un und N gevählte geerdete orte 10 Vfg. en 10 Wokrat. Ade. en.— Uinke 8 2 Slektri- Cagelöbne. del Ad Partel unentbehrliches gebuch. Suchhandlung Vorwärts Lündenftr.. d Giesen, Sonntag, den 21. Dezember 1902. 9. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche Webaktionsschluß! Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Abounementspreis: Die Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Erpedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 80; jede Postanstalt und Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriesträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33½/% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 500/ Rabatt. Bei mindestens Arbeiter, Parteigenossen, Freunde! Neue schwere Lasten sind dem arbeiten⸗ den Volke durch die Annahme des Zoll⸗ tarifs auferlegt. Arbeitslosigkeit, Lohn⸗ drückerei verschärft die Notlage, zwingt tausende Arbeiterfamilien zu Entbehrung. Dabei wird in schamloser Weise gegen unsere Partei, die einzige Vertreterin der Besitzlosen, gehetzt. Arbeiter, Klein⸗ bauern, Handwerker wehrt Euch! Schließt Euch der Sozialdemokratie an! Tretet in ihre Vereine ein! Vor allem aber sorgt für die weiteste Verbreitung der sozialisti⸗ schen Presse! Werbt fleißig Abonnenten für die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung! Armat und Kirche. Nicht blos in Gemäldesammlungen, wo der Künstler auf zahlreichen Bildern üppige, blühende, feiste Klostergestalten festgehalten hat, sondern auch sonst im Leben kann man sich genugsam überzeugen, wie vortrefflich der hohen Geistlich⸗ keit Fastenspeisen und Andachtsübungen be⸗ kommen. Die Kirche weiß eben am Besten den wahren Wert ihrer Lobgesänge auf die Armut zu schätzen. Zunächst kann es freilich Wunder nehmen, daß die Kirche das Verdienst der Ar⸗ mut so gerne Anderen überläßt, dagegen selbst unbegrenzte Reichtümer ansammelt. Sie weiß, warum sie nicht selbst mit gutem Beispiel vor⸗ angeht. Noch immer hat es sich an einer voll⸗ hesetzten Tafel besser leben lassen als an einem kargen Tische, auf dem sich spärliche Brosamen befinden. Und je massenhafter die beweglichen Reichtümer der Kirche werden, je mehr sich ihr Grundbesitz vermehrt, je mehr die werbende, konzentrierende Kraft des Kapitals sich geltend macht, desto mehr muß die Kirche das Lob der Armut singen, um in den Massen keine Gedanken aufkommen zu lassen, daß das Leben hienieden auch wirklich wert sein muß, gelebt zu werden. f Hat das Christentum etwa die Armut aus der Welt geschafft? Nein; die Kirche ist zwar reich geworden und wird es von Tag zu Tag mehr, die Armut der Massen aber ist geblieben. Und verwendet die Kirche etwa ihre Reichtümer, um der Armut, dem Elend abzuhelfen? Fällt ihr gar nicht ein. Wozu hätten auch die Armen die Aussicht, sich im Jenseits satt zu essen, warm zu kleiden und gehörig auszubilden? Das muß doch erkauft werden. Merkwürdig, daß die salbungsvollen Prediger der Armut zwar gier unten allen möglichen Genüssen huldigen, aber gar kein Gewicht darauf legen, im Jenseits ebenso ver⸗ sorgt zu werden. Der Wechsel auf die himm⸗ lichen Freuden scheint bei seinen Ausstelhern selbst am Geringsten bewertet zu werden. Wie selbstlos von den Herren, den Himmel für die Hungrigen und Frierenden zu reserviren! Da die Armut dort oben in den Wolkenregionen ihren reichlichen Lohn finden soll, so tut eigent⸗ 0 5 lich die Kirche, die ja auch die Ketzer nur deren Seelenheil zuliebe verbrannt hat, noch ein gutes Werk, wenn sie die Armut möglichst fördert und vermehrt. Vielleicht sammelt die Kirche deshalb so viele Reichtümer, um die Zahl der Himmelspenstonäre tunlichst zu vergrößern! Kirchenbaulotterien sind an der Tages⸗ ordnung. Nicht als ob das Bedürfnis nach geistlicher Kost so gewachsen wäre, aber der Vorstadt⸗ und Gemeindepartikularismus ver⸗ langt es, daß die Zahl der Kirchen im gleichen Maße erhöht wird, wie die Zahl der Hungrigen und Arbeitslosen wächst. Die Einrichtung von Volksküchen, Wärmestuben, Kinderasylen, Ar⸗ beiterwohnungen, Wöchnerinnen- und Genesungs⸗ heimen, Krankenhäusern und Erziehungsanstalten wäre zwar an sich notwendiger. Aber da er⸗ fahrungsgemäß Satte und Gesunde weniger Sehnsucht nach dem himmlichen Jenseits besitzen, so ist es erklärlich, daß in unserer Krisenzeit Kirchen wie Pilze aus der Erde schießen. Ge⸗ wisse Leute haben dabei günstige Gelegenheit Orden und Titel einzuheimsen. Warum sollte man da nicht Kirchen bauen, da ja doch die Armen ins Jenseits kommen und daher einer entsprechenden geistlichen Vorbereitung dringend bedürfen? Bekanntlich macht die Kirche keinen Unter⸗ schied zwischen Arm und Reich. Ihr ist der Eine so lieb wie der Andere, wenn— er nur fleißig betet und zahlt. Besonders Testamente eignen sich vorzüglich, um sich bei der Kirche ein gesegnetes Andenken zu sichern. Da aber der Arme nichts hat, worüber er testiren kann, — seine Schulden und Sorgen kann doch die Kirche unmöglich übernehmen— so wird es doch notwendig, dem Reichen erhöhte Sorgfalt zuzuwenden. Man besorgt dies zu seinen Leb⸗ zeiten und auch später. Ebenso wie vor der Kirche sind auch im Tode alle Menschen gleich. Damit soll nach kirchlicher Auffassung natürlich nur gesagt sein, daß im Tode Alle tot sind, nicht aber, daß die Kirche dem Verstorbenen gleiche Ehre zu bezeugen habe, gleichviel, ob es sich um einen reichen Bauern oder„blos“ um einen Arbeiter handelt. Klasseubegräbnisse existiren bekanntlich nur bei den Wilden, bei uns aber giebt es weder bei Begräbnissen noch sonstwie Klassen. Brüderliche Liebe herrscht allgemein und überall, und der ist der liebste Bruder, welcher mit dem geringsten Lohn und der längsten Arbeitszeit zufrieden ist. Die Kirche liebt überhaupt den Arbeiter. Zu diesem Zwecke fördert sie alle Bestrebungen, welche dazu dienen, die Solidarität der Arbeits⸗ genossen in Stücke zu zerreißen; zu diesem Zwecke stellt sie sich offen auf die Seite der kapitalkräftigen Unternehmer, um deren„gute Sache“ nach Kräften zu unterstützen. Der ein⸗ zelne Arbeiter ist eine Null, die Arbeiter in ihrer Gesamtheit sind die Macht, die Kraft, welcher der Welt gebieten wird. Das weiß Niemand besser als die Kirche. Und deshalb ist sie eifrig bemüht, konfesstonelle Arbeiterver⸗ eine zu gründen und Zwietracht in die Arbeiter⸗ reihen zu säen. Denn gelingt es ihr, Arbeiter und Handwerker konfesstonell zu verhetzen und dadurch ihre Stärke lahmzulegen, gelingt es ihr, Bresche zu schlagen in das geschlossene Bollwerk der produzierenden Arbeitermassen, dann triumphirt nicht nur das geistesverwandte Unternehmertum, sondern die Kirche hat auch ihre Reichtümer gestchert, sie kann nach Herzens⸗ lust Bildung und Aufklärung ersticken und der dann mit Blindheit geschlagenen Masse auf's Neue den Fuß auf den Nacken setzen. Darum muß die Sozialdemokratie als die Partei befreiender Erlösung mit aller Entschiedenheit auf die in der Grün⸗ dung konfessioneller Vereine deutlich zu Tage tretenden Absichten hinweisen, sie muß den Ar⸗ beiter, insbesondere auh die Arbeiter frau, über die eigennützigen Pläne der Kirche auf⸗ klären, sie muß mit aller Kraft auf die ge⸗ schlossene Solidarität und Einmütigkeit der besitzlosen Masse hinarbeiten, sie muß aber auch die religiöse Ueberzeugung des Einzelnen schonen. Es giebt ebensowenig eine freireligiöse Sozial⸗ demokratie, wie es eine katholische giebt. Die Sozialdemokratie wird nicht in den Fehler des modernen Staates verfallen, der sich christlich nennt, ohne es zu sein und sein zu können. Die Sozialdemokratie kennt keine Konfessionen, kennt keine Rassen, sie kennt nur Ausbeuter und Ausgebeutete, sie kennt nnr eine große einheitliche, stegesfrohe und zielbewußte Arbeiter⸗ bewegung, sie kennt aber auch deren Feinde, gleichviel unter welchem Rock und unter welcher Maske sie sich verbergen. Fr. T.) Die Zollbeute ist in Sicherheit! Vorigen Sonntag früh, also am heiligen dritten Advents⸗Sonntage hat der deutsche Reichs⸗ tag den Hungertarif in dritter Lesung mit 202 gegen 100 Stimmen angenommen. Damit hat die Reichstagsmehrheit, haben die Beutepolitiker dem deutschen Volke ein Weih⸗ nachtsangebinde verschafft, woran es lange denken wird. Sie haben das arbeitende Volk auf Jahre hinaus zum Hunger verurteilt! Die das Christentum stets im Munde führen, die auf den Kanzeln christliche Nächstenliebe allsonntäglich predigen, sie haben den Sonntag geschändet, um ein Werk zu vollenden, das den Armen das tägliche Brot nimmt. Allzuleicht ist den modernen Raubrittern der Sieg allerdings nicht geworden. Sie mußten Nacht⸗ und Sonntagsruhe opfern, bei⸗ nahe 19 Stunden ununterbrochen dauerte die Sitzung! Noch elnmal versuchte die Vertretung des ausgebeuteten Volkes das unheilvolle Werk zu hindern. Bis zum letzten Augenblick hat die Sozialdemokratie gekämpft, jeden fußbreit Bodens hat sie verteidigt— aber einer zu jedem, und sei es noch so schreienden Unrecht und empörenden Rechtsbruch entschlossenen Mehr⸗ heit muß eine nur mit der Masse des Rechts kämpfenden Minderheit schließlich doch unter⸗ liegen. Und diese Mehrheit war zu allem entschlossen und brauchte keine Rücksicht mehr auf Würde und Recht zu nehmen, denn beides hatte sie längst mit Füßen getreten. Weshalb sollte sie in der dritten Lesung mehr Scham zeigen, als in der zweiten? Und so häufte sie denn auf alle vorhergegangenen Schamlostg⸗ keiten die letzte und größte und entsetzlichste, sie peitschte ein Gesetz von einer Bedeutung, wie sie nur selten einer Parlamentsvorlage zukommt, in der letzten entscheidenden Beratung in einer Sitzung durch! — ———— U U ii —— ———— ———— —— BB SS SGS S SDS. — Seite 2. Mitteldeuliche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 51. Der Sieg der Zöllner war kein Sieg in offner Feldschlacht, kein Kampf mit reinen Waffen. Ehrlichen Kampf, geistige Waffen verschmähte die Mehrheit; sie war sich bewußt, die Wirkung der Oppositions reden auf das Volk nicht mindern, nicht abschwächen zu können. Die Zöllnermehrheit machte sich eine eigene Geschäfts ordnung für ihren Beutezug zurecht, um die wichtigste wirtschaftliche Vorlage, die den Reichstag seit vielen, vielen Jahren beschäf⸗ tigt hat, unter Vermeidung jeder sachlichen Diskussion im Handumdrehen zu erledigen und den Raub heimzubringen. Durch Gewaltstreiche hinderte man die sachliche Beratung. Das Volk soll die drohenden Gefahren nicht kennen lernen. Kein Mensch kann aber die Diskussion hindern. In jeder Versammlung, in jeder Werkstatt, wo nur Leute aus der Arbeiterklasse zusammen kommen, wird das schamlose Treiben der Schlot⸗ und Krautjunker gebührend ge⸗ würdigt werden. Weit entfernt uns zu ent⸗ mutigen, bietet uns die Annahme des Wucher⸗ tarifs ein treffliches Agitationsmittel, das wir nach Kräften benutzen werden. Wir werden den Kampf fortsetzen, bis wir unser Ziel: die Be⸗ seitigung der Ausbeutung und Unter⸗ drückung in jeder Form, erreicht haben. Von der Verhandlung am Mittwoch und Donnerstag, wo die zweite„Lesung“ des Wuchergeseßes fortgesetzt und beendet wurde, ist wenig zu sagen; das Schauspiel der vorher⸗ gehenden Tage wiederholte sich, nichtssagende Referate über die Kommlssionsverhandlungen, sobald einer der Zöllnerpartei der Berichterstatter war. Eine Beratung der einzelnen Positionen ließ die Mehrheit einfach nicht zu. Am Frei⸗ tag mußte ausgesetzt werden, weil nach der Geschäftsorduung die zweite und dritte Lesung von einer Zwischenpause von mindestens einem Tage unterbrochen sein muß. Samstag be⸗ gann also die dritte Lesung mit der üblichen Generaldebatte, welche die Zöllner bald durch einen Schlußantrag zu beendigen hofften. Es sollte aber nicht so schnell gehn. Schrader vom Freisinn protestirte zunächst gegen die Wiederholung der ungesetzlichen Beratung im Ramsch. Darum kümmert sich aber die Mehr⸗ heit nicht, sie pfeift auf das Gesetz. Reichs⸗ kanzler Graf Bülow verlas dann eine längere Erklärung. Er unterbrach die Vorlesung nur, um sich in pathetischer Weise gegen das schallende Gelächter zu verwahren, das auf der Linken losbrach, als er die geistreiche Theorie von der Unterscheidung von Gerste und Malgzgerste vor⸗ trug. Im weiteren sagte er in geschraubten Wendungen, daß die Regierung all' die zahl⸗ reichen Ungeheuerlichkeiten verschlucke, die sie im Sommer dutzendmal als un annehmbar bezeichnet hat. Als er am Schluß seiner Vor⸗ lesung wagte, den Tarif mit dem„Segen“ des deutschen Volkes in Verbindung zu bringen, da brach stürmiger Widerspruch auf der Linken los.„Der Fluch des deutschen Volkes“ rief Genosse Ulrich mit erhobener Stimme. Die Unruhe, vie darüber enstand, verschlang fast völlig den spärlichen Beifall, den die Mehrheit ihrem Reichskanzler zollte. Bündler Wangenheim erklärte die Zollbeute für zu geringfügig; Eugen Richter sprach gegen den Tarif, erzielte aber keinen großen Eindruck. Um so wirkungs⸗ voller sprach Molkenbuhr. Schlagend wies unser Genosse nach, daß auch jetzt wieder, wie so oft, die Sozialdemokratie es ist, die das wahre Interesse der bürgerlichen Gesellschaft gegen das Gros der bürger⸗ lichen Parteien selbst verteidigt. Der alte Zentrums⸗ graf Hompesch hütete sich sehr wohl, auf das un⸗ widerlegliche Tatsachenmaterkal einzugehen, das Mollen⸗ buhr dem Hause vorgeführt hatte; er beschränkte sich auf eine kurze, dem Zentrum sumfall beschönigende Er- klärung. Der Demokrat Haußmann sprach zuletzt in der Generaldebatte. Darauf gab es einen Geschäfts⸗ ordnungsstreit. Unsere Genossen wollten die Pofitionen einzeln beraten haben, was die Mehrheit natürlich ab⸗ lehnte. In der Spezialdiskussion wandte sich erst Rösicke gegen die Heraufsetzung des Zolles auf Brau⸗ gerste; dann sprach Kardorff. Dieser war schneller fertig, als Spahn den beabsichtigten Schlußantrag ein- bringen konnte, es erhielt deshalb unser Genosse Antrick das Wort, der von 4½ Uhr bis 11½ Uhr nachts sprach, also eine achtstündige Rede, die längste, die je im Reichstage gehalten wurde, leistete. Mit der allergrößten Gewissenhaftigkeit begründete unser Genosse die Anträge unserer Fraktion zum§ 1 der Vorlage— jenen Monstreparagraphen, der Dank dem Antrage Kardorff die mehr als 900 Paragraphen des Zolltarifs umschließt. Selbstredend fehlte der zolltollen Mehrheit die Geduld, die strafende Rede anzuhören. Sie schlief, aß, trank, promenierte, lärmte, skandalierte; wo immer unser Genosse anstieß, setzte sie mit einem mißlautenden Konzert ein, das die Nachahmung der diversen Tierstimmen markiren sollte. Aber Genosse Autrick ließ sich nicht beirren. Mit stoischer Ruhe sprach er weiter. Reichskanzler Graf Bülow nahm sein mehrgängiges Diner ein, rauchte seine„Habanna zur Verdauung“. Als er, behagliche Sättigung auf dem glatten Antlitz, wieder eintrat, hörte er Antrick weiter reden. Er machte gute Miene zum bösen Spiel, dieweil seine Verständigungsbrüder von der Mehrheit aufs Neue das Restaurant bevölkerten. Die elektrischen Lampen erloschen und senkten sich langsam herab. Der Vorsitz wechselte mehrmals unter dem Präsidenten. Von Zeit zu Zeit erschien die Mehrheit im Saale und lärmte. Aber Antrick ließ sich nicht beirren. Erst um 12 Uhr schloß er seine Rede mit einer sehr wirkungsvollen, strafenden Apostrop;he an die Mehrheit. Begeisterter Beifall aus unseren— und nicht blos aus unseren Reihen— belohnte den tapferen Kämpfer, als er ohne Zeichen von Ermüdung die Tribüne verließ.— Und nun schien es die Mehrheit darauf abzusehen, diesen in der Geschichte des Parlamentarismus ewig denkwürdigen Sessionsabschnitt in ihrer Art würdig zu beschließen. Es erfolgten eine Reihe von Rechtsbrüchen, zu denen zuletzt sogar der Prästdent Graf Balle strem die Hand bot, der solange nicht ohne Erfolg und Geschick die Rolle des Unpartetischen gespielt hatte. Die parlamen⸗ tarische Guollotine arbeitete in erschreckender Weise. Ein Schluß- und ein Tagesordnungsantrag jagte den andern. Die Abstimmungen nahmen ca. 3 Stunden in Anspruch. Natürlich siegte die Verständigungs⸗Mehrheit auf der ganzen Linie. Um 4½ Uhr fand die letzte Abstimmung statt. Das Zolltarif-Gesetz wurde um 4 Uhr 40 Min. Morgens angenommen. it brüllendem Hurrah! begrüßte die Mehrheit das Resultat, die Linke rief ein kräftiges Pfui! dazwischen und verläßt— wenigstens die Sozialdemokratie und die freisinnige Ver⸗ einigung— den Saal, um die unter diesen Umständen wie blutiger Hohn klingenden Weihnachtswünsche des Präsidenten nicht entgegennehmen zu müssen. Die Macher des Hungertarifs gönnen sich nach dieser Anstrengung Ruhe bis zum 13. Jan. Zur Krupp-Affaire. Das Strafverfahren gegen den „Vorwärts“ wegen des Krupp⸗Arxtikels ist eingestellt! Der Berliner Oberstaatsan⸗ walt teilte unserm Zentralorgan am Montag mit, daß er die weitere Strafverfolgung nicht mehr im öffentlichen Interesse liegend erachte, weil Frau Krupp, durchdrungen von der Schuld⸗ losigkeit ihres Gatten, wünsche, daß der Streit um den Verstorbenen zur Ruhe komme und ihr an der Bestrafung der Urheber und Ver⸗ breiter der Gerüchte nichts mehr gelegen sei. Unsere Genossen werden von dieser Nachricht einerseits mit Befriedigung Kenntnis nehmen. Denn an den Artikel des„Vorw.“ und den Tod Krupps knüpfte sich eine Hetze gegen die Sozialdemokratie so schamlos und niederträchtig, wle wir sie seit den Hödel⸗ und Nobiling⸗Atten⸗ taten wohl noch kaum wieder erlebt haben. Jedes Winkelblatt sple seinen Geifer gegen unsere Partei; jedes Amts⸗ und Pfaffenblatt fühlte sich verpflichtet, an dem Falle Krupp die abgrundtiefe Verworfenheit der Sozialdemo⸗ kratie seinen Lesern vorzuführen. Dem Vor⸗ wärtsredakteur stellte man schwere Zuchthaus⸗ strafe in Aussicht und wohl auch mancher Genosse fürchtete ein schlimmen Ausgang der Krupp⸗Affaire für den Vorwärts. Und nun? „Das ist das Ende des Getöses, das künstlich gegen die E ozialdemokratte entfacht wurde“ schreibt unser Zentralorgan.„Wir aber nehmen die Einstellung des Verfahrens mit derselben Gelassenheit auf, mit der wir seine Eröffnung erfuhren. Wir waren auf diesen Ausgang ge⸗ faßt. Er war die einzig mögliche Lösung.“ Dann bedauert der„Vorw.“, das er nicht Ge⸗ legenheit hatte, vor Gericht die Reinheit seiner Motive zu beweisen und sagt, daß er den Fall Krupp um des§ 175 willen er⸗ örtert habe. Erst nach langem Sträuben habe er sich auf Drängen wissenschaftlicher Fachleute zur Publikation entschlossen. Das Bedauern des„Vorw.“, daß es nicht zur Gerichtsverhandlung kam, teilen wir. Es wäre unsern Genossen dann moglich gewesen, bie Wahrheit ihrer Behauptungen vor aller Welt nachzuweisen. Ihre Richtigkeit wird aber auch schon durch die Einstellung des Strafverfahrens zugegeben. Denn wenn man nicht gewußt hätte, daß der„Vorw.“ den Wahrheitsbeweis führen kann, so wäre nie und nimmer das Blatt außer Verfolgung gesetzt worden. Wird nun aber die gegnerische Presse ihre niedrigen Beschimpfungen zurücknehmen? Werden diejenigen Blätter, welche die Genossen vom Vorwärts Verleumder und Mörder titulirten, Abbitte leisten? Es wird ihnen nicht einfallen. Sie werden im Gegenteil weiter frisch drauf los verleumden, in der Hoffnung, daß doch etwas hängen bleibt. Das Volk wird aber hoffentlich darauf die richtige Antwort geben. * Spruch. Wenn Wahrheit ruft nach Zeugen, Doch bang kein Mund das Schweigen zu brechen wagt, Beschäme du die Feigen: Sprich unverzagt. Freiherr v. Wessenberg. Politische Rundschau. Gießen, den 18. Dezember. Wie die Krupp⸗Kundgebungen gemacht werden. Wir haben in der letzten Nummer schon mitgetheilt, daß auf dem der Firma Krupp gehörigen Grusonwerke in Buckau bei Magde⸗ burg, zwei Dreher, Kutzner und Andre entlassen wurden. Selbstverständlich muß⸗ ten die Arbeiter unterschreiben, weun sie nicht mit ihren Familien dem Hunger preisgegeben sein wollten. Die Namen der Arbeiter, die unterzeichnet hatten, wurden dann in der„Magde⸗ burger Ztg.“ veröffentlicht. Das ist aber den Arbeitern vorher nicht gesagt worden. Unter einander haben ste, als sie die Listen zirkulieren sahen, beschlossen sie, feste drauf los zu lügen. Da sie sahen, wie streng darauf gehalten wurde, daß sämtliche Arbeiter unterschrieben, Wider⸗ stand also Hunger und Kälte für sie bedeutete, gaben sie die Parole aus: Es wird gelogen! Gelogen ist es, daß sie es ernst meinten, wenn sie den Satz von den„Verleumdern“ unter⸗ schrieben, gelogen ist es, wenn ste unterschrieben, daß sie„die Frevler verabscheuen“. „Wollt Ihr, daß wir wider unsere Ueber⸗ zeugung unterschreiben— gut, so heucheln wir eben. Das thut schließlich noch nicht so weh wie der Frost und der Hunger!“ Also sprachen alte, ergraute Arbeiter. Ja, unter den ver⸗ öffentlichten Namen befinden sich solche von alten und tüchtigen, ehrlichen Sozialdemokraten, und eine ganze Anzahl Derer, die soeben mit Wut und Groll im Innern die Adresse unter⸗ schrieben, saßen eine Stunde später mit den Vertrauensleuten der sozialdemokratischen Par⸗ tei zusammen, um in ernster Beratung weitere Schritte gegen die Politik der Gewissensknech⸗ tung zu unternehmen. Parteigenossen, die seit 20 und mehr Jahren in der Partei eifrig tätig sind, haben die Adresse unterschrieben und es ist ihnen, als sie das Schlcksal Kutzners und Andres erfuhren, gar nicht einmal schwer ge— fallen, zu heucheln! Die Erregung über die Erpressung der Unterschriften ist unter den Arbeitern ungeheuer. — Zu t der Bochumer„Arbeiter“⸗Kundgebung, die mir in letzter Nr. ebenfalls erwähnten, schrieb unser dortiges Parteiorgan: Zur Ehre der Bochumer Arbeiterschaft kann konstatirt werden, daß bis zur Auflegung des Machwerks auf den Hütten- und Zechenbüreaus auch nicht ein einziger Arbeiter auch nur passiv beteiligt war. Irgend ein Kapi⸗ talistenknecht hat das Schandwerk, das nun von jeder Seite verleugnet wird, zurecht ge⸗ drechselt. Nun sorgt die Hungerpeitsche dafür, daß es Unterschriften bekommt. Die Arbeiterschaft wäre wirklich wert, wie die Hunde behandelt zu werden, wenn sie auf solche Niedertracht bei der nächsten Wahl nicht die rechte Antwort gäbe. daß Hand geri, 800 legte leute en zu brechen nagt, underzagt. Lesenberg. — schau. Eezember. en gemacht immer schon Krupp 9s zu lügen. Aten wurde, „ Wider⸗ Nr. 51. Mitteldeulsche Sonntogs⸗Heiteung. Seite 5. bedeutend vergrößert wurde. Selbstverständlich sind da⸗ bei auch wieder nicht geringe Abschreibungen vorgesehen. Wie man sieht, machen also die Aktionäre ihre Geschäfte, während die Arbeiter unter ewiger Lohndrückerei zu lelden haben. h. Die Annahme des Zolltarifs begrüßte auch das Wetzlarer Amtsblatt mit Jubel und schimpft dabei wie ein Rohrspatz auf unsere Parteigenossen, die verhindern wollte, daß dem arbeitenden Volke von der Junkersippe die Taschen ausgeplündert werden. Ueber⸗ flüssig zu sageu, das der biedere Anzeiger auch mit dem allem Recht ins Gesicht schlagende Vorgehen der Mehr⸗ heitsparteien vollständig einverstanden ist. Er muß es ja, denn er vertritt die Interessen der Beutepolitiker, druckt mit Behagen jeden die Arbeiterklasse beschimpfen⸗ den Schweinburg⸗Artikel nach. Fast in jeder Nummer bringt das Landratsblatt Notizen über die in ver⸗ schiedenen Industriebezirken herrschende Arbeitslosigkeit und den dadurch hervorgerufenen Notstand, bejubelt aber dabei die Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel! Das nennt sich Christentum. * Doktor Burckhardt, der Christlich⸗ soziale Parteisekretär, kritisiert in dem in Siegen erscheinenden Stöckerblatte„Volk“, das von unsern Genossen im fünften nassauischen Wahl⸗ kreise verbreitete Flugblatt. Er giebt sich red⸗ lich Mühe, durch alle möglichen Verdrehungen dessen Inhalt zu widerlegen, er wird aber da⸗ mit bei den Westerwälder Kleinbauern keine Gegenliebe finden. Welcher Art die Waffen sind, die der Herr Doktor dabei anwendet, geht aus folgenden Sätzen hervor: „Einen der hervorragendsten Wohl— thäter der Arbeiter, Krupp, haben ste*) in ein frühes Grab durch gemeine Ver⸗ leumdungen gebracht, und im Reichstag haben sie sich als Gassenbuben aufgeführt und thun es noch. Ein anständiger Arbeiter kehrt dieser Partei doch wohl nun den Rücken, sie hat sich selbst gerichtet.“ Dieser Glanzleistung des frommen Christen halte man den für unsere Gegner kläglichen Verlauf der Krupp⸗Affaire gegenüber! Christlich⸗ sozial ist nicht blos Unsinn, wie jemand gesagt hat, sondern weit Schlimmeres. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. St. Eine öffentliche Parteiversammlung findet diesen Sonntag, den 21. Dez., abends 9 Uhr im Jesberg'schen Lokale statt, in welcher unser Genosse Stadtverordneter Krumm⸗Gießen über:„Die Vorgänge im Reichstage und die Hetze gegen die sozialdemokratische Partei“ referiren wird. Bei dem großen Interesse, welches jeder denkende Arbeiter den jüngsten Ereignissen im deutschen Parlament entgegenbringt, darf ein zahl⸗ reicher Besuch wohl erwartet werden. Die Annahme des Hungergesetzes macht es allen Arbeitern zur Pflicht, Protest gegen die Vergewaltigung durch die Junkerparteien einzulegen. Ist auch das Lokal nicht allzu geräumig (ein Saal steht uns bekanntlich hier nicht zur Verfügung), so sollte dieser Umstand doch niemand abhalten und deshalb muß für uns Alle am nächsten Sonntag Abend die Parole lauten:„Auf, zu Jesberg, in die Versamm⸗ lung“! f — Der Konsum verein Marburg hielt am Samstag Abend bei Jesberg seine diesjährige ordl. Generalversammlung ab, in welcher der Geschäftsführer den Jahresbericht erstattete. Seit Eröffnung der Ver⸗ kaufesstelle, am 1. Mai d, Js. hat der Verein ganz schöne Resultate zu verzeichnen. Trotz der großen Aus⸗ gaben für die Ladeneinrichtung und der üblichen Ab⸗ schreibungen usw. kommt dennoch eine Dividende von 4 Proz. zur Verteilung an die Mitglieder, worüber diese ihrer Befriedigung Ausdruck gaben.. Nachdem noch die Wahl von drei Mitgliedern des Aufsichtsrates, darunter auch eines aus Ockershausen., vollzogen, war, fand noch eine rege Disikussion über viele den Verein berührende Fragen statt. 3 5 — Aufruhr angehender Staatsstützen. Fürchterlichen Skandal verübten in der Nacht vom Sonn⸗ tag zum Montag die Marburger Studenten. Gegen 12 Uhr nachts erschtenen sie wie auf Verabredung in der Zahl von 5-600 auf dem Markwlatze, wo sie mehrere Stunden laug sangen, schrien und lärmten, sodaß es den wenigen Polizeibeamten unmöglich 51 Ruhe zu stiften. Ursache zu dem Krakehl 170 15 Arretirung mehrerer Studenten sein, denen man 115 Handschellen angeletzt habe. Die Sache wird woh 9 gerichtliches Nachspiel haben.— In einer Sitzung de Studentenausschusses wurde beschlossen, gegen die 5 letzter Zelt sich häufenden Uebergriffe einzelner 1 7 leute gegen Studenten bei Rektor und Senat 170 den städt, Behörden Protest und Beschwerde einzulegen. ) Die Sozialdemokraten. ö Wenn die Studenten gegen die Polizei⸗Uebergriffe pro⸗ testiren, so läßt sich dagegen nichts sagen. Was würde aber wohl Arbeitern passirt sein, die derartigen Aufruhr in Szene setzten? — Die Nationalsozialen hielten am vorigen Samstag abend hier eine zahlreich besuchte Protestver⸗ sammlung gegen die Vorgänge im Reichstag, mit Herrn v. Gerlach als Referenten ab, welche auch von einer größeren Anzahl unserer Parteigenossen besucht war. Eine Resolution, welche die Entrüstung der Versammlung über das Vorgehen der Reichstagsmehrheit zum Aus⸗ druck bringt, sowie ein Tadelsvotum für ehemaligen „hessischen Bauernkönig“ Böckel, Abgeordneten für Mar⸗ burg, in sich schließt, gelangte zur Annahme. In der Diskussion ergriff ein Parteigenosse das Wort, der auf den Widerspruch hinwies, den die Nationalsozialen in der Heeresfrage einnehmen, indem sie sich für das von Junkern geleitete Heer, das die Interessen der herr⸗ schenden Klasse schütze, und zugleich für die Arbeiter begeisterten. Im Schlußwort suchte der Referent diese Ausführungen zu widerlegen. Antisemitische Dichtkunst. Ein gottbegnadeter Dichter ist dem Anti⸗ semitismus in Queckborn erstanden. Von Zeit zu Zeit lagert er seine Produkte in Hir⸗ schels Organ in Offenbach ab. In einer alten Nummer desselben stießen wir zufällig auf ein solches, worin der Bauer folgendermaßen an⸗ gedichtet wird: Wenn Du wollst, Du könntest regieren, Du Freier der Luft, des Lichts. Wenn Du wollst, wenn Du wollst, Du ständest Am Ministertisch und erfändest Gesetze, doch Du willst ja— Nichts. Hm, Gesetze„erfinden“ ist ja nicht schlecht; bisher taugten die antisemitischen Erfindungen verteufelt wenig. Der Mann kann sich aber noch zu einem dichterischen Genie entwickeln. Vielleicht entschließt er sich nochmal Dreschgraf Pücklers Reden in Verse zu bringen! Wir möchten ihm dabei raten, sich den Juden Heinrich Heine zum Muster zu nehmen: Weil ich ein Esel, so rat ich Euch, Den Esel zum König zu wählen; Wir stiften das große Eselreich, Wo nur die Esel befehlen! Die Wohlfahrtssirma Krupp. Ein Arbeiter, welcher seit 18 Jahren bei Krupp arbeitet, hatte bei einem Familien⸗ zerwürfniß sich des Hausfriedensbruches schuldig gemacht und erhielt dafür vom Gericht 2 Tage Gefängnis zudiktiert. Diese Strafe genügte jedoch der Wohlfahrtsfirma Krupp nicht, sie warf den Mann auf das Straßenpflaster und nahm ihm so sein wohlerworbenes Recht an der Pensionskasse. Nach zwei Jahren war der Mann unterstützungspflichtig bei eintretender Arbeitsunfähigkeit. Die Wohlfahrtskasse hat nun das Geld, der Arbeiter das Nachsehen. Trifft den Mann jetzt das Unglück der Arbeits⸗ unfähigkeit, dann fällt er der Armenverwaltung zur Last und die Stadt baut dem Wohlthäter Denkmäler!—— Der Mann mag verbrochen haben, was er will, das größere moralische Verbrechen hat die Wohlfahrtsfirma begangen, indem sie einen von der ordentlichen Gerichts⸗ barkeit bereits belangten Sünder noch um seine wohlerworbenen Rechte brachte. Kleine Mitteilungen. * Kind verbrannt. In Bieber wollte sich am Dienstag ein fünfjähriges Kind am Ofen wärmen, wobei seine Kleider Feuer fingen. Sein in der Nähe arbeitender Onkel rettete es vom Feuertode. Doch mußte es schwer verbrannt in die Gießener Klinik gebracht werden. * Große Unterschlagungen und Bücherfäl⸗ schungen hat der Depotverwalter Neßler der Dar m⸗ städter Bank in Berlin verübt und sich dann aus dem Staube gemacht. Die veruntreute Summe wird auf 700,000 Mk. geschätzt. a Fine Kesselexplotion erfolgte am Mittwoch in der chemischen Fabrit Griesheim. Viele glaubten an eine furchtbare Explosion, so daß mancher Arbeiter durch Aus reißen sich in Sicherheit zu bringen suchte. Es war glücklicherweise nicht so schlimm. Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. J. Bei den Gewerbe⸗Gerichtswahlen in München erhielt die Liste der organisierten Arbeiter 9747 Stimmen, diejenige der christ⸗ lichen Arbeiter 1948. Nach dem Proportional⸗ wahlrecht, das in München eingeführt ist, erhalten unsere Genossen 50, die Chrlstlichen 10 Beisitzer⸗Mandate. Wie zu erwarten, brachte auch die Gewerbe⸗Gerichtswahl in Elberfeld unsern Genossen den Sieg. Dort zeigt sich ein auffälliger Stimmenrückgang der christlichen Arbeiter. T Die Weber in Meerane befinden sich noch immer im Ausstand, die profitwütigen Fabrikanten haben sich noch zu keinen Zuge⸗ ständnissen herbeigelassen. Unterstützung thut dringend not. Hoffentlich gehen den Kämpfern auch aus unserm Leserkreise einige Scherflein zum Weihnachtsfeste zu. +Bergarbeiter⸗Ausstand in Ober⸗ schlesten. Aus Beuthen wird berichtet, daß in der Hohenzollerngrube von der 1600 Mann starken Belegschaft sich 750 Mann im Aus⸗ stande befinden. Das ist nicht hübsch von den kaisertreuen Arbeitern, wie es die in Oberschlesien doch wohl ohne Ausnahme sind — nach den Ergebenheits⸗Adressen zu urteilen. Partei-Nachrichten. „Das rote Jahr.“ Unter diesem Titel giebt die Buchhandlung Vorwärts zur Agitation für das kommende Wahljahr eine illustrierte Jahrschrift heraus. Die Illustrationen bringen die siegesbewußte Kampfeslust unserer Partei zum Ausdruck, die Textbeiträge reden in zündender Sprache von den Aufgaben, die unserer Partei im Wahlkampf harren. Der Preis ist 10 Pfg., in Partieen bezogen 5 Pfg. Eine Gemeindevertreter⸗ Konferenz für den Rhein⸗ und Maingau soll am Sonntag, den 28. Dezember im Gewerkschaftshause in Frankfurt statt⸗ finden. Einberufer sind die Genossen Ulrich, Quarck und Dreesbach. Zum internationalen Arbeiter⸗Kon⸗ greß, der am 16. August nächsten Jahres in Amster⸗ dam stattfinden soll, sind dem internationalen Bureau bereits eine Reihe Vorschläge zur Tagesordnung zuge⸗ gangen. Darunter befinden sich: Generalstreik, Auf⸗ hebung der stehenden Heere, Erweiterung des Inter⸗ nationalen Sekretariats, internationale Regeln für die soziale Politik, das Wahlrecht der Frauen, Gewerk⸗ schaften und Politik, Stellung des internationalen Prole⸗ tartats iu den Nationalitätenfragen, die Korrespondenden der sozialistischen Presse im Ausland. Versammlungskalender. Geuossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlungen! Samstag, den 20. Dezember. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Montag, den 22. Dezember. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 91 Versammlung bei Orbig. Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden Mittwoch, Abends ½9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr im„Pfau“. Vriefkasten. Quittung. Für den in Notlage befindlichen Gensssen gingen ein: Sch. i. D. 3.—; B. 1.— Z. B. 0.50. Rst. 0.30. Küfer 1.50. Ungen. i. A. 3.50 Den Gebern besten Dank. Weitere Gaben nehmen die bekannten Stellen geen entgegen. B. Racine. Doll. 1.50 eingangen. Brief folgt demnächst. Gruß! Zur Beachtung! Die nächste Nummer unseres Blattes gelangt Dienstag, den 23. Dezember zur Ansgabe. Die folgende, Nr. 1 1903 erscheint Die stag, den 30. Dez Wir bitten unsere geehrten Inserenten und Spediteure dies beachten zu wolle u. Expd. d. M. SE.⸗Zitg ——— u e —— Mitteldeutsche Sonntags⸗Jeitung Nr. 51. Unterhaltungs-C il. 15 ———ů 2 Um die Weihnachtszeit. Er hatte sehr lange geschlafen; erst um fünf Uhr hatte er sich von dem Diner zurückziehen können und jetzt fühlte er sich etwas zerschlagen nach all den Festlichkeiten der letzten Tage. Besonders die Reden der letzten Tage und ganz besonders die Rede von gestern Abend, die er als Vorsitzender des„Vereins zur Bescherung armer Kinder“ gehalten hatte, lag ihm noch in den Knochen. Und nun beim Frühstückstisch um halb ein Uhr, während der Diener ihm auf einer silbernen Schüssel ein Rumpsteak servierte, mußte er immer noch an die Einzelheiten des gestrigen Abends denken. Dabei blickte er von Zeit zu Zeit nach dem zierlichen Tischchen hin⸗ über, wo die Weihnachtsgeschenke für seine Frau und seine Tochter lagen.„Hm, gar nicht übel,“ dachte er,„Kommerzienrat ist schon etwas!“ Der getreue Diener stellte noch eine Flasche feinen Likörs auf den Tisch und wollte sich scheu zurückziehen, doch hielt ihn eine Frage des kauenden Millionärs an der Tür zurück: „Ist etwas passiert?“ „Ja, ein Werkführer war hier.“ „Was wollte er?“ „Die Arbeiter möchten am Weihnachtsheilig⸗ abend gern zwei Stunden früher aufhören und bitten nun darum, ihnen doch deswegen keinen Lohnabzug zu machen.“ „Einfach ekelhaft, diese unzufriedene Gesell⸗ schaft! Da sind so ein paar Krakehler dabei, die müssen raus!“ Dann spülte der Herr Kommerzienrat seinen Aerger mit einem guten Schlucke hinunter, um dann in geschäftsmäßigem Tone den Bedienten nach den eingelaufenen Zeitungen zu fragen. „Ah, da ist ja auch„Die Woche“!“ Ja: sein eigenes Porträt und daneben das seiner Gattin, als richtiges Vorstandspaar des „Vereins zur Bescherung armer Kinder“. Und mitten drin zwischen den Berühmtheiten des Tages: rechts der Prinz von Siam und links Graf Waldersee. Behaglich schmunzelnd blätterte der Herr Kommerzienrat in dem braunen Hefte. Kunstwerke und Sensationsbilder wechseln re⸗ klameartig auf den großbedruckten Seiten. Plötzlich bleibt der Blick des Herrn Kom⸗ merzienrats auf dem Porträt eines Raubmörders, Lindert, haften. „Lindert?!...“ Der Name kommt ihm so überaus bekannt vor. Der Herr Kommer⸗ zienrat strengt sein Gedächtnis an, bis schließlich ihm Szenen aus seiner Jugendzeit in der Er⸗ innerung auftauchen. Längst begrabene und totgeglaubte Bilder wurden wach, Bilder, die er nun seit nahezu dreißig Jahren vergessen und verwest wähnte. Und er denkt an ein rundes frisches Mädchengesicht und an zwei große, feurige Augen und an zwei runde weiche Mädchenarme. „Magda?... Magda Lindert?...“ Wie alt war doch der Raubmörder? Siebenund⸗ zwanzig Jahre! Ja, das konnte stimmen! Da⸗ mals hatte er Magda verlassen, als sie seiner am dringendsten bedurfte. Und nun war das sein Sohn? Nein, nimmermehr! Er muß sich täuschen! Er muß noch einmal nachsehen! Genau nach⸗ sehen! Alle Züge dieser flüchtig hingeworfenen Skizze studieren. Und nun stellt sich der Herr Kommerzienrat in seiner ganzen Größe vor den prächtigen Säulentrümeaux und studiert genau Zug für Zug seines eigenen Gesichts und ver⸗ gleicht diese Züge mit den Linien des Bildes. Ja, richtig, das sind seine eigenen Züge, das ist die markante Linie von den Nasenflügeln nach den Mundwinkeln hin— das sind dieselben in der obern Muschelpartie eigentümlich ge⸗ formten Ohrläppchen! Also doch sein Sohn!. Kommerzienrats ein Raubmörder?... .. Der Sohn eines Wie gut nur, daß ee nicht seinen Namen trug!— Ob Magda wohl noch lebte?... Der Herr Kommerzienrat betrachtet noch einmal in dem großen Spiegel sein um noch einige Grade fahler und grauer gewordenes Gesicht. Dann wischt er sich mit dem feinpar⸗ fümierten Taschentuch die kalten Schweißperlen von der Stirn.„Ich muß doch einmal nach⸗ sehen, wie groß der Betrag war, um die er die Tat beging.“ Der Herr Kommerzienrat blättert wieder, nur etwas nervöser in dem braunen Hefte. Richtig! Da war wieder das Bild. Und nur mnie fünfundzwanzig Mark waren es ge⸗ wesen! Fünfundzwanzig Mark! Wie lächerlich! Um so eine Bagatelle so etwas zu thun! Der alte, im Dienst ergraute Bediente steht noch immer an der Tür. Er hat kein Auge von seinem Herrn abgewendet. Er kennt manches seiner Geheimnisse. „Sie sind noch immer da?“ Der alte Diener will gehen. „Sonst ist nichts weiter eingelaufen? Nichts mit der Post?“ „Jawohl, ein Brief!“ Und der Diener über⸗ re icht dem Herrn Kommerzienrat auf einer silbernen Platte den Brief. Dieser erbricht ihn in nervöser Hast. Hatte er es doch geahnt!... Ja, er war von ihr!... Und nun las er hastig mit rotem Kopfe und hervorquellenden Augen: eine lange, engbe⸗ schriebene Anklage... Und er las den Brief zum zweiten und zum dritten Male Der alte Diener hatte sich unbemerkt zurück⸗ gezogen. An dem Benehmen des Kommerzien⸗ rats erriet er, daß es sich um mehr als um etwas Alltägliches handelte.. Mit dem zerknüllten Schreiben in der ge⸗ ballten Hand saß der Kommerzienrat und starrte wie abwesend in die Dämmerung hinaus. Erst als draußen die Weihnachtsglocken zu läuten begannen, raffte er sich auf und warf das anklagende Schreiben in das knisternde Kaminfeuer. Dann ging er hinein in den Salon, um sich an der Weihnachtsbescherung zu be⸗ teiligen. Um dieselbe Zeit aber hatte eine alternde, gebeugte Frau, deren Sohn man des schwersten Verbrechens bezichtigte, ihren Wohnort verlassen und war hinausgezogen, wie von Ekel und Schande gepeitscht, auf die Landstraße, jene Heimat Tausender, die ein unstätes Leben führen oder führen müssen. Sie wollte nach einer Stadt, wo sie Niemand kannte und wo sie viel⸗ leicht doch noch irgendwelche Verwendung für ihre arbeitsharten Hände finden könnte. Die Straße lag öde und verlassen da. Hin und wieder nur halbverwehte Fußspuren im frischen Schnee. Alles lag eingehüllt in ein silbernes blendendes Weiß. Nur die Pappelu starrten schwarz und kerzengerade in zwei schnurgeraden Linien in den nächtlichen Winter⸗ himmel hinein. Langsam und allmählich kam sie nur vorwärts. Der Wind kam von Norden und wehte ihr unbarmherzig seine harten Flocken ins Gesicht. So pilgerte sie in eine unbekannte Zukunft hinein in eine neue Wüste Und immer schwerer schleppen sich ihre müden Füße vorwärts. Sie mußte ein wenig verpusten. Mit ihren harten Händen strich sie ein paar Male langsam über Stirn und Augen, gleich als ob sie die ganze Vergangenheit fortwischen wollte. Dann stand ste schwerfällig auf. Die Minute Rast war ihr wie eine Ewigkeit er⸗ schienen. Langsam ging es weiter mit den steifgefrorenen Füßen ins gewisse hinein!— Und der Winterschnec in sie her lag weiß und unerforschbar wis vas waurige Rätsel ihres eigenen Lebens. Der Herr Kommerzienrat hatte seine salbungs⸗ volle Ansprache beendet; ei ge Male hatte zwar, was bei ihm sonst niemals vorkam, seine Rede gestockt. Aber bald hatte er ueber den„richtigen warmen Ton“, den man an ihm so schätzte, gefunden. 5 Ein interessanter Briefwechsel. Folgende belustigende Korrespondenz zweier Amtsstellen veröffentlichten neulich die Münchener Neuesten Nachrichten: I. Wohllöbliches Schultheißenamt in P. ersuche ich geziemend, zum Behufe der Fest⸗ stellung der Sterblichkeitsverhältuisse mir gefl. mitteilen zu wollen, wie viel von den dortigen Einwohnern jährlich sterben mögen. Mit Achtung ꝛc. Ri 1. Appit Oberamtsarzt Dr. S. Auf Vorstehendes hat unterzeichnete Stelle zu bemerken, daß von den hiesigen Einwohnern, so viel bekannt, Keiner sterben mag. Sich damit ꝛc. P. 3. April. Schultheißenamt A. II. Wohllöbliches Schultheißenamt in P. scheint meine Anfrage in Betreff der Sterb⸗ lichkeit mißverstanden zu haben. Ich wünschte eigentlich zu wissen, wie viele der dortigen Einwohner jährlich sterben können, worüber gefälliger Auskunft entgegensieht. R., 4. April. Oberamtsarzt Dr. S. Auf Vorstehendes hat das unterfertigte Schultheißenamt die Auskunft zu geben, daß von den hiesigen Einwohnern möglicherweise alle sterben können. Sich damit ꝛc. ꝛc. „ eil Schultheißenamt A. III. Wohllöbliches Schultheißenamt in P. wolle gefl. einfach hierher berichten, wie viele der dortigen Einwohner im verflossenen Jahre gestorben sind. R...„ 8. April. Oberamtsarzt Dr. S. In fraglicher Sache ist sich an das k. Pfarr⸗ amt dahier zu wenden, wo derlei Vorkommnisse aufgeschrieben werden. Sich damit ꝛc. P., 10. April. Schultheißenamt A. IV. Königliches Pfarramt in P. erlaube ich mir gefl. um Auskunft darüber zu bitten, wie viele der dortigen Einwohner im vorigen Jahre gestorben sind. Achtungsvoll ꝛc. R., 11. April. Oberamtsarzt Dr. S. Im verflossenen Jahre sind hier des Todes verblichen 22 Seelen und 1 Leineweber. P., 12. April. Pfarramt M. D. Splitter. Ach, zwei Wünsche wünsch' ich immer, Leider immer noch vergebens, Und doch sind's die innig⸗frömmsten, Schönsten meines ganzen Lebens: Daß ich alle, alle Menschen Könnt mit gleicher Lieb' umfassen, Und daß ein'ge ich von ihnen Morgen dürfte— hängen lassen. A. Glasbrenner. Humoristisches. Der„Simulant““. Stabsarzt(bei einer Frühvisite im Lazarett die Meldungen des Lazarett⸗ gehilfen entgegennehmend):„Was giebt's Neues?“ Lazarettgehilfe:„Nichts, Herr Stabsarzt! Nur der gestern eingebrachte Simulant ist die Nacht ge⸗ storben!“. Zarter Wink. Kastellan(auf dem Korridor zu den Fremden, die das Schloß besichtigt haben): „Meine Herrschaften, es ist hier etwas dunkel! Stoßen Sie sich nicht an der Trinkgeldbüchse, bie neben der Tür hängt!“ 9 Aus dem Tierleben:„Der Storch ist ein Preuße. Dies beweisen: sein großer Schnabel, die schwarz⸗weiße Farbe, und drittens, wenn er im Norden nichts zu fressen hat, zieht er nach dem Süden.“ (Simpl.) —r———— re Geschichtskalender. 21. Dezember. 1900: Urteil im Sternberg⸗ Prozeß. 1895: Russ. Sozialist Stepniak in London überfahren. 22. 1900: Selbstmord des Berliner Polizei⸗ Direktors Meerscheidt⸗Hüllesem(Sternberg⸗Prozeß). 1882 Arends, Stenograph, f. 23. 1863: Deutsche Bundestruppen in Holstein. 1732: Arkwright(engl. Mechaniker, Erfinder der Spinnmaschine)*. 24. 1886: Massenausweisungen aus Frankfurt a. M. 1524: Seefahrer Vasco de Gama, f. *= geboren;= gestorben I D — 4 keit alle Anerkennung Nr. 51. 8 Mitteldeutsche Sonutass⸗Zestung. Seite 3. Lohn für Katzbuckelei. Dem Sprecher der Breslauer Arbeiter⸗ „Deputation“, Vorschmied Klammt ist vom Kaiser eine goldene Busennadel mit Brillanten verliehen worden. Den Mann will man übrigens bei der nächsten Wahl als Arbeiter⸗ und Orduungskandidaten aufstellen. In Breslau können die Gegner sich nur eine Blamage damit holen; sie werden auch dort eine Vermehrung der ca. 30000 sozialdemo⸗ kratischen Wahlstimmen erleben.— Weiter wird mitgeteilt, daß in einer der betheiltgten Fabriken alle Arbeiter, die sich zur Unterzeich⸗ nung der Spalierbildungs⸗ und Huldigungs⸗ listen bereit gefunden hatten, nachträglich je zwei Zentner Kohlen geschenkt erhielten. Ob sich dadurch die Arbeiter ihre Ueberzeugung abkaufen ließen, werden ja die Wahlen beweisen. Wir glauben es nicht. Der Sohn des Vaters. In der heutigen Zeit der Ergebenheits⸗ und Dankadressen mußten auch Arbeiter in Oels in Schlesien zu einer solchen an den Kronprinzen, der dort ein Schloß besitzt, ihre Unterschrift geben. Darauf antwortete der Kronprinz: „Es ist mir eine aufrichtige Freude gewesen, daß sich viele Arbeiter meiner lieben Stadt Oels der Be⸗ wegung angeschlossen haben, die heute überall durch die deutschen Lande geht. Ihr beweist dadurch, daß keine Gemeinschaft zwischen Euch und jenen Elenden be⸗ standen hat, oder je bestehen wird, die gewagt haben, einen deutschen Mann an seiner Ehre anzutasten und daß Ihr gesonnen seid, treu zu Eurem Kaiser und Vater⸗ lande zu stehen.“ Wenn der junge, 20 jährige Mensch, der von der Not des Volkes keine Ahnung hat, dessen gutes Leben die von ihm Angegriffenen durch ihre Steuergroschen mit ermöglichen helfen müssen, glaubt, durch solche Reden seine Popu⸗ larität zu steigern, dürfte er sich gründlich auf dem Holzwege befinden. Richtige Antwort auf Ergebenheits⸗ Adressen. Daß die Arbeiter nicht daran denken,„das Tischtuch“ zwischen sich und der Sozialdemo⸗ kratie zu zerschneiden, beweist der Ausfall der Gewerbe⸗Gerichtswahlen in Düsseldorf. Dort gab es noch bei jeder Wahl heftigen Kampf um die Mandate der Arbeitnehmerbei⸗ sitzer. Das letzte Mal fielen sie noch den Christlichen zu; diesmal siegten glänzend die Sozialdemokraten. Bravo! Ein schmeichelhaftes Urteil über die Sozialdemokratie fällte dieser Tage der greise Gelehrte Theodor Mommsen, der sich zur freis. Volkspartei zählt, in einem Artikel in der„Nation“. Er bespricht in diesem Artikel die Rechtsbrüche im Reichstage, kritistert scharf die Kaiserreden und sagt dann über die Sozialdemokratie: „Ich bin nie Sozialdemokrat gewesen und gedenke auch nicht, es zu werden, aber es ist leider wahr, zur Zeit ist dies die einzige große Partet, die Anspruch hat auf politische Achtung. Von dem Talent ist es nicht nötig zu reden. Jedermann in Deutschland weiß, daß mit einem Kopf wie Bebel ein Dutzend ostelbischer Junker so ausgestattet werden könnten, daß sie unter Ihresgleichen glänzen würden. Die Hingebung, die Opferbereitschaft der sozialdemokratischen Massen imponiert auch dem, der ihre Zwecke nichts weniger als teilt. An der Disziplin der Partei, deren ungeheure Schwierigkeiten uns ihre Parteitage drastisch vor Augen führen, könnten namentlich unsere Liberalen sich ein Muster nehmen“ 5 Weiter ermahnte Mommsen die Liberalen in ihrem eigenen Interesse bei den Wahlen lieber die Sozialdemokraten anstatt die Konservativen zu unterstützen. Auf diese Unterstützung wird sich nun allerdings die Sozialdemokratie nicht verlassen. Mommsens Freimut verdient aber in der heutigen Zeit bürgerlicher Waschlappig⸗ ETozialdemotratische Wahlerfolge. Bei den Bürgerausschußwahlen in Stutt⸗ gart siegte der demokratisch⸗sozialistische Zettel. Gewählt wurden sechs Volksparteiler, drei Sozialdemokraten, zwei Parteilose end vier Kandidaten der vereinigten Rechten. Mit dieser Wahl besitzt die Volkspartei mit der Sozialdemokratie zusammen wie im Gemeinde⸗ rath die Mehrheit.— In den elsässischen Lan⸗ desausschuß wurde zum ersten Mal ein Sozial⸗ demokrat, Genosse Em mel⸗Mülhausen gewählt. — Bei Bremer Bürgerausschußwahlen er⸗ oberte unsere Partei 11 Mandate. Im Ganzen befinden sich 19 Genossen in dieser Körperschaft. Eine Reichstagsersatzwahl. Im schlesischen Wahlkreise Liegnitz war infolge des Todes des bisherigen Abg. Kauff⸗ mann(freis.) eine Ersatzwahl notwendig, die am Donnerstag(11.) vorgenommen wurde. Dabei erhielten Stimmen: Der Freisinnige Pohl 7576; unser Genosse Bruhns 6473; der Konservative Röhricht 6300. Im Jahre 1898 zählte man in diesem Wahlkreise 7215 socialdemokratische, 9092 freisinnige, 6866 kon⸗ servative und 614 Centrums⸗Stimmen. Es verloren also alle Parteien Stimmen, die Sozialdemokratie die wenigsten. Es ist Stichwahl zwischen Freisinn und Sozialdemo⸗ kratie erforderlich, in welcher sicher der Frei⸗ sinnige gewählt wird. Wenn„Ordnungs“leute die Gemeinde verwalten. In Mülhausen, der oberelsässischen In⸗ dustriestadt, verfügen unsere Parteigenossen seit den Neuwahlen im Sommer dieses Jahres über eine knappe Mehrheit im Gemeinderat. Sie lösten damit die klerikal⸗liberale Kommunal⸗ wirtschaft ab, die seither unbestritten die Geschicke Mülhausens gelenkt hatte. Einer der ersten Schritte der neuen Mehrheit war die Einsetzung eines Berufsbürgermeisters mit entsprechender akademischer Vorbildung auf den bisher im Ehrenamt verwalteten Burgermeisterposten. Der neue Gemeindevorsteher, Regierungsrat Dr. Kayser, hatte bereits in seiner früheren Stellung in Colmar als Bearbeiter der Gemeinde⸗Ange⸗ legenheiten im Bezirkspräsidium des Oberelsaß Gelegenheit, Einblick in die Mülhauser Kom⸗ munalverwaltung zu nehmen und hatte dabei gefunden, daß dort eine äußerst bedenkliche Schlamperei herrsche. Nach seiner Wahl zum Gemeindeoberhaupt Mülhausen machte er sich, unterstützt von der neuen sozialistischen Mehrheit, alsbald an die Untersuchung der bestehenden Zustände und legte das Ergebnis derselben dem Gemeinderat dieser Tage in einer Denk⸗ schrift vor. Der Inhalt derselben bedeutet für die frühere klerikal⸗liberale Gemeindewirtschaft ein geradezu vernichtendes Urteil. Die bisherige Organisation des Bürgermeisteramtes wird in der Denkschrift als„unhaltbar und jeden geordneten Geschäfts⸗ gang ausschließend“ bezeichnet und dabei u. A. die fast unglaubliche Tatsache festgestellt, daß das bei jeder geordneten Verwaltung übliche Tagebuch, in welches die einlaufenden und abgehenden Schriftstücke eingetragen werden, auf dem Mülhauser Rathause bis in die neueste Zeit vollständig fehlte. Der Gemeinderat übergab das schlimme Ergebnis der Untersuchung einer Kommission, die nach langer und eingehender Beratung in einem Berichte die zahlreichen vorhandenen Mißstände aufzählte. Es herrschte mit einem Wort fürchterliche Mißwirtschaft. Die Bepöl⸗ kerung empfindet es wie eine Erlös g, daß die Sozialdemokraten entschlossen ud, den Stall auszufegen, was allerdings viel Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen wird.„Dabei wissen unsere Gegner immer die Unfähigkeit zur Lösung praktischer Aufgaben zu schimpfen. Gepanzerte Faust in Venezuelo. Mit der südamerikanischen Republik Vene⸗ zuela ist das deutsche Reich in Streit geraten und hat deshalb Panzerschiffe dorthin geschickt, kriegen anerkennen. Das zu erzwingen, geht Deutschland mit England gemeinsam vor. Für das deutsche Volk wird natürlich bei dem Rummel gar nichts herausspringen. CC Ä Hessisches. Hessischer Landtag. Am Dienstag hielt die Zweite Kammer eine kurze Sitzung ab. Es erfolgte zunächst die Vereidigung des Abgeordneten Orb(Offenbach⸗Land). Nach der Beratung der„Dankadresse“, während welcher unsere Genossen nicht anwesend waren, auf die Tronrede wird der Gesetzentwurf betreffend die Fürsorge für Beamte, die Betriebsunfälle erlitten haben, mit einem Zusatzantrag des Abg. Reh, wonach auch die Gemein de⸗ beamten, soweit sie nicht in einer reichsgesetzlichen Unfallversicherung stehen, der Staatsfürsorge unterstellt werden sollen, einstimmig angenommen. Zwei weitere Regierungs vorlagen, Nachtrags⸗ forderungen zu den Kriminalkassen und die Aenderung des Gesetzentwurfs, die Erhebung der direkten Steuern betr., werden ohne Debatte genehmigt Darauf vertagt sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. Gießener Angelegenheiten. „Unser“ Abgeordneter, der Ur⸗Teutone Köhler, Bürgermeister von Langsdorf, überraschte„seine“ Wähler am Montag mit einer feierlichen Prokla⸗ mation. Diese schrieb er im Reichstag Sonntag in aller Herrgottsfrühe nieder, jeden⸗ falls, weil er vor Langweile nicht mehr wußte, was er treiben sollte.„Die Gießener sollten auch mal was von mir hören“ wird er sich gesagt haben und verkündete, daß der Zolltarif ein Verrat am deutschen Bauernstande sei, dem er den„allerverderblichsten Schaden“ zufüge, und daß er, nämlich Köhler, nebst seinen Mit⸗Antesemiten dagegen gestimmt habe. Schließlich setzte er den Beginn eines neuen Bauernkrieges auf den 14. Dez. 1902 fest und dann sandte er das epochemachende Schrift⸗ stück an das Gießener Amtsblatt. Mit Fleiß studirten es Montag Abend dessen Leser. Viele schüttelten den Kopf, andere waren so unverschämt über den ernsten und feierlichen Brief ihres Volksvertreters zu lachen. Und das waren die meisten! Na, mögen die Frevler lachen! Jetzt soll aber einer auftreten, der da sagt, Köhler wäre nie im Reichstage gewesen, sofort wird ihm der vom Reichstage 14. Dez. 1902 morgens ½5 Uhr datirte Brief unter die Nase gehalten. 8 In gelungener Weise verzeichnet unser Offen⸗ bacher Parteiorgan diesen Aktus. „Als kerndaitscher Mann, als„freier Franke“ sagt es, hat Herr Köhler einen unüberwind lichen Ekel vor dem großen Wendendorf Berlin. Gewiß hat der Langs dorfer Bürgermeister auch nicht ganz so Unrecht, wenn er sich sagt, aich bleib derham, dann vertret aich mei Gäißer Wähler besser, als wenn aich mich unner die „Jidde un Junker“ in Berlin mische. Aber in der Nacht zum vorigen Samstag schlug dem Volksvertreter doch das 7 Mk. 50 Pfg.⸗Zoll⸗ Gewissen, und er gondelte vom hessischen Langs⸗ dorf nach dem Wendendorf an der Spree. Aber erstaunt musterte ihn der Portier, der im Reichstag an der Pforte zur allerheiligsten Zollwucherstube Wache hält. Soeben hatte der treuer Hüter kopfschüttelnd ein halbes Dutzend feister Pfäfflein passieren lassen, die er noch niemals gesehen hatte, die aber als gute Christen 14 Tage vor Weihnachten gekommen waren, den Armen Brod und Fleisch verteuern zu helfen. Nan aber, als der nie dagewesene „Vertreter“ für Gießen⸗Grünberg⸗Nidda auf der Bildfläche erschien, wurde dem Portier die Geschichte doch bedenklich. Ei, zum Donner⸗ wetter, sagte er sich, da kommt schließlich Hinz und Kunz, markirt den Abgeordneten und stimmt für die Müller und Schulze, die hier kein Mensch kennt. Er fragt also den Unbe⸗ kannten:„Was wollen Sie hier, wer sind Sie?“ die auch bald zu schießen anfingen. Venezuela soll deutsche Forderungen aus den letzten Bürger⸗ „Aich, wer aich sein? Aich sein der Borge⸗ master von Langsdorf.“ 0 0 — 1 1 0 U f 0 g 4 l 6 3 d a f E g m m A B H . ve G. Seite 4. * Mitteldentsche Sonntvas⸗Zeitung. „Ja, hier ist aber keine Gemeinderatssitzung, hier ist der deutsche Reichstag versammelt. Hier haben nur Abgeordnete Zutritt.“ „Jo, was glaabe Se dann? Aich sein aach Abgeordneter. Aich sein der Vertreter für Gäiße, Philipp Köhler, Borgemaster von Langs⸗ dorf; alleweil mache Se mol Platz; aich will mit den Junkern gegen die Kommissionsvorlag stimme, die Sätz sein m'r zu niedrig.“ Damit war der Vertreter des 1. hessischen Wahlkreises in der großen Trödelbude und stimmte und stimmte die ganze Nacht durch. Früh morgens gegen ½5 Uhr aber setzte er sich hin und schrieb dem Gießener Anzeiger einen Schreibebrief an seine Reichstagswähler, in dem er auseinandersetzt, daß mit dem 14. Dez. 1902 der Bauernkrieg des 20. Jahrhunderts begonnen habe, weil die angenommenen Zollsätze für die Landwirtschaft zu niedrig sind. Daß das seine Wähler einsehen werden, hofft be⸗ stimmt— der Borgemaster von Langsdorf.“ — Der schlichte Mann aus der Werkstatt als Vertreter der Arbeiter im Reichstage, der seit der Breslauer Kaiserrede im Vordergrunde des Interesses steht, ist auch das Ideal des„Gieß. Anzeigers“. Wenigstens schreibt er in diesem Sinne; es mag ja fraglich sein, ob die Redaktion wirklich von dem kaiserlichen Gedanken so begeistert ist— aber ein Amteblatt muß den von oben verkündeten Ansichten, nicht seinen eigenen, Aus⸗ druck geben. Trotzdem gestatten wir uns, kurz unsere Meinung zu den anzeigerlichen Aus⸗ führungen vom Montag über diesen Gegenstand zu sagen. Wenn das Amtsblatt z. B. erzählt: „Auch in der sozialdemokratischen Arbeitermasse hat sich schon häufig das Verlangen geltend gemacht, mehr als bisher von wirklichen Ar⸗ beitern vertreten zu sein“, so möchten wir wirk⸗ lich wissen, woher ihm die Wissenschaft kam. In der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sind zwei Drittel der Abgeordneten Arbeiter, diese sind in unserer Partei bedeutend stärker als in den bürgerlichen Parteien im Reichstage vertreten. Jeder Arbeiter weiß auch, daß seine Interessen eben nur von der sozialdemokratischen Partei gewahrt werden und es ist heller Unsinn, wenn der Anzeiger schreibt:„Fest steht, daß die Arbeiter keine schlechtere Vertretung ihrer Interessen haben können, als sie dieselbe zur Zeit besitzen. Denn die Sozialdemokratie hat gegen all die Vorlagen agitiert und gestimmt, die jährlich Tausende und Tausende von Mark in der Form von Alters-, Invaliditäts⸗ und Unfallrenten ꝛc. in die Arbeiterkreise hinein⸗ bringen.“— denen man vorher das Zehn⸗ fache in anderer Form abgenommen, hätte der Artikelschreiber des Amtsblattes hinzufügen sollen, dann wäre er der Wahrheit etwas näher gekommen. Es erübrigt sich, den tausendmal aufgewärmten ordnungsparteilichen Kohl zu widerlegen. Aber die Kreisblätter sollten sich nicht so auffällig um die Vertretung der Ar⸗ beiter⸗Interessen bemühen, von ihnen sieht das zu verdächtig aus; sie sollten das vielmehr den Arbeitern selbst überlassen. — Die Gießener Aktienbrauerei hat kürzlich bei dem großen Ordens- und Titelsegen den Titel„Hoflieferant“ erhalten. Wir geben nichts auf derartige Titel. Die Aktienbrauerei würde aber eine Auszeichnung verdienen, wenn sie dafür sorgen wollte, daß die Ar beitsverhältnisse in ihrem Betriebe besser sind, als anderswo. Darin steht sie aber bisher in vieler Beziehung hinter den übrigen Brauereien zurück. — Hochwasser ist infolge des plötzlichen Tauwetters in mehreren Flußgebieten einge⸗ treten. Auch der Wieseckvach ist bedeutend an⸗ geschwollen und ihre Wassermassen stören die Kanalisationsarbeiten an der Bahnhofstraße recht empfindlich. — Lehrjahre sind nach Sprüchwort ja leine Herrenjahre; deswegen braucht man aber doch die Vehrbuben nicht unmenschlich zu mal⸗ trätieren. Dienstag früh entstand vor dem Laden des Bäckermeisters Löber in der Wall⸗ thorstraße ein Menschenauflauf. Veranlassung war, daß dort ein Lehrling oder Hausbursche fürchterlich verprügelt und hinaus geworfen wurde. Das soll dort öfters vorkommen. — Die Weihnachtsnummer des „Wahre Jakob“, die soeben 12 Seiten stark zur Ausgabe gelangt, weist große Reich⸗ haltigkeit sowohl bezüglich des Textes wie der Illustrationen auf. Wir empfehlen den Genossen ihre Anschaffung; der Preis beträgt wie immer, 10 Pfg. Aus dem Rreise gießen. — Die Volksversammlungen, die am Samstag und Sonntag in Wieseck, Lich und Kleinlinden von unserer Seite anberaumt waren, nahmen überall den besten Verlauf. Der Besuch ließ in letzteren beiden Orten, aller⸗ dings zu wünschen übrig; der vorletzte Sonntag vor den Feiertagen ist auch zu Versammlungen nicht besonders günstig. Die Wiesecker Ver⸗ sammlung war Jag gut besucht und nahm die trefflichen Ausführungen des Genossen Schetdemann beifällig auf. Redner bemerkte eingangs, der Kaiser habe neulich gesagt, die sozkaldemokratischen Agitatoren knechteten die Arbeiter und beuteten ste aus. Nun, er werde heute Abend Wieseck wieder verlassen, ohne daß jemand ihm e nachsagen könne. Das tue überhaupt kein Sozialdemokrat. Vor Wieseckern brauche man darüber keinen Nachweis zu führen, die wüßten selbst, wie ungerechtfertigt jener Vorwurf ist.— Betrachten wir lieber einmal die Zustände im Reich! Sie sind traurig und werden schlimmer. Wir sind aber selbst mit schuld. Seit 3 Jahrzehnten haben wir das allgemeine Wahlrecht, trotzdem haben die Gegner im Reichstage die Mehrheit. Daran sind wir, die Arbeiter schuld. Zwar 10 Wlesecker haben immer ihre Schuldigkeit getan! Diese Reichstagsmehrheit bewillsgt alles: Soldaten, Kanonen, Schiffe und jetzt munkelt man schon wieder von der Vermehrung der Kavallerie, obwohl, wie militärische Autori⸗ täten bestätigen, diese Waffe im Kriegsfalle nur geringen Wert hat. Diese Bewilligungen leistet aber die Mehrheit nicht umsonst. Sie will Gegenleistung für ihre Bereitwilligkeit; die Kosten muß natürlich das Volk tragen. Diese Gegenleistung ist der Zolltarif, der dem Volke alle Lebensmittel und ausländische Pro⸗ dukte verteuert. Ueber den Tarif gerieten sich die Volksausplünderer zunächst in die Haare. Agrarier verlangten hohe landwirtschaftliche, Industrielle hohe Industriezölle. In der Kom⸗ mission, der man sogar Diäten zahlte, ging der Kuhhandel los. Einmal über das andere erklärte die Regierung: der Tarif ist völlig unannehmbar! Selbstverständlich erklärten un⸗ sere Genossen, sie werden alles tun, um das Volk vor diesen Tarif zu bewahren. Es solle durch die Wahlen selbst darüber entscheiden! Da begann das Geschrei über Obstruktion. Und in diesen Tagen, wo man die sogenannte Obstruktion zum Vorwand für die unerhörtesten Rechtsbrüche, für die Vernichtung der Ge⸗ schäftsordnung nahm, zeigte sich das„lieberale“ Bürgertum, besonders der große Freisinnsmann Eugen Richter nebst Anhang in seiner ganzen Waschlappigkeit. Unsere Leute taten ihre Pflicht. Mußten sie nicht reden, wo die Junker⸗ und Pfaffensippe diese tief in das wirtschaftliche und Erwerbsleben des Volkes einschneidende Vorlage einfach ohne Debatte erledigen wollte? Sie ließen sich nicht durch das wüste Geschimpfe der agrarischen und„christlichen“ Presse von ihrer Pflicht abhalten. Namentlich an unsern Genossen Singer, pflegen die kapttalistischen Soldschreiber aller Sorten ihre Wut auszu⸗ lassen, ihn zu verdächtigen in jeder Weise. Darin leistete der„Bieß. Anzeiger“ ebenfalls sein Teil. Singer verdient unsere Hochachtung. Wir wissen, daß dieser Genosse ganz bedeutende Opfer für seine Ueberzeugung und für die Ar⸗ beiterklasse gebracht hat. Einen solchen Mann würden die bürgerlichen Parteien mit offenen Armen aufnehmen! Redner kommt dann auf die Rede Kröchers zu sprechen, die zeige, welche Anschauungen in den Junkerkreisen herrschen. Man will eben die ohnehin geringen Volksrechte noch mehr einschränken, man möchte das Reichs⸗ tags⸗Wahlrecht beseitigen! Ueber die Kaiser⸗ reden kann man nichts sagen. Wir müssen uns angreisen, Werber, vaterlandslose Gesellen nennen lassen; wenn wir aber antworten, fliegen wir ins Loch! Nun, trotz des Zolltarifs sind doch noch immer die Gedanken zollfrei! Als Mörder könnte man vielleicht diejeuigen bezeich⸗ nen, welche durch den Zolltarif die Lebens⸗ haltung des Volkes herabdrücken, wodurch sich Krankheit und Verbrechen vermehren. Wo ist der Arbeiter, der„gesicherte und gute Existenz bis ins Alter“ hat? Sollen die 33 Pfennig Altersrente pro Tag etwa eine solche darstellen? Unsere Partei will in Wirklichkeit eine gute und gesicherte Existenz für Jeden schaffen und sie handelt bet diesem Bestreben patriotisch im bestem Sinne! Stärken wir darum die sozialdemokratische Partei! Der Zolltarif zwingt die Arbeiter mehr zu bezahlen; auch die Arbeiter, welche für politische und gewerk⸗ schaftliche Organisation keinen Pfennig zahlen wollten. So rächt sich die Gleichgiltigkeit der Arbeiter! Ziehen wir eine Lehre daraus, sorgen wir für festen Zusammenschluß, damit im Sommer zu den Wahlen die Reaktion niedergeworfen wird! Lebhafter Beifall folgte den trefflichen Aus⸗ führungen, denen die Genossen Krumm und Vetters noch einiges hinzufügten. Dann gelangte folgende Resolution zur einstimmig en Annahme: „Die heutige gutbesuchte Volksversam mlung erklärt den Zolltarif für eine unerhörte Schädigung und Aus⸗ beutung des arbeitenden Volkes und protestirt dageg en mit aller Entschiedenheit. Sie spricht der sozialdemo⸗ kratischen Reichstagsfraktion für ihr Vorgehen ihren Dank und Anerkennung aus. Sie erklärt weiter, dem Rate des Kalsers, der Sozialdemokratie den Rücken zu kehren, nicht zu folgen, sondern bei den Reichstags⸗ wahlen für den Sieg der soztaldemokratischen Partei wirken zu wollen.“ Schließlich forderte der Vorsitzende Genosse Dech noch zum Anschluß an den soz.⸗dem. Wahlverein auf, wonach die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen wurde.— Die Versammlung in Lich am Sonntag nahm Scheidemanns Rede ebenfalls mit großem Beifall auf. Lebhafte Zustimmung fand auch Genosse Vetters in der Versammlung in Kleinlinden. In diesem Orte wird übrigens bald nach Neujahr eine weitere Ver⸗ sammlung stattfinden. Aus dem Rreise sriedberg⸗Püdingen. — Der Wahlprotest gegen die Wahl Damms, der aus Friedberg im Landtage ein⸗ gelaufen ist, wird damit begründet, daß während der Stimmenzählung das Wahllokal ver⸗ schlossen gewesen sei, während das Gesetz Oeffentlichkeit der Wahlhandlung vorschreibe. Es wird daher die Ungültigkeitserklärung der Wahl Dauwms beantragt. Wir glauben kaum, daß die Anhänger des durchgefallenen Ober⸗ justizrats Jöckel mit ihrem Proteste durch⸗ dringen werden. Aus dem Nreise Wetzlar. t. Vierter Klasse. Wer genztigt ist, auf der Eisenbahn vierter Güte zu reisen, darf nicht sehr empfindlich sein. Er muß sich in den meisten Fällen drängen und stoßen lassen, denn in die Wagen der vierten Klasse zwängt man die Menschen ein, als wenn sich's um Verladung von Schafen handelte. Und wie siehts oft in punkto Reinlichkeit aus! Ein besonders eleganter Wagen zur Personen- Beförderung ist der auf der Strecke Wetzlar⸗Lollar verkehrende Nr. 6060. Lange Risse in Türen und Wänden lassen den eisigen Wind ungehindert durch, das hat allerdings insofern sein Gutes, als dadurch der Kohlendunst des Ofen hinaus⸗ gejagt wird— die Wärme natürlich auch mit. Trotzdem die dritte und vierte Wagenklasse der Eisenbahnver⸗ waltung riesige Ueberschüsse liefert, sind die Passagie re dieser Klasse in ihren Ansprüchen ganz unglaublich bescheiden. Das können sie aber doch mindestens ver⸗ langen, daß zur Personen⸗Beförderung Wagen benutzt werden, durch deren Wände man nicht mit Steinen werfen kann, und die Neisenden dem Tode des Erfrierens ausgesetzt sind. Uebrigens hat doch die Verwaltung ein Einsehen gehabt und die Risse mit Spalierlatten vernageln lassen. Die Arbeiter wollen sich dafür durch Absendung einer Dankadresse erkentlich zeigen. h. Die Buderus'schen Eisenwerke haben be⸗ schlossen, in diesem Jahre, ebenso wie voriges Jahr, 5 Prozent Dividende zu verteilen. Trotz der Krlse und trotzdem der Betrieb dur! lage einer Röhrengießerei W.) — 90 874 Aöligkeit der ehre daraus, 10 luß, damit e Reakti ton eflichen Aus⸗ tum n und ten. Dann stinmigen A ulung erklärt g ind Aus⸗ stirt dagegen der sozialdemo⸗ Ver Versch. ihren Reich stags⸗ ischen Pattel e Genose edel in Lich am vede ebenfalls Zustimmung Bersammlung m Orte wird weitere Ver⸗ Püdingen. 1 — Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. viele Artikel welche sich infolge ihrer guten Qualität und schönen ee ganzubesonders Woinnaepts- Unsere Preise find auerkannt billig. J. Cohn& Co. Cassel Gietten Cassel 17 Marktstraße 17 Parterre, 1., 2. und g. Stock, Ingunserem 0 Stablifeent f finden Sie eee 3 Ubschenke eig nen. 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Beilage zur Mitteldeutschen Sonntags-Leitung. Gießen, Honntag, den 21. Dezember 1902. 9. Jahrg. Gesinnungsfreunde! Sorget stets für weiteste Verbreitung Eures Blattes der „Mitteldeutschen Sonntags-Zeitung“. Ueber Kinderausbeutung auf dem Lande, wie sie auch in Hessen noch vielfach üblich ist, klagte neulich ein hessischer Landpfarrer in der„Frkftr. Ztg.“ Der Verfasser des Artikels, der sich mit diesem Gegenstande offenbar ein— gehend beschäftigt hat, weist zunächst darauf hin, daß die bäuerliche Bevölkerung den Wert des Schulunterrichts nur gering anschlage. In erster Linie betrachte man die Kinder als Arbeitskräfte anstatt in einer guten, gründ⸗ lichen Volksschulbildung das unerläßliche Funda⸗ ment des späteren Glücks ihrer Kinder zu er⸗ blicken. Jedoch sei diese Gleichgültigkeit gegen die Volksschule noch nicht das Schlimmste. Das sei vielmehr die in Oberhessen und besonders in den Dorfgemeinden im Vogels⸗ berge eingerissene Unsitte des Verdingens der Schulkinder in einem Alter von 10, 11 bis 12 Jahren zu landwirtschaftlichen Arbeiten. „Weidejungen“ nennt man diese Kinder, ganz gleich ob Knabe oder Mädchen, die zum Viehfüttern und allen sonstigen in der Land⸗ wirtschaft vorkommenden Arbeiten Verwendung finden und die im wahren Sinne des Wortes abgehetzt und geschunden werden. Arbeit und nichts wie Arbeit ist für diese Aermsten die tägliche Parole und der Schulunterricht wird als notwendiges Uebel mit in den Kauf ge⸗ nommen. Schon Morgens vor dem Unterricht haben diese Kinder 1 bis 2 Stunden fest zugreifen müssen und es ist dann kein Wunder, wenn sie zum Unterricht unfähig sind und nur müde und abgespannt demselben folgen. Die Erfahrung hat es ja auch gelehrt, daß selbst die aufgewecktesten Kinder in ihren Leistungen in der Schule zurückgehen, sobald sie als Hüte⸗ jungen beschäftigt werden. Und dann bedenke man noch, daß auch das Kindergemüt vergiftet wird, wenn bei diesen Beschäftigungen, wo vielfach Knaben und Mädchen zusammen wirken, die erlauschten oft recht zweifelhaften Spinn⸗ stubengesänge wiederholt werden; von Schlim⸗ meren zu schweigen. Nur zu Recht hat der Verfasser, wenn er in die Worte ausbricht: „Wo bleibt da das selige Paradies der Kind⸗ heit mit seinen Spielen und unschuldigen Freuden? Hier zu Lande merkt man leider nichts davon. Spielende Kinder sind eine Seltenheit, selbst am Sonntag sieht man ste nicht, weil sie eben an Werktagen zum Spiel keine Zeit haben und deshalb überhaupt nicht spielen können. O, diese Frohufesseln um Kindesarme und Kindesbeine! Wann wird man auf ländlicher Flur dem Kinde die Kind⸗ heit wiedergeben!“ Und kommt schließlich die Nacht, dann ist der abgearbeitete Weidejunge meistens gezwungen, mit im selben Zimmer und oft auch im selben Bett wie der Knecht oder die Magd zu schlafen und auch hier em⸗ pfängt das Kindesgemüt oft Eindrücke, die jedes Schamgefühl und alles sittliche Empfinden töten. Von den Nachteilen dieser Kinderfrohne wissen besonders die Lehrer ein Liedchen zu siungen, wenn im Sommer in der Erntezeit die Kinder nach dem Unterricht schaarenweise auf die Herrschaftsgüter zur Arbeit pilgern. Zu verwundern ist es da wahrhaftig nicht, meint unser Offenbacher Parteiorgan dazu, wenn diese Kinder im Sommer für die Schule einfach nicht zu brauchen sind und auch im Winter nur notdürftig mitkommen. Was würde wohl die Schule leisten können, wenn ihr nicht die Arbeit auf solche Weise erschwert oder fast unmöglich gemacht würde. Den Herren Gutsbesitzern und deren Verwaltern ist ja freilich an der Schul⸗ bildung ihrer billigen Hülfskräfte nichts gelegen, denn sie wissen ja aus Erfahrung, daß von ihren erwachsenen Arbeitern diejenigen die willigsten und billigsten sind, die eben über wenig oder gar keine Schulbildung verfügen. Schlimm genug, daß gegen derartige traurige Zustände nicht eingeschritten wird. Es ist ja ganz gut, wenn der erwähnte Pfarrer verlangt, daß der Staat jede bezahlte Arbeit schulpflichtiger Kinder ver⸗ bieten solle; aber die neue Vorlage des Reichs⸗ gesetzes über die Kinderarbeit, will gerade der iu der Landwirtschaft nicht zu nahe treten. Man will's mit den Agrarieen weder im Reiche noch in den Bundesstaaten verderben. Unserm Mainzer Parteiorgan, das von dem Artikel des Pfarrers ebenfalls Not'z nahm, wurde dazu von einem Leser ergänzend mit⸗ geteilt: Es ist noch in Oberhessen in den kleineren Gemeinden Gebrauch, daß die Schulkinder die Schulzimmer reinigen und und auch das Feuer morgens anzün⸗ den müssen. Die Räume heizen sich langsam und die Kinder bringen das Feuer auch nicht immer gleich an. Aus Furcht vor Strafe gehen die Betreffenden(es wird die Reihe ge⸗ halten) schon um 6 Uhr in die Schule, be⸗ kommen durch den hohen Schnee nasse Füße und müssen dann stundenlang ruhig sitzen, nach⸗ dem sie sich vorher abgehetzt haben, um das Schulzimmer in Ordnung zu bringen. Im vorigen Jahre, wo es doch im All⸗ gemeinen nicht zu kalt war, mußte der Lehrer einer Gemeinde die kleinen Schüler um den Ofen stellen und so unterrichten, denn es war zu kalt. Das Schulhaus ist neu, die Räume groß und der Ofen steht dummerweise in einer Ecke, doch der Schulvorstand, an der Spitze der Herr Pfarrer, läßt sich nicht zum Versetzen des Ofens bereit erklären, denn das kostet Geld. Sonntags aber sammelt man in der Kirche für die armen Negerkinder! Die schreienden Mißstände auf dem Gebiete des Schulwesens beseitigen zu helfen, sollten alle wahren Patrioten für ihre vornehmste Aufgabe betrachten. Von Rah und Lern Wieder eine Dynamit⸗Explosion. Noch war Ende voriger Woche die Nachricht von der Dynamit⸗Katastrophe auf der Zeche „Gneisenau“ nicht überall hin gelangt, als auch schon von einem weiteren ähnlichen Unglück be⸗ richtet wurde. Bei Dillenburg, im Dons⸗ bacher Steinbruche, explodierte am Freitag eine große Menge Dynamit, die zum Auf⸗ wärmen in das Schutzhäuschen gebracht worden war. Das Haus flog kurz nach 11 Uhr mit gewaltigem Krach, der 4 bis 5 Stunden weit im Umkreise vernommen wurde, in die Luft. Hunderte von Metern weit wurden die Gebäude⸗ teile geschleudert. Zwei Arbeiter, Krenzer und Moos, der eine 24, der andere 19 Jahre alt, sind dabei getötet worden. Unsittliche Puppen! In Siegen, wo die Muckerei in Blüte steht, wie nirgends, hatte ein Spiel⸗ warenhaus auch eine Anzahl zwei bis drei Zoll großer gewöhnlicher Badepüppchen ausgestellt, wie sie den kleinen Mädchen mit, Vorliebe geschenkt werden. Eines Tages tritt nun der Poltzeisergeant M. in den Laden und fordert den Geschäftsführer anf, die nackten Figuren sofort aus dem Schaufenster zu entfernen, da ein Siegener Herr durch die öffentliche Ausstellung solcher Figuren in seinem Sittlichkeitsgefuͤhl verletzt worden sei. Leider, sagt das Essener Blatt, wurde diesem sehr sonderbaren Ansinnen entsprochen. Der betreffende Herr muß ja ein ganz eigenartiges ausgeprägtes Sittlichkettsgefühl sein eigen nennen, wenn solch' unschuldige Figuren, die jedem Kind ganz unbedenklich zum Spielen überlassen werden, seine Nerven in Erregung versetzen können. Schlimmer als dieses ist es aber jedenfalls, wenn ein Polizeisergeant, jeder Laune eines beliebigen Herrn Folge leistet. Es gehört dies auch in das Kapital der Miß⸗ griffe unterer Poltzeiorgane. Sensationeller Erbschaftsprozeß. Vor der Berliner Strafkammer begann am Sonnabend der Prozeß gegen den Buchhalter Buethke und den Maurermeister Brandt wegen Beleidigung und versuchter Erpressung, begangen durch eine Broschüre, in welcher dem Grafen Douglas, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, vorgeworfen wird, in Sachen der Brandt'schen Millionenerb⸗ schaft große Unterschleife begangen zu haben. Kleine Mitteilungen. Schwere Soldatenmißhandlung. Der bei der 12. Kompagnie des 115. Leibregiments in Darmstadt dienende Rekrut Best, Sohn des Ziegelei⸗ besitzers Hermann Best aus Groß Steinheim, erhielt auf dem Mannschaftszimmer von dem Serganten Dietz eine derartige Ohrfeige, daß er sich in ärztliche Behand⸗ lung begeben mußte. Der ärztliche Befund stellte fest, daß dem Mißhandelten durch den Schlag das Trommel⸗ fell zerrissen wurde. Best wird infolgedessen aller Wahr⸗ scheinlichkeit nach das Gehör verlieren. Die Eltern des Soldaten, die nun ihren Sohn aus der Ferienkolo zie als Krüppel zurückerhalten, sind natürlich in großer Aufregung.. * In Löhnberg verunglückte Freitag voriger Woche ein Arbeiter der Aktienmühle dadurch, daß er beim Rangieren auf dem Nebengleise des Betriebs zwischen einen Wagen und die Mauer geriet, wodurch er fürchterlich gequetscht wurde. Die schweren Verletzungen 19 05 seine Ueberführung nach der Gießener Klinik nötig. k Aus Essen, wo doch die„Wohltätigkeit“ sozu⸗ sagen zu Hause ist, wird berichtet: Freitag Nachmittag, kurz vor 4 Uhr, fand man am Burgplatz in Essen, neben der Münsterkirche, also in der verkehrreichsten Gegend der Stadt, an einem Baume unmittelbar neben dem Kruzifix die Leiche eines alten, schechtgekleideten, unbekannten Mannes aufgehängt vor, der, wie man vermutet, schon seit einigen Tagen tot ist. Papiere fand man nicht bei der Leiche. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage-Kommission des Wahlvereins— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Der Neue Welt⸗Kalender für 1903. Preis 40 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der soeben erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und polittschen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Gerade jetzt, wo in Frankreich der Kulturkampf tobt und in Deutschland das Zentrum nicht blos in der Frage des Zollwuchers, sondern allgemein die Schutztruppe der protestantischen Reichsregkerung ist, kommt die Schrift zeitgemäß. Preis 30 Pfg.(Agi⸗ ojtionsausgabe.) Die agrarische Gefahr. Von Paul Göh re. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen-Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. striert. Wöchentlich ein Heft. A 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Illu⸗ Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. —— — . Seite 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 1 Nr. 51. — Auf nach Marburg! Sparen Sie die Fahrt nicht. Paletots Paletots Paletots Paletots für Herren m. Futter u. mit Plaid⸗ od. Zanella⸗ Gummi⸗Mäntel ff Sch Sammetkragen a. Double futter, 150. 2⸗reih. in allen Raglaus, Lodencapes für Bursc 10 od. Flacone v. 9 Mk. an. mod. Farben v. 15⸗25 Mk. von 8 Mark an. Knaben u. Kinder 3 Hapelocs Haveloes Havelocs Haxeloces ohne Futter, ohne extra schwer, mit Futter, und Hohenzollern⸗ für jede Größe, 18 Aermel, in all. Größen in allen erdenkl. 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