8. — * ohen asch. press. ————ͤ-ĩX——— e eee eee ee eee N ——— — 1 Gießen, den 1. März 1903. 10. Juhrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche kit Nedaktionsschluß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbrlefträger entgegen.(G.⸗Z.⸗K. 5107) 33 ¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Junserate 2 Die ö5gespalt. Bei mindestens Der Internationalismus der Sozialdemokratie. Internationalismus ist nicht Vaterlands⸗ losigkeit. Man kann sein Vaterland sehr lieb haben und dabei doch sehr gut international sein. Ja, ich möchte sogar behaupten, daß, je mehr man sein Vaterland liebt, desto mehr wird man auch die anderen Völker achten. Nicht als ob wir die großen Unterschiede, die in Kultur und Lebensanschauung, Charakter und Lebensart zwischen den einzelnen Völkern bestehen, nicht wahr haben wollten. Sozialismus ist Wissenschaft und als solche wird er nie daran denken, Tatsachen zu leugnen. Auch ist es keineswegs unser Bestreben, diese Verschieden⸗ heiten beseitigen zu wollen. Ebenso wenig, wie der Sozialismus„teilen“, das heitzt das Privat- vermögen aller Menschen auf Heller und Pfennig gleich machen will, ebenso wenig hat er auch im Sinn, den Italienern etwa abzugewöhnen, Polenta und Maccheroni zu essen oder den Deutschen etwa ihre Vorliebe für Kartoffeln zu nehmen.„Gleichmachen“ möchte er beide nur darin, daß er dafür Sorge tragen will, beide Völker in den Stand zu setzen, sich mit kräftigeren Nahrungsmitteln, wie Fleisch usw. zu nähren. Der Sozialismus erkennt an, daß es natürliche Verschiedenheiten zwischen den Völkern giebt und will auch die Grenzen nicht vernichten. Aber er erkennt nicht an, daß diese natürlichen Verschiedenheiten zu gegenseitigem Haß und zu mörderischem Blutvergießen ausarten müssen und will, daß jedes Volk und jeder Volksstamm das unveräußerliche Recht haben soll, seine Zugehörigkeit zu diesem oder jenem Land selbst freiwillig zu bestimmen und verabscheut deshalb alle Belagerungszustände und Germanisationen der Welt. Ist der allgemeine Friede eine Utopie 9) 2 Vorderhand vielleicht ja, weil wir immer noch im Zeitalter des Kapitalismus leben und es ab und zu immer wieder sich ergeben kann, daß es im Interesse der herrschenden Klassen dieses oder jenes Landes liegt, sich im Krieg materielle Beute und ideellen Ruhm zu holen, indem sie mit der erzwungenen Stärke der das Heer ausmachenden, Gemeinen“ den Konkurrenten des anderen Landes totschlagen lassen und sich aus dem Tode ungezählter Proletarter, die einer Marotte oder eines Verbrechens der herrschenden Klasse zu Liebe sich hatten totschlagen lassen müssen, sich selbst den Heiligenschein aneignen, dessen sie bedürfen, um den Dummköpfen Sand in die Augen zu streuen und sich als der„Retter des Vaterlandes“ aufspielen zu können. Aber an und für sich ist der„ewige Friede“ keine Utopie. Denkt doch einmal nach! Im Mittelalter be⸗ fehdeten sich die einzelnen Städte, ja, die ein⸗ zelnen Burgen der Ritter mit Feuer und Schwert, und der Haß zwischen Oberschwaben und Unterschwaben im schwäbischen Städtekrieg am Ende des 14. Jahrhunderts oder der zwischen den Nachbarstaaten der„freundvetterlichen“ Duodezherrscher von Lothringen und der Pfalz im sogenannten Wildfangsrechtkriege 1668 mag vielleicht nicht schwächer gewesen sein als der künstlich entzündete Haß zwischen Franzosen und Deutschen im Jahre 1870. Noch 1866 ) Utopie= soviel wie Phantaste; erträumter, uner⸗ reichbarer Zustand. haben Preußen mit Badensern, Hessen und Bayern usw. blutig gekämpft. Wer würde ein solches Gemetzel heute noch für möglich halten? Die Geschichte lehrt uns aber, daß schon manche „Utopien“ sich verwirklicht haben, und, wenn man tiefer in ste hineinschaut, so stieht man auch, daß die sich feindlich gegenüberstehenden Verbände der Zahl nach immer kleiner und der Ausdehnung nach immer größer werden. Die Periode der„Städtekriege“ ist endgiltig überwunden. Mit fortschreitender sozialistischer Weltdurchdringung werden auch die kontinen⸗ talen Kriege verschwinden, und in den Geschichts⸗ büchern unserer Enkelkinder wird man von ihnen reden wie von völlig unbegreiflichen Taten einer Horde von Kannibalen. Aber nicht nur die Ideen der Humanität, nicht nur das liebevolle Verstehen anderer Nationen und ihrer Eigenarten, nicht nur der Wunsch in lebhaftem Gedankenaustausch mit ihnen sich intellektuell zu bereichern, haben den Sozialismus zu einem internationalen ge⸗ macht, sondern auch ein historisches Bedürfnis und eine volkswirtschaftliche Einsicht. Der Sozialismus ist die Partei des Proletariats, das heißt aller Darbenden an Geld und an Bildung. Das Proletariat aber und seine Leiden sind auf kein Land beschränkt, sondern überall, wo es Kapitalisten giebt, da giebt es auch ein Proletariat. Das historische Bedürfnis aber sagt den Proletariern: seid international, verbrüdert euch miteinander und schließt die Reihen, denn eure— nicht immer persönlichen, stets aber politisch⸗sozialen— Widersacher, die sitzen nicht im Auslande, sondern auf Tronen und Meinistersesseln, Reichstagsbäuken und Fabrikan⸗ tenstühlen aller Länder, einschließlich des eurigen. Eure Löhne werden nicht gedrückt, die Berech⸗ tigung zur Bildung euch nicht entzogen durch die bösen Ausländer, sondern durch die Inter⸗ essenwirtschaft der besitzenden Klassen in eurem eigenen Lande. Gegen diese kämpft an, ge⸗ meinsam, ohne Unterschied der Rasse und des Geschlechts, der Sprache und der Religion, kämpft mit anständigen, der Kultur des Zeit⸗ alters entsprechenden Waffen, aber kämpft un⸗ aufhörlich, bis ihr den Sieg errungen! Das Bedürfnis aber ist historisch, d. h. geschichtlich geworden, weil auch eure überall, in Deutsch⸗ land wie in Bulgarien, in Italien wie in Dänemark, in Rußland wie in Amerika in den Grundzügen gleiche Lage überall eben durch die Geschichte eine gleiche geworden ist. Die volkswirtschaftliche Elnsicht aber zeigt uns, daß der Krieg nur dazu dient, den Militarismus und mit ihm die besitzenden Klassen zu fördern, Gewalt auch im eigenen Lande vor Recht zu setzen und einen Polizaistaat großzuzüchten, der das arbeitende Volk, wo er nur kann, bevor⸗ mundet und drückt. Die volkswirtschaftliche Einsicht sagt uns aber auch, daß die Befreiung des deutschen Proletariats gar nicht geschehen kann, ohne daß gleichzeitig das Proletariat aller anderen, auf derselben Kulturstufe stehenden Nationen ebenfalls seine Emanzipation durch⸗ setzt. Eine sozialistische Gesellschaft auf ein Land allein beschränkt, ist nicht lebensfähig. Abgesehen davon, daß sie von den Bajonetten der Nachbarmonarchien sofort angegriffen und niedergeschmettert werden würde, wäre auch eine Regelung von Produktion und Konsumtion, wie wir sie erstreben, nicht in genügendem Maße durchzuführen, wenn die Grenzen jeden Augenblick geschlossen werden köunten. Es sind also sehr gewichtige Gründe viel⸗ fältigster Art— und alle habe ich sie hier noch nicht einmal nennen können— welche die Sozialdemokratie zu einer internationalen Er⸗ scheinung machen und ihre unbedingte inter⸗ nationale Solidarität bedingen. Ueberall, wo organisierte Arbeiter verschiedener Nationen an gleichen Orten zusammen gearbeitet haben, da haben sie in einer kompakten Masse zusammen⸗ gestanden. Aber wir Sozialisten sind nicht nur inter⸗ national. Wir sind auch national, ja, wir sind diejenigen unter allen Deutschen, die ihr Volk am meisten lieben. Denn das Vaterland besteht nicht so sehr in einem bischen Erde, geschweige denn in einem Geschichtswälzer oder einer bunten Fahne. Das Vaterland ist menschliches Fleisch und Blut, und das Glück des Volkes steht höher als die sogenannte Machtentfaltung des Staates nach außen. Für das Glück des Volkes aber, nicht nur des sozialdemokratisch denkenden Teiles desselben kämpfen wir. Der Sozialismus ist ein Ziel der Menschheit, nicht das Ziel einer Sekte. Dr. Robert Michels. Zu den Reichstagswahlen. II Den Konservativen, deren Bestrebungen wir in der letzten Nummer kurz schilderten, sehr nahe verwandt ist der Bund der Landwirte. Dieser stellt keine eigentliche politische Partei dar; die— allerdings nur wenigen— Abge⸗ ordneten, die sich zu ihm zählen, befinden sich bei den anderen Fraktionen, meistens aber bei den Konservativen. Der Bund der Landwirte wurde in einer Versammlung von Grundbesitzern am 18. Februar 1893 im„Tivoli“ in Berlin gegründet und von da an nahm die Agrar⸗ bewegung einen bedeutenden Aufschwung. In seinen Forderungen legt der Bund der Landwirte das Hauptgewicht auf den sogenannten Schutz der Landwirtschaft, auf hohe Getreide, Vieh⸗ und sonstige Lebensmittelzölle. Die Förderung der agrarischen Interessen ist der ganze Inhalt seiner Politik; er nimmt bei seinen Forderungen keine Rücksicht darauf, ob die übrige, nichtagrarische Bevölkerung darunter leidet.— Anstoß zu Gründung des Bundes der Landwirte gab ein Aufruf des Gutspächters Ruprecht in Ransern bei Breslau, deu dieser im Dezember 1892 in der„Landw. Tierzucht“ erließ und in dem es u. a. hieß: f „Ich schlage nichts mehr und nichts weniger vor, als daß wir unter die Sozial⸗ demokraten gehen und ernstlich gegen die Regierung Front machen... Wir müsse! aufhören zu klagen, wir müssen schreten! .. Darum müssen wir aufhören, liberal, ultramontan oder konservativ zu sein und zu wählen, vielmehr müssen wir uns zu einer einzigen großen agrarischen Partei zusam⸗ menschließen und dadurch mehr Einfluß auf die Parlamente und Gesetzgebung zu gewinnen eee Infolge dieses Aufrufs kam es zu der oben erwähnten Versammlung. Bisher hat der Bund noch selten eigene Kandidaten aufgestellt, 7 S. eee n — ———— 5— e——.——— 777VFFCFbCT0TTTTTTTTT r 5—.———— 2.— — Seite 2. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 9. er überließ dies den reakttonaren Parteien und setzte nur den Wettbewerbern die entschiedene Frage auf die Brust, wie weit sie als Ab⸗ geordnete die Bundesforderungen zu vertreten gedenken. Diesmal dürfte es wohl auders kommen; sicher werden zahlreiche Bundes⸗ kandidaten aufgestellt werden. Die bündlerischen Stimmen dürften in vielen Wahlkreisen ent⸗ scheidend ins Gewicht fallen. 5 Der Bauernbund ist eine mittel⸗ und kleinbäuerliche Abart des Bundes der Land⸗ wirte, der hauptsächlich in Bayern seinen Sitz hat. In den Forderungen für den Schutz der Landwirtschaft unterscheidet er sich kaum von dem Bunde der Landwirte; aber er bestitzt ausgesprochene partikularistische Tendenzen und eine starke Gegnerschaft gegen den Adel und namentlich gegen das preußische Junkertum dessen Bestrebungen ihm verhaßt sind. Ent⸗ sprechend den Interessen der Schichten, aus denen er sich rekrutiert, ist er etwas demo⸗ kratisch und wenn auch nur ein lauer Anhänger des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts, der Preß⸗, Vereins⸗ und Ver⸗ sammlungsfreiheit, jedoch ein Gegner der Koalitionsfreiheit. Seine Anhängerschaft im deutschen Reichstag ist sehr gering; sie unter⸗ scheidet sich hauptsächlich von dem ihnen am nächsten stehenden Zentrum durch schärfere Betonung der agrarischen Forderungen und geringere Sympathie für Militär und Flotten⸗ bewilligungen. Die Wahlbewegung. Wie unserm Frankfurter Parteiblatt mitgeteilt wurde, wollen die dortigen Demo⸗ kraten im Verein mit den Freisinnigen den Stadtverordneten Dr. Rößler aufzustellen. Man glaubt auf demokratischer Seite, daß auch die Nationalliberalen diese Kandidatur unter⸗ stützen werden. Rößler ist einer der angesehensten Demokraten, und es wäre in seinem Interesse zu bedauern, wenn er sich als Mischmaschkandidat hergäbe. Die Wahl unseres Genossen Schmidt dürfte in Frankfurt doch ziemlich sicher sein. * Im Wahlkreise Hanau⸗Gelnhausen wollen die Konservativen und Nationalliberalen als gemeinsamen Kandidaten den Amtsrichter Lucas in Langenselbold aufftellen. Dort siegte 1898 unser Genosse Hoch mit 12692 Stimmen im ersten Wahlgange, während sämtliche Gegner zusammen nur 10325 Stimmen erhielten. Der konservativ⸗nationalliberale Herr Amtsrichter wird natürlich einen kolossalen Reinfall erleben. * Der jetzige Vertreter des Wahlkreises Kassel, der Sanitätsrat Endemann(natl.) hat eine Wiederwahl abgelehnt. Die Antisemiten haben den Amtsrichter Lattmann als Kan⸗ didaten aufgestellt. Für diese Kandidatur wollen sie auch die Konservativen und Bündler ge⸗ winnen und kuhhandeln deswegen mit ihnen. Für unsern Kandidaten Thiel(er sitzt gegen⸗ wärtig im Gefängnis) sind die Aussichten in diesem Kreise sehr günstige. * Unsere sächsischen Genossen haben den Aufmarsch für den Wahlkampf vollendet. In sämtlichen 23 Wahlkreisen des Königreich Sachsen sind die sozialdemokratischen Kandidaten auf⸗ gestellt. Am 15. März findet die sächs. Landes⸗ konferenz statt, wobei alles noch für den Wahl⸗ kampf Nötige erledigt werden wird. politische Rundschau. Gießen, den 27. Februar. Ueber ein Wahlkartell der Brotwucherparteien konnte unser Zentral- organ kürzlich berichten. Die Beteiligten Konservative, Nationalliberale und Zentrums⸗ leute versuchten mit sehr verdächtigem Eifer abzuleugnen, daß eine solche Abmachung ge⸗ plant sel. Der„Vorw.“ antwortete aber dem nationalliberalen Organ: Die Nationalliberale Korkespondenz weit sehr gut, daß die von uns mitgeteilten Einzel⸗ 15 aus dem nationalliberalen Kartellplan ie nahezu wörtliche Wiedergabe des vom Vorstand resp. im Zentralbureau der nationalliberalen Partei letzthin ausgearbeiteten Entwurfs ist. Wir fordern die nationalliberale Korre⸗ spondenz auf, diese Behauptung klipp und klar abzuleugnen. Noch bestreiten die Blätter der Zollräuber die Mitteilungen des Vorwärts, da kommt aus Sachsen die Nachricht, daß der Ausschuß der nationalliberalen Partei des Königreichs Sachsen mit allen gegen eine Stimme beschloß, das Kartell mit den Kouservattven, Anti⸗ semiten und dem Bund der Landwirte abzuschließen. Doch soll sich dasselbe nur auf die Reichstagswahlen beschränken. Nun also. Demnach werden sich nationalliberale Börsenjuden und antisemitische Judenfresser, Ueberagrarier, Industriekapitalisten, Mittelstands⸗ leute vereinigen, um getreu dem im„Vorwärts“ längst veröffentlichten Geheimplane gemeiusam gegen die Sozialdemokratie zu kämpfen. Nun desto besser für uns; das Kampffeld ist so viel besser zu überblicken, und wir werden dafür sorgen, daß die Erfolge der Kartellbrüder nicht so dick ausfallen. Ueber die Bedeutung des Kartells hat, wie der Vorwärts weiter mitteilt, ein nicht wieder kandidierender Zentrums führer, der von dem Kartell nichts wissen will, sich wie folgt geäußert: „Wenn es denn Angehörigen dieser Politik der Sammlung, dieser Neuauflage des Kartells, gelingen sollte, für sich die Mehrheit in dem neuen Reichstag zu erlangen, so sei es um das gleiche, allgemeine Wahlrecht geschehen. Das Gesetz über die Abänderung des Wahlrechts zum Reichstage liege schon seit dem vorigen Sommer fertig ausgearbeitet da und es unterliege gar keinem Zweifel, daß es dem Reichstage vorgelegt werde, sobald ein be⸗ willigungslustiger Reichstag vorhanden sei. Ebenso werde von einem solchen Reichstage unser Vereins⸗ und Versammlungsrecht abge⸗ ändert und eingeschränkt werden. Vorgeschoben würden als Ziel der Sammlungspolitik aller⸗ dings rein wirtschaftliche Interessen, der Schutz der nationalen Arbeit usw. das aber seien nur Phrasen, um den Wählern Sand in die Augen zu streuen.“ Antisemitische Wahlrechtsfeinde. Obwohl sich die Herren Antisemiten in den Volksversammlungen mit Vorliebe als Be⸗ schützer des Reichstags wahlrechts auf⸗ spielen, sind sie in dieser Beziehung höckst un⸗ sichere Kantonisten. So tobt der Führer der Leipziger Autisemiten, Th. Fritsch in seinem Monatsblättchen„Der Hammer“ gegen das Reichstagswahlrecht. In seinem Artikel:„Der Bankrott des Parlamentarismus“ heißt es da: „Darum muß diesem Parlaments-Unfug so bald und so gründlich als möglich ein Ende gemacht werden, wenn nicht Staat und Gesellschaft, wenn nicht Sitte und Kultur darüber zu Grunde gehen sollen. Derartige Parlamente gehören zu den Nährböden der Zuchtlosigkeit, zu den Mitteln der schlimmsten Demoralssation. Und welcher verständige Mann wollte diesem Reichstag eine Thräne nachweinen, wenn er für immer nach Hause geschickt würde?“ Daß sich die Spitze dieses Produktes gegen das Reichstagswahlrecht richtet, darüber kann kein Zweifel bestehen. Die Hetze des Herrn Th. Fritzsch ist aber eine ganze systematische, fast jede Nummer bringt Angriffe gegen das wichtigste Volksrecht. Das Treiben zeigt jedenfalls, daß auch die Antisemiten recht zweifelhafte Freunde des Reichstagswahlrechts sind. Zwar hat sich Liebermann von Sonneberg noch kürzlich für die Aufrechterhaltung des Reichstagswahlrechts ausgesprochen. Wenn aber seine nächsten politischen Freunde— zu denen Th. Fritzsch epört— sich in so ab⸗ fälliger Weise über den„Bankrott des Parla⸗ menkarismus“ äußern, so sieht das sehr ver⸗ bächtig aue.— Auch Böckel machte ahnliche wegwerfende Bemerkungen über den Reichstag. Dieser Mann, der vor zehn Jahren hier in Hessen als echter und rechter Volksstreiter auftrat, sich äußerst radikal gebärdete, wild gegen die Junker donnerte— er ist Hör ig er der Junker geworden, steht bei ihnen in Lohn und Brot nud muß natürlich auch deren herrschsüchtige und volksfeindliche Politik ver⸗ treten. So ändern sich die Zeiten! Religiöse Streitfragen wurden in der letzten Zeit recht lebhaft in der Presse erörtert. Vor einiger Zeit hat der Professor Delitzsch-Berlin einen Vortrag über „Babel und Bibel“ gehalten, in dem nach⸗ gewiesen wurde, daß der Inhalt der Bibel babylonischen Ursprungs ist. Auch der Kaiser wohnte dem Vortrage bei, was zu der Meinung veranlaßte, daß der Kaiser die freie Bihel⸗ forschung unterstütze. Schon liefen die Ortho— doxen dagegen Sturm— da wurde ein Brief des Kaisers veröffentlicht, der zu diesem Streit und dem Vortrage des Professors Stellung nimmt. Am Schlusse der umfangreichen Dar⸗ legung legt der Kaiser folgendes Glaubens⸗ bekenntnis ab: Ich glaube an Einen, Einigen Gott. Wir Menschen brauchen, um ihn zu leh⸗ 5 eine Form, zumal für unsere Kin⸗ e r. Nie war Religion ein Ergebnis der Wissenschaft, sondern ein Ausfluß des Herzens und Seins des Meuschen aus seinem Verkehr mit Gott. Es seien nur einige Punkte aus dem kaiser⸗ lichen Handschreiben herausgegriffen. Der Kal⸗ ser sagt im ersten Satze, er„glaube“ an einen Gott; im zweiten, daß dieser Gott„ge⸗ lehrt“ werden müsse. Es ist aber ein Unding, Glauben zu lehren. Nur Wissen kann ge⸗ lehrt werden. Nun meint der Kaiser: nie war Religon ein Ergebnis der Wissenschaft. Was folgt daraus? Daß Religion nicht gelehrt wer⸗ den kann, also auch in der Schule nichts zu suchen hat. Behauptung, daß man zur Lehre eine Form brauche,„zumal für unsere Kinder“. Was der Kaiser unter dem„Verkehr mit Gott“ versteht, vermögen wir nicht zu beurteilen, da wir einen solchen Verkehr noch nicht gehabt haben. Vernünftiger Vorschlag. Im oldenburgischen Landtage meinte der Abg. Grimm bei Besprechung der schlechten finanziellen Lage des Fürstentums Lübeck, der Großherzog könne recht wohl auf den auf das Fürstentum entfallenden Anteil seines Fürstengehalts so lange verzichten, bis die Lage des Ländchens sich gebessert habe. Für diesen vernünftigen und gutgemeinten Vorschlag wurde der Redner zur Ordnung gerufen. Warum denn das? Rücktritt des bayr. Ministerpräsidenten. Der bisherige bayrische Ministerpräsident v. Crailsheim hat seinen Abschied genommen und an seine Stelle ist der Kultus minsster v. Podewils getreten. Sein Rücktritt soll eine indirekte Folge des Swinemünder Kaisertele⸗ gramms sein. Soziales. Unternehmer ⸗Prosite. Der Aufsichtsrat der Pommerschen Prov.⸗Zuckersiederet wird der im März d. J. stattfindenden General⸗ versammlung für das Jahr 1902 vorschlagen, neben reichlichen Abschreibungen eine Dividende von 30 Prozent an die Aktionäre zu verteilen. Im vorigen Jahre konnten nur armselige 20 Prozent verteilt werden. Ferner wurde be⸗ schlossen, für die Beamten und Vorarbeiter eine 8 erheblich größere Grattfikation, als bisher zu reservieren, den erwachsenen männlichen Arbei- tern eine Extravergütung zu zahlen und dem Unterstützungs⸗ und Pensionsfonds, dem in den beiden letzten Jahren zirka 100000 Mark zu⸗ flossen, weitere zirka 73000 Mark zu über⸗ weisen.— Diese Fonds nützen dem Arhelter Damit erledigt sich zugleich die . —— T FFC... ͤ ˙» Nr. 9. Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung. Se lie g. verteufelt weuig und wie hoch die„Extraver— gütung“ an die männlichen Arbeiter sein wird, ist nicht gesagt. Es wird ein ganz magerer Brocken sein, der von dem Rlesenprofit für die Arbeiter abfällt. Im Allgemeinen denken die Herren Aktionäre aber gar nicht an die Arbeiter und wenn sie noch so hohe Dividende einsacken. So erhielten die Aktionäre der Varziner Papierfabrik einen netten Eatbehrungslohn. Die Generalversammlung der Fabrik genehmigte einstimmig den Abschluß für 1902 und setzte die Dividende auf 10 Prozent fest. Der Vor⸗ sitzende bemerkte bezüglich der Aussichten für das laufende Jahr, daß die Gesellschaft vollauf beschäftigt sei. Ob für dle Arbeiter auch etwas weiter abgefallen ist als niedrige Löhne, wird nicht berichtet. Staatsstreichgelüste in Holland. Der für die Arbeiter günstige Verlauf des neulichen Transport- und Eisenbahnarbeiter⸗ streiks liegt den holländischen Kapitalisten schwer im Magen. Der geschäftsführende Ausschuß der Kapitalistenklasse, die Regierung, plant da⸗ her ein Attentat auf das Streikrecht der Ar⸗ beiter und hat ein diesbezügliches Gesetz in der Kammer eingebracht. Unterdessen wird Militär zusammengezogen und man scheut fich nicht, einen argen Druck auf die Arbeiter auszuüben, um sie zum Austritt aus der Organisation zu bewegen. Auf verschiedenen Stationen läßt man das Personal Schriftstücke unterzeichnen, worin sie erklären, entrüstet zu sein über den letzten Streik und geloben, nie mehr streiken zu wollen. Es wird also hier bei der Erpressung von Unterschriften nach bekanntem deutschen Muster vorgegangen. Das interessauteste ist aber wohl, daß nach übereinstimmenden Mel⸗ dungen die zolländische Regierung zu ihrem Vorgehen durch Winke von außen, und zwar durch Winke von Deutschland, veranlaßt worden sei, wo man nicht ohne Beunruhigung den jüngsten Eisenbahnerstreik beobachtet hat und derlei schlechte Vorbilder“ nicht gern sich wiederholen sieht. Eine holländische Zeitung brachte sogar die Mitteilung:„Der deutsche Kaiser soll ein persönliches Schreiben an unsere Regierung gerichtet haben, worin er die Frage stellte, ob unsere Regierung dafür sorgen könne, daß der Briefverkehr aus Deutschland unge⸗ hindert vor sich gehen kann,„da der Kaiser sonst selbst mit einem Zug kommen würde.“ Verschiedene Truppenkommandanten haben be⸗ reits an ihre Soltes en Ansprachen gehalten, den„aufrührerischen Schreiern“ gegenüber ihre Pflicht zu tun, und wenn es wirklich so weit kommen sollte, daß einmal Feuer kommandiert wird, dann nicht in die Luft zu schießen. — Aber auch die Arbeiter rüsten sich, um dem Gewaltstreich zu begegnen. Wie bekannt wird, hat eine Versammlung der Vorstände der Ar⸗ beitervereinigungen, die 90000 Arbeiter vertreten, beschlossen, die Eisenbahnangestellten zu unterstützen, die in den Ausstand treten werden, falls von den Eisenbahn⸗Gesellschasten und der Regierung ein Angriff auf das Orga⸗ nisationsrecht der Arbeiter erfolgt. Vorläufig wollen die Führer der Arbeiter die Behandlung des Gesetzes in der Kammer abwarten, es ist aber möglich, daß die Gesellschaften zum An⸗ riff durch Aussperrung übergehen. l man in Deutschland sofort bereit wäre, in solchen Fällen das Kriegsheer gegen die Ar— beiter in Bewegung zu setzen, glauben wir gerne. Deutscher Reichstag. Eine Stöckerschlacht. Bei der Fortsetzung der großen sozlalpolitischen Debatte, die sich bei Beratung des Etats des Reichsamts des Innern entsponnen hatte, kam es am vorigen Mittwoch zu einer heftigen Auseinandersetzung unserer Genossen mit Stöcker. Der berühmte Hofprediger außer Diensten, Verfasser des Schelterhaufen⸗ Briefes, Erfinder der christlich⸗sozialen Bewegung usw. empfindet von Zeit zu Zeit ein unwiderstehliches Hautjucken, das ihn antreibt, sich an der Sozialdemokratie zu reiben. Daß er sich bei dieser Beschäftigung schon wiederholt einen Buckel voll moralischer Schläge geholt hat, scheint auf den teuren Gottesmann uicht kurlerend zu wirken. Vor fast genau zwei Jahren— 1901— wurde er im Reichstage öffentlich ausgepeitscht— natürlich im figür⸗ lichen Sinne; keine Hand erhob sich zu seinen Gunsten, nur Dr. Arendt, der Getaufte, machte einen schwachen Versuch, dem gezüchtigten Wahrheitsfreund Hilfe zu bringen. Die derbe Lektion wirkle für einige Zeit. Aber nicht für immer. Kaum sind die blutigen Strie⸗ men auf dem Buckel Luthers II. ein wenig vernarbt, als er auch wieder den Drang nach neuer„öffentlicher Betätigung“ empfindet. Der trotz aller scheinbaren Schläue plumpe Pfaffe, kann das Schnappen nach Wahlkreisen und Führerrollen nicht aufgeben und zog wieder auf Raub aus. Es ist ihm herzlich schlecht bekommen. Vor aller Welt ist jetzt festgestellt worden, daß Herr Stöcker, dessen Leichtfertigkeit im Ablegen von Elden gerichtsnotorisch ist, auf Grund des Zeugnisses von Lockspitzeln wie Normann⸗Schumann, dessen Spitzel⸗ Tätigkeit im Tausch⸗Prozesse unwiederleglich festgestellt wurde und der nach der Schweiz flüchtete, weil ihm Strafverfolgung wegen Majfestätsbeleldigung drohte. Geradeso wie beis der letzten Stöcker⸗Debatte vor zwei Jahren sprang Keiner aus der Junkerpartei dem ausrangirten Hofprediger direkt bei. Aber sie unter⸗ stützten ihn insofern, baß sie die groben Beschimpfungen, die er gegen die Sozialdemokratie vorbrachte, mit tosen⸗ den Beifall begleiteten. Unser Genosse Ledebour sagte dann auch der Rechten, es scheine, daß sie unter der Spitzel⸗Flagge des Normann⸗Schumann in den Wahl⸗ kampf ziehen wolle. Der Volke parteiler Lenzmann hielt dem Hofprediger ebenfalls noch eine Reihe Dinge vor, die letzteren in recht ungünstigen Lichte erscheinen lassen. Die sozialpolitische Debatte wurde nach der Stöcker⸗Affaire geschlossen; der Titel: Gehalt der Staats⸗ sekretärs war aber damit noch nicht erledigt, die Be⸗ ratung dieses Gegenstandes setzte sich vielmehr noch am Donnerstag fort, wo besonders die Merkwürdigkeiten der Theater⸗Censur von dem Freisinnigen Müller⸗ Meiningen in zutreffender Weise beleuchtet wurden. Meckleuburgische Schulzustände schilderte im Verlaufe der Freitagssitzung der soztaldemokratische Abg. Herzfeld. Der Reichstag war schlecht besetzt wie immer, wenn es sich nicht um einen agrarischen Beutezug handelt. Höherer Schwung kam erst in die Debatte, als der Titel „Reichskommission“ Anlaß zu einer angeregten bisweilen erregten Erörterung über die bekanntlich mehr als im Argen liegenden Schulverhältnisse in feudalen Lande des Ochsenwappens, d. h. in Mecklenburg, gab. Gen. Dr. Herzfeld, Vertreter des Wahlkrelses Rostock, war es wieder, der sich der Volksschulen und der Volks schul⸗ lehrer annahm, die nächst der Arbeiterklasse wohl am meisten unter den vorsinflutlichen Zuständen in jenem feudalen Junkerparadies zu leiden haben. Zweimal ergriff er das Wort, um an den blamablen Volks⸗ schulzuständen Mecklenburgs die Notwendigkeit eines Reichsschulgesetzes zu erweisen. Graf Posadowsky erhob den Kompetenzeinwand, der mit Recht so beliebt ist, wenn es gilt, Reformen zu vereiteln und die Besprechung von Mißständen zu verhindern. Mißstände in Kraukenhäusern. Am Montag bei dem Etat des Reichsgrund⸗ amts schilderte Genosse Antrick, so wie er es schon in vorhergehenden Jahren getan, die oft mlserablen Zustände, die in manchen Krankenhäusern herrschen, die ungenügende Ausbildung und noch schlechtere Be⸗ zahlung des Pflegepersonals, die nur zum Schein vor⸗ genommenen Revisionen wie die unzureichende Beauf⸗ sichtigung der Anstalten. In zweistündiger Rede brachte er eine große Fülle einzelner Beschwerden vor, unter anderm auch über die bereits in der Stadtverordneten⸗ versammlung selbst vom Magistrat zugestandenen und nur beschönigten Mängel der städtischen Krankenhäuser Berlins. Trotzdem hielt der greise Stadtverordneten⸗ vorsteher Dr. Langerhans(freis. Vp.) es für richtig, Antricks Anklagen als aus der Luft gegriffen zu bezeichnen. Singer frischte das Gedächtnis des Herrn Langerhans wieder auf. Das Umsichgreifen der Wurmkrankheiten und die in den Bergwerken herrschenden ungesunden, unsau⸗ beren Zustände geißelte Genosse Sachse und als Ver— teidiger tat sich der Schutzgeist des Kapitalismus, Minister Möller auf, der dabei noch durch den Berg⸗ werksbesitzer Hilbck(natl.) übertrumpft wurde. Viele Einzelheiten wurden bei der weiteren Debatte über das Reichgesundheitamt am Dienstag vorgebracht. Die Notwendigkeit energischere Maßnahmen als bisher gegen die in den Bürsten⸗ und Pinselfabriken, Roßhaar⸗ spinnereien und Gerbereien herrschenden Milzbrandin⸗ fektionen zu ergreifen, wurde von unserm Genossen Dr. Südekum in längeren Ansführungen nachgewiesen. Hoffmann⸗Hall von der süddeutschen Volkspartei pflichtete ihm bei, dagegen zeigte sich der nationalliberale Abgeord⸗ nete Wehl, der eine äußerst komisch wirkende Jungfern⸗ rede schwang, höchst besorgt um den Profit der leder⸗ gerbenden Unternehmer. ————ñ———ñ——ꝗœ—ͤ—ͤb Parteigenossen! Gedenket des Wahlfonds! Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. F Der Schriftgießerstreik in Frank⸗ furt und Offenbach wurde auf Grund beiderseitigen Entgegenkommens beendet. In den von beiden Teilen angenommenen Arbeits- bedingungen, die auf die Dauer von fünf Jahren vereinbart wurden, ist die Arbeitszeit auf 8½ Stunden festgesetzt, also um ½ Stunde verkürzt. Ferner hat eine Erhöhung des Mindest⸗ lohnsatzes von 25 Mk. auf 27.50 Mk. statt⸗ gefunden. Sobald die Vereinbarungen unter⸗ zeichnet sind, sollen die Werkstellen allen früheren Arbeitern wieder geöffnet sein. Die von den Gehilfen geforderte Festlegung einer Lehrlings⸗ skala, nach der die Zahl der einzustellenden Lehrlinge im Verhältnis zur Zahl der beschäf⸗ tigten Gehilfen besttmmt werden soll, wurde abgelehnt. Immerhin hat der Kampf, an dem zirka 400 Manu beteiligt waren, einen für die Arbeiter günstigen Verlauf genommen. Bei Beginn der Differenzen glaubte auch das Gießener Amtsblatt gegen die Gehilfen hetzen zu müssen, indem es die Lohnlisten der Arbeiter veröffentlichte. Damit sollte dargetan werden, welch' gute Löhne die Schriftgießer verdienten. Warum hat das Blatt nicht zu gleicher Zeit die Gewinne der Fabrikanten bekannt gegeben? Hessischer Landtag. Von der Sitzung am Freitag ist noch mit⸗ zuteilen, daß ein Antrag des Genossen Dr. David, der dahin ging, die bei dem Kapitel: „Auswärtige und Bundesverhältnisse“ geforder⸗ ten 36000 Mk. zu streichen. David führte zur Begründung seines Antrages an: Diese Summe werde angefordert für die hessische Vertretung im Bundesrat in Berlin. So lange der andere gesetzgebende Faktor des Reichs, die Mitglieder des Reichstags, ohne Diäten die Arbeit leisten müßten, könne man das auch von den Vertretern der Regierung im Bundes⸗ rat verlangen. Und so lange diese Vertreter sich dagegen sträuben, auch den Reichstagsmit⸗ gliedern Diäten zu bewilligen, so lange sollte man auch ihnen die Diäten verweigern. Im Verlauf der weiteren Debatte sprach sich Staatsminister Rothe für die Diäten für Reichstagsabgeordnete aus. Es wird dann eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher die Regierung ersucht wird, durch ihren Bevoll⸗ mächtigken im-Bundesrat für die Bewilli⸗ gung von Diäten an die Reichstagsabgeord⸗ neten einzutreten. 8 Zu einer lebhaften Debatte kam es au. geordneten Häusel u. Gen. betr. die Miets⸗ entschädigungen für Dienstwohnungen der Staatsbeamten zur Beratung. In der An⸗ frage wird daraufhingewiesen, daß den Beamten, innehaben, die Wohnungen viel zu billig an⸗ gerechnet werden. Dagegen sind diejenigen Be⸗ amten, die keine Dienstwohnungen haben, im Nachteil. In Beantwortung der Anfrage erklärte die Regierung, daß sie nicht geneigt sek, eine Aenderung an der Besoldungsordnung vorzu— nehmen. Nachdem der Fragesteller sowie der Abg. Molthan vom Zentrum und der Antisemit Hirschel erklärten, daß sie von der Antwort der Regierung nicht befriedigt seien, ergriff Genosse Ulrich das Wort. Er sprach sich entschieden gegen die Knauserei aus, der verschiedene Redner in der Debatte das Wort geredet hatten. Man solle sich nicht nicht auf den Standpunkt des Neides stellen. Er sei stolz darauf, für die Erhöhung der Beamten⸗ gehälter eingetreten zu sein. Er stehe auch gar nicht an, zu erklären, datz für einen Minister 12000 Mark keine anständige Bezahlung zu nennen sei. Man sehe nur, was Fabrikanten, Bankiers, Rechtsanwälte ꝛc. ver⸗ Donnerstag. Es stand eine Anfrage des Av welche vom Staate gestellte Dienstwohnungen lleistet sich dib sie Auch etwas. Der Darmstädter Briefschreiber undes Gieß. Anz. hat die Blödigkeit, dem Abg. Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung Nr. 9. dienten. Vielleicht würde sich Abg. Köhler und mancher sogenannte„Bauer“ bedanken, wenn er die Arbeit der Minister für den Gehalt leisten sollte, er selbst(Ulrich) ebenfalls.— Diese Ausführungen gaben den Anttisemiten und Agrariern Veranlassung über Ulrich her⸗ zufallen. Graf Oriola, Brentano, Hirschel und so weiter warfen ihm vor, daß er die bäuerliche Bevölkerung„beschimpft“ habe. Auch sein Auftreten bei der Zolltarif-Debatte im Reichstage mußte herhalten. Gen. David trat der Unterstellung entgegen, daß Ulrich den Bauernstand beleidigt habe, er habe mit seinen Ausführungen die Herrenbauern ge⸗ meint. Ulrichs Auftreten im Reichstage sei ganz berechtigt gewesen; warum entrüste sich denn der Graf Ortola nicht über seinen Partei⸗ genossen Placke, der mit Ohrfeigen ge⸗ droht habe? Hier wurde Dapid vom Prä⸗ sidenten zur Sache gerufen. Redner erklärt, er sei gezwungen, die gegen seine Partei erfolg- ten Augriffe abzuwehren. Der Zentrumsmann Brentano führt aus, Ulrichs Bestreben sei, sich in jeder Lage als den einzigen Volksmann hinzustellen; worauf Herr Hirschel„feststellen“ will, daß Ulrich den Bauernstand„beleidigt“ habe. Im Weiteren verkündet der Mann die Weisheit, daß es keinen Unterschied gebe zwi⸗ schen Herrenbauern und Arbeitsbauern; die Fabrikarbeiter hielten auch zusammen, einerlei ob sie 12 oder 50 Mark die Woche verdienten. (Wo es Fabrikarbeiter mit 50 Mark Wochen⸗ verdienst giebt, hat Hirschel nicht verraten.) Freitag stand das Kapitel„Direkte Steuern“ zur Beratung. Hierbei beklagte sich Genosse David darüber, daß von der Steuerbehörde Versuche gemacht werden, Ar— beiter, die nach dem Stempelgesetz von der Fahrradsteuer befreit sein sollen, unter nichtigen Gründen heranzuziehen. Dieser Stempel sei überhaupt eine ungerechte Besteuerung des Mittelstandes. Die Erhebung der Steuer werde recht rücksichtslos ausgeübt, wer damit im Rück⸗ stande bleibe, erhalte sofort ein Strafmandat für 1 Mark, gleich ein Fünftel der ganzen Steuer. Ministerialrat Best ist nicht abgeneigt, in eine nähere Prüfung der Sache einzutreten. Ferner wird an dem Erhebungsmodus der Hundesteuer und auch der Stempelsteuer Kritik geübt.— Die nächste Sitzung fand am 26. Februar statt. In derselben wurde erst die Präsidentenwahl vorgenommen, worauf bei dem Etat des Ministeriums des Innern über die Sozialpolitik debattiert wird. * Die oben kurz wiedergegebene Rede unseres Genossen Ulrich bei Beratung des Antrags wunde 1 c der Beamten wurde von der gegnerischen Presse zu Angriffen! auf Ulrich und unsere 0 dg ole. ö 65 of 1 ge e Dikte benutzt. Darin Jyowie daf„Ibnders das Gießener Amtsblatt rsck. eule“ Offenbacher Blättchen des Herrn Ulrich„Liebedienerei nach oben“ vorzuwerfen. Wenn in einem Amtsblatt, das erst bei dem Kreisamt anfragt, ob es dieses oder jenes In⸗ serat aufnehmen darf, das Artikel eines Pro⸗ fessors nicht aufnimmt, aus Furcht,„oben“ damit anzustoßen, wenn ein solches Blatt von Liebedienerei eines Sozialdemokraten spricht und ihn als„Regierungsvertreter“ bezeichnet, so wird jeder vernünftige Mensch über die ganz außergewöhnliche Albernheit des Reptils lachen. Es wird versucht, die Sache so darzustellen, als habe Ulrich der Erhöhung der Einkünfte der besser bezahlten Beamten das Wort geredet. Das ist nicht der Fall. Die Dienstwohnungen, um die es sich handelte, werden zumeist von Beamten bewohnt, die unter 2000 Merk Ge⸗ halt beziehen, die also zu den kleinen Beamten gehören.— Wir werden, wenn uns der steno⸗ graphische Bericht über diese Sitzung vorliegt, nochmals auf die Sache zurückkommen und wollen jetzt noch gar nicht einmal sagen, daß wir in allen Punkten mit Ulrich einver⸗ standen seien.— Gewaltig bläht sich Hirschel in seinem Offenbacher Blättchen auf, fast 4 Spalten füllt er damit aus, wie er dem Abg. Ulrich„auf den Leib gerückt sei“. Hirschelchen soll nicht so aufschneiden; Ulrich wird sich sehr wenig daraus machen. Seine Entrüstung über die Ulrich'sche„Bauernbeleidigung“ ist eine elende Heuchelei; er sollte daran denken, wie oft er die Arbeiter heruntergerissen, als Lumpenzeng usw. bezeichnet hat. Pon Aah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Zur Gewerbegerichtswahl hat das Gießener Gewerkschaftskartell auch eine Liste für die Klasse der Arbeitgeber auf⸗ gestellt. Für Arbeitnehmer sind Legitimations⸗ formulare auch bei der Ortskrankenkasse sowie bei den Vorsitzenden der hier bestehenden Freien Hilfskassen zu haben.— Wie wir hören, hat auch der evangelische Arbeiterverein im Verein mit dem katholischen Gesellenverein eine Arbeit⸗ nehmerltiste eingereicht. Unsere Gewerkschafts⸗ mitglieder und Parteigenossen müssen also rührig für eine zahlreiche Wahlbeteiligung agitieren, damit wir ein günstiges Wahlresultat zu ver⸗ zeichnen haben. — Redaktionsgeheimnis in bürger⸗ lichen Zeitungen. Man schreibt uns: Eine recht interessante Schöffengerichtsverhand⸗ lung spielte sich in der vergangenen Woche in Gießen ab. Es sollte verhandelt werden gegen den Verleger und Redakteur der„Gießener Neuesten Nachrichten“ Klein und gegen den Berichterstatter Spieß wegen Beleidigung der Lehrkörpers der höheren und erweiterten Mädchenschule hierselbst. Die Beleidigung wurde in einem Bericht der„Nachrichten“ über die Debatte in der Stadt verordneten⸗Versamm⸗ lung gefunden, welche sich aus Anlaß des Fern⸗ bleibens der höheren Mädchenschule vom Jugendfest entsponnen hatte. Die Klage ist vom Amtsanwalt erhoben worden. Im Ver⸗ handlungstermin waren Direktor Störiko und Oberbürgermeister Mecum als Zeugen geladen. Spieß ist vom Redakteur Klein als Verfasser des Berichts genannt worden. Vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung war vom Vorsttzenden ein Ver⸗ gleich angeregt, der dazu führte, daß der Ver⸗ teidiger des Klein, Rechtsanwalt Dr. Jung, mitteilte, sein Klient sei bereit, folgende Er⸗ klärung abzugeben: Es sei nicht seine Absicht gewesen, die Lehrer der höheren Mädchenschule zu beleidigen, er bedauere, dies getan zu haben, und erkläre ausdrücklich, daß der unter Anklage stehende Bericht auf falsche und unwahre In⸗ i die ihm geworden, beruhe, Leine Ari 1 er bereit in auß 58 1 55„Gießener Auz. ele gicd„Nachrichten“ zu veröffentlichen. Angeklagter Spieß begreift nicht, wie Klein sagen könne, der Artikel enthalte Uarichtig⸗ keiten, er möge doch erst die Ergebnisse der Verhandlung abwarten. Talsächlich entspreche der Artikel der Auffassung eines Teiles der Stadtverordneten, die dieser Auffassung in der Versammlung Ausdruck verliehen haben. Der Amtsanwalt erklärt, es gehe nicht an, sich mit Klein zu vergleichen und seinen Gewährsmann abzustrafen. Die Sache wurde darauf vertagt, damit Spieß einen Anwalt mit seiner Ver⸗ tretung betrauen kann.— Uns interessiert an dieser Geschichte die merkwürdige Art, wie der Redakteur des„unparteiischen“ Blattes das Redaktionsgeheimnis auffaßt. Was braucht er denn den Verfasser des Artikels zu nennen? Damit verbessert er seine eigene Sache in keiner Weise. Eine sozialdemokratische Redak⸗ tion giebt nie die Namen ihrer Gewährsleute reis. 5— Meine Bauern wählen mich doch! Dieses große Wort sprach„unser“ Reichstags⸗ abgeordneter Bürgermeister Köhler vor etwa 2 Jahren in einer Versammlung gelassen aus. Dieser Meinung scheint er auch heute noch zu sein, er hat nach einer„Ekklärung“, die er dem„Gießener Anzeiger“ zuschickte, seine Kan- didatur wieder aufgestellt. Vor Kurzem wurde uns don mehreren Seiten mitgeteilt, daß die antisemitische Parteileitung Herrn Köhler nahe⸗ gelegt habe, sich diesmal nicht aufstellen zu lassen. Die kürzlich in Gießen stattgefundene antisemussche Vertrauensmänner⸗Versammlung beschloß ja auch, die Aufstellung des Kandidaten einer späteren Versammlung zu überlassen. Diese wartet aber Herr Köhler gar nicht ab, sondern proklamiert sich einfach selbst als Kan⸗ didat, in der ganz richtigen Voraussetzung, daß die hohe„Parteileitung“ dazu Ja und Amen sagen muß.— In seiner„Erklärung“ verspricht Herr Köhler noch, daß er im Falle seiner Wiederwahl mehr als bisher an den Reichs⸗ tagsverhandlungen teilnehmen werde und meint, daß es unserm Kandidaten Krumm wegen seines Geschäftes auch nicht möglich sei, mehr in Berlin anwesend zu sein. Köhler sollte sich nicht Sorgen um Krumm machen; wird unser Genosse gewählt, so wird er wissen, was er zu tun hat und unter allen Umständen es mit seinen Pflichten als Volksvertreter genauer nehmen, als es Köhler getan hat. — Die Behandlung städtischer Ar⸗ beiter läßt nach uns zugegangenen Mitteilungen sehr viel zu wünschen übrig. Besonders wird darüber geklagt, daß wegen ganz geringfügiger Verfehlungen den Leuten hohe Geldstrafen auferlegt werden. Es kam vor, daß in einer Woche mehr als 11 Mark an Strafgeldern eingingen! Ferner pflegt der Herr Bommers⸗ heim, wenn er Arbeitern Vorhaltungen zu machen hat, die Sünder mit in abgelegene Räume zu nehmen, wo er sie unter vier Augen nach allen Regeln der Kunst herunterputzt. Es sollte da einmal ein wenig nach dem Rechten gesehen werden, denn die städtischen Arbeiter sind doch sozusagen auch Menschen. Aus dem Nreise gießen. — Versammlungen fanden unserer⸗ seits an den beiden letzten Sonntagen in Heuchelheim, Staufenberg und Ruttershausen statt. In Heuchelheim sprach am 15. Febr. Gen. Krumm über die Reichstagswahlen, wobei er, gestützt auf sehr umfangreiches Material, besonders den Zoll⸗ tarif besprach. Seine Ausführungen wurden mit lebhastem Beifall aufgenommen.— In Staufenberg und Ruttershausen waren die Ver⸗ sammlungen gut besucht und auch hier fanden die Darlegungen des Gen. Vetters, der in beiden Versammlungen sprach, allseitige Zu⸗ stimmung. Aus dem Nreise sriedberg⸗Püdingen. V. Auffällige Wohltätigkeit übt in der letzten Zeit der He Graf Oriola, Ver⸗ treter des Kreises Flecherg im Reichstage. Vorn Pfarrer Kalbhenn in Obermockstadt wurde neulich bekannt gegeben, daß der Herr Graf 100 Mark zum Kirchenbaufonds der Gemeinde Medermockstadt gestiftet habe. An dem Fonds wird schon seit 20 Jahren gesammelt. Weiter wird noch aus Orleshausen berichtet, daß der dortige Kriegerverein ebenfalls mit einem Geschenke von 50 Mark bedacht wurde zur Anschaffung einer Vereinsfahne. Der Herr Graf denkt wohl auch: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Be u d 0 Wahlen rentteren ich solche Geschenke erst recht. salhe Taktik wie im Jahre 1898. Hoffentlich fallen keine Arbeiter auf diese„kluge Taktik des Brodwuchergrafen herein. Aus dem Rreise Weßlar. h. Vortrag der Lese vereinigung. Nächsten Dienstag, den 3. März, hält Herr Dr. Liebe vom Waldhof Elgershausen auf Veranlassung der Lesevereinigung einen Vortrag über:„Die soziale Hygiene“. Der Eintrittspreis beträgt 40 Pfg.— Un erscheint das Eintrittsgeld zu hoch. Wenn die Lesevereinigung den lobenswerten Zweck verfolgt, gediegene Vorträge auch den Minderbemittelten zugänglich zu machen, von denen können. Es ist ganz die⸗ Der Vor⸗ 1 trag findet, wie immer, im Schützengarten 1 4 so muß auch auf die 4 Lage der Arbeiter Rücksicht genommen werden, leider viele soviel nicht ausgeben 3 h. Die Reichskandidatur des Land. wirts Keiner in Werdorf ist nun von Seiten des Bundes der Landwirte in einer Versamm⸗ lung in Altenkirchen endgiltig proklamiert ?—.!r: A»O— ÜẼ IU Th h[— k:u: Lv..]ðĩ7Ä?%— el il und kim Nr. 9. Mittelden sche Sountogs⸗Zeitung. Seite 5. worden. Mit der Eroberung des Kreises durch die Antisemiten, die Hirschel in seinem Alatte in Aussicht stellt, fieht unter diesen Umständen ziemlich windig aus. Vielmehr dürfte der Herr Dr. Giese zu der Rolle des betrübten Lohgebers verurteilt werden. Uebrigens wird natürlich unsere Partei ein sehr kräftiges Wörtlein mitreden. Die„gesicherte Existenz“ der Arbeiter. Aus dem Siegener Kreise wird berichtet, daß am 10. Februar den auf der Eisensteingrube Krämer bei Hommelsberg beschäftigten 106 Arbeitern gekündigt wurde. Der Betrieb der Grube wurde dauernd ein⸗ gestellt, weil die Wasserhaltungsmaschinen die starken Gewässer nicht mehr beseitigen können. Der Rest der Belegschaft, 30 Mann, ist mit Aufräumungsarbeiten, die etwa drei Monate in Anspruch nehmen, bischäftigt.— So sieht die„gesicherte Existenz“ der Arbeiter aus! Dabei hatte Stöcker in einer vor nicht langer Zeit in Siegen stattgefundenen Versammlung die— Kühnheit, die Lage der Siegerländer Arbeiter als besonders günstig zu schildern, so daß sie nicht nötig hätten, sich der Sozial⸗ demokratie anzuschließen! Aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain. St. Das Gewerkschaftsfest am ver— gungenen Sonntag abend im Café Quentin dahier nahm, wie vorauszusehen war, seinen programmgemäßen Verlauf. Der Besuch war erfreulicherweise ein so starker, daß die Räume kaum zur Aufnahme der Festteilnehmer aus⸗ reichten. Die Kapelle Pauli erfreute durch ihre schönen Konzertstücke; die Sänger unseres Arbeitergesangvereins„Eintracht“ boten unter der bewährten Leitung ihres Dirigenten Herrn Pauli jr. mehrere sehr exakt vorge⸗ tragene Chöre. Beide ernteten lebhaften Bei⸗ fall. Aber auch die wackeren Schauspieler des Abends wollen wir nicht vergessen. Sie ver⸗ standen es in der vortrefflichen Wiedergabe der Posse„Die alte S vachtel“ die Lachmuskeln der Zuschauer in fortwährender Bewegung zu erhalten und wurden am Schlusse des Spiels durch reichen Applaus belohnt. Auch die sonstigen komischen Vorträge waren recht gut. Später hielt dann ein flottes Tänzchen die Teilnehmer noch lange in fröhlicher Stimmung beisammen. — Die Volksküche bewährt sich recht gut und es bestätigt sich, daß eine solche Ein⸗ richtung ein wirkliches Bedürfnis für Marburg war. Schon jetzt ist die Frequenz so stark, daß sich die vorhandenen Räumen bereits als zu klein erweisen. Am letzten Montag betrug die Zahl der Besucher schon 108, wenn aber erst die Bausaison beginnt, so dürfte sich diese Ziffer noch bedeutend erhöhen, denn gerade die Bauarbeiter werden die Volksküche am meisten in Aaspruch nehmen. Das Essen wird allge⸗ mein gelobt und die Portionen sind für dem Preise von 15 Pfg. reichlich bemessen. Hoffent⸗ lich bleibt es auch so in Zukunft. — Verschiedenes. Am Montag, den 2. März, beginnt hier die diesjährige Früh⸗ jahrs⸗Schwurgerichtsperiode.— Eine anschei— nend geisteskranke Frau versuchte am Montag abend in die Lahn zu springen, sie wurde aber durch einen Schutzmann an ihrem Vor⸗ haben verhindert und ins Arbeitshaus gebracht. — Der früher hier bestehende Arbeiterbildungs⸗ verein„Eintracht“ hat sich aufgelöst und seine ziemlich reichhaltige Bibliothek den hiesigen Gewerkschaften überwiesen. Dieselbe ist einst⸗ weilen bei Gastwirt Hilber ger am Hirschberg untergebracht und dürfte demnächst den Mit⸗ gliedern zur Benutzung zugänglich gemacht werden. Notleidende Agrarier. Daß die Großbauern im Osten Deutschlands zu leben wissen, ist bekannt. Viele von ihnen — natürlich nicht alle— sind sogar sehr leicht⸗ sinnig. So ist in der Niederung(Kreis im Regierungsbezirk Gumbinnen), wie unser Königs⸗ berger Parteiblatt schreibt, Spielen noch viel km Schwange. Heinrichswalde, Neukirch, Kau⸗ tehmen— kleine Orte von 10002000 Ein⸗ wohnern— haben wohl jedes ein halbes Du⸗ tzend stattlicher Hotels, in welchen viele wohl— habende Großbauern der fruchtbaren Niederung gern einen guten Trunk tun und halbe Tage und Nächte mit endlosem Skatspielen totschlagen. Es ist noch nicht lange her, daß zwei Besitzer um einen wertvollen Rappen eine Partie Sechs⸗ undsechzig spielten. Und vor kurzem hat ein Niederunger Gutsbesitzer in Heinrichswalde in einer Nacht 4000 Mark verspielt. Und dieselben Herren können ihren Arbeitern gegen⸗ über, deren Hände Werk doch die Werte schafft, die sie in leichtsinnigen Stunden vergeuden, in knauserigster Weise um einen Pfennig feilschen und dingen! Das soztal Aufreizende, die länd⸗ lichen Arbeiter zur Empörung Aulstachelnde solcher Handlungsweise muß der Landrat des Kreises Niederung, gefühlt haben, da er die beiden Herren, den Verlierer wie den Gewinner, zu sich bestellte und ihnen eine ernste Straf— predigt hielt. Nur kein Zola! Ueber die Stadtbibliothek in Barmen wird der„Fr. Presse“ berichtet: Seit einigen Jahren ist in der Ruhmeshalle eine Bibliothek einge⸗ richtet, die es jedem Bürger ermöglicht, dieselbe dortselbst zu benutzen, wie auch Bücher zu ent⸗ leihen, ohne eine Leihgebühr hinterlegen zu müssen. Nach Einblick in den erbetenen Kata⸗ tog fanden wir auch unter der Rubrik„Ueber— setzungen“, was wir suchten: ein Werk Zolas. Jeder wird nun glauben, annehmen zu dürfen, daß das, was in einem deutschen Katalog un⸗ ter„Uebersetzungen“ steht, ein in die deutsche Sprache übersetztes Werk bedeutet. Doch dem scheint nicht immer so zu sein; denn auf unser Verlangen wurde uns der Bescheid, daß die Stadtbibliothek überhaupt kein Buch von Zola in deutscher Sprache besitzt und auch niemals bestellen werde. Kleine Mitteilungen. * Gebrochene Ordnungsstütze. Zu einem Jahr und acht Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilte heute die Coburger Strafkammer den frühe en Schultheiß des Dorfes Lützelbuchs Ed. Mex. Er hatte seit dem Monat März 1902 fortgesetzt Geldbeträge— im ganzen 645%—, die er als Schultheiß und Steuereinnehmer erhalten, veruntreut. * Soldat zum Tode verurteilt. Das Kriegs⸗ gericht in Bromberg verurteilte den Unteroffizier Karnowski wegen Mordes zum Tode, Degradation und Entfernung aus dem Heere. Karnowski hatte das ihm von einer Schneiderin geborne 14 Tage alte Kind durch Einflößen von Salzsäure vergistet. k Selbstmord einer Lehrerin. Die Lehrerin Sittard in Köln erschtlen am 20. Februar, Vor⸗ mittags, vor der Klassentür eines Volksschullehrers, mit dem sie ein Liebes verhältnis unterhalten hatte, und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Die Lehrerin war sofort tot. Ursache der Tat scheint eine Differenz zu sein, die sie mit ihrem Geliebten hatte. * Ein Großfeuer äsch erte in der Nacht vom Samstag zum Sontag in dem Orte Hürtgen bei Düren im Rheinland über 90 Häuser ein. 500 Menschen ssud obdachlos.— In Lichtnau brannten in derselben Nacht 44 Häuser ab. k Von dem Räderwerk zermalmt wurde vo— rigen Freitag der 25jährige Sohn des Besitzers der Rudingshainer Mühle. Der Unglückliche war abends in die Mühle gegangen, um zu kontrollieren und war dabei in die Räder geraten. ** Opfer der Arbeit. Einer der beiden Arbeiter, die vorige Woche bei der Explosion in dem Wasser— leitungsschacht in Frankfurt schwere Brandwunden erlitten, namens Schultheiß aus Langenselbold, ist im Krankenhause gestorben.— In Haiger geriet der in der Lederfabrik Schramm beschäftigte Gerbereiarbeiter Heuser, welcher damit beschäftigt war, Leder zu walzen, mit der rechten Hand zwischen die Walze, wodurch ihm drei Finger der rechten Hand vollständig zerquetscht wurden. Die Finger mußten ihm sofort amputirt werden. k Von zwei Einbrechern die in Mainz am Montag verhaftet wurden, zog der eine auf der Wache plötzlich ein Messer und brachte sich eine tiefe Schnitt— wunde am Halse bei. Die darauf entstandene allge- meine Aufregung benutzte der andere, um zu fliehen. Arbeiterbewegung. Metallarbeiter. Bei der Ma⸗ schinenfab ik Lanz in Naunheim drohen ernste Differenzen auszubrechen. bildete die Einführung von Kontrolluhren, welche die Firma beschlossen hat. Die Unter— handlung mit der Betriebsleitung verlief resul⸗ tatlos; deshalb beauftragte eine Versammlung der Arbeiter, die am Donnerstag stattfand, ihre Kommission nochmals vorstellig zu werden. Wenn die Kontrolluhren nicht beseitigt werden, sollen sämtliche Arbeiter kündigen. Partei-Nachrichten. Eine reich illustrierte März ⸗Zeitung, die dem Andenken an den unvergeßlichen Vorkämpfer des Proletariats, Karl Marx, seit dessen Tode 20 Jahre verflossen sind, gewidmet ist, wird die Vorwärtsbuch⸗ handlung herausgeben. Die Textbeiträge von Karl Kautsky und Fr. Mehring schildern die Bedeutung des großen Toten für die Wissenschaft und für die revo⸗ lutionären Kampfe des Proletariats. Den illustrativen Schmuck besorgt ein hervorragender Künstler, der im Mittelbilde den Schlachtruf der Arbeiterklasse„Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“ zu einer prächtigen Apotheose der Siegeskraft des Sozialismus geformt hat. Der Preis beträgt 10 Pfg. —— Versammlungskalender. Genossen! Besucht regeimäßig Eure Versammlung en! Samstag, den 28. Februar. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Wieseck. Allgemeine Versammlung. Abends punkt 9 Uhr im Lokale Karl Kreiling(früher Karl Dorfeld). Tagesordnung: Anschluß der Ge— meinde Wieseck an das Gewerbegricht Gießen. Sonntag, den 1. März. Mainzlar. Volksversammlung. tags 4 Uhr bei Wirt Koch. Montag, den 2. März. Gießen. Schneiderver band. Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 4. März. Gießen. Gewerkschaftskartell. Sitzung bei Orbig. Nachmit⸗ Abends 9 Uhr Abends 9 Uhr Gießen. Jeden Dienstag, Abends punkt 1/9 Uhr Diskussions⸗ und Unterrichtsstunde im„Wiener Hof“ bei Lö b(oberes Zimmer). Eupfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Christentum und Sozialismus. Von A. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Berustein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk. Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hug o. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Auf ben Unterhaltungsteil der heu⸗ tigen Nummer, besonders den Artikel des ita— lienischen Genossen de Amicis„Zwiegespräch“, (übersetzt von Frau Michels-Lindner, Mar⸗ burg,) machen wir unsere Leser besonders auf— merksam. Aulaß dazu 5 2828 Seite 6. —.—— Mitteldeutsche Son utogs⸗Zeitung. Nr. 9 Unterhaltungs-Ceil. Ein Narr des 19. Jahrhunderts. Von Heinrich Zschokke. (Fortsetzung) „Sieh mich an, Norbert!“ sagte Olivier lächelnd, stellte sich vor mich hin, drückte das Barett auf seinen Kopf ein wenig seitwärts, stewmte keck die linke Hand auf seine Hüfte und sagte:„Ich, Nordländer, in meiner an⸗ schließenden, bequemen und einfachen Tracht, würd' ich neben einem altrömischen Bürger so gar übel stehen? Warum gefällt uns noch immer die spanische, italienische und deutsche Tracht des Mittelalters? Weil sie, obwohl nordisch, schön ist. Ein österreichischer Reiter im Helm, selbst der Husar, würden heut' noch den Blick Julius Cäsars gefallen. Warum, ihr andern steifen Herren, folget ihr nicht dem Bessern nach, wie unsere Frauenzimmer schon begonnen haben, seit sie die Schleppen und gepuderten Toupés ablegten? Würdet ihr euch ein mal schämen, von außen Karikaturen zu sein, vielleicht würdet ihr dann auch von innen aufs Natürlichere kommen. Es liegt etwas Wahres in dem Sprichwort: Kleider machen Leute. Und ich sage dir, Norbert, meine Amalie hat mich hübscher gefunden, seit ich den Bartwuchs nur leicht mit der Schere mir stutzte, aber nicht vertilgte; ja, ich glaubte, es ist seitdem in ihrer Zuneigung etwas Inbrünstigeres erregt, seit sie ihre Wange nicht mehr an ein glattes Weiber⸗ gesicht, sondern an das männliche lehnt. Denn das Weib will den männlichen Mann!“ Indem Olivier so sprach, war er ganz Feuer. Er stand in der Tat vor mir wie ein kräftiges Heldengebilde aus frühern Jahrhunder⸗ ten, wie aus einem alten Gemälde lebeudig hervorgegangen; wie einer aus einer Welt, die nicht mehr unsere Welt ist, und die wir nur bewundern, aber nicht wiederherstellen können. „Wahrhaftig, du könntest mich,“ sagte ich zu ihm,„zum ehrlichen Bart bekehren, und ich gewönne dabei noch, daß ich gllwöchentlich dreimal der Folter des Bartscherers entginge.“ „Freund“, rief Olivier lachend,„dabei köunte es nicht bleiben. Der Bart zieht viel anderes nach sich. Denke dir deine Figur im krausen Bart und dazu den dreieckigen Schnabel⸗ hut auf dem Kopf wie ein Jude, das gepuderte Haupt mit dem Rattenschwänzlein im Nacken und den französischen Frack mit Rockschößen, die dir hinten wie ein Bachstelzen⸗ oder Schwalbenschwanz stehen. Fort mit den Narr⸗ heiten! Kleide dich bescheiden, schamhaft, warm, bequem, aber geschmackvoll, daß es auch dem Auge wohltut und die erhabene Menschengestalt nicht verzerre. Alles Zwecklose verbanne! Eben das Zwecklose ist das Unvernünftige, eben das Unvernünftige ist das Unnatürliche!“ Als wir noch über diesen Gegenß and unsern Wortwechsel fortsetzten, ließ uns die Baronin durch einen Diener zum Mittagessen rufen. Ich ging neben Olivier schweigend hin und hatte den Kopf voller Gedauken, die ich leider nicht aussprechen durfte. Es war mir ganz wunderlich zu Mut, und ich mußte den Baron ein paarmal seitwärts ansehen. In meinem Leben war mir's nicht geworden, einen Narren so philosophieren zu hören. Ich war auch gar nicht im stande gewesen, seinen Bemerkungen über die europäische Kleidertracht gründliche Einwendungen entgegenzustellen. Was er sagte, schien mir richtig. Hier ließ sich mit Recht anwenden: Kinder und Narren reden die Wahrheit. Das Gastmahl. Bei Oliviers Vorliebe zu den alten Römern und den homerischen Griechen ward ich auf des Gastmahls bekümmert. Denn von seinem Bart, Barett und übrigen Anzug zu schließen, konnte ich nichts anders als eine für mich höchst unbequeme Haltung am Tisch erwarten, daß ich, entweder altrömisch auf Polstern der Länge nach hingelagert oder wohl gar schneidermäßig, auf gut orientalisch, die Beine kreuzweis unter⸗ müsse. geschlagen, die Suppe zu mir nehmen müsse. Die liebenswürdige Baronin kam uns ent⸗ gegen und führte uns ins Speisezimmer. Meine Sorge ward sogleich durch Anblick eu⸗ ropäischer Tische und Stühle gehoben. Es waren zwölf Gedecke auf dem runden Tische. Die Gäste fanden sich auch bald ein; es waren Mägde, Knechte, Schreiber des Barons. Ein artiges junges Stubenmädchen blieb ohne Stuhl und bediente als Hebe beim patriarchalischen Mahle. Der Baron verrichtete, ehe wir uns setzten, ein kurzes Gebet. Dann ging's zur kräftigen Suppe. Die Speisen waren vor⸗ trefflich zubereitet, doch einfach. Ich bemerkte nur, daß außer dem Wein alle Gerichte aus Erzeugnissen des eigenen Bodens und benach⸗ barten Meeres bestanden, daß auch sogar alle 5 1 Gewürze fehlten, selbst der Pfeffer, eren Stelle Salz, Kümmel, Fenchel usw. ein⸗ nehmen mußten. Die Unterhaltung ward heiter und allgemein; ste betraf meistens ländliche Geschäfte oder Ereignisse der Umgebungen, von Flyeln. Die Leute betrugen sich in Gegenwart ihrer Herr⸗ schaft weder blöde noch unbescheiden, sondern mit vielem Anstand. Ich kam mir unter diesen hübschen bärtigen Männern in ihrer schlichten Tracht, mit ihrem brüderlichen und doch ehrerbietigen Du— ich möchte fast sagen, etwas albern oder lächerlich vor und saß da mit meinen Puderkopf, steifen Zöpfen, Frack und geglättetem Kinn mitten in Europa wie in einem fremden Weltteil. Es war mir recht wohltuend, daß, so sehr ich auch von allen ab⸗ stach, und so häufig mir auch zwischen dem Du, besonders wenn ich damit die reizende Baronin anreden sollte, ein Sie durchschlüpfte, doch nie⸗ mand zum Lachen gereizt ward. Nach einer halben Stunde ließ uns die Dienerschaft allein; wir drei andern aber pflogen des Mahles und wurden beim alten goldenen Rheinwein traulicher im Gespräch. „Ich sah dir's wohl an“, sagte die Baronin lächend zu mir, indem sie einige Leckereien von Backwerk aufstellte,„du vermissest in Flyeln die Hamburger oder Berkiner Küche.“ „Und ich sehe es meiner liebenswürdigen Freundin an,“ versetzte ich,„daß ich der Küche von Flyeln noch das gebührende Lob schuldig geblieben bin, das ich selbst auf Unkosten der Berliner und Hamburger Küche zollen kann, ohne eine Schmeichelei erborgen zu müssen. Nein, ich bekenne dir, zum erstenmal in meinem Leben lernte ich bewundern, welch eine leckere Kost unser heimatlicher Boden auftischen kann, und wie leicht wir sogar der Molukken entbehren können!“ „Setze hinzu, Freund Norbert,“ sagte Oli⸗ vier,„und mit den Molukken auch die Ueber⸗ reizungen unserer Nerven und die fremden Laster, die sich aus den überreizenden oder ab⸗ gereizten Nerven im krankhaften Leib entwickeln. Ohne gesundes Fleisch und Blut kein gesunder Sinn und Mut! Die meisten Europäer sind heutzutage Selbstmörder, Leibes und Seelen⸗ mörder zugleich, vermittelst ihrer Kochkünste. Was eure Rousseaus und Pestalozzis gut machen wollen, tötet ihr wieder mit Kaffee, Thee, Pfeffer, Muskatnüssen, Zimm. Lebet einfach, lebet natürlich, und ihr könnet zwei Drittel eurer Predigten, Moralbücher, Zucht⸗ häuser und Apotheken ersparen.“ „Ich geb' es zu,“ sagte ich,„und man wußte das schon längst; allein...“ „Nun denn!“ rief er,„eben darin besteht die bisjetzt heillose Narrheit der Europäer. Sie wissen das Bessere und meiden es, sie verab⸗ scheuen das Schlechtere und suchen es. Sie vergiften ihre Speisen und Getränke mit teuren Giften und halten Doktoren und Apotheker, wieder genesen zu können und die Vergiftung zu erneuern. Sie befördern die vorschnelle dem Hingang zum Schlosse ein wenig wegen Reife der Knaben und Mädchen und jammern hintennach erschrocken über deren verwilderte Triebe. Sie ermuntern durch Gesetze und Be⸗ lohnungen, ohne es zu wollen, das Sittenver⸗ derben, und strafen es hintennach mit Galgen und Schwert. Sind sie nicht allesamt den Irrenhäuslern gleich?“ „Aber, lieber Olovier, das war doch wohl von jeher so?“ „Ja, Norbert, von jeher, das heißt, sobald und so oft die Menschen sich einen Schritt weiter von der Natur entfernten zur Barbarei herüber. Wir aber, durch den Schaden der Väter endlich gewarnt, sollen nicht nur wissens⸗ reicher als sie, sondern auch weiser sein. Wozu sonst unser Wissen? Denjenigen achte ich für den Vernünftigsten, welcher mit der Unschuld und Lebensreinheit der Naturkinder die mannig⸗ faltige Kenntnis und Geistesbildung des Zeit⸗ alters vereinen kann. Giebst du dies zu, Norbert?“ „Wie sollt' ich nicht?“ „Wie, du giebst dies zu? und machst in deinem Hause und in deinem Innern nicht den Anfang des Bessern?“ „Es könnte doch unter gewissen Umständen möglich werden. Indessen bekenne ich dir, Olivier, wir Kunstmenschen so gut wie je die einfachsten Naturmenschen hangen in den schwer zerbrechlichen Banden der Gewohnheit. Unser gekünsteltes Sein ist an sich selbst schon wieder eine Art Natur geworden, die wir nicht unge⸗ straft plötzlich wieder ablegen können.“ „Vormals dacht' ich gleich dir, Norbert. Ich habe mich des Gegenteils aus Erfahrung überzeugt. Es gehörte nur ein einziger schwerer Augenblick dazu, ein starkes Herz, den ersten Kampf zu bestehen mit der Raserei der Welt, um zur Glückseligkeit und Ruhe durchzubrechen. Ich schwankte lange; ich kämpfte lange ver⸗ gebens. Ein bloser Zufall entschied mein Glück und das Glück meiner sämtlichen An⸗ 3 gehörigen.“ „Und dieser Zufall? Erzähle mir auch den,“ sagt' ich, denn ich war begierig, das kennen zu lernen, was unmittelbar auf Gemüt und Ver⸗ stand meines Freundes so mächtig eingewirkt hatte, ihn zu den seltsamsten Grillen und zu der schwärmerhaftesten Lebens- und Handlungs⸗ weise überzulocken. Er stand auf und verließ uns. (Fortsetzung folgt.) Zwiegespräch. Von Edmondo De Amicis“) (übersetzt von Gisela Michels-Lindner). Die Mutter(betrübt).... Also, du bist nun Sozialdemokrat und glaubst nicht mehr an Gott und(berührt ein kleines Kruzifix, das sie am Halse trägt) hast auch kein Vertrauen mehr zu diesem hier, das du doch als Kind küßtest. f Der Sohn. Wann habe ich das denn je gesagt? Nein, liebe Mutter. Ich behaupte zwar nichts, aber ich leugne auch nichts, ich hoffe nur. Das ist der Zustand, in dem sich mein Gewissen befindet, und ebenso, glaube mir, ist in Wirtlichkett auch der Standpunkt der Meifen unter denen, welche sich gute Christen nennen. Wenn ich keinen felsenfesten Glauben habe, so kommt das nicht daher, daß ich Sozialdemokrat, sondern weil ich ein Kind meiner Zeit bin. Der Zweifel ist in mir heraufbeschworen worden durch die geistige Schulung in der Erziehung, die mir doch nicht von den Sozialdemokraten gegeben worden ist. da findest du unter unseren Freunden und Bekannten wer weiß wie viele in jedem Alter, die auch von dir hochgeschätzt werden, welche dem Sozialismus so feindlich wie nur möglich gegen⸗ überstehen, und die doch nicht glauben, ja, die das sogar offen zugeben, oder, wenn sie au behaupten gläubig zu sein, so leben sie doch wenigstens so, als wenn es nicht der Fa ll wäre. Der Sozialismus schreibt uns absolut nicht vor, „) Aus der Sammlung betitelt„Lotte Civi Florenz, 1899, Seite 93. Edmondo De Amicis, früher der bekannteste monarchisch⸗militaristische Schrift steller Italienz, ist im Jahre 1892 zur sozialistischen Partei übergegangen. 5 4 * Sieh dich doch einmal un: en i, e er et . 5 1 icht ausreicht. Nautter, wieviele Nr. 9. Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. daß wir nicht glauben dürfen; er sagt ganz einfach:„Das Gewissen ist frei.“ Und leuchtet es dir denn nicht auch ein, daß er recht hat? Ist es am Ende nicht richtig, daß der wahre 1 nur in einem freien Gewissen entstehen ann M. Nun also, wenn du doch in manchen Augenblicken an Gott glaubst, warum kommst du da nicht auf den Gedanken, du armer Sohn, der du die Welt verbessern willst, daß die heutige Gesellschaft eben gerade so beschaffen ist, wie sie ist, weil Gott es so will? S. Nein, liebe Mutter, das kann ich nicht denken. Die Welt von heute ist eine ganz andere als die Welt vor einigen hundert Jahren. Das giebst du mir zu?— Nun, wenn sie sich also geandert hat, so geschah das doch, weil Gott damit einverstanden war. Wenn er nun aber erlaubt hat, daß sie sich früher veränderte, warum sollte er dann nicht ebenso erlauben, daß sie sich auch in Zukunft ändere? Wo ist der Fromme, der es wagen könnte zu behaupten, daß die gegenwärtige Gesellschaftsform die letzte sei, die er billigt, daß gerade sie dazu bestimmt sei, sich nicht mehr zu verändern, und daß Gott alle Mißstände und alle Uebel, die ihr anhaften, für immer bestehen lassen wolle?— Wenn irgend etwas offenbar ist, dann ist es doch gerade das, daß Gott uns eben gewähren läßt, denn wenn dem nicht so wäre, dann hätten wir ja keinen freien Willen; und ohne freien Willen gäbe es weder Verdienst noch Verschulden. Es steht uns also frei alles das zu tun, was uns gut scheint, alles das zu zerstören, was uns schlecht scheint, die Gesellschaft in diejenige Form umzuändern, die wir zuträglicher für sie halten, und sobald wir das zu tun imstande 198 so haben wir auch vor Gott die Pflicht 0 zu. M. So wird es wohl sein, das leugne ich nicht Aber euer Irrtum steckt eben darin, daß, wie doch Alle sagen, eure Idee eine Utopie ist, die auf einer falschen Auffassung von dem innersten Wesen der Menschheit aufgebaut ist. S. Aber, liebe Mutter, wie ist es dann erst mit der Idee Christi, daß alle Menschen sich wie Brüder lieben, daß die Reichen alles den Armen geben und sich so selbst auch arm machen sollen, daß man alle Beleidigungen verzeihen und keine irdischen Güter sammeln soll? Scheint das dir nicht vielleicht auch eine Utopie, die auf einer falschen Auffassung von dem innersten Wesen der Menschheit aufgebaut ist? Du siehst doch, daß sie sich in 1900 Jahren nicht ver⸗ wirklicht hat; glaubst du, daß sie das jemals tun wird? M. O, das ist doch ganz etwas anderes! Ein jeder kann all das tun, was das Evan⸗ gelium vorschreibt, wenn er es nur will. Ge⸗ setzt den Fall, alle täten es, so würde die Welt verbessert worden sein, und die Gesellschafts⸗ form würde sich so verändert haben, wie du es dir wünschest. Siehst du, daß die Religion allein zu allem ausreicht? S. Nein, liebe Mutter. Wenn die Religion allein dazu ausreichte, um die Menschen auf dem guten Wege zu erhalten und weiterzuleiten, warum waren denn dann, selbst bei den froͤmmsten Völkern, soviele Gesetze und soviel Kraftaufwand nötig, um Leben und Eigentum zu schützen, um bie Menschen im Zaum zu halten und zu be⸗ strafen, um Ordnung und Frieden aufrecht zu erhalten? Das zeigt, daß die Religion eben Wenu sie nicht einmal das dischen Gute erhalten kann, was heutzutage da st, dann ist sie noch weniger dazu im Stande vas Bessere zu fördern, was wir erstreben. M. Das weiß ich nicht..... aber alle agen doch: ihr wollt einen Wechsel, der un⸗ möglich ist, eine Gesellschaftsform, die nur von uch erdacht ist, die niemals existiert hat und kiemals sein wird. Si. Aber auch die heutige Gesellschaftsform. it noch niemals dagewesen. Und auch die Form, die wir heute haben, steht nicht fcb federn schreitet fort. Schau um dich, liebe inricktungen, Gesetze, Ideen, Eitten, Meinungen da sind, von denen in deiner „„ Jugendzeit noch nichts zu merken war, oder 0 1 10 dich noch daran erinnerst, so sprach man vielleicht damals davon, als von extra⸗ vaganten Ideen Einzelner, die sich nie verwirk⸗ lichen würden. Denke einmal an alle solche Dinge wie Arbeiterorganisationen, Konsum⸗ vereine, Gewerkschaften, Arbeiterschutzgesetze, Schiedsgerichte, Ideeen von Solidarität und Gleichheit, Eroberungen von Rechten und Re⸗ formen, ungeheure Kämpfe zwischen Arbeitern und Fabrikherren; verfolge einmal mit dem Getste die Weiterentwickelung all dieser Dinge in der Zukunft, so wie du mit den Augen ebenso viele Linien, die sich alle demselben Punkte nähern, verfolgen würdest— denn alle diese Kräfte streben auf ein einziges Ziel zu, nämlich auf ein glücklicheres Dasein der Massen— zieh deinen Verstand zu Rate und dann sieh zu, ob der dir nicht sagen wird, daß an dem Punkte, an dem sich alle Kräfte treffen müssen, der Sozialismus stehen wird oder doch ein Zustand, der ihm sehr ähnlich sieht und der in der Folge notwendiger⸗ weise zu ihm führen muß. Du siehst, daß die Welt sich verändert. Du bist si ger, daß sie in 100 Jahren sehr verschieden von der heutigen sein wird. Glaubst du also, daß sie dann sehr viel näher, oder sehr viel weiter von der sozialen Ordnung entfernt sein wird, die wir ersehnen? M.(verwirrt) Ich bin nicht im Stande über solche Dinge zu diskutieren, lieber Sohn. Aber, was du auch sagen magst, so fühle ich doch einen solchen Widerwillen gegen eure Ideeen und eine lebhafte Furcht, an der doch irgend etwas sein muß. S. Aber bedenke wohl, daß es in Wirk⸗ lichkeit nicht unsere Ideeen sind, die in dir diesen Widerwillen, diese Furcht erregen; die haben die Menschen in dir erweckt, welche unsere Ideeen entstellen und uns verläumden. Bedenke, daß lange, lange Zeit hindurch Millionen von Menschen aufrichtig geglaubt haben, daß die ersten Christen, die doch mitten unter ihnen lebten, boshafte und verderbte, zu jeder Niedertracht und jedem Verbrechen fähige Menschen seien. M. Ach, lieber Sohn, mache nicht solche Vergleiche! Es kann ja sein, daz die Welt sich in der Weise verändern wird, wie du es saͤgst; aber sie wird sich nicht verbeifern, wenn nicht mit Gottes Hülfe. Aus ihm allein kommen die guten Gefühle und die guten Gedanken. Und das Herz sagt mir, daß ihr nicht mit ihm seid. Was wird denn je aller Fortschritt, alle Zivili⸗ sation, all das, was du wünschest, bedeuten, ohne die Religion? S. Und was ist denn überhaupt die Religion ohne die guten Werke, liebe Mutter? Prüfe doch unsere Forderungen einmal nacheinander. Her Sozialismus will eine Gesellschaft, in der man sich weder mit der Arbeit Anderer bereichern, noch überhaupt leben kann ohne zu arbeiten, in der aber jeder, der arbeitet, auch ein Recht zum Leben hat, in der für keinen die Arbeitslast übermäßig groß ist, weil alle arbeiten und des⸗ wegen keiner zu verdummen braucht und keiner gequält wird, eine Gesellschaft, die dem Arbeiter Zeit und Möglichkeit läßt, die Kräfte anzu⸗ frischen, für seine Familie zu sorgen und den Geist zu bilden; der Sozialismus will, daß dieser verhängnisvolle Zwang aufhören soll, der nur der Fabrik zum Nutzen, die Mutter von den Kindern, und die Kinder vom Hause und von der Schule losreißt, der Frauen und Kinder entkräftet und verdirbt, der die Unwissenheit der Menge erhält und den Tod unter den Schwächlichen aussät; der Sozialismus will, daß diese zügellose Konkurrenz aufhören soll, die die Ursache so vieler niedriger Leidenschafteu, so viel angstvoller Not und Verderbnis ist, diese wütige Hast zu erwerben, diese Furcht zu ver⸗ lieren, dieses wüste Handgemenge von Menschen, die sich unter einander um eine Handvoll Erde und einen Bissen Brot beißen; er will, daß alles das aufhören und einer Gesellschaft weichen soll, die nicht mehr durch Klassenstolz und Klassenhaß getrennt ist, die nicht mehr durch ein Schauspiel der Ungleichheit, der Ungerech⸗ tigkeit und des unverdienten Elends erregt wird, das jeden ehrlichen Sinn traurig und mutlos machen muß; alles in allem will er also, daß die Menschen sich einigen sollen und sich, soviel wie irgend möglich, zu einer großen arbeitenden Familie zusammenschließen, und, wenn sich auch Egoismus, Schmerzen, und ungleiche Charaktereigenschaften nicht unterdrücken lassen, so sollen doch in der soz. Gesellschaft die Schmerzen gelindert, der Egoismus bezähmt, die Ungleichheiten durch die gegenseitige Zuneigung und das Gefühl für das Allgemeinwohl abge⸗ schwächt werden und Hunger sowie Verzweiflung nicht mehr neben Ueberfluß und Festesjubel bestehen. Nun sage mir, liebe Mutter, steht ein einziger all dieser Wünsche und Vorschläge im Widerspruch mit deiner Religion? Ist da ein einziger darunter, den dein gutes, groß⸗ mütiges Herz zurückweisen könnte? Und nun sage mir noch einmal, daß man an einen guten und gerechten Gott glauben kann ohne zugleich auch zu glauben, daß dieser den Wunsch habe, daß dieses Ideal sich verwirklichen möge? Und daß man das glauben kann und trotzdem nicht die zwingende Pflicht empfinden mit allen Kräften an der Erreichung dieses Ideals zu arbeiten? Du sagst, daß die guten Gefühle von Gott kommen. Und woher, liebe Mutter, kommt mir dann wohl dieses Mitgefühl, das ich für die Menge empfinde, die sich abmüht und leidet, dieses Mitleid, das mein Herz bluten macht, diese Sehnsucht nach dem Guten, dieser Haß gegen alles Schlechte und alle Ungerechtigkeit, der den Frieden meines Lebens zerstört hat und mir doch die edelsten Freuden verschafftt die man auf Erden empfinden kann? M.(bewegt) Gewißß. wenn ich dich so sprechen höre Nun, wenn du auf⸗ richtig bist(mit plötzlichem Entschluß nimmt ste das kleine Kruzifix vom Halse und hält es mit sanftem Lächeln dem Sohne hin) so küsse dieses hee S.(einfach) Er hat die Armen geliebt, die Unglücklichen getröstet, die Gerechtigkeit gepredigt, er ist für seine Mitmenschen sogar gestorben. 110 W Seele...(küßt das Kruzifix drei al. M.(mit heftig ausbrechender Erregung) Geliebter Sohn!(aber sie hält sich plötzlich wieder zurück, von neuem von Zweifel erfaßt und sagt traurig, indem sie mit der Hand über Mh! ich verstehe es nicht. S.(zu sich selbst, mit einem Seufzer) Das ist ja eben das große Unglück k.. sie ver⸗ stehen es nicht(dann laut mit inniger Zärt⸗ lichkeit und Nachdruck.) Ach, liebe Mutter, ich kann dich nicht noch zärtlicher lieben; aber wenn du statt immer zu zweifeln, mir Vorwürfe zu machen und mich zurückzuhalten, mir eines Tages sagtest: Nun ja, mein Sohn, du hast Recht, ich bin mit dir, geh, kämpfe für dein heiliges Ideal, der Segen deiner Mutter folgt 5⁊— G32 dann würde ich vor dir und deinem Kreuze auf die Kniee fallen und so sanft wie ein Lamm und so stark wie ein Held sein! M.(drückt das Taschentuch an die Augen.) Sage nichts weiter, mein Sohn. ehh laß mich nachdenken. Humoristisches. In Verlegenheit. Frau(in der Stammkneipe ihres Mannes):„Jetzt hast Du schon bei drei Kell⸗ nern ein Glas Wasser für mich bestellt und Keiner bringts!“— Mann:„Ja weißt Du, das glaubt mir hier Keiner!“ Schöne Aussicht.„Johann, ist mein Mann schon von seiner Automobilfahrt zurück?“—„Nein, gnädige Frau— aber drei Polizisten haben schon ge⸗ fragt nach ihm!“(Fl. Bl.) Geschichtskalender. 1. März. 1864: schreiben“ veröffentlicht. Lasalles„Offenes Antwort⸗ 1861: Bauernbefreiung in Rußland. 3. 1896: Grubenkatastrophe in Kattowitz, 106 Tote. 1806: Roßmäßler, demokratischer Politiker in Leipzig,*. 4. 1895: Professor Giczyckt, Ethiker in Berlin, 118 5. 1894: Minister Bronsart verteidigt Faustrecht und Duell im Reichstage. 6. 1898: Cavalotti, ital. Dichter und Abgeord⸗ neter fällt im Duell. 7. 1901: Grubenunglück auf der„Konsolidatlon“ bei Gelsenkirchen, 10 Tote. 1 0 8.3 T eee. die-Augen fährt) Und doch ich weiß 2. 1892: Erste Lex Heinze vor dem Reichstage. f „ — — D 31 —— Seite 8. 72* 0 3 Ur ia enleidende „* Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung 5 des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder 5 kalter ber e oder durch unregelmäßige Lebensweise ein agenleiden, wie: f Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen. schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung ugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen desfen 8 9 5 eher Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt find. Es st dies das bekannte Verdauungs- und Blutreinigungsmittel, der Hubert Ulrich ue Nräuter-Mein. ö 25 ieser Kränter-Wein ist au⸗ vorzüglichen, heilkräftig 5 ö efundenen Kräukern mit gutem Wein bereitet, und Jeden T är und belebt den ganzen Ber auungsorganismu⸗ 1 bes Wenschen, ohne ein 2. hrungsmittel zu sein Kräukerwein beseitigt alle Storungen in den ur- kennen reinigt das Blut von allen verdorbenen, zanmachenderefebasg und wirft fördernd auf die Neu⸗ ildung gesunden 1 Durch rechtzeitigen Gebrauch des Guter⸗Weines werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine nwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ 2 Pfd. Auswahl von allen Sorten geräuchertessg 20 000 58150002 . 2 j und marinierte Fische. Spezial⸗Haus für feine Fischkonserven, Rollmöpse, Bismarkheringe, Sardinen, Bratheringe, Hering in Gelee, 0 Uhr ab: frisch gebackene Fische in feinster ag von 4 ose 90 Pfg., 2 Großer Zube 1 Pfd. 50 05 Versand nach L. Bühl, Gießener Maktplatz 5. 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