— 990 Essen 8 ren. lüchen. . Oe Haza ö Marburg i. — 1 8 * — — 8 2 7 Obesh. Ke — eihven esl ids 8 Uhr Tanz. rer orbig, traße, Friseur gier im Glab. mltee. 0 —— W* Wadcgt ewe, Nr. 39. Gießen, Sonntag, den 28. September 1902. 9. Jahra. Redaktion: 2 Redaktions schluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. N 8 55 6 Abonnementspreis: Bestellungen JInserate 2 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) b Eypedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. RNüstet zum Kampfe! Parteigenossen allerorts! Wie Ihr alle wißt, stehen uns für die nächsten Monate schwere Kämpfe bevor, wo es gilt, die weitere Herabdrückung der Lebens⸗ haltung der großen Masse des arbeitenden Volkes zu verhüten. Unsere beste Waffe in diesem Kampfe ist Uunsere Presse, die zu stärken die vornehmste Pflicht eines jeden Parteigenossen ist. Sorge deshalb ein Jeder bei dem bevorstehenden Quartalswechsel für Gewinnung neuer Abon⸗ nenten für die „Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“, Den einzigen Arbefterblatte in Oberhessen und den Nachbarbezirken. Die Bezugsbedingungen sind bekannt. Thue jeder Genosse seine Schuldigkeit! Glaube und Moral. William Thurston Brown, Prediger der Plymouth Kongregationalisten-Gemeinde in Rochester im Staate New⸗York, welcher seit längerer Zeit der sozialdemokratischen Partei angehört und für dieselbe durch Wort und Schrift eifrig agitiert, hat sein Amt, das er seit vier Jahren bekleidete, kürzlich niedergelegt, weil er als Sozialist nicht länger die Heuchelei mitmachen wollte, zu welcher heutzutage alle christlichen Prediger, die einigermaßen finanziell erfolgreich sein wollen, gezwungen sind. Er hat daher seiner Gemeinde einen Absage⸗ brief geschickt, in welchem er unter Anderem sagt:„Ich wünsche nicht, daß Ihr länger für meine Lehren oder mein Thun verantwortlich sein sollt. Unter keinen Umständen kann ich den Frieden meines Gemüts und meine Männ⸗ lichkeit opfern, um meine Lehren einem Glauben, den ich nie teile, unterzuordnen, oder mein Leben unmoralischen Gebräuchen anzupassen. Religiöse Glaubensbekenntnisse und soziale Kon⸗ ventionalität verdummen den Menschen und erdrosseln unsere Männlichkeit. Es ist ebenso schlimm, im Leben zu heucheln, als Lügen zu verbreiten. Als ich ein„christlicher Prediger“ wurde, that ich es nicht, weil ich glaubte, die Menschen seien von einer zukünftigen Hölle be⸗ droht, sondern weil ich dachte, der Hauptzweck unseres Lebens sei es, das Himmelreich auf Erden, d. h. das Glück der Menschen zu be⸗ gründen und ich hielt die Kirche dazu für am besten geeiguet, denn sie hatte Jesus zu ihrem Haupt erwählt. Aber ich entdeckte, daß ich mich bitter getäuscht hatte. Ich fand, daß die Kirche kein solches Programm hat und weder die materiellen noch intellektuellen Mittel besitzt, um ein derartiges Resultat zu erzielen. Ich hörte viel von der„Brüderschaft der Menschen und der„Vaterschaft Gottes“, aber das waren nur bedeutungslose Phrasen, denn thatsächlich sind die Beziehungen der Menschen zu einander heutzutage von einer Heuchelei verdeckt, die schlimmer ist, als diejeulge der Pharisäer und Schriftgelehrten in Palästing. Ich habe mich davon überzeugt, daß die heutigen Zustände nicht durch Personen, sondern durch 25 Kräfte während kurz darauf die Berliner Gewerk herbeigeführt wurden, welche weder von Religion noch von der Kirche beeinflußt werden können. Da ich die Darwin'sche Lehre von der Ent⸗ wicklung als richtig erkannt, habe ich meine Ansichten über soziale Probleme und persönliche Pflichten vollständig verändert. Ich habe ein⸗ gesehen, daß die ganze Thätigkeit der Religiösen und sogenannten Philanthropen, der Kirche und der Wohlthätigkeits⸗Anstalten in falschgeleiteter Energie besteht. Meine Hoffnung auf morali⸗ schen Fortschritt liegt in der Richtung der Auf⸗ klärung und der Entwicklung der Klassen⸗ interessen, welche die Menschen zu Lenkern ihres eigenen Schicksals machen werden. Die Kräfte, durch welche wir uns von aller Sklaverei emanzipieren können, liegen in uns selbst. Kein Mensch kann ehrlich denken, wenn sein Handeln nicht mit seiner Ueberzeugung im Einklang ist. Wer anders handelt, als er denkt, ist ein Heuchler und in der christlichen Kirche ist das ehrliche Handeln ebenso unmöglich, wie in irgend einem andern Geschäft. Wir sind heutzutage keine freien Menschen mehr, denn wir bestehen nur noch aus monotonen Reflexen veralteter Ge— bräuche, welche auf ökonomischer Sklaverei basieren. Ich bin daher entschlossen, um meine Selbst⸗ achtung zu behalten, wenigstens den Versuch zu machen mich zu befreien. Es giebt keinen heiligeren Messias, als die Freiheit, und damit meine ich die Abwesenheit allen formellen Zwanges. Nur im Lichte der Freiheit sind wir befähigt, uns selbst, oder die Welt, in welcher wir leben, zu erkennen. Nur in der Freiheit erfüllt das Leben seinen Zweck. Um Gewissensfreiheit zu erlangen, kamen die Pilger nach Plymouth— dem Felsen, nicht der Kirche. Ihrethalben kamen die Katholiken nach Maryland. Um sie zu erlangen, haben Männer und Frauen Alles gewagt und sie werden das auch in der Zukunft thun. Mein Gewissen gebietet mir, mich zu befreien und meine Gedanken frei auszusprechen. Ich wünsche Niemanden zu schädigen: Jeder soll frei und glücklich sein. Aber für mich beanspruche ich deshalb auch volle Gerechtigkeit und Freiheit. Wenn ich zwischen Ausbeutern und Ausge⸗ beuteten wählen muß, entscheide ich mich für die Letzteren.“ Das sind tapfere Worte. Vom Münchener Parteitag. Ueber die weiteren am Mittwoch und die folgenden Tage stattgefundenen Verhandlungen des Parteitags haben wir auf S. 5 der letzten Nummer nur kurz berichten können, wir setzen deshalb den ausführlicheren Bericht mit der Rede Rosenows über die parlamentari⸗ sche Thätigkeit der Reichstagsfraktion fort. Nachdem der Redner die Gefährlichkeit des Zolltarif-⸗Entwurfs für die Lebenshaltung des Volkes dargelegt und erklärt hatte, daß die Fraktion Alles aufbieten werde, um das Ungeheuer zu beseitigen, wandte er sich den übrigen Gegenständen zu, die den Reichstag beschäftigt haben. Für sozialpolitische Dinge hat die Mehrheit des Reichstages in der letzten Session wenig Interesse f Eine Er⸗ hebung über die Arbeitslosigkeit er⸗ klärte Graf Posadowsky für unmöglich, fts⸗ kommission bewies, wie sehr wohl eine genaue Zählung der Arbeitslosen möglich sei. Das einzig positive sozialpolitische Ergebnis der Session war die Seemannsordnung, die aber in wesentlichen Punkten von der Mehrheit so verschlechtert wurde, daß wir in der Schluß⸗ abstimmung dagegen stimmen mußten. Weiter ist noch der Gesetzentwurf über die Kinderarbeit eingegangen. Er ist aber ganz unzulänglich. Der Entwurf ist völlig mit Rücksicht auf die Agrarier ausgearbeitet. Als wir die Beschränkung der ländlichen Kinder⸗ arbeit verlangten, wurde die poetische Rolle hervorgehoben, die der Hirtenknabe in der deutschen Dichtung spielt. Gerade auf dem Lande ist die Kinderausbeutung am ärgsten. Ich weiß nicht, ob die Herren um Stöcker je— mals Kartoffeln ausgemacht haben; ist dies der Fall gewesen, dann waren es jedenfalls die dicksten! Redner bespricht dann die an den Parteitag gestellten Anträge, die meist besseren Arbeiter⸗ schutz verlangen, besonders wünschen, daß die Fraktion einen Gesetzentwurf für Einführung des achtstündigen Normalarbeitstages im Reichs⸗ tage einbringen möge. Referent hält alle die Anträge für nützliche, gut gemeinte Anregungen, die die Fraktion, so weit sie sie nicht schon berücksichtigt habe, gewiß berücksichtigen werde. Bezüglich des Achtstunden⸗ tags betont Redner, daß er bei jeder passenden Gelegenheit von der Fraktion propagiert worden ist. Ob man sofort die Einführung des Acht⸗ stundentags fordern oder eine bestimmte kurze Uebergangsfrist gestatten dürfe, das sei in der Hauptsache ein Streit um Worte. Mit der Stellung von Anträgen sei es nicht gethan. Die Gewerkschaften sollten die Fraktion bei neuen Gesetzentwürfen mehr als bisher mit Material, statistischem und anderm, versehen. Er schließt unter Beifall mit den Worten: Vorwärts und immer vorwärts, damit bald auch dem ärmsten Proletarier die Stunde der Erlösung schlägt! Die Diskussion war eine sehr ausgiebige. Zuerst sprach der Seemann Müller von Hamburg, welcher die Haltung der Fraktion bei der Beratung der Seemannsordnung billigte. Es sind in der That direkt reaktionäre Bestimmungen in die Vorlage gekommen, so die kriminale Bestrafung des Kontraktbruchs. Ein Koalitionsrecht haben die Seeleute auch durch das neue Gesetz nicht erhalten. Schon aus diesem Grunde war eine Zustimmung zu der Vorlage unmöglich, trotzdem sie ja in einigen Punkten die Verhältnisse der Seeleute gegenüber dem bisherigen Zustand verbessert. Das see⸗ männische Proletariat ist der soztaldemokratischen Fraktion dankbar für ihre Verbesserungsvorschläge bei Gelegenheit der Beratung der Seemanns— ordnung und hat in zahlreichen Versammlungen seine Zustimmung zu der schließlichen Ablehnung der Vorlage durch die Fraktion ausgesprochen. Eichhorn-Mannheim verlangte, die Frak— tion möge dafür sorgen, daß die außerordentlich langen Etatsdebatten zu Gunsten mehr prak- tischer Arbeit und der Erledigung unserer Inf⸗ tiativanträge abgekürzt werden könnten. 8 In seinem Schlußwort geht Rosenow auf die Anträge und die einzelnen D ionsredner ein und konstatiert, daß der Part mit der Thätigkeit der Reichstags io janz einver- ——— Lee 0 1 12——— 5 Seite 2. Mitteldentsche Sountatzs⸗Zeitung. Nr. 39. standen ist. Nunmehr kommen die verschiedenen Anträge zur Abstimmung. * Hierauf folgt der Punkt Arbeiterver⸗ sicherung. Referent ist Wolkenbuhr, der folgende Resolution vorschlägt: „Die Versicherungsgesetze des deutschen Reichs, die hauptsächlich erlassen wurden, die Armenkassen vor Ueberlastung und die Unternehmer vor Schadenersatz zu bewahren, entsprechen in keiner Beziehung den Anforde⸗ rungen der Arbeiterkreise. Jedoch ist durch die Auf⸗ stellung der Beweis erbracht, daß mit der Versicherung allgemeine Uebelstände bekämpft und deren schlimmste wirtschaftliche Folgen gemildert werden können. Deshalb fordert der Parteitag: 1. Ausdehnung der Versicherung auf alle Arbeiter und die diesen wirtschaftlich gleichstehenden Personen; . Vereinheitlichung der Versicherung; „Volle Selbstverwaltung durch die Versicherten; „Heranziehung aller Klassen zur Tragung der Kosten; Bekämpfung von Volkskrankheiten durch die Kranken⸗ versicherung; Weiterer Ausbau der Unfallverhütungsvorschriften und der Vorschriften zur Verhütung von Berufs⸗ krankheiten, sowie voller Ersatz der Verletzten und deren Hinterbliebenen; 7. Einführung der Arbeitslosenversicherung; 8. Einführung der Witwen- und Waisenversorgung. Das ausgezeichnete Referat, das Molken⸗ buhr über diesen Gegenstand hielt, können wir wegen Raummangel erst in einer der nächsten Nummern wiedergeben. Nach einer sehr eingehenden Debatte gelangte die Reso⸗ lution mit einigen kleinen Aenderungen zur Annahme. Singer referierte dann über den Punkt der Tagesordnung:„Der internationale Ar⸗ beiter⸗Kongreß 1903“. Er empfiehlt unter Hinweis auf die Internationalität des Klassenkampfes der Arbeiter und zur Bekundung unserer Solidarität mit den Arbeitern aller Länder zahlreiche Beschickung des in Amsterdam im nächsten Jahre stattfindenden internationalen Kongresses von der deutschen Sozialdemokratie. Die allgemeine politische Weltlage erfordere mehr als je, daß die Arbeiter aller Länder einig und geschlossen den Kampf führen gegen den internationalen Kapitalismus. Die vor⸗ geschlagene Resolution, in der zu zahlreicher Beschickung des Kongresses aufgefordert wird, gelangt ohne Debatte und einstimmig zur An⸗ nahme. Hierauf wird in die Beratung des Punktes: „Kommunalpolitik“ eingetreten. Genosse Lindemann-⸗Stuttgart giebt hierzu ein über⸗ aus eingehendes, sorgfältig durchgearbeitetes Referat, dessen Wiedergabe wir aus dem oben beim Referate Mollenbuhrs angegebenen Grunde ebenfalls bis auf später zurückstellen müssen. Eine sehr umfangreiche Resolution umfaßt die Forderungen, die nach Lindemanns Ansicht die Partei auf dem Gebiete der Gemeinde— politik zu stellen hätte. In der Diskussion beantragt Singer, das ganze Material dem Parteivorstaude zur Ausarbeitung von Forder— ungen für die sozialdemokratische Gemeinde— politik zu überweisen und einem der nächsten Parteitage zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Den Antrag begründet Singer mit der Un mög— lichkeit die Frage auf diesem Parteitag zu er— ledigen, in Hinsicht auf die zahlreichen Anträge und vielen vorgemerkten Redner. Die Sache set auch viel zu wichtig, als daß sie übers Knie gebrochen werde. Singers Antrag wird angenommen und damit ist dieser Punkt vor⸗ läufig erledigt. Es folgt der Punkt:„Die kommenden Reichstagswahlen.“ Bebel führt hierzu als Referent etwa Folgendes aus: Wir können wohl damit rechnen, daß i m Juni die Neuwahlen stattfinden werden, wenn nicht schon früher, was mir nicht ausgeschlossen erscheint, eine Auflösung des Reichstages erfolgt. Der Zolltarif soll vor den Wahlen aus der Welt geschafft werden. Die aufgewühlten agrarischen Massen wollen eine Entscheidung über den Zolltarif erst nach den Wahlen haben. Die christlichen Bauernvereine am Rhein haben noch eine höhere Zollforderung gestellt, wie der süddeutsche Bauernbund. Es zeigt sich, daß es keine bprutaleren und bornierteren Leute giebt, als nsere Agrarier aller Schattierungen. Im Se d S Zentrum lassen sich die Gegensätze auch auf die Dauer nicht mehr verkleistern, ein Teil seiner Arbeiteranhänger hat bereits Protest eingelegt gegen seine Zollpolitik. Ich hoffe, daß das Zentrum die Krise nicht überlebt. Es ist zu erwarten, daß wir eine große Agrar— partei im Reichstage bekommen. Nach den Zeitungsberichten ist in den letzten Verhand⸗ lungen des Zentrums beschlossen worden, an den Forderungen der Kommisstonsfassung fest⸗ zuhalten. Das schafft eine sehr klare Situ⸗ ation. Heute bezahlt kein Volk teurer sein Brot und sein Fleisch, als das deutsche. Da⸗ her muß das Volk Gelegenheit bekommen, selbst sein Urteil über den Tarif zu sprechen, wenn wir das nicht ermöglichten, würden wir Verrat an unsern Wählern üben. Wie wir das im Reichstag machen werden, darüber haben wir hier ja nicht zu reden, daß wir es aber fertig bringen, wenn wir wollen, darüber ist gar kein Zweifel.(Heiterkeit und Beifall). Wir müssen auch mit der Möglichkeit rechnen, daß der Reichstag bald nach seinem Zusammentritt auf⸗ gelöst wird. Lebten wir in einem konstitutio⸗ nellen Staat, so könnten wir sogar mit Be— stimmtheit darauf rechnen. Günstig für uns ist ferner, daß gerade jetzt auch noch die Fleischnot hinzukommt. Die Sozial⸗ demokratie hat ja bekanntlich immer ein Schweineglück. Die Fleischnot mußte kommen, denn unsere Agrarier sind unter den heutigen Verhältnissen unfähig, den Fleischbedarf des Volkes zu decken. Der große Verbrauch von amerikauischem Corned⸗beef und anderer Fleisch— waren hört mit dem 1. April auf, also die Fleischnot wird uoch viel schlimmer werden. Während die Verteuerung des Brotes wesentlich den Arbeiter trifft, werden durch die Fleischteuerung auch die Spießbürger rebellisch gemacht. Wir müssen die künftigen Wahlen von den ernsthaften Gesichtspunkten aus ansehen. Wir müssen bis zum letzten Mann unfere Schuldigkeit thun unter Auf⸗ bietung unserer phystschen und materiellen Kräfte bis zur äußersten Erschlaffung. Aber auch im laufenden letzten Abschnitt der Legislaturperiode stehen uns große Dinge bevor. Die Einzelstaaten befinden sich allesamt in finanziellem Dalles, sie wissen ihr Defizit nicht zu decken. Wir wüßten ja freilich wie, aber wir haben ja in den Einzelstaaten nichts zu sagen und die besitzenden Klassen werden sich nicht selbst Steuern auflegen, die sie vor allem belasten. Unsere Schuldenlast ist in 14 Jahren von 800 auf 3000 Millionen gestiegen. Dazu kommt noch, daß die von den schweren Milliarden aus dem französischen Krieg erbauten Festungen nichts mehr taugen. Eine neue Kavallerievorlage steht in Aussicht, obwohl wir eine Verminderung für das Richtige halten. Die Kavallerie ist die vornehme Waffe, der Kaiser bevorzugt sie. Das sehen wir aus den schönen Kavallerie⸗ Attacken bei den Manövern. Gäbe es solche Attacken im Krieg, kein Mann und kein Pferd blieb dabei lebendig. Auch bei den letzten Manövern bei Frankfurt a. O. gab es solche Attacken. Die Infanterie hat die Kavallerie einfach ausgelacht. Dann weiter die Marine, die insolge der geradezu skandalösen Haltung des Zentrums in der Flottenfrage eine so große Bedeutung erlangt hat, verschlingt immer weitere Millionen. Ich erinnere an den bekannten Tirpitzerlaß. Der Handel in der Kolonte Kiautschou hat absolut nicht die Erwartungen erfüllt. Wie ist es denn mit unserer Weltpolitik? Unsere große Flotte kann sich ja nur gegen England richten, wenn auch die neuesten Ereignisse, die Einladung der englischen Generale, Dekorierung des Lord Roberts das Gegenteil zu beweisen scheinen.— Solche Dinge, wie das Telegramm des Kaisers an den Zaren, in dem von dem „Admiral des atlantischen Ozeans“ die Rede ist, sind geeignet, die größten politischen Ver⸗ wickelungen herbeizuführen. Im Reichstag werden wir auch darüber ein ernstes Wort reden müssen. Große Aufgaben bleiben zu erfüllen. Wir wissen, was alles auf sozial⸗ politischem Gebiete not thut. Wir fordern den Achtstundentag, durchzusetzen ist er noch nicht. Ich würde es fur einen großen Fortschritt Feier wenn wir das Prinzip der gesetzlichen estlegung des Normalarbeitstages zur Ane. kennung bringen könnten. Wir werden die Militärmißhandlungen, die gegen Arbeiter ge⸗ richteten richterlichen Urteile mit aller Schärfe besprechen müssen. An viele andere Dinge ist eine ausgiebige Kritik zu knüpfen. Für alle diese Thätigkeit ist eine zahlreiche Fraktion durchaus notwendig. Daher müssen wir jetzt ungesäumt, ohne einen Tag zu zögern, an die Wahlagitation und vor allem die Wahl⸗ organisatton gehen.(Sehr richtig!) Wir müssen Vereine gründen, Verbindungen schaffen, Ver⸗ trauenspersonen, die bei der Wahl die Binde⸗ glieder für die Agitation bilden. Wir müssen Geldsammlungen betreiben. Rechnet nicht auf die große Kriegskasse in Berlin. Sie ist, wie Ihr gehört habt, nicht so groß. Es kann bei den Geldausgaben bei den Wahlen viel spar⸗ samer umgegangen werden als bisher.(Sehr richtig!) Wir dürfen nicht vergessen, bei Ge⸗ legenheit des Wahlkampfes die Organisationen und vor allem die Presse zu stärken. Daß wir kein Bündnis bei den Wahlen schließen, versteht sich von selbst. Wir treten selbständig auf, auch wo wir nur zehn Stimmen bekommen. Erst bei den engeren Wahlen wird es sich darum handeln: wen wählen wir von den in Frage stehenden Kandidaten? Der Kreis der— jenigen, die wir unterstützen können, wird immer kleiner. Ein Zentrumskandidat kann für uns heute nicht mehr in Betracht kommen, kaum noch ein Freisinniger. Parteigenossen! Wenn ihr angestchts dieser Lage der Dinge Eure Aufgabe richtig verfolgt, dann seid ihr die Macht, die hämmert jung das alte, morsche Ding, den Staat, Ihr die von Gottes Zorne feid das Proletariat! Schließt die Reihen! Auf zum Kampf! Auf zum Sieg!(Stürmischer Beifall.) Dem Referate Bebels schloß sich eine ziem⸗ lich lebhafte Debatte an. Welker⸗Wiesbaden ver⸗ langte, daß der Kampf gegen daß Zentrum auch vom religiösen Standpunkte aus geführt werden solle, das Volk müsse aus dem dumpfen Glaubenswahn errettet werden. Seine Reso⸗ lution wird aber nicht unterstützt; in der weiteren Diskussion wird ihm gesagt, daß die Sozialdemokratie ihren Kampf auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete, nicht aber auf religlösem führe. Bebels Resolution, die zur schleunigen Rüstung für den Wahlkampf auffordert und die bei den Stichwahlen zu beobachtende Haltung unserer Partei festlegt, wird einstimmig angenommen. Nunmehr wird über:„Sonstige An⸗ träge“ verhandelt. Den breitesten Raum nimmt hier die Debatte über einen von Karls⸗ ruhe und Hannover gestellten Antrag ein der verlangt, daß die„Neue Zeit“ monatlich zu billigem Preise herausgegeben werde solle. Im Laufe der Beratung über diesen Antrag setzt Kautsky ausführlich die Verhältnisse — auch die finanziellen— an der„Neuen Zeit“ auseinander. Die meisten Redner kommen wieder auf die„Soz. Monatshefte“ zu sprechen, die mehrfach als Muster für die „Neue Zeit“ hingestellt werden. Schließlich wird der Antrag abgelehnt. Andere An⸗ träge wollen bessere Ausgestaltung der März⸗, Mai⸗ und Weihnachtszeitungen, die vom Leiter des„Vorwärts“-Verlags zugesagt wird. — Verschiedene Anträge, die eine Stellung⸗ nahme der Partei in Sachen der Alkohol⸗ frage verlangen, werden durch Annahme einer von Fischer⸗Berlin eingebrachten Reso⸗ lution erledigt.(Den Wortlaut derselben ver⸗ öffentlichen wir in der nächsten Nummer). Nach Erledigung einer Reihe kleiner An⸗ träge wird das Wahlresultat für den Parteivorstand bekannt gegeben. Es sind fast alle bisherigen Mitglieder wieder⸗ gewählt. Bei den Kontrolleuren treten an Stelle von Metzner(F) und David die Genossen Geck und Pfarr ein.— Als Ort für den nächsten Parteitag wird Dresden bestimmt.— Damit ist die Tages⸗ ordnung erledigt. Singer giebt eine Uebersicht der geleisteten Arbeit, fordert die Genossen auf, Alles aufzubieten, um im dub dablreche a b müssen en fu öögern, em die Wahl⸗ Wir mig“. „ müsse gaffen, N 1 bel Ge⸗ anisationen en selbrändig en bekommen. tig verfolgt, ammert jung a, Ihr die Prolelariat! Kampf! Auf eine ziem⸗ Nr. 89. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeilung. Seite 3. näd,sten Jahre unsere Sache zum Siege zu führen. Das geloben wir, indem wir rufen: Die deutsche, die internationale Sozialdemo⸗ kratie, sie lebe hoch! Die Versammelten stimmten drei Mal in den Ruf ein und singen stehend den ersten Vers der Arbeitermarseillaise. Singer schließt hierauf den Parteitag. Politische Nundschau. Gießen, den 25. September. Unsern Parteitag bespricht die bürgerliche Presse in mehr oder minder unweisen Artikeln. Ihr geht eben die Fähigkeit ab, an großen Erscheinungen den rechten Maßstab zu legen. Beachtenswert ist allenfalls, was die„Berl. Volksztg.“, ein ent⸗ schieden liberales Organ, schreibt. Nachdem sie die Diskussionen über„Neue Zeit“ und „Monatshefte“ in ihrer Weise und für ihre Zwecke sich ausgelegt, was ihr gutes Recht, fährt sie fort:„Auf den Parteitagen schmähen die Krachianer mit den Entwickelungsgenossen, daß man glaubt, eine ganze elektrische 5 station entlade sich auf einmal und die ganze sozialdemokratische Partei gehe in einem einzigen Flammenmeer zu Grunde. Aber gemach: nach all dem bissigen Streit und Zank um die höchsten Güter der„Neuen Zeit“ und der„Sozialistisch en Monatshefte“ erhebt sich am fünften Tage des Tourniers August Bebel; schildert in glühenden Worten den Uebermut der Reaktion; zeigt mit bitterer Beredsamkeit, wie das junkerliche Agra⸗ riertum, verbündet mit dem klerikalen Zentrum, das deutsche Volk zu Frohnleistungen drückendster Art zwingt; weist auf die kontinuierliche Ver⸗ schärfung des Agrarsklaventums hin, dem das immer mehr der Verjunkerung anheimfallende deutsche Volk verschrieben ist und stärkt die ge⸗ samte Sozialdemokratie Deutschlands ohne Un⸗ terschied der„Richtung“ in dem einen festen, unverbrüchlichen Vorsatze: wie ein Mann auf⸗ zustehen und bei den nächsten Reichstagswahlen der Reaktion die Suppe zu versalzen. Und wenn es übers Jahr zum Aufmarsch kommt, wenn der Wahlzettel die Meinung des werk⸗ thätigen Volkes verkörpert, gegenstandslos sind dann die Streitereien um„Revolution“ oder „Evolution“, um„Revision“ oder irgend eine andere... ion. Und mit ihrer wuchtigen Geschlossenheit, mit ihrer imposanten Eiuheit⸗ lichkeit in der Bekämpfung des schlimmsten Feindes der deutschen Kultur, des junkerlich⸗ ultramontanen Agrariertums, beschämt die Sozialdemokratie alle die politisch⸗naiven Opti⸗ misten, die da glauben, weil auf einem öffent⸗ lichen Parteitage der Sozialdemokratie die freie Diskussion zu heftigen Explosionen führt, müsse die Partei das Zeitliche segnen. Daß das nicht geschieht, dafür laßt— abgesehen davon, daß noch immer einer Partei die vollste Freiheit der Meinungsäußerung genützt hat— die unver⸗ gleichliche preußisch⸗deutsche Reaktion unter dem 5 7 des Dreizacks, des Zickzacks und des eldsacks sorgen!“ * 15* ur Erheiterung unserer Leser sei noch 1 was das famose Offenbacher Antisemitenblatt über den Parteitag zu agen weiß: 5 1„Der bieslühnige sozialdemokratische Partei⸗ tag wurde in München abgehalten; die Ver⸗ handlungen standen auf einem derart niederen Niveau, das es sich nicht lohnt, was darüber zu schreiben. Gegenseitige Beschimpfungen und „talmudistische Wortklaubereien“, wie sich Herr Ulrich von Offenbach ausdrückte, füllten die Zeit aus. Ein Münchener Blatt urteilt über die gemischte Gefellschaft, die dort zusammen⸗ gekommen ist, also:„Die besitz und vermögens⸗ losen Bürger, die nach München entsandt waren, die Delegierten, machten einen nicht ganz pro⸗ letarischen Eindruck. Gut genährt, gut aneh die stattliche Uhrkette über dem runden, Bauch, da und dort eine noch verräterischere Busennadel oder ein Fingerring—(uicht etwa 11 Ehering), boten die durchweg intelligen aussehenden Delegierten einen sehr befriedigten und friedlichen Anblick, der noch erhöht wurde, als der Typus des Proletariers, der gänzlich vermögens⸗ und besitzlose Jude Singer, mit Herrn v. Vollmar den Vorsitz einnahm.“ Aus diesem Gesudel spricht gar zu deutlich der Aer ger über den guten Verlauf des Partei⸗ tages. Keine bürgerliche Partet ist fähig, ihre Angelegenheiten so zu ordnen, über wichtige, schwierige politische und wirtschaftliche Fragen so sachlich zu verhandeln als die sozialdemo⸗ kratische. Diese tagt im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit, jene hinter verschlossenen Thüren. — Von„niederem Niveau der Verhandlungen“ spricht ein Blatt, das eine Partei vertritt, die geistige Krüppel zu ihren Führern zählt! Daß Herrn Hirschels geistige Fähigkeitenallerdings nicht ausreichen, um die Bedeutung der in München verhandelten Fragen erfassen zu können, glauben wir gerne. Ritualmord⸗ geschichten sind für ihn vielleicht ein höheres Niveau. Wir wollten diese Sippe mal hören, wenn die Delegirten zum sozial— demokratischen Parteitage in abgetragenen, zerissenen Kleidern erschienen wären! Hirschel hätte da, wie er es immer Arbeitern gegenüber zu thun pflegt, von„Lumpenzeug“ ꝛc. in seinem Wische gesudelt.— Lachen wir den Burschen kräftig aus! Die Zolltarif⸗Kommission hat am Montag ihre Sitzungen wieder aufge⸗ nommen. Von den 28 Mitgliedern waren 27 anwesend. Zunächst wurde beschlossen, die Generaldebatte nach den Vorschlägen der Unter⸗ kommission abschnittsweise zu führen und nur über solche Einzeltarifnummern zu verhandeln, die im Voraus zur Erörterung ausgewählt sein werden. Weiter wurde beschlossen, über die ersten 72 Positionen, welche die Erzeugnisse des Acker⸗, Garten⸗ und Wiesenbaus be⸗ treffen, eine besondere Generaldebatte zu veran— stalten. Hierzu hat der Abg. Frhr. v. Wangen⸗ heim die Anträge des Bundes der Landwirte, die schon in erster Lesung abgelehnt worden sind, wieder eingebracht. Unser Genosse Abg. Stadthagen erklärte sich in dreistündiger Rede gegen jeden Zoll auf landwirtschaftliche Produkte. Als der Vorsitzende den Redner zu unterbrechen suchte, kam es zu einer heftigen Auseinander— setzung. Stadthagen erklärte, die Getreidezölle stellen einen Diebstahl an der Masse des Volkes dar. Sie bezweckten nichts als die Einführung des Zuchthausstaates im Interesse der Groß⸗ grundbesitzer und die Wiedereinführung der Hörigkeit. Wer für den Brotzoll stimme, mache sich zum Mörder, da der Zoll die Sterblichkeit der Arbeiterklasse erhöhe. Wer für den Kornzoll stimme, wolle den Untergang der kleinen Landwirte. Auf die Bemerkung des Vorsitzenden, das dürfe der Redner nicht sagen, erwiderte Stadthagen, daß er Mitglieder der Kommisston damit nicht gemeint habe. Als sich der Vorsitzende jede Kritik seiner Geschäftsführung verbat, verbat sich Stadthagen das Verfahren des Vorsitzenden. Dafür bekam unser Genosse einen Ordnungsruf. Graf Posadowsky ergriff im Laufe der Debatte ebenfalls das Wort. Er wandte sich mit Entschiedenheit gegen die Wangenheim⸗ schen Zollforderungen, denen keine Re⸗— gierung zustimmen werde, und erklärte im Uebrigen, daß die Regierung an ihren bisherigen Erklärungen nichts zu ändern und er zu wiederholen keinen Anlaß habe. Er führte aus, daß die Herren, die solch' hohe Forderungen stellten wie Herr von Wangenheim, übersehen, wie die Bevölkerungsziffer sich zu Ungunsten der Landbevölkerung verschiebt. Politisch läßt sich ein so hoher Schutz für die Landwirtschaft nicht vertreten. Selbst wenn solch' hohe Zölle sachlich berechtigt wären, könnte man sie nicht bewilligen, man schaffte dadurch eine politisch und sozialpolitisch unmögliche Situation. Der Industrie würde dadurch ein Schlag versetzt. Zölle dürften nicht höher bemessen werden, als in dem Maße, daß ste die Produktionskosten ausgleichen. Handelsverträge inten auf Grund eines so erhöhten Tarif kaum abge⸗ schlossen werden. Das sei polttisch und zoll⸗ technisch undenkbar. Es gebe nur zwei Wege, entweder man akzeptiere den Entwurf wie er jetzt vorliege, oder aber es gelte im Gegenfalle der alte Tarif weiter. Er bestreite auf das entschiedentste, daß die Industriezölle so erhöht worden seien, wie von Wangenheim behauptet habe; nur zum Zweck haudelspoliti⸗ scher Verhandlungen seien einige Zölle erhöht. Die Regierung habe der Notwendigkeit zu folgen, die Zölle so zu bemessen, daß sie anderen Staaten noch annehmbar erscheinen. Kommen wir auf Grund des neuen Tarifs zu keinen Handels⸗ verträgen, dann bleibt der alte Tarif bestehen. Verblöfft und schweigend hörte der Bündler die scharfen Augriffe des Staatssekretärs an, der sehr zuversichtlich auftrat; wahrscheinlich ist er des Rückzuges der Kommissionsmehrheit auf die Regierungsvorlage sicher! Der Antrag Spahn, die Regierungs vorlage wieder herzustellen, ward angenommen. Ab⸗ gelehnt wurde aber ein Antrag des Genossen Molkenbuhr, der für Kartoffeln Zoll⸗ freiheit verlangte. Daß sich schließlich alle Zöllner auf den Regierungsentwurf einigen werden, ist von unserer Seite schon längst ge⸗ sagt worden. Diesen sieht unsere Partei des⸗ halb auch als das Grundübel an und richtet ihre Aufgabe auf seine Beseitigung. Davon wird sie durch die tollen Forderungen der Bündler nicht abgelenkt werden. Paradies der Landarbeiter. Wie es auf den Gütern eines deutschen Oberagrariers aussteht, zeigen die Güter des Rittergutsbesitzers Kammerherrn v. Olden— burg auf Januschau, der vor einigen Monaten mit einer Majoritat von ganzen fünf Stimmen gegen unsern Genossen König das Reichstagsmandat für Elbing-Marienburg er⸗ oberte. Der Herr Baron nennt fünf Güter und eine Försterei sein eigen. Drei große Schafheerden und der stolze Herrensitz legen Zeugnis für den Wohlstand des Herrn von Januschau ab. Aber ein Instmann dieses stolzen Rittergutes erhält neben„freier Wohnung“ und„Deputat“ einen Taglohn von 50 Pfg., d. h. nur im Sommer, im Winter erhält er gar nur 40 Pfg. Ein berheirateter Knecht erhält einen Jahreslohn von 90 Mk. Das „Deputat“ besteht in einem Stück Kartoffelland, das der Arbeiter am Sonntag für sich selbst bearbeiten kann, da er die Woche über keine Zeit hat, ferner in einigen Fuhren Strauch und Torf und in einer bestimmten Quantität Korn, Erbsen und Gerste. Die„freie Wohnung“ besteht in einer einfensterigen Stube, einer Kammer, einem Keller, etwas Bodenraum und einem Stall. Die Wände der Stube sind— der größeren Einfachheit halber— mit Kalk getüncht, die Decke besteht aus Brettern, deren Tünche sich sehr wirkungsvoll von Schimmel- flecken abhebt, der Fußboden verleiht der„Woh⸗ nung“ einen besonders ländlich-idyllischen Carak⸗ ter, er besteht aus gestampftem Lehm! Die Kammer ist unbewohnbar. Die Stube wird von der Familie und dem Scharwerker gemein⸗ sam bewohnt, was sehr wesentlich zur Hebung der ländlichen Sittlichkeit beitragen soll. Das Grunzen eines Schweines erinnert daran, daß der Schweinestall sich unter demselben Dache befindet. Der Keller soll zu Zeiten voller Jauche stehen und wird darum nicht benutzt. Für alle diese Herrlichkeiten haben aber die Gutsarbeiter noch folgende Verpflichtungen gegen den„Herrn“: 1. ihre Frauen müssen in der Sommerzeit täglich einen halben Tag für den fürstlichen Lohn von 30 Pfg. gleichfalls in die Arbeit gehen; 2. jeder Jastmann und jeder Knecht muß mindestens noch einen„Scharwerker“ für das Gut stellen, der von dem Gutsarbeiter in der Regel mit 90 Mk. pro Jahr bezahlt wird, während derselbe dafür das magere „Deputat“ des Scharwerkers und den wahr— haft königlichen Lohn von 40 Pfg. pro Tag, in baar vom Gute erhält! Die verheirateten Gutsarbeiter sehen darum zu, so bald als möglich ihre anwachsenden Kinder in das „Scharwerk“ zu schicken, um so den„teueren“ fremden Arbeiter zu ersparen. Vieh leben will, Wer also nicht gerade ale l . Gefilden ent— der wird bald diesem lieblichen — eee 8 l 1—— —. — M2 Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 30. fliehen— wenn zuer dazuz überhaupt noch sunsere Genossen, trotzdem für sie durch die Schmidt in Trohe. Aus diesem Aulaß 5 fähig ist. Vereinigung der Gegner eine schwierigere] hat der Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein in Trohe Parteitag der süddeutschen Volkspartei. Am Sonntag und Montag hielten die Demokraten, zu deren Führern die Herren Sonnemann, Payer, Hausmann ac. gehören, in Offenburg i. B. ihren Parteitag ab. Bemerkenswert ist eine Aeußerung Dr. Rößlers, der den Parteibericht erstattete. Er mahnte am Schluß seiner Rede unter allseitigem Beifall zur Einigkeit der linksstehenden Par⸗ teien. Unnötige Raufereien mit den Sozialdemokraten hätten zu unter⸗ bleiben und unvernünftige Vorurteile dürften bei Stichwahlen keine Rolle spielen. Es ist schade, daß Herr Rößler so wenig Wähler hinter sich hat, die seine Worte beherzigen könnten.— Ferner beschäftigte sich der Parteitags mit der Arbeitslosenunterstützung, über welchen Gegen⸗ stand Sonnemann sprach, der es als das Beste erklärte, wenn die Stadtgemeinden diese Ver— sicherung übernähmen. Außerdem forderte man eine bessere Wahlkreiseinteilung für die Reichs⸗ tagswahlen. Was der Kleinhandel nicht kann. Ein Erholungsheim für die Ange⸗ stellten ist nach der„Sozialen Praxis“ von einem größeren Breslauer Waarenhaus in der nächsten Nähe des schlesischen Badeorts Warm⸗ brunn errichtet worden. In dem schön gelegenen und ausgestatteten Haus ist sämtlichen Ange⸗ stellten abwechselnd 8 Tage lang und darüber Gelegenheit gegeben, sich von der Last der Arbeit zu erholen. Verpflegung und Wohnung, Arzt und Bad werden den Gästen unentgeltlich geboten, auch die Kosten der Reise trägt die Firma. Für Unterhaltung ist durch Einrichtung einer Bibliothek, von Konzerten, Tennisplätzen 2c. Sorge getragen. Bemerkenswert ist folgende Erklärung der Firma in der zur Eröffnung herausgegebenen Festschrift:„Diese unsere Leistung soll nicht als ein Akt der Wohlthätigkeit angesehen werden; wir haben uns vielmehr von der Erwägung leiten lassen, daß Jeder, der das Jahr hindurch in aufreibender und treuer Pflichterfüllung für unser Haus thätig war, auch ein Anrecht auf die ihm durch uns gebotene Erholungsmöglichkeit erworben hat.“— Ist der Kleinhandel ebenfalls Willens oder auch nur in der Lage, in solcher Weise für seine Angestellten zu sorgen? Pon Uah und Lern. Gießener Angelegenheiten. Zur Landtagswahl. Nach einer Bekanntmachung des Kreisamts Gießen werden die Urwählerlisten vom Montag, den 13. Oktober an 3 Tage lang ausgelegt. Die Wahl⸗ männerwahlen finden Mittwoch, den 29. Oktober statt. Von unserer Partei wird dieser Tage ein Flugblatt zur Verbreitung gelangen, in welchem die sozialdemokratische Landtagsfraktion Bericht über ihre Thätigkeit ablegt. Die Fraktion be⸗ gründet darin ihre Stellungnahme zu jedem einzelnen Gegenstande, den der 31. Landtag verhandelt hat. Besonders wird auf das volks- feindliche Verhalten der Landtagsmehrheit bei Beratung des Wahlgesetzes hiugewiesen. Es gelte, schließt das Flugblatt, bei der bevor— stehenden Wahl die Feinde des direkten, ge⸗ heimen und gleichen Wahlrechts in die Minder⸗ heit zu bringen und die Zahl der sozialdemo⸗ kratischen Vertreter zu vermehren, damit der Einfluß des werkthätigen Volkes auf die Gesetz⸗ gebung und Verwaltung des Landes vermehrt werde.— Das Flugblatt wird in ganz Hessen zur Verteilung gelangen. — Die Gießener Nationalliberalen haben beschlossen, bei der Landtagswahl gemeinsam mit den Freisinnigen für den bis⸗ herigen freis. Abg. Gutfleisch einzutreten. Demnach dürfte sich hier der Wahlkampf sehr einfach gestalten. Selbstverständlich werden Situation geschaffen ist, mit aller Energie in den Wahlkampf eintreten. 5 — Ünser Arbeitergesangverein „Eintracht“ feierte am vorigen Samstag im Leib'schen Saale sein 29. Stiftungsfest. Es wies einen zahlreichen Besuch auf und nahm den besten Verlauf. Die Darbietungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen; besonders klappten 2 Chöre mit Orchesterbe⸗ gleitung:„Der Barde“ und„Sehnsucht“ vor⸗ züglich. Unter der energischen Leitung seines Dirigenten, Herrn A. Bauer, entwickelt sich der Verein in recht erfreulicher Weise; die Sänger lassen es nicht an Anstrengung und gutem Willen fehlen und sehen auch ihre Mühe mit Erfolg gekrönt. Es ist nur zu wünschen, daß dem Verein noch mehr unserer sangeslustigen Freunde beitreten, damit er noch leistungsfähiger werde. Das sei besonders jüngeren Genossen ans Herz gelegt! Auch die Aufführung des Theaterstückes machte den Mitwirkenden alle Ehre. Seinem Inhalte nach paßte es wohl nicht besonders für ein Arbeiterfest; aber wir wissen recht gut, daß in guten, für solche Ge⸗ legenheiten geeigneten Theaterstücken keine große Auswahl vorhanden ist.— Ein Tanz hielt bis spät in die Nacht hinein die Festteilnehmer zu⸗ sammen. Sonntag wurde ein Ausflug nach Kleinlinden unternommen, der ebenfalls zahl⸗ reiche Beteiligung aufwies. — In der Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung kam in der Sitzung am Donnerstag die Fleischnot zur Sprache. Verhandelt wurde über den Antrag der Gastwirte von Gießen und Umgegend auf Aufhebung des Ein⸗ fuhrverbotes von lebendem Vieh, der ein⸗ stimmig angenommen wurde. Bürgermeister Mecum gab zur weiteren Begründung des Antrags recht interessante Ziffern. Demnach ist der Verbrauch von Schweinefleisch, welches für die ärmere Bevölkerung hauptsächlich in Betracht kommt, von 432 Schweine auf je 1000 Einwohner in 1900/1901, in den gleichem Zeitraum(von 11 Monaten) in 1901/1902 auf 375 Stück zurückgegangen. Die Preise sind von 64—75 Pfg. auf 74—80 Pfg. pro , Kilo gestiegen. Diesen unanfechtbaren sta⸗ tistischen Ziffern gegenüber nimmt sich die recht großmäulige Ableugnung der Fleischnot durch Antisemiten und die„10 Mark-Männercher“ des Bundes der Landwirte recht komisch aus. Um solche Zahlen zu widerlegen, gehört etwas mehr Grütze als die land wirtschaftlich⸗ sach verständigen Direktoren, Architekten, Dr. phil. usw. der Agrarier besitzen. Mit der Erhöhung der Fleischpreise ist natürlich, worauf wir schon neulich hinwiesen, auch eine nicht unbedeutende Preissteigerung der übrigen Lebensmittel eingetreten. Eier, Butter, ꝛc. stehen für die gegenwärtige Jahres⸗ zeit ungewöhnlich hoch im Preise. Unter der Kalamität leidet begreiflicherweise nicht blos die städtische Bevölkerung, sondern auch die große Zahl der minderbemittelten Landbewohner, der Kleinbauern, die ihr Fleisch kaufen müssen, weil sie nicht so viel Fleisch produzieren, als sie für sich brauchen. Grade auch in diesen Kreisen werden lebhafte Klagen über die gegen⸗ wärtige Fleischteuerung geführt und man lächelt angesichts der Thatsachen über die antisemitischen Redensarten, daß die Grenz⸗ sperre im Interesse der kleinen Bauern läge. Will das Volk sich nicht durch das nimmersatte Agrariertum aussaugen lassen, so muß es mit aller Energie sich zum Protest gegen die volks— feindlichen Maßregeln aufraffen. — Gießener Stadttheater. Sonntag den 28. ds. Mts. wird die Theatersaison wieder eröffnet. Das Theater ist im Laufe des Sommers vollständig renovirt und umgebaut worden. Zur Eröffnung wird Moser's prächtiges Lustspiel„Der Hypochonder“ ge⸗ geben. Am Mittwoch folgt Schillers„Maria Stuart“, während Freitag die erste Novität der Saison, Blumen⸗ thals„Fee Caprice“(Lustspiel in 3 Akten, in Scene geht. Aus dem Rreise gießen. — Ihre silberne Hochzeit begehen diesen Samstag, den 27. Sept., unser Genosse Heinrich Wagner und seine Ehefrau geb. an diesem Tage eine kleine Feier arrangiert, um sein stets rühriges Mitglied zu ehren. Mögen sich hieran die Genossen in Trohe recht zahlreich beteiligen und dadurch ihre Anteilnahme an dem frohen Familienfeste bekunden. Dem Jubelpaare wünschen wir aber, daß es ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, Seite an Seite begleitet von einem freundlichen Geschick durchs Leben zu wandeln. Und möge unser Genosse auch fernerhin in unsern Reihen seinen Mann stellen im Kampfe für bessere Daseins⸗ 9 8 für die Wohlfahrt des gesamten olkes. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Militärscheue. Fünf Militär⸗ pflichtige aus dem Dillkreise wurden am Mittwoch von der Wetzlarer Strafkammer wegen unerlaubter Auswanderung abgeurteilt. Gegen die Angeklagten wurde in ihrer Ab⸗ wesenheit verhandelt und jedem 155 Mk. Geld⸗ strafe zudiktiert.— Die Zahl derjenigen, die sich alljährlich in Deutschland dem Militärdienst entziehen, ist eine ganz bedeutende. Es scheinen nicht alle jüngeren Männer von den Annehm⸗ lichkeiten der Ferienkolonie überzeugt zu sein, die äußerst zahlreichen Soldatenschindereien, von denen die Zeitungen täglich berichten, mögen wohl mit dazu beitragen, daß Viele lieber dem Vaterlande den Rücken kehren, als daß sie sich solchen Quälereien aussetzen. r. Beamter und Fischhändler. Aus Hachen⸗ burg im Westerwald schreibt man uns: Es ist ja bekannt, daß die Lage der kleinen Gewerbetreibenden durch aus keine günstige ist. Während sich die Steuern und Abgaben immerfort steigern, wird der Verdienst durch Einflüsse aller Art geschmälert, so daß ein großer Teil der kleineren Kaufleute sich recht kümmerlich durch⸗ schlagen muß. Wenn aber dann auch noch gut besoldete Beamte sich Geschäfte zulegen und so den kleinen Kaufleuten das Leben sauer machen, so muß das ent⸗ schleden verurteilt werden. So betreibt in Hachenburg ein Gerichtsbeamter einen schwungvollen Fischhandel. Es wäre recht angebracht, wenn sich die zuständige Behörde mal genau erkundigte, ob dieses Handelsgeschäft auch so wie andere Steuern zahlt. Uebrigens sollte ein Beamter nicht auch noch als Konkurrent der Klein⸗ kaufleute auftreten. Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. St. Eintracht. Wir wollen nicht unter⸗ lassen noch einmal auf die Stiftungsfeier des A.⸗G.⸗V.⸗„Eintracht“(s. Inserat) aufmerksam zu machen. Für jeden organisterten Arbeiter und Parteigenossen muß am Sonntagabend, den 28. Sept., die Parole lauten:„Auf, zum Schloßgarten!“ — Buchdrucker⸗Ausflug. Begünstigt von herrlichstem Wetter unternahmen am vor⸗ igen Sonntag die Mitglieder der Bezirksvereine Gießen und Marburg des Buchdruckerverbandes den schon seit langer Zeit geplanten Ausflug nach dem 1½ Stunden von hier entfernten, sehr schön gelegenen„Frauenberg“. Ein Teil der hiesigen Buchdrucker fuhr mittags 1.30 Uhr mit der Bahn den Gießener Kollegen, welch letzere leider sehr schwach vertreten waren, bis Niederweimar entgegen, von wo aus man sich gemeinsam zu Fuß über die Nehbrücke nach Cappel begab und von dort weiter durch den Wald den Aufstieg nach dem Frauenberg unter— nahm. Oben auf dem von einer Burgruine gekrönten Berggipfel angelangt, genoß man die prächtige Aussicht und dann ging es auf der andern Seite hinunter, wo einige Wirtshäuser mit geräumigen Gärten zu angenehmen Aufent⸗ halt einluden. Hier fanden sich dann auch noch viele hiesige Buchdrucker mit Familien ein und wurden bei einem guten Glase Bier alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Freund⸗ schaft geschlossen. Gegen abend begab man sich nach dem Südbahnhof, von wo aus um 8 Uhr, nachdem schnell noch einige Gläser eleert, die Gießener mit ihren Damen die ückfahrt nach der Heimat antraten. — Betriebsunfälle. In der hie⸗ sigen Tapetenfabrik geriet am Dienstag ein Arbeiter mit der Hand in eine Maschine, wo⸗ Date ein eine Frei ab, Ein däm Da Und! Da Und 1 0 Part der a (opt unf Militär. Durden an Trafkammer g abgeurtellt in ihrer Ab⸗ dk. Gelb jenigen, die uch gut besolbel so den klei 9 muß das en in Hachenbng Fischhanbel, die zuständtz ö Dendelb ges Jebrigens soll ent der Kli Kirchhain. i nicht unter, zy dog 1 Nr. 39. Mitteldentsche Sonntaas⸗Zeitung. ——— Seite 5. bei ihm zwei Finger teilweise abgeschnitten wurden.— An demselben Tage kam ein mit Möbeln beladener Möbelwagen der Firma Ed. Heppe in der Sybelstraße ins Rollen und rannte, da alle Hemmvorrichtungen versagten an der Ecke des Rotenbergs gegen einen Baum; eines der Pferde stürzte die ziemlich hohe Böschung hinunter auf die Barfüßerthor⸗Straße, während das andere getötet wurde. Menschen wurden glücklicherweise nicht verletzt. — Waldbrand. Am Montag entstand auf bis jetzt noch aufgeklärte Weise im Staatswalde bei Cölbe ein Brand, der bei dem herrschenden ziemlich starken Wind leicht größere Dimensionen hätte annehmen können. Auf ein Telegramm der Bahnverwaltung an die hiesige Oberförsterei, worin dringend um Hilfe ersucht wurde, rückte(da das Jäger⸗ bataillon noch im Manöver anwesend war), ein Teil der gerade nach einer Uebung zu einer Generalversammlung versammelten hiesigen Freiwilligen Feuerwehr nach der Brandstelle ab, fand aber nichts mehr zu thun, da die Einwohner von Cölbe das Feuer bereits ge— dämpft hatten. Humor auf dem Parteitage. Wie immer bei unseren Parteitagen, kam auch auf dem Münchener der Humor zu seinem Rechte. Wir haben das Kellerfest, das im Hackerbräu den Montag stattfand, schon kurz erwähnt. Diese Veranstaltung verlief glänzend. Vollmar begrüßte die Delegierten, in deren Namen Pfannkuch dankte. Die gesanglichen und turnerischen Leistungen riefen einen wahren Beifallssturm hervor. Zum Schlusse kam bei verdunkeltem Zuschauerraum— ein Haber⸗— feldtreiben zur Aufführung, in dem ver— schiedenen Parteigrößen regelrecht„getrieben“ wurde. Die„Schandverse“ mit ihrer derben Frozzelei erweckten stürmischen Jubel. Wir lassen zum Beweise für den guten Humor innerhalb unserer Partei zwei der„Schandverse“ hier folgen:. Da August von Breiß'n, mit dem fang ma o, Weil ea's Fexirn und's Raafa so guat ko. Bal no Oaner von uns', Nos'nzipferl rüahrt Glei kimmt ea wia Schandari daher gschbaziert; An jed'n Dreck muaßa blos' n, wann er eahm aa net brennt In a jed's Haferl stiart a eini, de Himmisakramen't. Meister: Is dös woahr? Haberer: Woahr is! Mstr.: Aufrewöin! 2 Aba jatzt Manner kimmt no a bessa's Fress'n, Da Gothaer Bock und da Ulrich vo Hess'n, Da Oa' kriagt jatz' bal an Ord'n, da Anda sauft an Großherzog sein Wei! Und dös wöll'n nachat richtinga Manna sei; Dia san schon vo Grund aus völlt vadorb'n Und nachstens kriagt a Jeda a Hofuniform. Mstr.: Is dös woahr? Haberer: Woahr is! Mstr.: Aufrewöin! So wurden in 10—12 Versen eine Reihe Parteiführer hergenommen. Jedesmal, wenn der Habermeister kommandierte:„Aufrewöin!“ (sovtel wie: rebellieren, Skandal machen) ertönte ein ohrenbetäubender Lärm. Da wurde ge— schossen, geheult, gepfiffen, kurz eine wahre Höllenmusit vollführt. Selbstverständlich wur- den die Verse, die wir leider nicht alle abdrucken können, viel belacht. Konfessionelle Schlachtermeister. Ein Kandidat der Kölner Metzger wird bei der nächsten Stadtverordnetenwahl aufgestellt werden. Wie in der letzten Sitzung der Ochsen⸗ metzger⸗Innung Herr Gräfen berichtete, ist in Aussicht genommen worden, einen Vertreter des Metzgergewerbes in den Stadtrat zu entsenden. Der Vorstand der Ochsenmetzger⸗Innung habe mit dem Innungsvorstand der Schweinemetzger eine Zusammenkunft gehabt und man habe sich dahin geeinigt, dem Zentralwahlkomitee der Zentrumspartei einen Schweinemetzgermeister aus Ehrenfeld als Kandidat zu empfehlen. Der betreffende Herr soll berücksichtigt werden, doch könne man noch nicht versprechen, ob er * in der zweiten Klasse aufgestellt werde, da die e eee in dieser Klasse mit möglichst cheren Kandidaten rechnen müsse. Die Liberalen werden nicht verfehlen, zur Wahrung der Parität ebenfalls einen Metzger als Kandidaten aufzu⸗ stellen.— Es wäre doch eine Schande, wenn die liberalen Schweine und Ochsen ohne Vertretung im Stadtrat blieben, denn bei der Zuspitzung der politischen und konfesstonellen Gegensätze kann nicht erwartet werden, daß der Zentrumsmetzger die Sache der andersgläubigen Vierfüßler in der Weise vertritt, wie es diese verlangen können. Oeffentliches Aergernis. In München kam eine Tagelöhnersfrau aus der Vorstadt Pasing dieser Tage wegen Erregung öffentlichen Aergernisses vor das Schöffengericht. Der Unseligen waren an einem Tage im Juli ihre beiden im Alter von fünf und zwei Jahren stehenden Knaben auf die Straße entwischt, als sie dieselben soeben für ein Bad entkleidet hatte. Da diese Toilette der beiden Buben bet den Passanten Aergerniß erregte und das Schamgefühl der Pasinger auf's Gröblichste verletzte, wurde der Vorfall zur Anzeige gebracht. Die Mutter erhielt dar⸗ aufhin wegen„groben Unfugs“ einen Straf⸗ befehl, lautend auf eine Haftstrafe von zwei Tagen— womit die deutsche Sittlichkeit wieder einmal gerettet ist. Sittlichkeit in besseren Kreisen. Zu den kürzlich in Dresden verhandelten Prozessen wegen Verbrechen gegen das keimende Leben wird berichtet, daß noch immer weitere Schuldige ermittelt und verhaftet werden. Die schwereren Fälle werden in der demnächst beginnenden Schwurgerichtsperiode zur Ver⸗ handlung kommen. Unter den bisher schon Verurteilten befindet sich unter Anderen die Frau eines Schuldirektors, während die Frau eines angesehenen sächsischen Volks- vertreters an den Folgen der mit ihr vorge— nommenen Machenschaften starb. Die noch jugendliche Tochter eines Oekonomierats und Mitgliedes der konservativen Partei im sächsischen Landtag endete im Gefängnis freiwillig ihr Leben.— Ein schönes Bild von der Sittlichkeit in der bürgerlichen Gesellschaft! Fideles Gefängnis. Zwei Tage verhandelte das Landgericht in Oldenburg i. Gr. unter Ausschluß der Oeffentlichkeit einen Prozeß in Gefängnisan⸗ gelegenheiten. Zwei Wärter, Osterthun und Kühling, waren wegen angeblicher Unstttlichkeiten gegen weibliche Insassen des Gefängnisses an⸗ geklagt und seit Juni in Haft. Wegen Mangels an Beweisen und der nachgewiesenen Verlogen— heiten und Unzuverlässigkeit der Beschuldiger, weiblicher Gefängnisinsassen, sprach man die Angeklagten frei. Ferner wurde gegen die Aufseherin Willers und gegen zwei weibliche Gefangene wegen Bestechung verhandelt. Diese wurde teilweise nachgewiesen. Die Willers wurde zu acht Monaten Gefängnis(drei Monate Untersuchungshaft sind abzurechnen), die Händ— lerin Schweiger-Jever zu vier Monaten Gefäng⸗ nis verurteilt, während die Fischer-Bant frei⸗ gesprochen wurde. Man hatte fröhliche Gelage im Weibergefängnis veranstaltet, die von der Aufseherin geduldet wurden. Der Inspektor der Anstalt ging in Folge dessen bereits in Pension. Hohe Lebenswege. Vorige Woche starb in Bad Spaa die schon seit längerer Zeit leidende belgische Königin. Ihr hoher Gemahl hat sich nicht viel um sie bekümmert, der vertrieb sich die Zeit anderweit. Der bei den Belgiern ohnehin unbeliebte Leopold hat aber jetzt das Volk vollends gegen sich auf⸗ gebracht, weil er seine zweite Tochter, die frühere Kronprinzessin von Oesterreich, jetzige Gräfin Lonyay, die an den Sarg ihrer Mutter geeilt war, aus dem Sterbezimmer wies. Diese Hand⸗ lungsweise wird natürlich von der gesamten belgischen Presse auf das Schärfste verurteilt. Der ziemlich wackelige belgische Konigsthron kann unter Umständen dadurch vollends zu⸗ sammenkrachen. P Kleine Mitteilungen. In Butz bach erschoß sich am Dienstag der Rechner des„Mathildenstifts“, Küchel. Das Motiv ist unbekannt. r Vom Schlachtfeld der Arbeit. Bei dem Bau der Kirche in Wiemelhausen bei Boch um stürzte das Gerüst zusammen. Fünf Arbeiter stürzten in die Tiefe. Ein Arbeiter wurde schwer und die anderen leicht verletzt. Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. + Die Handschuhfabrikanten rüsten zum Kriege gegen die organisterten Arbeiter. Die Herren in Altenburg und Neuhaldensleben haben eine Zuschußkasse für nichtorganisierte Arbeiter und Arbeiterinnen der Lederhandschuh⸗ Branche in's Leben gerufen und laden zum Beitritt, d. h. zum Austritt aus der Gewerk⸗ schaft, ein. Das Vorgehen dürfte nur den einen Erfolg haben, daß die schmarotzenden Elemente den Herren teurer als zuvor werden. Die überzeugten Verbandsmitglieder werden der Organtisation nicht den Rücken kehren.— Der Verband der Handschuhmacher nahm kürzlich die Wahl seines ersten Vorsitzenden mittels Urabstimmung vor. Gewählt wurde W. Riepekohl mit 925 Stimmen, gegen 581, die Wohring in Liegnitz erhielt. Die Einführung einer Arbeits⸗ losenunterstützung lehnten die Mitglieder des Dachdeckerverbandes ab. Von 3155 Stimmberechtigten erklärten sich 644 dafür und 949 dagegen. 1652 haben überhaupt nicht ab⸗ gestimmt. Partei-Nachrichten. Sieben Monate Gefängnis. Zu dieser harten Strafe wurde vor einiger Zeit der Gen. Thiel in Kassel verurteilt, weil er als Redakteur des„Kasseler Volksblatt“ durch einen in demselben veröffentlichten Artikel einen Pfarrer und eine Oberin beleidigt haben sollte. Seine gegen das Urteil eingelegte Revision wurde dieser Tage vom Reichsgericht verworfen, obgleich der Oberreichsanwalt selbst die Anwendung des§ 185 neben dem§ 186 als rechtsirrtümlich bezeichnete. Versammlungskalender. Samstag, den 27. September. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. T. O.: Berichterstattung bom Parteitag. Sonntag, den 28. September. Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammluug bei Orbig. Lauterbach. Wahlverein. Versammlung bei Wirt Kaut. der Landeskonferenz. Montag, den 29. September. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Samstag, den 4. Oktober. Friedberg. Soz.⸗de m. Wahlverein. 9 Uhr Versammlung in Stadt New-Nork. ordnung: Berichterstattung vom Parteitag. blessenefOtadttheatef Eröffnungs⸗Vorstellung! Sonntag, den 28. September 1902: Der Hypochonder Lustspiel in 5 Akten von Gustav von Moser. Mittwoch, den 1. Oktober 1902: Maria Stuart Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich von Schiller. Freitag, den 3. Oktober 1902: Novität! Die Fee Caprice Lustspiel in 3 Akten von Oskar Blumenthal. Anfang der Vorstellungen: 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr T.⸗O.: Bericht von Abends Tages⸗ 33 ——— eee 2 Rx— Seite 6. Mitteldeutsche Ssuntags⸗Zeitung. Nr. 39. e eee b Unterhaltungs-Ceil. Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 18)(Fortsetzung). „Viele von uns haben an der Gemeinde noch beträchtlich für Stroh, Haber und andere Lieferungen aus dem letzten Kriege zu fordern. Man verzinset ihnen zwar jährlich, aber sie müssen doch allemal erst ihren Beitrag zur allgemeinen Zinssumme geben. Das ist mühsam und thöricht. Nun haben wir diese Schuld auf alle Bürger, nach Maßgabe ihres Vermögens, verteilt. Den Reichen trifft davon mehr, den Armen weniger. So wird die Gemeindsschuld in eine Partikularschuld verwandelt. Wer auf diese Art so viel schuldig wird, als er selber zu fordern hat, der streicht Schuld und Forde⸗ rung, und ist frei, bekommt und zahlt keinen Zins mehr. Wer mehr zu fordern hat, als er durch die Einteilung schuldig wird, streicht erst so viel von seiner Schuld weg, als ihm die Gemeinde selbst schuldig ist, und sagt: „Wer zahlt mir den Ueberfluß dessen, was mir herausgebührt?“— Antwort:„Diejenigen zahlen ihn, die nichts an die Gemeinde geliefert haben im Kriege. Diese sind als Schuldner an die Zuguthaber verteilt, und tragen denselben entweder die kleine Summe, die sie trifft, gleich baar ab oder verzinsen solche zu vier vom Hundert.“ So redete Oswald. Viele verstanden es anfangs nicht recht. Da sie aber einsahen, daß dabei keiner zu kurz kam, waren sie es sehr zufrieden. Denn die Reichen, welche am meisten zu fordern hatten, die hatten auch nach Maßgabe mehr an Abtragung der Gemeinds⸗ schuld zu zahlen. So blieb für die Aermern weniger zu entrichten übrig, und jeder fand die Einrichtung darum billig, weil die Schätzung der Güter und des Vermögens sehr unparteiisch gemacht war. Am Sonntage darauf ward die Gemeinde abermals versammelt, und Oswald redete also:„Ihr Männer, liebe Mitbürger, es ist uns gelungen, das Geld, was die Gemeinde schuldig ist, in den benachbarten Städten zu geringerm Zins zu erhalten, also, daß Golden⸗ thal jährlich nur zweihundert und zwanzig Gulden Zins zu entrichten hat. Aber es wird manchem Hausvater schwer fallen, den Beitrag zu diesem Zins zu erschwingen aus seinem Gut. Daher ist es besser, es zahle keiner von euch den Zinsbetrag aus seinem Gut.“ Da erhoben alle Goldenthaler ein Gelächter, und sie riefen:„Das läßt sich hören und gefällt uns über die Maßen.“ Oswald erhob die Stimme und redete weiter:„Ihr Männer, liebe Mitbürger, wir haben noch ein großes Stück Gemeinweide. Das ist elendes Land, vom Vieh zertreten, mit alten einzelnen Eichen darauf. Jeder von euch, dem dieses Land gehörte, würde es besser benutzen. Aber wer benutzt es jetzt?— Niemand. Denn die Reichen, welche viel Vieh haben und es im Sommer darauf weiden lassen, haben offenbaren Schaden daran. Nicht nur kommen ihre Kühe magerer und hungriger abends heim, als sie des Morgens hinausgingen, sondern es geht auch für die Aecker aller Dünger vom Vieh dabei verloren. Die Armen aber, die keine Kuh halten können, haben gar keinen Nutzen davon, und müssen ihn den Reichen überlassen. Ist das billig? Warum sollen reiche Bürger mehr Vorteil vom Eigentum der Gemeinde haben, als arme? Sind wir nicht allesamt Goldenthaler? Hat einer nicht so viel Recht, wie der andere? Wer hat denn den Reichen den Nutzen des Gemeindland allein gegeben?— Wenn die Armen ein Stück Feld davon hätten, und könnten Klee und andere * Grasarten darauf bauen, so hätten sie für ihre Ziegen und Schafe doppelt so viel und gesünderes, nahrhafteres Futter, als jetzt. Also ist unser at, daß wir das Gemeinland in gleiche Teile unter die Bürger verteilen, daß jeder seinen Teil davon benutzen könne, wie er wolle. Das Land bleibt aber ewiges Eigentum der Gemeinde; jeglicher empfängt seinen Anteil nur in Pacht, und kann ihn weder verkaufen, noch verleihen, noch vererben, noch sonst ver⸗ äußern; sondern derselbe fällt jedesmal nach des Besitzers Tode an die Gemeinde zurück. Diese giebt ihn dann an einen jungen Bürger, der eigne Haus haltung führt und ohne Gemein⸗ land ist. Jeder zahlt jährlich einen geringen Pachtzins von seinem Stück, und damit wird der Zins von der Gemeindsschuld abgetragen. Also zahlt niemand diesen Zins aus seinem eigenen Gute, sondern aus dem, was er von der Gemeinde zum Lehen hat.“ Nachdem Oswald geredet hatte, entstand großes Nachdenken im Volk, Gemurmel, Streit, Wortwechsel, Geschrei und Lärmen, als wäre Mord und Totschlag. Denn die reichen Bauern, welche das Weidland bisher ausschließ⸗ lich mit ihrem Vieh benutzt hatten, wollten die Teilung nicht zugeben, schrieen über Ungerech— tigkeit und drohten mit der Regierung. Andere sagten:„Wir sehen wohl, man will die Lumpen reich machen, und die Ehrenleute im Dorfe zu Lumpen. Wer Vieh hat, der kann es zur Weide schicken; das ist eine alte Recht⸗ same, die von den Vätern vererbt ist, und die lassen wir uns nicht nehmen!“ Doch die Mehrheit der Bauern, die nicht reich waren, oder die ihr Vieh, um mehr Dünger zu gewinnen, im Stall fütterten, setzte es durch und hob den Weidgang auf. Alsbald mußte ein Feldmesser kommen, alles Gemein⸗ land, in so viele Teile, als Haushalten waren, verteilen und dann wurden die Stücke verlooset. Die reichen Bauern gingen jammernd und klagend vor die Regierung und beschwerten sich wegen der Bedrückung ihrer Rechtsame. Die Regierung aber gab folgenden Bescheid: „Das Gemeinland ist eine Rechtsame der Bürger und nicht der Kühe von Goldenthal. Also kann jeder Bürger das Gemeinland oder seinen Teil benutzen wie er will. Ihr Herren aber verteidiget nicht eure alte Rechtsame, sondern euern von Alter stinkenden Eigennutz, und verstehet noch dazu euern Vorteil schlecht. Derohalben bleibt von nun an der Weidgang aufgehoben. Damit packet euch, ihr Esel, und ziehet heim in Frieden!“ Die reichen Bauern bedankten sich für den gnädigen Bescheid, und zogen heim. Nun erst bedauerten sie den Löwenwtirt Brenzel im Zucht⸗ hause, und sagten:„Er war doch bei allen Fehlern ein braver Mann; er hielt alte Gerechtig⸗ keiten und Herkommen; unter ihm wäre so etwas nie geschehen. Der Oswald ist ein Franzos, ein Jacobiner, ein Neuerer, ein Bona⸗ partler und dergleichen.“ 24. Und abermals die Schulden müssen getilgt werden. Schon im folgenden Frühjahr war Freude und Jubel in der vormaligen Wüste des Gemeinlandes. Denn wo sonst einsame Kühe am kurzen schlechten oder sauren Grase rupften und zupften, blühte nun ein wahrer Garten. Da sah man nun Bohnen, Hopfen und Hanf, Erbsen und Flachs, Kohl und Erdäpfel, Klee und Getreide in bunter Mannigfaltigkeit. Jeder konnte leicht berechnen, daß er mit der Ernte nicht nur den kleinen Zins abtragen, sondern reichen Ueberfluß haben würde. Selbst die reichen Bauern, sobald sie einmal zum rechten Verstand kamen, was oft sehr schwer für sie hielt, erkannten ihren Vorteil dabei. Denn nicht nur hatten sie Gewinn am Futter für ihre Kühe im Stall, an Milch und Dünger, sondern auch an baares Geld. Denn hätte jeder, wenn es nach ihrem Kopf gegangen wäre, zum Schuldenzins der Gemeinde aus seinem eigenen Sack gesteuert, so würden sie verhältnismäßig das Meiste dazu haben zahlen müssen, während jetzt ein jeder von seinem Pachtland gleich viel Zins ent⸗ richtet der Oswald aber war noch nicht zufrieden, und nicht vergebens so oft in den Wäldern Tage lang umhergestrichen. Er hatte sogar in einer benachbarten Stadt den Ober⸗ förster besucht, der in seinem Fach ein grund⸗ geschickter Herr war, und hatte denselben links und rechts in den Goldenthaler Gemeinds⸗ waldungen herumgeführt und um Rat gefragt. Der Oswald brütete wieder über etwas, aber keiner wußte recht worüber? Die reichen Bauern sagten:„Wir wissen's wohl, es soll wieder über unser Fell hergehen!“ Diesmal aber hatten sie sich doch geirrt. Jedermann war sehr neugierig, als die gesammte Bürgerschaft von Goldenthal wieder versammelt wurde, um von den Vorgesetzten wichtige Anträge zu hören. Oswald trat wieder hervor und sprach mit lauter Stimme: „Ihr Männer, liebe Mitbürger! Ein Mann ohne Schuld hat jedermanns Huld. Unser Dorf hat aber noch Schulden. Wir verzinsen dieselben vom Pachtlande. Besser wäre es, wir behielten den Zins vom Pachtlande jeder in seinem eigenen Sack, wenigstens zehn Jahre lang oder länger. Damit wäre uns allen geholfen!“ Die Leute lachten und sprachen unter sich: „Der Vorschlag ist nicht unbillig.“ Oswald fuhr fort zu reden:„Ich und die ehrsamen Beisitzer wollen es übernehmen, dafür gut zu stehen, daß die Gemeindsschuld ganz oder doch größtenteils abgetragen werden soll, ohne eure Unkosten, sobald ihr einwilliget, drei Beschlüsse zu genehmigen und zu befolgen.“ „Aha!“ schrieen die reichen Bauern:„Jetzt kommt der hinkende Bote nach!“ Oswald sprach:„Höret mich an und denket wohl nach, ob ich wahr rede oder nicht. Wir haben in Goldenthal ungefähr hundert Haushaltungen.“ „Das ist wahr!“ riefen die Bauern. „Jede Haushaltung,“ sagte Oswald,„be— kommt jährlich drei Klafter Holz nebst Reis⸗ wellen aus dem Gemeindswald.“ Die Bauern sagten:„Das ist wieder wahr.“ „Und,“ fuhr Oswald fort,„so viel braucht jede Haushaltung, manche mehr, manche aber auch weniger, die aus der Garküche speist. Aber alle könnten sich mit wenigerem behelfen, wenn sie nicht Jahr aus Jahr ein zum Brot⸗ backen, Obstdörren und zu den Wäschen gar viel Holz nötig hätten. Bedenket, wenn in einer einzigen Woche zehn, zwanzig Familien Wäsche halten oder Brot backen, wie viel Holz in so vielen Häusern auf einmal verbrannt wird!“ Die Bauern murrten und sprachen:„Das ist ganz richtig: aber wir können nicht ohne Brot leben und in unreiner Wäsche gehen.“ Oswald sagte:„Es giebt viele Gemeinden im Lande, die weit reicher sind, denn wir, und doch weit mehr hausen und besser sparen, als wir. Aber eben darum sind sie reicher. Es giebt Gemeinden, sie haben nicht so viel Waldung, als wir, und haben doch Holz genug und können davon sogar verkaufen. Aber wie machen sie es? Da haben mehrere Häuser zusammen nur einen einzigen Back- und Dörrofen. Da trägt jeder in der Woche seinen Teig und sein Obst hin, wenn die Reihe an ihn kommt. Und weil der Ofen nie kalt wird, braucht jeder nur wenig Holz zur Feuerung hineinzuthun, um ihm die gehörige Hitze zu geben. Das nennt man hausen uad sparen!— Warum können wer das nicht? Warum thaten wir das nicht schon längst? Antwort: Weil wir zum Guten entweder zu träg oder zu unverständig waren. Und bedenkt noch dazu, wie leicht wir durch das Backen und Dörren in den Wohnhäusern ein ganzes Dorf in Feuersgefahr setzen. Bedenket, wie viel Holz wir nur dadurch sparen könnten, wenn wir kleinere, bequemere Stubenöfen hätten, die weniger Holz fressen, statt der ungeheuern Steinmassen, die wir haben müssen, weil sie auch zum Backen und Dörren dienen solle n. Holz verbrennen, heißt Geld brennen!“ Bei diesen Worten kratzte sich die ganze ehrsame Gemeinde von Goldenthal verdrießlich hinter den Ohren. — 5 und s Ander mein halt fe I 0 b wissel muß d Wäsche das 5 15 erde 1. Nas f Nein Häuser halten, 3 Wel nem g futgela ergehen Elreich trhält helzlich sigen Manchn muß m mit trö Unfug Sind Gange fällt e Weißki und s. solche gemach und he gefüllt, Streich stimmu bekannt dußern 6 5 al e war fißige ein jede Heblet bon de feht un um den 5 oe krabscht Jade Auch di Gegen modern d. den 9 zufül Laach Ehre gel It so viel Holz gerug Aber wi 5 Häuser ad- und et Woche wenn die Ofen lle Hol t Nr. 39. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Teite 7. — ste war auch vergnügt, Doch der erste Vorsteher ließ sich nicht stören, und sprach weiter:„Schauet rechts und links. Andere Gemeinden haben längst schon Ge⸗ meindswaschhäuser, deren sich alle Haus⸗ haltungen nach der Reihe bedienen, und wozu sie sich einschreiben lassen. Da ist mit dem Holz das gleiche Ersparnis, wegen Feuersge⸗ fahr die gleiche Sicherheit für das Dorf. Wir wissen das und wir finden das löblich. Warum muß denn bei uns jede Haushaltung noch ihre Wäsche bei sich im Hause halten?— Durch das Feuer beim Backen werden unsere Oefen, durch das Feuer beim Waschen werden unsere Herde weit schneller ausgebrannt und schadhaft. Wir müssen daher beide öfters ausbessern lassen. Das kostet Geld. Hätte die Gemeinde ein gemeinsames Waschhaus, hätte eine ganze Reihe Häuser ihren gemeinsamen Backofen zu unter— halten, das würde ungleich weniger kosten. (Fortsetzung folgt.) Im Zeichen des Telephons. Wenn man per Zufall das Glück hat bei einem gemütlichen Schoppen mit einigen älteren, gutgelaunten Herren zusammenzutreffen und sie ergehen sich in der Erzählung von ausgelassenen Streichen, die sie in der Jugend verübt, dann erhält man mitunter reichlich Gelegenheit zum herzlichen Lachen und zur Freude über urwüch⸗ sigen Humor. Freilich, daß dieser Humor manchmal auch recht derber Natur war, das muß man dabei in Kauf nehmen und sich da— mit trösten, daß der Paragraph, der den groben Unfug bestraft, damals noch nicht in Kraft war. Sind dann solche Erzählungen so richtig im Gange und auf den Höhepunkt gebracht, dann fällt es plötzlich einem der alten Grau⸗ oder Weißköpfe ein, daß man inzwischen alt geworden und seufzend macht er die Bemerkung: Ach solche Sachen werden heute gar nicht mehr gemacht, die heutige Jugend ist ganz anders und hat die Köpfe mit allen möglichen Dingen gefüllt, aber Sinn für einen guten und lustigen Streich hat ste nicht mehr. Die allseitige Zu⸗ stimmung an der Tafelrunde entspricht dem bekannten Gefühl, das man fast stündlich sich äußern hören kann: Zu meiner Zeit war das anz anders, da war die Jugend nicht so roh, ste war folgsamer, fleißiger, ordentlicher, gottesfürchtiger, kurzum, ein jeder ältere Mensch hat auf irgend einem Gebiet so ein Stück goldenes Zeitalter erlebt, von dem er in der Gegenwart nichts mehr sieht und deshalb klagt. Es ist ein eigen Ding um den Schalk, er fährt mit keinem zur Grube und noch hat er sich nicht völlig von dem einen verabschiedet, so sitzt er schon dem andern im Nacken. Also gemach, ehrenwerte alte Herren. Auch die Gegenwart hat ihren Humor und Ihr sollt sehen, daß die gehetzten und überlasteten Gegenwartskinder es sogar verstehen, eines der modernsten und wunderbarsten Verkehrsmittel in den Dienst ihres Humors zu stellen und Ihr werdet zugeben, um einen lustigen Streich auszuführen, ist den Beteiligten selbst das Telephon nicht heilig genug. Aber Ehre wem Ehre gebührt, das Alte hat den Vortritt und dann folgt das Neue. 4 Zwischen Rhein und Lahn liegt das schöne und obstreiche Städtchen Niederlahnstein; einige alte Thürme zeugen davon, daß auch dieser Ort einmal gezwungen war, sich gegen allzu eindringliche Nachbarn, die auf hohen Burgen in der Umgegend wohnten, zu schützen. Etner dieser Thürme mit seiner viereckigen Plattform und mächtigen Schießscharten war vor langer Zeit einmal der Schauplatz eines derben Streiches, der für den davon Betroffenen ein kräftiger Denkzettel war. Zur Jugendzeit meines Vaters, so erzählte uns eines Tages ein jovialer Hotelier in dem freundlichen Braubach, lebte in Nieder⸗ lahnstein ein Bauer, der sich nie genug thun konnte und dem der Tag nie lang genug war. Er war des Morgens der erste und des Abends der letzte im Feld, und wenn die anderen Bauern längst das Tagewerk beschlossen, dann kramte und hantierte er immer noch in seiner Hofraite herum. Glaubte ein Anderer einmal mit seiner Fuhre recht früh dran zu sein, so begegnete ihm sicher der Schaffer schon mit seinem Geschirr und war auf dem Heimweg. Solches Treiben erregte den Aerger der Bauern und einige be⸗ schlossen ihrem Kollegen einmal tüchtige Arbeit zu schaffen, damit er genug kriege und ste eine lasen. hätten; den Aerger wollten sie ihm auch assen. Wieder einmal spät Abends noch hatte unser Bauer seinen Wagen mit Mist geladen, um ihn am anderen Morgen, bis die Anderen richtig wach waren, längst im Feld zu haben. Darauf hatte man gewartet und kaum war man sicher, daß der Schlaf auch den Schaffer niederge⸗ zwungen, so gings ans Werk. Kräftige Gestalten zogen und schoben den Wagen bis hin zu dem erwähnten Thurm, dort wurde er abgeladen, auseinander genommen und in seinen einzelnen Teilen auf den mehrere Stockwerk hohen Thurm getragen. Oben wurde der Wagen wieder zu⸗ sammengestellt, die Deichsel zu einer Schieß⸗ scharte hinaus gesteckt und dann der Mist her⸗ aufgeholt und wieder aufgeladen. Damit war das Werk gethan und der Schalk ging zu Bett. Lange konnte er nicht schlafen, denn kaum graute der Morgen, da ging der Spektakel los. Wie gewohnt, war unser Schaffer früh bei der Hand, um seinen Mist hinauszufahren, aber o weh! Wagen mit samt dem Mist war fort— gestohlen, der erste Gedanke eines habgierigen Bauern. Das Schimpfen und Fluchen weckte die Nach— barn und bald war der ganze Ort auf Beinen, gar manches Gesicht mit schlecht verhaltener Schadenfreude, und Stichelreden fielen wie Spießruten. Vom Wagen war nichts zu sehen und Nie— mand hatte etwas gehört,— wo war er hin⸗ gekommen und wer war der Dieb? Eine be⸗ stimmte Spur führte nach der Richtung des Thurmes. Richtig, da oben guckt ja eine Deichsel durch die Schießscharte, ist das vielleicht Dein Wagen, fragt einer spöttisch den Geplagten. Allgemeines Halloh und wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die Arbeit des Hinaufschaffens war von Vielen gethan, aber das Herunterholen mußte der Schaffer allein besorgen, keiner half ihm mit den Händen, aber destomehr mit aufmunternd neckenden Worten. Geholfen aber hatte der Streich dem Schaffer sehr. Von da ab wollte er es nicht mehr allen Anderen zuvor thun und wurde doch mit seiner Arbeit fertig. Das war ein lustiger Streich der jungen Alten, lassen wir jetzt einen der alten Jungen folgen. Ju dem schönen Frankfurt haben wir in der Altstadt eine alte renommierte Wirtschaft, mancher Schoppen ist dort schon gepetzt und viele Witze sind dort schon gerissen worden, gute und schlechte. Eine Anzahl behäbiger Bürger hat da ihre Stammkneipe aufgeschlagen und zur Tafelrunde gehört auch der Metzger— meister H. Zur Kräftigung der Glieder unter— nimmt die feuchtfröhliche Gesellschaft jeden Donnerstag einen Ausflug nach dem Taunus. Daß sie sich dabei auch auf dem Laufenden unterhält und feststellt, wo es jeweilig den besten Schoppen Hohenastheimer giebt, das liegt in der Natur der Sache. Lange schon möchte sich unser Metzgermeister auch einmal an einem solchen Ausflug beteiligen, aber immer wieder hindern ihn dringende Geschäfte. Wieder ist es Donnerstag und wieder muß er zu seinem Leidwesen zu Hause bleiben. Fröhlich erreichen die Anderen den Feldberg und lassen sichs da oben gut gehen.„Wißt Ihr was, unser Freund H. liegt jetzt in seinem besten Mittagsschlaf, wie wär's, wenn wir ihm telephonierten?“ Zweimal brauchte der Schalk nicht zu fragen, denn schon hat einer den Druckknopf in Be⸗ wegung gesetzt und das Amt Königsteis ant⸗ wortet prompt. Bitte, mit Frankfurt, Nr. X. Lange dauert es nicht und das Rufglöckchen ertönt. Wer dort? Hier Metzgerweister H., Frankfurt. Sind Sie Herr H. selber? Nein, ich werde ihn aber rufen. Ja, bitte, wir möchten ihn selber sprechen. Eilig stürzt der Sohn des H. hinauf in die Wohnung und weckt seinen schnarchenden Vater mit den Worten: Vater, Du sollst gleich mal an's Telephon kommen, das Amt Königstein hat angerufen. Schleunigst eilt der so Gestörte zum Apparat und nimmt die vorher von seinem Sohn geführte Unter⸗ haltung wieder auf. Frankfurt, womit kann ich dienen? Sind Sie Herr H. selber? Jawohl. Sehr schön, wir haben gehört, Sie machten sehr gute Leberwurst. Ah, sehr schmeichelhaft. Haben Sie noch welche? Gewiß. Können Sie uns noch etwas davon schicken? Recht gern, bitte wieviel? Na, dann schicken Sie uns sofort 10 Mal für 10 Pfg. herauf auf den Feldberg, aber warm muß sie noch sein. Jetzt erkannte Herr H. mit wem er's zu thun hatte und daß er geutzt war, und die bekannte Einladung des Götz von Berlichingen sauste durch's Telephon, allerdings mit der kleinen Modifikation, daß Herr H. eine zehnmalige Wiederholung offerierte und darnach den Hör⸗ löffel an seinen Platz hing. Bringe einem die Kerl auch noch um seinen Mittagsschlaf, der Teufel soll sie holen! So soll es noch seinen Lippen entflohen sein. Eine Lust war es die Stichelreden bei der nächsten Stammkneipe zu hören. L. W. Splitter. Kein Laster ist so frech, das nicht von Tugend In seinem Aeußern gern ein Zeichen borgte. Shakespeare. * * Im Leben reichen sich die Hand Gar oftmals Glück und Unverstand. Das Glück, wie immer sehr galant, Macht Unverstand dann zu Verstand. Martin Fließ. ** * Leidenschaften wünscht sich kein Mensch. Denn wer will sich in Ketten legen lassen, wenn er frei sein kann. * Selbstdenken heißt, den obersten Probierstein der Wahrheit in sich selbst, in seiner eigenen Vernunft suchen, und die Maxime(Grundsatz), jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung. Ihr Wahlspruch: Habe den Mut, dich deines eignen Verstandes zu bedienen! Kant. ** * O glaube nicht, du seist so wichtig Im großen Räderwerk der Welt, Daß, wenn du fehlst, sie nicht mehr richtig In Fug' und Glied zusammenhält: Sie sah ihr Herrlichstes vergehen, Und niemand hat ihr's angesehen. F. Dahn. * * Die Ehre ist ein unsichtbares Wesen, Und oft besitzt sie der, der sie nicht hat. Shakespeare Humoristisches. Praktische Kleidung. Pfarrer: Ihr seid schon wieder betrunken, Huberbauer; Eure Beine schwanken hin und her.— Huberbauer: J muß mir eben aa so'n langen Rock... hupp... wie der Herr Pfarrer kaufen... hupp.. der verdeckt das! Dazu langt's immer!„Ich bin total ruiniert! Was soll ich jetzt anfangen? Nischt gelernt....!“ —„Werden Sie doch Wanderredner beim Bund der Landwirte!“—(W. Jak.) —— Geschichtskalender. 23. September. 1883: Niederwald-Attentats⸗ Versuch. 1864: Gründung der Internattonale. 29. 1899: Reichstagsabg. Schmidt⸗Magdeburg zu 3 Jahren Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung ver⸗ urteilt. 1879: Nr. 1 des„Sozialdemokrat“ in Zürich erschienen. 30. 1890: Ende des Sozialisten⸗Gesetzes 1. Oktober. 1789: Der franz. National⸗Konvent proklamiert die Menschenrechte. 2. 1888: Jul. Kräcker, sozialdem. Abg., f in Breslau. 1881: Sozialist. Welt⸗Kongreß in Chur. 3. 1898: Parteitag in Stuttgart. 1896: Der Gemeinderat in Lille(Frankreich) lehnt die Zarenhuldi⸗ gung ab. 4. 1830: Belgische Unabhängigkeits⸗ Erklärung. 1472: Lukas Kranach, Maler,*. geboren;— gestorben. Hier Metzger meister H., i ——— eee 0 1— — Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Verband der Fehneider und Schneiderinnen I. Sliftungsfest Samstag, den. Oktober, abends 8s Uhr im Saale des Casé Leib bestehend in HKonzert, Theater und Tanz. Karten im Vorverkaus 75 Pfennig bei den Herren Orbig, Rittergasse, Löb, Wienerhof, Friseur Kahl, Wallt horstraße, Friseur Müller, Sonnenstraße. An der Kasse 1 Mark. Ia. Bier im Glas. Es ladet freundlichst ein BDBas Komitee. G e eee 0 Beinrich Doll, Giessen 8 7[läusburg 7 7 Papier-Bandlung 8 Buchbinderei* Geschäffsbücher* Drucksachen Einrahmen von Bildern. H Lee slxe- Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11 n 9 Telefon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus- und Küchen- Reräte-Hlandlung— 1 8 darunter Haupttreff. jähr. von Mk. Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Rechen Erute⸗Stricke Solinger Stahlwaren Petroleum- u. Gaskocher Fleischhack-u. Reibemasch. Dr. Kleins Fleischsaftpress. Feuerlöschapparate ꝛc. Drahtgeflecht Wasch- u. Wringmaschinen Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Stehleitern Messerputzmaschinen C ĩ7V! A]ꝛ] 2 wird als ein ganz vorzügliches Hilfsmittel deder Dame zur Erlernung u. Ausübung der Schneiderei empfohlen: Das bereits in 12„ig. 6. Auflage erschienene Victor 12 Lehrbuch der Damenschneiderei zum Selbstunterricht mit Original- Zuschneide-Tableau. Preis 1,50 Mk. Gegen Einsendung von Mk. 1.60(auch in Briefmarken) oder unter Nachnahme direkt zu beziehen von 5 Versand- 9 1 Otto Lauck 8 Buchhandlung Leipzig Dieselbe Firma liefert für je Mk. 1.60: Die 3 neuesten, Rock- schnitte, die 3 neuesten Blousenschnitte, die 4 neuesten Armel- schnitte, die 3 neuesten Jackettschnitte, die 4 neuesten Boléro- schnitte, alles mit Modebildern; die neueste Empirekleid-Grund- Komplette Mappe für Damengarderobe 2 Mark. * form 1 Mk. den neuesten Schlepprockschnitt 1 Mk. 0 28 Normal- PDbert. Kleider- 1 für Brautwäsche-Ausstattung 2.50 Mark. 3—————— 5 Ferd. Mennstiel 8 Plockstrasse 8 Lager in sämtlichen Kasteumöbeln, polirt und Iaekirt, wie: Vertikous, Kleiderschränke ete. Tische, Stühle, Spiegel, Küchenmöbel, Luxusmöbel. Spezialität: Betten u. Polstermöbel iu eigener Anfertigung. 2 Grosse Auswahl in lackirten Bettstellen. u Uebernahme vollständiger Ausstattungen. 3722 Millionen mare; Rekruten aller Waffengattungen erhalten auch dieses Jahr besonders 8* Ausstattungen. 9 Wer sich nicht persönlich stellen kann, empfängt unter Nachnahme: 1 schönen Koffer, Unterhose, tücher, alles für Mark 6. Sämtliche 7 Bürsten, als: Kleiderbürste Glanzbürste Schmutz⸗ und Wichsbürste extra für Mark 1.40 Marburg i. H. Kohlen Ia. Nuß zu den billigsten Tagespreisen empfehlen Babchenneimer& Schaumderger 22 Marburgerstraße 22. * bürste Haarbürste Messing⸗Fett⸗ Dbelb Hederbarar 3 8 Oeerhalten auch in diesem Jahre 5 lb 00, 13 0 Aude ganz b een 33 000, 954 10 000 beim Einkauf von Arbeilergesungverein, Eintiachi Sonntag, den 28. September, Abends 8 Uhr im Schloßgarten zur Feier unseres vierten Stiftungsfestes Konzert, Theater und Ball. Es ladet ein Das Komitee. Eintrittspreis: Im Vorverkauf für Herren 50 Pfg., 1 Dame frei, Jacke, Hemd, Socken, 2 Taschen⸗ ede weitere Dame 20 Pfg.— An der Kasse: Herren 75 Pfg., eine Dame frei, jede weitere Dame 30 Pfg. 2 . ucldle's Schirme sind dauerhaft und preiswert. Regenschirme, Sonnenschirme, Spazierstöcke kauft man gut und billig Casseler Schirmfabrik Giesten, Seltersweg 9 (nahe am Kreuzplatz). Marburg a., Neustadt 11.. Fulda, Vuttermarkt 14„z. Steuerhaus, Reparaturen und Neubeziehen schnell, gut und billig. desellsbel wN Prima Kornbrod bei Bäckermeister L. Müller Bahnhofstraße 58. 5 kommen im Laufe der Vereinszeit 75 7 3 9 Kl f ö 74 iN; 3ö‚; h„ii- Kleidung Gesund und Kräftig. 9 Jedes Loos ein Treffer. 3 zum Beispiel: 7* 7 8⁰ Die kleinsten Treffer betragen 5 Buxkin-Anzug v. M, 10.— an 01 N U 01 8 mindestens ca. 97 pCt. des Ein- f e W. 2 atzes, daher bei Verloosung fast„ Buxkin-Hose„ von der Kinzenbacher Mühle 2 f joi 2 Buxkin-Weste„„ 2.—„ ie 181 5— Lein Bisic9 8.1 Paar steten,„ 5 erhältl. in den. Verkaufsst. 8 Unsere Gesellschafts- Kombi- 3 hemden„„ 11. 7 d ee dae, ffn zur,„ 1, Wasserkrüge und 8 Grösste Gewinnchancen. A eee e Packkorbe 2 7— 77„ 8 2 2 Il serschiedene Nummern„ üointer-Paletet in taufen Beauer d Krumm Monatlich Beteiligung nur Mk. 4. 8 Doubelu. Floconé Gießen, Bahnhofstraße 40. 3 Anmeld. befördert umgehend: mit echtem Futter 0—* u. Sammtkragen,„ 12.—„ 8 80% W. Walter, Essen322,3 Havelockm. Glocken- 5 7 8 Pelerine„„ 12 9 1 0 K 0 2 Fchützen-Joppe„„ 4.50„. d Ill f U d Wollene Jacken„„ 1.—„ (enorme Auswahl) Uhrmacher Hemden in Mannsgrossen, bekannte gute Ware, von 1 Mk. an Unterhosen in besonders schöner, kräftigerWare, mit und ohne Naht, von 70 Pfg. an, Manns ⸗Haufjacken 1 1 von 70 Pfg. an, 9 Millionen Damen- Hautjacken von 70 Pfg. an, sowie sämtliche andere 2 2 Trikotagen A hbalb 12 Stunden fertiggestellt. empfiehlt der Ubeif. Hescer Bazar Mein sehr großes und vor züglich sortiertes Lager in 9 Aauflxestel, 5 Tolriste-Hewden und suenen Udterhasen Größtes Lager in allen Sorten Parteigenossen! Clessen, Marktplatz 18 Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren Baar 2 Gehrock⸗ und Sorgt zum Quartalswechsel Hochzeits⸗Auzügen, alben en fir Ene lat Kirchen⸗Röcke. g 1 Großes Lager on IIikte ld. Sonntags-Zeitung. Tuchen und Buxkins Das Blatt kostet nur 25 Pfg. sowie Schneider ⸗Zuthaten. vro Monat, vierteljährlich 0 9 ird i 75 Pfg.— Pobenummern Jeder Anzug wird inner⸗ liefert die Expedition gratis. lerren-U. Knaben-Anzüge Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass Markus Bauer, Giessen Kirchenplatz II gegenüber d. Stadtkirche. 2 —— D Cigarren 8. ö 5 8 fabelhaft billig zu verkaufen. 1 S 5 Pf. ⸗CTigarre 8 995 2 8 100 St. 5 Pf.⸗Cigarren nur M. 2,95—— .. 1„5„„ 870 S 8 8 8 e 4 5—= 100„ 8„,„„„ 4¼70 S— 10 5 1 S 2 8 8 Bei 300 Stück Frankolieferung. S D 2 5 Versand gegen Nachnahme.. Für Güte der Ware wird aus⸗ 2 2 S drücklich garantiert. S 2 Tausd. Anerkennungen liegen vor S 2— 8 J 5 dt 1 0 S N SS Berndt& Co., 2 zur e bet 178 Bez lin 5 85 ———— Verle ⸗Zeitung(E. Krumm), Gieße eee Verantw. 9 eur: F. A. V Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. Die Aus! Durch die 6 — 9 0. wir: Dan daß des dabdu Reli, sein Relit Vol auf Wies berla mehr gezei, wo habe doch geber Übe: Pri relig und gesag berlit Jah Helr das Zent Sie das studi habe Part bald Mal Gefa kamf ihren Abe und sie! 92 es m lich Der ist 9 wich sondt