Nr. A. 8 Ache Ahr. L waltung. ß————————jiĩ waltung. . Achtung! 222 ub 4,30 N., 0 Nr. 2 40 At., Kinder⸗ uh 90 Pfg., henshalbschnß tiefel 4 Mk., nen Halbschuh pen 4,50 Mk., imniefel 5 Mk., ind Stiefel in r Werkstatt. 0 tel, det eil. geilbtäftig eitet. unt gauismus n selll en Blul⸗ eudorbeuen, Neu- schl 2 1 Nerve ten 7 a Lebe bene en dies. nicht ewig bestehen bleiben. Nr. 25. Gießen, Sonntag, den 22. Juni 1902. 9. Jahrg. 5 Redaktion: Redaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Mitteldeuts. che Sonntags- bi N l. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Bestellungen Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. D JInserate Die 5 gespalt. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% ö bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33½¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Zum bevorstehenden Quartalswechsel ersuchen wir unsere Postabonnenten, die Bestellung der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung“ rechtzeitig zu er⸗ neuern. Alle Freunde und Parteigenossen werden gebeten, recht eifrig für Werbung weiterer Abonnenten thätig zu sein. Das Blatt kostet nur 25 Pfg. den Monat, 75 Pfg. das Vierteljahr. Die Expedition. Revolution. Durch die Bewegung in Belgien und die Gährung in Rußland, die sich in verschiedenen Attentaten äußerte, sind wieder Erörterungen über die Revolution angeregt worden. Selbst⸗ verständlich regt sich dabei in vielen guten Spießbürgerseelen die große Angst vor dem „roten Gespenst“. Sozialdemokratie und Kul⸗ turfeindschaft werden einander gleichgesetzt. So hat man leicht Vorwände und Entschuldigungen für alle reaktionären Wünsche und Maßregeln. In Wahrheit sind unsere Ziele nur Kultur⸗ ideale. Wir halten es eben im Interesse der Kultur, im Interesse des gesamten Geisteslebens der Menschheit für unbedingt nötig, daß die großen Massen, welche doch eben die Menschheit bilden, zur Teilnahme an diesem Leben gelangen, daß man ihnen die Wege dazu nicht durch Ausnahmegesetze, ungerechte Verbote und sonstige willkürliche Unterdrückungsmaßregeln verram⸗ melt. Mit weniger Anstand als etwa unsere heutige, zum großen Teil recht sauf⸗ und rauf⸗ lustige Studentenschaft, würden sie diese Wege gewiß nicht betreten. Es handelt sich uns nicht darum,— was Leute, die uns nur aus ein paar gehässigen Phrasen kennen, so gern be⸗ haupten— alle Menschen im Handumdrehen gleich, vor allem gleich reich zu machen. Es gilt nur, gerechtere Daseinsbedingungen zu schaffen, so daß jeder bei mäßiger Arbeit men⸗ schenwürdig leben kann. Die jetzigen Daseins⸗ bedingungen aber, unter denen der Zufall der Geburt und der Geldbeutel der Eltern mehr bedeutet als geistige Anlagen und wirkliche Arbeitskraft, die können nach unserer Ansicht Sie zu verbessern, die Ausbeutung der Masse durch den Kapitalis⸗ mus zu beseitigen, das ist die Umwälzung, die„Revolution“, welche wir erstreben. Die Vernunft ist es, die uns dieses Ziel zeigt; sie wird uns auch die Wege weisen, auf denen es zu erreichen ist. Im Glauben an die Erreichbarkeit dieses Zieles wird uns nichts beirren. Denn es ist ja nur Gerechtigkeit, was wir wollen, und wenn sich die niemals verwirklichen ließe, dann verdiente die Welt überhaupt nicht zu existieren. b Ob aber die Mittel, mit denen wir da⸗ nach arbeiten, friedliche sind oder nicht, das hängt nicht von uns, das hängt im Gegenteil vielmehr von der Haltung der andern Parteien ab. Gewalt ist vom Standpunkte der Kultur aus betrachtet, stets zu bedauern. Aber wenn man uns die Pistole auf die Brust setzt? Wenn man Vereine der Arbeiter und unserer Partei hindert, wo man kann, zerstört, die der Gegner aber fördert? Wenn man, wie es der biedere Frankfurter General⸗Anzeiger kürzlich wünschte, um nur ja die Gewinne der Industrie nicht zu schmälern, lieber die Ansprüche der Arbeiter auf menschenwürdiges Leben zurückzudrängen sucht? Wenn man das Wahlrecht im Interesse derjenigen einseitig gestaltet, die doch an und für sich schon den größeren Einfluß in der Regierung haben? Vorläufig steuern wir in Deutschland auf friedlichem Wege vorwärts. Es wäre gut, wenn das so bliebe. Das wünschen wir selbst. Aber wir können trotzdem das Wilnaer Attentat auch nicht verdammen. Unter der russischen Knute hat das unglückliche Volk zur Zeit eben noch keine andern Mittel, seiner be— rechtigten innern Empörung Luft zu machen. Und der Attentäter verdient unsere Bewunde⸗ rung so gut, wie etwa ein Major Schill, der (1809) auf eigene Faust Preußen von den Frauzosen zu befreien suchte. Hier wie dort ist es der gleiche Idealismus, der das eigne Leben gern auf's Spiel setzt, weil er für die Allgemeinheit etwas zu gewinnen hofft. Mag diese Hoffnung nun klug sein oder nicht— das eine müssen wir jedenfalls allen Scharf⸗ machern vorwerfen, daß sie ungerecht urteilen, wenn sie in dem einen Fall nur auf den Haß, im andern nur auf die persönliche Aufopferung hinweisen, d. h. egoistisch nur vom Standpunkt der eigenen Interessen aus urteilen. Vergessen wir nicht, daß dieser kurzsichtige Egoismus des Adels es war, der Rom in die blutigen Bürgerkriege hineinstieß, daß er es war, der über Frankreich die Schrecknisse der Revolution e pee Beiden Ländern wäre es besser gewesen, sie hätten auf ver⸗ nünftigem friedlichem Wege die absolut nötigen Reformen durchgeführt. In beiden Ländern hat es nicht an einsichtsvollen Männern gefehlt, welche diese Wege deutlich und früh genug zeigten. In beiden Ländern aber war der Adel auch nicht zu dem kleinsten Zugeständnis an die Gerechtigkeit bereit. Damit hat er die blutige Strafe verdient, die er erhielt, und hat die Verantwortung zu tragen für all die Nach⸗ teile, die den Völkern daraus erwachsen sind. Oder will er es versuchen, auf die Regierungs⸗ unfähigkeit des Volkes diese Schuld abzuschieben? Auch regieren will gelernt werden. Wer aber hatte in den genannten Ländern dem Volke jede Gelegenheit geraubt, durch Teilnahme an der Regierung diese zu lernen? Eben thun wir in Hessen in dieser Beziehung wieder einen Schritt vorwärts durch die Wahl⸗ rechtsverbesserung. Wir begrüßen diesen Schritt mit Freuden. Mögen bald weitere folgen! Möge es den reaktionär egoistischen Gelüsten unseres Adels, unserer Kapitalisten nicht glücken, die gedeihliche Entwickelung unseres Volkes, unserer Kultur in Frage zu stellen. Wenn man uns nicht zur Verzweiflung treibt, so sind wir gewiß die letzten, die Feuer und Schwert für die edelsten Mittel halten, mit denen sich irgendwelche Kulturideale verwirklichen ließen. Um das Landtagswahlrecht. Wir hätten nicht erwartet, daß die General⸗ debatte über den Wahlgesetzentwurf einen solchen Umfang annehmen würde, als es bhatsächlich der Fall war. Noch weniger hätte man in unserer Zet Ausführungen über Volksrechte für möglich halten sollen, wie sie hier von Volksvertretern eines modernen Staates zum Besten gegeben wurden. Geradezu vorsintflut⸗ liche Ansichten! Das Ungeheuerlichste leisteten verschiedene Nationalliberale, besonders Jöckel aus Friedberg. Von den Nationalliberalen hat übrigens jeder eine andere Meinung in Bezug auf das Wahlrecht, Freunde vom direkten sind nur einzelne von ihnen. Es muß Wunder nehmen, daß trotzdem bei der Abstimmung über den Artikel 4 die direkte Wahl mit großer Mehrheit(40 gegen 5 Stimmen) angenommen wurde. Als Gegner des direkten Wahlrechts erklärten sich die Nationalliberalen Heidenreich, Jöckel, Möllinger und Koch, sowie der Antisemit Leun, der Abgeordnete für Gießen-Laud. Dessen Abstimmung wundert uns eigentlich nicht. Denn hätten wir nicht das indirekte Wahlrecht gehabt, so säße Herr Leun nicht im Land⸗ tage, er hat sich gewissermaßen vermittels des indirekten Wahlrechts hineingeschmuggelt und man kann deshalb wohl begreifen, daß er nicht für seine Beseitigung ist. Die weitere Debatte brachte zunächst die famose Rede des Friedberger Abgeordneten, die schon in der letzten Nummer eine Beleuchtung erfahren hat. Es hieße die Geduld unserer Leser auf eine allzuharte Probe stellen, wollten wir uns mit den Weisheiten des Herrn Jöckel näher befassen. Der Mann gehört mit seinen politischen Anschauungen in die Zeit des alten Fritzen. Die Junkerpartei wird ihn hoffentlich bald das Ehrenmitglieds⸗Diplom aushändigen! Sehr richtig sagte Ulrich, diese Rede Jöckels sei die Grabrede des Liberalismus gewesen, Jöckel habe das Totenlied der Nationalliberalen gesungen.— Warun solle denn das Reichstags⸗ wahlrecht nicht auch für den Landtag gelten? Wenn der Arbeitgeber zu stark sei, fährt Ulrich fort, so daß der Arbeitnehmer, der auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist, gegen seine Ueberzeugung zu wählen ge— zwungen wird, um des Brotes willen, so ist die Geheimhaltung der Wahl das einzige Mittel, den wahren Eindruck von der Meinung des Volkes zu erhalten. Gerade durch das öffentliche Wahlrecht züchtet man Heuchler. Die Wahl pflicht anlangend, erklärt der Redner, daß er und seine Freunde an sich dagegen nichts einzuwenden hätten, sie diene ja nur zur Klärung im politischen Leben. Dann müsse aber unter allen Umständen die Steuerklausel fallen, da sich beides, Steuerklausel und Wahlpflicht, nicht vereinigen lassen. Trotz des Abg. Jöckel gebe es eben nun einmal im modernen Staat Klassenunterschiede. Das Volk sei geschieden in Besitzende und Nichtbesitzende. Man verlange seitens seiner Partei nur die völlige Gleichberechtigung der Arbeiter mit Bil— dung und Besitz. Bildung und Besitz zum Maßstabe des Wahlrechts zu machen, sei gar zu veraltet. Nach diesem Maßstabe würde der größte Teil der Bevölkerung zur Zeit überhaupt wahlrechtlos werden. Man könne * ——— enn — Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeituna. Nr. 25. sich wohl auf die Vorlage einigen, die immerhin einen Fortschritt bedeute. Mehrere Abgeordnete aus ländlichen Bezirken, so Schönberger und der christlich⸗soziale Weidner, sprechen sich gegen die Vermehrung der städtischen Mandate aus. Es ist einiger⸗ maßen unverständlich, was die Herren damit eigentlich wollen. Man teile doch die Wahl⸗ kreise so ein, daß auf eine bestimmte Anzahl Einwohner ein Abgeordneter entfällt, dann ist doch die Sache in durchaus gerechter Weise erledigt. 8 Uebrigens mögen die Agrarier nur nicht glauben, daß die ländlichen Bezirke sämtlich Leute ihrer Richtung wählen. In manchem Landkreise sind die in der Stadt beschäftigten Industriearbeiter in der Mehrzahl, denen es nicht einfällt, antisemitisch⸗agrarisch zu wählen. Ganz mit Recht betonte auch Staatsminister Rothe, daß der Abgeordnete nicht ein Vertreter der Wähler, sondern des ganzen Landes sei. Die merkwürdigen Einwände, die von nationalliberaler Seite gegen ein vernünftiges Wahlgesetz vorgebracht wurden, widerlegte glän⸗ zend unser Genosse Haas⸗Mainz. Er er⸗ innerte daran, daß einst Liberale mit der Waffe in der Hand auf den Barrikaden für ein direktes und allgemeines Wahlrecht stritten. Daran wollten die Liberalen von heute aber nicht ge⸗ mahnt werden, sie möchten am liebsten dieses Stückchen Geschichte auswischen, denn nur bei herzlich wenigen Leuten dieser Partei finde sich noch etwas Begeisterung für Freiheitsbestre⸗ bungen. Das habe man im Volke empfunden und darum fürchte man im nationalliberalen Lager den Appell an die Wähler unter dem direkten Wahlrecht. Man wisse, daß das natio⸗ nalliberale Programm fast jede Werbekraft verloren habe. Hätten die Herren Heidenreich und Jöckel ein neues Programm auszuarbeiten, dann würde dies so ausfallen, daß der reak⸗ tionärste Konservative in Preußen dieses Punkt für Punkt unterzeichnen könne. Man werfe den übrigen Parteien vor, sie seien darum für das direkte Wahlsystem, weil sie sich von demselben gute Geschäfte versprechen. Damit bewiesen die Gegner des modernen Wahlrechtes nur, daß sie glaubten, sich nur noch unter dem Filtriersystem der Wahlmäunerwah⸗ len wohl zu fühlen. Die Abgg. Jöckel und Heidenreich befürchten von der direkten Wahl eine Schädigung des Einflusses von Besitz und Bildung. Woher noch ein weiteres Spezialrecht? Und wo fange der Begriff Bildung an, wo höre er auf? Seien nur die gebildet, welche hohe Schulen besucht und durch ihre fernere Thätigkeit als Beamte, Gelehrte dc. gewissermaßen berufsmäßig zum ständigen Studium gezwungen sind, dann scheiden allerdings alle Handwerker, Arbeiter und Bauern, überhaupt Alles, was nur mit den Händen arbeite, von dem Begriff„Bildung“ aus. In einem Staate müsse es aber schließlich doch auch solche Leute geben. Diese Spezial ver⸗ tretung sei ebenso unrecht, wie die des Besitzes. Denn von den meisten Besitzenden könne man doch nur sagen, ihr größtes Verdienst bestand darin, daß sie in der Auswahl ihrer Eltern vorsichtig waren. Gegenüber den Behauptungen, daß zu wenig Abgeordnete auf das Land entfielen, weist Haas zahlenmäßig nach, daß im Gegenteil die Städte zu kurz gekommen seien. Mainz solle nur drei Vertreter wählen, dieser Stadt gebührten aber vier. Alsfeld mit seinen 4364 Einwohnern wähle auch einen Abgeordneten, cin Alsfelder Wähler habe das zehnfache Wahlrecht wie ein Mainzer Wähler. Noch ungünstiger werde das Bild, wenn man die Steuekleistung in Betracht zöge, worauf die Sozialdemokraten indessen kein Gewicht legten. Von einer Beeinträchtigung der ländlichen Interesse könne daher keine Rede sein. Ihm scheine, die ländlichen Abgeord⸗ neten wollten überhaupt eine Reform des Wahlgesetzes nicht, wagten dies aber nicht laut zu sagen und suchten hintenherum auf dem Wege der Verweigerung weiterer städtischer Abgeordneter das ganze Gesetz zum Falle zu bringen.— Unser Genosse wünscht solle, wenigstens solle man die Kammer alle sechs Jahre vollständig erneuern. An dem Flickwerk, das die Vorlage darstelle, könne man rechte Freude nicht empfinden, aber trotzdem möge man dem darin enthaltenen Guten Ge⸗ setzeskraft geben und kleinliche Bedenken fallen lassen. Sehr vernünftig sprach der Abg. Haas, der nationalliberale Präsident. Er stände auf denselben Standpunkt als früher, nämlich auf dem Boden des direkten Wahlrechts. Er er⸗ blicke in der Verleihung dieser Rechte an das Volk keine Gefahr, wie sie seither geschildert worden sei. Wenn man das Volk zur Mit⸗ wirkung seiner Angelegenheiten aufrufe, so müsse man dies ohne jede Einschränkung thun und zwar so, daß der Wille des Volkes voll und ganz zum Ausdruck komme. Die Wahl⸗ pflicht sei ein Erziehungsmittel für die politische Schulung des Volkes. Gerade wie die Wehr⸗ pflicht könne auch die Wahlpflicht eingeführt werden. Die Beamten ganz auszuschließen, sei aber nicht richtig. Der Vermehrung der städ⸗ tischen Vertreter stimme er zu, mißbillige aber das Privilegium für die kleinen Städte. Das Volkseireif und verdiene das direkte Wahlrecht in vollstem Ma aße. Bei der Fortsetzung der Beratung am Diens⸗ tag trat Gutfleisch nochmals entschieden für die direkte Wahl ein. Er sagte Herrn Jöckel, daß ihm in Bezug auf Rückständigkeit in dieser Frage die Palme gebühre.— Genosse David wandte sich nochmals gegen die in der Vorlage enthaltenen Beschränkungen des Wahlrechts, die absichtlich nur die Arbeiter träfen. Damit wolle man den Furchtsamen die Vorlage schmack⸗ haft machen. Er fordert die Kammer auf, mit für die Beseitigung dieser Kautelen zu stimmen. Die Herren vom Lande hätten nicht den ge⸗ ringsten Anlaß zur Klage, daß in der Zweiten Kammer die ländlichen Interessen nicht genügend vertreten werde. Mit Recht bemerkte Minister Rothe, man solle überhaupt in dieser Frage nicht von länd⸗ lichen und städtischen Interessen reden. Wenn er allerdings meint, falls nach dem Antrag David, daß auf je 20000 Einwohner ein Abgeordneter entfiele, verfahren würde, finde eine Bevorzugung der Städte statt, so können wir ihm nicht beipflichten. Vor Schluß der Generaldebatte hält es Herr Jöckel nochmals für angebracht, seine ultra⸗konservativen An⸗ schauungen zum Besten zu geben, während Weidner noch stärkere ländliche Vertretung wünscht,„weil viel mehr für das Land geschehen müsse.“ Ulrich sagt ihm, er(U.) mache keinen Unterschied in der Qualität zwischen städtischen und ländlichen Abgeordneten. Gerade der Landwirtschaft gegenüber sei dies Haus stets sehr splendid gewesen. Nunmehr trat man in die Einzelberatung ein, die am Mittwoch fort⸗ gesetzt wurde. Natürlich ist mit der oben er⸗ wähnten Abstimmung noch nicht die Annahme der Vorlage entschieden. Diese ist vielmehr noch recht fraglich. politische Nundschau. Gießen, den 19. Juni. Vom Zolltarif. Auch während der Ferien des Reichstags arbeitet die diätengesegnete Tarifkommission im Schweiße ihres Angesichts weiter, um das ge⸗ setzgeberische Monstrum von Zolltarif bis zum Herbst fertig zu bringen. Das mag ihr ja wohl gelingen; wie es aber dem Entwurf dann im Reichstage geht, ist eine andece Frage. Die Regierung sitzt in einer argen Klemme; sie hat sich von den schreienden Junkern alle möglichen Versprechungen abnötigen lassen, die ste nicht erfüllen kann. Aus dieser Lage möchte die Regierung gern heraus und fast elegisch klang schon neulich die Mahnung des Grafen Posa⸗ dowsky in der Zolltarifkommission, so schnell wie möglich zu arbeiten, da jedes Mitglied, gleichgültig welcher wirtschaftlichen Richtung es angehört, den Wunsch haben müsse, den ver⸗ bündeten Regierungen auf ihre Vorlage eine rungen hätten ein Recht, solche Antwort zu fordern. Aber die Antwort allein kann der Regierung wenig nützen, wenn die Vorlage aus entgegengesetzten Gründen abgelehnt wird, wenn einerseits gegen die Vorlage gestimmt wird, weil fie die Habgier der Junker nicht befriedigt, und andererseits, weil man zur Aus wucherung des Volkes nicht die Hand bieien will. So schrieb denn auch ein nationalliberales Blatt: „Der Zolltarif wird sich selbst umbringen. Gegen Rechts und Links kann er nicht durch. Man solle daher nicht mehr von Obstruktion der Linken sprechen. Dazu werde es nie kommen. Schon um die Zuckerkonvention und die Zuckersteuernovelle durchzusetzen, habe man alle Kraft zusammennehmen müssen, Lust und Schmerz, Zuckerbrot und Peitsche. Und mit diesem Reichstage will diese Regierung das Zolltarifgesetz mit den Minimalzöllen und den Zolltarifentwurf zur Verabschiedung bringen? Giebt es denn in der Volksvertretung und in der Regierung einen einzigen nüchtern lichkeit für möglich hält?“ Gewiß giebt die augenblickliche Lage ein scheinbares Recht zu solchen Hoffnungen. Aber es wäre der sträflichste Leichtsinn, wenn die Gegner des Wuchertarifs sich einschläfern lassen wollten. Die Junker sind wie schlaue Pferde⸗ händler, die Alles nehmen, woran ste verdienen können. Ihre ablehnende Haltung ist jetzt ge⸗ boten, um mehr zu erreichen und um die Macht der Agrarbewegung zu stärken. Im entschei⸗ denden Augenblick werden sie gegen den Tarif reden, weil er das nicht bietet, was sie ver⸗ langen, aber für ihn stimmen, weil er höhere Sätze hat als der geltende Tarif. Die Führer der Bündler erreichen dann, was sie haben wollen, höhere Zölle, und verlieren kein Atom von ihrem Agitationsstoff. Auch die Regierung rechnet mit diesem Umstand und hofft, weiter wursteln zu können. Wohl muß die Regierung eine Antwort haben. Diese darf aber nicht vom Reichstage, sondern muß bet 1 0 0 Wahlen von den Wählern gegeben werden. Von der Not der Landwirtschaft. Schon oft wurde nachgewiesen, wie unbe⸗ rechtigt zum großen Teil die beweglichen Klagen der Agrarier über die landwirtschaftliche Not⸗ lage sind. Das Stadtblatt in Jauer(Schlesten) teilte kürzlich mit, daß Herr Gutsbesitzer Wolff in Semmelwitz sein zirka 400 Morgen großes Gut für den Preis von fast 300000 Mark an einen Landwirt Bunzel in Mallmitz verkauft habe.„Dieser Besitzwechsel legt ein beredtes Zeugnis ab für die krasse Not der Landwirt⸗ schaft, wie solche von Herrn Wolff, einem rührigen Führer des Bundes der Landwirte in unserem Kreise, bei Wahlzeiten in Versamm⸗ lungen oft geschildert worden. In einer solchen Versammlung ward sogar s. Z. die Forderung aufgestellt:„Das Pfund Butter müsse, um der Not der Landwirtschaft aufzuhelfen, 2 Mk. kosten!“ Der jetzige Verkäufer hat vor an⸗ derthalb Jahrzehnten das Gut zum trotz dem so oft betonten Darniederliegen und der Not der Landwirtschaft war es ihm also möglich, den Wert des Gutes um mehr als ein Drittel zu erhöhen und jetzt über 100000 Mk. daran zu verdienen.“ Bisher hat man von 1 8 Preissteigerungen nur bei Apotheken gehört. Sozialdemokratische Waͤhlerfolge. „Die Sozialdemokratie wird nie in den Reichslanden Boden gewinnen!“ So oder ähnlich rief kürzlich im Reichstage der Gewaltige von Elsaß⸗Lothringen, Herr v. Köller, unserm Genossen Bebel zu. Die am Sonntag statt⸗ die Behauptung v. Köllers aber gründlichst widerlegt. Ueberall hatten wir sehr erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. In Straßburg, wo bisher nur zwei soz.⸗dem. Vertreter im Gemeinderat saßen, wurde zwar im ersten Wahlgange nur der Genosse Böhle gewählt, dann noch, daß alle drei Jahre gewählt werden Antwort zu geben. Er sagte auch, die Regie⸗ — denkenden Mann, der solche Ungeheuer⸗ Preise von 180—1 90000 Mk. übernommen, gefundenen Gemeinderatswahlen haben doch stieg die Stimmenzahl in den einzelnen ———. ͤ—— Tad m kann de Burlage 15 us wucher a 81 Tales Bla. lrngen 8 licht durch. 1 Obstruktion erde ed nie ubention und u, habe man u, Lust und Und mit derung das len und den ing bringen? tung und in nüchtern Ungeheuer⸗ che Lage ein ungen. Aber n, wenn die Hafen lassen Raue Pferde⸗ i sie verdienen g ist jetzt ge⸗ um die Macht Im entschei⸗ en den Tarif was sie ber⸗ en, weil er e Tarif. Die ann, was sie verlieren kein f. Auch die Umstand und „Wohl muß . Diese darf hern muß bei lern gegeben jirlschaft. u, wie ulbe⸗ lichen Klagen fl l er(Schlesten) estzer Wolff forgen grobes 0000 Mark Imi verkauft ein berebte der Landwütt⸗ Wolff, einen Landwirte n in Versamme zu einer solchen die Fordern ter wüss. uhelfen,. b bor d. 15 zum — — eee CCC Nr. 25. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Bezirken der sozialistische Zettel beinahe die absolute Mehrheit. Sicher werden unserer Partei bei den Nachwahlen, deren 21 erforderlich sind, noch einige Sitze zufallen. Auch in andern Orten waren unsere Genossen siegreich. In Mül⸗ hausen war eine demokratisch⸗sozialistische Liste aufgestellt worden, die mit 2000 Stimmen Mehrheit über die klerikal⸗nationalliberale Ver⸗ einigung siegte. Leider entfiel hier von den 10 Mandaten nur eins auf unsere Partei. Auch in andern Orten, in Gebweiler, Bühl, Schiltigheim bei Straßburg wurden zum ersten Male Sozialdemokraten in den Gemeinderat gewählt. Auch bei den Kammerwahlen in Luxem⸗ burg schnitt die Sozialdemokratie gut ab. Sie gewinnt zwei Sitze. Die Klerikalen hin⸗ gegen haben eine Niederlage zu verzeichnen. Zum ersten Mal wurde ferner ein Sozial⸗ demokrat in das Rostocker Stadtparlament gewählt, und zwar Genosse Redakteur Grothe mit 43 Stimmen. ** * In Koblenz fanden am Montag die Gewerbegerichtswahlen statt. Nach sehr heftigem Wahlkampfe siegte bei außergewöhnlich starker Wahlbeteiligung die von unsern Genossen aufgestellte Liste der Arbeiterbeisttzer mit 497 gegen 406 Stimmen der christlichen Arbeiter. Das letzte Mal waren dort die Kandidaten der freien Gewerkschaften mit nur 4 Stimmen Mehrheit gewählt worden; die Christlichen machten deshalb die größten Anstrengungen, ihrer Liste zum Siege zu verhelfen. Vergeblich. Diesmal errangen unsere Genossen vielmehr eine recht erhebliche Mehrheit. In dem schwarzen Koblenz will das schon etwas besagen. Antisemitisches. Während die Antisemiten, die sich um die „Staatsbürgerzeitung“ gruppieren, den ver⸗ rückten Pückler wie ein Schaustück von Ort zu Ort schleppen und damit Geld zu machen suchen, will die Gruppe Liebermann von Son⸗ nenberg's nichts vom Dreschgrafen wissen. An⸗ schließend an den Bericht über die letzte Pückler⸗ Versammlung sagt das Organ Liebermanns: „Unsere deutschsozialen Parteigenossen in Berlin und im Reiche werden es begreifen, wenn wir uns verpflichtet fühlen, jetzt die öffentliche Bitte auszusprechen, daß man im Interesse des Antisemitismus sowohl als des schwerkranken Mannes jedes fernere öffentliche Auftreten desselben bis zu seiner vollen Genesung unmöglich zu machen sucht.“ Die Bitte wird nicht viel helfen. Bruhn und seine Leute werden vielmehr fortfahren, in gewissenloser Weise aus der Krankheit des Bedauernswerten Geld herauszuschlagen. ** * Die antisemitischen Wahlmanöver in Schaumburg⸗Lippe anläßlich der dor⸗ tigen Ersatzwahl zum Reichstag sind am Mitt⸗ woch in Stadthagen Gegenstand gerichtlicher Prüfung gewesen. Die Autisemiten hatten dort noch unmittelbar vor der Wahl ein Flugblatt verbreitet voller Verleumdungen gegen den frei⸗ sinnigen Kandidaten Demmig, weshalb dieser Privatklage gegen mehrere Personen, darunter auch gegen die Reichstagsabgeordneten Raab und Liebermann v. Sonnenberg, er⸗ hoben hatte. Gegen diese Beiden konnte jedoch, weil der Reichstag nicht geschlossen ist, noch — nicht verhandelt werden, wohl aber gegen Her⸗ ausgeber und Drucker des Flugblatts. Der von diesen versuchte Wahrheits beweis mißlang vollständig, obwohl sie 12 Zeugen aufgeboten hatten. Der Unterzeichner des Flugblatts, der Generalsekretär der deutsch⸗ sozialen Partei, Henningsen, wurde zu 200 Mk., der Buch⸗ druckereibesitzer Grimm aus Bückeburg, der das Flugblatt gedruckt hatte, zu 30 Mk. und Buchdruckeretbesitzer Welge zu 20 Mk. Geld⸗ strafe verurteilt. Bethätigung christlicher Nächstenlie be. Ein Inserat, das eine beispiellose Gefühls⸗ roheit 85 ltest man in Nr. 126 des zentrums⸗ anz bedeutend, in einigen erreichte katho lischen„Straubinger Tagblatt.“ Die be⸗ treffende Veröffentlichung lautet wörtlich: Bekanntmachung. Am Sonntag, den 8. Juni er., Nachmittags 2 Uhr, werden in Mariaposching Kost⸗ kinder WM öffentlich an die Mindest⸗ bietenden bersteigert. Gemeindeverwaltung Mariaposching. Der Geist der wahren Nächstenliebe scheint bei den frommen und jedenfalls auch sehr wohl⸗ habenden Bauern von Mariaposching keine Heimstätte zu haben, sonst würden sie sich bis in's Tiefste ihrer Seele hinein schämen, in dieser, jedem menschlichen Gefühle hohnsprechen⸗ den Weise ihre armen Kinder unterzubringen. Zentrums bgeordueter und Arbeiter⸗ organisation. Kaplan Dasbach, Besitzer mehrerer Zent⸗ trumsblätter und Druckereibesitzer in Trier, hat seinen Rücktritt von der Tarifgemeinschaft an⸗ gekündigt. Und was ist der Grund für die antisoziale Handlungsweise des christlichen So— zialpolittkers und„arbeiterfreundlichen“ Zent⸗ rumsmannes? Bei der letzten Tarifberatung ist der Lokalzuschlag zum Gehilfenlohn für Trier auf 5 Proz. festgesetzt worden, während er vordem im rheinisch⸗westfälischen Tarif nur 2¼ Proz. betrug. Also die Lohnaufbesserung von 2½ Proz. ist es, die den sich als Arbeiterfreund aufspie⸗ lenden und öffentlich für Organisation der Ar⸗ beiter eintretenden Zentrumsmann veranlaßt, die zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ge⸗ troffenen Vereinbarungen zu brechen. Frommer Christ! Im Zeichen des Verkehrs. Wie der Berliner Zeitung von zuverlässiger Seite berichtet wird, dürfen die Züge der Ber⸗ liner Hochbahn nicht verkehren, wenn der Kaiser einen unter der Hochbahn hindurchfüh⸗ renden Viadukt passiert. Besonders häufig be⸗ nutzt der Kaiser wegen der auf dem Tempel⸗ hofer Felde stattfindender Truppenübungen die Bellealliance⸗Brücke. Die unmittelbar neben dieser gelegene Hochbahnstation„Hallesches Thor“ hat deshalb einen besonderen Dienst eingerichtet, um die Züge zum Stehen zu bringen, sobald die Ankunft des Kaisers zu erwarten ist. Ein Schutzmann eilt jedes Mal mit der Meldung auf den Bahnhof, daß der Kaiser in Kürze den Hochbahnviadukt passieren werde, und hierauf bringt man dann die ankommenden Züge durch das übliche Notsignal, Schwenken einer roten Fahne, zum Stehen. Die Züge dürfen ihre Fahrt auch nicht eher fortsetzen, bis der Kaiser den Viadukt passtert hat. Natürlich entsteht dadurch für viele Passagiere ein höchst unliebsamer Aufenthalt.— Im Zeichen des Verkehrs stehen wir aber doch! Eine Rede Jauréès. Vorigen Donnerstag hielt der Abg. Jauxés in der französischen Kammer bei Besprechung der Interpellation über die allgemeine Politik eine große Rede, die insofern von besonderer Bedeutung ist, als er sichgegen das französisch⸗ russische Bündnis und für Abrüstung und Auf⸗ geben des Revanche⸗Gedankens aussprach. Das geschah zum ersten Male in der französischen Kammer. Die Reaktionären und Antisemiten brüllten ihm denn auch wütende Beschimpfungen entgegen, wodurch sich ober Jaures, der viel⸗ leicht der beste Redner Frankreichs ist, nicht im Geringsten stören ließ. Er erklärte zunächst, die Soztalisten würden mit der ganzen übrigen Mehrheit an der Arbeit für die Republik und die Demokratie sich beteiligen. Das von der Regierung aufgestellte Programm befrie⸗ dige ihn im Allgemeinen. Es freue ihn, daß in der ministeriellen Erklärung angekündigt sei, daß die Einkommensteuer an Stelle verschiedener anderer Steuern treten solle. Er bedauere jedoch, daß die Regierung nicht für das Monopol des staatlichen höheren Unter⸗ richts sei. Die Sozialisten seien bis zur Schaf⸗ fung von Milizen mit der zwetjährigen Dienstzeit einverstanden. Redner ver⸗ langt ferner die Annahme der Brüsseler Zucker⸗ konvention und sagt, wenn die Reformen von der Kammer beschlossen seien, würden die übrigen nachfolgen. Das internationale Proletariat sei eine so starke Garantie für den Frieden, wie keine andere. Er frage sich, ob es nicht Sache Frankreichs sei, den ruhmreichen ersten Schritt in der Frage allgemeiner Abrüstung zu thun. Die elsaß⸗ lothringische Frage könne darin kein Hindernis bilden.(Unterbrechungen auf der Rechten.) Die Haager Konferenz habe ihre Stimme für stufen⸗ weise Begrenzung der Rüstungen abgegeben. Das französisch⸗russische Bündnis, auf das die Patrioten früher bei ihren Bestrebungen rech⸗ neten, sei in Wirklichkeit das hauptsächlichste Instrument zur Aufrechthaltung des bestehenden Zustandes geworden. Präsident Bourgeois ersuchte hier den Redner, nicht die Vaterlands⸗ liebe seiner Kollegen zu verletzen. Er betrachte, fährt Jaures fort, die Abrüstung als das beste Mittel, um Reformen auf sozialem Gebiete sicher zu stellen. Gegen die russischen Greuel. Das Internationale Sozialistische Bureau zu Brüssel erließ einen Aufruf an die sozialistischen Parteien aller Länder. In demselben werden die jüngsten Brutalitäten des Zarismus in Wilna, Kiew, Poltawa, Odessa, besonders die Mißhandlung seitens des Gouver⸗ neurs von Wahl geschildert. Zum Schluß fordert das Internationale Bureau die Arbeiter⸗ parteien aller Länder auf, gegen diese neuen Brutalitäten der russischen Regierung zu pro⸗ testieren; in welcher Weise das zu geschehen hat, überläßt das Internationale Komitee den Parteigenossen der einzelnen Länder. * Wie berichtet wird, wäre der Prozeß gegen Hirsch Leckert, der den Anschlag auf den Gouverneur von Wilna, Generalleutnant von Wahl, ausgeübt hat, am 28. Mai vor dem Militärbezirksgericht zur Verhandlung ge⸗ langt; der Angeklagte wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Ein Kassationsgesuch des Angeklagten ist am 3. Juni verworfen und das Urteil am 10. Juni vollstreckt worden. Der Hingerichtete ist in die Geschichte des ge⸗ knechteten russischen Volkes, die ebenso eine Geschichte furchtbarer Leiden wie eine Geschichte des totesmutigen Heroismus ist, für immerdar eingezeichnet. Ueber das Attentat wurde ferner noch mit⸗ geteilt, daß beabsichtigt gewesen sei, Leckert solle nach dem Kopfe des Gouverneurs zielen, denn es war in Erfahrung gebracht worden, daß v. Wahl stets ein Panzerhemd trug. Ein zweiter sollte Schüsse in die Luft abgeben, da⸗ mit Leckert in dem Wirrwarr entfliehen könnte. Leckert schoß, da er nicht so, wie er gewünscht, getroffen hatte, zweimal den Revolver ab. Der zweite Attentäter zielte, als er sah, daß v. Wahl nicht ernstlich verletzt war, nach der Brust, die Kugel ist aber zurückgeprallt. Es wird kon⸗ statiert, daß Leckert während der letzten Zeit der Organisation nicht angehört hat, worauf es wohl zurückzuführen ist, daß der Anschlag nicht so ausgefallen ist, wie er unter anderen Umständen hätte ausfallen müssen. Präsident Krüger hat nun ebenfalls der englischen Regierung die Annahme der Friedensbedingungen durch seine Person angezeigt. von Nah und Fern. hessisches. Bauarbeiterschutzin Hessen. Bekannt⸗ lich haben eine Anzahl Vertrauensmänner der baugewerblichen Arbeiter Hessens im Januar d. J. an die zweite Kammer eine Petition gerichtet, in welcher sie dem Landtage ein Detail ausgearbeiteter Vorschläge zum Schutze der Bauarbeiter und des Publikums bei Bauausführungen unterbreiten mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß diese Vorschläge einem Landesbaupolizeigesetz zu Grunde gelegt und zur Reform des Bauarbeiterschutzes ver⸗ ** ae eee 2 5 ee . —— * N Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 25. wertet werden möchten. Es wird auf die viel⸗ fachen Mißstände hingewiesen, welche mit dem Baubetriebe in seiner jetzigen Gestaltung ver⸗ bunden sind, und die ihren äußeren Ausdruck darin fänden, daß nach der Unfallstatistik der Baugewerks⸗Berufsgenossenschaften die Bauun⸗ fälle— auch in Hessen— von Jahr zu Jahr Zunehmen. Die Befugnisse der Baupolizei müßten erweitert und insbesondere Arbeiter zur baupolizeilichen Ueberwachung zugezogen werden. Wegen Aenderung der Unfallverhütungs⸗ vorschriften trat die Regierung mit der Hessen⸗ Nassauischen Baugewerks⸗Berufsgenossenschaft in Verbindung. Diese teilte mit, daß die dies⸗ jährige Genossenschaftsversammlung auf Vor⸗ schlag des Vorstandes beschlossen habe, in eine Revlsion der Unfallverhütungsvorschriften ein⸗ zutreten und dabei den Grundsatz zur Geltung zu bringen, daß in dem neuen Entwurf auf die sämtlichen im Genossenschaftsbezirk be⸗ stehenden bezüglichen Polizetverordnungen Rück⸗ sicht genommen werden möge, um dadurch eine thunlichste Uebereinstimmung mit denselben zu⸗ erlangen. Gießener Angelegenheiten. — Zum Vorsitzen den des Gewerbe⸗ gerichts wählte die Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung Herrn Bürgermeister Mecum. Diese Stelle war betanntlich verwaist, seitdem Bei⸗ geordneter Wolf Gießen verlassen hat.— In derselben Sitzung wurden auch die nötigsten Arbeiten für die Kanalisation vergeben und bestimmt, daß diese im August in Angriff genommen werden soll.— Ferner wurde be⸗ schlossen, daß in diesem Jahre wieder ein Jugendfest stattfinden soll und hierfur die Mittel bewilligt. — Arbeiterversicherung. Ueber die Mängel der Arbeiterversicherung sprach am Samstag Abend Arbeitersekcetär Gräf-Frankfurt im„Wiener Hofe“ in recht gut besuchter Versammlung. In ein⸗ gehender Weise besprach Redner die Zerfahrenheit auf diesem Gebiet. 7 Arten Krankenkassen sind zu⸗ lässig, in Deutschland zirka 25000 Kassen, jede mit besonderem Statut, das sei ein Durcheinander, in dem sich der Arbeiter nicht zurecht finden könne. Betriebs⸗, Innungs⸗ usw. Kassen werden neugegründet, entweder um die Versicherten zu schädigen oder dem Größenwahn der Unternehmer zu schmeicheln. Heute noch seien viel⸗ fach Dienstboten, Kaufleute usw. nicht versicherungspflichtig. Ebenso ist das Krankengeld zu niedrig. Ein kranker Familienvater bedürfe doch zur Wiederherstellung mehr, wie wenn er Lesund sel; daß hier und da ein Simu— lant die Kassen schädige, sei nicht zu vermeiden, Drücke⸗ berger besitzt jeder Stand. Die Rücksicht auf diese un⸗ lauteren Elemente dürfe für die Leistungen der Kassen nicht von Einfluß sein. Die deutschen Krankenkassen besitzen 180 Millionen Mark Reserven, das ist viel zu viel, für die Gegenwart sei dies eine Schädigung der Kranken. Zur Unfallversicherung sagte dann Redner ungefähr Folgendes: Es sei Unrecht, daß bei Unfällen die ersten 13 Wochen die Kranken⸗ kassen die Lasten zu tragen hätten, das sei ein Ge— schenk an die Unternehmer. Was die Berufsgenossen⸗ schaften leisten im Her abdrücken der Renten, im Quälen der Versicherten in den Rentenquetschen, im Hinausziehen von Entscheidungen geht nicht auf eine Kuhhaut. In die Verwaltung müßten Arbeiter hinein, da dickbauchige Direktoren usw. keine Ahnung hätten, was Verstümmelungen für den Arbeiter bedeuteten. Leider giebt es eine Menge gefälliger Aerzte, die guf Grund der aller oberflächlichsten Unter⸗ suchungen sich zu willigen Handlangern der Berufs— genossenschaften hergeben. Habe doch ein Arzt in Nürn⸗ berg sogar bei einem Glasauge eine Zunahme der Sehkraft konstatiert! Die Unfall-Schiedsgerichte seien oft die reinste Komödie, da der Vorsitzende recht oft das fertige Urteil schon in der Tasche mitbringe und die Arbeiterbeisitzer meist zu waschlappig seien, um den Un— fehlbarkeitsdünkel der Aerzte und Vorsitzenden entgegen⸗ zutreten. Gräf machte auch noch manche vortreffliche Bemerkung zur Invaliden- und Altersversicherung; wir können nur wünschen, daß Redner, der gerade das Gebiet des Versicherungswesens sehr gut kennt, seinen ver— ständlichen, ausgezeichneten Vortrag vielleicht später nochmals in einer größeren Versammlung hält. In der lebhaften Diskussion schlossen sich, abgesehen von kleinen Meinungsverschiedenheiten, alle Redner Herrn Gräf an. Hoffen und wünschen wir, daß er manchen veranlaßt, sich mit der Versicherungsgesetzgebung zu be— fassen, da Unkenntnis jährlich tausende Arbeiter empfind⸗ ich schädigt. — O, welche Lust, Soldat zu sein! Landwehrleute haben eben hier in Gießen eine leider mehrere Menschenleben zu beklagen. 14 tägige Uebung absolviert. Ueber den Wert derartiger Uebungen sind selbst bei den militä⸗ rischen Fachleuten die Meinungen sehr geteilt. Sicher ist, daß die zur Dlenffleistung Heran⸗ gezogenen, seien es nun Arbeiter oder kleine Geschäftsleute, ganz erheblichen materiellen Schaden erleiden; oft genug haben sie monate⸗ lang zu thun, um ihn wieder auszuwetzen. Sind die Leute so schon geschädigt, so sollte man ihnen wenigstens den Dienst nach Mög⸗ lichkeit erleichtern. Doch über die Behandlung klagten uns mehrere Landwehrleute. Besonders die Leute der 3. Kompagnie, deren Chef Haupt⸗ mann Großmann war, hatten viel und schweren Dienst. Sie wurden auf dem Exerzierplatze unzähliche Male wie Rekruten durcheinander gejagt. Wenn das einer mit ausieht, der den preußisch⸗deutschen Drill nicht kennt, muß er sich wundern, daß sich das die alten dreißig⸗ jährigen Leute gefallen lassen, welche Verwun⸗ derung ja schon einmal der alte Fritz ausge⸗ sprochen hat.— Es genügt doch unseres Er⸗ achtens, wenn nur das Notwendigste gemacht wird, und es sollten von den höheren Militär⸗ behörden diesbezügliche Anordnungen ergehen. Manchem Kriegervereinler gönnen wir es, wenn er scharf herangenommen wird, dann vergeht ihm der Mordspatriotismus ein wenig. Aus dem Rreise gießen. Ein schreckliches Grubenunglück hat sich am Dienstag Abend auf der Grube„Fried⸗ rich“ bei Hungen ereignet. Wie es heißt, durch Explosion des Kohlenstaubs, die durch eine warm gelaufene Welle verursacht worden sei, geriet die Grube in Brand. Es befanden sich ca. 80 Bergleute unter der Erde, der größte Teil konnte sich wohl noch retten, doch 10 ie Arbeiter Lotz aus Inheiden und Bombach aus Trais⸗Horloff waren sofort tot, zwei andere, Lind und Völbel sind ebenfalls ihren schweren Verletzungen erlegen. Der Brand, der sich auf große Haufen aufgestapelter Briquettes ausdehnte, wütete die ganze Nacht und konnte erst am Mittwoch durch die ver⸗ einten Anstrengungen der Feuerwehren aller Nachbarorte gedämpft worden. Der in Berlin wegen Sittlichkeitsverbrechen verurteilte Bankier Sternberg war früher der Haupt⸗ beteiligte an dem Unternehmen. Ungefähr 700 Waggons Briquettes sollen verbrannt sein; der Schaden dürfte sich auf zirka 300000 Mk. be⸗ laufen. Ein großer Teil der Arbeiter wird durch das Unglück arbeitslos. Aus dem Rreise Weßhlar. h. In einer mißlichen Lage soll sich nach zuverlässigen Berichten der Eisenstein⸗ bergbau befinden. Schon vor Jahrzehnten wären vielmehr Gruben in Betrieb gewesen als jetzt. Gegenwärtig werden kaum 2000 Berg⸗ leute im Lahnbezirk beschäftigt. Viele Arbeiter suchen sich deshalb außerhalb Arbeit, wodurch die Bevölkerungsziffer mancher Dörfer be— deutend zurückgeht. Das bleibt natürlich auch auf die finanziellen Verhältnisse der Gemeinden nicht ohne Einfluß, denn die Einnahmen der⸗ selben werden schwächer, während sich die Aus⸗ gaben auf der gleichen Höhe erhalten. Die Einwohner müssen demzufolge höhere Steuern ahlen. g egen Messer ee verurteilte die Wetzlarer Strafkammer am Mittwoch einen zwanzigjährigen Schmied aus Giezen zu sechs Monaten Gefängnis. Trotz der erheblichen Strafen kommen Roheiten dieser Art noch immer zahlreich vor. Dekoriert! Aus Hachenburg schreibt man uns: Leute, die in der Wahl ihrer Eltern vorstchtig waren und es dann während ihres Erdenwallens„durch Fleiß und Sparsamkeit“ — manchmal auch noch durch manches anderen „zu Etwas brachten“, haben in der Regel immer noch einen heißen Wunsch, an dessen Erfüllung sie alles daran setzen. Ihr Sehnen kann zur Krankheit werden. Diese Art Leute soll der alte Kaiser Wilhelm als am„Bandwurm lei⸗ dend“ bezeichnet haben, weil sie nicht etwa den Bandwurm haben, sondern um alles in der Welt ein Band im Knopfloch haben möch⸗ ten. Zu dem Band gehört nämlich irgend ein blecherner Vogel oder eine sonstige Bijouterte⸗ ware. Die Wünsche des tapferen Kriegerver⸗ einspräsidenten in Hachenburg bewegten sich auch in dieser Richtung und fanden bald Er⸗ hörung und Erfüllung. In Rücksicht auf die Verdienste, die sich Herr C. Henney bei Re⸗ novierung des Denlmals der gefallenen Oester⸗ reicher bei Marienstatt erworben hat, wurde ihm vom Kaiser Franz Joseph von Oesterreich das goldene Verdienstkreuz verliehen. Aus diesem Anlasse veranstaltete der Kriegerverein am 8. Juni ein großes Fest. Herr Kreis⸗ sekretär Münscher schmückte dem überaus beliebten Patrioten die Heldenbrust mit dem Kreuze, wobei er die Tugenden des Dekorierten in so ergreifender Weise schilderte, daß dieser selbst von deren Vorhandensein überzeugt und zu Thränen gerührt wurde. Möge er uns noch lange erhalten bleiben! Aus dem Rreise Marburg⸗-Rirchhain. St. Der Gesangverein„Eintracht“ begeht am Sonntag, den 22. d. M., im Schloß⸗ garten dahier eine Familienfeier, bestehend in Gesangvorträgen, Preiskegeln ꝛc. und Tanz. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Die Arbeiter Marburgs und der Umgegend sind freundlichst eingeladen. — Gewerkschaftliches. Die hiesige Gewerkschaftskommission hat nach vorhergegan⸗ gener Zustimmung der in derselben vertretenen Gewerkschaften beschlossen, daß pro Mitglied und Vierteljahr 10 Pfg. an die Kommission entrichtet werden. Dieser Betrag soll haupt⸗ sächlich dazu verwandt werden, den Gewerk— schaften mehr wie seither zu bieten und zwar durch Vorträge oder soystige zur Bildung die⸗ nende Veranstaltungen. Auf diese Weise hofft die Kommission, daß die Gewerkschafts mitglieder, wenn der Eintritt für sie nur ganz gering oder womöglich frei ist, sich reger an solchen Darbietungen betelligen. Der Beschluß tritt am 1. Juli d. J. in kraft.— Das diesjährige Sommer fest der vereinigten hiesigen Gewerk⸗ schaften findet am Sonntag, den 27. Juli statt. Dasselbe besteht aus einem Waldfest im schön gelegenen Dammelsberg und darauf folgendem Tanz im Café Quentin. Alles Nähere besagt später folgendes Inserat. In der am vergangenen Samstagabend bei Jesberg stattgefundenen Generalversammlung der hiesigen Filiale der Zentralkrankenkasse der Tischler usw. wurden die Mitglieder Hans Brunner zum Bevollmächtigten und Richard Rößler zum Kassirer gewählt.— Welch' rückständige An⸗ sichten unter den nichtorganistrten Arbeitern leider noch immer herrschen, konnte man kürzlich hier nach der Metallarbeiter-Versammlung, in welcher Gen. Ehrler aus Frankfurt referirte, wahrnehmen. Ein Arbeiter jener Branche, der es wahuscheinlich nicht nötig hat, seiner Orga⸗ nisation beizutreten, äußerte sich in so abfälliger Weise über diese und hauptsächlich über deren Führer, und gebrauchte noch dazu derlei— hier nicht wiederzugebende— Ausdrücke, daß man einfach ein solches Auftreten nicht begreifen und jenen Arbeiter nur bedauern kann. — Schul⸗Prügel. Einen seiner Schüler, den 11 jährigen Weimer, prügelte kürzlich der Lehrer Bierwirth in Ebsdorf geradezu fürchterlich. Der Junge kam halb ohnmächtig nach Hause, Wangen und Mund waren ange— schwollen, auf dem Oberarm zeigten sich zahl— reiche blutunterlaufene Striemen. Es mußte ärztliche Hilfe in Auspruch genommen werden und der Knabe 8 Tage im Bette liegen. Und der Grund dieser Mißhandlung? Der Junge hatte für den Lehrer täglich Hausarbeiten zu verrichten, die ihm sein Vater verboten hatte, weiter zu thun, weil der Lehrer nur monatlich 2 Mk. statt früher 3 Mk. dafür gegeben hatte! Die Sache ist zur Anzeige gebracht worden und dürfte ein gerichtliches Nachspiel haben. Wir verkennen gewiß dee Schwierigkeiten des Lehrerberufs nicht; derartige Prügeleien müssen aber entschieden verurteilt werden. r eee ee ee ee eee del 91 Ja0 W geh riegerderein Herr Kreis, 1 überauz t mit dem Dekorieren daß deer erzeugt und Ide et uns chain. intracht „im Schloß⸗ hestehend in und Tanz. hoben. Die igegend sind Die hiesige vorhergegan⸗ i bertretenen o Mitglied Kommission soll haupt⸗ den Gewerk⸗ u und zwar Bildung die⸗ Weise hofft stsmitglieder, ganz gering F an solchen luß tritt am dies jährige gen Gewerk⸗ n N. Juli Wal dfest und darauf tin. Alles erat. In bei Jesberg der hiesigen er Tischler Brunner ö ßler zun tändige Al. u Arbeitern man kürzlie immlung, in urt reserirte, Brafche, del feiner Orga“ o absllhe J über deren derlei— Amen 54 egen. lich Zunge Nr. 25. Mitteldenutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Der König von Eachsen, der schon seit einigen Wochen in dem schlesischen Luftkurorte Sibhllenort krank darnieder lag, ist am Donnerstag Abend dort gestorben. Er staud im 75. Lebensjahre. Der Verstorbene war in den 66er Kriege Kommandeur der säch⸗ sischen Truppen, 1870 erhielt er nach der Ein⸗ schließung von Metz den Oberbefehl über die Maas⸗Armee. Persönlich trat er während seiner Regierung, die er 1873 übernahm, wenig hervor. Kleine Mitteilungen. Vom Ertrinken gerettet. Am Donnerstag fiel das fünfjährige Söhnchen des Gastwirts Göbel in Vilbel in die Nidda. Nur dem Mute der Ehefrau des Herrn Adam Dickhard, welche in der Nähe mit Wäsche beschäftigt war und sofort ins Wasser sprang und das Kind unter eigener Lebensgefahr herauszog, ist es zu danken, daß es gerettet wurde. * Frömmigkeit und Meineid. In einer Kirche in München hat ein betender Mann einer Frau aus Aerger, weil sie sich bei Erteilung des Segens nur niederbeugte, aber nicht niederkniete, einen Stoß mit der Faust in die Seite gegeben, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Als sie ihn auf Zaßlung der Kurkosten und Schadenersatz verklagte, stellte er unter Eid in Abrede, die Frau gestoßen zu haben. Vor dem Schwurgericht wurde ihm jedoch der Stoß nachgewiesen, worauf er wegen Falscheides zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. * Ein sensattoneller Freispruch. In dem vorige Woche in Berlin verhandelten Giftmordprozeß Tomaschke wurde der Angeklagte Tomaschke freige⸗ sprochen. Der Staatsanwalt hatte für schuldig plädiert. Gewerkschaftliches. Der vierte deutsche Gewerkschafts⸗ Kongreß tagt diese Woche in Stuttgart. Es sind 155 Delegierte anwesend, sehr stark ist auch das Ausland vertreten, fast aus allen Staaten Europas haben die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Delegierte entsandt. Die württembergische Regierung. und die Stadt Stuttgart sind durch die Gewerbeinspektoren vertreten; das Reichsamt des Innern durch Geheimrat Holzer.— Nach Begrüßung des Kongresses durch Legien und den Begrüßungs⸗ ansprachen der Ausländer konstituiert sich der Kongreß und wählt Legien und Bömelburg zu Vorsitzenden.— Auf der Tagesordnung steht zunächst der Rechenschaftsbericht der General⸗ kommission, der wieder mehrere Unterabteilungen umfaßt. Der Bericht liegt gedruckt vor. Einen breiten Raum nehmen die Erörte⸗ rungen über die Streitigkeiten des Leipziger Gewerkschaftskartells mit den dortigen Buch⸗ druckern ein, wobei die ungehörigen Angriffe Rexhäusers(Redakteur des Buchdruckerorgans) auf die sozialdemokratische Partei scharf getadelt werden. Rexhäusers Stellungnahme wird von ihm selbst, Döblin und auch Hus verteidigt. Das Ergebnis der Debatte faßt Bömelburg dahin zusammen: Es herrscht Ueberein⸗ stimmung darüber, daß keine Trennung zwischen Partei und Gewerkschaft statt⸗ haben kann. Ferner: das Buchdruckerorgan hat häufig gegen die Partei über die Schnur gehauen, doch haben sich einzelne sozialdemo— erkennt. Ordnungsstütze ersten Ranges war der Direktor Thörn von der Gewerbe⸗ bank in Kempen(Reg.⸗Bez. Düsseldorf), der jetzt wegen Gaunereien aller Art zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der Biedere war Stadtverordneter, später Beige⸗ ordneter, Vorsitzender des Kriegervereins und Mitglied der kirchlichen Gemeindevertretung; auch hat er die Kasse der Kaiser Wilhelm⸗Stif⸗ kratische Blätter desselben Vergehens schuldig gemacht. ieser Meinung tritt der Kongreß bei. Darauf wird zu den andern Punkten der Tagesordnung übergegangen. Die Maurer in Stuttgart hatten vor Kurzem eine Vereinbarung mit den Unter⸗ nehmern abgeschlossen, wonach den Maurern ein Mindestlohn von 43 Pfg. gezahlt werden sollte. Die Unternehmer haben dann, als die Auszahlung des zugesagten Lohnes verlangt wurde, den vor dem Einigungsamt abge⸗ schlossenen Vertrag für null und nichtig erklärt. Daß dieser Wortbruch Erbitterung unter den Arbeitern erregte, kann man sich denken, und jetzt ist es nun zum Streik gekommen. Der Ausstand ist so gut wie allgemein; 117 Bauten sind zur Zeit in Angriff genommen, und fast auf allen diesen steht jetzt die Arbeit still. Vor Zuzug nach Stuttgart wird gewarnt. Auch die italienischen Maurer haben sich später dem Streik angeschlossen, somit ist der Ausstand vollständig. Partei-Nachrichten. Der Parteitag der bayerischen Sozial⸗ demokratie ist am Sonntag in Ludwigshafen abgehalten worden. Er war mit 95 Delegirten beschickt, die 101 Orte vertraten. Gen, v. Voll mar erstattete den Bericht des Landesvorstandes, Gen. Ehrhardt den parlamentarischen Bericht. Landtagsabgeordneter Ad. Müller referirte über die Wahlrechtsreform in Bayern, wobei er Angriffe Bebels gegen die Haltung der bayrischen Landtagsfraktion in der Wahlfrage zu⸗ rückzuweisen suchte. Der Parteitag nahm nach einem Schlußwort Vollmars bei 11 Stimmenenthaltungen mit 74 gegen 1 Stimme eine Resolution an, die der sozialdemokratischen bnyrischen Landtagsfraktion das volle Vertrauen ausspricht und besonders ihre Thätigkeit an⸗ Am Montag nahm der Parteitag den Entwurf eines Gemeindewahlprogramms an. Versammlungskalender. Samstag, den 21. Juni. Friedberg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Ihl, Stadt New⸗York. Berichter⸗ stattung über den Verbandstag. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Montag, den 23. Juni. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Freitag, den 27. Juni. Gießen. Küferversammlung. Uhr bei Löb, Wiener Hof. Samstag, den 28. Juni. Gießen. Brauerverband. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb, Wiener Hof. Abends ½9 tung verwaltet. Der Staatsanwalt hielt es für besonders erschwerend, daß der Angeklagte den Sparern das Geld abgenommen, trotzdem er wußte, daß sie Alles verloren.„Noch in den letzten Monaten hat er Mk. 20000, zum Teil von Tagelöhnern, Dienstboten, kleinen Handwerkern, angenommen. Er hat jährlich 20 Prozent Tantièmen eingesteckt, ob⸗ gleich er wußte, daß ihm kein Pfennig davon gehörte. Er muß darum als ein gemeiner, — Sonntag, den 29. Juni. Schwalheim bei Friedberg. Bauarbeiter⸗Ver⸗ sammlung. Nachmittags 3 Uhr bei Gg. Wagner. T.⸗O.: Bauunfälle und ihre Verhütung. Referent Busold. Parteigenossen! Erwerbt die hessische Staatsangehörigkeit! Die Landtagswahlen stehen vor der Thür und wer bis zur Wahl nicht hessischer Staatsbürger ge⸗ worden ist, hat kein Recht bei derselben mitzuthun, gleichviel wie lange er schon in Hessen wohnen und Steuern zahlen mag. Da liegt es nun im Interesse eines jeden Nichthessen dafür zu sorgen, daß er die hessische Staatsangehörigkeit erhält, um sich das Mit⸗ bestimmungsrecht bei der Vertretung des Landes in der Zweiten Kammer der Stände des Großherzogtums zu sichern. Darum auf! Partei⸗ und Gesin⸗ nungsgenossen! Holt nach, was in dieser Richtung versäumt ist! Erwerbt die hessische Staats⸗ angehörigkeit, denn jeder, der sie erworben hat, gleichviel wie lange er im Lande wohnt, ist wahlberechtigt. Die Auffassung, als müsse man aus seinem bis⸗ herigen Unterthanen-Verbande austreten und erst drei Jahre in Hessen wohnen, um das Wahlrecht ausüben zu können, ist irrig. Die Aufnahme⸗Urkunde begrün⸗ det mit dem Zeitpunkte des Besitzes in den Händen des Aufgenommenen alle mit der Staatsange⸗ hörigkeit verbundenen Rechte und Pflichten der als Hessen Geborenen. Diese Aufnahme-Urkunden sind kostenfrei zu er⸗ teilen und die Gesuche um Aufnahme in den hessischen Staatsverband sind stempelfrei, sodaß in dieser Richtung keinerlei Kosten entstehen.(Die Naturalisation von Ausländern, d. h. außerhalb des deutschen Reiches heimatsberechtigten Personen, sind stempelflichtig). Die Kosten, welche in Folge der Aufnahmegesuche entstehen können, sind nur gering und beschräukten sich auf die Kosten der Beschaffung der erforderlichen Ausweise. Die Vertrauensleute unserer Partei in den einzelnen Orten sowie die Vorstände unserer Organisation sind im Besitz von Formularen für die Aufnahmegesuche. Man wende sich deshalb an diese, falls man sich auf- nehmen lassen will oder weitere Einzelheiten über das Erforderliche zur Aufnahme in den hessischen Staats⸗ verband zu wissen wünscht. Wer bei der im Spätsommer oder im Herbst d. J. zu erwartenden Wahl mitmachen will, muß ungesäumt die erforderlichen Schritte thun, um Hesse zu werden. Deshalb Arbeiter! Bürger! Werdet hessische Staatsangehörige, damit Ihr wählen könnt! Das Zentral⸗Wahlkomitee der sozialdemokratischen Partei. Heinrich Noll, Giessen 7 Mäusburg 7 HBupier-Hunelletg Buchbinderei, deschäktsbügher, Drucksachen f Einrahmen von Bildern. Herren- u.Knaben-Anziigegt Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass Edgar Borrmann, Spaten Landwirtschaftl. Geräte Rechen Ernte⸗Stricke Drahtgeflecht Wasch- u. Wringmaschinen Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Stehleitern Messerputzmaschinen Neustadt 11 9 kFTelefon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, rufe Deutschlands E. ff. K., Sitz Werkzeuge, Haus- und Küchen- eräte-Hlaandlung Herde und Oefen Solinger Stahlwaren Petroleum u. Gaskocher Auskunft, Statuten u. Anfnahme⸗ Fleischhack⸗u.Reibemasch. scheine durch den Geschäftsführer Dr. Kleins Fleischsaftpress. Feuerlöschapparate ꝛc. Arbeiter aller Berufe können ohne ärztlichellntersuchung in die Allgemeine Kranken- und Sterbekasse für Arbeiter aller Be- Giessen Meissen, gegründet 1891, eintreten. Keine Agenten, Generalagenten. u. Direktoren, sondern Selbstver⸗ waltung durch die Mitglieder. Gründer der Kasse: Reichstagsab⸗ geordneter Georg Horn. Nähere Bruno Reinhold, Mei en Martinstraße 2. Sonntags⸗Zeitung. N Ansichts⸗Posttarten der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung“ mit dem Bildnis Lieb⸗ knechts sind noch zu haben in der Expedition der Mitteldeutschen eee Bringe Freunden ur e. nossen meine. Wirtschaft in empfehlende Erinnerung. Carl Orbig, Rittergasse. Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 25. niederträchter Betrüger bezeichnet werden, der sich nicht scheute, so viele kleine Leute um ihre sauer verdienten Ersparnisse zu bringen. Um zu betrügen, hat der Angeklagte die Ehren⸗ stellen angenommen, um zu betrügen, hat er Frömmigkeit geheuchelt, ist alle Tage zur Kirche gelaufen; das kennzeichnet wieder seine niederträchtige Gesinnung. Er ist ein erbärmlicher Heuchler, der eine scharfe Strafe verdient.“ Der Verteidiger versuchte, seinen Klienten gegen den Vorwurf der Heuchelei in Schutz zu nehmen; Thören sei nicht aus Osten⸗ tation zur Kirche gegangen, sondern aus dem Herzensbedürfnis, sein Inneres zu erleichtern h), da er Jahre lang unter den Verhältnissen gelitten und ein Jahrzehnt lang den Druck des Unrechtes mit sich herumgetragen habe.— Der Staatsanwalt erwiderte hierauf:„Ich habe wohl geglaubt, daß der Vertetdiger die Ver⸗ brechen des Angekagten in milderem Lichte dar⸗ stellen würde, aber ich habe nicht geglaubt, daß er so weit gehen würde, den Angeklagten zum redlichen Manne herauszustreichen. Der An⸗ geklagte war schon im Jahre 1886 ein ge⸗ meiner Fälscher, dem nur ein gewissenloser Auf⸗ sichtsrat, der niemals die Bücher ordnungs⸗ mäßig revidirte, es möglich gemacht hat, den Schwindel so lange zu betreiben. Er ist nicht das Opfer seiner Täuschungen geworden, sondern er hat Andere getäuscht. Die Sparer, so viele kleine Leute, sind die Opfer seiner Täuschung geworden. Er hat getäuscht durch seine Ehren⸗ ämter; um zu täuschen, ging er in die Kirche, nicht um sein Herz zu erleichtern. Ich bleibe dabei: der Angeklagte ist ein Heuchler, ein gemeiner Mensch.“— Wenn so der Staats⸗ anwalt den Ordnungsmann charakterisiert, muß es wohl zutreffend sein. Die gescheitelten und geschorenen Mucker sind sich überall gleich. Eine Brunnenaffäre, ähnlich der, wodurch Elberfeld in der ganzen Welt lächerlich gemacht wurde, scheint sich in St. Johann herauszubilden. Ein reicher Bürger hatte dort 20000 Mk. zu einem Monumen⸗ talbrunnen gestiftet. Dieser Brunnen, der zwischen dem Rathause und der evangelischen Johanneskirche steht, zeigt den sagenhaften Telemach, den Sohn des Odysseus, in böllig nackter Darstelluug. Das ißt ist nun die Veran⸗ lassung, daß die ultramontaue Presse gegen dieses Kunstwerk in blindem Fanatismus zum Sturm bläst und als Verfechterin der guten Sitten aufzuspielen sich erdreistet. Die Geschtchte ist denn auch schon so weit, daß sie im Stadt⸗ verordnetenkollegium zur Verhandlung kommt. Die gute Stadt Elberfeld läuft vielleicht Ge⸗ fahr, von St. Johann übertroffen zu werden in der Kunst, sich unsterblich zu blamieren. Edelste der Nation. In Hildesheim lebte seit einiger Zeit Dr. v. Wedelstädt, Assistent an der landwirt⸗ schaftlichen Versuchsstation, mit seiner Gattin. Obgleich das Amtseinkommen des Ehepaares nur 800 Mark pro Jahr betrug, wurden kost⸗ spielige Anschaffungen gemacht und eine teuere Wohnung gemietet. Es stellte sich aber bald heraus, daß das Ehepaar lediglich auf Kredit lebte, den es sich dadurch zu verschaffen wußte, daß es angab, der Vater des Ehemannes sei ein hochstehender Regierungsbeamter in Pots⸗ dam— in Wirklichkeit ist er Geh. Rechnungs⸗ rat bei der Oberrechnungskammer daselbst— und die Ehefrau verfüge über große Besitzungen im Osten, die angeblich aus ihrer ersten Ehe mit einem bei Hofe bestens akkreditierten Offizier der Potsdamer Garnison herrühren sollten. Ferner rühmte das Ehepaar sich mit intimen Beziehungen zum kaiserlichen Hofe, behauptete, gelegentlich der Kieler Woche Gast auf der Iduna gewesen zu sein und ließ durch eine dortige Kunsthandlung ein Aquarellbild der Kaiserjacht an die Kaiserin absenden. Das edle Paar wurde jetzt verhaftet. Die beiden Schlauen wußten jedenfalls, was bei der Ge—⸗ schäftswelt am meisten zieht und womit sie in Deutschland am meisten imponieren können. — gesetzten ein Geschäft abthun, einen Umgang Unterhaltungs-Ceil. ————— 2 Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. (Fortsetzung). „Ja, das Gemeingut ist auch verschuldet und wird nur von den Reichen benutzt!“ antwortete der Müller,„denn wenn die Vor⸗ 3) an den Marken und Grenzen halten, eine eg machen, oder sonst etwas extra verrichten; so wird auf Kosten der Gemeinde geschmauset und gezecht. Damit geht das Ver⸗ mögen der Gemeinde durch die Gurgel der Vorsteher. Jeden Gang wollen sie bezahlt haben. Dazu kommt, daß, weil die Reichen Kühe halten können und die Armen keine, so benutzten sie den Weidgang im Wald und auf den Allmenden allein für sich, und die Armen haben keinen Nutzen und Vorteil von den Gemeindegütern.“ „Wenn du das alles weißt, Müller, warum sagst du das nicht der ganzen Gemeinde und öffnest ihr die Augen?“ fragte Oswald zornig. „Weil es nichts hilft!“ erwiderte der Müller, „denn da die meisten im Dorfe bei den Reichen verschuldet sind, so thun die Reichen was ste wollen, und es darf ihnen keiner widersprechen. Und wenn unsereins gegen Mißbräuche den Mund aufthun will, so toben und lärmen die Lumpenkerle alle, daß man seines Lebens kaum sicher ist. Das wissen die Vorgesetzten und die Reichen wohl. Die betrachten die ver⸗ lumpten Kerle wie ihre Hunde, welche sie nach Belieben auf jeden loslassen können, der ihnen in die Quere kommt.“ „Das ist entsetzlich!“ schrie Oswald.„Wenn denn die Menschen keinen Verstand haben, so sollten sie doch ein Gewissen und Gottesfurcht haben.“ „Ja, ste sollten wohl“, sagte der Müller, „aber woher nehmen? Unser Herr Pfarrer ist ein alter Herr, der für seine Pfründe und Bequemlichkeit sorgt, immer vom Glauben predigt, von Himmel und Hölle, und seine Kirchengeschäfte verrichtet, wie ein anderer sein Tagwerk, und hat er es gethan, sich um anderes nicht bekümmert. Was man thun müsse, worin die christlichen Tugenden bestehen, und wie man sie erlangen und ausüben müsse— das lehrt er nicht. Er geht Jahre lang in keines Bauern Haus, als im Notfall, wo er gerufen wird. Folglich ist er kein wahrer Rat⸗ geber, kein wahrer Tröster, und kennt den Zustand der Familien lange nicht genau genug, um auch im häuslichen Leben auf ihre Fröm⸗ migkeit und Besserung hinzuarbeiten. Die Leute gehen aus Gewohnheit in die Kirche, der Pfarrer predigt aus Gewohnheit, und mit gewohnten Lastern und Liederlichkeiten. Und weil die Menschen von innen in ihrem Herzen nicht besser werden, wird es auch von außen nicht besser, und wie die Alten, so die Jungen.“ „Was? Taugt der Schulmeister auch nichts?“ fragte der Oswald. Der Müller sagte:„Seit dein Vater ge⸗ storben ist, der ein gottesfürchtiger, verständiger Mann war, geht es mit der Schule schlecht. Die Knaben und Mädchen lernen zur Not lesen, schreiben und rechnen, auch wohl ein Gebet. Aber von ihren Eltern daheim lernen sie, was sie sehen, nämlich Lug und Trug, Schwören und Fluchen, Unzucht und Heuchelet, Raufen und Balgen, Betteln und Stehlen, Spielen und Saufen, Müßiggang und Mut⸗ willen, Hader und Neid, Verleumden und Lästern.“ Als Oswald diese Dinge hörte, schüttelte er den Kopf und ging in seiner Seele betrübt dem Schritt aus der Kirche bleibt es bei den 4. Wie der Oswald erschrecklich thut, und es ihm nicht hilft. An einem Sonntage nach der Predigt, wurde die ganze Gemeinde versammelt; denn es war uter Rat teuer, woher Geld nehmen, weil im zande eine außerordentliche Steuer ausgeschrie⸗ ben, und noch dazu der Gemeinde eine Schuld aufgekündigt war, die bisher nicht gehörig verzinset worden. Und das ganze Dorf kam nach alter Uebung unter der großen Linde auf dem Platz zusammen. Die Vorsteher waren im Kreise der Bürgerschaft, und außer dem Kreise standen die Weiber, Töchter und Kinder, zu hören, was vorgehe. Oswald war auch dahin gegangen, und hatte sich vorgenommen, seinen Mitbürgern über ihren traurigen Zustand die Augen zu öffnen. Daher, als die Vorgesetzten ihre An⸗ träge gemacht und ihre Reden geendet hatten, stieg Oswald auf einen Stein, der mitten auf dem Wege lag. Da ward er von jedermann gesehen. Also hob er an zu reden: „Liebe Mitbürger! Ich bin vorzeiten als ein Knabe von euch gegangen in den Krieg, und als Mann wieder zurückgekommen. Aber wie ich in unser Dorf kam, habe ich es kaum wieder gekannt, und mir ist in Wehmut das Herz gebrochen, als ich sah, wie alles verändert worden ist. Denn vorzeiten hieß unser Dorf mit Recht Goldenthal, weil es ein goldenes Thal war, worin Gottes reicher Segen wohnte, mehr denn anderswo. Es waren bei uns die meisten Leute wohlhabend, nur wenige arm, und Bettler gar keine. Damals pflegte man uns, wegen unseres Wohlstandes, auch noch im ganzen Lande die Herren Goldenthaler zu heißen. Denn wir gingen nicht in zerrissenen Kleidern, wie Bettler, sondern stattlich einher, in sauberm, doch einfachem Gewande; und hatten nicht nur im Hause zur Notdurft, sondern auch einen Gulden darüber hinaus. Damals hatte die Gemeinde keine Schulden zu verzinsen, sondern sie bezog sogar von andern Orten Zinsen für ausgeltehene Kapitalien, die wir erspart hatten. Damals war alles Land wohl gedüngt und angebaut, denn jeder hatte seine Kuh und sein Roß im Stall, und auch wohl Geißen und Schafe oder ein Paar Schweine daneben. Da⸗ mals glich unser Dorf schon von außen einem zierlichen Marktflecken. Die Häuser standen schön und nett, von innen wie von außen, daß sich kein Herr aus der Stadt hätte schämen dürfen, darin zu wohnen. Haus⸗ und Küchen⸗ gerät verkündeten, man sei wohl versorgt, und die Fenster glänzten wie Spiegel. Wentge Leute hatten Schulden, und wer sie hatte, dem war nicht bange, wie er sie bezahlen müsse. Damals bekam ein Goldenthaler ohne Hand⸗ schrift und Unterpfand aus der Stadt auf sein ehrliches Wort hundert und mehr Gulden ge⸗ borgt. Damals war für Goldenthal noch eine goldene Zeit.“ Wie Oswald so redete, nickten ihm alle freundlichen Beifall, und einige sagten:„Der Oswald hat wohl recht!“ a Er aber redete weiter und sprach:„Nun ist es nicht mehr so. Man sollte unser Dorf nicht mehr Goldenthal nennen, sondern Kot⸗ und Dreck, Dornen- und Distelthal. Von unsern Aeckern ist meistens der Segen ver⸗ schwunden; denn die einen von uns haben zu viel Land, die andern gar keines; die übrigen können es nicht in Ordnung anbauen und be⸗ nutzen. Die Bettelei ist von vielen nicht mehr für Schmach gehalten, sondern für einen ordent⸗ lichen Beruf und Erwerb angesehen. Die meisten Haushaltungen sind verschuldet, und eine um die andere sieht den Tag vor, da ihr alles versteigert und sie ausgetrieben werden muß. Die Schuldboten verlassen unser Dorf nie. Mit den benachbarten Orten haben wir schaft und Parteien. Wir haben noch den alten Hochmut, aber nicht mehr das alte Geld; auf den Straßen Kot und in den Häusern Unflat und Gestank, den meisten Unflat aber im Herzen. Denn hier versteht sich fast jedermann besser aufs Saufen, als aufs Arbeiten; besser aufs Borgen, als aufs Bezahlen; besser aufs Prellen von dannen. Zank und Prozeß, und unter uns selbst Feind⸗ i und Stehlen, als aufs Geben; besser auf Hin⸗ e———— egangen, und i Mitbürgern die Augen z dten ihre An⸗ endet hatten, er mitten auf on jedermann en: borzelten als i den Krieg, ammen. Aber de ich es kaum Wehmut das alles verändert eß unser Dorf 8 ein goldenes Segen wohnte, u bei uns die wenige arm, 1 pflegte man auch noch im oldenthaler dt in zerrissenen stattlich einher, Hewande; und otdurit, sondern naus. Damals en zu verzinsen, au Orten Zirsen ie wir erspart h wohl gedüngt seine Kuh und ohl Geßen Un daneben. Da⸗ Häuser standen bon außen, daß hitte[home U. und Küchen⸗ fl besorgt und pegel, Wenge r se hatte den anbauen 1 val nc delt für 175 die gehen. ba getriebe Jof 1 i, bin e Feil 2 4 3 Nr. 25. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. terlist, als auf Wahrheit. Wenn das so fort⸗ geht, müssen wir in Elend und Schande alle untergehen. Schon haben wir zu Stadt und Land keinen Kredit mehr, und wenn man jemand einen Lumpen heißen will, so sagt man: er ist ein Goldenthaler!“ Bei diesen Worten des Oswald erhob sich ein großes Gemurmel und Drängen im Volk, und jeder sah den Oswald mit finstern Blicken an; also, daß des Müllers Elsbeth in große Furcht gertet. Denn sie stand auf einer Bank am Hause und verwandte kein Auge vom Os⸗ wald, der ihr von Herzen lieb war. Oswald ließ sich jedoch von dem Gemurre und Gesurre nicht schrecken, sondern fuhr also 1 „Liebe Mitbürger, wenn noch ein Tropfen redlichen und frommen Bluts in euern Adern wallt, so schlaget Hand in Hand und sprechet: es soll und muß anders werden! Woher kommt unser Verderben? Dahinten her kommt es aus den Wirtshäusern. Da sind eure Lände⸗ reien in die Wein⸗ und Bierfässer gefallen, und eure Kühe von den Spielkarten erschlagen. Da habt ihr das Sparen verlernt und das Arbeiten vergessen. Armut macht Diebsmut, und Müßiggang ist des Teufels Ruhebank. Das Geld eurer Väter ist verzehrt, und ihre Sonntagsröcke traget ihr mit Löchern in den Aermeln. Habt ihr ein paar Kreuzer im Sack, trinket ihr lustig, und Weib und Kind daheim hungern. Was soll daraus werden?— Ich fragte die Vorgesetzten! Wo ist das Vermögen der Gemeinde, und wie habt ihr hausgehalten mit der Hinterlassenschaft unserer Vorfahren? Warum leget ihr keine treue Rechnung ab, und gebet nicht aufrichtigen Rat, wie zu helfen sei? Warum schmauset ihr lieber auf Gemeinds⸗ unkosten, statt der Gemeinde Gut zu sparen? Warum verschließt ihr nicht die Wirtshäuser, und öffnet dafür Abzugsgraben für das Wasser im versumpften Gemeindswald oder bessert unsere halsbrechenden Dorfwege aus? Warum machet ihr's den Leuten so leicht, wenn sie Geld borgen wollen, und machet es ihnen so schwer, wenn sie sich vor dem Bettelstab retten möchten?“ Wie Oswald so redete, schrien einige der Vorgesetzten:„Schweig, du Landstreicher und Taugenichts, oder wir schicken dich bei Wasser und Brot in den Turm, achtundvierzig Stunden lang!“— Und die ganze Gemeinde brüllte: „Schweig! Schweig!“ Aber Oswald erwiderte:„Ihr habet Macht, mich in den Turm zu werfen, aber ich habe Macht, euch vor die hohe Landesregierung zu rufen. Wenn ich da eure Wirtschaft aufdecke, wird euch übler zu Mut sein, als mir bei Wasser und Brot ist. Ihr alle aber, Mitbürger, beweiset mir, daß ich falsch rede, oder lästere. Fraget eure Gewissen, ob das Gemeindegut vermehrt oder verheert ist? Fraget eure Ge⸗ wissen, ob ihr reicher oder ärmer geworden seid; ob Treu und Glauben noch unter uns gelten; ob Gottesfurcht und Menschenliebe unter uns herrschen, oder hartherziger Eigen⸗ nutz, Wucher, Lüderlichkeit, Hinterlist, Tucke, Meineid und falsches Wesen? Und wenn euer Gewissen keine Zunge hat, so schauet eure zer— fallenen Häuser und Ställe, eure verwilderten Felder und Gärten, eure leeren Geldbeutel und Truhen, eure zerissenen Kleider und Hemden an; die sind meine Zeugen wider euch. Schauet eure armen verwahrlosten Kinder an, sie sind meine Zeugen wider euch. Ihr habet mehr Sorgfalt für eure Kuhe, Säue und Ziegen, als für eure Kinder; und Kühe, Säue und — Ziegen sind euch nicht so lieb, als euch Schwel⸗ gerei und Spiel, Fraß und Sauf sind.“ 5 Oswald wollte noch mehr sagen; aber sie stießen ihn mit mörderischen Gebrüll vom Stein, und ließen ihn nicht mehr reden. Einige wollten die Hand an ihn legen; aber er ergriff sie mit gewaltiger Faust und schleuderte ste gegen die andern, daß sie mit den Köpfen zusammen⸗ schlugen. Er nahm einen gewaltigen Stecken, und drohte den Ersten zu Boden zu schlagen, der sich nähern würde. Das Geschrei gegen ihn ward i nmer lauter und wilder. Einige hoben Steine auf. Oswald ging be⸗ herzt mit geschwungenem Prügel gegen den dicken Haufen, und mitten durch denselben nach Hause. Er wusch sich, verband seine verwun⸗ dete Stirn und war ruhig. Da kam, blaß wie der Tod, mit verweinten Augen, Elsbeth und fragte:„Oswald, wie geht's dir?“ Und sie konnte vor Wehmut nichts sagen, und er tröstete sie und drückte sie gerührt an sein Herz. (Fortsetzung folgt). Eßt tüchtig Salat! Eßt Gemüse! Eßt Gemüse usw. Alle, die Ihr nicht nach Marienbad, Kissingen, Ems usw. fahren, eine Badekur durchmachen könnt! Junges Gemüse, besonders Salat, Kopf- und Feldsalat(Rapunzel), sind nicht nur sehr nahrhaft, geben Fleischansatz und Kraft, sondern sie reinigen das Blut, ihr Genuß ersetzt eine Art Badekur. Und Ihr Hausfrauen, die Ihr das erfrischende Grün, den saftigen Salat zurecht macht und auftischt, erhaltet in demselben die stärkenden Kräfte und Säfte: Zerrupft Ihr die Salatköpfe, schneidet Ihr die Blätter vom Kopfe ab, werft Ihr dann Blätter und Herzstückchen in den Eimer, in die Schüssel zum Waschen und. Reinigen, so ist das Beste des Salats dahin, schwimmt im Wasser und kommt auf den Hof statt in den Leib. Die Salatköpfe müssen ganz ungerupft gewaschen und kurz vor dem Essen zerlegt und angemacht werden, damit alle Säfte in der Eßschüssel bleiben. Und dann für den Mann nicht 5—6 Blättchen, sondern 2—3 Köpfchen auf den Tisch, Mittags und Abends, und Ihr sollt einmal sehen, wie rosig und blühend die Wangen werden! Versucht nur einmal! Laßt Euch Abends eine Schüssel Salat und dazu die Spiegeleier machen. Ihr werdet bald sehen, wie gut es Euch bekommt; aber 6—8 Wochen lang. Ein Bad nützt nichts, mehrere hinter⸗ einander aber schaffen's. Im Fleischsaft giebt v. Liebig 2,96 Proz. lösliches Albumin an; der Feldsalat hat 9,09 Proz. Stickstoffgehalt, Kopfsalat 1,41 Proz.— Stubenhocker, Arbeiter, Kinder, Kaufleute, Isegrimme usw., eßt Salat! Zu dieser zeitgemäßen Mahnung, die dem Kleinen Journal für Hygiene entnommen ist, sei noch bemerkt, daß es sich besonders für Alle, die an Magen⸗ oder Verdauungsstörungen, wie auch an Rheumatismus usw. leiden, empfiehlt, statt Essig, Zitronensaft oder, was noch weit billiger und einfacher ist, aufgelöste gereinigte Zitronensäure bei Salat wie bei anderen Speisen zu verwenden. Man erhält die Zitro⸗ nensäure in Stückchen in jeder besseren Mate⸗ rialwaaren⸗Handlung; für 20 bis 30 Pfennig bekommt man genügend für mehrere Wochen. Es empfiehlt sich, immer nur soviel Stückchen in Trinkwasser aufzulösen, als man jedesmal nötig hat; und man kann ohne Schaden mit der Zunge prüfen, ob der Schärfegrad recht ist. Die Zitronensäure⸗Lösung ist dabei so pi⸗ kant, daß man den für Viele unzuträglichen Pfeffer gänzlich sparen kann. W. S. (Frkfr. Volksst.) Splitter. Zu behaupten, das Christentum hätte der Menschheit vorher unbekannte sittliche Wahr⸗ heiten mitgeteilt, beweist entweder grobe Unwis⸗ senheit oder geflissentlichen Betrug. a B uck! e. Humoristisches. Bescheiden. Fremder(zum Kastellan, der ihm das Schloß gezeigt hat):„Ich würde Ihnen gern ein Trinkgeld geben— aber ich habe leider nur ein Zwan⸗ zigmarkstück bei mir!“— Kastellan:„O bitte, das genügt.“ Abgeblitzt. Stubenmädchen:„Wünschen Sie morgen geweckt zu werden?“— Aelterer Gast:„Ja, liebes Kind— mit einem Kuß!“— Stubenmäd⸗ chen:„Gut— ich will's gleich dem Hausknecht sagen!“—(Fl. Bl.) Die Eigenschaft. In dem Armsessel eines Fürsten schlief dessen Kammerdiener ein. Der eben eintretende Fürst rüttelte ihn aus dem Schlafe mit den Worten:„He, er hält sich wohl gar für den Fürsten, dumm genug ist er dazu.“ Geständnis. Richter:„Sie haben sich aus der Haft vorführen lassen mit der Angabe, daß Sie gestehen wollen.“ Häftling:„Ja, ich gestehe, daß ich es unbegreiflich finde, wie man mich nun schon seit drei Wochen unschul dig in Haft behalten kann.“ ———. Geschichtskalender. 22. Juni. 1899: Amtsantritt des französischen Ministeriums Waldeck-Rousseau. 1633: Galilei's Wider⸗ ruf(„Und sie bewegt sich doch.“) 23. 1848: Junischlächterei in Paris. 24. 1894: Präsident Carnot ermordet. 25. 1901: Bankkrach in Leipzig. 1848: Einzug der Preußen in Karlsruhe. 26. 1899: v. Hammerstein aus dem Zuchthause entlassen. 1893: Gouverneur Altgold begnadigt die Chikagoer Anarchisten Schwab, Fielden und Neebe. 27. 1898: Minister Berlepsch entlassen. 28. 1901: Sozialistische Wahlsiege in Holland. 71 Jean Jaques Rousseau, Philosoph, in Genf ge⸗ oren. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Seit Monatsfrist hat der Wahlverein Gießen den Vertrieb der sozialistischen Litteratur übernommen. In⸗ dem wir unsere Genossen darauf hinweisen, richten wir die Bitte an sie, sich ihrerseits um die weiteste Verbreitung unserer Parteischriften mit zu bemühen, damit unsere Anschauungen in die weitesten Kreise dringen. Auch alle hier nicht angeführten Bücher und Zeitschriften be⸗ sorgt die Kommission. Es sei noch bemerkt, daß der etwa erzielte Gewinn wieder im Interesse der Agitation verwendet wird. Wir machen auf folgende Broschüren und Zeitschriften aufmerksam. Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg. Das im Jahre 1847 verfaßte Manifest ist die be⸗ deutungsvollste Schrift der sozialistischen Litteratur. Trotz der 45 Jahre Zeitfortschritt haben die darin auf⸗ gestellten allgemeinen Grundsätze im Ganzen heute noch ihre Richtigkeit. Lohnarbeit und Kapital. Seßparatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. In der Einleitung, die Friedrich Engels dieser vorzüglichen Agitationsschrift über das Wesen der heutigen Produktionsweise vorausschickt, entwickelt er die Gründe, warum einzelne Stellen und Wendungen geändert sind und knüpft daran eine klare ökonomische Auseinander- setzung über die verschiedenartigen Begriffe: Arbeit und Arbeitskraft. Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. Eine Rede von Paul Göhre, Pfarrer a. D. Preis 10 Pfg. Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. Von A. Weltpolitik, Chinawirren und Trans⸗ vaalkrieg. Von W. Liebknecht. Liebknecht's letzte Rede, gehalten zu Dresden im„Trianon“ am 28. Juli 1900. Preis 15 Pfg. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Elsner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Führer durch das Gewerbe⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. 6 durch das Bau⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Unfallversicherungs⸗Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Invalidenversicherungs⸗Gesetz. Jedes einzelne Werk ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto. Ferner empfehlen wir: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöcheutlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Ilu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Wahrer Jako; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Die Kom misston. ä. 3 8 8 3 8 3——————— 7 ä— — Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 25. Central-Kranken- Montag, 23. Juni, Abends 9 Jlhr: bei Löb,„Wiener Hof““. Tages⸗Ordnung: Abrechnung u. Neuwahl der Ortsverwaltung. Um zahlreichen Besuch ersucht die Ortsverwaltung.— 8 2 2 2 N 8 8 E 3=— S +—— 2 8 2 1 8 2 7 S 2 S 0 9 2 2 2 . 47. N CQ. 5 0. D 2 2 8 . S * 2— 8 85 — EI Achtung! Achtung Achtung Franz Neumeier, Sonnenstr. 20—22 Empfehle zu außergewöhnlich billigen Preisen: Kinder⸗Ohrenschuh 30 Pfg., Kinder⸗Spangenschuh 1,80 Mk., Kinder⸗Halbschuh 1.50 Mk., Kinder⸗KRuopfschuh Nr. 22—24 2,35 Mk., Kinder⸗Schnürschuh Nr. 25—26 L. 30 Mk., Kinder⸗ Straminschuh 70 Pfg., Mädchen⸗Straminschuh 90 Pfg., Mädchen⸗Halbschuh zum Schnüren 3 Mk., Mädchen⸗Halbschnh zum Knöpfen 3,40 Mk., Mädchen⸗Agraffeustiefel 4 Mk., Knaben⸗ ⸗Rindleder⸗Agraffenstiefel 4 Mk., Damen⸗Halbschuh zum Schnüren 4 Mk., Damen ⸗Halbschuh zum Kuöpfen 4,50 Mk., Herreu⸗Zugstiefel 5,30 Mk., Herren⸗Agraffeustiefel 5 Mk. Herren⸗Halbschuhe 5 Mk. Arbeiter⸗Schuhe und Stiefel in nur guter Qualität. Anfertigung nach Maaß. Reparatur in eigener Werkstatt. Budde's Schirme sind dauerhaft und preiswert. Regenschirme, Sonnenschirme, Spazierstöcke kauft man gut und billig Casseler Schirm fabrik Gießen, Seltersweg 9 (nahe am Kreuzplatz). Marburg aL., Ne ustadt 11, Fulda, Buttermarkt 14„z. Steuerhaus“. Reparaturen und Neubeziehen schnell, gut und billig. U. Nerbek asse d. Tischler. 322 mimonen mark z 835480 O00 Miicdeterversamm lung 8e n ganz Deutschla darunter Haupttreff. jähr. von Mk. E 5 kommen im Laufe der Vereinszeit zur Verloosung 5 2 Jedes Loos ein Treffer. E Die kleinsten Treffer betragen E mindestens ca. 97 pCt. des Ein- satzes, daher bei Verloosung fast Lein Nisico Unsere Gesellschafts- Kombi- nationen bieten die Grösste Gewinnchancen. esoouensluy Fa 24 8 8* 4 2 4 2 Vorsitzenden ihres Ortsvereins zu 20 Pfennig. eee Ortsverein„Typographia“ Giessen (Verband der deutschen Buchdrucker.) Sonntag, den 29. Juni, Nachmittags 3 15 auf der Liebigshöhe: Johannis⸗Feier bestehend in Concert, Festrede,(gehalten vom Stadtv. Herrn Krumm), Damen⸗ u. Kinderspielen, Preis⸗ schießen usw., Abends 8 Uhr 2 Ball. Die organisierten Arbeiter erhalten die Karten beim * A4 ere Zu reger Beteiligung ladet ein. Das Festkomité. 0 OZ Z ZZZ 5 112 Ferschiedene Nummern e Monatlich Beteiligung nur Mk. 4. Anmeld. befördert umgehend: 2. W. Waker, Essen322,3 Millionen Cigarren fabelhaft billig zu verkaufen. 100 St. 5 Pf. e 2,95 100„ 6„ 7„ 35 70 100„ 10„„ 0 4.70 100, 70 6,15 Bei 300 Stück Frankolieferung. Versand gegen Nachnahme. Für Güte der Ware wird aus⸗ drücklich garantiert. Tausd. Anerkennungen liegen vor Berndt& Co., Berlin ⸗ Schöneberg 178a, Ebersstraße 75. Prämiirt auf der Geflügelausst. Grünberg! bDraht⸗Arbeiten e als: Gartenzäune, Hühner- u. and. Vogelhäuser, hühnernester u. sonst. Drahtarbeiten empfiehlt Max Arnold, Neuenweg 42. Arbeiter⸗Hosen Arbeiter⸗ Hemden Arbeiter⸗Blousen Arbeiter⸗Jacken Arbeiter⸗Schürzen ferner Touristenhemden, Normalhemden, Sommerunterhosen, Strümpfe, Socken, Kragen, Vorhemden, Mauschetten, Shlipse, Hosenträger, Haudschuhe empfiehlt zu besonders billigen Preifen Robert Stuhl Fst. Braunschw. Leberwrst. Gießener Fischbörse Marktplatz 5 Telefon 50 Empfehle als neu zugelegten Spezialartikel sämtliche — urstwaren— und offerire solche, als: Feinste Leberwurst Fst. Hausmach. Blutwurst per Pfund 60 Pfg. per Pfund 60 Pfg. Feinste Fleischwurst Feinster Preßkopf per Pfund 30 Pfg. per Pfund 30 Pfg. Fst. Hausmach. Mettwurst Fst. Thüringer Rotwurst per Pfund 1 Mark. per Pfund 1 Mark Fst. Braunschw. Mettwurst per Pfund 1,20 Mark Feinste Sardellenwurst per Pfund 1,40 Mark. Fst. Westf. Cervelatwurst per Pfd. 1,40 Mark Fst. Gothaer Cervelatwurst per Pfund 1,80 Mark Fst. Westf. Touristenschink. Rollschinken, 1—2 Pfund, per Pfund 1,50 Mark Appetit⸗Würstchen Fst. deutsches Büch senfleisch zum Rohessen, per Stück 12 Pfg. im Ausschnitt, per Pfd. 2 Mark Marktplatz 5 Louis Bühl reiefon 50. Wasserkrüge und 5 Packkörbe J. Naminka kaufen Benner& Krumm 5 Gießen, Bahnhofstraße 40. e Marktplatz 18 Vorteilhafte Bezugsquelle für per Pfund 1 Mark Feinste Zungenwurst per Pfund 1,20 Mark Fst. Westfäl. Salami per Pfund 1,40 Mark Fst. Gothaer Salami per Pfund 1.30 Mark Fst. Westf. Blasenschinken —2 Pfd., per Pfd. 1,60 Mark Feinste Dresdener behandelt a 1 e Tienann Uhren, Gold⸗ N Silberwaren Sämtliche Kornbrod rest. Litteratur von der Kinzenbacher Mühle Broschüren, Freie Stunden, Hütte, Neue Zeit, Wahre Jakob, Postillon besorgt die Expedition der slets frisch zu haben bei Gustar Henn, Lindenplatz, im Laden. Auf Wunsch Lieferung frei ins Neustadt 23. Haus. Mitteld. Sonntags⸗Zeitung Mk. — Ein Freund— befragte mich unlängst, wie es möglich sei, das Geld für die teueren Annoncen wieder hereinzubringen; er glaube nicht daran und befreundete Kaufleute hätten ihm dies bestätigt.— Meine Annoncen haben stets Erfolg! Warum und weshalb? Alles, was ich in einer Anzeige verspreche, wird haarscharf gehalten. Wenn ich z. B. den Verkauf eines feinen Herren⸗ Kammgarn⸗Anzuges A 13½½ Mk. anzeige, so kann der Kunde ruhig die Reise von Sachsenberg, Battenberg, Laasphe, Homberg, Biedenkopf, Gladenbach ꝛc. an⸗ 1 treten, denn er weiß, er wird in seinen Erwartungen meistens übertroffen. Für die nächste Zeit habe ich nun wieder groß⸗ artige schöne Posten in meinem 700[Fuß halten⸗ ö den Konfektionsraum ausgestellt und bitte ich, eifrigen Gebrauch davon zu machen. Wer nicht kommen kann, N erhält das Gewünschte per Nachnahme.— Umtausch noch nach 6 Wochen. Coupons bis 1. 10. 1902 werden in Zahlung genommen, ebenso Wechsel auf In- und Ausland. Einfache Arbeiter-Zwirn-Hosen à 1.50 Gladbacher Zurkin-Hosen 2. Schwere Zwirn- u. Moleskin-Hosen 2.50 Schwere gurkin-Hosen in allen Farben 3.— Schwere gestr. Leder- u. Manchester⸗ Hosen 3 Hochfeine gurkin-Hosen, Prachtmuster 3. 50 Prima Kammgarn u. Loden ⸗Hosen A Ulk. 4.50—6.— Hocheleg. karrirte Herren-Ramm⸗ garn-Anzüge à 13.50 Gummi-Mäntel, Facon Raglan 22. Herren-Pelerinen 7.50 Sommer-Paletots und Havelocks von Mk. 10.— an. Sommer-Loden-Joppen in allen modernen Farben bis zur feinsten Sportjoppe a Mik. 2.— bis 10.— eee ee Elegante leinene Herren⸗Anzüge Sommer-Joppen für Touren, Jagd, Garten, Komptoir in allen Qualitäten und Farben A Ml. 1. 20 li r von 17 Jahren Jünglings-Anzüge bis zum N 20 1 5 15 Ein Posten Havelocks für 17 jährige ä Mk. 2.— Gehrock-Auzüge für Herren NM. 22. Grosses Buxkin- Lager. Anfertigung nach Maß innerhalb 12 Std. Kinder- und Knaben-Anzüge 1 täglich ueue Sachen. Sommer⸗Paletots in Cheviot bis zum 1 5297 10 1 Italiener kaufen alle ihren Bedarf an Koffern, Anzügen, Hemden, Arbeiterkleidern — H. Möller, im Oberhessischen Kleider⸗ Dazar, Marburg 2227ͤö;Ü—sd̈ Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. rantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gie ßen. Druck von E.— Druckerei, Gießen. erk