f — 8 2 5 8 * Arkus Bauer, Giessen ljronenplstz ii gegenuber ionen en u verlaufen. en nur M. 205 1 0 „„ 00 6,15 rankolieferung. Nachnahme. CCC((ũũ e 8 . muß 7 5 Nr. 20. Gießen, Sonntag, den 18. Mai 1902. 9. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. 5 Mitteldeut ˖ * l 0 6. 10 kitung. Nebaktione saug; Donnerstag Nachmittag 4 Uh Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband viertelfährlich 1 Mark. Bestellun gen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 1 Juserate 2 finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Beste lung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Nabel Gesinnungsfreundle! Sorget stets für weiteste Verbreitung Eures Blattes der „Mitteldeutschen Fonntags-Zeitung“. ee Proletariers Pfingst⸗Cantate. a Sei uns gegrüßet, liebliches Fest! Hauche, o Lenz, die letzten Spuren Frostigen Nebels von den Fluren; Gieb' dem Tyrannen Winter den Kest! Ob er sich auch noch frech empöret, Tückisch zarte Blüten zerstöret—: Sonne, du nimmst ihm den Herrscher— Holder Lenz, ha! es mahnet dein Sieg An das Ringen der Proletare, Um das Gute, Schöne und Wahre, Furchtlos im tobenden Alassenkrieg: „Ob auch so mancher Kampf vergebens, Bleibt es das hohe Siel des Lebens; Ungeachtet Verfolgung und Fem' Wenn auch die fromme Legende lehrt, Daß einst des Nazareners Boten, Die im Glauben an ihn erlohten, Doch nur langsam die Massen bekehrt;— Werden einst doch alle Proleten, Dich, du Hehrer, allein anbeten, Dich, der die Bahn zum Licht ihnen wahn, Wird uns der Sieg doch, trotz alle— weist— Gluten, strahlend auf steigender dem!“ Dich, du der Freiheit heiliger Geist! Bahn! W. Schmidt. neuen Evangeliums ein, als sie, nach der nicht genügen, sollen eine Geldbuße in Höhe Pfingsten. Von allen Menschen mit Freuden erwartet, naht sich wieder das herrliche Fest des blühen⸗ den Sommers. Diesmal ist leider ein großer Teil der Hoffnungen zu nichte geworden, mit denen sonst die Menschheit dem Pfingstfeste entgegenjubelte. Viele arbeitsame Leute findet das Fest in trüber Stimmung, denn die Ernte ist so gut wie vernichtet, der Lohn für ihre Mühe und Arbeit ist dahin. Eisige Fröste und Schneestürm« töteten die vielbersprechenden Blüten der Bäume, vielleicht auch die sprossende Frucht. Wenn die Unbilden der Witterung zu Grunde richten, was zur Ernährung der Mensch⸗ heit dienen soll, so wird das nicht nur der direkt Beteiligte, der Landwirt, der Weinbauer und Gärtner beklagen, sondern es wird jeder fühlende Mensch lebhaftes Bedauern empfinden. Trost gewährt nur die Erfahrung, das noch immer auf der Erde genug wächst, um die Menschheit zu ernähren. Es brauchen nur die Erzeugnisse der Erde allen Menschen zugänglich gemacht zu werden. Fröste, Ueberschwemmungen und sonstige Naturereignisse, welche den Saaten, Keimen und Blüten den Untergang bringen, können wir nicht verhüten. Anzuklagen ist aber die Thorheit, Zollschranken an den Grenzen zu er⸗ richten, Bewohner des einen Landes hungern zu lassen, während in dem andern Lebensmittel in reicher Fülle vorhanden sind! Und welche Vorteile hat den wohl der Bauer vom Zoll, wenn Mißernte eintritt? Er wird die notwendigen Futtermittel zu höherem Preise kaufen müssen und somit ebenfalls schwer ge— schädigt werden. g Nein, nicht die Absperrung der Nölker gegen einander wird diesen und dem einzelnen Staatsbürger zum Segen gereichen, sondern die Vereinigung der großen Völkerfamilte zum Wohle der gesamten Mensch⸗ heit angestrebt uad mee 1 7 17 5 riede, Freiheit und Wohlergehe für alke„Meuschen! Für dieses Ziel traten auch die Apostel, die Verkünder des herabgezerrt, es ist vom Geiste der Herrschsucht, Glaubenslehre, beseelt vom„heiligen Geist“ in alle Welt hinausgezogen und Nächsten⸗ liebe und Brüderlichkeit predigen. Alle Kultur volker haben das Christentum längst ange⸗ nommen, es ist Staatsreligton geworden. Was ge⸗ schieht, geschieht heute im Namen des Christentums. Alles ist christlich, Gesetze, Regierung, Volk. Wer das bestreitet, wer die ungerechten Ein⸗ richtungen im christlichen Staate und die un⸗ gleiche Verteilung der Güter kritistert, den er⸗ klärt man als Staatsfeind und er bekommt die Schwere der christlichen Gesetze zu fühlen. Nein, der heilige Geist herrscht nicht im christlichen Staate. Das Christentum haben, viele seiner Vertreter in ein äußerliches, heuch⸗ lerisches, pharisäerhaftes Schein⸗Christentum der Habsucht und der niedrigsten, schmutzigsten Korruption zerfressen. Der heilige Geist ist der Sozialismus! Er ruft nicht zur Demut und Entsagung wie das Christentum, sondern zur Menschlichkeit, zur Freude an der Natur und ihren Gaben. Ihm dienen wir, wenn wir dem Ziele der Menschheitskultur zustreben: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle Menschen! Kämpfen wir rüstig weiter für dieses erhabene Ideal! Und wenn wir uns die Hand reichen zum treuen Bunde, zur treuen Kampfgenossenschaft für unsere Ziele: dann verspüren auch wir einen Hauch des„Heiligen Geistes“. Aber es ist nicht der, der heute in den Kirchen gepredigt wird,— und soll es auch nicht sein. Die hessische Wahlrechts⸗ vorlage. Im Artikel der vor. Nr. war auf die Wahl⸗ pflicht hingewiesen. Der Abg. Rein hart (natl.) hat Anträge zu dem Entwurf gestellt, die eine Verpflichtung der Wähler zur Stimmenabga be fordern. Diejenigen Wähler, welche ohne Entschuldigung ihrer Wahlpflicht eines Zieles Staats⸗ oder Gemeindesteuern an die Staatskasse zahlen. Was als Entschuldigungs⸗ grund gilt, ist gesetzlich festgelegt. Aerzte, Apotheker ohne Gehilfe und über 65 Jahre alte Wähler sollen der Wahlpflicht nicht unter⸗ liegen. Wie schon erwähnt, erklärte sich Abg. Dr. David mit der Wahlpflicht einverstanden, wenn die Steuerklausel beseitigt und die Wahlzeit bis mindestens Abends 8 Uhr ausgedehnt werde. Brentano(3tr.) ist eben⸗ falls für den Wahlzwang, wenn das Pro⸗ portionalwahlrecht eingeführt würde. Die Majorttät des Ausschusses ist mit der Regierung für Ablehnung, weil der Wahl⸗ zwang eine Herabsetzung der Bedeutung der Wahlhandlung und weil man von dem Auf⸗ rütteln der trägen Wählermasse ein„sehr eigen⸗ artiges Resultat“ der Abstimmung befürchtet. Weiter würde von dem Strafverfahren eine ungeheure Summe von Verdruß und Aerger erregt und damit der Staatsgedanke geschädigt. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß eine Wahlpflicht nur bei Wegfall der Steuerklausel zu konstruieren sei, da man doch diejenigen, welche bis zum Wahltage ihre Steuern nicht bezahlen und somit nicht wählen können, des⸗ wegen nicht auch noch bestrafen könne. Der⸗ jenige, der sich absolut nicht für die Wahl in⸗ teresstere, brauche dann blos mit der Entrich— tung seiner Staats⸗ oder Gemeindesteuer im Rückstande bleiben, und die Wahlpflicht sei für ihn dann gegenstandslos geworden. Bezüglich der Steuerzahlung war im ersten Artikel gesagt, daß der Wähler zur Steuer herangezogen sein müsse, wobei es gleichgültig sei, ob die Steuer bis zum Wahltage auch wirklich bezahlt sei. Das ist ein Irrtum. Vielmehr ist nach Art. 7, 11 des Wahlgesetz⸗ Entwurfs derjenige von der Stimmabgabe aus geschlossen, der sich zur Zeit der Wahl mit der Entrichtung der direkten Staats⸗ oder Gemeindesteuer länger als zwei Monate im Rückstande befindet. Nach dem seither giltigen Wahlgesetz konnten Mitglieder der Ministerien überhaupt nicht, ferner eine Reihe von Beamten der Justiz, der 0 f 1 5 1 9 * 1 1 N. 0 1 4 . Seite 2 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeituna. Nr. 20. N——ͤ— die stung u. s. w. für Städte oder Wahl⸗ Artikel 26 beschäftigt sich mit der Wahl resp. diese Ueberzeugung haben, sehen wir auch den G. die wage 965 11 5 zum größten Aale der Wahl zeit! Der Entwurf sieht als Wahl⸗ Verhandlungen vor dem Plenum der Kammer und zu ihren Dienstbezirken gehören, nicht zu Ab⸗ tag einen Werktag und als Mahlzeit die] mit Ruhe entgegen, werden indessen nicht zer, J eordneten gewählt werden. Der Regierungs⸗ Stunden von Vormittags 10 bis Nachmittags mangeln, die Wählermassen über die„Segnungen f Entwurf schränkt die Beamten, welche nicht zu 6 Uhr vor. Dem stimmt die Mehrheit des dieses neuen a Wahlgesetzes aufzu⸗ g Abgeordneten gewählt werden können, auf die] Ausschusses zu, wogegen Dr. David beantragt, klären. Der Wahlgesetz⸗Entwurf even⸗ ust Mitglieder der Ministerien und der Oberrech⸗ die Wahlen an Sonntagen, vorzunehmen. tuell als Wahlparole für die im kommen⸗ 100 nungskammer ein. Im Gesetzgebungsausschusse Die Stimmzettel sollen nach Art. 29 den Herbste stattfindeuden Landtagswahlen 15 wurde mit Recht die Frage prinzipiell erörtert, in einem amtlich abgestempelten, mit keinem ist für uns ein nicht unwillkommenes Agita⸗ 800 ob Verwaltungsbeamke überhaupt wählbar] Kennzeichen verse pen en, unverschlose tionsmaterial. 5 sein sollten, da es hohe Anforderungen an die seuen Umschlag abgegeben, werden. Nach x x ö 11 Charakterfestigkeit der betreffenden Beamten, Ansicht des zweiten Ausschusses, welche von 2 15 welche jeden Tag pensioniert werden können, der Regierung als zutreffend erachtet wird, Politische Rundschau 50 darstelle, in der Kammer völlig unabhängig muß das Wort,„Kennzeichen“ weit ausgelegt* 5 von der Regierung zu sprechen und zu stimmen. werden, so daß beispielsweise die Einführung—— 115 Die Minderheit des Ausschusses(Dr. David eines zu großen Bogens(als Stimmzettel) 5 5 und Joutz) beantragten, statt 15 n in 1 e len 91 9 sich als Gießen, den 16. Mai. der Vorlage den Wortlaut des Art. 15 des„äußere ennzeichen“ darstellen könne. 5 seitherigen Wahlgesetes in den Entwurf auf Im Artikel 45 ist vorgesehen, daß das Amt Protest der Städte gegen den s . zunehmen. Die Majorität des Ausschusses ist der Wahlvorsteher, Beisitzer und Proto⸗ Zolltarif. a 1 für die Fassung der Vorlage mit dem Zusatze, kollführer bei der Wahlhandlung ein Ehre nz Eineimposante Demonstrationsversammlung fg 8 daß Beamte der Provinzsaldirektion und Kreis⸗ amt sei, für welches eine Vergütung nicht hat am Sonntag in Berlin stattgefunden lber 1 ämter in Wahlkreisen ihrer Dienstbezirke gewährt werde. Damit erklärt sich die Mehr⸗ und gegen den Zolltarif Protest erhoben. Es das nicht wählbar sein dürfen. heit des Ausschusses ebenfalls einverstanden!] mochten wohl an die 800 Bürgermesster, Stadt⸗ be Zu Artikel 15, welcher die Wahl der Mit- die Minorstät beantragt dagegen, daß zu diesen] räte und Gemeindevertreter bon 77 Städten 0 glieder der ersten Kammer durch die Aemtern Vertreter der verschiedenen Parteien anwesend sein; auch 68 sozialdemokratische bb adeligen Grundbesitzer behandelt, be⸗ zuzuziehen sind, denen eine Tages⸗Vergütung Gemeindevertreter beteiligten sich an der Kund. Nun antragte die Majorität des Ausschusses An⸗ von 5 Mk. aus der Gemeindekasse zu zahlen gebung. Oberbürgermeister Kirschner⸗ 1 nahme und die Minorität(Dr. David) Ab- sei. Begründet wird dies dan, daß ohne Ent⸗J Berlin wurde zum Vorsitzenden gewählt. Er 1 ve. lehnung in der Würdigung der Ueberflüssigkeit der schädigung die Wahlvorstands⸗Aemter zu einem begrüßte die Erschienenen und betonte, daß es 1 s ersten Kammer und der Gleichberechtigung J Privileglüm der Reichen werden. für die Städte notwendig sei, zu den Fragen e aller Wähler und in konsequenter Verfolgung Als gewählt ist nach Art. 46 des Ent. der Zollerhöhung für Lebensmittel un; der bn dieser Ansicht nach Ablehnung des Artikel 16, wurfes zu betrachten, wer in einem Wahlkreise] Vertragspolitik eine feste Stellung einzunehmen. mi der sich mit dem Wahlmodus für diese Kammer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stim⸗ Er schlug diese Resolution vor:(051 beschäftigt. men erhalten hat. Ist dies nicht der Fall, so Die heute in Berlin versammelten Mitglieder deutscher tehe Der Artikel 17 will die Städte, welche ist engere Wahl zwischen den zwei Kandida⸗ städtischer Gemeindebehörden sprechen sich unbeschadet fee mehr als einen Abgeordneten zu wählen haben. ten, welche die meisten Stimmen erhielten. Der ihrer grundsätzlichen Stellungnahme zu den Zollfragen lich in so viele Wahlkreise einteilen, als Ab⸗ Ausschuß ist einstimmig für Annahme dieses[gegen jede Erhöhung der Zölle auf unentbehrliche Die geordnete zu wählen sind, so daß jeder dieser Artikels. Lebensmittel aus und erwarten gleichzeitig, daß die ind Kreise einen Abgeordneten, wicht aber die Falls ein Gewählter das Mandat nicht an⸗ gesetzgebenden Faktoren auf die A 0 755 e ganze Stadt gemeinsam zwei oder drei Abge⸗ nehmen kann oder nicht annimmt, soll nach Ausbau der eee langftisttger Handelsver⸗ 15 ordüete zu wählen hat. Gegen eine solche] dem Ausschusse innerhalb vier Wochen e 1 5 Gauß Stuttgart er- 5 Einteilung wurde geltend gemacht, daß die die Neuwahl vorgenommen werden. 5 95 7 55 t, um sich 10 roßern Absicht erkennbar sei, die Städte in„Arbeiter⸗ Die Erneuerung der zweiten Kammer if 0 99 5 155 or der Jer 9105 155 uo viertel“ und„reichere Bezirke“ zu zerlegen, um in der Form, daß alle drei Jahre abwechselnd utschie 05 ö ic fei e Aufahme würde Ar⸗ 10 100 g damit zu verhüten, daß die ganze Skadt der 28 und 27 Abgeordnete austreten und durch eon 5 1 Sinke 70 Löhne, Herabdrückun 10 e sozialdemokratischen Partei zufalle. Würde die] Neuwahlen zu ersetzen sind, haben im Ausschuß 91 8955 25 b. Bey an 0 von Kapltal 9910 1 3 Sladt nur einen Wahlbezirk mit zwe oder drel zu der Erwägung geführt, ob es nicht richtiger Art ibn dem Auslande i ee. Abgeordnete bilden, so hätte feder Städter set, von einer Teil⸗ Erneuerung der Kammer. 51 1 besten winde die leiten N das Recht zwei oder drei Abgeordnete zu abzusehen, und— eventuell alle fünf Jahre] Ne 105 1 1 lern chädi t e wählen, während die Bewohner des Landes— eine Total⸗Erneuerung der Kammer statt⸗ 9 90 9 75 621 gebe Zolltarifs würde N 16 nur je einen Abgeordneten zu wählen haben, finden zu lassen. Es wurde der Meinung Aus⸗ 19 91 1 41 ü A bed en S N 1 . was nicht der Billigkeit entspreche. Auch die] druck gegeben, daß dann ein frisches politisches nat 3 0 Ma 1 üsse sich fra 8 wie 0 ire 4 Minorität der Wähler in den Städten würde Leben durch das ganze Land fluten werde. Die mischer 9155 0 daß 115 Re kenden Kine der 39 bei der Bezirkseinteilung zu ihrem Rechte Regierung wies dem gegenüber darauf hin, es mög Ent war, 5 1 donne 5 ub wie gelte kommen. llebrigens sähe das Reichstagswahl] daß der jeweilig verbleibende Teil der Kammer We 7 e ben e Lane bew gesetz, wie die Wahlgesetze für Sachsen und eine gewisse Tradition darstelle, welche für die er Reichstag 15 mti 9 lt sich 50 0 15 bon Bayern und die Entwürfe für Württemberg Erledigung der Geschäfte wertvoll gel. leber: en e 1 ubliche T den wen und Baden, gleiche Einteilung der Städte vor. dies sei die Teil⸗Erneuerung auf Wunsch der 1 e Fr e 95. Der Ausschuß ist einstimmig der Ansicht, Kammer erst 1872 eingeführt worden. Der] Man 1 55 1 1 100 Sti nicht rühmend Ich daß den Stadtgemeinden ein Einfluß über die] Ausschuß stimmte dem Artikel 56, der Vor⸗ Städte. Er wolle die Ska 8 ulscland ohne die, Entscheidung, ob ein oder mehrere Wahlbezirke, stehendes zum Juhalt hat, zu. herauestreichen; was lleden it s Pflicht der dahin gewahrt werden müsse, daß ihre Ver⸗ Dem Artikel 57, welcher bestimmt, daß das die Städte? 1 e 1 5 Zolltarif 2 tretung vor der Einteilung zu hören ist und] Mandat der Abgeordneten, welche aus der] Städte, mit allen 11 Auwa en ich her, hre erklärte sich die Regierung damit einverstanden. zweiten Kammer auszutreten haben, mit dem einzutreten, nicht, weil sie 89 well sie aber. l in Sie erachtete es für selbstverständlich, daß eine] Tage als erloschen zu betrachten ist, an auszusschlagen 9 9 sondern 191 bl 15 Ge⸗ naß en Einteilung nicht kurzer Hand über die 1 1 die Ne 8 Ph deen W 5 fahr slehe⸗ daß das gemeinwo 11 Köpfe der städtischen Vertretung hinaus dekretiert usschuß zu. Er steht in diesem rtikel eine tehe. 5 werden würde. 5 Besserung gegenüber dem bisher geltenden Wahl⸗„Die, Resolution aaa 15 1 11 75 I Artikel 18 des Entwurfs, welcher die Wahl- gesetz, wonach die Giltigkeit des Mandats vom weitere Redner al er einstimmig und unte 1 il kreis⸗Einteilung, mit Ausnahme derjenigen] Tage der Anordnung der Neuwahlen er⸗ lebhaftem Beifall zur Annahme. 9 ö Städte, welche mehr als einen Abgeordneten loschen war. Aufhebung der Diktatur in Elsaß-. bord 10 zu wählen haben, auf dem Wege der Ver⸗ 8 1 25 Lothringen. 10 F ordnung vorsieht, hat die große Majorität In obigen Darlegungen sind nach dem Be⸗ 3 1 Ar. i des Ausschusses gegen sich, welche der Ansicht] richte des Gesetzgebungs»Ausschusses nur pie Von der Hohkönigsburg aus hat der Kaiser n ist, die Neueinteilung sei derart wichtig, daß Artikel des Entwurfs erwähnt, zu welchen Ab⸗ einen Erlaß bekannt geben lassen, der die Wil die Kammern jedenfalls mitzureden haben und änderungsanträge gestellt wurden. Aufhebung des Diktatur⸗Paragraphen in del eine gesetzliche Regelung erfordere. Auch findet Der Bericht spiegelt deutlich wider, daß Aussicht stellk. Unter dieser Vezeichnung faßte] fal die überwiegende Majorität des Ausschusses, daß] der Ausschuß in seiner Majorität sich nicht] man die Ausnahme⸗Bestimmungen zusammen, 1 10 die jetzt bestehende Wahlkreis⸗Einteilung un⸗ bemühte, die vielen Mängel, welche dieser Re- die seit 30 Jahren auf den„wiederge⸗ ie haltbar sei. Die Regierung findet wohl auch gierungs⸗Vorlage anhaften zu beseitigen. Wie] wonnenen Brüdern“ lasten und die der Regie⸗ 9 a0 eine Neuregelung für wünschenswert, glaubt ein roter Faden zieht sich durch die Ausschuß⸗] rung das Recht geben, bei„Gefahr für die tit aber, daß zur Zeit der gesetzlichen Regelung Verhandlungen die Befürchtung, daß das gleiche, öffentliche Sicherheit“— worunter man alles le große Schwierigkeiten entgegenständen. Jeden⸗ geheime und direkte Wahlrecht, wie es der Ent. Mögliche verstehen kann— den Belagerungszu.. alte. falls sel es nicht möglich, zugleich mit dem Eut⸗ wurf vorsieht, die bürgerlichen Parteien in] stand zu verhängen. Oft schon hat der Reichs. in so wurf eine gesetzliche Regelung vorzunehmen. ihrem Besitzstande schädigen und zum Vorteil] tag die Aushebung des Diktatur⸗Paragraphen 11 fe Der Ausschuß beantragt: die Abgrenzung der der sozialdemokratischen Partei ausschlagen] gefordert, die Regierung erklärte jedoch stets 4, 90 Wahlkreise erfolgt im Wege des Gesetzes und könnte. Uns läßt das neue Wahlgefetz ziem⸗ ihn nicht entbehren 100 können. Auf einmal Aae bleiben bis zum Erlaß eines solchen die betr. lich kalt, wir werden wie unter dem alten, so] kann sie s. Die Aufhebung erweist sich als 10 ene Bestimmungen des Wahlgesetzes vom 20. Mai auch unter dem neuen Wahlsystem an Einfluß Gnadengeschenk für die Bewilligung der J fe 1875 maßgebend. in der Zweiten Kammer gewinnen. Weil wir Mittel zum Aufbau der Hohkönigsburg. Nicht 15 igen N. 20. ir auch de i anne A nicht er⸗ Segnungen“ vurf eben, am kommen. gw ahlen fenes Agitg. — cha. 16. Mai. n den versammlung Kattgefunden khoben. Gz zelt, Stadt⸗ 77 Städten demokratische an der Kund⸗ kirschuer⸗ wählt. Er Inte, daß es den. e tel und der einzunehmen. tglieder deutscher sich unbeschadet den Zollfragen F unentbehrliche heitig, daß die chung und den iger Handelsber⸗ Stuttgart er⸗ 9 mit großer tarif auezu⸗ ne würde Ar⸗ herabdrückung 1 Kapttal und Folge haben. 9 die kleinen 5 würde en ten.(Stur 0 fragen, wie derung eilen ute, und we 1 fo lange be. ei dem ganzel ice Teldeng. wicklung der Nr. 20. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. die Politik des Rechts, sondern die der Geschenke ist bei uns im„freien“ Deutsch⸗ land maßgebend! Reichstagsersatzwahlen. Wie verlautet, soll die Ersatzwahl im III. nassauischen Wahlkreise, den der verstorbene Abg. Lieber vertrat— am 28. Juli statt⸗ finden.— Auch in dem 2. oberfränkischen Wahlkreise Bayreuth muß an Stelle des bei dem Eisenbahnunglück in Zschortau getöteten Abg. Fried el eine Ersatzwahl vorgenommen werden. In diesem Kreise kam unsere Partei bet der 1898 er Wahl mit 4211 in die Stich⸗ wahl. Sozial demokratischer Kandidat ist Frhr. v. Haller. Katholische Duldsamkeit. Die Frkftr. Ztg., schreibt: Der Centrumsabgeordnete Dr. Spahn, sagte in seiner Reichstagsrede vom 1. Mai über den„Toleranzantrag“:„Ich bezweifle, daß das Buch de Luca's den angeführten Satz so absolut enthält, daß heute noch die Todes⸗ strafe gegen Ketzer, wenn auch nur in thesi,(im Allgemeinen) berechtigt sein soll.“ Nunmehr teilt die„Tägliche Rundschau“ aus dem„Lehrbuch des Kirchenrechts“ des Jesuiten de Luca folgende Stelle mit: Die Kirche hat verschiedene Strafen gegen die Ketzer festgesetzt. Ueber die(von ihr festgesetzte) Todesstrafe ist das Folgende zu sagen: 1. Die weltliche Obrigkeit muß auf Befehl und im Auftrag der Kirche (vom Verfasser gesperrt) die Todesstrafe am Ketzer voll⸗ ziehen; wenn die Kirche ihn ihr überliefert hat, so kann sie(die weltliche Obrigkeit) den Ketzer von dieser Strafe nicht mehr befreien. Dieser Strafe verfallen nicht nur Diejenigen, die als Erwachsene vom Glauben abgefallen find, sondern auch die, die mit der Muttermilch die Ketze⸗ rei eingesogen haben und sie hartnäckig festhalten; ferner auch die rückfälligen Ketzer, gleichviel ob sie sich wieder bekehren wollen.(J, 261 f.) Der Verfasser dieser Sätze, de Luca, ist Professor an der päpstlichen Universttät(Grego- riana) in Rom, und sein Buch ist im Jahre 1901 in Rom erschienen. Ein im Jahre 1898 von de Luca veröffentlichtes Werk, das ähn⸗ lichen Inhalts ist, wurde von Leo XIII. in einem eignen Breve vom 13. Oktober 1898 ausgezeichnet. Es heißt dort, de Luca entspräche mit seinen Schriften ganz den Erwartungen des Papstes; er verstände es, die Rechte der Kirche klar und richtig darzulegen. Ein Teil 45 Centrumspresse läßt freilich de Luca nicht elten. Mahpessen, daß ein Teil der deutschen Katholiken vom vatikanischen Standpunkte aus nichts weniger als zweifelsohne ist. Hätten die Pfaffen die Macht wie vor Jahrhunderten, so würden sie wie damals für die„Ketzer“ Scheiterhaufen errichten. Antisemitisches. Bekanntlich zeichnen sich die Urteutschen und ihre rückständigen mittelstandsretterischen Ge⸗ sinnungsgenossen durch höchst rüdige Kampfes⸗ weise aus. Viel schlimmer wie auf dem Kaser⸗ nenhofe, zahlreicher wie auf dem Fischmarkte schwirren in antisemitischen Versammlungen die rohesten Schimpfworte durch die Luft. Die Pückleriaden in Berlin, die Radauversammlungen in Wien, das Verhalten der antisemitischen Ab⸗ 3 im österreichischen Parlamente sind afür Beispiele. Doch ihrerseits sind die Herren aber recht empfindlich gegen derbe Worte. Erst kürzlich wurde der Redakteur der„Israel. Wochenschr.“ zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, weil er den Anttsemitenführer Dr. Giese un⸗ sanft angefaßt hatte. Dieses Urteil ist nun freilich aufgehoben worden, dafür wurde aber derselbe Redakteur zu 100 Mk. Geldstrafe ver⸗ urteilt, weil er sich den antisemitischen Kunst⸗ maler und Reichsboten Bindewald gekauft hatte. Bindewald hatte in der„Staats.⸗Ztg. ein sogenanntes„Gutachten“ über den„Ritu⸗ almord“ veröffentlicht und darin keck behaup⸗ tet, daß der jüdische Blutmord in 200 Fällen geschichtlich nachgewiesen sei. Die Juden dürften keine Mordfreiheit genießen. Da aber die Deutschen zu allzugroßer Sentimentalität er zogen seien, so„begnüge“ er sich mit dem Vor- Aber das kann höchstens das eine schlage: Die Landesverweisung aller Juden ist auf ewige Zeiten zu erstreben, damit man in Deutschland vor dieser Mörderbande sicher sei, Polizetaufsicht über die Juden in der aller⸗ schärfsten Form, Duldung der Juden nur in kleinen kontrollierbaren Gruppen, Schächt⸗ und Schlachtverbot für die Juden, Isolierung der Juden in den Schulen, Ausschluß derselben von Staatsämtern, bei vorkommenden Blut- morden Konfiskation der Hälfte des Vermögens aller Juden ꝛc. c.— Wir haben in Nr. 34 des vorigen Jahrgangs unseres Blattes auf das Geistesprodukt des famosen Abgeordneten für Alsfeld⸗Lauterbach hingewiesen. Auch die„Israel. Wochenschrift“ 1 en sich da⸗ mit und antwortete in einem Artikel„Aus der Verbreher⸗ und Narrenliste“, daß Bindewald als Kronzeuge für die„Mordslüge“ den Gipfel der verbrecherischen Narrheit erreicht habe. Bindewald sei bereits irre gewesen, als er so etwas schrieb, oder er habe alle Ursache, den Beweis für den bekannten Strafausschließungs⸗ grund vorzubereiten. Vor dem Gericht betonte Redakteur Klausner, daß er nur in Erwide⸗ rung und Abwehr von ungeheuerlichen Angriffen gehandelt habe. Der Staatsanwalt gab ihm zu, daß er in der Aufwallung der Empörung gegen sehr scharfe Angriffe gehandelt; seine Schimpfworte gingen aber über das zulässige Maß weit hinaus. Eine scharfe Abwehr sei begreiflich, und ihm stehe der§S 193(Wahrung berechtigter Interessen) zur Seite, doch seien dessen Grenzen überschritten. Der Staatsan⸗ walt beantragte 100 Mk. Geldstrafe. Mit diesem Antrag war Bindewald nicht zufrieden, er verlangte Gefängnisstrafe für Klausner. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts, mit der Begründung, daß der Angeklagte durch das Gutachten Bindewalds und die darin angegebenen Radikalmittel, die ernst zu nehmen eigentlich schwer sei, aufs schwerste gereizt worden sei.— Heil! Von den„Arbeitergroschen“. Um die leitenden Personen in der Arbeiter⸗ bewegung bei indifferenten Arbeitern und Spieg⸗ bürgern zu verdächtigen, erscheinen von Zeit zu Zeit Artikel in den bürgerlichen Blättern, wo harrklein„nachgewiesen“ wird, daß die sozial⸗ demokratischen Agitatoren die Arbeitergroschen in der frivolsten Weise verschlemmen und ver⸗ prassen. Je mehr die„armen, verführten“ Arbeiter bezahlen, je mehr stecken die Führer in die Tasche. In hundert Variationen taucht diese Mär stets wieder auf, so oft dieselbe auch von unserer Partei⸗ und Gewerkschaftspresse urückgewiesen wird, und so oft diese nachweist, daß, während die Verwaltungen in den Arbeiter⸗ organisationen nur einen verschwindend kleinen Bruchteil der Einnahme verschlingen, in den Unternehmerorganisationen, den Berufsgenossen⸗ schaften, ganz enorme Summen für Verwaltung und Gehälter aufgewendet werden. Weil nun kürzlich, sagt die„Leipz⸗Vztg.“, als der Verband der Maurer seine Abrechnung veröffentlich⸗ te, wieder eine solche Schauermär die Runde durch die Kapitalistenpresse machte, sehen wir uns veranlaßt, an dem diesjährigen Etat der Handwerkerkammer des Bezirks Düssel⸗ dorf, welcher uns dieser Tage in die Hände fiel, zu zeigen, wie„niedrig“ die Verwaltungs⸗ zosten in diesen Organisationen sind. Von der Einnahme von 88 990 M. wird nur sehr wenig für die„Hebung“ des Hand⸗ werks ausgegeben. Die Ausgaben setzen sich nämlich fast ganz aus Gehältern, Diäten, Reise⸗ entschädigungen, Repräsentationsgeldern und Ver⸗ gütungen zusammen. Sieben Handwerksmeister, welche als Vorsitzende der Kammer und der verschtedenen Abteilungen fungieren, erhalten in Form von Diäten und Repräsentationsgeldern 17600 Mk. Ein Gehalt ist für diese Ehren⸗ ämter nicht ausgeworfen, weil eine große An⸗ zahl Beamte, welche Gehälter von 3000 bis 1800 Mk, beziehen, die nötige Arbeit zu leisten gut im stande ist, die Ehrenämter mit Be⸗ schwerden also nicht verknüpft sind. Die Be⸗ amten erhalten außer ihrem Gehalt noch einige Tausend Mark für persönlichen Dienstaufwand. Bringt man nun noch die sächlichen Ausgaben in Abzug, so bleiben für Meisterkurse und Lehrlingsausbildung, wie b merkt, nur einige Hundert Mark übrig. Hier zeigt sich also sehr deutlich, wie in den bürgerlichen Organtsationen und besonders in denen, welche den Mittelstand„heben“ sollen, mit den zwangsweise eingetriebenen Bei⸗ trägen umgegangen wird. Die Stichwablen in Frankreich haben am Sonntag stattgefunden und für die Republikaner ein ünstiges Resultat ergeben. Auch unsere Genossen haben viel Erfolge zu verzeichnen 5 während die„Nationalisten“, das sind die pfäffischen und antisemitischen Reak- tionäre, eine völlige Niederlage erlitten, trotz⸗ dem sie die größten Anstrengungen machten. Die Wahlbeteiligung war eine sehr ebhafte. — Bei den Stichwahlen wurden gewählt: 3 Konservative, 17 Nationalisten, 16 antiministe⸗ rielle Republikaner, 29 Republikaner, 42 Radi⸗ kale, 40 sozialistische Radikale, 21 Sozialisten, 4 Guesdisten.— Unter Hinzurechnung des Hauptwahl⸗Ergebnisses sind nunmehr alle Wahl⸗ resultate bekannt und die Parteien dürften in der neuen Kammer in folgender Stärke ver⸗ treten sein: 50 Konservative, 59 Nationalisten, 99 antiministerielle Republikaner, 111 Republi⸗ kaner, 129 Radikale Sozialisten, 43 Sozialisten, 6 Guesdisten. Minister Millerand stegte mit 300 Stim⸗ men Mehrheit über den Nationalisten Pechin; der Radikale Brisson wurde in Marseille N in Lyon der Sozialist Pressensé, er seinerzeit sich besonders der Dreyfußsache annahm. Ferner sind folgende Sozialisten ge⸗ gewählt: Rouanet, Clovis Hugues, Charles Bos, Pascal Grousset, Bag⸗ nol, Puech, Cardet, Levraud, Weber und Chauvie re. Unterlegen sind: Allemanne, Viviani, Clairieu, Marietton und Deville. Im Ganzen ist das Wahlresultat für die Sozialisten und ehrlichen Republikaner ganz erfreulich. Den Nattonalisten und den übrigen reaktionären Elementen ist es nicht gelungen, mit ihrem wüsten Geschrei das französische Volk aufs Eis zu führen und erneut die Republik in Gefahr zu bringen.— Ebenso ist der Fortschritt der Sozialdemokratie ganz anerkennenswert. Er wäre größer, wenn nicht noch immer Uneinig⸗ keit im sozialistischen Lager herrschte. Sozialistischer Parteitag in Belgien. Am 4. Mai tagte in Brüssel der belgische sozialistische Parteitag, der von ca. 700 Dele⸗ gierten besucht war. Nach erregten Debatten wurde nach einer Vormittags⸗ und Nachmit⸗ tagssitzung mit großer Majorität eine Tages⸗ ordnung votiert, die das Einverständnis des Kongresses mit der Haltung des Ausschusses in den kritischen Apriltagen, namentlich in der Frage des Generalstreiks, zum Ausdruck brachte. Die Minorität setzte sich aus den Vertretern von Charlerot und des Borinage unter Führung Verchures und Destrées zu⸗ sammen. Vandervelde, Leken und Anseele ver⸗ teidigten die Beschlüsse des Ausschusses, der lieber seine Popularität aufs Spiel setzte, als die Arbeiter den Bajonetten und Flinten der Regierung entgegenzuführen oder durch zweck— lose Fortsetzung des Streikes Hunger und Elend über Hunderttausende zu bringen. Die Pfaffenseuche in Spauien. Mit welcher Frechheit das Pfaffentum im schönen Lande Spanien auftritt, zeigt ei! Brief des Nuntius an die Bischöfe, in welchem der Staat als der Kirche untergeordnet hingestellt und behauptet wird, daß der Staat verpflichtet sei, die religtösen Genossenschaften anzuerkennen! Natürlich macht das anmaßende Schriftstück großes Aufsehen. Selbst Konser⸗ vative erklären, daß Spanien nie so reaktionär regiert worden, der Vatikan nie so dreist auf— getreten sei wie jetzt. Russisches. Der Prozeß gegen Balmaschew, den Mörder des Ministers Schipjagin, endete mit der Verurteilung des Angeklagten zum Tode. Während der Verhandlung benahm sich Balma⸗ N + ————— ↄÜDÄ — * — 4— S eite 4. Mittel deutsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 20. schew äußerst ruhig und gefaßt, auch sein Todes⸗ urteil nahm er mit unerschütterlicher Ruhe hin. Nur als der Präsident ihn fragte, ob er absolut keinen Gehilfen und Anstifter bei Verükung des Verbrechens gehabt, soll er geantwortet haben:„Jawohl, einen Komplizen habe ich gehabt, das ist die russische Regierung!“ Das Todesurteil dürfte schon vollstreckt sein.— Ueber die vor einiger Zeit ausgebrochenen Bauern⸗ unruhen hat die Regierung Berichte heraus⸗ gegeben, aus denen hervorgeht, daß gegen die don Hungersnot gepeinigten Banern von Seiten des Militärs mit blutigster Brutalität vorgegangen wurde. In Massen wurden die Bauern hingeschlachtet. Mittel dieser Art sind es von je gewesen, die brüchige Throne stützen sollten; doch wird der Zusammen⸗ bruch der zarischen Gewaltherrschaft damit nicht aufgehalten werden. Furchtbare Vulkan⸗Katastrophe auf den kleinen Antillen. Ein Teil der Inselgruppe der kleinen Antillen ist vorige Woche von einer entsetzlichen vulkanischen Kata⸗ strophe heimgesucht worden. Besonders gelitten hat die französische Insel Martinique, aber auch die Inseln St. Lucia, St. Vincent und Dominica, die zu England gehören, haben furchtbar gelitten. Die Zahl der Opfer ist noch nicht genau festgestellt; doch dürften nach zuverlässigen Schätzungen etwa 40—45 000 Men⸗ schen zu Grunde gegangen sein Die Inselgruppe schließt in gebogener Linie das karibische Meer gegen den atlan⸗ tischen Ocean ab und bildet die Verbindung zwischen dem südamerikanischen Festlande einerseits und den großen Antillen Portorico, San Domingo(Haiti), Cuba und Jamaica andererseits. Sie hat insgesamt eine Ober⸗ fläche von 6400 Quad.⸗km, ungefähr die Größe des Großherzogtums Oldenburg und eine Bevölkerung von etwa 800000 Köpfen. Die Inseln sind alle vulka⸗ nischen Ursprungs und es gibt jetzt noch zahlreiche thätige Vulkane. Sie wurden infolgedessen schon öfters von Erdbeben und vulkanischen Ausbrüchen heimgesucht. Dies⸗ mal spottet das Unglück aller Beschreibung. Am schlimm⸗ sten erging es, wie bemerkt, der Insel Martinique. An der nordwestlichen Ecke derselben, am Fuße des Vulkans Pelsée liegt die Hafenstadt St. Pierre, eine reizende Stadt. Sie wurde in wenigen Minuten von dem Vul⸗ kan mit einem Feuerstrom überflutet und total ver⸗ nichtet. Schon Tage vorher kündigten den Bewohnern von St. Pierre untrügliche Anzeichen den bevorstehenden Ausbruch des Vulkans Pelée an, und es ist eigentlich verwunderlich, daß die Bewohner nicht wenigstens aus der Nähe des gefährlichen Berges flüchteten. Man hielt den Vulkan für erloschen; seit 50 Jahren hatte er ge⸗ schwiegen, als am Samstag, den 3. Mai um Mitter⸗ nacht dichte Rauchwolken mit hochragenden Flammen ausbrachen, begleitet von lauten rollenden Geräuschen. Die ganze Stadt erwachte, die Bewohner stürzten auf die Straße und eine allgemeine Panik erfolgte. Am nächsten Tag, 4. Mai, fing ein dichter Aschenregen an, auf die Stadt zu fallen. Der Vulkan war unsichtbar und Niemand wagte sich weit von der Stadt weg, um den Umfang des schnell zunehmenden Ausbruches festzu⸗ stellen. Der Sonntag wurde in Angst verbracht. Am Montag ergoß sich plötzlich aus dem Mont Pelée ein Strom geschmolzener Lava, 20 Fuß hoch und eine halbe Meile breit. Er raste mit einer Geschwindigkeit von 100 Meilen per Stunde vorwärts, sich durch ein Thal ergießend, gelangte der Lavastrom von der 4000 Fuß hohen Spitze des Berges zum 5 Meilen entfernten Meere in drei Minuten und vernich⸗ tete Alles auf seinem Wege. An der Mündung des Flusses stand eine große Fabrik des Dr. Guerin. Ueber diese ergoß sich die geschmolzene Masse un) in einer Minute war Alles vorüber. Fast Jeder in der Nähe kam um. Die Zahl der Opfer wird auf 100 geschätzt.— An den folgenden Tagen warf der Krater unter immerwährenden heftigen Detonationen und Erd⸗ beben berghohe Flammen aus und es regnete Lava und Asche. Die Telegraphenkabel rissen infolge der Erdstöße. Nur wenige Bewohner Martiniques hatten Gelegenheit sich nach andern Inseln zu retten.— Am Donners⸗ tag, 8. Mai trat die Katastrophe ein. Der Offizier des Dampfers„Roraima“ erzählt darüber, das Schiff sei frühmorgens im Hafen von St. Pierre angelangt. Der Schiffsagent kam an Bord nnd sprach Befürchtungen in Betreff des Mont Pele aus, da heißer Sand gefallen sei, indessen war der Vulkan nunmehr ruhig und die Löschung der Fracht begann. Etwa zwanzig Schüffe waren im Hafen, und das letzte, welches an⸗ kam, war der englische Dampfer„Roddam“. Plötzlich hatte man das Gefühl, als ob man geschüttelt werde. Die Luft erzitterte und aller Augen wandten sich nach dem Mont Pelse, aus welchem eine himmel ⸗ hohe Feuersäule emporschoß, dann barst der Berg auseinander und die Flamme schlug vom Himmel auf die Stadt und den Hafen zurück. Darauf stieg unter gewaltigem Tosen eine entsetzliche Flutwelle empor. Heißer Schlamm ergoß sich und der Untergang der Welt schien herbeigekommen. Alle Schiffe sowie die Stadt St. Pierre standen in Fla m⸗ men und der Hafen war voller Leichen. Von den 36 000 Einwohnern der Stadt sollen nur einzelne gerettet sein. Man nimmt an, daß die Opfer infolge Einatmens giftiger Gase erstickt und dann ver⸗ brannt sind.— Spätere Nachrichten besagen, daß die Dampfer, die Hilfe bringen wollten, wegen der unerträg⸗ lichen Hitze nicht landen konnten. Die zahlreichen ange⸗ brannten Leichen verbreiteten einen pestialischen Geruch. Soweit man sie erreichen konnte, wurden Haufen von Leichen verbrannt, um einer Epidemie vorzubeugen. Auf den Martinique benachbarten Inseln wüteten die Vulkane ebenfalls. Auf der Insel St. Vincent wurden durch den Hauptkrater La Soufriére schwere Verwüstungen angerichtet, wobei Tausende von Menschen ihren Tod fanden.— Ebenso befinden sich die Vulkane in St. Thomas und auf Dominica in lebhafter Thätig⸗ keit. Die Bewohner dieser Inseln sind in tötlicher Furcht und haben die englichen und amerikanischen Behörden angefleht, daß man ihnen Kriegsschiffe schicken möge, damit sie fliehen können. Wäre irgend welche Gelegen⸗ heit zur Flucht vorhanden, so wären die Inseln entvöl⸗ kert.— Von allen Staaten werden Hilfsaktionen ein⸗ geleitet. Gewerkschaftliches. Der Verband der Glasarbeiter Deutschlands veröffentlicht einen Schluß⸗ bericht und Abrechnung über den Nienburg⸗ Schauensteiner Streik und über deu General⸗ streik der Flaschenmacher vom 1. August bis zum 31. Dezember 1901. Aus demselben geht hervor, daß die Zahl der Streikenden in Nien⸗ burg⸗Schauenstein 677(davon 512 Verheiratete), im Generalstreik, außer den genannten, in 18 Orten 3564(davon 1885 Verheiratete), zusammen 4113 betrug, denen 730 Arbeitswillige gegenüber⸗ standen. Aus der Abrechnung ist ersichtlich, daß die Gesamteinnahme an Streikunterstützungen 53 7051,58 M., die Gesamtausgabe 591 222,95 M., betrug; die Differenz zwischen beiden Summen ergiebt einen Zuschuß der Verbandshauptkasse von 54 171,37 Mk.. Einschließlich diesersumme wurden im Ganzen 273 177 Mk. von den Glasarbeitern, aufgebracht das Uebrige von den deutschen und ausländischen Gewerkschaften.— Durch der für die Arbeiter unglücklich verlaufenen Streik hat der Verband einen erheblichen Mitgliederverlust erlitten, den man aber in diesem Sommer wieder auszugleichen hofft. Der Verband der Brauer hielt vorige Woche in Hamburg seinen Verbandstag ab.— Aus den Vorstandsberichten geht hervor, daß die Mitglieder⸗ zahl seit 1. April 1900 bis 1. April 1902 rund 10 000 auf 13 626 gestieg en ist.—Die Einnahme betrug in den letzten zwei Jahren 295,840 Mk., die Ausgabe 227,271.31 Mark, so daß eine Mehrein⸗ nahme von 68, 569.31 Mark zu verzeichnen ist. Hierzu die Bestände am Schlusse des Jahres 1899 im Betrage von 18, 688. 14 Mark, mithin betrug ultimo Dezember 1901 der Kassenbestand 87,257. 31 Mark, davon in der Hauptkasse 81, 096.79 Mark und im Internationalen Unterstützungsfonds 6160.52 Mark. Für Unterstützungen zahlte der Verband in den letzten 2 Jahren 113,281.12 Mark, davon Kranken⸗ unterstützung 37,681.27 Mark, Arbeitslosenunterstützung 36,073.85 Mark, Unterstützung an gemaßregelte Kollegen 9023 Mark, Umzugskosten 1741.70 Mark, Rechtsschutz 3608.10 Mark, Streikunterstützung im eigenen Berufe 19458.95 Mark, an andere Verbände 3450 Mark, Unterstützungen in außerordentlichen Fällen 2244.25 Mk. Außerdem kostete das Verbandsorgan 27612 Mark, die Agitation und die notwendigen Fahrten zu den Lohnbewegungen 21954 Mark. Hauptkassierer Kagerl bemerkte hierzu, in den beiden Berichtsjahren seien wohl Ueberschüsse erzielt worden, doch resultierten diese aus der beschlossenen Beitragserhöhung. Die Unterstützungs⸗ einrichtungen erforderten bedeutende Summen, wie aus der Abrechnung ersichtlich sei. Wenn die Mitglieder die se Institutionen mehr ausgenützt hätten, dann ständen wir vor dem Bankerott. Er habe damals Bedenken gegen die Neueinrichtungen gehegt, denn er habe sich vor Augen gehalten, daß der Verband in erster Linie eine Kampfesorganisation sein müsse. * Der Holzarbeiter-Verband hielt vorige Woche in Mainz seinen Verbandstag ab, der von 85 Delegierten und 8 Vertretern des Vorstandes und Aus⸗ schusses besucht war. Den eigentlichen Verhandlungen ging eine Begrüßungsfeier voraus, die Sonntag, 4. Mai in der Stadthalle unter großer Beteiligung der Mainzer Arbeiter stattfand. Aus dem sehr ausführlichen Vor⸗ standsbericht geht hervor, daß der Verband Ende 1901 67341 Mitglieder zählte, gegen das Vorjahr bedeutet das eine Abnahme von über 3000. Die niedergehende Geschäftskonjunktur übte auf den Mitgliederstand aller Organisationen nachteiligen Einfluß aus.— Der Kassen⸗ bericht weist einschließlich des Kassenbestandes, der am 31. Dez. 1899 252310 Mk. betrug, eine Ge⸗ samteinnahme von 2 161 583 Mk. nach. Der Kassen⸗ bestand am Schluß des Jahres 1902 beträgt 333 423 Mk. Die hauptsächlichsten Aus gaben sind: Reise⸗ unterstützung: 76731 Mk. Gemaßregeltenunterstützung: 27 474 Mk. Notfallunterstützung: 25678 Mk. Beihilfe zu Umzugskosten an Mitglieder: 19 781 Mk. Rechts⸗ schutz: 15 976 Mk. Streikunterstützung: 698 359 Mk. Anteil der Lokalkassen: 456 680 Mk. Kosten der Zeitung: 147 246 Mk. Agitation: 60 592 Mk. Verwaltungs⸗ kosten: 20 261 Mk. etc. Auf dem Verbandstage selbst ungen“ den breitesten Raum ein. Der Vorstand be⸗ schwerte sich darüber, daß die Kollegen an verschiedenen Orten in den Ausstand getreten seien, ohne die Ge⸗ nehmigung des Hauptvorstandes. Dadurch entstehen viele Mißhelligkeiten. Andererseits wurde bemerkt, daß man eben den günstiger Zeitpunkt wahrnehmen müsse. Thatsächlich haben weitaus die meisten Streiks für die Arbeiter Erfolge gebracht. Von den wichtigeren Be⸗ schlüssen sei in erster Linie die Einführung der Arbeits⸗ losenunterstützung erwähnt, die am 1. April 1904 in Kraft treten soll. Vom 1. April 1903 an wird der wöchentliche Beitrag auf 35 Pfg festgesetzt. Die bean⸗ tragte Verlegung der Holzarb.⸗Zeitung von Hamburg nach Stuttgart wurde abgelehnt. Ferner sollen zum nächsten in Leipzig stattfindenden Verbandstage nur auf je 1000(bisher 800) Mitglieder ein Delegierter gewählt werden. Die Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Auf weitere Beschlüsse kommen wir noch zurück. Pon Uah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Maifest. Wohl noch selten war zu dem Arbeiter⸗Maifest das Wetter so ungünstig als in diesem Jahre. Hatten wir in früheren Jahren fast regelmäßig Wetter⸗Glück, so mußte dies⸗ mal erst das Fest auf den zweiten Sonntag im Mai verlegt werden und viel fehlte nicht, so wäre es auch an diesem Tage gründlich verregnet. Noch bis kurz ror Abmarsch des Festzuges war man unschlüssig, ob man in den Wald ziehen oder sich für Abhaltung des Festes auf Textors Terrasse entscheiden sollte. Schließlich ging man in den Wald und glücklicher weise blieb es den ganzen Nachmittag trocken. Kühl war es allerdings, aber trotzdem und obwohl man jeden Augenblick einen Regen- oder Hagelschauer er⸗ warten konnte, war der Besuch des Festes ein recht guter und gab darin den früheren Mai⸗ festen kaum etwas nach. Der Festzug konnte eben wegen der Wetter-Unsicherheit nicht beson⸗ ders großartig ausfallen; viele waren der Mei⸗ nung, daß das Fest nicht stattfände. Dessenun⸗ geachtet wies der Zug eine für hiesige Verhält⸗ nisse ganz respektable Teilnehmerzahl auf; es marschierten darin etwa 200 Gewerkschaftsmit⸗ glieder. Bei schönem Wetter wäre sicher die dreifache Zahl vertreten gewesen. Nächstes Jahr wird es die Aufgabe des Gewerkschafts⸗ kartells sein, den Zug noch etwas imposanter zu gestalten, als es jetzt zum ersten Mal mög⸗ lich war und da ist noch manches zu thun.— Im Uebrigen verlief das Fest in der besten Weise und ohne jeden Mißton. Mit Eintritt der Dunkelheit marschierte man nach der Stadt zurück. Mancher freute sich seiner Vorsicht, den — Winterüberzieher mitgenommen zu haben! „Volksbades“ hat die Eingabe des Sanitäts⸗ vereins, betreffend die Beibehaltung ermäßigter Badepreise für Mitglieder der Krankenkasse wie folgt beantwortet: Wir tellen Ihnen hierdurch mit, daß Ihr Gesuch vom 2. April cr.„Preisermäßigung für Bäder be⸗ treffend“ in der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats worden ist. Man hätte wohl von dem Aufstchtsrat et⸗ was mehr Entgegenkommen erwarten dürfen. Wie schon früher mitgeteilt, ist auch die Stat an dem Unternehmen beteiligt, sie be⸗ nahmen die Erörterungen über den Punkt„Lohnbeweg⸗ und Vorstandes mit allen gegen eine Stimme abgelehnt — — — — Der Aufsichtsrat des Gießen er D eee 6 r—— 2 .— „„„ Ml. Behle 1 Mk. dan. 698 359. u der Zeitung: erwaltungs⸗ andstage sülbst ., Lohnbeweg⸗ Vorstand be⸗ m verschiedenen ohne die Ge⸗ durch eutsehen e bemerkt, daß cuehmen müse. Streiks für die wichtigeren Be⸗ ng der Atbeits⸗ April 1904 in 3 an wird der cbt. Die bean⸗ von Hamburg rner sollen zum ibandstage nur ein Delegierter lieder wurden Amen wir noch — fern. eiten. war zu dem imgünstig als heren Jahren mußte dies⸗ Sonntag im nicht, so wäre ich berregnet. sestzuge war Wald ziehen auf Textor ließlich ging peise blieb 5 Kühl war 5 hl nan jeden gels Hauer er es Festes ein rüheren Mu zug konnt t nicht beson⸗ aren der Mei⸗ e. Dessenul⸗ tesge Veh, za Lauf; 0 f scher die ire daes en. Aal, werkschaft 5 daun en Mal mi eee eee eee 5 1 4 1 4 5 e . Nr. 20. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. sitzt beinahe für 100000 Mk. Aktien, es muß also jeder Steuerzahler mit bezahlen helfen. Darauf scheinen aber die Herren im Aufsichts⸗ 955 nicht die geringste Rücksicht genommen zu aben. — Lehrer und Arbeiter. Zu dem von uns im Leitartikel in Nr. 17 besprochenen „Drama“„Streik“ des Gießener Oberlehrers Sommerlud schreibt uns ein Lehrer: Sehr geehrter Herr Redakteur! Bei der Lektüre des Sommerladschen Dramas empfindet man das lebhafteste Be⸗ dauern besonders deswegen, weil es gerade ein Lehrer ist, der diese unhistorische und ver⸗ ständnislose Auffassung der sozialen Bewegung vertritt. Ein klarer Kopf wird sich ja in seinem Urteil durch derartige Phantastepro⸗ dukte nicht irritieren lassen. Aber manches gute spießbürgerliche Gemüt wird sich gegen die ihm hier eingeredeten Vorurteile nicht zu wehren vermögen. So wird Herr Sommer⸗ lad mitverantwortlich für das Unglück, daß die verschiedenen Schichten und Parteien unse⸗ res deutschen Volkes sich fremd oder gar ge⸗ hässig und mißtrauisch gegenüberstehen. Bei ehrlicher, rein sachlicher Erwägung unserer politischen Aufgaben beiderseits wäre diese Feindschaft, diese fortschritthemmende Reibung, in so starkem Maße durchaus nicht nötig. Zum Glück giebt es unter den Berufsgenossen des Herrn S. doch viele, die sich zu historisch gerechteren Urteile hindurchgedacht haben. Sie werden auch die ihnen anvertraute Jugend zu ruhig sachlichem vorurteilslosem Denken zu erziehen wissen. Ergebenst X. X. Daß nicht alle Lehrer der Arbeiterbewegung mit der Voreingenommenheit und Beschränkt⸗ heit wie der Verfasser des Stückes gegenüber⸗ stehen, wußten wir allerdings. Doch freut es uns, diese Zuschrift veröffentlichen zu können, sie zeigt, daß die Lehrer die Beleidigung em⸗ pfinden, die ihnen Herr Sommerlad mit seiner Kapuzinade zugefügt hat. — Das Wahlfreibier. Auf Grund des§ 138 des Bürgerl. Gesetzbuches, wonach „ein Rechtsgeschäft nichtig ist, das gegen die guten Sitten verstößt,“ fällte die Civilkammer II des Landgerichts Darmstadt eine interessante Entscheidung, die vom Oberlandesgericht bestätigt wurde. Es handelte sich, schreibt die Frkft. Ztg., um die namentlich auf dem Lande weit verbreitete Unsitte des Freihaltens im Wirts⸗ haus bei Gemeindewahlen. Gelegentlich der Bürgermeisterwahl in Dornheim war der Vater eines der Kandidaten sehr splendid gewesen und hatte bei den Inhabern verschiedener dortiger Wirtshäuser bestellt, daß jedermann auf seine Kosten bis zu der am nächsten Tag stattfindenden Wahl unentgeltlich Speise, Getränke und Liqueure erhalten solle. Es gab natürlich ein allgemeines Gelage und bedeutende Rechnungen. Einer der Wirte hatte über 600 Mark zu fordern, die er einklagte, da Zahlung nicht zu erhalten war. Die Klage wurde auf Grund des§ 138 abgewiesen und die anderen Wirte, die das Resultat der Klage ihres Kollegen abwarteten, haben voraussichtlich nun auch das Nachsehen. Hoffentlich macht das viele Wirte für alle Zukunft vorsichtig und bewirkt, daß dieser weitverbreitete, demoralisirende Mißbrauch, der ein übles Licht auf die vielberühmte„ländliche — Sittlichkeit“ wirft, nach und nach verschwindet. — Das Urteil verdient auch in unserer Gegend Beachtung, die Unsitte des Freihalten bei Wahlen ist auch hier an vielen Orten ein⸗ gerissen.— In Altenstadt(Kr. Friedberg) sollen die Zechereien anläßlich der Bürger⸗ meister⸗Wahl ein ganzes Jahr lang angedauert haben. Aus dem Nreise gießen. n. In Großen⸗Buseck sprach am ver⸗ gangenen Sonntag Genosse Krumm Gießen in einer öffentlichen Volksversammlung über„Agrarische Fragen“. Der Redner wies eingehend und ziffernmäßig nach, daß die ganze Schutzzollpolitik nur dem Junker⸗ tum nütze. Was die kleinen Bauern im günstigsten Falle profitieren, sei ihnen doppelt und dreifach durch die Zölle auf alle anderen Gebrauchsgegenstände ge⸗ nommen worden. Bauern und Arbeiter sollten einig seln, zur gemeinsamen Bekämpfung des ganzen indirekten Steuersystems, welches nur den Kapitalisten zu gute kommt. Weiter kam der Referent noch auf Religion, Internationalismus, Ehe ꝛc. zu sprechen und wies die uns von den Gegnern in Bezug darauf gemachten Vor⸗ würfe ansführlich und entschieden zurück.— Die Ver⸗ sammlung nahm einen recht guten Verlauf. Aus dem Rreise riedberg⸗Püdingen. * Fabrik abgebrannt. Am Himmel⸗ fahrtstag früh ist die Möbelfabrik von Binde⸗ wald in Friedberg zum größten Teile abgebrannt. Dampfmaschine und Holzbearbeitungsmaschinen sind alle verbrannt. Der Betrieb soll nach Möglichkeit aufrecht erhalten wer den. Die Fabrik beschäftigt über 100 Arbeiter. Für die Isen⸗ burger Ausgesperrten dürfte der Brand insofern von Bedeutung sein, als man hier der Ansicht ist, daß die Firma Bindewald für die Isen⸗ burger Firmen Aushilfsdienste versah. Wenig⸗ stens soll seit Beginn des Isenburger Streiks der Geschäftsgang ein flotter gewesen sein. Damit dürfte es nun vorbei sein. Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach. r. Unsere Maifeier, die am Sonn⸗ tag, den 4. in Lauterbach stattfand, war leider infolge des ungünstigen Wetters nur mäßig besucht. Besonders bemerkte man das Fehlen der älteren Wahlvereinsmitglieder von Blitzenrod. Doch verlief die Feier in der schönsten Weise. Genosse Schmidt- Preunges⸗ heim hielt die Festrede, in der er die Mai⸗ Forderungen der Arbeiterschaft darlegte und die Anwesenden ermahnte, ihre Kräfte mit in den Dienst der gerechten Sache zu stellen und tüchtig mit zu arbeiten, um endlich unser hohes Ziel zu erreichen.— Darauf folgte gemütliche Unterhaltung, Vorträge und Tanz. Man trennte sich mit dem Bewußtsein, das Fest der Arbeit in würdigster Weise begangen zu haben. (Unliebsam verspätet. D. R.) Aus dem Rreise Wetzlar. h. Stürmische Diskussionen soll es auf der kürzlich stattgefundenen Generalver⸗ sammlung des Landwirtschaftlichen Vereins gegeben haben. Die Bauern zeigten sich beson⸗ ders darüber unwillig, daß die Leitung des Vereins mit allen Mitteln darauf hinarbeitet, daß nur eine bestimmte Rasse Rindvieh(Vogels⸗ berger) gezüchtet werde, was ein Teil der Land⸗ wirte nicht haben will. Diese mußten sich des⸗ wegen schon alle möglichen Scherereien gefallen lassen. Auf der Generalversammlung mußte namentlich Herr Kreissparkassendirektor Schla⸗ bach manches scharfe Wort hören. Aus dem Rreise Marburg⸗-Rirchhain. St. Eine Anzahl Arbeiter aus Slavonien, welche von dem Unternehmer des Bahnbaues bei Sarn au billiger Arbeitskraft wegen den hiesigen Ar⸗ beitern, die doch wahrlich schon anspruchslos genug sind, vorgezogen waren, legten, da ihnen an dem versprochenen Stundenlohn noch einige Pfennige abgezwackt werden sollten, die Arbeit nieder und trafen am Montag, völlig mittellos hier ein. Sie beanspruchten von der Stadt Reisegeld in die Heimat, das ihnen aber nicht gewährt werden konnte. Sie wurden von der Polizei zur Weiter⸗ beförderung an den Bahnhof geschafft. — Todesfall. Am Dienstag Abend starb hier der auch in weiteren Kreisen bekannte frühere Präfident des hiesigen Landgerichts, Geh. Oberjustizrat Dr. Schul⸗ theis. Derselbe erfreute sich hier wegen seines gerechten und biederen Charakters allgemeiner Achtung. — Die Frequenz der hiesigen Universität hat in diesem Sommersemester die bisher noch nicht dagewesene Zahl von über 1400 Studierenden und Hörern, dar⸗ unter auch mehrere Damen, erreicht. Von Ausländern dürfte wohl diesmal Rußland das größte Kontingent stellen. 5 — Selbstmord. Aus Gram über einen von seinem Liebhaber erhaltenen Absagebrief hat sich ein hiesiges Dienstmädchen am Dienstag Abend vergiftet. — Der Kon sumverein hat seit Anfang dieses Monats seine erste Verkaufsstelle in dem neu gebauten und gut eingerichteten Laden des Hauses Metzgergasse 6 eröffnet. Dieselbe erfreut sich bereits eines guten Zu⸗ spruchs und dürfte, falls der Verein so wie seither weitere Fortschritte macht, in nicht allzu ferner Zeit an die Errichtung einer zweiten Verkaufs stelle im Nordviertel gegangen werden. Für die nötige Agitation zur Ge⸗ winnung neuer Mitglieder sorgen in ausgiebigster Weise die Konkurrenten, sodaß dem Vorstand des Konsum⸗ vereins in dieser Beziehung nicht mehr viel zu thun übrig bleibt. S Kleine Mitteilungen. * Vom Zuge überfahren. Bei der Station Lohra Strecke Niederwalgern-Gladenbach) stellte sich ein Geisteskranker vor die Lokomotive eines in Bewegung befindlichen Zuges. Der Unglückliche wurde sofort getötet. ** Groß feuer in Frankfurt. Am Samstag Vor⸗ mittag geriet das in der Fahrgasse gelegene Verkaufs⸗ lokal des Materialwaren⸗ und Chemikalien⸗Geschäftes J. J. Haas in Frankfurt durch entzündetes Benzin in Brand. Das Ladengeschäft mit allen Vorräten wur de vernichtet. Auch ein Teil des darüber im Entresol untergebrachten Moͤbellagers der Firma G. Marx ist verbrannt. Die Feuerwehr, die durch das Signal „Großfeuer“ zur Brandstelle gerufen wurde, beseitigte die Gefahr in verhältnismäßig kurzer Zeit. Mensch en sind nicht verunglückt. * Hunnen in Deutschland. Ein in Frank⸗ furt a. M wohnender junger Chinese Names Low Ah Boon wurde am 3. Mai Abends in der Taunusanlage von fünf Leuten angepackt, ihm die Mütze entrissen und sein Zopf mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Entrüstet bemerkt dazu sogar der„Frkft. Gen.⸗ Anz.“: Die Gewaltthat erscheint von noch größerer Roheit, wenn man weiß, daß für den gläubigen Chinesen der Verlust des Zopfes eine große Schmach bedeutet.— Die rohe That zeigt so recht, wie weit die Verwir⸗ rung der sittlichen Begriffe unter der Rachekriegshetze gediehen ist. Daran hat sich aber grade das„unpartei⸗ ische“ Frankfurter Blatt in hervorragender Weise beteiligt. * Ungetreuer Nachtwächter. In einem kleinen Orte bei Zollhaus wurde der dortige Nachtwächter seines Amtes enthoben, weil er dabei erwischt wurde, wie er einem Mitbürger Dickwurz stahl. * Ein Geschäft, das noch was einbringt, sind die Höchster Farbwerke. Die Gesellschaft zahlt wie im Vorjahr 20 Prozent Dividende und die paar Herren des Aufsichtsrats erhalten für ihre gewiß nicht 5 an strengende Mühewaltung die Kleinigkeit von 622 547 M. Tantieme! * Gattenmord. Am Montag Nacht erstach der Maurerparlier Maurer in Kassel seine Frau nach vorausgegangenem Streite. Sowohl der Mörder wie die Ermordete werden als arbeit same Leute geschildert. * Ein 100⸗Millionen⸗Schwindel hält Paris in Aufregung und drängt sogar die Ereignisse auf Martinique in den Hinter⸗ grund. Die Frau des Rechtsanwalts Hum⸗ bert hatte vor Jahren vorgegeben, 100 Mil⸗ lionen Franken geerbt zu haben. Unter Hin⸗ weis auf die Erbschaft und die Prozesse, die ste deswegen führen müsse, gelang es Frau Humbert, bei Banken ꝛc. ungeheuere Summen, aufzunehmen. Jetzt stellt sich die ganze Ge⸗ schichte als Schwindel heraus. Das Ehepaar ist flüchtig. Partei-Nachrichten. An die Genossen im V. nass. Wahlkrei se (Dillenburg⸗Herborn)! Um die Agitation bei der nächsten Reichstagswahl besser und planmäßiger als seither betreiben zu können, ist es notwendig, daß die Genossen im Kreise mit einander in Verbindung treten und demnächst einmal zu einer Besprechung zu⸗ sammentreten. Unablässige Arbeit thut not, wenn wir bei der Wahl Erfolge erringen wollen. Es gilt des⸗ halb, sich bei Zeiten zu cühren! Wollen daher die Genossen im Kreise ihre Adressen sowie die Sache betreffenden Zuschriften recht bald an Stadtverord. E. Krumm in Gießen, oder an die Redaktion ds. Bl. gelangen lassen.— Mit Parteigruß! R. Verfolgung unserer Partei in Schlesie n. Aus dem Lande der Centrums-Agrarier, Grub en⸗ barone und sonstiger Kapitalshyäneu wurde schon oft berichtet, wie dort unseren Genossen zugesetzt und mit welchen Mitteln unsere Partei bekämpft wird.— Jetzt giebt wieder ein Urteil der Strafkammer in Leuth en i. S. zum Nachdenken Veranlassung. Angeklagt war der Genosse Haase als Redakteur des polnischen Parteio rgan „Gazeta Robotnicza.“ Er soll einen katholischen Erz⸗ priester beleidigt haben, indem er diesem vorwarf, daß er Ministranten Geldbeträge, die ihnen gehörten, vor⸗ enthalten habe. Nachdem die Verhandlung am 2. Mai, in der es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Haase und dem Vorsitzenden gekommen, vertagt worden war verurt eilte das Gericht den Angeklagten zu 9g Mo na ten Gefängnis und verfügte seine sofortige Verhaftung. rp————————— Versammlungs kalender. Samstag, den 17. Mai. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamr lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeite Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Friedberg. Nichtgewerbliche Arbeiter. Abends 8 Uhr Versammlung bei Ihl, Stadt New⸗NVork. N 1 1 5 N 11 f 1 IA . 1 Ae 1 3 3 * —— FC N * Ser. . N ——— — — * r —— 2 —— . Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 20. 15 e 7 b Unterhaltungs-Ceil. ——————ů Bumane Zeit. Humane Seit, humane Sitten— Gesetze schützen selbst das Vieh; Ein jeder Hund ist wohlgelitten, Ein ganzer Mensch dagegen nie. Humaner Staat, humane Bürger— Erlaubt sind höchstens sechs Prozent; Doch edler Herr ist jeder Würger, Der an der Börse raubt und brennt. Humaner Sinn, humanes Streben— Die Wissenschaft häuft Sieg auf Sieg; Sie hält die Kranken lang am Leben Und schlägt Gesunde tot im Krieg. Humane Herr'n, humane Damen— Sie tanzen für der Armen Not Und ernten von der Arbeit Samen Der Millionäre saures Brod. Humanes Denken, Reden, Schreiben— Du eitler Firnis einer Welt, Wo höchste Kunst ist: Kurse treiben, Und höchste Tugend: Geld, viel Geld. R. Seidel. Das Kind. Von Guy de Maupassant. 1 Jakob Bourdillere hatte schon seit langer Zeit einen Eid geleistet, daß er niemals heiraten würde. Aber ganz plötzlich änderte er seine Meinung. Die Sache kam ganz unerwartet, wie ein Dieb in der Nacht, mitten im Sommer, als er sich im Seebade aufhielt. Er lag eines Morgens lang hingestreckt am Strande und sah zu, wie die Damen aus dem Wasser stiegen. Da fiel ihm plötzlich ein kleiner Fuß auf, dessen Zartheit und klassische Schönheit ihn fesselten. Seine Blicke glitten dann höher hinauf, und die ganze Persönlichkeit, die er da sah, nahm ihn recht sehr ein. Er konnte übrigers von dem ganzen Menschen nichts weiter sehen, als nur die Knöchel und den Kopf, sie sahen vor⸗ sichtig aus dem weißen Bademantel von Flanell hervor, der hermetisch geschlossen war. Unter seinen Gefährten galt Jakob für einen Lebemann, der dem Liebesgenusse außerordentlich ergeben war. Hier fesselte ihn vor allen Dingen die schöne anmutige Form und all der Reiz, der von Sanftmut und Unschuld eines jungen Mädchens ausgeht; die Einfachheit und Frische, die auf ihren Lippen und Wangen strahlte, waren ein Zeichen von dem Werte der ganzen Person. Er wurde auf seinen Wunsch in den Familienkreis der jungen Dame eingeführt und fand dort bald freundliches Entgegenkommen. Es dauerte garnicht lange, so war er bis über die Ohren verliebt. Die junge Dame hieß Bertha Lannis, und wenn er ste nur in der Ferne am Strande sah, so durchzuckte es ihn wie ein elektrischer Schlag vom Wirbel bis zur Sohle; stand er aber neben ihr, so schwieg sein Mund und er konnte kein Wort heraus⸗ bringen. Er konnte nicht einmal einen Gedanken fassen, nur sein Herz wallte leidenschaftlich. Vor den Ohren klang es ihm und sein Ver⸗ stand schien ganz verwirrt zu sein. War das wohl die Liebe? Er fragte sich oft danach, ohne daß er im stande war, sich die Frage zu beantworten, aber er war fest entschlossen, daß dieses junge Mädchen seine Frau werden sollte. Die Eltern zögerten mit ihrer Einwilligung recht lange, der junge Mann besaß in der Gesellschaft einen gar zu schlechten Ruf. Man sagte, daß er ein Verhältnis hatte, ein Verhältnis, das schon gar zu lange dauerte. Es war daraus eine feste Verbindung geworden, eine von den Ketten, die mehrmals gebrochen scheinen und doch noch den fesseln, dem sie angelegt sind. Außerdem aber besaß er doch eine wahn⸗ sinnige Leidenschaft, die länger oder kürzer dauerte, für alle hübschen Frauen, die seinem Lebenspfade nur irgendwie nahe kamen. Aber jetzt wurde er ein ordentlicher Mensch. Das Mädchen, das so lange seine Liebste gewesen war, sah er nicht ein einziges Mal mehr an. Einer von seinen Freunden mußte der Verlassenen eine Rente überbringen und so war also für ihren Lebensunterhalt gesorgt. Jakob bezahlte gern, aber er vermied es, ste tegendwie in einem Gespräch zu erwähnen, denn er behauptete steif und fest, daß er jetzt mae den Namen des jungen Mädchens vergessen müsse. Sie sandte ihm noch ab und zu einen Brief; aber er gab sich garnicht die Mühe, diese aufzumachen. Es verging keine Woche, ohne daß er einmal die ungeschickte Handschrift des verlassenen Mädchens vor die Augen bekam; aber sein Zorn gegen sie wuchs von Woche zu Woche, und er vernichtete die Briefe, ohne daß er sie aufbrach, ohne auch nur eine Zeile zu lesen. Wußte er doch schon im voraus, daß ja darin nur Vorwürfe und Klagen standen! Die Eltern seiner Angebeteten glaubten aber immer noch nicht daran, daß er sich wirklich bessern würde, unv so prüfte man ihn denn den ganzen Winter hindurch; erst im kommenden Frühjahr nahm die Familie seinen Heirats⸗ antrag an. 11 In den ersten Tagen des Wonnemonats fand in Paris die Hochzeit statt. Das Brautpaar hatte den Entschluß gefaßt, die Hochzeitsreise, die doch sonst so sehr in Mode ist, sich zu schenken. Nach dem Festessen sollte nur ein kleiner Ball folgen, so ein ganz harmloses Lämmerhüpfen für ein paar junge Verwandte und Bekannte. Um elf Uhr sollte es vorbei sein. Die jungen Eheleute sollten die erste Nacht nach ihrer Verheiratung noch im Elternhaus der jungen Frau zubringen, damit. diese Gelegenheit habe, von den vielen Anstreng⸗ ungen und Feierlichkeiten des wichtigen Tages sich zu erholen. Am nächsten Morgen wollte dann das junge Paar nach dem Strande fahren der so herrliche Erinnerungen für beide barg, denn dort hatte ja ihre Bekanntschaft begonnen, und war ihre Liebe aufgekeimt. Die Nacht war schon hereingebrochen, und im großen Saal wogte der Tanz. Das junge Ehepaar saß in einem kleinen niedlichen Zim⸗ mer, das im japanischen Stil eingerichtet war, und dessen Tapeten aus helleuchtender Seide bestanden. An diesem Abende war das Zimmer⸗ chen nur von einer großen, bunten Laterne be⸗ leuchtet, die als ein riesiges Glühwürmchen an der Decke hing. Das Fenster war halb ge⸗ öffnet, und der frische Atemzug der Mainacht drang so recht weich hinein, er schmeichelte den beiden jungen Leuten um die Wangen. Es war einer jener lauen und stillen Abende, wo die Luft von Frühlingsdüften bebt. Die Neu⸗ vermählten sprachen kein Wort. Sie hielten sich zärtlich bei den Händen gefaßt und drückten diese ab und zu liebepoll. Berthas Augen waren wie leicht umflort. Sie schien über diesen großen Wechsel, der so plötzlich in ihrem ganzen Leben vor sich gegangen war, etwas verwirrt zu sein; so lächelte sie denn; ihr ganzes Wesen war erregt, lebhaft erregt und sie schwankte dazwischen, ob sie plötzlich heftig weinen oder vor Freude herzlich lachen sollte. Ihr kam die ganze Welt so verändert vor, und sie fühlte sich so unruhig, ohne daß sie aber wußte wes⸗ wegen. Ihr ganzes Denken und Fühlen löste sich in eine nicht näher zu erklärende Schlaff⸗ heit auf. Ihr Gatte sah sie fortwährend lächelnd an, und von seinem Gesicht wich der Zug der Heiterkeit nicht. Er wollte sie ab und zu an⸗ reden, aber er suchte vergebens nach Worten; so blieb er denn regungslos sitzen, und nur sein kräftiger Händedruck sollte ihr vou seinem unaussprechlichem Glücke, das er empfand, er⸗ zählen. Ab und zu lispelte er ihr zu:„Bertha“. Da hob die junge Frau jedesmal mit einem zärtlichen, schwimmenden Blick die Augen zu ihm auf. Sie schauten sich eine Sekunde lang an, und dann ließ sie wieder ihre zarten Augen⸗ lider über die von Glück funkelnden Augen sinken. Ihr ganzes Sein war von seinem Blick ja durchdrungen und bezaubert.— 9 Sie suchten vergebens jetzt nach einem Ge⸗ danken, den ste im Gespräch mit einander aus⸗ tauschen konnten. Die Gesellschaft hatte ste hier allein gelassen, nur ab und zu ging ein Paar von den tanzenden jungen Leuten an der Zimmertüre vorüber und warf von da einen flüchtigen Blick in das Nestchen voll Glück hin⸗ ein. Es war, als wollten die andern nicht die Zeugen ihres süßen Geheimnisses sein, das keine Vertrauten litt. Da wurde ganz plötzlich eine Seitentüre geöffnet. Ein Diener trat hinein: er trug auf einer silbernen Platte einen Brief und meldete, daß diesen soeben ein Dienstmann abgegeben habe. Der junge Ehemann faßte mit zitternden Händen nach dem Brief, denn es hatte ihn eine plötzliche Furcht gepackt. Er sah lange auf den Briefumschlag hin. Die Handschrift war ihm nicht bekannt und er wagte nicht, die Nachricht zu öffnen. Er hatte den Wunsch, daß er den Brief nicht lesen möchte, und so hätte er am allerliebsten den Brief in die Tasche gesteckt und dabei zu seiner Beruhigung gesagt:„Wir lassen die Sache bis auf morgen: denn morgen bin ich ja weit von hier weg, und dann kann mir ja nichts mehr geschehen.“ Da bemerkte er plötzlich, daß in einer Ecke des Briefumschlags die Worte standen:„Eilt sehr!“ Diese Worte hielten ihn davon ab, den Brief fortzustecken, und jagten ihm einen neuen Schrecken ein. Er fragte somit seine junge Frau:„Erlaubst Du wohl, liebe Bertha,“ und dann gleichzeitig zerriß er die Briefhülle, ent⸗ faltete das darinliegende Papier, und las es. Beim Lesen schon wurde er totenblaß. Noch einmal flogen dann seine Blicke über das Papier hin und schtenen nun ganz langsam zu lesen, was dort drin stand. Da hob er den Kopf wieder und nun schien sein ganzes Wesen plötzlich wie von Grund aus verwandelt. Er stammelte: „Meine... liebe... Frau. Es ist von meinem besten Freunde eine Benachrichtigung, dem armen Menschen ist soeben ein furchtbare, großes Unglück geschehen. Ich muß auf der Stelle zu ihm hin,... zögern darf ich nicht,.. denn die ganze Angelegenheit geht auf Leben und Tod... Gestatte mir nur, daß ich mich auf ein viertel Stündchen empfehle... ich werde bald wieder bei Dir sein.“ Sie zitterte am ganzen Körper und lispelte entsetzt: „Gehe nur, mein teurer Mann.“ Sie fühlte sich noch nicht völlig als seine Gattin und deswegen wagte sie auch nicht eine Frage an ihn zu richten oder sonstwie etwas zu äußern, was denn geschehen sei. Er ging.— Sie blieb allein und hörte weiter nicht darauf, wie in dem Salon in der Nähe mustziert und getanzt wurde. (Fortsetzung folgt). Ein Indizienbeweis. Ein Jurist und Kriminalist, der als schar⸗ fer Denker geachtet ist, betrat, wie man im „J. W. E.“ liest, vor einigen Tagen den Laden eines Vermischtwarenhändlers in Wien. Er wollte ein Zehnkronenstück wechseln lassen und machte deshalb einen einige Heller betragenden Einkauf. Außer dem Geschäftsinhaber befand sich noch eine Kundin in dem kleinen Laden, ein Fabrikmädchen. Als der Jurist das Gold⸗ stück überreichen wollte, streckte gerade das Fa⸗ brikmädchen in irgend einer Absicht ihren Arm aus, der dadurch mit der Hand des Juristen in Berührung kam. Das Goldstück entglitt seinen Fingern, fiel zu Boden und er buͤckte sich, um es zu suchen. Aber auch das Mädchen hatte sich sofort anf den Boden gekniet, suchte einen Augenblick, erhob sich dann rasch und sprach:„Ich find nichts, übrigens hab ich auch nichts fallen gehört.“ 1 Worten verließ sie auffallend schnell en Laden. — fc auf dan 8 u web! fe 1 ift l dhe leich ile i ztternden alte ihn eint unschlag hin. dannt und er . Er hatte ligen nüt, den Brief in r Beruhigung auf morgen; on hier weg, r geschehen.“ iner Ecke des en:„Eilt won ab, den einen neuen seine junge Bertha,“ und iefhülle, ent⸗ und las es. blaß. Noch r das Papier sum zu lesen, id nun schien u Grund aus Cs ist bon qchrichtigung, furchtbares, auß auf der ich nicht, 292 ht auf Leben daß ich nich chle... ich und lippelte in. f lig als sette ich nicht eile astwit etwas a und hörte alan in der N. 8 20. Mitteldeuische Sonutaas⸗Neitung. Seite 7. Der Verlustträger suchte wetter, der Ge⸗ schäftsinhaber kehrte mit einem Besen den Staub auf dem Fußboden zusammeu, das Goldstück kam jedoch nicht zum Vorschein. „Das ist merkwürdig,“ meinte der Jurist, in welchem der Kriminalist erwachte,„weshalb hat sich die Frauensperson am Suchen beteiligt, weshalb diese verdächtige Entschuldigung, daß sie nichts fallen gehört hat und weshalb dieses rasche Davongehen?“ Der Geschäftsführer zuckte die Achseln und meinte:„Näher kenne ich sie nicht, sie ist gegen⸗ über in der Glühlampenfabrik beschäftigt.“ Der Jurist ist ein energischer Mann, so leicht will er sich nicht bestehlen lassen, auch interessiert ihn der Fall von der kriminalistischen Seite. Rasch entschlossen, begibt er sich daher u dem Direktor der gegenüber befindlichen Fabrik und erzählte ihm den Hergang der Sache. Der Direktor meint;„Freilich ist die Sache hoͤchst verdächtig aber wenn man keine Beweise hat... Soll ich das Mädchen entlassen?“ „Das wohl nicht,“ erwidert der Besucher; „mir genügt es zu wissen, ob sie die Schuldige ift und darüber köunte man weitere Anhalts⸗ punkte gewinnen, wenn Sie sie sofort, rufen lassen. Wir werden sehen, wie sie sich benimmt.“ Der Direktor klingelt und ordnet an, daß die betreffende Arbeiterin in das Kontor komme. Kaum ist die Beschuldigte erschienen und des Juristen ansichtig geworden, als sie totenbleich wird, am ganzen Körper zu zittern begann und ausruft:„Ich hab' nichts gefunden!“ Für den Juristen giebt es nun keinen Zweifel mehr. Die Angst, die Beteuerung der Unschuld, noch bevor das Mädchen beschuldigt wurde, spricht klar für die Schuld.„Also Sie bleiben dabei,“ sagte er strenge,„das 10 Kronenstück nicht genommen zu haben?“ Ein Tränenstrom bricht aus den Augen des Mädchens:„So wahr mir Gott helfe, ich hab' nichts gefunden.“ Der Jurist erwidert:„Machen Sie das mit Ihrem Gewissen ab“, empfahl sich von dem Direktor und verläßt mit der Ueberzeugung das Kontor, daß jeder Richter diese Person auf Grund des vorhandenen Indizienbeweises verurteilen würde. Als der Jurist die Straße betritt, kommt eiligst der Vermischtwarenhändler auf ihn zu: „Gnä' Herr, das Geldstückl is schon da, es 1 im Erdäpfelsack!“ Und er gab ihm das eld.— Augenblicklich geht der Jurist wieder zu dem Direktor, bittet vor diesem die Arbeiterin mit bewegten Worten um Verzethung und übergibt ihr das Goldstück als Geschenk.— Seit diesem peinlichen Erlebnis hat der Jurist und Krimi⸗ nalist zu Indizienbeweisen kein Vertrauen mehr. Was ein preußischer König über den Krieg sagte. „Wenn ich Ihnen zum Belspiel erzählte, daß Völker aus verschiedenen Gegenden Deutschlands das Innere ihrer Wohnungen verlassen haben, um anderen Völkern die Hälse zu bre⸗ che nn, deren Namen sie nicht einmal kennen, und die sie in einem entfernten Lande aufsuchen; warum? weil ihr Herr einen Bund mit ei⸗ nem anderen Herrn gemacht hat und weil sie beide einen dritten Herrn erwürgen wollen: so würden Sie entgegnen: Was sind es doch für Narren, Wahnwitzige und Unsinnige, daß sie sich so dem Eigensinn und der Wut ihres Herrn überlassen. Wenn ich Ihnen erzählen wollte, daß wir uns mit der äußersten Sorgfalt rüsten, einige mit großen Kosten erbaute Mauern zu zerstören, daß wir da ernten, wo wir nicht gesät haben, und daß wir da den Herrn spielen, wo nie⸗ mand stark genug ist, uns zu wider stehen: so würden Sie schreiben:„Ach Ihr Bar baren, Ihr Mordbrenner, Ihr Unmenschen! Friedrich II von Preußen in einem Briefe an Voltaire. * * In aller Fürsten Adern rinnt Todesgift der Herrschbegier und Durst nach Rache, nur Macht ist ihr Gesetz, Gewalt ihr Recht; die Erd' ist dieser blutbegierigen Tyrannen Raub, mit Augen, die von Wut, von Zorne funkeln, wecken sie die grauenvolle Barbarei in ihrn wilden Kriegern, und glänzet auch in Tempeln ihre Frömmigkeit, sleüben doch die größten aller Frevelthaten. Durchschaut die Reihe aller Thaten, aller Kriege, der Kühnheit und des Heldenmutes Monumente; sie zeigen niemals auch so viele Leichensaat, als nur in einer unserer Schlachten verstreuet war. f Ihr grausamen Eroberer, ihr gründet eueren abscheuwerten Ruhm auf Blut, das ohne Wert euch scheint. Sind denn die Menschen ein so niedriges Geschlecht, daß sie ein⸗ ander morden, so wie die Willkür der Tyrannen es gebeut? Und eure harten Herzen verachten, am Verbrechen schon gewöhnt, die Kriegesopfer, die mit Edelmmt dem Tod sich weihn! In euerem schaudervollen Spiel verderbt ihr Hunderttausende, um Staaten zu gewinnen! Friedrich II. in seiner„Ode an meine Schwester von Braunschweig über den Tod einer ihrer Söhne, der im Jahre 1761 blieb.“ Splitter. Ein Mensch von echter Geistes⸗ und Herzens⸗ bildung wird niemals, und wenn er das sehn⸗ lichst Erwünschte, das Beste und Höchste damit erreichen könnte, sich zum Schmeicheln und Kriechen erniedrigen, sondern lieber ganz, schweigen, wo er sich nicht äußern darf. * Der Optimist vertraut auf Gott oder auf sein Glück, der Pessimist vertraut auf gar nichts, der Sozialist vertraut auf die Menschheit Kautsky. Humoristisches. Folgsame Christin. Pastor(streng):„Lizzie, Sie hatten gestern einen Soldaten in der Küche?“— Köchin:„Ja, Herr Pastor, meinen Bruder.“— Pastor: „Sie sagten doch, als ich Sie ins Haus nahm, Sie hätten keine Geschwister?“— Köchin:„Das hab ich auch geglaubt, bis Sie in Ihrer Sonntagspredigt verkündeten: wir seien alle Brüder und Schwestern. Auch ein Mäßigkeits⸗Apostel. Michel (spät Nachts heimkommend, zu seiner Frau):„ Schi mpf net, Annamirl, daß i' a' bisl an' Schwips hab'! Wir hab'n heut' an' Mäzigkeitsverein gegründet, und da bin i' Vorstand wor'n!“ —— Ges. chichtskalender. 18. Mai. 1900: Beginn der Lex Heinze⸗Obstruk⸗ tion im Reichstage. 19. 1900: Straßenbahnerstreik in Berlin. 1898: Tod Gladstones, liberaler engl. Staatsmann 1762. Joh. Gottl. Fichte, Philosop), geboren. 1607: Stiftung der Universität Gie ßen. 20. 1900: Ada Christen, freigesinnte Dichterin, in Wien gestorben. 21. 1506: Christoph Columbus zu Valadolid gestorben. 1471: Albrecht Dürer, berühmter Maler in Nürnberg geboren. 22. 1898: Grubenunglück auf Zeche Zollern bei Dortmund 45 Tote. 1879: Reinders, soz. Abg. gestorben. 23. 1898: Bellamy, amerik. Schriftsteller(Ein Rückblick) gestorben. 1498: Savonarola verbrannt. 24. 1897: Tausch- Prozeß in Berlin. 1878: Erstes Sozialistengesetz abgelehnt. 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Nachricht, daß der Vor— stand und Aufsichtsrat des hiesigen Volksbades in der am 3. Mai 1 Sitzung beschlossen hat, eine weitere Abgabe von adebillets zu ermäßigten Preisen an Kranken⸗ und Doktorkassen für die Folge nicht mehr zu gewähren. Der Restbestand von Billets für Dampf⸗ und römisch⸗ trische Bäder mit Massage, sowie noch eine Anzahl Waunenbäder sind zu haben bei dem ersten Vorsitzenden Julius Bräutigam, Bleichstraße 21. Der Preis eines Dampfbades beträgt 1 Mark, eines Wannen⸗ bades 40 Pfennig. Der Vorstaud. Bei günstiger Witterung findet an den Feiertagen die Eröffnung der Gartenwirtschaft statt. Schönster Platz in Giessen! Einem verehrlichen Publikum empfehle die- selbe zur gefl. Benutzung. Achtungsvoll L. Löb,„Wiener Hof“. en détail e en gros Lang& Wiederstein Marktstrasse 4 lessen Marktstrasse 4 Glas-, Porzellan- und Steingut-Handlung. Grosses Lager aller Sorten Teller, Tassen, Kannen, Schüsseln u. s. w. in weiss und bunt. 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Es kst dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Hubert Ulrich“ che Kräuter- Wein. Dieser Kräuter-Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und stärit und belebt den ganzen Nerdauungsorganis mus des Menschen, ohne ein Jchführungsmittel zu sein. Kräuterwein beseitigt alle Störungen in den Blut- debate, reinigt das Blut von allen verdorbenen, rankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neu- bildung gesunden Blutes. Durch Apel melt Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden t Magenübel mei 545 im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp⸗ tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen (veralteten) Magenlelden um so heftiger auftreten werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. U n zen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Fmanstaaungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hamorrholdalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaullchkelt, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 0 Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdaunng, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes oer Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. dier Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. En Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Bede 1 den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. 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PF 6 — Ein Freund— befragte mich unlängst, wie es möglich sei, das Geld für die teueren Annoncen wieder hereinzubringen; er glaube nicht daran und befreundete Kaufleute hätten ihm dies bestätigt.— Meine Annoncen haben stets Erfolg! Warum und weshalb? Alles, was ich in einer Anzeige verspreche, wird haarscharf gehalten.— Wenn ich z. B. den Verkauf eines feinen Herren— Kammgarn⸗Anzuges A 13½¼ Mk. anzeige, so kann der Kunde ruhig dle Reise von Sachsenberg, Battenberg, Laasphe, Homberg, Biedenkopf, Gladenbach ꝛc. an- treten, denn er weiß, er wird in seinen Erwa tungen meistens übertroffen. Für die nächste Zeit habe ich nun wieder groß— artige schöne Posten in meinem 700„Fuß halten⸗ den Konfektionsraum ausgestellt und bitte ich, eifrigen Gebrauch davon zu machen. Wer nicht kommen kaun, Z erhält das Gewünschte per Nachnahme.— Umtausch noch nach 6 Wochen. Coupons bis 1. 10. 1902 werden in Zahlung genommen, ebenso Wechsel auf In- und Ausland. Mk. 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