17 9 fh nuch 1 art! 2 lung 1 ell s 00 . — Nr. 44. Gießen, den 1. November 1903. 10. Juhrg. Nedaktion: Kirchenplatz 17. Schloßgas 4 — Mitteldeutsche buntags⸗ k Wedaktionsschlaß Donnerstag Nachmittag 4 Uh e it Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Inserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt, Pfg. Bei mindestens Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung 337/% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 500% Rabat t. Mitläufer der Besitzenden. Von dem„nationalen Arbeiterkon⸗ greß“, der in vergangener Woche in Frankfurt a. M. tagte, haben die bürgerlichen Blätter schon Wochen vorher ein großes Geschrei gemacht. Diese Veranstaltung sollte den Beweis liefern, daß noch in dem größeren Teile der deutschen Arbeiter vaterländische Gesinnung und Königs⸗ treue wurzelt, sowie auch, daß diese Arbeiter besser wie die sogenannten sozialdemokratischen Gewerkschaftler in der Lage sind, die Arbeiter⸗ interessen wahrzunehmen. Der Sozialdemo⸗ kratie sollte gründlich auf den Leib gerückt, ihr ein empsindlicher Schlag beigebracht werden und zwar von denjenigen, deren Befreiung sie auf ihre Fahne geschrieben hat. Nun ist die Tagung vorüber und ihre Leistungen liegen vor uns. Sie entsprechen nicht dem, was prahlerisch angekündigt wurde und die Sozial demokratie braucht sich nicht beunruhigt zu fühlen. Ent⸗ täuscht legen die kapitalistischen Gönner der gutgesinnten Arbeiter die Berichte beiseite und ihre Preßleute hüllen sich in verlegenes Schweigen. Es war schon eine starke Anmaßung, diese Zusammenkunft als„Ersten deutschen Arbeiter⸗ kongreß“ zu bezeichnen. Für die biederen Ver⸗ anstalter waren also die zahlreichen früheren Arbeiterkongresse einfach nicht da, obwohl jeder einzelne von ihnen mehr Bedeutung beansprucht als der Frankfurter. Eine solches Beginnen ist lächerlich, alberne Mache. Und die Leistungen? Man stellte Forde⸗ rungen auf, für welche die freien Gewerkschaften schon seit Jahrzehnten energischen Kampf führen. Mit Recht schreibt ein Mitarbeiter unserm Hamburger Parteiblatt: Die auf dem Kongresse zu Frankfurt a. M. vertretenen Arbeiter werden auf 620 000 ange⸗ geben, unter denen sich wohl nicht wenige Fal⸗ staffsche„Steifleinene“ befinden dürften. Es sind die christlichen Arbeiterveceine aller Schat⸗ tierungen, die von Pfaffen, reaktionären Poli⸗ tikern und Unternehmern geleitet und vom Klassenkampf abgehalten werden. In diesen Organisationen wird die kapitalistische Produk⸗ tionsweise, die den Proletarier in der modernen Gesellschaft zum Sklaven macht, in allen ihren Ursachen und Wirkungen anerkannt, und diese 620000 Arbeiter lassen sich dazu gebrauchen, an der Verewigung ihrer Knechtschaft mitzuarbeiten. Um die eigentlichen Leiter dieser christlichen„Ar⸗ beiterbewegung“ hinter einer Kulisse zu ver⸗ bergen, hat man den demagogischen Kniff ge⸗ braucht, daß„nar Arbeiter und von Arbeitern Angestellte“ auf dem Kongresse stimmberechtigt sein sollten. Die Fäden werden natürlich trotz⸗ dem von den Leitern in der alten Weise ge⸗ zogen. Wenn ein Delegierter sagte, die christ⸗ lichen Arbeiter sollten auf diese Weise zur Selb⸗ ständigkeit erzogen und daran gewöhnt werden, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, so klang das gewiß sehr schön. In der Praxis wird die Sache anders erscheinen. Die Ausfälle der Redner dieses Kongresses gegen die Sozialdemokratie übergehen wir, da diese Plattheiten täglich in der reaktionären Presse zu lesen sind. Der Kongreß hat am ersten Tage eine an sich bedeutungsvolle Frage aufgeworfen; er hat sich mit dem Koalitions⸗ recht der Arbeiter befaßt. Eine Resolution zu dessen Gunsten fand in den Reihen der christ⸗ lichen Arbeiter selbst großen Widerstand. So⸗ gar der Vertreter des Berliner katholischen Ar⸗ beitervereins behauptete, ein uneingeschränktes Koalitionsrecht sei unheilvoll und ein Streik⸗ posten müsse auch„einem unvernünftigen Befehl eines Schutzmannes“ Folge leisten, weil es „scheinen“ könne, als stehe der Streikposten dem Verkehr im Wege. Dieser Berliner Delegterte war offen genug, den hinter den Phrasen der Redner lauernden reaktionären Geist zu ent⸗ hüllen. Er sprach davon, daß der Streik zur Empörung, zum Aufruhr führe— ganz wie der selige Puttkamer die„Hydra der Repolu⸗ tion“ hinter jedem Streik lauern sah. Auch noch andere sprachen sich in diesem Geiste aus; sie verwarfen den freien Arbeitsvertrag und das uneingeschränkte Koalitionsrecht. Man steht, daß man es hier mit„wohlerzogenen“ Untertanen zu tun hat. Diese Arbeiter wollen die Hände selbst gebunden haben, soweit sie noch nicht ge⸗ bunden sind. Indessen wurde die Resolution zu Gunsten des Koalttionsrechts angenommen, nachdem man vielen Rednern das Wort abge⸗ schnitten. Diese hätten ohne Zweifel noch mehr aus der Schule geschwatzt. Und doch müssen wir bekennen, daß die Redner, welche ganz offen die reaktionären Ziele der Leiter der christlichen Arbeiterorganisationen dargelegt, uns einen gewissen Respekt einflößen; sie machen das alte Kulissenspiel nicht mit, auf welches die Führer der christlichen„Bewe⸗ gung“ so gut eingeübt sind. Das Köalttionsrecht ist für diese Organi⸗ sationen nur Dekoration. Sie können ja keinen Gebrauch davon machen, denn sowie die christlichen Organisationen Forderungen stellen wollen, so kommen die an der Spitze stehenden Pfaffen und Unternehmer und„vermitteln“. Daß eine solche Vermittlung die Interessen der Unternehmer stets über die der Arbeiter stellen wird, versteht sich von selbst. Mit anderen Worten: diese Organisationen sollen über haupt nicht kämpfen. Das wurde mehrfach ausge⸗ sprochen; das Gespenst eines Streiks der Eisen⸗ bahner stieg anch auf und der ultramontane bayerische Landtagsabgeordnete Schirmer, der dem bayerischen Staatsarbeiterverband angehört, hält sich offenbar für eine so bedeutende Persön⸗ lichkeit, daß er für die sämtlichen deutschen Eisenbahner glaubte die Versicherung abgeben zu können, dieselben würden niemals in einen Streik eintreten. Dieser„christliche Arbeiter“ charakterisierte die„Vermittlung“ sehr gut; er meinte, man müsse die Wünsche der Arbeiter bei der Regierung vorbringen, aber bei Excell. Budde sei das sehr schwierig, weil dort die Arbeiter mit dem Tranchieren der Krebse zu sehr in Anspruch genommen seien. Die Ver⸗ sammlung lachte dazu und das war auch be⸗ zeichnend. „In der Politik läßt sich nichts so leicht fortsetzen, als was einmal erprobt ist“, sagt ein französischer Schriftsteller, und nach dieser alten Regel wollen auch die Regisseure des „ersten deutschen Arbeiterkongresses“ zu Frank⸗ furt am Main verfahren. Sie reden den Arbeitern von deren Rechten vor; allein die Organisationen, die auf diesem Kongresse ver⸗ treten sind, haben den doppelten Zweck, einen Zwiespalt in die große soziale Bewegung unserer Zeit zu tragen und zugleich die Arbeiter an der Verwirklichung und Ausübung ihrer auf * dem Papier stehenden Rechte zu verhindern. Unter diesen Arbeitern sind viele, die sich zu freieren Ansichten durchgerungen haben und die begreifen, daß ein Streik noch lange kein Auf⸗ ruhr ist, wie auch der katholische Delegierte für Hagen gesagt hat. Wir wollen deshalb auch mit unserem sonst wohlberechtigten Spokte sparsam sein und wollen die Hoffnung nicht unterdrücken, daß auch in die Finsternis, die diese Organisationen einhüllt, mit der Zeit die Lichtstrahlen eines modernen Geistes eindringen werden. Denn während die Arbeiterorgani⸗ sationen, die im Klassenkampf stehen, das „Vorwärts!“ unserer Zeit proklamieren, bleiben diese christlichen Organisationen einfach stille stehen; es ist für sie auch ganz gleichgültig, ob sie zahlreiche Mitglieder haben oder nicht, da sie ja keine Kraftproben machen dürfen. Das haben die Verhandlungen dieses„ersten deutschen Arbeiterkongresses“ gleich anfangs zur Evidenz gezeigt. Indessen wird die Macht der Tatsachen auch dem Gros dieser Arbeiter die Augen öffnen. Sie lassen sich heute noch vorspiegeln, der große Zwiespalt der Interessen in der Gesellschaft destände nicht oder sei nur von der Sozial⸗ demokratie künstlich hervorgerufen. Die wirtschaftlichen Kämpfe, die der deutschen Arbeiterschaft bevorstehen, werden den Wahn zerstören, als ob man es mit einer Idylle zu tun habe, innerhalb deren bei Mtnister⸗ und Unternehmerfrühstücken die großen Fragen der Zeit erledigt werden können, und die größte Lehrmeisterin, die Not, wird das übrige tun. W Politische Rundschau. Gießen, 29. Oktober. Einen empörenden Gewaltakt gegen Arbeiter haben sich die städtischen Behörden in Dresden erlaubt. Dort beschlossen die Stadtverordneten, den städtischen Arbeitern die Zugehörigkeit zu Konsumvereinen zu verbieten und der Stadtrat hat diesem, vom rückständigsten Geiste diktierten Beschlusse zugestimmt. Derartiges steht wirklich einzig da und ist wohl mit das Stärkste, was je Gemeindebehörden Arbeitern auferlegten. Die Maßnahme muß überall den allerschärfsten Protest hervorrufen. Ein solcher Gewaltstreich, der die Arbeiter zu Staats⸗ bürgern zweiter Klasse degradiert, in ihre eigensten privaten Angelegenheiten in ganz un⸗ zulässiger Weise eingreift, ist natürlich nur bei einer Stadtvertretung möglich, die wie die Dres⸗ dener zusammengesetzt ist. Diese besteht in ihrer Mehrheit aus antisemitisch verbohrten Spieß⸗ bürgern, die nach antisemitischem Rezepte den „Mittelstand retten“ wollen. Eine Gelegenheit dazu glaubten sie bei der Beratung der Arbeits⸗ ordnung für städtische Arbeiter gefunden zu haben, die ihnen kürzlich vom Rate vorgelegt wurde. Um aber auch ihre Arbeiterfreundlichkeit zu zeigen, hatten sie bereits vorher beschlossen, den Arbeitern eine kleine Lohnerhöhung zuteil werden zu lassen, dafür aber sollten diese sich dann auch hübsch artig zeigen und das Verbot der Beteiligung an einem Konsumverein ohne Murren entgegennehmen. „7—. . ̃ ̃ ˙————— 3 3 e 1. 5— — N — —ͤ ˙—————— PTT 5 . —— — ———— — 0 —ůůůů Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 44. Eine hübsche Rechnung! Den städtischen Arbeitern wird ein magerer Brocken in Gestalt einer winzigen Lohnerhöhung hingeworfen, da⸗ für sollen sie sich des Segens der Konsumvereine begeben. Wer hätte dann aber in Wirklichkeit die Lohnerhöhung bekommen? Nicht etwa die Arbeiter, sondern die Dresdener Kleinhändler hätten sich mit Hilfe des Dresdener Stadt⸗ verordnetenkollegiums eine Lohnerhöhung be⸗ willigt. Die Rechnung ist nicht übel, schade, daß aber die Arbeiter die Absicht gemerkt haben und— verstimmt wurden. Das Verbot der Dresdener Stadtverord— neten verstößt gegen Gesetz und gute Sitten. Denn die Reichsgesetze garantieren den Arbeitern das freie Koalitionsrecht! Und die Reichsgesetze wird man auch in Sachsen und sogar in Dresden respektieren müssen. Außerdem verstößt das Verbot gegen§ 117 der Gewerbeordnung, der ausdrücklich die Arbeiter gegen jegliche in ver⸗ traglicher Beschränkung ihrer Kauffrei⸗ heit liegende Gefahr materieller Schädigung schützt.— Hoffentlich bringt man den Dres⸗ 7 0 1 die nötige Gesetzeskenntnis Noch bei. 1 Ordnungsparteilicher Schwindel über sozialdemokratischen„Terrorismus“. Wie die Sozialdemokratie angeblich die Wahlfreiheit bedrohen und die Meinungen anderer mißachten und unterdrücken soll, darüber werden den gläubigen Lesern der Amts⸗ und Ordnungsblätter von Zeit zu Zeit grusliche Schauergeschichten erzählt. Vor den Reichs⸗ tagswahlen wurde hierin Großartiges geleistet und jetzt, vor den preußischen Landtagswahlen arbeitet man wieder mit den gleichen Mitteln. Das Schlimme dabei ist, daß der Lügenpeter nicht immer sofort auf seine Lügen festgenagelt werden kann. Kürzlich lief durch die ganze iel n Presse folgende Notiz, die als Bei⸗ piel eines beispiellosen sozialdemokratischen Terrorismus ausposaunt wurde. „In Hildesheim sei in einer öffentlichen sozial⸗ demokratischen Versammlung beschlossen worden, Geschäftsleute, bei denen viele Arbeiter kaufen, aufzufordern, sich nicht der Wahl zu enthalten, sondern für die soztaldemokratischen Wahlmänner zu stimmen. Alle Geschäftsleute, welche sich dieser Forderung nicht fügen, sollen eventuell boykottiert wer den.“ Daß das eine gemeine Lüge ist, war für jeden, der die Verhältnisse kennt, sofort klar. Gleichwohl wurde aus der Mitteilung sofort eine„freche Bedrohung der Wahlfreiheit“ heraus⸗ destilliert und geschrien:„Seht, so sieht die sozialdemokratische Freiheit aus!“ Wie liegt der Sachverhalt? In dieser Ver⸗ sammlung erklärte Genosse Leinert⸗Hannover, daß bei der vorigen Landtagswahl in Linden in der zweiten Wählerklasse erheblich mehr Wahlmänner für uns hätten gewonnen werden konnen, aber viele Wähler, die sonst sagten, daß sie Sozialdemokraten seien, ins⸗ besondere Gastwirte und Geschäftsinhaber, hätten fich der Wahl enthalten. Sie hätten ihr Verhalten damit begründet, daß sie nicht öffent⸗ lich abstimmen könnten, weil sie seitens der Nationalliberalen mit Maßrege⸗ lungen bedroht seien. Dieser Ausrede gegenüber, so fuhr Leinert fort, sei zu verlangen, daß diejenigen, welche stets vorgeben, Sozial⸗ demokraten zu sein, bei der Wahl die Pflicht hätten, es auch zu beweisen. Es gehe nicht au, daß diese Leute nur Genossen sein wollen, wo es gilt, Geld an den Arbeitern zu verdienen. Also das Gerede vom sozialdemokratischen Terrorismus stellt sich als dreiste Lüge her⸗ cus. Unser Genosse forderte nur, daß sozial⸗ demokratische Geschäftsleute nicht vor dem geg⸗ nerischen wirklichen Terrorismus ins Mause⸗ loch kriegen und sich der Wahl enthalten sollen. An eine Richtigstellung von Seiten der„wahr⸗ heitsliebenden“ Ordnungspresse und ihrer Geistes verwandten ist natürlich nicht zu denken. Im Gegenteil. Hirschels Antisemitenblatt in Offenbach kolportiert den Schwindel noch weiter, nachdem er schon widerlegt ist! Wahlunsiun. Zu welchen Verrücktheiten das preußische Dreiklassenwahlrecht führt, zeigt ein Vergleich der Berliner Urwahlbezirke mit ein⸗ ander. Die Feinde des allgemeinen Wahlrechts behaupten, daß dieses der„urteilslosen Masse“ die Oberhand verschaffe, während das Drei⸗ klassenwahlrecht„Bildung und Besitz“ zu seinem Rechte kommen lasse. Dem Besitz allerdings. Dem gibt es leider nur zu viel, sogar aus⸗ schließlich den politischen Einfluß, die„Bil⸗ dung“ kommt bebeutend schlechter weg. Die Klasseneinteilung erfolgt für jeden Bezirk ein⸗ zeln und so ergeben sich die tollsten Dinge. Beispielsweise müssen die Minister, welche gezwungen sind, im Millionenviertel zu wohnen, zusammen mit den„rohen Haufen“ in der dritten Klasse wählen, sie können in ihren Steuerleistungen mit den Nachbarn nicht kon⸗ kurrieren, und die Weisen, die den Staat regieren, müssen sich demütig darin bescheiden, daß ihnen irgend ein Knopffabrikant Meyer und ein Bartwichserzeuger Schulze an„Bildung und Besitz“ überlegen sei. Dagegen kann in Berlin⸗Ost schon ein besser bezahlter und na⸗ türlich sozialdemokratischer Arbeiter in die erste Klasse kommen.— Wer unter den Linden wohnt, muß 216,273 Mark und 80 Pfennige Steuer bezahlen, um in die erste Klasse zu kommen, sind's nur 216,273 Mk. 79 Pfg., so wandert er mitleidslos in die zweite Wähler⸗ klasse. Würde er aber ein paar Straßen weiter in einem Proletarierbezirk wohnen, so käme er mit einem jährlichen Steuerbetrag von 18 Mk. in die erste Wählerklasse.— Im 34. Wahl⸗ bezirk ist der Hofschlächter Hefter der einzige Wähler der ersten Klasse; im 30. bildet der Bankier Friedländer mit einem Steuersatz von 216274 Mk. die erste Abteilung. Der 32. und 40. Bezirk weist in der ersten Klasse je zwei ganze Wähler auf!— Angesichts dieser Ver⸗ hältnisse sind die Aussichten für unsere Partei gar nicht so ungünstig. Trotzdem bleibt ein derartiges Wahlrecht der reine Hohn auf den gesunden Menschenverstand. Mit dem China⸗Kreuzzug wird sich nächstens das Gericht in Halle ein⸗ 1 zu beschäftigen haben. Gegen den eichstagsabgeordneten Kunert war nämlich ein Prozeß anhängig gemacht worden wegen Beleidigung des ostasiatischen Expeditionskorps. Kunert soll in einer Wahlversammlung gesagt haben.:„Unsre Soldaten haben das Land ver⸗ wüstet, geplündert und Frauen geschändet.“ Er bestritt, jene Aeußerung getan zu haben und behauptete, die von den beiden überwachenden Beamten jedenfalls falsch aufgefaßte Rede⸗ wendung habe vielmehr dem Sinne nach ge⸗ lautet:„Soldaten der Expeditions-Armee, zu der auch unsere Soldaten gehörten, haben in dem verwüsteten Lande geplündert; auch sind Frauen geschändet und andre Vergehen und Verbrechen verübt worden.“ Da nun der Staatsanwalt in der vorigen Verhandlung nach der Vernehmung der beiden überwachenden Beamten die Aeußerung nach dem Anklage⸗ beschluß für erwiesen erachtet und wegen Be⸗ leidigung der Mitglieder des deutschen ostasia⸗ tischen Expeditionskorps gegen Kunert drei Monate Gefängnis beantragt hatte, erbot sich Kunert auch für diese Behauptung den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Er verlangte die Vernehmung von etwa 40 Zeugen, früheren Chinakriegern, Kriegsberichterstattern, China⸗ kundigen Männern ꝛc., aber das Gericht hatte dte Beweiserhebung unter dem Vorsitz des Land⸗ gerichtsdirektors Fromme heute auf die Ver⸗ nehmung von drei Zeugen beschränkt. Kunert hatte nun, um die Beweisaufnahme dennoch durchdrücken zu können, 1000 Mk. deponiert und zur letzten Verhandlung auf seine Kosten zehn Chinakrieger aus allen Teilen Deutschlands laden lassen. Diese Zeugen wurden aber nicht vernommen. In der neuen Verhandlung wurden nun die Beweisanträge bestimmter gestellt. Das Gericht beschloß Vertagung der Verhand⸗ lung. Dem Angeklagten wurden 14 Tage Frist zur Begründung seiner Beweisanträge gegeben. Ferner werden alle Akten von Ver⸗ aher gegen deutsche Truppen, die sich auf Raub, Plünderung und Schändung beziehen, eingefordert und die verlangten Zeugen werden vor der Hauptverhandlung kommissarisch vernommen.— Unter Umständen 1 kann das also eine sehr interessante und auch geschichtlich wertvolle Gerichtsverhand?⸗ lung werden. „Freie deutsche Männer“. Bei der Enthüllung eines Denkmals des sogenannten Großen Kurfürsten in Küstrin hielt am Samstag der„freisinnige“ Bürger⸗ meister Securius an den Kaiser eine Ansprache, deren Anfang hinreicht, zu zeigen, wie heute der Bürgersmann vor Königsthronen spricht: Allergroßmächtigster, Allerdurch⸗ lauchtigster, Allergnädigster Kaiser, König, Markgraf und Herr! Eure kaiserlicher Majestät wollen allergnädigst geruhen, den alleruntertänigsten Dank der Bürger⸗ schaft Küstrins entgegenzunehmen dafür, daß Eure Majestät die Gnade gehabt haben, Ihrer getreuen Stadt Küstrin die allerhöch⸗ ste Genehmigung dazu zu erteilen, daß Eurer Majestät erhaben em Vorfahren, dem Mark⸗ grafen Hans von Küstrin, hier vor seiner ehe⸗ maligen Residenz ein Denkmal errichtet werde, den e ee Dank in Sonder⸗ heit aber dafür, daß Eure Majestät aller⸗ gnädigst geruht haben, die Feier der Ent⸗ hüllung dieses Denkmals durch Eurer Majestät erhabene Gegenwart zu verherrlichen.— So geht's noch eine halbe Stunde lang weiter. „Es fehlt dem Deutschen zum Hunde nur Ein richtiger Schwanz zum Wedeln.“ Der Dichter, welcher diese Worte schrieb, hat wirklich nicht unrecht. Zweierlei Recht. Täglich kann die Arbeiterschaft erfahren, daß der einst vom preußischen Justizminister verkündete Grundsatz:„Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe“, noch immer beob⸗ achtet wird. Gelegentlich des im Frühjahr in Straßburg stattgehabten Maurer- und Zimmerer⸗ streiks kam es zu einigen Ausschreitungen, die schwer bestraft wurden. Die harmlosesten Aeußerungen wurden mit mehreren Monaten Gefängnis geahndet; der Vorsitzende der Zim⸗ merer z. B. erhielt einen Monat Gefängnis wegen Bedrohung, obgleich der betreffende Ar⸗ beitswillige selbst erklärte, er habe sich nicht bedroht gefühlt.— Nun das Gegenstück. Gelegentlich des Streiks der Holzarbeiter in Straßburg wurde deren Vorsitzender von einen Arbeitswilligen auf der Straße überfallen; er riß ihn an den Kleidern, stieß ihn vor die Brust, drohte ihm mit Totschlagen, mit ins Wasser werfen, gebärdete sich wie wütend, und nur dem besonnenen, ruhigen Verhalten des Genossen ist es zu danken, daß es nicht zu einer Prügelei kam, denn das Publikum nahm für ihn Partei. ein Einschreiten gegen den Rausreißer des Kapitals ab, der Ueberfall sei nicht ernst zu nehmen.— Sehr milde Richter fand auch der Rechtsanwalt und Justizrat Dr. Lambach⸗ Schnitz in Aachen. Dieser„Gebildete“ hatte etnen armen Taglöhner unter falschen Vorspiegelungen um 3,25 Mark betrogen. Von der Verhängung einer Gefängnisstrafe nahm man Abstand, um dem Angeklagten Gelegenheit zu geben, sich wieder emporzu⸗ arbeiten“ und verurteilte ihn zu ganzen dreißig Mark Geldstrafe.— Im Früh⸗ jahr vorigen Jahres wurde ein armer Tage⸗ löhner von dem Wetzlarer Schöffengericht zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er auf dem Wetzlarer Bahnhof— Kohlen auf; gelesen hatte!— Das war jedenfalls auch eine größere Sünde, als wenn ein wohlhabender Justizrat einen armen Teufel um seine kärg⸗ lichen Ersparnisse prellt! Die Zeugnisfolter gegen den früheren Redakteur der Naumannschen „Hilfe“, Hildebrand, ist nun endlich auf⸗ gehoben worden. Länger als acht Wochen hat er in Haft gesessen, weil er die Zumutung zu⸗ rückwies, der Behörde denjenigen zur Bestrafung zu überliefern, der in der Hilfe eine Dienst⸗ auweisung der Potsdamer Regierung an die ihr unterstellten Rektoren sachkundig kritisiert Der Staatsanwalt aber lehnte eee eee rr Tf A A% ˙cò,.... 7—ꝓ—«8. e U———— — SF — „ . r 2 r = „eee e * Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. hatte.— Hildebrand ließ auf dem national⸗ sozialen Vertretertag durch Maurenbrecher er⸗ klären, daß er ebenfalls der Sozialdemokratie beitreten werde. Das Endresultat der sächsischen Land⸗ tags wahlen, die im ganzen in 29 Wahlkreisen stattfanden, ist folgendes. Gewählt wurden: 17 Konser⸗ vative, 9 Nationalliberale, 1 Reformparteiler, 1 Wildliberaler und 1 Deutschfreisinniger. Die Zweite Kammer wird sich demnach zusammen⸗ setzen aus 56 Konservativen, 23 Nationalliberalen, 1 Wildliberalen, 1 Deutschfreisinnigen und 1 Mitglied der Reformpartei. Wie lange wird sich das Volk das Geldsacks⸗Wahlrecht noch gefallen lassen? Im Wahlkreise Mittweida, für den Göhre das Mandat niedergelegt hatte, ist am Sonntag von der riesig besuchten Partei⸗ versammlung Genosse Redakteur Stücklen⸗ Altenburg als Kandidat aufgestellt worden. Verschiedentlich wurde die Wiederaufstellung Göhres in Vorschlag gebracht, jedoch fast einhellig abgewiesen. Göhre habe mit der Mandatsniederlegung, zu der gar keine Veran⸗ lassung vorgelegen habe, die Wählerschaft be⸗ leidigt. Er hätte vorher sicher ein Ver⸗ trauensvotum erhalten, nachdem er aber das demokratische Prinzip so mit Füßen getreten und die Genossen im Kreise in die schwierigste Situation gedrängt hat, könne ihm ein solches nicht mehr erteilt werden. In einer Resolution erklärt die Parteiversammlung die Gründe, mit denen Göhre die Mandatsniederlegung motiviert, als nicht genügend und spricht deshalb dem Genossen Göhre ihre Mißbilli⸗ gung aus. Gegen diese Resolution stimmten nur 15 Genossen. Die Proklamation Stücklens erfolgte unter brausendem Beifall. Gemeiner Lügner war der Zentrumspfarrer Gersten⸗ berger, der den letzten Wahlkaupf im Würz⸗ burger Wahlkreis in ausnahmsweis gemeiner Art führte, von der sozialdemokratischen„Fränk. Volkstribüne“ titul tert worden. Auch die Be⸗ zeichnungen Lügner, Verleumder, gemei⸗ ner Kerl sah sich unser fränkisches Partei⸗ blatt dem Benefiziaten Gerstenberger, der das „Fränkische Volkslatt“ redigierte, zu geben ver⸗ anlaßt. Gerstenberger klagte. Der angeklagte Redakteur Genosse Eber har d⸗Nürnberg lehnte jeden Vergleich ab, und im Laufe der Ver⸗ handlung erschien der Ankläger Gerstenberger als der Angeklagte. Der Vertreter Eberhards führte den Nachweis, daß Gerstenberger mehr⸗ fach wissentlich die Unwahrheit gesagt habe. Der Gerichtshof erkannte trotz der Schwere der formellen Beleidigungen nur auf eine Geldstrafe von 20 Mark. In der Be⸗ gründung des Urteils heißt es: Das Gericht 1 Verhältni nahm an, daß der von dem Beklagten ange⸗ tretene Wahrheitsbeweis teilweise gelungen sei. Gerstenberger habe in in zwei Fällen bewußt unwahre Tatsachen behauptet. Bei der Strafausmessung wurde dem Angeklagten der unanständige Ton, den H t berger in seinem Blatt gegen politische err Gersten⸗ Gegner anschlägt, strafmildernd in Anrech⸗ nung gebracht. Ein angenehmer Prediger der cgristlichen Nüchstenliebe, der Herr Gersten⸗ 0 berger! Volksabstimmungen in der Schweiz. Am letzten Sonntag wurde in der Schweiz die allgemeine Volksabstimmung über drei Gesetzesvorschläge vorgenommen, die alle drei verworfen wurden. Mit sehr großer Mehr⸗ heit abgelehnt wurde zunächst die von 57000 5 Bürgern geforderte Reviston der Verfassung, nach der für die Bestimmung des 5 sses der Vertretung der Kantone im Nationalrat nur die Zahl der Schweizer Bürger mit Ausschluß der Ausländer maßgebend sein soll. Gleichfalls verworfen wurde das sogen. „Maulkrattengesetz“, das ist die Ergänzung des Bundesstrafrechts, betreffend die Bestrafung der Anstiftung oder Verleitung Militär⸗ pflichtiger zu einer dem Tatbestand des Verbrechens oder Vergehens bildenden Dienst⸗ pflichtverletzung. Das gleiche Schicksal traf die von der Bundes versammlung beantragte Revision der Bundesverfassung, welche den Kantonen das Recht zu weiterer Beschränkung des Kleinhandels mit geistigen Getränken geben wollte.— Diese Abstimmungsresultate bedeuten einen Sieg der Demokratie. Unsere Parteigenossen waren, wie alle freigesinnten Elemente für die Verwerfung dieser drei Gesetzentwürfe eingetreten. Die ungarische Ministerkrisis, welche schon seit Monaten andauert, ist mit der Ernennung des Grafen Stephan Tisza zum Ministerpräsidenten beendigt worden. Der neue Minister ist der Sohn des früheren langjährigen Ministerpräsidenten Koloman Tisza. Ob er in der Lage sein wird, die Militairpolitik des österreichischen Kaisers gegen den Widerstand der Ungarn durchzuführen, ist mehr als fraglich. Möglicherweise dauert Tiszas Ministerherrlichkeit gar nicht so lange. Die serbische Sozialdemokratie hat bei den jüngsten Skupschtinawahlen in Berücksichtigung aller Umstände recht gut abge⸗ schnitten. Nach dem an das internattonale sozialistische Bureau erstatteten Berichte mußte die Partei, die sich erst unter dem neuen Regime am 2. August organisiert hat, sofort in die Wahlbewegung eintreten. Trotz der Kürze der Zeit sind ansehnliche Erfolge erzielt worden. Ein sozialdemokratischer Kandidat, Genosse Dr. Michael Ilitsch, wurde in Kragujewatz gewählt. In Leskowatz stegte der radikale Kandidat erst in der Stichwahl mit 60. Stim⸗ men Mehrheit über den Sozialdemokraten.— In Belgrad, wo die sozialdemokratische Partei am stärksten ist, betrieben die Machthaber schon bei der Anlegung der Wählerlisten schamlose Fälschungen zum Nachteil der Partei. Trotzdem erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten mehr Stimmen als die liberalen. Aus Südafrika kommt die Nachricht, daß die Buren be völke⸗ rung in beiden Kolonien dem Hungertod nahe sei. Familien, welche früher wohlhabend waren, sind auf Almosen angewiesen. Die Mehrzahl der Familien hat keine Häuser mehr und viele sind gezwungen, Pferde und Maul⸗ esel zu schlachten. Krankheiten fordern große Opfer unter der Bevölkerung. Anstatt Hilfe zu bringen, veröffentlicht die(englische) Regierung falsche Berichte, worin versichert wird, daß die Bevölkerung sich loyal verhalte und die Lage„befriedigend“ sei.— So wird„kolonisiert“. Allerdings haben die Mächte in dieser Beziehung einander nicht viel vor zuwerf en. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Lohn für treue Arbeit. Wie die „Fürsorge“ der Unternehmer für die in ihrem Dienste ergrauten Arbeiter aussieht, dafür bietet folgendes, von der Firma Seiler und Schläfke in Hannover am 9. Oktober ausgestelltes Zeugnis ein Beispiel: Zeugnis. Der Arbeiter H. K. ist za. 18 Jahre bei uns beschäftigt gewesen, mit seinen Arbeiten waren wir zufrieden. Derselbe gehört der Ortskrankenkasse VI an. Seine Entlassung geschieht wegen vorgerückten Alters, da es ihm nicht mehr möglich ist, die schweren Arbeiten zu verrichten. Also nachdem der arme Teufel achtzehn Jahre lang für die Unternehmer sich abrackerte und ihren Reichtum vergrößern half, nun aber ausgemergelt ist, fliegt er erbarmungslos auf die Straße. Dort kann er verhungern und bis dahin nachdenken über die Dankbarkeit des Kapitals. Das ist der Lohn für treue Dienste! Mit einer Niederlage für das Scharfmachertum hat die Aussperrung der Bauarbeiter in Kassel geendet. Wie wir in letzter Nummer kurz mitteilten, wurde der Streik und die Aussperrung am vorigen Donnerstag nach sieben monatlicher Dauer für beendet erklärt. Wie man sich entsinnen wird, hatte die Aussperrung ihre Ursache in einem Streik der Tischler. Diese fochten ihren Kampf gegen das Unternehmertum mit äußerster Hartnäckigkeit durch und standen vor dem Siege. Da traten die Unternehmer der Baubranche an die Maurer, Zimmerer, Bau⸗ arbeiter, Dachdecker ꝛc. heran und forderten sie auf, die Tischler zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, widrigenfalls sie die gesamte Arbeiter⸗ schaft des Baugewerbes aussperren würden. Die Bauarbeiter erklärten, daß es nicht in ihrer Macht stände, die Tischler zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, daß sie aber auch gar keine Veranulassung dazu fühlten, sich in die Ange⸗ legenheiten eines anderen Berufes zu mischen. Darauf erfolgte die Aussperrung der ge⸗ samten im Baugewerbe tätigen Arbeiter Kassels. Der Friede kam jetzt unter folgenden Bedin⸗ gungen zu stande: Die Tischler erhalten für die Zukunft pro Stunde 4 Pfg. mehr, sowie 10 Prozent Akkordaufschlag, und zwar von jetzt ab. Die Maurer vom 1. Juli 1904 ab pro Stunde 50 Pfg. Die Bauarbeiter vom 1. Juli 1904 ab pro Stunde 35 Pfg. Die Steineträger 40 Pfg. Für Akkordarbeit zehn Prozent Aufschlag. Die Zimmerer vom 1. Juli 1904 ab pro Stunde 50 Pfg. Die Dachdecker erhalten vom 1. April 1904 ab 3 Pfg. pro Stunde mehr und vom 1. April 1905 ab weitere 2 Pfg. mehr. Somit hat die Bauhandwerker⸗Aussperrung mit einem Siege der organisierten Arbeiter geendet! Der Kampf hat die Gehülfenschaft 258 000 Mk. gekostet. Vernichtet sollten die Organisationen werden; stolzer, gekräftigter als vor der Aussperrung stehen sie heute da. werker von Kassel ist ein Sieg der gesamten Kasseler Arbeiterschaft. Ein Sieg, errungen durch die Zentralorganisationen Deutschlands. Einen erfreulichen Erfolg errangen die freien Gewerkschaften bei den Gewerbe⸗ gerichtswahlen in Trier. Ihre Kandi⸗ daten wurden dort mit 220 Stimmen gegen die christlichen gewählt, die nur 204 Stimmen erhielten. Ein solcher Sieg in der Stadt des heiligen Rockes beweist, daß es auch in den dunkelsten Ecken zu tagen beginnt. Von Uah und Fern. Hessisches. — Als„politische Kinderei“ bezeich⸗ net unser Offenbacher Organ zutreffend den neuen Protest der Zentrümler gegen die Wahl des Genossen Orb und seine Behandlung von dem Ausschuß. Der Bericht des letzteren um⸗ faßt 16 Seiten und auf jeder derselben ist schwarz auf weiß zu ersehen, wie in diesem Falle das Land um Druckkosten und Diäten gebracht werden muß, weil sich einige Leute absolut nicht damit zufrieden geben wollten, daß die Mehrheit der Bieberer Wähler von dem Kandidaten der Schwarzen, Herrn Bürgermeister Lammert von Bürgel, nichts wissen will. Kreisausschuß und Kreisamt haben fest⸗ gestellt, daß die Behauptung der Protestler hin fällig resp. beweislos sind, die Mehrheit des dritten Ausschusses beantragt, die Wahl des Genossen Orb für gültig zu erklären. Das macht aber alles nichts, die Minderheit, d. h. der Zentrumsmann Pennrich und der Antisemit Bähr, beantragen: 5 „Die Kammer wolle die Sache vorerst von der Tagesordnung absetzen und die Groß⸗ herzogliche Regierung ersuchen, durch Groß⸗ herzogliches Kreisamt Offenbach weitere ge— naue Erhebungen, soweit angängig durch eidliche Vernehmungen hinsichtlich der Staats⸗ angehörigkeit der in Frage kommenden 98 Personen anstellen zu lassen.“ Wenn dieser letztere Antrag von der Kammer angenommen werden sollte, dann müßten unter Umständen durch mehrere Hundert Eidschwüre festgestellt werden— ob die Eltern resp. Groß⸗ und Urgroßeltern 98 Bieberer Land— tagswähler im vorigen resp. vorvorigen Jahrhundert die hessische Staatszugehörigkeit erworben haben oder nicht! Es wäre tatsäch⸗ Der Sieg der Bauhand⸗ — — Seite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nu. 44. lich an der Zeit, daß der Landtag der Kinderei ein Ende macht. Schließlich könnte sich diese klerikal⸗antisemitische Protestkomödie zu einer Kammerblamage auswachsen, die der famosen Junggesellensteuerhanswurstiade, die sich die Kammer vor mehreren Jahren geleistet hat, an die Seite gestellt werden kann. Gießener Angelegenheiten. — Das„Sozialistengesetz-Jubiläum“ feierlen auch die Gießener Gen ssen durch eine Ver⸗ sammlung, die am Sonntag in Lony's Bierkeller statt⸗ fand. Trotz des schönen zu Ausflügen einladenden Herbstwetters war die Versammlung gut besucht, der Saal dicht besetzt. Genosse Ulrich von Offenbach, der nun auch schon zu den älteren Genossen zählt und das S; andgesetz vollständig mit durchkosten mußte, hatte es übernommen, den 12 jährigen Kampf unserer damals noch jungen Bewegung zu schildern. Er tat das in kurzen Zügen; seine Ausführungen wurden aber von der Versammlung mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Es ist eine Erinnerung für die Alten, der Rückblick auf jene Zeit, führte er etwa aus, und zugleich eine Lehre für die Jungen. Das Scszialistengesetz zeigte, daß eine geistige Bewegung nicht mit dem Polizeiknüppel zu ver⸗ nichten ist. Aeußerlich war jenes Gesetz durch die Attentate veranlaßt. Die wirkliche Ursache war jedoch die Schwenkung Bismarck's vom Freihändler zum Schutz⸗ zöllner. Er wollte seinen geliebten Junkern höhere Einkommen aus der Staatskrippe verschaffen. Das war die treibende Kraft, nachdem der Versuch, die Arbeiterbewegung für seine Zwecke auszunützen, fehl⸗ geschlagen war. Vorher versuchte man, der wachsenden soztalistischen Bewegung durch den Staatsanwalt Herr zu werden; Tessendorf's Feldzug gegen uns sollte die proletarische Organisation vernichten. Die Verfolgung schmiedete aber die beiden sich bekämpfenden sozialistischen Richtungen zusammen, es kam zur Einigung. Nun kam das Sozialistengesetz. Sofort als der Schuß Hödels gefallen war, telegraphierte bekanntlich Bismarck: „Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie!“ Und es kam so schnell an den Reichstag, daß boshafte Zungen behaupten, Lismarck habe das Gesetz schon vorher fertig im Pult liegen gehabt. Aber die Liberalen zeigten noch einiges Rückgrat. Der Reichstag lehnte das Gesetz ab. Bald darauf fielen die Schüsse Nobilings, der, obwohl er ein Nationalliberaler war, der Sozial⸗ demokratie an die Rockschöße gehängt wurde. Reichs⸗ tagsauflösung folgte und der unter beispielloser Hetze zu Stande gekommene neue Reichstag bewilligte Bismarck sein Sozialistengesetz. Redner schilderte nun die Ver⸗ folgungen, die unsere Genossen unter demselben zu er⸗ dulden hatten. Zahlreiche Opfer kostete der Kampf, viele Wunden wurden uns geschlagen. Aber unsere Genossen hielten siy tapfer, trotzdem die Polizei durch alle Tücken in unsere Partei Zwiespalt zu bringen suchte. Tatsächlich hatte sie es dahin gebracht, daß eine zeitlang der Anarchismus an Ausbreitung gewann. Doch die 81er Wahlen zeigten, daß die Sozialdemokratie lebte. Ulrich schilderte dann unter Heiterkeit einige lustige Episoden aus dem Kampfe mit der Polizei; auch, wie es ihm einst hier gelang, eine Versammlung in Leih⸗ gestern abzuhalten, ohne von der Polizei, die man auf den Schiffenberg gelockt hatte, belästigt zu werden. Dann wies er auf das immerwährende Wachstum unserer Partet hin. Bei jeder Wahl stiegen die Stimmen und jedesmal sagten die Gegner, nun habe die Sozialdemo⸗ kratte ihren Höhepunkt erreicht und— bei der nächsten Wohl stiegen wir wieder! Der Sozialismus hat seine treibende Kraft in der Masse und steigt so lange, als noch ein einziger Arbeiter existiert, der uns nicht ange⸗ hört. Immer tüchtig weiter zu arbeiten, die besitzlosen und arbeitenden Massen über die wirtschaftlichen und politischen Tatsachen aufzuklären, das sei auch fernerhin unser: Aufgabe! So schloß der Redner unter lebhaftem Beifall. Genosse Vetters wies dann darauf hin, wie auch heute noch mit denselben brutalen Gewaltmitteln gegen uns gearbeitet wird, wie seit Jahrzehuten. Zum Beweise dafür verlas er das„Gedicht“ des Gießener Ordnungshelden an Frau Zetkin, das unten abgedruckt ist. Orbig schilderte dann, oft von Heiterkeit unter⸗ brochen, wie er und die Gießener Genossen mit dem Sozialistengesetz fertig wurden und trotz desselben nach besten Kräften agitiertn. Krumm wies auf den Frantfurter„nationalen Arbeiterkongreß“ hin, der wieder einen Versuch darstelle, die Arbeiterschaft zu spalten. Unser Opfermut dürfe nicht erlahmen, müsse vielmehr noch erstarken! Förderung der politischen und gewerk⸗ schaftlichen Organisation sei notwendig, denn es ständen uns noch harte Kämpfe bevor. Jeder müsse mit seiner ganzen Kraft an der Herbeiführung besserer Zustände mitarbetten!— Mit dem Gesang der Arbeitermarseillaise schloß die aufs beste verlaufene Versammlung. — Ordnungswüterige. Mit der nötigen Entrüstung weisen unsere Gegner täglich auf den revolutionären Karakter der Sozial⸗ demokratie hin. Besonders zu Wahlzeiten werden sie nicht müde, uns als die verworfene Menschen⸗ klasse hinzustellen, die in blutiger Revolution die gottgewollte„heilige“ Ordnung— die„Ord⸗ nung“, daß eine Handvoll Menschen alle übrigen ausbeutet und unterdrückt, nennen sie gottgewollt — umstürzen und den Staat vernichten wolle. Sie wissen dabei ganz genau, daß ein Sozial⸗ demokrat nie der gewaltsamen Revolution das Wort geredet hat. Verdächtigungen gehören aber mit zu den„geistigen Waffen“ der„Staats⸗ erhaltenden“. Jeder Arbeiter weiß heute, daß mit Säbel, Flinte und Galgen die wirtschaft⸗ lichen und sozialen Verhältnisse nicht gebessert werden können; er weiß auch, daß wenn wir von Revolution reden, wir damit die Eroberung der politischen Macht durch die arbeitende Klasse meinen. Flinte, Säbel, Guillotine, Zuchthaus, sind vielmel r die Mittel, durch welche der Ka⸗ pitalismus seine Herrschaft zu erhalten bestrebt ist und die er unter Umständen gegen uns an⸗ zuwenden bereit ist. Wie verbreitet diese rohe Auffassung vom politischen Kampfe unter unseren christlich⸗fromm Gebildeten ist, zeigt folgendes Gedicht, das unserer Genossin Zetkin von einem Gießener Ordnungsmenschen zugesandt wurde. Von der bürgerlichen Presse war der Frau Zetkin kürzlich fälschlich nachgesagt worden, sie habe in einer Stuttgarter Versamm⸗ lung Bismarck als Sauhirten bezeichnet. Wie es sich damit in Wirklichkeit verhält, hat Frau Z. selbst unseren Lesern neulich auseinander⸗ gesetzt. Also dieser gebildete und christliche Bürger schrieb: Du wagtest frech ihn zu verhöhnen, Mit gift'ger Zung zu schmäh'n sein Angedenken, Der doch der Edelste von Deutschlands Söhnen;— Dies, Furie, wird kein deut scher Mann dir schenken. Trieb Wahnsinn dich, ein sinnlos wütend Rasen, Dein bißchen Hirn dir völlig zu betören?— Den Gegner magst du ehrlich hassen, Doch laß' die Toten ruhn; die sollst du ehren. Drum Fluch auf dich und deine ganze Meute, Dir bleibt für immer dies ein Schandenmal. Am liebsten sähen wir schon heute, Verdammtes Weib, dich am Laternenpfahl! Natürlich war auch diese wie alle übrigen unserer Genossin zugegangenen Schmähschriften anonym;„das Gedicht“ hatte der mutige Kämpfer für Ordnung und Sitte mit„Ger⸗ manicus“(Deutscher) unterzeichnet. Allem Anschein nach ist es von Frauenhand geschrieben, der Tapfere fürchtete, sich vielleicht durch seine Handschrift zu verraten. Unterdrückungs wut, Roheit und Feigheit sind doch immer bei⸗ einander! So sehen die deutschen Helden bür⸗ gerlicher Ideale aus! Jene Leistung läßt einen Blick tun in die moralische und geistige Ver⸗ faͤssung des„honetten Bürgertums“ und zeigt, mit wie wenig Recht die bürgerliche Presse sich über Gesinnungsroheit etc. der Sozialdemokratie aufregt. Was würde die Ordnungspresse sagen, wenn ein Sozialdemokrat auf eine Beschimpfung eines unserer Vorkämpfer mit dem frommen Wunsche antwortete: Hoffentlich sehen wir den Kerl, der solches gesagt, bald am Laternenpfahll — Unsere frommen christlichen Gegner wünschen uns Galgen und Rad; wir aber arbeiten, um Zustände herbeizuführen, unter denen alle Menschen glücklich leben können; wir werden auch, wenn wir zu Macht gelangen, keinen Fürsten und keinen Pfaffen hängen, wenn er Uns auch noch so sehr beschimpft hat, sondern werden dafür sorgen, daß er möglichst 110 und bequem leben kann! Ja, wir Wilden sind doch bessere Menschen! Frau Zetkin übersandte uns das Gedicht in der richtigen Annahme, daß es unseren Lesern, wie ihr, einige heitere Minuten bereiten würde. Wer mag aber der edle Dichter sein? Er melde sich doch! Das sieht doch viel schöner aus. Wir garantieren ihm hiermit feierlich und öffent⸗ lich, daß Frau Zetkin keine Beleidigungsklage gegen ihn anstrengen wird. — Die Gießener Friedhofs-Affaire kam auch in der hessischen Landes synode in Darmstadt zur Sprache. Auf eine Anfrage des Pfarres Wahl aus Langen, welche Maß⸗ regel die Kirchenbehörde zu ergreifen gedenke, um für die Zukunft einer etwaigen Wieder⸗ holung solcher„rechtswidriger Eingriffe“ in die Sphäre des evangelisch⸗kirchlichen Lebens vor⸗ zubeugen, antwortete Konsistorialprästdent Buch⸗ ner: Er habe nur wenig zu sagen. Das Kreis⸗ amt habe geantwortet, daß die Verfügung des Oberbürgermeisters zurückgenommen worden sei und die Einweihung am 4. Oktober statt⸗ finden könne. Damit sei die Angelegenheit er⸗ ledigt und zugleich ein Präzedenzfall geschaffen, der den zweiten Teil der Anfrage überflüssig erscheinen lasse. Wahl⸗Langen konstatiert mit Genugtuung die Festhaltung der kirchlichen Ge⸗ meindevertretung in Gießen und die entschiedene Zurückweisung, die der„versuchte Eingriff“ in das kirchliche Leben gefunden habe, er wünscht aber, daß man dem zweiten Teil seiner Anfrage entsprechend eine Norm schaffen möchte, die ähnliche Uebergriffe in die Rechte der evangelischen Kirche verhindere. Natürlich, daß es sich bei der Geschichte nicht um einen Uebergriff des Bürgermeisters, sondern um einen solchen der lieben Geistlichkeit handelte, werden die schwarzen Herren niemals zugeben wollen. — Zu der Rezitation des Herrn Wal⸗ kotte am Donnerstag Abend waren die Zu⸗ hörer äußerst zahlreich erschienen, sodaß der Saal Lonys Bierkeller dicht besetzt war. Wal⸗ kottes Vorträge wurden mit großer Aufmerk⸗ samkeit verfolgt und sehr beifällig aufgenommen. Nach der ergreifenden Erzählung aus dem Leben eines Berliner Proletarierkindes„Der Klingel⸗ junge“ bot Herr Walkotte eine Reihe köstlicher humoristischer Skizzen und Dichtungen, die meistens soziale Materien behandelten und in echt künstlerischer Weise zum Vortrag gebracht wurden. Wir sind überzeugt, daß alle Be⸗ sucher mit Befriedigung auf diesen genußreichen Abend zurückblicken. Aus dem Nreise sriedberg⸗Büdingen. Merkwürdiger Freispruch. Am Tage nach der! eich stagswahl hat sich der Landwirt Heinrich Müller von Eckartshausen an der elf⸗ jährigen Tochter des Maurers D. vergangen, nachdem er vorher das Kind in raffinierter Weise in's Haus gelockt hatte. M., ein noto⸗ rischer Trunkenbold von ca. 40 Jahren, machte nach Bekanntwerden der Sache einen Selbst⸗ mordversuch. Dienstag von dem Landgerichte Gießen frei⸗ gesprochen. Auch der Bürgermeister Lehr hat eine eigentümliche Rolle in der Affäre gespielt. Er zeigte die Sache der Staatsanwaltschaft nicht au, dieser wurde die Anzeige vielmehr anonym von dritter Seite gemacht. Bürger⸗ meister Lehr suchte die ganze Geschichte als aus Haß von sozialdemokratischer Seite ban le hinzustellen, dem der„ehrenwerte“ Landwirt M. zum Opfer fallen solle. Aus dem Nreise Alsfesd⸗Cauterbach. b. Ein skandalsüchtiger Ordnungs⸗ mann. Vor dem Alsfelder Schöffengericht hatte sich am Montag der Schuhmachermeister Rupp zu ber⸗ antworten. Er kam dort eines Abends in die Poltzei⸗ wachstube und lärmte ganz gehörig. Von dem Poltzei⸗ diener Koch, der ihn zum Verlassen des Lokals vergeb⸗ lich aufforderte, herausgebracht, legte er sich auf den Boden und als K. versuchte, ihn aufzuheben, biß er diesem ins Bein. Er nahm dem Polizeimann auch den Säbel ab und versuchte ihm damit auf den Kopf zu schlagen. Hinzukommende Personen verhinderten das und schleppten den Schuster nach seiner Wohnung. Weil aber Nachbarsleute baten, ihn nicht in die Wohnung zu bringen, weil er sonst die Familie mißhandeln würde, so brachte man ihn in's Spital, das zugleich als Haft⸗ lokol dient und entließ ihn am andern Morgen wieder. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, daß er nur, noch soviel von der Geschichte wisse, daß er den Polizeid iener gefragt habe, ob er die Wache habe. Der Amtsanwalt gab seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß Rupp nicht betrunken gewesen sei, sondern mit vollem Bewußt⸗ sein gehandelt habe. Rupp sei ein Radaumacher und habe sich trotz seiner Vorstrafen nicht gebessert. Des⸗ halb müsse er die volle Schärfe des Gesetzes fühlen. Er beantragte wegen groben Unfugs Widerstands ee. 2 Monate Gefängnis. Der Angeklagte suchte sich mit Trunkenheit zu entschuldigen und führte u. a. el b st an, daß er ja in der Säuferliste stünde! Sein Auf⸗ treten vor Gericht machte auch keinen guten Eindruck, mildernde Umstände wurden ihm deshalb nicht zugebilligt und eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und 4 Tagen über ihn verhängt.— Hinzugefügt sei noch daß sich Rupp zur antisemitlschen Partei zählt Merkwürdigerweise wurde er am 9 1 Dorlar, Dutenhofen, Kinzenbach, Nr. 44. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. und stets weidlich über die Sozialdemokraten loszog. Seine Gegnerschaft wird unserer Partei nicht viel schaden! Aus dem Rreise Wetzlar. h. Auf die Parteiversammlung, die nächsten Sonntag den 8. November nachmittags 3 Ühr im Lokale Orbig stattfindet, machen wir nochmals aufmerksam und ersuchen die Genossen im Kreise möglichst zahlreich zu er⸗ scheinen. i 5 — Eine Volks versammlung findet die⸗ sen Sonntag, 1. Nov., nachmittags 3 Uhr im Feußer'schen Lokale in Gleiberg statt. Die Genossen Krumm und Vetters aus Gießen werden über das Thema„Vor 25 Jahren“ sprechen. Alle Arbeiter und Genossen in Glei⸗ berg, Krofdorf und Up gebung werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. h. Die Abteilungslisten zur Land⸗ tagswahl liegen nach einer Bekanntmachung des Bürgermeisters in Wetzlar am 2 und 4. November im Zimmer Nr. 2 auf der Bürger- meisterei offen. h. Zur Landtagswahl sind im Kreise Wetzlar sovjel Kandidaten in Vorschlag gebracht, daß es den Wählern angst und bange werden muß. Erheiternd wirken die Einsendungen, mit denen sich die Anhänger der verschiedenen Kandidaten im Amtsblatt bombardieren. In einer derselben lassen konservative Bauern den liberalen bisherigen Abg. Schlabach hochleben! Das ist gewiß ein Beweis für die gute Gesinnung der„Bauern“. Oder sollte es Bosheit sein? h. Die Vorträge der Lesevereini⸗ ung begannen am Mittwoch Abend mit der Rezitation von Maxim Gorki's ergreifendem sozialen Drama„Nachtasyl“ durch Herrn Wal⸗ kotte. Der große Saal des Schützenhofes war dicht besetzt und mit Spannung folgten die Zuhörer dem Vortrage des Künstlers, ihn am Schlusse mit lebhaftem Beifall belohnend.— An weiteren Vorträgen hat die Lesevereinigung vorgesehen: am 12. Nov.„Die Beziehungen des Lichtes zur Pflanzenwelt“ von Prof. Kohl in Marburg; am 23. Nov.„Land und Leute in Mazedonien“ von Dr. Oestrich in Mar⸗ burg und am 10. Dezemb.„Die Sonne als Energiequelle“ von Prof. Schaum in Marburg. — Vergehen im Amte. Dem„Herbor⸗ ner Tageblatt“ wird aus dem Kreise Wetzlar geschrieben:„Gegen den Bürgermeister B. in aer die Staatsanwaltschaft das Unter⸗ suchungsverfahren wegen Uuterschlagung einge⸗ leitet. Da Zeugenvernehmungen bereits statt⸗ gefunden haben, auch der Aufsichtsbehörde wegen anderer Unregelmäßigkeiten des B. An⸗ zeige erstattet worden ist, so ist zu erwarten, daß derselbe in Bälde seines Amtes enthoben wird, was umsomehr zu wünschen ist, als die Angelegenheit das allgemeine Tagesgespräch bildet und große Aufregung in der Bevölkerung hervorgerufen hat.“ Diese Notiz bezieht sich offenbar auf den Bürgermeister Lichtenthäler in Krofdorf. Uns sind hierüber ebenfalls zahlreiche Mitteilungen zugegangen. Tatsächlich sind allerhand Gerüchte in der Bevölkerung in Umlauf; daß es sich aber um Unterschlagung handelt, möchten wir vorläufig nicht behaupten. Jedenfalls wäre es Sache des Gemeinderates in Krofdorf und der dazu gehörigen Gemeinden, Klarstellung der Angelegenheit zu fordern, dadurch würde über⸗ triebenem Gerede die Spitze abgebrochen und die Bevölkerung beruhigt. — Herbst⸗Kontroll⸗Versammlungen im Kreise Wetzlar finden statt in: Wetzlar, Land, Schützengarten, 4. November 10 Uhr vormittags für Hof Altenberg, Garbenheim, Nauborn, Oberbiel, Stein⸗ dorf. Oberndorf, Ausgang nach Wetzlar, 6. No⸗ pember 1 Uhr 30 nachmittags für Albshausen, Bon⸗ baden, Braunfels, Burgsolms, Oberndorf. Aßlar, Bahnhof, 7. November 1 Uhr 15 nachmittags für Aßlar, Berghausen, Beasbach, Klein⸗Altenstädten, Wer⸗ dorf. Wetzlar, Stadt— einschließlich Nieder⸗ girmes— Schützengarten, 7. November 3 Uhr 30 nachmittags. Wiß mar, Bahnhof,— Wirt⸗ schaft Brück— 10. November 11 Uhr 30 vormittags für Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Odenhausen, Salz⸗ böden, Vetzberg, Wißmar. Dutenhofen, Bahn⸗ Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain. * Einen artigen Handel haben die Antisemiten mit dem Marburger Wahlkreis getrieben oder wenigstens zu treiben versucht. Wie bereits in letzter Nummer mitgeteilt, sagte Zimmermann auf dem antisemitischen Partettag, daß ihm der Wahlkreis Marburg von Böckel gleichsam zum Kauf angeboten worden sei. Dar⸗ auf erwiderte Böckel in dem Berliner Scharf⸗ macherblatte„Post“: Auf die Frage, ob ich bereit sei, Reden und Agi⸗ tationsreisen zu übernehmen, habe ich erklärt, daß dies mir angesichts der großen Verluste, die mir das politische Leben gebracht habe, nur möglich sei, falls Unkost en und Zeit verlust ersetzt werden. Daß Herr Zimmermann zu solchen Verdächtigungen greift, ist doppelt wunderbar angesichts des Umstands, daß er sich bei der Wahl in Marburg als„treuesten Freund und Mitkämpfer Böckels“ in Reden und Flug⸗ blättern aufspielte und mir in einem Briefe Geld anbot, falls ich ihn unterstützen wollte. Böckel gab also den Kandidaten auf eine zarte Weise zu verstehen, daß sie seiner Agitation nicht entraten könnten und ihn dafür ausreichend bezahlen müßten. So erhielt die Verschacherung allerdings eine weniger anstößige Form, als wenn Böckel einfach gesagt hätt: Gib mir zweitausend Mark für mein Stimmvieh, ich halte dafür auch ein paar Reden!— Zimmermann hat auf die Böckel'sche Erklärung geantwortet und dabei bemerkt, daß Böckel einem Vertrauens⸗ mann gegenüber den Konservativen v. Pappen⸗ heimer, nicht den Antisemiten Zimmermann zur Wahl empfohlen habe! Sehr dick scheint danach die Freundschaft zwischen den beiden antisemitischen Führern nicht zu sein, auch mit der gegenseitigen Ehrlichkeit scheints zu hapern. Polnische„Edelste vor dem Schwur ⸗ gerich Ein Aufsehen erregender Prozeß begann am Montag vor dem Berliner Schwurgericht. Als Angeklagte erscheint die jetzt im 51. Lebens⸗ jahre stehende polnische Gräfin Isabella Wen⸗ sterska⸗Kwilecka, geb. Gräfin Bnin⸗Bnitzki auf Wroblewo unter der Beschuldigung der Kindes- unterschiebung und der Verleitung zum Meineide, während neben ihr noch weitere vier Personen, und zwar ihr Gatte, der Majorats⸗ herr Graf Zbiengniew Wensterski⸗Kwilecki, die Hebamme Ossowko aus Warschau, die Kammer⸗ frau der Gräfin Frau Chwielkowska aus Trop⸗ pau und deren Mutter, die Dienstfrau Knoska aus Wroblewo in Posen, wegen Beihilfe zur Kindesunterschiebung und wegen wissent⸗ lichen Meineides, beziehungsweise Verlei⸗ suhe zu diesem Verbrechen mit unter Anklage ehen. f Die Gräfin soll die in Berlin am 27. Januar 1897 erfolgte Entbindung von einem Sohne vorgespiegelt haben, um sich das stark verschul⸗ dete Majorat zu sichern und um Kredit zu haben. Für die Verhandlung sind vierzehn Tage in Aussicht genommen. weihundert der deutschen Sprache teilweise unkundige Zeugen sind geladen. Die Angeklagte Gräfin Isabella Kwilecka bestritt entschieden ihre Schuld. Sie behauptete, trotz ihrer 51 Jahre, unglücklicher Ehe und sonstiger Verdachtsgründe, die eine Entbindung unwahrscheinlich erscheinen lassen, einen natürlichen Sohn namens Joseph Adolf Stanislaus zu besitzen. Letzerer ist als Zeuge anwesend; er soll der Sohn einer Weichensteller⸗ 0 Cäcilie Meyer aus Lipine(Oesterr.⸗Schl.) ein, die den kleinen Grafen als ihr Kind re⸗ klamiert. Sie will es vor ihrer Verheiratung eboren haben. Der Vater sei Hauptmann im 0. österreichischen Infanterieregiment und heiße angeblich Felix Ritter v. Ziegler. Unter den Zeugen befindet sich ferner das Haupt der Agnaten, die Anspruch auf das Majorat erheben, Graf Micislaus Kwileckt, Mitglied des Herren⸗ hauses, und dessen Sohn Graf Hektor. Die alte Matrone Andruzewska sagte, die ganze Geschichte der Schwangerschaft der Gräfin sei eitel Komödie. Die Gräfin habe allerlei Kunstgriffe angewandt, um ihrem Aeußern einen„schwangeren Anstrich“ zu geben. Die Gräfin habe ihr(der Matrone) auch oft gesagt, sie sollte ihr einen zum Januar 1897 neuge⸗ hof, 10. November 3 Uhr 45 nachmittags für Atzbach, Münchholzhausen. borenen Knaben mit schwarzen Augen und dunklem Haar besorgen. Für einen Pack Hundertmarkscheine sei sie zu einer Hebamme gegangen und diese habe ihr ein Kind ausfindig gemacht und dieses der Gräfin gebracht. Versammlungskalender. Samstag, den 31. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Brauer. Abends 9 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Wieseck. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr außerordentliche Generalversammlung bei B. Wacker. Sonntag, den 1. November. Gießen. Metallarbeiter. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Orbig. Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Jesberg. Sonntag, den 8. November. Wetzlar. Parteiversammlung für den Kreis Wetzlar nachmtttags 3 Uhr bei Orbig⸗ Gießen, Rittergasse. Unter dem Sozialistengesetz. Während des Sozialistengesetzes machte unsern 1215 die Einführung des„Sozial- demokrat“ über die deutsche Grenze bedeutende Schwierigkeiten und es mußte von den Be⸗ teiligten mit der größten Umsicht(Entschlossen⸗ heit) verfahren werden, um das verbotene und verfolgte Blatt sicher und möglichst pünktlich in die Hände seiner Leser zu bringen. Es glückte aber fast immer; den Behörden fielen nur wenige Sendungen in die Hände. Dabei gab's auch manche heitere Abenteuer. Genosse Belli in Stuttgart, früher in Zürich, der zu dutzendmalen bei diesem Dienste seine Haut furchtlos für die Partei zu Markte trug, teilte dem„Vorwärts“ aus seinem reichen Schatze seiner Erfahrungen ein paar Erlebnisse mit, die auch unsern Lesern gefallen dürften. Eine schlaue Haussuchung. Wurde da mal gemunkelt, auf der Boden⸗ seeinsel Reichen⸗Au bei Konstanz lagert bei dem Schreiner Grießer eine Ladung der verbotenen Ware. Plötzlich erscheint ein Amtsrichter mit Gendarm ꝛc., um Haussuchung zu halten. Wohnung und Werkstatt wurden besetzt. Die Fenster gingen nach Süden auf den Bodensee hinaus. Die Sonne schien herein und das störte den suchenden Amtsrichter. Er befahl die Rouleaus herunterzulasseu. Dadurch gelaug es einem der Söhne unbemerkt hinauszukommen. Er schlich auf den Speicher. Bort lagerten drei Ballen, die er nun einfach zum Speicherloch hinauswarf. Den heruntergelassenen Rouleaus war es aber zu verdanken, daß das Herunter⸗ fallen der Ballen dem Herrn Amtsrichter un⸗ bemerkt blieb. Der Junge lud dann die Ballen auf einen Nachen und fuhr auf den See hinaus. Die Herren suchten stundenlang und fanden nichts. Hinter dem Hause war ein Hügel mit Gartenhäuschen und prächtiger Aussicht; allda waren auch noch einige Kolli eingegraben. Gr. lud die Herren dorthin zu einem Trunke Wein ein als Belohnung für die Strapazen und um ihnen die Gegend und Ausblick zu zeigen. Später ließ er die Herren mal wissen, daß sie eigentlich auf dem Braten gesessen hätten. Als die Gesetzhüter wieder fort waren, kam auch der Junge vom See zurück und die Sache wurde dann ohne Anstand fortgeschafft. * Mißglückte Spionage. Mein Nachbar in Kreuzlingen hatte einen Lehrjungen, der mit einem Polizisten in Kon- stanz verwandt war. Der Poltzist instruterte den Jungen, sich mit meinem Jungen ins Be⸗ nehmen zu setzen, um allemal zu erfahren, wann und wohin ich verreise. Daß auf dem Bahn⸗ hof in Kreuzlingen ein Schweizer Beamter den Auftrag hatte und auch unschweizerisch genug war, es zu tun, allemal Meldung an die Kon⸗ stanzer Polizei zu machen, wenn ich dort ein⸗ stieg, das wußte ich. Ich ließ nun dem Jungen sagen, daß ich am Donnerstag nach Romanshorn und dann nach Friedrichshafen fahre. Ich kaufte auch in Kreuzlingen ein Billet nach Ro⸗ N * 1. ä 2* 8 3— — 5 —— r — —— 8 2 . N 8 ———— — ͤ(— 9 —— ö— — T—— 52— —— — 176 ö 1 3 — — —— — 5 * 1 75 4 1 Seite 6. Mitteldeutsche Sounutags⸗Zeitung. Nr. 41. manshorn. Daß das hinübergemeldet wird, das wußte ich ja und es wurden auch richtig zwei Poltzisten nach Friedrichshafen beordert, um mich dort in Empfang zu nehmen. Ich stieg in Kreuzlingen ein und verließ in Münster⸗ lingen, der ersten Station nach Kreuzlingen, den Zug, um zu Fuß wieder nach Hause zurück⸗ zugehen. Fuhr aber dann entgegengesetzt über Schaffhausen ins Elsaß, wo ich die schon vor⸗ ausgesandte Ware glatt distribuierte. n Friedrichshafen hatte man mich natürlich vergeblich erwartet. Am Abend ging mein Junge an den Konstanzer Hafen, um die Gesichter der zwei ausgesandten Späher zu sehen. Diese wußten freilich, als sie mit dem Schiff kamen, dem sie erwartenden Wachtmeister nichts anderes zu berichten als:„Er ischt nit kumma.“ * Der hilfsbereite Polizist. In Waldsee im schwäbischen Oberland saß ich einmal in einer Brauerei und machte meine Pakete, den Rest, den ich noch hatte, fertig zur Post. Da kam ein Polizeier mit einer Bestell⸗ ung an den Wirt. Er unterhielt sich mit mir und ich zahlte ihm einen Schoppen und fragte ihn aus über einige Firmen, mit denen ich an⸗ geblich Geschäfte machen wollte. Ich war na⸗ türlich Reiseonkel. Dann fragte ich ihn, wo die Post sei, und als er sah, daß ich etwas schwer zu schleppen hatte, nahm er die Hälfte der Sachen selbst und trug sie mit bis an den 1 Ich danke diesem Wackeren heute noch. * Ein Schlauberger im Polizeirock. Auf einer Rückfahrt nach getaner Arbeit promenierte ich auf dem Perron in Radolfzell und erwartete den Verbindungszug. Ein Kon⸗ stanzer Schutzmann, Kurz hieß der gute Mann, tat dasselbe. Er musterte mich fortgesetzt und als ich einstieg, kam er auch zu mir in mein Koupee nach. Hier betrachtete er mich nochmals von unten bis oben. Endlich faßte er sich ein Herz und fragte mich:„Nicht wahr, Sie sind der Herr Belli?“ Ich bejahte, und dann meinte er:„Mit Ihnen ist etwas nicht in Ordnung. Ich glaube, es hat etwas im Fahndungsblatt gestanden. Sie sind ein sozialistischer Agitator, jetzt weiß ich nicht, soll ich Sie verhaften oder nicht.“ Ich sagte ihm nun:„Herr Kurz, das ist sehr einfach. Wenn wir nach Konstanz kommen, dann ist dort, wie immer, wenn ein Zug ankommt, der Wachtmeister auf dem Perron. Da fragen Sie den eben, was zu tun sei mit mir.“— Damit war der Biedere zufrieden. Der Wachtmeister war auch 9 auf dem Perron. Kurz stieg schnell aus und ging auf ihn zu. Ich stieg aber auf der andern Seite auch schnell hinaus, ging den Zug entlang neben dem Geleise hinauf und war am Ende des Zuges dann gleich auf Schweizer Gebiet, wäh⸗ rend die zwei Polizisten wie toll den Bahnhof absuchten. * Auf der Bahn signalisiert. Eines schönen Tages gab ich auf einer Güterhalle einer elsässischen Station zwei Kisten auf und schrieb eben auf dem Bureau die Frachtbriefe dazu, da kam ein Gendarm geritten, stieg ab und begab sich ins Neben⸗ zimmer zum Bahnmeister. Durch die offene Tür hörte ich, wie er die Meldung machte, daß ich unterwegs sei, und man vermute, daß ich Waren aufgeben werde. Wenn ich komme, solle man mich festhalten. Als er herauskam, fragte der Assistent auch noch nach der„Affär“ und ich frug mit. Als er uns erzählt hatte, was er wußte, forderte ich ihn auf, den Kerl un⸗ bedingt nicht entweichen zu lassen.„Dafür habe ich gesorgt,“ sagte er triumphierend und ging. Leider wurden diese beiden Kisten an den An⸗ kunftsorten in Kaufbeuren und in Frankfurt beschlagnahmt. Nachträglich hat man es also doch gemerkt, daß ich der Gesuchte gewesen sein mußte. Die Hüter des Gesetzes waren aber mit⸗ unter auch manchmal recht anständig. Auch das soll gesagt werden. Auf einer badischen Station sah mich einmal nach getaner Arbeit ein Wacht⸗ meister, der mich kannte.„B. mache schnell daß du auf den Zug nach Basel kommst,“ sagte er mir. Ich war aber eben im Begriff, es zu tun. Einmal lief ich auf dem Perron des Bahn⸗ hofes in Schaffhausen auf und ab, um den Genossen Adolf Geck zu erwarten. Da hörte ich hinter mir meinen Namen nennen. Ich drehte mich um und sah zwei Grenzer, einen deutschen und einen schweizer. Ich fragte, was man von mir wünsche, und da sagte mir der deutsche Grenzer, daß er seinem Kollegen eben erzählt habe, daß ich vor eintger Zeit in Singen in den Etzwyler Zug umgestiegen sei, da habe ihm der dortige Gendarm gesagt:„Das ist der B., der die sozialdemokratischen Sachen be⸗ sorgt, den sollte man festnehmen, aber mir fährt er wohl davon.“ Auch diesem Braven sei es noch gedankt. N Heute natürlich, nach überstandener Gefahr, so schließt Gen. Belli seine Feldpost⸗Abenteuer⸗ Erzählungen, bleiben in der Erinnerung die heiteren Momente haften— die oben angeführ⸗ ten sind natürlich nur eine Auslese— in der Regel waren es harte, schwere Stunden, wie sich die Genossen wohl selber sagen können. 4* 5 Unterhaltungs-Cril. 2—— 05 Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. 50(Fortsetzung.) Frühmorgens erwachend, fühlte er sich er⸗ frischter, gestärkter, und als er im Scheine der Morgensonne die Situation überdachte, kam sie ihm schon viel weniger desperat vor; ja, zuletzt begann sogar schüchtern, aber süß, die Hoffnung sich wieder zu regen. Er freute sich, daß er seinem Vater noch acht Tage Zeit abgewonnen und war sich dessen als einer Art von Tat be⸗ wußt. In acht Tagen— was konnte da nicht alles geschehen! Welche Auskunftsmittel konnten ihm da nicht einfallen!— Für sich war er entschlossen. Das Gesicht der Bäbe, wie er es zuletzt gesehen, glänzte wieder so wunderschön vor seiner Seele— von ihr zu lassen, konnte ihm nicht einen Augenblick in Gedanken kommen! Er wollte das auch seinem Vater sagen, wenn's not tat— nur jetzt nicht. Jetzt wollte er eben warten und das Glück der achttägigen Frist auch wirklich benützen. Er wollte sinnen und denken, wie er möglicher⸗ weise am besten und leichtesten zu seinem Zwecke und zunächst um die Sibylle herumkomme. Zwei Tage sann er nach und kein Gedanke bot sich ihm dar, welcher brauchbar gewesen wäre. Endlich hatte er einen Einfall— augen⸗ scheinlich den besten, den er haben konnte und den er auch ohne weiteres ins Werk setzen mußte. Er wollte mit der Bäbe eine Zwiesprach halten, ihr wollte er alles entdecken, wie es stand— und ste sollte ihm raten, was nun zu tun sei. — Dieser Gedanke mehrte das Vertrauen, das ihn wieder zu beleben angefangen hatte, mit einemal um das Doppelte. Die Bäbe, die in verschiedenen Diensten herumgekommen, die sogar in Ulm gewesen war, die überhaupt aussah, als ob sie durch nichts in Verlegenheit gebracht werden könnte— sie mußte eine Auskunft wissen. Er überlegte, an welchem Tage, zu welcher Tageszeit er sie sprechen könne, ohne daß es jemand sah und sie störte, und kam endlich mit sich überein, sie für den nächsten Sonntag abends zu sich in seinen Garten einzuladen. Sonntag abends war der Alte regelmäßig im Wirtshaus, der Kaspar trieb sich mit seinen Kameraden herum und die Walpurg benützte seht häufig die Gelegenheit, mit einer Bäuerin, die einige hundert Schritte weiter ihren Hof hatte, auf der Hausbank zu schwätzen. Der Garten ging wie die meisten dörflichen auf's Feld hinaus, chatte eine Hecke und neben alten Obsteäumen eine zu dichtem Buschwerk verwilderte Laube, hinter der man sich wohl verbergen konnte, falls auch eines auf dem Feldweg vorbeiging, das über die Hecke sah. Gegen die Gasse schützte das eigene Haus und der Stadel des Nachbars, nebst einer kurzen, aber hohen Mauer, die beide verband. Es war freilich hier nicht vollkommen sicher, möglicherweise konnte man ste doch sehen — aber das mußte eben riskiert werden!— Den Eingang konnte die Bäbe vom Felde aus durch ein zerrissenes Eck der Hecke nehmen, das man glücklicherweise noch nicht ausgebessert hatte; und sie mußte eben so gescheit sein und nur hineingehen, wenn niemand um den Weg war! Als er sich das alles ausgedacht hatte, und lebhaft vorstellte, wie's gut ging, war er ordent⸗ lich erheitert. Er wollte sich um nichts kümmern, bis er mit Bäbe gesprochen hatte; denn am Ende— wurde es anders, wenn er sich ab⸗ sorgte? Als er mit seinen Leuten zu Mittag aß, betrachtete ihn die Walpurg und dachte: er hat sich dreingefunden. Und der Vater sagte sich im stillen: der Humor scheint ihm zu kommen. Laut sagte er nichts; denn er hatte dem Sohne acht Tage Frist gegeben, und die sollte er un⸗ gestört haben, bis zur letzten Stunde. Dann wollte er schon mit ihm abrechnen.— Tobias hatte zunächst die Einladung zu machen. Diese ging nicht wohl ohne eine vor⸗ läufige Aufklärung der Bäbe über den Stand der Dinge, also nicht ohne ein kleines Gespräch bei irgend einer Begegnung, und das war jetzt in keiner Art ratsam. In der Not, in welche ihn diese Frage verstrickte, hatte er eine Idee, auf die bis jetzt noch kein Liebender im Dorfe geraten war: er setzte sich in seiner Kammer hin, schrieb mit Bleistift nieder, was er der Geliebten zu sagen hatte, ging dieser in der Abendstunde zu Gefallen und drückte ihr im Vorbeigehen nach leichtem Gruße das Briefchen in die Hand. Die Bäbe nahm es, ohne über⸗ rascht zu sein und ohne sich etwas merken zu lassen. So gut wußte sie sich in allen Ver⸗ hältnissen zu benehmen. Wie sie zu Hause das Schreiben las, geriet sie doch in große Aufregung. Solche Gefahr drohte ihrer Liebe? Der Tobias sollte ge⸗ zwungen werden, eine andere zu heiraten? Und die Sibylle, die letzte von den Mädchen im Dorfe—diese Sibylle sollte den lieben Menschen haben? Da wollte ste doch erst sehen, ob man ihr nehmen könnte, was ihr gehörte von Gott und Rechts wegen! Daß Tobias ihr geschrieben und sie zu einer geheimen Unterredung einlud, freute sie herzinnig. Sie hatte schon vernommen, daß er nicht gerade der Herzhafteste sei und sich aus Gutmütigkeit manches gefallen lasse, was andere zum Beißen und Kratzen brächte: um so mehr schmeichelte ihr die Entschlossenheit, um ihretwillen etwas zu wagen und dem Vater sich entgegenzustellen. Die Gefahr, das treue Herz zu verlieren, machte ihr ihn nochmal so teuer— und als sie am andern Tage wieder an ihm vorüberging, sagte ste nach dem lauten, gewöhnlichklingenden Guten⸗ tag, mit gedämpft entschlossener Stimme:„Ich komm'!“ 7 Dies war am Samstag. Der Sonntag brach herrlich an und versprach das schönste Juniwetter. Am Freitag hatte nicht nur„a kloes Regale“ die Wünsche der Landleute er⸗ füllt, sondern ein echter Landregen, der abends begann und die Nacht durchwährte, sie über⸗ troffen. Nachdem am Samstag bei aufgeklärtem Himmel die Trocknung begonnen hatte, war am Sonntag von den Wirkungen des Ergusses nichts mehr übrig als die Staublostgkeit und die allgemeine Frische der Natur. Die Vögel sangen mit Jubel, und die Landleute grüßten sich mit jenen halbfeierlichen, tiefzufriedenen Mienen, die ihnen am heiligen Tage eigen sind, wenn die Sonne scheint und der Stand der Saaten eine ergiebige Ernte verheißt. Tobias war in guter, ja heiterer Stimm⸗ ung. Das allgemeine Vergnügen der Natur und der Menschen wirkte magtsch auf ihn, und eine Hoffnung belebte sein Herz, die zur förm⸗ lichen Zuversicht wurde. Des Abends ging alles nach Wunsch. Man aß früher als ge⸗ wöhnlich, und Kaspar eilte sogleich hinweg. 9—. —. ——-—.— 7 Nr. 44. Mitteldentsche Sonnta,„Zeitung. Seite 7. Als die Walpurg mit dem Geschirr in der Küche gegangen war, sah der Alte den Erstge- borenen mit einem Lächeln an und sagte: „Nun, gehst du nicht ins Wirtshaus?“ Tobias, die Frage verstehend, zeigte sich der Situation gerecht und erwiderte mit einem täusch⸗ end schlauen Ausdruck:„Vorderhand nicht; ich hab' erst noch ein Geschäft abzumachen.“ Der Vater, der nichts anderes denken konnte, als daß er sich bei dem Weber das Jawort holen wollte, meinte mit freundlichem Gesicht:„So, so!“— Nach einer Pause setzte er hinzu:„Nun, ich wünsch' viel Glück!“, und verließ behaglich das Haus. Die Walpurg folgte ihm, nachdem sie noch den Kühen etwas aufgesteckt hatte, wenige Minuten später— und Tobias war allein. In der Einsamkeit überkam ihn ein wunder- sames Gefühl. Es begann in ihm zu beben, erst leise dann stärker; aber dieses Beben hatte etwas Süßes, das Bangen vor dem Unternehmen war gepaart mit der Lust der Heimlichkeit und mit dem Reize der lieblichen Erwartung. Er hätte ordentlich noch länger so dasitzen mögen! Doch die Zeit war gekommen, er mußte der Geliebten den Weg bereiten; mit sachten Tritten begab er sich in den Hof und von hier in den Garten. Möglichst unbefangen ging er zu der schadhaften Stelle der Hecke, machte sich durch Knicken und Zurechtbiegen hindernder Aeste zum Eingehen noch etwas bequemer und kehrte zurück, um sich hinter die Laube zu stellen. Und in kurzem vernahm er ein feines Geräusch; ein freudiger Schreck durchfuhr ihn; er lugte vor und sah die Bäbe leicht und rasch übers Gras, durch die Bäume herwandeln. Mit leisem Gruße, kurz Atem holend, stellte sie sich zu ihm. Die Bewegung, in die das Wagnis am hellen Tage auch ihr Gemüt ver⸗ setzt hatte, gab ihr eine feine Röte und ließ ihr ganzes Wesen ätherischer erscheinen— Tobias war von ihrer Schönheit ordentlich geblendet. Sie reichte ihm zärtlich lächelnd die Hand, er drückte sie, die Augen beider erglänzten— halb zog sie ihn, halb ank er hin— und auf ein⸗ mal hingen sie im ersten, brennenden Liebeskuß zusammen. Ach, so ein Kuß, im Augenblick des innigsten Verlangens gegeben und een, ist sicher das höchste Glück, das den Sterblichen auf Erden vergönnt ist, und wenn auch nur von der Dauer eines Blitzes, dennoch wert, daß alles dafür gewagt und alles dafür erduldet werde! Glas-, Porze lan- und rh. Posten bedeutend billiger, Steingutwaren empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen Lang& Wiederstein Gießen Telephon 394. Marktstraße 4 Tobias, die Geliebte betrachtend, die im hübschen Sonntagskleid wunderbar vor der grünen Laube stand, rief in tiefgefühltem Flüster⸗ kon:„O Bäbe, wie kann man dich mir nicht lassen wollen? Geld und Gut ist ja gar nichts gegen das Glück, so ein Weib zu haben!“ Geschmetchelt,. entgegnete das Mädchen: „Ja, so redst du, Tobias; aber die Leut' sehen bas ganz anders au, und die Leut'—“ „Die Leut',“ fiel Toblas mit einer Art von Geringschätzung ein,„was gehen mich die Leut' an? Ich hinder' ihnen nicht, was sie wollen, und sie sollen mir nicht hindern, was ich will! Und ich will einmal dich, Bäbe, und keine andere!“ Die Bäbe erwiderte diese Worte mit einem süßen Blicke und einem unmerklich wehmütigen Zuge um den Mund.„Du guter Tobias,“ sprach sie und faßte seine beiden Hände. Tobias geriet über diese Liebe ganz außer sich, und indem er sie fest ansah, rief er: „Mädle, ich laß dich nicht! Weiß Gott, ich laß dich nicht! Mag mein Vater aufangen, was er will— er kennt mich nicht! Ich bin freilich ein guter Mensch und geb' lang nach; aber auf einmal, da—“ Er konnte den Satz nicht vollenden. Ein Getöse, wie von einem Schlage oder Stoße, vom Hofe her, war in sein Ohr gedrungen, er 155 zusammen und horchte mit dem ebenfalls etroffenen Mädchen in atemloser Spannung. Plötzlich richtete er sich auf, bedeutete der Bäbe still zu bleiben und ging klopfenden Herz⸗ ens, aber die Unruhe bezwingend und für den Vater, wenn er ihm entgegenkam, auf eine gute Ausrede sinnend, vor gegen den Hof. Im Garten sah er niemand. Ermutigt trat er zu der Tür, die in den Hof ging, öffnete sie und er— blickte auf der Gasse den Kaspar, just bevor er hinter dem Hause verschwand. Hatte dieser ste gesehen und wollte sie verraten?— Es konnte nicht sein. Er war nur im Hofe, nicht im Garten gewesen— und wie 1 80 er sie hinter dem Gebüsch wahrnehmen können? Offenbar hatte er uur etwas vergessen gehabt, was ihm öfters passtert war, und suchte jetzt wieder die Kameraden auf. (Fortsetzung folgt.) Humoristisches. Drucksehlerteusel. Ein vogtländisches Provinz⸗ blättchen schrieb über den Einzug des Jufanterle-Regl⸗ Prima fette Harzkäse versendet frko, u. Gal Nachnahme, 100 Stück Mk. 3,80. Fr. Vollborn, Käserei, Clingen bei Greußen. Empfehle la. Kornbrod sowle Grahambrödchen als Spezialität. L. Müller Hüte und Itklützen! Unterkalte darin ein großes Anger in guter Jolare zu billigen Preisen. Aparte Ueuheiten! Budolf Vichter, Gießen Hutmacher. Tasse Milch ohne Zusatz von einem Teelöffel„ erhalten. Tausende von Müttern „Maizena“ groß und kräftig gemacht. die es schon gebraucht haben. Marktstraße 26. 0 sollten nie⸗ Malzena“ haben ihre Babies mit Man befrage alle, Gießen, Bahnhofstraße 61. cugl g Beupaneg: Betten als; Bettstelle Matratzen ö Deckbett 2 Kissen Mk. 45.— wobel für vollständige neue u. reine Füllung garantiert wird. U. Gebr. Weil Neustadt 10. 2 Brlpicp! Kinder mals ihre 0 Spozialgeschäff chen- u. Wecker-CUhren, Uhrketten Seltersweg 46. 4 Zur bedorstehenden Salson bringe mein großes Lager von Jrischen-, Dauerbrand-, Amerikaner, Regulierheis-, Hoch-, Hopew- und Darmslädler-Gesen ments Nr. 184 in Plauen:„Das Gepäck und die Kourage wurden dem Regiment in die neue Garnlson nachgefahren.“ Die Achtungs verletzung. Eine wahre Ballade. Thymian, zu Danzig, war Gefreiter, Treu und elfrig tat er seine Pflicht. Diese Ansicht trilbte aber lelder Seine Stellung vor das Krlegsgericht. War er anfangs auch von guten Sitten, Zeigte später sich das Gegentell, Als er nämlich kürzlich wundgerktten Einen viel zitterten Körperteil. Seinen Kameraden ihn zu zeigen Hlelt er für'ne große Heldentat. Durch das Fenster hlelt er d'rum Seinen wohlgeformten a(2) Stand und Anstand also grob verletzt er, Dennoch wäre welter nichts geschehen, Hätte ulcht elu strenger Vorgesetzter Daß bewundernswerte Bild gesehen. Jener hat es gleich auf sich bezogen, Und er schrie daher fuchsteufelwild.: „Dieses Bild bedeutet ungelogen Eine Bitte, die man nie erfüllt! Solche Schmach gefallen zu gelassen Braucht sich aber keln Soldate nicht. Deshalb wird man Olch jetzt eklig fassen, Vor dem sehr gestrengen Kriegsgericht!“ Zitternd stand alsbald der arme Thym, an vor dem Gericht und seufzte schwer. Doch man fand, daß jener pantomim sche Prozeß durchaus nicht strafbar wär', Frelgesprochen ward der Missetäter. — Diesem Urtell bin ich gar nicht hold, Denn es wäre peinlich, wenn ein Jeder Sich daran ein Belspiel nehmen wollt'! K. E. im„Ulk“. Geschichtskalender. 1. November. 1637: Verfassungsbruch Ernst August's von Hannover. 2. 1901: Oesterrelchlscher Parteltag in Wien. 3. 1902: Klckert, frelsinniger Parlamentarler, f. 1901: Schoenlank's Beerdigung in Lelpzig. 1848; Robert Blum und Fröbel in Wien verhaftet. 4. 1896: Me. Kinley zum Präsidenten der Ver⸗ einigten Staaten gewählt. 1847; Mendelsohn⸗Bartholdg, Komponist,., 5. 1901: Frankreich besetzt die kürk. Insel Lesbos. 1890: Nachwahl in Mainz und Gießen, 6. 1901: Sozial. Sleg bel den Berliner Stadt- verordnetenwahlen. 179: Herzog v. Orleans in Paris hingerichtet. 1771: Senefelder, Erfinder des Stein⸗ drucks, in Prag,“, wie eigen!— für Curl Geismar, Uhrmacher lessen Seltersweg 46. in dlversen Fabrikaten, ferner: Osenschirme, Ofen vorsetzer, Verdampfschalen, Feuergercte⸗ ständer, Kohleufüller u. ⸗Kasten, Kohleulössel, Stochessen, Asch⸗ und Mülleimer usw., in empfehlende Erinnerung, Auch habe eine Volldampf- Waschmaschine sowie Dr. Kleins Fleischsaftpressen zu verleihen. Ganz besonders mache auf den Vertrieb der patentlerten Schröders Lohlen- und Rälber-Haugapparate sowle Fensterfeststeller aufmerksam, Hochachtungs voll Edgar Borrmann Eisenhandlung, Haus- u. Küchengeräte. Feen Beinrich Doll, Giessen 60 7 Dadusburg 7 1 2 Papfer-Bandlung 9 U Buchbluderel Geschäftsbücher& Drucksachen 2 Elnrahmen von Bildern. SSS(eee — 2 7 ele 0 —— —— 3 2* —— K———— Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. No. 44. Ortskrankenkasse Friedberg. Wr Die statutengemäße General-Jerfammlunggz Julius Philipp koches bach. findet am Donnerstag, 12. November ds. Is., abends 8¼ Uhr im Ratskeller Paetows Gartensaal, hinteres Lokal, in Friedberg statt. Tagesordnung: 1. Die durch die Novelle vom 25. Mai 1903 be⸗ dingten Statutenänderungen. 2. Wahl der Revisoren für die Rechnung 1903. 3. Verschiedenes. Die Herren Vertreter werden gebeten, vollzählig zu erscheinen. Carl Damm, 1. Vorsitzender. 1 ür Mfagenleidende Allen denen, die sich durch Erkäktung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaultcher, 2 heißer oder zu kalter Speisen. oder durch unregelmäßige ebenswetse ein genletden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleiemnug n 9 Uhren der schweizer Uhrmacher- Genossenschaft. e 10 * uAhrmaeher Giessen, Bahnhofstr. 50. Reichhaltiges Lager aller Sorten Tuschentelin-en Nauseeleea-en 0 Necher Goldwaren Optische Waren. Brillen u. Zwicker nach ärztlicher Vorschrift. Eigene Reparaturwerkstätte. Reelle, mehrjährige Garantie. de ezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen esfen„ eilsame Wirrungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. st dies das bekaunte Verdauungs- und 1 Blutreiuigungsmittel, der Hubert Ulrich“ be Kräuter-Wein. 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Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaullchkeit, verleiht dem Verbauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. 5 12 baften Zustandes oer Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowte häuftgen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, stechen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen schen Impuls. Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernä ut g regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven nnd schafft dem Kranken neue Krätte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. 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