N 32 Gießen, Weihnachten 1902. 9 Jahro. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Medaktionsschrug: Donnerstag Nachmittag 4 Uh Abounementspreis: Die Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) Bestellungen Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt, D Juserate 2 Die ögespalt. Bei mindestens Lieber Freund und Genosse! Sie wollen einen Weihnachtsartikel von mir geschrieben haben? Ich danke Ihnen für das in mich gesetzte Vertrauen, aber ich glaube, ich bin der Aufgabe nicht gewachsen. Es muß ja schön sein als frommer gläu⸗ biger Christ einen solchen Artikel für eine ebenso fromme Zeitung zu schreiben. Denken Sie sich einen bequemen Schreibpult in einer wohldurchwärmten Stube, einen satten Magen also wenig Sorgen um das, wovon wir uns nähren, womit wir uns kleiden, und die schwungvollsten Worte können so von selbst aus der Feder fließen. Neuer Gedanken be⸗ darfs auch nicht. Die Segnungen des Christen⸗ tums sind schon so oft geschildert worden, der Klang der Weihnachtsglocken so oft gefeiert und das„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ schon so oft und in allen Tonarten zitiert worden, daß man jedenfalls nur eine einzige einzuschlagen braucht, um so⸗ fort die ganze Mustk zu hören. Wie leicht muß es da sein, sich im Halbtraum aus der Wirklichkeit hinaus zu begeben und so gleich⸗ sam von den Wolken herunter auf die Stätte der Menschen zu schauen! Dem frommen Ohre ertönen nur noch die Glocken der Kirchen; das Geräusch der Ma⸗ schinen, der Lärm der Straßen, das Aechzen und Stöhnen der Ueberhetzten, Ueberlaufenen, Ueberfahrenen, Zerquetschten, Gestoßenen, Ge⸗ tretenen u. s. w.— das alles ist verstummt in diesen Höhen. Das fromme Auge sieht nur noch die Paläste und Villen der Reichen; die Hütten der Armut mit ihrem Elend, ihrem unsäglichen Elend, sie liegen im Nebel, ver⸗ hüllt und eingeschlossen. Sehen Sie, so hat die fromme Phantasie einen weiten glücklichen Spielraum, nichts stört ihr die künstlich ge⸗ schaffene Harmonie. Kein Schrei nach Arbeit, kein Ruf nach Brod stört ihre Zirkel. Für diese Phantaste giebt es keine Kinder, die ge⸗ zwungen sind frierend und hungernd den Lehren der christlichen Religion zu lauschen. In lauter Wonne schwimmt sie und mit Wonne schreibt sie: Oh, du glückliche, oh du selige Weihnachtszeit! Und über dem Allen schwebt dann noch dieser frommlächelnden Phantasie der allgütige, allwissende, allliebende und all⸗ gerechte Christengott. 5 Stellen Sie sich z. B. nur einmal so einen frommen, christlichen Engländer vor— und es giebt deren ja noch so viele,— der für ein from⸗ mes, gut kirchliches Blatt einen Weihnachts⸗ artikel schreiben soll. Wie leicht muß das dem fallen. Jahrelang hat er zu seinem allgütigen Christengott gebetet, daß er seine allmächtige Hilfe zur Niederwerfung und Vernichtung der christlichen, frommen Buren leihen und den Sieg in diesem mörderischen Krieg an die Fah⸗ nen Englands heften möge. Endlich, endlich glaubt er Erhörung gefunden zu haben, der Krieg ist beendet, die Engländer haben gestegt, der Frieden ist geschlossen, die Selbständigkeit eines braven, tapferen Volkes ist vernichtet, England ist wieder gewachsen und der offtzielle Erfolg ist auf seiner Seite. Welch reicher und dankbarer Stoff! Ist das nicht die sichthare Gnade Gottes, wie ste in überreichem Maße sich herniedergesenktt auf das fromme englische Volk und auf das Haupt seines geliebten Königs? Tröstet euch, ihr Witwen und Mütter, eure Männer und Söhne sind auf dem Felde der Ehre geblieben, tröstet euch, ihr Krüppel und Siechen, der Himmel wirds wohl machen. Vor allem aber, du stolzes, unternehmendes England, freue dich und danke deinem Gott. Welch neue, groze Aufgabe hat er dir gestellt! Unbestritten bist du jetzt Herr über die mäch⸗ tigen Goldfelder, über die reichen Diamant— lager. Stolzes England, Beherrscherin der Meere, weite und verbreite das Christentum, sein Gott ist mit dir! Freue dich unter dem Mistelzweig und rufe Hosianna! Oder denken Sie sich so einen recht frommen Centrumsmann, der sich jetzt gerade von den Strapazen der letzten Reichstagsverhandlungen wieder einigermaßen erholt hat. Er soll einen Weihnachtsartikel schreiben. Sagen Sie, braucht der nur einen einzigen neuen Gedanken zu pro⸗ duzieren? Haufenweise liegt das Material zu seiner Verfügung, höchstens kann es ihm Qual bereiten, ob er mehr von dem Haufen der Lüge oder mehr von dem Haufen der Heuchelei zur salbungsvollen Verwendung bringen soll. Mit Gottes Hilfe und im Bunde mit der unersättlichen Habgier kulturfeindlicher preußi⸗ scher Junker, hat er dem deutschen Volke in Form von Zöllen auf lange Jahre hinaus eine Last auferlegt, unter der er physisch und geistig zusammenbrechen soll. Wie inbrünstig hat er darum gebetet, daß ihm und seinen Freunden die Kraft verliehen werden möge, auszuharren und um jeden Preis mit dieser ruhlosen, hartnäckigen Opposition fertig zu werden. Noch ist die Brust geschwellt von dem errungenen Sieg, er ist mit dabei gewesen, wie Recht, Geschäftsordnung und Verfassung nieder⸗ getreten wurden, um den Reichen die Millionen zu geben und den Armen zu nehmen. Reiche und Arme müssen ja untereinander sein, der Herr hat sie beide gemacht. Wohlan, deutsches Volk, blicke dankerfüllt zu deinen frommen Ver⸗ tretern! Zu lange schon hat dich der Satan umgarnt und dir große Summen unter dem Vorwand der Aufklärung und Kultur abge⸗ nommen, den Schweiß deines Angesichtes in Sündenwerk verkehrt. Alle Warnungen gott⸗ begnadeter Fürsten, die Lockungen der dazu berufenen Priester, die offenen Arme der christlichen Kirche, alles hast du zurückgewiesen. Immer gewaltiger schwillt sie an, die Flut des Umsturzes, und es sind deine Kinder, die sie nähren, nähren mit dem Fleiß und ihrem ver⸗ gifteten Herzblut. Nur die Armut, die wirk⸗ lich bittere Armut in deinen Massen kann dich wieder auf den rechten Weg zurückführen. Dann werden deinen Verführern keine Mittel mehr zufließen um ihr satanisches Werk der sogen. Aufklärung und Befreiung zu betreiben, du wirst sie vergessen lernen, die wissenschaftlichen Schriften und falschen Bildungsmittel, du wirst zurückkehren in den Schoß der christlichen Kirche und dich erbauen an ihren erhabenen Lehren. Um dich reich in Gott zu machen mußt du arm am Leib werden. Und deshalb, deutsches Volk, werden die so gefürchteten und gelästerten Wucherzölle zu einem Segen des Himmels für dich werden. Deine große Seele wird da⸗ mit wuchern im Himmel, und auf deutscher Erde wird sein eine einzige christliche Religion, kein Ketzer, kein Jude wird mehr die erhabene christliche Kultur stören. Dann erst können wir wieder froh hinaussingen das Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Oder stellen Sie sich endlich gar einen Sold⸗ schreiber des Kapitalismus vor, so wie ste jetzt wieder so recht an der Arbeit sind. Von Sittlichkeit triefend und mit Entrüstung weist er zurück die Begehrlichkeit der bethörten Massen, die Verleumdungssucht ihrer Führer. Himmelhoch preist er die edle und weitschauende Fürsorge der braven, menschenfreundlichen Unternehmer. Entzückt ist er von dem Ge⸗ danken, daß es endlich gelungen ist im Bunde mit den Verhältnissen— das ist der Hunger— ein Mittel zu entdecken, die Arbeiter in Massen von der Sozialdemokratie abwendig zu machen. Gesegnet sei der Tag, der uns die patriotischen Adressen mit den erzwungenen Unterschriften gebracht hat. Heil, Heil der Zukunft in welcher die Sozialdemokratie sich von selbst losgeschrieben hat! Welcher Frieden und welches Wohlgefallen wird dann auf Erden seinl Sehen Sie, so haben sie es leicht alle die anderen glücklichen Artikelschreiber, aber wir armen Sozialisten, was sollen wir loben, was sollen wir preisen und bewundern. E wa den Mut, die Ausdauer, die Unerschrockenhteit und Kampfesfreudigkeit, mit welcher unsere Reichs⸗ tagsfraktion alles daran gesetzt hat, um Recht und Gerechtigkeit zu schützen, um die armen und Elenden vor dem völligen Aushungern durch eine beutegierige Mehrheit zu verteldigen 2 Die Anerkennnug und die Bewunderung hier⸗ für hat unsere Reichstagsfraktion vor Mit⸗ und Nachwelt. Keine Lüge, keine Heuchelei, und wenn sie noch so frömmelnd vorgetragen, kann ihr dieselbe rauben. Oder sollen wir davon reden, wie in Millionen und abermals Mil⸗ lionen Proletarierköpfen die feste Ueberzeugung leblt, daß es trotz alledem dem Pro⸗ letariat gelingen wird, Herr seiner eigenen Geschicke zu werden? Oder sollen wir reden von der Begeisterung und Opferfreudigkeit, mit welcher das Proletariat seine Ueberzeugung verwirklichen will? Die Ueberzeugung von seinem Recht, der Begeisterung und Opferfreu⸗ digkeit für die Erreichung eines hohen Zieles, sie wurzeln so fest in Kopf und Herz des Proletariats, daß sie durch kein Schmeichelwort, keine Entrüstung, keine erzwungene Unterschrift je wieder herausgerissen werden können. Ueber zeugung, Begeisterung und Kampfesmut, sie haben durch die harten Thatsachen dieser Staaisstreich-Dezemberwochen sovtel Nahrung erhalten, daß es keines be⸗ sonderen Weihnachtsartikels bedarf um si zu schüren und sie zu entflammen. So, nun kennen Sie die Gründe, warum ich Ihnen diesmal keinen Weihnachtsartikel schreiben kann. Aber allen Ihren Lesern wünsche ich fröhliche Weine 10 An das arbeitende Volk Deutschlands Aufruf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Der Reichstag hat in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember nach einer ununterbroche⸗ nen fast 19stündigen Sitzung das Zolltarifgesetz —— ———— U n ———— 3 —— ——— 3—— r SSS S SSS e Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 52. und den Zolltarif mit großer Mehrheit angenommen. Damit ist eine für die Zukunft Deutschlands folgenschwere Verhandlung vorläufig abge⸗ schlossen worden. Dieses Zolltarifgesetz, in Verbindung mit einem Zolltarif von 946 Postitionen, von denen kaum 20 der verfassungs⸗ und geschäftsord⸗ nungsmäßigen Bebandlung unterzogen worden sind, weil die zollgierige Mehrheit nicht den Augenblick erwarten konnte, in dem sie die Beute in der Tasche hatte, ist von uns mit allen uns zu Gebote stehenden parlamentarischen Mitteln bis zum letzten Augenblicke der Beratung auf das heftigste bekämpft worden. Ausschlaggebend für unseren zähen Wider— stand gegen die überhastete Durchberatung des Zolltarifs war, daß eine Maßregel, von so Ungeheuerer Tragweite, für das gesamte Wirt⸗ schaftsleben unseres Volkes, nicht hätte beschlossen werden dürfen, ohne daß das Volk selbst bei allgemeinen Neu⸗ wahlen Stellung dazu nehmen konnte. Aber aus Furcht vor dem drohenden Volksur⸗ teil sind die Regierungen und die Reichstags⸗ mehrheit dieser selbverständlichen Forderung ausgewichen. Wir sehen in diesem Zolltarif, der den künftigen Verhandlungen für den Abschluß von Handelsverträgen mit ausländischen Staaten zu Grunde gelegt werden soll, eine der schwersten Schädigungen für die Lebenshaltung und die wirtschaftliche Entwickelung der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes, insbesondere der arbeitenden Klassen. Dieser Tarif ist nicht geeignet, der deutschen Industrie, dem deutschen Verkehr und der deutschen Arbeit Handelsverträge zu sichern, die eine normale, dem Wohle der Gesamtheit förderliche Entwicklung ermöglichen; er erschwert sie vielmehr aufs höchste und gefährdet dadurch große Kreise in ihrer Existenz und führt sie dem Elend zu. Und das alles, um den junkerlichen und bürgerlichen Großgrundbesitzern und einem Teil der größeren bäuerlichen Betriebe, sodann gewissen Kreisen der Großindustrie zu den alten weitere sehr erhebliche Vorteile auf Kosten aller übrigen Bevölkerungsklassen zuzuschanzen, Vorteile, die sich auf jährlich mindestens 500 Millionen Mark belaufen, durch welche die Lebenshaltung der übrigen Klassen, namentlich der Arbeiterklasse, belastet wird. Man giebt Denen, die schon haben, um Denen noch das letzte zu nehmen, die ohnehin an dem nötigsten Mangel leiden! Es ist die Politik der Bereicherung der Wohlhabenden auf Kosten der Armen,— eine Politik, die in schreiendem Gegensatz mit der Gerechtigkeit und der Christlichkeit steht. Die protestantische und katholische Geist⸗ lichkeit, soweit sie im Reichstag vertreten ist, hat dem Hunger⸗ und Wuchertarif ihre Zu⸗ stimmung und ihren Segen gegeben! Kehrte heute Christus wieder, er wäre der erste, der die Geisel über diese Brot⸗ und Lebensmittelverteuerer schwänge, die sich brüsten, in seinem Namen zu handeln, und sie zum Tempel hinausjagte, den sie durch ihre Handlungen schänden. Dem Klein- und Parzellenbauer lügt man vor, daß man die Getreide-, Vieh-, Ge⸗ flügelzölle ꝛc. nur einführe, um ihm die ärm⸗ liche Existenz zu erleichtern. Dieselben Klein⸗ und Parzellenbauern aber müssen, soweit sie nicht genügend Brotgetreide für den eigenen Bedarf bauen, die hohen Getreidezölle selbst millragen. Soweit sie ferner für ihre Vieh⸗ und Geflügelzucht nicht genügend Futtermittel besitzen, müssen sie die hohen Zölle auf diese mit entrichten, so den fast doppelt so hohen Mais⸗, Gerste⸗ und Haferzoll, die sehr erheblich erhöhten Zölle auf Oelfrüchte und andere Futtermittel. Insbesondere erschwert man auch dem kleinbäuerlichen und städtischen Pferde⸗ besttzer, dem Fuhrmann und Droschkenkutscher, damit aufs ärgste die tägliche Existenz. Den Handwerker täuscht man, indem man ihm sagt, das höhere Einkommen der Landwirte käme auch ihm zu gute. Er der schon unter der Konkurrenz des Kapitalismus leidet, muß künftig nicht bloß seinen Brot- und Fleischverbrauch und alle übrigen Lebensmittel teuerer bezahlen, sondern auch sein Hand⸗ werkszeug sowie seine Roh- und Halbfabrikate höher bezahlen, weil sie durch die Zölle ent⸗ sprechend verteuert werden, oder weil durch die Zollpolitik die Kartell⸗ und Syndikatswirtschaft noch mehr begünstigt wird, die ihre Fabrikate nach innen zu Wucherpreisen, nach außen aber be Schleuderpreisen absetzt. So wird der Ruin es Handwerkersiandes nur beschleunigt. Die angeblichen Mittelstandsretter in der Zollwuchermehrheit sind die Totengräber des Mittelstandes! Den Arbeiter sucht man zu täuschen, in⸗ dem man ihm sagt, die höheren Lebensmittel⸗ preise werde er durch bessere Löhne in der zoll⸗ geschützten Industrie und Landwirtschaft zurück erhalten. Man verschweigt ihm, daß der Lohn sich nicht nach den Lebensmittelpreisen, sondern nach der Nachfrage nach Arbeitskräften richtet. Daß kein Unternehmer höhere Löhne zahlt, als er zahlen muß, daß aber dieselben Unternehmer⸗ schichten, die, durch Zölle und Kartellwirtschaft Riesenprofite einheimsen, ihren Arbeitern das Vereintgungs- und Koalttionsrecht rauben, ohne das er den Kampf für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht aufnehmen kann. Wäh⸗ rend gar dem Landarbeiter das Vereinigungs⸗ und Koalitionsrecht zum Kampfe für bessere Lebens⸗ und Arbeitsbedingungen strafgesetzlich verboten worden ist. Schmach und Schande über die Parteien, die die Armen und Bedrückten belügen, aus⸗ beuten und betrügen und zu dem Schaden auch noch den Spott hinzufügen, indem sie sich heuchlerisch als Vertreter des echten Patrio⸗ tis mus, des wahren Christentums und der Moral geberden, und feiern lassen. Der deutsche Arbeiter— und mit ihm seine Familie— wird mit doppelten Ruten gepeitscht. Ihm wird das tägliche Brot und die ganze Lebenshaltung in einer Weise verteuert, wie sie kein Arbeiter eines anderen Kulturlandes kennt, und außerdem hat er mit den ungünstigsten Arbeitsbedingungen zu kämpfen, die ihm den Lohn kürzen und das schwere Leben noch schwerer machen. Das ist die Lage, in welche die deutsche Arbeiterklasse dadurch kommt, daß sie in ihrer Mehrheit in bedauerlicher Verblendung bei den Wahlen ihren schlimmsten Gegnern ihre Stimme gab! So wurde das Zollgesetz mit dem Zolltarif trotz unserer verzweifelten Gegenwehr, die wir seiner Annahme bis letzten Augenblick entgegen⸗ setzten, angenommen. Aber was angenommen wurde, ist nicht der Tarif, den die Mehrheit wollte auch nicht der Tarif, den die Regierungen wollten. In der Verzweiflung des Kampfes wider uns, die Minorität, und in der Angst die Beute zu verlieren, machte man aus der Not eine Tugend. Indem die Mehrheit des Reichtstags die Un⸗ möglichkeit einsah, ihre Ernte auf rechtmäßigem Wege einzuheimsen, griff sie zu widerrecht⸗ lichen Mitteln. Nur unter wiederholtem Bruch der Geschäftsordnung— dieser Verfassung des Reichstags— unter gewissenloser Preisgabe alter überlieferter parlamentarischer Regeln und Vorschriften, durch parteissche Handhabung der Geschäftsführung seitens der amtierenden Prä⸗ stdenten, war es der zollgterigen Mehrheit möglich die Minderheit aus einer Stellung in die andere zurückzudrängen und schließlich die ersehnte Beute zu erhaschen! Nicht das Recht, sondern die Gewalt und die brutale Uebermacht hat uns besiegt! Doch auch zu Boden geworfen sind wir die siegenden Geschlagenen. Heute die Ueber wältigten, erheben wir uns, um morgen die Angreifer zu werden! Die Flickarbeit an dem von Anfang an ver⸗ pfuschten Zolltarif, sowie die Bewilligung der neuen Handels verträge, die auf Grund desselben abgeschlossen werden sollen, werden den neu zu wählenden Reichstag beschäftigen. Nieder mit den Parteien des Zoll⸗ wuchers— das muß die Parole in dem nächsten Wahlkampfe sein— keine Zustimmung zu einem Vertrag, der Hunger⸗ und Wucher⸗ zölle enthält! Und nicht das allein kommt für die nächsten Wahlen in Frage: Eine neue Militär⸗ und Marinevorlage erscheint bereits am po⸗ litischen Himmel und erfordert neue Opfer an Menschen und Geld! Auch die Welt⸗ und Kolonialpolitik heischt immer weitere Opfer. Wir stürzen aus einem überseeischen Abenteuer in das andere. So werden trotz der Hunderte Millionen neuer Einnahmen aus dem Hunger⸗ und Wucher⸗ tarif diese nicht entfernt reichen, um all den gesteigerten Ausgaben zu genügen. Neue Steuern, in erster Linie eine Erhöhung der Bier- und Tabakssteuer, sind folge angekündigt, weitere Steuerprojekte werden olgen. Aber nicht den Wohlhabenden, nicht den Reichen wird man mit diesen Steuern fassen, sondern man wird immer wieder die Bedarfs⸗ artikel der großen Masse mit Steuern belasten,— trotz aller feierlichen Erklärungen, die seiner Zeit namentlich das Zentrum bei 11915 Bewilligung der letzten Flottenvorlage abgab. Wer dieser Partei traut, der hat auf Sand gebaut! Zieht jedoch bei den kommenden Wahlen abermals eine reaktionäre Mehrheit in den Reichstag ein, so und nicht nur die wirtschaft⸗ lichen Interessen, sondern auch die wenigen politischen Rechte und Freiheiten des deutschen Volkes schwer bedroht, vor allem das allgemeine Wahlrecht! Darum heißt es: auf dem Po⸗ sten sein und sich rüsten. änner der Arbeit! Beginnt sofort mit aller Kraft die Vorbereitungen zu den Wahlen! Sammelt Euch! Tretet ein in die sozialdemokratischen Organisationen! Ohne Or⸗ ganisationen kein wirksamer Kampf, ohne Mit⸗ tel kein Sieg. Männer der Arbeit! Schließt die Reihen! Bedenket, daß Ihr jetzt nur noch alle fünf Jahre einmal berufen seid, über Euer Ge⸗ schick selbst zu entscheiden. Versäumet Ihr, an diesem Tage für Eure Interessen einzutreten, dann habt Ihr fünf lange Jahre verloren! Wagt es endlich einmal, wenigstens an eine m Tage Herr Eures Geschicks zu sein! Wagt Ihr das nicht, so bindet Ihr Euch selbst die Rute und verschuldet selbst, wenn Ihr unter der Last der Opfer für die herrschenden Klassen zusammenbrecht! Darum, im Namen der Euch vorenthaltenen Menschenrechte: Vorwärts! Euer Schlachtruf sei: Hoch die Meusch⸗ heit erlösenden Ideen des Sozialismus. Nieder mit der Gewalt und der Klassen⸗ herrschaft. Unterzeichnet ist der Aufruf von allen Mitglledern der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Wegen Raummangel mußten wie Kürzungen vornehmen. —.——— Politische Rundschau. Gießen, den 22. Dezember. Der Reichs dalles. In der„Nordd. Allg. Zeitung“ werden einzelne Reichs⸗Etats für 1903 veröffentlicht, woraus hervorgeht, daß beim Gesamtetat mit einem ganz gehörigen Defizit zu rechven sein wird. Der„Vorw.“ schätzt es auf 150 Mil⸗ lionen Mark. Es werden dem Volke nicht blos erhöhte Zoͤlle, sondern auch voraussichtlich noch neue indirekte Steuern aufgehalst werden. Nette Aussichten. Na, selbstverständlich! Der Bundesrat hat ohne lange Beratung dem Zolltarif zugestimmt. Daß sich in dieser Körperschaft eine„Obstruktion“ erheben würde, hat wohl Niemand geglaubt. e e 2 2 S S S rr, Ae r Millionen Wucher⸗ all den mie eine ler, sind te werden envorlage uf Sand Wahlen in den dirtschaft⸗ wenigen ichen emeine Nr. 52. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. iber a he n. Krach im Lager der Brotwucher⸗ Parteien. Recht bedenklich rumort es in den Kreisen der„Sieger“ im Zollkampfe. Die Zentrums⸗ Agrarier am Rhein und in Bayern sind un⸗ zufrieden; ihnen sind die Zölle nicht hoch genug, anderseits protestieren die Arbeiter gegen die Lebensmittelzölle. Ferner sind die Konser⸗ vativen mit den Brüdern vom Bunde der Landwirte gehörig auseinandergeraten. Die Führer der Letzeren, Oertel und Wangen⸗ heim wollte man aus der Konservativen Fraktion hinauswerfen.— Noch zersetzender— wirkt die Wucherpolitik bei den National- Sehr angesehene Angehörige dieser Partei haben sich gegen das Verhalten der Fraktion mit Entschiedenheit ausgesprochen, einige sind ogar aus der Partei ansgetreten. In Leer löste sich der national. Verein auf, weil er mit den Staatsstreichlern nichts mehr zu thun haben wollte; in Süddeutschland wird scharf gegen die Führung der Nationllaiberalen agitiert. Mit dieser Wirkung des Zollwuchers können wir vorläufig zufrieden sein. Am lustigsten geht's bei den Antisemiten zu. Das Berliner antisemitische Organ, die „Staatsbürger⸗Ztg.“ tadelte die antisemi⸗ tische Abgeordneten, weil sie gegen den Zoll⸗ tarif gestimmt haben, was sich beispielsweise der Abgeordnete für Gießen als ganz beson⸗ deren Verdienst zurechnete. Es verdient noch Erwähnung, daß der Abg. Werner Mitredak⸗ teur des genanten Blattes ist und ebenfalls gegen den Zolltarif gestimmt hat. Der Mann tadelt sich also selber! „Not der Landwirtschaft“. Unserm Münchener Parteiorgan schreibt man: Wenn von der Not der Landwirtschaft gesprochen wird, so muß den Verbreitern dieser Klagen Vorsicht angeraten werden. Im anderen Falle könnten Eingeweihte ihnen die Gegenfrage vor⸗ legen: Wie kommt es, daß verschiedene land⸗ wirtschaftliche Darlehenskassen so viel Gel d⸗ zufluß haben, daß sie nicht mehr wissen, wo⸗ hin damit? Welcher„notleidende“ Landwirt⸗ schaftspolitiker erklärt diesen„Zwiespalt der Natur?“ Der Frager sollte sich an den Führer des hessischen Bauernbundes, den„Bauer“ Hirschel in Offenbach wenden, da bekäme er sicher Antwort— in Gestalt eines mächtigen Schimpfkübels. Wir bleiben„die Elenden“. In dem kronprinzlichen„Erlaß“ an die Arbeiter„seiner“ Stadt Oels, den wir in letzter Nr. mitteilten, war in Bezug auf die Sozialdemokraten von„jenen Elenden“ die Rede. In den öffiziösen Depeschen hieß es erst statt„Elenden“ Elemente, eine spätere Berichtigung erklärte aber, daß Elenden richtig set. Der Vorwärts bemerkte dazu, er könne den Kronprinzen, der nicht unverletzlich sei, wie sein Vater, von den Richter zitieren. Das sei aber grundsätzlich nicht seine Art, er werde sich nicht einmal mit einer deu beleidigten prinzlichen Ausdruck ausgleichenden Antwort abmühen. Unser Parteiorgan hat Recht, wenn er mit dem Prinzen und seinem famosen Erlasse nicht viel Aufhebens macht. Dank vom Hause Krupp. Die„gesicherte Existenz“ der Kruppschen Arbeiter bildete wochenlange für die bürger⸗ liche Presse eine unerschöpfliche Fundgrube, um die Arbeiterfürsorge guf den Kruppschen Werken in den schönsten Farben zu schildern und die „Verhetzung“ durch die Sozialdemokratie zu geißeln. Die Ergebenheitskundgebungen der Kruppschen Arbeiter sind kaum vorüber und schon klingt es etwas anders von den Krupp⸗ schen Werken. Jetzt wird aus Essen berichtet, daß infolge des starken Arbeitsmangels das Kruppsche Banressort zahlreiche Arbeiter ablegen mußte. Die Modellschreinerei nahm einen e e Lohnabzug vor. Jawohl mit den Tatsachen und der Wahrheit stehen eben die„Ordnungs“blätter stets auf dem Kriegsfuße. Kapitalistische Nutzanwendung der Kaiserreden. Pfiffiche Kapitallsten sind die Herren Falkenroth und Kleine Schraubenfabrik in Schwelm. Wie der„Frankf. Zeitg.“ gemeldet wird, verteilt die Firma die Reden des deutschen Kaisers in Essen und Bres⸗ lau und kündigt gleichzeitig eine 10 prozen⸗ tige Lohnherabsetzung an.— Wenn das Mittel nicht gut gegen Sozialdemokraten ist, dann weiß der Teufel was besser ist. Ber g⸗Gewerbegerichtswahlen im Nuhrkohlen⸗Gebiet. Die Wahlen zu dieser Körperschaft haben dem alten Bergarbeiterverband einen glänzen⸗ den Sieg gebracht; es wurden gewählt: Alter Verband: 56 Vertreter mit 13 107 Stimmen Christlicher, 36„ er Zech enpartei 9 2 089% Polen 11 1 86295 Es ist ein schöner Erfolg den unsere Freunde über die sich„christlich“ nennende, von rohen Kaplänen verhetzte Arbeiterschaft erfochten haben. Nicht zum wenigsten hat zu unserem Erfolg die Schimpferei des„Berg⸗ knappe, Zeitschrift für christliche Bergleute“ bei⸗ getragen. In seiner No. 49 vom 6. Dezb. titulirt dieses Auch⸗Arbeiterblatt unsere Ge⸗ nossen folgendermaßen: Rohe sozialdemokratische Hetzer — schamlose Hetze der Sozial⸗ demokraten— volksbetrügerisches Treiben— schamlosen soziald. Umtrieben— gemeinge fährliches, hochverräterisches Treiben—scham⸗ lose Hetzer— schamloses Treiben der roten Brüder— und so mit Gra⸗ zie weiter. Wir gehen jede Wette ein, daß dieser Ton nur von einem verrohten Pfaffen angeschlagen wird; ein Arbeiter würde sich dieser Mistgabel⸗ Journalistik schämen. So schreiben nur die giftigsten Arbeiterfeinde aus dem antisemitischen klerikalen Pfaffensumpfe.— Uns dauern nur die armen Teufel von Arbeiter, die sich unter dem Deckmantel der Religion von solchen Stänkern verhetzen lassen. Arbeiter seid einig! wie es auch die Kapitalisten sind. Was der Ozean beweist. Als am 3. Juli 1900 in Wilhelmshaven das Linienschiff„Wittelsbach“ vom Stapel gelassen wurde, hielt, woran die„Sächs. Ar⸗ beiterzeitung“ erinnert, Wilhelm II. jene merk⸗ würdige„Ozeanrede“, in der u. a. folgende Sätze vorkamen: „Der Ocean beweist, daß auf ihm jenseits und in der Ferne von ihm ohne Deutschland und ohne den deutschen Kaiser keine große Entscheidung mehr fallen kann.“ Ob der Ozean wirklich das beweist, was der kaiserliche Redner ihm zuschrieb, haben wir damals wie heute bezweifelt. Dagegen kann gar nicht bezweifelt werden, daß das große Wasser seine Mucken hat. Jetzt hat z. B. der Ozean dasselbe Kriegsschiff an der Küste von Dänemark auf den Sand gesetzt! Mit vieler Mühe und Not hat man den Eisenkahn wieder flott bekommen. Wie eine Dänische Zeitung berichtete, habe der deutsche Kaiser den Offizieren und Mannschaften unter⸗ sagt, fremde Hilfe, die ihnen angeboten werde, anzunehmen. Sie müßten das deutsche Schiff mit eigenen Kräften losbringen, und lieber wolle er das Schiff verlieren als eine fremde Flagge bei der Hebung beteiligt wissen.— Der Kaiser verliert das Schiff nicht, daß Volk muß ein neues bezahlen. Das Abenteuer in Venezuela. Nachdem die deutschen Kriegsschiffe im Ver⸗ ein mit den englischen verschiedene venezolanische Schiffe in den Grund gebohrt, wurden die venezolanischen Häfen blockirt. Die deutsche und englische Regierung wollen den Präsidenten der vereinigten Staaten, Roosevelt, das Schieds⸗ gericht in dem Venezuela⸗Streit übertragen. Roosevelt hat aber keine Lust dazu, den Schieds⸗ richter zu spielen. Verhaftung der Humberts. Die Millionen⸗Schwindler⸗Familie Humbert, nach der die französtsche Polizei schon lange fahndete, ist endlich in Madrid erwischt und verhaftet worden. Die Geschichte hat insofern politische Bedeutung, als auch klerikale und nationalistische Politiker und Abgeordnete mit darin verwickelt sind. Fortschritte des Sozialismus in Amerika. Während es früher erschien, als ob der Sozialismus in Amerika niemals recht Eingang finden würde, zeigten die letzten Wahlen eine sehr bedeutende Stimmenzunahme der Sozial⸗ demokratie. Wir wiesen kürzlich auf diesen bemerkenswerten Zuwachs hin, der sich in 400 000 Wahlstimmen für unsere Partei aus⸗ drückt. Die nat. ⸗liberale„Köln. Ztg.“ schrieb darüber: „Es war vorauszusehen, daß das Wachs⸗ tum der Sozialisten mit der einströmenden Einwanderung im Zusammenhang gebracht würde. Das ist grundfalsch. So gewiß der Sozialismus ursprünglich von Europa herüber⸗ kam, so ist er doch zu lange im Lande, als daß er noch Nachhilfestunden von drüben brauchte. Nirgends sitzt er so fest wie in den Städten von Massachusetts, das von sozialdemokratischem Nachschub aus Europa doch ziemlich verschont geblieben ist. Massachusetts hatte 36,000 so⸗ zialistische Stimmen, womit es der Banner⸗ staat der Sozialdemokratie geworden ist. Es sind die amerikanischen Arbeiterverbände, die den Sozialismus entwickeln, Verbände, die ihm ur⸗ sprünglich schroff gegenüberstanden. Der Ge⸗ danke, daß sie auch in Amerika in einem Klassen⸗ staat leben, hat unter den Arbeitern in den letzten Jahren stark Fuß gefaßt. Wenn die Arbeitervereinsgungen, wie die Federation of Labor, anfänglich in bewußtem Gegensatz gegen den Sozialismus gearbeitet haben, so hat sich der Gegensatz mehr und mehr verwischt, so daß sich dieser Tage auf der Jahresversammlung in New⸗Orleans für einen sozialistischen Antrag 4171 gegen 4897 nichtsozialistische Stimmen zusammenfanden. Vor fünf Jahren hatte mir Präsident Gompers von ber Federation geradezu Abscheu bei dem Gedanken geäußert, sein Ver⸗ band könne einmal politisch werden; zwei Jahre später hatte der Gedanke schon alle seine Schrecken für ihn verloren. Auch heute noch tritt er nicht für eine polttische Partei ein, aber er droht zuweilen damit. Nun ist Gompers einer der konservativsten Leute unter den Arbeiterführern, kein Wunder, wenn ihm radikalere Naturen einige Schritte voraus sinb.“ Die Fortschritte in allen Ländern befestigen uns in der Ueberzeugung, daß unsere Sache endlich zum Siege gelangen wird. Von Nah und Fern. Hessisches. Das Handwerk in Hessen. Die von der Handwerkskammer veranlaßten Erhebungen über die im Großherzogtum Hessen bestehenden Handwerkszweige ergeben 70 verschiedene Hand⸗ werkszweige mit rund 40000 selbständigen Handwerksbetrieben. Auswetslich der Lehrlings⸗ rollen erhalten in diesen Betrieben 53000 Lehrlinge ihre Ausbildung. — Freiwillige Fortsetzung der Versicherungspflicht. Arbeiter und kleinere Handwerker seien wiede rholt darauf aufmerksam gemacht, daß es sich in ihrem eigenen Interesse dringend empfiehlt, bei etwaiger Arbeitslosigkeit die Alters- und Invaliditätsversicherung frei⸗ willig fortzusetzen. Nach Beendigung der ver⸗ sicherungspflichtigen Beschaftigung kann der arbeitslose Handwerker oder Arbeiter die Ver⸗ sicherung dadurch fortsetzen, daß er für jede Woche der arbeitslosen Zeit entsprechende Marken in seine Quittungskarte klebt. Diesen Weiterversicherten steht die Wahl der Lohnklasse frei, sie können also die Klebemarken verwenden, die sie wollen. Beim Wiedereintritt in eine versicherungspflichtige Beschäftigung begin“ die Klebepflicht wieder mit dem Te* Beschäftigung. —9—— p —— 8 3 8 2— eee e — . ——a2——]—— SR e e — 3 8 Seite 4. Mitteldentsche Sountvgs⸗Zeitung. Nr. 52. 8 2 Magnus aus Großen⸗Linden im hiesigen[Verhöhnung des Christentums. Grade wirklich religtöse Arbe iter, Pa rteigeno ssen, Bahnhofe unter die Räder eines Zuges. Dem Leute müßten dagegen protestieren, daß die Religion als Freunde! Neue schwere Lasten sind dem arbeiten⸗ den Volke durch die Annahme des Zoll⸗ tarifs auferlegt. Arbeitslosigkeit, Lohn⸗ drückerei verschärft die Notlage, zwingt tausende Arbeiterfamilien zu Entbehrung. Dabei wird in schamloser Weise gegen unsere Partei, die einzige Vertreterin der Besitzlosen, gehetzt. Arbeiter, Klein- bauern, Handwerker wehrt Euch! Schließt Euch der Sozialdemokratie an! Tretet in ihre Vereine ein! Vor allem aber sorgt für die weiteste Verbreitung der sozialisti⸗ schen Presse! Werbt fleißig Abonnenten für die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung! Gießener Angelegenheiten. Fröhliche Weihnachten! Diesen Wunsch und Gruß allen unsern Lesern, allen Freunden und Parteigenossen zum bevorstehenden Feste der Wintersonnenwende! Wir wissen wohl, daß ein derartiger Wunsch vielen wie Hohn klingen wird. Leider entbehren Tausende fast alles, was das Leben lebenswert macht; bei ihnen kann keine Festesfreude auf⸗ kommen, auf ihnen lastet die stete Sorge um den notwendigsten Lebensunterhalt für die Ihren. Und die christliche Botschaft:„Den Menschen ein Wohlgefallen“ kann ihnen nur ein bitteres Lächeln abgewinnen, denn sie steht mit den Tatsachen zu sehr im Widerspruch, wie noch vieles Andere, was christliche und andere Priester den Gläubigen verkündeten. Beinahe zweitausend Jahre herrscht das Christentum; es hat aber nicht vermocht, einigermaßen menschenwürdige Zustände zu schaffen. Es begnügt sich damit, die Armen auf das bessere Jenseits zu vertrösten, im Uebrigen erklärt es die Ausbeutung des Men⸗ schen durch den Menschen für eine gottgewollte Ordnung. Aber töricht wäre es, an allem Schlimmen nur den Gegnern die Schuld zu geben; wir alle sind schuld dadurch, daß wir es an ernster Arbeit im Befreiungskampfe fehleu ließen. Millionen von uns haben die Hände in den Schoos gelegt und auf die gebratenen Tauben mit offenem Munde gewartet. Ein großer Fehler. Ohne Opfer kein Erfolg, ohne Kampf kein Fortschritt! Deshalb in gemeinsamer Arbeit eingetreten für den Sieg des sozialistischen Gedankens, der die Wohlfahrt der Gesammtheit bedeutet. Feiern wir in der Hoffnung auf diesen Sieg in Fröh⸗ lichkeit das Fest der Wintersonnenwende! — Weihnachtsveranstaltungen. Der Schneiderverband hält am ersten Feier⸗ tage von Abends 8 Uhr ab im„Gambrinus“ seine Weihnachtsfeier ab. Es findet dabei Ge⸗ schenkverlosung statt, außerdem gesellige Unter⸗ haltung durch Vorträge ꝛc. Eintritt ist frei.— Zum zweiten Feiertage ladet der Gesang⸗ verein„Eintracht“ seine Mitglieder und alle Freunde und Genossen zu einem Familienabend in das Lokal Orbig ein.— Im gleichen Lokale findet am sersten Feiertage die Christ⸗ baumfeier des Glaserverbandes statt. Eine neue Begräbnisordunng hat die Stadtverordneten⸗Versammlung für den neuen Friedhof am Rodberge beschlossen. Im Allgemeinen bedeutet diese einen Fortschritt gegen den bisherigen Zustand. Unter anderem ist vorgeschrieben, daß alle Leichen von der Leichenhalle aus beerdigt werden müssen, in die sie innerhalb 24 Stunden nach Eintritt des Todes gebracht werden müssen. Später wird die Stadt vielleicht auch das ganze Leichen⸗ bestattungswesen übernehmen, was ganz in der Ordnung wäre. Für Einsargen und Aufbahren dder Leichen sind bestimmte Tapen festgesetzt. besiyez Wieder ein Rangierer verun⸗ damit auf. Am Freitag geriet der Rangierer Den Ha, Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren. Unfälle dieser Art mehren sich in der letzten Zeit in erschreckender Weise. Diese Opfer der Arbeit sind um so Bedauernswerter, als sie nicht nur zum Krüppel geworden, sondern auch noch materieller Not ausgesetzt sind. Denn die Unfallrente beträgt noch nicht soviel als der Tagelohn und dieser wieder stellt nur einen Bruchteil dessen dar, was zum menschenwürdigen Leben notwendig wäre. Mit der„gesicherten Existenz“ sieht's also auch für die Staatsarbeiter höchst windig aus. Aus dem Rreise friedherg⸗Büdingen. »Ein üñʒʒraver Genosse, der Glas⸗ macher Georg Valentin in Büdingen starb vorige Woche nach kurzer Krankheit, in dem jugendlichen Alter von noch nicht 30 Jahren. V. erfreute sich in den Kollegen⸗ und Genossen⸗ kreisen allgemeiner Beliebtheit. Er hinterläßt Frau nebst zwei noch kleinen Kindern. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Zur Verteilung von Agitationskalendern wollen sich die Genossen so fort bei Fauth, Sophienstr. 26 melden. Wünschenswert ist, daß möglichst viele Marschtruppen antreten, je mehr, desto geringer ist die von dem Einzelnen zu leistende Arbeit. Also alle Mann an Bord! X. Reptilienblätter. Trotzdem das Strafver⸗ fahren gegen den„Vorwärts“ wegen des Kruppartikels eingestellt ist, was sicher nicht geschehen wäre, wenn seine Angaben nicht der Wahrheit entsprochen hätten, schimpft und verdächtigt die„Ordnungs“presse den Vor⸗ wärts und die Sozialdemokratie weiter und beschuldigt unsere Partei der Verleumdung. Selbstverständlich kläfft auch das Wetzlarer Kreisblatt mit, beziehungsweise druckt die Schmutzartikel Schweinburgs nach. Da ist interessant, was das Vereinsorgan der gutgesinnten Redakteure über den Fall Krupp schrieb. Es sagte: „Unseres Erachtens hat der Vorwärts durchaus korrekt gehandelt, wenn er jene mit aller Be⸗ stimmtheit und in Einzelheiten anschaulichen„Gerüchte“, und nicht nur Gerüchte, veröffentlichte. Es wäre ein Verrat an der Wahrheit gewesen, zu schweigen, wo man reden mußte. Es ist nicht das erste Mal, daß der Tod den Angegriffenen auf eine versöhnende Art aus dem Kampfe abberief, das rechtfertigt aber nicht, den Angreifer einen Mörder zu neunen. Daß Herr Krupp so plötzlich gestorben, ist auf keinen Fall dem Vorwärts als Schuld beizu⸗ messen, das müssen wir aus prinzipiellen Grün⸗ den betonen.“ Das lesen die gutgesinnten Kreisblatt⸗Redakteure in ihrem Organ, sie wissen, daß es Recht hat, aber trotzdem schlachten sie in ihren Reptilien den Fall Krupp in der schändlichsten Weise gegen den Vorwärts und die Sozialdemokratie aus! Sie werden dafür bezahlt. Der„Wetzl. Anzeiger“ scheint seine geistige Kost, die er seinen Lesern bieten darf, direkt aus der Zentrale des Galiziers Vitor Schweinburg zu beziehen, der bekanntlich für 15000 Mk. Jahresgehalt, die ihm vom Verbande der Industriellen gezahlt werden, jede Woche mindestens einen Schimpf⸗ artikel gegen die Sozialdemokratie liefern muß. Geradezu wütend schimpft das amtliche Organ über unsere Partei und lügt dabei, daß sich die Balken biegen. Wird ihm kaum viel nützen! Heute weiß daß arbeitende Volk, daß seine Interessen nur von der Sozial⸗ demokratie vertreten werden. Bedauerlich ist nur, daß es noch so viele Arbeiter giebt, die ein Blatt durch ihr Abonnement unterstützen, daß sie und ihre Vertretung täglich beschimpft. Vom Westerwald schreibt man uns: Das sozialdemokratische Flugblatt, welches die letzten Tage auf dem Westerwalde verteilt wurde, hat eine überraschend gute und freundliche Aufnahme gefunden. Eine Anzahl Zuschriften und Abonnements auf unsere Zeitung bestätigen dies. Und auch unsere Gegner beeilen sich, durch ihren Aerger uns den Erfolg unserer Propaganda zu attestieren. Zuerst fing das Stöcker'sche„Volk“ in Siegen seine Lamentos an; es ist diesen brotwucherischen Frommen ein Dorn im Auge, daß wir Herrn Burkhardts famose„Arbeiterfreund⸗ lichkeit“ gehörig unter die Lupe nahmen. Die von dieser Seite betriebene Verquickung von Religion und Ausbeutung ist tatsächlich die krasseste Heuchelei und Vorspann für die Ausbeutersippen benutzt wird.— Ferner fangen sich nun auch die nationalliberalen Hoffmänner an zu rühren. In der„Westerwälder Zeitung“ schreibt seit einiger Zeit ein Volksschüler im vierten Schuljahr ein Zeug über die Sozialdemokraten zusammen, daß die Leser dieses Blattes sich über die Dummheit der nationalmiserablen Schreiberseele halb tot lachen. Es lohnt sich natürlich nicht, sich ernsthaft mit dem Unsinn zu befassen. Als dritter im Bunde kommt noch die Zentrum Spresse in Limburg, Coblenz ec. Daß diese schwarze, verlogene Schaar den Stöckerianern lebhafte Konkurrenz im Schimpfen macht, ist selbst⸗ verständlich. Wir aber verzeichnen mit Befriedigung das Bellen aller dieser kleinen Preßköter: ist es doch für uns die Quittung, daß unsere Hiebe gesessen haben. Mögen die Handvoll reicher Leute auf dem Westerwalde den bürgerlichen Parteien nachlaufen, die Arbeiter aber und Kleinbauern gehören zur Sozialdemokratie und sie werden zu ihr kommen, Aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain. * Eine neuliche Notiz der„Hess. Landesztg.“— wir hatten ste bei ihrem Er⸗ scheinen übersehen— sagt uns eine Anzahl schlimmer Dinge nach. Und zwar deshalb, weil wir ihr nicht Beifall klatschten, als sie sich kürzlich im Anschluß an eine Polemik zwi⸗ schen dem Vorwärts und der Leipz. Volkztg. erdreistete zu sagen, daß man sich über den Unflat nicht wundern dürfe, mit dem die sozial⸗ demokratische Presse die bürgerliche überschütte. Das nationalsoziale Blatt bezichtigte damit unsere Parteipresse des stetigen Schimpfens, während die gegnerischen Zeitungen die So⸗ zialdemokratie höchst anständig behandelten. Wir erlaubten uns zu erwidern, daß etwa das Gegenteil richtig ist. In der neulichen Notiz weist die Hess. Landesztg. den Vorwurf zurück, als hielte sie es in der Ordnung, wenn Junker und Pfaffenblätter die Sozialdemokratie be⸗ schimpften. Das freut uns. Hoffentlich läßt das der Herr Redakteur— Pastor sollen wir nicht sagen— auch für die national soziale Presse gelteu. St. Die Parteiversammlung am ver⸗ gangenen Sonntag Abend bei Jesberg gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung gegen den Zolltarif und die von den Mehrheitsparteien im Reichstage verübten Gewalttaten. Aeußerst zahlreich waren die Parteigenossen, teilweise mit ihren Frauen, erschienen, um den Aus⸗ führungen Gen. Krum m⸗Gießen zu lauschen, der in fesselnder und sachlicher Weise die Vor⸗ gänge im Reichstage und die gegenwärtige Hetze gegen die soz.⸗dem. Partei in längerer Rede schilderte und reichen Beifall erntete. In der Diskussion suchte ein Nationalsozialer die vom Referenten erwähnte Stellungnahme der Nationalsozialen zu Gunsten Bassermanns bei der Jenaer Stichwahl zu rechtfertigen und be⸗ tonte dann die nachdrückliche Kampfesweise der Nationalsozialen gegen den Zolltarif und die Gewaltpolitik der Mehrheitsparteien im Reichs⸗ tage. In diesem Kampfe würden die National⸗ soziaien Schulter an Schulter mit der Sozial⸗ demokratie kämpfen. Ein Parteigenosse beleuch⸗ tete noch die Begeisterung der Nationalsozialen für Heer und Flotte, welche sich mit ihrer Arbeiterfreundlichkeit nicht in Einklang bringen ließe. Gen. Krumm ging in seinem Schlußwort auf die Ausführungen der Vorredner näher ein und führte dieselben, speziell diejenigen des Nationalsozialen, auf ihren wahren Wert zurück. Folgende Resolution wurde dann einstimmig (bei zwei Enthaltungen) angenommen:„Die heute im Jesbergschen Lokale abgehaltene öffent⸗ liche Parteiversamulung spricht der sozdem. Reichstagsfraktion volles Vertrauen und Dank für ihre mannhafte Bekämpfung des Zolltarifs aus. Sie verpflichtet sich, mit allem Eifer für die Ausbreitung der Sozialdemokratie zu ar⸗ beiten und lehnt es entschieden ab, einer Partei den Rücken zu kehren, die seit ihrem Bestehen den Kampf für Wahrheit, Freiheit und Recht unerschrocken und mannhaft geführt hat. Die Versammlung protestirt gegen die Hetze der bürgerlichen Presse und verpflichtet sich, aus ihren Familien die Verleumder⸗ presse zu entfernen und durch Arbeiterzeitungen zu ersetzen.“ schön verlaufene Versammlung geschlossen. Gegen 12 Uhr wurde die sehtr . b!—BUUU— 2— D ⏑ ⏑ 1 Frau Helde Jaht fag ben. fiel, Mu baun einge fand statt, 0 bei d Oeff die Sitzl dem fahr konnt so be Ft, Vesc geleg 5 2 Molt tuffe⸗ seine berge wurd brabe Zeich Uber Dien guten Aber auf Em? er in chen einme die S bisher hatte. Dabe 15 er 15 wiede dem 9 hat Stin 15 1 zuwe berec Maß gelte epa 65 wurd der; 4117 brach gegeb 1 krotzd om Fried vorig Jabr 0 ich! . ieser Stütz Vorh cchhain. garde tem Er⸗ ug am ber⸗ 2g gestaltete gegen den teilweise Aus⸗ — 14 5 Jahren Zuchthaus. Nr. 52. Mitteldeulsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. — Weihnachtsfeier. Jahre wieder veranstaltet unser Arbeiter⸗Ge⸗ sangverein„Eintracht“ am 1. Festtag abend im Jesberg'schen Lokale eine Weihnachts⸗ feier, bestehend in Verlosung, Gesangs⸗ und Musikvorträgen und Abbrennen eines Christ⸗ baumes, wozu alle Parteigenossen freundlichst eingeladen sind. — Kommunales. Vergangene Woche fand hier eine Sitzung der Stadtverordneten statt, in der u. a. über die äußerst wichtige Frage der Erbauung einer neuen Volksschule — die sehr nötig ist— beraten wurde. Da bei der Beratung einiger Punkte vorher die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde, so mußten die Berichterstatter der hiesigen Presse das Sitzungslokal verlassen, und da sie sich auf dem ungeheizten Flur des Rathauses ohne Ge⸗ fahr eine Erkältung uicht lange aufhalten konnten sondern die gastliche Stätte verließen, so befinden sich die Einwohner Marburgs bis jetzt völlig im Dunkeln über den ev. gefaßten Beschluß unserer Stadtväter in dieser An⸗ gelegenheit. „Der Teufel trau den Frommen!“ Dieses Wort, das der französische Dichter Moliére dem alten Oregon in seinem„Tar⸗ nuffe“ in den Mund legt, behält doch immer sseine Gültigkeit, obwohl schon Jahrhunderte wergangen sind, seitdem es niedergeschrieben wurde. War da in Oberlahnstein ein braver, frommer Mann, Lokomotivführer seines Zeichens, der ein gar schlicht und ehrbares Veben führte. Jeden Morgen, wenn es der Dienst erlaubte, ging er zusammen mit seiner Frau in die Frühmesse, wie es sich für einen guten katholischen Christenmenschen gehört. Aber er führte gewissermaßen ein Doppelleben; auf seinem Dampfroß kam er fast täglich nach Ems und dort hatte er ein Liebchen, mit dem er in seiner freien Zeit manches Schäferstünd⸗ chen abhielt. Das ging so jahrelang. Auf einmal kam aber die Frau Gemahlin hinter die Schliche ihres frommen Eheherrn, den sie bisher als das Muster aller Männer angesehen hatte. Natürlich gab es eine häusliche Szene. Dabei blieb es aber noch nicht; die Sache kam auch in die Oeffentlichkeit. Sehr zum Bedauern der Heiligen in Oberlahnstein— und die sind vort sehr zahlreich— die außer sich sind, daß wieder mal einer der ihren gestrauchelt und dem Teufel Bitru zum Opfer gefallen ist. Im christlichen Staate. Kurz vor dem Fest der christlichen Liebe hat der Stadtrat in Pirmasens gegen die Stimme unseres Genossen Keidel beschlossen, 15 männliche Personen und 19 Witwen aus⸗ zuweisen, weil sie nicht unterstützungswohnsitz⸗ berechtigt sind. Als Grund dieser drakonischen Maßregel konnte von dem Bürgermeister nur geltend gemacht werden, es könnte eine Lehrkraft bespart werden, denn die Ausgewiesenen hätten 5 Kinder. Der Antrag zur Ausweisung Burde von dem Armenpflegschaftsrat gestellt, her zur Begründung anführte, es seinen von 1170 M., die als Armenunterstützung aufge⸗ kracht, 14000 M. für auswärtige Arme aus⸗ gegeben worden. Wir sind überzeugt, daß die Stadtväter wrotzdem unter dem Weihnachtsbaume mit srommem Augenverdrehen singen werden: Friede auf Erden! Ein Hunne. Das Schwurgericht in Ulm verurteilte wrige Woche den ehemaligen Chinakrieger srabrikarbeiter Stütz wegen Todtschlags Er hatte gelegent⸗ lch der Kirmes in einem Dorfe bei Geislingen en Sohn des Wirtes niedergestochen, weil lieser dem Gendarmen bet der Verhaftung des (ötütz, der fürchterlich krakehlte, behilflich war. Lorher hatte er in der Wirtschaft mit seinen heldentaten in China renommiert und derartig lüfgeschnitten, daß es zu Streitereien kam und 6 hinausgeworfen wurde. Cr erzählte u. A. in Stil gewisser Hunnenbriefe, er habe in china auch 25— 30 abgemurkst und es sei Auch in diesem schabe, daß man es hier nicht auch so machen könne. In China werde nicht so viel Auf⸗ hebens gemacht. Die Geschworenen billigten ihm keine mildernden Umstände zu. In den Tod getrieben. Aus Eurasburg Gayern) berichtet man der„Münchener Post“!: Am Dienstag den 16. d. Mts., entleibte sich der wegen seines menschenfreundlichen Wesens allgemein beliebte Förster Ernst Stempfle in Gegenwart seines zweijährigen Töchterchens durch einen nur zu gut treffenden Schuß. Der Förster, der neben dem erwähnten Töchterchen noch eine junge trostlose Wittwe hinterläßt, hatte im Dienst des Herrn Kommerzienrats Käß in Haunstetten bei Augsburg eine dauernde Stel⸗ lung inne, die man ihm aber auf jegliche Art zu verleiden suchte. Das schwerste Vergehen, dessen man ihm zeihen konnte, bestand darin, daß er einen erkrankten Arbeiter einen versäumten Arbeitstag fürzvoll berechnete und auch auszahlte. Dafür erhielt er vor wenigen Tagen seine Kün⸗ digung und eine Viertelstunde vor der unseligen That mittelst eingeschriebenen Briefes die Auf⸗ forderung, binnen steben Tagen seine Dienstwoh⸗ nung zu räumen. Diese grobe Rücksichtslosigkeit steigerte die ohnehin nicht geringe Erregung des braven Mannes derart, daß er zum Ge⸗ wehr griff und sich eine Kugel durch den Kopf jagte. hohe Lebenswege. Die Frau des Kronprinzen von Sachsen hat sich von ihrer Familie heimlich entfernt und ins Ausland begeben. Als vermutlicher Grund wird in der„Frkftr. Ztg.“ unglückliche Ehe angegeben. Kleine Mitteilungen. * Beim Holzfällen bei Schotten fiel einem Arbeiter aus Rainrod eine Axt auf das eine Auge und verletzte es erheblich, sodaß sofortige ärztliche Hilfe nötig wurde, * Ein„Gurgelabschneider“ in Hungen wurde dort am Donnerstag verhaftet. Er ver⸗ mittelte Darlehen gegen übermäßig hohe Gebühren. Diese konnte eines seiner Opfer nicht aufbringen und griff deshalb fremde Gelder an. Das führte zur Ent⸗ deckung der unsaubern Manipulationen des dunklen Ehrenmannes. * Das Kind in Bieber, das vorige Woche durch Verbrennen seiner Kleider schwere Brandwunden erlitt, ist in der Gießener Klinik gestorben. * Durchbrenner. Aus Marburg berichtete die„Frkftr. Ztg.“ das Verschwinden eines jungen ver⸗ heirateten Landwirts aus Vilschhausen. Man fand am Waldrand seine zerfetzten Kleider, dagegen von ihm keine Spur. Zugleich hat die Polizei ermittelt, daß der Mann hier verschiedentlich Geld erhoben und sich auch einen neuen Anzug gekauft hat. Man nimmt deshalb an, daß er sich heimlich auf- und davongemacht hat.— Ebenfalls in Marburg verschwand eine sehr elegant auftretende junge Dame, die sich als Studentin ausgab. Sie hinterläßt eine ganze Menge Schulden. * Der Neffe als Raub mörder. In Berlin wurde Freitag die in der Rosentalerstraße wohnende Frau Budwig von ihrem eigenen Neffen, Lescynski ermordet. Er erschlug seine Tante, als sie einen Brief an die Base Lescynskis schrieb, worin es heißt: „Heute habe ich das Glück, Deinen Vetter bei mir zu haben“— das Schreiben endet mit einem Klecks, der wohl durch den tödtlichen Schlag veranlaßt worden ist. Partei-Rachrichten. Die Gemeindevertreter⸗Konferenz, die nächsten Sonntag, den 28. ds, Mts., im Gewerk⸗ schaftshause in Frankfurt stattfinden soll, wird sich in der Hauptsache mit der Frage der kommunalen Notstandsarbeiten beschäftigen. Anmeldungen zu der Konferenz sollen bis spätestens 24. Dezember an Dr. Quarck in Frankfurt gerichtet werden. Wie schon in der vorigen Nummer angegeben, beginnt die Besprechung Morgens 10 Uhr im Gewerkschaftshause. Genosse Julius Popp, einer der ältesten und besten Vorkämpfer der österreichischen Sozialdemokratie ist am Dienstag in Wien gestorben. Er ist nicht ganz 53 Jahre alt geworden. Dennoch genoß er in der österreichischen Partei durch mehr als ein Jahrzehnt das Ansehen eines Nestors. Wie hoch seine Thätigkeit als Ratgeber, seine Sachkenntnis in allen inneren Partei⸗ angelegenheiten und sein klares, leidenschaftsloses Urteil in der Partei geschätzt wurde, geht daraus hervor, daß er seit dem Hainfelder Parteitage allen Parteikongressen präsidierte und immer in die Parteivertretung gewählt wurde. Popp stand seit seiner frühesten Jugend in der Arbeiterbe wegung. Ueber die achtstündige Rede unseres Genossen Antrick sagt das Organ des Bundes der Landwirte, die„D. Tagesztg.“:„Sie war eine Leistung, die Bewunderung verdient. Der Abgeord⸗ nete sprach zwar leise und langsam, aber immerhin deutlich und vernehmlich. Was er sagte, war kein Unsinn, sondern es war im Allgemeinen logisch und sprachlich korrekt Auch Wiederholungen kamen im Großen und Ganzen selten vor.“ Verschledene Preß⸗ bengel in Amtsblättern rissen unsern Gensssen herunter und stellten es so hin, als ob er dummes Zeug geredet hätte. Daß auch das Offenbacher Antisemitenblatt in seiner bekannten Rüpelmanier den Abgeordneten anpöbelte, versteht sich von selbst. Versammlungskalender. Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlung en! Samstag, den 27. Dezember. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 7. Dezember. Heuchelheim. Arbeiterbildungs verein. Abends 7 Uhr Versammlung bei Wirt Aug ust Rinn. Wichtige Tagesordnung! Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden Mittwoch, Abends 9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr im„Pfau“. Briefkasten. St.⸗Mbg. Bis Montag.— B,⸗M. Venezuela, föderative Republik im Norden Südamerikas, 1137615 Quadrat⸗Kilometer, zirka 2¼ Mill. Einwohner. Diese sind meist Mischlinge, Deutsche sind nur wenige dort. Quittung. Für den Genossen in D. gingen ferner ein: Brauer Mk. 10.— Einige Holzarbeiter Mk. 1.— K. Mk. 0.50.— Am. Mk. 0.50, .— An unsere Leser! Die nächste Nummer unseres Blattes wird Dienstag, den 30. Dezember ausgegeben. Wir bitten besonders unsere Postabonnenten, die Zeitung zum bevor— stehenden Quartalswechsel rechtzeitig zu bestellen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Auch müssen unsere Leser für die Gewinnung neuer Freunde sorgen: neue Leser sind neue Kämpfer! Exp. d. Witteld. Sonnt.-Ztg Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage-Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Der Neue Welt⸗Kalender für 1903. Preis 40 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der soeben erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Gerade jetzt, wo in Frankreich der Kulturkampf tobt und in Deutschland das Zentrum nicht blos in der Frage des Zollwuchers, sondern allgemein die Schutztruppe der protestantischen Reichsregierung ist, kommt die Schrift zeitgemäß. Preis 30 Pfg.(Agi⸗ tationsausgabe) Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen-Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge— fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial— demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. 8 —— ———— uU U li F 1 6 * 2 ——— . 9 2 5 8 hofer verlobt habe. Sefte 6. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Nun Künclet an die Jleihnachtshersen! Nm zündet an die Weihnachtskerzen In Schloß und Hütte, Stadt und Land; Bereitet unter heitern Scherzen Den Weihnachtstisch mit milder Hand! Im Funkelglanz von Nimmelssternen, So leuchtet durch die Winternacht— Ein Feenbild aus lichten Fernen— Das alte Fest in hehrer Pracht! Im Glockenklang, im Schall der Lieder Vergeßt euch nicht in eigner Lust; Entfacht in eurem Innern wieder Den edlern Drang der Menschenbrust! Es strahlet nicht uns Menschen allen In gleichem Glanz der stolze Baum, Und tausend Schmerzenstränen fallen Anklagend in den Weihnachtstraum! So soll der Weihnachtsbaum uns prangen Für Noch und Nieder, Mann und Bind, Daß nicht mehr über bleiche Wangen Die Träne der Verzweiflung rinnt! Daß alle Menschen glücklich wallen Durchs Erdensein wie im Gedicht! Laßt einen Strahl der Sonne fallen Auf jedes Menschenangesicht! Das helle Weihnachtslicht enthüllet Uns greller noch die Dunkelheit, Die weit und breit die Welt erfüllet, Den Drang und Kampf verirrter Seit! Wohin ihr blickt: Der Armut Sehnen, Der Torheit Sieg, die Wut der Schlacht, Der Freiheit Schmach, des Elends Tränen, Des Geistes Druck, des Goldes Macht! Drum zündet an die Weihnachtskerzen, Laßt leuchten ihren Strahlenschein! Erfüllt die Seelen, klärt die Herzen, Gießt Licht in jede Brust hinein! Unwissenheit, sie flicht die Ketten, Durch die man eure Geister lenkt: Den Armen kann kein Weiser retten, Der nicht empfindet, strebt und denkt! Laßt hell die Weihnachtslichter schimmern, Tragt ihren Glanz in jedes Haus! Durch blinde Fenster laßt sie flimmern Und treibt den Wahn der Nacht hinaus! Schwingt hoch die Fackel der Gedanken! Lehrt allen Völkern Recht und Pflicht; Dem Geist der Seit, dem müden, kranken, Reißt ihm die Maske vom Gesicht! Den Weihnachtstisch belegt mit Gaben Der Milde und Gerechtigkeit; Ein Jeder soll das Seine haben, Den Lohn die Tugend, Trost das Leid! Der Fluch des Mangels soll verschwinden, Fort mit der Unterdrückung Bann, Die Wahrheit soll die Heimat finden And frei sein soll der freie Mann! Nun zündet an die Weihnachtskerzen Im Geist der Sukunft und des Heils! Denkt nicht allein der eignen Schmerzen, Des eignen Glücks, des eignen Teils! Sin Weihnachtsbaum für alle Glieder Der Menschheit unterm Sternenzelt! Dann schallt ihr Glocken, klingt ihr Lieder Und grüßt das Fest der ganzen Welt! Friedrich Thieme. Mariechens Weihnachten. Von Ludwig Kratz. Es war rauhes stürmisches Dezemberwetter. Der Schnee wirbelte in kleinen scharfen Kry⸗ stallen, die wie Nadelstiche die Haut berührten, durch die Luft und ballte sich unter den Tritten der hastig dahineilenden Passanten. Wen nicht dringende Geschäfte ins Freie nötigten, der blieb zu Hause im traulichen Zimmer beim warmen Ofen. Glücklich Derjenige, der bei solchem Wetter sich dieses verschaffen konnte. So mochte auch die arme Wittwe denken, die in einem kleinen zweistöckigen Hause, das dem Trödler Oppermann gehörte, zwei kleine Stübchen bewohnte, von denen sie eins an ein Fabrikmädchen vermietet hatte. Sie hatte einst bessere Tage gesehen, denn sie stammte aus einer begüterten Handwerkerfamilie, wo sie als einziges Kind verwöhnt und verzogen wurde. Da lernte sie den jungen hübchen Berghofer! kennen, der als Monteur im Hause ihres Vaters einige Zeit beschäftigt war. Die beiden jungen Leute hatten bald Gefallen an einander gefun⸗ den, und eines Tages erklärte die Tochter den besturzten Eltern, daß sie sich mit Otto Berg⸗ Die Alten wollten natür⸗ lich von einer Verbindung mit dem hübchen aber armen Otto nichts wissen, gaben aber schließlich den Bitten ihres einzigen Kindes nach, und die Beiden wurden ein Paar. Anfangs ging alles gut. Otto Berghofer, der ein geschickter und fleißiger Arbeiter war, verdiente ein hübches Stück Geld und als ihn sein geliebtes Weib bald mit einem Töchterchen beschenkte, da hätten die jungen Leutchen mit keinem Fürsten getauscht. So vergingen einige Jahre. Da brachte man eines Tages Frau Berghofer den blutig zerfetzten Leichnam ihres Gatten, der von einem Gerüst abgestürzt war, ins Haus und nun nahm das Elend bei ihr seinen Anfang. Laut weinend in ihrer Verzweiflung, warf sie sich über die Leiche, wo sie lange schluchzend verharrte. Das kleine Mariechen, das ver— wundert die Mutter beobachtete, zupfte sie leise am Kleide und fragte:„Warum weinst Du denn Mama? Papa schläft, und wenn Du so jammerst, wirst Du ihn aufwecken!“ Das brachte die unglückliche Frau wieder zu sich selbst. Heftig riß sie ihr Töchterchen an die Brust und erzählte ihr, daß der gute Papa für immer schlafe. Jas Kind sah die Mutter mit großen Augen verständnißlos an, es begriff nicht, wie man darüber weinen konnte. Ein Unglück kommt selten allein. Bald darauf starben auch ihre Eltern. Der Vater hatte sich in gewagte Spekulationen eingelassen, die den Verlust seines gesamten Vermögens zur Folge hatten und die alten Leute konnten diesen Schlag nicht überwinden. Mit ihnen war auch die letzte Stütze für die arme Ver⸗ lassene geschwunden und völlig gebrochen mußte sie nun die Sorge für die Erziehung ihres Kindes allein in die Hand nehmen. Die bittere Existenzfrage trat an sie heran. Sie suchte sich so gut es ging mit Näharbeiten, die ihr von einem Warenhause übertragen wurden, zu er⸗ nähren. Aber der Verdienst war sehr kümmer⸗ lich. Die wenigen Ersparnisse waren bald auf⸗ gezehrt; die Möbelstücke wurden eins nach dem andern verkauft, aber es wollte nicht reichen. Dazu kam noch, daß ihr zarter Körper, der an harte Arbeit nicht gewöhnt war, zu kränkeln anfing. Aber die Sorge um Mariechen gab ihr immer wieder Kraft, und stets von Neuem mühte sie sich ab und nähte bis tief in die Nacht hinein: kaum daß die erstarrten Finger noch die Nadel halten konnten. Ihre Stube war kalt; Kohlen konnte sie keine kaufen, denn das Geld war so knapp und morgen— war Weihnachten! Sie mußte doch ihrem Liebling eine kleine Freude bereiten, aber die fleißigen Finger wollten nicht mehr; müde ließ sie die kalten Hände auf die Arbeit sinken und starrte mit brennenden Augen in die öde, stürmische Winternacht. Die Lampe war längst erloschen, sie merkte es kaum. Der Hunger nagte in ihren Eingeweiden; eine lähmende Müdigkeit überfiel sie. Mariechen schlief längst in seinem kleinen Bettchen und lächelte im Schlafe. * „Nun Emma, wohin so eilig?“ Mit diesen Worten eilte ein junger Mann an Seite eines hübschen Mädchens, das mit Schachteln und Päcken beladen munter dahinschritt. „Ach Du bist's Eduard!“ rief sie angenehm überrascht, denn der Sprecher war ihr Bräu⸗ tigam, Eduard Winkler, der in einer nahge⸗ legenen Fabrik als Werkzeugmacher beschäftigt war.„Gut, daß wir uns treffen“, fuhr sie fort,„da kannst Du mir gleich einige Päcke tragen helfen!“ „Mit Vergnügen Schatz, gieb nur her.“ Bei diesen Worten belud er sich mit den Sachen und fuhr dann fort:„Was hast Du denn Alles drin 2“ „Ach, nur ein paar Kleinigkeiten,“ rief Emma, ein wenig verlegen,„ich habe für Mariechen und Frau Berghofer einige Weih⸗ nachtsgeschenke ausgesucht!“ Eduard verzog den Mund ein wenig und meinte dann:„Mariechen und immer wieder Mariechen, fast könnte man eifersüchtig werden, wenn—“ „Aber pfui, Eduard!“ unterbach Emma schmollend ihren Begleiter,„wie kannst du nur so sprechen, die arme Frau dauert mich so, und Du weißt doch, daß sie nicht in Lage ist ihrem Kinde eine Weihnachtsfreude zu bereiten.“ „Nun, es war nicht so schlimm gemeint!“ begütigte er.„Du weißt, daß ich das Kind ebenso lieb habe wie Du. Ich meine nur, Du solltest bei Deiner Fürsorge für Mariechen auch mich nicht ganz bei Seite schieben!“ „Ach Du!“ rief Emma mit schelmischen Seitenblick,„Du weißt wohl, daß ich Dir gut doch wir Du kannst bin, das bedarf doch keiner Worte; sind am Ziele, komm mit herauf. mir die Geschenke schmücken helfen.“ Sie öffnete die Hausthür und eilte leicht⸗ füßig die knarrenden Treppen hinauf. Eduard, der in dem dunklen Hausflur stolperte, war eben bemüht einige Päckchen die ihm entfallen, waren aufzulesen, als er oben plötzlich einen lauten Aufschrei vernahm. So schnell er konnte lief er hinauf, und sah Emma Aidan beim Schein einer Kerze in Frau Berghofers Stube stehen. Sie deutete, keines Wortes mächtig, in die Ecke und Eduard sah nun mit Schrecken die arme Frau, stumm und staar in ihrem Stuhle sitzen. Rasch entschlossen stellte er Wieder⸗ ordnen und den Baum lebungsversuche an und als diese nicht halfen, holte er einen Arzt. Doch dieser konnte nur noch den Tod konstatieren.„Die arme Frau ist an Entkräftung gestorben!“ sagte er ernst. „Wir müssen die Behörde benachrichtigen.“ * Am folgenden Tage wurde die sterbliche Hülle der Frau Berghofer ins Leichenhaus ge⸗ schafft. Emma, die sich des verwaisten Kindes annahm, schmückte traurig das Bäumchen. „Die Mama ist berreist und wird bald wieder⸗ kommen mit vielen schönen Sachen!“ tröstete ste Mariechen, das weinend nach der Mutter verlangt hatte. Die Kleine beruhigte sich nach Kinderart bald und freute sich im Voraus auf die schönen Sachen. Am Abend kam Eduard. Das Zimmer⸗ chen war angenehm durchwärmt, auf dem weiß gedeckten Tische stand der festlich ge⸗ schmückte Tannenbaum; die Geschenke lagen bereit und ein süßer Duft nach frischem Kuchen erfüllte das Gemach. Eduard küßte seine Braut, die beide Arme liebend um seinen Nacken schlang; sie tauschten gegenseitig ihre Gaben und gelobten sich, den verwaisten Kinde Vater und Mutter zu er⸗ setzen. Dann ging Eduard hinunter zu den Trödlersleuten, die Mariechen einstweilen bet sich behielten, und holte die Kleine herauf. In stiller Rührung betrachteten sie das Kind, das mit strahlenden Augen vor dem — ————-—8.ʒẽ• itt de hats, 2 so bl eld Sta dem diener aber Entw die m Leben nunft Recht hellig Bed Satzu So n zum harter Mense hats“ ren a Priest —ůů ³—!. kannst du nur auert mich so, nicht in Lage achtsfreude zy imm gemeint!“ ich das Kind ich meine nur, r Mariechen eben!“ schelmnischen l er bunt 1 geisterbleit u Berghöfer nichig, in li ecken die Da erklangen die Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. brennenden Bäumchen stand und dann bald diese bald jene Gaben mit einem Freudenschrei begrüßte. Weihnachtsglocken in feierlichen Tönen von den nahen Türmen. Eduard schlang den Arm um die Schultern der Geliebten und in stummer Seligkeit sahen ste sich in die Augen. Die bunten Lichtchen am Baume erstrahlten im hellsten Glanze und die Tannennadel dufteten und knisterten leise, als freuten sie sich über das Glück dreier Menschenkinder. Die drei Bauber formeln.“ Von Johann Jacoby. Und er sprach zu den Jüngern:„Der Sab⸗ bat ist um des Menschen willen gemacht und micht der Mensch um des Sabbats willen. So ist des Menschen Sohn ein Herr auch des Sab⸗ bats.“(Evang. Marci, Kap. 2, V. 27, 28.) Dies hohe Wort gilt— wie vom Sabbat— sso von allen menschlichen Einrichtungen, von jeglichem Gesetze und Herkommen, von Kirche, (Staat und Gesellschaftsordnung. Aus dem Bedürfnisse des Menschen hervorgegangen — soll alle diese Institutionen nur als Mittel dienen zum Heile des Menschen. Während Aber im Laufe der Zeit— bei vorschreitender Entwicklung— die Bedürfnisse sich umgestalten, die materiellen und geistigen Ansprüche an das Leben sich steigern, halten Gewohnheit, Unver⸗ munft und Eigennutz fest an den hergebrachten Mechten und Ordnungen, erklären dieselben für heilig und unantastbar und verlangen, daß die Wedürfnisse der Menschen den überkommenen Satzungen sich unterwerfen, nicht umgekehrt. So wird— was ursprünglich Mittel gewesen, zum Selbstzweck erhoben, und— langer harter Kämpfe bedarf es, bis endlich des Menschen Sohn sich als den„Herrn des Sab⸗ bats“ erkennt, unbekümmert am Sabbat„Aeh⸗ ken ausrauft“ und mit„den Schaubroten der Priester“ seinen Hunger stillt.— 9„Im Namen der Kirche!“—„Im Namen des Staats!“—„Im Namen der Gesellschaft!“ Diaurch diese dreifache Zauberformel hat von jsher Herrschbegier und Selbstsucht Einzelner den Geist, den Willen, die Arbeitskraft der Völker gefesselt und ausgebeutet. Die Kirche— das heißt die Anmaßung der Priester— sagt zu den Laien: Euer Geist ißt zu schwach, die Wahrheit zu ergründen. Auf daß Ihr nicht in Irrtum und Sünde ver⸗ fallt, müßt Ihr— ohne Prüfung— glauben, was wir, die Dolmetscher des göttlichen Gei⸗ sues, als Wahrheit verkünden. Die Kirche ist umfehlbar; der Glaube allein kann Euch von ewiger Verdammniß erretten.— Der Staat— das heißt die Herrschsucht der weltlichen Machthaber— sagt zu den Staatsangehörigen: Ohne Unterordnung keine Ordnung auf Erden! Nicht dem eigenen be⸗ schränkten Urteile dürft Ihr in Eurem Handeln folgen, sondern dem, was wir als Recht fest⸗ stellen. Der Obrigkeit Wille ist Gesetz; nur bedingter Gehorsam schützt Euch vor Anar⸗ ckte und Verderben.— Die Gesellschaft— das heißt die Hab⸗ ä er der besitzenden Klassen— sagt zu den Besitzlosen: Uns verdankt Ihr Arbeit und Urot. Darum sollt Ihr von den Früchten 0 N e(autres Schweißes uns so viel abgeben, als mir für billig erachten. Wollt Ihr dies nicht, An, 1 steht es Euch frei, ohne Arbeit und Lohn zu verhungern. f Gedankenlos— willenlos— besitzlos ist de Masse des Volkes den Zwecken der Kirche, des Staats, der Gesellschaft untertan.— So lange jeder dieser drei Mächte die Aus⸗ butung der Menge für sich ausschließlich in Nspruch nimmt, treibt gegenseitige Eifersucht st zum Kampfe untereinander. Die serche predigt gegen den Mammon— die weltlichen Machthaber streiten wider die Ober- horschaft der Kirche— die besitzende Klasse ) Vorwort zu„Gesammelte Reden und Schriften“ bin Dr. Johann Jacoby. strebt banach, den Staat ihren Sonderinteressen dienstbar zu machen. Allein im Laufe der Zeiten ändert sich die Sachlage: je mehr— dank den Bemühungen uneigennütziger Forscher— die Erkenntniß der Wahrheit sich im Volke verbreitet, je mehr die arbeitende Klasse zur Einsicht ihrer Lage, zum Bewußtsein der eigenen Kraft gelangt— um so augenfälliger tritt die Lüge, die Ohnmacht jener drei fesselnden Zauberformeln zu Tage. Tron, Altar und Geldmacht sehen sich genötigt, die gegenseitige Fehde einzustellen und— der gemeinsamen Gefahr gegenüber— Schutz⸗ und Trutzbündnis zu schließen, ein Bündnis, das — dem Anschein nach— ihre Kraft vermehrt, im Grunde aber nichts weiter ist als das Ein⸗ geständnis, daß jede der drei Mächte für sich allein zu schwach ist, den Forderungen der Freiheit und Gleichberechtigung Wider⸗ stand zu leisten. Und hiermit ist der Charakter, die Bedeu⸗ tung der Jetztzeit ausgesprochen: es gilt den letzten, entscheidenden Kampf der unterdrückten, freiheitsbedürftigen Menschheit gegen den drei⸗ einigen Feind! Geistesfreiheit— Willens⸗ freiheit— Arbeitsfreiheit — ist die Losung; der Kampfpreis: Allgemeine Bildung— Tugend und— Wohlfahrt!—— Gemeinnütziges. Die Vermeidung von Erkältungen ist eine Kunst, die ebenso schwer auszuuͤben wie zu lehren ist. Es wird unsäglich viel gerade über die Entstehung von Erkältungen geschrieben, aber über kaum eine Krankheit bestehen so verworrene Vorstellungen wie über diese. Die Verwirrung beginnt schon beim Namen, denn der Begriff der Erkältung ist gar nicht abzugrenzen, und sehr erfahrene Aerzte haben schon den Vorschlag gemacht, ihn über⸗ haupt aus dem Sprachgebrauch zu entfernen und statt dessen lieber durch Ausdrücke zu er⸗ setzen, die zur Kennzeichnung der einzelnen Form der Erkältung geeignet wären. In klarer, einfacher Fassung, die sich sehr vorteilhaft von dem oft gebotenen Wust abhebt, hat Dr. Beerwald in den Blättern für Volksgesun dheits⸗ pflege über das Wesen der Erkältung gesprochen. Er hält sie überhaupt nicht für eine Krankheit, sondern für einen Schwächezustand des Körpers, der auf dessen zu großen Wärmeverlust zurück⸗ zuführen ist. Wird der Selbstschutz des Körpers verringert, wie es z. B. durch Abgabe einer zu großen Menge des Wärmevorrats geschieht, so erhalten die Krankheitskeime einen Wachs- tumsboden in unserem Körper, der ihnen bisher kein Mittel zum Fortkommen bot. Daraus ergiebt sich auch die Erklärung dafür, daß eine Erkältung zu soviel verschiedenen Erkrankungen führen und auch verschiedene Organe angreifen kann. Bei kalter Witterung sind Nase, Hals, Luftröhre und Lunge, bei heißer der Darm am meisten gefährdet. Ein einfacher Schluß aus den bisherigen Behauptungen sagt uns, daß eine Erkältung unmöglich wird, wenn wir dem Körper einen genügenden Wärmeschutz sichern. Die Natur hat ihm einen solchen schon in der Haut gegeben, die jedoch auch nur dann ihren Dienst richtig erfüllt, wenn ihr nicht durch übertriebene oder vernachlässigte Pflege die Fähigkeit dazu benommen wird. In der Haut spielen sich unter der Aufsicht eines im ver⸗ längerten Mark sitzenden Nervenzentrums die— jenigen Vorgänge ab, die den Menschen vor einem schädlichen Einfluß äußerer Wärme⸗ schwankungen schützen. Wird es in der Um⸗ gebung warm, so befiehlt jenes Nervenzentrum die Erweiterung der Hautgefäße; dadurch strömt das Blut reichlicher der Körperoberfläche zu und bewirkt dort eine Wasserverdunstung, die eine Abkühlung herrvorruft. Beim Sinken der Temperatur wird umgekehrt eine Veränderung der Hautgefäße und eine Zurückdrängung des Bluts nach dem Junern veranlaßt, damit von der blutarmen Haut nur eine möglichst geringe Wärmemenge an die kühle Außenluft abgegeben! werden kann. Nun kommt es darauf an, dem natürlichen Wärmeschutzapparat unseres Körpers seine Tätigkeit nicht zu erschweren. Dazu ist es notwendig, ihn keiner zu jähen Erhitzung oder Erkältung auszusetzen, weil sonst die Regelung des Blutzuflusses oder der Blutab⸗ sperrung nach der Haut nicht schnell genug vor sich gehen kann. Eine genügende Regelung der Hauttätigkeit wird aber auch dann erschwert, wenn die Empfindlichkeit der Haut beeinträchtigt oder zu sehr gesteigert wird. Ersteres geschieht durch seltenere Hautreinigung, und Dr. Beerwald führt die größere Sterblichkeit in den Monaten Oktober bis Mai zu wesentlichem Teil darauf zurück, daß während der kälteren Monate nur ungenügende Waschungen und Bäder vorge⸗ nommen werden. Anderseits geben zu häufige warme Bäder der Haut eine Ueberempfindlichkeit. Splitter. Nicht jeder liebt den Arzt, der mit dem Messer Kühn in das faule Fleisch der Lügen dringt. Das Vorurteil ist mächtig in der Welt, Und wer da rührt an einer alten Satzung, Sei auch gefaßt, daß tausend drum ihn hassen. M. Ring. ** * Magst du die Lüge noch so gut In das Gewand der Wahrheit kleiden— Der Dümmste ist nicht dumm genug, Um beide nicht zu unterscheiden. Bodenstedt. * * Hiebe, seien es geistige oder leibliche, die man für seinen Freund erhält, tun nicht weh. Die Wahrhaftigkeit ist jene Mutter Erde, auf der feststehend der ringende Geist nicht zu bestegen und niederzuwerfen ist. Bert. Auerbach. * 8* Feiger Gedanken Bängliches Schwanken, Weibisches Zagen, Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei. Allen Gewalten Zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen Rufet die Arme Des Himmels herbei. Goethe. Humoristisches. Schulhumor. Dorfschullehrer:„Hier sind zwei Eier; wenn ich nun noch zwei dazu lege, wie viel sind es dann, Michel?“— Michel(steht auf, lacht pfiffig und sagt):„Sie können doch keine Eier leren, Herr Lehrer.“ Abgeführt. Herr(am Stammtisch zu einem ungeladenen Gast, der sich durch beständiges Wortführen lästig macht, vertraulich)„Können Sie schweigen?“ Gast:„O, wie das Grab!“ Herr:„Nun, dann tun Sie es.“ Auf dem Heimweg vom Wirtshaus. Angetrunkener Bauer:„Schad', daß der Mensch blos zwei Füß hat; mit vier könnt' ma' no' amal so viel vertrag'n!“ Geschichtskalender. 1896: Gründung des 1. ital. „Avanti“ in Rom. 1884: 1642: Isaak Newton, 25. Dezember. sozialist. Tageblattes Großes Erdbeben in Spanien. Astronom*. 26. 1895: Hammerstein aus Athen ausgewiesen. 27. 1836: Attentat auf den„Bürgerkönig“ Louis Philipp v. Frankreich. 1571: Kepler A stronom,* 28. 1859: Macauley, engl. Geschichts schreiber 5. 1848: Grundrechte vom Frankfurter Parlament beschlossen. 29. 1892: Schluß des Elberfelder Geheimbunds⸗ prozesses. 30. 1760: Caroline Neuber, berühmte Schau⸗ spielerin im Elend gestorben. 31. 1895: Einfall Jamesons in Transvaal.— Explosion im Wrangelschacht bei Wal senburg(36 Tode). 1874: Th. York, Sekretär der sozialist. Partei Deutsch⸗ lands, F. 1882: Leon Gambetta, franz. Staatsmann,. * geboren;= gestorb en 9 —— —— 1 N 2 Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 52. Ortskrankenkasse Gießen. Durch Beschluß der General⸗ Versammlung vom 12. November aber 1902 und mit Genehmigung Großh. Kreisamts Gießen vom 15. Dezember 1902 erhält das früher bestandene Kassenstatut 11 5 Neude rungen a) Die in Betrieben der in§ 1 bezeichneten, ohne Gehalt oder Lohn beschäftigten Personen. b) Die in Communalbetrieben und im Communaldienst be⸗ schäftigten Personen, auf welche die Anwendung des§ 1 des Gesetzes nicht durch anderweite reichsgesetzliche Vor⸗ scheift erstreckt ist. i c) Diejenigen Angehörigen von Gewerbetreibenden, der in 58 1 bezeichneten Art, welche in den Betrieben der Letzteren zwar beschäftigt werden, aber nicht auf Grund. 5 beitsvertrages. e d) Diejenigen Personen, welche von der Verpflichtung. der 5 9 1 * 5 4 1 Glaser-Jach-Berein. 1 3 1 ö I. Bei§ 2 wird Absatz 1 gestrichen. Am ersten Feiertag, Abends 8 Uhr, 100, 6, ůdñ,„„370 1 II. Der§ 5 hat nunmehr folgende Fassung: 3 im Lokale Orbig: 100„ 19 1 15„„ ** 1. Berechtigt, der Kasse als Mitglieder anzugehören, sind:! e ee„ 6,15 Weihnachts-Feier. Freunde und Gönner sind freundlichst eingeladen. Der Vorstand. 9 Millonen Cigarren fabelhaft billig zu verkaufen. 100 St. 5 Pf.⸗Eigarren nur M. 2,95 Bei 300 Stück Frankolieferung. Versand gegen Nachnahme. Für Güte der Ware wird aus⸗ drücklich garantiert. Tausd. Anerkennungen liegen vor Berndt& Co., Berlin ⸗Schönsberg 173a, Ebersstraße 75. 3˙22 Millionen Mark“ Kasse anzugehören, wegen ihrer Beteiligung an einer, dem 5 einrich Dol, Gies S ED 5 eee g 75 genügenden Hilfstase befreit find. 7 Mausburq 7 2 90 bob, 38740. e) Dienstboten. 2 9 2 3 4 000 1) Selbständige Gewerbetreibende der in 8 1 bezeichneten Art, Pd pier-Bandlun 9 A 73* dog, 6* 16 9 welche nicht regelmäßig einen Lohnarbeiter beschäftigen. Buchbinderei& Geschäftsbücher æ Drucksachen 2 705 5 g) Gehülfen und Lehrlinge in Apotheken. Einrahmen pon Bildern. Pee im Laufe der Vereinszeit zur Verlosung 9 2. Das Recht zum Beitritt fällt für die unter a—g aufgeführ⸗ 0 11 5 V 2 ten Personen fort, sofern ihr jährliches Gesammteinkommen eee S 4— 8? Jedes Loos ein Treffer. 8 2000 Mark übersteigt. Die Aufnahme der unter a—g auf⸗ 2 Die kleinsten Trekker betragen 85 11 01 e 0 A 1 555 105 sichh en détail en gros 1 5 155 50 775 3 1 urch ein Attest eines Kassenarztes über ihre Gesundheit aus⸗ La K WI a ˖ 1 e e 1 weisen. I E ers E LI E 0 III. Bei. 1575 15 10 1 1 15 e. Marktstrasse 4 Giessen Marktstrasse 403 L 1. Hild 3 f e im Krankenhause Untergebrachten erhalten, wenn sie 7 e 8 Angehörige haben, deren Unterhalt sie bisher aus ihrem Glas-, Porzellan- und Steingut-Handlung. 2 en 2 * Arbeits verdienst bestritten haben, die Hälfte des jeweiligen Grosses Lager aller Sorten Teller, Tassen, Kannen,(z 2 Krankengeldes, andernfalls 1/ des in§ 13 als durch⸗ schnittlichen Tagelohn festgesetzten Betrag. IV. 5 22 erhält folgende Fassung: Für die in ihrem Haushalt lebenden, dem Versicherungs⸗ zwang nicht selbst unterliegenden Fa milieuangehörigen, Schüsseln u. s. w. in weiss und bunt. Bier-, Wein-, Likör-, Tafel- und Kaffeeservice in allen Preisen, Blumenvasen, Figuren, Nippes, Luxusgegenstände u. s. W. zu Gelegenheits- Geschenken. Sämtliche 3 12 ferschietene Nummern Monatlich Beteiligung nur Mk. 4. 2 Anmeld. befürdert gehend: 3. W. Walter Essen322 4 4e und 77 unter 14 Jahren), wird den Kassen⸗ Sorten Wirtschafts-, Einmach-, Gelee-u.Honig- Gläser 6699666866000 3 mitgliedern gewährt: g 1. Im Falle der Erkrankung, sofern nicht Kur und Verpflegung Lampen 0 Lampenglas 1 Steinwaren. Alle Sorten N in einem Krankenhause erforderlich ist, freie ärztliche Be Waschgarniture s Küchengeschirre. Weihnachts⸗ handlung durch die Kassenärzte für die Dauer der Krank⸗ i a heit, höchstens jedoch für 13 Wochen im Laufe eines Zeit“ konfekt 1 15 raumen von 12 Monaten. Spezialärztliche Behandlung— 7 1 7 ist ausgeschlossen. Geburtsärztliche Hilfe gemäß den Art.“ Bucldle 2 Schirme Wüll e, Bahn fstr. 58 a 136, a und b, 137, 138, 141 und 142 der ärztlichen n 1 N L. er, Bahnhofstr. 58. f 1 Gebührenordnung wird von der Kasse, laut Vertragsab⸗ 19 5 tte heft An eme. eee ö 1 1* schluß mit den Kassenärzten, honorirt. Außerhalb des Regenschirme, 9 1 l 15 Kassenbezirks wohnende Mitglieder erhalten, falls die Be⸗ 7 160 handlung der betr. Angehörigen nicht durch einen Kassen⸗ Sonnenschirme, 3 C e kann, auf die Aerzterechnung folgende Sätze Spazierstöcke 5 Fertige 1 vergütet: kauft man gut und billi 1 1 a) Für eine Consultation in der Sprechstunde des Arztes st 5 2 5 2 Pederbetten J* 5 oder für einen Besuch am Wohnort des Arztes 50 Pfg. Casseler Scebhirmfabrik 7 0 i ö g für einen Besuch außerhalb des Wohnorts 1 Mark. e 1 9 1 mit 6 Pfund Federn gefüllt, 1 52 2. Im Todesfalle der Ehefrau ein Sterbegeld in Höhe der 1 e 1 8 Stück zu 10.50, 12.— 14.— 9 Hälfte, eines Kindes im Alter von 6—14 Jahren in 5 1 18.— Mark und besser. 0 5 Höhe von Einviertel, und allen unter 6 Jahren in Höhe 2 Marburg a/ E., Neustadt 11. 5 1 1 ö N von Einfünftel des dem Mitgliede nach 8 21 des Statuts Butter.„ 0 1 zustehenden Sterbegeldes. Das Sterbegeld für die Ehe⸗ Fulda, markt 14 25 Steuerhaus 7 Ki 1 ssen 0 frau und Kinder wird, wenn solche nicht selbst Mitglieder Reparaturen und Neubeziehen schnell, gut und billig. it 2½ Pfund gefüllt, 0 N 1 der Kasse sind, nur dann gewährt, wenn das Mitglied 8— ieee 5 2.75 Pf 27 55 1 80 N 0 vom Todestage rückwärts gerechnet, in den letzten sechs 1 Mark und besser Monaten mindestens 13 Wochen der Kasse angehört hat. 5 5 5 0* ee a ö V. Im 815 5 der letzte Absatz folgende Fassung:. 5 N für vollständig reine und 5* Für Mitglieder, welche innerhalb der ersten Wochentagen neue Füllung, ö be 190 5 Mittwoch) in die Kasse eintreten, Edgar Porrma Giessen empfehlen J aber innerhalb der drei letzten Wochentage,(Donnerstag, Neustadt 11 1 Telefon 298 7 7 11 6 d Freitag, Samstag) aus derselben ausscheiden, ist der volle Ge. El U Wochenbeitrag zu zahlen. Für Mitglieder, welche inner⸗ Eisenhandlung, Stahlwaren, Neustadt 10. halb der drei ersten Wochentage aus der Kasse ausscheiden, Merkzeuge, Haus- und Küchen- 2... 1 oder innerhalb der drei letzten Wochentage in dieselbe ein⸗ Beräte-Hla II 0 treten, ist ein Beitrag für die betr. Woche nicht zu ent⸗ a 5 nudlung 0 0 0 K akti ist 0 1 a richten. Für Mitglieder, welche in den drei lezten Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen esund und Kräftig 1 1 Wochentagen eintreten, aber in der dem Eintritt folgen-Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗ u. Gaskocher 2 0 f den Woche in den drei ersten Wochentagen wieder aus⸗Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Fleischhack-u.Reibemasch. ornbro 1 1 0 3 treten, wird ein voller Wachen 3 gebracht. Rasenmäher Waagen und Gewichte Dr. Kleins Fleischsaftpress. 1 13 il er Vorstand. Stehleitern Messerputzmaschinen Feuerlöschapparate ꝛc Di der 1 1 a 8 8. zenbacher Mühle 1 5 ee eee erhältl. in den bekannt. Verkaufsst ö ö 5 1 — ee. ä. ee eee Sees ö ö I 2 6 5 5 Gesangverein Eintracht. 1 all f Uk a. 1 Freitag, den 26. Dezember 1902,(2. Weihnachtstag), 1 2 Abends 8 Uhr im Lokal Orbig, Rittergasse: I ror⸗. aN dung 8 normacher 0 2 2 8* Giessen, Marktplatz. 8 Weihnachts⸗Feier N wealbcle Bae se 8 8 mit Verloosung. n ren, Gold⸗ 10 0 un 400 Hierzu ladet freundlichst ein 2 2 0 6 Der Vorstand. 2 ilberwarenn 5 140 0 e e TTT 85„Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur 5 A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. 5 ——.—————— 5— — wee 9 N—————————— a 5 —... ß e—. 5— c 5 . 1 8 Nr. 1. Gießen, Sonntag, den 5. Januar 1902. r — 4 4 . N * ö Crossh. Universstaets- Bibliothek 1 6 2 Redaktion: COlorchecker Axrite dürfnisse aller Glieder des Hausstandes.“ „Diese Thätigkeit erstreckt sich nach drei 1 „Erzeugung oder Beschaffung aller zum Unterhalt aller Haushaltsgenossen nötigen Wirt⸗ schaftsgüter; 2. Verwaltung derselben, Aufbewahrung und Vorrätighalten derselben für den Bedarf; 3. Verteilung derselben beim Bedarf und zum Gebrauch an die einzelnen Mitglieder des Hausstandes. Wirtschaften können muß aber auch der Einzelne. Auch der ganz allein stehende und nur für sich sorgende Mensch muß sich Güter schaffen oder erwerben und sie richtig verwalten: das heißt aufbewahren und einteilen; nur das Zuteilen unter mehrere andere Personen fällt bei ihm weg. Wirtschaftlich nennen wir den Menschen, der diese Kunst gut versteht. a 11 2 1 1 2 3 1 5 6 7 8 9 6 8 U f Wahrscheinlich hat sch jedoch bie Einehe, die Einzelfamilie erst aus der Gruppenehe herausgebildet. Mögen wir nun eine monogame Nerbindung oder eine durch Gruppenehe verbundene Gemein— — An —2— LF Wissenszsßesg, der Finanzwissenschaft und Ca⸗ meralia hieß, die Kunst, Land und Volk einfach so ergiebig als möglich zu machen für die Schatulle des Landesherrn, für die„Kammer“. In einem urzuständlichen Kommunismus, bei dem alle Produktionsmittel, Grund und Boden, Rohstoffe aller Art ꝛc., allen gemeinsam sind, nicht dem einzelnen als Privateigentum gehören, also alle für alle arbeiten und Güter erzeugen, ist das Wirtschaftsleben sehr einfach. Je vielfältiger und verschiedener sich aber mit wachsender Kultur die Wirtschaftsgüter gestalten, je mehr die Teilung der Arbeit zu⸗ nimmt und nach Lage der Ortsgelegenheit ihrer Wohnung, nach ihren verschiedenen Neigungen und Anlagen Einzelne sich auf bestimmte be⸗ sondere Thätigkeiten verlegen und von einem bestimmten Wirtschaftsgut größere Mengen und bessere Qualitäten hervorbringen, desto mehr ist einer auf den anderen angewiesen, um ein be⸗ 4... u.. N Nele 10 Senne rene eonon eder e schaftsgüter sind überhaupt aus dem Ha ausgewandert und zum„Beruf“ bestimmter darauf geübter Spezlalisten, geübter und ge⸗ lernter„Handwerker“ geworden. Unsere Groß— mutter und Urgroßmutter backten nicht nur das 110 fe EENALl — ebaftiongschlugz: 9. Jahrg erbächsene Staatsangehörige wenigstens die Grundelemente verstehen sollte, die er kennen muß, um seine Pflichten als Mensch und Staatsbürger, als Mitglied eines gesttteten Menschenverbandes gebührend erfüllen zu können. Um jene erstrebenswerte soziale Ordnung herbeizuführen, von welcher oben die Rede war, ist die bewußte einsichtsvolle Mitarbeit auch des arbeitenden Volkes unerläßlich notwendig. Darum müssen die elementarsten Begriffe der Volkswirtschaftslehre Gemeingut aller werden! Dann erst kann eine wirkliche Wirtschaft des Volkes geschaffen werden, deren„Wirt“ oder Wirte in Wahrheit und Wirklichkeit gute Haus⸗ wirte und Hausvorstände sind, die wie ein guter Familienvater kein Kind, kein Glied der Familie am Nötigen und Nützlichen Mangel leiden, es irgendwie in seiner Entfaltung und Entwicklung verkümmern lassen— wie das unter der derzeit beliebten Volks-— Miß⸗— Wirtschaft das 1. Schicksal bon Hunderttausenden und-innen 24 55 20 u Gießen, den 2. Jauuar. Die„göttliche Weltordnung“. „Dreißig Jahre sind es nun her, daß gegen Menschenkraft und Volksvermögen wir mim Naummuunummunmununmumdunmmnl N* — A