und Stiesel Qualität, ich Maaß. er Werkstatt. — roll neister ales Faurräder (Kranken⸗ selbstfahrer) oder Motorbe⸗ umte jed. Art, ühle für Zim⸗ art als Speci⸗ Se, Fahrräder⸗ oblis 239. Froßes Lager. — fille; boch ache Mühle unt. Nerkaufsst — onen Ulle 96 b lh mtb se, ee — ziehen. Nr. 33. Gießen, Sonntag, den 16. August 1902. 9. Jahra Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. s Mitteldeuts che kit 5. 0 MNedaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 15 U 8 Abounementspreis: Bestellungen 2 Juserate 2 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austrä i ger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. f 8 5 e e. n 0 weis Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 5 2 ̃ g fg. Direkt dur ruckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33% und bel dhe 12 wand. Sülfgabe 50% f Max Kegel. In München starb am Sonntag unser Genosse Max Kegel an einer Herzlähmung, zu der eine Lungenentzündung hinzukam. In Mar Kegel hat die Partei einen ihrer älteren Genossen und einen begabten Schriftsteller und Dichter verloren. Vor 52 Jahren als Sohn eines Dresdener Proletariers geboren, besuchte Kegel dort die Volksschule und erlernte dann das Schriftsetzergewerbe. Als ganz junger Mann hatte er sich bereits der sozialdemokra⸗ tischen Bewegung angeschlossen und als unsere Dresdener Genossen ihr erstes Parteiblatt, den „Volksboten“, gründeten, trat Kegel in die Offizin ein, in der das Blatt hergestellt wurde und war von Stunde ab einer der fleißigsten Mitarbeiter. Damals, anfangs der siebziger Jahre, war es um die Herstellung der Partei⸗ blätter manches Mal schlimm bestellt. Die Gelder waren knapp und wohl auch gar nicht porhanden, Wenn die Blätter trotzdem er⸗ schienen, so nur infolge eines Opfermutes der Genossen, von dem unsere jüngeren Freunde sich heute kaum eine Vorstellung machen können. Wie manches Mal verzichtete Kegel auf einen Teil seines Wochenlohnes, um die Fertigstellung des Blattes zu ermöglichen, daneben aber be⸗ sorgte er in Abwesenheit des Redakteurs Walster auch noch die Redaktion, d. h. er setzte den Leitartikel direkt, ohne Niederschrift, aus dem Kopfe. Eine Gabe, um deretwillen er damals viel bewundert wurde. Später übernahm er selbst die Redaktion des„Volksboten“, leitete nachdem die Chemnitzer„Freie Presse“ und redigierte auch den„Nußknacker“, das erste Parteiwitzblatt.— Von dem Sozialistengesetz wurde unser Kegel ebenfalls hin- und hergehetzt. Viele Zeitungsgründungen, an denen er sich beteiligte, fielen dem Schandgesetze zum Opfer, was unsern Freund immer aufs Neue zum Kampfe mit dem Hunger verurteilte. Sein goldiger, unversieglicher Humor wurde aber dadurch in keiner Weise getrübt. Seit 1886 war Kegel am„Wahren Jakob“ thätig, nach⸗ dem er vorher an der„Fränk. Tagespost“ und der„Südd. Post“ beschäftigt war. Am„Wahren Jakob“ war er seit 1888 fest angestellter Re⸗ dakteur und lebte seitdem abwechselnd in Stutt⸗ gart und München, wo er jetzt die Augen für immer geschlossen hat. 4 Max Kegel hat mit seinen satirischen Versen die Sozialdemokratie Jahrzehnte hindurch im Kampfe gegen die Feinde lachend und spottend begleitet. Zahllos sind seine heiteren und in der Form gefälligen Gedichte, die im„Wahren Jakob“ und den früheren Witzblättern erschienen, an denen er arbeitete. Er hat sie aber auch durch seine Gedichte ernst und feurig geführt. 1889 erschien von ihm eine Biographie Lassalles. Weiter gab er eine Sammlung„Lichtstrahlen der Poesie“ und das„Sozialdemokratische Lieder⸗ buch“ heraus. Eine Sammlung seiner eigenen Gedichte erschien 1893. 8 Am volkstümlichsten 9 sein viel gesungener ialistenmar eworden: 8 5. schließt die Reihen! Die Trommel ruft, die Banner wehn. Es gilt, die Arbeit zu befreien, Es gilt der Freiheit Auferstehn! Der Erde Glück, der Sonne Pracht, Des Geistes Licht, des Wissens Macht, Dem ganzen Volke sei's gegeben! Das ist das Ziel, das wir erstreben. Das ist der Arbeit heil'ger Krieg! Mit uns das Volk, mit uns der Sieg! Die Gabe der Rede war ihm versagt und er selbst hat es oft bitter beklagt, daß ihm nicht vergönnt war, in öffentlicher Versammlung für die Ziele zu kämpfen, denen er sein Leben weihte. Um so mehr wirkte er aber durch seine Dichtungen auf die Arbeiterklasse ein. Viele Tausende ergötzten sich an seinen humorvollen Liedchen und trösteten sich damit über das tägliche Elend und über das was sie durch Verfolgungung der Gegner auszustehen hatten, hinweg. So hat sich unser Genosse ein Denk⸗ mal in den Herzen der Arbeiter geschaffen, sie werden ihren Dichter nie vergessen! Ehre seinem Andenken! Von den„Arbeitergroschen“. Nicht blos mit jedem jungen Jahr wie das Mädchen aus der Fremde, sondern in jedem Vierteljahr mehrmals kehren in der sozialisten⸗ fresserischen Presse die Artikel über die Ver⸗ geudung der Arbeitergroschen wieder, deren sich die sozialdemokratischen Führer schuldig machen sollen. Das Lied ist zwar mehr als abge⸗ droschen; Schweinburg trägt es aber unver⸗ drossen immer wieder vor und die kleine Pro⸗ vinzpresse kläfft ihm nach.— Vor Kurzem machte folgendes Geschwätz durch die Kreis⸗ und Amtsblattpresse die Runde: „Vor einiger Zeit hatte das sozialdemokra⸗ tische Hauptblatt„Vorwärts“ eine Rechnung über die Verwendung des Einkommens eines Arbeiters aufgestellt. Danach hat der zur Sozialdemokratie haltende Arbeiter zu bezahlen an Vereins⸗ und Kassen⸗Beiträgen 77 Mk., für Zeitungen und sonstige Lektüre 28 Mk. Da von den Kassenbeiträgen mindestens die Hälfte sozialdemokratischen Organisationen, der Posten für die Zeitungen aber ausschließlich der roten Partespresse zu gute kommt, weil ein richtiger„Genosse“ nur Parteiblätter halten darf, so hat also der zielbewußte Arbeiter für sozialdemokratische Zwecke an direkten Ausgaben 66 Mk. zu entrichten. Dazu kommen noch die Aufwendungen für allerlei ebenfalls zur Orga⸗ nisation bestimmte gesellige Veranstaltungen, die der„Vorwärts“ in seiner Rechnung nicht berücksichtigt. Gerade aber hier werden die Arbeiter zu Ausgaben veranlaßt, die weit über ihre Kräfte gehen. Man denke nur an die Teller⸗Sammlungen, die selten fehlen. Wenn man alles zusammenrechnet, wird man zu dem Ergebnis kommen, daß die Arbeiter bis zu einem Viertel ihres Jahresverdienstes der Partei opfern müssen.“ Dann wird noch dreist und gottesfürchtig hinzugelogen, daß über die Einnahmen der Parteikasse keine Rechnung abgelegt würde. Auf diese alberne Verdächtigung einzugehen, erübrigt sich, jeder Parteigenosse weiß daß alljährlich die Abrechnung des Parteivorstands veröffentlicht wird, die bierteljährlich von den Revisoren genau geprüft wird. Andere Parteien würden sich freuen, wenn sie eine so geordnete Verwaltung und Kassenführung hätten! Dann ist aber auch der baare Unsinn, was da über die Beitragsleistung unserer Partei⸗ Parti gesagt wird. Die sozialdemokratische Parteikasse könnte sich Glück wünschen, wenn jeder Genosse den obigen Betrag an die Partei⸗ kasse abführte, das würde bei etwa 2/ Millionen Parteiangehörigen ein recht nettes Sümmchen ergeben. Leider ists nicht so. Es giebt im Gegenteil Orte, wo die Genossen wegen weniger Pfennige, die sie der Partei opfern solleu, ge⸗ waltigen Lärm schlagen. Aber einige Zahlen der obigen Rechnung sollen doch richtig gestellt werden. Zunächst hat der betreffende Arbeiter nicht 77 Mk., sondern nur 73,49 Mk. für Vereins⸗ und Kassenzwecke aufgewendet. Davon entfallen 34,50 Mk. auf die Krankenkasse, 5,04 Mk. für Invaliden versicherung, 2,50 Mk. auf Feuerversicherung, 6 Mk. für die Freireligtöse Gemeinde, 10 Mk. für den Gewerkschaftsverband, 13,05 Mk. für den Berliner Lokal⸗Streikfonds und allein der Rest von 2,40 Mk. zum Sozialdemokrgtischen Verein. Für Lektüre und Zeitung konnke der Arbeiter leider nur 24,15 Mk. ausgeben; mancher Ar⸗ beiter kann auch das noch nicht, obwohl es im Interesse der Volksbildung wie auch im In⸗ teresse der Schriftsteller und der Buch- und Zeitungsindustrie läge, wenn er das vierfache davon für diesen Zweck aufwenden könnte. Daß das Geld in die sozialdemokratische Partei⸗ kasse fließt, wie der Waschzettel behauptet, ist natürlich wieder handgreiflicher Unsinn. An⸗ genommen, daß die ganze Summe für sozial⸗ demokratische Lektüre verwendet wurde, so fließt das Geld natürlich in die betreffenden Verlags⸗ geschäfte, die davon den größten Teil für die Herstellungskosten verwenden müssen. In dem oben erwähnten Amtsblatt⸗Artikel wird auch noch kühn behauptet, daß der Staat dem Arbeiter für weit geringe Steuer, bedeutend größere Vorteile biete. Hierzu muß noch einiges gesagt werden. Der Arbeiter zahlte 18 Mk. Steuern, wovon die Hälfte, 9 Mk., in die Staatskasse fließt. Wenn damit seine Leistungen für den Staat erfüllt wären, könnte er wohl zufrieden sein. Leider ist das nicht der Fall. Die indirekten Steuern betragen das vierfache der direkten, und während der Waschzettel schwindelt, der Arbeiter zahle bis zu einem Viertel seines Einkommens an die sozialdemokratische Parteikasse, könnte man weit eher umgekehrt behaupten, er zahlt bis zu einem Viertel seines Einkommens in Gehalt von Steuern und Abgaben an den Staat, der davon allerdings einen sehr erheblichen Teil seinen vielgeliebten Junkern in die Tasche steckt. Nach dem statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich, 1902, betrugen bei Nahrungs⸗ und Ge⸗ nußmitteln sowie Vieh allein die Zölle 23 p Zt. vom Werte der Waren. Das heißt also, daß von allem, was der Arbeiter für die Nahrung ausgiebt, fast ein Viertel als Zoll iu die Staatskasse fließt. Dazu kommen für eine ganze Reihe Nahrungs- und Genußmittel die weit höheren inländischen Verbrauchsabgaben. Auf andere Verbrauchsgegenstände liegt gleich⸗ falls hoher Zoll, so auf alle Industriefabrikate 17 pzt. des Wertes im Jahre 1901. Da der Arbeiter den größten Teil seines Einkommens ———-= Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 33. für Nahrung ausgeben muß, so wird sich die Schätzung nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernen, daß er ein Viertel seines Einkommens an den Staat abgeben muß, wovon dieser erst die Junker und dann zu deren Schutz gegen den inneren Feind das glorreiche Heer unter⸗ hält, für das der Arbeiter freiwillig keinen Groschen hergeben würde. Vor diesen Staats⸗ ausgaben und einigen ähnlichen, die nicht im Interesse der Arbeiter gemacht werden, ver— sinken die Ausgaben für Kulturzwecke in nichts. Das ist die richtige Rechnung von dem Verbleib der Arbeitergroschen! Die Sozialdemokratie im Keichstage. Wir haben in dem Artikel der vorigen Nr. die Ausführungen des Thätigkeitsberichtes unserer Reichstagsfraktion über die Zollvorlage wiedergegeben und die Zahlen aus dem Reichs haushaltsetat mitgeteilt. Der Bericht bespricht dann ausführlich das Verhalten der Fraktion zu den einzelnen Titeln des Etats. Zu dem des Reichsamts des Innern hielt die Fraktion eine schonungslose Abrechnung mit der Regierung. Unser Hauptredner machte zunächst einen allgemeinen Angriff auf die Sozialpolitik des Reichsamts des Innern. Er führte dem Reichstage den Schneckenschritt derselben vor Augen, der seinen Grund findet teils in der Lauheit, teils in dem direkten Widerwillen, mit welchem die herrschenden Klassen bei uns Sozialpolitik treiben. Sie darf den Unternehmern kein Geld kosten, ihre Machtbefugnisse nicht schmälern, soll dabei aber die Arbeiter„zufrieden“ machen. Während die Arbeiterklasse, gestützt auf ihre Organisationen, machtvoll vorwärts drängt, suchen Regierung und herrschende Parteien zu bremsen, wo sie irgend können. So giebt das Reichsamt des Innern den Fabrikinspektoren auf, sich nicht mehr über die allgemeine Lebenslage der Ar⸗ beiter, über Ernährangsverhältnisse und der⸗ gleichen in ihren Berichten auszusprechen. Frei⸗ lich! Solche festgestellten Thatsachen könnten ja von uns zur Begründung des Verlangens nach Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter verwendet werden! Zu der Unlust der herrschenden Klasse an soztalpolitischen Thaten gesellt sich der Einfluß des Ausbeutertums, den unser Fraktionsredner an einer summarischen Zusammenstellung der 12000 Mark-Affaire noch einmal wirk⸗ ungsvoll demonstrierte. Unsere weiteren Frak⸗ tionsredner wandten sich alsdann den einzelnen Gebieten der Sozialpolitik zu. Gerade bei dieser Einzelbetrachtung zeigte sich, wie unzulänglich das Geschaffene ist und unter welchen gräulichen Mißständen die herrschende Klasse bei uns zu Lande das Proletariat, das ihr doch alle Werte schafft, leiden läßt, ohne auch nur eine Hand zur Abstellung dieser Mißstände zu rühren. Ferner gaben die Debatten über die Berichte der Gewerbeaufsicht Veranlassung, viele Müßstände, unter denen die Arbeiter zu leiden haben, zur Sprache zu bringen. Ihre Aus⸗ führungen über den gesetzlichen Maximalarbeits⸗ tag, die Kinderarbeit, die Frauenarbeit, die gewerbliche Nachtarbeit, Arbeitsamt, Arbeits⸗ statistik 2c. zeigten, wieviel auf dem Gebiete der Sozialpolitik noch zu thun bleibt. Beim Etat des Auswärtigen Amtes gelangte in erster Linie wieder der Rachezug nach China mit zur Erörterung. Natürlich fand dieses Unternehmen, das dem Volke ungeheuere Opfer aufhalst, durch unsere Genossen die schärfste Kritik. Die Mehrheit des Reichstags hingegen fand Alles in schönster Ordnung, sie war be⸗ friedigt von den Erklärungen, die Graf Bülow über die auswärtige Politik abgab und stimmte dem Verbleiben der militärischen Besatzung in China zu. Unser Redner stellte demgegenüber die wirkliche Lage der Dinge fest. Die ostasia⸗ tische Besatzungsbrigade sei nichts Anderes als der Anfang einer Kolonialarmee, deshalb werde von uns der Ausgabetitel völlig abgelehnt werden. Es gäbe nichts Widerspruchsvolleres als die Auslandspolitik der Regierung, im Hinblick auf den Zolltarif. Auf der einen Seite geschehe die Ausgabe von Millionen und Abermillionen zum„Schutze der deutschen Interessen im Aus⸗ lande“, auf der anderen Seite umschließe man sich mit einer chinesischen Mauer, sodaß Handel und Industrie überhaupt nicht in die Lage kommen könnten, diesen Schutz anzurufen. In gleicher Weise griff ein anderer Fraktions⸗ redner bei der Beratung des Etats des Aus⸗ wärtigen Amts die Auslands- und Chinapolitik der Regierung an. Während die Alldeutschen und Antisemiten, die bisher die Greuelthaten im südafrikanischen Kriege zum Ausgangspunkte ihrer mordspatriotischen Englandshetze genom⸗ men hatten, schwiegen, nagelte unser Redner die Regierung auf ihre Unterlassungssünden fest. In dem brutalen Beutekrieg in Südafrika habe England schwere Verstöße gegen die Haager Verträge begangen und es wäre Pflicht der deutschen Regierung, die die Haager Konferenz⸗ akten mitunterzeichnet habe, gewesen, hier zu intervenieren. Der Reichskanzler wußte darauf nichts Anderes zu erwidern, als daß ja andere Großmächte gegen die englische Kriegsführung auch nichts eingewandt hätten und Deutschland habe keine Ursache, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Schwieriger war es ihm schon, die Wegnahme der astronomischen In⸗ strumente von Peking zu rechtfertigen, woran unser Redner eine vernichtende Kritik übte. Aber der Reichskanzler kennt die Reichs⸗ tagsmehrheit. Er verlegte sich deshalb auf die diplomatische Seite und setzte auseinander, daß die Instrumente mit voller Zustimmung der chinesischen Regierung in unseren Besitz über⸗ gegangen seien und eine Zurückweisung würde zweifellos die Kaiserin⸗Witwe von China, die eine sehr intelligente Dame sei, bei ihrer richtigen Einsicht in die politischen Verhältnisse, aufs Höchste verletzen. Bei den bürgerlichen Parteien schlug dieser Grund durch. Keine fand den Mut, sich unserm Verlangen anzuschließen, die Instrumente zurückzugeben. Der Militäretat beziffert sich im laufenden Jahre nach den Beschlüssen des Reichstages auf 568 473627 Mk. an fortdauernden Ausgaben, 55 724181 f an einmaligen ordentlichen Ausgaben, 29 528995„ an einmal. außerordentl. Ausgaben, zusammen 653 726300 Mk., gegen das Vorjahr um 20 Millionen Mark weniger, eine„Ersparnis“, zu welcher die Reichstagsmajorität durch die schlechte Finanz⸗ lage gezwungen wurde. Bei der diesjährigen Beratung des Militäretats nahm unsere Fraktion wieder in scharfer Weise Stellung gegen den Duellunfug. Er hat seinen Sitz in den Offizierskreisen und geht von hier in die bürgerlichen Kreise derer über, deren„feineres Ehrgefühl“ einen an⸗ gethanen, oft nur leichten Schimpf, nicht durch den Urteilsspruch des Richters korrigieren läßt, sondern hauend oder knallend den„Schimpf“ mit„Blut ab⸗ waschen“ will. Gegen den Duellunfug erschöpft sich die Reichstagsmehrheit in lahmen Resolutionen und geht hierbei bewußt um den Kern der Sache herum. Denn die schärfere Bekämpfung des Duells würde sofort ein⸗ getreten sein, wenn man sich nur dazu verstehen wollte, die bestehenden Strafgesetzbuch⸗-Paragraphen gegen die Duellanten nach Gebühr zu handhaben. Weiter trat unsere Fraktion energisch auf gegen die zunehmenden Soldaten-Miß handlungen, und es ist ebenso bezeichnend, daß nur die Sozialdemokratie an Quälereien der Soldaten energische Kritik übt, wie daß wir alljährlich neue krasse Fälle festzustellen in der Lage sind. Neben den vielen einzelnen Beschwerdepunkten, die wir durch unsere Redner vorbringen ließen, nahm die Fraktion auch Veranlassung, das ganze milttaristische System, dessen Kostspieligkeit die schlechte Lage der Reichsfinanzen ganz wesentlich verursacht hat, vom prinzipiellen Stand⸗ punkte aus zu bekämpfen und die Einführung der Volks⸗ wehr an Stelle des stehenden Heeres zu verlangen. Eine große Rolle spielte bei den Debatten der Gumbinner Prozeß. Für unsere Fraktion gesellte sich zu der sachlichen Auseinandersetzung mit der Militär⸗ justiz, wegen deren Verfahren wider die Unteroffiziere Marten und Hickel in Sachen der Ermordung des Ritt⸗ meisters Krosigk, noch eine persönliche Abrechnung mit Verteidiger des Verfahrens der Militärjustiz: dem Geh. Kriegsrat Romen. Dieser Jurist, welcher der weiteren Oeffentlichkeit bekannt wurde, als er in seiner Hamburger Staatsanwaltszeit zu dem Ausspruch kam: die Sozial⸗ demokraten seien schon als solche des Meineids verdächtig, ist inzwischen bis zum Geh. Kriegsrat avanziert und diente nun auf der Bundesratsestrade als juristischer Beistand des Kriegsministers gegenüber dem Reichstage. Die Fraktion bereitete ihm eine schwere Niederlage und führte die Kritik des Gumbinner Einzelfalles zu einer Kritik des ganzen Systems der Militär⸗Strafprozeß⸗ Ordnung hinüber. Wir verlangten durch unsere Redner sobald als möglich eine Revision des Militärstrafver⸗ fahrens mit dem Ziele der Abschaffung des Gerichts⸗ herrn und der völligen Oeffentlichkeit des Verfahrens. Der Marineetat beziffert sich in diesem Jahre nach den Beschlüssen des Reichstages auf 86913539 Mk. an fortdauernden Aus⸗ gaben, 79 778 550 Mk. an einmaligen ordentlichen Aus⸗ gaben, 50 346 000 Mk. an einmaligen außerordentlichen Ausgaben, macht zusammen 217033 089 Mk. gegen 207 000 000 Mk. im Vorjahre. Was somit der Reichstag beim Militäretat„erspart“ hat, ist bereits zur Hälfte beim Marineetat wieder hinzu⸗ gekommen. Die Verhandlungen über den Marineetat waren in diesem Jahre mit großer Spannung erwartet worden. Kurz vorher war unser Zentralorgan in die Lage ge⸗ kommen, einen Marine⸗Erlaß des Herrn v. Tirpitz zu veröffentlichen, der vom 6. Januar 1902 datiert, klar zeigte, daß die Regierung sich bereits wieder mit dem Plane neuer Flotten forderungen trägt. Als 1899 bis 1900 der damalige Flottenplan durchgedrückt wurde, beteuerte die Regierung, die Ausführung desselben sei möglich ohne neue Steuern. Als das Zentrum gar neue Steuern direkt anbot, lehnte der Staatssekretär des Reichs⸗Marineamts ste weit von sich ab. politische nundschau. Gießen, den 14. August. Vom Zollwucher. Am Dienstag kam die Zollkommission mit der ersten Lesung des Zolltarifs zu Ende, nachdem sie 102 Sitzungen darauf verwendet hatte. Sie hat sich bis zum 22. September vertagt, wo mit der zweiten Lesung begonnen werden soll. Die Zwischenzeit soll zu„Ver⸗ ständigungs⸗Versuchen“, zu deutsch: zum Kuh⸗ handel verwendet werden, wie Zentrumsblätter vorschlagen.— Die letzte Sitzung gestaltete sich zu einem bedeutenden moralischen Erfolge der Sozialdemokratie, deren Vertretern es möglich war, sowohl die Heuchelei des Zentrums, sowie die ganze Arbeiterfeindlichkeit der Zollgesetzgebung ans Licht zu ziehen. Das Zentrum hat den Schwindel aufgebracht, mit den Zollerträgnissen die Unterstützung der Arbeiter-Witwen und Waisen zu bewerkstelligen. Die Pfaffenpartei will dadurch den Zollwucher für die Arbeiter annehmbar machen. Trimborn, der den Antrag begründete, rechnete, daß jede Witwe 100 Mk., jede Waise 38 Mk. jährlich erhalte. Molkenbuhr erörterte diesen Vorschlag auf das Sachlichste und Gründlichste, wobei er die Absicht, der Arbeiterschaft erst Millionen durch die Zölle abzunehmen und dann ein Almosen dafür hinzuwerfen, gebührend beleuchtete und brandmarkte. Unsere Genossen beantragten, daß aus den Zollerträgnissen 60 Millionen Mark für Verbesserung der Verkehrsverhältnisse unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Klein⸗ bauern verwendet werden sollen, ferner, so lange Zölle von Nahrungsmitteln erhoben wer⸗ den, die Verbrauchsabgabe für Salz, Brannt⸗ wein und Zucker aufzuheben. Natürlich wurden diese Anträge abgelehnt. Wir werden noch auf die Ergebnisse der Kommisstonsbera⸗ tungen zurückkommen. 2 Sächsische Amnestie. Nun ist in Sachsen doch noch eine Amnestie (Befreiung von Strafen), die man anläßlich des Personenwechsels in der Regierung erwartete, erlassen worden. Dieser Straferlaß, der zum Geburtstage des neuen Königs— am 8. Aug.— herauskam, erstreckt sich aber nur auf ganz geringfügige Straffälle; Majestätsbeleidigungen und überhaupt politische Vergehen sind aus⸗ geschlossen. Auch die unglücklichen Opfer des Löbtauer Zuchthausurteils werden da⸗ von nicht betroffen. Der verstorbene König hatte wenigstens einigen davon die Kerkerthore geöffnet, die am härtesten Getroffenen schmachten aber noch im Zuchthaus und werden noch lange, = A S PAS — 2 S — 2 2 „37S —:. 7˖—, C Ä — Se e,, Nr. 33 huristiche cher . wah ddelagt 5 80 iu ener Nufpiosth, iner Redner litirtnaser. b Gericht. Lerahtenk, eschlässen 5 urrnden Alk lichen Anz. umunlichen At. gegen at ferpatt wieder hinzu⸗ dat waren in artet worden. le Lage ge⸗ in b. Tirpitz datiert, klar eder mit dem tragt. Als durchgehrückt ung degselben Zentrum gar tssekretär des hau. August. misston mit zu Ende, verwendet September 9 begonnen zu„Ver⸗ zum Kuh⸗ umeblätter staltete sich folge der es möglich un, sowie egetzgebung m hat den erträgnissen zitwen und affenpartei die Arbeiter „ der den jede Witwe ich ehalte schlag auf vobei er die ionen dur in Almosel uchtete und ragten, daß onen Mar bältnisse der stleil⸗ ferner, 0 hoben wer. „Braun b atirlic Wir verde sstonsberg⸗ 15 Ame 1 auläßli der zu 8, Aug. 1 — 1 74 1 * Nr. 33. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. Seite 3. bittere Jahre dort vertrauern müssen, wenn sie nicht begnadigt werden. So werden Menschen⸗ leben für immer geknickt werden, für eine That, die durch die bisherige Haft längst gebüßt ist. In den Gnadenakten, die König Albert vieren der Opfer jenes Spruchs zu Teil werden ließ, lag das stillschweigende Eingeständnis, daß das formelle Recht hier zum Unrecht geworden war. Und selbst im Bürgertum ist heute die Erkenntnis aufgedämmert, daß jenes Ucteil nur möglich war in einer Zeit, in der die Zuchthausvorlage angekündigt war, in jener Zeit, da die Arbeiter⸗ bewegung wieder einmal eine Periode besonderer Anfechtung durchmachen mußte, und namentlich die Bestrebungen der Arbeiterschaft nach besseren Arbeitsbedingungen als sast verbrecherische Auf⸗ lehnung in den Augen der herrschenden Klassen gebrandmarkt waren. Wir Sozialdemokraten sind Gegner des Begnadigungsrechtes des Fürsten, wir wollen nur Gerechtigkeit; auch durch eine umfangreiche Amnestie würde unsere Stellung zum Staate und zur Monarchie nicht berührt, aber das hindert uns nicht, das Gute anzu— erkennen, was von irgend einem Fürsten ausgeht. Vom menschlichen Standpunkte, aus Mitgefühl für die vom Schicksal Verfolgten, die widrige Verhältnisse in das Gefängnis brachten, hätten wir eine wirkliche, weitergehende Am— nestie begrüßt. Ein Führer der Nationalliberalen, Rudolf v. Bennigsen, ist vorigen Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Bennigsen mar einer der Gründer der nationalliberalen Partei, ebenso auch ihres Vorgängers, des Nationalvereins, der die Einigung Deutschlands unter der preußischen Pickelhaube erstrebte. Er war der anerkannte Führer der deutschen Bour⸗ geoisie, die sich Bismarck verschrieb und alle 48er Ideale zu dem Bodenrummel warf, als ihr die notwendige Vorbedingung des Geschäfts auf größerer Stufenleiter, die notdürftigste nationale Einheit geboten wurde. Bennigsen war Hannoveraner und vor 1866 Führer der Opposition in der hannoverschen zweiten Kammer. Von 1867 ab war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des norddeutschen, später des deutschen Reichstags. Er hat den Verfall seiner Partei mit erleben und ansehen müssen. Einst die stärkste und einflußreichste Partei im Reichstage, ist sie heute nur eine Parteiruine, eine Anzahl von Personen, die 15 in den meisten politischen Fragen uneinig ind. Sie thun nicht mehr mit, die liberalen Ordnungsleute im Mülhäuser Gemeinderat nämlich, und haben samt dem Bürgermeister ihre Mandate niedergelegt. Sie erklären ein Zusammenarbeiten mit den Sozial⸗ demokraten für unmöglich. Nun finden diesen Sonntag für 11 Sitze Ersatzwahlen statt, bei denen hoffentlich unsere Genossen siegen. Sozialistischer Wahlsieg. Bei einer Ersatzwahl zur Gemeindevertretung in Lichtenberg bei Berlin fielen sämtliche der abgegebenen 330 Stimmen auf unsere Ge⸗ nossen. Sie haben dort die ganze dritte Ab⸗ teilung— 8 Mandate von im Ganzen 31— inne. Gelehrige Schüler des Dreschgrafen. Ueber eine antisemitische Rüpelet schlimmster Sorte berichteten am Samstag die„Mainzer — Neuesten Nachrichten“ folgendermaßen: „Am Donnerstag Abend fuhr ein junger Kaufmann aus Groß-Gerau, der in einem hiesigen Konfektionsgeschäfte angestellt ist, mit dem 9 Uhr⸗Zuge nach Hause. Er stieg in ein Koupee, in welchem sich vier, anscheinend den besseren Ständen angehörende Herren befanden. Kaum hatte der junge Mann Platz genommen, als sich das Quartett in unflätigen, antise⸗ mitischen Schimpfereien erging, die mit der Apostrophe begannen:„Wie können Sie sich unterstehen, bei uns einzusteigen?“ Einer der vier Helden drohte dem jungen Manne, ihn während der Fahrt über die Brücke in den Rhein zu werfen, während ein Anderer ein Dolchmesser hervorzog, unter Bemerkungen, die wir aus Achtung vor unseren Lesern hier nicht wiedergeben wollen. Dabei wetzte er den Dolch an seinem Stiefelleder. Als der junge Mann sich diese Beleidigungen verbat, durchbohrte ihm der Messerheld den Fahrplan, welchen er in der Hand hatte. Ein drittes Mitglied der Bande versuchte dem jungen Manne eine bren⸗ nende, einem Schaffner gehörende Laterne an⸗ zuhängen, wogegen er sich sträubte, und bruta⸗ lisierte ihn gleichfalls in pöbelhaftester Weise. Der also Attakierte kam nahezu ohnmächtig in Groß⸗Gerau an, woselbst er bei der Bahn⸗ behörde sofort Anzeige erstattete. Die vier Helden verweigerten die Nennung ihrer Namen, worauf nach Darmstadt telegraphische Weisung erging, das Quartett bei Ankunft so lange zu sistieren, bis die Personalien festgestellt seien. Hier entschlossen sie sich nach längeren Exörte⸗ rungen ihr Inkognito aufzugeben und entpuppten sich als die Herren Rechtsanwalt Dr. Geßner, Amtsrichter Dr. Mahr, Oberrechnungsrevisor Reitzel und Hofbuchhändler Reitzel, sämtlich in Darmstadt ansässig.“ Das ist ja ein nettes Benehmen„gebildeter“ Leute, unter denen sich sogar noch ein Richter und ein Anwalt des Rechtes befindet! Solche Gemeinheiten erlaubt sich der ungebildetste Erdarbeiter nicht! Auf das gerichtliche Nach— spiel darf man gespannt sein. Die Krönungs⸗ Komödie in Eugland ist programmmäßig unter Zuhilfenahme des ganzen mittelalterlichen Mummenschanzes ab⸗ gewickelt worden. Doch nicht so ganz ohne Zwischenfälle. Wie berichtet wurde, setzte näm⸗ lich der Erzbischof„dem König die Krone zuerst verkehrt“ auf! Das sei aber„sofort geändert und kaum bemerkt worden“. Das kann nicht ganz stimmen, vielmehr muß der Erzbischof darüber in gewaltige Erregung ge⸗ raten sein, denn kurz darauf wankte er und wäre hingefallen, wenn ihm nicht sofort Hilfe beigesprungen wäre.— Das ganze Theater ist etwa dem Kölner Karneval vergleichbar und zeigt den monarchischen Unfug auf die Spitze getrieben. Dabei ist die Monarchie in England völlig bedeutungslos und ohne jeden Einfluß auf die Staats angelegenheiten. Aber das Volk hat nun seine Krönungsfeier gehabt, Eduard der Dicke ist gesalbt und ge⸗ krönt und mag nun ruhig sterben. Zum Herr⸗ scher über Milltonen taugt er noch immer, wenn er auch nur noch ein halber Mensch ist und jetzt für seine früheren Ausschweifungen büßt. — Das Gottesgnadentum ist augenscheinlich dazu bestimmt, den Gipfel der Lächerlichkeit zu erklimmen und in solchen Repräsentanten die ganze Fäulnis des Systems zu zeigen. Auf dem Throne Englands ein von ekelhaften Krank⸗ heiten heimgesuchter ehemaliger Roué, auf an⸗ deren Thronen Nachfahren Caligulas, im Zäsa⸗ renwahn sich selbst Altäre bauend und selbst vor dem eigenen Bilde Weihrauch verbrennend, auf anderen Thronen wieder stumpfsinnige Idioten, und da und dort gekrönte Börsenjobber, die schnell noch ihren Profit einheimsen wollen — so präsentteren sich Auserwählte von Gottes⸗ gnaden! Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda. Die Konferenz, welche am Sonntag pünktlich 1 Uhr im Lokale Orbig in Gießen eröffnet wurde, war von 10 Orten mit 25 Delegierten beschickt. Nach Wahl des Bureaus verliest der Kassierer A. Bock die Abrechnung, deren Richtigkeit später von dem Revisor Peters bestätigt wird. Danach verzeichnet die Wahl⸗ vereinskasse in Einnahme: 380.40 Mk.; die Ausgabe: 340.35 Mk., es bleibt somit ein Kassenbestand von 40.05 Mk. Die Unterstützungskasse hatte eine Ein⸗ nahme von 217.05 Mk., eine Ausgabe für drei Sterbe⸗ fälle von 60 Mk., somit beträgt der Bestand 157.05 Mk. Zur Abrechnung der Unterstützungskasse bemerkt der Kassterer, daß diese bisher eine ganz erfreuliche Ent⸗ wickelung genommen habe. Man könnte, wenn sie sich weiterhin günstig entwickelt, schon bet der nächsten Kon⸗ ferenz an eine Erweiterung der Leistungen„vielleicht einmalige Unterstützung bei Notfällen) denken. Was — die Wahlvereinstasse betrifft, sprechen sich mehrere Dele⸗ gierte dahin aus, daß jetzt unbedingt für Stärkung der Finanzen gesorgt werden müsse, denn wir dürften uns bei den bevorstehenden Landtagswahlen nicht allein auf das Landeskomitee und den Parteivorstand verlassen. Unsere Genossen sollten durch gelegentliche Extrabeiträge rechtzeitig die nötige Munition für die bevorstehenden Kämpfe herbeischaffen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der meisten bisherigen Mitglieder: 1. Vorsitzender: Beckmann; 2. Vorsitzender! Orbig; Kassierer: Bock; Schriftführer: Volz; Beisitzer: Becke r⸗ Altenbuseck, Dech-Wieseck, Steinmüller-Heuche heim. — Zum 3. Punkte bespricht Orbig die Tagesordnungs⸗ gegenstände der Landeskonferenz, deren Hauptsächlichste auch hier die Land⸗ und Reichstagswahlen bildeten. Er kennzeichnet das erbärmliche Verhalten der Landtags⸗ mehrheit zur Wahlrechtsreform; hier sei die Feindschaft der meisten bürgerlichen und besonders der ländlichen Abgeordneten zum direkten Wahlrecht offenbar geworden, weil viele fürchteten, daß sie dann mit Glanz aus dem Landtage hinausbefördert würden. Redner erklärt, daß wir bei den künftigen Landtagswahlen in allen Wahl⸗ kreisen Kandidaten aufstellen müßten.(Zustimmung.) Schließlich empfiehlt er, die Konferenz so viel als mög⸗ lich zu beschicken, wenn auch Worms von hier allerdings etwas abgelegen sei. In der Diskussion wird Beschwerde geführt über die späte Verteilung der Landkalender. Diese müsse mindestens vor Weihnachten ecledigt sein. Ferner wird gewünscht, das Landeskomitee möge den in der Bewegung noch rückständigen Kreisen seine besondere Fürsorge angedeihen lassen und ferner wünscht man all⸗ gemein, daß man die Landeskonferenzen in solchen Orten abhalten solle, die etwa in der Mitte des Landes gelegen sind. Bezüglich der Kalender erklärt Orbig, daß die frühere Herausgabe in diesem Jahre vorgesehen sei. Was die Fürsorge für die noch rückständigen Kreise betreffe, so könne nicht viel mehr vom Landeskomitee gethan werden, als thatsächlich geschteht. Man müsse die zur Verfügung stehenden Mittel in Betracht ziehen; außerdem verschlingen die Kalender einen nicht unbe⸗ deutenden Betrag.— Ueber den Parteitag referiert Genosse Beckmann. Nachdem er kurz die Aufgaben erörtert hat, die dem Münchener Parteitage bevorstehen, beantragt er, die Ko ferenz wolle auch diesmal einen Delegierten entsenden. Dessen Tagegelder werden auf Mk. 8.— und etwaigen Lohnausfall, sowie Fahrkosten dritter Klasse festgesetzt. Als Delegierter wird Vetters gewählt.— Es folgt dann der 5. Punkt der Tages⸗ ordnung: Die Reichstagswahl. Hierüber referiert Genosse Vetters. Aller Voraussicht nach dürften die Wahlen im Juni nächsten Jahres stattfinden. Es werde also langsam Zeit, daß man sich darauf vorbereite und thatsächlich wären die Gegner schon hier und da an der Arbeit. Für uns handele es sich nicht blos darum, unsere Position zu behaupten, wir müßten auch eine entsprechende Steigerung der Stimmenzahl erreichen. „Wenn wir nicht auf drei Millionen Stimmen kommen, haben wir unsere Pflicht nicht gethan.“ An Agitatious⸗ material fehle es uns wahrhaftig nicht. Möglicherweise sei der Kampf um die Zölle bis dahin noch nicht ent⸗ schieden und die Zollfrage werde zur Wahlparole. Aber auch ohne diese besitzen wir wuchtige Waffen, die uns die heutigen Verhältnisse, die Politik der Regierungen, das Vorgehen der herrschenden Klassen lieferte und die wir zu benutzen verstehen werden. Redner weist besonders auf die Rechtsprechung hin; die„Welt“- und Kolo⸗ nialpolitik biete uns Hunderte von Angriffspunkten. Wer als Angehöriger der Arbeiterklasse die Verkehrtheit der Regierungspolitik nicht erkenne und nicht einsehe, wie auf allen Gebieten das Wohl der Gesamtheit hint⸗ angesetzt werde, der müsse schon ganz verblödet sein.— In unserm Wahlkreise hat unsere Partei gute Fort⸗ schritte aufzuweisen. Redner bespricht eingehend die Wahlziffern der letzten Wahlen. Es sei vor Kurzem viel von einem Zusammengehen der Linken die Rede gewesen. In unserem Organe habe sich ein Genosse für ein solches ausgesprochen. Der an sich nicht üble Ge⸗ danke müsse schon an der Unzuverlässigkeit der links⸗ stehenden bürgerlichen Parteien scheitern. Sie stehen uns sämtlich als Gegner gegenüber! Wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Gerade in unserm Kreise haben wir gesehen, wie die Freisinnigen für den Reak⸗ tionär eintraten, wie auch die Juden, die von den Antisemiten stets als unsere Schützlinge hingestellt würden zum großen Teil für den Antisemiten stimmten, Immerhin! Mögen sie den Dreschgrafen wählen! Wir halten deshalb unsere Grundsätze und die Forderung: Gleichberechtigung für Alle! jederzeit hoch. Wir müssen aber alle unsere ganze Kraft einsetzen, um den Kampf in Ehren zu bestehen. Schließlich schlägt Redner als Kandidaten für den 1. Hess. Wahlkreis den Genossen Stadtverordneten Eduard Krumm in Gießen vor. Nachdem noch Beckmann auf die Notwendigkeit der Beschaffung größerer Geldmittel hingewiesen und Bock sich entschieden gegen ein Zusammengehen mit dem Frei⸗ sinn gewandt hatte, wird Genosse Krumm einstimmig als Kandidat proklamiert.— Im„Verschiedenen“ spricht zunächst Holtberg über die Zweckmäßigkeit der Ausdehnung der örtlichen Zuständigkeit des Gießener 7 A.— 12 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 33. Gewerbegerichts auf den ganzen Kreis Gießen. Hierfür sollten die Arbeiter der einzelnen Orte zu wirken suchen. An der Debatte über diesen Gegenstand beteiligen sich Bock, Dech⸗Wieseck, Keßler, Beckmann und Nibch⸗ Heuchelheim. Man erkennt allgemein die Dring⸗ lichkeit dieser Frage an. Gewerbliche Streitigkeiten kämen in den industriellen Orten der Umgegend Gießens sehr oft vor; jetzt könne der Arbeiter vielfach nicht zu seinem Rechte kommen. Es sei nicht einzusehen, weshalb die Ausdehnung des Gießener Gewerbe⸗Gerichts auf so große Schwierigkeiten stoßen solle; anderwärts, in Offenbach, Wetzlar 2c. wären die Gerichte ebenfalls für den ganzen Kreis eingerichtet. Es wird beschlossen, der Vorstand des Kreis⸗Wahl⸗Vereins solle in Gemeinschaft mit dem Gewerkschaftskartell die nötigen Schritte in dieser Sache thun.— Beckmann fordert dann noch auf, dafür thätig zu sein, daß die Genossen die hessische Staats⸗ angehörigkeit erwerben. Dech meint, darum sollten sich auch die Lokalorganisationen bekümmern. Ferner wird noch beschlossen, alljährlich ein Kreisfest abzuhalten. Die nächste Frühjahrskonferenz soll den Ort und Tag dafür bestimmen.— Die überhandnehmende Vereins⸗ meierei in verschiedenen Orten giebt Genosse Dech Ver⸗ anlassung zur Kritik. Man solle zweck⸗ und nutzlosen Vereinsgründungen entgegenwirken. Einzelne Delegierte geben noch ihrer Befriedigung über die Einrichtung der Sterbekasse Ausdruck. Völpel kann nicht begreifen, wie sich Genossen in einzelnen Orten gegen die kleine Bei⸗ tragserhöhung wenden konnten, worauf Germer meint, wer wegen 5 Pfg. fortlaufe, sei kein Genosse. Hierauf wird die Konferenz mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. pon Uah und Fern. Parteigenossen! Etwerbt die hessische Staatsangehörigkeit! Die Landtagswahlen stehen vor der Thür und wer bis zur Wahl nicht hessischer Staatsbürger ge⸗ worden ist, hat kein Recht bei derselben mitzuthun, gleichviel wie lange er schon in Hessen wohnen und Steuern zahlen mag. Da liegt es nun im Interesse eines jeden Nichthessen dafür zu sorgen, daß er die hessische Staatsangehörigkeit erhält, um sich das Mit⸗ bestimmungsrecht bei der Vertretung des Landes in der Zweiten Kammer der Stände des Großherzogtums zu sichern. Darum auf! Partei⸗ und Gesin⸗ nungsgenossen! Holt nach, was in dieser Richtung versäumt ist! Erwerbt die hessische Staats⸗ angehörigkeit, denn jeder, der sie erworben hat, gleichviel wie lange er nachdem im Land wohnt, ist wahlberechtigt. Wer bei der im Spätsommer oder im Herbst d. J. zu erwartenden Wahl mitmachen will, muß ungesäumt die erforderlichen Schritte thun, um Hesse zu werden. Deshalb Arbeiter! Bürger! Werdet hessische Staatsangehörige, damit Ihr wählen könnt! Das Zentral⸗Wahlkomitee der sozialdemokratischen Partei. Gießener Angelegenheiten. — Staatsangehörigkeit und Wahl⸗ recht. Es herrscht noch vielfach Unklarheit darüber, wie lange ein Nichthesse im Lande wohnen muß, um die hessische Staatsangehörig⸗ keit erwerben, bezw. an der Landtagswahl teilnehmen zu können. Hierüber wird im „Offenbacher Abendblatt“ die nötige Auf⸗ klärung gegeben. Nach den Bekanntmachungen der Kreisämter sind nur stimmberechtigt jene Hessen, die mindestens drei Jahre im Großherzogtum wohnen. Das ist verschiedentlich so aufgefaßt worden, als ob nur jene wahlberechtigt wären, welche drei als Hesse, also drei Jahre nach Erwerbung der Staatsangehörigkeit im Lande wohnen. Das ist nicht richtig. Wahlberechtigt ist vielmehr, wer drei Jahre in Hessen wohnt, wenn er auch erst am letzten Tage der Offenlegung der Wähler⸗ listen in den hessischen Staatsver⸗ band aufgenommen wurde. Wem etwa die Eintragung in die Wählerliste von der Wahlkommisston verweigert werden sollte, der muß sich sofort beschwerdeführend an das Kreisamt wenden. Seine Beschwerde wird sicher Erfolg haben, da die Kammer am 6. Febr. 1886 in obigem Sinne entschieden hat. Es ist zweckmäßig, sich sofort bei Offen⸗ legung der Listen von der Eintragung seines Namens zu überzeugen und im Falle diese nicht stattgefunden, unverzüglich Einwendungen zu erheben. Als Wahlmänner wählbar sind die Stimmberechtigten Urwähler, die zur fünften Steuerklasse gehören, also ein Einkommen von 1100 bis 1300 Mk. versteuern, pro Ziel mindestens 2,41 Mk. direkte Staatssteuern zahlen. In besonderen Fällen, wenn beispiels⸗ weise noch Vermögenssteuer gezahlt wird, reicht auch schon ein niedrigerer Einkommen⸗ steuersatz hin, um als Wahlmann gewählt werden zu können. Bezüglich der Er werbung der Staats⸗ angehörigkeit sind wir jederzeit bereit, Aus⸗ kunft zu erteilen und unter Umständen die nötigen Schriftstücke anzufertigen.— Wer seine Aufnahme in den hessischen Staatsver band betreiben will, thut gut daran, sich über Ge⸗ burts⸗ und ev. Sterbetag seiner Eltern und möglichst auch der Großeltern die nötigen Daten zu verschaffen. Verschiedene deutsche Vaterländer(3. B. Sachsen) verlangen dies⸗ bezügliche Angaben bei Ausfertigung des Stactsangehörigkeits⸗-Ausweises. Wir bitten unsere Genossen, die kleine Mühe nicht zu scheuen; es kommen ja auch sonst im Leben Fälle vor, wo man diese Daten nötig hat. — Zur Naturgeschichte eines Anar⸗ chisten. Unser Elberfelder Parteiorgan erzählt die Wandlungen eines Kraft- und Ueber⸗ menschen folgendermaßen: Vor länger als einem Jahrzehnt war Fritz Binde ein strammer Parteigenosse, der in Wort und Schrift recht wirksam seiner Ueberzeugung Ausdruck gab. Noch im Wahlkampfe des Jahres 1893 war er aktiv thätig und hat hier und in Barmen einige Versammlungen abgehalten zur Unter⸗ stützung der Kandidatur unseres Genossen Harm. Aber damals schon zeigte sich, daß Binde die alten Parteigrundsätze„innerlich überwunden“ hatte. Er fühlte sich zu den„Unabhängigen“ hingezogen und bald darauf ist Binde einer der eifrigsten Mitarbeiter des„Sozialist“. Und dieser Mann, der von Ethik geradezu triefte, der sich brüstete— natürlich mit der Bescheidenheit, die diesen Leuten nun einmal eigen ist—, sich noch rechtzeitig aus dem„Sumpfe sozialdemo⸗ kratischer Denkungsart und Korruption“ befreit zu haben, hat manchen schmutzigen Pfeil auf unsere Partei abgeschossen. Aber damit war der Werdegang dieses Mannes noch nicht ab⸗ geschlossen. Er entwickelte sich schließlich zum waschechten Anarchiste n. Mit derselben Begeisterung, mit der er früher Marx und und Engels als Wahrheitsbringer gefeiert hatte, verherrlichten nun Krapotkin, Bakunin, Reclus und nicht zuletzt den Uebermenschen Nietzsche. Doch auch diese neuste Phase seiner Gedanken⸗ resp. Gefühlsrichtung konnte ihn nicht befriedigen, und als Egydi unter das Volk ging, war Binde einer seiner gelehrigsten Nachbeter und eifrigster Förderer der Reichstags⸗ kandidatur Egydis in unserem Wahlkreise im Jahre 1898. Doch wie Binde spielend mit seinen früheren Grundsätzen und seiner„wissen⸗ schaftlichen Erkenntnis“ fertig wurde, über wandt er auch die Heilsbotschaft Egydis. Wir sehen ihn von da ab als Redner in Freidenkerver⸗ sammlungen und in den sogenannten bürger⸗ lichen Bildungsvereinen auftreten. Und jetzt ist er dort gelandet, wo so Mancher vor ihm gelandet und auch noch Mancher nach ihm Anker werfen wird: er hat den„Herrn“ gefunden. Einem seiner früheren Parteigenossen, der ihm das Anarchistenblatt„Der arme Teufel“ zuge⸗ schickt hatte, schrieb er eine Postkarte folgenden Inhalts:„Lieber Weidner, ich danke Dir für die nach hier gesandten„armen Teufel“, muß Dir aber sagen, daß ich nicht gern mehr mit dem Teufel zu thun habe, auch wenn es nur „arme Teufel“ sind. Mein einziges Liebes⸗ und Lebensziel ist heute Jesus Christus und die Verwandlung in sein Bild(Röm. 8, 29), und Du weit, Jesus trieb alle Teufel aus, so treibe ich auch Deiuen armen Teufel aus, denn er ist mit seiner Armut ja doch nur ein eitler, selbstgefälliger Bursche; wie könnte der Vater der Lüge von Anbeginn an auch etwas Anderes sein!— Sende mir also das Teufels⸗ blättlein nicht mehr; ich bin die moderne Char⸗ latanerie gründlich leid. Möge sie auch Dir und den Freunden einmal gründlich zum Ekel werden! Es grüßt Dein F. Binde.“ Die hier geschilderte Entwickelung konnte man schon bei sehr vielen solcher Himmelsstürmer beobachten. Wurden entweder Frömmler oder Polizeispitzel oder waren Letzteres schon vorher. Ein solcher Held suchte vor etwa zwei Jahren auch in Gießen Anhänger zu werben. — Das Jugendfest hat unter einer so großen Beteiligung, wie sie angesichts des immerhin trübseligen Wetters kaum erwartet werden konnte, den besten Verlauf genommen. Zwar hätten ein paar Grad mehr Wärme nichts geschadet, doch blieb der drohende Regen aus.— Eintrittskarten sollen 5600 Stück ver⸗ kauft worden sein. Es wird uns mitgeteilt, daß viele Personen ohne Karten Eintritt fanden. Wir finden das ungerecht; man sollte dann eine schärfere Kontrolle üben und lieber das Eintrittsgeld herabsetzen. Manche Familie, in der mehrere Erwachsene vorhanden sind, wird bei einem Eintrittsgeld von 30 Pfg. à Person empfindlich belastet. Von Herrn Oberlehrer Hahn wurde auch eine Rede gehalten, die mit einem hier gänzlich unangebrachten Kaiserhoch schloß. Aus dem Rreise gießen. A. Militarismus und Landwirt⸗ schaft. Aus Rockenberg(Wetterau) schreibt man uns: Wie störend das Militärwesen das bürgerliche Erwerbsleben und in diesem Falle die Landwirtschaft schädigt, davon geben die diesjährigen Manöver und Schießübungen einen Beweis, der manchen recht unliebsam an den„Staat im Staate“ erinnern wird. Jetzt mitten in der Ernte wird den Bauern der Zu⸗ gang zu ihren Aeckern abgesperrr, weil— einige Bataillone Schießübungen in hiesiger und be⸗ nachbarter Gemarkungen abhalten werden. Gerade jetzt in der Ernte muß dies sein, das ganze lange Jahr hindurch kann nicht ge— schossen werden; in dem ganzen langen Herbst und Winter, wo Zeit und Raum genügend wäre, paßt es der Militärver⸗ waltung nicht; wie gesagt, jetzt grade in der unpassendsten Zeit im ganzen Jahre ver⸗ bietet man den Bauern die dringend notwendigen Feldarbeiten. Außerdem wird aber auch ver⸗ langt, daß das ganze Feld bis 26. August geräumt werde, da dann die Manöver be⸗ ginnen. Bei dem ungünstigen Wetter weiß man wirklich nicht, wie die Räumung durch- geführt werden soll.— Wer entschädigt nun den Bauer für die auferlegte unfreiwillige Arbeitslosigkeit? Knechte, Mägde usw. muß er bezahlen, er selbst feiert, einen Teil der Ernte(Kartoffeln, Dickwurz, Klee, Grummtusw.) wird ruiniert und manchmal recht ungenügende Entschädigung bezahlt. Noch schlimmer geht es den Steinbruchs-Arbeitern am hiesigen Platze. Diesen Leuten, die nur von ihrer Hände Arbeit leben müssen, werden Feiertage diktiert. Man vergegenwärtige sich, was für diese Leute der Verlust von mehreren Arbeitstagen zu be⸗ deuten hat.— Vielleicht nehmen sich die sozial⸗ demokratischen Abgeordneten im Reichs⸗ und Landtage unserer an. Es ist doch unrecht, daß man einzelnen Gemeinden und Personen zu⸗ mutet, derartige Extra⸗Lasten zu tragen. Hier muß aus Billigkeitsgründen Entschädigung ge⸗ währt werden. Wir wüßten nicht, an wen wir uns sonst wenden sollten, da alle übrigen Parteien, wenn sie auch noch so„bauernfreund⸗ lich“ auftreten, es doch mit den hohen Herren vom Militair nicht verderben möchten; darum kommen wir zu Ihnen und rechnen auf Ihre Hülfe und Unterstützung. X. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Auf die Ergänzungswahl zu m Gewerbegericht machen wir nochmals aufmerksam. Sie findet im Wahlort Wetzlar am Dienstag, den 19., in Ehrings⸗ am Mittwoch, den 20. und in Krofdorf am Donnerstag, den 21. August statt. Die zu obigen Wahlorten gehörigen Bezirke sind in Nr. 21 der Mitteld. S.⸗Ztg. bekannt 1 Nr. 1— gegeb. eit 11 felligl l. so let scheint sthung Klasse 807 glasse 807 d einer retul des B sollte Recht ihten könnet U hielt! unn Heuer cschen wesen, einen Wesen Kürzl. Sitz dem geheut 95000 schien zu ha der Vellle selbst Au ein„ den 17 — A Sonnt herein fährige dazu Jet Justi Thel führ Wie in gebrac Dienst fürcht nom Mäda der L auf 5 stattfi mit de lich ze einer a8 d erwartet nommen. Wärme de Regen rück ver⸗ ulgeteilt, t fanden. lte dann eber das milie, in id, wird a Person berlehrer „die mit kaiserhoch ud wirt⸗ ) schreibt tärwesen n diesem 'on geben ßübungen ebsam an rd. 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Es ist klar, daß bei einer derartig zusammengesetzten Gemeindever— tretung das Interesse der Gesamtheit hinter dem des Besitzes zurückstehen muß. Gerechterweise sollte eigentlich den reichen Leuten weniger Recht eingeräumt werden, weil sie ohnehin durch ihren Besitz die übrige Bevölkerung beeinflussen können. h. Bald so, bald so! Vor kurzem hielt die Wetzlarer Handelskammer eine Ver— sammlung ab, in der u. a. der Vorsitzende, Generaldirektor Kayser von dem Buderus⸗ schen Werk einen Vortrag über das Syndikats⸗ wesen, auf Grund dessen die Kammer beschloß, einen Eingriff der Gesetzgebung in das Kartell⸗ wesen nicht zu empfehlen.— Merkwürdig! Kürzlich klagte derselbe Herr Kayser in einer Sitzung der Aktionäre der Sophienhütte, daß dem Werke durch das Coaks-Syndiktat un⸗ geheuerer Schaden, irren wir nicht, von 250000 Mk. zugefügt worden sei. Damals schien er ein staatliches Vorgehen für nötig zu halten. der Ueberzeugung zurückzuführen sein?— Vielleicht wird das Buderus'sche Werk bald selbst einem Syndikat angehören? Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. — Ausflug. Unser Arbeiter⸗Gesangver⸗ ein„Eintracht“ unternimmt am Sonntag, den 17. d. M., eine Sängerfahrt nach Gießen. — An einem noch näher zu bestimmenden Sonntage im September begeht der Gesang— verein im Saale des Schloßgartens sein dies⸗ jähriges Stiftungsfest. Die Vorbereitungen dazu sind in bestem Gange und verspricht das Fest ein recht schönes zu werden, da außer Justrumental⸗ und Vokalkonzert, auch ein Theaterstück, sowie komische Szenen zur Auf— führung gelangen. Den Schluß wird wohl, wie immer, ein„Tänzchen“ bilden. — Selbstmord. Die in letzter Nummer gebrachte Nachricht von einem verschwundenen Dienstmädchen und die daran geknüpfte Be⸗ fürchtung, daß sich dasselbe das Leben ge⸗ mommen habe, hat sich leider bestätigt. Das Mädchen hat sich, angeblich aus Liebesgram in der Lahn ertränkt. — Achtung! Wir machen noch einmal am Samstag abend bei Jesberg mit dem Ersuchen, recht zahlreich und pünkt⸗ erscheinen, da die Versammlung — Die Revpision des Schreiners Ernst Mardorf in Treysa, der vom hiesigen Schwurgericht am 4. März wegen Sittlich— keitsverbrechen verurteilt wurde, ist, wie die Hess. Laudesztg.“ mitteilt, vom Reichsgericht in Leipzig verworfen worden.— ECbenso erging es einem alten Bekannten des hiestgen Jandgerichts, dem Schreiner Friedrich Köhler uus Frankenberg; derselbe war wegen ver⸗ scchiedenen Vergehen zu einer Gesammtstrafe on 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die von K. eingelegte Revission hat das Reichs⸗ gericht als unbegründet angesehen und kosten⸗ flichtig verworfen. — Kirchhain. Die hiesige Stadtkasse schließt für das Rechnungsjahr 1901 mit ner Einahme von 95,295.67 Mk. und mit läner Ausgabe von 82,962.23 Mk. ab, es ver⸗ Ueibt somst ein Ueberschuß von 12,333.44 Mk. —, Ein Antrag der Stadtverordneten, die leesige Privatschule als städtische Anstalt zu hhernehmen, ist vom Magistrat abgelehnt worden. — Duellfexerei. Von der Straf⸗ kmmer wurden am Freitag die beiden Stu⸗ hinten Krause und Waldeck wegen Zwei⸗ Worauf mag der schnelle Wechsel kampfes auf krumme Säbel zu je 4 Monaten Festung verurteilt. Der Kartell⸗ träger Student Becker bekam eine Woche Festung. Diese lächerlich geringfügigen Strafen werden diese Messerhelden zu weiterer Miß⸗ achtung der Gesetze veranlassen. Preußische Landräte! Ein für die Auffassung preußischer Regie⸗ rungsbeamten bezeichnender Erlaß ist von dem Landrat Büchting des Oberwesterwald— kreises an die Bürgermeister„seines“ Kreises ergangen.— Der Herr Landrat wünscht Ein⸗ schränkung der Vergnügungen; jede einzelne Tanzerlaubnis muß ihm gemeldet werden, wo— raus man schließen kann, daß der Herr Landrat viel überflüssige Zeit haben muß. Gegen die Einschränkung der Vergnügungen sagen wir kein Wort, aber die Gründe, die Herr Büchting dafür kund giebt, sind doch recht sonderbare. Es sind die zahlreichen Steuer-Reklama⸗ tionen, die ihn ärgern und weswegen auf dem Westerwald die Tanzbeine nicht mehr ge⸗ schwungen werden sollen.— Ja, ja, die Steuer⸗ reklamattonen, sie sind für viele Landräte das Aergernis, und gerade auf dem Westerwald sollen es 600 sein, die sich beschwert fühlen, durch den Uebereifer der Steuer-Einschätzungskommission mit dem Herrn Landrat an der Spitze. Was wird nun aus all den Kommerzienräten, Kapi⸗ talisten, überhaupt den reichen Leuten, die nach dem Muster Baares arbeiten und den Staat bemogeln? Dürfen die auch nicht mehr tanzen? Wir glauben kaum. Bauern und Arbeiter sind immer noch die schönsten Objekte, an denen Bureaukraten ihre selbstherrscherischen Neigungen bethätigen können; was man keiner auderen Gesellschaftsklasse zu bieten wagt, ist für die kleinen Leute immer noch am Platze. Das ist der ernste Hintergrund einer an sich scherzhaften Sache. Kleine Mitteilungen. e Die Eisenbahnlinie Butzbach-Lich soll in einigen Wochen in A griff genommen werden. ek Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich am Samstag in Bingen. Dort waren in der Kellerei der Firma Feist und Reinach 15 Küfer mit dem Aufschlagen eines sehr großen Lagerkessels beschäftigt. Das Faß wurde vorher in die Höhe gewunden, worauf sich der etwa 39 Jahre alte Küfer Karl Bader unter dasselle bückte, um sich zu überzeugen, daß das Faß richtig zu liegen komme. Das Faß schlug zurück und und erdrückte den Küfer. Der Unglückliche war auf der Stelle tot. Er hinterläßt sechs noch unerzogene Kinder und seine Frau, welche erst am Tage vorher niederkam. * Zu dem Lustmord in Leipzig wird berichtet, daß der Mörder der Sjährigen Anna Klein, der Optiker Wilh. Grabich, ein Geständnis abgelegt hat. Der Mörder ist der Sohn eines hochangesehenen Bürgers, des Inhabers der optischen Firma G. F. W. Grabich in der Nikolaistraße, der die Taat verübte, während seine Eltern in die Sommerfrische verreist waren. Der Mensch soll schon früher Kinder in unfittlicher Weise belästigt haben. n Geistlicher Sünder. In Stans bei Zürich wurde Kaplan Federer, Redakteur der ultramontanen Zürcher Nachr., wegen Sittlichkeitsverbrechen an einem Knaben verhaftet. r Arbeiter⸗Tod. Im Basalt⸗Steinbruch„Stein⸗ bühl“ bei Marburg wurde der Arbeiter Ph. Schäfer durch herabstürzendes Gestein erschlagen. Sein Mit⸗ arbeiter kam mit einer leichten Verwundung davon.— Im Eiskeller der Brauerei Henrich in Frankfurt riß das Seil des Aufzuges, während zwei Arbeiter unten mit Eisabladen beschäftigt waren. Dem einen davon wurde der Kopf zerschmettert, sodaß sofort der Tod eintrat. Die Verletzungen des Anderen sind so schwer. daß er schwerlich mit dem Leben davon kommt.— Das ist das Risiko der Arbeit! * Alter Wahlwitz. Verschiedene Ordnungs⸗ blätter(auch der Gieß. Anz.) verzeichnen mit behag⸗ lichem Schmunzeln einen Witz, den sich bei der Ersatzwahl im Lieberschen Kreise in einem Rheinstädtchen ein Wähler gemacht haben soll. Auf einem Stimmzettel für Vetters sei der Name durchstrichen gewesen und dafür eine Bibel⸗ stelle(Jesai. 41, 24) bezeichnet, welche lautet:„Ihr seid aus nichts, euer Thun ist aus nichts und euch zu wählen ist ein Greuel“. Der Witz ist sehr alt; er wurde bereits 1888 oder 89 bei einer Wahl in Mainz von einem Demokraten gegen die Liberalen angewendet. Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. I Metallarbeiter. Von der Kugel- lagerfabrik Friedrich Jacoby in Ober⸗Ram⸗ stadt werden Schlofser gesucht. Es ist des⸗ halb notwendig, darauf aufmerksam zu machen, daß die Schlosser dieser Firma in einer Lohn⸗ bewegung stehen. Sie kamen um Aufbesserung ihrer Löhne ein, wurden aber abgewiesen.— In den Ausstand getreten sind die 48 Arbeiter der Maschinenbau-Aktiengesellschaft in Offenbach. Die Einigungsversuche scheiterten an dem Widerstande der Dividendenschlucker, die durch Lohnherabsetzung ihre mühelosen Ge⸗ winne erhöhen wollen. + Maurerstreik in Köln. Am Sonn⸗ tag beschloß eine stark besuchte Maurerversamm⸗ lung in Köln, Montag früh überall die Arbeit niederzulegen, wo die Unternehmer nicht sofort in die Forderungen des Zehnstundentages sowie eines Mindeststundenlohn von 48 Pfg. einwilligen. . Der Verband der Fabrik- und Hilfsarbeiter hielt diese Woche in Offen— bach seinen Verbandstag ab. Nach dem Bericht des Vorstandes zählt der Verband jetzt in 349 Zahlstellen 31947 Mitglieder gegen nur 2460 im Jahre 1892. Der Kassenbericht weist für die letzten zwei Jahre eine Einnahme von 584 349,09 Mark und eine Ausgabe von 467871,64 Mark auf, so daß ein Bestand von 116 977,45 Mark vorhanden ist. An Streik— unterstützung wurde im Ganzen 169853 Mark bezahlt. Für Agitation wurden 11516,67 Mark ausgegeben. Weiter wurden bezahlt für Reise— unterstützung 7982,22 Mark, Umzugsgeld in 348 Fällen 7599,52 Mark. An Sterbegeld verausgabte man 8216,95 Mark, für Rechts⸗ schutz 4517,10 Mark. Der separat geführte Streikfonds hatte eine Einnahme von 165 598,23 Mark und eine Ausgabe von 157 503,40 Mark. — Partei- Nachrichten. N Reichstagskandidatur. Für den Wahlkreis Hanau wurde der bisherige Abgeordnete, Gen. Hoch, wieder aufgestellt. Genosse Julius Motteler, der„rote Post⸗ meister“, wurde vom Wahlverein für den 12. Reichs⸗ tagswahlkreis Leipzig-Stadt als Kandidat für die nächste Reichstagswahl aufgestellt. Motteler vertrat schon 1874 und 77 den sächsischen Wahlkreis Zwickau im Reichstage. Versammlungskalender. Samstag, den 16. August. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Marburg. Parteiversammlung. Abends 9 Uhr bei Jesberg. Vortrag von Redakteur Zielowsky. Lauterbach. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Gastwirt Kaut. Sonntag, den 17. August. Alsfeld. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Cloos. Montag, den 18. August. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Samstag, den 23. August. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahlverein. 9 Uhr Versammlung in Stadt New⸗York. giertenwahl zur Kreis- und Landeskonferenz. Gießen. Gewerkschaftsversammlung. Abends ½9 Uhr bei Orbig. Abends Dele⸗ Quittung. Für die ausgesperrten Glasarbeiter in Wirges vom „Bezirks⸗Verein Gießen“ des Verbandes der Deutschen Buchdrucker Mk. 15 erhalten. Den Gebern besten Dank. Th. Moser, Kassierer, Wirges(Westerwald). Briefkasten. g H.⸗Langsdorf. Ueber die Sache bedürfen wir noch genauerer Aufschlüsse. Könnten Sie nicht gelegent— lich bei uns vorsprechen? r—˙tvꝙ.. Eine Ersatzwahl hat am 13. August im Reichs⸗ tagswahlkreise Forchheim(Bayern) stattgefunden. Bis jetzt wurden gezählt für: Faber(natl.⸗freis.) 278 1; Zöllner(Cent.) 2727; Weilnboek(Bündler) 138 5; Deinhardt(Soz.) 1360 Stimmen.—(1898 wurden für die vereinigten Liberalen 8273, Centrum 5218, Sozialdemokr. 1493 Stimmen abgegeben.) — —— neee Seite 6. Nitteldeutsche Ssuutags⸗Zeitung. Nr. 33. 22 21 39 b Unterhaltungs-Ceil. ———— 2 Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 12)(Fortsetzung). Nun erst sah er von diesen Leuten, wie schlecht sie gehauset hatten; und dies that den Leuten nun selbst in der Seele weh. Nun erst erfuhr jeder, was er nach Abzug aller Schulden von seinem Vermögen, als wahres Eigentum betrachten könne. Das war oft blutwenig, und ihnen schauderte die Haut vor Angst und Entsetzen darüber. Nun wollten alle sparen, alle arbeiten. Aber wie sollten sie es anfangen? Oswald hatte unbeschreiblich viele Mühe. Aber die Mühe machte ihm Freude, weil er ein wahrer Menschenfreund war. Er machte jedem ein Haus⸗ und Schuldenbüchlein, worin jeder den Zustand seines Vermögens deutlich sah. Dann ging er wieder in die Stadt, und suchte für Kinder und Erwachsene Arbeit von allerlei Art. Das gelang ihm nach und nach. Und was so mit Taglöhnen verdient wurde, das mußte wöchentlich aufgeschrieben und aufgespart werden. Einige gaben das Geld dem Oswald in Verwahrung; andere gaben es ihm wöchentlich, um damit nach und nach ein für sie aufgenommes Kapital abzutragen. Als dies mehrere thaten, und Oswald am Ende hundert und mehr Gulden beisammmen⸗ liegen sah, dachte er:„Wozu soll dies Geld da tot und ohne Nutzen liegen? Wenn es jährlich Zins trüge, hilfe es den armen Leuten ohne ihre Mühe schon wieder zu einem kleinen Gewinn und vermindere die Schuld.“ Also machte er sich ein Buch und schrieb hinein, was Jeder wöchentlich von seinem Ver⸗ dienst in die Ersparniskasse zurücklegte. Dann ging er in die Scadt und beredete einen rechtschaffenen Herrn, daß er monatlich das ersparte Geld, wären es auch nur zehn oder zwanzig Gulden, annehmen und auf Zins aus⸗ thun wolle. Es wäre zum Besten armer spar⸗ samer Leute. Der Herr, welcher ein reicher Kaufmann war, und gern das Gute beförderte, nahm das Geld und that es an Zins, und wenn am Ende des Jahres die Zinsen einkamen, that er sie wieder als ein kleines Kapital aus, also, daß die Zinsen wieder Zinsen eintragen mußten. Oswald aber schrieb in sein Erspar— niskassenbuch zu Hause immer auf, wie viel jeder von seinen Leuten an den Zinsen An⸗ teil habe. Es war aber ein großes Glück, daß die Leute und ihre Kinder, da sie Arbeit bekamen, auch arbeiten konnten, und fast nie krank wurden. Das war sonst nicht so. Denn wenn sie sich ehemals am Sonntage vollgesoffen hatten, waren sie am Montag nicht zum Arbeiten auf⸗ gelegt, und hatten Kopfweh und Uebelkeit. Und weil sie sich insgesamt oft kämmten, wuschen, und gar reinlich hielten, waren sie von allen Uebeln und Krankheiten befreit, welche die natürlichen Strafen und Folgen der Unreinlichkeit sind. Wie nun Oswald den mit ihm Verbündeten erzählte, daß er eine Ersparniskasse errichtet habe, und daß das Geld, welches sie ihm wöchentlich zum Aufbewahren brächten, Zinsen tragen müsse, erstaunten sie gar sehr und freuten sich. Und jeder sah im Buche nach, wie viel Geld er schon zusammengebracht habe, und wie viel Zins er am Ende des Jahres dafür zu erwarten habe. Anfangs hatten nur wenige Haushaltungen dem Oswald ihr Geld gebracht. Nun aber sagten es die einen den andern. Und wie einer hörte, der andere habe schon fünfzehn, zwanzig und dreißig Gulden und mehr zurückgelegt, wurde er mißvergnügt und wollte es auch so haben, und nahm sein weniges ä————— ͤ Gi Geld und trug es auch zum Oswald und sprach: „Ei, Lieber, warum hast du mir nichts von der Ersparniskasse gesagt? Lege mein Geld, das ich wöchentlich entbehren kann, auch hinein, es sei viel oder wenig. Denn wenn ich es im Hause habe, will es sich nicht vermehren, sondern es schwindet immer. Hat man es, so verbraucht man es wieder. Darum besser, aus den Augen, aus dem Sinn! Kann ich's nicht so haben bei dir, so kann ich noch lange nicht an Abzahlen meiner Schulden denken.“ So brachte nun jeder alle Woche etwas, das er von seinem Verdienst erübrigen konnte, und einer bemühte sich mehr als der andere, in die Ersparniskasse zu legen. Einige wurden so, begierig, daß sie beinahe Weib und Kind verhungern ließen, um desto mehr Geld zu⸗ sammenzuscharren. Das verdroß den Schulmeister, und er hob an zu reden:„Es ist wohl gut, daß ihr mäßig seid, aber Weib und Kind müssen nicht hungern. Wer wohlgenährt ist, der hat auch Kraft und Mut, zu arbeiten. Freilich, manche Frau, die auch wohl im Felde arbeiten, oder sonst Geld verdienen könnte, muß jetzt zu Hause bleiben, und ihre Zeit beim Kochen verlieren. Wäre für jede Haushaltung von selbst schon Gekochtes da, so würde man kein Holz kaufen und bezahlen, oder es mit Zeitverlust im Walde zusammenlesen müssen, sondern man könnte vielleicht sogar jährlich von dem Gaben⸗ holz, das die Gemeinde giebt, an andere ver⸗ kaufen und Geld daraus lösen. Dabei wäre schön zu sparen. Aber wir müssen das auf andere Weise anfangen.“ „Ihr wisset, wir haben in teuern Zeiten elende Sparsuppen gegessen. Warum sparten wir damals, da wir nichts hatten, und nicht weit lieber jetzt, wo etwas zu ersparen wäre?— Wir haben jetzt Erdäpfel, Obst und Mehl und Fleisch zu wohlfeilerem Preis. Wir können jetzt mit demselben Gelde, wie in der teuern Zeit, bessere Kost haben und viel ersparen. Wenn jetzt einer für uns alle kocht, ersparen viele Frauen Zeit, und können auf andere Weise arbeiten und verdienen. Unter dreißig Kesseln und Häfen braucht es zwanzigmal mehr Holz an einem Tage, als unter einem einzigen Kessel für dreißig Haus⸗ haltungen. Das begreift ihr; dabei ist Gewinn. Aber wo für viele Menschen zusammen gekocht wird, ist auch an Salz und Schmalz und Zuthat und Geschirr Ersparnis. Lasset uns einen Versuch machen.“ So sprach Oswald. Viele wollten; andere wollten nicht. Oswald ging zum Müller und beredete ihn, die Sparsuppe zu kochen und drei Mal wöchentlich Fleisch dazu, besonders zum Verkauf. Diejenigen, welche dazu einstanden, sagten, wie viel Suppe und Fleisch sie täglich begehrten; es waren ihrer zuerst siebenzehn Haushaltungen. Nun mußte der Reihe nach jede Haushaltung, eine um die andere, wenn der Tag an sie kam, das Holz zum kochen, und beim kochen einen Aufwa' ter oder Gehilfen geben. Die Müllerin führte beim Kochen die Aufsicht. Alle Tage waren Abwechslungen in Suppe und Gemüse. Wer kein Geld hatte, konnte seine Portionen mit Mehl, Obst, Gemüs und Erdäpfel zahlen. Das ward keinem zu schwer. Nur wer Fleisch nahm, zahlte Geld dafür.— Die Frau Müllerin verstand das Kochen. Die andern Bauernweiber und Mädchen, wenn der Tag an sie kam, da sie helfen mußten, lernten viel dabei, was sie vorher nicht wußten. So geschah, daß die zusammenstehenden Familien, wozu auch der Schulmeister und der Müller gehörten, besser und nahrhafter aßen, als andere Leute im Dorfe und doch weit wohlfeiler. Alle Tage Suppe und Gemüs dazu, drei mal wöchentlich Fleisch und Braten auf allerlei Art zugerichtet.— Wie dies die andern sahen, daß es da keine Sautränke oder elende Sparsuppe gab, und daß es noch für kranke Personen und Genesende gesunde Nahrung nebenbei gab, traten sie auch bei, und viele, die gar nicht zum Goldmacherbund gehörten. Denn sie merkten bald, daß da viel an Holz, Mühe und Zeit, viel an Speisezuthat erspart und alles weit wohlfeiler gemacht werden konnte. Es wurden für die Garküche der Müllerin endlich der Teilhaber zu viel, obgleich sie täglich mehrere Gehilfinnen erhielt. Da legte der Adlerwirt zu seinem Vorteil auch eine solche Küche an. Aber alle, die zum Gol dmacherbund gehörten, blieben beim Müller. Sie hatten die verständigsten Hausväter unter sich ausgeschlossen, die mußten den Ankauf der Vorräte und deren Verwendung beaufsichtigen. Denn die Garküche sollte keinem einzelnen zum Gewinn dienen, sondern allen zum Vorteil gereichen. (Fortsetzung folgt.) Erinnerung an Liebknecht. Am 7. August waren es zwei Jahre, daß die Trauerkunde von dem Tode unseres Alten von Berlin aus die Welt durcheilte und überall, wo Genossen wohnen, Erschütterung und herz⸗ liche Teilnahme hervorrief. In der ganzen Partei wird noch die Lücke empfunden, die sein Tod gerissen, das zeigt sich in der Parteipresse, wenn sein Todestag wiederkehrt— zahlreiche Gedenkartikel an unseren teueren Toten werden veröffentlicht. Von besonderem parteigeschicht⸗ lichem Interesse ist ein solcher aus der Feder seines langjährigen Kampfgenossen Bebel, der im„Vorwärts“ erschien und dem wir nachstehend wiedergeben. Bebel schreibt: Wer den Alten im Kampfe kennen lernen wollte, mußte ihn in Lagen sehen, wie sie das Jahr 1870 und später das Sozialistengesetz geschaffen har. In Zeiten der größten Auf⸗ regung, wenn die Leidenschaften in hohen Wogen gingen und ihn umtobten, da fühlte er sich wie ein Fisch im frischen Wasser und stellte seinen Mann. In solchen Augenblicken sah man ihn nie verlegen oder nur einen Augenblick zaudern, und stets prägte er für den vorhandenen Moment das richtige Wort. Das Kriegsjahr 1870/71 stellte hohe An⸗ forderungen an unsere Nerven. Was seit 1866 eine Frage der Zeit war, war endlich herein⸗ gebrochen. Bismarck hatte es meisterlich ver⸗ standen, in dem ihm passenden Moment Napoleon zum Kriege zu provozieren und obendrein den Schein, der Provokateur zu sein, auf diesen zu werfen. Die Aufregung, welche die Kriegs⸗ erklärung erzeugte, läßt sich nur in einen ge⸗ wissen Vergleich stellen mit jener, die achtzehn Jahre später entstand, als derselbe Bismarck und seine Helfershelfer die Attentate von Hödel und Nobiling gegen die Sozialdemokratie fruk⸗ tifizierten und ihr das Sozialistengesetz als Mühlstein an den Hals zu hängen suchten. Doch war die Art der beiden Stürme grund⸗ verschteden. Im letzteren Fall richtete sich die ganze Wut der fanatisierten Haufen ausschließlich gegen die Sozialdemokratie, im erstezen war es der Ausbruch eines patriotischen Paroxismus, bei dem der Haß gegen den bis dahin Europa beherrschenden Dezembermann und das von ihm beherrschte Volk,„den Erbfeind“, zum unver⸗ hohlensten Ausdruck kam. Daß dieser Krieg bestimmt war, die Bis⸗ marckschen Ziele, die notwendig der Demo⸗ kratie feindliche waren, weiter zu verwirklichen, darüber waren wir uns klar. Aber diese An⸗ schauung gegen den alles niederreißenden Strom blinder Leidenschaft zu verteidigen, war schwer. Kein Wunder, daß in der eignen damals noch sehr jungen Partei die Meinungen geteilt waren 5 unsere Situation nicht verbessert wurde. In dem plötzlich zusammengetretenen Nord⸗ deutschen Reichstag, der berufen worden war, um für den bevorstehenden Krieg die erste An⸗ leihe zu bewilligen, hatten wir— Liebknecht und ich— die Erklärung abgegeben, uns der Stimme zu enthalten. Der Krieg sei ein dynastischer und die notwendige Folge der Er⸗ eignisse des Jahres 1866, durch die Deutschland zerrissen worden sei; aber dynastischen Interessen zu dienen, dazu böten wir nicht die Hand. Diese unsre Haltung hatte in- und außerhalb des Reichstags die Leidenschaften gegen uns entfesselt. Persönliche Verunglimpfungen, klein⸗ liche Verfolgungen und gehässige Anklagen folgten J Kr. cteipresse, zahlreiche en werden eigeschicht⸗ der Feder ebel, der achstehend en lernen lte seinen man ihn c zaudern, u Moment hohe An⸗ seit 1806 ich herein⸗ lich ver⸗ Napoleon drein den diesen zu ie Kriegs einen ge⸗ je achtzehn Bismarck mie ful ageseß als en suchten. n grund: tte sich die schletlic en wal es grorismus, in Eurol 15 bon Ia die Biz det Demo eee . ee eee — Nr. 33. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. in heute kaum begreiflichem Maße. Die rasche Niederwerfung der französischen Armee und die Gefangennahme Napoleons bei Sedan änderten die Situation für uns. War bis dahin der Krieg der großen Masse als ein Verteidigungs- krieg erschienen, so zeigte sich nach Sedan, daß er ein Eroberungskrieg werden solle. Der Sturz Napoleons als Kaiser und die Prokla⸗ mierung der französischen Republik am 4. Sept. 1870 änderten auch mit einem Schlage die Stimmung in der Partei. Die Differenzen zwischen Braunschweig(Sitz des Ausschusses der Eisenacher Partei) und Hamburg(Sitz der Kontrollkommission) auf der einen und uns in Leipzig auf der andren Seite waren über Nacht verschwunden. Auf Liebknecht hatte die Proklamierung der Republik einen solchen Eindruck gemacht, daß er mit Freuden⸗ thränen in den Augen in meine Wohnung ge⸗ stürzt kam, um mir die Nachricht zu verkünden. Und noch eine andre Wirkung hatte dieses Er⸗ eignis. Die parlamentarischen Vertreter des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins— und zwar beider Fraktionen— Schweitzer, Hasen⸗ klever und Fritzsche wie Mende, die in der Kriegsfrage sehr entschieden Stellung gegen uns genommen hatten, schlugen nunmehr ebenfalls um und traten mehr oder weniger auf unsre Seite. Der Braunschweiger Ausschuß hatte sogar bereits am 5. Sept. in einer schwungvoll ge⸗ schriebenen Proklamation an die Partei für die Republik und gegen die Fortführung des Krieges so nachdrücklich sich ausgesprochen, ohne zu be⸗ achten, daß Braunschweig sich im Norddeutschen Belagerungszustandsgebiet befand, daß Vogel v. Falckenstein als Oberkommandierender seine Verhaftung und Ueberführung in Ketten nach Lötzen anordnete. Dasselbe Schicksal traf Aug. Geib in Hamburg und Johann Jacoby und Herwig in Königsberg, weil sie ebenfalls für den Frieden und gegen die geplante Annexion von Elsaß⸗Lothringen sich erklärt hatten. Unter diesen veränderten Umständen wurde wieder im Novbr. der Norddeutsche Reichstag einberufen, um über dreierlei zu beschließen. Einmal um das Mandat des Reichstags, das schon im Septbr. abgelaufen war, bis zum Kriegsschluß zu verlängern; dann um eine neue Kriegsanleihe zu bewilligen; endlich um die mit den süddeutschen Staaten abgeschlossenen Ver⸗ träge, die an Stelle des Norddeutschen Bundes den Deutschen Bund setzen sollten, gutzuheißen. Wir kamen trotz der noch gegen uns sehr feind⸗ lichen Gesinnung in weiten Kreisen, in gehobener Stimmung nach Berlin, entschlossen die ent⸗ schiedenste Opposition gegen die Fortsetzung des Kriegs und die beabsichtigten Annexionen zu machen. Liebknecht und ich brachten auch sofort einen bezüglichen scharf formulierten Antrag ein. Am 26. Novbbr. begann die Debatte, die von unsrer Seite durch mich eröffnet wurde. Ob⸗ gleich ich so ruhig wie möglich sprach, gab es die turbulentesten Szenen. Pfuirufe und Rufe: Hinaus mit ihm! und ähnliche regnete es auf mich nieder. Die obligaten Ordnungsrufe folgten. seitens der Gegner nach mir zum Wort und deckten mich zu, so gut sie es vermochten. Dann erhielt Liebknecht das Wort, der an jenem Tage eine seiner besten Reden hielt. Ihm erging es womöglich noch schlimmer als mir. Simson, der als Jupiter tonans den Präsidentenstuhl inne hatte, fand es für angemessen, Liebknecht dahin zu apostrophieren:„Sie dürfen jeden Gedanken hier aussprechen und ich bin der letzte, der jemand darin hindern möchte, aber er muß für eine Versammlung gebildeter Männer mindestens erträglich sein.“ Worauf Lieb⸗ knecht prompt replizierte:„Was die letzte Unter⸗ brechung des Herrn Präsidenten betrifft, so ist das, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, das Verfahren eines Schul meisters, welches mich absolut nicht berührt, wohl aber diesen Reichstag, wenn er es hinnimmt, daß man ihn zu einer Versammlung von Kindern herabsinken läßt.“ Stürmische Unterbrechungen folgten. Simson erteilte Liebknecht den Ordnungsruf und drohte, daß, wenn er so weiter rede, werde er sich vom Hause autorisieren lassen, ihm das Wort zu entziehen. Was auch am nächsten geschah. Neue stürmische Unterbrechungen traten ein, als Liebknecht für den Friedensschluß sprach und dabei das französische Volk ein Brudervolk nannte; sofort sauste aber auch der Hieb auf die Unterbrecher nieder:„Es ist wahrlich ehren⸗ hafter, der Bruder des französischen Volkes und der französischen Arbeiter zu sein, als der „Liebe Bruder“ des Schurken auf Wilhelms⸗ höhe!(Wo Napoleon gefangen saß.) Dieser Hieb riß sogar Herrn v. Schweitzer zu einem Bravo! Bravo! hin. Unser Antrag wurde schließlich mit allen gegen vier Stimmen abgelehnt. Wer außer Liebknecht, Schraps, mir, noch dafür stimmte, ist mir nicht mehr erinnerlich. (Fortsetzung in nächster Nummer.) Gemeinnütziges. Apfelesser haben selten an Verdauungs⸗ beschwerden zu leiden. Es wird als ganz besonders gesundheitsfördernd empfohlen, abends vor dem Schlafengehen einen Apfel zu essen. Für Leute aufgeregten Gemüts wird er als das beste Diätikum bezeichnet; seines relativ großen Phosphorgehaltes wegen nährt er das Gehirn und regt außerdem auch die Leber an, was gerade solchen Personen besonders heilsam ist. Splitter. Die Sesten alle sind im Glauben einverstanden, Es sei ein höchstes Gut zu suchen und vorhanden, Wo es zu finden sei, das ist die erste Spaltung, Und wie zu suchen? das des weiten Streits Entfaltung. Rückert. **. Lasker und Braun⸗Wiesbaden kamen * Wie heißt das schlimmste Tier mit Namen? So fragt ein König einen weisen Mann. Der Weise sprach: Von wilden heißt's Tyrann, Und Schmeichler von den zahmen. Lessing. 1 1 Tage bei Fortsetzung der Debatte thatsächlich Humoristisches. Gut benützt. Verteidiger(als er sieht, daß sein Klient während seines Plaidoyers bei der großen Hitze eingeschlafen ist):„.... Und hier, meine Herren Geschworenen, der beste Beweis für die Unschuld des Angeklagten! Könnte ein Verbrecher mit bösem Gewissen so ruhig schlafen?“ 5 Das Pumpgenie. „Ich habe wohl bemerkt, wie das reiche Fräulein Muzi Sie auf dem Balle mit Wohlgefallen angeblickt hat!“ — Herr:„Könnten Sie mir nicht darauf zweihundert Mark Vorschuß geben?“ Geschichtskalender. 17. August. 1901: Bankschwindler Terlinden in Amerika verhaftet. 1786: Friedrich II. von Preußen, „der Große“, gestorben. 18. 1895: Wilhelm II. Rede an die Veteranen zum Kampf gegen den Umsturz. 19. 1901: Rückkehr der Chinatruppen. Soz.⸗dem. Einigung skongreß in Gotha. 20. 1901: Todesurteil im Krosigk⸗Prozeß in —— 1875 Gumbinnen. 1854: F. W. Schelling, Philosoph, ge⸗ storben. 21. 1838: A. v. Chamisso, Dichter, gestorben in Berlin. 22. 1901: Arbeiterkongreß in Kopenhagen. 1864: Abschluß der Genfer Konvention zum Schutze der Kriegs⸗ Verwundeten. 1850: Nikolaus Lenau, Dichter, gestorben. 23. 1897: Internationale Arbeiterschutzkonferenz in Zürich. 1873: Kongreß der soz.⸗dem. Partei in Eisenach(daher„Eisenacher“). ——————8—————— Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Seit Monatsfrist hat der Wahlverein Gießen den Vertrieb der sozialistischen Litteratur übernommen. In⸗ dem wir unsere Genossen darauf hinweisen, richten wir die Bitte an sie, sich ihrerseits um die weiteste Verbreitung unserer Parteischriften mit zu bemühen, damit unsere Anschauungen in die weitesten Kreise dringen. Auch alle hier nicht angeführten Bücher und Zeitschriften be⸗ sorgt die Kommission. Es sei noch bemerkt, daß der etwa erzielte Gewinn wieder im Interesse der Agitation verwendet wird. Wir machen auf folgende Broschüren und Zeitschriften aufmerksam. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben nnd Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Grundzüge und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er— läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse ccc ö Budde's Schirme sind dauerhaft und preiswert. Regenschirme, Sonnenschirme, Spazierstöcke kauft man gut und billig Casseler Schirmfabrik Gießen, Seltersweg 9 (nahe am Kreuzplatz). Marburg 3/ L., Neustadt II, Fulda, Buttermarkt 14;. Steuerhaus“. 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