. gl, — — Jeumeier Ide 222 auzergewöhnli 18 f 5 schuh 80 Nfg, micudt 900 chuh 1.50 Mk, Kuopfschuh U 2,35 Mk., chnürschuh 2.80 Mk., inschuh 70 Pfg traminschuß 79. albschuh zum en 3 Mk., Halbschnh en 3,40 Mk., affenstiefel4 Mk, Rindleder⸗ liefel 4 Mk., Halbschuh üren 4 Mk., Halbschuh eu 4,50 Mk., efel 5,30 Ml, feustiefel 5 Ml, bschuhe d Ml. he und Stiess ler Qualität. ach Maaß. ner Werkstatt . ug von Fuhre Traus port vol empfiehlt sich Fehneider geuenweg 40. — den 9 ttrefl. jähr. on M Nr. 32. 9. Jahra Redaktionsschluß. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Gießen, Sonntag, den 10. August 1902. Mitteldeutsche 5 Sonntags⸗Zeitung. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen 2 Juserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33/% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt, Zum diesjährigen Parteitag. Zu der Tagesordnung, die für den Münchener Parteitag von dem Parteivorstand vorgeschlagen ist, werden von mehreren Parteiblättern Ab⸗ änderungsvorschläge gemacht. So nimmt der „Vorwärts“ in einem längeren Artikel zu der vorgeschlagenen Tagesordnung Stellung und weist zunächst auf die besondere Bedeutung hin, die dem diesjährigen Parteitag— im Hinblick auf die gegenwärtige politische Situation und die kommenden Reichstagswahlen— zukomme. Die Wahlen von 1903 würden den Ausschlag geben, ob die Versumpfung der deutschen Ver⸗ hältnisse fortdauern soll, oder ob es dem Pro⸗ letariat gelingt, einen erfolgreichen Vorstoß auszuführen, und freieren und helleren Zuständen eine Gasse zu bahnen. Wir müssen in dem kommenden Jahrfünft auf wichtige Entscheidungen gefaßt sein. Da gilt es, nicht nur einig und stark, sondern auch klar bewußt und sicher ent⸗ schlossen zu sein. Als Punkt 5 der Tagesordnung ist„Ar⸗ beiterversicherung“, als Punkt 6„Kom⸗ munalpolitik“ vorgesehen. Die Wichtigkeit dieser beiden Gegenstände erkennt unser Zentral⸗ organ vollkommen an, es meint aber, für diesen Parteitag der Wahlkampfrüstung wäre die Er⸗ örterung derselben weniger am Platze, die Re⸗ ferate darüber könnten das Programm eines jeden Parteitags zieren. Diesem solle aber seine Eigenart als Wahl⸗Parteitag gewahrt werden und darum wünscht der„Vorwärts“, daß als Punkt 5:„Die Wahlrechts⸗ Kämpfe in den Einzelstaaten“ und als Punkt 6:„Das Zentrum“ gesetzt werden möge. Zur Begründung des ersteren Vorschlags sagt der„Vorwärts“, der Parteitag müsse end⸗ lich die Frage erörtern:„Was müssen wir thun, um in den Einzelstaaten vorwärts zu kommen? Wir können Sachsen und Preußen nicht länger der unumschränkten Macht der Reaktion überlassen. Die Erfah⸗ rungen und Lehren der Wahlreformbewegung in den süddeutschen Staaten müßten wir uns aneignen und versuchen, ein demokratisches Wahlrecht aus eigener Kraft zu erobern. Zum zweiten Vorschlage wird angeführt, daß eine Erörterung der Zentrumsfrage ebenso not⸗ wendig sei, als eine solche des Landtagswahl⸗ rechts. Ueber Junkertum, Agrarier, National⸗ liberale, Freisinnige könne bei dem Referat über die Reichstagswahlen das Notwendige gesagt werden. Das Zentrums problem aber sei so kompliziert und weitschichtig, daß es nicht im Vorübergehen erschöpft werden könne. — Seit den letzten Wahlen hat das Zentrum seine reaktionäre Entwicklung vollendet. Als stärkste Partei des Reichstags übt es den be⸗ stimmenden Einfluß auf die Regierung und die Richtung der Politik. Der Klerikalismus ist auch bei uns der Hort des Stillstandes und das Hemmnis jeder freieren und reineren Entwicklung. Unsere öffentlichen Verhältnisse ersticken in der Klosterluft des Zentrums. Indem das Zentrum alle herrschen⸗ den Mächte mit seinen Spenden besticht, indem es Junkern und Großindustriellen dient, Mittelständlern und Arbeitern listige Köder hinwirft, erkauft es sich den Ablaß für seine ungezählten Sünden. Es trägt die [ Hauptschuld am Militarismus, Marinismus, an der Welt- und Kolonialpolitik, es ist ver⸗ antwortlich für die Flickschusterei der Sozial⸗ politik, es macht— unter Verrat aller seiner früheren Grundsätze— die aus⸗ schweifenden Forderungen der Zollwucherer mit, es ist auch auf dem Gebiete der politischen Volksrechte keineswegs mehr zuverlässig— man denke an das erzreaktionäre Verhalten in den (Landtagen—, es fördert jede kultur⸗ feindliche Unterdrückung geistiger Freiheit und künstlerischer Schöpferkraft. Unter Anwendung aller der großen Hilfsmittel der gewaltigen und bewunderungswürdtgen Organisation der katholischen Kirche, unter rafftnterter Anpassung an die Gemütsbedürfnisse unterdrückter armer Menschenseelen hindert das Zentrum die sozialistische Aufklärung und er⸗ hält die Ausgebeuteten— wohlwollende Freund⸗ schaft heuchelnd und schlau Almosen spendend— im Joche ihrer Ausbeuter. Es ist nicht zu leugnen, daß unsere Erfolge gegen das Zentrum noch verhältnismäßig ge⸗ ringfügig sind. Es giebt schwarze Wahlkreise, die gegen jeden Lichtstrahl undurchlässig scheinen. Man glaube nicht etwa, daß der Liebersche Wahlkreis, in dem wir es bisher niemals, und auch diesmal nicht, über 700 Stimmen brachten, eine rein bäuerliche Bevölkerung hat; in den vier Kreisen, die für den Wahlbezirk in Betracht kommen— ste überschreiten allerdings seine Grenzen—, zählte bereits die Berufs⸗ zählung von 1895 nicht weniger als 18 000 in Bergbau und Industrie als Haupterwerb thätige Personen, während die Landwirtschaft 30000 erwerbsthätige Personen umfaßte, überwiegend kleinbäuerlichen Charakters! Andererseits giebt es doch Anzeichen, daß die universale Mundstopf-⸗Politik des Zentrums — den Besitzenden aller Art werden auf Kosten der Besttzlosen Millionen gegeben, Pfennige ge⸗ nommen, mit denen dann die Ausgebeuteten beglückt werden— zu inneren Zerrüttungs⸗ erscheinungen führt. Die Zentrumsarbeiter be⸗ ginnen zu rebellieren. Dennoch zerfällt das Zentrum nicht von selbst. Ohne positive Arbeit der Sozial demokratie würden die inneren Zwistig⸗ keiten der Ultramontanen schließlich in nichts verpuffen. Wie es die Sozialdemokratie anfangen müsse, in diese Kreise einzudringen, welche Agitations⸗ methoden anzuwenden, welche Form der Orga⸗ nisation zweckmäßig sei, diese Fragen, schließt der„Vorwärts“, müßten einer gehörigen Be⸗ ratung unterzogen werden. Was die Anregung bezüglich des Zentrums betrifft, spricht sich die Münchener Post dahin aus, daß aus technischen Gründen ein er⸗ sprießliches Referat über das Zentrum nicht gut zu ermöglichen sei, ein solches ließe sich nicht aus den Aermel schütteln.„Wer die historischen und wirtschaftlichen Wurzeln dieses besonderen Parteigebildes bloslegen will, hat eine harte Arbeit zu leisten, die innerhalb eines Zeitraumes von sechs Wochen schwer zu leisten sein wird. Und Referate von der Qualität der antisozialistischen Bachemschen Blechpauken auf den Katholikentagen wollen wir doch nicht.“ Andere Parteiblätter legen der Erörterung des Zentrumsproblems, das mehr eine„sozial⸗ historische Doktorfrage“ sei, weniger aktuelle Bedeutung bei, unsere Parteigenossen wüßten da, wo sie mit dem Zentrum zu thun hätten, diese Partei mit ihren eigenen parlamentarischen Früchten zu bedienen. Es genüge die Aussprache über das Zentrum im Rahmen der Debatte über den parlamentarischen Bericht der Fraktion. Dieser Meinung pflichten wir bei. Zum Kampfe gegen das Zentrum halten wir weder eine andere Agitationsmethode noch Form der Organisation für notwendig. Thatsache ist, daß wir in den im Besitz des Zentrums be⸗ findlichen Kreisen bisher nur noch wenig Fort⸗ schritte gemacht haben; aber deswegen braucht sich das Zentrum nicht so stolz als hieb⸗ und stichfest gegen die sozialdemokratische Agitation hinzustellen, wie es jetzt wieder anläßlich der Vorschläge des Vorwärts geschieht. Denn es giebt Wahlkreise mit zahlreicher Arbeiterbevölke⸗ rung, wo das Zentrum wenig oder gar keinen Einfluß besitzt und wir doch auch wenig Stimmen erzielen. Verschiedene vorwiegend evangelische Kreise im Saarrevier, der Pfalz und der Pro⸗ vinz Sachsen können hier als Beispiele ange⸗ führt werden. Auch in dem vom„Vorwärts“ angeführten Lieberschen Kreise haben wir in einzelnen durchweg katholischen Orten gute Fortschritte gemacht, dagegen konnten wir in anderen evangelischen noch keinen Boden ge⸗ winnen. Auf dem Lande geht es erfahrungs⸗ gemäß überall da vorwärts mit unserer Sache, wo wir geeignete Genossen am Orte haben, die, wenn auch nur im Stillen, agitatorisch wirken können. Daran mangelt es aber; hätten wir an jedem Orte nur einen solchen, so würde auch die Wiederstandsfähigkeit des Zentrums⸗ turmes bald gebrochen sein. Einer besonderen Agitationsmethode gegen das Zentrum bedarf es nicht, es unterscheidet sich ja doch kaum noch von den übrigen reaktionären Parteien. Der Bericht über die palamentarische Thätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ist erschienen. Diesmal wird er vom Genossen Emil Rosenow erstattet, des an Jahren jüngsten Mitgliedes unserer Reichstagsfraktion. Die Broschüre umfaßt 39 Druckseiten, geht auf alle Gegenstände ein, die den Reichstag be⸗ schäftigten und erklärt und begründet die Stel⸗ lungnahme der Partei dazu. Wir können in Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum den Bericht nur auszugsweise wiedergeben. Zuerst wird die Vorlage des Zolltarifs besprochen, dessen Inhalt die schlimmsten Be⸗ fürchtungen der Arbeiter bestätigt habe. Es traf sich, daß die Regierung den Zoll⸗ tarif zu einer Zeit vorlegte, da über das deutsche Proletariat die schwersten Stürme der wirt⸗ schaftlichen Krise hinwegbrausten. Weit über eine halbe Million Arbeitsloser lungerte frierend und darbend um geschlossene Fabrikthore, ver⸗ ödete Arbeitssäle und unbeschäftigte Arbeits⸗ nachweise. Hunderttausende verzweifelnder Väter und Mütter wußten nicht, woher Brot nehmen, um die hungrigen Mäuler ihrer Kinder zu füllen oder Kleider zu beschaffen, um ihre Blößen zu decken. Wenn trotzdem die Blätter der preußischen Vieh⸗ und Kornjunker mit großem Geschrei die Macher des Zolltarifs be⸗ schuldigten, die„dringendsten Forderungen der PPP —,— 1 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 32. Landwirtschaft“ nur in einem„ganz ungenü⸗ enden Maße“ erfüllt zu haben und deshalb 925 Zolltarif für„unannehmbar“ erklärten, so eigt solcher wohl fast beispiellose Vorgang, wie die jahrelange volksfeindliche Agitation der agrarischen und industriellen Interessenkliquen das öffentliche moralische Empfinden verwüstet hat. Als schließlich die Regierung zur Begründung des Tarifgesetzes vor den Reichstag trat, waren die Rede von der Ministerestrade, ihrem Jahalte nach, noch kläglicher als die gedruckte Begrün⸗ dung, welche dem e mit auf den Weg gegeben war. War es nun weiter kein Wunder, daß der hochschutzzöllnerische Beutezug auf die Taschen der armen Leute von den rheinisch⸗westfälischen Schlotbaronen, der natio⸗ nal⸗polnischen Slachta bis herunter zu den Antisemiten und Zünftlern unterstützt wurde, so mußte das Verhalten des Zentrums jedes sittliche Gefühl empören. Es verzichtete bei dieser Gelegenheit selbst auf die gewohnten Kniffe und Pfiffe, mit denen es in den letzten Jahren jeden Volksverrat noch zu umhüllen suchte. Mit einer Schamlosigkeit ohne gleichen schlug es sich offen auf die Seite der Brotverteurer. Was thut's, daß sich unter den Zentrumswählern Zehntausende kleiner Bauern befinden, die von der Erhöhung der Agrarzölle nicht bloß keinerlei Vorteile, sondern direkten Nachteil haben, was thut's, daß das Zentrum seine parlamentarische Stärke den Massen katho⸗ lischer Industriearbeiter verdankt, aus deren Taschen die Notgroschen genommen werden sollen, die sich für die Junker zu Wuchermillionen summieren— das Zentrum ging zu den Brot⸗ wucherern über. Wenn das Zentrum durch einen seiner Redner sagen ließ, es wolle die Erträgnisse des Getreidezolles zu Wohlfahrts⸗ Einrichtungen für die Arbeiter, z. B. Witwen⸗ und Waisenversicherung, verwenden, so war das nur ein zweckloser Rückfall in die alten Roß⸗ täuscherkniffe. Schließlich muß auch der letzte katholische Arbeiter einsehen, wie infam er geprellt ist, wenn erst seine Witwe und Waise gezwungen wird, die verteuerten Lebens⸗ mittel zu kaufen und hernach aus dem Wucher⸗ profit ein Almosen zurückbekommt. Inmitten dieses widerwärtigen Feilschens um die Haut des Konsumenten vertrat die Fraktion mit Würde und Wucht die Interessen der Arbeiterklasse. Ihre Redner erwiderten auf die Klagen der ostelbischen Junker über die Unrentabilität ihres landwirtschaftlichen Groß⸗ betriebes, daß dort, wo sie beklagt werde, neben den bekannten Gründen auch vielfach die mise⸗ rable Bezahlung und Behandlung der Land⸗ arbeiter mit die Ursache sei. Wenn wir nicht dulden wollten, daß die Armen in Stadt und Land ausgebeutet würden zu Gunsten von 25 000 Großgrundbesitzern, so seien wir ander⸗ seits jederzeit bereit, Mittel zu bewilligen zur Verbesserung der Lage der kleinen Land⸗ wirte und namentlich der Landarbeiter. Hin⸗ gegen würden wir niemals zulassen, daß jenem adligen Groß⸗Agrariertum, welches allein den Vorteil aus dem Zolltarif habe, unter dem falschen Schlagwort:„Not der Landwirtschaft“, einseitig Milltarden⸗Profite in die Tasche ge⸗ schanzt würden. Am Schlusse dieses Abschnittes sagt der Bericht: Die Gefahr für die Verteuerung der Lebenshaltung des Volkes und die Verschlechte⸗ rung aller seiner Existenzbedingungen ist heute größer als es bei der Einbringung des Zoll⸗ tarifes den Anschein hatte. Aber die sozial⸗ demokratische Fraktion ist gewillt, die Wucher⸗ pläne zu Schanden zu machen und sei die Phalanx der Volksfeinde noch so stark. Im zweiten Abschnitt giebt der Bericht die Zahlen des Reichshaushaltsetats wieder. Danach belaufen sich die etatsmäßigen fortdauernden und einmaligen Ausgaben im Ganzen auf 2 341 885 611 Mark, wovon 113 200 439 Mark durch Anleihen zu decken sind. Für unsere Leser wird es ebenfalls von Interesse sein, die einzelnen Einnahme⸗ und Ausgabeposten kennen zu lernen. Sie verteilen sich in folgender Weise: Fortdauernde Ausgaben: Reichstag 756 260 Mk. Reichskanzler und Reichskanzlei 241630„ Auswärtiges Amt 5 13 941652„ Reichsamt des Innern 59 852829„ Verwaltung des Reichsheeres 568 473 624„ Reichs⸗Milit ärgericht, 522 647„ Verwaltung der Marine 86 913 539„ Reichs⸗Justizverwaltung 2 143 774„ Reichs⸗Schatzamt 564 248 000„ Reichs⸗Eisenbahnämt 397„ Reichs schuld 93 654160„ Nechnungege ß 927390„ Allgemeiner Penstions fonds 744947701„ Reichs⸗Invalidenfonds 850 46 305 017„ Post⸗ und Telegraphenverwaltung 387 027 539„ Reichsdruckerre 5 990 531„ Eisenbahnverwaltung 65 936 800„ Summe der fortdauernden Ausgaben 1971 527823 Mk. Einmalige Ausgaben. a) Ordentlicher Etat. Auswärtiges Amt 22 620 521 Mk. Rrichsamt des Innen 2 758 000„ Post⸗ und Telegräphenverwaltun 12976 683„ Meichs drucker!!! 480 000„ Verwoltung des Reichsheeres 55724181„ Verwaltung der Marine s e, Reichsschatzamt r 15000„ Rechnungshof 5 409 000„ Eisenbahn verwaltung. 3 956 000„ Fehlbetrag. e e eee 1842 568„ Zur Verminderung der Reichsschuld——„„ Summe a) 180 560 473 Mk. b) Außerordentlicher Etat. Reichsamt des Innern 4 000 000 Mk. Post⸗ und Telegraphen verwaltung. 20 354000„ Verwaltung des Reich sheeres 29 528 995„ Verwaltung der Marine 50 346 000„ Eisenbahn verwaltung. 8 13 620 000„ Expedition nach Ostasien 33 254824„ Summe b) 151094 819 Mk. Summe der einmaligen Ausgaben 3833 655 292 Mk. 5„ fortdauernden„ 1971527823„ Summe der Ausgabe 2303 183 115 Mk. Hierzu: Nachtragsetat 1300 000„ Etat der Schutzgebiete 37 402 496„ Insgesamt 2341885611 Mk. Einnahmen. Zölle und Verbrauchssteuern 819084690 Mk. Reichsstempelabgabe„„ 59e Post⸗ und Telegraphenverwaltung. 440 629 130„ Reichsdruckerei 2 8 107000„ * Eisenbahnverwaltung„ e Bankwesen 31418429 200 Verschiedene Verwaltungseinnahmen 37672090„ Aus dem Reichsinvalidenfonds Ausgleichungsbeträge Matrikularbeiträge 46 305017„ 16 838 877„ 580 639 792„ 2 152 088 296 Mk. Außerordentliche Deckungsmittel 151094819„ Summe der Einnahme 2 303 182 115 Mk. Hierzu: Nachtragsetat 1300 000„ Etat der Schutzgebiete 37402 496„ Insgesamt 2341385 611 Mk. Bei den einzelnen Kapiteln des Gesamtetats setzte natürlich die Kritik unserer Genossen ein, die überall für die Interessen des werkthätigen Volkes eintraten. Was der Bericht über die Thätigkeit unserer Abgeordneten bei der Einzel⸗ beratung des Etats sagt, darauf wollen wir in nächster. Nummer eingehen. Politische Rundschau. Gießen, den 7. August. Die Zolltarifkommission hat nunmehr die erste Lesung des Tarifs bei⸗ nahe bewältigt. Sie geht dann einige Wochen in die Ferien, worauf die zweite Lesung in Angriff genommen wird. Wenn auch die Durch⸗ beratung des Tarifs in der Kommisston noch rechtzeitig erledigt wird, so ist es noch sehr zweifelhaft, ob der Reichstag bis zu den im Juni stattfindenden Neuwahlen damit zu Ende kommt. Ob die Wucherzölle Gesetz werden, ist somit noch immer sehr fraglich; trotzdem dürfen wir in der Agitation nicht erlahmen, sondern müssen dafür sorgen, daß das Unge⸗ heuer in Wolfsschlucht geworfen wird. Atsttagrarische Kaiserrede. Bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Em den hielt der Kaiser wieder einige Reden. In einer derselben sagte er: Emden ist eine blühende Handelsstadt ge⸗ wesen und hat es erleben müssen, daß der Handel andere Wege ging, andere Bahnen zog, und daß ihr blühender Zustand zurück⸗ ging. Sie hat eine große Rolle in der Ge⸗ schichte gespielt und trat dann in den Hinter⸗ grund. Aber niemals hat Emden durch Schreien und Klagen in Bitter⸗ keit den veränderten Zeiten Rechnung getragen, sondern in stillem, innigem Gottvertrauen auf die Zukunft gewartet. Ich möchte diesen Seelenzustand, diese Eigenschaft der Friesen und Emdens nicht besser bezeichnen können, als mit dem Wort:„Sie haben gelernt zu leiden, ohne zu klagen.“ Fürwahr ein großes Beispiel, an dem sich viele meiner Landsleute ein Muster nehmen sollten. Die Rede wird den Agrariern sicher nicht passen. Aber noch weniger werden sie die Mahnung des Kaisers beherzigen und dem Beispiel der Friesen folgen. Sie werden das Geschrei nach Staatshülfe und Wucherzöllen nicht aufgeben. Diese Rede dürfte sie vielmehr veranlassen, die schon oft angedrohte Reviston des„monarchischen Gefühls“ vorzunehmen. Vom„Nutzen“ der Getreidezölle. Wie eine Provinz, die man getrost als eine „Bauernprovinz“ bezeichnen dann— die Hälfte ihrer Bewohner gehören direkt oder indirekt der Landwirtschaft an— durch die Getreidezölle belastet wird, geht aus dem letzten Jahresbericht der Landwirtschaftskammer für Hannover hervor. Aus dem Berichte teilt der Hannoversche Kourier die Zahlen der auf den hannoverschen Eisen⸗ bahnstationen verfrachteten Getreidemengen mit. Darnach wurden versandt: Weizen 69,904, Roggen 35,421, Hafer 28,067, Gerste 8230 und Mais 22,623 Tonnen, empfangen: Weizen 75,462, Roggen 76,431, Hafer 47,020, Gerste 47,065 und Mais 136,877 Tonnen. Worauf sich folgende Einfuhrüberschüsse ergeben: Weizen 5558, Roggen 41,010, Hafer 18,953, Gerste 38,835 und Mais 114,254 Tonnen. Es stellt sich demgemäß die Belastung der Pro⸗ vinz Hannover durch die Zölle 222 Beim Minimal⸗ Beim tarif der Vertragstarif Kommissions⸗ beschlüsse Zoll] Belastung Zoll Belastung Weizen 3,50 194,530 6,00] 333,480 Roggen 3,50 1,435,350 5,50 2,255,550 Hafer 2,80 530,684 5,50 1,042,415 Gerste 2,00 776,700 5,50 2,135,925 Mais 1,60 1,828,064 5,00 5,712,700 Im Ganzen ist infolgedessen die Belastung der Provinz bei den angeführten Getreidearten unter dem geltenden Vertragstarif 4,765,328 M., beim Minimaltarif, wie ihn die Kommisstons⸗ beschlüsse festgelegt haben, 11,480,070 M. Das ist die Belastung einer„Bauernprovinz“ durch die Getreidezölle, festgestellt durch die Vertretung der Landwirtschaft.— Trotz alle⸗ dem reden die gewissenlosen agrarischen Agita⸗ toren immer davon, daß die Gesamtheit Nutzen von den Getreide⸗Zöllen hätte. Zugleich be⸗ weisen diese Zahlen, daß selbst eine Provinz mit verhältnismäßig bedeutender Landwirtschaft noch Getreide in erheblicher Menge einführen muß. Von zöllnerischer Seite wird mehrfach behauptet, daß die deutsche Landwirtschaft den Bedarf für die Ernährung des deutschen Volkes decken könne. Fleischverteuerung. Ueber die durch Grenz-Sperren, Zölle ꝛc. künstlich hervorgerufene Verteuerung des Fleisches sagt der Jahresbericht der hessischen Hand⸗ werkskammer bei Besprechung Geschäftslage im e u. A. folgendes: „Die deutsche Landwirtschaft ist nachweislich nicht imstande, den Bedarf Deutschlands an Fleich zu produzieren, das geht schon zur Genüge aus der enormen Einfuhr Amerikas hervor. 100 pre sch spec Will Pöl unte erw. Sti also oder 100 spec gese zu der Tü fh Uh! das pro wiel . der Frieen ichnen 12 5 den gelernt zu r en goßt ele neiner ehmen sollken r nicht pasen. die Mahnung Beispel der Geschrei nag icht aufgeben. eranlassen, die „monarchischen eidezölle. etrost als eine — die Hälfte er indirekt der e Gelreidezölle Jahresbericht innober hervor. bersche Kourier berschen Eisen⸗ demengen mit. Leizen 69,904 Gerste 8280 mpfangen: Hafer 47020 977 Tonnen. überschüsse 44010, Hafer 4.254 Tonnen. tung der Pro eim Minimal⸗ turlf der gommisstons⸗ beschllsse L Bealasung . 00 333,480 502255)550 50 a 50 2435 170 0 57120 Belatung da eidearten Antes 105,028 N. Kommissoll 460070 N. 50 Nr. 32. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Trotzdem waren die Grenzen gegen die Ein⸗ fuhr lebenden Viehes, die schon aus sanitären Gründen der Einfuhr von Fleisch unbedingt vorzuziehen ist, seither künstlich zu Gunsten der Landwirte durch die Seuchengesetze gesperrt. Nachdem das nicht mehr haltbar ist, sollen hierfür jetzt vielfach erhöhte Zollsätze treten. Damit nicht genug, betrachten Staat und Gemeinde das Fleisch leider als günstiges Steuerobjekt. Es werden Verbrauchsabgaben auf dieses wichtigste Nahrungsmittel gelegt, die bei der Preisbildung schwer in das Gewicht fallen.“— Dazu kommt, daß mit dem Inkrafttreten des Fleischbeschaugesetzes durch die hohen Untersuchungskosten der vom Aus⸗ lande eingeführten Fleischwaren eine weitere, sehr erhebliche Verteuerung derselben stattfindet. Die Gebührenordnung für die Untersuchung der in Zukunft in das Zollinland einzuführenden! Fleischwaren ist nach der„Frkftr. Ztg.“ unge⸗ heuerlich: 1000 Eimer Schmalz von je 12½ kg Netto würden 400 Mark Untersuchungsgebühren kosten; für dieses Geld würden 27 Eimer zu öffnen und aus diesen 27 Packstücken Durch⸗ schnittsproben von zusammen 250 gr zu ent⸗ nehmen sein, sechs von diesen Proben werden dann darauf untersucht, ob die Ware reines Schweinefett ist, und keine verbotenen Konser⸗ vierungsmittel enthält; und nach beendeter Unter⸗ suchung ist jedes Packstück mit zwei Stempel⸗ abdrücken zu versehen. Diese Arbeitsleistung würde mit 10 Mark per Analyse und 1 Pfg. per Packstück für Probeentnahme und Abstempe⸗ lung sehr reichlich bezahlt sein, das würden 75, aber keine 400 Mark betragen. Noch schlimmer stellt sich die Berechnung für die kleinen Vorderschinken, diese wiegen durchschnittlich Z Kg, also 100 Stück 300 Kg; diese 100 Stück würden an Gebühren a) für die allgemeine Untersuchung Mk. 7.50 p) für die Untersuchung auf ver⸗ botene Konservierungsmittel„ 6.00 c) für Trichinenschaugebühren„ 50.00 zusammen für Fleischschaugebühren Mk. 63.50 oder 21 Mark per 100 kg zu bezahlen haben. Hierzu kommt noch der Zoll mit 17 Mk. per 100 kg, sodaß eine Ware, deren Durchschnitts⸗ preis in den letzten 5 Jahren ca. 55 Mk. per Dutzend gewesen ist, 38 Mark Zoll⸗ und Fleisch⸗ schaugebühren zu bezahlen hat. Dasselbe gilt von dem durchwachsenen Bauch⸗ speck, der in Stücken von 4—5 kg eingeführt wird, und im Sinne des Fleischschaugesetzes als Pökelfleisch betrachtet werden muß; als solches unterliegt er denselben Gebühren wie die vor⸗ erwähnten Vorderschinken und würden 100 Stück, wiegend 450 kg Netto, für die allgemeine Untersuchung Mk. 11.25 für die chemische Untersuchung„5 00 für die Trichinenschau„ 50.00 also für Fleischschaugebühren zusammen M. 70.25 oder per 100 kg 15 ¼ Mk. zu zahlen haben. Hierzu kommt noch der Zoll mit 20 Mk. per 100 kg.(Magerer Speck[Bauch⸗ und Seiten⸗ speck] ist zwar im Sinne des Fleischbeschauge⸗ gesetzes als„Pökelfleisch“ und nicht als„Speck“ zu betrachten, bei der Verzollung jedoch muß der höhere Zollsatz für Speck bezahlt werden.) Darf man sich bei solchen Leistungen des rünen Tisches darüber wundern, wenn die Interessenten und Konsumenten in den Aus⸗ führungsbestimmungen zum Fleischbeschaugesetz das Mittel sehen, die durch den bekannten Kom⸗ promiß beseitigten Einfuhrverbote in der Praxis wiederherzustellen? — Gerechtigkeit! Wegen eines Pfennigs erhielt in Magdeburg ein armer Teufel 1 Monat Gefängnis! In einer Zeit, wo zahlreiche Millionendiebe, z. B. die Bankgauner Sanden, Exner, Schmidt ꝛc. mit lächerlich Mime dor Strafen davonkamen, fand am Mittwoch vor acht Tagen eine Gerichtsverhandlung in Magde⸗ burg statt, die wiederum zeigt, daß man mit Vorliebe die kleinen Diebe hängt. Um einen Dieb handelt es sich aber noch nicht einmal. Unser Magdeburger Parteiorgan berichtet über den Fall: Wenn er irgend Arbeit fand, hatte der Arbeiter Gustav Lippe immer gearbeitet, aber freilich Schätze hatte er dabei trotzdem nicht sammeln können. Daher kam es, daß sein Geld, als er im Junt d. J. vorübergehend arbeitslos wurde, bald aufgebraucht war. Doch da er am 15. Juli in eine verhältnismäßig gute Arbeitsstelle eintreten sollte, hoffte er, sich bis dahin durch Gelegenheitsarbeiten durchzu⸗ bringen. Am 12. Juli besaß er aber gar nichts mehr und er ließ sich deshalb verleiten zu betteln. Er erhielt an der ersten Stelle, wo er ansprach, einen Pfennig, wurde dann aber sofort verhaftet und mußte bis zur Verhandlung in Untersuchungs haft bleiben. Das königliche Schöffengericht, vor dem am 30. Juli diese Sache verhandelt wurde, rechnete Lippe, da er schon früher gebettelt hatte, die erlittene Untersuchungshaft nicht an und er⸗ kannte außerdem noch auf 15 Tage, so daß der eine Pfennig dem Lippe nicht nur seine gute Arbeit, sondern auch fast einen Monat seiner Freiheit kostet. Dies Urteil wird gerade jetzt, da die Gemüter noch erregt sind über die äußerst milden Strafen der Millionen unter⸗ schlagenden, veruntreuenden und falsch buchenden Bankdiebe in Berlin, Leipzig und anderswo, auf besonderes Verständnis bei der Arbeiter- schaft stoßen, zumal die Bankdirektoren zu ihren Millionenbetrügereien durch die bitterste Not und der leichtfertige Arbeiter in Magdeburg zum Betteln natürlich— aus purem Uebermute getrieben wurde. Dieser Verurteilung, die man vom mensch⸗ lichen Standpunkte aus als eine äußerst harte bezeichnen muß, stelle man die kürzlich erfolgte Begnadigung des Mörders Hilde⸗ brand gegenüber, die in der vorigen Nummer kurz mitgeteilt wurde. Es ist allerdings kein gewöhnlicher Mörder, sondern ein Offizier, der seinen Kameraden Blaskowitz auf„standes⸗ gemäße“ Weise um die Ecke brachte. Bekanntlich war der Artillerie⸗Oberleutnant Hildebrand, der im vorigen Jahre den Leutnant Blaskowitz in Insterburg im Duell erschoß, am 18. Nov. zu der gesetzlichen Mindeststrafe von 2 Jahren Festung verurteilt worden, welche Strafe er Ende Januar in Glatz antrat. Jetzt wurde er begnadigt und in das Feld⸗Artill.⸗Regiment Nr. 26 versetzt. Er hat also nur 7 Monate seiner ohehin sehr gelinden Strafe verbüßt.— Das Duell Hildebrand⸗Blaskowitz rief eine un⸗ geheure Entrüstung hervor; selten ist der scham⸗ los verbrecherische Wahnsinn des Duells so scharf in die Erscheinung getreten wie in diesem Falle. Nach bürgerlichem Recht steht auf Mord die Todesstrafe, auf Tot⸗ schlag Zuchthausstrafe. Der Ehren-Mörder kommt mit 2 Jahren Festung davon. Und nun die Begnadigung! Angesichts derselben nach Verbüßung kaum eines Drittels der Strafe sei erinnert an die Erklärung, welche Kriegs⸗ minister v. Goßler bei Erörterung dieses Duells im Reichstage am 27. November abgab. Er erklärte, daß der Kaiser nach sehr eingehender Prüfung des Falles zu der bestimmten Ent⸗ scheidung gekommen sei, daß den Absichten und dem Sinn seiner Ordre vom 1. Januar 1897 nicht entsprochen worden sei. Der Kaiser habe dieser seiner Willensmeinung in der ernste⸗ sten Form Ausdruck gegeben, und er sei willens, der Autorität der erwähnten Ordre volle Geltung zu verschaffen.— Diese Erklärung wurde abgegeben wenige Tage nach der Ver⸗ urteilung Hildebrands. Acht Monate später wurde Hildebrand begnadigt!— Sogar der fromme und gewiß königstreue„Reichsbote“ meint, daß durch diese Begnadigung, die dem Rechtsgefühl des Volkes unverständlich set, das Vertrauen in die„monarchische Stetigkeit“ er⸗ schüttert werde. Dies Vertrauen ü st in den weitesten Volkskreisen längst nicht mehr vor⸗ handen. Uns liefern derartige Vorkommnisse Agitationsstoff. Nationalsozialer Parteitag. Die nationalsoziale„Partei“ hält dieses Jahr vom 2.—5. Oktober ihren Parteitag in Hannover ab. Außer den geschäftlichen Be⸗ richten steht auf der Tagesordnung: 1. Unsere Stellung zu den Kartellen und Syndikaten. 2. Was kann der Staat gegenüber dem Alko⸗ holismus thun? 3. Revolutionärer oder oppor⸗ tunistischer Sozialtsmus. Das Referat über die Kartelle wird Dr. Alfred Weber aus Berlin halten; für die Alkoholfrage ist noch kein Re⸗ ferent bezeichnet und über den 3. Punkt wird der Parteisekretär Maurenbrecher sprechen. Ueber die Reichstagswahlen wird in geschlossener Sitzung verhandelt.— Wenn wir nicht irren, erging sich im vorigen Jahre, als unser Partei⸗ vorstand für die Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten geschlossene Sitzungen des Par⸗ teitags anregte, auch die nationalsoziale Presse in Angriffen auf die Sozialdemokratie, die von ihrer alten Gepflogenheit abgehe und hinter verschlossenen Thüren verhandele. Und nun? Die Nattonalsozialen schließen die Thüren bei Erörterung allgemeiner politischer Fragen! Sie werden aber auch bei den bevorstehenden Wahlen kaum große Erfolge erzielen, wenn sie auch eine noch so fein ausgeklügelte Taktik anwenden. Der Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie fand am 2. August im Rathaussaale in Winter⸗ thur statt. Es war dies eigentlich der erste schweizer Parteitag, denn erst seit dem vorigen Jahre verfügen unsere schweizerischen Genossen über eine einheitlich organisterte Partei. An⸗ läßlich des Parteitages, mit dem das Fest des Grütlivereins verbunden war, hatte sich die Stadt Winterthur festlich geschmückt. Der soztaldemokratische Präsident des großen Stadtrates, Dr. Studer, begrüßte den Parteitag, dem auch Bebel als Delegierter der deutschen Partei beiwohnte, deren Grüße er überbrachte.— Im Ganzen waren 216 Delegierte anwesend. Nach Erledigung der Geschäfts⸗Berichte wurde über Wahlrechtsfragen, Schaffung eines Parteiprogramms, sowie über den schweizerischen Zolltarif verhandelt. Die Pfaffen⸗Rebellion in Frankreich gegen die Durchführung des Kongregationsgesetzes wird noch fortgesetzt, wenngleich ste keine Aussicht auf Erfolg hat, sofern sich die Regierung nur nicht einschüchtern läßt. In verschiedenen Orten wurden die Regierungskommissäre thätlich angegriffen, so mußte in Vienne der Beamte angesichts der feindlichen Haltung einer Gruppe von 400 Personen, die Steine gegen die Gendarmen schleuderten, das Feld räumen, ohne seinen Auftrag ausgeführt zu haben. In Firming (Dep. Loire) brach der Pfarrer, unmittelbar nachdem ein Polizeikommissar an der dortigen Kongregationsniederlassung die Siegel angelegt hatte, die Siegel ab, indem er erklärte, er sei Eigentümer des Hauses. Sodann schlug eine Frau dem Kommissar in's Gesicht. Der Pfarrer und die Frau wurden verhaftet.— Wenn sich auch hier und da fanatisierte Menschen von den Geistlichen zu Ausschreitungen aufreizen lassen, im Allgemeinen nimmt die Bevölkerung für die Regierung und gegen das Pfaffentum Stellung. An vielen Orten fanden imposante antiklerikale Kundgebungen statt. Eine solche veranstalteten Pariser Sozialisten am Sonntag vor 8 Tagen vor dem Denkmal Etienne Dolet s.(Dolet, ein Buchdrucker, wurde am 3. August 1546 in Paris als Ketzer verbraunt.) Die Poltzei ließ die Teilnehmer an der Kundgebung, welche ein Lied anstimmten, in kleinen Abteilungen von etwa 50 Personen an dem Denkmal borüber- ziehen; die Manifestanten, deren Zahl auf etwa 2000 geschätzt wurde, riefen:„Nieder mit den Pfaffen!“ und brachten Hochrufe auf die Republik aus und legten einige Blumen an dem Denkmal nieder. Nach der Kundgebung veranstalteten die Teilnehmer eine Versammlung, in der der Deputierte Tourgrol erklärte, er werde in der Kammer die Aufhebung aller Kon⸗ gregationen beantragen. Er hoffe, daß alle republikanischen Deputierten diesem Antrage zu⸗ stimmen würden.— Der Marineminister Pel⸗ letan erklärte gelegentlich eines Bankettes in Marseille, daß die Regierung entschlossen sei, den Widerstand der Klerikalen zu brechen. Er bezeichnete den Klerckalismus als den„ewigen Feind“, der alle Verstellungs künste anwende PPP 9 5 e 8 7 5 2 8 r 2 — n — Seite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. — Die Franzosen dürften nicht vergessen, daß ihre Väter die Welt gegen religiöse Phantome er⸗ oberten und die Menschheit mit Freiheit be⸗ schenkten. Bauernstreik in Galizien. Die von den polnischen Großgrundbesitzern fürchterlich gequälten und ausgebeuteten Bauern Galiziens, die eigentlich nur die Sklaven des Adels sind, haben zum Streik gegriffen. Natür⸗ lich wurden Soldaten gegen die armen Unter⸗ drückten von der Regierung aufgeboten. Trotz⸗ dem gelang es den Bauern hier und da einige Besserung ihrer elenden Lage zu erzielen. Ver⸗ einzelt kam es zu scharfen Zusammenstößen mit der Soldateska wobei es Tote gab. Die Krönung Eduards von England soll nun in diesen Tagen statt⸗ finden. Es bestehen aber noch immer starke Zweifel, ob es möglich sein wird, die Feier an dem genannten Tage zu absolviren, ohne geradezu das Leben des Königs aufs Spiel zu setzen. Bisher hat er sich noch kaum fortbewegen können. Von Nah und Lern. Gießener Angelegenheiten. — Zu der Kreiskonferenz, die diesen Sonntag im Lokale Orbig in Gießen stattfindet und mittags 1 Uhr beginnt, hat natürlich jeder Genosse als Zuhörer Zutritt, soweit eben Raum vorhanden ist. Die Ver⸗ handlungen dürften für jeden Genossen viel des Inte⸗ ressanten bieten, weshalb wir den Besuch der Konferenz empfehlen. — Der soz⸗ dem. Wahl verein beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung zunächst mit der Tages⸗ ordnung zur Kreiskonferenz. Nach Erörterung der ein⸗ zelnen Punkte derselben wurde zur Wahl der Delegirten geschritten und als solche die Genossen Holtberg, Keßler und Petersen gewählt. Dann wird noch⸗ mals das neue Statut des Gewerbe⸗Gerichts besprochen, das wir in einer der nächsten Nummern eingehender behandeln werden. — Folgende Weisheit giebt der„Gieß. Anz.“ in seiner Sonntagsnummer bei Besprechung des Wahl⸗ ergebnisses im Lieberschen Wahlkreise von sich:„Daß der Gießener sozialdemokratische Redakteur Vetters dort nur eine Hand voll Stimmen erhalten würde, hätte er voraussehen können; Dr. Dahlems Sieg war im Voraus für den aufmerksamen Betrachter keinen Augenblick zweifelhaft.“ Donnerwetter! hätte das der „Anz.“ cher gesagt, so hätte sich unser Genosse Mühe und Kosten sparen können, denn der glaubte wirklich, den Wahlkreis der Sozialdemokratie zu erobern!— Nebenbei wollen wir dem Anzeiger verraten, daß wir vor 20— 80 Jahren in Kreisen, die jetzt zu unserem sicheren Besitzstande zählen, auch nicht mehr Stimmen erhielten als am 28. Juli im dritten nassauischen. — Das Hamburger Schiffsunglück hat überall im Lande die wärmste Teilnahme hervorgerufen, die sich auch in dem Bestreben äußert, die Hinterbliebenen der Verunglückten soviel als möglich vor materieller Not zu schützen. Auch außerhalb Hamburgs, wo die Samm⸗ lungen schon bedeutende Summen ergaben, will man darin nicht zurückbleiben. In Gießen bewilligten unser Wahlverein, sowie auch das Gewerkschaftskartell je einen Beitrag.— Ferner veranstalten mehrere Ge⸗ sangvereine(Harmonie, Maschinenbauer⸗Gesangverein, Gemischter Chor des Ev. Arb.⸗Ver. und der Zitherverein Alpenröschen) diesen Samstag, den 9. August in Steins Garten ein Konzert zum Besten der Unter⸗ stützungs⸗Bedürftigen. Zweifellos wird da etwas Gutes geboten werden und es ist deshalb auch im Hinblick auf den Zweck eine recht zahlreiche Beteiligung zu wünschen. Sicher werden sich auch die Gewerkschaftsmitglieder daran erinnern, daß die meisten der Verunglückten der gewerkschaftlichen Organisation angehörten. Eintritts⸗ karten kosten im Vorverkauf bei Herrn Challier 25, an der Kasse 30 Pfg. Das Konzert beginnt ½9 Uhr. — Das Jugendfest sindet Mittwoch, den 13. August im Philosophenwalde statt. Die Kleinen freuen sich herzlich auf diesen Festtag und wir wollen nur wünschen, daß ihnen recht hübsches Wetter beschieden ist. Dann werden sie sicher alle reichlich Vergnügen finden, wenn auch die Kinder der„besseren Kreise“ nicht mitthun. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Zur Gewerbegerichtswahl. Wir machen unsere Genossen nochmals auf die am 19.— 21. d. Mts. stattfindende Gewerbegerichtswahl aufmerksam und bitten, für recht zahlreiche Beteiligung zu wirken, in erster Linie sich rechtzeitig in die Wählerliste eintragen zu lassen. Es ist nötig, das die Arbeiter ihr Interesse an der Einrichtung durch lebhafte Wahlbeteiligung bekunden und zugleich auch dafür sorgen, daß Leute als Beisitzer ge⸗ wählt werden, welche die nötige Einsicht und Kenntnis der gewerblichen Verhältnisse besitzen und das Vertrauen der Arbeiter genießen. Als solche werden für den 1. Bezirk(Stadt Wetzlar) vorgeschlagen: August Beck, Handschuhmacher, Wetzlar und August Biek, Schreiner, Wetzlar. Diese beiden Arbeiter, von denen der letztere schon seit 6 Jahren als Beisitzer fungierte, sind dafür bekannt, daß sie ihre Pflichten als Beisitzer gewissenhaft erfüllen werden.— Für den 4. Wahlbezirk Krofdorf⸗Glei⸗ berg wird Karl Leib II., Zigarrenarbeiter in Gleiberg, vorgeschlagen.— Hinzufügen wollen wir noch, was uns kürzlich mitgete lt wurde, daß nämlich den Mitgliedern des Wahlvorstandes bei der letzten Wahl keine Ent⸗ schädigung sür ihre Zeitversäumnis gegeben worden sei. Das sei ein Ehrenamt, habe das Landratsamt erklärt. Wir meinen, die Mitglieder des Wahlvorstandes haben ihre Entschädigung nach Maßgabe der für die Spruch⸗ sitzungen festgestellten Sätze zu beanspruchen. Die Ver⸗ weigerung der Entschädigung würde doch den Arbeiter ganz empfindlich treffen, er müßte schließlich die Ueber⸗ nahme eines solchen Postens ablehnen. h. Mit Lohnabzügen sind die Arbeiter des Walzwerkes schon wieder bedacht worden. Erst vor nicht langer Zeit wurden die Akkord⸗ löhne um 10% gekürzt, jetzt sind sie wieder um 20% herabgesetzt worden und schon wurde ein nochmaliger Abzug von 20% angekündigt. Wenn das so weiter geht, dann dürfen die Ar⸗ beiter des Walzwerkes umsonst arbeiten und noch Geld mitbringen. Und bei immer steigen⸗ den Lebensmittelpreisen! Wir glauben nicht, daß diese Abzüge etwa wegen schlechten Ge⸗ schäftsganges unbedingt notwendig sind. Denn der Besitzer, Herr Jung, ist bei dem Geschäfte so nach und nach zum Millionär geworden, es muß also immer noch etwas harausspringen, wenn wir auch Fleiß und Sparsamkeit des Herrn gar nicht gering anschlagen. Die Ar⸗ beiter sollten sich hieraus die Lehre ziehen: vereinzelt müssen sie sich alles bieten lassen, sie sind ein Spielball in der Hand des Uuter⸗ nehmertums. Vereinigt Euch! Schließt Euch den Gewerkschaften an! Nur so könnt Ihr bessere Arbeitsbedingungen erzielen! Aus dem Rreise Marburg⸗-Nirchhain. St. Parteiversammlung. Am Sams⸗ tag, den 16. August, abends 9 Uhr findet im Lokale von D. Jesberg dahier eine öffentliche Parteiversammlung statt. Als Referent wird Herr Redakteur Zielowsky aus Frankfurt a. M. über die Reichstagswahl sprechen. Hierauf findet eine Besprechung über den Parteitag und die Aufstellung eines Delegirten zu demselben statt; auch über die Lassallefeier wird in dieser Versammlung Beschluß gefaßt werden. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich und insbesondere auch frühzeitig zu erscheinen, da die Versammlung pünktlich er⸗ öffnet werden wird. — Der hiesige Konsumverein hielt am Samstag abend im Restaurant Jesberg seine statutengemäße Generalversammlung ab, welche sehr gut besucht war, auch eine Anzahl Mitglieder aus Ockershausen waren anwesend. Der Vorsitzende wies zunächst auf den günstigen Stand des Vereius hin, welcher jetzt dauernd gesichert sei, da die Mitgliederzahl wohl bald das zweite Hundert erreicht haben werde. Der Geschäftsverkehr habe bereits einen Umfang angenommen, wie es bei der Gründung des Vereins niemand geahnt habe. Der Geschäfts⸗ führer Fischer erstatte alsdann seinen Bericht, welcher das vorher Gesagte vollauf bestätigte und fügte noch einige Erläuterungen über die Kassenverhältnisse, sowie den Waren⸗Einkauf und Warenbestand u. dergl. hinzu. Die Revi⸗ soren hatten Kasse und Bücher revidiert und alles in Ordnung befunden, worauf die Versamm⸗ lung Entlastung erteilte. Bei der hierauf folgenden statutenmäßigen Neuwahl des Geschäftsführers wurde Herr Fischer als solcher einstimmig wiedergewöhlt. Für zwei durch das Los aus⸗ scheidende Aufsichtsratsmitglieder(G. Weber und Weide) wurde Weide wieder⸗ und H. Stumpf neugewählt. Zum Bedauern der Versammlung lehnte der se berdienst⸗ volle Vorsitzende G. Weber seine Wiederwahl strikte ab; so daß sich der Aufsichtsrat demnachst mit der Neuwahl eines Vorsitzenden zu beschäf⸗ tigen haben wird. Es fand dann noch die Erledigung einiger interner Angelegenheiten statt und teilte der Vorsttzende noch mit, daß, wenn noch einige Anmeldurgen zum Verein in Ockershausen erfolgen würden, dort Anfang Oktober eine Filiale errichtet werden solle. — Selbstmord. Am Montag sprang an der Landstraße nach Gießen ein Mann in die Lahn und ertrank. Die Leiche wurde in der Nähe der Bahnbrücke bei Cappel geländet. — Ein hier bedienstetes Mädchen ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Nach dem In⸗ halt eines zurückgelassenen Briefes zu urteilen, scheint sich das Mädchen ein Leids angethan zu haben. Vor der eigenen Thüre tehren! Mit wonnigem Behagen druckte kürzlich das Offenbacher Antisemitenblatt die Nachricht von der Veruntreuung des Tabakarbeiter⸗Vertrauens⸗ mannes Kraiker in Frankfurt ab und setzte der Notiz die Stichmarke:„Wieder einer“ vor. Das soll den Anschein erwecken, als kämen in unserer Partei sehr oft derartige Dinge vor. Das ist in Wirklichkeit durchaus nicht der Fall; der Offenbacher Antisemitrich hatte gar keine Veranlassung zu seiner hämischen Bemerkung. Wir erbieten uns, jeden ungetreuen Kas⸗ sierer in unserer Partei mindestens fünf zig aus den Reihen der„Ordnungs“leute gegenüber zu stellen, darunter einen entsprechenden Pro⸗ zentsatz Antisemiten die noch schwerer gesündigt haben. Wir beschönigen und ver⸗ tuschen solche Fälle nicht, wenn ja einmal etwas vorkommt. Das thun aber die Gegner. Das ehrenwerte Offenbacher Blattl hat seinen Lesern im vorigen Jahre nichts von Verurteilungen der Antisemiten Krüdecke und Kreutz mit⸗ geteilt, auch verschwiegen, wie der im hess. Bauernverein thätig gewesene Bonkatz die Bauern prellte.— Wer sich bet uns etwas zu schulden kommen läßt, den entfernen wir sofort aus der Partei; bei den Antisemiten spielt der Bau⸗ meister Hartwig in Dresden noch immer den Führer, obwohl ihm wucherische Praktiken nachgewiesen und ihm gerichtlich attestiert wurde, daß seine Handlungsweise nicht den Begriffen von Treu und Glauben entspreche.— Das sind nur einige Beispiele, Hunderte können gebracht werden. Und die skandalöse Geschäftsverbindung der Herren Hirscheel und Werner mit jüdischen Journalisten! Kehrt also vor der eigenen Thüre! Diese Mahnung sollte das Blatt des Herrn Hirschel in erster Linie beherzigen. Zur Hamburger Schiffskatastrophe. Vor dem Seeamt in Hamburg fand am 31. Juli die Verhandlung über den„Primus“ Untergang statt. Nach eingehender Zeugen⸗ vernehmung und nachdem der Reichkommissar seine Meinung dahin ausgesprochen hatte, daß vor Allem die Führung des„Primus“ den Zusammenstoß verschulde, fällte das Seeamt folgenden Spruch: Der Unfall ist in erster Linie durch den Führer des„Primus“, Peters, verschuldet worden, weil er in falschem Fahr⸗ wasser und auch nicht mit genügender Aufmerk⸗ samkeit auf etwa in Sicht kommende Lichter geachtet hat. Die durch die Verhandlung fest⸗ gestellte Gewohnheit der kleinen Dampfer auf der Elbe, sich bei Ebbe mit Rücksicht auf den dort schwächeren Gegenstrom am Nordufer zu halten, kann Peters nicht entschuldigen, da die Gewohnheit als ein gegen die kaiserliche Ver⸗ ordnung verstoßender, die Sicherheit der Schiff⸗ fahrt gefährdender Mißbrauch scharf zu verur⸗ teilen ist. Den Führer der„Hansa“, Sachs, trifft der Vorwurf, sein mit Rück auf Voraus bzw. etwas an Backbord befindlichen Lichtern Babe Backbordruder nicht signalisirt zu haben. lichen Verordnung vorgeschriebene Signal wäre die Situation vielleicht rechtzeitig geklärt worden, auch wäre es vorsichtiger gewesen, wenn Sachs eher, als geschehen, die Fahrt des Schiffes gemäßigt hätte. Nunmehr werden sich noch die ordentlichen . n n Durch das nach Art. 22 der kaiser⸗ e 2 8 5 ——— —.—. — e ie el witer, horde wurde Tochte Buron Domb den h ausgef seine! 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Gerichte mit der traurigen Affäre zu beschäf⸗ tigen haben. Von dem Taucher Beckedorf wurde der „Primus“ in den letzten Tagen wieder auf den Kiel gestellt. Als das Wasser abgelaufen war, fanden sich in der Kajüte noch die Leichen zweier Mädchen, von denen die eine als die 13 jährige Gertrud Postelt, die Tochter unseres Genossen, erkannt wurde.— Für die Hinterbliebenen der Opfer sind überall Sammlungen im Gange; in Hamburg gingen schon 170000 Mk. ein. Wieder ein Bankkrach. Das Bankhaus Ed. Rocksch Nachf. in Dresden hat am Freitag Mittag seine Zahlungen eingestellt. Ungünstige Nachrichten einer Berliner Zeitung hatten einen Ansturm des Publikums auf das Bankhaus herbei⸗ geführt. Um niemand zu benachteiligen, beschloß das Bankhaus, seine Zahlungen einzustellen. Die Liquidation soll sofort herbeigeführt werden. Inhaber des Bank⸗ hauses ist Kommerzienrat Hahn. Hahn ist an der in Konkurs geratenen Radeberger Glashütte stark beteiligt. Folgen religiöser Hetzerei. Ueber ein Liebesdrama berichtete die„Katto— witzer Zeitung“: Der 25 jährige Kutscher Bern⸗ hard Hellmann aus Eikendorf bei Magdeburg wurde mit seiner Geliebten, der 17 jährigen Tochter Albine des Werkarbeiters Gabor aus Burowietz, am 15. Jult in der Nähe von Klein⸗ Dombrowka erschossen aufgefunden. Die Lieben⸗ den haben den Selbstmord mittels Revolvers ausgeführt, den der junge Mann zuerst gegen seine Braut und dann gegen sich selbst kehrte. Als Grund für diese That wird angeführt, daß sich der jungen Leute die Verzweiflung bemächtigt habe, weil ihr Verhältnis von der Kanzel in Bogutschütz herab als ein unsitt⸗ liches bezeichnet worden ist. Der Mann war nämlich evangelisch und dle Braut katholisch. — Eine treffende Illustration zum Kapitel von der katholischen Toleranz, die sogar so weit geht, zwei hoffnungsvolle Menschen in einen vorzeitigen Tod zu treiben. Kleine Mitteilungen. Erstickt. An einem Stückchen Wurst, das ihn in die Luftröhre geriet, erstickte am Freitag der sieben Jahre alte Junge eines Bahnarbeiters in Großkarben. Bahnwärters Tod. Auf dem Bahnlörper in der Nähe von Dortelweil fand man am Sonntag Morgen die gräßlich verstümmelte Leiche des Bahnwärters Pfeifer. Man nimmt an, daß er während einer Zugkreuzung überfahren wurde. A Kindesmord? Wegen des Verdachtes das neugeborene Kind ihrer Tochter gemeinschaftlich mit dieser umgebracht zu haben, wurde die Frau eines Walzmeisters in Sinn verhaftet und ins Gefängnis von Herborn eingeliefert. Geisteskrank soll der Dekan Ropertz in Köln sein, der kürzlich wegen zahlreicher Sittlichkeits⸗ verbrechen verhaftet worden war. Er ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Verfahren wurde eingestellt, weil R. nach dem Gutachten der sachverständigen Aerzte, die ihn unter Beobachtung ge⸗ habt haben, zur Zeit der Verübung der ihm zur Last gelegten Sittlichkeitsverbrechen geistig gestört gewesen ist. So, so! Daß man seine Geisteskrankheit erst jetzt merkte, da er doch jahrelang schon die erwähnten Ver⸗ brechen verübte! e Ehn scheußliches Verbrechen ist am Sonn— tag Nachmittag in Leipzig verübt worden. In einem Hofe am Salzgäßchen entdeckte man am Montag früh eine Kiste, in der sich der zerstückelte Leichnam des jährigen israelitlschen Schulkindes Anna Klein befand. Das Kind war offenbar zu unzüchtigen Zwecken miß⸗ braucht worden. Auf die Entdeckung des Thäters hatte die Pollzeidirektion 200 Mark Belohnung ausgesetzt.— Der Mörder wurde einige Tage später in der Person eines 20 jährigen Optikers ermittelt. eee Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung. + Metallarbeiter⸗Ausstand in Offenbach in Sicht. Die Aktiengesellschaft für Schriftgießerei und Maschinenbau in Offen⸗ bach will einen Akkordtarif einführen, der eine ayz empfindliche Lohnherabsetzung bedeutet. ie Arbeiter erklärten, daß sie zu diesen Be⸗ dingungen nicht arbeiten könnten. Es fanden verschiedene Verhandlungen zwischen der Ve⸗ triebsleitung und einer Kommisston der Arbeiter statt, die jedoch keinen Erfolg hatten, denn die Direktion erklärte, ihr Standpunkt sei unab- änderlich. Die Arbeiter reichten darauf die Kündigung ein.— Zuzug von Metallarbeitern nach Offenbach muß deshalb strengstens fern gehalten werden! Achtung, Bauarbeiter! Die Streik⸗ leitungen der Hamburger Maurer, Zimmer- leute und Bauhilfsarbeiter, fordern in einem Rundschreiben die Berufskollegen auf, unter allen Umständen den Zuzug nach Hamburg und Umgegend fernzuhalten. Es heißt darin: Obgleich die Gesellen die Sperren auf— gehoben und auch die Unternehmer die Aus— sperrung für beendet erklärt haben, werden doch verhältnismäßig wenig Arbeiter eingestellt, aber um so mehr macht man den Versuch, Arbeits— kräfte von auswärts nach hier zu ziehen. Das Bestreben der organisierten Arbeitgeber ist offenbar darauf gerichtet, die Hamburger Bauarbeiter aushungern zu lassen. Der Oeffentlichkeit gegenüber erklären die Herren von der Innung, die Aussperrung sei aufgehoben, und im geheimen wird überall nach wie vor der Versuch gemacht, von auswärts Arbeitskräfte nach Hamburg zu locken, trotzdem hier noch Hunderte im Baugewerbe beschäftigte Arbeiter arbeitslos sind. Man will mit dem Zuzug das Bestreben der organisierten Arbeiter— bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erreichen— ein für allemal vereiteln. So lange aber die Arbeitgeber die Taktik beobachten, so lange dieselben sich nicht zur Verhandlung herbeilassen, so lange ist auch der Lohnkampf hier nicht zu Ende und es ist des⸗ halb Pfticht aller deutschen und ausländischen Kollegen, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß der Zuzug nach Hamburg ferngehalten wird. Ueber die wirkliche Stärke der christlichen Gewerkschaften erfährt man gegenwärtig Genaueres. Bekanntlich liegen sich der Gesamtverband, mit Brust an der Spitze und der unter Wiebers Leitung stehende ausgeschlossene Metallarbeiter-Verband in den Haaren. Brust hatte in seinem Organ den Metallarbeiter-Verband als völlig bedeutungslos bezeichnet. Darauf erklärte Wieber in einer in Essen stattgefundenen Versammlung, der Mitgliederbestand sei auf dem christlichen Ge⸗ werkschaftskongreß um etwa 80— 90000 zu hoch angegeben!— Eine große Zahl von Organisationen führe man als christliche Ge⸗ werkschaften auf, die in Thatsache als Gewerk— schaften durchaus nicht in Betracht kommen könnten! Als wirkliche christliche Gewerk— schaftler könne man höchstens 80000 Mit⸗ glieder reklamieren!— Es zeigt sich also täglich mehr, daß den schristlichen Gewerkschaften eine viel zu große Bedeutung beigemessen wurde. Sie sind durchaus bedeutungslos und werden zu keinem Einflusse gelangen. Rechtssprechung. Sonntagsheiligung und Flugblatt⸗ verbreitung. Schon mehrsach erhielten Parteigenossen, die Sonntags während der Kirchenzeit Flugblätter verteilt hatten, Polizei⸗ strafen. Daß aber die Verteilung von Druck⸗ schriften keine Thätigkeit ist, welche die Feier⸗ tagsruhe stört, wurde von unserer Presse schon öfters ausgeführt. Jetzt hat das Schöffengericht in Saarbrücken in diesem Sinne entschieden. Dort waren sechs Parteigenossen angeklagt, weil sie am Ostersonntag während der Kirchenzeit Wahlflugblätter zu der Saarbrückener Reichs- tags⸗Nachwahl verteilt hatten. Die Angeklagten wurden freigesprochen. Die schriftlich vorliegende Urteilsbegruͤndung sagt:„Die Angeklagten waren von der Anklage aus§ 366,1 des Strafgesetz⸗ buchs und§ 2 der Regierungs⸗Poltzeiverordnung vom 14. Dezember 1853 freizusprechen. Das erkannte Motiv der genannten Vorschriften be⸗ steht darin, das religiöse Gefühl des christlichen Publikums durch Untersagung der werkthätigen auf den Erwerb gerichteten oder die Feiertags ruhe in der Oeffentlichkeit störenden Beschäftl⸗ gungen zu schützen. Eine Arbeit wie das Verteiten von Wahlzerteln kann an sich das religiöse Gefühl ebensowenig verletzen, wie das Vertragen von Tagesblättern. Ob der Inhalt der Wahl⸗ zettel geeignet war, das religiöse Gefühl der Bewohner von Gersweiler zu verletzen, ist nicht festgestellt und unerheblich, weil er erst durch ein freiwilliges Lesen zur Kenntnis der Bewohner gelangte.“ r————— Partei-Uachrichten. Wegen Veröffentlichung eines Hunnen⸗ briefes wurde der Redakteur der„Mainzer Volksztg“, Genosse Landtagsabgeordneter Ha as, von der Mainzer Strafkammer zu 300 Mk. Geldstrafe und Urteilspubli⸗ kation verurteilt. Der Staatsanwalt hatte nur 200 Mk. beantragt. Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen. Sonntag, den 31. August, Vorm. 10 Uhr, im Saale zur„Stadt New⸗York“ in Friedberg Kreiskonferenz. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes. Rechnungsablage und Bericht der Kontrolleure, Die Landeskonferenz. Ref. Gen. Repp. Der Parteitag. Ref. Gen. Harris. Die nächstjährige Reichstagswahl. Ref. Gen. Busold, Verschtedenes. Die Wahlkreisorganisationen und Parteigenossen der einzelnen Orte werden ersucht, sofort zu dieser Konferenz Stellung zu nehmen und die Wahl von Delegierten in die Wege zu leiten. Jeder Ort muß vertreten sein! Der Kreisvertrauensmann. * D S Versammlungskalender. Samstag, den 9. August. Alsfeld. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Wirt Cloos. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag von Krumm.— Brauer. Abends ½59 Uhr Versammlung bei Löb, Wiener Hof. Sonntag, den 10. August. Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Kreiskonferenz. Mittags 1 Uhr bei Orbig. ee e e e e Niesech! Nie sech. Sonntag, den 17. u. Montag, den 18. August Slichweihfeste Gut besetzte Tanzmusik. Es laden ergebenst ein die Wirte B. Wacker. G. Schueider. A. Ziegler. Spazierstöcke kauft man gut und billig Casseler Schirmfabrik (nahe am Kreuzplatz). Marburg a L., Neustadt 11, Sonnenschirme, Fulda, Buttermarkt 14„z. Steuerhaus“. sind dauerhaft und preiswert. Gießen, Seltersweg 9 Regenschirme, 9 f —— — 8 0 1 2 2 8 3 2 Reparaturen und Neubeziehen schnell, gut und billig. ——-= —— p Seite 6. Nitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 32. ———————ů—ůů 4* 1 b Unterhaltungs-Ceil. 2 nirgends Liebe. Du schlichtes Kind, wie rein und wahr Dein unverdorb'nes Auge blickt— Du, das doch aller Freuden bar. Du hast im Leben nie gekannt Der Mutterliebe treue Hand. Du weißt nichts von Ciebe, Von der unendlichen großen. Und nun so allein In die Welt hinein Und hinaus in die Fremde gestoßen. Wie ist die Kindheit dir verblüt So schattenvoll in fremdem Haus— Und doch wie licht blieb dein Gemüt. Wie dürftig war der Sonnenschein Von kalten Herzen, kalt wie Stein. Nun suchst du die Ciebe, Niemand doch will sie dir geben, Schaust fragend und stumm In der Welt dich um, Denn ein Rätsel ist dir noch das Leben. Noch zählst du fünfzehn Sommer kaum, Und schon erfaßt des Lebens Ernst Dich bitter, wie ein böser Traum. Und wie um Leben oder Tod Ringst du den Kampf um dürftig Brot, Und dies statt der Liebe d Findest kein menschlich Erbarmen, Auch göttliches nicht d Der doch uns verspricht: Ich bin Gott euch Belad'nen und Armen. Wilhelm Wahl. Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 11)(Fortsetzung). So sprach Oswald, und zog einen großen Beutel hervor und leerte ihn auf den Tisch aus. Da fielen klingend eitel schöne Gold⸗ münzen auf den Tisch, und rollten umher und verblendeten die Augen. Die Bauern hatten in ihrem Leben so viel Gold nicht beisammen erblickt. Ihre Herzen schlugen gewaltig. Oswald aber that den Mund auf und sprach:„Wahrlich, ich sage euch, das hier macht mich nicht glücklich, aber die Weisheit macht mich glücklich, mit der man dies Gold erwirbt und benutzt. Ihr seid zu mir gekomen, ich sollte euch die Kunst lehren, Gold zu machen. Ich will euch diese Kunst lehren. Sie ist die beste Weisheit des Lebens, und mehr als das Gold selbst wert. Habet ihr die Weisheit, so werdet ihr das Gold haben und es nicht mehr hochachten. Aber ihr kommet nicht zu dem Glücke, ohne vorher geprüft worden zu sein. Und die Zeit der Prüfung währt sieben Jahre und sieben Wochen. Wer ausharrt bis ans Ende, wird Freuden über Freuden ernten. Wahrlich, ich sage euch, wenn diese Zeit erfüllt ist, wird jeder von euch mehr Gold auf seinen Tisch werfen, als eure Augen hier sehen.— Die Prüfung aber ist dem Gottlosen schwer und dem Sünder hart. Denn er muß sein ganzes Herz umkehren und ein neuer Mensch werden.“ Die zweiunddreißig Hausväter hörten in banger Stille die Worte Oswalds. Sie be⸗ trachteten ihn alle mit starren Augen. „Wer von euch,“ sprach Oswald,„die steben Jahre und sieben Wochen der Prüfung bestehen will, kann bleiben. Wer sich fürchtet oder im Glauben wankt, gehe fort von hier.“ Keiner ging. „Wohlan,“ rief Oswald,„so müsset ihr mir vor dem allgegenwärtigen Gott steben Gelübde geloben, und solche während steben cpahren getreu halten.“ Erstens: Ihr müsset sieben Jahre und desto fleißiger zur Kirche gehen und Gottes Wort hören, und darnach thun. 5 Zweitens: Sieben Jahre und steben Wochen lang keine Karten, keine Würfel berühren, und nichts, womit man um Geld spielt. Drittens: Sieben Jahre und sieben Wochen kein Fluch, kein Scheltwort aus eurem Munde gehen, auch keine Bosheit, Lästerung und unwahre Rede. Viertens: Sieben Jahre und sieben Wochen muß euer Tagewerk Gebet und Arbeit sein. Eure Arbeit sollt ihr mit Fleiß und Treue verrichten, keine Schulden mehr machen. Fünftens: Wer binnen sieben Jahre und sieben Wochen sich mit Wein und Branntwein ein einziges Mal berauscht und vergeht, ist aus unserer Gemeinschaft verstoßen. Sechstens: Auf dem Acker, welchen ihr bauet, soll kein Unkraut wachsen, in euern Wohnungen kein Unflat liegen. Euere Hütten und die Ställe des Viehes und alles Geräte, was ihr habet, soll von Reinlichkeit glänzen. Daran werde ich euch erkennen. Siebentens: Euer Leib soll sein ein Tempel Gottes, darum keusch, züchtig und ehr⸗ bar; auch von aller Unreinigkeit frei an Haut und Haar und Gewand. So auch bei Kindern. Das soll unser Zeichen sein. a „Wer nun die sieben Gelübde geloben und halten will, der trete hervor und reiche mir die Hand zum Bunde. Dem Schwachen wollen wir helfen.“ Als Oswald so gesprochen hatte, traten die Zweiundreißig einer nach dem andern hervor, jeder reichte dem Oswald die Hand über den Tisch voller Gold, und sprach:„Ich will!“ „So gehet denn heim in Frieden und wendet euch noch vor Schlafengehen im Gebet zu Gott, daß er euch Stärke verleihe, das Gelübde zu halten. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn die Zeit erfüllt ist, wird jeder mehr Gold auf seinen Tisch werfen, als eure Augen hier sehen!“ So sprach Oswald, und ermahnte die Leute, von allem, was sie diese Nacht gesehen und gehört hätten, keinem Menschenkinde etwas zu verraten, ja sogar selbst nie davon zu reden, noch auf das zu deuten, was diese Nacht angehe. Damit entfernten sich die Zweiunddreißig in großer Stille. Unterwegs sprach keiner mit dem andern ein Wort. So voll waren sie von allem dem Wunderbaren, das sie vernommen hatten. Sie hatten ganz andere Dinge erwartet zu erleben, und gerate das Gegenteil erfahren. Mancher, wenn er an die Gelübde dachte, fühlte er zwar Bangigkeit, denn sie waren auch gar zu streng. Aber das Geheimnisvolle, und die sieben Jahre und sieben Wochen, und die Reden des Oswald, und der Tisch voll Goldes, und der prächtige Offizier mit dem Orden auf der Brust und die schwarze Mitternachtsstunde, das konnte keiner wieder vergessen, und es war wie ein seltsamer Traum. 14. Die Leute verwundern sich sehr. „Was giebt's denn, Velten? Kaspar, was giebt's denn?“ fragte der alte lahme Wächter, als er am andern Tage durchs Dorf entlang ging:„Was giebt's denn? Kommt wieder ein Prinz oder Kaiser, oder gar ein Bürger⸗ meister aus der Stadt? Was ist denn los, daß ihr so aufputzet?“ So fragte er, und man lachte. Es fiel aber wirklich vielen Menschen auf, und war in vielen Häusern ein sonderbares Leben. Da wurden Fenster gewaschen, Fußboden gescheuert, Thüren gesäubert, Tische, Schemel und Bänke gefegt. Sogar vor den Häusern wurde alles in Ordnung gebracht, Schutt und Unflat alles auf die Seite geschafft, und allem, was herum lag, ein besseder Ort gegeben. Die zweiunddreißig Hausväter wußen es wohl, sagten aber nichts. Denn sie dachten: in steben Jahren haben wir alle Kisten und Kasten voll Geld. Als Oswald die Geschäftigkeit der armen Leute sah, sprach er zu Elsbeth:„Ich weiß nicht, ob ich darüber traurig werden oder lachen soll. Denn siehe, was die Leute nicht aus eigenem Gefühl, nicht aus Liebe zu Weib und Kind, nicht aus Liebe zu Gott, nicht aus Not siehen Wochen alle Wirtshäuser meiden, aber und Ueberzeugung früher gethan haben, das thun sie jetzt aus abergläubischer Furcht unt Hoffnung. Wie töricht sind doch die Menschez! kinder!— Aber sie sollen durch den Aberglaubel. 17 Erkenntnis der Wahrheit, und durch ihre erderbtheit zur Rechtschaffenheit eingehen.“ Die Verwunderung im Dorfe ward aber von Woche zu Woche größer. Denn die Wirts⸗ auf der Kegelbahn weder Kegel, noch Flüch noch Gelächter. Kartenspiel und Würfel rüh in fast keiner mehr an. Den Wirten ward tn Keller das Bier sauer, weil es keiner mehr trank. Von Wein und Brantwein hatten sie nur einen geringen Absatz. Die meisten Leute blieben daheim bei Frau und Kindern, oder gingen auf die Felder und besahen ihre wenigen Aecker und berieten, was in der Woche daran zu machen und zu bessern sei. Die, welche damals zu den lustigen Brüdern gehörten, thaten jetzt gar ernsthaft und altklug; die, welche sonst ein wüstes Leben führten, waren in der Kirche sehr andächtig. Die, welche sonst gern herumlagerten und müßig gingen, waren jetzt vom Morgen bis zum Abend an der Arbeit, im Taglohn oder auf ihren Feldern. Der Adlerwirt, wenn er Sonntags seine leeren Bänke und Tische beschaute, brach vor Wehmut fast in Tränen ans.„Sind denn die Leute alle verrückt geworden im Kopf?“ schrie er.„Was für ein Kuckuck ist ihnen in den Leib gefahren. Das kann so nicht gehen. Dabei kann kein Ehrenmann länger bestehen. Es muß im Dorfe andere Ordnung werden. Das ist schändliche Ordnung!“ Der Gemeindsvorsteher Brenzel sagte:„Wenn das Unwesen so fortgeht, muß ich die Wirt⸗ schaft aufgeben. Aber ich merk es wohl, das ist ein infames Complott gegen mich. Man will mich zu Grunde richten. Aber ehe das geschieht, soll das Dorf zu Grunde gehen. Wenn ich nur dahinter kommen könnte, wer diese Teufelei angerichtet hat.“ Sogar dem Herrn Pfarrer war die Sache aufgefallen. Er rechnete nach und fand, daß die Aenderung so vieler Menschen angefangen hatte seit dem Sonntag, da er eine sehr lange Predigt über die christliche Wiedergeburt durch den Glauben gehalten hatte. Er meinte, damit habe er alles ausgerichtet, und sagte es auch. Nun aber verfolgten ihn seit einiger Zeit die Gemeindsvorsteher, wo sie konnten, und die Wirte spielten ihm allerlei böse Streiche hinter⸗ rücks, und gingen fast gar nicht mehr zur Kirche. Der Adlerwirt, um sein Bier anzubringen, verkaufte es um den halben Preis; er schwefelte seinen Wein, und machte ihn süß, und bezahlte alle Sonntag Spielleute, die mußten lustig aufspielen, aber von den zweiunddreißig Haus⸗ vätern, ihren Söhnen und Töchtern kam niemand. Der Löwenwirt suchte gleichfalls seine Kunden wieder an sich zu locken, that freundlich, schenkte manchen umsonst ein und fragte:„Warum kommst du gar nicht mehr trinken?“ Sie antworteten:„Wir haben kein Geld!“— Dann rief er:„Ei, Dummheit! Ihr wisset ja, ich bin nicht so streng, und borge schon. Ihr seid mir lange gut genug.“— Aber die Leute kamen doch nicht. Da geriet der grimmige Löwe in Wut und sprach:„Wenn ihr mir's so macht, will ich euch die Faust auch zeigen. Ihr sollt an den Löwenwirt Brenzel glauben lernen!“ 15. Die Schuldbücher werden aufge⸗ than. Die Sparkasse und die Garküche. Nun schlich bald der eine, bald der andere von den armen Leuten, die zu dem Goldmacher⸗ bund gehörten, in das Haus des Schulmeisters und klagte seine Not und sprach:„Siehe, Oswald, meine Gelübde, so schwer sie sind, halte ich sie doch pünktlich. Nun ist's ein halbes Jahr, ich spiele, saufe und zanke nicht mehr. Mein Haus ist schön säuberlich, Weib und Kind gehen reinlich. Keiner kann über mich klagen. Aber die Ortsvorsteher plagen mich auf allerlei Weise. Ich bin dem und diesem von ihnen schuldig. Nun drohen sie mich aus meinem Hause zu treiben, wenn ich ihnen nicht zahle, oder nicht bei ihnen trinke. Hilf mir, Oswald, sonst kann ich das Gelübde nicht halten. In sechs und einem halben Jahre häuser wurden fast leer. Sonntags hörte man. Nr. 92. Juccht— Menge hrten, waren welche sonst Agen, waren u der Abel, ru. untags seine e, brach vor „Sind denn im Kopfe it ihnen in nicht gehen. iger bestehen. lung werden. sagte:„Wenn ich die Wikt⸗ es wohl, das mich. Man Aber ehe das runde gehen. könnte, wer ar die Sache ind fand, daß n angefangen ne sehr lange cgeburt durch meinte, damit ate es auc. niger Zeit dit ten, und di reiche intel r zur Kirche anzubringen, zer schwesll und bezahlt mußten ufig dreißig Hale kam niemand. 5 feine kurden blic ehe 5 Tinken i ld 1— 1 55 isch 9 borge schol — Aer die 1 Sie A — Tete Ar. 32. 1 Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. tichabe ich Geld vollauf; strecke mir eine Summe vor, ich will sie dir dann wieder zahlen.“ Oswald antwortete:„Das vierte Gelübde heißt: Beten, arbeiten, keine Schulden mehr machen. Ich darf dir also kein Geld borgen. Aber laß sehen, wem und wie viel du schuldig Obist; dann wollen wir nachdenken, wie aus Ober Not kommen.“ S8 sprach er, nahm eine Schreibseder und Papier, setzte sich hin und schrieb das auf, was man ihm antwortete, wenn er fragte. Er fragte aber jeden einzeln:„Wem bist du schuldig? Wie viel und welchem Zins? Wofür hast du die Schuld gemacht, und hast du Unter⸗ pfand gegeben?“ Nachdem er die ganze Schuldsumme des Mannes kannte, fragte er wieder:„Womit willst du bezahlen? Wie viel kannst du, oder können Weib und Kind in der Woche mit Taglohn verdienen? Wie viel Land und Vieh hast du? und was kannst du wohl in mittlern Jahren von dem verkaufen, was du erntest? Wie ernährst du dich mit den Deinigen? Was brauchst du zur Nahrung in einer Woche, in einem Tag? Wie steht es mit den Kleidern und Wäsche und Gerät? Was muß angeschafft werden, und wo kann man ohne Schaden sparen?“ Das alles schrieb Oswald von jedem sorg⸗ fältig auf. Nun kam die lüderliche Haushaltungs⸗ ordnung erst recht ans Tageslicht. Denn mancher wußte nicht einmal genau, wie viel er schuldig war, und hatte nichts aufgezeichnet. Da mußte man sich erst bei den Gläubigern erkundigen. Mancher war drei, vier, fünf Zinse zu bezahlen rückständig. Da mußte man erst für diese sorgen. Mancher mußte an Gemeinde⸗ vorsteher, von denen er in der Not Geld ent⸗ liehen hatte, acht auch zwölf vom Hundert verzinsen. Da mußte Oswald in die Stadt gehen, an drei und vier Prozent Geld aufnehmen, und gut dafür sprechen, damit die Wucherer bezahlt wurden, und nicht mehr durch Wucher einen armen Mann zu Grunde richten konnten. Mancher hatte wohl gar mehr Schulden als Vermögen. Da war schwer zu helfen. Doch sprach Oswald allen Mut ein und sagte: „Sparen und arbeiten soll euch mit Gottes Hilfe schuldenfrei machen. Folget nur in allen Dingen weinem Rat!“ (Fortsetzung folgt.) Ueber die Schädlichkeit des Alkoholgenusses, besonders für Kinder, wurden vor Kurzem Gutachten bedeutender Aerzte veröffentlicht. Es schrieben da unter Anderem: Professor Dr. Beißwanger in Jena: Mit großer Freude hat mich Ihre freund⸗ liche Mitteilung erfüllt, daß Sie weitere Kreise unseres deutschen Volkes über die schädlichen Folgen des frühzeitigen Alkoholgenusses auf⸗ klären wollen. Ich kämpfe schon seit Jahren durch mündliche Belehrung in meinen klinischen Vorlesungen und in ärztlichen Vereinen, sowie durch meine Wirksamkeit am Krankenbett gegen die unheilvolle Unsitte, nervösen, das heißt in der Entwickelung ihres Nervensystems zurück— ebliebenen Kindern die mangelnde Kraft und elstungsfähigkeit durch Alkohol ersetzen, die gesteigerte Erregbarkeit des Zentralnerversystems (Schlaflosigkeit, Muskelkrämpfe, Zittern. 2c.) auf gleichem Wege betäuben zu wollen. Es wird nur das Gegenteil erzielt: die Kinder werden — widerstandsloser gegen alle psychischen und körperlichen Reize, die Ermüdbarkeit und krank⸗ hafte Erregbarkeit werden gesteigert, und das Ende vom Liede ist immer, falls nicht recht⸗ zeitig diesen verkehrten Heilbestrebungen Ein⸗ halt gethan wird, die Züchtung von Neurast⸗ henikern, Alkoholisten und Morphinisten. Ge⸗ sunde Kinder brauchen selbstverständlich weder Bier noch Wein. Dr. F. Carl, praktischer und Kinderarzt in München: Es ist gewiß, daß der Alkoholgenuß im Kindesalter auch in Form von Wein und Bier neben den anerkannten schädlichen Einflüssen hauptsächlich einen deutlichen Erregungszustand zur Folge hat, der sich aber nicht so sehr in der Verschärfung der kindlichen Wahrnehmungs⸗ und Auffassungsfähigkeit als in der erleichterten Auslösung von Affekten kundgiebt. Wir sehen daher die Kinder namentlich bei Biergenuß in einem exquisiten Aufregungszustand mit ver⸗ mindertem Schlafbedürfnis, und nach meiner Wahrnehmung zeigen gerade diese Kinder eine auffallende Neigung zu Jähzorn und Eigensinn, so daß Ungezogenheit im vollen Sinne des Wortes nirgends mehr angetroffen wird als bei Kindern, welche Bier erhalten. Vergegenwärtigt man sich, daß solche Kinder sich zumeist aus den Arbeiterkreisen rekrutieren, welche im Hin⸗ blick auf ihre soziale Stellung und den Mangel von Ueberfluß an äußern Glücksgütern in erster Linie darauf bedacht sein sollten, daß ihre Nachkommenschaft mit guten Charaktereigen⸗ schaften ausgerüstet in das Leben trete, um den Kampf ums Dasein erfolgreich bestehen zu können, so ergiebt sich ein weiter Ausblick auf die Bedeutung des schon in der Jugend geübten e in unserm modernen Kultur⸗ eben. Dr. Craemer, praktischer Arzt in München: Die Unsitte, gesunden Kindern Alkohol in Form von Bier oder Wein zu geben, kann nicht energisch genug verurteilt werden. Nach meiner Meinung soll der Alkohol im Kindes⸗ alter nur als Medikament und nur auf Ver⸗ ordnung des behandelnden Arztes gereicht werden. Da die verkehrte Auffassung, daß Kinder zur Kräftigung und bessern Blutbildung des Alkohols bedürfen, eine tief eingewurzelte ist, so wird es für die Aerzte eine schwierige Aufgabe werden, dieses Vorurteil zu beseitigen. Gerade weil hier das Sprichwort„Jung ge⸗ wohnt, alt gethan“ eine so unglückselige Geltung hat, so wird der Kampf gegen den Mißbrauch des Alkohols immer, wenn er mit Kraft und Konsequenz geführt wird, sicherlich gute Früchte tragen. Die alten Trinker bessern wir nicht, bei den Kindern müssen wir anfangen! Gemeinnütziges. Zur Warnung. Jetzt ist die Zeit, wo verschiedene unserer gefährlichsten Giftpflanzen, z. B. Bilsenkraut, Nachtschatten, Stechapfel, Eisenhut, gemeine Tollkirsche, Fingerhut, gefleckter Schierling, Wasserschterling, die rotbeerige Zaun⸗ rübe, die Hundspetersilie usw. zur Reife gelangen. Da die naschhaften Kleinen die Samenkapseln und Beeren dieser Pflanzen, besonders die glän⸗ zenden schwarzen Beeren der Nachtschattenge⸗ wächse, gern zu ihren Spielen verwenden, so kann das größte Unglück entstehen. Mütter sollten ihre Kleinen in Wald und Feld nie aus dem Auge lassen und ihnen auf das strengste einschärfen, nichts zu genießen, als was ihnen von Erwachsenen gereicht wird. Schon eine einzige Beere dieser Giftgewächse kann den qualvollen Tod des Kindes herbeiführen. Taubenfutter. Gerste ist für Tauben eine der besten unter allen Futterarten, die verwendet werden; dieselbe wird von den Tauben gern aufgenommen; auch die Jungen gedeihen bei diesem Futter vorzüglich. Geschirr⸗ u. Satteldruck bei Pferden in drei Tagen zu heilen. Ein altbewährtes Heilmittel bei offenen Druckschäden ist ver⸗ branntes und zu Asche pulverisiertes Brot. Dasselbe wird auf die Wundstelle aufgestreut und mit einem größeren Tuch überbunden, worauf die Wunde in einigen Tagen geheilt ist. Das Mittel wurde bereits in zahlreichen Fällen erprobt und ist deshalb den Landwirten ein Versuch empfohlen. Das Aufsteigen der Ameisen auf Bäume wird verhindert, wenn am Stamm des Baumes ein 15 bis 20 Zentimeter breiter Streifen von spanischer Kreide angebracht wird. So lange die Kreide vorhanden ist, kommt keine Ameise auf den Baum, sie fällt beim Ueber⸗ steigen des Streifens zu Boden. Splitter. Diejenigen, welche eine Bewegung, die ver⸗ nünftig und im Geiste des Fortschritts berechtigt ist, aufzuhalten und zurückzudämmen unter⸗ nehmen, vergehen sich gegen die Vernunft, weil sie nutzlose Kräfte vergeuden, und gegen den Fortschritt der Menschheit, was schwerer wiegt, als alle die politischen Verbrechen unserer Straf⸗ rechte zusammengenommen. 4 . Stein. Humoristisches. Kindermund. Eine Bäuerin kommt mit ihrem Kinde zum Arzt, der an der rechten Wange einen Säbel⸗ hieb hat. Das Kind äußert sich hierüber:„Du, Mutter, der Doktor hot jo een versprungene Kopp!“ Geschichtskalender. 10 August. Rockwood(England). in Paris. 11. 1901: Crispi, ital. Leutepolitiker, gestorben. 1815: Napoleon I. wird auf die Insel St. Helen a gebracht. 12. 1848: Stephenson, Erfinder der Lokomotive, gestorben. 13. 1802: Nikolaus Lenau(Niembsch v. Streh⸗ lenau), Dichter, geboren. 14. 1899: Mordanfall auf Labori, den Verteidiger Dreyfuß in Rennes. 15. 1831: Revolution in Warschau. von Loyola stiftet den Jesuitenorden. 16. 1891: Internationaler Arbeiter⸗Kongreß in Brüssel. 1809: Stiftung der Universität Berlin. —Ä——Ü—— 22 Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Seit Monatsfrist hat der Wahlverein Gießen den Vertrieb der soztalistischen Litteratur übernommen. In⸗ dem wir unsere Genossen darauf hinweisen, richten wir die Bitte an sie, sich ihrerseits um die weiteste Verbreitung unserer Parteischriften mit zu bemühen, damit unsere Anschauungen in die weitesten Kreise dringen. Auch alle hier nicht angeführten Bücher und Zeitschriften be⸗ sorgt die Kommission. Es sei noch bemerkt, daß der elwa erzielte Gewinn wieder im Interesse der Agitation verwendet wird. Wir machen auf folgende Broschüren und Zeitschriften aufmerksam. Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat —— 1895: Feuerbestattung Engel's in 1792: Sturm auf die Tuilerien 1534: Ignaz ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Die Kommission. Die Landes⸗Konferenz der Sozialdemokraten Hessens findet Sonntag, deu 7. September 1902, Vormittags 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus in Worms statt. Vorläufige Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Referent Ge⸗ nosse Ulrich, Offenbach. 2. Rechnungsablage. Referent Genosse Orb, Offen bach. 3. Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referent Genosse Dr. David, Mainz. 4. Der Parteitag in München. Referent Genosse Cramer, Darmstadt. 5. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. nosse Ulrich, Offenbach. 6. Einlaufende Anträge. 7. Wahl des Landes⸗Komitees. 8. Wahl des Ortes der nächsten Landes⸗Konferenz. Parteigenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konferenz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Delegierte ge⸗ wählt werden. Diskutiert die Tagesordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können. 1 Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee und werden dieselben vom Genossen Ulrich bezogen. Offenbach a. M., 15. Juli 1902. Das Landes Komitee. C. Ulrich, h; gr. Marktstraße 23. Geleitsstraße 14. Referent Ge⸗ ——Lu:rb f,. Seite 8. Mittelden t sche Sountags⸗Zeitung. Nr. 32. Marburg! Sonnabend, den 16. August, Abends 9 Uhr: 1 Oesseulliche im Jes berg' chen Lokal, Wehrdaerweg 2. 1. Reichstagswahl. Ref. Redakt. Zielowsky, Frankfurt a. M. 2. Parteitag.(Eventl. Aufstellung eines Delegirten.) 3. Lasallefeier. Partei⸗Uersammlung 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vertrauensmann. Ciessen, 1 Tuschkasten, Pinsel, Farben, ete. 140 Chr. Franz Nachstrasse 10 Buchbinderei und Papierhandlung empfiehlt sich in sämtlichen Comptoir⸗, Schul⸗ und Schreibwaren.— Packpapiere in allen Sorten. Lager in Gesangbüchern für die Schule. und Zeichenmappen. Grosse Auswahl in feinen Leder- und Galanteriewaren etc. Buchbinderei im Hause. 2 Schreib⸗, Noten⸗ Ronsumverein Giessen und Umgegend e 6. u v. 5. Zur Aufklärung von Irrtümern und aus Anlaß öfter an uns gerichteter Anfragen geben wir bekannt: Bei der Anmeldung, die jederzeit in unserer Verkaufsstelle Bahnhosstraße 31 erfolgen kann, hat jedes neu aufzunehmende Mitglied zu zahlen: Eintrittsgeld 50 Pfg. Geschäftsanteil 50 Pfg. Weiter sind monatlich wenigstens 50 Pfennig zu entrichten, bis der volle Geschäftsanteil von 30 Mark mit Zuschreibung der Divi Nach Erreichung des vollen Geschästsanteils werden die Dividenden jährlich baar ausbezahlt. Die Geschäftsanteile werden mit 4 pCt. verzinst und beim etwaigen Ausscheiden voll zurückgezahlt. Die Haftsumme beträgt 30 Mk. und kann darüber hinaus kein Mitglied in Anspruch genommen werden. Das Geschäftsjahr läuft vom 1. Juli bis 30. Juni. Der Vorstand: Mich. Keßler. Heinrich Noll. Giessen Mäusburg 7 HFupier- Hund lung Buchbinderei, Geschäftsbücher, Drucksachen Einrahmen von Bildern. denden erreicht ist. a G. Holtberg. — 7 Gießener Fischbörse Marktplatz 5 Empfehle als neu zugelegten Spezialartikel sämtliche — Wurstwaren und offerire solche, als: Feinste Leberwurst per Pfund 60 Pfg. Feinste Fleischwurst per Pfund 80 Pfg. Fst. Hausmach. Mettwurst per Pfund 1 Mark. Fst. Braunschw. Leberwrst. per Pfund 1 Mark Feinste Zungenwurst per Pfund 1,20 Mark Fst. Westfäl. Salami per Pfund 1,40 Mark Fst. Gothaer Salami per Pfund 1.30 Mark Fst. Westf. Blasenschinken 1—2 Pfd., per Pfd. 1,60 Mark Feinste Dresdener Appetit⸗Würstchen H. Baum. t Ist. deutsches Büchsenfleisch zum Rohessen, per Stück 12 Pfg. im Ausschnitt, per Pfd. 1 Mark Marktplatz 5 Louis Bühl Telefon 50. Telefon 50 Fst. Hausmach. Blutwurst per Pfund 60 Pfg. Feinster Preßkopf per Pfund 30 Pfg. Fst. Thüringer Rotwurst per Pfund 1 Mark Fst. Braunschw. Mettwurst per Pfund 1,20 Mark Feinste Sardellenwurst per Pfund 1,40 Mark. Fst. Westf. Cervelatwurst per Pfd. 1,40 Mark Fst. Gothaer Cervelatwurst per Pfund 1,80 Mark Ist. Westf. Touristenschink. Rollschinken, 1—2 Pfund, per Pfund 1,50 Mark wird als ein ganz vorzügliches Hilfsmittel Jeder Dame zur Erlernung u. Ausübung der Schneiderei empfohlen: Das bereits in 6. Auflage erschienene Victoria 85 Lehrbuch der Damenschneiderei zum Selbstunterricht mit Original- Zuschneide- Tableau. Preis 1,50 Mk. 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