. August. 1870: Prof. Buhl, Entdecker des Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: 41 5 5 Ran ß 5 Kämpfe Dwphtbertisbin, oeberden. 1925 Kelieubns telt tene u, Wahrer Jakob; Süpdeuischer Mostauen, um den dolle) Fre. 29 ug. dalrechte in Frankreich.: Kolumbus tritt seine Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ 7 5 nach Westen an, die zur Entdeckung Amerikas dle Nummer. tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. 3. 1900: Wilhelm II. Vaterlandsl.⸗Rede gegen e ene ee, eee, Lohne den in enn e die Hamburger Ausgesperrten. 4. 1886: Freiberger Urteil im Chemnitzer Geheim⸗ bund⸗Prozeß. 5. 1895: Friedrich Engels. f. 1772: Erste Teilung Polens. 6. 1901: Hohenlohe, T. 1900: Wilh. II. Welt⸗ politikrede in Bielefeld. 1893: Internat. Arb.⸗Kongr. in Zürich. 7. 1902: Bennigsen, natl. Führer, f. Wilhelm Liebknecht, f. 3. 1901: Waldersee's Ankunft 1900: Weltmarschall. 1900: in Hamburg. Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk. Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Sozialdemokratie und Zentrum.(Arbeiter⸗ versicherung und Zentrumspolitik). Preis 20 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesultische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Christentum und Sozialismus. Von A. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. 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