Nr. 12. Gießen, Sonntag, den 23. Mürz 1902. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 9. Jahrg. Redaktionsschlußz: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 15 0 90 Abonnementspreis: Bestellungen 2 Juserate 0 Ml. 8 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalte 475 Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expeditionin Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 15„ Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 755 die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 75 * f iimsi= Frage vorlegen, was dann werden solle, wenn ihren die Wahlvorlage mit Bestimmungen aus⸗ 25 Feinde des volkstümlichen Wahl die Zahl ihrer Vertreter im Reichstage immer statten, die einen großen Teil der Bürger vom * rechts. e 0 1 1— 10 e h en an geh das h Diesen Herren gefällt 5 5 erlangen könnte,„Nun“— sagte Herr Con⸗ein Wahlgesetz, das ihren rückständigen An⸗ 3 1 155 1 den ostelbischen. rad wörtlich—„dieses wird nicht eintreten! hängern Vorrechte einräumt, den Arbeitern aber he. er und den Industrie⸗Baronen das jetzt geltende Sobald diese Gesahr besteht, muß das Wahl⸗ das Stimmrecht vorenthält. Das nennen ste v von der Neichstagswahlrecht wie ein Dorn im Fleische recht einfach geändert werden. Das ist gar] dann„volkstümlich“. Die Arbeiterklasse wird 2 sibt, sondern daß auch Leute, die nicht gerade nicht anders möglich einer Partei gegenüber, aber nicht ruhen, bis sie sich für alle Vertre⸗ — zu den allerobersten Zehntausend gehören, dem die die Grundlagen unserer Gesellschaftsordnungs tungskörper ein Wahlrecht erkämpft hat, das allgemeinen Wahlrecht lieber heute als morgen untergräbt und Alles das in gehässiger Weise kin jeder Beziehung den Anforderungen der Ge⸗ den Garaus machen möchten, ist eine bekannte angreift, was uns heilig ist. Und wenn man rechtig keit entspricht. Fhatsache. Es ist das rückständige Spieß⸗ und glaubt, dann komme die Revolution, eine ge⸗ riedberg M. 3 Uhr die statutengemäße U trucht, pünktlich z i n. ed 0 ti Gießen. Lokale Orbig: 1 om 18. Matz 160 Ed. Rerum, 1 1 * 9 4. 5 8 * nuhe) gen Pfahlbürgertum, das in den konservativen, an⸗ tüsemitischen und klerikalen Parteien seine poli⸗ tische Vertretung sieht, welches dem Reichstags⸗ Wahlgesetz, das auch dem Arbeiter Stimmrecht verleiht, innerlich längst die Freundschaft ge⸗ kündigt hat. Aeußerlich merkt man davon nicht viel. Der Entrechtung der Arbeiterschaft wagt mian öffentlich noch nicht so das Wort zu reden. Aber doch konnte man schon wiederholt um Aleußerungen von Führern der obengenann⸗ den Parteien erkennen, daß es bis in die linken Reihen der Nationalliberalen hinein Gegner des Reichstagswahlrechts giebt. Waren doch l Sachsen sogar„Jortschrittler“ mit auf der Seite der Wahlrechtsräuber! Und erst kürzlich brach sich der„Volksmann“ Böckel in ähnlichem Sinne aus. Vor allen Dingen sollten sich aber doch die Gelehrten nicht dazu hergeben, die Volksent⸗ techtung noch„wissenschaftlich“ begründen zu vollen. Diesen Versuch machte aber kürzlich n solcher. Während der bekannte Professor Mrentano in München bei einer über das fbalitionsrecht der Arbeiter die in Preußen⸗ Deutschland thatsächlich herrschende Rechtsun⸗ leichheit für Unternehmer und Arbeiter scharf seißelte, hat ein anderer akademischer Lehrer in einer deutschen Uinversität die Gedanken her„Gebildeten“ bezüglich der Arbeiterbewegung und Wahlrechtsfrage enthüllt. Vor einigen Wochen hat Dr. Joh. Con⸗ ad, Professor der Nationalökonomie an der miversttät Halle einen Zyklus öffentlicher lorträge über die soziale Frage gehalten. Der Nann gehört zur nationalliberalen Partei. In einen Vorträgen hat er, wie unser Hallenser Jarteiblatt berichtete, Ansichten vorgetragen, die ir die Beurteilung seiner Partei außerordent⸗ ih wertvoll sind. Im Reichstag, in Versamm⸗ lungen und bei anderen Gelegenheiten haben die Führer der nationalliberalen Partei stets — häufig mit besonderem Nachdruck— sich cer den Vorwurf verwahrt, sie seien Feinde 8 allgemeinen, gleichen Wahlrechts für den leichstag. Herr Conrad hat nun diese Be⸗ eterungen Lügen gestraft. Er ist nicht nur eit, das Reichstagswahlrecht in reaktionärem Eine zu ändern, er hält eine solche Aenderung ir eine Selbstverständlichkeit. In zwei Vorträgen beschäftigte sich Conrad t der Sozialdemokratie. Er hält die Lozialdemokratie und ihre Agitation für be⸗ higenswert und gefährlich. Eine politische Ifahr sieht Herr Conrad in der Sozialdemo⸗ tie nicht; nach vieser Richtung hin hält er usere Partei für absolut bedeutungslos, und 1 bedauert, daß sie von allen Seiten überschätzt bede. Es sei beklagenswert, daß Viele sich uin einer weiteren Ausbreitung der sozialdemo⸗ luttischen Partei bangen, sich ängstlich die waltsame, blutige Erhebung, und sich davor fürchtet, dann kennt man unser Staats- und Heerwesen schlecht. Unser Staatswesen ist so festgefügt, unser Heerwesen so gut und straff organistert, daß die Sozialdemokratie nie etwas ausrichten wird.“ Für ihn ist es gar nicht zweifelhaft, daß bei der großen Masse der So⸗ zialdemokraten die Absicht zu einem gewalt⸗ samen Vorgehen vorliegt;„es fehlt ihnen nur die Macht, ihre Absicht zu verwirklichen.“ So weit der Hallenser Professor. Die Freunde und Verteidiger des allgemeinen, gleichen Reichstagswahlrechts, besonders die Ar⸗ beiterklasse, haben alle Veranlassung, dem Herrn Conrad für seine Bekenntnisse dankbar zu sein. Man weiß doch wenigstens, woran man ist! Ihrer ganzen sozialen Stellung nach muß die Masse der Nationalliberalen solche Staats⸗ streichpläne in noch ausgesprochen entschiedener Weise hegen und pflegen wie Conrad. Dieser ist doch immer noch ein„gebildeter“ Mann, der sich auch den Schäden der kapitalistischen Wirt⸗ schaftsordnung nicht verschließt, er ist auch materiell nicht so an der Aufrechterhaltung der jetzigen Zustände interesstert wie die„Männer der Praxis“, die Großkapitalisten und Gruben⸗ barone der nationalliberalen Partei. Es geht seit Langem etwas vor im Schooße der herr⸗ schenden Klasse, dunkle Pläne werden gesponnen, Anschläge vorbereitet. Das, was der Hallen⸗ ser Professor, eine„Leuchte der Wissenschaft“, bekannt hat, muß wie eine Fanfare wirken, die tönend zum Sammeln und zur Kampfbereit⸗ schaft auffordert. Und sie wird so wirken, da⸗ rauf mag sich der Hallenser Professer und sein politischer Anhang verlassen! ** Und wie verhalten sich die Gegner zur hessischen Wahlrechtsvorlage? Da ließen sich ebenfalls schon mehrere Stimmen aus na⸗ tionalliberalem und— antisemitischem Lager vernehmem, die sich gegen die Einführung des direkten Wahlrechts zum Landtage aussprachen. Vor einigen Wochen wurde die Frage im Darmstädter nationalliberalen Verein diskutirt, wobei sich verschiedene Redner mit nichtigsten Gründen gegen die Vorlage wandten. So wurde gesagt, der Zweck des indirekten Wahl⸗ rechts sei„die Intelligenz— jedenfalls der Abgeordneten— zu verdichten.“ Bei der direk⸗ ten Wahl werde oft ein Abgeordneter den Wählern aufgezwungen,„den kein Mensch kenne.“ Solcher und ähnlicher Blödsinn wurde in der Versammlung der Drehscheibenmänner verzapft, welche schließlich ihre Weisheit in die„Warung“ zusammenfaßten, daß man der, Wahlrechtsvorlage nicht ohne Vorbehalte zustimmen solle.— Auch die antisemitischen Mittelstandsretter und Bauern⸗ f—reunde wollen nach Aeußerungen eiuiger der Bc—— Politische Rundschau. Gießen, den 21. März. Was wird bei der Zollkommission her⸗ auskommen? Ueber die Arbeit der Zolltarifkommis⸗ sion brachte der Vorwärts am Sonntag einen Leitartikel. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß wie sich auch die Zollauseinandersetzung entwickeln möge, es sicher sei: Die Kommis⸗ sion arbeitet für nichts. Giebt man ihr Diäten, wozu die Zollopposition nicht die Hand bieten wird, so wären diese Diäten der einzige positive Ertrag der ganzen Zollbemühung; die Einstreichung dieser Dläten durch die Zoll⸗ wucher⸗Parteten würde das heillose Wucherwerk mit vollendeter Lächerlichkeit krönen. Daran knüpft der Vorwärts diese Mahnung: Ferner aber steht schon heute unerschütterlich fest, daß die deutschen Wähler Gelegenheit erhalten werden, ihr Votum über die Zollfrage zu sprechen. Mit dieser Thatsache hat insbesondere die Sozialdemokratie zu rechnen. Für die Zoll⸗ Neuwahlen vorzubereiten, ist jetzt unsere un⸗ mittelbarste Aufgabe, zu deren befriedigender Lösung kein Tag versäumt werden darf. Die Befestigung und Ausdehnung der Or⸗ ganisation in den einzelnen Wahlkreisen, die Sammlung von Geldmitteln, die Aufstellung von Kandidaten, wo solche noch nicht vorhanden sind, muß mit allem Nachdruck betrieben werden!. Es wird gelten, einen Wahlkampf zu führen, wie bisher die Partei noch keinen zu führen hatte. Die Brot- und Lebensmittelwucher⸗Par⸗ teien werden alles aufbieten, um sich im neuen Reichstag die Mehrheit zu sichern. Das muß, koste es, was es wolle, verhindert werden. Die Wahlparole ist die beste, die wir uns wünschen können.— Es handelt sich um die Brot- und Lebensinteressen der großen Volks⸗ mehrheit, die es zu verteidigen gilt gegen die Raub⸗ und Beutepolitik der Junker und Junker⸗ genossen. Dieser mit allen zu Gebote stehenden Kräften entgegenzuwirken ist Selbsterhaltungs— pflicht des gesamten Proletariats! Neue Schiffs⸗Kanonen. Wie unserm Leipziger Parteiorgan mitge⸗ teilt wird, baut Krupp in Essen„auf eigenes Risiko“ Marine⸗Geschütze jeglichen Kalibers in ganz neuen Typen. Man erinnert sich, daß bei der Artillerievorlage von 1897 Krupp die neuen Kanonen schon ff dase be hatte, als die Regierung die Mittel dafür bei Reichstag anforderte. Auch damals wurde erklärt, Krupp habe„auf eigenes Risiko“ fabriziert, und es Seite 2. Mitteldeusche Sonntags⸗Zeituns. war nur merkwürdig, daß Krupp gerade solche Kanonen und in solcher Zahl fabriziert hatte, wie sie die Artillertevorlage brauchte. Aehnliche Ueberraschungen scheinen jetzt wieder bevorzustehen; sogar an Sonn⸗ und Feiertagen wird an den neuen Kanonen gearbeitet, die vom Reichstage noch nicht bewilligt, noch nicht einmal gefordert sind! Aber bald wird es nach⸗ geholt und dem Reichstage von Herrn Tirpitz eine Rechnung präsentiert werden, daß den Volksvertretern die Augen übergehen. Die deut⸗ schen Steuerzahler thun gut die Augen aufzu⸗ machen und die Taschen zuzuhalten! Abschaffung der Zuckerliebesgaben. Jetzt ist wenigstens einige Aussicht dafür vorhanden, daß die schamlose Ausplünderung, die bisher an den Zuckerkonsumenten ver⸗ übt wurde, ein wenig eingeschränkt wird. Vor wenigen Wochen tagte in Brüssel eine Kon⸗ ferenz, zu welcher sowohl das Hauptverbrauchs⸗ land des Zuckers, England, als auch die Zucker⸗ exportländer ihre Vertreter geschickt hatten. Die dort getroffenen Vereinbarungen sind unter⸗ zeichnet worden und dürften somit zur Durch⸗ führung gelangen. Nach diesen Abmachungen verpflichten sich die Zuckerexportländer, alle direkten oder indirekten Prämien auf die Erzeugung oder die Ausfuhr von Zucker bedingungslos ab zuschaffen. Es werden also auch in Frankreich, das im Laufe der Ver⸗ handlungen Anspruch auf Beibehaltung eines Teiles seiner indirekten Prämie erhoben hatte, die Prämien nunmehr vollständig beseitigt. Für diese Länder wird ferner der sog. Ueber⸗ zoll, d. h. der Unterschied zwischen der Zoll⸗ und Steuerbelastung des eingeführten auslän⸗ dischen Zuckers und der Belastung des inlän⸗ dischen Zuckers, auf einen Höchstbetrag festge⸗ setzt, der bei Raffinade und ähnlichem Zucker 6 Fr. und bei rohem Zucker 5 Fr. für 100 Kilogramm nicht überschreiten darf. Der Zweck dieser Bestimmung ist, für die Zukunft es un⸗ möglich zu machen, daß unter hohem Zollschutz die Zuckerindustrie eines Landes mit Hilfe von Kartellen und Syndikaten den Zuckerpreis in die Höhe treibt und dadurch übermäßige Vor⸗ teile zieht, die den Prämien gleichkommen. Dieser Vertrag soll am 1. September 1903 in Kraft treten. Die Konvention bedeutet einen nicht un⸗ wesentlichen Fortschritt. Den Zuckerkartellen, die namentlich in Deutschland und Oesterreich eine unerhörte Mißwirtschaft getrieben haben, sind damit Zügel angelegt worden. Die In⸗ dustrie wird sich gesunder entwickeln, und der Konsument wird entlastet werden, wenn auch die hohen Verbrauchsabgaben(20 Mk. für 100 Kilogramm) und Zölle nach wie vor den Ver⸗ brauch erschweren. Klassenjustiz. Vor dem Schwurgerichte in Gü st ro w (Mecklenburg) wurde am 7. und 8. März wiederum ein Meineidsprozeß verhandelt der mit Verurteilung des Angeklagten, eines Arbeiters mit Namen Harder aus Kamin zu zwei Jahren Zuchthaus endete. Der Prozeß hat sich aus den politischen Kämpfen heraus entwickelt, er ist eine Folge des Kampfes der Behörden gegen die Sozialdemokratie. Er ist deshalb besonders erwähnenswert.— Abge⸗ ordneter Herzfeld, hat in seinem Wahlkreise mehrere Rechtsschutzvereinefür Landarbeiter in's Leben gerufen, so auch in dem Dorfe Kamin und Umgegend. Hier hielt er am 3. Februar 1901, an einem Sonntag, eine juristische Sprechstunde ab, die vorher durch Handzettel in der Gegend bekannt gemacht war und die sich zahlreichen Zuspruchs erfreute. Sie fand statt in den Lokalitäten des Gastwirts Schwarck zu Kamin, der dem Rechtsschutzverein, zum Leidwesen der Behörden seinen Saal zur Ver⸗ fügung gestellt hat und gegen dessen Wirts⸗ hausbetrieb schon seit längere Zeit ein außer⸗ ordentlich reger polizeilicher Bewachungsdienst sich bemerkbar gemacht hat. Einige Wochen nach jener Sprechstunde erhielt er eine Straf⸗ verfügung, weil er während der Kirchzeit Bier an Einheimische verabreicht haben sollte, was dort untersagt ist. Im Prozesse gegen Schwarck soll nun Har⸗ der als Zeuge seine Eidespflicht verletzt haben. Er hatte nämlich ausgesagt, er hätte wohl bei dem Wirte seiner Zeit Bier getrunken, doch sei dies nach der Kirchenzeit gewesen, gegen Mit⸗ tag; er habe, ehe er in die Herzfeld'sche Sprech⸗ stunde ging, bei der Arbeiterfrau Niemann einen Teller voll Klöße und Pflaumen gegessen, was ihn befestigte in der Ansicht, daß die Kirchenzeit vorüber gewesen, als er sich in das Gast⸗ haus begab. Das soll aber nach der Behaup⸗ tung der Anklage nach dem Hingehen ins Gast⸗ haus gewesen sein, Harder habe also bewußt eine falsche Aussage gemacht und diese beschworen. Vor dem Schwurgericht waren die Zeugenaus⸗ sagen sehr widersprechend. Besonders der De⸗ nunziant des Harder, ein als freiwilliger Poli⸗ zeikundschafter bekannter Händler Wulf wurde von fast allen Zeugen als ein unzuverlässiger, heuchlerischer Mensch geschildert. Nur ein Amts- hauptmann stellte ihm ein gures Zeugnis aus. Derselbe Beamte erklärte: 0 „Der Ort Kamin ist mir besonders unsym⸗ pathisch, weil er als Schlupfwinkel der Sozialdemokraten bekannt ist; des⸗ wegen() ist der Ruf der Einwohner schon im Allgemeinen kein guter; es sind meistens Leute, von denen man sich nichts Gutes zu ver⸗ sehen hat; zu den Ausnahmen rechne ich den Wulf, dessen Leumund im Allgemeinen kein 11 8 ist, wenn er auch schon vorbestraft 1 77 Dieses politische Sittenzeugnis mag wohl die 12 Geschwornen, unter denen 8 Gutsbe⸗ sitzer bezw. Gutspächter, 1 Forstmeister und 1 Fabrikbesitzer waren, wesentlich bestimmt haben, ihr„Schuldig“ auszusprechen. Soldaten⸗Schinderei. In der neuesten Zeit scheint es fast, als ob sich die Fälle der Soldatenmißhandlungen ver⸗ mehrten. Keine Woche vergeht, ohne daß Be⸗ richte üder kriegsgerichtliche Verhandlungen er⸗ scheinen, wo den Angeklagten scheußlich Quälerei der Soldaten nachgewiesen wird. Uns fehlt für gewöhnlich der Raum, auch nur die schlimm⸗ sten Fälle zu agistieren, nur einer von den Vielen set vorgeführt. Kürzlich stand wieder vor dem Kriegsgericht in Frankfurt ein ganz raffinierter Soldaten⸗ schinder in der Person des Unteroffizier Krafft von der 2. Kompagnie des 88. In⸗ fanterieregiments. Er ist aus der Unteroffi⸗ zierschule hervorgegangen und 1899 mit 19 Jahren Unteroffizier geworden. Im Oktober vorigen Jahres bekam er eine Korporalschaft von Rekruten zur Ausbildung und diese Aus⸗ bildung nahm er in einer Weise vor, daß den Leuten, wie das kriegsgerichtliche Erkenntnis besagt,„jede Freudigkest am Dienste genommen wurde.“ Beim Unterricht ließ er die Leute den Rumpf vorwärts beugen und schlug sie mit dem Wischstock oder der Klopfpeitsche. Beim Exerzieren wurden die Rekruten auf's Aeußerste angestrengt; sie mußten Laufschritt machen, bis ihnen der Schweiß ausbrach! Einmal übte er zwanzig Minuten lang Gewehrgriffe und Dauer⸗ anschlag ohne Pause und als er vom Uebungs⸗ platz zur Kaserne zurückmarschierte, komman⸗ dierte er:„Halt! Hinlegen!“ und die Leute mußten sich auf den vom Regen durchnäßten Boden, teilweise in Wasserpfützen legen. Hatten die Leute Morgens beim Antreten nach Ansicht des Unteroffiziers die Stiefel nicht or⸗ dentlich geputzt, so mußten sie in der Früh⸗ stückspause die Stiefel putzen, die natürlich mit⸗ lerweile im Dienst schmutzig geworden waren. Weil sich die Leute nicht flink genug zu Bett legten, kommandierte er eines Abends drei Mal:„Raus aus die Betten! Rin in die Bet⸗ ten!“ Zwei mußten unter den Betten durch⸗ kriechen und dabei gab es Hiebe mit der Klopf⸗ peitsche. Aber der Unteroffizier verstand es auch„Scherze“ zu machen. Er befahl einem Rekruten, der bereits ausgekleidet war, mit bloßen Füßen auf den noch warmen Ofen zu steigen. Von dort oben herab durfte der Rekrut die„Wacht am Rhein“ pfeifen. Da⸗ rüber lachte ein Anderer und mußte nun auf dem Sprengtrichter Musik machen. Ein Dritter hatte dann die Petroleumlampe auszulöschenn, aber nicht durch Blasen oder Schrauben, son⸗ dern er mußte sich vor die Lampe stellen und mit seinem Brustbeutel so lange Wind machen, bis das Licht ausging! Solche„Scherze“ hat er nach seiner Angabe auf der Unteroffi⸗ zierschule gelernt. Ferner reizte er seine Mannschaft an, sich gegenseitig zu„erziehen“, 1 ü 1 d. h. er hetzte die Soldaten auf einen ih Kameraden, dem er gerade übel wollte und er⸗ reichte in vielen Fällen, daß der Betreffende 1 gehörig durchgeprügelt wurde. setzte der Unteroffizier von Mitte Oktober bis Ende Januar ungehindert fort. Die Frage ren Dieses Treiben liegt nahe, ob denn keiner der Mißhandelten von dem Beschwerderecht Gebrauch gemacht hat. Aber der Unteroffizier hatte seinen Re⸗ kruten die Lust an der Beschwerde ausgetrieben.: 0 „Wenn Einer von Euch sich beschwert, dann geht es ihm in den zwei Jahren nicht gut; dann wird er hoch genommen“, hat er einmal nach den Bekundungen des Re⸗ 0 Vor Gericht giebt kruten Wunderlich gesagt. er zu, was er nicht leugnen kann, und bemerkt, die Korporalschaft des Unteroffiziers Dietrich 5 sei besser gewesen als die seine; sie seien zu⸗ sammen Unteroffizier geworden, und da habe er den Ehrgeiz gehabt, daß seine Korporalschaft noch besser als die des Dietrich werden solle. Der Angeklagte wird zu einem Jahr Ge⸗ fängnis und Degradation verurteilt. Das Gericht erklärt ihn schuldig der Mißhaudlung Untergebener in 103 Fällen und des Miß: brauchs der Dienstgewalt in elf Fällen. Verwunderlich ist nur, daß der Unteroffizier in ein paar Monaten eine so große Zahl Miß⸗ handlungen begehen konnte, ohne daß die Vor⸗ gesetzten etwas bemerkt haben. Dann mußte der Angeklagte selbst zugeben, daß er die verschie⸗ denen Quälereien auf der Unteroffizierschule Das deutet darauf hin, daß auf den Unteroffizierschulen vielleicht auch nicht Alles gelernt hat. ist, wie es sein sollte. Noch schlimmer als dieser Bursche trieb es 3 ein Unteroffizier Ranft vom sächsischen Infan⸗ 1 terie-Regt. 103, gegen den das Dresdener 3 Kriegsgericht trotz der gemeinen Gesinnung, die er an den Tag legte, nur auf 4 Monate Gefängnis erkannte. Dieser mit Gewehrstrecken, Kniebeugen und anderen „Uebungen“ bis zur Erschöpfung, sondern schlug sie auch noch wiederholt, einem verbot er sogar das Essen! Diese Vorkommnisse zeigen jedenfalls, wie das heutige Drillsystem die Verrohung befördert. Staunenswert ist aber auch die Schafsgeduld der„freien“ Söhne Deutschlands! Man sollte doch meinen, daß selbst der Kalblütigste, dem solche Unbill widerfährt, auf der Stelle Wider⸗ vergeltung üben müßte! Statt dessen treten die Braven später in den Kriegerverein ein und prahlen mit ihren Heldenthaten während der „schönen Soldatenzeit.“ „Geistiger“ Kampf der Pfaffenpartei. Der Saal des Münchener Kind'l Keller in München war kürzlich der Schauplatz einer sehr lebhaften Versammlung. Es waren aber brave sogar Seelenhirten, die dort ihren Ansichten mit Stuhlbeinen, Maß⸗ Ordnungsleute, w ren krügen etc. Ausdruck gaben, nicht etwa unge⸗ bildete Arbeiter. der Opposition begonnen hatte, berichtet ein bürgerliches Blatt, begann an der linken Seite des Saales erneuter, tosender Lärm. Die Rufe „Feigling“, Hundskerl“,„Prolet“,„Schluß“ Stellvertreter Gottes quälte seine Untergebenen nicht nur Graf Hoensbroech, der frühere Jesuitenpater wollte über den Toleranz⸗ Antrag des Zentrums sprechen. Kurz nachdem Graf Hoensbroech seinen Vortrag unter lärmen⸗ — L tönten wirr durcheinander, und die anwesenden Freunde der liberalen Sache bemühten sich ver geblich, Ruhe zu stiften. In erster Linie machten sich der Antisemitenführer Wenng und sein ordinärer Anhang durch eine geradezu haarsträubende Rauflust bemerkbar. Die Be⸗ ruhigungsversuche des Komitees und der Ange⸗ stellten des Münchener Kindl⸗Kellers blieben igel der Mage Au einer al Einen abstt gehen bolt pale, hre Leute lle Vieht der 10 uc erstellung 151 die Am gle emoktasch Vulale Mi sprach dort sammlung fürzler“ w wahren, al Im R fern in O ster Sorte elle Nach Klinkowstr im ersten hat diesem. sesigt. 6 on.) 954 3018. 80 unsere Pa. diesmal 30 nahme war segneten G. unmöglich 5 Mönigst am Donn Aagilägte borzunehm gegen ung. zal unser leses Trei e 1. Die Fra ö Möhardeln edtaug genagt ate einen Re⸗ de ausgetrieben, 9 beschwert, zwei Jahren genommen“, mungen des Re or Gericht giebt und bemerk, lers Dietrich i sie seien zu⸗ „ und da habe e Korporalschas 9 werden solle. m Jahr Ge verurteilt. 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Gleichzeitig begannen auch die ritterlichen Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht, mit Stüh⸗ len zu werfen. Ungefähr vier bis fünf Stühle sausten durch die Luft. Es herrschte ein solches Durcheinander und ein solcher Lärm, daß es unmöglich war, den Kampf in seinen Einzelheiten zu verfolgen. Jedenfalls dauerte der blutige Exzeß kaum länger als zwei Minuten. An einer anderen Stelle des Blattes heißt es: (Einen abstoßenden Eindruck machte das Be⸗ nehmen von Herren im geistlichen Ge⸗ wande, die im Saal und auf den Gallerien ihre Leute hetzten und durch die Daumen pfiffen wie Viehtreiber. Ein junger geistlicher Herr, der ersucht worden war, mit einzutreten für Herstellung der Ruhe, meinte achselzuckend, man müsse die Leute machen lassen. Am gleichen Abend tagte eine große sozial⸗ demokratische Versammlung in einem anderen Vokale Münchens. Landtagsabg. Müller prach dort über das Schulgesetz und die Ver⸗ sammlung verlief in musterhafter Ruhe.„Um⸗ stürzler“ wußten stets den Anstand besser zu wahren, als die patentierten Ordnungsstützen. Gerdauen⸗Nastenburg. Im Reichstags⸗Wahlkreise dieses Namens fern in Ostelbien, wo die Agrarier zollwütig⸗ sster Sorte tonangebend sind, hat am Dienstag seine Nachwahl für den verstorbeneu Abg. Grafen Klinkowström stattgefunden, der im Jahre 1898 im ersten Wahlgange gewählt wurde. Leider hat diesmal wieder der konservative Agrarier gesiegt. Es erhielten Stimmen: v. Rautter [kons.) 9546, Dultz(freis.) 4805, Ebhardt(soz.) 83618. Bei den letzten Hauptwahlen erhielt unsere Partei 3318 Stimmen, erhielt also diesmal 300 mehr. Eine größere Stimmen⸗Zu⸗ nahme war bei den Verhältnisseu in jenen ge⸗ ssegneten Gefilden, wo uns fast jede Agitation unmöglich gemacht wird, kaum zu erwarten. Gemeindewahlen. Bei den Stadtverordneten⸗Wahlen in Königsberg haben sich unsere Parteigenossen am Donnerstag tapfer geschlagen. In Folge Ungültigkeitserklärung waren zwei Nachwahlen vorzunehmen. Die Gegner standen geschlossen gegen uns. Trotzdem wurde in dem einen Be⸗ zirk unser Kandidat mit über 100 Stimmen Majorität gewählt, in dem anderen Bezirk unter⸗ lagen wir; die Gegner hatten eine Stimme mehr als unser Kandidat. . 1 8 Unsere Partei ver⸗ fügt nun über fünf Sitze im Stadtverodneten⸗ Rollegium. — Ferner wurden bei den Gemeindewahlen einer großen Anzahl Orte besonders der Vor⸗ orte von Berlin und in der Provinz Sachsen bedeutende Erfolge von unsern Genossen erzielt. In Groß ⸗Ottersleben, Willmersdorf, Pankow, Friedrichshagen und vielen andern Orten siegten Ansere Genoffen mit großer Mehrheit. Beseitigung des sächsischen Klassen⸗ wahlrechts? Nach Zeitungsnachrichten hätte das sächs. 1 Ministerium über die Abänderung des Drei⸗ kassenwahlrechts beraten. Allerdings hat die sächs. Regierung mit dem Geldsacks⸗ Wahlrecht nicht die beste Erfahrung gemacht und stcher hat man den Wahlrechtsraub, durch den man ich gegen den Umsturz schützen wollte, schon bereut. Ob aber die Regierenden dadurch schon ur Einsicht gelangt und entschlossen sind, ein zerechteres Wahleystem einzuführen, erscheint nicht besonders glaublich. Darauf werden sicher uuch unsere Genossen in Sachsen keine Hoff⸗ nungen setzen. Die Regierung wird so wie nisher weiter wursteln.— Neuere Berichte bestätigen diese Ansicht. Weder die Regierung noch die Kammern denken an eine Aenderung des geltenden Wahlrechts. Es bleibt also bei der Entrechtung der großen Masse der Be⸗ völkerung. Um das allgemeine Wahlrecht führen unsere Genossen in Belgien sehr hef⸗ tige Kämpfe. Vorige Woche wurde die Stimm⸗ rechtsvorlage in der Kammer beraten, wobei die Abgeordneten der Linken den Ministerprä⸗ sidenten, der ihnen Weglagerertaktik vorgeworfen hatte, heftig angriffen. Der Lärm wurde am Donnerstag so stark, daß die Sitzung aufge⸗ hoben wurde.— Die Sozialisten haben ihre Vertreter beauftragt, auf die Forderung des Frauenwahlrechts vorläufig zu verzichten und bei der Bewegung zu Gunsten der Verfassungs⸗ reviston lediglich die Erreichung des allgemeinen leichen Wahlrechts für die Männer zu ver⸗ 1 5 7 Die Einführung des Frauenstimmrechts würde nämlich die Macht der Klerikalen unge⸗ heuer stärken. Nette Arbeitervertreter. Im englischen Parlament ist ein An⸗ trag auf Einführung des Achtstundentages für die in den Bergwerken beschäftigten jungen Leute unter 21 Jahren abgelehnt worden. Es waren die„Arbeitervertreter“ Fenwick und Wilson, welche die durch Pickard vertretene Reform zu Fall brachten. Der Antragsteller hatte, um die Stimmen der Vertreter der Berg⸗ leute von Northumberland und Durham zu gewinnen, seine Forderungen wesentlich einge⸗ schränkt, immerhin wäre die Reform noch Tausenden von jungen Leuten zu Gute gekommen. Der Antrag wurde mit 224 gegen 158 Stimmen abgelehnt. Die Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter in den Bergwerken hat das Parlament schon mehr als fünfzigmal beschäftigt. Trotzdem herrscht noch heute in vielen englischen Berg⸗ werken der schauderhafte Zustand, daß Jungen von 13—16 Jahren 10 und mehr Stunden täglich beschäftigt werden.— Man sieht, daß in diesem Falle die englischen Nur⸗Gewerkschaft⸗ ler kein Verständnis für die dringendsten Arbei⸗ terforderungen zeigen. Die Arbeiterklasse darf sich eben nicht nur gewerkschaftlich, sondern muß sich auch politisch bethätigen, sonst gerät sie unrettbar in den Sumpf. Vernüftige Worte eines Ministers über die Arbeiter⸗Bewegung. Ein deutscher Minister war es allerdings nicht, der etwa Anerkennendes oder auch nur Objektives über die Arbeiter sagte. In Deutsch⸗ land macht man wohl Zuchthausgesetze, oder mau erläßt im Verwaltungswege Bestimmungen, die die Freiheit der Arbeiterbewegung in jeder Weise zu behindern geeignet sind; oder die ober⸗ sten Gerichtshöfe sprechen Urteile, die die Thätig⸗ keit der Organisationen immer weiter einzu⸗ schränken sich bemühen. Aber zu einer objek⸗ tiven Würdigung der größten Kulturbewegung der Gegenwart, des Aufwärtsstrebens der Ar⸗ beiterklasse, haben es die Minister und Staats⸗ sekretäre in Deutschland noch nicht gebracht. Der italten ische Minister des Inneru, Giolitti war es, der Freitag voriger Woche in einer Rede in der Kammer den Arbeitern Gerechtigkeit widerfahren ließ. Bei Vertei⸗ digung seiner Amtsführung kam er auf die Aus stä nde der ländlichen Arbeiter im vorigen Sommer zu sprechen, wobei er erklärte, daß man damals ebenso wie jetzt Ruhestör ungen befürchtet habe, ohne daß die Befürchtungen eingetroffen seien. Richtig sei, daß die Aus⸗ stände wieder begonnen hätten, aber das komme daher, daß man vor einer großen sozialen Be⸗ wegung aller Klassen des Proletariats stehe. Dieselben verlangten einfach bessere Lebensbe⸗ dingungen und sie hätten recht, keine ihrer Forderungen hätte einen politischen Charakter. Eine solche Bewegung werde nur dann ge⸗ fährlich und drohend werden, wenn die Re⸗ gierung glaube, sie mit Gewalt unter⸗ drücken zu sollen. Die Pflicht der Regierung sei, unparteiisch zu bleiben und die Rechte aller zu achten. Daher müsse die Regierung das Recht, in den Ausstand zu treten und die Berechtigung, für dieses Recht Propaganda zu machen, so lange achten, als keine Gewalt⸗ thätigkeiten damit verbunden seien, und ebenso müsse sie die Freiheit der Arbeit gewährleisten. Auch glaube er, daß, so weit nicht obligatorische Schiedsgerichte gesetzlich eingeführt seien, die Regierung das Recht und die Pflicht habe, ihre von beiden Parteien aufgerufenen Vertreter ein- greifen zu lassen, um eine friedliche Lös ung von Streitigkeiten herbeizuführen. Man dürfe sich nicht verhehlen, daß auch andere berech— tigte Ansprüche der arbeitenden Klassen Befriedigung erheischen, da die Löhne vieler zu gering seien. Es sei das große Ergebnis des Friedenswerkes der Regierung, daß sie vom Proletariat nicht als Feind betrachtet werde. Das sind zwar keineswegs sozialistische Aus⸗ führungen, wie denn Giolitti selbst ein Gegner der Sozialdemokratie ist. Aber Giolitti be⸗ trachtet die moderne Arbeiterbewegung wenig⸗ stens nicht mit Scheuklappen, wie seine deut⸗ schen Kollegen. Nussisches. Der Massenmörder von Blagowestschensk, General Gribsky der ehemalische Militär⸗ gouverneur des Amur⸗Gebietes, hat seinen Abschied erhalten. Gribskhy war es bekanntlich, der beim Ausbruch der chinesischen Wirren, angeblich zur Sicherung der ihm anvertrauten Prob inz mehr als 20000 Chinesen, Männer, Frauen und Kinder in den Amur treiben ließ, wo der größte Teil den Tod in den Wellen fand. Darüber wurde vor Kurzem in unserm Blatte eingehender berichtet. Die russ. Regierung scheint über diesen Menschen doch eine Art Scham empfunden zu haben. Eine sonderbare Nachricht ging der Leipz. Volksztg. aus Moskau zu. Dort sind 21 Offiziere verhaftet worden, weil ste sich gewei⸗ gert haben, den Soldaten die Order mitzuteilen, daß ste bei der ersten nächsten Gelegenheit auf die demonstrierenden Arbeiter und Studenten werden schießen müssen. Das tapfere Verhalten der Offiziere soll durch Aufrufe veranlaßt worden sein, welche das russtsche revolutionäre Komitee, dem viele Studenten angehören erließ. Es ist gelungen, einen Kongreß der studentischen Organisationen von ganz Rußland abzuhalten, der weitausgreifende, die Bewegung betreffende Beschlüsse gefaßt hat. Krieg in Südafrika. Lord Methuen ist in Freiheit gesetzt worden, nachdem er sein Ehrenwort gegeben hat, nicht mehr gegen die Buren zu kämpfen. Man glaubt, daß er, sobald es sein Zustand gestattet, nach England zurückkehrt. Die Lon⸗ doner Blätter erklären fast einstimmig, daß Delarey sich durch diese Freilassung als Edelmann gezeigt habe. Mehrere Blätter fragen, welche Haltung nun die englische Re⸗ gierung angesicht dieser großmütigen Handlung Delareys einschlagen wolle. In Regtkerungs⸗ kreisen wird versichert, man werde als Revanche entweder Cronje oder Kruitzinger freigeben. Großes Aufsehen erregt in England die Nachricht, daß der greise Feldmarschall Lord Wolseley plötzlich nach Südafrika abreist. Die englische Regierung läßt verbreiten, daß die Reise einen privaten Charakter trage, aber in dem Hofe nahestehenden Krelsen will man wissen, daß Lord Wolseley im Auftrage König Eduards, der wegen der Lage in Sud⸗ afrika sehr besorgt ist, nach dem Kap geht, um dem Monarchen persönlich über die wahren Zustände auf dem Kriegsschauplatz Bericht zu erstatten. Eduard der Dicke möchte sich bald krönen la ssen und es würde ihm unangenehm sein, wenn in die Feierlichkeiten Klagen über englische Niederlagen in Afrika ertönten. Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. . Nr. 12. Von Nah und Fern. Hessisches. Die Wohnungsfürsorge für Minder⸗ bemittelte betrifft eine von der hessischen Regierung der Zweiten Kammer zugegangene Vorlage. In dem 14 Artikel umfassenden Entwurf heißt es im Artikel 1, daß solche Häuser als zu Wohnungen für Minderbe⸗ mittelte gelten, bei welchen nach ihrer Raum⸗ einteilung die Abgabe von Wohnungen mit nicht mehr wie drei Zimmern nebst Küche und Zubehör als Regel vorgesehen ist. Artikel 2 besagt, daß ein Darlehen, welches von einer Gemeinde bei der Landeskreditkasse zur Förderung des Baues von Wohnungen der Artikel 1 be⸗ zeichneten Art auf Grund des Gesetzes die Landeskreditkasse betr. aufgenommen werden soll, bis zum vollen Betrag der Kosten für den Erwerb des Baugeländes sowie für die Bau⸗ ausführung gewährt werden kann. Für bedürftige Gemeinden soll nach Artikel 3 ausnahmsweise der Zinsfuß der zu gewähren⸗ den Darlehen, welche innerhalb der ersten zehn Jahre nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes aufgenommen werden, bis auf ein Halb vom Hundert unter den sich nach den Vorschriften über die Landeskreditkasse berechnenden Zins⸗ fuß ermäßigt werden. Der hiernach sich ergebene Fehlbetrag an Zinsen soll als staatlicher Zu⸗ schuß zur Förderung des Wohnungswesens alljährlich im Hauptvoranschlag besonders vor⸗ gesehen werden.— Artikel 12 ermächtigt das Miuisterium des Innern, für das Gebiet des Großherzogtums eine dem genannten Ministerium unterstehende Landes-Wohnungs⸗Inspek⸗ tion zu bilden, welche die Aufgabe hat, im Zusammenwirken mit den staatlichen und kom⸗ munalen Behörden die Wohnungsverhältnisse der minderbemittelten Volksklassen in gesund⸗ heitlicher und sittlicher Hinsicht festzustellen und in Gemeinschaft mit dem hessischen Central⸗ verein für Errichtung billiger Wohnungen, sowie mit den gemeinnützigen Bauvereinen des Landes auf Beseitigung der sich ergebenden Mißstände hinzuwirken. Die Erhöhung der Vermögenssteuer ist vorige Woche von der Zweiten Kammer be⸗ schlossen worden. Und zwar gelangte die Regierungsvorlage zur Annahme, nach welcher die Steuer für Vermögen unter 15 000 Mk. von 55 Pfg. auf 75 Pfg für je 1000 Mk. erhöht wird. Abg. Jöckel hatte beantragt, nur 60 Pfg, pr. Tausend Mk. festzusetzen. Abg. Dr. David bemerkte, man hätte schon bei der Steuerreform den Antrag der Sozialdemokraten annehmen sollen, der einen Satz von 1 Mark pro Tausend annahm, was aber nur eine höhere Belastung für die großen Vermögen gewesen wäre, während er sich bei dem Abzug der Schulden und bei der Degression bis zu 55 Pfg. als eine Entlastung für die kleinen darstellte. Da nun eine höhere Steuer absolut notwendig sei, so müsse die Entscheidung so getroffen werden, daß diese Belastung dann auf die leistungsfähigeren Schultern gelegt wird, die früher entlastet worden sind, und daß man die kleinen Ein⸗ kommen, die damals nicht entlastet worden sind, nun bei dieser Gelegenheit nicht noch mehr be⸗ lastet. Seine Freunde müßten deshalb den Minoritätsantrag(Antrag Jöckel) ablehnen, auch der Majoritätsantrag sage ihnen nicht zu, sie würden aber für den letzteren stimmen, weil er das kleinere Uebel ist. Der Majoritäts⸗ antrag wurde dann mit allen gegen 5 Stimmen angenommen. Gießener Angelegenheiten. —.Die Märzfe ier der Gießener Genossen, die am Sonntag im Lokale Orbig veranstaltet war, erfreute sich eines recht zahlreichen Be⸗ suches. Der Gesangverein„Eintracht“ leitete die Feier durch Liedervorträge ein, worauf Genosse Krumm die Gedenkrede hielt, in wel⸗ cher er in großen Zügen die Ursachen, den Ver⸗ lauf und die Folgen der Erhebung von 1848 erörterte. Seine Ausführungen wurden sehr beifällig aufgenommen. Nach der Rede folgten weitere Vorträge volkstümlicher Lieder durch den Gesangverein.— Auch hier in Gießen sind es natürlich nur die Arbeiter, welche der Frei⸗ heitskämpfer gedenken. Keine Seele aus dem Bürgertum erinnert sich der Männer, ohne deren Mut und Thatkraft es noch nicht die ge⸗ ringfügigen Rechte und Freiheiten besitzen würde, deren es sich heute erfreut. — Strafantrag gegen Löber. Der Bürg ermeister teilte in der Stadtverordneten ⸗ Versammlung am Donnerstag mit, daß die Staatsanwaltschaft gegen den Stadtverordneten Löber wegen der dem Bürgermeister entgegen⸗ geschleuderten Beleidigungen das Strafverfahren eingeleitet habe.— In derselben Sitzung wurde beschlossen, das gesamte Polizei wesen unter die städtische Verwaltung zu stellen. Sanitätsverein und Sterbekasse. Diesen Samstag findet eine Oeffentliche Ver⸗ sammlung im Cafe Leib statt, in welcher Stadtverordneter Krumm über das hiesige Leichenbestattungswesen sprechen wird. Ferner wird die Verfügung des Gießener Volksbades, die Entziehung der Vergünstigungen für Kran⸗ kenkassen⸗Mitglieder erörtert werden. Das sind so wichtige Angelegenheiten, daß zahlreicher Be⸗ such der Versammlung notwendig ist. Unsere Freunde und Leser bitten wir, zum Beginn des neuen Quar⸗ tals nicht nur das Abonnement der Mittel⸗ deutschen Sonntagszeitung rechtzeitig zu er⸗ neuern, sondern auch für Werbung neuer Leser thätig zu sein. Auch unsere Post⸗Abonnenten wollen rechtzeitig die Bestellung bewirken. Arbeiter, Parteigenossen! In mehreren Artikeln der heutigen und der letzten Nummer ist schon darauf hingewiesen, daß der Wahlter⸗ min der Reichstagswahlen nicht mehr allzu⸗ fern ist. Da tritt an jeden Minderbemittelten die Aufgabe heran, seinerseits dafür zu sorgen, daß die Interessen seiner Klasse, der wirtschaft⸗ lich Schwachen, der Handwerker, Arbeiter, Klein⸗ bauern und unteren Beamten gewahrt werden, daß die gegenwärtige Politik der Ausbeutung der Volksmasse zu Gunsten der Kapitalisten⸗ klasse unmöglich gemacht wird. Die Gegner werden mit allen Kräften für die Weiterführung der volksverderblichen Wucherpolitik eintreten. Darum gilt es für Aufklärung zu sorgen! Dazu kann jeder beitragen, indem er für Wei⸗ terverbeitung der soztaldemokratischen Presse sorgt! In jeder Arbeiterfamilie soll und muß eine Arbeiterzeitung gelesen werden und das ist hier die Mittel deutsche Sonntagszei⸗ tung. Kein Arbeiter darf die arbeiterfeind⸗ liche Presse unterstützen, mag sie nun im mucke⸗ rischen,„unparteiischen“ oder judenfesserischen Gewande erscheinen! Wie bisher kostet die Mitteldentsche Sonn⸗ tagszeitung nur 25 Pfeunig den Monat. Aus dem Rreise gießen. r. Aus Watzenborn⸗Steinberg schreibt man uns: Ein merkwürdiger Ausgabe⸗Posten findet sich in dem Voranschlag des Haushalts unserer Gemeinde für 1902/03. Da finden sich nämlich 11,43 Mk. verzeichnet als„Ostereier⸗ geld für den Pfarrer.“ Vermutlich wird der Betrag auf Grund einer alten Sitte heute noch bezahlt; wir meinen aber denn doch, daß mit solchen Gepflogenheiten von anno dazumal end⸗ lich aufgeräumt werden sollte. Bei einem Ein⸗ kommen von ca. 4000 Mk., über das der Herr Pfarrer verfügt, kann wohl auf Extraspenden verzichtet werden. Außerdem besteht hier die Sitte, daß jedes zu Ostern aus der Schule ent⸗ lassene Kind dem Pfarrer eine Anzahl Eier spendet. Wie oft wären solche in mancher ar⸗ men Familie zur besseren Ernährung der Kinder notwendig! Hoffentlich wird diese alte, nicht be⸗ sonders gute Sitte endlich beseitigt. Einen„patriotischen“ Vortrag hielt am Sonntag im Faber'schen Lokale ein Lehrer Will aus Nidda. Er gab sich redliche Mühe den Kriegervereinlern und sonstigen Zu⸗ 25 das nötige Quantum Patriotismus und iebe zu Kaiser und Reich einzupauken. Es müsse ein allgemeiner Kriegerverein gebildet werden, nicht ein besondrer für jede Waffengattung. Der Volksbildner hat wohl auch seinen 0 N 1 verfehlt. Seine Aufgabe wäre doch, seine Kraft der Bildung und Erziehung der Jugend zu widmen— eine schöne, große und herrliche Auf⸗ gabe!— und nicht den Mordspatriotismus zu fördern.— Bedauerlicherweise laufen heute noch viele Arbeiter diesen reaktionären und ar⸗ beiterfeindlichen Hurra⸗Vereinen nach und sün⸗ digen damit gegen ihre eigenen Interessen. An⸗ statt sich um die Verbesserung ihrer Lage zu bekümmern, machen sie lieber noch so ein bischen Soldatenspielerei mit und gröhlen sich an den sinnlosen, vielfach rohen und unsittlichen Lands⸗ knechtsliedern die Kehlen wund. Wenn man solches betrachtet, sieht man, wieviel Aufklärung noch nötig thut. Aus dem Rreise griedberg⸗Büdingen. — Märzfeier in Büdingen. Es war wohl das erste Mal, daß in Büdingen zu Erinnerung an die März⸗Ereignisse eine Feier veranstaltet wurde. Diese fand am Sonntag Abend im Lokal„Zum wilden Stein“ statt und war trotz des unfreundlichen Wetters und des beschwerlichen Weges zum Lokale recht gut besucht, nahm auch den besten Verlauf. Natür⸗ lich konnte sich die Feier nur in bescheidenen Grenzen halten; auf Mustk⸗ und Gesangsvor⸗ träge mußten die Genossen mangels eines Ar⸗ beiter⸗Gesangvereins, den wir aber hoffentlich bald bekommen werden, verzichten. Doch waren alle Besucher befriedigt. Gen. Vetters hielt das Referat, in welchem er auf die Kämpfe hin⸗ wies, die zu allen Zeiten gegen Gewaltherr⸗ schaft, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Vor⸗ urteile und für Recht und Freiheit geführt werden mußten. Wir gedenken der Kämpfer, die mutig für die höchsten Güter der Mensch⸗ heit ihr Leben in die Schanze schlugen und ge⸗ loben uns dabei, beharrlich und unentwegt für die Befreiung der Arbeit, für das Wohlergehen der Gesamtheit weiter zu kämpfen. Nicht mit Flinte und Säbel, sondern durch Aufklärung der besitzlosen Masse und Bethätigung der Soli⸗ daridät!— An das Referat schloß sich eine kurze Diskussition und Deklamationen ernsten und heiteren Inhalts. Aus dem Rreise Wetzlar. e. Bäckerklagen. Ueber die Arbeitsver- hältnisse in mehreren Wetzlarer Bäckereien wird lebhaft Klage geführt. In vielen werden die Vorschriften der Bundesratsverordnung für Bäckereibetriebe nicht beachtet und die vorge⸗ schriebenen Plakate und Aushänge sind in den 0 Backstuben nicht vorhanden. Die Arbeitszeit 9 2222 ̃˙T7N2 Lr——.——— ä— —— dehnen einzelne der Herren Ritter vom Back⸗ trog über alles Maß aus; uns werden Fälle berichtet, daß sogar Lehrlinge täglich 15-16 Stunden arbeiten mußten. Eine bessere gon. trolle wäre entschieden notwendig, noch besser wahren allerdings die Gesellen ihre Interessen, wenn sie sich der Organtsatton anschließen. 1 i. Mißhandlung. Aus Löhnberg be⸗ richtet man uns: Vor kurzem hat der zweite Lehrer eines benachharten Dorfes einen Schul⸗ knaben fürchterlich geprügelt und zwar unter Beihülfe des Pfarrers, weil der Junge den Lehrer nicht gegrüßt haben sollte. Ueberhaußt ist der Lehrer im Dorfe äußerst unbeliebt, wegen seines anmaßenden Verhaltens den Einwohnern gegenüber. Wegen so einer Bagatelle braucht man wohl nicht ein Kind so barbarisch abzus⸗ strafen, wenigstens sollte man sich vorher genun von der Schuld überzeugen, was in diesem Falle nicht geschehen ist.— * Dr. Burckhardt berichtigt. Der Parteisekretär der Christlich⸗Sozialen, Dr. Burck⸗ hardt in Godesberg will das uicht als richtig aner⸗ kennen, was wir über ihn und seine Kampfes⸗ weise in der letzten Nr. gesagt haben, nämlich, daß die Angriffe auf Singer höchst schofel sind. Der Herr schreibt uns: 1 In Nr. 11 der Mitteld. Sonntagsztg. heißt es, daß„Dr. Burckhardt mit der Aeußerung hausieren geht, die der ehemalige Compagnon Singers vor 14 Jahren gethan hat, diese unserm Genossen zum Vorwurf macht.“— Es ist dies nicht der Wahrheit entsprechend. Ich mache selbstredend Herrn Singer nicht da Tozialdel Siuger! beutung Daz Nemerkl lobe Sil Meint el Halb sonf falt in; ft faner ausgewit gar kein, gut nic Hetr Bu genomm im Auge doch zun daß das die Gel Sbzfaldt da aber gesagt jedes Werden Unterne Maschin. Ausnah Abeitef daß Sir liche Art lung der das, wa — Aus Nid eine Art anhalten Merkt w Kurz da der heft ** 0 Sonne Art At Cuaßen schlef mittels llt lichtete g wurden 1 10 5 e ber. in dn Wutbesen mant en wan urde 90 fechch 0 Mer Aung n man ftlärum Tübingen. augen. Ez par i inngen zu ssse eine Feier a am Sonntag ain Stein fun den Bettes und Aeale echt gut Verlauf. 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Juni 1888 folgen⸗ dermaßen urteilt: 18 90 „Die von der Firma Singer Abhängigen waren für sie eben eigentlich weiter nichts als Arbeitsmaschinen, die für die Firma ausgenutzt wurden, soweit sie nach den Verhältnissen sich ausnutzen lassen mußten; daß sie im übrigen auch Menschen waren, kümmerte die Firma wenig.“ An die Verlesung dieser Stelle habe ich nur die Bemerkung geknüpft, daß unter solchen Ver⸗ hältnissen— denn Singer war, als jene Aeuße⸗ rung fiel, noch Mitbesitzer der Firma— die sozialdemokratische Partei, deren Hauptführer Singer ist, kein Recht habe, andere der Aus⸗ beutung wegen Vorwürfe zu machen. Dr. Georg Burckhardt. Dazu muß uns Herr Burckhardt schon einige Bemerkungen gestatten. Die Verstcherung, er habe Singer keinen Vorwurf machen wollen, meint er doch wohl nicht ernst. Denn wes⸗ halb sonst bringt er und seine Freunde die Sache fast in jeder Versammlung vor? Thatsache ist ferner, daß Singer, der damals von Berlin ausgewiesen und in Dresden aufhältlich war, gar keinen Einflluß auf das Geschäft ausübte, auch nicht darin thätig war.— Was will aber Herr Burckhardt mit dem Urteil beweisen? An- genommen, es ist richtig zitiert, was wir im Augenblick nicht nachprüfen können, so ist doch zunächst für jeden Vorurteilsfreien klar, daß das bürgerliche Gericht mit Vergnügen die Gelegenheit wahrnahm, dem verhaßten Sozialdemokraten eins auszuwischen. Was da aber ferner über die Arbeitsverhältnisse gesagt wird, läßt sich ohne Weiteres auf jedes kapitalistisch e Geschäft anwenden. Werden etwa die Arbeiter von„christlichen“ Unternehmern als etwas anderes als Arbeits⸗ maschinen angesehen? Die Kapitalisten sind Ausnahmen, welche die Menschenwürde ihres Arbeitspersonals achten.— Wir sind sicher, daß Singer, soweit es an ihm lag, für ordent⸗ liche Arbeitsverhältnisse und anständige Behand⸗ lung der Arbeiter stets gesorgt hat. Wir müssen das, was wir in letzter Nr. gesagt, voll auf⸗ recht erhalten. Uebrigens weiß die Sozial de⸗ mokratie sehr genau, wem sie ihr Vertrauen schenkt, sie braucht darüber die Belehrung der Gegner nicht. Singer hat nicht nur für die Arbeitersache ganz bedeutende Opfer gebracht, und bringt sie noch, er steht auch als Ehren⸗ mann in jeder Beziehung da und wird als solcher von Freund und Gegner(anständigen!) geachtet. Mögen die Christlich⸗Sozialen vor ihrer eigenen Thüre kehren, sie haben da mehr Arbeit, als ste leisten können. Siehe Hammer⸗ stein und viele andere. Recht wenig christlich verfuhr der Herr Pastor Lehr in Löhnberg, derselbe, der neulich die Sozialdemokatie so gründlich„ver⸗ nichtete“ mit den Kindern in der Kleinkinder⸗ schule. Wie aus Löhnberg geschrieben wird, hat der Seelenhirte damals— es ist schon einige Jahre her— bei den 2—3 jährigen Kin⸗ derchen mit Prügeln nicht gespart. Ein da⸗ mals Z jähriges Kind bekam eine so kräftige Ohrfeige, daß es mehrere Tage auf dem einen Ohr nicht hören konnte und die Spuren des Schlages einige Tage lang sichtbar waren. Ferner wird in der Zuschrift bemerkt, daß verschiedentliche Einmischung des Pastors in das Familienleben der Einwohner höchst unangenehm empfunden wurde. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. St. Unsere diesjhrige Märzfeier fand am Samstag abend unter starker Beteili⸗ gung im Jesberg'schen Lokale statt. Der Ver⸗ trauensmann widmete zunächst dem kürzlich in Gießen verstorbenen braven Gen. Fr. Schäfer einen warmen Nachruf und ehrte die Versamm⸗ lung das Andenken des Verblichenen durch Er⸗ heben von den Sitzen. Der Arbeiter⸗Gesang⸗ verein„Eintracht“ leitete dann die Feier durch den Vortrag zweier passender Lieder ein. Die Festrede hielt Gen. Stadtv. Krumm ⸗Gießen. Redner schilderte in fesselnder Weise die Vor⸗ gänge des„tollen“ Jahres 1848, indem er hauptsächlich die Ursachen, welche das Volk zu den Waffen greifen ließ und welche ca. 50 Jahre weiter zurück liegen, klar darlegte. Auf die interessanten Ausführungen des Redners hier näher einzugehen, gestattet uns leider der Raum unseres Blattes nicht und dürfte die Geschichte der 1848er Revolution wohl auch ge⸗ nügend bekannt sein. Mit der Aufforderung, den Kampf gegen das übermütige Junkertum, das uns neuerdings wieder durch die beabsich⸗ sichtigte Lebensmittelverteuerung bedrohe, kräf⸗ tig weiterzuführen und durch die Abgabe des rechten Stimmzettels bei der nächstjährigen Reichstagswahl dem Junkertum womöglich die Herrschaft zu entreißen, wodurch wir am besten das Andenken der März⸗Gefallenen ehren würden, schloß Gen. Krumm seine mit lebhaftem Bei⸗ fall aufgenommene Rede. Der Gesangverein gab der schön verlaufenen Feier durch den Vor⸗ trag von zwei weiteren recht gut zu Gehör ge⸗ brachten Liedern unter Leitung seines bewährten Dirigenten Herrn Pauli jun., einen würdigen Abschluß. — Die Bündlerversammlung im Saal⸗ bau am vorigen Donnerstag nachmittag, die von ungefähr 350 Personen besucht war, nahm, wie zu erwarten war, einen recht stürmischen Verlauf. Die Berufung des Reichstagsabg. Rösicke als Redner war natürlich nur ein Lockmittel; derselbe hätte, wie der Vorsttzende bekannt gab, wegen des Todes eines Onkels leider abgesagt. Dafür war ein Angestellter des Bundes, Namens Bley erschienen, welcher sich, wie die„Hessische Landesztg.“ schreibt, in Schimpfereien gegen die Zolltarifgegner erging und letzteren zu verteidigen suchte. In der Dis⸗ kussion widerlegte in treffender Weise der natio⸗ nalsoziale Redner v Gerlach die Ausführungen Bley's und wies die persönlichen Angriffe gegen ihn zurück. Nicht weniger als 7 Redner ver⸗ suchten es darauf, den gewandten Gegner mundtot zu machen, was ihnen aber nicht gelingen wollte, denn viele der Anwesenden, meistens geringere Bauern, spendeten Herrn v. Gerlach Beifall. Natürlich ließen die Bundesredner namentlich auch an der Sozialdemokratie kein gutes Haar; was uns aber weiter nicht bekümmern kann.— Diesen notleidenden Agrariern ist der Zoll⸗ satz von 7.50 Mk. für Getreide noch viel zu gering, sie verlangten noch weit höhere Zölle. Schließlich gelangte eine Resolution(wobei nur die anwesenden Bündler abstimmen durften) zur Kleine Mitteilungen. * Auffällige Naturerscheinung. Aus Nidda wird berichtet, daß dort am Montag eine Art Erdbeben, ein mehrere Sekunden anhaltendes unterirdisches Rollen be⸗ merkt wurde; stellenweise klirrten die Fenster. Kurz darauf erhob sich ein kurze Zeit währen⸗ der heftiger Sturm. Buben veich oder Racheakt. Sonntag Abend wurde in Mülheim a. M. eine Art Attentat verübt. In das Zimmer eines Straßenwärters, worin dieser mit seiner Frau schlief wurde ein mit Pulver gefülltes und mittels Zündschnur zur Explosion gebrachtes Stück Gasrohr geworfen. Die Exploston richtete großen Schaden an, die beiden Eheleute wurden aber nicht verletzt. Aus dem Kasseler Trebersumpf. In Kassel wurde der Kaufmann und Agent Christian Schäfer, der durch jahrelange scham⸗ lose Erpressungen dem Aufsichtsrat Schlegel von der Trebertrocknungs⸗Gesellschaft, dessen Vorbestrafung ihm bekannt geworden war ins⸗ gesamt 15000 Mark abgenommen hatte, zu neun Monate Gefängnis und zweijährigen Ehr⸗ verlust verurteilt. Die sofortige Verhaftung wurde verfügt.— Der in Untersuchungshaft befindliche Direktor Schmidt hat vor dem Untersuchungsrichter eingestanden, daß sämtliche Tochtergesellschaften der Trebergesellschaft von Anfang an mit Verlust gearbeitet haben. Sämtliche Gründungen erfolgten auf Veran⸗ lassung der Leipziger Bank, von welcher die Trebergesellschaft insgesamt 120 Millionen Mk. erhalten habe. * Wieder Einer. Der Kassierer des Kredit⸗ und Sparvereins in Hermsdorf(S. Altenburg) wurde auf Antrag der Staatsan⸗ waltschaft wegen grober Wechselfälschungen und Unterschlagungen 2c. verhaftet. Die Verhaftung erregt großes Aufsehen. Die Höhe der Wechsel⸗ soll sehr bedeutend sein. Im ltenburgischen sind in letzter Zeit mehrere Banken und gewerbliche Unternehmungen wegen Betrügereien ihrer Leiter oder Angestellten zusammengebrochen. Das Altenburger Ländchen ist durch diese Schwindeleien empfindlich mit⸗ genommen worden. ** Zum Krosigk⸗Prozeß wird mitgeteilt, der eine Angeklagte Sergeant Hickel sei dauernd Ganzinva⸗ lide mit dem Zivilversorgungsschein und einer monatlichen Pension von 15 M. aus dem Militärverhältnis entlassen worden. Die neue Verhandlung, die im April statt⸗ finden wird, soll mindestens fünf bis sechs Tage in Anspruch nehmen, da zu derselben weit über hundert Zeugen geladen werden. Arbeiterbewegung. Der Abwehrstreik der Schreiner und Lackierer in Isen burg dauert noch fort, die Zahl der Ausständigen hat sich sogar vermehrt, da in zwei weiteren Geschäften die Arbeit eingestellt, in denen vom 1. März ab Lohnkürzungen vorgenommen wurden. Es sind jetzt 52 verheiratete und 30 ledige Kollegen ausständig. Um Fernhaltung des Zuzugs wird ersucht. F Wohlthäter Krupp. Auf die Be⸗ schwerde, welche kürzlich eine Versammlung Krupp'scher Arbeiter wegen der Arbeitsordnung an ihn richtete, hat Herr Krupp, der auf der sonnigen Insel Capri weilt, ablehnend geantwortet. Es heißt in dem Antwortschreiben: „.... Die Anordnung, daß die Arbeiter während der Mittagspause auf dem Werk bleiben müssen, ist zur Erzielung guter Betriebsergebnisse notwen⸗ dig und liegt deshalb auch mit im Interesse der Arbeiter...“ Damit also gute Betriebsergebnisse erzielt werden— die Arbeiter haben in der Regel sehr wenig davon— müssen ein Teil der Arbeiter auf ordentliche Mittagspause ver⸗ zichten! Der Arbeiter bekommt eben nur bessere Arbeitsbedingungen, wenn er sie sich selbst er⸗ kämpft. Partei Nachrichten. Schwere Strafe. Sieben Monate Gefängnis erhielt der frühere verantwortliche Redakteur unseres Kasseler Parteiorgans, Genosse Carl Thiel und zwar wegen Beleidigung des Pfarrers Führer und der Oberin des Krankenhauses zum Roten Kreuz. Obgleich die Namen des Pfarrers und der Oberin in den Artikeln nicht genannt waren, heißt es in dem Urteil, seien sie doch so kenntlich gemacht, daß Niemand anders gemeint sein konnte, Es seien beiden arge Verfehlungen und unlautere Be⸗ ziehungen vorgeworfen worden. Der vom Angeklagten versuchte Wahrheitsbeweis sei vollkommen mißglückt. Versammlungskalender. Samstag, den 22. März. Gießen. Holzarbeiter. Versammlung, abends 1/9 Uhr bei Löb. Delegiertenstichwahl. Metall⸗ arbeiter. Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Heuchelheim. Arb. Bild.⸗Ver. Abends 8 Uhr Versammlung bei B. Keil. Sonntag, den 23. März. Gießen. Allg. Kranken- und Sterbekasse d. Metallarbeiter. Nachmittags von 2—5 Uhr Stichwahl im„Kühlen Grund“, Neuen Bäue. Marburg. Oeffentl. Metallarb.⸗Versamm⸗ lung. Nachm. 3½ Uhr bei Jesberg. Montag, den 24. März. Schneiderverband. Abends 9 Uhr bei Versammlung. Letzte Nachrichten. Wahl in Breslau. Bei der Ersatzwahl am Donnerstag erhielten Bernstein(soz.) 14 700, Heilberg (freis. Volkspartei) 6428, Bellerode konservativ⸗klerikaler Kompromißkandidat) 4474, Mosch(Antisemit) 323 Stimmen. Im Ganzen war also die Wahlbeteiligung schwächer als bei den Hauptwahlen von 1898; damals erhielten die gesamten Gegner 11225, die Sozlaldemo⸗ kratie 14896 Stimmen. In Nürnberg wurde bei der Landtagsersatzwahl Genosse Merkel mit 141 von 217 Stimmen gewählt. Hierzu eine Beilage. Gießen. Orbig. Ausgabe nächster Nummer Donnerstag. Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 12. Annahme, worin einer Erhöhung der Zölle auf alle Erzeugnisse der Landwirtschaft und In⸗ dustrie zugestimmt wird.— Je mehr, desto lieber! — Im benachbarten Dorfe Reddehau⸗ sen wurde kürzlich bei der Wahl zu der Ge⸗ meindevertretung auch ein Partei⸗Genosse mit großer Stimmenmehrheit als Vertreter in die⸗ selbe gewählt. Es ist dies ein Beweis dafür, daß durch etwas Rührigkeit unserer Parteige⸗ nossen auch an anderen Orten dasselbe Resultat erzielt werden kann. Besonders ist dies in den nahegelegenen Ortschaften mit starker Arbeiter⸗ bevölkerung möglich und werden wir es uns angelegen sein lassen, in diesem Sinne dem⸗ nächst die nötige Agitation zu entfalten. Die Genossen des Wahlkreises Offenbach hielten am Sonntag in Jügesheim ihre Kreiskonfe⸗ renz ab. Wichtige Beschlüsse wurden nach Erledigung des Rechenschaftsberichtes und in der Wahlen in Bezug auf die Presse gefaßt. Zunächst beschloß man die Ansammlung eines Preßfonds, zu dem jedes Mitglied jährlich 2 Mk, beitragen soll. Dann gelangte folgender Antrag zur Annahme: „Die Parteigenossen übernehmen an dem von der nächsten Frühjahrs⸗Kreiskonferenz festzusetzenden Termin den Verlag des„Offenbacher Abendblattes“ in Partei⸗ regie und übertragen den Druck desselben unter noch zu vereinbarenden Bedingungen für die Dauer von 10 Jahren dem Genossen Ulrich mit der Maßgabe, daß die Parteigenossen für den Fall, daß sie innerhalb 10 Jahren eine anderweite Herstellung des Blattes durchzuführen be⸗ absichtigen sollten, die Druckerei des Genossen Ulrich käuflich erwerben zu einem zu vereinbarenden Preis, über dessen Höhe nötigenfalls ein Schiedsrichter aus partei⸗ genössischen Fachmännerkreisen zu entscheiden hat.“ Nach einem Referat des Genossen Ulrich über die nächste Landtagswahl wurde ein Central⸗Wahlkomitee für den Stadtkreis Offenbach und den 16. Landtags⸗ Wahlkreis gewählt, das sich aus den Genossen Heilmann, Orb und Zahn zusammensetzt. Als Ort der nächsten Kreiskonferenz wurde Bürgel gewählt. Der„fliegende Gerichtsstand“ der Presse soll beseitigt werden. Der Reichskanzler hat dem Bundesrat eine Abänderung des§ 7 der Strafprozeßordnung vorgelegt, wonach Preß⸗ vergehen bei Erzeugnissen der periodischen Presse dort, wo die Druckschrift erscheint, ver⸗ folgt werden sollen. Nur im Wege der Privat⸗ klage soll die Verfolgung auch am Wohnorte des Verletzten, doch nicht an dritten Orten, geladen können. Der fliegende Gerichtsstand er Presse dürfte damit, so erklärt die offtziöse Presse als beseitigt gelten. Eine Versuchung des heiligen Antonius. Eine artige Dorfgeschichte aus Flandern erzählt der Brüsseler„Peuple“. In einem Dorfe unweit von Gent schloß unlängst der Pfarrer seine Predigt mit folgenden Worten: „Am Eingange der Kirche findet ihr zwei Büchsen.„In die erste werdet Ihr Euren Pfennig einwerfen. In die zweite laßt einen Zettel fallen, auf dem die Bitte steht, deren Erfüllung Ihr vom heiligen Antonius von Padua ersehnt. Kein Zweifel, er wird Euch erhören.“— Als sich die Gläubigen verzogen hatten, öffnete Hochwürden erwartungsvoll die beiden Büchsen. Die erste war gefüllt mit Kupfer und Nickelmünzen, was bewirkte, daß sich das Antlitz des Gesalbten des Herrn in einem wohlgefälligen Lächeln verbreiterte. Doch was fand er in der zweiten Büchse? Zwei⸗ hundert Zettel mit dem Texte:„Wißj eischen algemeen slemrecht.“(„Wir wünschen das all⸗ gemeine Stimmrecht.“) Das Gesicht des Pfarrers soll sich wieder gehörig in Länge gezog en haben. Was aber wird der heilige Antonius machen? Wird er sich der naiven Landleute erbarmen und sich am Ende mit der„christlichen Demo⸗ kratie einlassen,“ die von Rom eben gemaß⸗ regelt worden ist? Das Dilemma ist arg. Den Bauern die Erfüllung einer frommen Bitte schuldig bleiben, geht nicht gut an, aber auch ein Heiliger mag sich nicht so leicht entschließen, den Zorn des Herrn Woeste oder am Ende gar auch des Kardinals Rampolla auf sich zu laden. —— Den Reichstag schäftigte vor den Ferien noch die dritte Lesung des Etats. Beim Marineetat kritisterte Genosse Südekum die Bestimmung, daß im Konstrukttonsbureau der kaiser⸗ lichen Marine die Schiffbauführer das Reservelteutenant⸗ patent haben müßten. Der Vertreter der Marinever⸗ waltung bestätigte die Thatsache. Für das Ueberwuchern des Reservelieutenantwesens ist es in der That charak⸗ teristisch, daß gute Schiffskonstrukteure deshalb nicht be⸗ schäftigt werden, weil sie das L. d. R. nicht auf ihren Visitenkarten stehen haben. Ferner wies unser Genosse auf die Proskriptionslisten dor Kieler Werft hin, in denen die Arbeiter, die zur Entlassung kommen sollen, mit Titeln wie Aufwiegler, faul, frech, niederträchtig usw. belegt werden. Ein Marinerat suchte die Proskriptions⸗ listen in ein harmloseres Licht zu stellen. Beim Iustizetat erklärte Staatssekretär Nieber⸗ ding am Donnerstag, daß nach Ostern die Vorlage auf Beseitigung des fliegenden Gerichtsstandes der Presse vorgelegt werden soll. Ungewiß ist dagegen noch, wann die Vorlage zur Sicherung der Bauforderungen der Ban⸗ handwerker im Ministerium fertig werden wird. Beim Etat des Reichseisenbahnamtes wurde über die süddeutsche Eisenbahngemeinschaft und den sächsisch⸗preußischen Eisen⸗ bahnkrieg verhandelt. Genosse Sing er sprach die Hoff⸗ nung aus, daß der Zwang der Verhältnisse zur einheit⸗ lichen Reichseisenbahn führen würde und erklärte die projektierten Parzelleneisenbahngenossenschaften für ein Hindernis auf dem Wege zu dieser Forderung. Ein Antrag der Freisinnigen zum Postetat, die Vermehrung der Postassistentenstellen um 1000 wurde zu⸗ rückgezogen, nachdem die Staatssekretäre Krätke und Thiel⸗ mann die Antragsteller in Rücksicht auf die Finanzlage gebeten hatten, von dieser Forderung abzustehen. Singer forderte dann von der Reichspost mit Rück⸗ sicht auf die Arbeitslosigkeit eine Beschleunigung der projektierten Bauten und kritisierte dann die Sammlungen, die unter den Postbeamten in Posen von den Vorge⸗ setzten für ein Bismarckdenkmal angeregt sind. Unter dem Deckmantel der Freiwilligkeit werde hier ein Zwang ausgeübt. Schließlich trat unser Redner dafür ein, daß den Verkäuferinnen von Postwertzeichen in den Vor⸗ räumen der Schalter die freien Sonntage mitbezahlt werden sollen. Herr Krätke gab eine sehr entgegenkom⸗ mende Erklärung ab. Er habe angeordnet, daß die Bauten fortgesetzt werden sollten und billige die er⸗ zwungenen Sammlungen nicht. Auch für die Verkäufer⸗ rinnen soll besser gesorgt werden. Nach Erledigung des Etats der Zölle und Verbrauchs- steuern wurde zur Abstimmung über den Gesamtetat geschritten, den unsere Genossen, wie immer prinzipiell ablehnten. Dann vertagte sich das Haus bis zum 15. April. 3 b Unterhaltungs-Ceil. 1 A——ů 2 Tradition und Fortsehritt. Finster, starr und stumm und träge Schritt einst auf dem Schienenwege Sacht ein Esel sonder Eile; Daß per Stunde eine Meile— Ja nicht mehr— zurück er lege. Also mußt' ihn bald erreichen, Schnaubend aus den glüh'nden Weichen, Bauchgekrönt das wilde Dampfroß, Das in blinder Eil' dahinschoß, Stolz des Fortschritts Siegeszeichen. „Platz!“ befahl das Ungeheuer, Platz gemacht! Sonst zahlst du teuer Deinen stumpfen ESigensinn!“— Doch der Esel schritt dahin, Bietend Trotz dem Ungeheuer. Rennst du mich? Ich hab' gerufen, Du bist hierher nicht berufen!“ Schnaubt der eiserne Koloß; Doch das Vieh, das dies verdroß, Schlug um sich mit seinen Hufen. In demselben Augenblicke Büßt's, zermalmet, seine Tücke. Also geht's, wenn wider Fug, Tradition den Fortschrittsflug Nemmen will mit Eselstücke. Aus dem Spanischen übersetzt von M. Luggin. Das böse Terno. Humoreske von Friedrich Meinhold. (Schluß.) Sechs Monate waren etwa vergangen, da verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, Herr Kerselt sei aus Scherdau verschwunden. Das Gerücht fand bald seine volle Bestätigung, Kerselt hatte sich einen Auslandspaß ausstellen lassen und war nach der etwa zwei Stunden entfernten österreichischen Stadt Gablenz ge⸗ zogen, wo einer seiner Söhne einen Pferde⸗ handel betrieb. Man erzählte sich, Kerselt habe dreimal hintereinander in Wien, Graz und Triest je ein Extra⸗Terno zu 10 Gulden ge⸗ macht.(Die österreichische Lottokasse zahlte in solchen Fällen das 500 fache des Einsatzes aus.) Mit diesem Riesengeld set nun der glückliche Ge⸗ winner losgezogen und habe seine„blaue Katherine“ hilflos im Stich gelassen. Der Amtsrichter Weber wandelte eines prächtigen Frühjahrs⸗Vormittags in sein Stamm⸗ lokal, um den üblichen Morgentrunk zu thun. Unterwegs blieb er hin und wieder stehen, wenn er ein besonderes schönes Gespann einhertraben sah und betrachtete mit Kennerblick die schönen glänzenden Pferde. Das war so seine Passton, er war ein„Pferdejokel“, wie die Lausitzer meinten. Als er endlich seinen Stammsitz wieder okkupiert hatte, bemerkte er erst, daß rechts von ihm ein Gast saß. Er warf einen prüfenden Blick über die Brille: ein alter Herr, glatt rasstert und elegant gekleidet, einen mächtigen Diamantring am kleinen Finger.... hm, vielleicht der Chef einer Großstadt⸗Firma, der mal seine Kunden besuchte. Und da die Kauf⸗ mannschaft in der Stadt die erste Rolle spielte ..„ man konnte nicht wissen..... also weshalb unhöflich sein? Er xäusperte sich, machte eine kurze Verbeugung: „Amtsrichter Weber“. „Ameisenmeier Kerselt“, erhob sich sein Nach⸗ bar und verbeugte sich gleichfalls. Der Amts⸗ richter fuhr vollends herum und starrte sprach los in das glattrasterte Gesicht. 8 „Ja, ja, Herr Amtsrichter“, begann sein Nachbar wieder. lange. Ich wohne jetzt drüben“, er deutete mit⸗ dem Daumen über die Achsel,„wissen Sie, die ewigen Scherereien hier.... Na, nichts für ungut, Geschäft ist Geschäft..... Aber jetzt mal eine Frage: sind Sie noch immer Pferde⸗ liebhaber? Ja? Das ist schön, da müssen Sie mal meine Ungarn sehen...“ 5 Ehe noch der Amtsrichter recht wußte, wie ihm geschah, hatte ihn Kerselt untergefaßt und durch die hintere Gaststube nach dem Hofe geführt. „Johann, die Gäule vorführen“! befahl er dem Hausdiener. Und der brachte aus dem Stall ein paar Tiere: pechschwarz, ordentlich leuchtend, je einen viereckigen, kleinen, weißen Sterne auf der Brust,— und eine Bauart .„Ah“, machte der Amtsrichter. Kerselt machte ihn aufmerksam auf die zarten und doch ehernen Fesseln, auf die stolze Haltung der Schweife, auf die prachtvolle Mähne, die Augen, die Geschmeidig keit und das Feuer! Der Amtsrichter tätschelte bald dem einen, bald dem anderen Pferde auf den schlanken Hals, er besah die Elfenbein⸗ zähne, näherte sein Gesicht den zitternden Nüstern „Laufen, Herr Amtsrichter, laufen thun die Kerle— ein Staat, sage ich Ihnen! So läuft in der ganzen Stadt kein Pferd. Fahren Sie mit, in einer Stunde sind wir drüben, Nach⸗ mittags lasse ich Sie wieder zurückfahren“. Der Amtsrichter kämpfte einen schweren Kampf,— diese herrlichen Pferde,— er hatte solche wahrhaftig noch nicht gesehen. Aber Kerselt machte der Unentschlossenheit ein Ende. „Johann“, rief er,„in zehn Minuten wird losgefahren“. Wirklich saß der Amtsrichter bald darauf in dem eleganten Jagdwagen, Kerselt erkletterte den Bock, ein scharfes Zungenschnalzen, und vorwärts stürmte das feurige Gespann. War das eine Fahrt! Der Amtsrichter war gan Auge, aber etwas anderes als die. 7 sa er nicht. Erst als es einige derbe Stöße gab und Kerselt die Zügel anzog, merkte er, daß * „Wir kennen uns ja schont gen Pf lt die ffn Süimme fletterte al in has. durch eile: Herr nit! „J al ls erste ert für heute,. Hollah, 9 Glück auc sehr gute Ind kedete ein Fünf Dann Unterhaltu einem Ble darauf sc drückte. Amtericht dag ist d der Abrec Hieran „Schwarz böhmische landete der nadt, vol Spazierfal Den E Antsrichte sthung. 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Jetzt thut'n bischen Bewegung gut“. Der kletterte auch herab, und Beide verschwanden im Haus. Sie traten in eine Art Comptoir, das durch eine Holzbarriere halbiert war. Der alte Herr mit dem grünen Sammetkäppchen und der langen Pfeife begrüßte Beide wie alte Bekannte. „Na also“, meinte Kerselt gleichgiltig,“ 525 als erste extra 42,68 als zweite und 85,'s ist genug für heute, ich will anderen Leuten auch was lassen. Hollah, Herr Amtsrichter, Sie müssen Ihr Glück auch mal versuchen, ich habe Ziffern,— sehr gute Ziffern“. Und er zog ihn in eine Ecke und redete so lange auf ihn ein, bis der ihm ein Fünfmarkstück in die Hand drückte. Dann gabs wieder ein Zahlen- und Extra⸗ unterhaltung mit dem alten Herrn, der von einem Block zwei Zettelchen abriß, Nummern darauf schrieb und einen Stempel darunter drückte. Einen der Zettel gab Kerselt dem Amtsrichter.„Den stecken Sie ins Portemonnaie, das ist der Reskompte⸗Zettel,— von wegen der Abrechnung“. Hierauf wurde nach dem Ring zum „Schwarzen Adler“ gefahren, wo es gute böhmische Küche gab und nach zwei Stunden landete der Amtsrichter wieder in seiner Heimat- stadt, voll des Lobes über die unvergleichliche Spazierfahrt. Den Samstag darauf präsidierte der Herr Amtsrichter Weber wieder eine Schöffengerichts⸗ sttzung. Einige Strolche waren schon abgeurteilt, eine Privatbeleidigungsklage war durch Ver⸗ gleich beendet worden, da kamen noch die un⸗ bermeidlichen Fälle: wegen Kollektierens und wegen Spielens in einer ausländischen Lotterie. Wegen Kollektierens war eine Frau angeklagt, die behauptete, einen Zeugen mitgebracht zu haben, der beeiden werde, daß sie nichts mit einer„blauen Katharine“ zu thun habe. „Lassen Sie die Zeugen eintreten“, gebot der Amtsrichter dem Gerichtsdiener. Und herein trat ein untersetzter Herr in schwarzem Rock, glattrasiert, mit einem großen Brillantring am klleinen Finger. „Kerselt, in Gablenz wohnhaft“, wandte er siich mit einer Verbeugung an den Präsidenten. Der verfärbte sich. Als er aber auf das lächelnde Gesicht vor sich sah, erledigte er in geschäftlichem Ton die Formalien. Nach der Vereidigung fragte der Amtsrichter:„Woher wissen Sie, daß die Angeklagte nicht kollektiert“? Ihrem Portemonnaie stecken Weil jetzt jeder, der im Lotto spielen will, selbst nach Oesterreich hinüberfährt und setzt. Die letzte„blaue Katherine“ hatte ich gehabt jetzt giebts hier in der Stadt keine mehr“, meinte der Zeuge leichthin. Der Amtsrichter blätterte unruhig in den Akten, die Schöffen horchten hoch auf und der Amtsanwalt drehte nervös den keimenden Schnurrbart. „Wenn sich der Herr Amtsrichter nur gütigst erinnern wollen“, fuhr der entsetzliche Mensch in aller Seelenruhe fort,„Sie sind vor ein Haar Tagen ja selbst erst mit mir herunter⸗ gefahren. Gesetzt haben Sie“, und er zog hinter dem linken Ohr ein zusammengerolltes Papier⸗ chen hervor,„8, 19 extra, 46 und 63 extra, den Reskomptezettel haben sie sicher noch in .. Na, und Hann gratuliere ich gleich, 19 und 63 sind ge⸗ bommen, also das 250 fache, ein Terno“ —u— 2 Ind damit wollte er, auf den Sitz des Amts⸗ vichters zuschreitend, diesem die Hand reichen. 5* 5 „Wegen plötzlichen Unwohlseins des Herrn Amtsrichters mußte die gestrige Schöffengerschts⸗ sitzung vorzeitig aufgehoben werden“, so meldete anderen Tages das Amtsblatt.„Das Leiden ist, wie von ärztlicher Seite konstatiert wurde, durch Ueberanstrengung hervorgerufen, sodaß ein längerer Erholungsurlaub voraussichtlich nötig sein wird. Für Vertretung ist bereits Sorge getragen“. f 94 Splitter. Alle Gegner einer geistreichen Sache schlagen nur in die Kohlen; diese springen umher und zünden da, wo sie sonst nicht gewirkt hätten. Goethe. * 1* Das, weiß ich, ist Pflicht: wenn man die Wahrheit lehren will, muß man sie ganz lehren, sie klar und rund, ohne Rätsel, ohne Zurück⸗ haltung, ohne Mißtrauen in ihre Kraft und Nützlichkeit lehren. Lessing. Die alten Veteranen von 48 sterben aus; und ihre Söhne; die sind wohl dem heiligsten ihrer Väter treu geblieben? O nein! Sie liegen auf dem Bauche und schreien Hurrah! Und die Enkel? Ich dächte doch, die Jugend müßte.... O nein! Sie reiten den Bier⸗ komment und werden Assessoren. (Postill.) Humoristisches. Ein Vorbild. Bettler: Ein Arbeitsloser bittet um eine kleine Unterstützung. Rentier: Arbeitslos? Das ist gar kein Grund zum Betteln! Ich habe mein ganzes Leben lang noch nicht gearbeitet und bin trotzdem noch nicht auf die Bettelei gegangen.(Postill.) Hannchen hat eine Puppe geschenkt bekommen, untersucht sie gleich auf das Sorgfältigste und findet auf der lieblichen Rundung der Kehrseite geschrieben: 2 Mk. 50 Pfg. Triumphirend zeigt sie ihre Entdeckung dem dreijährigen Gretchen. Die dreht sich um, hebt das Hemdchen hoch und sagt:„Hannchen, sieh doch nach, was ich gekostet habe!“—(Simplizissimus.) Höflich. Neuernannter Richter:„Sind Sie schon vorbestraft?“ Alter Gauner:„Ich hatte bereits die Ehre, von Ihrem Herrn Papa wegen Mordversuchs verurteilt zu werden.!“ Unter der Würde.„So krank war unsere Mieze— nun hat sie uns der liebe Gott wieder ge⸗ sund gemacht.“„Pfui, Elisabeth, um Katzen kümmert sich der liebe Gott nicht. Die werden von selber wieder gesund.“— Geschichtskalender. 23. März. 1895: Wilhelm II. Entrüstungsde⸗ pesche an Bismarck gegen den Reichstag. 24. 1867: Nordd. Reichst.⸗Eröffn. net französ. Geschichtsschreiber. 25. 1825: Zar Alexander löst Fürsten-Rheinbaud 26. knecht. 27. 28. 29. gestorben. 1884 1 Mig⸗ auf 1872: Leipziger Hochveratsprozeß Bebel, Lieb⸗ 1810: Glaßbrenner, Satiriker, geboren. 1901: Wilh. II. Alexandr.⸗Unbotmäßigk.⸗Red. 1888: M. Kayser, soz. dem. Reichstagsabg. 1883: Kopenhagener Kongreß. Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 15. März: Butter per Pfd. Mk. 1,00— 1,10, Hühnereier 1 St. 6— 7 Pfg., Entenetier 1 St. 0—0 Pfg., Gänseeier per St. 00— 00 Pfg., Käse 1 St. 5—7 Pfg., Käsematte 2 St. 5—7 Pfg., Erbsen per Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 3,50— 0,00 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,00— 5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,80 bis 1,00, Hühner per St. Mk. 1,00— 1,40, Hahnen per St. Mk. 1,20— 1,90, Enten per St. Mk. 2,20 bis 2,50, Gänse per Pfd. 60— 75 Pfg. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 70 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 60— 66 Pfg., Hammelfleisch 50— 70 Pfg. Auf dem Fruchtmarkt in Limburg am 20. März kostete durchschnittlich pr. Malter: Roter Weizen 14.55 bis 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00- 00.00 Mk., Korn 10.70 Mk., Gerste 9.48 Mk., Hafer 8.55 Mk. uoggausbinaogt ꝛa0naqaαναν 5 d e aon an 1% Inau 815 19485 unn g-sboiun ad anna 91 Con- rmanden⸗ leider! Wenn Sie einen Sohn zu kon⸗ firmieren haben, so fragen Sie Ihren nächsten Nachbar, welcher im verflossenen Jahre dieselbe Freude hatte. Dieser Mann wird Ihnen, wenn er glaubwürdig ist, was man voraussetzt, sagen: In den oberhessischen Neide-Bazar H. Möller Marburg da gehe 2 hin! da wirst Du reell bedient, da kannst Du Dir unter 100 und aber 100 Anzügen, vom billigsten bis zum feinsten, ebenso einzelne Röcke, Hosen, Westen, Hüte, Stiefel, Cravatten, Hemden, Kragen ꝛc. ꝛc., für Land und Stadt passend, aussuchen. Dach Maß werden die feinsten Anzüge in eigener Werkstätte von g n ne Direktion eines tüchtigen Znuschueiders augefertigt Kin auf Verlangen 1 Dl Stunden abgeliefert. 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Osterseiertag 1902, Abends 8 Uhr in Steins Garten Auch Nichtmitglieder können an dieser Versammlung„ von 12 Mark an. teilnehmen. 2 Jahre schriftliche Garantie. o bend ntematung e ä Ortskrankenkasse Friedberg. ae een bestehend in Concert, Gesang, Theater und Tauz. Karten im Vorverkauf 75 Pfg., an der Kasse 1 Mark. Sonntag, den 23. März, hachm. 3 Uhr 5 5 Bier im Glas. 80 findet im Rathaussaal zu Friedberg die statutengemäße n Heuchelheim Es ladet freundlichst ein der Vorstaud. Haus Verkauf Karten im Vorverkauf bei: H. Schneider, Buchhandl., Sonnen⸗ 1 9 b 1 i e straße. Consumverein, Bahnhofstr. Rollmann, Friseur, Kaplans⸗ udw 20 1. gasse. Orbig, Restaurant, Rittergasse. Löb, Restauration Wienerhof. 9 Millionen statt. ee οο ο οοο ö S οοοο v ee Cigarren Ita f 8 2. Ersatzwahl des Vorstandes. Sanitätsverein u. Allgem. Sterbeka sse. ee faber Sonnabend, 22. März abends 8 2 Ahr 4. Verschiedenes. Tausende Anerkennungen Die Generalversammlungsvertreter werden ersucht, pünktlich zu liegen vor! 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Ottmanns Druckerei, Gießen. meisten Masse de den Lenz freier au Sonnen ersprieße erbbeckt lebe. Dru Die al göttin sprenge treiben! 11 hrlste glaubte Henschl Christer bersint Hilfe, Chr hätligur aus. krste h finzelne Erkenn lich die und de Unrech schenks nen Auferf