Nr. 21. Gießen, Sonntag, den 25. Mai 1902. 9. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche 1 Medaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) Bestellungen Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die 1 Juserate 2 nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33 /85%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Gesinnungsfreundle! Sorget stets für weiteste Verbreitung Eures Blattes der „Mitteldeutschen Sonntags-Zeitung“. Seltsame Wissenschaft. Wer in katholischen Gegenden gewesen ist, hat wohl schon einmal ein altes Kloster besucht. Er kennt seine labyrinthartig verworrenen Gänge, Schutt und Moder und verfallenes Gerümpel und die engen Zellen, wo selbst das liebe Himmelslicht trüb durch gemalte Scheiben bricht, und wenn er nach Vollendung seiner Wanderung durch die schwere Pforte wieder in den lachenden Tag hinaustritt, ist's ihm, als müßte er aufjubeln in dem Gefühl der Befrei⸗ ung, das ihn erfüllt. In gleichen Gefühlen wird man aufatmen nach der Lektüre eines umfangreichen Buches über„Die ultramontane Moral“, das der Graf v. Hoensbroech als zweiten Band seines Werkes:„Das Papsttum in seiner sozial⸗kul⸗ turellen Wirksamkeit“ soeben erscheinen läßt. Und doch wird man es nicht bereuen, in diese verwinkelte, unheimliche Zwingburg des Geistes einen Blick gethan und Kenntnis genommen zu haben von den Machtmitteln, auf deren rücksichts⸗ loser Anwendung auch heute noch zum großen Teile die Größe und Gewalt der katholischen Kirche ruht. Ueber die sittliche Bedeutung der Beichte mag man welcher Meinung immer sein, jeden⸗ falls ist sie neben dem Zölibat die genialste, wenn auch vielleicht die grausamste Erfindung der katholisch⸗kirchlichen Organisation. Sie umfaßt alle Lebensbeziehungen des Einzelnen, dringt in die zartesten Geheimnisse seines Wesens ein, sie macht die Kirche zur Mitwisserin seiner Verfehlungen und zieht Nutzen aus deu Zweifeln seines Gewissens. Der einzelne Beichtvater ist nur der Sammelgraben, der alle die kleinen Wässerchen dem Riesenstrome vereint, an dem die Mühlen der Kirchengewalt das Korn der Großen und Mächtigen mahlen. Die Ge⸗ legenheit dazu ist um so günstiger, je schwan⸗ kender die sittlichen Auffassungen sind, je ge⸗ waltthätiger sie sich im Gegensatz zur menschlichen Natur stellen, je winkelhafter die Lehre von Gut und Böse geworden ist. f Diese Bedingungen erfüllt nun die katholische Moraltheologie'in hohem Maße. Es giebt so ziemlich nichts, was sie nicht in den Kreis ihrer Erörterung zöge, gleichzeitig aber auch nichts, über das die verschiedenen Kirchenlehrer nicht verschiedener Ansicht wären. Zum sittlich⸗reli⸗ giösen Leben braucht man einen Beichtvater, wie zum Prozeßführen einen Advokaten.„Wer auf dem Wege Gottes fortschreiten will,“ sagt der heilige Alphons von Liguori,„der unter⸗ werfe sich einem gelehrten() Beichtvater und ehorche diesem wie Gott... Dem Beichtvater daß 27 07 denn Gott wird icht zulassen, daß er irrt“.. f 1 0 Mataater aber bleibt es überlassen, in einzelnen Fällen zu unterscheiden, wie er es für gut befindet. Er darf dieselbe Handlung bei verschiedenen Personen verschie den beur⸗ teilen. Denn darüber, was„Sünde“ sei, gehen die Ansichten der gelehrten Herrn sehr weit auseinander. Den größten Teil seines Buches füllt Graf v. Hoensbroech mit Zitaten aus verschiedenen theologischen Schriftstellern verschiedener Zeiten, um zu zeigen, wie ihre Lehren bald einander, bald den staatlichen Gesetzen oder dem natür⸗ lichen Sittengefühle widerstreiten. Dabei unter⸗ läßt er freilich, die historische Entwickelung der Dinge zu zeigen und der Frage nachzuspüren, inwieweit die katholische Sittenlehre durch den Gang der Zeiten, durch soziale und politische Verhältnisse beeinflußt worden ist. Um historische Fehldeutungen auszuschließen, sei im weiteren nur von der Moraltheologie eines jesuitischen Zeitgenossen, Lehmkuhl, die Rede, des bekannten Bekämpfers des Bürger⸗ lichen Gesetzbuches. Aus einer im Jahre 1890 zu Freiburg erschienenen lateinisch geschriebenen Moraltheologie giebt Hoensbroech u. a. folgende ins Deutsche übertragene Stellen wieder: „Ist jemand durchaus entschlossen zu sündigen, so darf man ihm raten, statt der beabsichtigten schweren eine andere leichtere Sünde zu begehen... So darf man dem, der einen anderen töten will, raten, daß er ihn nur verwunde. Da Mord eine schwerere Sünde ist als der Ehebruch, so darf man einem, der morden will, raten, lieber einen Ehebruch zu begehen.“ „Wer begründeterweise für sein Seelenheil fürchtet, wenn er in der Welt bleibt, kann in einen Orden treten und damit aller Schul- den ledig werden, auch wenn die Schulden durch Leichtsinn oder Verbrechen entstanden find und wenn durch ihr Nicht-Bezahlen den Gläubigern schwerer Schaden geschieht.“ Von der Verleumdung:„Einen frommen Priester oder Ordensmann als Lügner zu be⸗ zeichnen, ist eine Todsünde...“ Dagegen: „Schwer sündhaft ist es nicht, über jemand, der schon in üblem Rufe steht, etwas zu ver⸗ breiten, was in derselben Richtung liegt.. Wer wollte es als schwere Verleum⸗ dung bezeichnen, von einem Atheisten auszusagen, man halte ihn jedes Ver⸗ brechens für fähig?“ Von der„Ehrennotwehr“:„Um eine sehr schimpfliche Beleidigung(Ohrfeige, Schläge) abzuwenden, ist nach der Ansicht einiger Theo⸗ logen einem hochstehenden Manne(), wenn es kein anderes Mittel der Abwehr giebt, die blutige Abwehr erlaubt.“ Für die Leistung bestellter Verbrechen darf man den bedungenen Lohn nehmen. Nur soll man sich bei seiner Entgegennahme hüten, „nicht zu sündigen durch Aeußerungen der Freude oder Billigung über die geschehene Sünde“. In einem anderen Teile seines Lehrbuches behandelt Lehmkuhl die geschlechtlichen Fragen die mit einer zum Ekel gehenden Genauigkeit erörtert werden. Die Frage, ob es sündhaft sei, sich über unfreiwillige Auslösungen des sexuellen Triebs zu freuen, wird ausführlich behandelt. Ebenso werden alle Umstände er⸗ örtert, unter welchen Gatten ihr eheliches Recht ausüben dürfen, welche Formen und Begleit⸗ erscheinungen dieser und welche nicht. In Gemeinschaft mit seinem Ordensbruder Schneider hat Lehmkuhl auch einen„Beicht⸗ spiegel“ herausgegeben, der in etwa 60 000 Exemplaren verbreitet worden ist. Beim sechsten Gebot sind nach diesem Beichtspiegel folgende Fragen zu stellen: „Bist du schon in früher Jugend verführt worden, wie alt warst du; ist es zu Berüh⸗ rungen oder zu noch Schlimmerem gekommen; mit Mädchen oder mit Knaben; mit dir selbst; sind Folgen entstanden; hast du dich selbst befriedigt; dich selbst befleckt; bei Frauengenuß ist zu fragen: warst du sehr erregt? Hat so der Beichtvater im allgemeinen erfahren, daß unzüchtige Handlungen vorgekommen sind, so frage er: also nachher kam noch Schlimmeres vor; mit einer Person anderen Geschlechts; die vollendete Sünde; sie ist schwanger ge⸗ worden: wenn nein, weshalb nicht; war die Sünde so, daß sie schwanger werden konnte? Vorsichtig frage er auch über Fehlgeburt und Onanismus. Wie oft hast du durch Be⸗ rührungen gesündigt; oberflächlich, oberhalb der Kleider? Wie oft durch Küsse und Umarmunge.!?“——— Diese Zitate dürfen genügen. Sie sind eine kleine Probe dessen, was der Leser im Buche Hoensbroechs auf 621 Seiten vorgesetzt bekommt. Nichts Veraltetes, sondern lauter Modernes! Man fühlt das Bedürfnis, wieder frische Luft zu genießen. Graf Hoensbroech freilich führt uns aus dem Jesuitenkloster nicht in die freie, herrliche Natur, sondern in die niedrigen Gemächer des protestantischen Pastorenhauses. Tief unten aber unter den Bergeshöhen geistiger und seelischer Freiheit, die die moderne Ar⸗ beiterbewegung erklommen hat, liegen katholische und protestantische Kirchturmspitzen mit ihren vergoldeten Kreuzen— aus Messing. „S. A. 3. Politische Rundschau. 5 Gießen, den 23. Mai. Die Zuckerwucherer lassen sich nicht verblüffen. Zur Erzielung hoher Zuckerpreise auch nach Genehmigung der Brüsseler Konvention haben 90 Rohzuckerfabriken an den Reichstag das Ansinnen gestellt, von Reichswegen die Zuckerproduktion für fünf Jahre auf eine bestimmte Zahl von Zentnern, welche noch unter dem gegenwärtigen Kontingent liegen soll, zu beschränken und die Ueber⸗ schreitung dieser Produktion mit hohen Strafen zu belegen. Außerdem sollen die größeren Fabriken für ihre bessere Betriebsweise mit einem höheren Steuerzuschlag bestraft werden. — Und das wird verlangt zu einer Zeit, wo alles darauf ankommt, durch Verbilligung des Zuckers den Inlandskonsum zu heben! Ausübung erlaubt seien W i ö 1 2 — 4 Fleischbeschaugesetzes mit den Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 21. Das Fleischbeschau⸗Gesetz. Die für das Inkrafttreten des Fleisch⸗ beschaugesetzes erforderlichen Vorarbeiten nähern sich dem Abschluß. Soweit das Reich noch Ausführungsbestimmungen zu erlassen hat, wird dies, wie die„Allgemeine Fleischerzeitung“ von zuständiger Stelle erfährt, noch bevor der Bundesrat im Juli in die Ferien geht, geschehen. Die Maßnahmen, welche der Landesgesetzgebung vorbehalten sind, glaubte man in Preußen an⸗ fänglich im Wege der Landespolizeiverord— nung treffen zu können. Es hat sich aber her⸗ ausgestellt, daß ein Gesetz hier unvermeidlich ist. Der Landtag wird deshalb noch in dieser Tagung ein solches zu beraten haben. Der Terminfür das Inkrafttreten des ganzen Reichs⸗ Ausführungs- bestimmungen und Landesgesetzen soll so festge⸗ stellt werden, daß die Interessenten Zeit haben, sich darauf einzurichten, damit Ueberraschungen oder Schädigungen nach Möglichkeit ausge⸗ schlossen bleiben. Im christlichen Staate. Vor dem Schwurgericht in Dortmund stand am Mittwoch vor acht Tagen eine Berg— mannsfrau unter der Anklage des Straßen⸗ raubes. Infolge langwieriger Krankheit ihres Mannes war sie mit ihren sieben Kindern in größte Not geraten. Am 15. November begab sie sich auf den Zecheuplatz, wo die Aus⸗ gabe von Brot stattfand. Die Frau konnte aber nichts kaufen, weil sie keinen Pfennig Geld mehr hatte und nahm deshalb zwei Kindern, welche sich bei ihr nach der Brot⸗ ausgabestelle erkundigten, den Betrag von 1.40 Mk. ab und kaufte dafür Brot. Die Geschworenen verneinten die auf Straßenraub lautende Anklage und sprachen die Angeklagte des einfachen Diebstahls schuldig. Das Ge⸗ richt verurteilt sie zu! Monat Gefängnis. Die Geschworenen veranstalteten sofort eine Geldsammlung, deren Ergebnis der Angeklagten überwiesen wurde.— Wahrlich, ein erschüttern⸗ des Bild aus der„Besten aller Welten“! Jedem vernünftig Denkenden übermannt bei allem Mitleid mit der armen Frau die Em⸗ pörung über derartige Zustände und der Zorn über die elende Heuchelei der Gegner, welche die heutigen Verhältnisse als„gottgewollte“ hinstellen und die Bestrebungen, die Erreichung eines menschenwürdigen Daseins für alle Menschen zum Ziele haben, verhöhnen, vec⸗ dächtigen und verfolgen. Da wird über den „Zukunftsstaat“ gehöhnt! Mögen sich die„Ord— nungsparteien“ den Gegenwartsstaat betrachten! Dumm müssen die Arbeiter sein! Im Interesse des Kapitals und ganz be⸗ sonders des Junkertums liegt es, daß die Ar⸗ beiter möglichst in der Beschränktheit erhalten werden. Je rückständiger und dümmer sie sind, desto willfähriger werden sie sich ausbeuten und malträtieren lassen. Die Agrarier und beson⸗ ders die ostelbischen waren deshalb auch von jeher geschworene Feinde ordentlicher Schul⸗ bildung für das arbeitende Volk. Das bewies unlängst wieder ein Junker in einer Gegend Hinterpommerns. Dorthin war ein junger Lehrer versetzt worden. Sein erster Gang war der zum Herrn„Patron,“ dem er sich verfügungsgemäß„zur Verfügung zu stellen“ hatte. Im Laufe des Gesprächs gab er seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Lehrer in diesem Orte so sehr wechselten; er sei der einundzwanzigste in etwa 50 Jahren; es müsse doch diese traurige Erscheinung in ungünstigen Stellenverhältnissen begründet liegen. Dabei könne die Schule aber un⸗ möglich gedeihen. Da öffnete der Herr Patron seinen Mund zum klassischen Ausspruch: „Mir ist den Teufel was dran gelegen, daß die Kin der etwas lernen! Je weniger, desto besser! Ich habe kein Interesse daran; im Gegenteil: die Arbeiter werden zu klug; keiner will hier mehr etwas thun, und die Schuld daran trägt die Schule mit ihrer Bildung! Glauben Sie mir, die Schulbildung ist die Ursache unserer großen sozialen Fehler! Wenn die Jungens nur lernen, einen vernünftigen Diener zu machen, so hat die Schule genug erreicht!“ Daß diese Aeußerungen wirklich gefallen sind, ist kaum zu bezweifeln; der Vorfall wird in der„Preußischen Lehrerzeitung“ berichtet, die sich gewiß genau informiert hat. Es ist übrigens der alte bekannte Junkergeist der uns hier entgegentritt. Die Steuerscheu der Reichen. Neulich klagte eine Bekanntmachung des Landrats von Ruhrort über das Steuer⸗ drückebergertum in den Kreisen der Wohlhabenden. Das findet man aber anderswo ebenso. Aus Bochum wird über eine Schöffengerichtsverhandlung in Hattingen berichtet. Dort war ein vermögender Lehrer angeklagt in fünf Fällen, die bis 1897 zurück⸗ reichen, trotz Warnung unwahre An⸗ gaben über sein versteuerbares Vermögen gemacht resp. aufrecht erhalten zu haben. Mit Rücksicht darauf, daß der verhältnismäßig sehr wohlhabende Mann lediglich aus Geiz ge⸗ handelt hatte, verhängte das Gericht die höchste zulässige Strafe von 970 Mk. oder 79 Tage Haft. Das Juteressanteste aber an der Ver⸗ handlung war, daß der Amtsanwalt den als Zeugen fungirenden Steuersekretär unter Anderem fragte:„Ist Ihnen nicht bekannt, oder anders gesagt: Sind Sie nicht der Ueberzeugung, daß auch in unserem Kreise vielfach falche Angaben über die Höhe des teuerbaren Einkommens gemacht werden?“ Hierauf entgegnete der Zeuge:„Unzählige Fälle; es werden vielfach falsche Angaben gemacht, aber ich weiß nicht, ob das wisseutlich geschieht.“ Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Niemeyer:„Handelt es sich dabei in erster Linte um die höheren Einkommen?“— Zeuge:„Jawohl; aber wir haben keine Hand⸗ habe, dahinter zu greifen.“ Ja; fa ere vom glühendsten Patriotismus durchglühten Angehörigen der besitzenden Klasse greifen für das teure Vater⸗ land durchaus nicht gern in die Tasche! Ein Stück Mittelalter. Demnächst soll in Aachen ein großer Kaiser⸗Einzug stattfinden. Nach der„Post“ soll sich derselbe zu einer imposanten Kund⸗ gebung gestalten.„Hoch zu Roß, wie einst die deutschen Könige im Mittelalter“, will der Kaiser eine für diesen Tag hergerichtete via triumphalis entlang durch das südliche Mar⸗ schterthor zum Münster einziehen,„wo die Krönung von 37 Königen während der Dauer mehrerer Jahrhunderte stattfand“, und von dort zum Rathaus,„und zwar wie die deutschen Könige nach der Krönung zum Kaisersaal“. Auf der Freitreppe des Rathauses will der Kaiser einen Ehrentrunk entgegennehmen und — so heißt es in der Post— hierbei wohl eine Rede halten.— Um das Programm zu vervollständigen sollte man eigentlich auch Ritter⸗Tur niere veranstalten. Soziales. Ueber den Rückgang der Lebens⸗ haltung und der Ernährung der Arbeiter schreibt Genosse Calwer in der „Leipz. Volksztg“: Die Jahresberichte der württembergischen Gewerbeinspektoren für 1901 stellen fest, daß in Maschinen⸗ und Werkzeug⸗ fabriken, Eisengießereien, Anlagen der Holz⸗ und Papierbearbeitung die Löhne zum Teil um 10 bis 20 Proz. und noch mehr herabgesetzt worden sind. Wo außer der Lohnherabsetzung auch noch Einschränkung der Arbeitszeit statt⸗ fand, hat sich das Lohneinkommen der Ar⸗— beiter so sehr vermindert, daß sie sich mit ihren Familien nur unter großen Entbehrungen durchzubringen vermochten. Von den Jahres⸗ berichten der öffentlichen Arbeitsnachweise be⸗ spricht namentlich Karlsruhe die Entwickelung der Krise auf die verschiedenen Arbeiterkategorien sehr eingehend. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß unter der großen Zahl der. Arbeitslosen, die 1901 die Karlsruher Anstalt besuchten, der Prozentsatz derjenigen Arbeiter, die in ihrer Kleidung und ihrem Schuhwerk heruntergekommen waren, ziemlich belaugreich war. Die verringerte Lebenshaltung der Arbeiter habe aber außerdem auch die kleineren Gewerbebetriebe geschädigt. Abgesehen von dem plötzlichen Stillstand innerhalb der Bau⸗ thätigkeit machte sich für diese Gewerbe⸗ treibenden auch der Umstand ziemlich fühlbar, daß die Kaufkraft eines großen Teils der Konsumenten infolge wirtschaftlicher Verluste eine Schwächung erfuhr und die Notwendigkeit im Gefolge hatte, sich mit allen Ausgaben einzuschränken. Calwer weist daun noch darauf hin, daß der Grad dieses Rückgang deswegen besonders so stark geworden ist, weil im Gegensatz zu früheren Krisenpertoden die Lebensmittel⸗ preise auf der nämlichen Höhe stehen geblieben sind, wie zu jener Zeit, als die Löhne noch relativ hoch waren und Arbeltslosigkeit nicht vorhanden war.— So betrugen in Leipzig die Kosten des Familieubedarfs, berechnet zu dem freifachen Betrage der Verpflegungsration des deutschen Marinesoldaten, im Inni 1900 19.82 Mk., sie stiegen fortwährend und erreichten im November 1901 mit 20.83 Mk. den höchsten Stand. Erst in den letzten Monaten sind die Lebensmittelpreise ein Wenig zurückgegangen. Siegreicher Wahlrechtskampf in chweden. Besser als in Belgien hat der Kampf um das allgemeine Wahlrecht in Schweden geendet. Auch dort war von Seiten unserer Genossen der Generalstreik eingeleitet worden, der dann auch seine Wirkung nicht verfehlte. Beide Kam⸗ mern des Reichstages haben für das Jahr 1904 einen Regierungs⸗Vorschlag gefordert, der das allgemeine Wahlrecht und das proportionelle Wahlsystem in sich schließt. Einen neuen König haben die Spanier bekommen. Man krönte dort den 16 Jahre alt gewordenen nachgebore⸗ nen Sohn des Wüstlings Alfons mit allem kirchlichen Pomp zum Könige von Spanien. Der Akt verlief vollkommen nach Programm; das Volk war in der nötigen„Begeisterung“, die Poltzei hatte als besonders anziehende Num⸗ mer in der Komödie ein kleines Attentät⸗ chen arrangiert. Die neugebackene„heilige katholische Majestät“, Alfons XIII., wird als schwächlicher, bleichsüchtiger Junge geschildert, der ein gefügiges Werkzeug in den Händen der 15 sein wird, die seine Erziehung geleitet haben sollen. Vernünftige Leute kann es nur zum Lachen reizen, wenn es in der königlichen Proklamation heißt: „In dem Augenblicke, wo ich selbst das Kommando über Armee und Marine über⸗ nehme, erfülle ich eine Pflicht, die meinem Herzen hohe Befriedigung gewährt. Als König, als General(), als Spanier und als Soldat begrüße ich Euch. Ich werde in den Augenblicken der Gefahr stets bei Euch sein.“ Ein hübscher Trost für die Soldaten! Für das unter der klerikalen Schandwirtschaft und der kapitalistischen Ausbeutung seufzende und furcht⸗ bar leidende spanische Volk bedeutete natürlich die Thronbesteigung Alfous' XIII. auch dann keine Aenderung seiner erbärmlichen Lage, wenn der Jüngling mit aller nur denkbaren Wetsheit und Thatkraft ausgestattet wäre. Wie alle Völker, so muß auch das spantsche das pfäffische und kapitalistische Joch selbst abschütteln. Und das wird es auch! Russisches. Der Mörder des Ministers des Innern Ssipjagin wurde am Donnerstag in Petersburg in der Peter⸗Pauls⸗Festung gehängt. Der Hinrichtung wohnten im ganzen 50 Personen bei. Der Mörder verhielt sich bis zuletzt mutig und kaltblütig. In weiten Kreisen ist man befremdet, daß der Mörder vom Kaiser nicht begnadigt wurde, da dies allgemein er⸗ wartet wurde. Man meint, Minister Plehwe hätte dahin wirken sollen, daß das Todesurteil nicht vollzogen werde. Als bloßes Gerücht sei verzeichnet, daß in dem im Auslande erscheinen⸗ den Organ der„frussischen Umsturzpartei“ N 55—— r e S e S r C r e n hen gebliebe Libre nog digkeit nicht in Leipzi berechnet zu Nangsration Juni 1900 ind erreichten den höchsen aten sind die rücgegangen. mpf in Kampf um den geendet. er Genossen n, der dann Beide Ram⸗ 5 Jahr 1904 ert, der das roportionelle 0 Man krönte i nachgebore⸗ mt allem n Spanien. Programm; egeisterung“ chende Num⸗ Attentät⸗ ene„heilige ., wird als geschildert, Händen der ung geleitkt kann es nur r königlichen selbst das larine über⸗ die meinem hährt. . und ch perde in ahr stet! . Fit u aft und der 9 r eee wettereeeed ess —— neur wurde indessen nur leicht verletzt. „Bl. Vztg.“ aus Rom zugeht: eine sehr zweiten Klasse; dicker Bäuerinnen f Nr. 21. un“ Mitteldeutsche Sonn laas⸗Zeituns. Seite 3. Minister von Plehwe bereits zum Tode ver— urteilt sein soll. Balmaschew ist kaum hingerichtet, so kommt schon die Nachricht von einem neuen Attentate. Auf den Gouverneur von Wilna, Gene⸗ ralleutnant Wahl, schaß dort am Sonntag ein Mann 2 Revolverschuͤsse ab. Der 1 95 er Attentäter, der sich Hirsch⸗Lekert nennt, wurde verhaftet. Der Humbert⸗Schwindel. Ganz Frankreich spricht jetzt von einem von einer Frau, der Madame Humbert, in Szene esetzten Riesen⸗ Schwindel. führt diese Frau Bankiers und Advokaten an der Nase herum und verstand es, sich viele Millionen Franks zu erschwindeln. Schon im Jahre 1897 bezeichnete Waldeck-Rousseau diese Affaire als den„größten Schwindel des Jahr⸗ hunderts“. Frau Humbert, die Gattin eines früheren Deputierten, dessen Vater sogar einmal Justizminister war, erzählte nämlich, daß ein in Amerika verstorbener Millionär, Namens Crawfort ihr die Riesensumme von 100 Millionen Franken testamentarisch vermacht habe. Unter Hinweis auf diese Erbschaft gelang es ihr, Millionen auf Millionen bei Banken auf⸗ zunehmen; ihre Schuldenlast beträgt heute etwa 40 Millionen Franks. Bereitwillig ge⸗ währten Geldleute und Banken der gewandt auftretenden„reichen Erbin“ weitgehenden Kredit. Das Geld floß der unermüdlich regen Madame Humbert in wahren Strömen zu. Sie kaufte Schlösser und Herrschaften. Sie brachte Dia⸗ mantfelder an sich. Sie kaufte ein Fürstentum in Afrika. Sie hat eine Bank in Paris ge⸗ gründet, eine Faktorei in Madagaskar ins Leben gerufen. Sie schuf auch Wohlthätigkeitsanstalten, so ein Asyl für alte Priester in Gemeinschaft mit Freimaurern, dann eine Assekuranz⸗Gesell⸗ schast, die„Rente Viagere“(Lebensversicherung), für welche sie den Segen des Papstes erlangte. Aber nun nahte dieser Tanz der Millionen seinem Ende. Die Behörden wurden aufmerk⸗ sam. Man wollte das Geld sehen. Ungestüme Gläubiger verlangten endlich die Pfändung des Geldschrankes, in dem sich nach An⸗ gabe der Humbert die 100 Millionen befinden sollten— die sie nur vor Beendigung der Prozesse nicht anrühren durfte. Als man aber den Geldschrank öffnete, fand man nur Wert⸗ papiere in Höhe von 20000 Franks, wertlose Schmucksachen und alte Zeitungen!— Das Ehepaar Humbert hat die Flucht ergriffen. Ein Rechtsanwalt Parmentier, der in die An⸗ gelegenheit verwickelt zu sein scheint, ist verhaftet worden. Die Geprellten werden nicht bemitleidet; sie gehören ja zu den Leuten, die ihre Reichtümer auf leichte, manchmal sicher nicht einwandfreie Art erworben haben.— 5 Die Nationalisten versuchten diese Affaire gegen die Republikaner auszuschlachten; ganz mit Unrecht; es steht im Gegenteil fest, daß gerade klerikale und nationalistische Kreise mit dem Schwindel in Verbindung stehen. Das zeigt auch folgende Zuschrift, die der Frau Humbert, geborene D'Aurignac aus Paris, ist in der schwarzen Gesellschaft Roms gut bekannt. Die schlaue Dame gehört mit dem Groß⸗ industriellen L. Harmel zu dem Kreise der fanatischen Klerikalen, die mit fremdem Gelde die imposanten„Pilgerzüge“ ins Werk setzten, gemischte Gesellschaft! Stutzerhafte Abbes in flatternden Seidenmäntelchen, schöne Sünderinnen in eleganten Toiletten in der vierschrötige Dorfpfarrer mit freundlich leuchtenden Burgundernasen, den beschränkten Wachsziehern, Paramenten⸗ und Denottonglienhagrade 19 e 4 i nes els alter n —.— in der dritten Klasse, also ziehen diese modernen Kreuzfahrer in die ige Stadt“. 5 „Dees„Pilger“ werden vom„Romkomitee in der Probinz angeworben, erhalten in Trupps von 10 bis 20 Personen ihren 0 Zugführer, der sie in Paris oder Lyon„u 115 nimmt“, in den Exträzug setzt, in Rom in Seit Jahren schon Massenquartier bringt, Speisung, Fkirchgang und Gebetsübungen überwacht und nach acht oder zehn Tagen in Toulouse, Lyon und Paris wieder ausladet, nachdem sie im Thronsaal des Vatikans„vive le Pape-Roi“(es lebe der Papst⸗König) geschrien haben. Für Reisebillet und Verköstigung sorgen unbekannte„Wohl⸗ thäter“; an gewandte und zuverlässige Personen, die sich zum Dienste eines Schäferhundes für die frommen Hirten eignen, wird sogar ein Handgeld bezahlt. Madame Humbert kam öfters nach Rom um sich den Schutz und Kredit der geistlichen Oberen zu gewinnen. Das gelang vollkommen, weil sie als schlaue Spekulantin im Kreise der Monsignori die Goldfüchse hochspringen ließ. Die Schwindelbank„Rente Viagere“ ist mit Segen des Papstes gegründet worden. Die Aufmerksamkeit des Statthalters Christi auf das betrügerische Unternehmen wurde durch ein Geschenk von 50 000 Franken„erweckt“. Dank der unermüdlichen Zutreiberschaft des Klerus, der Jesuiten, Assumpttonisten und der übrigen Orden stieg in den letzten fünf Jahren die Monatseinnahme der„Rente Viagere“ auf 180 000 bis 250 000 Franken. Das Ehepaar Humbert benutzte diese Riesen⸗ summe um die ungeduldigsten Gläubiger sich durch Abschlagszahlungen vom Halse zu halten und einen„Sparpfennig“ bei Zeiten im Aus- land anzusammeln. Als letzter Zufluchtsort der frommen Millionendiebe wird neben Banken in London und Brüssel die Filiale der kleri⸗ kalen Banque de Rome genannt. Krieg in Südafrika. Eine Konferenz der Burenführer hat in Vereeniging stattgefunden. Zweck derselben war, eine Verständigung über die Friedensbe⸗ dingungen herbeizuführen. Wie berichtet wird, sind die Hauptgegner der im April in Pretoria aufgestellten Friedensvorschläge Präsident Steijn und Wessels, die im Nordosten des Oranje⸗ staates kommandieren, und Müller, der in der Nähe von Middelburg steht, sowie Celliers, Befehlshaber im westlichen Trausvaal. Hertzog soll sich gleichfalls ablehnend verhalten. Dewet, der zuletzt zur Besprechung kam und in etwas grimmiger Stimmung war, scheint jetzt fried⸗ fertiger zu sein. Diese der Einstellung der Feindseligkeiten abgeneigten Elemente sind zwei⸗ fellos stark, und zwar so starky daß ste einen Friedensschluß zu den bereits besprochenen Be⸗ dingungen zweifelhaft erscheinen lassen. Es heißt, daß die Mehrheit der Transvaalburen einschließlich der Mitglieder der Regierung dem Frieden günstig sind, während die Freistaatburen mit wenigen einflußreichen Ausnahmen die » Unabhängigkeit als Grundlage für die Friedens⸗ bedingungen wünschen. Am Sonntag sind sechs von der Konferenz gewählte Delegterte, darunter Delarey und Dewet in Pretoria angekommen, um die Frie⸗ densverhandlungen weiter zu führen. Anschei⸗ nend steht die Einstellung der Feindseligkeiten nahe bevor. Ueber einen Kampf in der Kapkolo⸗ nie wird aus Middelburg vom 19. Mai ge⸗ meldet: Eine Abteilung von 120 Buren griff gestern Aber deen an, wurde jedoch zurückge⸗ schlagen. Der Kommandant Vanheerden wurde getötet, zwei verwundete Buren wurden gefangen genommen. Die Kapkolonie ist also noch immer nicht„gesäubert“. — Die Vulkan ⸗Katastrophe auf den kleinen Antillen. Das Wüten der Vulkane auf Martinique hat noch nicht nachgelassen, sondern im Gegenteil kommen jetzt Nach richten, die wieder das Schlimmste befürchten lassen. Die Mannschasten des amerikanischen Kriegsschiffes „Potomac“ und des britischen Kreuzers„Indefatigable“ gerieten in große Gefahr, als sie in Pierre landeten, um Leichen zu bergen. Der Mont Pelée wurde plötzlich wieder thätig und warf gewaltige Lava⸗ massen aus, Gas und Asche. Die Lava erreichte die See und erzeugte große Dampfwolken. Am Mont Pelée öffneten sich neue Krater und nur mit größter Mühe gelang es den Mannschaften, die Schiffe zu erreichen. In der Nähe von Fort de France erfolgte eine gewaltige vulkanische Eruption Dienstag früh 5 Uhr. Die Be⸗ wohner versuchten, auf die Schiffe im Hafen zu ent⸗ kommmen. Auch auf St. Vincent machten sich die Vulkane wieder in erhöhtem Maßstabe bemerkbar. Auffallen mußte, daß die gesamte Einwohner- schaft von St. Pierre zu Grunde gegangen ist, obwohl sich die Katastrophe Tage vorher eindringlich genug an⸗ kündigte. Daran soll des Gouverneur schuld sein, der, wie jetzt berichtet wird, den Leuten erklärt habe, es sei keine Gefahr vorhanden, ja er habe sogar, um die Flucht der Ein wohner zu verhindern, durch Soldaten die Stadt absperren lassen. So berichtet wenigstens der Arzt Dr. Artier, der auf wunderbare Weise entkommen ist. Entspricht die Mit⸗ teilung des Arztes den Thatsachen, so hätte der Gouver⸗ neur, der selbst mit umgekommen ist, eine geradezu ver⸗ brecherische Thorheit begangen. Dr. Artier begab sich an dem verhängnisvollen Morgen nach der Vorstadt Morne Rouge. Als er grade im Begriff war, in die Stadt hinein zu reiten, sah er von Berge her die Feuerwoge gegen die Stadt heran⸗ stürmen. Er floh sofort, und es gelang ihm, sich über die Berge nach Fort de France zu retten. Artier und ein Gefangener, der in einem Kellergewölbe des Gefängnisses saß, sind die Einzigen, die aus der Stadt entkommen sind. Gewerkschastliches. Der Buchdrucker⸗ Verband verzeichnet im Jahre 1901 eine Gesamteinnahme von 1722 171 Mk., der eine Gesamtausgabe von 1651 200 Mk. gegenübersteht; es verbleibt so⸗ mit ein Ueberschuß von Mk. 70 971.39. Die hauptsächlichsten Ausgaben sind folgende: Reise⸗ unterstützung 245 939 Mk., Arbeitslosenunter⸗ stützung 513 943 Mk., Maßregelungs- und Um⸗ zugskosten 95 656 Mk., Krankenunterstützung 573 732 Mk., Invalidenunterstützung 122 109 Mk. Der Kassenbestand betrug am 31. März 1902 3 092155 Mk.— Im ganzen hat der Verband von 1896 bis 1901 an Unterstützungen 5 702 503 Mk. ausbezahlt.— Die Mitglieder- zahl stieg in diesen sechs Jahren um 10 782. Die Summe, welche die Mitglieder des Buch⸗ druckerverbandes zur Unterstützung anderer Ge⸗ werkschaften bei Lohnkäampfen etc. aufbrachten, geht in die Hunderttausende. D pon Uah und bern. Hessisches. Die zweite hessische Kammer wird am 3. Juni wieder zu einer längeren Tagung zusammentreten. Der Finanzausschuß hielt schon im Laufe der vergangenen Woche Sitzungen ab. Gießener Angelegenheiten. — Maurer und Zimmerleute, Vor⸗ sicht! Durch ein im„Gieß. Anz.“ erschienenes Inserat werden arbeitswillige Maurer und Zimmerleute für einen Stundenlohn von 55 Pfg. nach Ktel gesucht. Wir warnen die in Betracht kommenden Arbeiter dringend, diesen Lockrufen Folge zu geben. Denn erstens ist es schon eine Ehrlosigkeit, sich als Streikbrecher herzugeben und seinen kämpfenden Brüdern in den Rücken zu fallen; zweitens werden aber auch in der Regel die Arbeitswilligen wieder entlassen, wenn der Streik beigelegt ist. Außer⸗ dem muß darauf hingewiesen werden, daß die hiesigen Maurer die dortige Arbeitsweise nicht gewohnt sind und daher kaum den in Aussicht gestellten Lohn verdienen würden. Pflicht jedes ordentlichen Arbeiters ist's vielmehr, den Zu⸗ zug nach Kiel fernzuhalten; besonders die der Organisation Angehörigen müssen dafür sorgen. — Die Affaire Söhen In de letzten Stadtverordneten⸗Versammlung gab Herr Stadtverordn. Löber eine Erzlärung ab, in der er die von ihm vor einiger Zeit in öffentlicher Sitzung gegen den Bürgermeister gebrauchten beleidigenden Worte mit Bedauern zurück- nimmt und die Versammlung und den Bürger⸗ meister um Verzeihung bat. Der Bürgermeister gab sich mit der Erklärung Löbers zufrieden; er betonte, daß er gezwungen gewesen sei, im 3 2— — 0 ———7—ꝙ—ꝙ——————— — CCC—— * — Seite 4. Mitteld Sonntaas⸗Zeitung. Nr. 21. Interesse der Würde der Stadtverwaltung ge⸗ richtlich vorzugehen. Der vom Bürgermeister gestellte Strafantrag gegen Löber wird zurück⸗ genommen, letzterer zahlt 100 Mk. als Sühne an die Armenkasse, außerdem hat er der Stadt eine günstige Gelände-Offerte gemacht. Die Versöhnung wurde mittels Handschlag feierlich bekräftigt. Es war eine rührende Scene. Die tiefe Ergriffenheit, die sich der Versammlung bemächtigt hatte, löste der Stadtvater Schäfer mit einer Rede aus, worin er seiner Freude über das Gelingen der mühevoll herbeigeführten Verständigung Ausdruck gab und Jeden ver⸗ pflichtete, die Geschichte ein für allemal ruhen zu lassen. Die Friedensliebe des Herrn Schäfer in Ehren; aber so sehr auch wir wünschen, daß die Stadtvertretung einträchtiglich und fried—⸗ sam über das Wohl der Stadt berate und es in ruhiger Arbeit för dere— in diesem Falle hätten wir es lieber gesehen, wenn der Bürger⸗ meister Gelegenheit gehabt hätte, vor Gericht zu zeigen, wie mancher Stadtverordnete seine Pflichten gegen das Gemeinwesen auffaßt. Nicht wegen Herrn Löber. Ihm mag es überlassen bleiben, darüber zu entscheiden, ob ihm seine Wähler nach dem Vorgefallenen noch das Ver— trauen entgegenbringen können, dessen ein Ver⸗ treter der Bürgerschaft unbedingt bedarf und ob er nicht klüger gehandelt und mehr Ein⸗ druck erzielt hätte, wenn er s in Mandat nieder⸗ gelegt, als daß er sich zu einer so kläglichen Abbitte verstand. Aber der Prozeß hätte zur Beleuchtung der im hiesigen Spießer- und Phi⸗ listertum herrschenden Begriffe über politischen Anstand gedient. Herrn Löber ist kein allzu⸗ großer Vorwurf zu machen. Er bethätigte nur die Anschauungen, die in weiten Kreisen des Bürgertums allgemein maßgebend sind. Wer wird für geeignet gehalten, öffentliche Ehrenämter zu bekleiden? Der glückliche Spekulant, der„zu Etwas gekommen“ ist, gleichviel auf welche Art. Mag er auch sonst noch so rück— ständig in seinen Ansichten sein, mag er jeder Intelligenz ermangeln, er wird doch stets dem in jeder Beziehung befähigteren aber armen Mitbürger vorgezogen werden. Wie verächtlich rümpft das Spießertum die Nase, wenn bei den Stadtverordnetenwahlen Arbeiter als Kandidaten präsentiert werden! Und diese ver⸗ fügen doch über weit mehr soziales Verständnis und bekunden viel mehr Interesse für das Ge⸗ meinwesen, als die meisten bürgerlichen Kandi⸗ daten.— Wir werden an den Fall Löber er⸗ innern, wenn zu der nächsten Wahl wieder die üblichen Phrasen zur Empfehlung der„Ord— nungs“ kandidaten verzapft werden. — Unser Freund Scheidemann kommt zu unserer Freude demnächst wieder ins Hessenland und zwar wird er in einigen Wochen als leitender Redakteur bei dem Offenbacher Abendblatt eintreten. Vor kurzem brachte der„Gieß. Anz.“ eine dem„Fränk. Kurier“ entnommene Notiz des Inhalts, daß Genosse Scheidemann seine bisherige Stellung gekündigt worden sei. Das war unrichtig; Scheidemann giebt viel mehr seinen jetzigen Posten in Nürnberg aus eigener Entschließung auf. Uns war es übrigens bekannt, daz er sich dort schon seit längerer Zeit keineswegs wohl fühlte. Schon im Herbst vorigen Jahres wollte er wegen der jetzt noch immer nicht ganz beigelegten Parteidifferenzen fort und blieb nur auf vielseitiges Zureden. Wir begrüßen seine Rückkehr nach Hessen, wo wir seine agitatorische Kraft gut gebrauchen können. — Farblos schillernd, parteilos. Unter diesem Titel hält der Frankfurter General⸗ anzeiger— so schreibt uns ein Freund— eine interessante kleine Rede pro domo(für's eigne Haus). Farblos und schillernd will er nicht sein. Und wir müssen ihm allerdings zugeben, daß er sogar sehr deutlich und sehr kräftig Farbe bekennt. Aber das„parteilos“ möchte er doch retten. Mit einer kleinen Definition Gegriffsbestimmung) ist das rasch gemacht: Parteilos ist, wer keiner Partei angehört. Also ist der Gen.⸗Anz. parteilos. Der 59 115 dieser Parteilosigkeit ist nach seiner Ansicht der, daß sich die Persönlichkeit eines Parteilosen unge⸗ hinderter bethätigen kann. Und wie stolz müssen die Mitarbeiter des Gen.⸗Anz. auf die ihrige alle sein! Man höre nur in jeder Nummer,; auf jeder Seite diesen unendlich erhabenen Ton, in dem sich die Anzeigerrhetorik über alle andern Politiker der Zeit ergeht(den Kaiser und den Freiherrn von Worms natürlich ausgenommen). Rein sachlich betrachtet wird man sagen müssen, daß der Generalanzeiger und diejenigen seiner Leser, welche ein eigenes Urteil nicht haben, auch nichts anderes darstellen, als eine Partet, deren Wünsche und Ansichten in den Anzeigerspalten genau so konsequent und ge⸗ sinnungstüchtig formuliert werden, wie die unsrigen in unserm Programm. Daher giebt es manche bedeutende Persönlichkeit, möglicher⸗ weise vielleicht sogar fast ebenso bedeutende als die des Herrn Stein, die trotzdem unter der Mitarbeiterschaft desselben keinen Raum fände. Was unsere und andere Parteien von dieser Generalanzeigerpartet scheidet, ist dieses, daß wir eine Organisation haben, d. h. eine geregelte politische Erziehungsarbeit nach innen, ein ge⸗ schlossenes Auftreten nach außen. Es ist über⸗ flüssig, über Berechtigung und Zweck auch nur eine Silbe zu verlieren. Wie steht es nun innerhalb der organisterten Partei mit der Persönlichkeit? Ich denke, die ganze Parteiarbeit wird eben auch von Per⸗ sönlichkeiten geleistet. Natürlich sind größere und kleinere, klügere und dümmere darunter. Die letzteren werden die Parteianschauungen mehr mechanisch in sich aufnehmen und ver⸗ breiten. Nicht anders, wie es z. B. auch in der staatlichen Beamtenschaft viele derartige erbmonarchischer, christlicher und sonstiger alt⸗ hergebrachter Ideen giebt. Ihnen gegenüber werden die bedeutenderen Köpfe, denen das demokratische Prinzip nach Menschenmöglichkeit alle Gelegenheit zum Emporkommen bietet, mit ihrer Arbeit an das Programm selbst gehen. Sie werden teils neue Einsichten in seine Be⸗ rechtigung, neue Waffen zu seiner Verteidigung gewinnen, teils werden ste es kritisieren, neuen Verhältnissen anpassen, ergänzen, weiterbilden. Denn ein Progamm ist nicht, wie der Gen.“ Anz. zu glauben scheint, eine starre Schablone, ein Prokustesbett“), sondern eine organisch er⸗ wachsene und stets noch ferner entwicklungs⸗ fähige Verkörperung weitverbreiteter Anschau— ungen. Es erleichtert die politische Arbeit, in⸗ dem es der wirkenden Persönlichkeit die ersten Anknüpfungspunkte bietet, die Masse derjenigen um sie sammelt, bei welchen wenigstens die großen leitenden Gesichtspunkte— bei uns also die sozialen und demokratischen— schon vor⸗ ausgesetzt werden können. Wem diese nicht zusagen, muß eben einen anderen Boden für seine Saat suchen. So wird das Generalan⸗ zeigerprogramm irgendwo in dem Wirrwarr der Nationalliberalen seinen ganz bestimmten Platz finden. Welcher nun von den großen Grundge⸗ danken die ewige Lebensfähigkeit in sich trägt, ob der erbkaiserliche oder der demokratische, ob der kapitalistische oder der soziale, das mag jeder uach seiner Ueberzeugung entscheiden. Die uns⸗ rige wird durch das hochnäsige geistreichelnde Journalistenpathos des großen Annoncenblattes jedenfalls nicht erschüttert.—„Unparteiisch“ in der Politik— so fügen wir hinzu— ist stets soviel wie unehrlich; die sogenannten unpartetischen Preßorgane verfolgen nur ihre Geschäftszwecke und sind durchgängig ar⸗ beiterf eindlich. Pflicht jedes vernünftigen Arbeiters ist es, die Arbeiterpresse zu unter— stützen. — Der Errichtung zweier neuer Irrenanstalten stimmte der Finanzaus⸗ schuß der Zweiten Kammer zu. Zuerst soll die für Oberhessen in Gießen gebaut werden. Weiter stimmte der Ausschuß dem Main⸗Neckarbahnvertrage im Sinne der Re⸗ gierungsvorlage zu. 5 1% Prokustes nennt die alte griechische Sage einen Riesen, der alle zu ihm kommenden Fremden auf ein Bettgestell legte und dann denjenigen, die zu groß 975 dasselbe waren, die überstehenden Glieder abhackte, ie anderen, die zu klein waren, ausreckte, bis sie hineinpaßten. Als er den Helden Theseus ebenso be⸗ handeln wollte, wurde er jedoch von diesem über⸗ wältigt auf eben jenes Bett geworfen und ihm die natürlich viel zu langen Glieder abgeschlagen, sodaß er starb. Aus dem Rreise Friedberg⸗Püdingen. J. Wahlverein. In der nächsten Ver⸗ sammlung, die am 31. Mai im Vereinslokal „Stadt New⸗ York“ stattfindet, wird Krumm aus Gießen einen Vortrag über:„Politische Zeit⸗ und Streitfragen“ halten. Die Ge⸗ nossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Außer dem Vortrag steht noch die Abrechnung und sonstige Vereinsangelegenheiten auf der Tagesordnung. Aus dem Rreise Alsselsd-Cauterbach. r. Das Alsfelder Kreisblatt! sucht sich nach besten Kräften an der Ssozialisten⸗ vernichtung zu beteiligen. Kürzlich machte es sich einen Sermon der„Konservativen Korre⸗ spondenz“ zu eigen, in dem die Menschheit mit der Religionsfeindschaft der Sozialdemokratte graulich gemacht wird. Diese Kapuzinerpredigten verfangen nur in ganz beschränkten Kreisen. Offenbar kennt das Blatt unsern die Religion betreffenden Programmsatz gar nicht, oder es sucht, wie das ja für ein„Ordnungsblatt“ selbstverständlich ist, absichtlich Verwirrung über die Bestrebungen der Sozialdemokratie zu ver⸗ breiten, um uns so zu„vernichten“. Das wird aber auch damit nicht gelingen; wir haben nicht nötig, die Religion zu bekämpfen, die Verhält⸗ nisse im„christlichen“ Staate und das Verhalten der Musterchristen geben uns Angriffspunkte genug. Der finstere Glaubenswahn wird ganz von selbst weichen. Aus dem Nreise Weßlar. Von der Firma Hensoldt& Söhne, optische Werke in Wetzlar, erhalten wir eine Zuschrift, in der gesagt wird, daß unsere Mit⸗ teilung in der vorletzten Nummer, wonach in dem genannten Geschäft Lohnabzüge stattge⸗ funden hätten, auf„grober Unwahrheit“ beruhe; ein Lohnabzug sei nicht erfolgt.— Die Herren machen da nur einen sehr 1195 Unterschied. Wenn man unter„Lohnabzug“ eine Kürzung des Tagelohns versteht, so hat ein solcher allerdings nicht stattgefunden; wohl aber sind die Akkordpreise so, wie in unserer Notiz angegeben, herabgesetzt worden. Und für die Arbeiter kommt das doch beides auf eins heraus. h. Werden noch immer Chinakämp⸗ 11 gebraucht? Bei den letzten Koutrollver⸗ ammlungen in Wetzlar wurde wieder Umfrage gehalten nach Leuten, die nach China zu gehen bereit sind. Das ist merkwürdig, was sollen die Leute in China, da der Rachezug doch zu Ende ist? Auch von anderwärts wird berichtet, daß bei den Kontrollversammlungen Chinafreiwillige angeworben werden. Bei dieser Gelegenheit meinte in Bruck(Bayern) der Bezirksoffizier, es würde jeder sich Meldende auf seinen 155 mund geprüft werden, damit nicht wieder„solche Individuen und arbeitsscheues Ge⸗ sindel angeworben wird, wie vor zwei Jahren.“ Nun also, da hatten die Kritiker des Kreuzzuges doch recht! n Ist das Amtsblatt soztalistisch gewor- den? In dem Pfingstartikel des„Wetzl. Anz.“ finden sich folgende Sätze: Dann wird das letzte Schwert zur Pflugschaar, das verderbliche Pulver.... wird nur noch dazu dienen, Wege durch Felsenwüsten zu erzwingen und der Civilisation und Kultur eine Gasse zu öffnen in unwegsame Klüfte und Bergeinödden. Man wird nicht mehr begreifen, wie ein Bruder den an⸗ dern bekriegen konnte mit Feuer und Schwert um schnöden Gewinnstes willen, anstatt sich mit ihm zu verständigen in freiem und offenem Worte— man wird nicht mehr fassen, wie die Sprache, die uns gegeben war, die Gedanken zu offenbaren, die Herzen zu finden und zu verbinden, mißbraucht wer⸗ den konnte, um die Gedanken zu verbergen, zu Trug, Verrat, List und Ränken. Man wird nicht ver⸗ stehen, wie ein Bruder sich besser glauben konn te als sein Bruder, weil diejenigen, aus deren Blute er entsprossen, sich Thaten und Verdienste erwarben, wie Völker einander zerfleischten, weil sie verschieden waren an Sprache, äußerer Bildung oder Hautfarbe, oder weil sie die Güte und Macht des Schöpfers verehrten in einer anderen Form, nach einem andern Ritus! Das ist ja für das Amtsblatt ganz überraschend vernünftig! Für die Folge wird es also gewiß den — Nr ah e— Agen, perelul Man dort wachel Gesin U * zuleg i ge eue fla ill Mil felt 8 sam auch Hutu berhd daß gung See für gc merl. wenn als da ther Kind zum her auch wirt als dan gb schl in spie blut noch wirt endl. Son lähr Vole bere dörf eine machte eg en Korre⸗ Gheit mit wi Thredigten i Fressen. Religion oder ez igsblatt“ rung über le zu ber⸗ Das wird aben nicht Verhält⸗ Werhalten iffspunkte vird ganz Söhne, wir eine sere Mit⸗ wonach in ze stattge⸗ t“ beruhe; die Herten terschied. 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Aus dem Nreise Marburg⸗-Rirchhain. * Einen 5 Millionen Mark⸗Pump an⸗ zulegen beschlossen die Stadtväter am Freitag in geheimer Sitzung. Das Geld soll zu Schul⸗ neubauten, Kasernenerweiterungen, Neu⸗ pflasterungen usw. verwendet werben, außerdem will man damit die Convertierung von 3½ Millionen Mark Schulden durchführen. Warum hielt man denn die Sache so geheim? St. In der letzten Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung am Freitag voriger Woche wurde u. a. auch über die Festsetzung der Gebühren für die Be⸗ nutzung der städtischen Bade-⸗Anstalt für die Schuljugend verhandelt. Stadtverordneter Engel trat dafür ein, daß die Volksschüler in der Anstalt unter Beaufsichti⸗ gung frei baden könnten, während Stadtverordneter Seebinger für Ermäßigung des Preises auf 10 Pfg. für die Arbeiter eintrat. Stadtverordneter Heuser schloß sich den Ausführungen Engels an, indem er be⸗ merkte, daß den Arbeitern mehr dadurch genützt wäre, wenn man ihren Kindern ein freies Bad ermöglichte, als wenn mau ihnen auch noch die 10 Pfg. erließe, da unter den heutigen Verhältnissen jedem Arbeiter es eher möglich sei, für sich 10 Pfg. auszugeben, als seinen Kindern, je nach der Zahl derselben, 40 bis 50 Pfg. zum Baden zu geben. — An Festen hat es während der Pfingstfeiertage hier und in der Umgegend nicht gefehlt und natürlich auch nicht an den dazu gehörigen— Prügeleien. Da wird zunächst renommiert, daß man als Soldat, sogar als Kavallerist oder gar bei der Garde gedient hat und dann geht es so nach und nach los, einer hat immer größere Heldenthasen vollbracht als der andere und schließlich artet die Sache, wie z. B. am 2. Feiertag in Ockershausen, in eine Keilerei aus. Das Messer spielte dort auch wieder eine Hauptrolle dabei, sodaß es blutig Köpfe und sonstige Verletzungen genug gab und noch ein gerichtliches Nachspiel folgen dürfte. Wann wird es bei diesen Leuten, die doch alle Arbeiter sind, endlich einmal Licht werden?! — Der Gesang verein„Eintracht“ feiert am Sonntag, 21. Juni, im Schloßgarten dahier, sein dies⸗ jähriges Sommerfest, bestehend in Instrumental⸗ und Vokal⸗Konzert, Volksbelustigungen und Tanz. Die Vor⸗ bereitungen zu dem Feste sind in vollem Gange und dürfte es bei der großen Beliebtheit des Vereins an einem zahlreichen Besuche wohl nicht fehlen. Kleine Mitteilungen. * Aus der Lahn geländet wurde am Dienstag vor acht Tagen in der Nähe der Badenburg die Leiche eines 70 jährigen Mannes aus Wiß mar. Der Mann hatte am Morgen seine Wohnung verlassen, um seinen Sohn zu besuchen. Es ist ihm mög⸗ licherweise ein Unfall zugestoßen, da ein er⸗ sichtlicher Grund zum Selbstmord nicht vor⸗ liegt. In Wißmar erfreute sich der Ver⸗ unglückte allgemeiner Achtung, was die zahl⸗ reiche Beteiligung an seinem Begräbnisse bewies. * Hochwasser. Infolge der regnerischen Witterung der letzten Tage sind die Nebenflüsse des Rheins, Mosel, Saar, und dieser selbst stark angeschwollen. An verschiedenen Stellen ist der Rhein aus den Ufern getreten. * Der Treber⸗Schmidt, der noch in Kassel in Untersuchung sitzt, macht dem gericht⸗ lich bestellten Bücherrevisor außerordentlich viel Arbeit. Es vergeht fast kein Tag, wo er ihm nicht 12—20 Seiten lange, mit Zahlen über⸗ säte Schriftstücke zusendet, durch die er darzu⸗ —legen versucht, daß seine(Schmidt's) in vielen Beziehungen beanstandeten Buchungen doch korrekt seien. Unter diesen Umständen dürfte wohl kaum vor dem Herbst ein Abschluß der Untersuchung zu erwarten sein. g Eisenbahnunglück. Am zweiten Feiertage abends fuhr im Bahnhof Neuß a. Rh. ein Personenzug einem Güterzug in die Flanke und entgleiste. Acht Wagen wurden zertrümmert; ein Reisender getötet, 4 Personen schwer, 44 leicht verwundet. 2 5 * Massenverhaftungen haben kürzlich in Dresden stattgefunden. Nicht weniger als 73 Per⸗ sonen, meisteus Frauen, sind wegen Verbrechen gegen das keimende Leben in Untersuchung gezogen. Eine große Anzahl dieser Personen ist zeitlebens gesundheitlich geschädigt. Drei Frauen sind in Folge der verb recherischen Handlungen gestorben. n Dem Rezitator Walkotte wurde in Posen polizeilich verboten, eine Rezitation des Gerhardt Hauptmann'schen Dramas„Die Weber“ zu geben. Wahrscheinlich nimmt die Polizei an, daß den Groß⸗ grund⸗ und Fabrikbesitzern die erbärmliche Lage der Arbeiter ihrer Provinz schon genügend bekannt sei. * Gräßliches Bergunglück. In Knoxville (Nord-Amerika) wurden durch schlagende Wetter in einem Kohlenbergwerk etwa 300 Bergleute getötet.— In einer anderen Kohlengrube in Tennesee erfolgte eine Explosion, die 150 Menschen das Leben kostete. Aufruf! Arbeiter⸗Sänger! Wie auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet die Arbeiter ihre eigenen Organisationen bilden, durch die sie sich die ihnen gebührende Macht erringen, so auch auf dem Gebiet des Gesanges. Der Arbeiter⸗Sängerbund für den Rhein⸗ und Maingau(gegründet am 1. April 1899) hat die früher zersplitterten und daher wirkungs⸗ losen Kräfte der Einzel⸗Vereine zu einer Or⸗ ganisation vereinigt und sich als solche der Liedergemeinschaft der Arbeiter⸗Sänger⸗Ver⸗ einigungen Deutschlands angeschlossen. Der⸗ selben gehören heute bereits 970 Vereine mit einer Mitgliederzahl von 40,000 Sängern an. Die Liedergemeinschaft, unterstützt von tüchtigen freiheitlich denkenden Dichtern und Kompo⸗ nisten, gab uns das Arbeiterlied, das unsere Hoffnungen, unsere Freuden und Leiden zum Ausdruck bringt. Daß diese Kompositionen nur zu oft im schroffsten Gegensatz zu denen der bürgerlichen Welt stehen, welch denkender Arbeiter weiß und liest das nicht? Und doch sind noch zahlreiche Sänger vorhanden, die sich von dem alten Schlendrian nicht losreißen und anstatt auch im Liede sich zu freiheitlichen Anschau⸗ ungen zu bekennen, deren Gegnern Gefolgschaft leisten, die es sich gefallen lassen, zu nationalen Festen, zu Fackelzügen, für Kirchenparaden und dergleichen Veranstaltungen mehr benutzt zu werden. Hier Wandel zu schaffen, ist unsere nächste Aufgabe. Wohl bestehen bereits in 48 Orten unseres Bezirks Arbeiter-Gesangvereine, welche sich uns angeschlossen haben, aber noch fehlen manche Städte und Orte, bei denen mit Bestimmtheit vorausgesetzt werden kann, daß sangeskundige Anhänger vorhanden und zu finden sind. Mögen diese sich in Arbeiter-Gesangver⸗ einen organisieren, welche bestrebt sind, das freie Lied im Dienste der Aufklärung zu pflegen und die Feste der vorwärts strebenden Arbeiterschaft zu verschönern. Blicken wir in fast sämtliche Gesangvereine(und unsere Gegend ist reich an Gesangvereinen!), so sehen wir, daß sie fast durchweg aus Arbeitern bestehen, denen es bei gutem Willen ein Leichtes sein müßte, dahin zu drängen, daß sich der Verein uns anschließt. Dem Arbeiter⸗Sängerbund für den Rhein⸗ und Maingau gehören zur Zeit 61 Vereine an mit einer Gesamt⸗Mitgliederzahl von zirka 4000 Sängern. Der Eintritt kann jederzeit erfolgen. Das Eintrittsgeld beträgt 2 Mark, der Quartalsbeitrag 1.50 Mark, wofür den Vereinen die von der Liedergemeinschaft zur Ausgabe kommenden Lieder(im Jahre vier) in je einer Partitur und fünf Quartetten gratis abgegeben werden, während Mehrbe⸗ stellungen zum Selbstkostenpreis(pro Quartett 10 Pfg.) abgegeben werden. f Also Arbeiter⸗Sänger! Agitiert dafür, daß sich die Vereine, in denen Ihr Euch noch befindet, uns anschließen! Oder tretet aus den Vereinen aus und schließt Euch den be⸗ stehenden Arbeiter⸗Gesangvereinen an! Anfragen und Beitrittserklärungen sind zu richten an den Vorsitzenden des Bundes Georg Fladung, Hausen bei Frankfurt a. M. Arbeiterbewegung. Maurerausstand. In Coblenz sind seit Dienstag die Maurer ausständig. Es heißt, daß bei den Truppenteilen Umfrage nach Maurern gehalten worden sei. Sollen die Soldaten zu Streikbrechern kommandiert werden? Die Bergarbeiter hielten in Essen ihren Verbandstag ab, an den sich der inter⸗ nationale Bergarbeiter⸗Kongreß in Düsseldorf anschloß. Auf diesem waren 40 Engländer, 50 Dentsche, 7 Oesterreicher, 2 Franzosen und 5 Belgier anwesend. Partei-UMachrichten. Zur Landtagswahl. Auf Einladung des Zentral-Wahlkomitees für die Landtagswahl tagte am Sonn⸗ tag vor 8 Tagen in Offenbach eine Konferenz der Vertrauensleute des 16. Land⸗ tags⸗Wahlbezirkes(Offenbach-Land), welche von sämtlichen Vertrauensleuten des Bezirks besucht war. Landtagsabg. Rau⸗Mülheim ließ der Konferenz mitteilen, daß er nicht mehr die Absicht habe, zu kandidieren, da er seine ganze Kraft einsetzen wolle für die Agi⸗ tation im Reichstags⸗Wahlkreise Erbach⸗Bens⸗ heim. Als Kandidat für diesen Kreis wurde Ulrich aufgestellt. Für den bis jetzt von Ulrich vertretenen Kreis wurde Genosse Or b in Vorschlag gebracht. Allgemein hielt man es für notwendig, sich schon jetzt nach partei⸗ genössischen Wahlmännern umzuschauen. Der sozialdemokratische Verein Nürnberg hat in seiner Generalversammlung vom 14. Mai wieder zwei seiner Mitglieder und zwar Roßkopf und Ströbert ausgeschlossen. Roßkopf, der mehrfach Ehrenämter in der Partei bekleidete, hatte eingestandener⸗ maßen im Anfang 1900 einen gegen den damaligen leitenden Redakteur der„Tagespost“, Südekum, gerich⸗ teten Artikel an den freisinnigen„Fränk. Kurier“ ge⸗ schickt. Ströbert war ihm dabei behilflich. Diesem machte R. später ein Geldangebot, um ihn zum Schweigen zu veranlassen, sowie seine früheren Aussagen gegen R. in einem Briefe an den Vorstand des sozialdemokrati⸗ schen Vereins als unwahr zu bezeichnen und sich selber der Lüge zu bezichtigen. Die ganze Angelegenheit war vorher von einer Kommission eingehend untersucht worden. Roßkopf's Verteidigung war äußerst kläglich. Die Ge⸗ neralversammlung stimmte mit großer Mehrheit für den Ausschluß der Beiden. Versammlungs kalender. Samstag, den 24. Mai. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag.— Tapezierer. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Vortrag des Koll. Schäfer-Frankfurt. Sonntag, den 25. Mai. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Nachm. 3 Uhr Versammlung bei Wirt Karl Steinmüller. Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig. Lollar. Wahlverein. Vormittags 101½½ Uhr Versammlung bei Wirt Schupp. 5 Dienstag, den 27. Mai. Lollar. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Weinrich. Freitag, den 30. Mai. Gießen. Fabrik- und Hilfsarbeiter. 8 Uhr Versammlung bei Orbig. Abends — ö Letzte Nachrichten. Auf Martinique befindet sich die ganze Bevölkerung in wilder Panik, belagert die Häfen und verlangt Gelegenheit zur Abreise.— Pro⸗ fessor Jagger, berühmter Geologe, erklärte den Mont Pellee für gefährlicher als je. „Humoristisch⸗poetischer Wegweiser durch die Musenstadt Gießen“ betitelt sich das aus der Feder des in Gießen durch seine in Gießener Mund⸗ art verfaßten Gedichten und Humoresken bekannten Herrn Carl Geißler. 68 Seiten stark, broschiert, Preis Mk. 1.—. Das handliche Büchlein wird nicht allein jedem Gießener ein willkommenes Nachschlage⸗ und Unterhaltungsbüchlein, sondern auch allen in der näheren und weiteren Umgebung von Gießen wohnenden Ober⸗ hessen ein beliebter Reisebegleiter sein, zumal der ganze Inhalt durch vortrefflichen Humor gewürzt, das Lesen der interessanten Beschreibungen höchst erheiternd wirkt. Aber auch die geschichtlichen und historischen Daten der Stadt Gießen finden sich genau in deu Buche verzeichnet, es wird somit jedem Fremden bei einem Besuche Gießens gute Dienste leisten. Das Buch ist in allen Buchhand⸗ lungen zu haben. rr 1— — 2 2 PPP 3 —— — Dr 5 3* 1— . . - 2 7 8 n — Seite 6. ————— ee eee ee, eee Nitteldeutsche Souutaas⸗Zeitung. 0 Ge 10 Unterhaltungs-Ceil. 7 ——— 4 Gerechtigkeit. Wie fröhlich unsre Saaten rings gedeihen! Wie glücklich unsre Arbeit uns gerät! Nur Menschen freilich steh'n in unsern Reihen, Doch schlechtre nicht als ihr, die ihr uns schmäht. Und unsern Haß, den müßt ihr uns verzeihen. Ihr frommen Christen habt ihn selbst gesät. Denn schier vergessen hat seit langer Seit Die„Nächstenliebe“ die Gerechtigkeit. Nicht kommen wir in Demut und mit Bitten Wir fordern, daß ihr löset unsre Haft Noch ist in uns trotz eurer Sklavensitten Der starke Stolz des Mannes nicht erschlafft. Wir haben allzuviel von euch gelitten, Und fühlen allzudeutlich unsre Kraft. Wir haben zu Millionen uns geweiht Dem großen Ringen um Gerechtigkeit. wir müssen fordern, was wir von euch wollen, weil des Gewissens Stimme aus uns spricht. Und mögt ihr grimmig mit den Augen rollen, Wir seh'n euch frei und offen in's Gesicht. Wir fordern nur, was alle haben sollen, Wir fordern weniger, als Christenpflicht: Wenn ihr zu lieben uns nicht fähig seid, So gebt uns wenigstens Gerechtigkeit. Der Menschheit wollen mutig wir vertrauen, In diesem Glauben laßt uns einig sein, Mhn' Vorurteil in's Leben schauen. Wer's kann die Hand! Er schlage ehrlich ein. Er kann fortan auf unsre Hülfe bauen. Ghnmächtig ist der Einzelne allein. Wie dann der Gegner auch nach Waffen schreit: Zum Siege führt uns die Gerechtigkeit! Das Kind. Von Guy de Maupassant. III. Er war hinausgestürzt und hatte den ersten Hut, der ihm in die Hände fiel, ergriffen. Dann warf er irgend einen Ueberzieher über die Schultern und eilte die Treppen hinunter. Ehe er auf die Straße kam, machte er bei der Gaslampe Halt und überlas den ganzen Brief noch einmal in Ruhe. Es stand folgen— des darin: „Sehr geehrter Herr! Eben ist ein Fräulein Ravet von einem Kind entbunden w¾orden. Das Mädchen scheint früher Ihre Geliebte gewesen zu sein, denn sie giebt mit aller Bestimmtheit an, daß Sie der Vater des Kindes sind. Die Mutter ringt mit dem Tode und bittet durch mich noch um Ihren Besuch. Ich erlaube mir, diese Zeilen an Sie zu richten, und bitte Ste gleichzeitig, dem Mädchen doch diesen Wunsch zu ge— währen. Es wird wohl ihr letzter sein. Das arme Ding ist sehr unglücklich und verdient wahrhaftig Mitleid. Mit ergebenstem Gruß Doktor B.“ Ohne zu zögern, eilte Jakob nun nach der Wohnung der Sterbenden und fand dort seine frühere Geliebte in den letzten Zügen liegen. Zuerst erkannte er sie überhaupt nicht. Der Arzt und zwei Krankenwärterinnen waren mit der Pflege beschäftigt, und überall standen auf der Erde Elmer herum, und lag auch eine Menge Eis. Das Eis war zum Teil schon geschmolzen und rann nun in kleinen Bächen auf dem Boden entlang. Auf einer Kommode standen zwei brennende Kerzen und hinter dem Bette hatte eine kleine Korbwiege ihren Platz gefunden. In dieser lag ein kleines Kind und schrie, und jedesmal, wenn das kleine Wesen einen Schrei ausstieß, dann zuckte die junge Mutter zusammen. Sie lag in Eiskompressen völlig eingebettet; aber sie war einer wirklichen Bewegung nicht fähig, sondern konnte nur Sie hatte Jakob erkannt und wollte ihm ihre Arme entgegenstrecken, aber ste konnte nicht, denn ste war zu schwach dazu, und nun fingen auch die Thränen an, über ihre tot⸗ blassen Wangen zu fließen. 1 Bett auf die Knie Jakob fiel neben ihrem ö nieder. Er faßte ihre schlaff herniederhängende Hand und küßte sie auf das Inbrünstigste. Dann beugte er sich selbst auf das bleiche Ge⸗ sicht hernieder, und als er es berührte, ging ein Zittern über die ganze Gestalt. Die eine von den Wärterinnen hob ein Licht in die Höhe, um der Gruppe zu leuchten. Im Hintergrund des Zimmers stand still der Arzt und beobachtete sie, und dann sprach die junge Wöchnerin mit matter, hinsterbender Stimme: „Mein Heißgeliebter, ich muß sterben. Aber gieb mir doch das Versprechen, daß Du bis zum Augenblick meines Todes bet mir bleibst, ach, verlasse mich nur nicht; gehe nur jetzt im letzten Augenblick nicht von mir!“ Jakob schluchzte laut auf und drückte einen heißen Kuß auf ihre Stirne. Dann murmelte er leise vor sich hin: „Sei nur ganz ruhig; ich bleibe ja doch bei Dir.“ Sie war einige Minuten ruhig, denn ste war so schwach, und ihr war so beklommen zu Mute, und sie konnte schon deshalb nicht weiter sprechen. Dann aber ermannte sie sich und fuhr flüsternd fort: „Das Kind gehört Dir; das schwöre ich Dir in dieser Stunde! Ich schwöre es bei dem allmächtigen Gott! Ich schwöre es bei dem Heile meiner armen Seele! Und ich schwöre es im Angesicht des Todes. Nie habe ich mich einem Manne hingegeben, als nur Dir allein! Gieb mir das Versprechen, daß Du das arme Kind nicht verstoßen wirst!“ Er versuchte jetzt, das arme, blutlose, sterbende Mädchen in seine Arme zu schließen. Schmerz, Kummer und Selbstanklagen quälten ihn, und er stammelte verwirrt zu ihr: „Ja, das schwöre ich Dir. Ich werde das Kind aufziehen und will es auch lieben, nie⸗ mals soll es von meiner Seite kommen.“ Als die junge Mutter dieses hörte, ging ein freudiges Lächeln über ihr marmorblasses Gesicht. Sie machte den Versuch Jakob zu umarmen, aber sie besaß dazu nicht mehr die Kraft und konnte ihren Kopf nicht mehr heben. So hielt sie denn die blassen Lippen zum Kusse zugespitzt ihm hin. Er näherte seiuen Mund dem ihrigen und erhielt so die letzte Liebkosung der Sterbenden. Sie war nun ein wenig beruhigt und flüsterte ihm leise zu: „Bringe mir das Kind her, ich will mich überzeugen, ob Du es wirklich lieb hast.“ Und er nahm das Kind auf seine Arme und brachte es zu ihr hin; er legte es auf das Bett, und da hörte plötzlich das kleine Würm⸗ chen mit seinem kläglichen Weinen auf; sie aber flüsterte Jakob zu: „Halte Dich jetzt ganz still und bewege Dich nicht.“ Und er folgte ihren Worten und blieb ruhig auf dem Bette sitzen und hielt ihre Hand in der seinigen; das war eine Hand, auf die der Tod seinen eisigen Kuß gedrückt hatte, während die seinige brannte wie Feuer. Und nun dachte er daran, wie er vor ganz kurzer Zeit noch die Hand eines anderen Weibes in seiner Hand gehalten hatte und wie diese von Liebes— lust gelebt hatte. Ab und zu sah er mit einem flüchtigen Blick nach der Uhr hin, und er achtete darauf, wie der Zeiger immer weiter rückte. So wurde es denn Mitternacht, dann schlug die zwölfte Stunde, ein Uhr kam heran und schließlich war es zwei Uhr morgens. IV. Der Arzt hatte sich still entfernt; eine Zeit lang waren die beiden Krankenwärterinnen mit ruhig hingesetzt und waren auf ihren Plätzen eingeschlummert. Das Kind lag ebenfalls im Schlafe und die junge Mutter hielt die Augen festgeschlossen und schien zu schlafen. a Nun stahl sich schon das blasse Licht des jungen Tages geheimnisvoll durch die Fenster⸗ vorhänge in das Zimmer hinein. Da breitete sie plötzlich ihre Arme aus und machte eine so hastige Bewegung, daß sie beinahe das auf dem Bette liegende Kind auf die Erde geworfen hätte; aus iher Kehle drang ein röchelnder Ton hervor und dann lag sie plötzlich regungs⸗ los da; sie war eine Leiche. Die Wärterinnen waren bei dem Geräusch schnell aufgesprungen und an das Bett heran⸗ 1 und sagten nun zu Jakob:„Sie ist erlöst.“ Er sah sich noch einmal dieses weibliche Wesen an, das er einst so heiß geliebt hatte, dann blickte er auf die Uhr; sie zeigte die vierte Morgenstunde an. Da vergaß er denn seinen Ueberzieher und stürmte im bloßen Frack davon; auf den Armen trug er das Kind. Er hatte, wie wir wissen, seine Frau beim Eintreffen des Briefes ganz allein gelassen. Ruhig hatte diese in dem kleinen, japanischen Salon auf den Davongelaufenen gewartet, aber er kam immer noch nicht und noch nicht, und da war sie denn schließlich in den Salon ge⸗ gangen. Im Aeußeren sah sie ganz gleichgülti und ruhig aus, aber ihr Inneres war 1573 fürchterlich aufgeregt. Da traf sie ihre Mutter, und diese fragte nun in kaltem, geschäftsmäßigem Tone:„Wo ist denn nur Dein Mann geblieben?“ Ruhig antwortete sie:„Er ist auf sein Zim⸗ mer gegangen und muß jeden Augenblick wieder erscheinen.“ Eine Stunde verging, und nun fragten alle Gäste nach dem Gatten. Dann erzählte sie ihnen von dem Briefe und teilte ihnen mit, wie Jakob sehr bestürzt ausgesehen hätte, und das sie infolgedessen die größte Angst hätte, daß ihm irgend ein Uuglück geschehen sein könnte. Es wurde noch eine Weile gewartet. Dann verließen die Gäste das Haus, und es blieben nur die nächsten Angehörigen der Familie in dem verödeten Hochzeitshause zurück. Um Mitternacht drangen die Eltern darauf, daß sich die arme, bange Frau, die fortwährend auf das heftigste schluchzte, niederlegen sollte. Die Mutter und zwei Bekannten saßen still und ohne ihr ein Wort des Trostes spenden zu können, um das Bett herum und hörten, wie die Verlassene immerwährend vor sich hin weinte. Der Vater war auf das nächste Polizeirevier gegangen und ließ von dort aus Nachforschungen nach dem Verschwundenen anstellen. Da ließ sich plötzlich um fünf Uhr morgens ein leises Geräusch au der Korridorthüre hören. Die Thür wurde aufgemacht und dann gleich wieder leise zugedrückt. Gleichzeitig tönte plötz⸗ das verödete Haus, der lich ein Schrei durch als ob eine Katze mi⸗ sich beinahe so anhörte, aute. Im selben Augenblicke standen alle Frauen auf ihren Füßen; aber trotz der Wache von Mutter und Tanten war Bertha im Nachtkleid zuerst uach dem Korridor hinausgestürzt. Blaß wie eine Leiche stand Jakob ihr gene über. Er hielt in seinen Armen ein kleines Kindchen. Die vier Frauen standen zunächst wie erstarrt da und blickten ihn entsetzt an; aber Bertha hatte plötzlich Mut bekommen und lief ihm entgegen. Wie ein Blitz zuckten aus ihrem Munde die Worte hervor:„Was ist geschehen, sage mir doch nur, was ist denn geschehen?“ Er sah sie mit starren Blicken an, als wenn er seinen Verstand verloren hatte:„Ach es,... es ist.. ich bringe hier ein kleines Kind mit, die Mutter ist eben gestorben.“ Mit ungeschickten Händen hielt er seine'r Frau das kleine, hilflose Wesen entgegen, das eben wieder u schreien anfing. Bertha sprach kein Wort, sie nahm das Kind, küßte es und drückte es an ihren Busen. Dann erhob sie ihre Augen- lider, die von Thränen schwer waren, zu ihrem Gatten und sprach zu ihm: Du sagst, daß die Mutter des Kindes verstorben ist“ und er ant⸗ leisen Schritten noch immer in der Stube hin⸗ leicht erbeben. und hergehuscht, aber dann hatten auch sie sich wortete:„Ja, sie ist eben verschieden; ich habe sie in den Armen gehalten. Seit dem Sommer Nr. 21. — N er Aida aner Ant Aare Reih uh gang 1 . 0 f. b tum, fal Holl und sed weilliche t hatte, 55 e die bierte denn seinen Jat dadon ie Frau beim lein gelassen Japanischen gewartet, aber 9 nicht, und Salon ge⸗ U gleichgültig es war doch ihre Mutter, bäftsmäßigem n geblieben?“ uf sein Zim⸗ jenblick wieder nun fragten ann erzählte lte ihnen mit, en hätte, und igst hätte, daß sein könnte. partel. Dann d es blieben er Familie in zurück. Un arauf, daß sich während auf n sollte. Die zen fill und b spenden zu d hörten, wie 10 hne Polizeirevier sachforschungen en. 5 Uhr morgen dorthüre hören, 0 daun gleich —— Nr. 21. Mitteldeutsche Sonntags⸗Heitnug. Seite 7. hatte ich das Verhältnis mit ihr aufgelöst. Ich habe nicht gewußt, daß sie in dieser Lage ist. Der Arzt hatte mich durch einen Brief zu sich gerufen.“ Da flüsterte Bertha: „Geliebter, so wollen wir beide das kleine Kind aufziehen!“ St. Pierre auf Martinique und die Insel St. Vincent. Von der nordamerikanischen Halbinsel Flo⸗ rida erstreckt sich bis zum Nordrand von Süd⸗ amerika die Inselkette der großen und kleinen Antillen. In großem Bogen schließen sie das Karasbische Meer ein. Anscheiuend bildet die Reihe der Vulkane am inneren Rande der Insel⸗ gruppe die Ueberreste eines einst zusammen⸗ hängenden, aber in Stücke gebrochenen Gebirges, in dem freilich das innere vulkanische Leben noch nicht erloschen ist, wie sich in diesen Tagen so furchtbar gezeigt hat. Die Fruchtbarkeit des Bodens, der Reich⸗ tum, den die tropische Sonne reifte, hat schon früh die Antillen zum geschätzten Kolonialbesitz von Spaniern, Dänen, Niederländern, Engländern und Franzosen gemacht. Die Insel Martinique gehört mit der weiter nördlich gelegenen Insel Guadeloupe — deren Deputirter, nebenbei bemerkt, der Sozialist Gerault⸗Richard ist— seit 1814 zum französischen Kolonialbesitz. Mitten durch Martinique zieht sich ein hohes Felsengebirge, aus dem sich Vulkane, wie der Mont Pelé e(1350 Meter hoch), dessen Krater ein kleiner See erfüllte, und die dreigipfeligen Pitons du Carbet(1207 Meter) erheben. Sechs der Gipfel umschließen erloschene Krater. Infolge dieses vulkanischen Ursprungs ist Mar⸗ tinique schon öfter heftigen Erdbeben ausgesetzt gewesen. Am 17. Januar 1839 bereits wurde Fort de France, die Hauptstadt der Insel, mit trefflichem Hafen und etwa 15,000 Einwohnern, fast vollständig zerstört. Im Jahre 1851 traten wieder vulkanische Erscheinungen ein. Auf dem Mont Pelse bildeten sich zwei neue Krater, die Schlamm und Asche spieen. Seit jener Zeit jedoch sind weitere Ausbrüche nicht erfolgt. Von den 175,000 Einwohnern der Insel sind nur 10,000 Weiße, und unter diesen be⸗ befinden sich wieder nur 675 in Frankreich ge⸗ borene; die Mehrzahl der Bevölkerung sind Neger und Mulatten. Ackerbau ist die Haupt⸗ beschäftigung der Bevölkerung und dessen Haupt⸗ produktionszweig die seit 1647 eingeführte Zucker⸗ rohrkultur, der von 42,490 Hektar bebauten Landes 28,450 Hektar angehören. Die ganze Insel umfaßt 988 Quadratkilometer. Die Stadt St. Pierre liegt an der Nord⸗ westküste der Insel und ist 1665 gegründet. Sie war der Haupthandelsplatz der Insel und Sitz des Bischofs; ihre Straßen waren eng und mit hohen Häusern besetzt. Der untere Stadtteil Le Monillage am Hafen war besonders unge⸗ sund. Von öffentlichen Gebäuden sind anzu⸗ führen eine Kathedrale, ein Gymnasium, ein Justizpalast, eine Irrenanstalt, ein Theater, ein Rathaus usw. Frankreich unterhielt außer dem Verwaltungsapparat und einer Garnison eine Kolonialschule und ein Marinehospital. Die Industrie umfaßte besonders die Fabrikation von Rum und Orangenliqueur. Die großen Pariser Importhäuser hatten bedeutende Nieder⸗ lagen auf der Insel. Bekannt ist St. Pierre als Zuckerausfuhrhafen. N 2 Die Einwohnerzahl der Stadt betrug schon — 1889 nicht weniger als 29,100 Seelen und hat seitdem noch zugenommen, die Zahl der Be⸗ wohner kurz vor dem Vulkanausbruch wird auf 36,000 Köpfe geschätzt. 1 Die zerstörte Stadt erstreckte sich in nord⸗ südlicher Richtung zwischen dem Meeresufer und den ein wenig landeinwärts sich erhebenden Höhen in einer Länge von ungefähr 2 Kilo⸗ metern. Eine größere Zahl von alleinstehen⸗ den Wohnhäusern befand sich auf dem Gipfel der mit Felder und Plantagen bedeckten An⸗ höhen. Von besonderer Schönheit war der botanische Garten. Der Vulkan Pelce, welcher der Stadt so verderblich geworden ist, liegt nordnordöstlich etwa 8—9 Kilometer von St. Pierre entfernt. Hier mag gleich eine kurze Notiz über die Nachbarinsel St. Vincent folgen, auf der ebenfalls eine Eruption stattgefunden hat. Die 42,000 Einwohner zählende Insel St. Vincent gehört den Engländern und liegt südlich von Santa Lucia, zwischen dieser Antille und Grana⸗ da. Der Vulkan La Souffrieère ist 1130 Meter hoch und hatte bisher zwei Krater, von denen der eine, mit Wasser ausgefüllt, 5 Kilo- meter Umfang und 150 Meter Tiefe hatte, während der andere, der 1812 einen Ausbruch hatte, kleiner ist. So ist nun die Insel Martinique am 8. Mat 1902 Schauplatz einer Katastrophe ge⸗ worden von so furchtbar verheerender Allgewalt, wie sie nur für das Jahr 79 u. Chr. bei der Zerstörung von Pompeji und Herculanum, für das Jahr 1755 bei der Heimsuchung Lissabons, die 30,000 Menschenleben vernichtete, und schließ⸗ lich in der jüngeren Vergangenheit für das Jahr 1883, in dem die Insel Krakataua mit nahezu 70,000 Einwohnern durch Erdbeben im Sundameer verschwand, mit blutroten Lettern in das Buch der Geschichte eingezeichnet ist. Folgende Zusaumenstellung vulka⸗ nischer Katastrophen dürfte gerade jetzt angesichts der Vorgänge auf den Antillen von Juteresse sein: 79 p. Chr. Pompeji und Herculanum zerstört. 1667 Schemacha im Kaukasus, drei Monate dauernde Erdbeben, 80 000 Personen getötet. 0 Royal auf Jamaica zerstört, 3 000 ote. In Sizilien 54 Städte und 300 Dörfer vernichtet, 100 000 Tote, darunter 18 000 in Catania, von dem kaum eine Spur übrig blieb. Yeddo in Japan ruiniert, 200 000 Tote. Bei Peking wurden 100000 Personen getötet. ) Lima und Callao zerstört, 18000 Ein⸗ wohner unter den Ruinen verschüttet. Port⸗au⸗Prince auf Santo Domingo zerstört. Erdbeben in Quito und in Lissabon, wo binnen acht Minuten durch eine Flut⸗ welle die meisten Häuser zerstört wurden und 50000 Einwohner das Leben verloren. Erdbeben in Martinique. St. Lucia, 900 Tote. Das ganze Land zwischen Santa Fe bis Panama, einschließlich Quito und Cuczo zerstört, 40000 Tote. 1812 Erdbeben in Caracas, fast 12 000 Tote. 1839 Erdbeben in Martinique, 700 Tote in Port Royal. 1842 Care Haytien, Sant Domingo, 4000 Tote. 8 Pointe à Pitre auf Guadeloupe zerstört. Quito, 5000 Tote. Arequipa, Iqujque, Tacua und andere Städte in Peru zerstört. 200 000 Tote und Eigentum im Werte von 1 200 Mil⸗ lionen Mark vernichtet. Java, über 30 Vulkane, insbesondere der Krakatoe in Thätigkeit. Asche, Steine und Schlamm wurden 75 Kilometer weit geschleudert; 35 000 Tote. Kamaischt in Japan durch Erdbeben zerstört, 1000 Tote, 20 000 Personen durch eine Flutwelle weggeschwemmt. Februar 1902 Schemacha im Kaulasus, 2 000 Häuser zerstört, 4000 Tote. April 1902 Verschiedene Städte in Guatemala zerstört, Hunderte von Toten. Das soʒ ĩalĩstische candgut. „Ein Mann, ein Wort“, hat Gamp gesagt; Nun kann's uns nicht mehr fehlen. Er schenkt ein Gut! Wir brauchen nur Die Leitung noch zu wählen. Um den Erfolg ist mir nicht bang: Wir haben viel Talente Und ziehen aus dem Gamp'schen Gut. Ganz sicher hohe Rente. 1692 1693 1767 1788 1797 1883 1895 Dem Aufsichtsrat, das ist ganz klar, Wird Singer präsidieren, Denn der ist ein Finanzgenie Und kann repräsentieren. Auch Dietz, der alte Praktikus, Wird diese Sache stützen; Er wird uns im Verwaltungsrat Durch seine Umsicht nützen. Für gut halt' ich's, daß Molkenbuhr Der Gutsdirektor werde; Der überschaut das Ganze und Erscheint drum stolz zu Pferde. Der Thedje Schwartz wird Küchenrat Und Metzger Kellermeister; Dann ist für unsern Leib gesorgt, Wir werden täglich feister. Doch auch die Sthik wird gepflegt Bei Jungen und bei Alten; Karl Frohme wird als Guts Pastor Die Abendandacht halten. Den Pferdehandel können wir Stadthagen anvertrauen; Der schlau'ste Pferdejude wird Nie über's Ohr ihn hauen. Da ist der Chemiker, der Wurm; Der macht die Analpsen, Dem wird die Dünger⸗Sparte gleich Zur Leitung überwiesen. Der Förster—'s liegt ja auf der Rand— Der Förster hegt die Wälder, Und Stolle leiht uns seine Kraft Für uns're Spargelfelder. Der Bebel wird das Standesamt Des Gutsbezirks verwalten Und Auer wird die Polizei In Haus und Dorf erhalten. Auch Dreesbach, der der Dickste ist, Ist trefflich zu verwenden; Wir werden als„notleidend“ ihn Zum Landwirtsbunde senden. Noch manchen Mann und manches Amt Wüßt' ich hier aufzuzählen; Wir haben Leute jeder Art Und brauchen nur zu wählen. Jedoch die Nauptsach' ist, daß Gamp Das Gut uns wirklich gebe, Damit ich meine Ferienzeit Agrarisch dort verlebe! (Wochenplauderei im„Hamb. Echo.“) Splitter. Eine alberne Gewohnheit der Völker ist, dem Könige zuzuschreiben, was sie thun. Sie schlagen sich. Wer hat den Ruhm davon? Der König. Sie bezahlen. Wer ist freigebig? Der König. Und das Volk liebt ihn, weil er so reich ist. Der König empfängt von den Armen einen Thaler und er giebt den Armen einen Heller zurück. Wie großmütig er ist!!. Ein Zwerg hat ein ausgezeichnetes Mittel, höher denn ein Riese zu sein, er kletterte auf dessen Schultern. Aber das Seltsame ist, daß der Riese es gestattet, und das Törichte, daß er die Größe des Zwerges bewundert. O mensch⸗ liche Einfalt! Viktor Hugo. ———— 25. Mai. 1901: Einigungs⸗Kongreß der franz. Sozialisten in Lyon. 1871: Pariser Kommune: Er⸗ schießung der Geiseln, Kriegsminister Delescluze gefallen. 26. 1901: Ende der„Weltmarschallschaft“ Wal⸗ dersee's. 1265: Dante, Italiens größter Dichter ge⸗ boren. 27. 1877: Letzter soz⸗dem. Parteitag in Gotha vor dem Sozlalistengesetz. 28. 1871: Ende der Pariser Kommune. Scheuß⸗ liches Niedermetzeln der Kommunekämpfer durch die „Ordnungs„leute. 29. 1901. Krosigk⸗Prozeß in Gumbinnen. Th. Buckle, Kulturhistoriker, gestorben. 30. 1525: Thomas Münzer hingerichtet. 1778: Voltaire, berühmter franz. Philosoph und Dichter zu Paris gestorben. 31. 1878: Untergang des deutschen Kriegsschiffes „Großer Kurfürst“ an der engl. Küste. 1817: Georg Herwegh; Wilh. Tölcke geboren. 1793: Sturz Robes⸗ pierre's. 1862: . 7 4 5 5 1 5 1 1 UE . 4 15 6 9 5 — 2—* — —— 1 8—*. —— * N 8— — ——— N * n 3— * * — 8—— N— PP r—— * e —— Seite g. Mitieldentsche Sonntags⸗Zeitung. — Ein Freund- befragte mich unlängst, wie es möglich sei, das Geld für die teueren Annoncen wieder hereinzubringen er glaube nicht daran und befreundete Kaufleute hätten ihm dies bestätigt.— Meine Annoncen haben stets Erfolg! Warum und weshalb? Alles, was ich in einer Anzeige verspreche, wird haarscharf gehalten.— Wenn ich z. B. den Verkauf eines feinen Herren⸗ Kammgarn⸗Anzuges à 13 Mk. anzeige, so kann der Kunde ruhig die Reise von Sachsenberg, Battenberg, Laasphe, Homberg, Biedenkopf, Gladenbach ꝛc. an⸗ treten, denn er weiß, er wird in seinen Erwartungen meistens übertroffen. 8 Für die nächste Zeit habe ich nun wieder groß⸗ artige schöne Posten in meinem 700[Fuß halten⸗ den Konfektionsraum ausgestellt und bitte ich, eifrigen Gebrauch davon zu machen. Wer nicht kommen kann, erhält das Gewünschte per Nachnahme.— Umtausch noch nach 6 Wochen. 8 Coupons bis 1. 10. 1902 werden in Zahlung genommen, ebenso Wechsel auf In⸗ und Ausland. Prima Mk. 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