1 19025 n die berein! 0 ni dissthrgez ten * gebenst ein ftr Kommission chen It bei IUueg trasse 58. r ereitet, un organismu fel zu sein den Blut perborbenen, f die Neu Nr. 4. Gießen, Sonntag, den 26. Januar 1902. 9. Jahrg. 5 Redaktion: 2 Redaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche A Nachnittag 4 Uhr. 8 5 untags⸗ bit 9 Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 2 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%ñ bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940)[33 ½%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Vom Sparen. Zu allen Zeiten haben die Reichen und Mächtigen sich den Armen und Unterdrückten gegerüber auf die Heuchelei verstanden. Und immer war dieser traurigen Kunst gerade das unterworfen, was wirklich heilig geachtet werden sollte: das menschliche Wohlwollen, die Nächsten⸗ liebe, die Gerechtigkeit, bie Wahrheit und Sitt⸗ lichkeit. Man hat die Armen und Elenden tyrannisiert und ihnen glauben zu machen ver⸗ sucht, das sei nötig zu ihrem Heil. Man hat ihnen die Entbehrung und Entsagung, alles schmähliche Erdulden gepriesen als die„Tugend“, die zur„ewigen Seligkeit“, zur„Belohnung im besseren Jenseits“ verhilft. Das war ein arger Trug; aber es lag darin doch wenigstens die Anerkennung des traurigen Loses der Unter⸗ drückten und der Hinweis auf eine dereinstige Vergeltung; man ließ ihnen den Trost einer Hoffnung. Nicht sie selbst macht man verant⸗ wortlich für ihre Not, ihr Elend; man ließ ihr Geschick als ein von der Gottheit bestimmtes erscheinen. Die Wortführer der besitzenden Klasse und Verteidiger der heutigen Ordnung gehen in ihrer Heuchelei noch viel weiter. Auf den großen Kapitalbesitz als Produkt des„Sparens“ ver⸗ weisend, sagten sie den Arbeitern, es sei„auch ihre Pflicht“, zu„sparen“. Ja, es giebt Schriften von Bekennern der Manchesterschule, in denen begreiflich zu machen versucht wird, daß„jeder Arbeiter durch Fleiß und Sparsam⸗ keit ein Kapitalist werden kann!“ In der Hauptsache aber hat diese unerhörte Spartheorte, eine spekulative Tendenz dahin: je mehr der Arbeiter spart, je weniger hat er Anlaß, höheren Lohn zu fordern; denn wer sparen kann, ist nicht berechtigt zu sagen, daß er Not leide. Wenn von einem Entbehrungslohn in des Wortes wahrster und zugleich schlimmster Be⸗ deutung die Rede sein soll, so allerdings beim „Sparen“ des Arbeiters. Da ist in der That jeder Spargroschen eine Frucht der Entbehrung. Und welcher Entbehrung! Im vernünftigen Sinne ist unter Sparen ein Zurücklegen von Ueberflüssigem, ermöglicht durch kluges Wirt⸗ schaften, zu verstehen. Aber so wenig es ein Sparen ist, wenn der reiche Ausbeuter und Schmarotzer, trotzdem er herrlich und in Freuden, üppig und verschwenderisch lebt, von seinem Einkommen ein erheblich Teil zur Vermehrung seines Reichtums erübrigt, so wenig ist es Sparen, wenn der arme Arbeiter einen Teil seines Arbeitseinkommens zurücklegt. Das ist ein geradezu selbstmörderisches Abdarben an der äußersten Lebensnotdurft, zu deren Befrie⸗ digung der Lohn kaum ausreichend ist. Der Arbeiter, der 900 Mk. jährlich verdient, muß, wenn er auch nur 50 Mk. davon ersparen will, seine Lebenshaltung noch mehr verschlechtern, als sie ihm sowieso schon durch die Unzuläng⸗ lichkeit dieses Einkommens zugewiesen ist. Nehmen wir den Lohn der bestbezahlten Ar⸗ beiterkategorien— die nur einen kleinen Bruch⸗ teil der Arbeiter klasse bilden— mit 1200 bis 1500 Mk. jährlich an. Was ist davon ohne Verzichtleistung auf vieles Notwendige zu„er⸗ sparen“, wenn es sich um die Erhaltung einer Familie in der Großstadt handelt?! Sparen, sparen, immer sparen soll der Arbeiter. Sparen unter allen Umständen, selbst wenn er kaum das Salz zum Brote hat. Gegen alle schlimmen Ereignisse und Schicksals⸗ schläge, die ihn treffen können und zumeist auch wirklich treffen: Krankheit, Siechtum, Arbeits⸗ unfähigkeit im Alter, Arbeitslosigkeit ꝛc. ꝛc., rät man ihm das Sparen an. Hat doch erst kürzlich wieder ein nationalliberales Blatt ge⸗ zetert, daß die Arbeiter in Zeiten guten Ge⸗ schäftsganges nicht so viel„ersparen“, um in den Zeiten der Arbeitslosigkeit leben zu können. Und ein findiger Kopf, der Nationalökonom Professor Doktor Schanz, ist auf die Idee des „individuellen Sparzwanges“ für die Arbeits⸗ losenversicherung verfallen. Jeder krankenver⸗ sicherungspflichtige Arbeiter soll gezwungen werden, sich wöchentlich einen bestimmten Betrag vom Lohne abziehen zu lassen, um mit der angesammelten Summe im Falle der Arbeits⸗ losigkeit„unterstützt“ zu werden, so daß er nicht dem öffentlichen Wesen zur Last fällt. Der erdrückenden Mehrheit der Arbeiter kann man das rühmliche Zeugnis ausstellen, daß sie es versteht, mit ihrem durchweg unzu⸗ länglichen Einkommen gut zu wirtschaften, d. h. mit demselben unter dem Zwange der Ver⸗ hältnisse sich einzurjchten, um trotz Not und Entbehrung ehrlich, anständig, charaktervoll, sittlich intakt zu bleiben. Das ist die höchste Leistung, die man vernünftiger⸗ und gerechter⸗ weise vom Arbeiter verlangen kann. Ihre ganze Wirtschaftsweise ist nichts Anderes, als ein streng gewissenhaftes Abwägen der Ein⸗ nahmen und der notwendigen Ausgaben. Darüber hinaus auch noch von ihnen zu verlangen, daß sie die kapitalistische Spar⸗Theorie in die Praxts übersetzen, sich vom Nötigsten abdarben, ihre sowieso schon schlechte Lebenshaltung frei⸗ willig noch mehr verschlechtern, damit die Moralprediger des Kapitalismus sagen können: „Seht, wir haben gutsituierte, zufriedene Arbeiter“ — dags ist eine verbrecherische Tollheit. Wir reden wahrlich nicht der Unwirtschaft⸗ lichkeit im Arbeiterhaushalt, effektiv nicht zu rechtfertigenden Ausgaben für die Befriedigung niedriger, frivoler Genußsucht, der Trunksucht, Spielsucht ꝛc das Wort. Wir wollen, daß die Arbeiter ihre Mittel außer zur Bestreitung der Lebensnotdurft, so reichlich wie nur irgend möglich, auch für gute und edle Genüsse aus⸗ geben; daß sie die Hebung der Lebenshaltung nicht nur in der besseren Befriedigung des Magens, sondern Alles in Allem in der Er⸗ reichung einer höheren Seufe der materiellen und geistigen Kultur sehen. Aber eben beshalb verurteilen wir den Sparschwindel, den die „bessere“ und„beste“ Gesellschaft der Arheiter⸗ schaft gegenüber treibt. Wenn die Masse der Arbeiter diesem Schwindel Rechnung trüge, würden Industrie, Handel und Gewerbe in erster Linse den Schaden davon haben. Denn ste können nur bestehen und gedeihen, wenn die Massen ihren Konsum steigern. Sind sie gezwungen, ihn einzuschränken, oder schränken sie freiwillig ihn ein, so leiden Produktion und Handel. Was der Arbeiter„spart“, statt es zu verbrauchen, das wird dem Güteraustausch entzogen. Da war der Gelehrte Bertrand de Mandeville gescheider, indem er sagte: daß die Arbeiter zwar nur einen mäßigen Lohn haben, diesen aber auch wieder verausgaben, also nicht„sparen“ sollen. Denn vom Konsum der Massen ist das Bestehen und Gedeihen der Volks wirtschaft abhängig.„Grundst.“ Politische Rundschau. Gießen, den 23. Januar. Arbeitslosigkeit. „Notstand existirt nicht!“ Mit diesem geflügelten Worte sucht das satte Bürgertum die Hinweise auf die zunehmende Arbeitslosig⸗ keit abzuthun. Der Arbeiter aber, der unter Lohnreduktionen schwer zu leiden hat, wenn er nicht gar arbeitslos auf der Straße liegt, spürt die Ungunst der Verhältnisse am eignen Leibe und kennt sie deshalb doch etwas genauer, als die Minister, Regierungspräsidenten und Land⸗ räte, die sich auf unzuverlässige Berichte ihrer Unterbeamten stützen müssen.— Zählungen der Arbeitslosen, die in verschiedenen Städten durch organisirte Arbeiter vorgenommen wurden, ergaben denn auch das Vorhandensein einer viel größeren Zahl Arbeitsloser als bisher öffentlich zugegeben wurde.— In Dresden und seinen Vororten wurden am Sonntag 10170 be⸗ schäftigungslose Personen ermittelt, das sind zehn Prozent der erwerbsthätigen Ein⸗ wohner!— In Nürnberg ermittelte man 4891 Arbeitslose; Erfurt weist deren 537 auf.— Schon diese Beispiele zeigen, daß man da mit beschönigenden Redensarten nichts ausrichtet, sondern daß es Pflicht der Regierung ist, mit zweckentsprechenden Mitteln die allgemeine Not⸗ lage zu bekämpfen. In der hessischen Zweiten Kammer hat sich infolge eines diesbezüglichen Antrages der vierte Ausschuß mit der Frage der Arbeitslosigkeit beschäftigt. Er beantragt bei der Kammer, die Regierung zu ersuchen, der Frage fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, alle zur Milderung des Notstandes erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen und erforderlichenfalls den Ständen entsprechende Vorlage zu machen.— Weiter soll die Regierung aufgefordert werden, bei dem Reiche auf Maßnahmen zu dringen, die zu einer wirksamen Bekämpfung der Arbeitslosig⸗ keit notwendig sind, als sachgemäße Ausgestaltung der Arbeiterstatistik und der kommunalen Arbeits⸗ nachweise, Einführung einer Versicherung gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit ꝛc. b 5 Die Gothaer Regierung hat nach Kenutnis⸗ nahme von dem Stande der Arbeitslosigkeit in Gotha dem Stadtrat 1000 Mk. zur Milderung der Not überwiesen. Der geplante Hofball wurde abgesagt; die Aufwendungen hierfür sollen an die Armen der Stadt verteilt werden. Dies Vorgehen wäre an manchen Orten zur Nachahmung zu empfehlen. Landarbeiter⸗Sklaverei. Ueber die Behandlung der ländlichen Arbeiter und Dienstboten ist schon oft geklagt worden; in zahlreichen Fällen hatten die Zeitungen so⸗ gar von unmenschlichen Mißhandlungen zu be⸗ richten, denen die ländlichen Dienstboten von Seiten ihrer„Herrschaften“ ausgesetzt waren. Die Schönheiten der verschiedenen, z. B. in Sachsen und in Preußen geltenden Gesinde⸗ —— Pp 85— ö 9 — — * 85 N 1 . 2 . Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 4. ordnungen treten dabei klar zu Tage. Bekannt ist, daß jene gesetzlichen Bestimmungen den Herrschaften das Züchtigungsrecht über das „Gesinde“ verleiht. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist zwar das Züchtigungsrecht be⸗ seitigt, es wird aber doch hier und da geprügelt nach Herzenslust und was das Schlimmste ist, die Gerichte schreiten dagegen nicht ein, die ländlichen Arbeiter dürfen noch nicht einmal den Dienst verlassen, wo sie wie das Vieh behandelt werden. Eine dieser Tage in Halle stattgefundene Gerichtsverhandlung lieferte wie⸗ der ein neues Beweisstück. Die 16 jährige Dienstmagd Ida Scheibe diente bei dem Guts⸗ besitzer Götze in Knapendorf und war, wie ein unparteiischer Zeuge bekundete, eines Tages von Frau Götze in das Genick gepackt und gegen das Gesätz getreten worden. Die Guts⸗ herrin hatte auch eines Tages dem Mädchen gegenüber die beleidigende Redensart gethan: „Deine Mutter hätte Dich gleich im ersten Bade ersäufen sollen“, während Herr Götze geschmack⸗ lose Aeußerungen wie:„man müßte dem Mäd⸗ chen die Kaldaunen herausnehmen“ ꝛc. gethan. Einmal hatte Götze das Mädchen mit dem Kopf gegen den Kuhtrog gestoßen, während Götzes Sohn es mit einem Teschin bedroht hatte. Die Scheibe ging schließlich, weil sie die Behandlung nicht mehr ertragen konnte, aus dem Dienst und das Schöffengericht in Merseburg verurteilte sie noch wegen unberech— tigten Verlassens des Dienstes zu 6 Mark Gel dstrafe. Das Landgericht bestätigte das Urteil und führte in der Urteilsbegründung aus, daß das Verhalten des Herrn und der Frau Götze wohl im höchsten Grade un⸗ gehörig set, aber die Behandlung„keine ausschweifende Härte“ involviere und so⸗ mit die Angeklagte nicht berechtigt gewesen sei, den Dienst ohne Kündigung zu verlassen. So geschehen in einem der ersten Kultur⸗ staaten der Welt im Jahre des Heils 1902. Die Duell seuche greift anscheinend immer weiter um sich; die „Edelsten und Besten der Nation“ pfeifen auf Gesetz und Moral. Noch dauerte die Aufregung über den Insterburger Fall an, da wurde ein weiteres Duell aus Hannover gemeldet. Dann folgte der Duellmord in Jena, kurz darauf ein weiteres Duell in Jena und jetzt erregt wieder ein bei Springe(Hannover) zwischen dem Landrat v. Bennigsen und dem Domänenpächter Falkenhagen stattge⸗ undenes Duell allgemeines Aufsehen. Der Landrat wurde im ersten Gange durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzt. Sein Bruder und sein Vater, der frühere Ober⸗ präsident von Hannover und national⸗ liberaler Führer, brachten ihn nach Hannover, wo er verstarb. Die Ursache des Duells soll die Gattin des Landrats gegeben haben. Frau v. Bennigsen ist jetzt 31 Jahre alt, eine üppige, schöne Erscheinung. Der Ehe sind fünf Kinder entsprossen. In Springe war es seit langer Zeit offenes Geheimnis, daß zwischen dem Domänenpächter und der Frau v. Bennigsen intime Beziehungen bestanden. Landrat v. Bennigsen hat den Räuber seiner Familienehre gefordert; dieser, ein erst 26 jäh⸗ riger Mann, hat ihn kaltblütig über den Haufen geschossen. v. Bennigsen ist inzwischen seiner Verletzung erlegen. Kann es einen unflätigeren Wahnsinn geben? Der in seiner Mannesehre gekränkte, in seinem innersten Herzen verwundete Mann muß auch noch zu allem Lebensglück sein Leben selbst opfern!— Der Fall läßt uns zugleich einen Blick thun in moralische und stttliche Begriffe und Verhältnisse der„besseren Kreise“. Man denke: eine Frau Landrat mit dem„von“ vor ihrem Namen unterhält Beziehungen mit einem Wüstling, einem moralisch verkommenen Subjekte! Man lese die nachstehende Schilde⸗ rung dieses Menschen! Und jene Kreise fabeln 1 oft von der Verrohung und Entsittlichung er Arbeiterklasse und wollen dieser Moral predigen! Ueber den Duellmörder, der am Sonntag in Berlin verhaftet wurde, wo er Donnerstag angekommen und in einem feinen Hotel abge⸗ stiegen war, gaben die Zeitungen anmutige Schilderungen. Er gehört zur Gattung der notleidenden Agrarier. Berliner Blätter schildern ihn als abgelebten Menschen, dem feineres Benehmen wie höhere Bildung total abgehen. Roh wie seine Manieren tst auch seine Lebensauffassung. Schon in der ersten Nacht seines Hierseind feierte er wüste Orgien in anrüchigen Lokalen und auch am Freitag ließ er sich durch die Kunde von dem Ableben seines Gegners in seinen brutalen Vergnügungen nicht stöen. Am Samstag Abend suchte Falkenhagen seiner Gewohnheit gemäß die Amorsäle und später die Maison d'or unter den Linden auf. Der Champag⸗ ner floß in Strömen und vor den Dir⸗ nen, mit denen er kneipte, prahlte der gefühl⸗ lose Patron mit seiner angeblichen Heldenthat. Mit vollen Händen warf er der Mustk die Goldstücke hin, um die lustigsten Weisen zu hören; im Frack und weißer Binde markierte er den schneidigen Kavalier. Als er Sonntag früh ins Zentralhotel in ziemlich angeheitertem Zustande zurückkehrte, empfingen ihn Kriminal⸗ beamte und brachten ihn zur Revierwache. Von dort aus wurde er zum Polizeiprästdium eskorttert und unter sicherer Begleitung fand gegen Morgen um 8 Uhr seine Ueberführung nach Hannover statt. Gleichzeitig wurde im Zentralhotel eine Haussuchung in seinem Zimmer vorgenommen und der aufs äußerste kompromittierende Briefwechsel zwischen ihm und Frau Bennigsen, welcher sogar bis in die letzten Tage reicht, mit Beschlag belegt. Die Rigorosität, mit welcher die Polizei in diesem Falle des Duells vorging, ist vielleicht auf ein Gerücht zurückzuführen, das freilich noch der Bestätigung bedarf, und welches wissen will, daß Falkenhagen bei dem Duell unkomment⸗ mäßig gehandelt und vor dem Kommando ge schossen habe. Staatsanwalt und Gesetz. Welche Achtung ein Staatsanwalt vor dem Gesetze empfindet, gab der preuß. Staats⸗ anwaltschaftsrat Cuny in einer Lobrede auf das Duell zu erkennen, die er am Samstag bei einem Kommers der Burschenschafter in Berlin hielt. Der Mann sagte dort unter Anderem: „.. die alten Feinde der Burschenschaft sind auch die Feinde des ritterlichen Zweikampfes; wir halten fest an der alten deutschen Sitte unserer Altvordern, die ihre Lust hatten am Waffenspiel, wir wollen den Schläger nicht tragen nur zum Kommers oder gar zu Prozessionen, wir wollen ihn schwingen in fröhlichem Kampfe. Wir wollen uns auch heute dazu bekennen, daß es viele Ehrenhändel giebt, die gar keine andere Lösung zulassen, als den Gang mit den Waffen. Und darum lassen Sie die Philisterwelt auch Sturm laufen gegen die Mensur, wir halten fest an ihr als einem Erziehungsmittel son⸗ dergleichen.“ So fordert ein Hüter des Gesetzes zur Gesetzes⸗ verletzung auf. Er hat mit seiner Rede das Vertrauen in die Rechtspflege mehr erschüttert, als Hunderte„nörgelnder“ Agitatoren es ver⸗ möchten. Kulturarbeit. Drei Hinrichtungen auf einmal — das ist das neueste vom Gebiete der deutschen Kultur. Aus Naumburg a. S. wird berichte: Der Werkmeister Bogehorn aus Draschwitz bei Gera, der Arbeiter Seidel und die Witwe Schödel aus Crimmlitz, die alle drei am 20. Juni v. J. wegen Ermordung der Frau Bogehorn vom hiesigen Schwurgericht zum Tode verurteilt wurden, sind im Hofe des hiesigen Gerichtsgebäudes hingerichtet worden. Das war am 17. Januar.— Am gleichen Tage wurde in Köslin der 20jährige Knecht Emil Döring, der im August seinen Großvater ermordet hatte, hingerichtet. Das Schwurgericht in Glogau(Schl.) fällte kurz hintereinander am 15. und am 17. Januar zwei Todes⸗ urteile. Es lebe die Civilisation! Anständige Plünderer. Nach telegraphischen Berichten aus Washing⸗ ton verfügte der amerikanische Prästdent Roose⸗ velt die Rückzahlung von 370,000 Dollar an China als Erstattung des Wertes der von amerikanischen Seel⸗uten aus Tientsin mit⸗ genommenen Silbersachen.— schämt sich also des Besitzes der geplünderten Wertsachen und will den Raub 2 Bezahlung wieder gut machen.— Frankreich hat wenig⸗ stens einen Teil des in China geraubten Gutes an China zurückerstattet.— Italten besfitzt die Schamlosigkeit, die geraubten Gegenstände öffentlich auszustellen. Wenn sich Deutschland von Amerika nicht beschämen lassen, sondern als ein Kulturstaat gelten will, dann muß es schleunigst die in Sanssouct aufgestellten astro⸗ nomis chen Instrumente auf eigene Kosten nach Peking zurückschicken. Landtagswahl in Frankfurt. Für den vor kurzem verstorbenen freireli⸗ giösen Prediger Sänger, den einzigen demo⸗ kratischen Abgeordneten im preußischen Land⸗ tage, hat am Dienstag eine Exrsatzwahl statt⸗ gefunden. Nach den Bestimmungen des famosen preußischen Wahlgesetzes treten bei dieser Wahl die im Jahre 1898 gewählten Wahlmänner in Aktion und nur für die verstorbenen oder sonst abgängigen Wahlmänner waren Neuwahlen vorzunehmen. Als Kandidaten stellten die Demokraten den Redakteur Rud. Oeser, die Nationalliberalen ihren früheren Kandidaten Walter vom Rath auf. Es waren 299 Wahlmänner zu wählen. Davon fielen am Dienstag den Demokraten 172, den National- liberalen 110 zu; mit den alten haben die Demokraten 510 Wahlmänner, während die Nationalliberalen nur über 398 verfügen. Die Wahl Oesers ist demnach gesichert.— Unsere Genossen traten selbstverständlich für die Wahl des Demokraten ein. Die ganze Schutzmann⸗ schaft sowie das übrige Beamtentum muß natürlich bei einer derartigen„Wahl“— sie ist öffentlich— Mann für Mann erscheinen und dem reaktionären Kandidaten die Stimme geben. Ein Fortschritt, aber nicht in Deutsch⸗ land. Aus Christiania(Norwegen) kommt die Nachricht, daß das Parlament einem Gesetz⸗ entwurfe zustimmte, wonach Frauen als Gerichtsbeisitzer zugelassen werden sollen. Unsere Dunkelmänner und Zopfträger schreien sich bald heiser, wenn in Deutschland ähnliche ene Forderungen auch nur angedeutet werden. Deutscher Reichstag. Die Verhandlungen am Mittwoch und Donners⸗ tag betrafen minder wichtige Gegenstände. Hervorzu⸗ heben ist dabei die Unterstützung bedürftiger Kriegs⸗ veteranen, die allgemein gefordert wird, welche die Regierung aber aus Mangel an Mitteln nicht gewähren zu können erklärt. Freitag begann die Debatte über die Arbeitslosigkeit und die Krise. Veranlaßt wurde die Aussprache über diesen Gegenstand durch eine Interpellation der Sozialdemo⸗ kraten. Unsere Genossen haben angesichts der immer bedrohlicher in die Erscheinung tretenden Arbeitslosigkeit namentlich in den großen Städten an die Reichsregierung die Anfrage gerichtet, ob sie bereit ist, durch unverzüg⸗ liche Gewährung ausreichender Mittel der Not soviel wie möglich zu steuern. Die Sozialdemokratie hat es als einzige Partei des deutschen Reichstages für ihre Pflicht gehalten, die ungesunden Verhältnisse, die zu der heutigen Notlage großer Arbeiterkreise geführt haben, in aller Ausführlichkeit und Gewissenhaftigkeit darzulegen und auf Besserung zu dringen. Die etwa zweistündige Rede, mit der Abg. Zubeil die soztaldemokratische Interpellation begründete, gestaltete sich zu einer großen und bedeutsamen Anklage gegen die herrschende Gesellschaftsordnung und zu einer auf breiter Grundlage aufgebauten Schilderung unserer gesamten Man . bbb saltertuns, beiterkam m, 5 Einf ages, Wetbot uber 14 Jahren bonseguenten. Aus Shaatzsckretür ö konnte man ni t borbtachte. Sen dowöly elßig auch dag, worin ungen nothebrung uisen Fortschritt sch von den bers uiglerungen Berich laßen, die die E schlbern. So! Zahl der Abet Salsonarbettern, lltzerer Zelt schä stalt Berlin, gl während die Wal würde. 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Und auch für den Notstand zahlreicher Beschäftigungszweige im ganzen Reiche bot Genosse Zubeil eine Reihe un⸗ widerleglicher Zeugnisse dar. Den ganz unzureichenden Versuchen einzelner Kommunen, die Arbeitslosen ihres Bezirkes zu beschäftigen, stellte er ein umfassendes und gründlich durchdachtes Programm entgegen, dessen Durch⸗ führung von Reich, Bundesstaaten und Kommunen ge⸗ meinsam zu bewirken und sofort in Angriff zu nehmen ist. Dann entwarf er über die momentanen Bedürfnisse hinaus ein Bild sozialpolitischer Forderungen, wie sie die Sozialdemokratie vertritt: Schaffung eines Arbeits⸗ ministeriums, eines Reichsarbeitsamtes, von Arbeiterkammern, fortlaufende Arbeitslosen⸗ statistik, Einführung des Maximalarbeits⸗ tages, Verbot der gewerblichen Arbeit von Kindern unter 14 Jahren— kurz, unser Genosse forderte den konsequenten Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung.— Staatssekretär Posadowsky antwortete. Von ihm konnte man nicht mehr erwarten, als was er dazu vorbrachte. Seine Rede zeigte, daß sich Graf Po sa⸗ dowsky fleißig mit der Materie beschäftigt hat, und auch das, worin er den sozialdemokratischen Anschau⸗ ungen notgedrungen recht geben mußte, zeigte einen ge⸗ wissen Fortschritt gegen früher. Der Staatssekretär hat sich von den verschiedenen Reichsressorts und den Einzel⸗ regterungen Berichte über die Arbeiterverhältnisse kommen lassen, die die Sachlage in sehr optimistischer Weise schildern. So hat der Berliner Polizeiprästdent die Zahl der Arbeitslosen in Berlin, abgesehen von den Saisonarbeitern, auf 7500 angegeben! Schon vor kürzerer Zeit schätzte der Direktor der Versicherungsan⸗ stalt Berlin, Freund, diese Zahl auf 40— 50 000, während die Wahrheit noch weit höhere Ziffern liefern würde. Aber auch das, was die Berichte des Grafen Posa⸗ dowsky zugaben, war immerhin schou bedenklich genug: in Bayern haben erhebliche Arbeiterentlassungen statt⸗ gefunden, in vielen Bezirken sind die Löhne bis um 20 Prozent gesunken usw. Was die Post⸗, die Marine⸗ und Reichseisenbahnverwaltung dagegen angeordnet haben, sind nicht mehr als Tropfen auf einen heißen Stein. Für eine staatliche Arbeitslosenversicherung hat der Staatssekretär wenig Sympathie. Er überläßt alles den Kommunen und den Gewerkschaften. Inkeressant war seine Erklärung, daß von einer Beschränkung der Freizügigkeit keine Rede sein könne.— An diesem Tage sprachen noch der Zentrums⸗Soztlalpolitiker Hitze, der sich in der Anpreisung der Volksfreundlich⸗ keit des Zentrums nicht genug thun konnte und der Freisinnige Gothein, welcher die Krise im Zusammen⸗ hang mit der Zollpolitik erörterte, Am zweiten Tage der Arbeitslosigkeits⸗Debatte traten die im Reichstage vorhandenen, sehr verschiedenen Anschauungen über die sozialen und wirtschastlichen Verhältnisse klar hervor. Den Anfang machte Graf Kanitz, der den dritten Teil seiner Rede an eine Empfehlung des Zolltarifs, höherer Kampfzölle gegen Amerika und Klagen über das Unwesen der Syndikate widmete. Seine sozialpolitischen Anschauungen waren höchst bedenklicher Natur. Eine Verpflichtung des Reiches und der Einzelstaaten, für die Arbeitslosen zu sorgen, wollte er nicht anerkennen und den Kommu⸗ nen, d. h. der Armengesetzgebung allein die Pflicht der Fürsorge auferlegen. Sogar gegen eine Zentralisation der Ar beitsnachweise sprach er sich aus, aus Furcht vor vermehrtem Abfluß der ländlichen Arbeiter vom platten Lande. Das einzige Mittel, das er empfahl, war die Empfehlung an die Arbeiter, in den Zeiten der guten Konjunktur schon den Hungerriemen schärfer anzuspannen und durch größere Sparsamkeit sich für die schlech⸗ teren Zeiten vorzubereiten. Vermehrte Sparsamkeit für die Arbeiter heißt aber nichts anderes, als Einschränkung ihrer Konsumtion und damit Beschleunigung des Herein⸗ brechens einer Krisis. Der nationalliberale Redner, Abg. Hofmann⸗ Dillenburg, hielt sich von solchen thörichten Ratschlägen frei. Er erkannte die Machtlosigkeit der bürgerlichen Gesellschaft gegen die Krise offen an, dagegen stand er dem Gedanken einer obligatorischen Arbeitslosenversiche⸗ rung unter Anlehnung an die Berufsgenossenschaften sympathisch gegenüber. Die Ansichten, die Gamp von der Reichs partei vortrug, hörten sich erst recht arbeiterfreundlich an. Sogar bei unsern Genossen erntete er Zustimmung, als er das Verhalten der freisinnigen Frankfurter Stadt⸗ verordneten in Sachen der Arbeitslosen⸗Frage kritisterte. Die Teilnahme von Vertretern der Arbeiterorganisationen bei der Feststellung der Arbeitslosigkeit hielt er für jammerte er über die„Drangsalierung“ der Ar⸗ beitgeber durch die Arbeiterschutzgesetzge bung empfahl die Beschränk ung der Freizügigkeit. Das trug ihm eine scharfe Abfertigung seitens des Grafen Posadow sky ein. Mit einer Entschiedenheit, wie sie vom Minist ertisch noch nicht gehört worden ist, bezeichnete er es wiederholt als vollkommene Utopie, Reformen der A rmengesetzgebung zu einer Beschränkung der Freizügigkeit zu benutzen. Die Erklärung klang so energisch, daß sie selbst bei den Sozialdemokraten bei⸗ fällig aufgenommen wurde. Dann sprach noch der Freisinnige Len zmann, der das Evangelium der„Harmonie der Arbeiter- und Unternehmer ⸗Interessen“ verkür dete. Zum Schluß lobte Abg. Hahn die Bismarcksche Wirtschaftspolitik über den grünen Klee und schlug vor, daß ein direkter Ar⸗ beitszwang eingeführt und die Arbeiter zwangsweise aufs platte Land geschickt würden. Montag gelangte von dem schwach besetzten Hause ein Antrag zur Annahme, der die Regierung auffordert, in einem Nachtragsetat die Beihilfe für die Kriegs⸗ teilnehmer bereit zu stellen. Dann wurde die Not⸗ stands debatte fortgesetzt. Nach einer Erklärung eines preußischen Eisenbahngeheim rats, der für die Alten⸗ bekener Strecke die Verminderung der Zahl der Bahn⸗ wärter bestritt und die Thielensche Sparpolitik heraus⸗ zustreichen suchte, griff unser Genosse Hoch in einer länger denn zweistündigen Rede die Wortführer der gegnerischen Parteien in dieser Frage und den Grafen Posadowsky energisch an. Er wies die Wertlosigkeit des amtlichen Materials nach und führte den Beweis, daß die herrschende Gesellschaftsklasse verpflichtet sei, die Opfer ihrer Produktions weise, die Arbeitslosen, zu unter⸗ stützen. Besonderen Nachdruck legte er auf die Schilde⸗ rung des Zusammenstoßes der Arbeitslosen in Frank⸗ furt a. M. mit der Polizei. Hier zog er sich einen Ordnungsruf des Präsidenten zu. Graf Posadowsky erwiderte recht matt und ver⸗ sicherte wiederholt, daß die deutsche Sozialreform die beste der Welt sei. Aus dem Hause nahm noch der nationalliberale Grubendirektor Hilbck, dessen Rede hauptsächlich eine Verteidigung des Kohlensyndikats war, und der freisinnige Vereinigungsmann Pach nicke das Wort, der über die Arbeitslosigkeit sehr wenig, sehr viel aber über den Zolltarif zu sagen hatte. Dienstag wurden Wahlprüfungen vorgenommen, wobei die Wahl des im Saargebiet gewählten National- liberalen Abg. Boltz für ungültig erklärt wurde. Mittwoch wurde in die Einzelberatung des Etats eingetreten. und err, Krieg in Südafrika. Dr. Krause, der frühere Kommandant von Johannesburg, wurde in London zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er war angeklagt, den hingerichteten Cornelius Broeksma zur Ermordung des ehemaligen Präsidenten der südafrikanischen Liga, Forster, angestiftet zu haben. Die frühere, auf Hochverrat lautende Anklage war fallen gelassen worden. Die Geschworenen sprachen ihn des Versuchs der Anstiftung zum Morde schuldig, worauf er zu der obigen Strafe verurteilt wurde. Krause erklärte: Ich bestreite, daß ich je versuchte, irgend Jemanden zum Morde anzustiften, oder daß ich je Mord im Sinne hatte. Ich denke, Forster ist einer der Leute, deren Verhalten am meisten zur Herbeiführung dieses schändlichen Krieges beigetragen hat.— Der Verurteilte war früher in England inhaftiert, gegen hohe Kaution aber freigelassen worden. Er kehrte zurück, trotzdem ihm von vermögenden Buren⸗ freunden die Ersetzung der Kautionssumme angeboten worden war. f 1 Englische Henkerarbeit. Wieder ist ein Burenkommandant, und zwar der vor nicht langer Zeit in englische Gefangenschaft geratene Scheepers zum Tode verurteilt und am Sonntag in Graafreinet erschossen worden. — Dem gleichfalls in englischer Gefaugenschaft befindlichen Burenführer Kruitzinger, will man in gleicher Weise den„Prozeß“ machen und es ist so gut wie sicher, daß ihm das gleiche Schicksal trifft als Scheepers. Man kann es den Buren sicher nicht übel nehmen, wenn sie dann mit den in ihre Hände geratenen englischen Offizieren in gleicher Wei se verfahren. ———— glieder in den einzelnen Industriestaaten giebt das New⸗Yorker Arbeitsamt wie folgt an: England kommt an erster Stelle mit 1 905 116; sodann kommen die Vereinigten Staaten Nord⸗ Amerikas mit Canada mit 1,600,000. Sodann folgt Deutschland mit 995,435, Frankreich mit 538,832, Oesterreich mit 157,773, Dänemark mit 101,000, Ungarn mit 64,000, Schweden mit 58,340, die Schweiz mit 49,034 und end⸗ lich Spanien mit 31,558 gewerkschaftlich orga⸗ nisterten Arbeitern. + Die Aussperrung der Holzar⸗ beiter, welche von Seiten der Unternehmer angedroht worden war, ist nicht erfolgt, da die eingeleiteten Verhandlungen zu einer Bei⸗ legung der Differenzen führte. Der Unterneh⸗ merverband einigte sich mit dem Holzarbeiter⸗ Verbande auf folgende Bedingungen: 1) Die Arbeitgeber erklären sich bereit, bei allen Diffe⸗ renzen mit dem Deutschen Holzarbetterverbande zur Beseitigung derselben in Verhandlung zu treten. 2) Während der Verhandlung dürfen weder Sperren verhängt, noch Posten gestellt werden. Auch sollen neue Einstellungen wäh⸗ rend dieser Zeit nicht vorgenommen werden. 3) Bei allen Differenzen dürfen die in Frage kommenden Arbeiter während der Verhandlungen die Arbeit nicht niederlegen. 4) Der Holz⸗ arbeiterverband zieht die bestehenden Sperren und Streikposten zurück. Von Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessisches. Ueber Hessische Eisenbahnpolitik schreibt unser Offenbacher Parteiorgan: Von unsern Genossen war in der Zweiten Kammer ein Antrag eingebracht worden, nach welchem die Regierung ersucht werden sollte, in der preußisch⸗ hessischen Gemeinschaftsverwaltung auf Verbilligung der Tarife, insbesondere auch der Arbeiterfahrkarten, sowie auf Verlängerung der Rückfahrkarten und weiter⸗ hin auf Einführung des Zonentarifsystems hinzuwirken. Dieser Antrag wurde nun vom vierten Ausschuß vorberaten und liegt nun der Bericht desselben an das Plenum vor. Danach hat die Regierung an den Ausschußvorsitzenden eine Zuschrift gerichtet, in welcher erklärt wurde, daß ja dem Wunsche nach Verlängerung der Rückfahrkarten inzwischen durch die Einführung der 45jährigen Gültigkeitsdauer entsprochen sei, daß man aber den anderen Anträgen nicht näher treten könne, zumal auch der preußische Verkehrsminister ein Eingehen auf dieselben abgelehnt habe. Damit hört eben für unsere Regierung jedes weitere Bemühen auf. Die eine Hälfte des Ausschusses schlug sich auf die Seite der Regierung und beantragte Uebergang zur Tagesordnung, da sich zur Zeit ein näheres Eingehen nicht empfehle, weil die gegenwärtige Finanzlage weitere Einnahmeausfälle bei den Eisenbahnen nicht gestatte. Die andere Hälfte des Ausschusses zeigte sich den Anträgen geneigt und bedauert die ablehnende Haltung der Regierung. Nur über die Einführung des Zonentarifsystems war allgemeine Abneigung zu bemerken, und war man eher einer die Verbilligung bezweckenden Reform der Tarife eventuell unter Beseitigung der ersten Wagenklassegeneigt. Die den Anträgen geneigte Hälfte des Ausschusses beantragt daher an die Regierung das Ersuchen zu richten: 1. in der preußisch⸗hessischen Gemeinschaftsver⸗ waltung eine die Verbilligung des Verkehrs bezweckende Reform der Persouentarife in Anregung zu bringen; 2. dahin zu wirken, daß die Sonntagsfahrkarten im früheren Umfange wieder ausgegeben und die Schülerfahrkarten zu den früheren mäßigen Preisen zur Ausgabe gelangen; 3. dafür einzutreten, daß den Arbeitern, Seite 4. Pi. w y Mitteldentsche Sonntags⸗ Zeitung. Nr. 4. insbesondere auch zum Zwecke der Arbeitsver⸗ mittelung, eine möglichst große Fahrpreiser⸗ mäßigung gewährt werde. Nette Krankenfürsorge. Die hessische Versicherungsanstalt hat nach Berichten ver⸗ schiedener Blätter verfügt, daß den Patienten, die einer Lungenheilstätte überwiesen werden, nur noch das Reisegeld für die vierte Klasse gewährt werden soll. Bisher wurde das Reise⸗ geld 3. Klasse gewährt.— Wer da weiß, was für ein„Vergnügen“ es sogar für einen Gesunden ist, auf der norddeutschen Eisenbahn vierter Klasse mit der sehr beschränkten Sitzgelegenheit und bei dem in den Wagen IV. Kl. oft vor⸗ handenen Schmutz und der schlechten Luft zu reisen, wird diese„Fürsorge“ für die Erkrankten gebührend zu würdigen wissen. Außerdem ist in diesen Wagen die Ansteckungsgefahr entschieden größer als in den andern Klassen. Gießener Angelegenheiten. — Kreiskonferenz. Wir machen die Parteigenossen nochmals auf die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießen ausmerksam, die Sonntag den 2. Februar im Orbig'schen Lokale in Gießen stattfindet. Unsere Freunde allerorts müssen es sich angelegen sein lassen, dafür zu sorgen, daß jeder Parteiort vertreten ist. Die Delegierten müssen ferner pünktlich— vor⸗ mittags 10 Uhr— am Platze sein, damit alle Punkte der Tagesordnung regelmäßig erledigt werden können und die Teilnehmer aus weiter entfernten Orten wieder rechtzeitig nach Hause gelangen.— Etwaige Anträge müssen möglichst sofort eingereicht werden. — Genosse Carl Thiel aus Kassel hielt, wie unsere Leser bereits aus den An⸗ kündigungen in der letzten Nummer wissen, in Gießen, Trohe, Heuchelheim und Alten⸗ Buseck Vorträge. Im soz.⸗dem. Verein in Gießen sprach er über:„Das Glück der Armut und der Fluch des Reichtums“. Zur Einleitung seines mit dieser ironischen Ueberschrift versehenen Vortrages bemerkte der Redner, daß T horen dem Volke von dem„Glücke“ der Armut vor⸗ redeten. Leider fänden sich aber noch mehr Thoren, die das glaubten. Der Dichter Boden⸗ stedt spreche von den„langen Ohren“ des Volkes und die Sendlinge des Sozialismus müßten täglich die Erfahrung machen, daß er nicht so unrecht habe. Wir müßten uns deshalb mal das„Glück“, das der Armut anhafte und den „Fluch“, der auf dem Reichtum laste, etwas genauer ansehen. Nun stellte der Redner in wohl durchdachten, teilweise recht satyrischen und humorvollen, auf reiches Zahlenmaterial gestützten Ausführungen, die Lebensverhältnisse des besitzlosen Arbeiters und des reichen Aktio⸗ närs oder Fabrikanten einander gegenüber. Unter Anderem führte er an, daß das Reich für die Unterhaltung eines Soldaten täglich 1 Mk. ohne Kleidung und Wohnung ausgebe. Trotzdem habe man noch nie gehört, daß je ein Soldat an der Fettsucht gestorben sei. Selbst besser situierte Arbeiter könnten aber diesen Betrag bei weitem nicht für den Kopf ihrer Familie ausgeben. Einem Maurer in Halle, der über seine Einnahmen und Ausgaben genau Buch führte, blieben bei einem Jahresverdienste von 1046 Mk. nur 42 Pfg. täglich auf den Kopf seiner Familie für Nahr⸗ ung, wobei er zwei Kinder für eine erwachsene Person rechnete. Hunderttausende von Arbeitern verfügen aber nur über/ bis der Ein⸗ nahme dieses Maurers! Demgegenüber stellte er das Haushaltungs⸗Budget eines Berliner Konfektionärs, der neulich beweglich darüber geklagt habe, daß er mit 12000 Mk. Jahres⸗ einnahme kaum auskommen könne! Dann kam der Redner auf den Zolltarif zu sprechen, der das arbeitende Volk zwinge, den Hunger⸗ riemen noch enger zu schnallen. Wie oft klagten Fabrikanten über die schwere Last, die sie tragen, indem sie Hunderten Ar⸗ beiter Beschäftigung und Verdienst gewährten. Hat jemals ein solcher mit dem Arbeiter ge⸗ tauscht und sich selbst an Hobelbank oder Schraubstock gestellt? Kein solcher Fall sei je bekannt geworden! Das„Glück der Armut“ sei eine Fabel! Lerne deshalb jeder seine Lage erkennen und kämpfe mit in den Reihen der Sozialdemokratie, um das Wohl der Gesamtheit zu begründen!— Gen. Thiel erntete für seine Darlegungen le le Beifall. In Trohe sprach Th. Sonntag Nachmittag in sehr stark besuchter Versammlung über „Politische Tagesfragen“, wobei er den Zoll⸗ tarif, die China⸗Geschichte, die Kolonialpolitik, die gegenwärtige Krise ꝛc. behandelte. Auch hier fand er begeisterte Zustimmung. Sonntag Abend in Heuchelheim war „Die Bibel als Agitationsmittel“ das Vortrags- thema. Hier zeigte der Redner, wie das „Christentum“ der besttzenden Klasse mit den Vorschriften der Bibel im schreiensten Wider⸗ spruch steht. Die gleichfalls sehr gut besuchte Versammlung nahm einen prächtigen Verlauf. Ebenso am Montag Abend in Alten⸗ Buseck, wo das gleiche Thema wie in Gießen gewählt war. Hier betonte Gen. Vetters in der Diskusston, daß wir in Oberhessen mehr Opfer als bisher bringen müßten, wenn wir den Kampf für unsere gerechte Sache wirksam führen wollten. Allen Versammlungs⸗Teil⸗ nehmern haben die Vorträge Thiels recht gut gefallen. — Selig entschafen ist das Gießener „unparteiische“ Organ, die„Gieß. Neueste Nach⸗ richten.“ Sie sind gegangen, ohne ihren Lesern einen Abschiedsgruß zuzurufen. Der Verleger, Dr. Rehm aus Nürnberg, der von Herrn Klebert das Blatt und die Druckerei zu einem respektablen Preise erwarb, ist in Concurs geraten.— Es geht das Gerücht, hervorragende Mitglieder der freisinnigen Partei beabsichtigten das Blatt zu erwerben und es zu einem frei⸗ sinnigen Parteiorgan umzugestalten. Aus dem Rreise friedberg-Püdingen. p. Autisemitische Agitation in Schwalheim. Am Sonntag 12. Jan. hielten die Antisemiten in diesem Orte eine öffentliche Versammlung ab, in der Bürgermeister Gon⸗ dolf, Oberwöllstadt und Otto Hirschel⸗ Offenbach, ersterer über Gründung einer Ge⸗ nossenschaft, letzterer über die Getreidezölle sprachen.— Der Bürgermeister klagte, daß die Regierung zu wenig für die Bauern sorge. Die landwirtschaftlichen Prämierungen seien nur für einige wenige da; in den landwirt⸗ schaftlichen Bezirksvereinen ständen die Kreis⸗ räte an der Spitze, für die Bauern geschehe da auch nichts. Drum müßten sich diese dem hessischen Bauernbund anschließen. Hirschel sprach dann in der bekannten Weise von dem Nutzen, den die Zölle für den Landmann hätten. Das näher nachzuweisen, unterließ er kluger⸗ weise. Doch erwähnte er ebenso wenig, wie sein Vorredner, die Sozialdemokratie. Merk⸗ würdig, sonst find die Herren nicht so zart⸗ fühlend. Genosse Busold ergriff hierauf das Wort und schilderte die Schäden, die durch die Zölle heute schon, und falls der neue Tarif angenommen würde, in noch stärkerem Maße der Bevölkerung und auch den Kleinbauern erwachsen, wobei er sich vielfach auf die Aus⸗ führungen der Vorredner bezog. Schlteßlich machte Redner an der Hand unseres Programms einige Vorschläge zur Verbesserung der bäuer⸗ lichen Verhältnisse, bezeichnete den Zusammen⸗ schluß der Arbeiter und Kleinbauern als wün⸗ schenswert, warnte aber davor, sich unter das Kommando der Firma Böckel, Hirschel und Ko. zu begeben, man solle dabei an die Erfahrungen denken, die andere Vereine bereits gemacht haben. Die Entgegnung der beiden Referenten, Gondolf und Hirschel, fiel sehr lahm aus. Mit keinem Wort versuchten sie Busold zu widerlegen, sondern begnügten, sich mit einigen Richtigstellungen im Uebrigen aber erklärten. sie sich mit seinen Vorschlägen einverstanden. Interessant war, daß, als Genosse Busold seinem Erstaunen Ausdruck gab, daß Hirschel hier ganz anders rede als seinerzeit in Hungen, er erklärte, daß da der Vetters da gewesen sei, der ihn fortwährend in der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung rempele und daß auf einen groben Klotz ein grober Keil gehöre. Nunmehr kam Gen. Kluge aus Dresden zum Wort, der erklärte, daß in Dresden bereits ein großer Konsumverein bestehe, den aber die antisemitische Stadtverwaltung mit einer Erdrosselungssteuer belegt habe. Wenn nun hier von Antisemiten ein derartiger Verein gegründet werden solle, so beweise das, daß man nur Bauerufang treibe. Diese Worte machten auf die Versammlung erstchtlichen Eindruck, den auch die Erklärung Hirschels nicht verwischen konnte, daß die Dresdener Recht hätten und daß ein Unterschied gemacht werden müsse zwischen Bauern⸗ und Arbeiterver⸗ einen.(Ahal) Genosse Rep p machte darauf auf⸗ merksam, daß diese Erklärung beweise, daß die Herren nicht ehrlich seien, sonst könnten sie nach ihren ersten abgehen eine derartige Erklärung nicht abgeben. Sodann bewies er unter Bezugnahme auf das vorher von Gondolf gebrauchte Wort:„Fett schwimmt oben“, wie heutzutage alles was geschaffen werde, immer zu Gunsten der Reichen ausfalle; so verhalte es sich auch beim Zolltarif, bei allen Bewilli⸗ gungen für die Landwirtschaft usw. und wie nur die Umgestaltung dieser Gesellschaftsord⸗ nung eine wirkliche Besserung der Verhältnisse herbeiführen könne. Der reiche Beifall der unseren Genossen zu teil wurde, schien die Herren belehrt zu haben, daß für sie nichts zu holen war, denn sie erhoben sich und machten sich aus dem Staube. Für uns hatte die Ver⸗ sammlung den Erfolg, daß die Gründung eines Wahlvereins beschlossen wurde. Eine konstiturerende Versammlung wird demnächst stattfinden. J. Menschenfreundlicher Seelsorger. Aus Rödgen bei Bad Nauheim schreibt man uns: Am Sonntag wurde ein hiesiger Ein⸗ wohner H. beerdigt. Durch zerrüttete Familien⸗ verhältnisse war er vollständig heruntergekommen und, wie man oft beobachten konnte, manchmal nicht mehr Herr seiner Sinne. In einem solchen Anfalle hatte er seinem Leben selbst ein Ende gemacht. Die Angehörigen desselben schickten zum Pfarrer zwecks kirchlicher Beerdigung. Diese wurde ihnen aber rundweg abgeschlagen. Dadurch wurde die ganze Gemeinde empört und manches Gemeindeglied ging nun mit, das sonst vielleicht nicht mitgegangen wäre. Und als der Zug am offenen Grabe hielt und der Sarg in das Grab gesenkt wurde, da kannte die Wut keine Grenzen. Fast sämtliche Frauen weinten mit den Kindern und vielen Männern standen die Thränen in den Augen. Zahlreiche Verwünschungen wurden gegen den Pfarrer laut, und vielfach hörte man auf dem Pfarrer gemünzte Ausdrücke, die wirklich in keinem Komplimentierbuch zu finden sind. Und warum diese Empörung? Nicht etwa, daß man den Pfarrer Schäfer unbedingt für notwendig gehalten hätte, nein, er hat aber in derselben Gemeinde vorher 2 Selbstmördern die kirchlichen Ehren erwiesen, wovon der letzte Gemeinde⸗ rechner und Kirchenältester war und reiche Anverwandte hat, während der jetzt Begrabene ein armer Teufel war. Rreis Alsfesd-Cauterbach. Ueber seine Thätigkeit im Reichs- tage berichtete am Sonntag der Abgeordnete des Wahlkreises Alsfeld, der Antisemit Binde⸗ wald in einer ziemlich zahlreich besuchten Ver⸗ sammlung in Alsfeld. Etwa ein Drittel der Anwesenden waren Sozialdemokraten. Herr Bindewald besprach in langen Aus⸗ führungen die hauptsächlichsten im Reichstage verhandelten Fragen und seine Stellung dazu. Besonders lange hielt er sich bei dem Zolltarif auf, für den er eintreten zu wollen erklärte, während andere hesstsche antisemitische Ab⸗ geordnete bekanntlich für den 7,50 Mk.⸗Zoll agitieren. Vom Vieh⸗ und Fleischzoll hätte auch der Arbeiter Nutzen, meinte er unter Anderem, denn so mancher unter ihnen mäste sich ein Schwein und sei froh, wenn er dafür beim Verkauf mehr bekomme! Die Weisheit wird gewiß jeden Arbeiter einleuchten und zum begeisterten Wucherzöllner machen! Für die Flottenvermehrung hat er gestimmt, er begeistert sich auch für die Kolonien, die dem deutschen Volke bekanntlich alljährlich ———— a —.— — ———— —.. tern, die erk Agarern, die er 95 berzichten dũiͤlle beseitigt wil 5 90 pidersprucheb. dle heutige Ne Fvilren wegen gel schweren Strafe Päckler, der zu ginge frei aus. bee ke ei der Antisemiten cc Böckels Ze feln. Die 9 würden bon ihne 0 Auf den weitere kommen wir in Aus 0 U. Zu den Raab'schen B. Ni, berichteten, diese in Wirklie als bon uns Behandlung der Darin thuk sich der die Arbeiter 1 wie„Kaffern“? Mann jedenfalls Aheilel, 1 fe J denstes beklagte dem Werke arbe Se hi, wo e Mannes betrug t. Ein D 5 Dersug Aan Werks 5 Gesellsch uubach b. Haig ein Schaben ang lich ermittelt, unbeliebt, Dur dub r ch de d berscherzt Diese altigen Mitteln dern nur dur, Aus dem N —— K— erde, immer aso verhalte 11 Bewilli⸗ b. und wie sellschastsord. r Verpöltnise Beifall der „ schsen die ste nichts zu und machten aͤtte die Ver⸗ Undung eines hurde. Eine d demnächst deelsorger. schreibt man hiestger Ein⸗ ete Familien stergekommen te, manchmal einem solchen lbst ein Ende Aben schickten Beerdigung. abgeschlagen. inde empört nun mit, ingen Wäre. be hielt und he, da kannte tliche Frauen len Männern Zahlreiche den Pfarrer dem Porter in kelnem Und warum ab man der notwendig in derselben die kirchlichen Gemeinde 1 por und nend der fekt ib. im Reichs“ Agde i bing fac de ldemokte, Gendarmen geschildert wurden. Nr. 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. etwa 30 Millionen Mk. kosten. Für die Lex Heinze, die Renovierung der Hohkönigs⸗ burg, die Prügelstrafe war er nicht zu haben. Hierin stimmte ihm Gen. Vetters, der in der Diskussion das Wort ergriff, zu. In⸗ dessen andere Antisemiten hätten zu diesen Dingen eine gegenteilige Stellung eingenommen. Mit Recht habe Herr B. die Auflackierung der alten Ruine im Elsaß als die Liebhaberei einer hohen Person bezeichnet, dies treffe aber auch auf die Flotte zu, die dem Volke un⸗ eheure Opfer koste, während die Panzerplatten⸗ abrikanten riesige Profite einsackten. Dann wandte sich Vetters eingehend dem Zolltarif zu, gegen den er die zahlreichen, gewichtigen, in diesem Blatte schon mehrfach berührten Ar⸗ gumente vorbrachte. Wenn ohne die Erhöhung der Zölle die Landwirtschaft zu Grunde gehe, dann sei es unverantwortlich von gewissen Agrariern, die erklärten, auf die landwirtschaftl. Zölle verzichten zu wollen, wenn die Industrie⸗ zölle beseitigt würden. Solche Stellungnahme sei widerspruchsvoll.— V. berührte dann noch die heutige Rechtsprechung. Arbeiter wären wegen geringfügiger Uebertretungen zu schweren Strafen verurteilt worden, Graf Pückler, der zu Gewaltthätigkeiten aufreize, ginge frei aus. Auch bei der 12000 Mk.⸗ Bettelei habe sich kein Protest aus der Reihen der Antisemiten vernehmen lassen, die übrigens nach Böckels Zeugnis in vier Parteien zer⸗ fielen. Die Interessen des Gesamtvolkes würden von ihnen nicht wahrgenommen.— Auf den weiteren Verlauf der Versammlung kommen wir in nächster Nr. zurück. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Zu den Lohndrückereien in dem Raab'schen Betriebe, von denen wir in letzter Nr. berichteten, wird uns noch mitgeteilt, daß diese in Wirklichkeit noch viel schlimmer seien, als von uns geschildert. Auch die sonstige Behandlung der Leute ist geradezu skandalös. Darin thut sich besonders Raab jun., hervor, der die Arbeiter mit allerhand Titulationen, wie„Kaffern“ ꝛc. belegt. Das versteht der Mann jedenfalls unter„Bildung“.— Einem Arbeiter, der sich wegen seines geringen Ver⸗ dienstes beklagte und der bereits 25 Jahre auf dem Werke arbeitet, wurde gesagt:„Gehen Sie hin, wo Sie wollen!“ Der Lohn des Mannes betrug 1.08 täglich! t. Ein Dynamit⸗ Attentat wurde am Dienstag Abend gegen den Direktor der Berg⸗ werks ⸗Gesellschaft„Constanze“ in Langen⸗ auba ch b. Haiger verübt. Doch wurde weiter kein Schaden angerichtet. Der Thäter ist noch nicht ermittelt. Der Direktor V. ist äußerst unbeliebt. Durch raffinierte Lohndrückereien dc. hat er sich die Willigkeit der Arbeiter gründlich berscherzt. Diese können allerdings mit der⸗ artigen Mitteln ihre Lage nicht verbessern, sondern nur durch die Organisation. Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. St. Das diesjährige Winterfest der Marburger Gewerkschaften, welches am vergangenen Sonntag Abend im Saale des Café Quentin stattfaud, erfreute sich eines außer⸗ ordentlich starken Besuches und nahm einen recht schönen, befriedigenden Verlauf. Nachdem das Fest durch einige Konzertstücke der Kapelle Paul eingeleitet war, hielt unser Gen. Krum m⸗ Gießen die Festrede, in welcher er auf die Berechtigung und Wichtigkeit der Arbeiter⸗ bewegung, sowie auf die Bedeutung der gewerk⸗ schaftlichen Organisation für die Arbeiterfamilie inwies; er erntete für seine trefflichen Aus⸗ 1 stürmischen Beifall.— Nach einer lurzen Pause begann die Aufführung eines Theaterstückes, in 125 in alben 5 i i es allzu eifrigen„schn die Schicksale ein 3 9 910 Balele spielten ihre Rollen recht gut und wurden lebhaft applandift, Auch die Gesangsvorträge des Gesangvereins„Eintracht“ zeugten von fleißigem Einstudieren und wurden sehr beifällig aufgenommen, ebenso die gediegenen Musikvor⸗ träge der hiesigen Kapelle Pauli, welch' letztere wir auch unseren auswärtigen Genossen aufs beste empfehlen können. Ein gemütliches Tänzchen, welches die Festteilnehmer noch längere Zeit beisammen hielt, beschloß die Feier. —„Eintracht“. Am Sonntag, den 26. Januar d. J. nachmittags ½4 Uhr, findet in der Restauration D. Jesberg hier eine Generalversammlung des Gesangvereins„Ein⸗ tracht“ statt, zu welcher sowohl die aktiven wie die passiven Mitglieder dringend um ihr Er⸗ scheinen ersucht werden, da es sich um die Beratung äußerst wichtiger Vereinsangelegen⸗ heiten handelt. — Arbeiterfreundlichkeit. In der vorletzten Sitzung unserer Stadtverordneten, wurde auch darüber verhandelt, ob es nicht angebracht sei, die Löhne der städt. Holzhauer etwas zu erhöhen, da die fiskalischen Holzhauer ebenfalls eine Lohnerhöhung erhalten hätten. Der Stadtverordnete A. Schäfer meinte, da jetzt eine große Arbeitslosigkeit herrschte, wäre eine Lohnaufbesserung nicht nötig, man könne ja Arbeiter genug bekommen. Die Versammlung stimmte jedoch der Gleichstellung der städt. Arbeiter mit den fiskalischen zu und erhalten diese also in Zukunft die gleichen Löhne. Wie hoch sich dieselben eigentlich belaufen, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Es wird wohl so glänzend nicht damtt bestellt sein. Herrn Schäfer wünschen wir aber, daß er ein⸗ mal eine Zeit lang bei der anstrengenden körperlichen Thätigkeit jener Arbeiter mit dem Lohne derselben fürlieb nehmen müßte, dann würde er sich künftig wohl eines Besseren besinnen. Kleine Mitteilungen. Kein Weiberfeind ist der achtzig⸗ jährige Pastor Andel in Königsberg bei Gladenbach. Vor einiger Zeit verheiratete er sich zum zweiten Male, vier Monate nach dem Tode seiner ersten Frau. Die Braut stand im dreißigsten Lebensjahre. * Sechs Personen getötet! Aus Obermoschel(Pfalz) wird berichtet: In dem Hause des Kaufmanns Kasimir Schmidt II. wurden dessen Frau, 4 Kinder und die Magd durch Kohlenoxydgas vergiftet tot aufgefunden. Schmidt wurde als der absichtlichen Vergiftung verdächtig in Haft genommen. Theater⸗Brand. Das Hoftheater in Stuttgart ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag total ausgebrannt. Das Feuer brach auf dem Schnürboden aus und teilte sich in Kurzem dem ganzen Dachstuhl mit. Nur mit größter Anstrengung konnte die Feuer⸗ wehr des Brandes Herr werden, lange Zeit bestand die Gefahr, daß das in nächster Nähe des Theaters befindliche Schloß mit von den Flammen ergriffen werden würde. Vom In⸗ ventar konnte nur wenig gerettet werden, Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen, doch erlitten einige Feuerwehrleute Verletzungen. ** Kämpfer für Religion, Sitte und Ordnung. Aus Neustettin berichten die Blätter: Wegen Notzucht, begangen an Mädchen von 12 bis 15 Jahren, sind hier 17 Personen verhaftet worden, alles Männer aus besseren Ständen. Eine Frau, welche ihre eigenen Kinder und andere dazu angehalten hat, ist ebenfalls verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Im Zeichen der Krise. Die gegenwärtige schlechte Geschäftskonjunk⸗ tur macht sich auch in dem Industrie⸗Gebiet der Siegener Gegend außerordentlich fühl⸗ bar. Viele Arbeiter sind beschäftigungslos, viele mußten sich Lohnabzüge gefallen lassen. Während des besseren Geschäftsganges haben die Schlotbarone und Grubenbesitzer die Arbeiter nach Herzenslust ausgebeutet, mangels jeder gewerkschaftlichen Organisation war es letzteren aber nicht möglich, bessere Lohn- und Arbeits⸗ bedingungen sich zu erkämpfen. Die Löhne blieben niedrig, indessen die Kapitalisten Riesen⸗ profite einheimsten. Unter diesen Verhältnissen haben natürlich auch die kleinen Geschäftsleute zu leiden. Wie es aussieht, geht aus einem Briefe hervor, den ein Kaufmann von einem seiner Kunden in Mittelfisch bach bei Siegen erhielt und worin es heißt: „Herrn S.... Sie haben mir die Rechnung geschrieben. Ich kann aber mit dem besten Willen nicht bezahlen, denn ich habe seit dem Oktober gearbeitet und von 4 Monaten noch das Geld zu fordern, denn dies ist doch gewiß keine Kleinigkeit und jetzt sind die Leute abgeschickt worden und arbeitslos. Denn die Gesellschaft, welchen sämtliche Gruben gehören, haben Konkurs ge⸗ macht und voraussichtlich werden wir das Geld auch noch nicht bekommen. So wie ich kann, werde ich be⸗ zahlen, aber wenn man nichts hat, kann man nicht und wenn man noch so gern will. Bei uns ist es sehr traurig, denn allenthalben werden Einstellungen gemacht und gekündigt. Wir werden hoffentlich bald wieder bessere Zeiten bekommen, sonst giebt's Hungersnot.“ Möge die Hoffnung des Mannes hald in Erfüllung gehen! Der Empfänger des Briefes teilt uns übrigens noch mit, daß der Schreiber des Briefes bis vor einigen Monaten stets pünktlich bezahlt habe. Ueber das schreckliche Grubenunglück im Jupiter⸗Schacht bei Brüx(Böhmen) erzählt der gerettete Wächter Trunschka, der am Schachte das Alarmsignal gab: Ich stand auf meinem Posten. Früher schon hörte ich, daß der Plan unruhig sei, aber er beruhigte sich wieder. Kurz vor Mittag begann es plötzlich zu brausen und zu pfeifen. Es entwickelte sich ein starker Luft⸗ Versammlungskalender. Samstag, den 25. Januar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 1/9 Uhr Versammlung bei R. Steinmüller. Marburg. Konsumverein. Abends 9 Uhr bei D. Jesberg. Steinberg. Arbeiter⸗Verein. Abends 8 Uhr Versammlung auf der Wilhelmshöhe. Tages⸗ Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Rechnungs⸗ ablage; 2. Neuwahl des Vorstandes, 3. Kreis⸗ konferenz und Wahl eines Delegierten. Montag, den 27. Januar. Alten⸗Buseck. Volks verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Wilh. Becker. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. Gießen. Schneiderverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 29. Januar. Gießen. Metallarbeiter versam mlung auf Lony's Bierkeller. Siehe Inserat. Freitag, den 31. Januar. Gießen. Fabrik⸗ und Hilfsarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Samstag, den 1. Februar. Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends ½9 Uhr Generalversammlung im Lokale Orbig. Tagesordnung: Kassenbericht, Vorstandswahl, An⸗ träge zur Kreiskonferenz und Delegiertenwahl. Partei-Uachrichten. Th. Bömelburg, der Vorsitzende des Maurer⸗ verbandes, wurde als Reichstagskandidat für den Kreis Dortmund⸗Hörde aufgestellt. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Kreiskonferenz in Gießen. Sonntag, den 2. Februar 1902, Vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom zweiten Halbjahr 1901 und Neu⸗ wahl des Vertrauensmannes. 2. Organisation und Agitation im Kreise. 3. Allgemeine Anträge. Nach den Organisationsbestimmungen kann jeder Ort bis zu drei Delegierten entsenden. Auch in solchen Orten, in denen ein Verein nicht besteht, können Delegierte ge⸗ wählt werden. Zu diesem Zwecke sollen die Vertrauens⸗ leute am Orte die Genossen zusammenberufen und die Wahl vornehmen lassen. Mehrere Orte können sich auf einen Delegierten einigen.— Mandats formulare sind bei dem Vorstandsmitgliede Orbig in Gießen erhältlich. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Brieftasten. Mußte leider mit noch anderen Ein⸗ Besten Dank! Haiger. sendungen zurückgestellt werden. ö 7 ˙ Seite 6. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 4. druck, und bald darauf entstand ein furchtbares Getöse. Jemand schrie:„Jetzt ist der Abbruch eingegangen!“ Ich gab das Alarmstgnal nach beiden Seiten des Schachtes hin, drückte kräftig an den Apparat und suchte mich dann selbst zu retten. Hinter mir her stürzten in eiligem Laufe einige Genossen. Wir mußten ungeheuer schnell laufen, denn wir hörten hinter uns das Getöse des hereinbrechenden Wassers. Die Strecke von fast tausend Meter haben wir in kaum zwei Minuten zurückgelegt. Allerdings sind wir nicht Alle an's Ziel gekommen; denn Einige stürzten und konnten sich nicht wieder erheben. Ich habe schon wiederholt am Schacht auf Posten gestanden und bei Wassereinbrüchen alarmiert. Immer konnten sich noch alle Leute retten. Mit solcher Schnelligkeit wie diesmal, ist aber das Wasser noch nie hereingebrochen; hätten wir nur ungefähr uuf Minuten Zeit gehabt, es hätten sich ruhig Alle retten können. Viele Leute haben ihr Leben dem Ingenieur Binder zu verdanken. Er ist mit brennender Lampe in die Strecke hinausgetreten. Als durch den Luftdruck alle anderen Lampen er⸗ loschen waren und der ganze Schacht in tiefe Finsternis gehüllt war, da hielt er seine Lampe in die Höhe und rief die Leute an, so daß sie den Weg zu ihm finden konnten. Der Berg⸗ arbeiter Lumbe erzählt: Ich bin nicht ohne Sorge eingefahren. Man sprach davon, daß der Plan unruhig sei, ich konnte ein Gefühl der Angst nicht los werden und glaubte fort⸗ während das Brausen von strömendem Wasser zu hören. Ich schaute fortwährend die Strecke entlang, im Falle der Gefahr den Weg mir einzuprägen. Diese Vorsicht rettete mir mein Leben, denn im selben Augenblicke, als das Alarmsignal ertönte, verlöschte ein gewaltiger Luftdruck, der uns einige Schritte weit nach vorn schleuderte, unsere Lampen. Ich aber hatte mir den richtigen Weg fest eingeprägt, und in der Finsternis rannte ich mit seitwärts ausgestreckten Armen, so schnell mich meine Füße trugen, nach vorwärts, mehr springend als laufend. Unaufhörlich hörte ich das brau⸗ sende Wasser und glaubte, daß mir es schon auf den Fersen sei. Plötzlich sah ich von Weitem ein Flämmchen. Es war die Lampe des In⸗ genteurs Binder, der mitten in der Strecke mit hocherhobenen Händen stand und immerfort rief: „Hierher, hierher!“ So erreichte ich den Aus⸗ gang und warf mich mit einigen Kollegen, zu Tode erschöpft, auf die Förderschale. Gleich hinter mir sprang Binder auf die Schale, und auf dessen Signal wurden wir sofort in die Höhe gezogen. Bergmann Joseph Mayer sagt, daß auch er nur dem Ingenieur Binder sein Leben zu verdanken habe. Ein alter Arbeiter erzählte dem Berichterstatter der„Bohemia“: Es war eine wahnsinnige Flucht. Unsere Lichter verlöschten in Folge des Wetters, das durch den Einsturz entstanden war. Mancher rannte in der Dunkelheit einen Kameraden nieder, mancher stieß mit solcher Heftigkeit an einen Hunt an, daß er liegen blieb. Der Lärm, den die hereinbrechenden Gase und Wassermassen machten, waren ohreubetäubend. In der Strecke kam uns unser Betriebsleiter entgegen. Meine Lampe brannte noch. Er hob sie in die Höhe, damit sie von tieferliegenden schweren Gasen nicht auch ausgelöscht werde, und rief uns zu: „Jungens, rasch zur Schale! Schaut, daß Ihr hinauskommt. ich Alles herausbriuge. Es ist die höchste Zeit!“ Dies waren seine letzten Worte. Bei der Schale angelangt, sprang Jeder von uns wie wahnsinnig in dieselbe hinein. Wir hielten uns 10 bis 12 an der Schale fest, um hin⸗ aufzukommen. Drei Mal ging die Schale auf und nteder, beim vierten Mal blieb sie unten stecken. Sie steckt noch immer unten. Der brave Obersteiger, der auf seinem Platze aus⸗ geharrt hat, obwohl er früher als Jeder von uns flüchten konnte, dürfte Einer der Ersten gewesen sein, welche umgekommen sind. Daß wenigstens 73 Mann gerettet wurden, ist nur ihm zu danken. Die Zahl der Verunglück⸗ ten beträgt 43.— Die Verdämmungs⸗ und Bergungsarbeiten gehen langsam vor sich, da auch weiterhin größte Vorsicht geboten ist. See wußten es alle. Ich muß weiter hinein, damit Teil. e 5 Unterhaltungs⸗ Bankrott. Von F. Schwarz. Nun war's heraus! Er reckte die Arme wie einer, dem eine schwere Last abgenommen worden, und seine Brust hob sich in einem tiefen Atemzug. Nun war's heraus! Um diese Zeit Fast regte sich etwas wie Neugier in ihm. Er hätte unsichtbar zugegen sein mögen, um zu sehen, welchen Eindruck die Kunde an der Börse hervorbrachte, daß das Haus Helfinger falliert habe. Haus Helfinger. Das alte solide Geschäft, das fest gestanden wie ein Fels im Meer nun schon vierzig Jahre. Der Mann stöhnte und bedeckte die Augen mit der Hand. Und sie wußten noch nicht alles. Aber das wird kommen. Leise, wie ein Windhauch, wird es aufspringen, da und dort... sie werden es sich in die Ohren flüstern und eines Tages wird es einer ausschreien, laut... auf offnem Markte, daß Karl Helfinger ein Betrüger und ein Dieb! Der Mann fuhr herum. Wer hatte das gesagt, wer hatte gewagt, das zu sagen?! Karl Helfinger ein Betrüger und ein Dieb? Karl Helfinger? Fragt doch Land auf, Land ab, ob da eiuer ist, der Karl Helfinger nicht sein Ver⸗ mögen, mehr noch, der ihm nicht seine Ehre in die Hände gelegt hätte, unbedenklich und vertrauensvoll. Und der ein Betrüger und ein Dieb? Es schüttelte den einsamen Mann. Dann aber raffte er sich auf. Mochten sie! Mochten sse kommen, alle— alle! Mochten sie mit Fingern auf ihn zeigen! Ja, er hatte ein Leben der Lüge geführt und der inneren Schmach. Nicht seit heute, seit gestern— seit vielen, vielen Jahren schleppte er die Last mit sich herum, und je mehr sich die äußeren Ehren häuften, je höher er stieg in der Achtung seiner Mit⸗ bürger, um so wuchtender hatte sie sich auf ihn gewale,. Nun war er frei! Um welchen Preis Pah, was fragte er danach... Er war frei! Und wieder hob ein schwerer Atemzug die Brust und es irrlichterte fast wie ein Lächeln über das verfallene Gestcht. Frei! Sie mochten kommen! Sie kamen! Sie kamen von allen Seiten, aus allen Ecken und Enden, es wurden ihrer mehr und mehr. Kleine Leute, die ihr letztes Scherflein gebracht hatten, große Bankiers, die mit großen Summen darin steckten und sich nun Vorwürfe machten über ihre unverzeihliche Vertrauensseligkeit, Freunde, Verwandte, die „aus Gefälligkeit“ Gelder hergeliehen, Wechsel unterschrieben hatten. Das Wässerlein der Verschuldung wuchs und schwoll und wurde zum tosenden Meer, und aus den Vorwürfen wurden Verwünsch⸗ ungen und Flüche, und leise Vermutungen und Andeutungen verdichteten sich zu Anklagen, bis es plötzlich da war, riesengroß, das Gespenst der Schande und mit aufgehobenem Finger hin⸗ deutete und sagte:„Da ist er, der Dieb, der Fälscher!“ An Karl Helfinger prallte alles ab. Er schien völlig stumpf geworden und empfindungs⸗ los. Dem Jammern von Frau und Töchtern entzog er sich in barscher Weise oder ließ es teilnahmlos über sich ergehen. Auf die An⸗ klagen und Vorwürfe der Verwandten und Freunde hatte er nur ein müdes:„Ja, Ihr habt recht, ich bin ein schlechter Mensch, bin ein Betrüger und Dieb, bin des Vertrauens nicht wert, das Ihr mir geschenkt habt; aber nun bin ich's los... bin... es los mag kommen, was da will!“ ——— 2 Und wenn von da und dort eine Hiobsbot⸗ schaft eintraf, die Kunde kam von dem Ruin dieses guten Freundes, dem Untergang jenes kleinen Mannes— o, es waren ihrer viele, die er nach sich gezogen hatte—, wenn er die Verachtung fühlte, die ihn traf, wo immer er sich blicken ließ, wenn die Fäuste sich ballten gegen ihn, bei dessen Anblick sonst die Mützen und Hüte geflogen, wenn er im blassen Antlitz seiner Schwiegersöhne und Töchter die Anklage las, die sich gegen ihn dort eingrub, denn er hatte auch sie um den letzten Heller ihres Ver⸗ mögens gebracht, dann hatte er für alles das nur ein müdes Achselzucken. Er hatte das kommen sehen, in langen, qualvollen Stunden hatte er, der Menschenkenner, sich das abspielen sehen,— nun es da war, was war es ihm? Nur einmal schien sein stumpfer Gleichmut ihn verlassen wollen. Klaus Grolemann, der einzige Sohn seiner verstorbenen Schwester, kam, um Rechenschaft von ihm zu fordern. Er war dem Onkel näher gewesen, als dessen eigene Kinder, seine Ent⸗ wicklung, seine ganze Lebensrichtung hatte er aus seiner Haud empfangen. Ihm auch dankte er die Kassiererstellung an der M.'schen Bank, und als er vor einigen Jahren eine vermögende Waise heimgeführt, hatte er, dem sehr ein⸗ leuchtenden Rate des Onkels folgend, das Ver⸗ mögen seiner Frau nicht in niedrig verzinsten Staatspapieren oder gar in unsicheren Speku⸗ lationswerten angelegt,— sondern es in das Geschäft des Onkels gesteckt. Das war sicherer als das sicherste Papier und brachte ihm sechs Prozent Zinsen. „Du sollst nicht glauben, daß ich's in meinem Juteresse thue, wenn ich Dir rate, Dein Geld in meine Hand zu legen, besonders da Du mit solcher Hartnäckigkeit jede Sicherstellung Deines Kapitals abweist!“ Onkel den hohen Zinssatz.„Pah, Sicherstellung, Onkel“ hatte er damals übermütig geantwortet, „das wäre gerade, als ob ich eine Sicherstellung dafür verlangen wollte, daß morgen die Sonne aufgeht. Du erweisest mir eine Gefälligkeit und verhilfst mir außerdem geradezu zu Wucher⸗ zinsen. Wird sich mein Frauchen freuen!“ Und un „Warum hast Du mir das gethan? Waun f Es glühte wie verzehrendes Feuer aus den dunkeln Augen des jungen Mannes, der mit verwildertem Haar und Bart, in den die letzten Wochen silbergraue Fäden eingestreut hatten, vor der im Lehnstuhl zusammengesunkenen Gestalt des Onkels stand. „Was hab' ich Dir mehr gethan als den Andern, was mehr als meinen eignen Kindern?“ kam es mit einer Art versagenden Trotzes aus dem Mund Helfingers. Der junge Mann lachte auf. mißtönendes Gelächter, Schluchzen endigte. „Was Du mir gethan hast... was mehr wie den andern? Wart, Onkelchen, ich will Dir's aufzählen, hübsch der Reihe nach und das kleinste zuerst. Also Du hast mich um mein Vermögen bestohlen, hast mich zum Bettler gemacht, und hast es gewußt... gewußt, daß Ein lautes, das wie in einem es so kommen würde, in demselben Augenblick, in dem Du vor fünf Jahren den Vertrauenden So, das hast Jetzt in Deinen Schlingen fingst... Du gethan und das ist das kleinste. merk weiter auf: Gestern früh habe ich meine das ist Nr. 2. Und als Martha nun auch noch das erfährt...“ Die Stimme des Mannes schwankt, und er tastet wie hilfesuchend durch die Luft,„da fängt sie an zu lachen... und zu lachen und zu lachen lachen Ha haha. Und er lachte wieder auf, schrill und schneidend, daß der Mann im Sessel sich wand wie in körperlicher Pein. (Fortsetzung folgt.) ——— Damit begründete der r eich meine ahnhet, Entlassung bekommen. Man wolle mir persönlich 190 nicht nahe treten, gewiß nicht, aber ich müsse einsehen... begreifen... von ihrem Kassierer müßten sie auch Kautton verlangen; man habe bei mir davon abgesehen, aber nun. So, lachen 5 sünde, de das 1 Spallilge teile Pitten können. 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In erster Linie ist die zunehmende Lebens⸗ verfeinerung für die gleichfalls zunehmende Zahnverderbnis verantwortlich zu machen. Vor allen Dingen richtet der andauernde Genuß von nährsalzarmem, weichem, weißem Brode die Zähne zu Grunde. Ueberall dort, wo seit Alters her ein hartes Roggenbrod gegessen wird, sind die Zähne verhältnißmäßig gut erhalten. Ein geradezu schlagendes Beispiel für den Einfluß des Brodes auf die Zahnverderbnis liefert das badische Dorf Ihringen. Im Laufe von sieben Jahren sind dort drei Mal die Zähne sämtlicher Schulkinder untersucht worden. Im Jahre 1893 fand Röse in Ihringen 29,2 pCt. Kinder mit völlig gesunden, tadellosen Gebissen. Nach drei Jahren, 1897, war nach den Unter⸗ — uchungen von Bartels diese Zahl bereits auf Nach weiteren vier Jahren, 1901, fand Röse gar nur noch 9,4 pCt. Kinder mit tadellosen Zähnen. Das Rätsel löste sich bald. Noch vor sieben Jahren aßen die Bauern in Ihringen durchweg ein hartes Roggenbrod, das sie aus eigenem, an Ort und Stelle vermahlenem Getreide selbst backten. Heute verkaufen sie ihren Roggen und kaufen dafür beim Bäcker das gleiche schwammige, weiche Brod, das im benachbarten Freiburg gegessen wird. In zweiter Linie ist der Kalk⸗ und Nähr⸗ salzgehalt der Nahrung und des Trinkwassers für die starke Verbreitung der Zahnverderbnis in gewissen Gegenden verantwortlich zu machen. Auf kalkreichem Boden findet man in der Regel Menschen mit gut gebauten widerstandsfähigen, weißgelben oder elfenbeingelben Zähnen; in kalkarmen Orten dagegen sind die Zähne durch⸗ schnittlich grau oder weiß gefärbt und weniger widerstandsfähig. Zahlenmäßig genau läßt sich der Einfluß des verschiedenen Bodens natürlich nur in solchen Gegenden feststellen, wo im übrigen enau die gleichen Lebensgewohnheiten und assenverhältnisse vorliegen. Das ist zum Beispiel in der schwedigen Landschaft Dalarne der Fall. Die dortigen rein germanischen Bauern essen durchweg jenes harte schwedische Knäckebrod, das nur zweimal im Jahre, je auf sechs Monate im Voraus, gebacken wird. Außerdem haben ste überall die eigentümliche Gewohnheit, Fichtenholz zu kauen, eine Unsitte, die der Volksmund in den schwedischen Städten irrigerweise für den guten Zahnbau der Dalarner verantwortlich macht. Röses Erhebungen bei dem Dalarnerregimente in Rommehed zeigten nun das überraschende Ergebnis, das durchaus nicht alle Dalarner gleich gute Zähne haben. Rings um den Siljansee liegt mitten im Ur⸗ gebirge ein Streifen kalkhaltigen Silurbodens. Dort in Lecksand und Nättvik kommen die herrlichen gelben Zähne vor, die im kalkarmen Stockholm Bewunderung erregen. Die Zahl der tadellosen Gebisse bei den Soldaten aus diesen zwei Dörfern beträgt 33—38 pct. Schon in der Gemeinde Mora, die nur zur Hälfte auf Kalkboden liegt, sinkt die Zahl der cariesfreien Gebisse auf 11¼ pCt., im kalk⸗ armen westlichen Dalarne(Transtrand und Malung) beträgt sie gar nur noch 2 pCt., und die Zähne sind dort vorwiegend grau oder weiß gefarbt. Einen dritten Hauptgrund für die zunehmende Zahnverderbnis bildet die zunehmende Unfähig⸗ keit oder Unlust der Frau ihre Kinder zu stillen. Gestillte Kinder haben unter sonstigen gleichen Verhältnissen stets bessere Zähne, als künstlich genährte. Schlechte Zähne und damit ver⸗ bundene mangelhafte Verdauung können ander⸗ seits wiederum die gute Entwickelung der Brustdrüsen beeinträchtigen. Predigt an die Genossen! Ihr lieben Genossen! Der Friede mit Euch! Doch will man den Streit just, uns ist es gleich.— Ich muß es Euch heute doch einmal sagen, Was mir am Herzen liegt und im Magen: Ich bin überzeugt, Ihr erwägt es mit Nichten, Wie Ihr erfüllen sollt Eure Pflichten!—— Mit dem bloßen sich ein„Genosse“ nennen Oder ab und zu in Versammlungen rennen, Eine rote Cravatte unter dem Kragen, Einen breiten Hut auf dem Kopfe tragen, Oder beitreten irgend einem Verein, Werdet Ihr das geknechtete Volk nicht befrei'n! Vor Allem sollt Ihr pünktlich erscheinen In Euren Gewerkschafts⸗ und Fachvereinen. Doch nicht genug, daß Ihr hinkommt allein: Zieht auch die Indifferenten hinein! Denn nur, wenn Alle zusammenhalten, Werdet Ihr Euer Los auch besser gestalten: Wenn Ihr Alle einig seid übers Ziel, Habt Ihr mit den„Herren“ ein leichtes Spiel! Doch die Gewerkschaften thun's nicht allein; Tretet in politische Vereine ein. Den Machthabern muß es zu Ohren dringen: Das Volk ist gewillt, sein Recht zu erringen, Lang genug hat man es genarrt und betrogen, Es ist nicht„unreif“. Das ist erlogen!— Doch auch hier sollt Ihr nicht allein erscheinen. Bringt jeder Genosse nur jährlich Einen Herbei aus der indifferenten Schar, Verdoppelt sich unsere Zahl im Jahr! Denn nur wenn wir in Riesenmassen Hinaus es schreien auf alle Straßen, Dann werden wir ihre Ruhe stören, Dann müssen und werden sie endlich hören!—— Nicht Jeder kann schaffen in großer Weise, Doch Jeder kann wirken in seinem Kreise. Beim Riesengebäude, das wir errichten, Muß sich der Stein zum Steine schichten. Und Allgewaltiges wird gethan, Wenn Jeder leistet, was er eben kann: Doch Ihr, Genossen, ich muß es sagen, Könntet weit mehr Steine zum Baue tragen! Doch genug von dem; ist's auch noch so sündlich, Ihr bereut, ich weiß es, und bessert Euch gründlich! Nun aber muß ich zu Eurem Frommen Auf einen Punkt, einen wunden, kommen.— Die Presse wird heutzutag, wie bekannt, Die sechste Großmacht mit Recht genannt. Ihr seht es auch deutlich allerwegen, Welchen Wert selbst die Machthaber auf sie legen.— Wie aber sieht es bei Euch da aus? Ich muß es Euch sagen: Es ist ein Graus! Anstatt mit aller Kraft jene Waffen, Die für Euch kämpfen, Euch selbst zu schaffen, Legt Ihr die Hände bequem in den Schooß, Sehet ruhig zu und wartet bloß. Ich weiß ja, Alle von Euch trifft dieser Vorwurf nicht, Doch ein großer Teil versäumet hier seine Pflicht.— Daß Ihr die„Mitteldeutsche“ lest in Eurem Vereine, Ja, Genossen, das thut es noch nicht alleine! Gar Mancher von Euch ist in der Lage, Sie selbst sich zu kaufen, das ist keine Frage, Doch er will die paar Pfennig nicht einmal wagen. Das ist eine Schande, ich muß es Euch sagen! Und kann es nicht Einer, in Gottes Namen, So haltet Mehrere eben zusammen. Ein Jeder trage nach Kräften bet, Auf daß unser würdig die Auflage sei. Laßt die Bourgeois selbst ihre Lügen studieren, Lest Eure Blätter und nicht die ihren! Und wer in dem Punkte sich fühlt getroffen, Der möge sich bessern, ich will es hoffen.—— Doch, meine lieben Genossen, zum Schluß Eine Frage ich noch stellen muß: 5 Wie sieht es denn, ehrlich gestanden, zu Haus, Im Schooße Eurer Familie aus? Könnt Ihr mir offen ins Auge schauen, ) Caries- Knochenfraß. Wenn ich Euch frage: Wie steht's mit den Frauen? Auch lege ich es arfs Herz Euch nicht minder: Erzieht zu Genossen Eure Kinder! Nicht wir allein pll'n der Sache dienen, Des Volkes Zukunft, sie liegt in ihnen. Erzögen auch Andere sie geru zu Knechten, Seid ihnen ein Beisptel, seht selbst nach dem Rechten, Proletarier alle, steht einig zufammen, Die Zukunft ist unser! In Ewigkeit, Amen! r Humoristisches. Serenissimus ging spazieren. Als leutseliger Fürst pflegte er die Spaziergänger anzureden. Und so that er es auch an diesem Tage, als ihm ein altes kleines Männchen begegnete.„Was sind Sie?“ fragte der gurherzige Fürst.„J bin a Künstler,“ antwortete das Männlein.„So? So; hoffentlich kein moderner? Was machen Sie für Sachen?“—„Regenschirm mach i,“ antwortete das Männlein.„Regenschirme? Aber das ist doch keine Kunst.“—„Machen S' amal dan, wenn's koa Kunst is,“ antwortete das Männlein. Serenissimus war betroffen und versank in tiefes Nach⸗ denken, als er sich entfernte.„Sollte wirklich Kunst dasjenige sein, was wir nicht können?“ fragte er sich⸗ Abends ließ er noch den Minister kommen und legte diesem die Sache vor.„Durchlaucht,“ sagte dieser„Sie müssen unterscheiden zwischen Kunstfertigkeit und Kunst. Bei der ersteren, der Kunstfertigkeit, kann nur derjenige mitreden, welcher was gelernt hat; bei der Kunst ist das nicht notwendig. Sie ist Gemeingut.“ (Simplicissimus.) Geschichtskalender. 1901: Bülow's Erklärung für Lissaga⸗ 26. Januar. Brotzoll im Landtag. 27. 1901: Verdi, Komponist gestorben. ray, Geschichtsschreiber der Kommune gestorben. 28. 1888: Lockspitzeltreibereien der Berliner Po⸗ lizei im Reichstage enthüllt, 29. 1896: Arbeitslosen⸗Massenversammlungen in Berlin. 30. 1646: Karl I. von England geköpft. land Republik. 31. 1893: Zukunftsstaatsdebatte im Reichstage. 1. Februar. 1558: Universität Jena gegründet. 2 Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebotene. 16. Januar: Heinrich Roth, Kaufmann dahier mit Ottilie Starck in Frankfurt a. M. 17. Adam Wettach, Kaufmann dahier mit Marie Melchior in Frankfurt a. M. 21. Karl Dambmann, Feldwebel dahter mit Emma Wagner in Bottenhorn. Geborene. 11. Januar: Dem Konzertunter⸗ nehmer Adolph Mackense e. S. 13. Dem Kaufmann Ferdinand Krämer e. S. Dem Fuhrknocht Karl Schmidt e. S. Dem Schreiner Joseph Langer e. S, 15. Dem Fabrikarbeiter Innocenz Krack e. S. Dem Taglöhner Eberhard Schmidt e. T. 16. Dem Sergeant Heinrich Wurm e. T. Dem Schneider Kaspar Volland e. T. 19. Dem Tapezier Christian Arnold e. S. Dem Bremser Peter Fackiner e, S. 21. Dem Taglöhner Johannes Schäfer e. T. Gestorbene. 17. Januar: Heinrich Brück, 9 Monate alt. 20. Christian Pitzer, 36 Jahre alt, Kut⸗ scher. Georg Stebhany, 53 Jahre alt, Betriebswerk⸗ meister. Marie Kliffmüller, geb. Stohr, 72 Jahre alt, Ehefrau. Heinrich Hof, 20 Jahre alt, Fabrikarbeiter. Georg Balser, 41 Jahre alt, Agent. 22. Er nestine Schlitt, 1 Jahr alt. Eng⸗ — — Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 23. Januar: Butter per Pfd. Mk. 1,00— 0,00, Hühnereier 1 St. 8—9 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg., Gänseeter per St. 00—00 Pfg., Käse 1 St. 5—7 Pfg., Käsematte 2 St. 5—7 Pfg., Erbsen per Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 3,50—0,00 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,00—5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,80 bis 1,00, Hühner per St. Mk. 1,00—1,40, Hahnen per St. Mk. 1,20— 1,90, Enten per St. Mk. 2,20 bis 2,50, Gänse per Pfd. 60— 75 Pfg. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 70 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 6066 Pfg., Hammelfleisch 50—70 Pfg. Auf dem Fruchtmarkt in Limburg am 22. Jan. kostete durchschnittlich pr. Malter: Roter Weizen 14.15 bis 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00 00.00 Mk., Korn 10.25 Mk., Gerste 9.15 Mk., Hafer 7.65 Mk. 22 = —— Seite 8. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 4. Orts-Arankenkasse Gießen. Unter Bezugnahme auf die Veröffentlichung Großh. Bürgermeisteret Gießen vom 11. Januar l. I., betr. Aus⸗ führung des Krankenversicherungsgesetzes, fordern wir die Herren Arbeitgeber der Handelsbetriebe, soweit sie Hand⸗ lungsgehilfen und Lehrlinge, welche bis jetzt noch nicht verstcherungspflichtig waren, beschäftigten, auf, solche mit Wirkung vom 3. Februar 1902 bei unserer Kassenstelle anzumelden. Von der Anmeldung sind ausgeschlossen: 1. solche Handlungsgehilfen und Lehrlinge, welche be⸗ reits bei einer dem§ 75 des Krankenversicherungs⸗ gesetzes genügenden Hilfskasse verß chert ind 2. diejenigen, welche nicht gege oh Zehalt beschäftigt werden; als h d 1 auch Naturalverpflegung Die selbständig?: c oechetreihend freien Hifskassen nich! en, e Trtebsstätten im Auftrage und für Rechnung Gewerbetreibender Mit der! Sec bedung gewerblicher Erzeug⸗ Derstellen gelchaftigt werden 5 Hausindustrie) und zwar auch für den Jall, paß sie bie Roh⸗ und Hilfsstoffe selbst beschaffen und guch für die Zeit, während welcher sie nur vorüber⸗ denb für eigene Rechnung arbeiten, wollen ihre An⸗ meldungen ebenfalls bis zum 3. Februar l. J. bewirken. Sollte über die eine oder andere Frage noch Unklarheit herrschen, so ist unsere Geschäftsstelle, Ludwigstraße 12, gerne bereit, Auskunft zu erteilen. Der Vorstand: G. Dahmer. Hamilienversicherung dler Ortskrankenkasse Frielberg. Den Mitgliedern der Familien⸗Ver⸗ sicherung zur Nachricht, daß die geplante Erweiterung der Leistungen rückwirkend vom 2. Januar 1902 in Kraft tritt. Von diesem Zeitpunkte ab werden also neben freier ärztlicher Behandlung auch die Arzeneien geliefert. Brillen, Bruchbänder und ähnliche Heilmittel werden nicht ge⸗ liefert. Die Arzeneien sind, von ganz dringenden Fällen abgesehen, nur in den beiden Friedberger Apotheken zu entnehmen. Der Vorstand. Karl Damm, I. Vorsitzender. 1000 Stck. unserer berühmten 5 Pf.⸗Cigarren nur Mk. 29.50 1000„ unserer ganz vorzügl. 6 Pf.⸗ Cigarren„„ 37.— 1000„ unserer äußerst beliebt. 8 Pf.⸗ Cigarren„„ é 47.— 1000„ unserer großartigen 10 Pf.⸗Cigarren„„ 61.50 Einzelne Probekistchen zuzügl. Porto. Garantie: Zurücknahme. Tausende Anerkennungen. Berndt& Co. Berlin ⸗Schöneberg 178 a Ebersstraße 75. 2 Franko gegen Nachnahme. . Sanitätsverein. Montag, den 27. Jauuar, abends präzis 9 Uhr: General-Versammlung im Saale des Herrn Restaurateur Al bold„z. Gambrinus“, Wetzsteinstraße. Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassen bericht. 2. Vorstandswahl. 3. Wahl einer Rechnungs⸗Prüfungskommission. 4. Bericht, betreffend die Verleihung von Luft⸗ und Wasserkissen, Eisbeutel ete. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. ... Schulstrasse 6. GIESSEN. See Kochtöpfe ohne Rand. von 60 Pfg. an 5 Pfannen mit nne WARENHAUS ADOLF BAER 3 Inventur⸗ Ausverkauf in Emaillewaren. Nach Beendigung meiner Inventur habe ich mich entschlossen, mein großes Lager in 6 Emaillewaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen abzusetzen und offeriere: Schulstrasse 6. Stiel! Nelallarbeiter-Versammlung am Mittwoch, den 29. Januar, abends ½ 9 Uhr auf Lony's Bierkeller, Schanzenstraße. Tages⸗Ordnung: * Referent: Fritz Ehrler⸗Frankfurt. Alle Arbeiter find freundlichst eingeladen. Freie Dis kussion. Der Einberufer. Wahlkreis Giessen-Grünberg-Nidda. Kreiskonferenz 2 9* in Gießen. Sonntag, den 2. Februar 1902, vorm. 10 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse. Zu zahlreicher Beteiligung ladet ein Der Vorstand des Kreiswahlvereins. ec Die beste und billigste RNomanbibliothek ist: In freien 2 Stunden.“ 8 Jede Woche ein Heft à 10 Pfg. frei ins Haus. Man bestelle bei H. Schneider, Buchhdl., GIESSEN, Sonnenstr. 25. eee „Die Arbeitslosigkeit, inre Ursache und Wirkung“) von 20 Pfg. an do. zum Einsetzen ⸗ 40 ⸗ Kasse rollen„ 388 0 Kaffeekessel„ 30 Schöpf⸗ u. Schaumlöffel⸗ 30 ⸗ Kaffeekaunen. 1,10 Mk. an Wasch⸗Schüssel, oval 380ũ⸗ Teigschüssel mit Griff ⸗ 1,10 do. rund 25 ᷑» õ 8 Salat⸗Siebtte 80 Pfg. Toiletten⸗Eimer, bemalt ⸗ 3,— Mk. Durchschläge 40 ũũ Wasser⸗ Eimer 78 Pfg. 9 Reibeisen 555 do. mit Ausguß ⸗ 1,40 Mk. ⸗ Does eee sees see Oesrentliche BDA feuemeisehenung „Guteingeführter, kautions⸗ fähiger Haupt-Vertreter von einer großen alten Ge⸗ sellschaft gegen Gewährung der öchsten Bezüge ges. Off. erb. sub. G. S. 253 an Haasenstein & 1 8 A. G. 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