in wie sie von der Gans kommen Kort. nur H. Fed. u. a kl u. dauniger 225 c. ist hin u. wied. eine aden) Halbdaunen, olldaunige Federchen niger 3.00, hochprona, derissene Fed., grau, weiß. ew. seht daunig. 4.50. 3.50, weiß 450, hoch⸗ nes. Ent 50, 1.75. in mein. Fabrik saub. olltomm. rock. klar u. uingt reell u. preiew. 3000 Ctr. Garantie: in Bettstossen serige 1 -Reetz vr. Pfd. — 5, 3.00, 3.50, ensed. 0.5, Daune 2550. Krohn, (Oderbruch. 56. Pig. — II I macher Larktplatu 18 Bezugs quelle für „ Gold⸗ rwaren ware fillionen 2 1 2 Bingen ihre, durch fri Dr. Heidenreich(nat — ——ĩ— Nr. 19. Ned aktion: Kirchenplatz 11. Schloßga — 7 1 4 N eng preis Die Mitteldeutsche Austräger frei ine 5 Durch die Post bezogen die Expedition unter kostet durch Landbrieft Die hessische Wahlrechts⸗ 1075 vorlage. 1 Dey Gesetzgebungs⸗Ausschuß der zweiten Kämmer hat sich mit der„Regierungsvorlage 1 1 u l die Lanpstande hetref⸗ fend“ beschäftigt und über seiue Beschlüsse durch 5 7 den Abg. 2 Sregkang gusfihrilcen Berich sich näraled von dem zosttzertger darin, daß in erstatten lassen. Im Allgemeinen zeigt die ihm zwar die Vestimung fallen ge Kommisstons⸗Verhandlung das Bild, meint das lassen hlrd der Stimmberechtigte Offenb. Abendbl.“, daß die bürgerlichen Aus- keinem fremden Unterthanenverband sehen, da⸗ schußmitglteder zumeist mit der Regierungsvor⸗ ins uber wird neben dem, feitherigen Erforder- lage einverstanden waren und es fast immer, der mindestens dreijährigen Anfäfsig⸗ wo abweichende Meinungen zu Tage traten, 110 505 Hessen, 8 nur Genosse Dr. David war, der seine ver⸗ zährige Besie ber hessischen Sta bessernde Hand an den Entwurf legte, jedoch angehörigkeit geforbert. Ferner wirb ver⸗ natürlich fast durchweg in der Minorität und ang, daß nicht mehr eine Kom munal⸗ bei den Abstimmungen allein blieb. Steuerpflicht genügt, daß vieln i So war Genosse Dr. David gegen Art. 2 Heranziehung vorliegen müsse, wobei es 8% 1a, kigens natürlich gleichgiltig ist, oh die Ster welcher der Ersten Kammer eine weitere Stär⸗ 7 ne sue i, un die Stent kung durch die Berufung einiger Bürgermeister wirklich gefehlt wurde. Abg. Db beumragt und eines Vertreters der Technischen Hochschule diesen Artikel so zu fafsen: Stimmbe⸗ in Darinstadt angedeihen läßl. Zur Erhöhung sind alle hessischen Staatsangehörkgen män⸗ der Mitgliederzahl der Zweiten Kammer von Sach chen i 10 110 55, die don der Mehrheit des Aus⸗ ee baßen. Dt chusses in der vorgeschlagenen Form, daß 2 ne e e ae Städten Darmstadk, Mainz, Offenbach, Gießen Staatsangehbrigkeit bestzen“ seien und Worms je ein Abgeordneter mehr zufallen Gegen die Presfährigkeit der A solle, gutgeheißen wird, beantragt das sozial⸗ 5 3 ihm bieser Preis für die verengert, so sei 915 Wahl zu hoch, denn der Entwurf enthalte Be⸗ stimmungen, die in nicht zu rechtsertt Weise das allgemeine Wahlrecht beschu Sollten diese Bestimmungen beibehalten w so könnte er nicht für den Entwurf st aus Art. 6 hervor, der die Stimmbere tigung festlegt. Dieser Artikel unterscheidet spricht sich die Maforität demokratische Ausschußmetglied, daß die Zahl Dis münscht sie auf el von 55 Abgeordneten auf ebenso viele Einzel. wahlkreise berteilt werden möge. Dabei oll die Wahlkreiseinteilung auf gesetzlichem Wege auf eine bestimmte als Beamter ir wird oder 1401 derart vorgenommen werden, daß alle Wahl⸗ eb 1 8 Serben, Af alle Wahl⸗ Fan: 1 91. kreise eine annähernd gleichmäßige Be⸗ e. wohnerzahl(etwa 20000) aufweisen sollen. 1 e, Nur bis zum Zustandekommen einer sole edend noch hessische er hätte nicht mehr! Neueinteilung soll man sich mit der i mehrung der städtischen Abgeordne schlagenen Weise begnügen. Dem befürchtete man, daß dadurch die Städte ein Uebergewicht bekomme die kleineren Städte Irtedbei drei Jahre vor der könute also erst nach einer von drei J das S langen.“ Mit der dreij ngehörigkeit schusses dagegen einverf Hervorgehoben f Abg. David erklärt, stimmen zu wollen, fal klausel beseitigt und d werde, daß dem Lohnarbeite seines Wahlrechts at ermöglicht werde, also 8 Uhr. Abg. v. Bre trägen beizutreten, wenn wahlrecht eingeführ beantragt dagegen in! Regierung Ablehnung hart⸗Worms auf pflicht gestellten Ant ten vorge⸗ gegenüh ler * der o gesicherten Abgeordneten würde dadurch die Zah eordneten geringer, sschen größer werde schusses wollte nat rischen Ueberlieferung gab der Ausschuß die Ne Wahlkreiseinteilung zu. Mit allen Stimmen hel das im Artikel 4 fest ten Wahl an, da Wunsche und einem dri entspreche. Man war der Al herige Wahlmodus gerad Standpunkt der heutig stehenden Partelen eine Folge gehabt, die rech' nommenen Wahlstatistiken, auf die wir rückkommen, zum Au auf dem e bei den en„Staatsordnung“ Wahlmüdigkeit zu brastisch in den aufge⸗ —— Ä—ͤͤ—ͤ— Kinderarbeit noch zu⸗ Genosse daß für Bekanntlich zahl eine Reichstage ein beine Einschränkung 5 zweckt. Dazu bringt die„2 einen Artikel, in dem auf die druck kommt. Dr. David giebt die Erklärung ab, ihn noch wichliger als bie direkte Verallgemeinerung derselben sei. Das der Allgemeinheit sei das Höhere 5 der Umfang dieser Allgemeinhei gender Woran David hier hesonders denkt, geht dürfe in der mindestens drej⸗ 2 1* — 0 — eee 9. Jahrg. Nedeltiousschlutz: Donnerstag 8 —— 7 wiesen und ein Verbot der Kinder⸗ arbeit in der Cigarren⸗Industrie gefordert⸗wird. Diese Forderung begründet der Artikel mit folgenden Ausführungen, die für unsere Gegend besonders von Interesse sind und denen wir nur zuftimmen können. Trotz seiner großen Mängel wird zweifellos das Ausbeuterkum gegen den Gesetzentwurf Front machen, da bekanntlich die billige Kinder⸗ arbeit Gewinn bringt, weil sie herabdrückend auf deu Lohn für Erwachsene wirkt. Zweifel⸗ los werben auch verblendete Arbeiter, ihre eigenen Interessen schwer verkennend und in rohester Selhütsucht ihrer eigenen Kinder nicht schonend, auf diesen gesetzlichen Eing gegen die Kinderarbeit nicht gut zu spr sein. Aber, selbst wenn sie durch ein gänzliche Verbot der Kinderarbeit in der Hausdindustrie momentan Schaden in Form eines Lohnaus⸗ falles hätten, müßten wir ste doch tadelu, wenn ste sich gegen das Verbot kehrten. Der Schaden würde nur ein vorübergehender sein, da die Beseitigung der Kinderarbeit eine größere erwenbung der Arbeitskraft Erwachsener nach Y zöge, die höhere Bezahlung als bie der Kinderarbeit erfordert. Eine Lohnsteigerung, einerlei, ob sie freiwillig gewährt wird oder er⸗ zwungen werden muß, würde also die Folg ein. Wer von den Arbeitern wünscht Leider kennen aber noch viele lichen Gesetze nicht, lichen Gesellschaft Aeue wenn er auch, erischem Gebiete, wir in unserem dustrie und die e Ausbeutung der Herzbrechend ist das b, das in gesundheit⸗ und geistiger Ver⸗ dieser Ausbeu⸗ wurde 9 hen einer schwächlichen l„ wird mit all en, daß unsere Nach⸗ sem Fluch der bürgerlichen bleiben 2 sind das für deren Ge⸗ ffen haben. 11 Drin 2 Mammo 11 n D 3— 6 ö g 1 Seite 2 Mitteldeutsche Se-. Nr. 19. ufd Bildung zurückbleiben, solange dieses grau: sume-Unrecht noch geduldet wird. Fort mit ihm!— und wer ein Herz für unsere Kinder und Verständnis für die Aufgaben unserer Zeit hat, muß alles aufbieten, es beseitigen zu helfen. Wir ergreifen jede Hand, dle. sich— wenn auch schüchtern und mit schwächlichen Hilfs- mitteln uns zur Hilfe entgegenstreckt. Es sei hier zum soundsovieltenmal ausge⸗ sprochen, daß das Elend der Kinderarbeit in der Cigarrenindustrie nur beseitigt werden wird mit dem Verbot der Hausindustrie überhaupt. Die ungenügenden Erhebungen seitens der Regierung über die Hausarbeit in der Cigarren⸗ industrie, sowie unsere aus Kreisen der betei⸗ ligten Arbeiter stammenden Schilderungen über das Wesen und die Folgen der Hausarbeit haben immerhin so grenzenloses Clend der Hausarbeiter aufgedeckt, daß die Forderung eines Verbotes der Hausarbeit längst gerecht⸗ fertigt ist. Das Unternehmertum stemmt sich aber aus gewinnsüchtigen Gründen unter An⸗ gabe unhaltbarer Argumente mit aller Macht gegen dieses Verbot. Und da die Regterungen daraufhin zurückschrecken vor einem solchen Ver⸗ bot, müssen sie natürlich zur Flickarbeit greifen, um wenigsteus nicht länger der Schuld geziehen werden zu können, sie thäten gar nichts gegen die menschenvernichtende Ausbeutung der Ar⸗ beiter durch den Kapitalismus. Der Gesetzentwurf läßt uns nicht hoffen, daß an der Kinderarbeit in der Cigarren⸗In⸗ dustrie wesentliches geändert wird. Es ist den Eltern gestattet, ihre eigenen Kinder vom 10. Jahre ab gewerblich zu beschäftigen. Bei der Cigarren⸗Hausarbeit werden jetzt allerdings Kinder in viel zarterem Alter, sogar unter 6 Jahren beschäftigt, aber wenn auch der Entwurf Gesetzeskraft erlangt, wird der Uebel⸗ stand fortwuchern. Wohl droht der Entwurf Strafen bis zu 600 Mk. an, wer z. B. dem § 13 zuwiderhandelt, d. h. wer eigene Kinder unter zehn Jahren beschäftigt, aber er läßt die Eltern davon frei, über die Beschäftigung ihrer Kinder der Ortspolizet eine schriftliche An⸗ zeige zu machen, wie sie für diejenigen vorgeschrieben ist, die fremde Kinder beschäftigen. Es ist gar kein Grund für diese Ausnahmestellung erstcht⸗ lich, die den Glauben erwecken muß, daß ein Auge zugedrückt werden wird bezüglich der Ar⸗ beit mit eigenen Kindern. Natürlich erwecken auch die Ausnahme⸗ bestimmungen die Ansicht, daß nicht so scharf zugegriffen werden wird, denn danach ist der Bundesrat ermächtigt, für die ersten 105 Jahre nach dem Inkrafttreten dieses Ge⸗ etzes für einzelne Arten der Arbeitsstätten Ausnahmen zuzulassen; noch mehr, er kann nach Ablauf dieser Zeit„Ausnahmen von dem Verbot der Beschäftigung von Kindern unter zehn Jahren zulassen, sofern die Kinder mit besonders leichten und ihrem Alter angemessenen Arbeiten beschäftigt werden“, wie es wörtlich in§ 13 heißt. Das eröffnet für die Cigarren⸗ industrie geradezu eine Perspektive auf die Ewig⸗ keit der Hausarbeit und fortgesetzte Ausbeutung der Arbeit von Kindern unter zehn Jahren. Jedenfalls zeigen diese Hinweise, daß schon viel schärfer zugegriffen werden muß, wenn man wirklich Etwas für der Schutz der Kinder in der Cigarren⸗Industrie thun will. ——..ñññ—ñ—ñ—ñ—ññ—ñ— ̃— Politische Rundschau. Gießen, den 8. Mai. Die Nachwahl in Celle⸗Gifhorn. hat in der Stichwahl mit dem Siege des natio⸗ nalliberalen Kandidaten Wehl, der 11145 Stimmen erhielt, geendet. Der vorige Vertreter dieses Kreises war ein Angehöriger der Welfen⸗ partei, die bekanntlich die Wiederherstellung des Königreichs Hannover auf ihre Fahne geschrieben hat. Früher nahmen diese Leute eine opposi⸗ tionelle Stellung gegen den preußischen Polizei⸗ geist ein, der sich auf allen Gebieten höchst un⸗ angenehm bemerkbar macht; jetzt unterscheiden sie sich in Nichts von den übrigen Rückschritt⸗ lern, besonders treten sie fast ohne Ausnahme für den Brotwucher ein. Unseren Genossen konnte es somit gleichgültig sein, ob der 15 oder der von der Fraktion Drehscheibe als Sieger aus der Stichwahl hervorging und sie enthielten sich der Stimme. Der Krosigk⸗Prozeß f hat, wie in der vorigen Nummer bereits mit⸗ geteilt, mit der Freispre chung der an⸗ geklagten Unterofftziere geendet. Dleser Aus⸗ gang mußte das Justizdrama nehmen, das seit einem Jahre die Oeffentlichkeit in Spannung erhielt, wenn nicht dem öffentlichen Rechtsgefühle in's Gesicht geschlagen werden sollte. Freispruch ist erfolgt auf Grund desselben Thatbestandes, der dem Todesurteil des früheren Oberkriegs⸗ gerichtes gegen Marten zu Grunde lag. Das Gericht hat in seinem Urteil erklärt, wohl lägen Verdachtsgründe gegen Marten vor, aber ein Beweis seiner Schuld sei nicht geführt. Das Gericht hat sich auch nicht zu dem juristisch heillosen Aushülfsmittel drängen lassen, das der Vertreter der Anklage vorschlug, der eine Verurteilung wegen Totschlag forderte, weil er zurückschreckte, die Todesstrafe zu beantragen. Wenn der Freispruch überall wie Befreiung von einem bedrückenden Alp empfunden wird, so zeigt dies nur, welches geringes Vertrauen in die militärische Rechtsprechung allenthalben im Lande herrscht. Denn bei dem Beweis⸗ material, das durch die Anklagebehörde vor⸗ gebracht worden ist, hätte von vornherein eine Verurteilung als gänzlich ausgeschlossen, ja die Erhebung der Anklage unmöglich sein müssen. Und unvergessen werden bleiben alle die ein⸗ zelnen Momente in diesem Militärprozeß, die seit Jahresfrist die öffentliche Kritik so lebhaft herausgefordert haben; unvergessen bleibt ins⸗ besondere die Schädigung des geordneten Rechts⸗ verfahrens durch das Eingreifen des Gerichts⸗ herrn, der den freigesprochenen Hickel, nach der Ueberzeugung der bester juristischen Sachkenner unberechtigter Weise sofort wieder verhaften ließ und seine Ansicht von der Schuld der An⸗ geklagten— an deren Nachweis er als ver⸗ antwortlicher für die Disziplin in seiner Truppe ein eigenes Interesse hatte— derart zum Aus⸗ druck brachte, daß eine beeinflußende Wirkung auf die Richter des ersten Ober⸗Kriegsgerichtes eintreten mußte und wirklich im Todesurteil zum Ausdruck gelangte. Wie jenes falsche Todesurteil nicht unbeein⸗ flußt durch die Macht des militärischen Gerichts⸗ herrn gefällt worden ist, so ist kein Zweifel, daß der jetzige Freispruch vornehmlich dem mächtigen Eingriff der öffent'ichen Ueberzeugung zu verdanken ist. Angesichts der allgemeinen Verurteilung jenes auf Grund gänzlich unzu⸗ reichender Verdachtsgründe gefällten Todes⸗ urteils, angesichts der Entrüstung in der Presse und im Parlament konnten auch die militärischen Kreise sich nicht der Lehre ver⸗ schließen, daß Recht und Disziplin zweierlei bleiben müssen, das nicht aus Disziplingründen ein Urteil ergehen muß, das dem Rechte zuwider läuft. Die dem Militärungeist abgetrotzte und ungern noch immer um gänzlich un⸗ genügend hergestellte Oeffentlichkeit des Militär⸗ prozesses hat gute Frucht getragen, indem die Rechtsüberzeugung des Volkes sich dem un⸗ berechtigten Todesurteil widersetzen konnte. Wer wollte zweifeln, daß ohne diese Oeffentlich⸗ keit das Schicksal der Angeklagten längst be⸗ siegelt gewesen wäre. Dieser an tragischen Wandlungen so reiche Prozeß zeigt, wie unend⸗ lich notwendig die Reform des Militär⸗Straf⸗ prozeß⸗Verfahrens gewesen ist, und wie not⸗ wendig es ist, diese Reform gründlich weiter⸗ zuführen. Dieser Prozeß ist aber zugleich eine ernste Mahnung gegen den Fortbestand der Todes⸗ strafe. Nur aus formalen Gründen wurde nach dem Todesurteil der Prozeß durch das Reichs⸗Militärgericht zur nochmaligen Verhand⸗ lung gebracht. Ohne jene formalen Berstöße wäre das Todesurteil endgültig gewejen und vielleicht zur Ausführung gelangt. Dreimal wurde ein Urteil ausgesprochen: erst Frei⸗ sprechung, dann das Todesurteil, dann wieder Freispruch. Wenn so verschieden die richterliche Ueberzeugung auf Grund des gleichen That⸗ bestandes sich gestaltet, dann ist es ein un⸗ geheuerlicher Zustand, die mittelalterliche Strafart der Lebensvernichtung beizubehalten. Hinzugefügt sei noch, daß nun wohl die Sache erledigt ist. Wie mitgeteilt wird, soll eine Revision gegen das Urteil von Seiten des Gerichtsherrn nicht beabsichtigt werden. Man soll in Militärkreisen jetzt auch der Meinung sein, daß man bezüglich des wirklichen Mörders von vornherein in der Dunkelheit tappte.— Marten und Hickel sollen die Absicht haben, in Berlin eine Gastwirtschast zu errichten. Arbeiter als Aufsichtsbeamte. Oft genug wurde schon von sozialdemokra⸗ tischer und von Seiten der organisterten Ar⸗ beiterschaft verlangt, mit der Beaufstchtigung der Durchführung der Arbeiterschutzbestimmungen Arbeiter zu betrauen, die zugleich die Fabrik⸗ inspektoren in ihrer Thätigkeit unterstützen sollen. Wo Arbeitern solche Aemter übertragen wurden, hat man damit die besten Erfahrungen gemacht, das geht nach der Frkftr. Ztg. auch aus den Berichten hervor, welche Verwaltung der staatlichen Bergwerke in Sachsen über die Einrichtung der„Sicherheitsmänner“ aus den Arbeiterkreisen an das Ministerium gerichtet hat. Da wird mitgeteilt, daß vom 1. Juli 1900 bis Ende 1901 in zwei Verwaltungen über hundert Erinnerungen erfolgten. Hiervon bezogen sich die meisten auf den unzulänglichen Selbstschutz der Arbeiter gegen die Ge⸗ fahren an ihren Arbeitsstätten und einige auf Werks einrichtungen. Die von den Sicher⸗ heitsmännern ausgegangenen Erinnerungen be⸗ wirkten nicht nur unmittelbar, d. h. in den betreffenden Einzelfällen, einen höherey Grad der Sicherheit, sondern auch mittelbar, in⸗ sofern, als auch die Aufmerksamkeit der Steiger und Arbeiter durch die Mitwirkung der Sicherheitsmänner angeregt wurde, indem sie sich offenbar ungern erst durch jene auf Mängel aufmerksam machen lassen. Nach diesen durch⸗ aus günstigen Erfahrungen erwägt die Staatsregierung gegenwärtig, die Wählbarkeit der Arbeiter zur Stellung eines Sicherheits⸗ mannes zu erweitern, in der Weise, daß die Wahl nicht nur wie bisher aus der Reihe solcher Arbeiter stattzufinden hat, welche von der Werk⸗ verwaltung vorgeschlagen werden, sondern aus der Reihe aller Arbeiter, welche den entsprechen⸗ den Bestimmungen entsprechen.— Da zeigt sich wieder, wie berechtigt die Forderungen der Arbeiter in dieser Beziehung sind. Patriotismus und Steuerzahler, das sind zwei Dinge, die sich erfahrungsgemäß nicht gut mit einander vertragen. In der vor⸗ letzten Nummer teilten wir mit, daß die sächsische erste Kammer die Steuerreform scheitern ließ, weil die Erhöhung der Einkommensteuer und die Vermögenssteuer den Säckel der Edeln und Besttzenden ein wenig mehr belastet hätte. Darum fort mit einer solchen Steuer! Zölle und Lebensmittelsteuern her! Der arme Teufel soll die Staatslasten auf sich nehmen, dafür wollen die Reichen die erträglichen Staats- ämter besetzen und verlangen vom Staate, daß ihnen die Taschen gefüllt werden. Steuerzahlen empfinden die Staatsstützen als der Uebel größtes. Daß dem so ist, hat der Landrat des Kreises Ruhrort so viele Beweise erhalten, daß er sich zu einer geharnischten Be⸗ kanntmachung an die Steuerscheuen entschloß. In der öffentlichen Bekanntmachung heißt es . „Bei eingehender Prüfung der diesjährigen Steuererklärungen hat sich herausgestellt, daß in ungewöhnlich vielen Fällen die Steuer⸗ zahler wissentlich unvollständige und un⸗ wahre Angaben über ihr Einkommen ge⸗ macht haben und daß diese unwahren Angaben häufig sich schon über eine ganze Reihe von Vorjahren erstrecken.“ Der Landrat weist darauf hin, daß die Ver⸗ folgung der Angelegenheit unter Inanspruch⸗ 1. FFT... A S — 2 ch el. als ben ein. Rr. 19. dichter! 5 Ain 5 ein un: lalkelich m ohl di wird, 1 n Seiten den. Man Meinun n Mörders dappte.— haben, in en. mie. aldemokra⸗ sierten Ar⸗ ssichtiung immungen die Fabrik. interstützn übertragen fahrungen kg. auch Jerwaltung über die aus den u gerichtet Juli 1900 ugen über Hiervon länglichen n die Ge⸗ einige auf den Sicher⸗ rungen be⸗ d. h. in den rey Grad telbar, in⸗ keit der irkung der indem ste uf Mängel een durch⸗ rwägt die Lählbarket dicherheits⸗ „ daß die eihe solchet der Werk⸗ ondern aus eutsprechen, Da zeigt mungen der zahler, ungsgemäß In der bol: de sichische heltern ließ, steuer und der Edeln stet hätte. 1 Hole Nr. 19. Mitteldeutsche Sountagä-gelensg. 5 —.—.— nahme der ordentlichen Gerichte durchgeführt werde. Man ist wohl der Ansicht, daß, wenn alle Steuerhinterzieher vor die Gerichte gestellt würden, die zu leistende Arbeit nicht zu be⸗ wältigen sein werde. Der Landrat ersucht da⸗ her diejenigen Patrioten, welche unrichtige An⸗ aben gemacht haben, und gegen welche das ormelle Ermittlungsrerfahren noch nicht er⸗ öffnet ist, schlennigst ihre Steuerdeklarationen zu korrigieren, da sie dann laut 5 66 des Ein⸗ kommensteuergesetzes straffrei bleiben. Die Be⸗ kanntmachung endet mit folgender Mahnung: „Bei der Häufigkeit der Fälle bin ich nach Ein⸗ leitung der Untersuchung genötigt, auf Fest⸗ lere der allerempfindlichsten Strafen hinzu⸗ wirken.“ Ein urkundliches Zeugnis für den Patrio⸗ tismus des Geldsacks! Auch ein„freisinniger“ Wahlvorschlag. Einen famosen Plan hat ein freisinniger Redakteur in Lübeck, ein gewisser Herr Wie⸗ nand ausgeheckt. Der gute Mann will unter allen Umständen den Sozialdemokraten das Lübecker Reichstagsmandat abjagen und diesen edlen Zweck will er damit erreichen, daß er den Prinzen Heinrich als Reichstagskan⸗ didat für Lübeck empfiehlt. Wirklich kein übler Witz. Ein Prinz als Volksvertreter! Schlimm für die Freisinnigen ist nur, daß der Vorschlag thatsächlich ernst gemeint ist, und noch schlim⸗ mer, daß sie schon soweit gesunken sind, daß sie nicht mehr auf irgend welche sachlichen Gründe Wert legen, sondern nur noch durch persönliche, sogar dynastisch⸗persönliche Momente Erfolge zu erzielen hoffen. Dieses für den Liberalis⸗ mus sehr beschämende Eingeständnis hat denn auch den ernsteren Blättern des Freisinns die Schamröte auf die Wangen getrieben.— Die Sozialdemokratie kann der weiteren Entwicke⸗ lung der Sache mit der größten Seelenruhe entgensehen, ste wird ihre Stellung zu vertei⸗ digen wissen, der Ordnungsbrei wird geschlagen mit und ohne Prinzen an der Spitze. Schlechtere Ernährung! Von verschiedenen Orten, besonders Groß⸗ städten, wird in der letzten Zeit eine nicht un⸗ bedeutende Verminderung des Fleischkon⸗ sums, also eine Verschlechterung der Lebens⸗ haltung, die natürlich in erster Linie die Min⸗ derbemittelten trifft, gemeldet. In Mannheim zum Beispiel ging der Verbrauch des Schweine⸗ fleisches im Monat März gegen den gleichen Monat des Vorjahres um etwa 50 000 Kilo⸗ gramm zurück; dagegen stieg der Pferdefleisch⸗ verbrauch um ca. 2000 Kilogramm. Der Rückgang des Schweinefleischkonsums erklärt sich, wenn man die Fleischpreise der letzten Jahre vergleicht, wie sie in einzelnen Großstädten amtlich festgestellt wurden. Pro 100 Pfund Lebendgewicht kosteten fleischige Schweine im Monat März in: 1900 1901 1902 Mk. Mk. Mk. Berlin 44.20 53.60 59.16 Magdeburg 46.70 55.10 60.63 Dresden 47.80 55.63 59.88 Hamburg 44.75 55.38 59.42 Dortmund 47.67 56.38 60.38 Frankfurt a. M. 50.50 59.33 65.50 Mannheim 50.50 58.63 66.— Stuttgart 50.90 58.50 64.13 Köln 58.60 56.33 61.38 Die Preise haben sich an allen Orten gegen das Vorjahr wesentlich erhöht und stehen durch⸗ schnittlich um 33 Prozent höher als 1900. — Und dabei sind die höheren Zolle noch nicht einmal in Kraft! Ueber den Generalstreik als politisches Kampfmittel ist die Meinung unter den sozialistf chen Parteien der vers chiedene Länder eine geteilte. Wir Deutschen haben nie einen Hehl daraus gemacht, daß wir den General⸗ streik für ein ungeeignetes Mittel im politischen Kampfe halten. Dieser Ansicht gab auch unser Zentralorgan nach Beendigung der b el gischen Bewegung Ausdruck. Demgegenüber sagt das Brüsseler Parteiblatt, daß man in Belgien nicht schaft deutscher Konsumvereine dar. daran denkt, auf dieses Mittel zu verzichten. Es sagt unter Anderem: Wenn der General⸗ streik in einem ausgebreiteten Lande wie Deutsch⸗ land oder Fraukreich schwierig oder gar un⸗ möglich ist, so ist er dagegen ausführbar ja sogar leicht zu organisieren in einem kleinen, industriellen, dichtbevölkerten Lande wie Belgien. Die letzten Exeignisse haben diese Thatsache klar bewiesen. Ist es vielleicht nicht wunderbar, im Zeitraume von nur dret Tagen 350 000 Streikende, auf ein einfaches Wort hin, ohne jede Vorbereitung, auf die Beine zu bringen? Die belgische Arbeiterklasse ist plötzlich zum Bewußtsein ihrer Stärke gekommen, die sie bis dahin nicht gekannt hatte. Trotz der Prahlereien der klerikalen Presse hat die Bour⸗ geoisie und die Regierung einen Schlag bekom⸗ men, dem sie sich nicht oft mehr aussetzen wer⸗ den. Darum wird der Generalstreik eines unserer Aktionsmittel bleiben. Aber wenn wir ihn nochmals entfesseln, wird er vorbereitet sein und zwar von weiter Hand her, die Kassen der Gewerkschaften werden nicht leer sein, die Arbeiter werden Munition haben und werden es länger als nur einige Tage aushalten kön⸗ nen. Wir sind weder abgeschlachtet noch ent⸗ mutigt; mit uns ist man noch nicht fertig. Wir besttzen noch die Mittel, unseren Feind zittern zu lassen, und das nächste Mal werden wir ihn an seiner einzigen verwundbaren Stelle treffen: seiner Kasse. Ueber diese Frage kam es übrigens am Sonntag in Brüssel auf dem außerordent⸗ lichen Pateitag der sozialistischen Partei zu scharfen Auseinandersetzungen, aber der Ton blieb, wie der„Fkf. Ztg.“ geschrieben wird, durchaus würdig und die Einigkeit der Partei wurde keinen Augenblick in Frage gestellt. Schließlich wurde die Entscheidung des Gene⸗ ralrats mit bedeutender Majorität gebilligt. Schofle Bekämpfung der Arbeiterpresse. Vor etwa zwei Jahren versuchte ein gegnerischer Zeitungsverleger in Straßburg unser dortiges Parteiorgan auf ganz nieder⸗ trächtige Weise zu schädigen. Er schickte das Parteiblatt an die Inserenten desselben, strich die dort veröffentlichten Anzeigen mit Rot oder Blaustift an und machte Bemerkungen dabei wie: Inserate haben keinen Wert, das Blatt hat keinen Wert, das Blatt hat keine Abon⸗ nenten, es wird bald eingehen, wie können Sie nur das Geld so zum Fenster hinauswerfen ꝛc. Nach Verlauf eines Jahres ist es gelungen, den Versender dieser Zeitungen zu entdecken, und zwar in der Person des Herausgebers der „demokratischen“ Bürgerzeitung. Wegen dieses unlauteren Wettbewerbs wurde dieser zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt. Auf seine Kosten wird das Urteil in mehreren Straßburger Zeitungen veröffentlicht. Seine Reviston wurde vom Oberlandesgericht ver⸗ worfen.— Hoffentlich unterläßt der dunkle Ehrenmann nun sein hinterlistiges Treiben. Soziales. Eine großartige Konsum⸗Or⸗ ganisation stellt die Großeinkaufsgesell⸗ Sie hielt kürzlich ihre General⸗Versammlung in Braun- schweig ab, wobei berichtet wurde, daß sie im letzten Geschäftsjahre ihren Umsatz auf 15 Millionen Mark gesteigert hat. f Die wirtschaftliche Depresston, die Ringe und Kartelle, selbst die Zölle können diesem kaufmännischen Großbetrieb nichts anhaben. Im Gegenteil, diese gefährlichen Klippen des privatkapitalistischen Geschäftes haben das Hamburger Unternehmen nur flott machen helfen, denn die Großeinkaufsgesellschaft machte die Erfahrung, daß die geschäftlichen Nöte der Gegenwart den genossenschaftlichen Gedanken hob, den Konsumvereinen Massen neuer Mit⸗ glieder zuführte und den Zusammenschluß des organisterten Konsums zu einer großen ge⸗ meinsamen Einkaufsinstanz außerordentlich günstig beeinflußte. Rund 300 Konsumvereine decken bereits ihren Bedarf ganz oder teilweise bei ihrer Einkaufs zentrale. Freilich stehen noch immer viele hunderte von Vereinen Jah- wartend oder gleichgiltig bei Seite. Aberd Allgemeinen zeigt sich doch, welch' große, Nutzen für die Fonsumenten eine derakki⸗ Organisation bietet, die auch ihren Angestellf bessere Löhne zahlt, als es die privaten Größ⸗ handlungen thun. . ñ—————ũ— 1101 Deutscher Reichstag 8 Am Mittwoch beschäftigte sich der Reichs⸗ tag mit Wahlprüfungen, nachdem einige Rechnungssachen debattenlos erledigt waren. Die Wahl unseres Genossen Grünberg wurde für gültig erklärt, ebenso die von konservattver Seite angefochtene Wahl des freisinnigen Abg. Gothein. Ueber die Wahlen der nattonallibe⸗ ralen Abgeordneten Sieg und Prietze sollen Be⸗ weiserhebungen gepflogen werden; diese dürften jedoch an der Ungültigkeitserklärung nichts ändern.— Donnerstag erledigte man zu⸗ nächst den Richterschen Antrag auf Schutz des Wahlgeheimnisses in dritter Lesung; er wurde gegen die Stimmen der Rechten ange⸗ nommen. In der Debatte wurden die unsau⸗ beren Wahlpraktiken der Konservativen von ver⸗ schiedenen Rednern einer scharfen Beleuchtung unterzogen. Genosse Ledebour machte den Vorschlag, die Mitglieder des Bundesrats, die zu den Schwerinstagen nicht erscheinen, für ihre Pflichtvernachlässigung durch Abzug der Diäten zu bestrafen. Dann kam der„Toleranz-Antrag“ des Centrums an die Reihe. Bei der Erörterung desselben stritten sich die Vertreter der katho⸗ lischen und evangelischen Kirche darüber, welche von beiden die größte oder auch die wenigste Duldsamkeit übe. Davon ist in Wirklichkeit von keiner Kirche viel zu erwarten; jede möchte eine Andere nicht aufkommen lassen. Im Grunde ihres Herzens sind alle Kirchen intolerant. Durch einen von dem Centrum und den Kon⸗ servativen beschlossenen Zusatz zu§ 1 sollten die zum Schutze des religiösen Bekenntnisses gegebenen Bestimmungen eingeschränkt werden. Deshalb stimmten unsere Genossen dagegen. Am Freitag erfolgte die zweite Lesung der Regierungsvorlage betreffend Diäten für die Zollkommtssionsmitglieder. Ausnahmsweise war das Haus einmal beschlußfähig. Alle Ab⸗ änderungsanträge wurden abgelehnt, die Brotwucherdiäten genehmigt und zwar mit 143 gegen 84 Stimmen. Die Debatte bewegte sich im wesentlichen in denselben Bahnen, wie bei der ersten Lesung. Große Aenderungen hat die Kommission ja auch nicht an der ursprünglichen Vorlage vorgenom⸗ men; man hat nur an der Pauschalsumme 400 Mk. abgeknapst und außerdem beschlossen, den Mitgliedern der deutschen Landtage, die in der Zoll⸗Kommission sitzen, ihre etwaigen Tage⸗ gelder in Abrechnung zu bringen. Die eigent⸗ lichen Schwierigkeiten, die Auswahl des Ver⸗ teilungsmodus an die Fraktionen, sind dem Präsidenten überlassen worden. Nur insofern vereinfacht sich die Abrechnung, als die frei⸗ sinnigen Parteien durch die Abgeordneten Wie⸗ mer und Dr. Barth erklären ließen, daß ihre Mitglieder den Empfang dieser Zolltarif⸗Diäten ablehnen würden. Unsere Fraktion wird be⸗ kanntlich die aus der Reichskasse fließenden Gelder zur Agitation gegen den Brotwucher verwenden. Bei aller prinzipiellen Geguerschaft gegen die Vorlage hatte Genosse Bebel doch den Ver⸗ such gemacht, wenigstens die Pauschalsumme, in der etwas besonders Herabwürdigendes liegt, zu beseitigen und durch Anwesenheitsgelder zu ersetzen, aber seine Anregung fiel auf unfrucht⸗ baren Boden. In der Hauptsache drehte sich die Diskussion wieder um die höchst gleichgültige Frage, ob Genosse Stadthagen in der Zolltarif⸗ Kommission eine Aeußerung gemacht habe, die als Billigung des Vorschlages gedeutet werden könnte. Eine ganze Gruppe von Zwischen⸗ trägern hatte sich zusammen gefunden, unter deren Händen dann die Geschichte die übliche Entstellung erfahren hat. Genosse Stadthagen legte den Vorgang dar, und seine Ausführungen mußten auch in allen wesentlichen Punkten von A 2 — 3 ů—• Seite 4.—. Mitemeusser Serstsge⸗ 3 Jeiteeug. 1 1. ig des Weltfeier ine he⸗ titteldeutschen Sonntags ⸗Zeitung zu Gießen errn Samp und Herrn Spahn hestöt igt wer- Bedeutung des Weltfeierlages dar. Seine be. M 135 Jedenfalls Malte rästdent durchaus geisternde Worte fanden den lebhaftesten Beifale auf Kosten des Angeklagten bekannt zu machen. recht— und der Befall erstützte Auwesenden.— Sehr gut verlief die Friedberg, den 23. April 1903. ö 2 sein Wort— als er wesig, Feier in Watzenborn⸗ Steinbe g; 0 Ruppel, Heilt 5. 5 one 7 7 72 asc 90 6 1 4 9 5 bat, bon in⸗ ebenfal a e. 15 0 5 ifet Hllfe⸗Gerichtsscheriber bes Großherzoglichen unubenu hehe imen Vorgän fand am Sonßtag, fer 1715 fen deim Rreise Wetzlar. jachn Nach am f 0 8 ö lage e. Wohin es wiesen war, f 0 loch ziem⸗ 3. t F K Ane esolution welche si 7 lick N ger. A erfreuten, 3. Junk. 16 8 f 8 80 7 11 l i N 6 15 15 schluß 9 eine 8 1 beitstages aussprach, wurde einstimr nig an⸗ Organisation unterlassen, f liefern die a 1 92 2 ger genomt r jen! gen de 18 optischen Pon Mah und SEL R. Bei in Gießen verregnete bedauerlicher W bon f Id Söhne in 8 i. 5 Weise die vorgesehene Sonntagsmai rünt lar ein lehrreiches X 1 Wie man es Sleß er f 16 Nhettlen lich 5 n wirf 1 0 8 N 77; 1 1 75 kann, haniker 115 Oytiter 8 „der gewerkf e 1 gegen wehren. „daß die Ar⸗ Aer und Optiker rheiterkategorien, 2c. herunter⸗ wenn Ar⸗ Hauben, um so sein und 1 haben. kürzlich 90 1 5 — rsonal bilde n. Herr 175 Uebernahme f an bereit er⸗ eim hiesigen 9—5 Tage als staat⸗ . ben flligt wurden. 0 der Magistrat in Am Abend des IJ. Mai r Versamm ung im Jes⸗ ö N i 15 eines 1 beson bein e 10 i ö ande im jener 1 5 zur 5 einer 1 . Besch 1 eko 5 1 0 m, wenigstens az He h 1 An n Telle, den programm⸗ 2 — 3 5 8* men zum er, denn man nur m Jahre ben, man ub schickte teuerzettel zu Geld Fhain. le. Il. Dienstag ebernahme hereit er⸗ n hiesigen Tage ls staal⸗ e E 9—— 2— e e . Duft„ e Meter von der Unfallstelle zur E Nr. 19. Mitteldeutsche W Seite 5. bergschen Lokale Gen. Krumm Gießen die heiratet und Vater mehrerer Kinder, er hat sich Feftrede, welche mit wohlberd lentem Beifall] in 100 Nacht nach seiner Verhaftung im Polizei⸗ aufgenommen wurde. Vor⸗ und nach derselben[gefängnis erh ängt. brachte der Gesangverein„Eintracht“ unter 5 Adliger Vaterm Auf dem Leitung 1 Dirigenten, Herrn Pauli jun., Rittergut Röthenbach bei n Bayern wurde am 10. April der Gräfenstein, von seinem e eines Streites durch bret schoß, sich ber den Kopf. 2 Zeit darauf mehrere der Feier angemessenen Lieder in exak⸗ ter Weise zum Vortrag.— Die auf Sonntag nachmittag auf der 7585 tenruhe“ geplante Farnilerfelerkdunte te er e ungünstigen Welters nicht im en stattfinden. Dieselbe fand daher unter starker Bete iligung im Jes gen Vokale statt und 5 7 einen rech schönen Verlauf. Die gediegenen Mustkvor rüge der hiesigen Kapelle Pau 15 done schönen Lieder des Gesangvereins„Eintracht“ und natür⸗ lich auch der vorzügliche e unseres Gen. acts desselben, v. en Sohne während gefchüngen und darauf f buch ge Zeit vorher ol N Jesberg versetzten die Feftteilnehmer bald in gens hat! der 60 1 die animirteste Stimmung, welche 5 N von Weichseldorf Schluß des Festes anhielt. Für 0 i eine 10 mit reichlicher? sodaß auch die„Klei . 5 f it er Reihe! 90 Sch auspiel h Sta 80 9 ng faltet et das (Mitglieder hlesigen N en elungen 7 ungen der ne He 2 r 18 eine Ne 455 e n „ demng chst ihrer Stel 9 gezoge 9 1 adac A———— Klein ine M ilteilu ngen. gen geu 5 0 1 die deft faire bringen. 5 : Exploston. Samstag Ab in den Farbwerken von Kalle kurz hintereinande 5 rauchender Schwefel don 300 Liter dube ind das Dach d stelet angeno der bereits vorhandene sehr h derart steigerte, daß die Katastrof Beschädigungen von Menschen find gekommen. Ein Wüstling. Ein Koh Köln wurde am 2. Mai durch di polizei verhaftet. Er ift beschuld reichen Fällen sich an schulpflich 0 vergangen zu haben. Der Verhaftete mmen, daß nach Abstell ei 0 Soz. ⸗ ener 9 Wieseck. außero Diendtag, den 13. Mai. Gießen. Ger Sitzung dei Or big. Samstag, den 17. Mai. Friedberg. cg ew erbliche Arbeiter. Abends 8/ Uhr eee bei Ihl, Stadt New⸗Vork, Abends 9 Uhr 2 21 * urch E kältung oder hafter, schwer en, oder durch un Magenkatareh, Magen krampf, Mag schznerzen, schwere Verdauung oder schleimung gen habe n gutes Haus mit n vorzügliche he Agen schon seit robt 18. tst dies bekannte 2284 8 Linden, Wetzlar 0 bach, B hranpobe dorf, Gladenbach, Weill burt 0 2 dorf, Grünber„ Lich, S Hungen, l. rg usw. usw. N. Ullrich, 4a dert en Kräute * ds porto- en wird gewarnt. e ausd 8 1 — Seite 6. — Witteldentsche Ssuntags⸗Zeitung. Nr. 19. 4 r 7 b Unterhaltungs-Ceil. 9 2 Kurpfuscher. Ueber dieses Thema schreibt die„Deutsche Krankenkassenzeitung“:„Wenn einem gewöhn⸗ lichen Sterblichen am Kleidungsstück eine Naht platzt, so bringt er es zur Reparatur zu einem Meister, von dem er weiß, daß er im Stande ist, auf Grund einer ordnungsgemäßen Aus⸗ bildung im Schneiderhandwerk das schwerent⸗ behrliche Bekleidungsstück wieder anständig her⸗ zurichten; einen e eu Stiefel kann nur ein Schuhmacher besohlen, der sich hierzu in langjähriger Schusterjungen⸗, Gesellen⸗ und sonstiger praktischer Thätigkeit die erforderliche Geschscklichkeit erworben hat. In schwierigen Rechtsfällen wüßte man nicht, woher man sich Rat holte, wenn es nicht Rechtsanwälte gäbe, die ein umfangreiches Studium, mehrere Prü⸗ fungen und viel Erfahrung hinter sich haben. Nur wer für seinen kranken Leib Heilung sucht, wer die Segnungen des höchsten menschlichen Gutes, der Gesundheit, kennt, wem ein körperliches Leiden jede Freude am Leben vergält— nur der findet viele, sehr viele hülfsbereite Kräfte, un⸗ ter denen er die Wahl hat. Da giebt es alte Schäfer und Magnetiseure, salbaldernde Barbiere und Zigeunerinnen, sogen. „Naturheilkundige“ und Erfinder von Elixieren oder Talismanen, weise Frauen und— ja, und was doch noch? Ach so,—ja und Aerzte!—— Als seiner Zeit im preußischen Abgeordne⸗ tenhause die Frage ventiliert wurde, ob es nicht ratsam sei, die Ausübung der Heilpraxis den approbierten Aerzten zu monopolisteren, da war es ein erfahrener alter Arzt selbst, der dagegen polemisterte, der einen dahinzielenden Antrag zu Fall brachte; da war es der Geheim⸗ rat Virchow, der meinte, das deutsche Volk sei intelligent genug, um zu wissen, an wen es sich zu wenden habe wenn es seinen wertvollsten Besttz, sein körperliches Wohlergehen, zu schützen gelte. Ja, ja— das intelligente deutsche Volk! Ich zählte oben eine ganze Reihe von Berufs⸗ ständen auf, denen aus der Ablehnung jenes Antrages ein in den weitaus meisten Fällen recht einträgliches Geschäft erwuchs. Gehen wir sie doch einmal einzeln durch. Wer kennt nicht in irgend einem kleinen Dorfe des deutschen Vaterlandes einen frommen alten Schafehüter, der aus dem Urin des Patienten oder aus der Konstellation der Sterne am Himmel jedwedes Leiden diagnostiziert und in den erstaunlichsten Wunderkuren heilt? Wer hätte noch nicht von dem Radbrucher Schäfer Ast gehört, der für jede aus einer Haarlocke erkannte Krankheit schon ein gedrucktes chiffrier⸗ tes Rezept vorrätig hielt, und damit so glän⸗ zende Erfolge erzielt hat, daß ihn der unge⸗ heure Zulauf Heilsuchender in den Stand setzte, ein Rittergut zu erstehen? Die von den Schä⸗ fern angewandten Heilmittel sind meist Thees oder andere aus im Volke als heilkräftig be⸗ kannten Unkraut⸗Pflanzen gewonnene Getränke, die häufig von ganz guter Wirkung sein kön⸗ nen, und wo nicht Chemikalien oder sonstige neuere Mittel an deren Stelle getreten sind, auch wohl hier und da noch in der modernen Therapeutik verwendet werden. In früheren Zeiten waren die Schäfer die ärztlichen Berater von Arm und Reich, von Landleuten und Städtern. Heute rekrutiert sich ihre Kund⸗ schaft hauptsächlich aus den Bauern ihres Dorfes und beschräukten Stadtwetbern, die in allen Neuerungen eine neue Gefahr sehen und nur auf das schwören, was sie die selige Großmutter in den Kindheitstagen gelehrt hat. Behandelt der Schäfer innere Krankheiten, Kopfschmerzen, Magenleiden, Husten oder Gicht, so ist der Barbier der Chirurg des Bauern. Seine Behandlung besteht in operativen Ein⸗ griffen. Geschwülste werden aufgesteckt, Hühner⸗ augen abgeschnitten, schmerzhafte Backzähne ausgerissen und Schmerzen ohne erkennbare Ursache mit Schropfköpfen behandelt. Wenn aber einmal ein Zigeunerzug das Dorf passiert, dann rennt die ganze biedere Dörflerschaft zu den Weibern auf dem Wagen. Die lassen aus Kräutern Suppen kochen, be⸗ schwören auch wohl durch allerlei Hokuspokus die Krankheitsgeister und erteilen guten Rat, wie durch vernünftige Lebenshaltung und durch mystische Zeremonien Krankheiten für die Zu⸗ kunft zu verhüten sind. Für der Bauern Gesundheit ist also aus⸗ gesorgt. Doch auch der Städter ist nicht ver⸗ lassen. Die„bessere Gesellschaft“, und vornehm⸗ lich die Damen, gehen in Krankheitsfällen, speziell nervöser Natur, zum Heilmagnetiseur; das ist modern, riecht nach Wissenschaft, und entbehrt doch nicht eines aparten metaphysisch anhetmelnden Reizes. Der Heilkün stler, meist eine verkrachte Existenz mit hochtönendem Na⸗ men und wohlgepflegtem Exterieur, bewegt sich in ausgesucht vornehmen Umgangsformen, behandelt seine Patienten mit der rücksichts⸗ vollsten Höflichkeit, schreibt Rechnungen, deren sich die berühmteste ärztliche Kapazität nicht zu schämen hätte und erfreut sich daher eines hervorragenden Tüchtigkeitsrufes und bedeutender persönlicher Beliebtheit. Sein Heilverfahren be⸗ ruht auf Massage und Walten assen geheimnis⸗ voller magischer Kräfte. f Der gefährlichste Konkurrent des Magneti⸗ seurs ist der„Naturheilkundige“, der unter der bestechenden Parole:„Wir brauchen keine Gifte! Die Natur hilft sich selbst!“ alles auf, natur⸗ gemäßem Wege“ kuriert. Solange die in Bä⸗ dern, Massage oder Aehnlichem besteht, mag man sie ja allenfalls als berechtigt gelten lassen. Was aber alles als„naturgemäß“ herhalten muß, das geht auf keine Kuhhaut. Der eine läßt seine Patienten barfuß über Disteln laufen und hält diese Behandlung für eine natürliche, ein anderer gräbt sie bis zum Leibe stunden⸗ lang in Lehm ein, und bringt in seiner Reklame⸗ Broschüre(die mir vorlag), die unglaubliche Behauptung fertig, er sei von dem gleichen Helfergeiste beseelt, kraft dessen Jesus von Nazareth seine wunderbaren Heilungen voll⸗ brachte. Natürlich erfreuen sich Charlatane dieser Art eines kolossalen Zuspruches. Fär die„kleinen Leute“ sind die klugen Frauen da. Sie legen Karten, diagnostizieren aus Kaffeegrund,„besprechen“, erklären jede Krankheit für die Folgen einer Behextheit und veroronen die schauerlichsten Sympathie⸗Ver⸗ fahren, mittelst deren man die Besessenheit ver⸗ treiben kan. Die selbst im zwanzigsten Jahr⸗ hundert noch nicht vereinzelten Spuk⸗ und Hexenprozesse bringen mitunter gräßliche Schandthaten ans Licht, die auf Rat solcher kluger Frauen in abergläubischer Geisterfurcht begangen wurden. Außer all diesen Heilkundigen tummeln sich auf dem Gemeinplatz der medizinischen Wissen⸗ schaft noch die zahllosen„Erfinder“ von Geheim⸗ mitteln, deren Präparat jedem erdenklichen Leiden ein sofortiges Ende bereitet; und alle die vielen Männer und Frauen, die sich eine bestimmte Krankheit zur Behandlung erwählt haben, unter denen Beinschäden und sexuelle Leiden die beliebtesten sind. Diese Heilkünstler gehen aus allen möglichen und unmöglichen Berufsgattungen hervor. Vornehmlich findet man unter ihnen: frühere Hebammen, ehema⸗ lige Lazarethgehülfen, Krankenkassenschreiber, bei Aerzten bedienstet Gewesene und dergleichen mehr, die alle ihre in irgend welcher früheren Thätigkeit auf dem Gebiete der Therapie gesam⸗ melten Erfahrungen nutzbringend verwenden möchten. a Ja, ja. Fünf Jahre muß der das Gym⸗ nastum nach neunjährigem Besuch verlassende Abiturient studieren, zwei schwere theoretische und praktische Examina ablegen und in weite⸗ ren langen Jahren praktischer Uebung tief ein⸗ dringen in die Wissenschaften der modernen Therapeutik, dann hat auch er das Recht, als praktischer Arzt mitzuwirken an der Heilung der kranken Menschheit, dann darf er versuchen die Konkurrenz aufzunehmen mit all den Kurpfu⸗ schere, die ihr Geld aus den Taschen der ar⸗ men Kranken ziehen— und auf die Wissenschaft pfeifen.“ E. M. Anneli. Eine Malfest⸗Erzählung. (Schluß). Auf dem so vorbereiteten Boden war— wie Konrad mit hoher Freude in der Fremde gehört hatte— eine kräftige von sozialdemo⸗ kratischem Geiste 1 Arbeiterbewegung entstanden. Heute am 1. Mai sollte auch hier der Weltfeiertag der Arbeit festlich begangen werden und Konrad hatte sich just diesen Tag erkoren, um seine alte Heimat wiederzusehen. Er war jetzt ganz in Jugenderinnerungen ver⸗ senkt, als er mit großen Schritten die steil an⸗ steigende Straße hinanschritt. Die Frauenge⸗ stalt, die ihn vorher so lebhaft an das Anneli gemahnt hatte, war seinen Augen längst ent⸗ schwunden, die jetzt die Türme und Schlote von Peterswald, seinem Heimatdorf, in der Ferne auftauchen sahen. Die Sonne brannte heiß vom Himmel her⸗ nieder und Konrad mußte zuweilen innehalten und sich den Schweiß von der Stirn wischen. Es war Nachmittag geworden, als er endlich in Peterswald anlangte. Nach kurzer Rast im Gasthaus„Zum Sternen“ begab er sich gleich in den Versammlungssaal, wo die Maifeier durch Gesang und Ansprachen eröffnet werden sollte. Der nicht eben große Saal war schon so dicht besetzt, daß Konrad sich nur mit Mühe noch einen Platz ganz im Hintergrunde eroberte. So konnte er zunächst nur 1 5 ihm bekannt scheinende Gesichter entdecken. Als dann aber ein weißhaariger Mann von etwa 65 Jahren die Tribüne bestieg, erkannte er in der hageren Gestalt mit dem klugen Gesicht einen alten Freund seines väterlichen Hauses, der nun das Wort ergriff und in kerniger, wahrhaft volks⸗ tümlicher Weise das Evangelium vom Welt⸗ frieden durch den Sozialismus verkündete. Kon⸗ rads Herz schwoll vor innerer Bewegung. Wie wurde ihm hier die Macht des sozialisten Ge⸗ dankens so gegenständlich lebendig! Der ge⸗ scheite Kopf dieses Alten, der früher so zähe am Hergebrachten festgehalten, war endlich doch durch den Geist der Neuzeit revolutioniert worden. Der jubelnde Beifall der Versam⸗ melten am Schlusse seiner Rede bewies, daß seine ganze Persönlichkeit von der Sympathie seiner Zuhörer getragen wurde. Konrad saß noch in Gedanken verloren da, als wieder Stille ein⸗ trat und nun mit einem Male eine tiefe klang⸗ volle Frauenstimme von der Tribüne her sein Ohr traf. Es gab ihm einen Ruck durch sein Innerstes... Die Stimme... die Stimme! Gab es denn noch ein Weib auf der Welt, dessen Lippen ein solcher Wohllaut entströmte? Das durch die Fenster in den Saal fallende Sonnenlicht blendete ihn derart, daß er die Gestalt der Rednerin nicht erkennen konnte. Erst allmälig vermochte er dem Sinne ihrer Worte zu folgen. Sie sprach als Frau zu den anwesenden Frauen und Mädchen. Schlicht und ungesucht flossen die Worte von ihren Lippen, als sie schilderte, was die Proletarieren— doppelt rechtslos und ausgebeutet, mit schier unzerreißbaren Ketten an die Haus⸗ und Fabrik⸗ arbeit gefesselt— von der Erringung des Acht⸗ stundentages, wie er am 1. Mai überall in der Welt von der klassenbewußten Arbeiterschaft gefordert werde, zu hoffen habe. Sie leuchtete hinein in die Uhrmacherhäuser des Schwarz⸗ waldes, wo die Frau vom grauenden Morgen bis in die sinkende Nacht für Hungerlöhne Spindelstecken, Sperrhacken feilen und Uhrfedern einziehen, dabei ihr Hauswesen in Ordnung halten, kochen, scheuern, waschen, plätten und die Kinder erziehen müsse! Viele Frauen weinten still, als ihnen so ihr Elend zum Bewußtsein gebracht wurde. Andere wieder äußerten in lauten Zurufen ihre Zu⸗ stimmung zu den Worten der Sprecherin.„Pro⸗ letarterinnen, Ihr habt nichts zu verlieren, als Eure Ketten, aber eine Welt zu gewinnen!“ rief sie zum Schluß ihrer Ausführungen mit vibrierender Stimme in die erregte Menge hin⸗ 5 115 sich nun in Beifallszeichen fast erschöpfen wollte. Die Versammlung war zu Ende. Ungestüm strebte Konrad der Tribüne zu, um der Frau, gr. — delel hatte, Mitter el ien innehalten Stirn wischen. als er endlich urzer Rast im er sich gleich die Malfeier vöffnet werden aal war schon r mit Mühe unde eroberte. e ihm bekannt ls dann aber a 65 Jahren n der hageren einen alten der nun das ahrhaft volks⸗ vom Welt⸗ kündete. Kon⸗ ewegung. Wie sozialisten Ge⸗ dig! Der ge⸗ rüber so zähe ar endlich doch reboluttoniert der Versam⸗ wies, daß seile smpathie seiner d saß noch in der Stille ein⸗ ne tiefe klang ibüne her sein fuck durch sein „die Stimme! auf der Welt ut eulfrönte! Saal fallende , daß er die Sinne 5 Frau zu 16. Scl U ihren Apes, letarierin 0 1. 32 und Fabril“ dung dec Nr. 19. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. deren ganzes Wesen ihn so wundersam ergriffen hatte, ins Angesicht zu sehen. Da stand sie in⸗ mitten einer Schar von Frauen und Mädchen, die ihr alle die Hand drücken wollten, und „Anna!“ rief Konrad so laut, daß sich Viele nach ihm umblickten. Sie sah ihn einen Augen⸗ blick wie erstarrt an, ein Zittern durchlief sie und sie wurde ganz bleich. Dann faßte sie sich, bot ihm anscheinend ruhig die Hand und sagte: „Guten Tag, Konrad! Wo kommst Du her? Ihr müßt schon entschuldigen,“ wandte sie sich an ihre Freundinnen,„das ist ein guter Be⸗ kannter von mir aus meiner Heimat!“ „Aber Anneli,“ sagte Konrad,„ich traue ja meinen Augen und Ohren nicht. Bist Du's denn wirklich? Und wie hast Du's denn nur angestellt, daß Du so eine Prachtsozialdemo⸗ kratin geworden bist?“ . Leben hat dafür gesorgt!“ sagte sie ernst. „Ich weiß, ich weiß,“ fiel Kourad ein,„Du hast Schweres durchzumachen gehabt. Aber ich mein' halt, Kopf und Herz müssen bei Dir doch besondes dazu geeignet gewesen sein. Andere packt das Leben auch hart an, ohne daß sie sich so resolut damit abzufinden wissen, wie Du.“ „Ja,“ fiel ein altes Weiblein dem Konrad in die Rede,„resolut, das ist sie, die Anna Wehrle. Wie sie hierher kam und Arbeit nahm in der großen Uhrenfabrik, gar nicht lange hat's gedauert, so hat sie hier einen Arbeiterinnen⸗ verein gegründet. Und ste versteht's, die Leut', die sich da zusammengefunden haben, auch zu⸗ sammenzuhalten.“ „Du bist Uhrenarbeiterin geworden, Anna 2* fragte Konrad. i „Ja, geschickte Finger hatte ich, die konnte ich hierbei am besten verwerten. Nach Vaters Tode und all dem Unglück, das sich vorher er⸗ eignete, blieb mir auch nichts anderes übrig, als mich auf eigene Füße zu stellen.“ Mit fast scheuer Bewunderung streiften Konrads Blicke das ernste Gesicht des Mädchens. Es war nicht mehr das unerfahrene Anneli von früher mit den weichen, fast kindlichen Zügen. Das war ein Weib, das dem unerbitt⸗ lichen Leben ins Angesicht geblickt hatte. Bald saßen beide an einem Tische im Gar⸗ ten des Wirtshauses, einen Schoppen leichten Landweins vor sich, Konrad erzählte von seiner Wanderschaft und Anneli hörte so ruhig und freundschaftlich zu, als hätte sie nie Küsse und Liebesschwüre mit ihm getauscht. Sie erzählte ihm dann auf seine Frage, wie sie nach des Vaters Tode zuerst in der Gegend von Frei⸗ burg Arbeit gesucht und gefunden habe. Ihr Interesse für sozialistische Bestrebungen sei eigentlich durch Konrad geweckt worden, gestand sie errötend, wenngleich ste damals ein recht dummes Ding gewesen set. In Freiburg sei sie dann zufällig in eine sozialdemokratische Arbeiterinnenversammlung, wo eine beruhmte Rednerin sprach, geraten. Jener Abend sei von entscheidender Bedeutung für sie geworden. „Ich habe dann des Abends nach der Arbeit und Sonntags fleißig sozialdemokratische Schrif⸗ ten gelesen und so allmälig es dahin gebracht, daß ich von meinem geistigen Eigentum— anderes besaß ich ja nicht mehr— anderen Bedürftigen mitteilen konnte. Und wer wäre bedürftiger als unsere Arbeiterinnen?“ schloß sie. Von den mannigfachsten Empfindungen be⸗ wegt, hatte Konrad ihr zugehört. Es drängte ihn seinem übervollen Herzen wenigstens etwas Luft zu schaffen. Aber keine Möglichkeit! An⸗ nelis gute Freunde und Bekannte waren all⸗ mälig ungeduldig geworden und litten es nun nicht länger, daß Konrad sie ihnen ganz ent⸗ zog. In gemeinsamem anregenden Gespräch, das zwischen Scherz und Ernst pendelte, ver⸗ brachte man den Rest des Nachmittags, den dann ein munteres Tänzchen beschloß.. * Durch silbernes Gewölk segelte der Mond und goß seine milde klare Helligkeit auch über Menschen, die eug aneinander geschmiegt auf einer Bank vor einem Hause saßen. Es war Anneli Wehrle mit Konrad, der ihr nach der schönen, harmonisch verlaufenen Maifeier das Geleit durch den Wald nach dem Hause, wo sie wohnte, gegeben. „Vor fünf Jahren trennte uns der 1. Mai, und heute führt er uns wieder zusammen, damit wir nie mehr von einander lassen, Liebster.“ So sprach das Anneli, dessen Antlitz im holdesten Liebreiz strahlt, zu Konrad. flüsterte seinem endlich eroberten Liebchen ins Ohr:„Manche großartige erhebende Maifeier habe ich daheim und in der Fremde erlebt, aber die schönste von allen ist doch die heutige!“ Splitter. Alles kann sich umgestalten, Mag das dunkle Schicksal walten! Mutig auf der steilsten Bahn! Laßt den Schwä bling angstvoll zagen, Wer um Hohes kämpft, muß wagen, Leben gelt es oder Tod! Laß die Woge donnernd branden, Nur bleib immer, du magst landen Oder scheitern, selbst Pilot!*) ) Pilot- Steuermann. Matthisson. Humoristisches. Schlau. Der Herr Bürgermeister kommt von der Distriktsrat⸗Sitzung zurück und erscheint abends beim Gocklwirt, woselbst eine Anzahl hervorragender Gemeinde⸗ bürger seiner Berichterstattung mit um so größerer Neugierde entgegensehen, als sie ganz sicher erwarten, daß es dem Bürgermeister gelungen, den Gemeinde⸗ zuschuß zur neuen Distriktsstraße uicht unbedeutend zu ermäßigen. „Gut is ganga!“ sagt der Bürgermeister.„G'red't hob' i' wie an Avakat, und nachher hob' i“' dengerst so weit bracht, daß wir statt wie bisher den vierten, künftighin bloß mehr den dritten Teil von den Unter⸗ haltungskosten zu zahl'n brauch'n!“ Ein beifälliges Schmunzeln fliegt über alle Gesichter— nur der Riedhofbauer, der immer der Gescheitere sein will, bemerkt„Ja, meine Leut', dös waar' ja no' mehra wie zu erst!“— Aber der Bürgermeister hat's ihm ordentlich gesagt:„O Du Rindvieh,“ hat er gesagt— „seit wann is denn drei mehra als viere?!“— [Fl. Bl. Gemütlich. Der Doktor, der Apotheker, der Forstmeister und der Notar sitzen um halb zwölf Uhr noch beim Schoppen. Der Polizeidiener kommt zum zweiten Mal herein:„Meine Herren, jetzt ischt aber d' Polizeistund' ganz g'wiß vorbei; aber Se könne no net furt,'s regnet grad' saumäßig!“ sind dauerhaft und preiswert. kauft man gut und billig Gießen, Seltersweg 9 (nahe am Kreuzplatz). Budde s Schirme Casseler Schirmfabrik Marburg a L., Neustadt 11, Fulda, Buttermarkt 14„„ Steuerhaus“. 0 Reparaturen und Neubeziehen schnell, gut und billig. ö Ortskrankenkasse Giessen. 32 milmonen mark Regenschirme, N 5 Sonnenschirme, Sonntag, den 11. Mai 1902, Spazierstöcke Nachmittags 16 ee ller. Kommisston. schriftlich bei dem Vorstande einzureichen. 8* 80 5 3 Abona- Versammlung., Nechnungsablage, sowie Bericht der Nechnungsprüfungs⸗ Der Vorstand. Etwaige Anträge zur Generalversammlung sind 8 Tage vorher darunter Häupttreff. jahr. von Mk. 2 E kommen im Laufe der Vereinszeit zur Verloosung Jedes Loos ein Treffer. Die kleinsten Treffer betragen mindestens ca. 97 pCt. des Ein- satzes, daher bei Verloosung fast Lein NRisido en détail ö 1 Fonbirmandenltiefel 5 1. u e d aller Sorten Teller, Tassen, Kannen, Schüsseln e Un* 0 i 5 Isti⸗ gen Schuhwaren in den besten Qualitäten zu den billigsten Preisen empfiehlt Justus Benner, Gießen, Marktstraße 34. Reparaturen in eigener Werkstätte rasch, gut und billig. Edgar Borrmann, Giessen. Heinrich Noll. Giessen 7 Mäusburg 7 Hauen- Hauubeliig 8 Draht⸗Arbeiten 8 Auelbinäerel. Geschättsbücher, Drucksachen grsgbe tee bürger Jer Einrahmen von Vildern. — Anfertigung nach Maß!— Neustadt 11. Teleson 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Ilaus- und Küchen- Gseräte-Hlandlung Landwirtschaftl. Geräte Grute⸗Striche 5 Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen ichenudre Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher aagen und Gewichte Stehleitern Messerputzmaschinen Herde und Oefen Solinger Stahlwaren Petroleum⸗ u. Gaskocher Fleischhack u. Reibemasch. Dr Kleins Fleischsaftpress. 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Klasse 72 Pfg. ö—— 5— 8 wie Zahlung der Beiträge finden auf die 5 N 63„ S 8 1 gewer betreibenden in der Weise Anwendung: N. 48„ 1— 8 Gi a) daß die Hausgewerbetretbenden für sich und die V 2 2 O etwa bon ihnen beschäftigten Personen selbst die 5 30 5 82 Ci erforderlichen Meldungen zu vollziehen ha„ 5 b) daß den versicherten Hausgewerbetreibenden R 1 2 die Elnzahlung der Beitrage obliegt; ö e) daß sämtliche Arbeitgeber, für welche der Haus⸗ gewerbetreibende innerhalb der Kalenderwoche schaͤftigt war, verpflichtet find, demselben ein Or der auf die Woche entfallendenden Kassenbeit zu ersetzen und zwar nach Maßgabe der ar haltlich der in§ 137 des Gesetzes 1886 für die in§ 1 Ziffer 2 dieses 55 ichneten Personen vorgesehenen Er⸗ 9 Millionen ich welcher die wöchentlichen Beiträge: . Cigarren 30 9 ee einzelnen Arbeitgeber entfallenden Arbeitszeiten„5 24 7 sabethaft billig in verkaufen. 10 bezw. Arbeitslöhne.* 18 100 5. Pf⸗Eigarren nur 15 1 Die von den Hausgewerbetreibenden ihrerfeits an⸗ 275 155 9 5 5 495 1 8„ 1 genommenen Arbeiter sind gemäß§ 1 des Krankengeldes 5 II.. 100„ 10, 8 900 versicherungspflichtig und es gilt denselben gegenübe 2„ e D Vorhand Bei 300 Stück Frankolieferung. 1 0 Hausgewerbetreibende als Arbeitgeber im Sinne des 8 er Vorand. Versand gegen Nachnahme. deene des Gesetzes ö 55 7 Für Güte der Ware wird aus⸗ entg 7 des bes, 8. Achtung! Achtung!„ 5 drücklich garantiert. l 505 0 c) bei 8 135 Für die Bemessung der Höhe 8 Jonnenstr. 5* 1 Sonnenstr. Tausd. Anerkennungen liegen vor 5 it 1 Krankengeldes und der Beiträge werden die Kaff 90. 55 Na U I. 0„ 5 5 nülglieder in 7 Klassen eingeteslt: er e kran Neumeier 20 be Berndt, 005 1 90 5 0 1 e 1 Empfehle zu außergewöhnlich billigen Preisen: Berlin ⸗ Schöneberg 128, 1 Klasse Arbeits! 0 Durchschnittlicher Tageloyn Empfehle zu außergewöhnlich illigen Preisen: a Ebersstraße 75 Nil Klasse Arbe lohn 3 Durchschnit icher Tag ohn ain der⸗Ohrenschuh 80 ig., Kinder⸗Spangenschuh 1,80 Mk., 5 li 1„über 8.75 Ml. 4.— Mk 5 Helbschuh 150 Mk., Kinder Knopsschaß der. 22 21 5 me II 3.01 bis 3.75„ 89 2„ Klurder⸗Schnürschuh Nr. 2526 2.30 Mk., Kinder⸗ 5 K a 1 Ka Gru III 2.51 3.—„ 2.70 üschuh Pfg., Mädchen⸗Stramiuschuh 90 Pfg., 5. heit IV 2.01 5 2.50 a 990 bf zum Schnüren Z Mk., Mädchen⸗Halbschuß 75 55 VVV 35855 N 40 Mk., Mädchen⸗Agrasfenstiesel 4 Me, e ehr macher rel 0 E o 1.80 Agsaffenstiefel 4 Me., Damen Halbschußß stessen, Marktplatz 18. und VI, 1.20 dk., Damen⸗albschuh 25 e Vorteilhafte Bezugsquelle für fühle VII ii 0.90 fel 5,30 Mk., Herren⸗Agraffeustiefel 5„5 3 8 5 J) bei 1 75 5 3 letzt r Absatz: Es 0 ö Halbschuhe ö Mk. kir deere echahe und Stiefel in Uhren, Gold⸗ in d) bei 8 N. 3 lehter Absatz: 5 erhalten de n= nur guter Qualität. 4 10 nach arbeitstäg die Mitglieder: Anfertigung nach Maaß. 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