* * lane 1 Lende etz raseh r intracht fest r 1902 Leib — S Tanz. e Mark. 7 Herrn Lob Iriseu yrstand. 293 unren, Hüchen⸗ Geteeu No. Nect ewe, W Nr. 37. Gießen, Sonntag, den 14. September 1902. 9. Jahrg Redaktion: Kircheuplatz 11, Schloßgasse. Ionnt Mitteldeutsche Igs⸗Zeitun Redaktionsschluß. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Bestellungen D JInserate 2 finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 3 3¹/ 3% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt An die Sozialdemokraten Hessens. Parteigenossen! Der Bericht der Landtagsfraktion soll in der nächsten Woche zur Versendung gelangen. Die Kreisvertrauensmänner, welche in der Wormser Landeskonferenz zugegen waren, haben in Gemeinschaft mit dem Landes⸗Komitee be⸗ schlossen, diesen Bericht im ganzen Großherzog⸗ tum zu verbreiten und gilt es nun, festzustellen, wie viel Exemplare jeder einzelne Kreis zur Verbreitung braucht. Die Kreisvertrauensleute werden deshalb hierdurch aufgefordert, uns umgehend mitzu⸗ teilen, wie viel Exemplare sie brauchen und an welche Adressen dieselben gesandt werden sollen. Das Landes⸗ Komitee. C. Ulrich, J. Orb, Gr. Marktstraße 23. Geleitsstraße 14. München. Alljährlich um die Zeit des Herbstbeginns richtet sich das Interesse der gesamten zielbe⸗ wußten Arbeiterschaft, dem Arbeiterparlament, dem sozialdemokratischen Parteitage, zu. Auch der diesjährige, der am Sonntage im gastlichen München zusammentritt, wird die Aufmerksam⸗ keit der Gesamtheit unserer Parteigenossen auf sich ziehen. Und nicht blos der Parteigenossen. Alle Welt, soweit sie sich mit Politik befaßt, verfolgt aufmerksam die Verhandlungen und Beschlüsse der Vertretung der stärksten Partei Deutschlands. Ohne äußeren Aufwand, ohne Lärm und Tam⸗Tam hat sich der sozialdemo⸗ kratische Parteitag die Beachtung in der Oeffent⸗ lichkeit errungen, die ihm gebührt. Ihn begrüßt kein Regierungsvertreter, kein Oberbürgermeister heißt ihn willkommen und doch werden seine Verhandlungen von der gesamten Presse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Das ist mit ein Zeichen für die wachsende Bedeutung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Welch' ein Unterschted zwischen den Partei⸗ tagen der bürgerlichen Parteien und dem ge⸗ wählten Arbeiterparlamente! Hier kann der einfachste Arbeiter als Delegirter seiner Genossen seiner Meinung ungehindert Ausdruck verleihen, kann Kritik üben an der Partelleitung, der Thätigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten. Man fragt nicht, wer diese oder jene Ansicht äußert, man prüft nur das Gewicht der Gründe und beschließt demgemäß. Anders bei den Bürgerlichen. Da findet meist gar keine wirkliche Delegation statt, die„Partestage“ setzen sich aus 155 Führeen zusammen, die wiederspruchs⸗ — los ihre Weisheit verkünden. Hat sich wirklich einmal ein Arbeiter dahin verlaufen und wagt etwa gar Opposition zu machen, so wird man sich seiner bald entledigen, wie das mit den Herren Gisberts und Brust auf der Mannheimer Zentrumsparade in prompter Weise geschah. Dem Müncher Kongreß wird ein glatter Verlauf von vielen Seiten vorausgesagt. Die nach der provisorischen Tagesordnung— die wahrscheinlich nicht abgeändert werden wird— vorgesehenen Beratungsgegenstände umschließen keine Streitfragen, die zu einem hitzigenMeinungs⸗ kampf Veranlassung geben könnten. Meinungs⸗ verschiedenheiten sind damit natürlich nicht aus⸗ geschlossen und es kann eintreten, daß hier und da die Geister aufeinander platzen. Freimütige Kritik ist unserer Partei Lebensbedingung und oft sagte unser alter Liebknecht, daß er den Tag nicht erleben möge, wo alle einer Meinung wären. Die Kritik, von dem Gedanken getragen der Sache zu dienen, wird nie ihre Wirkung verfehlen und anregend und frucht⸗ bringend wirken. Reicher Arbeitsstoff liegt dem Parteitage vor. Die Frage der Arbeiterversicherung ist ein sehr umfangreiches und schwieriges Ge⸗ biet praktischer Arbeit. Bei den Sachkundigen herrscht nur eine Stimme über die Mangel⸗ haftigkeit, Reformbedürftigkeit der bestehenden Versicherungseinrichtungen. Hier hat der Par⸗ teitag die Aufgabe, anregend zu wirken und die Forderungen zu formulieren, die das Klassen⸗ interesse der Arbeiterschaft gebietet. Vielleicht noch umfangreicher und weitschichtiger ist der Punkt Kommunalpolitik. In den letzten Jahren sind unsere Genossen immer zahlreicher in die Gemeindevertretungen gewählt worden und es erweist sich als notwendig, allgemeine Grundsätze aufzustellen, die für die Thätigkeit unserer parteigenössischen Gemeinderäte zur Richtschnur dienen können. Allerdings sind die hierbei in Betracht kommenden Verhältnisse, sowie die unseren Vertretern in der Gemeinde zufallenden Aufgaben so verschiedenartig und zahlreich, daß es fraglich erscheint, ob diefer Gegenstand zur Zufriedenheit aller Genossen erledigt werden kann. Was die weiteren vorgesehenen Punkte anbelangt, so werden zweifelsohne Referat und Debatten über die bevorstehenden Reichs⸗ tagswahlen das höchste Interesse beanspruchen. Es gilt, sagt ganz richtig die„Geichheit“, klar zu machen zu der großen Schlacht, die unter der Losung ausgefochten wird: Gegen den Zollwucher! jener großen Schlacht, an deren stegreichen Ausgang das Proletariat, wirtschaft⸗ lich wie politisch ein zwingendes Lebens⸗ und Klasseninteresse hat. Es handelt sich ja um ein Höheres, als um die Abwehr der verbreche⸗ rischsten wirtschaftlichen Ausplünderung der proletarischen Massen allein: um die Verteidig⸗ ung des wirtschaftlichen Bodens, auf dem die Befreiung des Proletariats heranreift; um die Niederzwingung der bösartigsten politischen Reaktion, welche sich der ringenden Arbeiterklasse entgegenstemmt. Und weil dem so ist, so drängt die in Deutschland gegebene Situation wie unsere prinzipielle Auffassung dazu, daß der Kampf mit der alten grundsätzlichen Schärfe geführt werden muß. Ein anderer Umstand wirkt in der gleichen Richtung. Die Wahlparole wird weite, neue Bevölkerungskreise aus politischem Stumpf⸗ sinn und Wahnglauben reißen, in Berührung mit der Sozialdemokratie bringen, als„Mit⸗ läufer“ um die rote Fahne schaaren. Nicht blos als vornehmste Verteidigerin ihrer wirt⸗ schaftlichen und politischen Augenblicksinteressen muß ihnen unsere Partei nahen, sondern zugleich als Kämpferin für eine neue Gesellschaftsordnung, als Trägerin einer neuen Weltanschauung. Zu der Werbung für den, Tageskampf muß sich die Aufklärung über unser Endziel gesellen. Vorbereitung zum Wahlkampf ist die Haupt⸗ Politische Rundschau. Gießen, den 11. September. Unerhörte Frechheit legen die meisten agrarischen Organe angesichts der herrschenden Fleischnot an den Tag. Höhnisch sprechen sie von einem„Fleischnot⸗ rummel“, wie neulich schon das Berliner Bündlerblatt, und lügen, eine Fleischnot bestehe gar nicht. Die fortgesetzte Steige⸗ rung aller Lebensmittelpreise in den letzten Jahren, die doch jede Arbeiterfamilie empfind⸗ lich spürt, ableugnen zu wollen, dazu gehört schon eine anständige Portion Unverfrorenheit. Wenn aber die durch künstlich herbeigeführte Lebensmittelteuerung Ausgehungerten, die noch dazu unter ständigen Lohnherabsetzungen zu leiden haben, verhöhnt und verspottet werden, ihre Notlage als„Schwindel“ hiugestellt wird, so muß man das als eine ganz gemeine Nieder⸗ tracht und Frechheit bezeichnen. Und diese in⸗ fame Sippe nennt sich noch christlich! Am unverschämtesten geberdet sich der be rühmte Antisemitenhäuptling Hirschel in seinem Offenbacher Schimpforgan. Bei ihrer geistigen Ohnmacht sind die Antisemiteriche natürlich nicht im Stande, einen sachlichen Kampf zu führen. Sie verlassen sich deshalb aufs Schimpfen und Schwindeln. In der vorletzten Nummer seines Arizonakikers bezeichnet Hirschel unter weidlichem Geschimpfe die Fleischnot als Schwindel und schiebt die Schuld der Fleischteuerung auf die Metzger, die er als Viehmörder tituliert. Ueber diese Art Mittelstandsretterei werden die Metzger⸗ meister sicher höchlich erbaut sein! Außerdem wird den Arbeitern vorgeworfen, sie vertilgten soviel Solberfleisch,„Worscht“, rohes Hack⸗ fleisch c., daß sie das Brot als nebensäch⸗ liche Beigabe betrachten und drum das Brotwucher geschrei aufgegeben hätten, um das Fleischnot⸗Geschrei zu erheben. Nun, Hirschel muß ja so schreiben. Wofür wird er denn bezahlt? Wo sollte es hinführen, wenn er die thatsächliche Fleischteuerung anerkennen würde? Das Offenbacher Blättchen ist nun allerdings nicht ernst zu nehmen. Anders klingt, was die gut agrarische„Germania“, das Haupt⸗ blatt des Centrums, sagt: „Enorme Preissteigerungen haben in den letzten Jahren fast alle Lebensmittel und Lebensbedürfnisse verteuert und so zu Einschränkungen geführt, die nicht nur im Volkshaushalte, sondern auch in den einzelnen Familien um so bitterer empfunden wurden, als die guten Lohnverhältnisse der letzen Jahre des vorigen Jahrzehnts ziemlich rasch einem rapiden Niedergang auf allen industriellen Gebieten Platz machen mußten. Nun zu guter letzt kommt noch eine Fleischteuerung, die, wenn sie noch länger anhalten sollte, zu einer wa hren Kalamität auszuarten droht.. Das Merkwürdige an der gegenwärtigen Lage ist, daß die Klagen so ziemlich aus allen Gegen⸗ den des Deutschen Reiches ertönen und aus dem Westen bzw. Südwesten noch mehr als aufgabe des Münchener Parteitags. Er wird sie erfüllen! Glück seinen Arbeiten! aus dem Norden, denn die Preise von Mann- heim, Stuttgart, Straßburg usw. übersteigen ee l. ö ———. eee Seite 2. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeituna. Nr. 37. die der Reichshauptstadt noch um Bedeutendes. Daher mag es auch kommen, daß das Militär bei den gegenwärtigen Manövern im Elsaß über ungenügende Fleischnahrung klagt. „Es muß zugegeben werden, daß das Fleisch sowohl jenseits der russischen, als der französischen Grenze billiger ist, als dies⸗ eis Daß die Grenze gesperrt ist und die Sperre in den letzten Monaten selbst für die Grenzbewohner bedeutend verschärft worden ist, ist Thatsache, Thatsache ist auch, daß unsere Landwirtschaft momentan zu wenig schlachtreifes Vieh für den Markt liefern kann.“ Dem braucht kein Wort hinzugefügt zu werden.— Ziffernmäßig zeigt die amtliche Statistik das Steigen der Schweinefleischpreise in Hamburg während der letzten Jahre; danach kostete der Centner durchschnittlich: S 43,86 18775 53,55 18998 53,35 18999 47,06 190 48,96 10111;„ 57,22 e re, Ende August 1902 64,00— 63,00 Und angesichts dieser kolossalen Preissteige⸗ rung, die für die arbeitende Klasse naturgemäß die drückendste Notlage im Gefolge haben müssen, erfrechen sich antisemitische Bauern⸗ fänger von Fleischnots ch windel zu sprechen! Uebrigens leidet unter diesem Zustande selbst⸗ verständlich auch der größte Teil der Land⸗ bevölkerung. Deutschlands Rache. Ein„Heldenstück“ der deutschen Flotte er⸗ füllt alle Flottenschwärmer und sonstige Mords⸗ patrioten mit Entzücken. Das deutsche Kanonen⸗ boot„Panther“ hat nämlich das haitianische Rebellen⸗Kanonenboot„Créte à Pierrot“ in den Grund gebohrt. Warum? In der west⸗ indischen Negerrepublik Harti herrscht Rebellion. Die Flotte des Riesenreiches, das etwa 6 bis 700 000 Einwohner zählt, besteht nur aus wenigen altmodischen Schiffen, die sich meist in den Händen des„Rebellen“-Prästdenten Firmin befinden. Ein Hamburger Dampfer, „Markomannia“, überbrachte der haittanischen Regierung Waffen und Munition, er wurde deshalb von dem Créte à Pierrot angehalten, der die Fracht beschlagnahmte. Kriegsrechtlich wäre das vollkommen in Ordnung. Aber „man“ erkennt einfach die kriegführenden Par⸗ teien in Haiti nicht als kriegführende Mächte an und stempelt die Beschlagnahme des Ham⸗ burger Schiffes als„Seeraub“. Nach diesem Rezept hat die deutsche Reichsregierung gehandelt und die Beraubung des deutschen Dampfers Markomannia furcht ar gerächt. Das„Rebellen⸗ boot“ wurde in den Grund geschossen, nachdem der Mannschaft erlaubt war, das Schiff zu verlassen. Wir haben also die Flotte nicht umsonst. Die Deutschen im Auslande werden nachdrücklichst geschützt! Aber nicht immer. Rußland gegenüber verfährt man nicht so schneidig. Wenn deutsche Unterthanen unschuldig in russischen Kerkern schmachten, deutsche Grenz⸗ bewohner fortwährend in Gefahr schweben, von russischen Polizeispitzeln über die Grenze ge⸗ schleppt zu werden— wie der Fall Kugel beweist— dann findet die deutsche Regierung kein Wort und nimmt auch keine Rache. Wer begnadigt wird. In Sachsen wurde der am 14. Juni vom Kriegsgerschte zu 4¼ Monat Gefängnis ver⸗ urteilte Hauptmann Ambrosius Krug vom Infanterie⸗Reg. 178 vom König begnadigt. Dieser Gnadenakt dürfte Aufsehen erregen. Hauptmann Krug ist wegen gemeiner Schwin⸗ deleien zu dieser Strafe verurteilt worden. Strafverschärfend kam bei der Strafaus⸗ messung in Betracht, daß Krug Untergebene in seine Unregelmäßigkeiten zu verwickeln wußte, die dann ebenfalls vom Kriegsgericht bestraft wurden. Hauptmann Krug hat nur zwei Monate von seiner Strafe verbüßt. Für der⸗ artige Gnadenakte des Königs ist die Regierung verantwortlich. An die armen Opfer des Lö b⸗ tauer Urteils, die jetzt noch im Zuchthause schmachten, hat die Regierung aber bis jetzt noch nicht gedacht. Ueber die Wohnungs fragen verhandelte am 6. September im Frankfurter Gewerkschaftshause eine große Versammlung des Vereins„Reichswohnungsgesetz“ in Gemein⸗ schaft mit dem Verbande deutscher Mietervereine. Damaschke⸗Berlin sprach zunächst über die Notwendigkeit einer großen Wohnungsreform. Er schilderte eingehend die Wohnungsnot in den großen Städten und belegte seine Ausfüh⸗ rungen mit reichhaltigem Zahlenmaterial. Ferner sprach der demokratische Stadtverordnete Dr. Rößler⸗Frankfurt über„Aufgaben von Staat und Reich in der Wohnungsfrage.“ Zahlreiche Redner sprachen noch in der Dis⸗ kussion, u. a. auch Reichstagsabgeordneter Ge⸗ nosse Wilh. Schmidt. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, nach der die bisherigen Reformen für unzureichend erklärt werden, jeder Fortschritt begrüßt und verlangt wird, daß das Reich eine Kommission einsetzt, die die Sache prüfen und Vorschläge machen soll.— Was bisher in der Wohnungsreform geschah, ist herzlich unbedeutend. Auf diesem Gebiete muß energisch eingegriffen werden und zwar nicht blos in den Großstädten, sondern überall. Ein freisinniger Gewaltstreich. Vorige Woche fand in Kreuznach der Genossenschaftstag deutscher Erwerbs⸗ und Wirtschaftsgenossenschaften statt, die in einem Verbande vereinigt sind. Diesem gehören außer solchen Genossenschaften, die die Hebung des Mittelstandes zum Zwecke haben, auch eine große Anzahl Konsumvereine an, deren Leiter Sozialdemokraten sind. Obwohl nun auf genossenschaftlichem Gebiete Politik keine Rolle spielt, wurden doch von dem freisinni⸗ gen Führer des Verbandes, dem Abg. von Wiesbaden, Crüger, die Konsumvereine sozialdemokratischer Bestrebungen beschuldigt und ihr Ausschluß beantragt, der auch erfolgte. Die Ausgeschlossenen werden natürlich einen neuen Verband gründen. Zwei ausländische Rongresse haben in vergangener Woche getagt und zwar in England der Kongreß der englischen Gewerk⸗ schaften(Trades⸗Unions) und in Imola der Kongreß der italienischen Sozialdemokratie. Auf diesen kam es, wie erwartet wurde, zu Auseinandersetzungen zwischen der von Ferri Neun unversöhnlichen, und der gemäßigten ichtung, deren Hauptführer Turati ist. Es gelangte eine zwischen beiden Richtungen ver⸗ mittelnde Resolution zur Annahme.— Auf dem engl. Gewerkschaftskongresse kam allgemein die Ueberzeugung zum Durchbruch, daß die Ge⸗ werkschaften der Politik mehr Aufmerksamkeit zuwenden müßten. Sozialistische Wahlerfolge in Dänemark. Die kürzlich stattgefundenen Wahlmänner⸗ wahlen zum dänischen Landsthing haben bisher zu großen Erfolgen für die Sozialdemokratie und die Liberalen und zu starken Verlusten für die Konservativen geführt. In den großen Städten haben die Konservativen überall bedeutend an Stimmen⸗ zahl verloren, zum Vorteil für die Sozial⸗ demokraten und die Liberalen. Soweit die Resultate bis jetzt vorliegen, sind 39 sozial⸗ demokratische Wahlmänner gewählt. In Fri⸗ dericia, Nästved, Nakskov, Horsens siegte die rein sozialdemokratische Liste mit großen Majo⸗ ritäten. Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge zu urteilen, werden die Konservativen 6 bis 7 Mandate einbüßen, ihre Stimmenverluste sind größer, als man erwarten konnte. Militarismus und Pfaffentum in Frankreich. Während der behördlichen Schließung der Klosterschulen in Frankreich kam es bekanntlich in verschiedenen Orten zu gewaltsamem Wider⸗ stande gegen die ausführenden Beamten. Mehr⸗ fach mußte Militär herangezogen werden. Es demokratie!“ verweigerten aber mehrere Offiziere den Gehorsam. Gegen einen derselben verhandelte am Freitag das Kriegsgericht in Nantes. Der Angeklagte, Oberstleutnant Saint Remy, kam aber sehr gelinde davon, er wurde von der Anklage der Gehorsamsverweigerung frei⸗ gesprochen und nur zu einem Tage(ö) Gefängnis verurteilt, weil er sich geweigert hätte, einer Requisition der Zivilbehörden Folge zu leisten. Dieses Urteil beweist die Macht des Klerika⸗ lismus über das französische Offizierkorps und die Dringlichkeit für die Republik, dasselbe zu demokratisieren. Es hat denn auch im ganzen Lande nicht wenig Aufsehen erregt. Während es von den Klerikalen und Nationalisten mit Freuden begrüßt wurde, erklärten die republi⸗ kanischen Organe, daß dieses Urteil die militä⸗ rische Disziplin untergraben müsse und forderten ein Eingreifen des Kriegsministers. Dieser hat auch neueren Nachrichten zufolge, die Dienst⸗ entlassung Saint Remy's verfügt. Unsere franz. Genossen kündigen an, daß sie diese Angelegen⸗ heit im Parlament zur Sprache bringen werden. Denn, so folgern sie mit Recht, nach diesem Urteil können auch die gemeinen Soldaten den Gehorsam verweigern, wenn sie gegen Streikende kommandiert werden. Der Soldat müsse aber wissen, woran er sei. Landes konferenz der Sozialdemokraten Hessens. Dieses Jahr hielten unsere hessischen Parteigenossen ihren Parteitag in Worms ab, der sagenumwobenen Rheinstadt, die mit auf das höchste Alter unter allen deutschen Städten zurückblickt. Damit ist aber nicht gesagt, daß sie auch in der allgemeinen Entwickelung etwas voraus hätte; sie zeigt genau dasselbe Gepräge, wie die andern Städte Rheinhessens und der Pfalz, wo die Industrie erst in den letzten Jahrzehnten einen größeren Umfang angenommen hat. Auf manchem Gebiete ist Worms sogar hinter seinen Nachbarstädten zurückgeblieben. Auch in Bezug auf die Arbeiterbewegung hat Worms mit vielen andern Orten nicht gleichen Schritt gehalten, erst in der neuesten Zeit nimmt das gewerkschaftliche und politische Leben einen bemerkens⸗ werten Aufschwung. Die dortige Arbeiterschaft hat es sogar zu einem eigenen Heim gebracht und in diesem, dem Gewerkschaftshause, tagte am Sonntag die Landes⸗ konferenz. Das Lokal war prächtig geschmückt. Hinter dem Tische, der für das Bureau bestimmt war, hatte man eine mächtige Pflanzen gruppe aufgebaut, in welcher die lebensgroßen Büsten unserer Vorkämpfer Lassalle, Marx und Engels Aufstellung gefunden hatten. Neben dem Landeskomitee, 8 Vorsitzenden von Kreisorganisationen und 6 Landtagsabgeordneten hatten sich 81 Delegierte eingefunden, welche 86 Lokalorganisationen Hessens ver⸗ traten. Um 9½¼ Uhr eröffnete der Vorsitzende des Landes⸗ komitees, Genosse Ulrich, die Konferenz, die Delegierten und Gäste zu derselben herzlich bewillkommnend in Worms, einer der ältesten Stätte menschlicher Kultur, der Stadt, in welcher einstens der bekannte ehemalige Augustiner⸗ mönch Luther seine religiösen Ansichten verteidigte. Und wenn die Welt voll Teufel wär, kündigte dieser damals an, werde er doch mit dem von ihm Behaupteten durch⸗ dringen. Mit gleich stolzem Bewußtsein könne die Sozial⸗ demokratie sagen, daß ihre Ideen einer ganzen Welt von Feinden gegenüber siegreich sein werden. Schon 1872 habe in Worms der Allgemeine deutsche Arbeiterverein getagt. Ein Teilnehmer von damals, Genosse Aldrick⸗ Darmstadt, weilt heute noch unter uns. Welch gewaltiger Unterschied in der Entwicklung der deutschen politischen Arbeiterbewegung zwischen damals und heute! Die 30 Jahre Kämpfen und Ringen seien an Opfer, aber auch an Siegen reich gewesen. Er hoffe, daß die heutige Konferenz ein Markstein sein möge in der Weiterentwick⸗ lung unserer Organisation. Der Arbeitergesangverein„Sängerlust“ trug so⸗ dann in vortrefflicher Ausführung den prächtigen Chor „Mann der Arbeit, aufgewacht“ vor, der den Sängern lebhaften Beifall brachte. Genosse Winkler⸗Worms hieß hierauf im Namen der hiesigen Parteigenossen die Konferenz willkommen, dafür dankend, daß die Landes⸗ organisation Worms als Ort ihrer Tagung gewählt habe. Redner lenkt ebenso wie Ulrich die Erinnerung auf die 1872 hier abgehaltene Versammlung des Allge⸗ meinen deutschen Arbeitervereins hin und zieht einen Vergleich zwischen damals und heute. Inzwischen habe die Arbeiterbewegung in Worms lange Jahre geschlum⸗ mert, aber ein junger Stamm Parteigenossen sei heran⸗ gewachsen und das Wort eines bekannten einflußreichen Wormser Einwohners„In Worms giebt es keine Sozial⸗ glänzend durch die Thatsachen widerlegt un! zur zeln ford Fra aus bilde Dr. bor schen die den! gli trage Ae Berit fast ange, Num beder auf zurü das ide tretu de ndl di millti⸗ ind forderten Die hat die Dienst⸗ lnsete franz e Angelegen⸗ igen werden. nach diesem voldaten den u Streikende t müsse aber — der essens. Parteigenossen dgenumwobenen lier unter allen ist aber nicht 1 Entwickelung elbe Gepräge, der Malz, wo wehnten einen Auf manchen Nachbarstädten cbeiterbewegung nicht gleichen geit nimmt das n bemerkenz⸗ chat dat es ud im diesem, a9 die Landes mwüct. Hinter nt wat, hatte aut, in welcher Apfet Lassall, bart. Neben Lorgantsalionen 61 Dllezierte n bees ber de deb Lulbes die Delthietten N in Vorm, — 7 Augen Nr. 37. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. worden. Dieser Mann, der sich allmächtig fühle, müsse immer mehr sehen, wie es stetig vorwärts gehe in der Parteientwickelung der von ihm so sehr gehaßten Sozial⸗ demokratie. Nach der Bureauwahl, die als Vorsitzende Ulrich⸗ Offenbach und Engelmann⸗ Worms ergab, erstattete Ulrich den Bericht des Landeskomitees. Redner schließt aus der Thatsache, daß keine Beschwerden eingelaufen find, auf die Zufriedenheit der Genossen mit der Thätigkeit des Landeskomitees. Die Anforderungen nach Rednern konnten allerdings nicht alle befriedigt werden, doch wurden dahingehende Wünsche so viel wie möglich berücksichtigt. Redner spricht die Erwartung aus, daß die von der letzten Konferenz beschlossenen Mitgliedsbücher baldigst in den mit der Erwerbung noch rückständigen Kreisen angeschafft würden. Der Landes⸗ kalender für 1902 sei in 123,000 Exemplaren verbreitet worden; daß er Anklang gefunden, beweise die Anfechtung, welche ihm seitens unserer Gegner wurde. Eifrige Gen⸗ darmen und Amtsanwälte hätten in Oberhessen Verteiler des Landeskalender mit Strafmandaten bedacht, in einem Falle erfolgte Freisprechung, in einem anderen ruhe noch die Entscheidung beim Landgericht. Man werde die Sache bis zur höchsten Instanz bringen, um festzustellen, ob die betr. Gendarmen im Rechte seien oder nicht. Die verspätete Ausgabe des Kalenders sei darauf zurück⸗ zuführen, daß erst die Entscheidung der Landeskonferenz abgewartet werden mußte. Die zur Ausfertigung ge⸗ langte stattliche Zahl Naturalisations⸗Formularen ließe erwarten, daß uns die Landtagswahl viele neue Wähler bringe. Die Agitation war im abgelaufenen Jahre eine weit lebhaftere wie vorher. Gewünschte Reichstags⸗ Kandidaten seien auf Anraten des Landeskomitees aus den betreffenden Wahlkreisen entnommen worden. Die gemachten Wahrnehmungen, wie auch das finanzielle Ergebnis des abgelaufenen Jahres bewiesen, daß die Landesorganisation Wurzel gefaßt habe, sie werde blühen, gedeihen und Früchte tragen. Den Kassenbericht erstattete Genosse Orb-Offenbach. Die Einnahmen betrugen 5676.06 Mk., die Ausgaben 4142.21 Mk., gegen das Vorjahr haben sich die Einnahmen des Lan⸗ deskomitees um 2784.97 Mk. und die Ausgaben um 1241.16 Mk. erhöht. Das sei der sprechendste Beweis zunehmender Erstarkung der hessischen Parteiorganisation, und gewinne dadurch an Bedeutung, daß diese sich unter ungünstigen wirtschaftlichen Berhältnissen vollzogen habe. An die Zentral⸗Parteikasse in Berlin konnten als Beitrag der Landesorganisation 1375.97 Mk, abgeführt werden, und der Landeskalender erforderte 1677.31 Mk. Weinschild⸗Offenbach bestätigte Namens der Revisionskommission die Richtigkeit der Abrechnung. Nach kurzer Debatte, die sich in der Hauptsache um Inhalt, Ausstattung und Verteilung des Landeskalenders drehte, wurde der Kassenbericht genehmigt und der Kassierer entlastet. Folgende zwei Anträge wurden an⸗ genommen: 5 „Der Kalender„Hessischer Landesbote“ ist alljährlich und so früh herauszugeben, daß er im No vember zur Verteilung gelangen kann.“ „Vom Landeskomitee sind alljährlich von den ein⸗ zelnen Wahlvereinen Situationsberichte einzu⸗ fordern. Formulare mit den vorgedruckten einschlägigen Fragen sind zu diesem Zwecke von dem Landeskomitee auszugeben.“ Die bevorstehenden Landtagswahlen bildeten den weiteren Verhandlungsgegenstand. Genosse Dr. David führte als Referent dazu aus: Wir stehen vor zwei bedeutungsvollen Wahlen, denjenigen zum hessi⸗ schen Landtag und dem deutschen Reichstag. Man möge die Wahlen für den Landtag nicht unterschätzen, sie seien für unser Land nicht weniger wichtig wie diejenigen für den Reichstag. Das ganze Steuer⸗, Wohnungs⸗, Schul-, Polizel⸗, Sanitäts⸗ und Verwaltungswesen Hessens ge⸗ lange neben anderen bedeutungsvollen Angelegenheiten im Landtag zur Verhandlung, und dieses set von größtem Interesse für das Volk. Wenn man auch seit einigen Jahren, und besonders in Arbeiterkreisen, den Landtags⸗ Verhandlungen ein etwas größeres Interesse entgegen⸗ — bringe wie früher, müsse dennoch eine gewisse Gleich⸗ giltigkeit weiterer Volkskreise festgestellt werden, welche wesentlich, besonders auf dem Lande, ihren Nährboden in den Wahlmännerwahlen finde. Nicht unwesentlich trage dazu bei die ungenügende Berichterstattung der Presse, auch derjenigen unserer Partei. Ausführlichere Berichterstattung sei notwendig und müsse eventuell die Kasse unserer Landesorganisation zur Unterstützung her⸗ angezogen werden. Hätten unsere Vertreter in der Kammer auch Manches erreicht, so harrten noch viele bedeutsame Anträge ihrer Erledigung. So ein Antrag auf Errichtung von Arbeiterkammern, der vorerst zurückgestellt wurde, weil auf Errichtung solcher durch das Reich verwiesen worden sei. Darauf werde man indessen nicht warten, sondern eine gleich wirksame Ver⸗ tretung in Hessen verlangen, wie sie seit Langem der Handel, seit kürzerer Zeit das Handwerk besitze und für die Landwirtschaft in sicherer Aussicht stehe. Die bäuerlichen Vertreter der Zweiten Kammer hätten ihre Unterstützung für Arbeiterkammern zugesagt und hoffe er, daß Hessen auf diesem Wege den andern Bundes⸗ staaten des Reiches vorangehe. Ferner hänge die günstige Entscheidung über die Wahlrechts⸗Reform von dem Ausfall der Land⸗ tagswahlen ab. Das direkte Wahlsystem müsse errungen werden, um die Entwicklung des Landes in freiheitliche Bahnen zu lenken. Die Regierung habe in ihrem Wahl⸗ gesetz⸗Entwurf die Wahlfreiheit gesichert, aber mit so viel Kautelen umgeben, daß erstere für uns wenig an⸗ genehm erschien. Da unsere Partei indessen in der Zweiten Kammer nicht die Majorität besitzt, mußte unsere Fraktion versuchen, auf dem Wege der Konzessionen das für ein direktes Wahlsystem Erreichbare zu erlangen. Wenn auch weniger für die Wähler der Städte, sei das direkte Wahlrecht für diejenigen der Landbezirke eine so bahnbrechende Errungenschaft, daß man Alles einsetzen müsse, dieses Wahlrecht zu erringen, selbst unter den Zugaben uns unangenehmer Bestimmungen. Der Kampf um ein modernes Wahlrecht war ein heißes Ringen gegen den Widerstand einiger offener und vieler geheimer Gegner des direkten Wahlsystems. Von den Vertretern der bürgerlichen Parteien haben sich solche der nationalliberalen Partei als die reaktionärsten erwiesen. Dort haben die rückständigsten Ansichten Unterschlupf gefunden. Das Zentrum habe gezeigt, daß auch bei ihm der redliche Wille nach einer fortschrittlichen Wahlreform nicht allgemein vorhanden. Der ultramont. Abg. Brentano erklärte sich gegen das uneingeschränkte direkte Wahlrecht. Er sagte, die mit den Steuern rückständigen Leute seien größtenteils solche, welche das Geld dafür vertrunken hätten. In der Kammer selbst meinte er, daß ein Pluralwahl⸗ recht, wie solches Belgien hat, ihm als das geeignetste erscheine. Und dieser Mann habe den Antrag mitunter⸗ zeichnet, der ungehindertes Wahlrecht verlange! Die früheren demokratischen Anschauungen über das Wahlrecht seien bei den ultramontanen Abgeordneten von heute nicht mehr zu finden. Die Bauern bündler der ver⸗ schiedensten Couleurs hätten sich in der Kammer ebenfalls als verkappte Gegner direkter Wahl gezeigt. Angst vor Mandatsverluste wäre vielfach bei ihnen treibende Kraft gewesen. Wenn ihr Widerstand in der Kammer sich offen weniger gezeigt habe, so geschah dies desto intensiver im Geheimen. Ihr Kampf gegen die Vermehrung der städtischen Mandate galt indirekt der Vorlage überhaupt. Selbst die Freisinnigen hätten sich in recht merk⸗ würdigem Lichte gezeigt. Dem Abg. Gutfleisch habe man es zu danken, daß die Steuerleistung für die Qualifikation als Mahlmann bei Beratung der soge⸗ nannten„Wahl⸗Notstandsvorlage“ auf eine höhere Steuergrenze gesetzt worden sei. Von der jetzigen Kammer set ein befriedigendes Wahlsystem nicht zu erwarten. Das Volk müsse darum bei den bevorstehenden Wahlen darum kämpfen. Je nach dem Ausfall des Wahlkampfes werde die Regierung das Verlangen nach einer Wahl⸗ reform beurteilen. Eine lebhafte Agitation müsse darum in allen Bezirken, die zur Wahl ständen, ent⸗ faltet und die Wähler darüber aufgeklärt werden, daß die Entscheidung über das Wahlgesetz nunmehr bei ihnen liege. Da, wo Aussicht für uns einigermaßen sicher, müßten überall eigene Wahlmänner aufgestellt, dorten wo dieses nicht möglich, die Wahlmänner des Kandidaten unterstützt werden, der bindende Verpflichtung übernehme, für uneingeschränktestes direktes Wahlsystem einzutreten.— Redner kündigt das Erscheinen eines Berichtes über die Thätigkeit unserer Landtagsfraktion und eines Flugblattes an und schließt seine mit leb⸗ haftem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Wunsche, daß die Landtagswahlen eine mächtige Kundgebung zu Gunsten eines fortschritt⸗ lichen Wahlrechts werden möge. In der darauffolgenden Debatte bemängelt Orb, daß die Landtagsfraktion zu weites Entgegenkommen gezeigt habe. Aus der Beratung des Entwurfs wäre von dem, was die Partei in ihrem Wahlprogramm ge⸗ fordert, nichts übrig geblieben, wie die direkte Wahl und die Isolierräume. Als die Nachricht nach Offenbach kam, daß die Erste Kammer es ablehne, in die Beratung des Wahlgesetz⸗Entwurfes einzutreten, hätten die dortigen Genossen erleichtert aufgeatmet, dabei die Hoffnung hegend, daß bei späterer neuer Vorlage eines Wahlgesetzes etwas Besseres herauskomme, wie geschehen. Dagegen erklären sich Diether⸗Kelsterbach, Friedrich-Darmstadt, Weber⸗Oberroden mit dem Vorgehen unserer Abge⸗ ordneten einverstanden. In seinem Schlußworte geht Dr. David auf die Einwendungen Orbs ein, indem er auf die Verhältnisse auf dem Lande hinweist, wo uns das indirekle Wahlrecht hindere, die nötigen Wahlmänner zu finden. Mancher unseren Zielen sympathische länd⸗ liche Einwohner, der die steuerliche Qualifikation zum Wahlmann besitze, lehne die Aufstellung aus Gründen ab, die in den eigentümlichen Verhältnissen wurzelten. Er befürchte geächtet zu werden, wirtschaftlichen Benach⸗ teiligunzen ausgesetzt zu sein. Das sei eine nicht zu unterschätzende Ursache, welche uns selbst noch den „Wahlgesetz⸗Krüppel“ als weniger abstoßend erscheinen lasse. Die erwähnten, der verunglückten Vorlage an⸗ haftenden Kautelen machten sich übrigens, wie Redner näher beleuchtet, weniger in den städtischen, wie in den ländlichen Wahlbezirken fühlbar. Wenn somit eine bessere Einwirkung auf die Zusammensetzung der Zweiten Kamm er erzielt werden solle, müßte auch dafür gesorgt werden, die Wähler des flachen Landes mehr für die ee 11 05 für die Unterstützung unserer andidaten zu interessieren Dara e Resolution zur Annahme: eee „Die Landeskonferenz ist mit der Hal Landesfraktion in allen Punkten, auch u 1 N rechtsfrage, einverstanden und beschließt, mit voller Energie in allen Landtagswahlkreisen, in denen Neu⸗ wahlen stattfinden, in den Kampf einzutreten, um eine bessere Zusammensetzung der Kammer zu erzwingen. Wo die Aufstellung eigener Wahlmänner irgend möglich ist, da hat sie zu erfolgen. Wo eine solche zur Zeit noch nicht möglich ist, sind die gegnerischen Kandidaten zu unterstützen, die eine einwandsfreie Zusicherung geben, in der Kammer für die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts, ohne reaktionäre Kautelen, einzutreten. Um ein einheitliches Vorgehen in solchen Fällen zu ermöglichen, werden die Genossen der be⸗ treffenden Kreise verpflichtet, sich mit dem Landeskomitee und der Landtagsfraktion in Verbindung zu setzen.“ Ferner findet noch ein Antrag des Gen. Cramer Annahme, wonach das Landeskomitee eine eigene Bericht⸗ erstattung aus dem Landtag für die sozialdemokratische Presse einzurichten beauftragt wird. In der Nachmittagssitzung steht zunächst Punkt 4: „Der Parteitag in München“ zur Verhandlung. Hierüber referiert Cramer nur kurz und es werden auch von anderer Seite keine weiteren Ausführungen dazu gemacht. Nur Weinschild⸗Offenbach möchte an die Reichstagsfraktion das Ersuchen gerichtet wissen, einer durchgreifenden Regelung der Heimarbeit näher zu treten. Dann spricht Ulrich über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Auch er faßt sich nur kurz. Die Wahl müsse eine Heerschau des Sozialismus sein. Es sei außer allem Zweifel, daß die kommende Wahl unter dem Zeichen des Zollwuchers und des Kampfes zur Erringung billiger Lebensmittel stehen. Der bevor⸗ stehende Kampf werde eine Abrechnung mit den Parteien der Zollwucherer sein, die ihre Anhänger selbst in den Kreisen der Freisinnigen und Demokraten hätten. Der Kampf müsse mit aller Kraft geführt werden, um den Herren am grünen Tisch zu zeigen, daß mit der bis jetzt betriebenen Bewucherungspolitik dem Faß der Boden ausgeschlagen wurde. In Hessen seien außer den Sozial⸗ demokraten sämtliche anderen Parteien Anhänger des Brot⸗ und Fleischwuchers. Das hätten mit aller Deut⸗ lichkeit die Verhandlungen des Landtages ergeben. Busold⸗Friedberg wünscht, daß das Landeskomitee mehr Fühlung mit den einzelnen Kreisen nehmen solle; ferner sollten in den Flugblättern die ländlichen Ver⸗ hältnisse mehr berücksichtigt werden. Letzteres betont auch David. Der Unterschied zwischen den groß⸗ und kleinbäuerlichen Verhältnissen müsse bei der Agitation mehr hervorgehoben werden. Vor allem aber solle man sich mehr als bisher in agrarische Themata vertiefen und durch geeignete Lektüre und gegenseitige Aussprache im kommenden Winter Referenten heranbilden, damit die Klagen nach Referenten verstummen.— Folgende Resolution wird beschlossen: „Die Landeskonferenz erklärt es für Pflicht aller Genossen, bei der bevorstehenden Reichstagswahl überall energisch in den Wahlkampf zu treten und dahin zu wirken, daß in erster Linie eine Heerschau über die Anhänger des Sozialismus gehalten wird. Bei etwaiger Stichwahl sind die Vertreter und Anhänger der Lebens⸗ mittelzölle unter allen Umständen niederzustimmen.“ Unter„Allgemeine Anträge“ wird ein Offenbacher Antrag, der sich auf die Beitragserhebung bezieht, mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein Antrag des Wahl⸗ kreises Groß⸗Gerau, der dahin geht, die Maife ier nur am 1. Mai abzuhalten, wird angenommen. (Diesem Beschlusse werden die Genossen nicht überall nachkommen können. Red.) Schließlich kommt noch eine vom Genossen Scheide mann beantragte Resolu⸗ tion zur Annahme, in der unter Hinweis auf die herrschende Fleischnot gegen die Grenzsperre protestlert und die hessische Regierung ersucht wird, im Bundesrate auf die Oeffnung der Reichsgrenzen hinzuwirken. Das Landeskomitee wird einstimmig wieder⸗ gewählt. Als Ort der nächsten Landeskonferenz wird Steinbach i. T. mit 45 Stimmen gewählt, Nachdem der Vorsitzende Ulrich noch einige Schluß⸗ worte an die Konferenz gerichtet, schließt er dieselbe kurz nach 4 Uhr mit einem dreifachen Hoch auf die Sozial- demokratie. — Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. N Von Nah und Fern. hessisches. Die Landtagswahlen. Wie ein Amtsblatt zu melden wußte, wäre der Wahltermin für die Wahlmännerwahlen auf Mittwoch, den 29. Oktober festgesetzt worden, während die Abgeordneten⸗ wahlen am Samstag, den 8. November stattfinden sollen.— Wenn diese Zeitangabe richtig ist, bleibt ja noch genügend Zeit für die Wahlagitation übrig. Es gilt nun aber besonders darauf zu achten, wenn die Wähler⸗ listen offengelegt werden. Dabei sei darauf hingewiesen, daß die Listen nur drei Tage zur Einsicht aufgelegt werden. Unsere Genossen, namentlich diejenigen, welche erst kürzlich die hessische Staatsangehörigkeit erworben haben, müssen deshalb rechtzeitig dafür sorgen, daß sie in die Wählerliste eingetragen werden. Die oberhessischen Kreise, in denen Neuwahlen stattzufinden haben, bieten für uns allerdings nicht die beste Aussicht auf Erfolg. Trotzdem müssen wir unsere Pflicht thun. Ueberall, wo es nur möglich ist, müssen wir uns an der Wahl beteiligen. Ministerkrise in Hessen? Mit Rück⸗ trittsgedanken soll sich Zeitungsnachrichten zu⸗ folge Staatsminister Rothe tragen. Man hat bisher b nichts gehört, auch nichts von Konflikten, die dem Minister das Amt verleidet haben könnten. Immerhin kann ja etwas Wahres an der Nachricht sein. Gießener Angelegenheiten. — Gesangverein„Eintracht“. Auf das am Samstag, den 20. Sept. im Leib'schen Saale stattfindende unseres Arbeitergesangvereins machen wir unsere Freunde nochmals aufmerksam. Die Leistungen des Vereins sind in der letzten Zeit unter Leitung seines rührigen Dirigenten recht anerkennenswerte geworden. Seine weitere Entwickelung ist im Interesse der Hebung und Ausbreitung freiheitlicher Sangeskunst unter der Arbeiterschaft recht wünschenswert. Für Unterstützung seines Festes durch die Genossen und Gewerkschaften wird der Verein sich gewiß erkenntlich zeigen, indem er jenen ihre Ver⸗ anstaltungen verschönern hilft. — Die Holzarbeiter Gießens ver⸗ anstalten diesen Sonntag von Nachmittag 3 Uhr ab eine gesellige Zusammenkunft im „Wiener Hof.“ Durch Deklamationen, Gesangs⸗ Vorträge, Preisschießen und Verlosungen soll für eine gute und gemütliche Unterhaltung gesorgt werden. Selbstverständlich sind auch die Mitglieder anderer Gewerkschaften will ⸗ kommen und es ist zu wünschen, daß sie sich nebst ihren Familien recht zahlreich einfinden. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben. — Von einem verkrachten sozial⸗ demokratischen Konsumverein wußte der„Gieß. Anz.“ dieser Tage zu erzählen. Damit stellt das Amtsblatt seiner Objektivität ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Es müßte wissen, daß es sozialdemokratische Konsumvereine nicht giebt. Den Genossenschaften ist politische Bethätigung gesetzlich untersagt, sie müssen vollkommen neutral sein. An diesem ihren unpolitischen Charakter wird auch nichts ge⸗ ändert, wenn hier und da Sozialdemokraten in der Leitung thätig sind. Aus dieser Notiz leuchtet nur die Absicht, gegen unsere Partei zu hetzen, mit aller Deut⸗ lichkeit hervor. Es wird darin noch mitgeteilt, daß die Bilanzen gefälscht worden seien und daß die Vorstandsmitglieder des Vereins— es handelt sich um den Konsumverein Sanders⸗ dorf bei Halle— deswegen zu 5—60 Mk. Geldstrafe verurteilt wurden. Wenn solche gelinde Strafen gegen Sozialdemokraten ver⸗ hängt werden, dann können die Vergehen wirk⸗ lich nicht schwer sein. Aber wenn es nun wirklich ein sozialdemokratischer Konsumverein wäre, der da verkracht ist,— vorausgesetzt, Stiftungsfest Ungeheuerliches passiert? Besonders erfreulich wäre die Geschichte ja nicht, aber brechen denn nicht tagtäglich bürgerliche Unternehmungen zu⸗ sammen, deren Leiter sich viel schlimmere Dinge zu schulden kommen ließen und wo es sich um eine hundert⸗, um tausendmal höhere Schuldenlast handelt? Aber die Gelegenheit, unserer Partei eins anzuhängen, darf man sich doch nicht entgehen lassen!— Da wir gerade bei dem Anzeiger sind, sei noch bemerkt, daß das edle Blatt neulich recht schnell bei der Hand war, die Mär von dem durchgebrannten Vertrauens- mann in Koburg weiter zu verbreiten, eine Berichtigung brachte es aber nicht, als sich die Geschichte als Schwindel herausstellte! Aus dem Rreise gießen. — Ein Eisenbahn⸗Unfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag auf Station Lollar. Dort zertrümmerte der Schnellzug Frankfurt⸗Kassel, der Gießen nachts 12.36 ver⸗ läßt, einen im Hauptgeleise stehenden leeren Personenwagen. Dabei wurde auch die Maschine des Zuges beschädigt, der infolgedessen eine dreiviertelstündige Verspätung erlitt. Glücklicher⸗ weise kam Niemand zu Schaden. Auffällig ist, daß der Stationsbeamte das Signal zur Durch⸗ fahrt us hat und nichts davon gewußt haben soll, daß der Wagen im Wege steht.— Der demolierte Wagen wurde noch eine ziemliche Strecke weit fortgeschoben, bis der Zug zum Stehen kam. — Heuchelheim. Am Sonntag Nacht wurde ein junger Mann von hier, der in Be⸗ gleitung eines Mädchen von der Krofdorfer Kirmeß zurückkehrte, am Windhof von zwei Burschen überfallen und roh mißhandelt. Er wurde erheblich verletzt und mußte ärztliche Hilfe suchen. Aus dem Rreise sriedberg⸗Büdingen. Krieg im Frieden. Alljährlich fordern die Manöver ihre Opfer. Bei Heldenbergen kam am Dienstag bei einer Attacke ein Husar des 13. Regts. dadurch zu Tode, daß er vom Pferde stürzte und ihm von den nachfolgen⸗ den Pferden die Brust eingetreten wurde. Der Verunglückte starb bald darauf. Weiter starb in der Nähe von Hüttengesäß ein Soldat des 80. Inf.⸗Regts. am Hitzschlag. Zahlreiche andere Soldaten wurden in Folge der Hitze marode. — Herr Hirschel, der Antisemiterich, zieht jetzt wieder tapfer aus, um seine antise⸗ mitisch⸗zollwucherische Weisheit zu verkünden. Am Sonntag hielt er in Ober- Mörlen— einem Zentrumsorte— eine Versammlung ab, in der auch der Kaplan das Wort ergriff. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der dem Junker Oriola zu seiner zollpolitischen Gesinnung volles Vertrauen ausgesprochen wird. Das ist ein reizendes Bildchen: Junker, Pfaffe und Judenfresser treten in trauter Seelenharmonie für schamlose Auswucherung des Volkes ein! Aus dem Rreise Wetzlar. h. Freigesprochen wurde vorige Woche vom Schöffengericht ein Student, der wegen ruhestörenden Lärms angeklagt war, den er eines Nachts auf der Straße im Verein mit mehreren Freunden verübt haben sollte. Die Aufforderung des Nachtwächters ruhig zu sein, ist nicht beachtet worden. Zeugen bekunden indessen, daß der Lärm„nicht bedeutend“ ge⸗ wesen sei und so bleibt der Angeklagte straflos. Wir wünschen, daß, wenn mal ein armer Teufel sich derart wider polizeiliche Verord⸗ nungen vergangen hat, er auch so milde Richter finden möge, wie der Herr Student. Wir raten aber, nichts darauf zu riskieren. h. Umsturz in der Bibel. Nicht Alles was in der Bibel steht gefällt den Frommen. Es befinden sich viele Stellen darin, die gegen die besitzenden Klassen gerichtet sind und die Armen und Arbeitenden auffordern, sich des Druckes zu entledigen. Wie unangenehm das manchem Ordnungsmenschen durchaus ist, beweist ein„Eingesandt“ im„Weilburger Tageblatt“ daß es solche gäbe— was wäre denn da so vom 4. September. Dieses lautet: Offener Brief an die Synode. Wäre es nicht an der Zeit 1. solche Evangelien zur Unterlage für die Predigt zu vermeiden, wie z. B. die Evangelien von den nicht⸗ arbeitenden Bienen und Lilien, dem Kameel und dem Nadelöhr und dergl., 2. als zu verlesende Worte solche Bibelstellen zu wählen, in denen keine Ausdrücke vorkommen, die man im Beisein anständiger Mädchen nicht braucht(31. August 1902), 3. an den Sonntagen, die patriotischen Gedenktagen zunächst liegen, dieser mit kurzen Worten zu gedenken? Winterberger, Oberst a. D. Der fromme Oberst möchte gewiß gerne die Bibel in einer Neuauflage erstehen sehen, die nur für den Gebrauch des Volkes bestimmt ist und die„gottge wollte Ordnung“ in jeder Be⸗ die ne verherrlicht. Denn es taugt nicht für ie Unterdrückten und Ausgebeuteten, wenn sie in der Bibel z. B. die folgenden Verse lesen: „Verlasset Euch nicht auf Fürsten, fie sind Menschen, die können ja nicht helfen!“(Psalm 146, 3.) „Was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott!“(Lukä 16, 15.) „Ihr wißt, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt, so soll es nicht sein unter Euch!“(Matthäi 30, 25.) Oder wenn den Haus⸗ und anderen Agrariern zugerufen wird(Jesaias 3, 18): „Wehe Euch, die Ihr Haus an Haus reihet und Acker mit Acker verbindet, bis kaum Platz mehr übrig ist. Wollt Ihr denn allein wohnen im Lande?“ Jesus Sirach scheint mit der damaligen Ordnung auch nicht auf bestem Fuß gestanden zu haben, er schrieb höchst umstürzlerische Sachen. Was im Kapitel 13 fleht, paßt zum größten Teil noch in die heutige Zeit. Da heißt es im Vers 4 u. s. f.: „Der Reiche thut Unrecht und trotzt noch dazu; aber der Arme muß leiden und dazu danken. So lange Du ihm nütze bist, braucht er Dein; aber wenn Du nicht mehr kannst, so läßt er Dich fahren.—— Darum siehe zu, daß Dich Deine Einfältigkeit nicht betrüge.“ Und weiter: „Wie der Löwe das Wild frißt in der Haide, so fressen die Reichen die Armen. „Wenn ein Reicher nicht recht gethan hat, so sind Viele, die ihm überhelfen; wenn er sich mit Worten vergriffen hat, so muß man es lassen recht sein. Wenn aber ein Armer nicht recht gethan hat, so kamn man es ausnutzen; und wenn er gleich weis lich redet, so findet er doch keine Statt. Wenn der Reiche redet, so schweigt Jedermann, und sein Wort hebt man in den Himmel. Wenn aber der Arme redet, so spricht man:„Wer ist der?“ Und so er fehlet, muß er herhalten!“ Und wie gegen die Brotwucherer gerichtet, liest sich Kapitel 34, 25: „Der Arme hat nichts, denn ein Wenig Brods; wer ihn darum bringt, ist ein Mörder.“ Den profithungrigen Ausbeutern ruft er aber zu: „Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht giebt, ist ein Bluthund!“ Gegen solche verderbliche Einwirkung muß der Arbeiter natürlich geschützt werden! Aber wer darauf hin die Bibel revidieren wollte, meint unser Frankfurter Parteiblatt, würde auch öfter auf Sentenzen stoßen, in denen von — Heuchlern und Pharisäern die Rede ist. Und dann wird er wohl an seine Brust schlagen und die Verfälschung der Bibel unterwegs lassen. Aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain. St. Die Fleischnot macht sich hier, wie überall in Deutschland, in recht unangenehmer Weise fühlbar. Jetzt kostet schon ein Pfündchen Rindfleisch 68 Pfg. und Schweinefleisch die geringere Ware 75 Pfg. das— Weitere Preissteigerungen werden angekündigt. Die Metzger können nur unter großen Schwierig⸗ keiten das benötigte Schlachtvieh erhalten und dabei ist manches Stück Vieh darunter, das unter normalen Umständen schwerlich der Schlachtbank zum Opfer fiele. Dabei schreibt aber die hiesige agrarisch⸗konservative„Ober⸗ hessische Zeitung“ in ihren Leitartikeln, daß in Deutschland von einer Fleischnot nichts zu spüren und Schlachtvieh reichlich vorhanden sei. Eine Anzahl hiesiger Metzgermeister forderten deshalb den Redakteur obigen Blattes, Freiherrn v. Wangenheim, in einem„Eingesandt“ in der„Hessschen Landeszeitung“, unter Bezug⸗ S E 2 Seer e f 4 die Muddigt nn t hen Lantel dtbelselen zu n, die man 1. Munk a Scene u scherkn; Oberst d. D. i gerne die 1 hen, die bestimmt it in jeder Be⸗ igt nicht für 8 wenn sie Bekse lesen: sud Nenschen, daz ist ein herrschen und nicht sein untet en Agrariern aus reihet und laß ncht übrig Lande?“ er damaligen uß gestanden tische Sachen. zum größten Da heißt es noch dazu; aber So lunge Du denn Du nicht znsltigleit nicht der Halde, o 1 hat, so stub 4 mit Worten cht dein. gehen hat, 0 gleich wallig Jdermann, und icht man:„De ir bee Beuig Prod; * tuft er 0 giebt,* Awirkung uud „den! Abel Nr. 37. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. nahme auf jene Artikel über den Viehreichtum, auf, ihnen das nötige Schlachtvieh in der Um⸗ gegend einzuhandeln!— Parteigenossen! Auch an diesem kleinen Beispiel kann man deutlich ersehen, daß, wie schon Dr. David in der roßen Protestversammlung in, Mainz aus⸗ ührte, die agrarisch⸗konservativen Lebensmittel- Verteurer das arbeitende Volk noch obendrein mit Hohn und Spott behandeln. Sollen wir uns das so ruhig gefallen lassen?— Nein!— Hier muß entschieden dagegen protestiert werden; wir möchten deshalb empfehlen, ähnlich wie in vielen anderen Städten, auch in Marburg eine öffentliche Protestversammlung gegen die künst⸗ liche Lebensmittelverteuerung einzuberusen.— Ob unsere Stadtväter in ihrer nächsten Sitzung etwas in dieser Angelegenheit, wie anderwärts geschehen, thun werden, ist sehr zu bezweifeln. — Die Steinhauer von hier und Um⸗ gegend hatten am vorigen Sonntag Nachmittag ein Sommerfest bei Gastwirt A. Metzig in Ockershausen veranstaltet, welches zahlreich besucht war. Abends fand im Saale noch ein Tänzchen statt, wobei es recht gemütlich zuging. Hoffentlich nimmt auch die Organisationsarbeit bei den Steinhauern einen erfreulichen Fortgang. — Eine Diebesbande treibt in letzter Zeit hier nächtlicherweile ihr Unwesen und scheint es speziell auf die Reichtümer des Geh. Rats v. Behring abgesehen zu haben. So wurde dieser Tage zunächst in das im Stadt⸗ park gelegene schloßartig gebaute Privatinstitut desselben eingebrochen und aus einem Schreib- tisch im Arbeitszimmer des Gelehrten eine wertvolle Münzsammlung entwendet. Kurz darauf versuchten die Diebe einen Einbruch in die am Schlag gelegene Villa des Herrn v. Behring. Sie hatten bereits ein Loch durch die Außenwand des Hauses gebrochen, wurden aber dann verscheucht. a — Auch eine Sedanfeier. Ein Mau⸗ rerpolier aus Ockershausen, strammer Kriegervereinler, konnte es sich nicht versagen, mit seinen Leuten den Tag von Sedan auf der Arbeitsstätte, einem Steinbruch bei Gissel⸗ berg, festlich zu begehen. Es wurde tüchtig gezecht und flammende patriotische Toaste aus⸗ gebracht. Wie es aber in puncto Arbeiter⸗ behandlung, Arbeitszeit, Lohn usw. in jenem Steinbruch aussieht, darüber können Viele, die dort gearbeitet haben, ein Liedchen singen. — Auf der Kirmeß. Der Kirmeßsonntag endete in Mornshausen bei Gladenbach in recht ungemütlicher Weise. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf ein Bursche aus Wommelshausen, mit Stöcken und Messern derart bearbeitet wurde, daß man ihn schleunigst nach der Marburger Klinik verbringen mußte, wo der Transport kurz vor Tagesanbruch anlangte. Der Zustand des Verletzten wird als sehr bedenklich bezeichnet.— Also wieder ein Beitrag dafür, daß auch außerhalb der Mauern der Großstädte gesündigt wird, welch' letztere pfäffische und antisemitische Demagogen und Bauernfänger als Inbegriff aller Laster hinstellen. Antisemitisches. Folgende plumpe und alberne Bemerkung leistet sich das Offenbacher Antisemitenblatt. Der Mitteilung, daß der belgische Genosse Vandervelde sich an dem Münchener Parteitag beteiligen würde, fügt es hinzu:„Wie wir er⸗ fahren haben, handelt es sich hierbei vornehm⸗ lich um die Gründung eines soz taldemo⸗ kratischen Millionärklubs, für dessen Gründung sich in Deutschland die i Herren Singer, Arons, v. Vollmar, Sabor, Baumann⸗Frankfurt u. A. vornehmlich interes⸗ sieren.“ Welch geistreicher Witz! Der wird gewiß durchschlagen! Wie wäre es denn, wenn Herr Hirschel dann bei dem Klub einen Pump⸗ versuch machte? Der antisemitischen Kasse könnte wohl einiger Zufluß nicht schaden zun das Geld sozialdemokratischer„Millionäre“ ist sicher Herrn Hirschel ebenso willkommen, wie das jüdischer Parlamentsjournalisten. Träger des vornehmsten Rockes. Der Leutnant Lambeck aus Metz erschoß sich mit seiner Geliebten in einem fränzösischen Badeorte. Seine Geliebte war die Gattin eines Hauptmanns, mit welcher er durch⸗ gebrannt war.— In Leipzig wurde am 2. Sept. vor dem Kriegsgericht gegen den Leutnant Friedrich Weiß vom 107. Regiment, der bis zu seiner vor einiger Zeit erfolgten Festnahme zum Telegraphen⸗Bataillon nach Berlin abkommandiert worden war, wegen Fahnenflucht, vorsätzlich falscher dienstlicher Meldung und wider natürlicher Unzucht verhandelt. Die vierstündige Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, Weiß mit der Verurteilung des Angeklagten Weiß unter Anrechnung von drei Wochen der Untersuchungshaft zu dreizehn Monaten Gefängnis, außerdem wurde auf Dienst⸗ entlassung des Verurteilten erkannt. Wegen Gefährdung der Disziplin und der Stttlichkeit wurden die Urteilsgründe in geheimer Sitzung verkündet. Aus frommen Zirkeln. Höchst unsaubere, für die christ⸗katholischen Gläubigen sehr beschämende, aber keineswegs seltene Dinge berichtet man aus Salzburg. Dort wurde im März der Oberlehrer Gubert in Niedernsill wegen Schändung von Schulmäd⸗ chen zu acht Monaten schweren Kerkers ver⸗ urteilt. Der würdige Pädagoge war ein eifriger Klerikaler, und seine Parte reh hatten auch alles aufgeboten, um ihn vor der drohenden Strafe zu retten. Das klerikale Gemeindeausschußmitglied Jakob Boni mair, Obmann des Ortsschulrates von Niedernstll, hatte nun die Kühnheit, die Lehrer von Niedern⸗ sill zu beschuldigen, sie hätten die Schulmädchen zu falschen Zeugenaussagen verleitet. Die Lehrer klagten, worauf der Angeklagte den Wahrheitsbeweis anbot. Die Verhandlung fand in Mittersill statt. Es wurden mehrere Zeugen vernommen. Der Wahrheitsbeweis mißlang vollständig, worauf der Richter den Angeklagten zu 3 Wochen Arrest verurteilte. Das Interessanteste ist nun, daß auf der Fahrt zum Gericht zwei Zeuginnen ein von dem klerikalen Oberlehrer geschändetes Mädchen zu überreden suchten, es solle zu Gunsten Boni⸗ mairs aussagen; sie drohten ihm zugleich mit der Hölle und ewiger Verdammnis. Zufällig saß in demselben Wagen ein Beamter, der alles mitanhörte und die Anzeige erstattete. Die klerikalen Musterzeuginnen werden sich wegen Verleitung zu falscher Aussage zu ver⸗ antworten haben. Auf den kleinen Antillen nehmen die vulkanischen Eruptionen noch kein Ende. Nach dem kürzlichen Ausbruch des Mont Pelé erfolgte am 2. und 3. September ein schrecklicher Ausbruch des Soufrière arf der Insel St. Vinzent. Am 3. Sept. wa der Vulkan die ganze Nacht glühende Massen aus, daß der Gouverueur die Bewohner der in der Nähe befindlichen Orte zum Verlassen ihrer Wohnsitze aufforderte. Menschenleben sind nicht verloren gegangen. Die Depeschen besagen, das Schicksal der karaibischen Inseln scheine besiegelt zu sein. Der letzte Ausbruch ist heftiger gewesen als der im Mai. Kleine Mitteilungen. * Zu erschießen versuchte sich ein 18 jähriges Mädchen, die Tochter eines Eisenbahn⸗ beamten in Hanau. f * Schwer verbrannt hat sich das drei⸗ jährige Kind Willy Bauer in der Frauenlob⸗ straße in Mainz. Es hatte mit Streichhölzern espielt, wodurch die Kleider in Brand gerieten. ie erlittenen Brandwunden machten seine Aufnahme ins Hospital nötig. „ Wegen Weinpantscherei verurteilte die Mainzer Strafkammer den Weinhändler Paul zu 1000 Mk., den Landwirt Holzmann zu 300 Mk. und den Ackerburschen Fettum zu 150 Mk. Geldstrafe. * Zwei Arbeiter erstickten in Trier beim Entleeren der Abortgrube einer Kaserne. * Brüsewitzerel. Wie unserem Breslauer Par⸗ teiorgan aus Neiße berichtet wurde, hatten mehrere dort einquartierte Gardeartilleristen den Urlaub über⸗ schritten. Sie wurden von dem Infanterie⸗Leutnant angetroffen und flüchteten in einen Stall. Als der Kanonier Jürgensen den Versuch machte, unbemerkt aus dem Stalle zu entkommen, erhielt er von dem Leutnant mehrere sehr gefährliche Stiche mit dem Degen. — Also wegen ganz geringfügiger Ursachen ein Menschen⸗ leben gefährdet! Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. . Der Maurerstreik in Köln ist nach vierwöchiger Dauer im Allgemeinen beendet. Etwa 70 Prozent der in Köln vor Ausbruch des Streikes beschäftigten Maurer arbeiten zu der neuen Bedingungen. T Die Gewerbegerichtswahl in Glogau endete mit einem glänzenden Siege der vom Gewerkschaftskartell aufgestellten Arbeit⸗ nehmerkandidaten. Auf diese entfielen 342 Stim⸗ men, während die Kandidaten der Hirsch⸗Duncker⸗ schen nur etwa 60 Stimmen erhielten. F Die Bauglaser in Berlin sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Außer Ab⸗ schaffung der Akkordarbeit fordern ste einen Stundenlohn von 56 Pfg. bei 9 stündiger Arbeitszeit. Weitere untergeordneten Forde⸗ rungen haben die Arbeitgeber bereits bewilligt. Rechtssprechung. Eine wichtige, aber auch durchaus zutreffende Entscheidung fällte das Gewerbegericht zu Lübeck. Zwischen der Inn⸗ ung Bauhütte und der Lohnkommission ist ein Vertrag über die Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen abgeschlossen worden, in dem festgelegt ist, daß nur für die thatsächlich geleistete Arbeit ein Lohnanspruch erhoben werden kann. Auf einem Bau haben nun die Arbeiter 3¼ Stunden wegen Mangels an Material feiern müssen, und der Bauherr verweigerte auf Grund des Vertrages die Entlohnung. Das Gewerbe⸗ gericht entschied, daß eine Entschädigung für die 3¼ Stunden zu erfolgen habe. Der Ver⸗ trag beruhe auf bürgerlichem Recht und die Bestimmungen des Vertrages seien keineswegs als bedeutungslos bei Seite zu schieben. Zweifellos brauche der Arbeitgeber nicht zu bezahlen, wenn der Arbeiter durch einen in seiner Person liegenden Grund die Arbeit aus⸗ setzte. Der vorlie zende Fall liege aber anders, das Verschulden der Aussetzung der Arbeit trage der Meister, weil kein Material zur Stelle gewesen. Unter solchen Umständen müsse nach dem allgemeinen Recht, das natür⸗ lich zur Erläuterung der Bedingungen heran⸗ zuziehen sei, für die 3¼ Stunden der Lohn gezahlt werden. Nach dem Vertrage ist der Arbeiter auch verpflichtet, sich einen halben Tag zur e des Arbeitgebers zu halten. Das habe der Kläger gethan, und so könne der Arbeitgeber nicht hinterher sagen, er wolle für diese Zeit nicht bezahlen. Eine solche Ab⸗ machung verstoße gegen das Recht und die gute Sitte. Versammlungskalender. Samstag, den 13. September. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Bericht von der Landes⸗ konferenz. Montag, den 15. September. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag, den 16. September. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Briefkasten. E. W. Wetzlar. Sie müssen uns Ihre genaue Adresse angeben, sonst können wir Ihre Zuschrift nicht veröffentlichen. Sie können sich auch an unsern Ver⸗ trauensmann A. Fauth, Sophienstraße 26 wenden. Marbg. R. Ueber die Stimmverhältnisse im Kr. Siegen giebt ja der Arbeiter⸗Notizkalender Auskunft. Unsere Partei erhielt nur 393 St. 3—...... Der Neue Welt⸗Kalender für 1908. Preis 40 Pfg. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. —— ——ů p 2— Seite 6. MNitteldeutsche Seuntags⸗Zeitung. Nr. 37. 0 10 Unterhaltungs-CTeil. 7 ———— Kampfspruch. Wenn die Winde dich umwettern, Caß das Jammern, laß das Setern, Trotz' den Blitzen, steh' dem Sturme Und das Winden laß dem Wurme! Wenn um dich die Trümmer rauchen, Sollst du deine Kräfte brauchen Und aus Schutt und Aschengrauen Neu dein stolzes Haus dir bauen. Wenn mit Stich und Stoß die vielen Feinde nach der Brust dir zielen, Laß den starken Spruch dich lehren: Viel der Feinde, viel der Ehren! Wirf dich mitten ins Gedränge, Treib die Feinde in die Enge, Nur dem starkgemutgen Ringen Folgt ein mächtiges Gelingen. (Aus Arnold Ott's Gedichten,) Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus, Von Heinrich Zschokke. 16)(Fortsetzung). Die Goldenthaler mußten oft selbst bei sich lachen, wenn man ihr Dorf im Scherz das Goldmacherdorf nannte. Denn der Oswald verstand sich auf die Obstbäume, und wo er in den Gärten der vornehmen Herren in der Stadt gute, feine Obstsorten wußte, ging er und bat um Zweige. Dann hatte er seine jungen Leute an der Hand, die von ihm das Pfropfen, Zweigen und Aeugeln gelernt hatten. Recht wie Gärtner gingen sie damit um. Sie hatten wirklich besondere Messer dazu. Nun wollte der Nachbar links und der Nachbar rechts in seinem Garten und auf seinem Felde bessere Frucht vom Baum. Da ward nun oaulirt und gepfropft nach Herzenslust. Manche Bauern hatten sich junge Wildlinge aus den Wäldern 1 55 und veredelt. Andere hatten aus Samen Bäume gezogen und Baumschulen angelegt. Jeder wollte es besser machen und besser haben, als der andere. Im Eifer wurde die Sache oft von manchen übertrieben. Nun konnte man sich's in der Stadt wohl erklären, wie die Goldenthaler von Jahr zu Jahr immer schöneres und immer mehr Obst hatten, woraus sie bei gutem Jahrgang so viel Geld löseten. Das war kein Hexenstreich. Aber keine große Viehheerden haben, und doch viel Käse und Butter machen, das war allerdings ein Kunststück! „Das Kunststück hatte Oswald aber, während seines Krieglebens, irgendwo in einem Dorfe gesehen und gelernt, und mit sich nach Golden⸗ thal gebracht. Es war gar artig. Die Leute wollten anfangs gar nicht daran; hintennach aber wußten sie ihm großen Dank. Er machte es nämlich so: Er ging herum mit seinen Verbündeten, die Kühe hatten, und sagte: Ihr habet von euern Kühen schlechten Nutzen. Man muß von einer Kuh jährlich wenigstens fünfzig bis hundert Gulden baares Geld lösen. Wollet ihr mit mir einstehen, so will ich's machen. Werbet dazu noch andere an, die Kühe haben. Es gehören wenigstens vierzig bis fünfzig Kühe zusammen: dann geht's.“ Als nun die vierzig bis fünfzig Kühe gefunden waren, sagte er:„Nun geht's!“ Er kannte einen geschickten, rechtschaffenen Senn, der das Butter⸗ und Käsemachen als ein Meister verstand. Dem versprach er zweihundert Gulden Jahrlohn; dafür mußte sich derselbe aber Kerzenlicht, Tücher und Waschlumpen selbst anschaffen, so zum Käsemachen und Reinhalten der Gefäße und der Waare nötig waren. Geschirr und Salz schaffte Oswald auf Rechnung der Teilnehmer an, von denen drei redliche Männer zu Aufsehern bei dem neuen Gewerbe ernannt wurden für das erste Jahr. Im ehemaligen Wirtshause zum Adler war der beste Platz* Käsemachen: ein guter kalter Milchkeller, ein großer Keller in dem eräumigen Waschhaus. Der Eigentümer gab 5 Platz her, denn er hatte fünf Kühe, und wollte die Probe mitmachen und sehen, was dabei heraus komme.— Nun mußte Holz auf Unkosten aller herbeischafft werden. Es kam. Dann bestimmte Oswald einen Tag, da mußten alle, die zur neuen Käserei gehörten, ihre Kuh⸗ milch in äußerst sauber gewaschenen Gefäßen bringen. War das Gefäß nicht sauber, nahm der Senn die Milch nicht an; das war Gesetz. Nachher machte man aber das Gesetz noch schärfer. Der Senn maß die Milch, und schrieb unter eines jeden Namen, wie viel derselbe gebracht habe. Jeder konnte es sich auch auf⸗ zeichnen. So brachte jede Haushaltung alle Tage Morgens und Abends die Milch ihrer Kühe. Von fremden Kühen aber durfte man bei schwerer Strafe keine Milch bringen. Die gesamte Milch eines Tages goß der Senn in der Milchkammer zusammen, und bereitete daraus Butter und Käse. Das gab schöne, frische, große Ballen; zudem noch Käse⸗ wasser, im Sommer ein gesundes, kühlendes Getränk. Nun war die Frage: Wem gehört die schöne Menge Butter und Käse von jedem Tag? Denn alle Tage war eine solche Partie von der Milch aller Kühe der Beigetretenen fertig. Es hätte sie jeder gern gehabt, um in die Stadt damit zu laufen. Das richtete man folgendermaßen ein: Alles, was die zusammengebrachte Milch eines einzigen Tages an Butter, Käse usw. abtrug, ward auch nur einem einzigen Teilhaber mit einem Male gegeben, und zwar demselben, dem man die meiste Menge Milch in der Käserei schuldig geworden war.— In den ersten paar Tagen freilich bekamen die Ersten weit mehr an Käse und Butter, als sie Milch gebracht hatten; denn sie bekamen ja das, was aus der Milch von allen Teilhabern gemacht war. Allein nun wurden sie für so viel, als sie zu viel bekommen hatten, den Uebrigen schuldig, und was sie schuldig geworden waren, ward ihnen von Tag zu Tag an der Milch abgezogen, die sie brachten. Das ging so lange, bis sie alle Schuld abgethan und an Milch wieder mehr zu gut hatten, als die Uebrigen. Dann bekamen sie wieder die an einem Tage bereitete Waare. Unterdessen aber hatte auch der, welcher nur eine einzige Kuh besaß, und alle Tage nur ein paar Maß Milch bringen konnte, nach und nach mehr zusammen gebracht, als jeder von den Uebrigen, wie man das wohl im Milchbuche aufgeschrieben sand. Und nun empfing er die Frucht des Tages, bei andert⸗ halb Zentner Butter und Käse mit einem Male. Die Butter konnte jeder den Tag gleich mit sich nehmen, da sie fertig war; Buttermilch, Käsewasser gehörten ihm auch. Den Käse aber ließ man so lange im Keller, bis er gehörig fest und gut war. Allemal an dem Tage, da einer das Recht hatte, die aus der Milch bereitete Waare zu beziehen, mußte er dem Senn bei der Arbeit helfen und ihm handlangen, und saubere Handtücher, Linnen, und was nötig war, herbeischaffen. Zuerst war den Goldenthalern das ganze Wesen bedenklich und es meinte Jeglicher, er komme zu kurz dabei. Wenn Einer aber seine Menge Käse und Butter empfing, und nun nachrechnete, wie viel Milch er gegeben: so war er hocherfreut. Und es fand sich am Ende des ersten Jahres schon, daß auf diese Weise der mittlere Ertrag und Gewinn von einer Kuh über 160 Gulden jährlich stieg, und zwar nach Abzug aller Unkosten. Das war doch ein schöner Zins! Nun begriff man auch bald, woher das komme. Denn je frischer die Milch und je mehr, je besser wird die Waare daraus. So was konnte eine einzelne Familie für sich allein beim Aufsammeln ihrer Milch nicht leisten.— Ferner: sonst war in den Haushaltungen manche Maß Milch verschlampt und verzehrt, jetzt in den Milchkeller der Käserei an Zins lng Sonst verlor man viel Zeit, oder hatte eine Zeit, selber Käse zu machen; jetzt ging das von selbst. Sonst kostete es— Holz zum Kochen; jetzt war es eine große olzersparnis. Einige Goldenthaler versuchten anfangs zwar mit ihrer Milch Betrügereien; aber man machte bald so strenge Gesetze, daß es keinem mehr in Sinn kam, zu betrügen, er hätte denn um alle seine gebrachte Milch bestraft und aus der Gesellschaft gestoßen sein wollen. Die Einrichtung aber brachte noch einen Vorteil, an den vorher kein Mensch gedacht hatte. Nämlich, weil jeder gern viel Milch gebracht hätte, um bald viel Käse und Butter davon zu haben, besorgte jeder sein Vieh besser, als ehemals; baute künstliche Grasarten an, die viel Milch erzeugen; suchte sich eine größere Kuh zu verschaffen, statt der schlechten kleinen, oder stellte zwei Kühe in den Stall, wo er vorher nur eine hatte. Und weil nun jedem daran galehen war, daß man keine Milch von einer kranken oder kalbenden Kuh bekomme, hatten die drei erwählten Aufseher Macht und Recht, zu jeder Zeit in die Ställe zu gehen, und die Pflicht, alle halbe Jahre darin Umgang zu halten. So ward über die Gesundheit alles Viehes wachsames Auge gehalten. 21. Vom neuen Gemeindevorsteher und dem Löwenwirt. „Der Oswald ist doch ein Sn und Tausendsassa!“ sagten die Goldenthaler lachend, wenn er wieder etwas angegeben hatte, das gelungen war. Und es gelang ihm ziemlich alles, was er anfing, denn er fing nichts ohne Vorbedacht an; er übereilte und überhaspelte nichts, sondern that einen Schritt um den andern, und nahm nie mehr auf seine Schultern, als er tragen konnte. Nun hätte man wohl glauben sollen, der Schulmeister habe sich und seine herzige Elsbeth mit Arbeiten überladen gehabt. Keineswegs; er wußte alles so einzurichten, daß zuletzt immer andere ihm einen guten Teil der Arbeit ab⸗ nehmen konnten. Sogar in der Schule hatte er wenig zu thun, denn er hatte sich da einen geschickten jungen Bauernsohn, Namens Johan⸗ nes Heiter, nachgezogen. Der war von armen Eltern, und Oswald gab ihm bei sich Wohnung und Kost aus der Garküche, und unterrichtete ihn in gelehrten Dingen. Oswald hatte seinen Johannes sehr lieb, und dieser war in der Schule so meisterlich zum Unterricht, daß er Oswalden gleich kam. Und die Kinder liebten den Johannes, denn er war sanft und freundlich, und machte ihnen das Lernen beinahe noch leichter, als Oswald. Dieser ging oft ganze Tage seiner Feld⸗ und Gartenarbeit nach, und freute sich, wenn er sah, wie im Dorfe alles nach und nach anders ward. 8 Und wirklich war es seltsam zu sehen, wie Leute, die vorher arme Schlucker gewesen, nach und nach sich von Schulden frei machten, und wie ihre Häuser ein stattliches Ansehen bekamen; hingegen, wie vormals wohlhabende Bauern, die in ihrer alten Gewohnheit verblieben, nach und nach arm wurden, weil sie das ihrige verwahrloseten, verlumpten, versoffen, verpro⸗ zessierten, verspielten. Die zweiunddreißig Bundesgenossen Oswalds hielten sich wacker und waren, allenthalben voran, wo eine neue Einrichtung von ihm gemacht ward. Ihr Beispiel munterte dann viele Nachbarn auf, es auch so zu machen. Die jungen Bursche, welche Oswald am Sonn⸗ tage unterrichtete, und die Mädchen aus Elsbeths Nähschule trugen bei ihren Eltern nicht wenig zum Guten bei. Andere aber waren und blieben im Dorfe unverbesserte Lumpen. Und an der Spitze des schlechten Volks stand der Löwenwirt Brenzel. Dieser war ein geschworner Feind aller neuen Ein⸗ richtungen. Er fluchte beständig auf die Neuerer, und sagte, die Religion gehe dabei zu Grunde; es müsse anders kommen; so könne es nicht länger gehen. Doch hielt ihn der Herr Pfarrer, welcher ihn viel besuchte, immer im Zaum, daß er nicht viel Böses thun konnte. Dazu kam, daß Brenzel seine Hauptstütze, nämlich den dritten Gemeindsvorsteher, von seiner Seite lltern, als er . en, nach Jactten, und u belamel! de Bauer, ben, nach Nr. 37. Mitteldeuische Sonntags⸗geitung. Seite 7. Spaten Stehleitern verlor. Dieser hatte schon längst bemerkt, daß es mit seiner Wirtschaft den Krebsgang gehe, und sich darüber aus Verdruß dem Trunk ergeben, daß er keinen Tag nüchtern war. Und um schneller wieder reich zu werden, hatte er in mehrere Lotterien gesetzt und sein Geld verlottert, bis er nichts mehr hatte. Da kamen die Gläubiger, denen er schuldig war, und nahmen ihm das Letzte. Nun mußten neue Gemeindsvorsteher gewählt und der hohen Landesobrigkeit vorgeschlagen werden. Da gab es zwei Parteien. Die Lumpen wollten einen oder zwei ihres Gleichen, denen sie schuldig waren, die rechtschaffenen Leute aber wollten das nicht. Es war viel Zanlks. Viele fragten den Herrn Pfarrer darüber, wenn er sie nach seiner Gewohnheit besuchte. Er aber antwortete ihnen und sprach: „Ich wundre mich sehr, daß keiner von euch noch an den braven Mann gedacht hat, der euch schon so viel Nutzen gestiftet, der so klug, so menschenfreundlich und so thätig ist. Ich meine den Schulmeister. Wenn ihr den wählet, so habet ihr den rechten Mann an der Spitze. Freilich, er gehört nicht zu denen, die sich zu einer Ehrenstelle drängen. Aber eben deswegen muß man zuerst auf ihn achten. Denn die, welche um Ehrenstellen werben, und andern den Rang ablaufen wollen, haben gemeiniglich Nebenabsichten. Sie sind stolz und ehrgeizig, wollen nicht das Beste der Gemeinde, sondern ihren Hochmut befriedigt sehen.“ (Fortsetzung folgt.) Professor Rudolph Virchow. Einer der besten und tüchtigsten Männer im deutschen Volke, ein ausgezeichneter Gelehrter und Forscher von internationaler Bedeutung und Berühmtheit, Rudolph Virchow, ist am Freitag, den 5. September, nachmittags in dem hohen Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben. Sein Tod mußte schon längerer Zeit befürchtet werden; er hatte sich im Anfang des Jahres eine Verletzung zugezogen, deren Folgen er erlag. Das Leben, welches damit sein Ende erreicht, hat zeitlich das Durchschnitts⸗ maß dessen, was sonst Menschen beschieden ist, weit überschritten. Und diese lange Lebens⸗ und Schaffenszeit, welche Virchow vergönnt war, ist bis zu seinem Ende„Mühe und Ar⸗ beit“ gewesen, sie ist ausgefüllt worden durch beispiellos emsige und enfplgreiche Thätigkeit im Dienste der Menschheit. Als Politiker stand Virchow stets in den Reihen der Opposition. Bei der Junkerkaste war er bitter verhaßt; seine Parteigänger— er gehörte erst der Fortschrittspartei und später dem Freisinn Richter'scher Richtung an— können ich ihm als Muster in Prinzipientreue nehmen. us dem inhaltreichen Leben des Verstorbenen seien einige Daten mitgeteilt. Geboren ist Virchow am 13. Oktober 1821 in Schivelbein in Pommern. Er widmete sich dem medizi⸗ nischen Studium und wirkte bahnbrechend auf verschiedenen Spezialgebieten der neueren Me⸗ dizin, besonders der Anatomie und Pathologie. Als im Jahre 1848 in Oberschlesien der Hungertyphus wütete und die preußische Re⸗ gierung den jungen Arzt Dr. Vir ch o w zum Studium der Epidemie nach Schlesten sandte, da machte sie ohne ihren Willen ihren Beauftragten zu dem eindringlichsten Ankläger ihrer selbst und des unsozialen bureaukratischen Systems, unter dem das ganze Land litt und seufzte. In seinen Mitteilungen über die Epidemie warf Virchow scharfe Schlag⸗ lichter auf das Elend der unbemittelten ober⸗ schlesischen Bevölkerung, die geistig hülflos in erschreckender Unbildung dahinlebte, sozial tief unter dem Niveau des Menschenwürdigen bleibend. Mit großer Entschiedenheit und unerbittlicher Rücksichtslosigkeit legte Virchow den Zusammenhang dar, den die Gesundheits⸗ verhältnisse eines Volkes mit seiner allgemeinen politischen und sozialen Lage haben. Natürlich konnte die reaktionäre preußische Regierung einen Mann von so„revolutionären“ Anschauungen nicht brauchen. Sie, die das Talent hatte, kaum einen Mann von hervorragender Befähi⸗ ung ungemaßregelt zu lassen, sah auch einen Virchow der preußischen Verwaltungsmisere entfliehen. Er siedelte nach Würzburg über. Im Jahre 1852 untersuchte er im Auftrage der baierischen Regierung die Ursachen der Not im Spessart, und seine Arbeit darüber schloß er im Jahre 1852, vor nunmehr einem halben Jahrhundert, mit dem Satze:„Bildung, Wohlstand und Freiheit sind die ein⸗ zigen Garantien für die dauerhafte Gesundheit eines Volkes.“ Nachdem die schlimmsten Orgien der preußischen Reaktion vorüber waren, vermochte Virchow an der Berliner Universität zu wirken. Am 6. Juni 1861 präsidierte Virchow der Versammlung, in welcher die Fortschrittspartei gegründet wurde. In der Konfliktsperiode stand er in dem Vor⸗ dertreffen des Kampfes gegen Junkertum und Absolutismus. Der Haß Bismarcks gegen den unerschrockenen Professor war so groß, daß er ihn gar vor die Pistole fordern wollte; woraus freilich nichts wurde. Dem preußischen Abge⸗ ordnetenhause gehörte Virchow von 1862 bis heute an, dem Reichstage als Vertreter von Berlin II von 1880 bis 1893.— Auch die politischen Gegner werden dem Toten ein ehrendes Angedenken bewahren. Am Dienstag Nachmittag erfolgte die Be⸗ stattung Virchows vom Berliner Rathause aus. Dort, im entsprechend geschmückten Rathaus⸗ saale, fand vorher eine Totenfeier statt, an der die Vertreter der Universität, Abgeordnete, die Mitglieder der Stadtverordneten Versamm⸗ lung, darunter auch Mitglieder der sozialdemo⸗ kratischen Fraktion, teilnahmen. Von verschiedenen Rednern wurde der Verstorbene als Gelehrter und Politiker gefeiert. Hessische Volkssitten. Von einer wenig bekannten hessi⸗ chen Volkssitte berichteten kürzlich die Hessischen Blätter für Volkskunde: der öffent⸗ lichen„Mädchenversteigerung“ zur Kirmeß. Seit dem 15. Jahrhundert sind Belege dafür zu finden, und sie ist aus dem uralten deutschen „Mailehen“ hervorgegangen. Dafür spricht auch der noch in Schwalm übliche Ausdruck „Liehstrauß“: Die Maifrau schmückt den Hut des Burschen für den Tag mit Bändern und Blumen. Durch diese symbolische Handlung wird für Beide die Verpflichtung ausgedrückt, im Laufe des folgenden Jahres nur mit ein⸗ ander zu tanzen. Giebt der Bursche den„Lieh⸗ strauß“(Lieh— Lehen) weiter, so darf dessen neuer Besitzer mit dem Mädchen tanzen. Wie. im ungarischen Schwaben hat die Versteigerung auch in Hessen vor Allem den Zweck, die Kirch⸗ weihkosten, welche die Burschen tragen, aufzu— bringen. In Großen-Buseck z. B. ziehen die Burschen eines Abends auf den Hochber mit einem Fäßchen Bier und vielem Gebäck. Dort werden nun die Mädchen versteigert. Komisch ist, daß, nachdem die Besucher sich jeder ein Mädchen ersteigert haben, der Rest der Mädchen mit„Ramsch“ verauktioniert und für ein paar Pfennige dem Meistbietenden zu⸗ Dog er wird. Ganz ähnlich ist es in Beuern. och hier stehen die Bräuche, auch in Nieder⸗ Gemünden, mehr in der Luft— es ist eher ein Spaß— während in Engelnrod das Mädchen durchaus an das Resultat der Versteigerung gebunden ist. Aber die Alten von Beuern wissen ganz gut, daß es sich ursprünglich um die ersten drei Tänze handelt, und der Bursch tanzt auch in der Regel den ersten Tanz mit dem ersteigerten Mädchen. In Engelnrod darf sich überhaupt Niemand an den„Reigen“ be⸗ teiligen, als die Burschen mit ihren„Tanzmähd“. Nach H. E. Meyer ist die Sitte des dreimaligen Vortanzes bei der Kirmeß nach dem Vorbild dreimaliger Umführung der jungen Frau um den Herd entstanden. Humoristisches. Das kommt davon. Fremder: Was ist denn heute los in der Stadt? Alles festlich geschmückt und geflaggt? Kommt vielleicht gar der Kaiser zum Besuch? Einheimischer: J wo! Das ist blos ein begnadigter Duellmörder, der heute seinen feierlichen Einzug hält.(Postill.) Schreckliches Gesicht. Meisterin:„Herjotte, die Milch is schonst wieder sauer!“— Lehrbub(aus sicherer Entfernung):„Warum kieken Se boch immer rin?“ Litterarisches. Die neueste Nummer des„Wahren Jakob“ ist zum großen Teil dem sozialdemokratischen Parteitag gewidmet. Das Titelbild zeigt den bayrischen Löwen in höͤchst fideler Stimmung; in dem zum Bild gehörigen Gedicht„Die rote Woche in München“ giebt er seinen wahren Gesinnungen unver⸗ hüllten Ausdruck.„Zum Parteitag“ betitelt sich soda nn ein Gedicht, das noch aus der Feder Max Kegels herrührt. Schließlich unternimmt es noch der„Metzger⸗ meister a. D. und nunmehriger Hausbesitzer Wurstler in München“, in einer Stammtischrede über den Parteitag seine Meinung zu sagen. Die Nummer enthält außerdem die Wiedergabe eines Porträts Theodor Metzners nebst Nachruf für den⸗ selben. Ferner ist das Gemälde des Stuttgarter Malers F. Zundel„Alter Mann“ in autotypischer Reproduktion wiedergegeben. Außerdem enthält die 12 Seiten starke Nummer eine große Anzahl humoristischer Illustrationen, Gedichte und Erzählungen. Der Preis der sehr hübsch ausgestatteten Nummer beträgt wie immer nur 10 Pfg. Geschichts kalender. 14. September. 1901: Me. Kinley, Präsident der Vereinigten Staaten,. 1804: Arnold Ruge, demokr. Schriftsteller,. 1769: Alex. v. Humbolt,“. 15. 1898: Wilh. II, Umsturzrede in Prenzlau. 1630: Astronom Kepler,*. 16. 1878: Beginn der Sozialistengesetzdebatte im Reichstage. 17. 1900: Bergarbeiterstreik in Pennsylvanien. 1870: Aug. Geib in Ketten nach Lötzen transportiert. 18. 1848: Barrikadenkampf in Frankfurt a. M. Tod der Abg. Auerswald und Lichnowsky. 19. 1901: Ende des Glasarbeiter-Generalstreiks. 20. 1901: Der chinesische Sühneprinz erhält den schwarzen Adlerorden. 18665: Annektion von Hannover, Kurhessen und Frankfurt durch Preußen. geboren; f- gestorben. Paftesgenossens Perücsschssgt bel Eulen Einkäufen die Inserate der Tuteld. Sonniags- Zeitung. KéöI:B“““““»A Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11 0 Teleson 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Ilauis- und Küchen- Geräte-Hlandlung Landwirtschaftl. Geräte Rechen Erute Stricke 0 Prahtgeslecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Messerputzmaschinen Herde und Oefen Solinger Stahlwaren und r„uU. Gaskoche Feassc hacken geldemach Silberwaren Dr. Kleins Fleischsaftpress. Fee D. Kaminka Uhrmacher Giessen, Marktplatz 18 Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ Sc n N Herren- u. Knaben ge Tuche und Buxlein Anfertigung nach Mass Markus Bauer, Giessen irchenplatz II gegenüber d. Stadtkirche, —— Ul Seite 8.* Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. At. 37. N 22 millionen 2 50 N Ferd. Mennstielf n, Gesang-Cerein Eintracht 354 S Agö Us, 954 Lea eee, 2 9. 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