1 2 — EI „luv ones enen Mebanten. l un J. neee — 3— ige Und rde nnn straße J0. räftig a l —— nleler 8e 2—22 rgewöhnlich uh 80 Pfg., aschuhl, 380 Mk. uh 1.50 Mk., topsschuh 2,35 Mk., mürschuh 2.80 Mk., schuh 70 fg amin schuh ig N oschuh zum 3 Mk., salbschuh 3,40 Ml., seniiesel! Ak, indleder⸗ iel 4 Mk., albschuh en 4 Mt, alb schuh 4,50 Nl, el 5,30 Ml. alkesel ö Nl On Inn brod a. % 38. naß i greitag Sr Nr. 35. Gießen, Sonntag, den 31. August 1902. 9. Jahrg Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. — Mitteldeutsche Untags⸗ Zeitung. Mebaktionsschrus Donnerstag Nachmittag 4 Uher N Abonnemeuntspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. 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Rackowitz im Duell bei⸗ gebracht hatte. Es ist hier nicht der Ort, auf die Ursache des Dnells einzugehen oder zu untersuchen, was Lassalle, der ein entschiedener Duellgegner war, veranlassen konnte, selbst einen Zweikampf einzugehen. Es ist auch unmöglich, das Leben, Wirken und die Bedeutung dieses Riesengeistes nur annähernd zu schildern. Wir können nur kurz daran erinnern, was er für die deutsche Arbeiterklasse, die sozialdemokratische Arbeiterpartei war, was sie ihm zu danken hat. Lassalle war es, der die Arbeiter zuerst auf ihre Klassenlage hinwies, ihnen die Mittel und Wege zeigte, die zur Befreiung der Arbeiter aus politischer Bevormundung und wirtschaft⸗ licher Unterdrückung führen. „Die Arbeiter sind der Fels, auf dem die Kirche der Gegenwart gebaut werden soll!“ Diese Worte rief er den Arbeitern in seinem „Arbeiter⸗Programm“ zu. Diese Bro⸗ schüre erschien im Frühjahre 1862 und sie ver⸗ fehlte ihre Wirkung in Arbeiterkreisen nicht. Lassalle führte darin aus, daß die Herrschaft des Bürgertums durch den Besitz begründet sei, wie unter dieser Herrschaft die soztale Ungleich⸗ heit zu Tage trete, die Besitzenden sich Vorrechte anmaßten, während die Bestitzlosen durch indirekte Steuern belastet, durch den Wahlzensus entrechtet würden. Aufgabe des Staates müsse sein, seine Angehörigen der höchsten Kultur teilhaftig werden zu lassen, indem er das Volk zur Bil⸗ dung und Freiheit erziehe. Darum müsse die Forderung des allgemeinen Wahlrechts erneut erhoben und die Verbesserung des Loses der arbeitenden Klassen als Staatszweck aus⸗ gesprochen werden. Am Schlusse macht Lassalle die Arbeiter auf ihre geschichtliche Aufgabe auf⸗ merksam und weist sie auf die Notwendigkeit hin, die politische Herrschaft zu erobern. Diese Broschüre gab den Anstoß zur Gründung des „Allgemeinen deutschen Arbetiter— vereins.“ — Seine weiteren Ansichten und Forderungen in Bezug auf die Arbeiterbewegung entwickelte Lassalle in einer im Februar 1863 erschienenen Broschüre, in dem„Offenen Antwort⸗ schreiben“ an das Leipziger Komitee zur Berufung eines Allgemeinen Arbeiterkongresses. Hierin berief er sich auf das„eherne ökonomi⸗ sche Lohngesetz“, nach welchem der Arbeitslohn durchschnittlich immer auf den notwendigen Lebensunterhalt beschränkt bliebe, der in einem Volke gewohnheitsmäßig zur Fristung der Exi⸗ stenz erforderlich sei. Weiter forderte er Arbeiter⸗ Assoziationen mit Staatshülfe. Schließlich nachdrücklichen forderte er die Arbeiter zur Agitation für das allgemeine Wahlrecht auf und zur Bildung einer eigenen politischen Partei, weil sie doch nur auf dem Wege politischer Freiheit zum Ziele gelangen könnten. Der Allgemeine deutsche Arbeiterverein blühte nicht so schnell empor, wie Lassalle glaubte. Der„Unverstand der Massen“, der heute noch die Arbeiterbewegung mehr als alle Gegner in der Entwickelung hemmt, war damals noch viel undurchdringlicher als jetzt. Trotzdem und trotz unsäglicher Verfolgungen ihrer Vertreter steht die deutsche Sozialdemokratie heute mächtig da und auch Lassalle würde mit ihrer Entwicke— lung zufrieden sein. Und mit Recht singt Au⸗ dorf in der Arbeiter-Marseillaise: Ist auch der Säemann gefallen, Auf guten Boden fiel die Saat! Lassalle hat nicht umsonst gelebt und gekämpft. Die deutsche Arbeiterbewegung hat die Bahn nie verlassen, die er ihr zeigte. Wenn auch manche Grundsätze und Forderungen, die Lassalle aufstellte, heute überholt sind, so wird doch jeder aufgeklärte Arbeiter dankbar des Mannes gedenken, der die deutsche Arbeiterbewegung ins Leben rief, die zur politischen und wirtschaft— lichen Freiheit u. zur Wohlfahrt des Volkes führt. Bei Lassalles Todestag gedenken wir aber zugleich unserer übrigen toten Vorkämpfer. Wir gedenken eines Marx, Engels, Lieb⸗ knecht, Brake, Geib, aller der Männer, die ihr Leben den Besitzlosen weihten! Es ist schon eine ziemlich lange Reihe! Unsere Auf— gabe aber, die eines jeden denkenden Arbeiters ist es, mit ganzer Kraft an der Erreichung des Zieles mitzuarbeiten, das jene Denker und Kämpfer der Arbeiterklasse gesteckt haben und das im Interesse der Gesamtwohlfahrt erreicht werden muß. Zum Parteitag. Vor der Tagung des Parteitages, 13. Sept., findet im Saale des Kreuzbräu in München eine Konferenz soztaltstischer Frauen statt, die von der Vertrauensperson Ottilie Baader einberufen ist. Auf der Tagesord— nung figurieren folgende Punkte: 1. Thätig⸗ keitsbericht. 2. Wie bilden wir Agita⸗ torinnen heran? 3. Gesetzlicher Schutz der Frauen, Kinder⸗ und Heimarbeit. 4. Die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, insbesondere auf dem Gebiete des Vereins⸗ und Ver⸗ sammlungsrechtes. Das ist die zweite der⸗ artige Konferenz. Die erste fand vor zwei Jahren kurz vor dem Mainzer Parteitage statt. Dort wurde damals ein Regulativ für die Organisation der Vertrauenspersonen beschlossen, die Agitation unter den Frauen erörtert und schließlich die Wahl einer Zentralvertrauens— person vorgenommen. Während der letzten zwei Jahre hat die sozialistische Frauenbewegung gute Fortschritte zu verzeichnen. Sie weiter auszu⸗ bauen, intensiver zu gestalten, muß unsere Auf— gabe sein und über das Wie? wird die Münchener Konferenz zu beraten haben. Es handelt sich darum, sagt die„Gleichheit“,„Klarheit zu schaffen über die zur Zeit nächstliegenden praktischen Aufgaben, die zweckmäßigsten, erfolgreichsten Mittel und Wege zu suchen, diese undsäclie in Uebereinstimmung mit unserer grundsätzlichen Auffassung in Angriff zu nehmen. Das hehre sozialistische Zukunftsziel im Auge, heißt es in nüchterner Sachkenntnis die thatsächlichen Be⸗ dingungen unserer praktischen Gegenwartsarbeit zu erörtern. Dabei ist es denn von größter Wichtigkeit, daß auch die Genossinnen zu Worte kommen, die in unserer Bewegung die agitato⸗ rische und organisatorische Kleinarbeit von Tag zu Tag leisten. Die Erfahrungen, die sie ge— wonnen haben, die Anregungen, die sie zu geben vermögen, sind besonders wertvoll für die Be⸗ antwortung der Fragen: Was weiter und wie weiter? Die Konferenz wird nicht wie so viele Tagungen bürgerlicher Frauenrechtlerinnen eine Schaubühne sein, auf der die„bekanntesten Führerinnen“ in mehr oder minder glänzenden Reden herumturnieren und paradieren. Viel⸗ mehr ein Werkplatz, auf dem auch die beschei— densten und schüchternsten Kräfte als gleich⸗ berechtigt zu nutzreicher Mitarbeit berufen sind. Wer die Beratungen der sozialistischen Frauen vom Standpunkt eines„sensationellen Ereig⸗ nisses“, einer äußerlich effektvollen Parade be⸗ trachtet, der wird mithin sicherlich eine arge Enttäuschung erfahren“. Wir hoffen und wünschen, daß die Münchener Konferenz einen weiteren Fortschritt für die sozialistische Frauenbewegung bringen möge! ** * Von den bis jetzt bekannt gewordenen An— trägen zum Parteitag seien hier die wichtigsten angeführt. Im vierten Berliner Reichstagswahl⸗ kreise gelangte ein Antrag zur Annahme, nach dem die Landtags- und Reichstagsabgeordneten verpflichtet werden, in den betreffenden Parla⸗ menten die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für alle staatlichen Betriebe zu beantragen.— Ein Antrag im zweiten Ber— liner Wahlkreise, der Stimmenenthaltung bei Stichwahlen und das Verbot von Wahl- bündnissen forderte, wurde abgelehnt, ebeuso ein Antrag, der verlangte, daß für das Jahr 1903 die Alkoholfrage auf die Tagesordnung gesetzt wird.— Eine Nürnberger Parteiversamm⸗ lung beschloß folgenden Autrag einzubringen: „Der Parteivorstand ist zu ersuchen, in seinem Rechenschaftsbericht Auskunft zu geben, was er zur Durchführung der früheren Parteitags— beschlüsse gethan hat.“ Vom Solinger Volksverein wird beau⸗ tragt:„Der Parteivorstand möge durch Bereit⸗ stellung von Mitteln Sorge dafür tragen, daß eine regere und wirksamere Agitation gegen das Zentrum in den Rheinlanden entfaltet werden kann.“ Anträge, die sich auf Bekämpfung des Zentrums beziehen, liegen übrigens von mehreren Seiten vor.— Auch der fünfte Berliner Wahlkreis will von der Reichstagsfraktion einen Initiativantrag auf Ein⸗ führung des Achtstundentages für alle Arbeiter eingebracht wissen. Der Vorschlag, daß die Punkte„Zentrum“ und„Wahlrechtskämpfe in den Einzelstaaten“ auf die Tagesordnung des Parteirags kommen sollen und der Punkt „Kommunalpolitik“ eventuell wegfallen soll, wurde von der betreffenden Versammlung ebenfalls angenommen.— Die Genossen des sechsten Berliner Wahlkreises beauftragten ihre Delegierten Protest gegen die Maßnahmen des Parteivorstandes betreffend die Versicherung der Partei⸗Angestellten einzulegen.— Die Ge— nossen des 7. sächs. Wahlkreises wünschen die ——— neee Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr 35. Schaffung einer periodischen wissenschaftlichen Beilage, in der volksverständliche Artikel über die Grundideen des Sozialismus und wichtige Zahlen über wirtschaftliche und han⸗ delspolitische Fragen veröffentlicht werden. Die Beilage soll allen Parteizeitungen beigegeben werden. Weiter beschloß eine Parteiversammlung in Magdeburg folgenden Antrag:„Der Partei⸗ tag wird ersucht, in einer geeigneten Weise zu der Art der Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen Stellung zu nehmen, event. durch Anordnung eines Parteitages für Preußen.“ f Weil die Vorlage zum Parteitag noch nicht herausgekommen ist, haben wir die wichtigsten Anträge hier wiedergegeben, wie sie in der Parteipresse bekannt geworden sind, ohne eine weitere Besprechung daran zu knüpfen. Unsere Genossen haben so Gelegenheit, diese Anträge in den Versammlungen zu beraten und dazu Stellung zu nehmen. ———— Politische Rundschau. Gießen, den 28. August. Kann Deutschland seinen Nahrungs⸗ mittelbedarf selbst erzeugen? Die Agrarier stellen im Zollkampfe stets die Behauptung allen ihren übrigen„Gründen“ für den Zollwucher voran, daß die deutsche Landwirtschaft in der Lage sei, bei genügend hohen Zöllen den Nahrungsmittelbedarf für Deutschland decken zu können. Wie aber schon so manche Behauptung der Zöllner ins Reich der Fabel verwiesen wur de, so auch diese. Deutschland erzeugt seinen Bedarf an Lebens⸗ mitteln eben nicht. Das giebt jetzt auch die „Zentralstelle der preußischen Land⸗ wirtschaftskammern“ zu, die gewiß nicht in freihändlerischen Verdacht kommen kann. Sie sagt u. a.: Die deutsche Roggenernte ist sehr umfangreich, aber qualitativ so außer⸗ ordentlich mangelhaft, daß ihre schnelle Ver⸗ wendung unmöglich ist. Nur mit ausländischem Roggen vermengt, kann der deutsche überhaupt vermahlen werden. Die Preise sind hoch. Für die Tonne trockenen Roggens wird 150 Mk. und mehr gezahlt. Selbst feuchter und klammer Roggen erreicht 145 Mk. Ungewöhnlich groß ist die Nachfrage nach russischem Roggen.„Wir bedürfen seiner dringend. Ohne ihn ist die Versorgung mit Brotgetreide ausge— schlossen.“ Die Fleischnot. vebhafte Klagen über unerhörte Erhöhung der Fleischpreise kommen aus zahlreichen Städten. Protestversammlungen werden abgehalten, welche die Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh fordern. So waren die zu diesem Zwecke in Hanau, Frankfurt und anderen Städten ein⸗ berufenen Versammlungen äußerst stark besucht. Ueberall war man sich über die Ursache der Fleischnot einig und verurteilte die agrarische Wucherpolitik. Aus Posen wandte sich der dortige Bürger⸗ meister und der Stadtverordneten-Vorsteher wegen geeigneten Maßnahmen an den Land⸗ wirtschaftsminister. Man petitionirte um Ge⸗ stattung der Schweineeinfuhr aus Rußland. In Posen wird nämlich geradezu die Ernäh⸗ rungsfrage brennend, weil zu dem bevorstehenden Kaiserbesuch große Menschenmassen dort zusam⸗ menströmen. Podbielski antwortete der Depu⸗ tation, er könne eine Oeffnung der Grenzen aus veterinärpolizeilichen() Gründen nicht ge⸗ nehmigen. Doch werde die Zentrale für Vieh⸗ verwertung dafür sorgen, daß während der bevorstehenden Menschenanhäufung in Posen eine reichliche Zufuhr von Schlachtvieh, nament⸗ lich von Schweinen, dorthin stattfinde. Damit ist aber dem Volke noch lange nicht gedient. Jubel bei den Liberalen. Die Stichwahl in Forchheim-Kulm⸗ bach hat überraschenderweise ein anderes Er⸗ Nationalliberale Faber wurde mit 9400 Stim⸗ men gewählt, während der Zentrumsmann nur 8498 erhielt. Letzterer ließ in der Hauptwahl seinen nationalliberalen Gegner weit hinter sich zurück; für den Zentrumsmann wurden 6099 Stimmen abgegeben, während auf den Liberalen nur 3946 fielen. Daß die Liberalen über den Ausgang der Wahl in hellen Jubel ausbrechen, ist begreiflich. Trotzdem ist die Wahl von keiner allgemeinen Bedeutung. Beide Kandidaten waren Verfechter der Wucherzölle; der Drehscheiben⸗Mann verdankt nur dem Umstande seine Wahl, daß in dem zu zwei Dritteln evangelischen Kreise die Mehrheit der evangelischen Wähler für ihn eintrat. Das Zentrum verliert einen Kreis, den es seit 1881 besessen. Die Kunst⸗Empörungs⸗Depesche wird voraussichtlich im Reichstage zur Sprache kommen, das Zentrum beabsichtigt, aus diesem Anlasse eine Interpellation einzubringen. Man will die Ministerverantwortlichkeit auch für solche privaten Aeußerungen des Monarchen fordern, welche, wie die Depesche an den Prinz⸗ regenten, einem Regierungsakt gleichkommen, indem sie Eingriffe in die inneren Angelegen⸗ heiten der Bundesstaaten enthalten.— Fraglich ist nur, ob der Mut der Zentrumshelden bis zur Reichstagseinberufung anhält.— Uebrigens hat unser Münchener Parteiorgan noch mitge— teilt, daß vor der Veröffentlichung des vieler⸗ örterten Depeschen-Wechsels lange Verhand⸗ lungen zwischen Berlin und München gepflogen wurden. Der bayrische Minister weigerte sich, zur Veröffentlichung seine Zustimmung zu geben; die schließlich von Berlin aus gegen den Wunsch der bayr. Regierung erfolgte. Zentrumsparade. Vergangene Woche hat in Mannheim der große Zentrumsjahrmarkt, genannt„Katholiken⸗ tag“ stattgefunden. Sonntag gab es einen Festzug, zu dem die Schwarzen 170 Vereine mit zirka 20 000 Personen aufgeboten hatten. Der Zug bewegte sich durch die Hauptstraßen nach der Festhalle, wo verschiedene Reden ge⸗ halten wurden, in denen die Redner das Men⸗ schenmöglichste in der Mißhandlung der Wahr⸗ heit leisteten, um die Arbeiter davon zu über⸗ zeugen, daß das„Zentrum“ und„die Kirche“ nur zur Förderung des Arbeiterwohles da sei. Leider merken aber die Arbeiter absolut nichts davon, ein halbwegs einsichtiger Arbeiter läßt sich durch solche Redensarten nicht täuschen. Zunächst erschien in der Festhalle der Dom⸗ kapitular, Reichs⸗ und Landtagsabgeordneter Dr. Schädler auf der Bühne. Dieser Mann sagte unter anderem: Einzig und allein die Kirche kann dem Arbeiter helfen. Der Staat hat nur Kanonen und Steuer⸗ zettel.... Die Kirche hat für die Arbeiter bedeutend mehr gethan als alle Arbeiteragita⸗ toren zusammen. Sie hat die Arbeiter niemals ausgebeutet, niemals belogen und be⸗ trogen.... Die Kirche will, daß ver Ar⸗ beiter einen auskömmlichen Lohn erhält, der zur menschenwürdigen Unterhaltung seiner Familie ausreicht So und ähnlich ging's noch ein gutes Stück weiter. Jeder Satz eine grobe Unwahrheit. Wenn der Staat nur Kanonen und Steuerzettel hat, so ist es das christlich⸗katholische Zentrum gewesen, das ste bewilligt hat und das auch durch Wucherzölle die Lebenshaltung des Ar⸗ beiters verschlechtert. Was die Kirche für die Arbeiter gethan hat, sagte der gute Mann wohlweislich nicht. Thatsache ist aber, daß überall, wo die Kirche die Herrschaft hatte und noch hat, gradezu schauerliche Zustände herrschen, die Arbeiter auf's Schamloseste ausgebeutet werden. Man blicke nur nach Italien, Spanien! Warum sorg“ denn dort die Kirche nicht für„menschenwürdigen Unterhalt“ des Arbeiters? Ueberhaupt ist diese aufdringliche Betonung der Arbeiterfreundlichkeit der Kirche und des um schmeichel i. Das Zentrum fühlt, daß seine Zollwucherpolitik ihm die Arbeiter ent⸗ fremden muß. Deshalb sucht es sie durch Schaugepränge zu benebeln. Ob's ihm noch lange gelingen wird? Internationalität der Arbeiter⸗ bewegung. Die deutschen„Ordnungs“blätter lieben es, den Arbeitern vorzuhalten, daß die Arbeiter und auch die Sozialisten anderer Länder viel mehr natiorale Gesinnung an den Tag legten, als die deutschen Sozialdemokraten. Da ist es denn angebracht, auf die Worte hinzuweisen, die der französische Delegierte auf dem Stuttgarter Gewerkschafts⸗Kongreß sprach. Nach dem Protokoll sagte V. Griffuelles in seiner Begrüßungsansprache:„Für die Kämpfer der französischen Arbeiterklasse giebt es kein Vaterland, sie kennen nicht Ange⸗ hörige verschiedener Lander, für sie giebt es nur Menschen. Die Kämpfer der französtschen Arbeiterklasse sind stolz, auf sich das Wort anwenden zu können, welches die Chauvinisten ihnen als Schandfleck anhängen, daß sie vater⸗ landslos sind; sie nehmen dies Wort auf, sie nennen sich mit Stolz vaterlandslos in dem Sinne, daß sie das Vaterland nicht als etwas von anderen Ländern Trennendes anerkennen wollen. Wo man sich wohl fühlt, da hat man sein Vaterland, daß heißt, wo man moralisch, materiell und geistig gut leven kann. Sollte der unglückliche Fall eintreten, daß es zu einem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland kommt, so würden die Klassenkämpfer sich weigern, gegen die Brüder aus dem andern Vaterland zu ziehen, sie würden sich nicht berechtigt fühlen, gegen sie anzukämpfen; sie anerkennen nur ein Vaterland der Ausgebeuteten auf der einen, ein Vaterland der Kapitalisten auf der andern Seite, und deshalb arbeiten sie daran, den Kampf zu organisteren zwischen den Angehörigen dieser beiden Vaterländer, nicht aber den Kampf gegen die Brüder aus dem andern Lande.“ Man sieht, der französische Arbeitervertreter giebt den deutschen Sozialdemokraten an„Vater⸗ landslosigkeit“ nichts nach.— Aber wir fragen jeden vernünftigen Menschen: ist es nicht für Deutschland besser, es gewinnen Ansichten, wie sie der französische Delegierte äußerte, die Oberhand, anstatt die Hetzereien der Nationa⸗ listen? Hierbei zeigt sich die„Vaterlandsliebe“ ge⸗ wisser deutscher„Patrioten“, z. B. der anti⸗ semitischen Hurraschreier, in eigentümlichem Lichte. Diese schimpfen nach Noten auf die französischen Soziacisten, die doch jeder Zeit für den Frieden eintreten, während ste den fortwährend gegen Deutschland hetzenden„Na⸗ tionalisten“ und Klerikalen Lob und Beifall zollen. Wer zeigt da nun mehr wirkliche Vaterlandsliebe? Antisemiten⸗Ehrlichkeit. Ein ehemaliger Freund des französischen Antisemiten Max Regis, des früheren Bürger⸗ meisters von Algier, hat eine Broschüre über die Geheimnisse der antisemitischen Agitation in Algier veröffentlicht, worauf die„Petite Republique“ aufmerksam macht. „Es stellt sich heraus, daß Regis lediglich den Geldbeutel seiner besten Freunde, darunter Drumont und Rochefort, ausbeutete, und daß die antisemitischen Kundgebungen in Algier von Regis künstlich vorbereitet wurden, damit sein Kredit bei den Pariser Antisemiten wachse, Regis erbot sich u. a. gegenüher Drumont, dessen Wiederwahl mit einer Pauschalsumme von 22000 Franken zu bestreiten. Drumont gab das Geld nach längerem Widerstreben her und Regis steckte es ein, ohne auch nur einen Pfennig an seine Mitarbeiter auszuzahlen.“— Na, der Mann hat sich einfach berühmte deutsche Antisemiteriche zum Muster genommen, vielleicht auch den antisemitisch-christlich⸗sozialen Land⸗ tagsabgeordneten Dr. Anton Löbel in Wien, der dort vorige Woche wegen etruges, gebnis gezeitigt, als nach dem Resultate der Hauptwahl angenommen werden konnte. Der Zentrums recht bezeichnend. Noch nie wurde auf früheren Katholikentagen der Arbeiter so Veruntreuung und Erpressung verhaftet und dem Landgericht eingeliefert de. Nr 35. — nah, daz eit ent. 80 sie durch 3 um nog anerkennen t, da hat man moralisch, Vaterland techtigt fühlen, der einen, uf der andern daran, den gehörigen t aber den dem andern rheiterbertretet ten an„Vater⸗ wir fragen st es nicht für Ausichten, wie dußerte, die a der Nationa⸗ landsliebe“ ge⸗ 1 B. der aut gigentümlichem urn uuf i Loch edel Zeit brend sie den den„a und Befal — 9 9 Nr. 35. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Aus der Kaserne. In der letzten Zeit sind wieder zahlreiche Fälle von Soldatenschindereien vor Militärgerichten abgeurteilt worden. Neuer⸗ dings zeigen überhaupt die Mißhandlungsfälle eine auffallende Vermehrung. Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht die Zeitungen über den einen oder anderen Fall berichten müssen. Besonders unangenehm berührt dabei die gradezu unverständliche Milde mancher militärgericht⸗ licher Urteile. Wir stehen nicht auf dem Stand⸗ punkte der Abschreckungstheorie und wissen, daß die Soldatenschindereien mit dem Wesen des heutigen Militarismus auf das engste verwachsen sind, also auch erst radikal ausgerottet werden, wenn und indem dieser Militarismus beseitigt wird— aber es beleidigt das schlichte Rechts- gefühl des Volkes, wenn ein gewohnheitsmäßiger Schinder, der Monate, vielleicht Jahre hindurch Menschen gequält und unglücklich gemacht hat, mit ein paar Wochen Arrest davonkommt und nachher sogar noch die Tressen oder das Portepee behält. Wir wollen nur einige Fälle anfüh ren. Den Rekord in der gewohnheitsmäßigen Solda⸗ tenquälerei erreicht der Unteroffizier Kickel vom Infanterie⸗Regiment Nr. 19 in Posen. Er stand vorige Woche vor dem Kriegsgericht und war angeschuldigt, sich in mindestens 231 Fällen der Mißhandlung von Unter- gebenen und in mindestens 59 Fällen ihrer vorschriftswidrigen Behandlung schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte hatte die Leute seiner Korporalschaft u. A. mit dem Gewehrkolben, mit einem Tauende, mit der Scheide des Seiten⸗ gewehrs, mit der flachen Klinge, mit dem Wisch⸗ stockgeschlagen, ihnen Ohrfeigen gegeben, sie bis zur Erschöpfung Griffe, Laufschritr, Knie⸗ beuge machen lassen usw. Seiner Korporalschaft sagte er, er werde sie so lange schleifen, bis ste liegen bleibe. Der am meisten Gequälte mußte ein halbes Jahr im Lazarett zubringen und ist jetzt arbeitsunfähig. Er stellte Invaliden⸗ ansprüche, wurde aber abgewiesen. Der Kompagniechef will von den Schindereien nichts gewußt haben. Was war nun die Strafe für diesen Meuschenquäler? Der Vertreter der Anklage beantragte drei Monate Gefängnis und Degradation. Das Gericht erkannte auf fünf Monate Gefängnis, wovon 14 Tage auf die Untersuchungshaft abgehen. Von der Degradation wurde Abstand genommen! Recht milde Richter fanden auch drei Offiziere, die sich vor dem Kriegsgericht in Chemnitz wegen Mißhandlung Untergebener zu verantworten hatten. Der Leutnant Müller ist bereits wegen Schlagens Untergebener vor— bestraft. Er war geständig, Soldaten geohrfeigt zu haben. Er bekam unter Be⸗ rücksichtigung seiner Vorstrafen ganze drei Wochen Stubenarrest!— Der 23 jährige Offizier Günther beim Feldartillerie-Regiment Nr. 68 hatte am 4. August das Turnen zu beaufsichtigen. Hierbei versetzte er einem Kanonier einen Tritt in's Gesäß und mit der Faust einen Stoß in's Genick. Das geschah beim Lauf⸗ schritt und bei der Kniebeuge. Dann sagte er zu ihm:„Ich lasse Dich stehen, bis Du krepierst, Verbrecher, Soldat zweiter Klasse; ich werde dafür sorgen, daß Du in die Arbeiter⸗ abteilung kommst.“ Der Mann, dem der An⸗ geklagte so mitspielte, ist nach den Angaben der Zeugen einer der besten Soldaten. Urteil: 14 Tage Stubenarrest.— Wegen mehrfacher vorschriftswidriger Behandlung Untergebener bekam der Feuerwerkshauptmann Otto Rapp aus Zeithain— sage und schreibe: drei Tage Stubenarrest!— Das Dresdener Kriegs⸗ gericht verurteilte den Oberleutnant v. Ehren⸗ stein vom Jägerbataillon Nr. 13 in Frei⸗ berg i. S., der einen Jäger mehrere heftige Ohrfeigen gab und ihn mit Schimpfreden be— leidigte, zu nur drei Wochen und fünf Tagen Stubenarrest, obwohl er ebenfalls schon wegen ähnlicher Vergehen vorbestraft ist! — Daß derartige Urteile nicht geeignet sind, die niederträchtigen Soldatenschindereien einzu⸗ dämmen, sondern eher noch zu weiteren Aus⸗ schreitungen zu ermuntern, muß jedem ein⸗ leuchten. Das wird nicht aufhören, wenn solche gemeingefährlichen Individuen nicht de⸗ gradiert mit Schimpf und Schande aus dem Heere hinausgeworfen werden. ** * Anders lauten die Urteile, die gegen„Ge⸗ meine“ gefällt werden. Da wird der geringste Verstoß, alles, was nur irgendwie wie Achtungs⸗ verletzung aussteht, mit schweren Gefängnis— strafen geahntet. So verurteilte das Kriegs⸗ gericht in Gießen einen Soldaten, der sich nur Geringfügigkeiten seinem„Vorgesetzten“,— einem Gefreiten!— zu Schulden kommen ließ, zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und drei Monaten! Wie sich dann die Reservisten noch für Kriegervereine begeistern können, ist unbegreiflich. Eine Arbeiter⸗Ausstellung. In Prag wurde am 15. August eine eigenartige Ausstellung eröffnet. Es ist eine „Arbeiter“ Ausstellung, in der Gegenstände ausgestellt werden, welche die Arbeiter in ihren Feierstunden angefertigt haben. Ein kühner Entschluß war es, den unsere czechischen Genossen vor nicht ganz einem Jahre faßten— eine Arbeiter⸗Ausstellung zu veranstalten, aber mit Stolz können sie ihr Werk betrachten: sie haben weit mehr geleistet, als sie versprachen. Wenn man die kurze Zeit erwägt, die zwischen dem Plan der Veranstaltung einer Arbeiter-Ausstel⸗ lung und dessen Verwirklichung liegt, so wird man unseren czechischen Genossen die Bewunde— rung für ihre enorme Arbeitsleistung nicht ver⸗ sagen. An eine Arbeiter⸗Ausstellung ist von vornherein ein anderer Maßstab zu legen, als an eine bürgerliche Ausstellung. Sie erfreut sich nicht der Gunst der verschiedenen Stadt-, Landes- und Staatsbehörden, doch braucht die Arbeiter-Ausstellung keineswegs den Vergleich mit den in Prag vorangegangenen bürgerlichen Ausstellungen zu scheuen. Bei Eröffnung waren die Vertreter der Arbeiterkorporationen Böhmens, sowie der Prager Stadtrat und zwei Vertreter des Landesausschusses anwesend. Vom„Königs— pavillon“ der ehemaligen Laudesausstellung aus, der mit der Freiheitsstatue— dem originellen Werke eines jungen böhmischen Bildhauers— geschmückt ist, hielt Genosse Vanek, Sekretär der czechisch⸗slawischen Sozialdemokratie, die Eröffnungsrede, in welcher er auf die Bedeutung der Arbeiterausstellung für die klassenbewußte Arbeiterschaft hinwies und der Rolle gedachte, die der schaffenden Arbeit auf den bürgerlichen Ausstellungen zufällt, wo der Arbeiter, der das ausgestellte Produkt erzeugt, meist nicht einmal in der Lage ist, seine Arbeit zu besichtigen. Die Tausende von Namenlosen, deren der Ex⸗ minister Millerand bei der Eröffnung der letzten Pariser Weltausstellung gedachte, treten das erste Mal unter eigenem Namen vor die Oeffentlichkeit, um zu zeigen, daß sie die Schöpfer des Produktes sind, dem sonst die Unternehmer ihren Namen leihen. Nach Schluß der Rede des Genossen Vanek sangen Arbeiterchöre den Hymnus der Arbeit. Hierauf begann die Be⸗ sichtigung durch die Delegierten. Die bürger⸗ lichen Delegierten waren betroffen von der un⸗ geheuren Summe der in der Ausstellung ent⸗ haltenen Arbeit und machten den Genossen gegenüber hieraus kein Hehl. Die Ausstellung stellt sich aber ausschließlich sozialistisch dar, und überall verweisen rote Embleme auf die Zugehörigkeit der Arbeiterschaft zur Sozial⸗ demokratie. Besonders reichhaltig haben die Organisationen der Eisenbahner, der Holz⸗ und der Lederarbeiter ausgestellt. Die Ausstellung erfreut sich eines sehr starken Besuches. Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. Der Zimmererstreik in Coblenz ist nach zwölfwöchentlicher Dauer nunmehr als beendet zu betrachten. Die gestellten Forder— ungen: zehnstündige Arbeitszeit mit 40 Pfennig Stundenlohn, sind durchweg erreicht worden. Auch bezüglich der Forderungen für jugendliche Leute sind zufriedenstellende Vereinbarungen getroffen worden. Einige Unternehmer, die noch nicht bewilligten, dürften sich wohl bald über⸗ zeugen lassen, daß auch sie sich auf die Dauer den gerechten Forderungen der Gesellen nicht verschließen können. Streikende sind nicht mehr vorhanden, die sind sämtlich untergebracht und arbeiten zu den neuen Bedingungen. In Coblenz waren die Arbeitsverhältnisse in allen Berufen stets überaus traurig und eine kleine Besserung thut in der schwarzen Ecke äußerst not. Die Streikenden hatten schwer zu kämpfen, es wurden ihnen alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt. Der Maurer⸗ und Bauarbeiter⸗ streik in Köln ist zum großen Teil zu Gunsten der Arbeiter beendet. Die Bauhilfsarbeiter er⸗ hielten von der Innung einen Stundenlohn von 36 Pfg. zugestanden. Auch die Maurer erzielten eine Lohnerhöhung.— Die Polizei ging gegen die Streikenden mit äußerster Schneidigkeit vor; gegen die Streikposten wurde verschiedentlich mit blanker Waffe vorgegangen. Dagegen er— freuten sich natürlich die Streikbrecher des weitest⸗ gehenden polizeilichen Schutzes. Den Bauarbeitern diene zur Be⸗ achtung: Der Zuzug von Maurern und Zimmerern nach Hamburg, Altona, Wandsbeck, Harburg und Wilhelms⸗ burg muß vorläufig noch fern gehalten werden, da die Unternehmer, trotz Aufhebung der Sperre, fremde Arbeitskräfte heranziehen. Der Schneiderverband hielt diese Woche seinen Verbandstag in München ab. Nach dem Berichte des Verbands-Vorstandes zählt die Organisation jetzt 16693 Mitglieder, darunter 704 weibliche. Die Gesamtein⸗ nahme beläuft sich im Jahre 1901 auf 160 233 Mk., dazu kommt der Kassenbestand mit 91 245,30 Mk. so daß sich die Bruttoein⸗ nahme auf zusammen 251478,74 Mk. beläuft. Die Ausgabe betrug 172 063,18 Mk. An größeren Ausgabeposten sind zu verzeichnen: Fachzeitung für Schneider 20 632,09 Mk., Reiseunterstützung 9230,88 Mk., Krankenunter⸗ stützung 12 405,59 Mk., Streikunterstützung 62 144,65 Mk., Agitation 8 140,55 Mk., Ver⸗ waltungsmateriat 1636,79 Mk. ꝛc. Das Ver⸗ mögen des Verbandes betrug am Schlusse des Jahres 79 415,56 Mk.—(Für den Bezirk, zu dem Gießen, Wetzlar, Friedberg ꝛc. gehört, ist Genosse Faut h⸗Wetzlar als Delegirter gewählt.) Der Verbandstag, dem ein allgem. Schneider⸗ kongreß vorhergegangen war, wurde Diens— tag eröffnet und nahm den Bericht des Vor⸗ standes und den Kassenbericht entgegen. Joseph⸗ Erfurt erstattet namens der Revisoren Bericht. Es wurde Alles in Ordnung befunden. Dar⸗ auf wird die Rechnungsablage genehmigt. Was eine Gewerkschaft leistet. Der Verein der Bildhauer Deutschlands, der von den 6483 Bildhauern Deutschlands rund zwei Drittel, etwas über 4000 Mitglieder umfaßt, verausgabte in den sieben Jahren von 1895 bis 1901 für Arbeitslosenunter⸗ stützung am Ort 292572 Mk. Die Unter⸗ stützung, die sich im Jahre 1897 auf 45 970 Mk. bezifferte, schnellte im Jahre 1901 auf 87015 Mk. empor; und im ersten Vierteljahr dieses Jahres wurden für Arbeitslose am Ort bereits 40839 Mark verausgabt, so daß eine Jahresausgabe von mindestens 160000 Mark (bei rund 4000 Mitgliedern) sicher erscheint.— Für die Kämpfe auf wirtschaftlichem Gebiete zur Erzielung besserer Arbeitsbedingungen hat der Centralverein seit Anfang des Jahres 1895 bis Ende 1901 aus der Centralkasse 72334 Mk. verausgabt. r A—— von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Der Neue⸗Welt⸗Kalender für 1903 ist in prächtiger Ausstattung wiederum erschienen. Wie immer enthält er neben aus⸗ führlichem Kalendartum, Verzeichnis der Messen und Märkte, Trächtigkeits⸗ und Brütekalender, eine Fülle belehrender und unterhaltender Auf⸗ sätze, die durch gute Illustrationen unterstützt werden. Aus dem reichen Inhalt seien besonders folgende Abhandlungen und Erzählungen her⸗ vorgehoben: Pharao's Traum, Humoreske von Emil Rosenow.— Welche Aufgaben stellt die ——— eee — — — — 1 — Seite 4. Mitteldeutsche Sonulags⸗Zeitung. Nr. 35. Säuglingssterblichkeit der bürgerlichen Gesell⸗ schaft? Von Curt Freudenberg.— Volksrecht. Gedicht von Robert Seidel.— Bruno Schoen⸗ lank. Von I. A.(mit Portrait).— Vom Obst⸗ baum und seinen Früchten. Von Curt Grotte⸗ witz.— Ein Glückspilz. Erzählung von Robert Schweichel(mit Illustrationen).— Karl Bürkli. Von Hermann Greulich(mit Portrait).— Die Bagdadbahn und die asiatische Türkei. Von Max Schippel.— In St. Gallen. Von I. A. — Wie man vor 150 Jahren Buchbindergeselle wurde. Von Dr. Adolf Braun.—„Ach— was verstehst Du davon!“ Skizze von Helma Steinbach.— Wie wiegt man die Erde? Von Dr. Bruno Borchardt(mit Illustrationen).— Russische Revolutionen. Von A. Demmer.— Prüfung von Schiffsmodellen. Von A. G.— Außerdem haben noch eine Anzahl schöner Ge⸗ dichte bestens bekannter Verfasser Aufnahme gefunden. Der Preis beträgt nur 40 Pfg. Zu haben ist er bei dem Vorsitzenden der Kol⸗ portage⸗Kommission Gg. Beckmann, außer⸗ dem bei unseren Zeitungsträgern.— Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch auf die illustrierte Romanbibliothek„In freien Stunden“ aufmerksam machen, die in Wochen⸗ heften a 10 Pfg. im Verlage des„Vorwärts“ erscheint. Die laufenden Hefte enthalten neben dem mit prächtigen Zeichnungen geschmückten Roman„Die drei Musketiere“ von A Dumas, der bei dem Leserkreis reichen Beifall findet, die stimmungsvolle Raabesche Erzählung „Die schwarze Galeere“, die namentlich die Frauenwelt und die Jugend fesselt. Diese Romanbibliothek ist bestimmt, die leider noch vielfach in Arbeiterkreisen verbreitete Schund⸗ litteratur zu verdrängen, und dazu muß die Arbeiterschaft mit beitragen, indem sie die Romanbibliothek unterstützt. Parteigenossen allerorts! Nach dem auf dem Mainzer Parteitage beschlossenen Organisationsstatut kann sich bekanntlich nur Derjenige zur Partei zählen, welcher sie dauernd mit Geld⸗ mitteln unterstützt. Der Satz ist nicht so zu verstehen, daß Genossen, die wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit und großer Armut einen Beitrag nicht zahlen können, als nicht zur Partei gehörig betrachtet werden. Das wäre ja bei einer Arbeiterpartei, wie sie die Sozialdemokratie darstellt, ein un⸗ haltbarer Beschluß. Aber der Parteitag ist von der Ueberzeugung ausgegangen, daß ein engerer Zusammenschluß aller Sozialdemokraten erfor- derlich ist, wenn wir auf unserer bisherigen Siegesbahn weiter schreiten wollen. Darum muß auch für die Partei eine festgefügte große Organisation geschaffen werden, die über regel⸗ mäßige Einnahmen verfügt. Durch den Anschluß an diese erfüllt ein Genosse den erwähnten Parteitagsbeschluß. Soll etwas erreicht werden zum Wohle der besitzlosen Klasse, so müssen unsere Parteivereine mehr Mitglieder aufweisen, als es bis jetzt der Fall ist. Die in unseren Wahlvereinen und Arbeiterbildungsvereinen erhobenen Mit⸗ gliederbeiträge sind so niedrig, daß Jedem der Beitritt ermöglicht ist. Tretet deshalb unge⸗ säumt unseren Parteivereinen bei! Diese schon mehrfach in unserem Blatte ergangene Mahnung muß besonders angesichts der bevorstehenden Wahlen beherzigt werden. Es steht uns zweifellos ein äußerst heftiger Wahlkampf bevor. Wenn wir nicht für thatkräftige Organisationen und hinreichende Mittel sorgen, so werden wir unterliegen und die Ausbeutung und Unter⸗ drückung des Volkes wird noch verschärft werden. Darum besinne sich jeder auf seine Pflicht, trete unsern Wahlvereinen bei und ermuntere seine Freunde und Mitarbeiter ebenfalls zum Beitritt. Besonders lasse sich aber ein jeder die Verbreitung uuserer Parteischriften und Blätter angelegen sein. Werbt deshalb stets Abonnenten für die „Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung“! Bekanntlich kostet das Blatt nur 28 Pfennig den Monat. — In der Gewerkschaftsversammlung, die am vergangenen Samstag im Orbigeschen Lokale statt⸗ fand und gut besucht war, berichtete Genosse Ehrler⸗ Frankfurt über den Stuttgarter Gewerkschafts⸗ kongreß. Er wies zunächst darauf hin, daß schon die zahlreiche Beschickang desselben von Seiten der aus⸗ ländischen organisierten Arbeiterschaft zeige, von welch großer Bedeutung der Kongreß sei. Die Ausführungen der auswärtigen Delegierten bewiesen auch, daß überall die Arbeiterschaft von der Notwendigkeit der Bethätigung auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiete durch⸗ drungen sei. Auch auf der Regierungsseite ist ein Um⸗ schwung in den Anschauungen zu bemerken. Derselbe Minister schickte seinen Vertreter, der noch vor wenig Jahren durch das Zuchthausgesetz die Arbeiterbewegung niederknüppeln wollte. Redner ging dann auf die Ver⸗ handlungen des Kongresses näher ein, konnte natürlich nur einen Teil der zahlreichen Verhandlungsgegenstände eingehender besprechen. Von den 12 Tagesordnungs⸗ punkten nahm die Angelegenh it der Buchdrucker, ihr Streit mit dem Leipziger Gewerkschaftskartell, viel Zeit in An⸗ spruch. Die Sache wird hoffentlich jetzt bald beigelegt werden, da Verhandlungen im Gange sind, welche die Herbeiführung einer Verständigung zwischen dem Verband und der Gewerkschaft bezwecken. Als recht erfreulich bezeichnete der Redner die Er⸗ klärung des Kongresses, daß die Gewerkschaften ihre politische Vertretung nur in der Sozialdemokratie sehen. Das sei ein deutlicher Wink für gewisse„Arbeiterfreunde“, die gerne einen Keil in die Arbeiterbewegung hinein⸗ treiben möchten. Ueber„Agitation unter den Frauen“ referierte Frau Tietz⸗Berlin, die betonte, daß vielfach die Männer schuld seien, wenn die Organisation der Frauen wenig Fortschritte mache. Redner giebt das zu; er spricht sich ebenfalls dahin aus, daß der Mann nicht seine Frau mit einem„Das verstehst Du nicht“ von der Bethätigung auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiete abhalten, sondern sie vielmehr dazu anregen solle. Ein besonders wichtiger Verhandlungspunkt war das Reichs⸗Arbeiter-Sekretariat. Eine derartige Ein⸗ richtung erweist sich mit jedem Tage mehr als notwendig. Hauptaufgabe des Zentralsekretariats soll die Vertretung von Gewerkschaftsmitgliedern in Unfallprozessen vor dem Reichsversicherungsamt sein. Gegenwärtig zahlen die Arbeiter, welche einen Unfall-Entschädigungs Anspruch erheben, oft hohe Summen an Winkelodvokaten für Ver⸗ tretung ihrer Sache vor dem Reichsversicherungsamt. Der Kongreß hat beschlossen, ein Zentral ⸗Arbeitersekretariat zu errichten, das mit dem 1. Januar 1903 ins Leben treten soll. Ferner beschloß der Kongreß noch die Ver⸗ legung der General⸗Kommission nach Berlin, die ebenfalls am 1. Januar erfolgen soll. Weiter berichtete Ehrler über die zahlreichen Schwie⸗ rigkeiten, die den Gewerkschaften von behördlicher Seite noch bereitet werden, wie ste auf dem Kongreß zur Sprache kamen. Es kam sogar vor, daß man gegen die bei Lohn bewegungen thätigen Unterhändler der Ar⸗ beiter ein Verfahren wegen„Erpressung“ einleitete! Ueber die Stellung der Gewerkschaftskartelle zu den Zentral⸗Organisationen verhandelte der Kongreß nur lurz, die Frage soll auf die Tagesordnung des nächsten Kon⸗ gresses gesetzt werden. Mit der Aufforderung, jeder Ar⸗ beiter möge nach besten Kräften zur Stärkung und Aus⸗ breitung der Gewerkschaften beitragen, schloß Redner seine Ausführungen. Die Diskussion war nur kurz und drehte sich um die„Buchdrucker“-Angelegenheit. — Der Gesangverein„Eintracht“ feiert am Samstag, den 20. September sein 29. Stiftungsfest im Leib'schen Saale. Wir weisen schon jetzt darauf hin, damit die befreundeten Vereinigungen sich danach richten und dem Verein ihre Unterstützung angedeihen lassen können. — Ausflug nach Gleiberg. Die hiesigen Genossen und der Gesangverein„Eintracht“ veranstalten diesen Sonntag einen Ausflug nach Gleiberg, um sich dort an der von den Wetz⸗ larer Genossen arrangierten Lasallefeier zu beteiligen. Abmarsch von der Lahnbrücke aus spätestens halb 3 Uhr. Der Gesangverein kommt um 2 Uhr bei Orbig zusammen. — Uebergeschnappt war ein Feuer⸗ werksleutnant aus Hanau, der in einem Koupee 2. Kl. am Dienstag von Frankfurt nach Gießen fuhr und die Mitreisenden mit einem Revolver bedrohte. Die Waffe wurde ihm in Gießen abgenommen und er selbst in die psychiatrische Klinik gebracht. Er litt an Verfolgungswahn und war aus seiner Garnison entflohen. Aus dem Nreise gießen. — Zur Landeskonferenz. Wir weisen nochmals auf die über 8 Tage in Worms stattfindende Landeskonferenz hin. Wegen der weiten Entfernung des Konferenzortes ist für Oberhessen die Beschickung allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Es muß aber trotz⸗ dem dafür gesorgt werden, daß auch die Ober⸗ hessischen Genossen ihrer Zahl entsprechend ver⸗ treten sind. — Wie schon auf der Kreiskonferenz betont wurde, ist es zweckmäßig, wenn mehrere Orte zusammen einen Delegierten schicken. Bei⸗ spielsweise könnten sich Alten⸗ und Großen⸗ Buseck, Trohe und Rödgen mit Wieseck über die Delegation verständigen. Die Abreise der Delegierten muß ziemlich frühzeitig erfolgen. Wer von einer kleineren Station aus abreisen oder überhaupt 4. Klasse fahren will, muß den Nachtzug benutzen. Der⸗ selbe geht ab Lollar 2.29, Gießen 2.55, Großen⸗ Linden 3.06, Friedberg 3.53 in Frankfurt 5.00. Andernfalls muß der Morgen schnell zug ab Gießen 4.58, Friedberg 5.35, in Frankfurt 6.09 benutzt werden. Von Frankfurt ab ist die Linie über Groß⸗Gerau und Goddelau⸗Er⸗ felden zu benutzen. Der Personenzug geht ab Frankfurt 5.40, der Schnellzug 6.54. r. Aus Heuchelheim schreibt man uns: Vergangenen Sonntcg feierte der Turnverein sein 14. Stiftungsfest, was den besten Verlauf nahm. Als eine Kuriosität ist zu verzeichnen, daß einige„bessere“ Mitglieder darüber die Nase rümpfen, daß ein auf das Fest bezügliches Inserat in der„Mtitteld. S.⸗Ztg.“ erschienen ist. Dazu haben aber die Leutchen gar keinen Grund, denn ohne dies Inserat würde das Fest kaum den zahlreichen Besuch aufzuweisen gehabt haben. Es wurde doch nicht etwa ihren „patriotischen Gefühlen“ zu nahe getreten? — Aus Hausen schreibt man uns: Das Fest der silbernen Hochzeit begehen diesen Sonntag unser Genosse Joh. Schienbein und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Schäfer. Wir wünschen von Herzen, daß unserm Genossen und seiner Gemahlin noch weitere 25 Jahre und noch mehr glücklichen Zusammenlebens beschieden sein mögen und daß ihm in seinem Familienkreis stets reine Freude erblühe. — In Leihgestern wurde am Samstag der 87 Jahre alte Peter Krick, der am Mitt⸗ woch verstarb, unter zahlreicher Beteiligung beerdigt. Der bis in dieses hohe Alter noch sehr rüstige Mann hatte sich vor wenigen Wo⸗ chen durch einen Fall eine Gehirnerschütterung zugezogen, deren Folgen er erlag. Der Ver⸗ storbene hat stets lebhaftes Interesse für die Sache der Arbeiter bekundet. Drum Ehre sei⸗ nem Andenken! Aus dem Rreise Wetzlar. h Bei der Gewerbegerichts⸗Ersatz⸗ wahl wurden nach der amtlichen Bekannt⸗ machung auf die Dauer von 6 Jahren gewählt: Aus dem Kreise der Arbeitgeber im Wahlbezirk 1: Bäckermstr. Ed. Kyrmse von Wetzlar, Schneidermstr. Albrecht Fauth von Wetzlar; im Wahlbezirk 3: Maurermstr. Karl Gernand zu Ehringshausen; im Wahlbezirk 4: Metzgereibes. Hubert Freund zu Krofdorf. Aus dem Kreise der Arbeitnehmer im Wahlbezirk 1: Schreinergeselle August Biek von Wetzlar, Handschuhmachergehilfe August. Beck von Wetzlar; im Wahlbezirk 3: Gruben⸗ aufseher Heinrich Messerschmidt zu Ehrings⸗ hausen; im Wahlbezirk 4: Cigarrenarbeiter K. Leib II zu Krofdorf. h. Kleine Sünder. In der vorwöchent⸗ lichen Schöffengerichtssitzung fielen mehrere Missethäter, so wie es sich nach dem Gesetze gebührt, in Strafe. Einige davon mögen sich wohl allerdings die Gerechtigkeit etwas anders vorstellen. So hatte eine arme Frau aus Schwalbach im dortigen Walde etwas Gras geschnitten, ohne daß sie— man denke!— dazu einen Schein besaß. Das unerhörte Ver⸗ brechen büßt sie mit 6 Mk. oder 2 Tagen Gefängnis. Ein anderer armer Teufel hatte in einer Wirtschaft 2 Schnäpse getrunken, hatte aber kein Geld, als es ans Bezahlen ging. Mit vollem Recht muß er dafür eine Woche brummen und ebensolange wegen groben Unfugs.— 10 Mk. Geldstrafe oder zwei Tage bekommt ein Fuhrmann, der mit seinem Wagen einen Baum anrannte und beschädigte. Sicher ist, daß die Leute alle mit Fug und Recht be⸗ straft wurden. Vergleicht man aber die für solche Bagatellen verhängten Strafen mit den gelinden, wie sie oft Duellmörder und Bank⸗ räuber erhalten, so fällt einem Shakespeare ein: M. u. n Ne en g 0 Großen. Meset iber ß deni ner feineren iht 4. klase nuten. Der. ir. une. 1 an 7 ella Jun in If de igliches erschienen gar keinen ürde das ufzuweisen etwa ihren menlebens n seinem L. am Samstag der am Mitt⸗ Beteiligung he Alter noch venigen Wo⸗ nerschütterung . Der Ver⸗ resse für die m Ehre se⸗ flak. Pts⸗Ersatz⸗ den Belannt⸗ dren gewählt: eitgeber in hn Chu narbeiter f. schent⸗ 05 dorwöch Nr. 35. Mittelden tsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. —— Durch zerlumpte Hadern Scheint selbst as kleinste Laster durch; Amts⸗ mäntel Und pelzverbrämte Röcke decken Alles. Plattir' die Sünde nur mit Gold, gleich bricht Die starke Lanze der Gerechtigkeit Ohnmächtig ab; bekleide sie mit Lumpen Und eines Narren Strohhalm sticht sie durch. — Auf die Lassallefeier in Glei⸗ berg, welche dort diesen Sonntag im Feußer⸗ schen Lokale stattsindet— nicht im„Schwarzen Walfisch“, wie vorher apgegeben— werden die Genossen nochmals aufmerksam gemacht und um recht zahlreiche Beteiligung ersucht. Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. St. Die Lassallefeier am Sonntag, den 30. August, findet nicht, wie zuerst bekannt gegeben, nachmittags 4 Uhr, sondern abends Uhr im Jesberg'schen Lokale statt. Die Veranlassung zur Abänderung giebt der schlechte Besuch der in letzter Zeit an Sonntagsnach⸗ mittagen abgehaltenen Versammlungen. Hof⸗ fentlich ist durch die Verlegung der Feier auf den Abend ein recht zahlreicher Besuch zu erwarten. — Allgemeine Gewerkschafts⸗Ver⸗ sammlung. Die am vergangenen Sonntag⸗ nachmittag im Jesberg'schen Lokale anberaumte Versammlung der hiesigen Gewerkschaften war leider sehr schwach besucht, was denselben wahr⸗ haftig nicht zur Ehre gereicht. Nachdem der Vorsitzende der Gew.⸗Kommisston, Alb. Knopf, die Versammlung eröffnet hatte und das Bureau gebildet war, erteilte er dem als Delegierten bei dem Gewerkschaftskongreß in Stuttgart anwesend gewesenen Bezirksleiter der Metall⸗ arbeiter, F. Ehrler, aus Frankfurt a. M. das Wort zu einem Vortrag über den Kongreß. Redner schilderte in fast zweistündigen, fesselnden Ausführungen die auf dem Kongreß gepflogenen Verhandlungen und Beschlüsse, mit besonderer Berücksichtung der sog. Buchdruckerdebatte. Als besonders bemerkenswert hob er hervor, daß dies— mal auch die Reichsregierung Vertreter zum Kongreß entsandt habe, wodurch sich die Dele⸗ gierten allerdings keinerlei Hoffnung auf ein besseres Verständnis der Regierung für die Bestrebungen der Gewerkschaften gemacht hätten. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage folgte noch eine kurze Diskussion, sowie ein Schlußwort des Referenten, worauf der Vor⸗ sitzende ihm den Dank der Versammlung aus⸗ sprach und, nachdem noch einige lokale Ange⸗ legenheiten besprochen waren, die Versammlung schloß.(Siehe auch unter Gieß. Angel. D. R.) — In Ockershausen hatten sich am verflossenen Sonntag in der Gastwirtschaft von A. Metzig eine größere Anzahl von Stein⸗ hauern aus Marburg und Umgegend zusammen⸗ gefunden, welche eine Besprechung über ein demnächst in obigem Lokale zu veranstaltendes Vergnügen pflogen. Man hofft, durch die Veranstaltung eines solchen die Steinhauer, Maurer usw. aus ihrer Letargie aufzurütteln und ste zum Eintritt in die Organisation zu bewegen, um dann später auch hier eine Zahl⸗ stelle des Verbandes errichten zu können. Ob dieses Mittel von Erfolg sein wird, werden die Thatsachen lehren. Wir wollen das Beste wünschen. a G. An unsere Abonnenten. Mit 1. September wird das Austragen der Zeitungen von Genossen Prüßing besorgt. Um nun eine geregelte Geschäftsführung zu ermöglichen, ersuchen wir die Genossen, den Abonnements⸗ — betrag unbedingt vor dem 15. jeden Monats an gen. Genossen zu bezahlen. Bestellungen auf Werke, sowie auf den jetzt erschienenen Neue⸗Weltkalender und Arbeiter⸗Notizkalender werden auch von demselben entgegengenommen. Pflicht eines jeden Genossen sst es, für die Verbreitung unserer Presse einzutreten, sowie neue Abonnenten zu werben. Bergunglück in Oberschlesien. Am Montag früh brach in der Heinitzgrube bei Beuthen in Ober⸗Schlesten auf der 420 Meter tief 1 Sohle ein Grubenbrand aus. Dabei sind 18 Häuer und ein Ober⸗ steiger erstickt, 80 Schwerverletzte liegen im Krankenhause in Beuthen. (Weiteres Nah und Fern Seite 7.) Kleine Mitteilungen. Wegen Milch pantscherei wurde eine Bäuerin aus Kloppenheim vom Amtsgerichte in Vilbel zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt. Ihr Mann erzielte Freispruch. Beide waren angeklagt, der Milch fast zur Hälfte Wasser zugesetzt zu haben. * Grausiger Fund. In der katholischen Kirche zu Höchst a. M. fand ein barmherziger Bruder ein Packet, worin sich die Leiche eines neugeborenen Kindes befand, das offenbar erstickt worden war. e Morithat. In Frankfurt tötete am Donnerstag früh ein 24 Jahre alter Metzgerbursche in der Vogelgesanggasse eine verheiratete, unter polizei⸗ licher Kontrolle stehende Frau durch drei Revolverschüsse und erschoß sich dann selbst. e Vertrauens un würdiger Vertrauens- mann. In Coburg entfloh der dortige Partei-Ver⸗ trauensmann mit etwa 200 M. Parteigeldern nach der Schweiz. Er dürfte mit den paar Mark kaum weit kommen.— Für den Offenbacher Arizonaliker bietet sich aber wieder vortreffliche Gelegenheit über die Schlechtig— keit der Sozialdemokratie und die über allen Zweifel erhabene— Ehrlichkeit der Antisemiten Artikel zu ver⸗ brechen. „ Ordnungsstütze kommt ins Zuchthaus. Der hochangesehene Seminar⸗Oberlehrer Collmann in Greiz wurde wegen Sittlichkeitsverbrichen an seinen Schülern, die ihm in 300 Fällen nachgewiesen wurden, zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. * Henkerarbeit. In Altenburg wurden am Donnerstag früh die drei wegen Mordes an dem Grubenarbeiter Seifert zum Tode Verurteilten und zwar die 47 jährige Wittwe Seifert, der 34 jährige Nieder⸗ mater und der 20 jährige Maurer Tänzler, mit dem Beil hingerichtet. * Ein Schiffsunglück ereignete sich am Sonntag Nacht wiederum bei Hamburg. Der Personendampfer „Billwärder“ mit 114 Mitgliedern eines Vereins an Bord, stieß mit dem Dampfer„Adelbert“ zusammen. Keines der beiden Schiffe sank, aber es entstand doch eine furchtbare Panik, wobei 10 Passagiere verletzt wurden. z Brückeneinsturz. Ein Bogen der im Bau be⸗ findlichen Corneliusbrücke in München stürzte ein und riß etwa 40 Arbeiter mit in die Tiefe, von denen 30 zum Teil schwer verletzt wurden. Zwei sind den Ver⸗ letzungen erlegen. * Frhr. v. Stietencron in Niederweiler(Loth⸗ ringen), der im vergangenen Jahre den italienischen Arbeiter Fazzi erschoß, vom Kriegsgericht aber freigesprochen wurde, scheint sich in Niederweiler nicht mehr wohl zu fühlen. Er will sein Gut nebst Allen, was dazu gehört für 450 000 Mk. verkaufen und Lothringen verlassen. Sein Scheiden wird Niemandem Thränen entlocken. Besonders schofel von diesem Menschen war, daß er bei all' seinen Reichtum den Hinterbliebenen des von ihm Ermordeten Zahlung einer kleinen Rente verweigerte. Saubere Nonne. Die Schwester Philomena in Neapel versorgte gegen Geld mit den ihrer Obhut anvertrauten Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren die berüchtigsten Lebemänner Neapels. Als gegen zwanzig ihrer Zöglinge an einer häßlichen Krankheit darniederlagen, machten, wie der Berl. Volkszeitung ge⸗ meldet wird, die Aerzte Anzeige bei Gericht und erwirkten für das ruchlose Weib im Ordenskleid die Verurteilung zu sechs Jahren Zuchthaus. Aus Rache hetzte aber die klerikale Presse den abergläubischen Pöbel gegen die Aerzte auf und es fiel richtig der Arzt unter dem Dolchmesser bezahlter Subjekte. . Partei-Uachrichten. 8 Unser Frankfurter Parteiblatt, die„Volks⸗ stimme“, erfreut sich mitsamt der dortigen Parteidruckerei „Union“ einer günstigen Entwickelung. Wie in einer Versammlung des soz.⸗dem. Vereins mitgeteilt wurde, waren im letzten Jahre die Einnahmen für Abonnements um 4000 Mk. höher wie vor zwei Jahren, die Inserate brachten 3000 Mk. mehr wie im vorigen Jahre. Dabei verringerten sich die Druckkosten um 4000 Mk.(Das Blatt wird in eigener Druckerei hergestellt.) Die Druckerei erzielte einen Reingewinn von 12500 Mk. bei reich⸗ lichen Abschreibungen. Der Reingewinn wurde zum Teil für Vermehrung des Maschinen- und Schriftenmaterials verwendet.— Bekannt ist, daß in der Druckerei die achtstündige Arbeitszeit eingeführt ist und die dort be⸗ schäftigten Arbeiter auch sonstige Vergünstigungen (Ferien ꝛc.) genießen. Preßsünder im Gefängnis. Unter sehr scharfer Aufsicht wird unser Genosse Dr. Quarck gehalten, der gegenwärtig im Preungesheimer Gefängnis eine 2½¼ monatige Strafe abbüßt. Wle die Volksstimme mitteilt, ist es unsermn Genossen nicht einmal gestattet, unbeaufsichtigt iim Gefängnishofe spazieren gehen zu dürfen. Das ist doch unerhört. Hätte freilich Quarck einen Menschen im Duell ermordet, so hätte er sich viel gelinderer Behandlung zu erfreuen. Unser Genosse Theodor Metzner ist am Sonntag unter ungeheuerer Beteiligung der Parteigenossen auf dem Friedhof der freireligiösen Gemeinde in Berlin beerdigt worden. Der Trauerzug, in dem sich auch mehrere Musikkorps befanden, zählte weit mehr als 12000 Personen. Die liberale Fraktion der Stadtver⸗ ordnetenversammlung war durch Deputationen vertreten. Da sich die Polizei taktvoll benahm, kam keinerlei Un⸗ ordnung vor. Der Vorbeimarsch des Zuges währte mehr als eine Stunde. Am Grabe hielt Genosse Waldeck⸗ Manasse die Trauerrede, in der er die Verdienste des alten erprobten Kämpfers für die Arbeitersache schilderte und seinen lauteren Charakter hervorhob. „Die Parteigenossen in Wiesbaden wählten den freireligiösen Prediger Welker zum Parteitags⸗Delegierten und nahmen ver— schiedene Anträge in Bezug auf die Bekämpfung des Zentrums an. Versammlungskalender. Samstag, den 30. August. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. T.⸗O.: 1. Die Landes⸗ konferenz. 2. Anträge zum Parteitag. Heuchelheim. Arbeiterbildungs verein. Abends 1/9 Uhr Versammlung bei Wirt August Rinn. Wieseck. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei B. Wacker. T.⸗O.: 1. Bericht von der Kreiskonferenz. 2. Die Landeskonferenz in Worms. Sonntag, den 31. August. Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig. Montag, den 1. September. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag, den 2. September. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Führer durch das Gewerbe-Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Bau⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Unfallversicherungs⸗Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Invalidenversicherungs-Gesetz. Jedes einzelne Werk ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk. Die Kommission. Die Landes⸗Konferenz der Sozialdemokraten Hessens findet Sonntag, deu 7. September 1902, Vormittags 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus in Worms statt. Vorläufige Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Referent Ge⸗ nosse Ulrich, Offenbach. 2. Rechnungsablage. Referent Genosse Orb, Offenbach. 3. Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referent Genosse Dr. David, Mainz. 4. Der Parteitag in München. Darmstadt. 5. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. Referent Ge⸗ nosse Ulrich, Offenbach. 5 6. Einlaufende Anträge. 7. Wahl des Landes-⸗Komitees. 8. Wahl des Ortes der nächsten Landes⸗Konferenz. Parteigenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konferenz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Delegierte ge⸗ wählt werden. Diskutiert die Tagesordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können. Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee und werden dieselben vom Genossen Ulrich bezogen. Offenbach a. M., 15. Juli 1902. Daß indes⸗Komitee. C. Ulrich, eee gr. Marktstraße 23. Geleitsstraße 14. Referent Genosse Cramer, 2 — 1 Seite 6. MNitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 35. 1 e 4 0 Unterhaltungs-Ceil. 5 2 Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 140(Fortsetzung). 17. Vom Blitzstrahl im Parrhause und dem neuen Herrn Pfarrer. Zu dieser Zeit war in einer Nacht ein erschreckliches Gewitter. Der ganze Himmel stand in Flammen. Der Donner rollte, daß die Häuser bebten und die Fenster klirrten.— Wenn die Bauern das ganze Jahr ruchlos blieben, so beteten sie doch allemal beim Gewitter recht laut und bereuten ihre Sünden von ganzem Herzen so lange, bis das Wetter vorüber war. Dann lebten sie wieder wie vorhin. Plötzlich fuhr mit entsetzlichem Krachen und Prasseln der Blitz ins Dorf. Er fiel wie ein Feuermeer auf das Pfarrhaus; doch zum Glück zündete er nicht und beschädigte niemanden. Aber am folgenden Morgen sah man, wie der Blitz das ganze Dach zerschmettert hatte, und der alte Herr Pfarrer war vom Schrecken so hart befallen worden, daß er nach wenigen Tagen starb. Da schimpften die Goldenthaler auf die Regierung und sagten:„Die Regierung ist an dem ganzen Unglück Schuld. Denn hätte sie nicht verboten, beim Hochgewitter mit der Glocke zu läuten, so wäre das nicht geschehen. Sonst hat man doch das Wetter, wenn es kam, wegläuten können; jetzt ist das verboten. Diese großen Herren haben keine Religion mehr im Leibe. Nun haben wir das Unglück.“— So sprachen die Goldenthaler. Oswald aber sagte:„Wie denket ihr doch in eurem Herzen so thöricht, und sprechet so lästerlich! Die Regierung hat den Blitz nicht auf das Dach des Pfarrhauses gezogen, sondern der metallene Knopf mit der eisernen Wetterfahne hat es gethan. Denn es liegt in der Natur des Blitzes, immer dem Wasser oder den Metallen auf der Erde nachzugehen, besonders den metallenen Spitzen. Denn sobald der Blitz Metalle findet, an denen er bis in den Erdboden dringen kann, ist er unschädlich.“ So sprach Oswald, und führte die Bauern auf das Dach des Pfarrhauses. Da sahen sie alle in dem vergoldeten Knopf kleine einge⸗ schmolzene Löcher, und sahen, wie der Blitz den aufrechtstehenden Nägeln der Hohl- und Eck⸗ ziegel am Dache nachgelaufen war, bis unter das Dach zu einem Eisendraht, an welchem man vor der Hausthür zu klingeln pflegte, wenn man zum Herrn Pfarrer wollte. Weil nun der Blitz solch einen eisernen Weg zur Stunde gefunden, war das übrige Haus von ihm ver⸗ schont worden und ein kalter Schlag geblieben. wie die Bauern sagten. Er wäre aber, hätte er jenes leitende Eisenzeug nicht gefunden, wohl leicht ein gar heißer Schlag geworden. Oswald sprach ferner:„Weil die Kirch⸗ türme hohe Spitzen tragen und viel Eisenwerk im Junern, geschieht es oft, daß der Blitz sie trifft. Und weil daher schon mancher arme Mensch beim Gewitterläuten erschlagen worden ist, hat die hohe Obrigkeit das unnütze und abergläubige Läuten verboten. „So sprach Oswald; und weil er merkte, daß sich seit der Zeit viele Leute vor dem Blitzstrahl mehr als vorher fürchteten, that es ihm leid. Und er sprach:„Angst und Schrecken beim Gewitter sind ein Unglück; das Gewitter selbst ist ein Segen für die Länder. Darum legt euren Kummer ab. Gehet hin, befestiget auf dem Giebel eures Hauses eine eiserne Spitze, eines Schuhes hoch; knüpfet daran einen eisernen Draht, nicht dicker als die Spule einer großen Schreibfeder, der muß über das Dach herab bis zur Erde gehen in eine feuchte Stelle. So habet ihr dem Blitz einen Weg gemacht, auf dem er unschädlich zur Erde führt, wenn der Draht ein einziges Stück ist von oben bis unten, und ihr ihn sauber haltet von allem Rost und Schmutz. Ein Blitzableiter ist ein Furchtableiter, und bewahrt zugleich Haus und Dorf gegen ein mögliches Unglück und Feuersbrunst durch den Strahl.“ Also redete der Schulmeister, und setzte auf sein eigenes Haus eine Eisenspitze mit dem daran hängenden Draht(denn Elsbeth fürchtete sich stark bei Gewittern). Der Müller hatte dergleichen schon längst in der Stadt gesehen und that es auch. Viele Bauern folgten dem Beispiel nach, denn es kostete nicht viel und half doch zur Beruhigung. Andere aber nahmen in ihrer Dummheit daran großes Hindernis und sagten:„Heißt das nicht, unserm Herrgott nach den Augen stechen und ihm Gesetze vorschreihen? Kann er nicht mit seinen Blitzen treffen, wen er will? Werden die vielen Wetterstangen nicht die fruchtbringenden Gewitter verhindern und schlechte Witterung machen?“ Da antwortete der Schulmeister und sprach: „Ihr Thoren, die Wetter Gottes gehen über tausend Spitzen der Bäume des Waldes, wie über kahle Ebenen; und seine Blitze befruchten den Erdboden, sie mögen in den Wipfel der Eiche oder in Eisenstäbe, oder in See'n, Flüsse und Meere fallen. Wir haben aber Einsicht, auf daß wir uns bewahren sollen vor dem Schaden, den die herrlichste Sache am unrechten Ort stiftet. Das Feuer ist mit Licht und Wärme wohl ein herrliches Ding, aber nicht wenn das Haus brennt. Darum gab uns Gott das Wasser zum Löschen des Feuers. Brauchet ihr nun das Wasser zum Löschen des Feuers, warum traget ihr Bedenken, das Eisen zum Löschen des Blitzes zu gebrauchen? Es ist kein Uebel in der Welt, es giebt dagegen ein Mittel. Aber der Mensch soll es erkennen und mit Dank empfangen. Wer nun in blinder Verstocktheit das Mittel verschmäht, ist ein Verächter von Gottes teuersten Gaben, und leidet gerechte Strafe, es sei, daß sein Haus verbrenne von der Flamme des Feuers, oder daß sein Haupt vom Blitzstrahl getroffen werde.“ Viele glaubten an diese verständigen Reden. Andere aber, die Blöden und Hochmütigen, verachteten solche Worte in ihrem Herzen, und wollten nicht zugeben, daß es der Schul⸗ meister besser verstehe, als sie; denn sie schämten sich dumm zu sein, und wollten ihrer Unver⸗ ständigkeit das Ansehen der Klugheit verleihen. Die Stelle des verstorbenen Herrn Pfarres blieb nicht lange unbesetzt. Der neu erwählte Herr Pfarrer Roderich, damals noch ein junger Maun von siebenundzwanzig Jahren kam ins Dorf. „Ei!“ riefen einige Bauern;„was soll uns dieser Knabe? Wenn die Regterung keinen Glauben mehr hat, so soll sie uns doch bei unserm Glauben lassen, und einen würdigen Mann schicken, der Jahre und Erfahrung hat.“ Andere sprachen:„Der Herr Pfarrer ist auch einer von der neuen Mode. Gott sei es geklagt. Wenn er predigt, spricht er so wie unsereins, und man kann wahrhaftig alles begreifen und behalten. Das taugt nichts. Es ist nicht ge⸗ lehrt genug und sollte mehr lernen. Da muß man den alten Herrn Pfarrer selig in Ehren halten. Das war ein ganz anderer Mann! Der predigte so schön und gründlich gelehrt, daß ihn unsereins nur nicht verstand, und wenn er anderthalb Stunden auf der Kanzel war. Der wußte unsereins herzunehmen, wenn er von der Hölle und ewigen Pein anfing und von Buße und Glauben, und wenn er das ganze Sündenregister hersagte. Zumal im Winter, wenn es in der Kirche fror, daß man hätte Ach und Weh schreien mögen, dann machte er's am längsten!“— Wieder andere sagten:„Ja, der alte Herr selig, das war ein Mann! Wenn er auf der Kanzel stand oder beim Altax, da war doch von seiner großen, breiten Gestalt etwas zu sehen. Der neue Herr Pfarxer ist viel zu schmal, und dünn wie ein Zwirnfaden. Ja, wenn der alte Herr selig einmal eifern wollte, hörte man ihn weit über's Dorf hinaus richtig beim Vieh auf der Almende; und den Leuten, wenn sie aus der Kirche kamen, klangen die Ohren zwei Stunden hernach. Der hatte eine Stimme! Aber der neue Herr Pfarrer spricht so, als wäre er bei uns in der Stube.“ So urteilten die Leute zu Goldenthal, doch auch nicht alle. 19. Glück führt oft zur Unglücks⸗ Schwelle, Unglück oft zur Glückes⸗Quelle. In denselben Tagen aber begab sich ein großes Unglück im benachbarten Dorfe Ferkel⸗ hausen, wo am hellen Tage eine Feuersbrunst ausbrach, während die Leute dort auf dem Felde gearbeitet hatten. Zwar aus Goldenthal, wie aus andern naheliegenden Ortschaften, war man sogleich zur Hilfe dahin geeilt. Allein binnen wenigen Stunden lagen sechs Wohn⸗ häuser von den Flammen in Schutt und Asche verwandelt und einige Stücke Viehs blieben in den Ställen lebendig verbrannt. Solches Unheil war durch Unvorsichtigkeit von Kindern gestiftet worder, die in einem der Häuser zurückgelassen worden waren, als sich die Erwachsenen zur Arbeit auf ihre Aecker und Wiesen begeben hatten. Die Kinder hatten in der Küche mit der Kohlenglut auf dem Herde gespielt.— Ein Unglück kömmt selten allein, sagt man. Und diesmal war's der Fall. Als Abends die Goldenthaler vom Löschen heimkamen, sahen sie vor der Hausthür des Adlerwirts Kreidemann einen Haufen Weiber, Knechte, Mägde versammelt. Einige trockneten sich die Thränen vom Auge, andere seufzten mitleidig; alle standen ernst und niedergeschlagen da. Aus dem Hause aber erschollen Stimmen lauten Jammers und Wehklagens. Denn das jüngste vierjährige Töchterlein hatte auf ent⸗ setzliche Weise sein junges Leben eingebüßt. Es war hinter dem Hause, beim Stalle, in die Mistjauche gefallen, und elendiglich in der stinkenden Pfütze ertrunken. Jedermann hatte das Kind lieb gehabt, denn es war artig und hübsch, wie ein kleiner Engel, gewesen. Darum sah man überall so großes Herzeleid. Als Herr Pfarrer Roderich zwei Tage nach⸗ her beim Begräbnis des Mägdleins rührende Worte des Trostes gesprochen hatte, begab er sich zu seinem Freunde Oswald und sagte: „Lieber Freund, gute Worte sind allerdings löblich; aber gute Thaten viel löblicher. Es ist besser, ein Unglück verhüten, als darüber trösten. Es ist unverantwortlich, daß Leute zur Feldarbeit gehen und ihre unmündigen Kleinen ohne Aufsicht zu Hause sich selbst überlassen! Es ist unverantwortlich, weil un⸗ verständig, gegen alle Elternpflichten gesündigt, und gefahrvoll für sie selbst und andere. Warum richtet man bei uns kein Bewahr— haus der Unmündigen ein, keine sogenannte Kleinkinderschule, wie man in vielen Städten und Ortschaften hat? Das ist ja gar nicht kostspielig; erspart den Eltern Angst und Sorge, wenn sie, um Geld zu verdienen, vom Hause sich entfernen müssen, und beugt manchem Jammer und Elend vor. Oswald schüttelte den Kopf. Er gestand, er habe von dergleichen Bewahrhäusern, oder Kleinkinderschulen, nie gehört noch weniger gesehen. Dessen verwunderte sich der Herr Pfarrer sehr. Er erteilte ihm darüber Auskunft und sagte: man gebe die Kinder, welche noch nicht alt genug wären, die Schule zu besuchen, der Aufsicht einer verständigen Frau. Diese hüte und besorge die Kleinen den ganzen Tag über, während die Eltern außer Hauses in der Arbeit wären; spiele mit ihnen in der Stube, oder, bei gutem Wetter, im Freien; gewöhne sie zur Reinlichkeit, und zum Gehorsam; lehre ste im Spielen mancherlei Nützliches, und gebe ihnen zu essen, was man Morgens für sie geschickt hätte. Es hörte Oswald die Worte des Pfarres mit großer Aufmerksamkeit; schüttelte dann aber mit bedenklicher Miene den Kopf, und sprach:„Die Bauern hier zu Lande sind noch etwas rohes Volk. Viele Eltern sind gewissenlose Menschen, die sich um ihre Schweine, Ziegen und Kühe weit mehr, als um ihre eigenen Ge lan 1 U un G0 Un be Heuersbrunst dt auf dem Goldenthal, Oitschasten, geeilt. Allein echs Wohn⸗ 1 und Ache ziehs blieben at. Solches von Kindern der Hiuse 1s sich die Acker und der hatten in dem Herde selten allein, er Fall. vom Löschen Sthür des ute auf ent⸗ gebüßt. lle, in 9 und sagte: id allerdings öllicer. Es als darüber 1 daß Leute mündigen ige sich selbst 17 weil Uu ten gesündigt, n Et getan, 5 iusern, 1c weniger Nr. 35. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. armen Kinder bekümmern.„ Ichl fürchte, sie würden, wenn sie ihre Kleinen anderswo auf⸗ gehoben wissen, ihre Elternpflicht noch mehr bergessen lernen!— Dann aber, glaub' ich auch, taugt es nicht, daß man die kleinen Geschöpfe, ehe sie das sechste Jahr zurückgelegt haben, schon zum Lernen anhalte. Es ist zu früh. Man muß, in so zartem Alter vor allen Dingen nur für die Pflege ihrer Gesundheit, und für Stärkung ihrer schwachen Kräfte Sorge tragen.“ (Fortsetzung folgt.) Zehn Sätze vom Trinken. 1) Trinke nicht, weil andere es wollen, sondern nur, wenn Du Durst hast! 2) Trinke nie, ohne gegessen zu haben! 3) Wenn Dux erhitzt bist, trinke keine kalten Getränke! f 4) Trinke nie Branntwein! 5) Trinke nie mehr, als Du vertragen kannst! Vom Gegenteil kommt viel Unglück. 6) Spotte nicht über den, der nicht trinken will! Er hat vielleicht mehr darüber nachge⸗ dacht als Du. 7) Denke beim und Kinder! 5 8) Gieb niemals Kindern geistige Getränke! Sie sind ihnen Gift. 9) Laß manchmal ein Glas ungetrunken und verwende das Geld für die Arbeiterbewegung! 10) Denke daran, daß es außer dem Trinken noch Freuden des Lebens giebt, und vielleicht bessere! Trinken auch an Frau Wenn der Kaiser reist. Dieser Tage kommt der Kaiser nach Posen. Aus diesem Anlaß wird die dortige Schutz mannschaft um 105 Schutzleute, 8 Wachtmeister und 2 Kommissare, die aus Breslau kommen, verstärkt. Eine größere Zahl städtischer Schulen in Posen sollen für die Kaisertage zum Teil in Kammern und Büreaus für das Militär um⸗ gewandelt werden. In diesen Schulen wird der Unterricht vom 26. August bis einschließlich 8. September ausgesetzt. Auch die nicht für das Militär in Anspruch genommenen Schul⸗ austalten schließen für die Tage vom 2. bis 4. September. An der Spalierbildung am 3. September sollen nach der„Pos. Ztg.“ nicht nur sämtliche Schulen der Stadt Posen, sondern auch Schulanstalten aus der Provinz, teilnehmen. Heilig ist das Eigentum! Vor der Strafkammer zu Halle a. d. S. hatte sich die Arbeiterin Minna Traviel zu verantworten. Sie hat das Unglück, vorbestraft zu sein; sie entwendete im Monat Mai in bitterster Rot— ihr kranker Mann konnte nichts verdienen und die Sorge für die Familie ruhte völlig auf ihren Schultern— auf der Seebener Flur aus einem Schuppen der wohl⸗ habenden Gebrüder Nagel für 5 Pfennig Braunkohlenschutt, um für die Familie Essen bereiten zu können. Die unglückliche Frau wurde deshalb zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie rückfällig war und die heilige Ordnung diese Strafe verlangte. Der Spruch:„Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein,“ wird wohl, so lange die bürgerliche Gesellschaft besteht, seine Berechtigung behalten. Wie Verbrecher gezüchtet werden. — In Kottbus hatte sich, wie unser Forster Parteiorgan schreibt, ein zwölfjähriger Schul⸗ knabe Karl Jurk wegen schweren Diebstahls zu verantworten. Der Junge, ein schwächliches Kind, wird aus dem Zentralgefängnis vorgeführt, wo er zur Zeit bereits eine einmonatige Gefäng⸗ nisstrafe wegen Diebstahls zu verbüßen hat. Er ist geständig, mit einem passenden Schlüssel die Wohnung der Wittwe Seidel geöffnet und 1 Mk. entwendet zu haben. Der Verteidiger führt an:„Die Mutter des Kindes, die Witwe Jurk, nährt sich kümmerlich, indem sie bei fremden Leuten wäscht; sie kann sich wenig um die Erziehung ihres Kindes kümmern und seine Nahrung bestand größtenteils nur aus Mehl⸗ suppe. Der Junge bleibt die meiste Zeit sich selbst überlassen.“ Das Gericht erkannte unter Zubilligung mildernder Umstände auf 4 Mo⸗ nate Gefängnis! Ob die Frage nach der erforderlichen Einsicht in die Strafbarkeit der Handlung erwogen worden ist, ist nicht angegeben, jedenfalls ist die Frage nicht verneint worden. Wer kann aber glauben, daß dieses arme, hungernde, mit Mehlsuppe genährte Kind, um das sich die Mutter aus Pot nicht kümmern kann, gebessert aus dem Gefängnis kommen wird! Ein Gewohnheits verbrecher mehr! Das ist das Resultat dieser unsinnigen Methode. Dabei- und das ist das Beschämendste und Traurigste— ist die übergroße Mehrheit aller Fachgelehrten, aller Kriminalisten, aller Sozio⸗ logen und aller Politiker einig darüber, daß solche Kinder nicht ins Gefängnis, sondern in eine gute Pflege und Erziehung gehören, daß ste der menschlichen Gesellschaft verloren sind durch die Einsperrung im Gefängnis. Und doch ist noch nicht abzusehen, wann diesem schmachvollen Zustande ein Ende bereitet werden wird. Gemeinnütziges. Von den Pilzen. Die Pilzsaison hat jetzt wieder begonnen, und die Freunde der wohlschmeckenden und nahrhaften Gerichte, die aus den zum großen Teil unscheinbaren Pilzen bereitet werden können, werden es sich nicht entgehen lassen, in das Einerlei ihres Menus durch den neuen Saisonartikel angenehme Ab⸗ wechslung zu bringen. Leider ist, so schreibt die„Freis. Ztg.“, die Zahl dieser Pilzfreunde noch immer nicht so groß, wie es bei der Be⸗ deutung dieses Nahrungsmittels wünschenswert wäre, und so geht alljährlich ein großer Speise— vorrat, den unser Boden hervorbringt, ungenutzt zu Grunde. Die Abneigung weiter Kreise gegen die Pilze ist hauptsächlich der Furcht vor Ver— giftungen zuzuschreiben, und es ist allerdings nicht zu leugnen, daß gerade die besten eßbaren Pilzarten gefährliche Doppelgänger haben, die die stärksten Gifte in sich aufspeichern, deshalb die nur allzu häufig vorkommenden Vergiftungs⸗ fälle erklären und die strengste Vorsicht völlig rechtfertigen. Allgemeine Zeichen zur sofortigen Erkennung der giftigen Arten giebt es dabei nicht. Schützen kann nur eine genaue Kenntnis der guten und der schlechten Arten. Um nur einige der gefährlichen Doppelgänger zu erwähnen, so steht hier der außerordentlich giftige Knol— lenblätterschwamm obenan. Seine Aehn⸗ lichkeit mit dem allbeliebten Champignon unserer Aecker, Wiesen, Wälder ist, besonders in seiner Jugend, so überaus groß, daß, wenn man seiner Sache nicht ganz sicher ist, man lieber den Champignon in geschlossenem Zu⸗ stande nicht sammeln soll, weil seine Blätter dann noch hell und denen seines giftigen Dop⸗ pelgängers um so ähnlicher sind. Ein wegen seines vorzüglichen, eigentümlich pikanten Ge⸗ schmackes hochgeschätzter Pilz ist ferner der Steinpilz, der besonders in Nadelwäldern, auf moosigem Boden, zu finden ist. Sein Doppelgänger ist der Satanspilz. Er steht häufig dicht neben ihm und giebt deshalb sehr leicht zu Verwechslungen Anlaß. Der Steinpilz unterscheidet sich von ihm dadurch, daß seine Röhrenmündungen niemals rot sind und sein weißes Fleisch unverändert bleibt, während das des Satanspilzes beim Zerschneiden des Hutes sich schnell blau färbt. Bläulich bis schwärzlich läuft beim Zerschneiden übrigens auch das Fleisch des nur im Verhältnis des Hutes zum größeren Stiel von Steinpilz unterschiedenen Kapuzinerpilzes an, der an Wert und Schmackhaftigkeit jenem nichts nachgiebt. Der gleichfalls sehr ähnliche und giftige Dickfuß kennzeichnet sich durch seinen Wanzengeruch. Der rote Hut des schmackhaften, aus Italien herübergekommenen Kaiserpilzes schimmert dem Suchenden verlockend aus dem Grase der Laubwaltungen entgegen. Schon von den alten Römern wurde er unter dem Namen Boletus vor anderen hochgeschätzt. Kaiser Claudius hatte eine so große Liebhaberei dafür, daß ste⸗ ihm schließlich das Leben kostete, indem seine Frau, die sittenlose Agrippina, ihn durch ein Gericht seines gefährlichen Doppelgängers ver⸗ giftete. Dieser, der allgemein gefürchtete Flie⸗ genpilz, unserscheidek sich weniger durch di⸗ äußere Färbung, als durch die Farbe des Fleisches, das hier weiß ist, an der Luft aber blau wird, während das Fleisch des Kaiserpilzes stets gelb erscheint. Der eßbare Reizker in seiner schönen orangefarbenen Umiform unter⸗ scheidet sich von seinem gefährlichen Doppel⸗ gänger, dem Birkenreizker, durch die Farbe des beim Zerschneiden hervortretenden Milchsaftes. Während dieser beim eßbaren Reizker rot oder orangegelb erscheint, ist er bei der giftigen Art weiß. Auch kennzeichnet sich der gute Reizker noch dadurch, daß sein Fleisch beim Zerschueiden grünlich anläuft. Splitter. Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, Wenn unerträglich wird die Last— greift er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel Und holt herunter seine ew'gen Rechte, Die droben hangen unveräußerlich Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst. Schiller, Tell. * * Schlägt ein Mensch den andern tot, So nennts ein Jeder Mord; Doch töten tausend sich im Kampf, So braucht man ein andres Wort. 1 Oskar Linke. Hilf dir nicht selbst, nein, laß den Himmel walten, Für den Herrn Landrat stimme bei der Wahl. Versäume nie, die Gabel links zu halten, Das Messer rechts— mein Freund: das ist Moral! F. Avenarius. ** * In der Verachtung jeglicher Gefahr, Wo's die Erfüllung heil'ger Pflichten gilt, Besteht der wahre, ehrenwerte Mut. Raupach. Humoristisches. Begreiflich. Sie: Wo bist Du letzte Nacht so lange gewesen? Er: Im Kriegerverein. Der Major a. D. Müller sprach begeisternd über die Vermehrung der Artillerie. Sie: Aha— deshalb kamst Du mit einem solchen Kanonen rausch nach Hause. Poesie und Prosa.„Erinnerst Du Dich noch, Karl, wie ich Dich auf dieser Bank. getroffen habe und Du an Deinen Knöpfen abgezählt hast, ob ich Dich liebe oder nicht? An so was denkst Du heute nimmer!“— „Dazu fehlen mir jetzt auch die Knöpfe am Rock!“ (Fliegende Blätter.) Serenissimus.„Kann gar nicht glauben, lieber Professor, äh, daß auf Antillen Natur allein an Kata⸗ strophe schuld sein soll... Sollten da nicht, äh, sozial⸗ demokratische Bergleute Hände mit in Spiel gehabt haben?“- — Geschichtskalender. 31. August. F iu Genf. 1. September. 1901: Chinesische Sühneprinz⸗ Komödie in Basel. 1898: Selbstmord des Obersten Henry in Paris(Dreyfuß-Prozeß). 2. 1895: Wilhelm II. Rottenrede beim Garde⸗ festmahl. 1867: Internationaler Arbeiter⸗Kongreß in Lausanne. 3. 1856: Royalistenputsch in Neuchatel. 4. 1898: Brüsewitz begnadigt. 1895; Stöcker's Scheiterhaufenbrief im„Vorwärts“ veröffentlicht. 1870: Proklamation der Republik in Frankreich. 5. 1870: Manifest des Braunschweiger(soz.⸗dem.) Ausschusses gegen den Krieg. 1868; Soz.⸗dem. Vereinstag in Nürnberg. 6. 1901: Attentat auf den amerik. Präsidenten Mc. Kinley in Buffalo. 1898: Wilhelm II. Zuchthaus⸗ drohrede für Streikanreizung. 6aL!!!!! ĩrĩ?3?U ñJ An unsere Leser 1 1864: Ferdinand Lassalle. Die Kolporteure sind gehalten, bis zum 15. jeden Monats abzurechnen; wir bitten die Abon⸗ 9 nenten, dies zu beachten. Die Expodan ** 5 ..—:Ců ungen e e was überhaupt a— —— eee — —— 1— Seite 8. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 35. Marburg! Sonntag, den 31. August, von abends 9 Uhr ab: Lassalle-Feier im Jesberg'schen Lokal, Wehrdaerweg 2. Festrede gehalten vom Stadtverordneten Genossen E. Krumm ⸗Gießen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. 2 Wahlkreis Wetzlar Sonntag, den 31. August, nachmittags /½4 Uhr »assalle-Fejer im Lokale des Herrn Wilhelm Feußer in Gleiberg. Vortrag von Gen. Vetters, Liedervorträge des Gesangvereins„Ein tracht“⸗ Gießen, Deklamationen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vertrauensmann. ö Chr. Franz Ciessen, Nochstrusse 10 Buchbinderei und Papierhandlung empfiehlt sich in sämtlichen Comptoir⸗, Schul⸗ und Schreibwaren.— Packpapiere in allen Sorten. 2 Tuschkasten, Pinsel, Farben, ete. Lager in Gesangbüchern für die Schule. Schreib-, Noten⸗ und Zeichenmappen. Grosse Auswahl in feinen Leder- und Galanteriewaren etc. Buchbinderei im Hause. Ferd. Mennstiel 8 Plockstrasse 8 N Lager in sämtlichen Kasteumöbeln, polirt und lackirt, wie: Vertikous, Kleiderschränke ete. Cuxusmöbel, Tische, Stühle, Spiegel, Küchenmoͤbel. Spaten Spezialität: Betten u. Polster möbel in eigener Anfertigung. Gießener Fischbörse Marktplatz 5 Telefon 50 Empfehle als neu zugelegten Spezialartikel sämtliche — Wurstwaren und offerire solche, als: Feinste Leberwurst Fst. Hausmach. Blutwurst per Pfund 60 Pfg. per Pfund 60 Pfg. Feinste Fleischwurst Feinster Preßkopf per Pfund 80 Pfg. per Pfund 30 Pfg. Fst. Haus mach. Mettwurst Fst. Thüringer Rotwurst per Pfund 1 Mark. per Pfund 1 Mark Fst. Braunschw. Leberwrst. 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P Schulhoff, München ei, welches befonders für Wieder⸗ verkäufer zu empfehlen ist, da sämtliche Artikel der Weiß-, Woll⸗, Schnitt⸗, Strumpf⸗, Spiel⸗ und Kurzwarenbranche von dieset bedeuten en Engros⸗Firma geführ werden. A Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck 8 * von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. FT.../ 1 s 1