1„% A bn an οοα˙ ole 8 Lehtung! Fumeler 8e 2—22 dergewöhnlich uh 30 Pfg., uschuhl,80 Ml. uh 150 Ml., nopsschuh 2,35 Mk., guürschuh 2.80 Mk., uschuh 70 Pfg. tamiuschuh Big. lbschuh zum 1 3— dalbschn . 3,40 Ml., seusliesel! Ak, nun dleder⸗ sel 4 Ml., dalbschuh ten 4 Mk., halbschuh u 4,50 Ml., sel 5,30. 255 enstiefel ö M/ schuhe d At, 1 „ und Eties ima Ibrod aermtistel üer — 2 1 5222 2 2 ; 7 2 1 7 1 Nr. 34. Gießen, Sonntag, den 24. August 1902. 9. Jahrg Redaktion:* 0 7 Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Nene el 1 9 1 4 Uhr e U Mitteldeuts che 1 5•3 5 Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z. K. 4940) 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt, Juserate 2 Die 5 gespalt Bei mindestens Militär und Bürgertum. Das berühmte Gumbinnen in Ostpreußen war kürzlich der Schauplatz einer lärmenden Ovation. Der begnadigte und nach einer Garnison im Westen versetzte Duellmörder Hildebrandt feierte Abschied. Bürgerliche Blätter berichteten darüber:„Im Offiziers⸗ kasino in Gumbinnen ging es am Sonnabend flott her. Lustige Weisen gab die Militärkapelle des Artillerie⸗Regiments 1 im Kasinogarten zum besten; wiederholt ertönten Hochs und Hurras. Die Teilnahme der Anwohner stieg, als in der neunten Abendstunde eine Abteilung Artillerie — 20 bis 30 Mann— zu Pferde in Gala mit Haarbusch anrückte, einen Offizier in vier⸗ spänniger Equipage zum Bahnhof eskor⸗ tierte und sich von dem Insassen des Wagens mit dreimaligem Hurra verabschiedete. Der Jusasse war der soeben begnadigte Duellant Oberleutnant Hildebrandt.„An diesem Ab⸗ schieds⸗Diner nahmen auch zwei Generäle teil!“ Dieses Vorkommnis, daß sich geradezu als eine Verhöhnung der Gesetze und des Rechts⸗ gefühls darstellt, rief natürlich erregte Diskus⸗ sionen in der Presse hervor, verschiedene bürger⸗ liche Blätter trugen tiefe Entrüstung über die Gumbinner Vorgänge zur Schau. Aber ein Hamburger Blatt feierte den Duellant als „Märtyrer der Standesehre“. Sicher giebt es im Bürgertum weite Kreise, die gleichfalls das Duell als eine notwendige Einrichtung ansehen. Unser Leipziger Parteiorgan schreibt darüber: Das Militär nahm früher in Deutschland, namentlich in Süd⸗ und Mitteldeutschland, keineswegs die gesellschaftliche Stellung ein, die ihm heute zugefallen ist. Heute giebt es weite bürgerliche Kreise, die sich um den Um⸗ gang mit Offizieren geradezu reißen. Die Wendung ist mit dem Kriege von 1870 einge⸗ treten. Als das Heer siegreich aus Frankreich zurückkam, hatten sich die Offiziere ganz von selbst eine bevorzugte Stellung in den„patri⸗ otischen“, man kann auch sagen nationalliberalen Kreisen des Bürgertums erobert. Die Leute, die täglich und nächtlich in den Häusern die „Wacht am Rhein“ sangen und die besiegten und getöteten Franzosen auf der Bierbank noch einmal besiegten und töteten, waren außer⸗ ordentlich glücklich, wenn sie sich in der leib⸗ haftigen Gesellschaft eines der Sieger von Gravelotte oder Sedan befinden und seine Thaten aus seinem eigenen Mund vernehmen durften. Das weitere gab sich dann ganz von selbst. Diese Wandlung war auch nicht ohne Einfluß auf den Kampf des Militarismus gegen -den Parlamentarismus und Konstitutionalis⸗ mus; das läßt sich leicht nachweisen. Dazu kamen die Einrichtungen, die zum guten Teil auf die Eitelkeit der Bourgebisie berechnet waren: Die Einjährig⸗Frei⸗ willigen und die Reserveoffiziere. Die Herren Bourgeois lachen zwar im Theater so herzlich wie möglich, wenn daselbst Suder⸗ manns„Ehre“ gegeben wird und die bekannte Stelle vorkommt:„Was sind Sie?“— „Leutn int der Reserve!“—„Sonst nichts?“ — aber auch die demokratisch und opposttionell gesinnten Bürger halten sehr viel darauf, daß ihre Söhne, wenn ste als Einjährige gedient, Reserveoffiziere werden, denn das bunte Tuch schmeichelt eben doch ihrer Eitelkeit und das Leutenantspatent erst recht. Auf diesem Wege ist eine ganz neue Gesellschaftsschicht herangezogen worden, welche sich bemüht, den „militärischen Geist“ und die militärische„Schnei⸗ digkeit“ in das„Civil“ hineinzutragen und den Nichtmilitärs großartig damit zu imponieren. Das geht bis zu kleinen Subalternbeamten hinab, die vielleicht es bis zum Gefreiten gebracht haben, aber an ihren Tisch, im Bureau oder am Schalter sich„schneidig“ benehmen und nur den respektieren, der auch„gedient“ hat. Damit hängt auch die Uniformierung der Vertreter von Berufen zusammen, die sonst weniger auf solche Dinge Gewicht legten. Feuerwehr, Eisenbahnbeamte, Förster, Zöllner — überall tritt das Uniformierte mehr hervor, als früher. Daß in einem Gemeinwesen, wo man so viel auf militärische Aeußerlichkeiten hält, auch die Autorität des Offiziers in gewissen Kreisen eminent steigt, ist selbstverständlich. Wir wollen von der Vorliebe der Damen des Bürgertums gar nicht reden— aber man kann den Offizieren wirklich nicht den Vorwurf machen, daß sie sich der übrigen Gesellschaft aufbrängen. Im Gegenteil, sie sondern sich ab, in ihren Kasinos und in ihren ausgewählten Zirkeln und es ist ihnen dies in der demokra⸗ tischen Presse schon so oft zum Vorwurf gemacht worden. Von unserer Seite ist das gewiß nicht geschehen, aber der größte Teil des Bürgertums reißt sich um die Ehre, sich in Gesellschaft von Offizieren bewegen zu dürfen; man fühlt sich dadurch ungeheuer gehoben; man erkennt die Offiziere als Autoritäten in Fragen gesellschaft⸗ lichen Benehmens und gesellschaftlichen Taktes an; man läßt sich von ihnen über künstlerische und litterarische Dinge belehren— kurzum, es hat noch nie eine Zeit gegeben, in der die Autorität des Offizierstandes vom Bürgertum so förmlich sanktioniert und die Minderwertigkeit des Nichtmilitärs vom Bürgertum selbst so zur Schau getragen worden ist, wie heute. Das geht hinab bis zu den Wirten, die das Militär fast immer aufmerksamer bedienen lassen, als andere Gäste, obschon sie keinen besonderen Nutzen davon haben. Und nicht nur Offiziere, auch Unteroffiziere— die„Stellvertreter Gottes“ — fühlen sich heute ganz anders gegenüber so manchem„dämlichen“ Zivilisten, als etwa vor dem großen Kriege. Daß das Militär dem Bürgertum gegenüber auf dessen devotes Benehmen die entsprechende Haltung einnimmt, ist ebenso menschlich als selbstverständlich. Und wer die Hoffnung hegt, das Bürgertum würde das Militär„hübsch für sich lassen“, der täuscht sich ganz gewaltig. Dazu kommen aber auch noch andere Gründe. Der Kapitalismus braucht die Bajonette zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Giebt es einen großen Streik, dann ist das Militär da, um zu verhüten, daß er zur„sozialen Revolution“ werde, wie die Firma Angstmeyer u. Co. stets befürchtet. Und wenn das Militär nicht wäre, so würde der ängstliche Spießbürger überhaupt keinen Moment Ruhe haben und für seinen Geldschrank zittern. Und die Poltizei reicht doch lange nicht mehr aus. Wenn es Unruhen giebt, denkt der Philister: was sollte aus uns werden ohne das Militär? Nimmt man alle diese Umstände zusammen, so kann man sich erklären, daß sich die Militärs um die bürgerlichen Anschauungen wenig küm⸗ mern. Und so kommt es auch, daß die Sozial⸗ demokratie in ihrem prinzipiellen Kampfe gegen den Militarismus fast ganz allein steht. Schon im Jahre 1799 hat Friedrich Wilh. III. von Preußen eine Kabinetsordre erlassen, in der es heißt:„Ich habe sehr mißfällig vernehmen müssen, wie besonders junge Offiziere Vorzüge ihres Standes vor dem Zivilstande behaupten wollen. Allein es darf sich kein Soldat unter⸗ stehen, wes Standes und Ranges er auch sei, einen meiner Bürger zu brüskieren. Sie find es, nicht ich, die die Armee unterhalten, in ihrem Brotesteht das Heer der meinen Befehlen anvertrauten Truppen, und Arrest, Kassation und Todesstrafe werden die Folgen sein, die jeder Kontravenient von meiner unbe⸗ beweglichen Strenge zu erwarten hat.“ Es hätte für das Bürgertum keinen Zweck, diese Grundsätze heute von neuem einzuschärfen; es fehlt die große Masse des Bürgertums, die danach Verlangen trägt. Die Sozialdemokratie im Reichstage. (Siehe die Artikel in beiden vorhergehenden Nummern.) Bei Besprechung des Marineetats be⸗ handelt der Bericht unserer Reichstagsfraktion eingehend den Marine-Erlaß des Herrn v. Tirpitz. Darin wird mit dürren Worten gesagt, daß der Wassermilitarismus, als er 1899/1900 seine Flottenvorlage einbrachte, nach einem in seinen Grundzügen fertigen Plan handelte, der in Wahrheit eine weit größere Forderung als die aufgestellte vorsah. Dieser umfassende Plan wurde dem Reichstage ver- schwiegen, man ließ ihn in dem Glauben, daß die eingebrachte Vorlage die ganze Forderung sei, während sie doch in Wahrheit nur ein Teil derselben war. Man verstcherte, diese Vorlage sei ausführbar ohne neue Steuern und die Reichstagsmajorität, in dem Glauben, ein ab⸗ geschlossenes Ganzes zu bewilligen, stimmte zu. Die Wasserpolitiker der Regierung steckten schmunzelnd das Bewilligte ein; wußten sie doch besser als der ahnungslose Reichstag, daß das dicke Ende nachkommen werde. Und es wird bald kommen, denn in dem Tirpitz-Erlasse wird die Vorlage einer Novelle zum Flotten⸗ gesetze für 1904 angekündigt. Möglicherweise kommt sie auch noch früher. Unsere Genossen kennzeichneten in gebührender Weise den Vor— gang, zeigten, wie der Reichstag hinter's Licht geführt worden war und geißelten das Verhalten der bürgerlichen Parteien, so daß diese wie die geprügelten Pudel aus der Debatte hervorgingen. Der Kolonialetat erfordert in diesem Jahre bei einer Gesamt⸗ summe der Einnahmen und Ausgaben von 37402 496 Mk. einen Reichszuschuß aus den Taschen der Steuerzahler von 28961600 Mk. Der Bericht führt die Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Kolonien an und sagt daun weiter: Besser als lange Ausführungen zeigen diese Zahlen die Wertlosigkeit unseres kolontalen Besitzes, der sich nicht durch seine eigenen wirt⸗ schaftlichen Hülfskräfte, sondern nur durch die Zuwendungen aus den Taschen der deutschen Steuerzahler erhält. Die Kolonialpolitik, die Begleiterscheinung der Marine- und Weltpolitik, ——— g eee — —— Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr 34. ist eine Last für das Volk, aber ein gutes Ge⸗ schäft für die herrschenden Klassen. Der Reichs- zuschuß sichert Rhedern und Großkaufleuten profitable Lieferungen und Leistungen aller Art. Dabei riskieren sie keinen Pfennig. Im um⸗ gekehrten Verhältnis zu dem„patriotischen“ Eifer, mit welchem die Mehrheitsparteien die Reichszuschüsse bald„im Interesse der Missionen“, bald„im Interesse der wirtschaftlichen Er⸗ schließung unserer Schutzgebiete“ verlangen, steht die weise Vorsicht, mit welcher die„patri⸗ otischen“ Kapitalisten sich hüten, auch nur einen verdammten Heller aus eigener Tasche in den Kolonien anzulegen. Auf die Länge der Zeit bewirkt der Besitz der Kolonien das Heranwachsen einer besonderen Kolonialbureaukrakie, die dem deutschen Steuer⸗ zahler ebenso kostspielig zu werden verspricht wie der Kolonial⸗Militarismus. Für die Kolonien ist die Reichstagsmajorität außerordentlich frei⸗ gebig. Hat sie in diesem Jahre doch sogar einer„Auskunftsstelle für Auswanderer“, deren Verwaltung sich in den Händen der privaten und noch dazu parteipolitischen„Deutschen Kolonialgesellschaft“ befindet, 30 000 Mk. erst⸗ malig bewilligt. Die Auskunftsstelle ist ein Werbebureau für die Auswanderung in die afrikanischen Kolonien. Nachdem nun die Reichstagsmehrheit einmal Zuschuß bewilligt hat, werden weitere Forderungen nicht auf sich warten lassen. Die Fraktion hat daher auch gegenüber der Kolonialpolitik auf ihrem alten Standpunkte verharrt: dieser kapitalistisch⸗militaristischen Kolonisation keinen Mann und keinen Groschen. Die Zölle und Verbrauchssteuern erreichen für das Rechnungsjahr 1902 folgenden Betrag: Zölle 483 651 000 Mk. Tabaksteuer. 12 108 000„ Zuckersteuer 114897000„ Salzsteuer 5 49 320000„ Branntweinsteuer: a) Maischbottichsteuer 16 863 000 b) Verbrauchsabgabe und Zuschlag 110 592000 127455 000„ Brausteuer und Uebergangsabgabe vom Denn... 580 000„ Aversa(Abfindungen der außerhalb der Zollgrenze liegende Reichs⸗ gebe) 72 690„ Insgesamt 319033 690 Mk. Diese Zölle und Verbrauchsabgaben ruhen als schwere Last auf den Schultern der breiten Volksmassen. Sie verteuern den Lebens⸗ unterhalt und tragen mit bei zur Verelendung der Arbeiterfamilien. Sie verteuern die wesent⸗ lichsten Lebensmittel und Bedarfsartikel in folgender Weise: 1 Kilo Brot mit 4 Pfg., 1 Kilo Fleisch mit 15 Pfg., 1 Kilo Schmalz mit 10 Pfg., 1 Kilo Speck mit 20 Pfg., 1 Kilo Reis mit 4 Pfg., 1 Kilo Salz mit 12 Pfg., 1 Kilo Zucker mit 20 Pfg., 1 Kilo Kaffee mit 40 Pfg., 1 Kilo Gewürz mit 50 Pfg., 1 Kilo deutschen Tabak mit 22 Pfg., 1 Kilo ausländischen Tabak mit 85 Pfg., 1 Zigarre von ausländischem Tabak mit 1 Pfg., 1 Hering(je nach Größe) mit/ bis 1 Pfg., 1 Liter Bier mit 1 Pfg., 1 Liter Branntwein mit 28 Pfg., 1 Liter Petroleum mit 6 Pfg. Die ungeheuren Opfer, die, trotz der schlechten Finanzlage, Deutschland für Militarismus und Marinismus aufbringt, bewirken, daß Jahr für Jahr neue Anleihen aufgenommen werden und damit die Summe der Reichs schulden sich in beständiger Steigerung befindet. Sie betrug 1880: 387 Millionen Mark, 1890: 1241 Mil⸗ lionen Mark, 1900: 2418 Millionen Mark, 1902: 2515 Millionen Mark. Zu ihrer Verzinsung erforderte die Reichs⸗Schuld⸗ summe 1881: 11 Millionen Mark, 1891: 55 Millionen Mark, 1902: 93,6 Millionen ark. Der Bericht bespricht dann weiter den Justizetat, bei dem der Fall Bredenbeck zur Sprache ge⸗ bracht wurde, sowie den der Post⸗ und Tele⸗ graphen⸗Verwaltung, doch können wir wegen Mangel an Raum die hierauf bezüglichen Stellen nicht abdrucken.— Bei dem Titel: Reichseisenbahnamt verlangten unsere Abgeordueten energisch die Verbilligung der Tarife gerade im Interesse der Arbeiter⸗ klasse, deren soziale Lage dadurch ganz wesent⸗ lich gebessert wird, daß man es ihr möglich macht, den Aufenthaltsort rasch und billig zu wechseln. Unsere Fraktion wird, soweit hierzu der Reichstag überhaupt imstande ist, stets hin⸗ wirken auf volkstümliche Reformen im Eisen⸗ bahnwesen und Bruch mit der staatskapitalisti⸗ schen Ueberschußwirtschaft. Sehr ausführlich geht der Bericht auf die Seemannsordnung ein, wo unserer Fraktion die Aufgabe oblag, die Interessen der Seeleute gegen die Profitgier des Rhedertums zu verteidigen.— Die Regelung der gewerbl. Kinderarbeit gab unseren Genossen Gelegenheit, auf das aus der gewerblichen Kinderarbeit resultierende Elend hinzuweisen. Sie schilderten gegenüber den Lob⸗ sprüchen, welche die Gegner dem Gesetzentwurf zollten, die gegenwärtig herrschenden schlimmen Zustände, vor allem auch die Ausbeutung der Kinder auf dem Lande durch die Rübenjunker. Graf Posadowsky aber nannte das Rübenverziehen eine verhältnismäßig leichte Arbeit, und bezüglich der Hütekinder verwies er schwärmerisch auf die poetische Rolle, welche der Hirtenknabe in der Dichtung spielt. Ihm sprangen die bürger⸗ lichen Vertreter in ihrer Gesamtheit bei, Junker, Polen, Elsässer, Zentrumsleute, und den Vogel schoß Herr Stöcker ab, der salbungsvoll die Freude der Kinder beim Kartoffelausmachen schilderte!— Bei der Interpellation über die Arbeitslosigkeit entwarf unser Redner ein Bild grauenhafter Zustände, die durch die Arbeitslosigkeit erzeugt worden waren. Er schlug auch Maßnahmen vor, durch welche der Arbeitslosigkeit jetzt und später entgegen gewirkt werden könne. Solche Maßnahmen sind: der zehnstündige Maximal⸗ arbeitstag mit Verkürzung bis auf acht Stunden, die Schaffung eines Reichsarbeitsamtes, die Ausdehnung der Arbeiterschutzgesetze, die Ein⸗ führung einer reichsgesetzlichen Arbeitslosenunter⸗ stützung. Weiter verlangte er, daß Post⸗, Eisen⸗ bahn⸗ und Militärverwaltung keine Arbeiter⸗ entlassungen vornehmen, um nicht die Arbeits⸗ losenarmee noch zu vermehren; statt dessen aber sollten sie Verkürzungen der täglichen Arbeitszeit vornehmen, um mehr Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Sind wir auch davon überzeugt, daß die Arbeitslosigkeit als eine Folge der anarchischen Produktionsweise des Kapitalismus erst ihr Ende finden wird, wenn die Sozialdemokratie daran gehen kann, ihr Produktionssystem aufzurichten, so lag doch auch auf der Hand, daß das Reich durch entsprechende Maßnahmen, die Wirkung der Krisen auf die Arbeiterklasse lindern kann. Unsere Vorschläge waren hierzu ein erfolgver⸗ sprechender Weg. Die Regierung und die herrschenden Parteien verzichteten jedoch von vornherein darauf, unsere Vorschläge überhaupt eingehend zu diskutieren. Die Regierung hatte durch die Bundesstaaten und die Poltzeibehörden eine Erhebung über den Umfang der Arbeitslosigkeit vornehmen lassen und auf Grund der ihm zu teil ge⸗ wordenen Autworten bestritt der Staatssekretär Posadowsky nun das Vorhandensein eines außergewöhnlichen Notstandes. Gegenüber diesem Verhalten der herrschenden Parteien hatte der zweite Redner unserer Fraktion recht, als er der Mehrheit sagte, die Erfahrungen der Krise sollten den Gegnern Anlaß sein, nicht mehr über den„Zukunftsstaat“ zu spotten. Wenn die herrschende Gesellschaft sich unfähig erweise, die Anarchie der Produktion zu bändigen, so müßten die Arbeiter die Wirtschaftsweise in die Hand nehmen. 2 Der Bericht führt noch zahlreiche Gesetzent⸗ würfe und Anträge an, an deren Beratung sich unsere Abgeordneten lebhaft beteiligten. Er schließt, indem er auf die heranrückenden Neu⸗ wahlen hinweist und die Genossen zu uner⸗ müdlicher Agitation auffordert. 3——— politische Rund schau. Gießen, den 21. August. Der Bericht unseres Parteivorstandes, wie er alljährlich an den Parteitag erstattet wird, ist dieser Tage erschienen. Er beklagt zunächst das Ableben verschiedener Genossen, die stets in vorderster Reihe mitkämpften und nennt Schönlank, Möller, Swienty, Schoch, Wittich, Kegel, Frau Eichhorn. Dann wird der Kampf gegen den Zollwucher erwähnt, der bekanntlich in der Ueberreichung einer gegen den Zolltarif gerichteten Petition an den Reichstag mit 3 431.784 Unterschriften seinen Ausdruck fand. Trotz zahlreicher Hinder⸗ nisse, die von den Organen der Staatsgewalt unserer Agitation in den Weg gelegt werden, haben wir doch erfreuliche Fortschritte zu ver⸗ zeichnen. In Sachsen, wo diese Nadelstichpolitik besonders in Blüte steht— der Bericht führt dafür drastische Beispiele an— eroberten wir in einer Nachwahl den 10. Wahlkreis. Auch sonst schnitten wir bei den im letzten Jahre stattgefundenen Reichstagswahlen im Allge⸗ meinen gut ab, fast überall hatten wir Stim⸗ menzuwachs zu verzeichnen.— Der Kassen⸗ bericht weist eine Einnahme von 346535 Mk. nach, einschließlich 8127 Mk. Kassenbestand vom vorigen Jahre. Die Ausgaben betragen 339748 Mk., worunter sich 16376 Mk. für Kapitalanlage befinden. Es bleibt somit noch ein Kassenbestand von 6786 Mk.— Der„Vor⸗ wärts“ lieferte 60 000 Mk. Ueberschuß; die Buchhandlung 15000 Mk.— Das Straf⸗ register weist im letzten Jahre über 48 Jahre Gefängnis, 3 Jahre Zuchthaus und beinahe 18 000 Mk. Geldstrafen auf, welche Strafen von deutschen Gerichten in Strafprozessen er⸗ kannt wurden, die sich aus der Arbeiterbewegung herleiteten.— Schließlich fordert der Bericht die Parteigenossen auf, im Hinblick auf den uns bevorstehenden Reichstagswahlkampf mit aller Energie an dem Ausbau der Organisation zu arbeiten, dann aber auch für materielle Mittel im Wahlkampfe zu sorgen.— Dem allgemeinen Berichte schließt sich noch ein solcher der Vertrauensperson der Genossinnen Dentsch⸗ lands an. Dieser konstatiert ein erfreuliches Wachsen der soz.⸗dem. Frauenbewegung, die sich auch in fortwährendem Steigen des Abonnenten⸗ standes der„Gleichheit“ bemerkbar macht. Fast die ganzen Agitationskosten wurden von der Frauenorganisation selbst aufgebracht. Zu einem Konflikt ist es leider unter unseren Parteigenossen in Oberschlesien gekommen. Schuld daran sind offenbar die pol nischen Sozialisten. Auf einer Konferenz, zu der die deurschen Genossen jener Gebiete nicht geladen wurden, haben die polnischen Sozialisten eine Kandidatenliste für die oberschlesischen Wahlkreise aufgestellt und stellen nun an die deutschen Sozialisten jener Kreise das Ansinnen, sich diesen Beschlüssen einfach zu fügen. Die deutschen 8 haben nun erklärt, daß sie sich eine solche Vergewal⸗ tigung nicht gefallen lassen und haben andere Kandidaten aufgestellt, und so wird denn dem Zentrum, das durch seine Brotwucherpolitik arg in die Klemme geraten ist, durch die Un⸗ einigkeit der Sozialitten der Kampf sehr er⸗ leichtert werden. Das kräftige Aufblühen der Sozialdemokratie in diesen Bezirken, das bei den letzten Wahlen zu verzeichnen war, dürfte aber durch den Streit eine schlimme Hemmung erfahren. Der Streit ist mehr als eine rein ober⸗ schlesische Sache, der Stand der Dinge in jenem Bezirk ist für die ganze deutsche Sozialdemokratie von größter Bedeutung. Deshalb ist zu wün⸗ schen, daß recht bald eine Verständigung herbei⸗ geführt werde. Zur genauen Beachtung empfohlen! Eine sehr lehrreiche Tabelle, die die Ge⸗ meingefährlichkeit der Wucherpolitik mit greller Deutlichkeit vor das Auge stellt, ist die folgende, die uns die Erhöhungen zeigt, die an den ——— *— 10 SS n 1 Nr 34. —. Hal. August. erdandes, ag erstatt er lala enossen, Ayften und Opwient„ Eichhorn. Jollwucher eberreichung Kassen⸗ 1346535 Mk. ubestand vom en betragen 70 Ml. für L somit noch — Der„Vor⸗ schuß; die 5 Straf⸗ ber 48 Jahre und beinahe alche Strafen sprozessen er⸗ eiterbewegung t der Bericht pick auf den abllampf mit Organtsation ir materielle eu.— Del 50h ein solche innen Dertsch⸗ in ersteuliches egung, die sich 9 Abonnenten. nacht. daf cen von der racht. kt 4uenossn in rteigenossen Schuld daran alten. Auf 110 Genossen den, haben die didatenliste fit Nr. 84. Mitteldeutsche Sonntags-⸗Zei/ ung · Seite 3. hohen Lebensmiuelzöllen des Posadowskyschen Hungertarifs die agrarischen und industriellen Ueberzöllner in holdem Bunde vorgenommen haben. Für jeden Arbeiter ist es notwendig, sich diese Zahlen für die Wahlen ordentlich einzuprägen. Die Posttionen, die die Zoll⸗ kommission in der ersten Lesung erhöht hat, sind diese: Jetziger Satz der Beschluß der Vertrags⸗ Regierung s⸗ Kommission zoll Vorlage Mk. Mk. Mk. Roggen!) 3,50 6,.— 7.— 0 6,50 7.80 F 4,.— 9,.— Buchweizen. 2, 6,.— 7,.— Getreidemehl. 7,50 19,50 18,75 » 4, 16,.— 18,75 Graupen und Grütze 7,30 16,.— 18,75 Stärke fre! 16.— 138.— inn frei! 20,.— 25,.— Margarine.. frei! 30,.— 380,.— Kartoffeln, frisch. frei! frei! 2,50 Bie frei! frei! 2,.— Obst, verpackt.. frei! 6,.— 10.— Erdbeeren. frei! 15,.— 20.— Schweinefleisch.. frei! 30,.— 45.— Schweinefleisch einf. zubereitet 15— 17 35,— 60,.— Schweinespeck.. frei! frei! 36,.— Wild frei! 45,.— 70.— Würste 17, 45,.— 70,.— Bei ganzen vier Positionen dieser Gruppe hat die Mehrheit der Wucherpolitiker die Sätze der Regierung für ausreichend erachtet— sie stellten freilich schon außerordentliche Erhöhungen gegen die jetzigen Zölle dar. Es sind das die Positionen: Jetziger Satz der Vertragszoll Regierungsvorlage Mk. Mk. nil; 0 12,50 Birr„„ 30,— e, 20,.— % 6,.— Die Tabelle umfaßt die wichtigsten, auch für den Aermsten unentbeh rlichsten Nahrungs⸗ mittel! Auf alle sollen neue, hohe Auflagen gelegt werden— die bedeutenden Erhöhungen, die die Regierung vorschlug, genügten der Wucherermehrheit noch nicht, und Nahrungs⸗ mittel, die der Posadowskysche Entwurf frei ließ, hat sie mit hohem Zoll belegt, selbst Schweinespeck, Gemüse und Kartoffeln sollen nicht verzehrt werden, ohne daß den Junkern der Tribut entrichtet wird! Solche Raffgier auf Kosten der Armen und Aermsten sucht ihresgleichen. Dieser Raubzug, den die Junker auf die Taschen des arbeitenden Volkes planen, imponiert fast durch seine Un⸗ geheuerlichkeit. Die Tabelle zeigt dem deutschen Arbeiter die ganze Schwere des Hungerzolls, den die herrschende Klasse ihm auferlegen will. ** * Wie die agrarische Hungerpolitik schon heute wirkt, zeigt die infolge der Grenz⸗ sperren überall eingetretene Fleischverteuerung. In einer ganzen Anzahl Städte haben die Metzger erhöhte Fleischpreise eintreten lassen und sie weisen zur Begründung dieser Maßnahmen auf die verringerte Vieheinfuhr hin. So ag die Metzgerinnung in Essen, daß die deutsche Landwirtschaft nicht im Stande sei, den Bedarf an Schlachtvieh für das deutsche Reich zu decken. Es sei an eine Aenderung des jetzigen Notstandes nicht eher zu denken, als bis die Grenzen wieder geöffnet würden. — Schärfer noch spricht sich die„Allgemeine Fleischerzeitung“ aus— das ist ein Blatt für den sogenannten Mittelstand, nicht etwa ein sozialdemokratisches— indem sie schreibt:„Es muß die Gemüter empören, daß das ganze Volk leiden und das alte ehr⸗ bare Fleischerhandwerk zu Grunde gehen fsoll lediglich aus Rücksicht auf die Taschen und den Eigennutz der Agrarter Das Vorschützen der Seu⸗ chengefahr ist Lug und Heuchelei. Wenn einst die Geschichte unserer Tage ge⸗ schrieben werden wird, so wird dies der ) Die Sätze verstehen sich pr. Doppelzentner. schwärzeste Punkt darin sein, daß eine lediglich durch Tradition bei uns einflußreiche Klique von Großgrundbesitzern die Gesetzgebung und Verwaltung ausgenutzt hat, um durch Entstellung der Thatsachen sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern.“ So erkennen auch die Kreise, deren Interessen die Zollpolitiker zu schützen vorgeben, mehr und mehr die Gemeingefährlichkeit der agrarischen Wucherpolitik. Unsere Genossen haben aber die Aufgabe, ihre Klassengenossen, Mitarbeiter, Freunde über das volksfeindliche Treiben der Bündler, Konservativen, Autisemiten und Nattonalliberalen aufzuklären. Kaiserdepeschen sind heute gerade keine Seltenheit. Vergeht doch kaum ein Tag, ohne daß einige in den Blättern bekannt gegeben werden; kein Vor⸗ kommnis ohne nachfolgendes Telegramm! Be— sonderes und peinliches Aufsehen hat aber eine Depesche hervorgerufen, die an den Prinz⸗ Regenten von Bayern gerichtet war und in welcher der Kaiser seiner Entrüstung über die von der klerikalen Landtagsmehrheit vorge— nommene Streichung der für Kunstzwecke ge— forderten Summen Ausdruck gab. Es kommt vorläufig nicht darauf an, daß die Streichung jener Forderung aus Rache für die Entlassung des vom Zentrum unterstützten bayr. Kultus⸗ ministers erfolgte. Viel wichtiger ist die Frage, wer dieses Entrüstungstelegramm, das einen nicht zu rechtfertigenden Eingriff in die inneren Angelegenheiten eines Bundesstaates bedeutet, vor dem Reichstage verantworten will.— Auf Befehl des Kaisers soll auch die Veröffentlichung der Depesche erfolgt sein.— Dem Zentrum ist die Geschichte Wasser auf die Mühle. Die Feldwebelstochter, die ein Provinzialsteuerdirektor nicht heiraten darf, weil er sonst in der„Gesellschaft“ un⸗ möglich wird, spielt noch immer eine große Rolle in den Preß⸗Erörterungen. Die Ge⸗ schichte ist einfach eine schwere Blamage für die Leitung unserer inneren Politik. Sie bleibt es auch; trotzdem von halbamtlicher Seite erst jetzt erklärt wurde, daß der Steuerdirektor wegen seiner Stellung zur Polenpolitik entlassen sei. Sozialistischer Sieg in Mülhausen. An Stelle der zurückgetretenen liberalen Gemeinderäte in Mülhausen im Elsaß wurden am Sonntag sechs Sozialdemokraten und fünf Demokraten gewählt. Die Wahl⸗ beteiligung betrug 36 Prozent der Wahlberech⸗ tigten; die Gewählten erhielten rund 4800 Stimmen. Nunmehr besteht der Mülhauser Gemeinderat aus 18 Sozialdemokraten und 18 Demokraten. Dazu kann sich jedenfalls die Stadt Mülhausen Glück wünschen, eine bessere Stadtvertretung hat sie wohl noch nie gehabt. Das Wahlergebnis Forchheim⸗Kulmbach. Bei der am 13. August stattgefundenen Ersatzwahl erhielten nach der amtlichen Fest⸗ stellung Stimmen: Zöllner(Z.) 6099, Faber (natl. und fr. Vp.) 3946, Weilnböck(B. d. L.) 3520, Woelfel(B. d. L.) 306, Deinhardt(Soz.) 1706. Die Freisinnigen, die mit den National⸗ liberalen ein Kartell eingegangen waren und vereint in den Wahlkampf zogen, sind kläglich hereingefallen. Ihr Kandidat kommt mit knapper Not in die Stichwahl, wird natürlich durchfallen und das Zentrum wird den Kreis behaupten. Unsere Partei hat einen recht erfreulichen Zu⸗ wachs zu verzeichnen, 300 Stimmen. In der Stichwahl werden sich unsere Genossen der Stimmabgabe enthalten. Die deutsch⸗oͤsterreichischen Sozialdemokraten hielten vergangene Woche in Aussig a. d. Elbe, einem kleinen Industriestädtchen Böhmens, ihren Parteitag ab. Anwesend waren zirka 130 De⸗ legierte; die deutsche Partei ließ sich durch die Abg. Kaden und Edmund Fischer vertreten. Kaden überbrachte Grüße von den Genossen Deutschlands, die gleich den österreichischen einen 10 5 Kampf führen. Fischer verwies auf te in Deutschland bevorstehenden Reichstags⸗ wahlen, die einen Entscheidungskampf für die künftige Gestaltung der politischen Verhältnisse im Deutschen Reiche bedeuten.— Bei Eröffnung der Verhandlungen bezeichnete Genosse Popp den mehrfach erhobenen Vorwurf, daß die Thätigkeit der Parteileitung im letzten Jahre zu ruhig gewesen sei, als unrecht. Die Partei könne nicht fortwährend von Demonstrattonen leben, sondern müsse auch eine intensive Thätig⸗ keit nach Innen entfalten. Bei der weiteren Debatte über die parlamentarische Thätigkeit der sozialdemokratis chen Abgeordneten im Parla— ment und über die Parteitaktik im allgemeinen trat mannigfaltige Unzufriedenheit über die Thätigkeit einzelner leitender Personen zu Tage. Als Wortführer der Opposition trat Brod aus Wien auf, der den sozialdemokratischen Parteiverbänden Mangel an Einheitlichkeit und Disziplin vorwarf. Speziell der Abg. Perner⸗ storffer set von einer grenzenlosen nationalen Ueberempfindlichkeit und Dr. Ellenbogen arbeite in Kompromißlerei. Schließlich stellte Brod einen Antrag, welcher den Abschluß von Wahl⸗ kompromissen mit den bürgerlichen Parteien entschieden vermieden wissen will. Nachdem Schuwacher und Polko die Haltung der Par⸗ teileitung mit der Motivierung verteidigt hatten, daß alles aufgeboten werden müsse, um die Herrschaft der Christlich⸗Sozialen zu brechen, wurde der Parteilettung Dank und Anerkennung ausgesprochen. Wird ihnen nichts helfen. Der Züricher Kantonsrat erklärte die vor einiger Zeit in Außersihl⸗Zürich stattgefundenen Kantonsratswahlen, bei denen 27 Sozial- demokraten gewählt wurden, mit 174 gegen 13 für ungültig. Dieser Beschluß kommt auf einen Gewaltakt der gegnerischen Mehr⸗ heit des Kantonsrats gegen unsere Parteigenossen hinaus. Oberrichter Lang, das einzige sozia⸗ listische Mitglied der Wahlprüfungskommission hatte in einem eingehenden Berichte nachgewiesen, daß zur Ungültigkeitserklärung nicht der ge⸗ ringste Grund vorliege. Hoffentlich lassen sich unsere Genossen bei den Neuwahlen das eroberte Terrain nicht wieder entreißen. Pfaffenkrieg in Frankreich. In verschiedenen Provinzen stößt die Schließung der nicht genehmigten Nonnenschulen auf fortgesetztem Widerstand. Die von den Pfaffen und Klosterleuten verhetzten Bauern verlangen„im Namen der Freiheit“, daß die religkösen Verdummungsanstalten bestehen bleiben. An verschiedenen Orten kam es zu Blutvergießen, weil den mit der Schließung der Schulen beauftragten Beamten bewaffneter Widerstand entgegengesetzt wurde. Mehrfach wurde Militär requtriert, um die Durchführung der Dekrete zu erzwingen. Dabei verweigerten mehrere Offiziere den Gehorsam; sie wurden auf die Festung geschickt. Zahlreiche Bürgermeister sind ihres Amtes enthoben, weil sie ihre Mitwirkung bei der Ausführung der Gesetze verweigert haben. An die Staatsanwaltschaften ist eine Ver— fügung des Ministeriums erlassen, mit großer Strenge gegen alle diejenigen Personen vorzu⸗ gehen, welche Siegel von den Schulen beseitigen. Der Generalrat der Rhonemündung hat in einer außerordentlichen Sitzung folgende Be— schlüsse angenommen: er fordert die Aufhebung der Gesandtschaft beim Papst, die Abschaffung des Kultusbudgets und vollständige Beseitigung aller Kongregationen. Ferner wird verlangt die Trennung der Kirche vom Staat, die Kon⸗ fiskation der Güter der„Toten Hand“ durch den Staat. Der Generalrat drückt dem Mini⸗ sterium sein Vertrauen aus und fordert es auf, dem Gesetz in allen Provinzen, wo dies noch nicht geschehen, Achtung zu verschaffen. Russisches. Daß die russischen Revolutionäre nicht daran denken, den Kampf gegen das Schergensystem Väterchens aufzugeben, zeigt ein Attentat ———. eee Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. das vorige Woche in Charkow gegen den Gouverneur, Fürsten Obolenski, verübt wurde. Der Attentäter gab mehrere Schüsse auf den Fürsten ab, die diesen am Halse ver⸗ wundeten. Der Gouverneur hat sich durch be— sondere Brutalität bei der Niederwerfung der Unruhen hervorgethan.„Väterchen“ scheint sich im Uebrigen zur Milde wenden zu wollen. Durch ein Dekret sind fast sämtliche an den Februarunruhen in Moskau beteiligt gewesenen Studenten aus der Gefängnishaft in verschie⸗ denen Städten des Reiches entlassen worden. An 100 sind aus Sibirien zurückberufen, wohin sie auf 5 Jahre verbannt waren. Allen wird das Recht zugestanden, im Herbst wieder in die Universitäten einzutreten.— Ob diese auf⸗ fallende Milde vorhalten wird? Ein russisches Schergenstück schlimmster Sorte ist die schon im vorigen Jahre erfolgte widerrechtliche Verhaftung der Botenfrau Kugel in Nimmersatt bei Memel. Erst dieser Tage erfolgte ihre Entlassung, obwohl Bebel schon vor langer Zeit im Reichstage auf diesen Fall hinwies und das Eingreifen des Reichskanzlers forderte. Mit dem Schutze der Deutschen in Rußland scheints aber nicht besonders gut bestellt zu sein. Die Buren generale Botha, De Wet und Delarey sind nach Europa gekommen und haben auch dem König Eduard einen Besuch abgestattet und seine Flotte bewundert. Man bemerkt nichts mehr von der tötlichen Feindschaft gegen die Engländer; die Burenführer verkehrten mit dem vielgehaßten Kitchener sehr freundschaftlich. Später besuchten sie Krüger und Stein, der schwer krank in Holland darnieder liegt.— Die Leiche Lukas Meyers, der kürzlich in Belgien einem Schlag⸗ anfalle erlag, wird nach Südafrika befördert. —. 1—— von Nah und gern. Hessisches. Hessische Handwerkskammer. Am Montag trat in Darmstadt die hess. Handwerks⸗ kammer zu einer Sitzung zusammen. Es waren 34 Kammermitglieder und 11 Mitglieder des Gesellenausschusses anwesend. 16 Punkte standen auf der Tagesordnung, die ziemlich schnell er— ledigt wurden. Von dem Gesellenausschuß waren folgende Anträge gestellt worden: „Bei Errichtung von Fortbildungsschulen soll darauf gesehen werden, daß dem Fachzeichnen und Fachunterricht mehr wie seither Aufmerksamkeit geschenkt wird.“ „Zu Submissionen sind nur solche Firmen zuzulassen, welche die in den betreffenden Branchen geltenden, auf Grund freier Vereinbarung mit den gewerkschaftlichen Vereinigungen abgeschlossenen Verträge über Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen anerkennen und innehalten.“ „Bei Submissionslieferungen kann eine Aufhebung des Lieferungvertrages, resp. Verlängerung der Liefer⸗ ungsfristen aus Anlaß einer Arbeitseinstellung oder Aussperrung in keinem Falle stattfinden.“ Die Anträge kamen aber nicht zur Abstim⸗ mung; da es sich nur um Stellungnahme zu der Submissionsfrage auf dem deutschen Hand⸗ werkertage handelte und nicht darum, in dieser Sache Beschlüsse zu fassen. Der Jahresbericht der Handwerkskammer lag für die Zeit vom 25. Mai 1900 bis 31. März d. J. in einer umfangreichen Broschüre vor, aus der zu ersehen, daß der Haushaltungsplan für 1901/02 in Einnahmen und Ausgaben mit 15 170,20 Mk. balanziert, der dann auch gut geheißen wurde. Annahme fand auch der Voranschlag für 1903/04, der mit 23 320 Mk. Einnahme und Ausgabe aufgestellt wurde. Mit der festen Aufstellung von Beauftragten zur Beaufsichtigung des Lehrlingswesen soll noch gewartet werden. Die Polizeibehörden sollen vorerst genau kon⸗ trollieren, ob die Bestimmungen betr. Haltens von Lehrlingen innegehalten werden. Der Gesellenausschuß hatte beantragt, daß die Be⸗ auftragten je zur Hälfte aus Meistern und Gesellen ernannt werden sollen. Die übrigen Beschlüsse sind weniger von Wichtigkeit. Gießener Angelegenheiten. — Gewerkschaftsversammlung. Diesen Samstag, den 28. August, findet im Lokale O rbig eine allgemeine Gewerkschaftsversammlung statt, in welcher Genosse Ehrler aus Frankfurt über den Gewerkschaftskongreß in Stuttgart Bericht erstatten wird. Pflicht aller Gewerkschaftsmitglieder ist es, in der Ver⸗ sammlung zu erscheinen und auch ihre Freunde und Mitarbeiter zum Besuche derselben anzuregen. Die auf diesen Tag fallenden regelmäßigen Versammlungen der Holz⸗ und Metallarbeiter, Brauer ꝛc. fallen natürlich aus. — Lasallefeier. Die Wetzlarer Parteigenossen halten Sonntag, den 31. August, im Saale„Zum schwarzen Walfisch“ in Gleiberg ihre Lassalle⸗Feier ab. Diese besteht in Vorträgen über das Leben und Wirken Lassalles, und unserer übrigen großen Vorkämpfer Marx, Engels, Liebknecht. Dazu werden voraus⸗ sichtlich die Genossen Krumm und Vetters⸗Gießen sprechen. Die Parteigenossen von Gießen, Heuchel⸗ heim und Lollar werden ersucht, sich an der Veran⸗ staltung recht zahlreich zu beteiligen. Der Gesangverein „Eintracht“ wird ebenfalls am Platze sein und die Feier durch Gesangsvorträge unterstützen. Außerdem sollen noch andere Vorträge und Deklamationen die Feier verschönern. — Die Sammlung für die Opfer der Primus⸗ Katastrophe in Hamburg, die von dem hiesigen Gewerk⸗ schaftskartell veranstaltet wurde, ergab die hübsche Summe von 74,65 Mark, die vom Vertrauensmann an die Sammelstelle des„Hamburger Echo“ abgesandt wurden. Der Vertrauensmann legte uns den Postschein darüber vor, weil sich der Braumeister Oertel in der Brauerei Denninghof eine recht ungehörige Bemerkung erlaubte. Als ihm nämlich eine Sammelliste vorgelegt wurde, lehnte er eine Gabe mit der Bemerkung ab:„Ach was, man weiß nicht, wo das Geld hinkommt.“ Nun ist ja niemand gezwungen, etwas zu geben; aber eine solche die Arbeiter verdächtigende, durch nichts begründete Be⸗ merkung ist nicht am Platze und muß entschieden zurück⸗ gewiesen werden. — Recht angenehme Stunden waren es, welche die hiesigen Parteigenossen im Verein mit den Mitgliedern der Marburger„Eintracht“ verlebten, die uns vergangenen Sonntag besuchten. Von hier aus wurde nachmittags der Windhof und Heuchelheim besucht und sehr rasch verging die Zeit unter fröhlichem Gesange. Offenbar gefiel es auch den Marburgern recht gut, denn der größte Teil benutzte erst den Nachtzug zur Heimfahrt. — Berichtigung. In der letzten Nr. unseres Blattes waren bedauerlicherweise einige Druckfehler stehen geblieben. Einer besonders könnte zu Mißver⸗ ständnissen führen. Im Artikel von den Arbeitergroschen heißt es, die indirekten Steuern betragen das vierfache der direkten. Es muß natürlich das vielfache heißen. — Zur Vergebung städtischer Ar⸗ beiten schreibt man uns: Ein peinliches Vor⸗ kommnis gelegentlich einer städtischen Sub mission wird gegenwärtig in Handwerkerkreisen viel besprochen. Es handelt sich um den Neuverputz des hiesigen Realgymnasiums, der vorschrifts⸗ mäßig im Submissionswege ausgeschrieben wurde. Als die Offerten geöffnet wurden, ergab es sich, daß Weißbindermeister Launspach der Min⸗ destfordernde war, als Zweiter kam L. Petri II., der zirka 400 Mk. mehr forderte. Launspach ist als solider Geschäftsmann bekannt, hat auch schon für verschiedene Behörden Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt, es hätte ihm demnach der Zuschlag erteilt werden müssen. Aber der Mensch denkt und— die städtische Bau⸗ kommission lenkt. Diese übertrug die Arbeit ihrem Mitgliede, dem Stadtverordneten L. Petri II, obwohl er 400 Mk. teurer als der andere Sub⸗ mittent war. Es mag dahingestellt bleiben, ob Petri in der Sitzung, in der dieser Gegenstand zur Beratung stand, anwesend war; immerhin muß die Frage aufgeworfen werden, ob es zweckmäßig ist, einen Geschäftsmann, der Jahr aus Jahr ein städtische Arbeiten ausführt, in eine Kommission zu wählen, wo er über seine eigenen Offerten mit beschließt. Herr Launspach hat bei der Stadtverwaltung erfolglos über die Gründe für dieses sonderbare Verfahren um Auskunft gebeten, es wäre daher Sache der Stadtverordneten-Versammlung, sich diesen Fall einmal genauer zu betrachten, zumal bei einer Kohlen⸗Submission ähnliches vorgekommen sein soll. Endlich ist's auch Sache der Bürger, bei den Stadtverordnetenwahlen darauf zu sehen, daß Männer gewählt werdeu, die nicht als Lieferanten für die Stadt in Frage kommen 1 somit kein persönliches Interesse am Mandat aAben. e Eigentümliche Praktiken verfolgt ein städtischer Bauführer den Arbeitern gegen⸗ über. Dieser Herr, der die Kanalisationsarbeiten am Siechenhaus leitet— sein Name ist uns entfallen— findet es nicht für ungehörig, die Arbeiter an freiwilliger Arbeit zu hindern, eine Handlung, die nach dem seligen Zuchthausgesetz⸗ Entwurf mit Zuchthausstrafe bedroht war. Dis Arbeiten am Siechenhause führt die Firma Birkenstock und Schneider aus, die ihren Erd⸗ arbeitern für die anstrengende Arbeit den horrenden Tagelohn von 2,30 bis 2,50 Mk. bezahlt. Einem Teile der Arbeiter war das vielleicht zu viel — sie fürchteten wohl, dabei allzu schnell Mil⸗ lionäre zu werden— und sie stellten deshalb die Arbeit ein. Darob geriet der Herr Bau⸗ führer in heiligen Zorn und schwur, dafür zu sorgen, daß die armen Teufel bei der andern an der Kanalisation beteiligten Firma(Rumpf und Jäger⸗Hanau), die anständigere Löhne zahlt, keine Arbeit erhalten sollten. Und richtig, als Arbeiter dort nachfragten, wurden sie abgewiesen. Mit welchem Rechte, fragen wir, mischt sich der Bauführer in die Arbeits verhältnisse der Leute in dieser Weise ein? Was geht es ihn an, wenn die Arbeiter ihre Lage verbessern wollen, wenn sie nicht für Hungerlöhne arbeiten wollen? Hoffentlich weist die Stadtverordnetenversamm⸗ 8 anmaßenden Herrn in seine Schranken zurück. Aus dem Rreise Friedberg⸗Püdingen. * Eine Blutthat in Friedberg. Am Sonntag früh wurde die Frau des Schuh⸗ machermeisters Deutsch von einem früheren Gesellen desselben überfallen und mit einem Messer fürchterlich zugerichtet. Ebenso ver⸗ wundete der Angreifer den seiner Frau zur Hilfe eilenden Deutsch sehr schwer. Die Frau wurde in die Gießener Klinik überführt, wo sie schwer darniederliegt, der Mann wird zu Hause verpflegt. Der Thäter, namens Tieger aus Galizien, soll aus Wut über versagte Arbeit den blutigen Angriff unternommen haben. Er wurde in das Gießener Gerichtsgefängnis überführt. Aus dem Rreise Weßtlar. * Kreiskonferenz. Für den Wahlkreis Wetzlar fand am Sonntag in Gießen eine Konferenz statt, die zahlreich besucht war und recht anregend verlief. Hauptgegenstand der Erörterungen bildete natürlich die nächstjährige Reichstagswahl, die Parteiverhältnisse im Kreise und die Kandidatenfrage. Die Beratung darüber leitete ein Referat des Genossen Vetters⸗ Gießen ein, der zunächst die allgemeine politische Situation beleuchtete, die für uns nicht ungünstig sei, besonders wenn, wie kaum zweifelhaft sei, die Wahlparole laute: Für oder gegen die Lebensmittelverteuerung! Die Bevölkerung im Kreise gehöre zumeist der arbeitenden Klasse an; Kleinbauern und Lohnarbeiter hätten das höchste Interesse daran, daß die notwendigsten Lebensmittel nicht noch künstlich verteuert würden, noch dazu bei den fortwährenden Lohndrückereien! — Wäre es möglich, diesen Kreis gründlich zu bearbeiten, so müßte er uns zufallen. Unsere Stimmenzahl sei im Verhältnis zu der gegne⸗ rischen zwar noch nicht hoch, bei nachhaltiger Agitations⸗Arbeit sei es uns aber möglich, in die Stichwahl zu kommen. An der Debatte beteiligen sich die Genossen Euler, Fauth, Pfaff, Storck, u. andere, welche das Referat 3. T. ergänzen, vorwiegend aber die Kandidaten⸗ frage erörtern. Ein in dieser Beziehung gemachter Vorschlag findet Zustimmung, doch soll, weil einige Parteiorte nicht vertreten sind, darüber erst in der nächsten Konferenz entgültig abge⸗ stimmt werden. Das Mandat zum Parteitage wird dem Gießener Delegierten mit übertragen und beschlossen, zu den Kosten Mk. 25.— beizusteuern. Beschlossen wird ferner, am 31. August in Gleiberg eine Lassalle⸗Feier abzuhalten und hierzu die Genossen von Gießen und Umgegend einzuladen.(Siehe unter Gieß. Angel.). Der Brief eines Anti⸗Alkoho⸗ listen, der zum Beitritt in seinen Verein (Guttempler) auffordert, wird dem Vertrauens⸗ mann zur Beantwortung überwiesen. s. Gewerbe⸗Gerichtswahl. Bei der am Dienstag stattgefundenen Ersatzwahl zum Gewerbe⸗Gericht wurden Schreiner Biek und Handschuhmacher Beck als Arbeitnehmerbeisitzer gewählt. Auch auf der Arbeitgeber Seite erhielten die von unsern Genossen aufgestellten PP ——— — Ia. per! Feit per dei ber Ia. 0 dei Schrank Sctanken dingen. l. Wahlkreis ehen eine t war und e Beratung etters⸗ güne sfelhaft sel, gegen die Per St. 7 Pfg., 6 St. 40 Pfg. Nr. 34. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5 Kandidaten, Schneidermeister Fauth und Bäckermeister Kyrmse die Mehrheit. Die Zahlen sind uns noch nicht bekannt. Wir können mit dem Resultat zufrieden sein. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. St. Lassallefeier. Unsere diesjährige Lassallefeier findet laut Beschluß der letzten Parteiversammlung am Sonntag, den 31. d. M., von Nachmittags 4 Uhr ab im Jes⸗ berg'schen Lokale statt. Die Festrede hält ver⸗ mutlich Gen. Stadtverordneter Krumm⸗Gießen. Auch hat der Arbeiter-Gesangverein„Eintracht“ seine Mitwirkung freundlichst zugesagt. Wir möchten wünschen, daß die Veranstaltung von den Parteigenossen aus Stadt und Land recht zahlreich besucht wird. — Die Parteiversammlung am letzten Samstag abend, den 16. August, im Restauraut Jesberg war, trotzdem dieselbe auch noch in der„Hess. Landesztg.“ inseriert war, um einem in voriger Versammlung geäußerten Wunsche nachzukommen, nur mäßig besucht, trotzdem ein auswärtiger Referent, Redakteur Zielowsky aus Frankfurt anwesend war. Der Vorsitzende gedachte zunächst der verstorbenen Parteigenossen Manfred Wittich und Max Kegel, worauf zu Ehren derfelben die Versammelten sich von den Sitzen erhoben, mit Ausnahme eines der Ver⸗ sammlung beiwohnenden Nationalsozialen, der dies wahrscheinlich nicht für nötig fand. Redakteur Zielowsky sprach hierauf in ungefähr 1½ stündiger Rede über die nächstjährigen Reichstagswahlen und augenblickliche politische Lage, welche unter dem Zeichen des Brot— wuchertarifs stehe. Ein sog.„Kartell der Linken“ weise die Sozialdemokratie scharf zurück; denn mit Leuten, die, wie man erst kürzlich wieder bei verschiedenen Reichstags⸗Ersatzwahlen sehen konnte, für die Zolltariffreunde eiutraten, könnten wir kein Bündnis schließen. Der politische Kampf spitze sich immer mehr auf einen Kampf zwischen Konservativen, Centrum und Sozialdemokratie zu, alle andern sog. Mittelparteien kämen hierbei nicht in Betracht und würden voraussichtlich nach und nach von der politischen Bildfläche verschwinden. Sehr nachdrücklich ging Redner mit der Centrums⸗ partei in's Gericht, deren volksfeindliche Machina⸗ tionen er treffend schilderte und gebührend verurteilte. Aber auch den Freisinnigen und Nationalliberalen, sowie den Nationalsozialen wurde der Kopf gründlich gewaschen. Lebhafter Beifall lohnte die vortrefflichen Ausführungen des Referenten.— Nach einer kurzen Pause erfolgte dann die einstimmige Wahl des Schrift⸗ stellers Paul Bader⸗München als Delegierter für Marburg zum Parteitage in München. Weiter wurde die Abhaltung der Lassallefeier in oben beschriebener Weise beschlossen. Unter Verschiedenes erfolgte noch eine rege Aussprache über die Agitation usw., worauf die Versamm⸗ lung geschlossen wurde. (Nach dem Bericht der„Hessischen Landeszeitung“ hat Genosse Zielowski bei Erörterung der Frage des „Kartell der Linken“ behauptet, der damalige Artikel in der„Mitteld. S.⸗Ztg.“, worin ein Zusammengehen der linksstehenden Parteien als empfehlenswert hingestellt wurde, stamme von einem Nationalsozialen. Zielowski befindet sich da im Irrtum. Der Verfasser des Artikels ist Parteigenosse und war in der redaktionellen Nachschrift ausdrücklich als solcher bezeichnet. Wir denken, das genügt. Uebrigens würde kein Parteiblatt den Artikel eines Gegners aufnehmen, ohne ihn als solchen kenntlich zu machen.— Weiter soll Genosse Zielowski den nationalsozialen Kandidaten, Herrn v. Gerlach als„Filou“ bezeichnet haben Filou heißt soviel wie Spitzbube. Sollte Zielowski diesen Ausdruck wirklich gebraucht haben, so ist er doch im politischen Kampfe nicht in seiner wörtlichen Bedeutung zu nehmen. Im Frankfurter und süddeutschen Sprachgebrauche bezeichnet man damit einen Menschen, der sich überall durchzu⸗ schlängeln weiß, in allen Verdrehungskünsten geübt ist. Daß unser Genosse Herrn v. Gerlach damit nicht als persönlich unehrenhaft hinstellen wollte, versteht sich doch ganz von selbst. Die„Hess. Landeszeitung“ brauchte sich also da nicht so sehr zu entrüsten. Red. d. M. S.⸗Z.) — Mit dem Rathaus⸗Umbau ist jetzt begonnen worden. Das Parterre ist geräumt. Es haben sich hierbei merkwürdige Dinge ab⸗ gespielt. Die Feuerlösch-Geräte der ersten 6 Züge der freiwilligen Feuerwehr waren seither auch im Rathause untergebracht. Dieselben wurden nun stillschweigend, ohne daß das Kom⸗ mando etwas davon wußte, durch städtische Arbeiter anderswo(in zwei verschiedenen Lo⸗ kalen) untergebracht. Im Falle eines Brandes wäre also die größte Verwirrung unter den Feuerwehrleuten entstanden, da keiner gewußt hätte wo erhingehörte. Erst nachdem durch einige „Eingesandts“ in der hiesigen Presse auf diese ungeheuerlichen Zustände und die daraus ent⸗ stehenden Gefahren aufmerksam gemacht worden war, erschien eine polizeiliche Bekanntmachung in den Blättern, worin die Ueberführung der Geräte angezeigt wurde. Das sind ja sehr nette Zustände, die einer Universitätsstadt wenig zur Ehre gereichen. Kleine Mitteilungen. n Tod bei der Arbeit. In Büdingen wurde bei dem Neubau der Glashütte der Zimmerer Schäfer aus Rohrbach derartig veletzt, daß er in der Gießener Klinik starb. Auch der Zimmermeister Link wurde verletzt, wenn auch weniger schwer. Dies ist nun schon der zweite Unglücksfall, der bei dem Erweiterungsbau der hiesigen Glashütte passiert ist. Ob die Unfallver⸗ hütungsvorschriften befolgt worden sind, wird die Ver⸗ handlung ergeben. Plötzlicher Tod. Am Dienstag Vormittag starb der Wachtmeister L. in Büdingen plötzlich, als er sich auf seiner Diensttour befand. Die Leiche wurde in seine Wohnung nach Büdingen verbracht. * Schiffsunglück. Auf dem Rhein in der Nähe von Uerdingen stießen am Freitag Abend zwei Dampfer, die rheinabwärts fahrende„Prinzeß Viktoria“ mit dem Dampfer„Köln“ zusammen. Ersteres Schiff sank sofort. Drei Mädchen ertranken, außerdem wurde ein Techniker schwer verletzt. — 5 Partei Machrichten. Totenliste der Partei. Den Verlust eines braven und pflichteifrigen Genossen hat unsere Partei wiederum in Dresden zu beklagen. Dort starb der Kolporteur Emil Weichelt, der älteste Kolporteur der Dresdener Arbeiterpresse. Er hat dort schon im Jahre 1871 das erste Dresdener sozialdemokratische Blatt, den „Volksbote“ ausgetragen und war jetzt noch Austräger der Arbeiterzeitung. Stets war er unermüdlich und doch still und bescheiden für die Arbeitersache thätig. Ehre seinem Andenken! Theodor Metzner f. Wieder ein alter bewährter Kämpfer gefallen! In Berlin verstarb am Mittwoch plötzlich und unerwartet der Veteran der Berliner Ge⸗ nossen, Th. Metzner. Er erfreute sich, obwohl bereits 72 Jahre alt, noch bis zuletzt voller geistigen und körper⸗ lichen Rüstigkeit. Der Partei gehörte er schon seit Ende der sechziger Jahre an. Reichstagskandidaturen. Die Nürnberger Parteigenossen stellten ihren jetzigen Vertreter im Reichs⸗ tage, den Genossen Dr. Südekum wieder als Kandi⸗ daten auf. Die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Offen⸗ bach fand am Sonntag in Bürgel bei Anwesenheit von 64 Delegierten statt, die 38 Orte vertraten. Als erster Punkt stand eine Beschwerde des Vorstandes der Offenbacher Mitgliedschaft wegen Ausschluß eines Mit⸗ gliedes zur Verhandlung, der in ruhiger und fachlicher Beratung erledigt wurde. Dann sprach Genosse Ulrich über die bevorstehende Landeskonferenz, deren wichtigster Tagesordnungspunkt die Landtagswahl darstelle. Dab ei müsse man sich klar werden, ob unter Umständen bürger⸗ liche Parteien, die ebenfalls gegen die Abschaffung des indirekten Wahlrechts eintreten, unsererseits Unterstützung finden sollen. Der Schlachtruf müsse in diesem Land⸗ tagswahl⸗Kampfe sein: Nieder mit den Anhängern des indirekten Wahlrechts! wie auch der bevorstehende Reichstagswahlkampf unter Parole gegen die Brotwucherer ausgefochten werden müsse. Redner tritt noch dafür ein, die Landeskonferenz aus dem Kreise Offenbach⸗ Dieburg so zahlreich wie möglich zu beschicken, was auch die Konferenz zum Beschluß erhebt. So mmer⸗ Offenbach spricht für Unterstützung bürgerlicher Wahl⸗ männer, die sich als Gegner des indirekten Wahlrechts erweisen, in den Kreisen, wo die Sozialdemokratie keine Aus sicht anf eigenen Sieg habe. Genosse Heilmann sprach dann über den Punkt:„Parteitag“, wobei er sich für den Vorschlag des„Vorwärts“ bezüglich der Be⸗ handlung der Centrumsfrage auf dem Parteitage aus⸗ sprach. Nach Erledigung einiger weniger wichtigen Anträge wird beschlossen, die nächste Konferenz in Hausen abzuhalten. Anträge zum Parteitag. Im Sozialdemo⸗ kratischen Verein für den zweiten Hamburger Wahlkreis wurden folgende Anträge zum Par eitag angenommen: 1. daß auf dem Parteitag nue die von den Partei⸗ genossen gewählten und mit Mandat versehenen Dele⸗ gierten stimmberechtigt sind; 2. der Parteitag möge be⸗ schließen, daß die Fraktion bei Beratung der Arbeiter⸗ versicherungsgesetze dafür eintritt, daß alle Personen, welche gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt sind, der Versicherungspflicht unterliegen, wenn der Verdienst 2000 Mk. pro Jahr nicht übersteigt.— Versammlungskalender. Samstag, den 23. August. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung in Stadt New⸗York. Dele⸗ giertenwahl zur Kreis- und Landeskonferenz. Gießen. Gewerkschaftsversammlung. Abends ½9 Uhr bei Orbig. Sonntag, den 24. August. Marburg. Gewerkschaftsversammlung. Nachmittags 4 Uhr bei Jesberg. Sonntag, den 31. August. Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig Giessener 1 Marktplatz 5 Heute frisch eingetroffen: Ia. hochf. holl. Vollbücklinge per St. 5 Pfg., 10 St. 45 Pfg. Feinste Kieler Fettbücklinge per St. 6 Pfg., 7 St. 40 Pfg. Feinste engl. Vollbücklinge Ia. geräucherte fette Seehasen per Stück 35 Pfennig. Feiuste geräucherte Maifische per Pfund 80 Pfennig. lose, per Pfund 50 Pfennig. Wiederverkäufer Engros-Preise. — Prompter Versand nach auswärts. Louis Bühl, Marktplatz 5. Fischbörse Ia. geräucherten Seelachs per Pfund 40 Pfennig. Feinst. geräuch. Rocheufleisch Rechen ee eee Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Ia. Riesenlachsheringe geflecht Wasch⸗ u. g 0 per St. 18 Pfg., 5 St. 35 Pfg. Feiust. geräucherten Flunder per Pfund 60 Pfennig. Feinst. geräuch. Störfleisch per Pfund 2.50 Mark. E Speriul- Geschußt Fiir frinsle Murinuden 25 2 Nürnberger Ochsenmaul-Salat Spaten Landwirtschaftl. 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In der Küche des Adlerwirts ging es anders zu. Er kochte Sausuppen. Davon wollte keiner essen. So blieben seine Kunden weg, weil sie nicht ihr teueres Geld dafür geben wollten. Sie traten unter einander zusammen, und wollten es machen, wie die Leute bei der Müllerin. Aber es ging nicht, weil keine Ordnung war und weil einer den andern betrog. Da lachte der Adlerwirt und freute sich, daß es bei andern nicht besser ginge, als bei ihm. Bei ihm ging es aber doch schlechter als bei andern, weil er ein hartherziger, schlechter Mann war. Er hatte viel Geld auf böse Weise zusammengescharrt; aber unrecht Gut gedeiht nicht. Wenn in der teuren Zeit Steuern und milde Gaben für die armen Leute nach Goldenthal gekommen waren, damit man Sparsuppen kochen und austeilen könne, hatte er die Gemeindsvorsteher beredet, lieber das baare Geld an die armen Leute auszu⸗ zahlen. Dann trat er mit dem Löwenwirt zusammen, und sie verkauften den armen Leuten Mehl und Brot zu ganz ungeheurem Preise. So kam das Geld alles wieder in ihren eigenen Sack zurück. Wenn Leute im Dorfe von ihrem Heu, Vieh oder liegenden Gütern aus Not etwas öffentlich an die Steigerung bringen wollten, so trat er mit dem Löwenwirt und andern Vorstehern zusammen, und sie machten Satz mit einander, um alles wohlfeil zu bekommen. Sie boten erst kleine Summen, und legten etwas zu. Dann trat einer nach dem andern zurück, und bot nicht mehr, weil es zu viel und die Waare zu schlecht sei. So sagte einer nach dem andern. Und weil man sie für die verständigsten Männer hielt, getraute sich kein anderer, mehr zu bieten. So bekamen sie die Sachen wohlfeil. Wenn aber doch ein anderer klug war und mehr bieten wollte, schreckte man ihn mit Drohworten, zumal wenn ein solcher ihnen schuldig war; und sie sagten:„Hast du Geld genug für so schlechte Waare, und willst du meinen Freund über⸗ bieten: so verlange ich, du sollst mir vorher deine Schuld bezahlen.“ So machte es der Adlerwirt. Aber unrecht Gut gedeiht nicht. Er war ein stolzer und zornmütiger Mann, und hatte beständig Händel und Prozesse vor Gericht. Sogar mit seinen Brüdern und Schwestern hatte er einen Rechts- streit gehabt, weil er sie in der väterlichen Erbschaft durch Betrug und List bei der Teilung sehr verkürzt hatte. Viele Leute im Dorfe waren von ihm durch das Prozessen zu Grunde gerichtet worden. Ueberhaupt war die Streitsucht in Golden⸗ thal eine Hauptursache von der Verarmung des Dorfes gewesen. Denn so lange die Leute noch im Wohlstand waren, wollten ste großthun; wer einen Prozeß zu führen hatte, meinte, er habe etwas Großes und Ehrenvolles, weil jedermann mit ihm davon sprach. Dann kamen arglistige Advokaten und hetzten noch mehr auf, weil sie gern durch die Dummheit und Prozeßwut der Bauern Verdienst hatten. Die prozeßlustigen Leute waren dann so sehr auf ihre Sache erpicht, daß sie tausendmal schworen, lieber alles daran zu setzen, als nach⸗ zugeben. Das gefiel den Advokaten sehr wohl. Da wurden die Prozesse durch allerlei Kunst in die Länge gezogen, Jahr ein Jahr aus; da wurde repliziert, tripliziert, appelliert und den Leuten das Geld aus dem Sack herausge⸗ führt, bis der Handel zehnmal mehr gekostet, als er wert war. Wer dann verlor, schimpfte über Parteilichkeit der Richter und sog an den Hungerpfoten. Die Advokaten aber aßen Braten. Seit Oswald ins Dorf gekommen, hatte er viele Leute vom Prozessieren abgehalten. Denn wenn ihn einer um Rat befragte, richtete er es immer so ein, daß die Sache in der Güte ab⸗ gethan wurde. Er sprach:„Einst fanden zween Hunde, die sich auf einem schmalen Steg über dem Wasser begegneten, ein Stück Fleisch auf dem Brücklein. Und ste gerieten in Streit, wem es gehöre. Ein dritter Hund, der das Fleisch auch gern gehabt hätte, kam dazu und sagte bald diesem, bald jenem ins Ohr:„Gieb nicht nach. Es gehört dir von Rechtswegen allein!“ Also fingen die beiden an sich zu raufen und zu beißen, bis beide in der Balgerei hinab ins tiefe Wasser fielen. Dann ging der dritte gemächlich zum Fleisch und fraß es, und sah zu, wie die andern schwammen. So geht es den streitführenden Parteien in Prozessen! „Rechthaberei kostet viel Geld, und bringt Spott und Schande nach. Wer einen Prozeß anhebt, hat schon die Hälfte von dem verloren, was er gewinnen will. Boshafte Advokaten sind wie die zwei Schneiden einer Scheere; sie vereinigen sich, um das zu trennen, was man zwischen beide legt. Wenn du am Ende alles gewinnst, hast du doch mehr verloren, als dir ersetzt werden kann: Zeit und Arbeit, wohl gar an der Gesundheit Schaden genommen durch Verdruß und Aerger, Furcht, Sorge und schlaf⸗ lose Nächte.“ So sprach Oswald. Der Adlerwirt aber fragte ihn nie, sondern hatte fast alle Jahre einen neuen Prozeß. Die vielen Unkosten und Geschenke an Advokaten und Schreiber, die vielen Läufe und Gänge und Reisen brachten ihn nach und nach um das Seinige. Als er nun einen Streit gegen eine benachbarte Gemeinde verlor, den er mit derselben wegen einer alten Eiche geführt hatte, von der er behauptete, sie stände auf seinem Lande und gehöre nicht der Gemeinde, so kam er in große Not. Denn die Eiche hatte ihn über tausend Gulden gekostet, und er wußte nicht, woher das Geld nehmen, weil er mehr auf Haus und Land schuldig war, als man glaubte. Und da er überall Geld aufnehmen wollte und nichts erhielt, gerieten die in Sorgen, denen er schon schuldig war. Also blieb ihm nichts übrig, als all sein Gut den Gläubigern heimzuschlagen. Er mußte Haus und Hof verkaufen. Das war die Folge seiner Prozeßsucht. Weil er seine Felder schlecht besorgt hatte, gingen sie in mäßigen Preisen ab. Da die Leute nicht mehr häufig ins Wirtshaus gingen, weil sie weder kein Geld hatten, oder keins versaufen wollten, brachte auch die Wirtshaus⸗ gerechtigkeit nicht viel ein. Der Käufer des Hauses, als er sah, daß niemand bei ihm ein⸗ kehren und Geld verzehren wollte, stellte das Wirten ganz ein. So blieb nun der Löwen⸗ wirt noch Meister; denn die andern Wirte und Bier⸗ und Weinschenken hatten gar nichts mehr zu verdienen und die Wirtschaft schon früher aufgegeben. Einige alte Bauern schüttelten den Kopf und sprachen:„Es ist doch böse Zeit c wir sehen wohl, unser armes Dorf geht gänzli zu Grunde. Vorzeiten hatten drei Wirte und noch einige Bier⸗ und Weinschenken bei uns. vollauf zu thun; jetzt ist kaum Nahrung für einen einzigen vorhanden! Wohl ist das eine Schande für unser Goldenthal, und ein Beweis, wie schlecht es bei uns steht.“ Oswald aber sprach zu ihnen und sagte: „Mit nichten, ihr guten Leute! sondern nun habe ich Hoffnung, daß es bei uns bald besser gehen werde. Ich bin in der Welt umher⸗ gereiset und habe viele Dörfer gesehen. Wo die meisten Wirtshäuser waren, da habe ich immer die meiste Armut gefunden. Und wo kein Wirtshaus war, als etwa, Reisende zu beherbergen, da sah man einen gewissen Wohl⸗ stand in den Häusern. Die Wirte hangen nicht umsonst in ihre Schilde, das Bild eines Raub⸗ tieres aus, Löwen und Adler, Bären und Falken,— die Tiere leben von Gut und Blut der Gemeinde. Sie hängen ein goldenes Kreuz. aus, weil sie Gold haben wollen, und den Leuten Kreuz und Kummer dafür lassen. Ste hängen einen goldenen Engel aus, aber es ist ein böser Engel, der Rekruten wirbt für das Zucht⸗ und Armenhaus und Gefängnis. „Wir haben im Dorfe nur noch ein Wirtshaus, aber nur zu viel daran. Stände es nicht da, ständen die Nachbarshäuser besser. Wer am Wirtstische die Spielkarten nicht braucht, kauft sich gute Bücher. Wer nicht bei den Zechern um teures Geld Kopfweh kauft, freut. sich daheim bei Weib und Kind unentgeltlich. Wer dem Wirt kein Geld zahlt, behält es im Sack. Es ist mehr Ehre, im eigenen Keller eine Flasche Wein, als im Wirtskeller ein ganzes Faß voll zu haben.“ So redete Oswald, und die alten Bauern nickten mit dem Kopf, denn sie merkten wohl, er habe nicht unrecht. Aber der Löwenwirt wollte bersten vor Zorn, zumal, da er hörte, daß Oswald den goldenen Löwen ein Raubtter geheißen hatte. Und er würde dem Oswald gern einen Prozeß angehängt haben, wenn es möglich gewesen wäre. war klug, nahm sich in Acht und ging dem. grimmigen Löwen überall aus dem Wege und ließ denselben brüllen und schmähen. (Fortsetzung folgt.) Erinnerung an Liebknecht. Von A. Bebel. (Schluß des Artikels in voriger Nummer.) Amüsanter verlief einige Tage später eine Sitzung, in der die Verträge mit den süddeut⸗ schen Staaten auf der Tagesordnung standen. Es war unter der Hand im Reichstag bekannt geworden, daß gewisse hohe Herren im Versailler Hauptquartier es fertig gebracht hatten, den König von Bayern zu bestimmen, den deutschen Fürsten den Vorschlag zu machen, den König von Preußen als deutschen Kaiser auszurufen, und daß dieser Vorschlag Annahme gefunden atte. Es sollte nunmehr ein Brillantfeuerwerk im Reichstag inszeniert werden, um diese hochwichtige Nachricht der Welt zu verkünden. Unter der Majorität war verabredet, daß ein Mitglied der freikonservativen Fraktion eine diesbezügliche feierliche Anfrage an Herrn Delbrück, den Präsidenten des Reichskanzleramts richten solle, der dann einen Brief Bismarcks mit der patrio⸗ tischen Freudenbotschaft vortragen werde. Das Weitere sollte sich dann finden. Aber die Ko⸗ mödie verpuffte schmählich. Weder entsprach die Art der Anfrage der Feierlichkeit des Mo⸗ ments, noch wußte sich der Präsident des Reichs⸗ kanzleramts in seine Rolle zu finden. Nachdem die Anfrage ergangen war, sprang Herr Del⸗ brück, noch ehe er das Wort erhalten hatte, auf, und suchte verzweifelt in allen Taschen nach dem Bismarckschen Schreiben. Als er es endlich gefunden hatte und im trockensten. Bureaukratenton vorlas, machte der Vorgang einen so komischen Eindruck, daß das ganze Haus in sehr respektwidrige Heiterkeit ausbrach. Aber der Schulmeister *. 90 1 100 Nr. 34. Mitteldentsche Souutags- Zeitung. Seite 7. geht ag Man kann sich vorstellen, wie diese Szene uns klage auf Versuch zum Hochverrat lieferte kein ganze Vermög'n hätt i der Kirchen vermacht, wenn der u Witte u. gaudierte. Bei der zweiten Lesung der Vorlage Material, felbst das Material für eine Anklage[ Pfarrer worden wär!“ Pfarrer:„Traurig, seht nken hei 0 am 9. Dezember ergriff dann Liebknecht das auf Vorbereitung zum Hochverrat—, ein sehr traurig!, Was wollen Sie jetzt thun?“— Witwe: Aung fl Wort) um den Vorgang in seiner scharf ge⸗] dehnbarer Begriff— war selbst nach Ansicht„J hab' mir's überlegt! J heirat a!“ 25 r pfefferten Art zu glossieren: Der neue Bund des Untersuchungsrichters so dürftig— wie wir(„Simpl.“ us e d ein Lede sel nur eine Versicherungsgesellschaft gegen die Demokratie... Die Krönung des neuen Kaisers wäre, um ihr eine würdige symbolische 1 dene Bedeutung zu geben, vorzunehmen dort draußen 18 luld be auf dem Gendarmenmarkt.„Das ist der et u er passendste Ort für die Krönung des modernen gesehen ngen Kaisers; denn dieses Kaisertum kann in der da bab 0 That nur durch den Gendarmen aufrecht er⸗ a. lin 8 halten werden.“ A And wo Diese Ausführungen gaben wieder Anlaß 17 zu zu einem neuen Sturm der Entrüstung, zu dem mien Noll. üblichen Ordnungsruf und drastischen Bemerk⸗ Mugen nicht ungen Liebknechts zur Geschäftsordnung. N d Raub⸗ Dies unser Auftreten im Reichstage wie die Bären und Haltung des von Lebknecht redigierten„Volks⸗ Gut und Alt staat“ hatten im Hauptquartier zu Versailles goldenes Krenz roße Entrüstung erweckt und Rachegedanken len, und den Norgerülfen. Bei der Verhaftung des Braun⸗ r laseen. Sie schweiger Ausschusses waren, trotz einer von ber es is mir vorher an ihn gerichteten Warnung, keine bt für das Papiere aufzuheben, alle seit Jahren einge⸗ gig. gangenen Briefe von Marx, Engels, Liebknecht, zur noch ein mir und vielen andern gefunden worden. Im ran. Stände ganzen über 2000. Diese in Verbindung mit Sdäuser besser. anderm Material, das später bekannt wurde, m nicht braucht, sollte uns den Strick zu einem Hochverrats⸗ nicht bei den prozeß drehen. Einstweilen waren wir aber ch kauft, freut noch im Reichstag und erst nach Schluß des⸗ unentgeltlich. selben konnte man wagen, uns zu verhaften. behält es im Der Schluß des Reichstags erfolgte gegen Mitte eigenen Keller Dezember. Wir kehrten nach Leipzig zurück Wirtskeller ein und beriefen sofort nach dem Leipziger Saal in der Kreuzstraße eine öffentliche Versammlung alten Bauern des sozialdemokratischen Arbeitervereins ein, da nerkten wohl, das sächsische Ministerium wider Recht und der Wöwennit Gesetz sämtliche Volksversammlungen im Lande l. da er hörte, im voraus verboten hatte, um Bericht über ein Raubtier unsere Thätigkeit im Reichstag zu erstatten. dem Oiwal) Der mäßig große Saal war zum Ersticken ben, wenn es efüllt, Tausende mußten umkehren. In einer „ Sculmeiter cke des Saales hatten sich eine Anzahl ge⸗ fangener französtscher Offiziere in Zivil postiert, um den Verhandlungen beizuwohnen. Ich erhielt zuerst das Wort. Kaum hatte ich zu sprechen begonnen, als plötzlich mitten im Saale eine panikartige Aufregung ausbrach, die sich einem großen Teil der Verscmmlung mitteilte. Ein ging dem Wege Und * 3 5 Teil der Anwesenden drängte nach den Aus⸗ knecht. gängen, ein anderer sprang aus den Fenstern des parterre gelegenen Saales. Es stellte sich heraus, daß ein Gegner irgend ein Chemikal, zer gummer.) das einen furchtbaren Gestank verbreitete, auf „ hitte ei den Boden hatte fallen lassen, was die Panik age e süddent⸗ verursachte. Bald aber trat wieder Beruhigung in an finden ein, und wir konnten unsere Reden zu Ende dun bekannt halten. Selbstverständlich bildete die Kaiser⸗ ace Kale mache im Reichstage den Glanzpunkt der Rede n 7 5 den Liebknechts, die wahre Lachsalven und Beifalls⸗ een deulschel stürme hervorrief. s del„ ging Nun ereilte uns aber die Nemests. Zwei 4 fel, Tage darauf, an einem Sonntag Vormittag, ub wurde ich unter polizeilicher Begleitung, nach⸗ dem eine Haussuchung vorausgegangen war, in einer Droschke nach der Polizeidirektion und iser ubm unden feuerwerk. 1 5 aufer 11 von dort nach dem Gerichtsgefängnis abgeführt. dhe Dasselve Schicksal hatten, wie ich später durch den. Uater 10 den Gefangenwärter erfuhr, Liebknecht und 10 ein Aa 1 Hepner. Um unsre Verhaftung zu rechtfertigen, 1 desbes une verbreitete die Bismarckpresse, wir seien wegen Dalbrüc le Landesverrats verhaftet worden, eine Verleum⸗ 115 clue, 1 1. dung, die bei unsren Gegnern bereitwillig Glauben nl det bc— fand. 2 nabe, zy Unsre Untersuchungshaft(Einzelhaft) war lber d außerordentlich streng. Erst nach mehr als ieder 055 zwei Wochen hatten wir das erste Verhör, das ale deß 1g, darin bestand, daß der Untersuchungsrichter — des uc jedem von uns mitteilte, das Anklagematerial den Nute, gegen uns sei aus Braunschweig eingetroffen, n het 9 aber jetzt brauche er einige Zeit, um es zu aun en her, sichten und zu studieren. Der Mann hatte eine Riesenarbeit, aber er bewältigte sie in erstaunlich kurzer Zeit, wie ich hinzufügen muß, bel. aekusen auf das Gewissenhafteste. Natürlich bildeten 1 unächst unfre Briefe an den Ausschuß den iu de ge 5 der Erörterung. Von Landesverrat war selbstverständlich keine Rede, auch die An⸗ später genau erfahren haben—, daß er eine Verurteilung für nicht möglich hielt. Ende Februar war die eigentliche Untersuchung zu Ende und der Untersuchungsrichter beantragte unsre Entlassung aus der Haft, welcher aber der Staatsanwalt widersprach. Mittlerweile hatten am 3. März, dem Tage des vorläusigen Friedensschlusses, die Wahlen zum Reichstag stattgefundeu. Liebknecht unter⸗ lag in seinem Wahlkreis— Lugau⸗Stollberg— Geier— einem Fortschrittler, ich siegte in meinem Wahlkreis Glauchau⸗Mecrane über Schulze⸗ Delitzsch, der sich zum Kandidaten der vereinigten Gegner hergegeben hatte. Schraps stellte im bald zusammengetretenen Reichstag den Antrag auf meine Freilassung. Die Verhandlung dar⸗ über sollte am 29. März— Liebknechts Geburts⸗ tag— sein. Da wurde plötzlich am Nachmittag des 28. März meine mit schweren Schlössern versehene Gefängnistür aufgerissen und mit ver⸗ gnügtem Gesicht ersuchte mich der Gefängnis⸗ wärter, zum Untersuchungsrichter zu kommen. Als ich auf dem Korridor um die Ecke bog, sah ich Liebknecht und Hepner vor mir stehen — seit drei und ein halb Monaten zum ersten Mal— und wie auf Kommando stürzten wir uns alle dret in die Arme. Die Stunde der Freilassung hatte geschlagen. Wie das Jahr danach der Hochverratsprozeß gegen uns vor dem Leipziger Geschworenengericht folgte, wie Liebknecht und ich in demselben zu zwei Jahren Festung verurteilt wurden und welche gewaltig moralischen Wirkungen die Prozeßverhandlungen, namentlich durch die großartige Haltung Liebknechts, für die ganze Partei erlangte, ist bekannt. Nicht bekannt aber ist, daß wir am Abend des Tages unserer Verurteilung auf Einladung unsrer Rechtsan⸗ wälte zum erstenmal in unsrem Leben nach dem berühmten Auerbach⸗Keller wanderten, obgleich unsren Frauen, die nur widerwillig uns be⸗ gleiteten, das Weinen näher als das Lachen war. Die Festungshaft hat uns und hat der Partei nichts geschadet. Mir rettete sogar die erzwungene Ruhe und die gute Luft auf der Festung das Leben. Liebknecht aber benutzte die Zeit, um die Vorstudien zu einer Geschichte der französischen Revolution zu machen, für die er am Ende der Haft einen Berg Manufkripte zusammengeschrieben hatte. Leider ist er in den späteren Kämpfen und Sorgen des Tages nie dazu gekommen, dieses sein Lebenswerk— das sollte es werden— zu vollenden. Er entdeckte sogar eines Tages während seiner Verbannung von Leipzig in Borsdorf mit Schrecken, daß die dort vorhandenen zahlreichen Mäuse versucht hatten, dasselbe zu zernagen. Den Schaden konnte er wieder ausbessern, aber zu mehr brachte er es nicht. Freund Hein hat ihm zu früh die Feder aus der Hand genommen und ihn hinab ins Schattenreich geführt. Splitter. Ein Dummkopf bleibt ein Dummkopf nur Für sich, im Feld und Haus, Doch wenn du ihn zum Einfluß bringst, Wird gleich ein Schurke draus. Grillparzer. * * * glücklich, wer noch Vettern hat, Dem glänzet noch ein Morgenrot, Er wird, wenn nicht Geheimerat, Doch etwas noch vor seinem Tod. Wohl that's dem armen Adam weh, Daß Gott ihm nicht sein Eden ließ, Er hatte keine Vettern je, N Sonst säß' er noch im Paradies. Hoffmann v. Fallersleben. Humoristisches. Böse Beispiele. Witwe:„Denkens S' Ihna, Hochwürden, mei einziger Sohn, den ich auf'm Pfarrer hab' studiern lass'n, is ausg'sprungen und heirat't. Mei' Christliche Worte. Prediger Hann in Centre⸗ ville, einem Städtchen in den Vereinigten Staaten, ist der Arbeit in seiner bisherigen Gemeinde müde, weil er mit zu viel Widerwärtigen zu kämpfen hat. Vor seiner Uebersiedelung nach einem neuen Wirkungskr ei se hält er seiner zahlreich versammelten Gemeinde noch eine kräftige Abschiedsrede, in der er wörtlich sagt:„Ich will von Euch Abschied nehmen. Ich glaube nicht, daß Gott diese Kirche liebt, weil es Niemand von Euch je einfällt zu sterben. Ich glaube nicht, daß Ihr die besten Brüder seid, weil Ihr mir mein Gehalt nicht bezahlt habt. Eure Gaben bestehen hauptsächlich aus wurm⸗ stichigen Aepfeln und saueren Trauben;„an ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen“, Brüder! Ich begebe mich nach einem besseren Platz, wo ich Vorbereitung zu Eurem Empfang treffen will, mir ist eine Kaplanstelle in einem Zuchthaus angeboten worden. Möge Gott mit Euren armen Seelen Mitleid haben. Lebet wohl!“— Geschichtskalender. 24. August. 1898: Abrüstungsvorschlag des russischen Kaisers. 1572: Pariser Bluthochzeit(Er⸗ mordung der Protestanten) von Karl IX. in Szene gesetzt. 25. 1840: Immermann, Dichter, T. 1744: Joh. Gottfr. Herder, berühmter Schriftsteller und Gelehrter,“ 26. 1812: Palm, deutscher Patriot, auf Befehl Napoleon's erschossen. 27. 1813: Sieg Napoleons über die böhmische Armee bei Dresden. 1770: Hegel, Philosoph,*. 238. 1864: Duell Lassalles mit Rackowitz. 1749: W. Göthe,*. 29. 1523: Ulrich von Hutten in Ufnau⸗Zürich, F. 30. 1831: Aufruhr der Kommunalgarde in Leipzig. (Geboren; f gestorben.) —m ˙ ⁰˙ w 22... Das Erkennen auf der Landstraße. Auf der Straße von Laubegast nach Pillnitz trafen vor Kurzem zwei Handwerksburschen zusammen, die dann gemeinschaftlich weiter „walzten“. Der eine der Beiden war ein frischer, junger Bursche, der andere ein gereifter Mann. Beide fanden Gefallen aneinander, und bald befanden sie sich in lebhafter Unterhaltung. Im Verlaufe derselben wurden auch die beider⸗ seitigen Familienverhältnisse berührt, und als Beide nähere Auskunft über ihre Personen gaben, stellte sich heraus, daß sich nach langen Jahren Vater und Sohn auf der Landstraße getroffen hatten. Der Letztere hatte sich vor etwa zehn Jahren mit seinen Eltern, die da⸗ mals in Wittenberg wohnten, erzürnt und war dann in die weite Welt hinausgezogen, während der Vater durch die schlechten Erwerbsverhält⸗ nisse gezwungen war, noch einmal in seinen alten Tagen zum Wanderstabe zu greifen. Die Freude des Wiedersehens zwischen den beiden seltsamen Wanderern war eine große. Sie beschlossen, gemeinschaftlich der alten Heimat entgegenzuwalzen. Chinakrieger und Zuhälter. Vor der ersten Strafkammer des Land⸗ gerichts J in Berlin stand der etwa zwanzig⸗ jährige Arbeiter Hamann, der beschuldigt war, zwei Damen der Halbwelt in ihrem schmäh⸗ lichen Gewerbe unterstutzt und durch Drohungen und Schläge außerdem auch zur Ausübung des Geschäfts angehalten zu haben. Der Beschuldigte trug eine Ordensauszeichnung an der Brust. Auf die Frage des Präsidenten, woher er dieselbe habe, erklärte H., daß er sich diese in China erworben habe.„Dann hätten Sie sich doch aber von solchem schamlosen Treiben besser fernhalten sollen,“ meinte der Vorsitzende. Die Beweisaufnahme ergab eine vollständige Bestätigung der in der Anklage behaupteten Thatsachen. Demgemäß konnte der Gerichtshof bei der Urteilsfällung nur den bekannten neuen § 181a, der die erheblichen Strafverschärfungen enthält, zur Anwendung bringen. Dieser be⸗ stimmt bei Zuhälterei unter Anwendung von Gewalt usw. eine Mindeststrafe von einem Jahre Gefängnis, auf die auch erkannt wurde. Der Angeklagte ein Sohn anständiger Eltern, brach bei Verkündigung des Erkenntnisses in Thränen aus. Er wurde wegen der Höhe der Strafe sofort in Haft genommen. ——— 2 eee — Seite 8. Nr. 34. Allgemeine bewefkschafts-Lersanmlung t am Samstag, den 23. August, Abends 9 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse. Tagesordnung:. 4 „Der Gewerkschafts-Kongress in Stuttgart Referent: Bezirksleiter Ehrler ⸗Frauksurt a. M. Die Vorstände und Kartell⸗Delegirten der einzelnen Gewerk⸗ chaften werden gebeten, für zahlreichen Besuch Sorge zu tragen. Das Gewerkschaftskartell. Marburg! Sonntag, den 31. August, Nachm. von ½%4 Uhr ab: Lassalle-Feier im Jesberg'schen Lokal, Wehrdaerweg 2. Festrede b gehalten vom Stadtverordneten Genossen E. Krumm ⸗Gießen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Gewerkschafts-Uersammlung am Sonntag, den 24. August, Nachm. 4 Uhr: Dim Jesberg'schen Lokal, Wehrdaerweg 2. Tages⸗Ordnung: Der Stuttgarter Gewerkschafts-Kongress. Referent: F. Ehrler-Frankfurt a. M. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufer. — Turnverein Heuchelheim Sountag, den 24. Angust, beim Wirth Kröck X.: I. Stiftungs⸗Fest bestehend in Fackelreigen, Pyramidenstellen, Preisturnen, mit anschließendem Tanz. Anfang 3 155 en. Freunde und Gönner des Vereins sind herzlichst eingela Chr. Franz Ciessen, Nuch strasse 10 Buchbinderei und Papierhandlung empfiehlt sich in sämtlichen Comptoir-, Schul⸗ und Schreibwaren.— Packpapiere in allen Sorten. 2 PTuschkasten, Pinsel, Farben, ete. Lager in Gesangbüchern für die Schule. Schreib-, Noten⸗ und Zeichenmappen. Grosse Auswahl in feinen Leder- und Galanteriewaren etc. Buchbinderei im Hause. Ferd. Mennstiel Brauer und Rüfer Ciessens. Sountag, den 24. August er. 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