Alina hrmacher Marktplatz 18 e Baugpcuele fer n, Gold⸗ und erwaren eee 2 lern wie sie von der Gans kommen aussort. nur kl. Jed. u. I. u. dauniger 2.25 ist hin u. wied eine en). Halbpaunen, volldaunige Federchen auniger 3.00, hochprima, „ Gerissene Fed., grau, 2.50, weiß 2.75, 3.00, 3.50, pneew, sehr daunig 450. w. 460, weiß 450, hoch⸗ hines. Entensed. 9.5, 1.50, J.75. Daune 2.50. d in mein. Fabrik saub. volltomm. ktock. flaru. Dingt reell u. preizw. 1 3000 tr. Garantie: ür Bettfiosse u. fertige te terra. ohn, UA-Reet 5 pr. Pfd. 50, 5% 4 und ö Melt⸗ nder 0 r 1902 itig! handlung chneider Zonnenstt 25. 70% . selbei. einer wel⸗ siermit m ift ein ce a5 18 Asbrion 1 4 4 Nr. 3. Giessen, Sonntag, den 19. Januar 1902. 9. Jahrg. Redaktion: g 5 Medaktionsscluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Mitteldeutsche 1 2 itung. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger sirei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. 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Unter den Argu⸗ menten für die Verteuerung des Brotes tritt neben den geflickten Strohdächern der notlei⸗ denden Agrarier das Bild der hungernden Witwen und Waisen. Mit widerlicher Heuchelei wird man denen, die nicht alle werden, einzu⸗ reden versuchen, daß ja alles nur für die armen Witwen und Waisen geschehe! Was soll auch gegen eine Zollpolitik einzuwenden sein, deren Erträgnisse dazu verwendet werden, den Aermsten der Armen zu helfen? Was das Zentrum thut, thut es ja doch nur aus purer christlicher Nächstenliebe und geistlicher Mildigkeit. Es ist zu rührend! So weuigstens wird es in den Versamm⸗ lungen und in der Zentrumspresse scheinen. Aber das Zentrum hat ebensogut zwei Gesichter wie der Bettelmönch, der ganz anders aussieht, wenn er gabenheischend vor der Thür steht, anz anders, wenn er im verschwiegenen Kloster⸗ eller die Weine probiert. Das Zentrum weiß so gut wie wir, daß die Verknüpfung der Zolltarifvorlage mit der Witwen⸗ und Waisen⸗ versorgung vom Standpunkte der Gesetzgebungs⸗ technik ein Unding ist, und es fällt ihm nicht ein, zu erwarten, daß sein Vorschlag von der Reichsregierung ernst aufgefaßt und— selbst wenn er angenommen wird— ernstlich durch⸗ geführt würde. Die Witwen- und Waisen⸗ versorgung ist ein großes und schwieriges Gesetz⸗ gebungswerk für sich, für dessen Durchführung es keine Garantie giebt, als die vollendete That. Zudem wird es ganz unmöglich sein, die Mehrerträge der Zölle, die sich aus der Geltung dieses neuen Zolltarifs ergeben werden, zahlen⸗ gemäß festzusetzen. Dazu wäre die umfang⸗ reichste Verrechnung nötig. Die Beträge, die von jedem einzelnen Zollobjekt eingehen, müßten in zwei Teile zerlegt werden, von denen der eine(die Differenz zwischen altem und neuem Zollsatz) als Zwecksteuer einer besonderen Kasse zugeführt werden müßte. Auf einen solchen Vorgang würde aber— von seiner lächerlichen Umständlichkeit abgesehen— die Reichsregierung nicht eingehen, weil er eine Verkürzung ihrer sonstigen Einnahmen bedeuten würde. Denn die Erhöhung der Zölle vermindert zugleich die Einfuhr; will das Reich also nicht verkürzt werden, so muß es dann von dem einzelnen Zollobjekt mehr einnehmen, als früher. Dazu kommt aber noch eins. Die Ver⸗ teuerung der Lebensmittel bedeutet für die arbeitenden Klassen eine ungeheuere Vermögens⸗ konfiskation, von der nur ein kleiner Teil in Form von Zöllen dem Reiche, der weitaus größere aber in Form von Preisaufschlägen den Agrariern zu gute kommt. Gäbe es also wirklich irgend eine Möglichkeit, den Mehrertrag der Zölle gewissermaßen dem Volke rückzuver⸗ güten, so hieße das doch nur mit Scheffeln nehmen, um mit Löffeln zu geben. Damit die Witwen und Waisen ganz bestimmt ausgehungert werden können, wird ihnen zum Entgelt dafür mit höchster christlicher Salbung ein Notgroschen — versprochen! Eine solche Politik der demagogischen Volks⸗ beschwindelung richtet sich selbst! — Um den Zolltarif. Sozialdemokratische Auträge zum eee Zu den ersten beiden aragraphen des Zolltarif⸗Gesetzes haben unsere Genossen in der Reichstagskommission mehrere Anträge eingebracht. Der erste derselben verlangt, daß an Stelle des Absatz 1,§ 1, der einem neuen Zolltarif im voraus die Zustimmung erteilt, die Forde⸗ rung verwirklicht werde, die die sozialdemokra⸗ tische Fraktion in ihrem Gesetzentwurf vom 8. Mai 1890 dahin aufstellte, daß die Zölle auf Getreide, Hülsenfrüchte, Butter, Fleisch, Fische, Heringe, Mühlenfabrikote(Graupen, Gries, Grütze, Mehl, Backwaren), Schmalz, Eier, lebendes Zug⸗ und Schlachtvieh aufge⸗ hoben werden. Ein zweiter Antrag will die Erzeugnisse der deutschen Kolonien, Schutzgebiete und Zollausschlüsse zollfrei machen. Ein dritter Antrag will der„nationalen“ Uebung, in Deutschland hergestellte Waren im Ausland billiger wie in Deutschland zu ver⸗ kaufen, durch folgenden§ 1a eutgegen⸗ treten: „Der Bundesrat ist verpflichtet, die Zölle für vom Auslande eingehende Waren aufzuheben und deren zoll⸗ freie Einfuhr zuzulassen, wenn die gleichartigen Waren von deutschen Verkaufsvereinigungen(Syndikaten, Kartellen, Ringen u. dergl.) nach dem oder im Auslande billiger verkauft werden als im deutschen Zollgebiete. Die getroffenen Anordnungen sind dem Reichstage sofort oder, wenn er nicht versammelt ist, bei seinem nächsten Zusammentritt mitzuteilen. Sie sind außer Kraft zu setzen, wenn der Reichstag die Zustimmung nicht erteilt.“ Ein weiterer Antrag G 1 b) will einen Teil des durch das Zolltarifgesetz den Großgrund⸗ besitzern zugedachten Vorteils durch folgende Vorschrift wenigstens teilweise wieder nehmen. Er lautet: „Solange bei der Einfuhr von Getreide in das deutsche Zollgebiet Zölle erhoben werden, sind die Eigen⸗ tümer eines landwirtschaftlichen Grundbesitzes mit mehr als 100 Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläche verpflichtet, an das Deutsche Reich für jeden Hektar ihres Besitzes das Zehnfache des auf den Doppelzentner Weizen gelegten Zolls an das Deutsche Reich zu zahlen.“ 5 Ferner sind weitere Anträge in Vorbereitung, welche die Aufhebung der Salzsteuer, der Branntwein⸗Liebesgabe und eventuell Zuführung des Betrages derselben an das Reich, sowie Aufhebung der Verbrauchs⸗ abgabe und der Ausfuhrprämien auf Zucker verlangen. werden von den arbeitenden Klassen in Stadt und Land auf das Freudigste begrüßt werden. Bei Beratung derselben wird sich zeigen, was es mit dem Gerede vom Schutze der Klein⸗ Bauern auf sich hat. * * Ein Teil dieser Anträge ist diese Woche in der Kommission schon verhandelt und— natürlich abgelehnt worden. Uebrigens gefällt es der Zöllner⸗Mehrheit in der Kommission durchaus nicht, daß unsere Genossen die Be⸗ ratung des Tarifs mit aller nur wünschens⸗ werten Gründlichkeit vornehmen. Gerne möchten die Agrarier ihren Raub mit aller Eile in Sicherheit bringen. Daß das aber nicht so schnell geht, dafür sorgt die Opposition. Bet Beratung der Anträge kam es bereits zu hef⸗ tigen Zusammenstößen zwischen unseren Genossen und Herrn v. Kardorff, der den Vorsitz führt. Eine ganze Sitzung füllte die Kommission mit Erörterungen über den Antrag Bebel aus, wonach der Bundesrat verpflichtet sei, die Zölle herabzusetzen oder aufzuheben, wenn die betreffenden Waren dem Auslande von Syn⸗ dikaten billiger verkauft werden als im Ju⸗ lande. Die Mehrheit und der Vorsitzende wollten wiederholt die Beratung durch Schluß⸗ anträge abbrechen, scheiterten aber mit diesem Versuche. Es wurden immer neue Abände⸗ rungs⸗Anträge dazu gestellt und schließlich ent⸗ spann sich über die Syndikate eine lange Dis⸗ kussion, an der auch Graf Posadowsky teil⸗ nahm. Am Schluß der Sitzung wurden sämt⸗ liche Anträge abgelehnt. Politische Rundschau. Gießen, den 16. Januar. Der Militarismus— eine Gefahr für den Frieden. Fast bei jeder Reichstagseröffnung wird in der Thronrede mit Genugthuung darauf hinge⸗ wiesen, daß es möglich war, den Frieden zu wahren und der Hoffnung auf Erhaltung fortdauernder freundschaftlicher Beziehungen zum Auslande Ausdruck gegeben. Der nunmehr glücklicherweise 30 Jahre andauernde Friede, der ja, weil es ein„bewaffneter Friede“ ist, den Völkern ungeheure Opfer kostet, paßt aber den Militärs durchaus nicht in den Kram. Wiederholt wurden schon Bemerkungen von dieser Seite laut, welche den langen Frieden bedauerten. Noch bei den letzten Kontrollver⸗ sammlungen in Wetzlar sprach sich der dieselben abhaltende Offizier in diesem Sinne aus. Jetzt sieht sich ein Militär veranlaßt, in einem Artikel der„Deutschen Welt“ die„nachteiligen“ Folgen des 30 jährigen Friedens zu beleuchten. Zwar scheut der Verfasser noch vor der Behauptung zurück, daß der Nation ein Schaden dadurch erwachsen sei. Aber er meint, der allgemeine Wohlstand habe sich zusehends gehoben die Lebenshaltung in allen() Schichten des Volkes sei eine bessere geworden, die Bevölkerung habe sich fast unheimlich() vermehrt. Aber nun die Kehrseite der Medaille: „Schwer drückt nur der von Allen gesegnete Das Vorgehen unserer Genossen in der Kommisston und die von ihnen gestellten Anträge dreißigjährige Friede auf dem deutschen Heere, 1 D 71 1 1 * Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3, jener mächtigen Organisation, die im Laufe der Jahre in's Riesenhafte gewachsen, trotz sorgfältigster Pflege und Ausbildung an dem Uebel krankt, daß alle ihre Uebungen und Leistungen einem Exempel gleichen, an dem die Probe nicht gemacht werden kann, und dessen Stimmigkeit daher in Zweifel gezogen werden darf. Dreißig Jahre Friede sind zu allen Zeiten ein Verhängnis, häufig, ein Capua für ein großes Heer geworden.“ Vor allen Dingen verdient der schmerzliche Seufzer Beachtung, daß der Frieden bereits ganze drei Jahrzehnte gewährt habe, so daß keine Probe auf das Exempel des Parade⸗ und Manöverdrills möglich gewesen sei. Dies Be⸗ dauern, das sicher bon sehr vielen Offizieren, und nicht nur von den avancements- und aben⸗ teuerlüsternen Leutnants, geteilt wird, beweist, wie heuchlerisch die Behauptungen sind, daß man nur rüste und immer wieder rüste, um den Frieden zu sichern. Eher ist das Gegenteil richtig. Die Herren Offiziere betrachten die Armee als Selbstzweck, sich selbst als die Blüte der Schöpfung, die wichtigsten Glieder des staatlichen Organismus und den Frieden nur als periodische Vorbereitungsfristen zur erhebend⸗ sten Kulturthätigkeit, zum Kriege. Die stehende Armee und die Berufssoldaten sind deshalb, das beweisen solch' offenherzige Auslassungen, wie die vorliegenden, zur Evidenz, die schlim m⸗ sten Bedroher des dauernden Friedens und 1 internationalen Annäherung, die es geben ann. 6 Aus dem Leben der„Edelsten“. Am Freitag wurde in Potsdam die Leiche des Leutnants von Eichel-Streiber vom 3. Garde⸗Ulanenregiment mit großem Pomp nach dem Bahnhof überführt. Nach dem offiziellen Bericht ist der Offizier an Erstickung gestorben; wie die„Welt am Montag“ aber berichtet, soll v. Eichel⸗Streiber eine ganze Flasche Kognak ausgetrunken haben, nachdem pborher ein anderer Offizier ein Wasserglas voll Kognak auf einen Schluck geleert hatte. Der Leutnant wurde Montag früh von seinem Bur⸗ schen noch atmend angetroffen, starb aber bereits um 9 Uhr. Der Herr Leutnant sind also an akuter Alkoholvergiftung gestorben.— Auch dieser Fall zeigt wieder, daß diese Herrchen nicht wissen, was sie mit ihrer vielen freien Zeit anfangen sollen und infolgedessen auf alle möglichen Exzesse verfallen. „Sühne“ für den Duellmord in Jena. Ganze zwei Jahre und 3 Monate„Festungs⸗ haft“ erhielt der Leutnant Thieme für die Erschießung des Studenten Hel d. Das Kriegs⸗ gericht billigte ihm mildernde Umstände zu. Ebenfalls unter Annahme mildernder Umstände erhielt der Hauptmann von Seebach wegen Kartelltragens 14 Tage Festungshaft. — Wrr wollten mal sehen, wie die Strafen aus⸗ gefallen wären, wenn sich ein paar arme Teufel geprügelt hätten, und einer davon tot auf dem Platze geblieben wäre! Der Gumbinner Mordprozeß wurde am Samstag vor dem Reichsmilitär⸗ gericht in Berlin verhandelt. Die Entschei⸗ dung dieser obersten Instanz lautete auf Auf⸗ hebung des vom Oberkriegsgericht in Gumbinnen gefällten Urteils. Die Sache wurde zur nochmaligen Verhandlung in die Berufungsinstanz zurückverwiesen. Das auf⸗ gehobene Urteil lautete bekanntlich bezüglich des Unteroffiziers Marten wegen Ermordung des Rittmeisters Krosigk auf Todesstrafe, bezüglich des Sergeanten Hickel, welcher der Beihilfe angeklagt war, auf Freisprechung.— Es er⸗ scheint angebracht, den Verlauf der ganzen Affäre kurz zu wiederholen.— Der Rittmeister v. Krosigk vom Dragoner⸗Regiment Nr. 11 in Gumbinnen wurde am Nachmittag des 21. Jan. v. Js. während einer Reitübung seiner Schwa⸗ dron erschossen. Niemand hat gesehen, wer den tötlichen Schuß abgegeben hat; der dazu offenbar benutzte Karabiner, der sich bei einem Guckloche in der Reitbahn vorfand, gehörte einem Dragoner, der sich zur Zeit der That in der Reitbahn befunden hatte, also nicht der Thäter sein konnte. Nach längeren Untersuch⸗ ungen fiel der Verdacht der Thäterschaft auf den Unteroffizier Marten und seinen Schwager, den in der gleichen Schwadron dienenden Ser⸗ geanten Hickel. Beide wurden verhaftet; Marten floh später aus der Untersuchungshaft, stellte sich jedoch nach einigen Tagen wieder.— Die erste kriegsgerichtliche Verhandlung fand Anfangs Juni v. Js. statt. Beide Angeklagte wurden von der Anklage des Mordes freigesprochen, nur Marten wurde wegen Fahnenflucht zu einem Jahre Gefängnis und Degradation ver⸗ urteilt.— Auf die vom Gerichtsherrn gegen dieses Urteil eingelegte Berufung fand die Ver⸗ handlung vor dem Oberkriegsgericht in Gum⸗ binnen vom 15. bis zum 20. August statt, die mit der Verurteilung Martens zum Tode endete. Der Prozeß befindet sich nunmehr in dem⸗ selben Stadium, wie nach dem ersten Urteil des Kriegsgerichts. Noch einmal wird das gesamte Beweismaterial einer genauen Prüfung unter⸗ zogen werden, ein neues Fundament für das Bluturteil gegen Marten geschaffen werden müssen, nachdem das höchste Militärgericht auch die sämtlichen„thatsächlichen Feststellungen“ aufgehoben hat. Nicht zum letzten ist dieser Erfolg der gewaltigen Volkserregung zuzu⸗ schreiben, die sich gegen das Urteil geltend machte. Der weiteren Entwickelung des Pro⸗ zesses darf man mit Spannung entgegensehen. Patriotische Panzerplattenfabrikanten. Bekanntlich haben die vaterländisch gesinnten Lieferanten des Panzerplattenmatertals für Kriegsschiffe das Deutsche Reich bei diesen Lieferungen gehörig übers Ohr gehauen. Sie ließen sich für die Tonne Nickelstahlplatten von ihrem Vaterlande 2320 Mk. bezahlen, während sie den Vereinigten Staaten für 1900 Mk. lieferten. Jetzt hat die Budgetkommission des Reichstags erst niedrigere Preise angesetzt und so den braven Patrioten 6¼ Millionen Mk. aus den Rachen gerissen. Wäre die Preis⸗ herabsetzung schon früher erfolgt, als die Linien⸗ schiffe in Bau gegeben wurden, so hätte, wie die„Freis. Ztg.“ ausrechnet, die Ersparnis an jedem Schiffe 1 Million Mk. betragen und für die 12 Kriegsschiffe zusammen nicht blos 6525000 Mk. sondern 10200000 Mk.— Es bleibt also den Fabrikanten immer noch die ansehnliche Beute von fast vier Millionen. Zentrums⸗Christentum. Zu dem von uns bereits in der letzten Nummer mitgeteilten unerhörten Vorfall, daß eine reiche, christliche Gemeinde einen armen, arbeitsunfähigen Menschen buchstäblich ver⸗ hungern ließ, schreibt die„Augsburger Abend⸗ zeitung“— ein bürgerliches Blatt— noch Folgendes: Die Gemeinde Neukirchen, die eine sehr wohlhabende ist, hatte einen zirla 20jährigen etwas geistesschwachen Menschen Namens Max Graf zu ernähren; dieser wurde im dortigen Armenhause in einem gepflasterten Gemache untergebracht, wo ihm ein paar Hände voll Stroh als Lager dienten. Das Stroh war direkt auf das Pflaster geworfen und von einer Bettlade oder auch nur von einem Brett war keine Spur. Die Kost sollte er im sog. Turnus holen, und wenn er bettlägerig, sollte ihm von dem Gemeindemitglied, das ihn gerade zur Kost hatte, das Essen gebracht werden. Doch das geschah nicht und der arme Mensch ist verhungert. Einige Tage vor seinem Ende wollte eine Frau, die ebenfalls in diesem Hause untergebracht, für ihn Stroh betteln, aber sie bekam keines und so mußte er auf seinem Miste liegen bleiben. Er starb, aber auf eine Anzeige hin wurde der Tote geöffnet, wobei konstatiert wurde, daß er schon sicher vier⸗ zehn Tage ohne Nahrung war. In seinen Gedärmen fanden sich Kleiderfetzen, Stroh und ungekochte Weizenkörner. Die Aermel an seinem Rocke hatte er bis zum Ellenbogen aufgezehrt, das Stroh stammte von seinem Lager und die Weizenkörner von dem Hühnerfutter der Mitinwohnerin.— Es möge schlimmster Klassenjustiz. sich Jemand melden, der etwas Grauenhafteres erlebt; dabei ist der dortige Pfarrer Vorstand der Armenpflege und besitzt ein beträchtliches Vermögen. Der Bürgermeister(Laute n⸗ schlager, ein strammer Zentrumsmann) ist Großgrundbefitzer und war früher Landtags- abgeordneter, außerdem sind fast nur reiche Bauern in der Gemeinde, die alle eifrige Mitglieder des christlichen Bauern⸗ vereins sind. Sie alle werden hoffentlich den wohlverdienten Lohn bekommen. Wahrhaftig, das„Christentum“ des Räubers Kneißl dünkt uns noch einige Prozent besser als das dieser reichen christlichen Bauern. Richterliche Gerechtigkeit. Kürzlich endete ein Wiener Gerichtspräsident, Hofrat Ritter v. Holzinger, durch Selbst⸗ mord. Er wurde am Montag nach den Weih⸗ nachtsfeiertagen erschossen in seinem Bureau aufgefunden. Auf einem Zettel hatte er seine ihm von den Aerzten in Aussicht gestellte voll⸗ ständige Erblindung als Grund seines Selbst⸗ mordes angegeben.— Dieser Mensch war der österreichische Brausewetter, wie dieser später verrückt gewordene, vorher aber noch mit dem Adlerorden dekorirte Vertreter der Gerechtigkeit durch unerhörte, parteiische Urteile den Sozialis⸗ mus in seinen Vertretern zu vernichten suchte, so war Holzinger in Wien das Werkzeug Er leitete meist die politischen Preßprozesse und that sich darin durch rücksichtslose Strenge gegen seine politischen Gegner hervor. Er hatte sich als Henker den herrschenden Klassen zur Verfügung gestellt. Die „Wiener Arbeiterztg.“ schreibt über ihn: Als in den achziger Jahren die österreichische Arbeiterbewegung unter thätiger Mitschuld einiger Polizisten auf Abwege gelenkt wurde, um dann erdrosselt zu werden, war Holzinger ein notwendiges Glied dieser Maschinerie. Ohne den Richter Holzinger wäre der Polizist Frankl unmöglich gewesen. Die Sistirung der Geschworenengerichte für„anarchistische“ Delikte hatte nur den Sinn, die Möglichkeit eines Aus⸗ nahmesenats zu schaffen, den dessen Vorsitzender, Holzinger, zusammengestellt nach seinem Eben⸗ bilde. Nur die kalte Skrupellosigkeit Holzingers vermochte es, Dutzende von armen Menschen der trockenen Guillotine zu überweisen, deren schlimmste Schuld die Blindheit war, mit der sie den Lockspitzeln des Frankl ins Garn gingen. Es hat Fälle gegeben, wo dieser Zusammen⸗ hang aktenmäßig klar war; Holzinger hat stets verhindert, daß er im Gerichtssaal festgestellt werde, und ohne mit der Wimper zu zucken, mit vollem Bewußtsein, in genauer Kenntniß des Sachverhalts hat er die Urheber des Systems gedeckt und seine Opfer dem Zuchthaus über⸗ antwortet, wo sie an Tuberkulose und Skorbut zu Grunde gegangen sind. Man muß das erlebt haben, muß diesen Richter und diese Angeklagten gesehen haben, um zu begreifen, daß Holzinger und Frankl keineswegs die Ver⸗ nichter des Terrorismus waren, sondern die furchtbarsten Hindernisse für seine Bekämpfung.“ Und ein bürgerliches Blatt schilderte den richterlichen Schergen mit folgenden Worten: „Holzinger schien ein Mann aus Eisen. Er war hart, ja grausam, Gemützsreg⸗ ungen kannte er nicht. Er war stol z darauf, den„Blutsenat“ zu leiten. Zum Vorsitz der Aus nahmegerichte in der Zeit der Anarchistenfurcht und der scharfen Maßregeln gegen die Sozialisten drängte er sich förmlich, mit der Begründung, er sei kinderlos und es liege ja nichts daran, wenn ihn selbst die Propaganda der That ereile. Hinrichtungen leitete er wie ein geschickter, wirkungsbewußter Regisseur.“— Blos für— schöne Frauen hat er eine Schwäche gehabt. 5 Man glaube nicht, daß mit Holzinger Richter dieser Art ausgestorben sind. Viele, sehr viele giebt es in allen Ländern, welche sich blos als Diener der Kapitalistenklasse fühlen, den Teufel nach Gerechtigkeit fragen und unbekümmert darum, ob durch ihre Schuld Existenzen und amen ruiniert werden, ihrem persönlichen Ehrg fröhnen und nur danach streben, stch ußreiche Stellungen zu bringen. Fol — D(ß... udn. Dos Weite bor kuren lern die Lerbiung Nuscesen ilbe 19 erlassen 5 Jahren keine shlldig macht. l legen, daß überzeugt hat, nchen Verhä Eine N hat demnächst zufnden. Dor Grafen Rebe der im Verein b., Sonnenbert Zeit den Kre bird bon der unterstützt. U. nur geringe 9 wahl erhielten Ein streitb Dr. Sigl Vaterland“ it seine Freunde Zu der Nerbe litt, kam noc die seinen Tod schon einige Münchener Pa schrelbt dazu: „Er hatte! weligstens noch in den Händen die es in feine und die zwei Versprechens üben werden. f Das„Vat f brigfrel nem leihen, 2 Gründers. 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Opificius hatte sich als Vorstand eines Produktenverteilungs⸗ Vereins eines formalen Verstoßes gegen das Gesetz schuldig gemacht. Weder hat er per⸗ sönlich einen Vorteil von seiner Handlung gehabt, noch ist der betreffende Verein geschädigt worden. Das Urteil ist nun, nachdem das Reichsgericht die dagegen eingewendete Revision vor kurzem verworfen hat, rechtskräftig geworden. Nun wird gemeldet, daß dem Genossen Opificius die Verbüßung seiner Strafe auf Grund der Vorschrtften über den bedingten Strafvoll⸗ zug erlassen wird, wenn er sich innerhalb 5 Jahren keiner weiteren strafbaren Handlung schuldig macht. Das scheint den Schluß nahe zu legen, daß man sich in Regierungskreisen überzeugt hat, das Urteil stehe in keinem richtigen Verhältnis zur That. Eine Neichstags⸗Ersatzwahl hat demnächst in Schaumburg⸗Lippestatt⸗ zufinden. Dort haben die Antisemiten den Grafen Reventlow als Kandidaten aufgestellt, der im Verein mit seinen Genossen Liebermann v. Sonnenberg, Vogel, Raab ꝛe seit einiger Zeit den Kreis„bearbeitet“. Der Antisemit wird von den Konservativen und Bündlern unterstützt. Unsere Partei hat in diesem Kreise nur geringe Aussichten; bei der letzten Haupt⸗ wahl erhielten wir nur 1237 Stimmen. Ein streitbarer Journalist gestorben. Dr. Sigl, der Redakteur des„Bayrischen Vaterland“ ist am 9. ds. Mts., schneller als seine Freunde erwarteten, in München gestorben. Zu der Nervenkrankheit, an der er schon länger litt, kam noch eine Lungenentzündung hinzu, die seinen Tod beschleunigte. Vorher hatte er schon einige Schlaganfälle erlitten. Unser Münchener Parteiorgan, die„Münch. Post“ schreibt dazu: „Er hatte vor seinen letzten dunklen Tagen wenigstens noch die Beruhigung, das Vaterland in den Händen von treuen Freunden zu wissen, die es in seinem Sinne fortzuführen versprachen und die zweifellos in der Erfüllung dieses Versprechens eine Ehrenpflicht erkennen und üben werden. Das„Vaterland“, ein originales Produkt eines originellen journalistischen Talentes, wird seinem zahlreichen Publikum also erhalten bleiben, ein dauerndes Gedenkzeichen seines Gründers. Bei aller Schärfe und Rücksichtslosigkeit, die den Verschiedenen auszeichnete, war er persönlich ein herzensguter Mensch und ein zuverlässiger Freund. Dieser grimmiger Preußen⸗ fresser und Judenhasser hatte ein kinderweiches Gemüt und eine hilfreiche Hand für die Not. Davon könnte sogar mancher seiner Feinde erzählen.“ Das französische Ministerinm, das sich einer bisher in Frankreich ungewöhn⸗ lich langen Lebensdauer erfreut, gewinnt mehr als eine Regierung vor ihm die Sympathien des Volkes.— In den letzten Tagen besuchten der Ministerprästdent Waldeck⸗Rousseau sowie die Minister Millerand, Decrais, André das Departement Loire, die Städte Lyon, Etienne ꝛc. In letzterem Orte hielt der sozial⸗ demokratische Bürgermeister eine Begrüßungs⸗ rede an die Minister, worauf dieser bei dem darauffolgeuden Bankett eine längere Rede hielt, die gewissermaßen als Programm der Regierung für die bevorstehenden Wahlen aufgefaßt werden kann.— Millerand hielt in Firmeny (Dep. Loire) eine Rede, worin er die Mitarbeit der sozialistischen Partei bei den Regierungs⸗ aufgaben für notwendig erklärte. Die Frkftr. Ztg. schreibt darüber, daß die Klerikalen und Nationalisten gehofft hätten, daß man Millerand in diesem Bergarbeiterstädtchen, wo es bei der Ausstanbsbewegung am heftigsten gährte, mit Heulen und Pfeifen empfangen würde.„Aber das Gegenteil traf zu. Millerand bekannte sich, zum ersten Male, seit er der Regierung ange⸗ hört, mit großem Nachdruck zur sozialistischen Partei, aus der er hervorgegangen; er bekannte sich sogar zum sozialistischen Programm und den sozialistischen Lehren. Er stellte für seine Partei als Gebot der Klugheit und der Pflicht auf, der Republik zu dienen, so oft ihr von der Reaktion Gefahr droht, und er sprach es direkt aus, daß die sozialistische Partei von nun an regierungsfähig ist und bleiben wird. Seine Hörer klatschten begeistert Beifall, und Niemand pfiff oder heulte. Deutscher Reichstag. Am Donnerstag(9. Jan.) wurde die Beratung des Etats fortgesetzt. Der erste Redner aus dem Hause war der ultramontane Herr Bachem. Er stellte die schlechte Finanzlage des Reichs ins rechte Licht, versuchte aber seine Partei reinzuwaschen von der Mitschuld, diese schlechte Lage mit herbeigeführt zu haben. Die Herren kennen in ihrem Bewilligungseifer für Heer und Marine keine Grenzen, dann aber wollen ste es nicht gewesen sein. Gegen die Wegnahme der Pekinger Instrumente, wie gegen Herrn Chamberlain fand der Zentrumsredner einige scharfe Worte. Ihm antwortete Herr Kraetke, der neu ernannte Staatssekretär des Postwesens, der die Ueberschreitungen im Postetat zu rechtfertigen suchte. Am bedeutungsvollsten waren die Ausführungen des Abg. Richter. Sie bildeten in der Hauptsache eine Abrechnung mit der Finanzwirtschaft im Reiche und ihrem Leiter, dem Schatzsekretär Frhrn. v. Thielmann, Sehr amüsant sprach Richter auch über unsere oberfaule Kolonialpolitik. Zum Schlusse empfahl er die alte preußische Sparsamkeitspolitik auch dem Reiche.— Für die Reichspartet sprach der Abg. v. Kardorff. Er sang ein Loblied auf den neuen Kurs des Grafen Bülow, der im Zolltarif und in der Antipolenpolitik den mar⸗ kantesten Ausdruck gefunden hat und flehte die Regierung an, das Maß ihrer Güte voll zu machen und den Junkern noch ein neues Sozialistengesetz wie eine die Freizügigkeit einschräukende Gesetzesvorlage zu bescheren. Auf der Linken wurden diese Herzensergüsse der schönen Seele mit gebührender Heiterkeit aufgenommen. Die darauf folgende Rede des Freisinnigen Schrader bot wenig Bemerkenswertes. Den dritten Tag der Etats⸗ beratung(Freitag) leitete der Nationalliberale Basser⸗ mann mit einer langen Rede ein. Er sprach recht milde über die Chamberlain⸗Affaire und die Bedeutung des Dreibundes, dem Reichskanzler in seinen Ausführungen vollständig beistimmend. Dann ging er zur inneren Politik über, stellte dem Zolltarif ein recht ungünstiges Schicksal in Aussicht und tadelte die Ausschließung der Oeffentlichkeit in den militärischen Sensationsprozessen der letzten Zeit. Nach Herrn Bassermann fühlte sich der Kolonial⸗ direktor Dr. Stübel veranlaßt, gegen einige Behaup⸗ tungen des Abg. Richter über koloniale Dinge zu pole⸗ misieren. Dann kam der polnische Abg. Dr. Dizi em⸗ bowsky zum Wort und brachte die bekannten Be⸗ schwerden der Polen gegen Rechtsprechung und Post⸗ verwaltung vor. Aus den ruhigen Geleisen kam die Debatte mit der Rede des Antisemitenhäuptlings Liebermann von Sonnenberg. Den Minister Chamberlain beschimpfte er in rohesten Ausdrücken. Er nannte ihn den ver⸗ ruchtesten Buben, den Gottes Erdboden trägt und erhielt dafür vom Präsidenten einen Ordnungsruf. Der Reichs⸗ kanzler Graf Bülow hielt es für geboten, nach dieser Antisemitenleistung, die deutsche Regierung unzweideutig vor dem Verdachte der Zustimmung zu diesen Pöbeleien in Schutz zu nehmen und es schien, als wollte Graf Bülow seine Worte vom ersten Tage gegen England etwas abschwächen. Die Ausführungen des Reichs⸗ kanzlers fanden auf der Linken diesmal größere Zu⸗ stimmung als auf der Rechten. Daß dort diese Rede nicht allenthalben entzückt hatte, konnte man aus der Rede schließen, die darauf der konservative Abg. Dr. Oertel hielt. Auch er erging sich in heftigen An⸗ griffen auf England und Chamberlain, wenn er auch die Grenze des parlamentarisch Erlaubten dabei inne⸗ zuhalten wußte. Auch Herr Oertel scheint nicht gerade allzufestes Vertrauen zu dem Zustandekommen des Zolltarifs zu haben. Für den Fall, daß die Börsenreform kommen sollte, kündigte er die Obstruktion der Rechten an. Von direkten Steuern will er nichts wissen. Steuern auf Bier und Tabak will er„sorgfältig prüfen.“ Am Samstag erreichte die Etatsdebatte den Hoͤhe⸗ punkt durch eine wuchtige Anklagerede Bebels. Vor⸗ her wurde über den „Fall Spahn“ debattiert, womit der Nationalliberale Sattler den Anfang gemacht hatte, indem er sich gegen die Er⸗ nennung des katholischen Geschichtsprofessors Spa hu wandte, die gegen den Willen der Straßburger Fakultät erfolgt ist. Sein Angriff war aber ziemlich matt. An eine Prüfung der Frage, wie es denn mit der viel⸗ berufenen Freiheit der Wissenschaft steht, ging Herr Sattler gar nicht heran. Nach der Antwort des jetzigen Staatssekretärs für Elsaß⸗Lothringen, v. Köller, hätte die Fakultät bei Anstellung der Professoreu nichts darein zu reden, dies sei Sache des Kaisers. Und Spahn ist angestellt worden, bei Leibe nicht, weil er der Sohn eines sehr einflußreichen Zentrumsführers, auch nicht, weil er ein tüchtiger Gelehrter, sondern nur weil er Katholik ist und das„Bedürfnis nach katholischen Pro⸗ fessoren“ besteht. Das Zentrum, für welches Herr Bachem sprach, war mit Herrn von Köllers Antwort höchlich zufrieden. Auch Bebel berührte in der Ein⸗ leitung zu seiner längeren Rede, die das Haus und die Minister fortwährend in Spannung erhielt, den Fall Spahn, um aus ihm im Hinblick auf die Fälle der Genossen Dr. Arons und Dr. Konrad Schmidt zu be⸗ weisen, wie die Wissenschaft zur Magd der Macht er⸗ niedrigt wird. Bei Kritik des Etats forderte Bebel die Verstaatlichung des Kohlen⸗ bergbaus und staatliche Eingriffe in die Preispolitik der Syndikate, die auf Kosten der einheimischen Konsu⸗ menten dem Auslande billige Preise machen. Auf dem Gebiete der Sozialreform verlangte er das Verbot der gewerblichen Kinderarbeit, die Beseitigung der Mißstände der Heimarbeit und eine gesetzliche Vertretung der Arbeiter in Arbeiterkammern. Nach einem Blick auf die Finanzlage, wobei er die Schuld an der deut⸗ schen Schuldenwirtschaft weniger der Regierung als dem bewilligungseifrigen Zentrum und den Nattonalliberalen beimaß, waudte sich unser Redner einer Betrachtung der auswärtigen Politik, besonders des Chinafeldzugs zu. Hier brachte er besonders die Plünderungen zur Sprache, um dann nochmals auf die Hunnen⸗ briefe einzugehen. Von äußerster Wirksamkeit waren die Bemerkungen unseres Redners über den Fall Fei⸗ litzsch.— Der bayrische Hauptmann v. Feilitzsch, der sich während des Chinazuges Mißhandlung Untergebener hatte zu Schulden kommen lassen, war deswegen in Bayern verabschiedet, aber in Preußen trotzdem als Offizier wieder angenommen und auch noch dekoriert worden. Außerdem war diesem Ofsizier im bayrischen Landtage der Vorwurf der Feigheit gemacht worden, weil er sich aus Furcht, von seinen eigenen Leuten er⸗ schossen zu werden, weigerte, bei einem Angriff sich an die Spitze seiner Kompagnie zu setzen. Diesen Vorwurf ließ der bayrische Kriegsminister damals unbeantwortet, von dem preußischen Kriegsminister aber und dem bayr. Militärbevollmächtigten wurden die gegen Feilitzsch vor⸗ gebrachten Thatsachen bestritten.— Bebels Rede schloß mit der Ankündigung, daß unsere Fraktion im Kampfe gegen den Zolltarif zur Obstruktion mit legalen Mitteln auf dem Boden der Geschäftsordnung und der Verfassung entschlossen sei und daß sie den Etat wie immer aus prinzipiellen Gründen ablehne. Nach Bebel ergriff so⸗ fort der Reichskanzler das Wort, um seine, wie er meint, vernünftige Welt- und Chinapolitik zu verteidigen. Er war im Tone von auffälliger Zärtlichkeit gegen Bebel, den er einen hervorragenden Politiker nannte. Nur am Schlusse klimperte er auf der nationalen Saite und warf Bebel vor, durch seine Bemerkungen über die Haltung unserer Truppen im deutsch⸗französischen Krieg das nationale Empfinden verletzt zu haben.— Herr v. Goßler hielt wieder eine längere Rede über die Hunnenbriefe, wobei er Bebel den herzlich schlechten Rat gab, den Spitzel Normann⸗Schumann in der Schweiz wegen Beleidigung zu verklagen. Sein Versuch, den Fall Feilitzsch zu rechtfertigen, mißlang völlig. Von der Montags-⸗Debatte ist nichts Bemerkens⸗ wertes zu vermelden. Es sprechen der Nationalliberale Stockmann, der im jüdischen Solde stehende Antisemit Werner, der berühmte Stöcker, der Alldeutsche Hasse und einige Andere. Neues brachte keiner vor. — Dienstag kam die Etatsberatung zu Ende. Nachdem Sattler und Bachem sich nochmals über den Fall Spahn auseinandergesetzt, hielt der jetzige Ver⸗ treter für Mühlhausen im Elsaß, der Fabrilbesitzer Schlumberger eine Rede, in der er seine komisch⸗ rückständigen Ansichten über die Sozialpolitik zum Besten gab. Die begrenzte Arbeitszeit für Kinder nannte er das Verrückte ste, was der Reichstag be⸗ schlossen habe. 14—16 jährige Kinder, die„blos“ 10 Stunden arbeiten, wirft er zu den Bumm lern und Faullenzern. Herr Schlumberger hatte mit diesen Aeußerungen einen großen Heiterkeitserfolg. Die beste Rede zum Falle Spahn hielt der frei⸗ sinnige Abgeordnete Müller⸗Meiningen. Er verlangte, daß zu Prosessoren nur Männer der vorurteilslosen Wissenschaft ernannt werden und niemand Professor werde, weil er einer bestimmten Konfesston angehört. Den abwesenden Genossen Bebel vertrat unser Ge⸗ nosse Dr. Gradn auer. Er polemtsierte gegen die Reden des Reichskanzlers und des Kriegsministers vom 8 8 AFA 1 D S S N 4 — Sg een — — 2222 Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3. Sonnabend Nachmittag und besprach noch einmal in klarer und präziser Weise die vom Kriegsminister einge⸗ leitete Aktion wegen der Hunnenbriefe. Durch Ver⸗ gleichung des Wortlautes der betreffenden Redestellen wies er nach, daß der Reichskanzler über die deutschen Soldaten im franzöfischen Kriege härter geurteilt habe, als unser Genosse Bebel. Bezüglich der Wegnahme der Pekinger Instrumente kündigte er für die zweite Lesung eine Resolution an, die die Regierung zur Rückgabe der Justrumente auffordern soll. Der Kriegsminister wußte unserem Genossen nichts zu erwidern.— Schließlich wurde von den Herren Stockmann und Lieber⸗ mann die Chamberlain⸗Affaire nochmals breit getreten. Krieg in Südafrika. Englische Henkerarbeit. Wieder ist ein Burenführer hingerichtet worden und zwar der kürzlich vom General Methuen gefangen genommene Kommandant Liebenberg, welcher des Mordes an dem Leutnant Neumeyer an⸗ geklagt war. 5 Dewet versuchte, wie aus Kapstadt be⸗ richtet wird, mit einer beträchtlichen Streit⸗ macht die Eisenbahnlinie nördlich von Kroon⸗ stad zu überschreiten, wurde aber zurückgetrieben. Man glaubt, daß er den Versuch erueuern wird. — Einer weiteren Meldung zufolge nahm die Kimberley⸗ Kolonne einen Buren⸗Convoy gefangen. Ueber die Stimmung in Buren⸗ kreisen, besonders in Dewets Truppe, be⸗ richtet der Korrespondent eines engl. Blattes nach der Frkftr. Ztg., daß es Dewet schwierig sei, seine Leute zusammenzuhalten. Nicht, daß die Buren das Vertrauen zu ihrem Führer verloren hätten, sie haben sich nur die Frage vorgelegt, ob durch längeres Aushalten etwas zu gewinnen ist. Seine ersten Offiziere sind kampfesmüde und hielten am 1. Dezember eine Versammlung ab, um zu beschließen, ob sie ihren Widerstand fortsetzen sollten. Die Dis⸗ kussion war eine lange und hitzige, aber alle kamen dahin überein, daß man einem etwaigen Beschlusse treu bleiben müsse. Es wurde die Frage gestellt, ob man weiterkämpfen oder sich ergeben solle. Schließlich wäre mit Mehrheit beschlossen worden, den Kampf noch 2 Monate fortzusetzen. Die Richtigkeit dieser Mitteilung steht natürlich in Frage. Von Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessisches. Parlamentarisches. Der Zweiten Kammer ging ein Antrag der Abg. Häusel und Genossen zu betreffend die Unterstützung armer Gemeinden aus Staatsmitteln zu Schulhausbauten und verlangt für das laufende Budget für 1902/03 statt 40000 Mk., 100000 Mk. einzustellen und 40000 Mk. hier⸗ von für den Kreis Erbach zu verwenden. Ferner wird die Regierung ersucht, Ermitte⸗ lungen eintreten zu lassen, wie hoch sich die notwendige Staatsbeihilfe für Schulhausbauten in den übrigen Gemeinden des Landes beläuft. — Eine Anfrage des Abg. Häusel betrifft die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschlag, in der die Regierung ersucht wird, mitzuteilen, ob sie geneigt ist, mit einer Hagel⸗Versicherungsgesellschaft Vertrag abzu⸗ chließen, wie dies in Baden und Württemberg der Fall ift, um den Versicherung suchenden Landwirten den Beitritt durch Ermäßigung der Prämien zu erleichtern.— Die Stadt Alsfeld und sieben Gemeinden sind betreffs der Bahnverbindung Als⸗ feld⸗Hersfeld vorstellig geworden und er⸗ such en, dem Staatsvertrag betreffend die Main⸗ Ne Karbahn als Vertragsbestimmung beizu⸗ sch daß das preußische Eisenbahnministerium ich verpflichtet, die Eisenbahnstrecke Alsfeld⸗ Grebenau⸗Niederaula in die preußisch⸗hessische Eisenbahngemeinschaft aufzunehmen und die nur 11 Kilometer lange preußische Strecke Landes⸗ renze bis Niederaula gleichzeitig mit der Strecke sfeld⸗Niederaula zu erbauen. Gießener Angelegenheiten. — Ausdehnung der Krankenver⸗ sicherung auf Hausgewerbetreibende und Handlungsgehilfen. Die Gießener Bürgermeisterei hat, nachdem die Stadtverord⸗ neten⸗Versammlung am 7. November v. Is. einen diesbezüglichen Beschluß faßte, ein Orts⸗ statut erlassen, nach welchem vom 3. Febr. 1902 ab die Haus gewerbetreibenden, sowie die gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Handlungs⸗Gehilfen und Lehrlinge beiderlei Geschlechtes der Krankenverstcherungs⸗ pflicht unterworfen werden. Von der Versiche⸗ rungspflicht befreit sind solche Handlungs⸗ gehilfen, deren Gehalt zweitausend Mark jährlich übersteigt.— Unter den„Hausgewerbetreibenden“ sind nach§ 1 des Ortsstatuts zu verstehen: „Selbstständige Gewerbetreibende, welche in eigenen Betriebsstätten im Auftrage und für Rechnung anderer Gewerbetreibender mit der Herstellung oder Bearbeitung n Er⸗ zeugnisse beschäftigt werden und zwar auch für den Fall, daß sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen und auch für die Zeit, während welcher ste nur vorübergehend für eigene Rech⸗ nung arbeiten.“ Soweit also die hier in Be⸗ tracht kommenden Personen nicht in einer dem § 75 des Krankenversicherungsgesetzes genügen⸗ den Krankenkasse sind, müssen sie vom 3. Febr. ab bei der hiesigen Ortskrankenkasse an⸗ gemeldet werden. — Gegen das Urteil des Gießener Schwurgerichts vom Oktober v. Is., durch welches die Witwe Schneider aus Stam m⸗ heim und ihr Sohn von der Anklage des Mordes freigesprochen wurde, hatte der Staats⸗ anwalt Revision eingelegt, die am 20. Jan. vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kommt. Die Freisprechung der beiden Angeklagten er⸗ regte damals überall Aufsehen. r. Buchdrucker⸗Tarif. In der am Montag stattgefundenen allgemeinen Buchdrucker⸗ versammlung erstatteten die Vertreter der ein⸗ zelnen Druckereien Bericht über die Einführung des neuen Tarifes, die mit 1. Januar allge⸗ mein erfolgen sollte. Aus den Berichten geht hervor, daß die hiesigen Prinzipale den Tartf eingeführt, nur gegen die Erhöhung des Lokal⸗ zuschlages Rekurs an den Tarifausschuß er⸗ griffen haben. Sie erklärten, die Erhöhung des Lokalzuschlages zu bezahlen, falls der Rekurs zu ihren Ungunsten entschieden werden sollte. Man bedauerte, daß vielfach die seit⸗ her besser bezahlten Gehilfen an der Aufbesse⸗ rung nicht teilnehmen, da jedoch die gegen⸗ wärtige Teuerung auch sie empfinden. In vielen Orten Deutschlands hat man bei der Einführung dieses Tarifes mehr Entgegen⸗ kommen von Seiten der Druckereibesttzer gezeigt. — Auf den Vortrag, den Genosse Thiel aus Kassel nächsten Samstag(18.) im Wahlverein halten wird, machen wir nochmals aufmerksam. Das Thema lautet übrigens umgekehrt, als in der vorigen Nummer ange⸗ geben: Das„Glück“ der Armut und der„Fluch“ des Reichtums.— Genosse Thiel wird voraus⸗ sichtlich Sonntag in Watzenborn⸗Steinberg und abends in Heuchelheim, bestimmt aber Montag Abend in Alten⸗Buseck sprechen. Aus dem Nreise gießen. B.„Wir sind reiche und angesehene Leute aus Lich!“ Rüpelhaftes Benehmen zeigten eine Anzahl„Herren“ aus Lich am Sonntag Abend in dem Zuge Gelnhausen⸗ Gießen. Etwa 20 an der Zahl, stiegen ste in Nidda im betrunkenen Zustande in das Frauen⸗ Abteil vierter Klasse ein, wo stie lärmten und tanzten. Eine in dem Abteil befindliche Dame wurde in pöbelhafter Weise belästigt, so daß ste sich in ein anderes Abteil flüchtete, dessen Thüre aber von den besoffenen Spießern immer⸗ während aufgestoßen wurde.„Als einer meiner Freunde“, schreibt unser Gewährsmann,„der Dame behülflich 95 und die Thüre schließen wollte, drangen die wüsten Gesellen mit Stöcken auf ihn ein und schlugen ihn auf den Kopf. An einer Station verlangte ich die Feststellung der Namen der Skandalsüchtigen durch den Stationsvorsteher. Da bat mich einer, von der Anzeige Abstand zu nehmen, sie seien reiche, angesehene Leute aus Lich, hätten nach Nidda einen Ausflug gemacht und alle Wirtschaften besucht. Trotzdem verlangte ich in Gießen vom Zugführer, Anzeige zu erstatten, ob es geschehen wird, ist sehr fraglich.“— Bildung schlt den „angesehenen“ Leuten! r. Großen⸗Buseck. Eine von etwa 200 Personen besuchte Volksversammlung fand am Sonntag im Lokale von Größer statt. Es galt, die Schädigung der arbeitenden Bevölke⸗ rung durch die Zölle zu beleuchten und die Angriffe von dem Antisemiterich Reuther in der antise⸗ mitischen Versammlung am Sonntage vorher zurückzuweisen. Genosse Beckmann⸗Gießen erörterte eingehend die nachteilige Wirkung der Zölle, auf die Lage der Minderbemittelten und Besitzlosen, die jetzt schon durch die indirekten Steuern verhältnismäßig stärker als die Be⸗ sitzenden belastet würden, näher eingehend. Wenn nicht die Riesensummen für Heer und Flotte ausgegeben würden, wodurch die Reichs⸗ schulden in's Ungeheuerliche gewachsen sind, könnte auch mehr für die Landeskultur gethan werden. Dann beleuchtete Redner die rüdige Art der antisemitischen Agitation. Mit wüsten Schimpfereien glaubten die Antisemiten die Vernunftgründe Anderer abthun zu können; fraglich sei, ob die Agitatoren à la Reuther selbst an das von ihnen Vorgebrachte glauben. Den Kleinbauern vorreden wollen, daß ihnen die Zölle nützten, sei bewußte Irreführung. Beckmanns Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall von den Versammelten aufgenommen und einstimmig eine Resolutton beschlossen, die sich mit dem Redner einverstanden und entschieden gegen die gemeingefährliche antise⸗ mitisch⸗agrarische Agitation und den Zollwucher erklärt.— Für die unter den Nachläufern der Antisemiten herrschende Bildung ist bezeichnend, daß einer derselben die von unsern Genossen angeschlagenen Plakate herunterriß, derselbe traurige Bursche, welcher in der antisemitischen Versammlung, wie uns nachträglich mitgeteilt wurde, mit dem Messer gegen einen unsern Genossen vorgehen wollte. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Aus dem Nreise friedberg⸗Püdingen. o. Höchstbesteuerte. Das Friedberger Amtsblatt veröffentlichte 1 die Namen der 50 Höchstbesteuerten des Kreises. Zu den in so angenehmen finanziellen Verhältnissen Befindlichen gehört auch unser Stadtbaumeister Zörb. Wie wir hören, soll derselbe heute ein Einkommen von 34000 Mark jährlich versteuern. Als er vor nicht allzulanger Zeit als Kreis⸗ bauaufseher hierher kam, da hätte wohl niemand es für möglich gehalten, daß dieser kluge Mann es als Stadtbaumeister von Friedberg einmal zu solchem Vermögen bringen könnte. Wenn sich die privaten Verhältnisse eines in städtischen Diensten Stehenden bei aller Sorge um das Wohl der Stadt in so erfreulicher Weise ent⸗ wickeln, so ist das sicher ein Beweis für seine Tüchtigkeit. l. Studenten⸗ Manieren gewöhnen sich die Besucher der hier seit 1. Oktober errichteten Gewerbe⸗Akademie an. Sie haben sich ähnlich wie an Hochschulen in studentische Corps zusammengethan und wie in den Uni⸗ versitätsstädten geht es jetzt nachts auch hier zu. So fanden in letzter Zeit verschiedentlich Schlägereien mit andern Personen statt, wobei diese feinen Herren gewöhnlich schlecht ab⸗ dt In dieser Hinsicht verstehen die riedberger wenig Spaß und mancher sog. stud. tech. kann davon schon ein Liedchen singen. So wurde dieser Tage im Saalbau einem der⸗ selben, derartig über den Kopf gehauen, daß er ins Hospital verbracht werden mußte, wo er lange Zeit bewußtlos war. Vielleicht lernen die Herren mit der Zeit von der Friedberger Bürgerschaft, wie man sich zu be⸗ tragen hat. l. Der Athletenklub⸗„Germania“, dessen Mitglieder trotz seines patriotischen Namens fat ausnahmlos auch Mitglieder des Stabtbeurdneter schtint, 1 un Lelte die bisher schweren Aubeit, loch einen Verdie st die Rede dabo loch weiter herab Bitter klagen Ds„Nullen“ de Alerhört berfahr siud ganze Züge worden, weil sih guten Eisenstein orten A. befande! det Bergleute g. Arbeiten in der anderes Gestein Hergusfahren b. hineinfallen. 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Mitteldenische Sountags⸗Zeitung. Seite 5 Wahlvereins geworden find, feierte am Sonn⸗ tag in der Stadt New York sein diesjähriges Besonders hervorgehoben seien die ezeigten Kraftübungen und Pyramiden⸗Auf⸗ ellung, welche den Beweis lieferten, daß der Verein etwas zu leisten vermag, was wir übrigens auch schon bei der Kalenderverbreitung wahrgenommen. Wir wünschen demselben ein weiteres Blühen und Gedeihen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Lohnherabsetzungen der Arbeiter mußten wir in der letzten Zeit leider mehrfach aus unserm Kreise melden. Jetzt beklagen sich wieder die Bergleute des Millionärs Raab, Stadtverordneter in Wetzlar, über, wie uns scheint, ganz ungerechtfertigte Abzüge. Die Leute, die bisher nur 2.90 Mk. täglich bei ihrer schweren Arbeit verdienten, erzielen jetzt nur noch einen Verdienst von 2.60 Mk. und bereits ist die Rede davon, daß dieser kärgliche Lohn noch weiter herabgemindert werden soll. Bitter klagen die Bergleute besonders über das„Nullen“ der Wagen, wobei geradezu unerhört verfahren wird. Vor Weihnachten sind ganze Züge von 40—50 Wagen genullt worden, weil sich darin unter dem geförderten guten Eisenstein Schiefer und andere Gesteins⸗ arten ꝛc. befanden. Das ist nun nach Aussage der Bergleute gar nicht zu verhüten. Beim Arbeiten in der dunklen Grube kann leicht anderes Gestein dazwischenkommen, auch beim Herausfahren von der Decke in die Wagen hineinfallen. Für die genullten Wagen wird natürlich nichts bezahlt. Herr Raab, der öffentliche Aemter bekleidet und zu den Größen der hiesigen Nationalliberalen gezählt wird, sollte doch dafür sorgen, daß seine Arbeiter nicht halb umsonst schaffen müssen. h. Vortrag. Für Mittwoch den 22. Jan. hat die„Lese⸗Vereinigung“ wieder einen Vor⸗ trag arrangiert. Prof. Dr. Mannheimer⸗ Frankfurt, der als vorzüglicher Kenner der Litteratur⸗Geschichte bekannt ist, wird über „Goethe in Wetzlar und Werthers Leiden“ sprechen. Der Vortrag findet im Schützen⸗ garten statt. Eintritt kostet 30 Pfg. h. Arbeitex⸗Tod. Im Hüttenwerke verunglückte am Freitag der Maschinenschlosser Ph. Jung aus Klein⸗Linden. Ein Hebel schlug zurück und zertrümmerte dem Mann den Schädel, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Der so jäh Verstorbene ist erst 25 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. St. Gewerkschaftsfest. Wir weisen hiermit noch einmal auf das am Sonntag, den 19 Januar, Abends 7 Uhr im Café Quentin dahier stattfindende Winterfest der hiesigen Gewerkschaften hin, bei welchem auch unser Gesangverein„Eintracht“ mitwirken wird. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges und da auch ein Tänzchen vorgesehen ist, so dürfte es fehle an einem recht zahlreichen Besuche nicht ehlen. — Eine Stadtverordnetensitzung fand am Dienstag Nachmittag im Rathaussaale statt, in welcher die wieder- und neugewählten Stadtverordneten in ihr Amt eingeführt wurden. Alsdann wurden die Herren Dörfler als Vorsteher und Euler als Schriftführer, sowie Seebinger als dessen Stellvertreter wieder⸗ Es waren alsdann 20 verschiedene Kommissionen zu wählen, zu denen die Wahl⸗ vorschlagskommission. die nötigen Vor⸗ schläge gemacht hatte. Eigentümlich berührt es hierbet, daß die neuen Mitglieder, mit Ausnahme des Mechanikers Engel(ö) mitvor⸗ geschlagen waren. Warum aber Engel nicht? Mehrere Mitglieder beantragten Vertagung der Kommissionswahlen, um sich über etwaige Ab⸗ änderungsvorschläge einigen zu können. Da jedoch der Obernürgermeister erklärte, daß er der Kommissionen sofort bedürfe, beschloß man die sofortige Wahl derselben Wahl derselben. — Eine längere Debatte entspann sich bei dem Punkte Aufhebung des Nachtwächter ⸗Instituts. Der Reg. Präsident verlangt nunmehr definitiv die Beseitigung des Nachtwächter ⸗Instituts, weil für den Sicherheitsdienst ungenügend, und Anstellung weiterer Polizeisergeanten, die den Nachtwachdienst mitzuversehen hätten. Der Magistrat beschloß demgemäß die Anstellung von weiteren 7 Polizisten und einem Polizei⸗ wachtmeister vom 1. April an. Da die Stadt⸗ verordueten mit Recht hierin eine große Mehr⸗ belastung für die Stadt erblicken, so wurde beschlossen, die Sache dem Minister vorzustellen und um Belassung des jetzigen Zustandes, wenigstens für die nächsten Jahre, zu ersuchen. — Was die Liebe nicht thut. Am Montag Abend entfernte sich heimlich ein vor der Kaserne Posten stehender Jäger, um sein Liebchen zu besuchen. Er sollte sich jedoch nicht lange seines Glückes freuen, denn es nahte sich die ihn suchende Patrouille und er kehrte deshalb schleunigst auf seinen Posten zurück. Dies half ihm aber nichts; seine Liebesleiden⸗ schaft wurde vielmehr mit„14 Tagen streng“ geahndet. — Unfall. Am Mittwoch Vormittag stürzte in der Universitätsstraße der mit Möbeln hochbeladene Wagen eines hiesigen Dienstmannes um. Dabei wurde der Mann schwer verletzt und brach ein Bein, sodaß er nach der chirurgischen Klinik verbracht werden mußte. — Carambolage. Ein am Dienstag nachts auf dem Rückwege nach hier befindliches Fuhrwerk stieß bei Dilschhausen so heftig auf einen der an der Straße haltenden Wagen einer Zigeunerbande, daß der Wagen mit seinen, in tiefem Schlafe liegenden Insassen, umstürzte und diese sämtlich auf die Straße kollerten. Es erhob sich natürlich ein fürchterliches Zeter⸗ geschrei der Zigeuner, welches den Marburger Fuhrmann zu schleuniger Flucht veranlaßt. Arbeitslosen⸗Demonstrationen in Frankfurt. In der Stadt der Millionäre, im reichen Frankfurt, dem man ausgezeichnete sozial⸗ politische Einrichtungen nachrühmt, hat sich nun die Arbeitslosigkeit und die durch ste her⸗ vorgerufene Not auf der Straße gezeigt. Am Donnerstag, Freitag und Samstag voriger Woche und am Dienstag dieser Woche kam es dort zu großen Demonstrationen von Arbeitslosen. Dieselben nahmen nach⸗ mittags gegen 4 Uhr ihren Anfang auf dem Roßmarkt, einem Zentralpunkt der Stadt, wo von dem„General⸗Anzeiger“ jeden Nachmittag ein Extrablatt über die Stellennachweise gratis verabreicht wird. Infolgedessen sammeln sich jetzt täglich zu einer bestimmten Stunde Hunderte von Arbeitslosen auf diesem Platze. Ohne organisatorische Vor— bereitung und ohne Verabredung zogen diese nun am Donnerstag durch einige Straßen der Altstadt nach der städtischen Arbeitsvermittelungs⸗ stelle am Main⸗Quai. Am Freitag kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die in bedeutender Stärke aufgeboten war. Daran trug aber wie ge⸗ wöhnlich, die Polizei selbst die Schuld, weil sie mehr„Energie“ entwickelte, als es nötig war. Noch ernster wurde es am Dienstag, wo die Polizei mit blanker Waffe einschritt und viele Verhaftungen vornahm. Sogar die Frkft. Ztg. schreibt, man müsse der Polizei einen Teil der Schuld an den aufregenden Szenen beimessen. Die Schutzleute— die uniformirten den blanken Säbel in der Faust, die Geheimschutzleute mit Ochsenziemern bewaffnet— drangen auf die in ängstlicher Flucht sich zurückziehenden Menschen, von denen, wie der Augenschein lehrte, auch nicht ein Ein⸗ ziger den Versuch machte, sich nur irgendwie zur Wehre zu setzen. Auf dem Trierschen Platze gerieten Frauen zufällig unter den Schwarm, sie hatten durch die Ueber⸗ griffe einzelner Polizisten sehr zu leiden. Es wird hervorgehoben, daß die„Demonstranten“ sich durchaus ruhig benahmen. Am Mittwoch Vormittag tagten im Gewerk⸗ schaftshaus und der„Concordia“ zwei stark⸗ besuchte Arbeitslosenversammlungen, in denen Gen. Gräf und Dr. Quarck über die unverschuldete Notlage der Arubeitslosen sprachen. Zur Annahme gelangten Resolutionen, welche die staatlichen und kommunalen Behörden dringend auffordern, beschleunigt für Arbeits⸗ gelegenheit zu sorgen, um hierdurch der drückend⸗ sten Not zu steuern.— In beiden Versamm⸗ lungen erfolgten Warnungen vor Beteiligung an Demonstrationen auf der Straße, wo der wirkliche Arbeiter mit Elementen zusammen⸗ komme, die nichts weniger als Arbeiter seien, sondern faulenzende Burschen, denen der Radau die Hauptsache sei. Allerdings wäre besser, die beteiligten Behörden würden durch geeignete Maßnahmen die Notlage zu mildern suchen, als daß ste mit dem Säbel drein hauen lassen. Das ist kein Kunststück. Cavour sagte bekannt⸗ lich, mit dem Belagerungszustand könne jeder Esel regieren. Kleine Mitteilungen. * Wegen Milchpantscherei wurde die Ehefrau des Bauern Koch aus Wachen⸗ buchen vom Hanauer Schöffengerichte zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die Bäuerin wollte dem „Notstande der Landwirtschaft“ dadurch abhelfen, daß sie an Frankfurter Händler Milch mit 13 Prozent Wasserzusatz, sowie abgerahmte Milch als Vollmilch verkaufte. ** Bei einem Zimmerbrande, der in der Nacht zum Montag in einem Gasthause in Mainz ausbrach, ist ein Fremder aus Frank⸗ 15 Namens Siebenhaar in seinem Bette er⸗ ickt. * Ein schreckliches Unglück ereignete sich am Montag(6. Jan.) in der Thongrube der Schmelztiegel⸗Fabrik C. W. Göbel und Söhne in Groß⸗-Almerode bei Kassel. Zwei Inhaber der Firma und ein Maschinist, welche sich in der durch hereinbrechende Wasser⸗ massen gefährdeten Grube befanden, wurden durch ausströmende giftige Gase getötet. Wegen des Wassers konnte man die Leichen nicht sofort herausbefördern. ** Religiöser Wahnsinn. Ein an religiösem Irrsinn leidender 34 jähriger Komptoirist aus Augsburg entkleidete sich in der Freitag⸗Nacht gegen halb 3 Uhr auf dem Maximiliansplatz in München und ging, fort⸗ während Bibelsprüche und dergleichen hersagend, gegen den Karlsplatz, von wo er ins Kranken⸗ haus verbracht wurde. * Großes Bergunglück. Im„Jupiter⸗ schacht“ bei Brüx(Böhmen) brachen Wasser⸗ massen ein, wodurch viele Bergleute abgeschnitten 12 5 43 derselben dürften verloren ein. Versamm lungskalender. Samstag, den 18. Januar. Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 1½9 Uhr Mitgliedersammlung im Lokale Orbig. Vortrag von Thiel⸗Kassel. Gäste willkommen. Sonntag, den 19. Januar. Heuchelheim. Abends 7¼ Uhr Volksversammlung im Lokale F. Kröck. Vortrag v. Gen. Thiel⸗ Kassel:„Die Bibel als Agitationsmittel“ Rödgen bei Nauheim. Nachmittags 3 Uhr General⸗ versammlung des soz.⸗dem. Wahlvereins. Trohe. Nachmittags 3 Uhr Volksversammlung im Lokale Volk.„Politische Tagesfragen“. Referent Vetters. Montag, den 20. Januar. Alten⸗Buseck. Abends 8 Uhr Volksversammlung bei W. Becker, Vortrag v. Thiel;„Glück der Armut.“ Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Kreiskonferenz in Gießen. Sonntag, den 2. Februar 1902, Vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom zweiten Halbjahr 1901 und Neu⸗ wahl des Vertrauensmannes. 2. Organisation und Agitation im Kreise. 3. Allgemeine Anträge. Briefkasten. Mehrere Einsendungen mußten zurückgestellt werden. Hch.⸗Friedbg. Briefe darfst Du schon frankieren! 223222 8 2 5 . e * — * Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3. Schutz vor Hunnenkriegern! Aus Homburg b. d. H. berichtete die Frkf. Ztg. Ende voriger Woche: Ein ehm. China⸗ krieger, der Unterof f. Weber, früher beim Regiment Nr. 87 in Mainz, der beim hiesigen Bataillon kapitulirt hat und Weihnachten 100 M. Kapitulationsgelder ausgezahlt erhielt, hat in Kirdorf im betrunkenen Zustande eine Schlägerei angefangen. Nachdem man ihm das Seitengewehr genommen, zog er sein Messer und verwundete auf der Straße drei ihm begegnende Männer. Einer von diesen erhielt fünf Stiche in den Rücken und die anderen je einen Messerstich in den Oberschenkel. Es gelang, den Fliehenden zu ergreifen, zu bän⸗ digen und nach Homburg auf die Hauptwache abzuliefern.— Vorfälle dieser Art— es wurden seit Rückkehr der Chinakrieger schon mehrere berichtet— beweisen, daß der Kreuzzug that⸗ sächlich eiuen verrohenden Einfluß auf seine Theilnehmer ausgeübt hat, wie es von der sozialdemokratischen Presse vorausgesagt wurde. Also doch irrsinnig. Der Bierbrauer Albert aus Fürth, der im vorigen Jahre in Weisenau bei Mainz seinen Kollegen König auf so bestialische Weise ermordet hatte und vom vorletzten Schwur⸗ gerichte in Mainz zu 10 Jahren Zucht⸗ haus verurteilt wurde, ist jetzt wegen hoch⸗ gradigen Irrsinns aus dem Zuchthause in die Irrenanstalt überführt worden. Ein Heidelberger Professor hatte seinerzeit vor dem Schwurgerichte sein Gutachten dah in abgegeben, daß der Angeklagte, der erblich belastet war, und auch während der Sitzung einen furcht⸗ baren Wutanfall bekam, nicht str afrechtlich für seine That verantwortlich gemacht werden könne. Zwei weitere Sachverständige standen auf einem entgegengesetzten Standpunkte. Ein trauriges Familienbild entrollte eine Verhandlung vor dem Kölner Schöffengericht: Eine einbeinige Schülerin war der Bettelei angeklagt. Das Kind klagte weinend, es habe Hunger gehabt und sich nur ein Brödchen gefordert. Die Mutter fügte hinzu, ihr Mann sei sechs Wochen krank und ein Sohn vier Wochen außer Arbeit gewesen. Ein zweiter erwachsener Sohn diene beim Militär, und sie erhalte 18 Groschen Unterstützung, womit sie acht Personen unterhalten müsse. Das Kind wurde freigesprochen, da es das Strafbare seiner Handlungsweise nicht gekannt habe.— Da leiden zahlreiche Kinder des Volkes unter unsäglichem Elend, während einzelne Angehörige der„besseren Gesellschaft“ Tausende, sogar Millionen von Mark in einer Nacht bei Spiel und Zechgelagen vergeuden! Speiset die Hungrigen! Wie man dieses christlichen Gebotes in dem gesegneten Ostelbien gedenkt, dafür bringt unser Königsberger Parteiblatt einen neuen Beleg in einem Berichte über eine Gerichts verhandlung gegen den Gutsbesitzer Hugo Fleiß aus Meyer⸗ hof. Zugleich gab diese Verhandlung ein Bild von der geradezu scheußlichen Gesindesklaverei. Eine bei ihm bedienstete Köchin hatte einem ansprechenden Handwerksburschen ein Töpfchen Buttermilch gereicht. Dafür prügelte sie Fleiß mit einer Reitgerte so lange über Kopf, Arme und Rücken, daß sie längere Zeit bettlägerig war. Er drohte ihr außerdem an, „daß sie es alle Tage für ihre Frechheit so bekommen werde“. Die Köchin verließ natürlich den Dienst und verklagte den schlagfertigen Gutsbesitzer. Fleiß ließ aber durch den Amts⸗ vorsteher das Mädchen zurückholen, als er hörte, daß sie einen anderen Dienst angenommen hatte nach ihrer Genesung. Das Gericht verurteilte den prügellustigen Gutsbesitzer zu der milden Strafe von 150 Mk. für die Körperverletzung, 15 Mk. für die Beleidigung und 50 Mk. Ent⸗ schädigung an die Verletzte. Der Staatsanwalt hatte bedeutend höhere Geldstrafen beantragt und als strafschärfend hervorgehoben, daß die Mißhandlung erfolgt sei für die gut gemeinte Kolledlagige Mildthätigkeit gegen einen armen ollektanten. An diesem Fall dokumentiert sich einmal wieder so recht die ganze Rechtlosigkeit der Dienstboten. Trotzdem das Mädchen aufs schwerste mißhandelt worden ist, führt der Amtsanwalt es seinem Peiniger wieder zu. Aber auch die ganze noble Gesinnungsart der Herren unter den geflickten Strohdächern zeigt der Fall: Wegen der Gewährung eines Töpf⸗ chens Buttermilch an einen armen Handwerks⸗ burschen im Wert von einem oder ein paar Pfennigen gerät ein solcher Herr in maßlose Wut, und von dem deutschen Volke verlangen diese Leute Liebesgaben von vielen Tausenden. Eine feine Sippe! Arbeiterbewegung. 7 Holzarbeiter-Aussperrung in Berlin. Eine am Freitag stattgefundene Delegierten⸗Versammlung der Berliner Tisch⸗ lerinnung beschloß, zehn Prozent der in den Berliner Betrieben beschäftig⸗ ten Holzarbeiter— nur Verbandsmit⸗ glieder— auszusperren, falls nicht vom Holzarbeiterverband die sofortige Aufhebung der über die Firmen Weinland, Geisler, Ziehe und Hülsenbeck verhängten Sperren schriftlich zugesichert würde. Den Arbeitgebern scheint jetzt bei der ungünstigen Geschäftslage der Augenblick gekommen, das Koalitionsrecht der Arbeiter zu vernichten. Dazu haben sie den Streit vom Zaune gebrochen. . Der Solinger Scheerenschleifer⸗ streik ist beendigt. Der Verein der Schee⸗ renfabrikanten hat sich mit dem Scheerenschleifer⸗ verein in der Lohnfrage geeinigt und die Ar⸗ beiter stimmten mit wenigen Ausnahmen den Einigungsvorschlägen zu. T Ausgesperrte Glasarbeiter sind noch immer eine ganze Anzahl zu unterstützen. Es muß überall dafür gesorgt werden, daß es den Glasprotzen nicht gelingt, die Arbeiter auszuhungern. Deshalb ergeht an die Arbeiter⸗ schaft und die Genossen die Aufforderung, wo es ihnen nur möglich ist, ein paar Groschen für die Opfer des Klassenkampfes aufzubringen, um ihnen die Existenz zu ermöglichen, da der Glasarbeiter⸗Verband nur geringe Unterstützung auszahlen kann. a C N e b Unterhaltungs-Ceil. A Brigitte. Von G. Stein. Machdruck verboten.) 2.(Schluß) Von der Dorfstraße her, eingehüllt in das Scheidelicht des sterbenden Tages, kam Annchen, ihr Annchen.„Ahning!“ rief es wieder, und als Brigitte sich aufrichtete und das Kind sie sab, da flog es mit einem Jubelruf auf sie zu, ein zierliches Geschöpf, mit dunkeln leuchtenden Augen, ein Gewirr blonder Locken und Rosen⸗ wangen, und einen süßplaudernden Kindermund, der nun mit tausend Fragen auf Ahning ein⸗ stürmte: Wo sie so lange geblieben sei, es werde ja schon dunkel, und der Butzemann mit den Feueraugen komme schon aus dem schwarzen Busch. Und es sei Besuch da, ein Onkel aus der Stadt. Sie habe sich zuerst so gefürchtet und wollte ihm gar nicht die Hand geben, aber so was Schönes habe er ihr mitgebracht, eine Puppe mit wirklichen Augen, die sie aufmachen könne und zu, und so einen großen Chokolade⸗ mann. Und so schöne Geschichten könne der erzählen, und nun set er mitgekommen, Ahning suchen zu helfen. Nun erst wurde Brigitte des Fremden gewahr der sich bisher im Hinkergrunde gehalten hatte. Er war ein feiner Stadtherr mit modischem Ueberrock und Seidenhut. Als er näher trat, durchfuhr es sie in ahnendem Schreck. Der Fremde— die braune Ann'— sollte er?—— Er war es, und vor den alten Augen, die voll und vorwurfsvoll die seinen suchten, schlug er den Blick nieder. Dann beichtete er: Er habe nichts Böses gewollt, gewiß nicht. Die Verhältnisse waren stärker wie er und haben ihn in Schuld getrieben. Und Ann', die seine Hilfe zurückgewiesen hatte, war und blieb verschwunden. Sie habe sich nach der Heimat gewandt, hieß es einmal. Dann wieder, sie sei nach Amerika ausgewondert. Vor wenigen Wochen erst sei er frei geworden, ganz frei und unabhängig; und die Nach⸗ forschungen, die er sofort wieder aufgenommen, hätten ihn hierher geführt. Hier habe er Annens Grab gefunden— des Mannes Stimme bebte bei diesen Worten— und sein Kind, sein herziges Kind, in der Hut der treuesten aller Großmütter. Ob sie ihm verzeihen wolle, was er an ihr gesündigt, an ihr und der Todten— und ihm das Kind anvertrauen, daß er es unterrichten lasse und aufziehen in allem Schönen und Guten. Und auch sie solle es gut haben, nicht mehr in den Wald müssen und sich in alten Tagen ihr Brot verdienen; auf der Bank vor dem Haͤuschen soll sie sitzen dürfen im friedlichen Sonnenschein, und in den Ferien wird Anuchen zu ihr kommen, und sie wird ihre Freude haben am aufblühenden Urenkelkind. Brigitte hatte ihn ausreden lassen. Kein Blick, keine Bewegung verriet, ob sie ihn ver⸗ standen habe oder nicht. Nur als er davon sprach, daß er das Kind mit sich nehmen wolle, war sie zusammengezuckt, wie unter einem schmerzlichen Streich. Nun richtete sie sich hoch auf. War die Greisin, die da so gebietend und hoheitsvoll auf dem erhöhten Moosteppich unter der Eiche stand, war das das gebeugte Mütterchen, das allzeit friedlich, allzeit die Augen am Boden, ihr Tagewerk und ihr Brod suchte? Wer hätte es dem alten Körper zugetraut, daß er sich so straff noch emporrichten könnte, wer der zittrigen müden Stimme, daß sie noch über so klare starke Töne gebot, wie sie jetzt unaufhaltsam, wie ein lange zurückgedämmter Strom über ihre Lippen brachen? „Verzeihen soll ich? Was denn verzeihen? Daß Ihr ein armes Mädchen ins Elend getrieben, daß Ihr ste hinausgestoßen habt in Sturm und Nacht und Wetter, und ste nun draußen liegt auf dem Gottesacker? Verzeihen soll ich das? Weil Ihr jetzt gerade„frei“ seid, weil es Euch jetzt gerade so paßt, und Ihr gerade mal dran denkt? Da kommt Ihr und sprecht: Verzeihung! Und da soll ich verzeihen und soll das Gnaden⸗ brod essen aus einer verfluchten Hand? O Ihr Stadtleut'! O Ihr reichen Leut'! Für Euer Geld kauft Ihr Euch Alles, Ehr' und Schand', und Alles hat seinen Preis, und wenn Ihr dann kommt und aufzählt, dann soll man's zufrieden sein?!! Und mein Kind wollt Ihr mir nehmen und wollt es aufziehen zum Guten und Schönen?! O, so sind sie schon einmal gekommen und haben mir gesagt, die Alten dürfen nicht nur an sich denken und ihr Glück — haha, mein Glück— das unmenschlich viele Glück, das ich schon g'spürt hab all mein Leben lang— und dürfen dem Glück der Jungen nicht im Wege stehen. Und ich hab's geglaubt und hab sie ziehen lassen, und sie kam heim und hatte sich eine solche Last von Glück heimgebracht, daß ihr's Tragen zu schwer wurde, und sie sich nun ausruhen muß in einem Schlaf, aus dem es kein Aufwachen mehr giebt.“ Sie atmete tief auf und strich die weißen Haare zurück, die der Wind ihr ins Gesicht geweht hatte. „Spart Euch nur die Mühe, Herr, mein Annchen kriegt Ihr nicht.“ 1 Der Fremde zuckte die Achseln, halb mitleidig, halb ungeduldig. i „Ihr seid von Sinnen, Frau, ich halt's Eurem Schmerz zu gut und Euer Aufregung. Wenn Ihr erst zur Vernunft gekommen seid, werdet Ihr anders über die Sache denken, zumal Euer Widerstand Euch doch nichts nützt. f 1 und lult z ö 10 0˙ — ͤ— —.— 0 * nig nich au, Ih Wenn es nötig ist, hole ich mir mein Kind kraft des Gesetzes mit Gewalt!“ 15.8. Auge 0 Aunchel, it d weilen d wall! Ei it mandel, Der Mann Mor das noch eit 0 0 gpordene Nacheg 6 * J imuiläürlich hin ah er, wie die e scitelte ibn ab.! Sie suchte eil id let sich ta Mann war zurüt nd einige Auge das leise Weine erschrockenen Aug Der Ftemde we ich dem Onkel! auch noch gar schöne Puppe!“ In des Frem beim Klang die feiner Brust ar Thränen tropft beugte er sich m. sich, fest und in bon sich lassen. Brigitte ließ — der Mann mit er ch manchmal chen?“— da bochener Stimmt fe nach einer! wenn ich einme wollt mir hier 1 Ruhestatt da d die Richtung de Ihr wie ein rec handeln und ez au Leih und borgen dürfen un agen daß— Der Fremde id se ken d nher hafucht r aufgen men c hube er Anz 0 Süimme bebte 1 sein herziges ler Großmütter dten— undi m r es unterrichten nen und Guten. en, nicht mehr in alten Tagen ihr vor den Häuschen hen Sonnenschen, en zu ihr kommen, am aufblühenden den lassen. Kein „ ob sie ihn ber⸗ ur als er davon ich nehmen woll, die unter einem auf. War die und hoheitsboll unter der Eiche Mütterchen, das gen am Boden, 4 7 Die Ann' hat keinen Namen genannt, sie wollt 5 Nr. 3. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. „Euer Kind, kraft des Gesetzes, mit Gewalt?“ Die alte Frau lachte, schrill und mißtönend, und schlug dabei ihre Arme wie schützend so 6 — 4 1. 4 fest um Aunchen, daß die erschrockene, Kleine laut zu weinen begann. „Kraft des Gesetzes! Mit Gewalt! Euer Kind! Ja, wer seid Ihr denn? Muß ich Euch denn glauben, daß es Euer Kind ist? Könnt Ihr mirs denn beweisen? nichts von Euch und wollt nicht, daß ihr Kind was mit Euch zu thun haben sollt. Geht, holt's! Holt mir mein Enkelkind aus dem Grab, gebt mir sie wieder. Und dann laßt sie Zeugnis ablegen für Euch!—— Das heißt, Ihr könnt's nicht, könnt's nicht, könnt nimmer adufbauen, was Ihr eingerissen habt, könnt nicht mehr zum Leben erwecken, was Ihr in den 8 9 55 N 8 * 8 1 1 uchte? Wer hätte l daß er sich so wer der zittrigen ber so klare frarke haltsam, wie ein über ihre hen denn berzeihene 3 Elend getrieben, ct in Sturm und un draußen liegt hen soll ich das? sid, el eh Euch erade nal nun cht: Verzeihung! soll das Gradel⸗ 1 Hude O lt Leuk! dür Euer * und Scand. ral, 10 15 14 fut feld, gethan en ft 600 delle je achts mn. 4%% N 1 sützt⸗ — 1 10 14 N bund. an Leib und Seele, dann sollt Ihr 5 sagen, daß— Ihr ein Recht dazu habt.“—— 1 1 14 11 4 1 1 „Eil Dorf ist nahe, aue Unterkunft.“ 3———— Tod getrieben habt. Und doch kommt Ihr daher, wollt mir das Licht meiner Augen stehlen, die einzige Sonne, die mich noch erwärmt?! — Erst morden, dann stehlen?!“ Der Mann war entsetzt zurückgewichen. War das noch ein Weib? War es die fleisch⸗ gewordene Rachegöttin, die ihn heimsuchte? Da sah er, wie die alte Frau wankte, und sprang unwillkürlich hinzu, sie zu schützen. Sie aber schüttelte ihn ab mit ihrer letzten Kraft:„Rührt mich nicht an, Ihr Mörder! Ihr Zuchthäusler!“ Sie suchte einen Stützpunkt an dem Baum und ließ sich tastend zur Erde gleiten. Der Mann war zurückgetreten, erdfahl im Gesichte, und einige Augenblicke hörte man nichs als das leise Weinen Annchens, das mit großen erschrockenen Augen von einem zum andern sah. Der Fremde wandte sich zum Gehen.„Darf ich dem Onkel nicht Adieu sagen? Habe mich auch noch gar nicht bedankt für die schöne, schöne Puppe!“ In des Fremden Gesicht lag eine tiefe Röte beim Klang dieser bittenden Kinderstimme. In seiner Brust arbeitete es mächtig und schwere Thränen tropften aus seinen Augen. Dann beugte er sich nieder und preßte das Kind an sich, fest und innig, als wollte er's nie wieder von sich lassen. Brigitte ließ es geschehen. der Mann mit erstickter Stimme fragte:, Und als nun Darf ich manchmal wiederkommen, manchmal sie sehen?“— da sagte Brigitte mit seltsam er⸗ loschener Stimme:„Ihr dürft— und“, fügte sie nach einer kurzen, schweren Pause hinzu, „wenn ich einmal nicht mehr da bin, und Ihr wollt mir hier im Angesichte Gottes und der Ruhestatt da drüben— ihre Hand deutete in die Richtung des Friedhofs— versprechen, daß Ihr wie ein rechtschaffener Vater an dem Kinde handeln und es beschützen und behüten wollt für sie sorgen dürfen und ich will's dem Herrn Pfarrer Der Fremde streckte ihr die Hand entgegen und sie legte die ihre in dieselbe Hand, die sie vorher verflucht hatte. eee Licht. Von W. Korolenko. Vor langer Zeit einmal traf es sich, daß ich an einem dunklen Herbstabend auf einem stbirischen Flusse fahren mußte.. An einer Wendung des Flusses flimmerte plötzlich unter schwarzen Bergen ein Licht. 6. flimmerte grell, stark und ganz, ganz e „Nun, Gott sei Dank!“ sagte ich. er Ruderer, ein Sibire, wendete sich um und schaute über die Schulter auf die Flamme; dann begann er wieder apathisch zu rudern. „Es ist noch weit.“ 5 Ich glaubte ihm nicht. Das Licht stand da; aus unbestimmtem Dunkel trat es scharf hervor.— Aber der Ruderer hatte recht; es war wirklich noch sehr weit. f l Es ist eine Eigentümlichkeit dieser Licht⸗ erscheinung, sich zu nähern, die Finsterniß be⸗ siegend, zu flimmern, zu versprechen und zu locken durch ihre Nähe. N 1 Es scheint dir, nur noch zwei, drei Ruder⸗ schläge, und du bist am Ziele. Und— es ist noch gar so weit! Und lange noch fahren wir auf dem dunklen, düsteren, tintenschwarzen Flusse. Die Felsen und Klüften schwammen heran und rückten näher und schwommen fort, rückten in die Ferne und verloren sich in scheinbar unendliche Weite; das Licht aber stand da vorne, en und lockend, so nah und doch eit Oft taucht jetzt vor mir auf dieser dunkle Fluß, beschattet von felsigen Bergen und dieses lebendige Licht. Nicht mich allein lockten so gar viele Lichter durch ihre Rähe, aber das Leben fließt noch immer zwischen düsteren Ufern, und die Lichter sind noch weit. Und wieder muß man zu den Rudern greifen. Aber doch... vorne ist das Licht! Gemeinnütziges. Rostflecke aus Wäsche zu vertilgen. Rostflecke in weißer Wäsche entstehen meist da⸗ durch, daß dieselbe mit eisernen, in die Wasch⸗ gefäße eingeschlagenen Nägeln in Berührung kommt; sie geben der Wäsche nicht allein ein schlechtes Aussehen, sondern rufen nach einiger Zeit auch Löcher hervor, weshalb jede Haus⸗ frau auf das Entfernen solcher Rostflecke sobald als möglich bedacht sein muß. Ein einfaches Mittel hierzu ist folgendes: Man befeuchtet einen Theelöffel voll Sauerkleesalz(giftig!) mit nur einigen Tropfen Wasser und benetzt damit den Rostfleck, läßt das Zeug einige Minuten liegen, reibt es an der fleckigen Stelle tüchtig durch und wiederholt die Befeuchtung. Ein zinnernes Geschirr füllt man mit siedendem Wasser und stellt es auf die angefeuchtete Stelle des Zeuges; nach einigen Minuten nimmt man das Gefäß wieder fort und, wenn der Fleck nicht schon zu alt ist, wird derselbe verschwunden sein; ist dieses aber nicht der Fall, so wieder⸗ holt man das Verfahren so lange, bis das Zeug fleckeurein erscheint. 5 Ein vorzügliches Mittel gegen Husten Nicht nur in meiner Familie, sondern auch bei meinen Schülern, so schreibt ein Lehrer, ist es mir gelungen, durch ein äußerst einfaches und billiges Mittel Husten, sogar Keuchhusten in einigen Tagen zu heilen. Gewöhnlich heißt es bei Letzterem:„Derselbe muß seine Zeit haben, gegen den gibt es kein Heilmittel. Meine Erfahrungen widersprechen indes dieser Be⸗ hauptung. Mein Mittel ist ganz einfach ein Thee von Haferstroh. Derselbe wird folgender⸗ maßen hergestellt: Man schneidet trockenes, reines Stroh zu Häcksel und kocht dieses in etwas Wasser ab. Es bildet sich ein bräunlicher Thee, etwas heller als schwarzer Kaffee. Setzt man etwas Zucker an, so wird der fade Ge⸗ schmack beseitigt. Der lästige Husten wird durch dieses einfache Mittel, wenn man Morgens und Abends eine Schale voll trinkt, oft schon in drei bis vier Tagen geheilt. Dieser Thee hat außerdem den Vorzug vor anderen Heilmitteln, daß er in jedem Alter wohlthuend wirkt. Selbst gegen Kehlkopf und Rachenkatarrh wird Hafer⸗ strohthee mit Vorteil angewandt. Splitter. Eben so wenig wie die Sorge kann man den Atem der Freiheit aussperren; ihr Hauch dringt durch die kleinsten Ritze. ** * Das Reich kümmert unsere Ritter, Grafen, Fürsten keinen roten Heller. Wo für sie kein Vorteil herausluget, rühren sie keinen Finger, noch rücken sie den Daumen von ihrem Säckel. Robert Schweichel) ** * Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit— Ganz ohne Erlaubnis der Obrigkeit. Politische Märtyrer. Wie herbe Euer Los auch sei, Eins dürft Ihr Euch zum Troste sagen; Ihr könnt zwar schlecht die Tyrannei, Doch sie noch schlechter Euch vertragen! 5 K. Ta. ** Um im Kampfe ums Dasein zu siegen, muß der Mensch entweder viel Verstand oder das Herz einer Bestie besttzen. Das Unglück der meisten Menschen ist, daß sie sich größerer Dinge fähig halten, als ste ausführen können. Das Meunschenherz hat viel Platz für den Glauben, aber wenig Raum für die Erkenntnis. Gorkli. Humoristisches. Geschäft und Religion. Frau:„Jetzt geh i zum Beicht'n, Balthes. Mann:„So, aber gel' vor⸗ sichtig! Nix von G'schäft, der Pfarrhof is unser' beste Kundschaft!— Aus Berlins Blütezeit.„Gott sei Dank, für uns Berliner ist die soziale Frage gelöst, wenn es einen Arbeiter hungert, geht er in die Siegesallee und erbaut sich an den Idealen der Schönheit und Harmonie — nach kurzer Zeit vergißt er alle Sorgen und schläft ein.“(„Simpl.“) Gefährliche Entwickelung. In einer höheren Beamtenfamilie erzählt bei Tisch der älteste, studierende Sohn, er habe vor acht Tagen den Kaiser gesehen. Kaum hatte er aber dies gestanden, als ihn seine Schwester, höhere Tochter der Oberstufe, mit den Worten aufährt:„Was, und das sagst Du erst jetzt? Du wirst uns wohl am Ende noch Sozialdemokrat?“ Geschichtskalender. 19. Januar. 1793: Lonis XVI. Appellation ans Volk verworfen. 20. 1901:„Vorwärts“ publiziert Brief Haßler⸗ Bueck⸗Brefeld. 21. 1793; König Louis XVI. von Frankreich geköpft. 22. 1887: Die Genossen Hensel, Lachmann und Nauen brechen bet nächtlicher Flugblattverteilung anf dem Eise der Spree ein und ertrinken. 23. 1873: G. Doré, Paris, Maler der„Mar⸗ seillaise“ gestorben. 24. Schleswig⸗Holstein wird Preußen einverleibt. 25. 1890: Soz.⸗Gesetz⸗Verlängerung verworfen, 169: 68 Stimmen — Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebotene. 28. Dezember 1901: August Zipp, Oberkellner in Niedershausen mit Christine Werther dahier. 8. Januar 1902: August Christophersen, Kauf⸗ mann dahier mit Anna Börner in Bellers heim. 10. Konrad Höfler, Fuhrknecht mit Elisabethe Lerch, geb. Rosenbecker dahier. 11. Kaspar Rang, Dienstknecht mit Anna Schröder, geb. Völker dahier. 13. Julius Grote, Kaufmann in Marburg mit Emma Ratjen da⸗ hier. Johann Kraft, Metzgermeister und Wirt mit Maria Schmidt dahier. Wilhelm Wisker, Schlosser mit Johanna Weisel dahier. 14. Johann Leinbach, Dienst⸗ knecht mit Emilie Gabriel dahier. Adam Arnold, Schnei⸗ dermeister ist Brebach mit Wilhelmine Worch dahier. 15. Dr. Karl Raiser, prakt. Arzt in Worms mit Anna Kraft dahier. Eheschließungen. 10. Januar: Emil Meyer, Kaufmann in Wiesbaden mit Else Friedberger dahier. 11. Karl Stork, Kutscher mit Margarethe Mootz dahier. Martin Lampe, Fußgendarm dahier mit Anna Rill in Mosbach. Johann Beck, Zeitungsexpedient mit Dorothea Waag dahier. 14. Josef Bick, Kellner mit Anna Richter dahirr. Geborene. 6. Januar: Dem Spenglermeister Georg Dahmer e. S. 7. Dem Metzger und Wirt Hermann Hammel e. T. 8. Dem Wirt August Felsing e. T. 9. Dem Tapezier Otto Bingel e. T. Dem Sattler Karl Diebel e. T. Dem Kaufmann Ferdinand Bär e. S. Dem Wirt Joseph Stein e. T. 10. Dem Viehhändler und Metzger Nathan Günther e. S. 11. Dem Fabri⸗ kant Emil Horst e. S. Dem Universitätsprofessor Dr. Albrecht Dieterich e. S. Dem Monteur Walter Wille e. T. 15. Dem Taglöhner Wilhelm Schneller I. e. S. Gestorbene. 14. Januar: Peter Ruckstuhl, 69 Jahre alt, Dachdeckermeister. Richard Weise, 64 Jahre alt, Proviantmeister i, P. 1 8. — 0 5 a 0 **. ———ꝓ* Sete e ue eee eee 222 — 2— 2 „— 3— — 2—— q 22 2 ———— 22 Seite 3. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3. Anmilienversicherung ler Ortskrankenkaßse Prieaberg. Hausierer und Agenten sinden hohen Ver⸗ dienst durch Vertrieb eines gang⸗ baren Artikels. Offerten(H 255 8) per 10 Pfg.⸗Postkarte an Karl Meißner, Basel. Den Mitgliedern der Familien⸗Ver⸗ sicherung zur Nachricht, daß die geplante SS Erweiterung der Leistungen rückwirkend vom 2. Januar 1902 in Kraft tritt. Von diesem Zeitpunkte ab werden also neben freier ärztlicher Behandlung auch die Arzeneien geliefert. Brillen, Bruchbänder und ähnliche Heilmittel werden nicht ge— D. Kaminka Uhrmacher Giessen, Marktplatz 18. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren liefert. Die Arzeneien sind, von ganz dringenden Fällen abgesehen, nur in den beiden Friedberger Apotheken zu entnehmen. Der Vorstand. Karl Damm, I. Vorsitzender. berühmten 5 Pf.⸗Cigarren nur Mk. 29.50 1000 Stck. unserer 1000„ unserer ganz vorzügl. 6 Pf.⸗Cigarren„, 37. 1000„ unserer äußerst beliebt. 8 Pf.⸗Cigarren„„ 47.— 1000„ unserer großartigen 10 Pf.⸗Cigarren„„610 Einzelne Probekistchen zuzügl. Porto. Garantie: Zurücknahme. Tausende Anerkennungen. Berndt& Co. Berlin⸗Schöneberg 178 a Ebersstraße 75. Franko gegen Nachnahme. Job Water Paletots Scheller's preis gekrönter Cognao ärztlich empfohlen ½ Fl. M. 1.80—2. 40 — 3.004. 00 Literfla che M. 1.80—2.— / u./ Fl. verhältnismäßig. Alleinige Niederlage: Consum-Halle in Heuchelheim, Hch. Gengnagel in Giessen Neue Bäue. M. Möser, Giessen, Seltersweg H. BelloffII. Giessen, Alicestr. A. Seibert in Wieseck A. C. Müller, Langgöns Wilh. Brück, Wissmar. Flocone, Ratiné und Double mit Plaid- futter und Sammtkragen MX. 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Halbdaunen, ganz kl. weiße volldaunige Federchen 2,65, zarter und S. dauniger 3,00, hochprima, fast Daune, 7 3,50 M. Gerissene Federn, grau 1,75, J halbw. 2,50, weiß 2,78, 3,00, 3,50, schnee“? weiß 4,00, schneew., sehr daunig 4.50 M. D Daunen, halbw. 350, weiß 4.50, hoch⸗ 15 5 5,50 M. Chines. Entenfed. 0,75, 00, 2,50 Nur die groß. Masseneinkäufe direkt v. d. Produzenten, sowie d. gering. Betriebsunkosten auf d. platten Lande 2 ermöglichen diese äußerst solid., ab. fest. 3 ede Waare wird in mein Fabrik ne vollkomm trocken, klar u. staubfrei. Kein ö n kann vorher fest verfichert ssein, d er nach 8 Tagen noch umtauschen oder aurückgeben kann. „ hecte Krohn, Sehrer a. D., Alt-Reetz albdaunen 1.50, 1,75 M., Daunen F äscherei saub. gereinigt, daher ex nur reelle Wa are erhält, die ür Bettstoffe und e Betten Preisliste extra. (Oderbruch). unc Kalender für 1902 Buchhandlung H. Schneider Gießen, Sonnenstr. 25. 5 5 8 5 777. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteut: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. 2 20 AR BUR G. Sonntag, den 19. Januar 1902, abends 7 uhr im Saale des Cafe Quentin(Höck) feiern die vereinigten Gewerkschaften Marburgs ihr diesjähriges Wintervergnügen durch Konzert, Theater, Gesangvorträge u. Ball. Eintritt für das ganze Fest 1/(wobei 1 Dame frei). „ für Theater à Person 30 3. Eine Tanzkarte 75 f. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Die Gewerkschafts-Kommission. . Berliner Pfannkuchen! Täglich frisch! sowie prima Kornbrot bei L. MülLER Bahnhofstrasse 38. LI AN 150 0 Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebensweise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdanung oder Ver⸗ schleimung 2 ugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte und Blutreinigungsmittel, der 1 0 8 5 0 ai a rich“ che Kräuter-Wein. Dieser Kräuter-Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsorganismus des Menschen, ohne ein Achführungsmittel zu sein. Kräuterwein beseitigt alle Störungen in den Blut- gefäßen, reinigt das Slut von allen verdorbenen, kKraußmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neu- bildung gesunden Blutes. 5 urch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden! Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh 5 ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen (veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kolikschmer- zen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen 95 in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdaunng, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes oer Leber, Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. n Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à Mk. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ Linden, Wetzlar, Fronhausen, Braunfels, Butz⸗ bach, Brandoberndorf, Gladenbach, Weilburg, Groß-Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. nsw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig Weststrasse 82, 3 u. u. mehr Flaschen Kräuterwein zu Ort⸗ 5 ginalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto- u. kistefrei. Vor Nachahmungen wird gewarnt. Man verlange ausdrücklich Hubert UIlrieh'sehen Kräuter- wein. Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandteile sind Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Rothwein 240,0. Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 420,0, enchel, Ants, Helenen⸗ wurzel, Enzianwurzel, Kalmuswurzel 10,0. 4 Rute 1 De Aittebdeutsch Austräget, stei Huch die Post bez dee Grpchition unt — 20 Zu allen Mächtigen sich gegerüber auf suner war die unterworfen, 0 sülte: das menf liebe, die Gerec liglet, Man thrannistert und sücht, das sei ihnen die Entb schmähliche Erd. die zur„ewige besseren Jenseit Trug; aber ee Anerkennung d debckten und d Vergeltung; Hoffnung. N. Fortlich für il Geschick als e erscheinen. Die Wortfi Verteidiger der Heuchelei noch Kapitalbestz al elend, sagten he Pflicht“, Schriften bon in denen begr daß„jeder Art kit ein Kapi Haupfache abe eine pekllatie belle part, ahn zu order licht berechtigt enn 9 Vortes bahnt deutung die 0 för, dez er S graf, 5 aan Sue itt unt, d, Unte leb 1 slüssgem b