* 1 * 5 1— 2 Nr. 10. Gießen, Sonniäg, den 9. März 1902. Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeit Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag& Uhr Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expeditionin Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) Junserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 500% Rabatt Bei mindestens Ueber die Agrarfrage. hielt vor kurzem Genosse Abg. Dr. David Vorträge in Fürth und Nürnberg. Die Anschauungen, welche der als vorzüg⸗ licher Kenner der Agrarverhältnisse bekannte Genosse über die Frage entwickelte, sind inte⸗ ressant genug, um in unserem Leserkreise ge⸗ bührende Beachtung zu finden. Umsomehr, als sie von den bisher in der Partei in Bezug auf die Agrarfrage herrschenden Ansichten wesentlich abweichen. Die Agrarfrage ist nicht etwa die Zolltarif⸗ frage,— führte Dr. David nach einem ge⸗ schichtlichen Rückblick aus— obgleich sie in ihrem Zusammenhang mit dieser steht. Es dreht sich um die Frage, ob für den landwirt⸗ schaftlichen Betrieb dieselben ökonomischen Ge⸗ setze n. wie für den industriellen Be⸗ trieb? Und weiters um die Frage, wie kann unsere Bewegung es fertig bringen, daß sie auch die große Masse der bäuerlichen Bevölkerung zu ihrer Fahne mit hinüberreißt? Jeder, der in der politischen Bewegung steht, der weiß, daß wir zahlreiche Wahlkreise in Deutschland haben, in denen die kleinbäuerlichen Massen die Majorität bilden; wenn in den Städten und Industrieorten solcher Wahlkreise noch so gut gearbeitet und noch so gut gewählt wird, die kleinbäuerlichen Bezirke machen die beste Agi⸗ tationsarbeit oft zu Schanden, das kleinbäuer⸗ liche Element ist der Widerstand, der uns fast überall entgegentritt. Die agrarische Bevölker⸗ ung hat in den meisten deutschen Staaten, hat u. A. in den beiden größten, in Preußen und Bayern, die Hand an der Klinke der Gesetz⸗ gebung; sie beherrscht direkt oder indirekt die Parlamente, sie beherrscht die Ministerien. Und wem dies klar geworden ist, der wird sagen müssen, daß es eine hochwichtige Aufgabe für uns ist, die kleinbäuerlichen Wählermassen in Preußen, Baden, Bayern usw. für uns zu ge⸗ winnen. Gelingt uns das, dann haben wir gewonnen, dann ist nichts mehr da, was uns im Wege stehen könnte. Die Agrarfrage ist also nicht nur von hohem wissenschaftlichem Interesse, sie hat auch einen eminent praktischen Hintergrund; von der Lösung der Agrarfrage hängt es ab, wann wir den Sieg im Staatsleben erkämpfen werden.— Das Bestreben der ersten sozialistischen Bewegung hatte bereits dieses Ziel im Auge. Die Agrar⸗ frage hat in der Anfangsgeschichte der sozial⸗ demokratischen Partei eine hervorragende Rolle gespielt, wie die Kongresse der„Internationale“ im Ausgang der 60er Jahre bewiesen. Zwei Richtungen standen sich damals gegenüber: die marxistische und die proudhonistische. Letztere unterlag. Die in Brüssel(1868) gefaßte Agrar⸗ Resolution besagte, daß die moderne Technik und Wissenschaft auch in der Landwirtschaft die Produktion in großem Maßstabe beherrsche; auch dort werde darum der Kleinbetrieb dem Großbetrieb unterliegen. Dieser Ansicht trat der Referent scharf ent⸗ gegen. Er führte aus, daß der Kleinbauer bet rakionellem Betriebe sehr wohl zu bestehen ver⸗ möge; die Zählung von 1895 habe ja bereits bewiesen, daß die Konzentration der landwirt⸗ schaftlichen Betriebe nicht nur nicht in dem Maße erfolgt set, wie die Konzentration der industriellen Betriebe, es habe sich im Gegenteil gezeigt, daß die Kleinbetriebe von 2—5 und von 5—20 Hektaren eine ganz wesentliche Steigerung und Ausdehnung erfuhren, an Zahl wie an Bodenfläche. In echt volkstümlicher, hochinteressanter Weise präzisierte dann Redner den Standpunkt, daß sich Industrie und Landwirtschaft nicht über einen Kamm scheeren lassen und erläuterte die markantesten Unterschiede im industriellen und landwirtschaftlichen Produktionsprozeß. Bei ersterem handle es sich um einen rein mechani⸗ schen Vorgang; bei letzterem stehe ein pflanz⸗ licher oder tierischer Organismus zwischen dem Produzenten und Produkt. Das bedinge unter Anderem die Diskontinuirlichkeit des ganzen Arbeitsprozesses; die Gebundenheit des land⸗ wirtschaftlichen Betriebes durch die Jahreszeiten, seine Abhängigkeit von Witterungsverhältnissen, die Vorzüge des Gebrauches von animalischen, lebendigen Motoren gegenüber toten, die Ar⸗ beitsteilung in der Industrie und ihre Unmög⸗ lichkeit in der Landwirtschaft usw. Redner kam zum Schlusse, daß für bedeutende Produktions⸗ zweige nur der bäuerliche Kleinbetrieb sich fähig gezeigt habe, den Boden voll auszunutzen und führte dafür zahlreiche Beispiele an. Was folgt aus alledem? Wir haben kein Lebensinteresse daran, an der Theorie festzu⸗ halten, daß es in der Laadwirtschaft genau so ehen wird, wie in der Industrie. Die Ver⸗ hältnise sind total verschieden. Mit der Be⸗ seitigung der theoretisch falschen Sätze bekommen wir freie Bahn für einen gründlichen Bauern⸗ schutz. Wir werden dem Bauer als solchen eine Reihe von wichtigen Hilfs- und Förderungs⸗ mittel gewähren können, unter Anderem auch kräftige Unterstützung des Genossenschaftswesens, Bodenmeliorationen, Wegebauten, Kreditgewähr⸗ ung, Unterstützung aller Bestrebungen, die auf die Fortbildung, Fachausbildung gerichtet sind usw. Wir durfen nicht mehr sagen, der Kleinbetrieb wird ja doch kaput gehen; er wird eben nicht kaput gehen und wir können ihm gegenüber ganz gut eine auf seine Erhaltung gerichtete Politik einschlagen, ohne damit zu⸗ gleich die Junker, unsere schlimmsten Feinde, zu stützen. Gegen die Junker! kann dann auch die Parole der Bauern werden, wenn ihnen von anderer Seite wirtschaftliche Hilfe zugesichert wird, nicht allein seitens jener Pseudo⸗Bauern, die auf der wirklichen Bauern Kosten Politik treiben. Es wird dann leichter sein, die Bauern zu überzeugen, daß ihnen durch den Kornzoll nicht gedient, sondern nur geschadet wird! Die wenigsten Bauern ziehen Korn zum Verkaufen, alle aber ziehen sie Vieh und zwar in der Regel auf einem Hektar Land doppelt oder dreimal so viel wie die Agrarier; nicht hohe Kornpreise, sondern billige Futter- mittel heißt also das Schlagwort für den Kleinbauer! Die 100 Millionen Mark Zoll, die jährlich für Mais eingehen, kommen zum guten Teil aus des Kleinbauern Tasche!— Und noch Eins! Wenn der Bauer bessere Pro⸗ dukte erzielen soll, dann ist es eine Lebensfrage für ihn, sein Absatzgebiet zu erweitern und zu verbreitern und statt Körnern und Kartoffeln, Milch, Fleisch, Eier, Butter usw. zu produzieren. Der Bauer hat also ein Lebensinteresse daran, daß Leute da sind, die imstande sind, seine feineren Produkte zu kaufen, daß mit einem Worte die Konsumkraft der Massen ge⸗ steigert, gehoben wird. Wenn die Arbeiterschaft aber durch hohe Kornzölle und Brotpreise ge⸗ zwungen wird, einen großen Teil ihres Ein⸗ kommens zum Ankauf von Brot und Kartoffeln zu verwenden, kann von einer Hebung der Konsumkraft für die kleinbäuerlichen Produkte nicht die Rede sein. Von dieser Seite be⸗ trachtet, entpuppt sich die Agrarfrage als Arbeiterfragel Hier schließen sich die beiden Fragen in Eins zusammen: Die Arbeiterschaft ist die Kundschaft des Bauern, wer die Arbeiter⸗ schaft kaufkräftig macht, unterstützt indirekt das Kleinbauerntum! Heute muß die Arbeiterfamilie darauf sehen, möglichst wenig an Fleisch, Butter usw. zu konsumieren, weil sie darauf angewiesen ist zu sparen! Wird die Lage des Arbeiters verschlechtert, so bezahlt der Bauer die Zeche, die 600 Millionen Mark, die man jetzt dem Arbeiter mehr herausholen will für Brot, kann er nicht ausgeben für Gemüse, Obst, Geflügel usw. Wenn die Arbeiterfrau ihr Geld beim Bäcker lassen muß, kann sie selbstverständlich beim Metzger nicht mehr einkehren. Und was so dem Kleinbauern entzogen wird, das sackt der Großgrundbesitzer, der Agrarier, ein und lacht sich ins Fäustchen über den armen kleinen Bauer, der ihm in seiner Herzenseinfalt(zu seinem eigenen Schaden) da⸗ zu verholfen hat! Die Agrarfrage involviert also eine ganze Reihe eminent wichtiger Fragen, ste bedeutet für die Masse der Arbeiterschaft 1) eine Er⸗ nährungsfrage, 2) eine politische Frage. Die Zeit wird kommen, dessen sind wir sicher, wo unsere Partei ihre siegreiche Fahne aufpflanzen wird in den kleinbäuerlichen Betrieben, die Zeit wird kommen, in der man einsehen wird, daß zwischen den Interessen der Bauern und der Arbeiter keinerlei Gegensatz besteht und daß die enge wirtschaftliche Solidarität dieser beiden Faktoren eine enge politische Solidarität zum Segen für die ganze Menschheit im Gefolge haben muß. Politische Rundschau. Gießen, den 7. März. Die Zolltarifkommission hat vorige Woche den Kompromiß ⸗-Antrag angenommen. Wie sich nun die Regierung dazu verhalten wird, die vorher erklärte, daß für sie die in jenem Autrag enthaltenen Zoll⸗ sätze unannehmbar wären, muß abgewartet werden. Am Mittwoch war man bis zu Posi⸗ tion 14 gelangt. Wegen der Geschäftsführung kam es zu heftigen Zusammenstößen der Oppo⸗ sition mit dem neuen Vorsitzenden Rettig, der sich von den Herren des Bundes der Landwirte beeinflussen läßt. Wahl⸗Angst der Scharfmacher. Wegen der nächsten Reichstagswahlen muß unseren Gegnern, sowohl den großkapitalistischen Unternehmern, den Schlotbaronen, sowie auch den zunftzöpfigen Rückwärtsern höllisch bange ver felbstverständlich mit der Vernichtung der Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. d Tag bestürmen, 3 längst militärfromm gewordene entrum einen Sie rechnen i ü Sozialdemokratie abgegel Sa e e de ee nent Sozialdemokratie enden wird. Wie nämlich ein dem„Vorwärts“ in die Hände gefallenes Zirkular des Innungs⸗ verbandes deutscher Baugewerksmeister verkündet, soll eine Broschüre herausgegeben werden, die kurz vor der Wahl jedem Reichs⸗ tagswähler unentgeltlich in die Hand gedrückt werden und die bewirken soll, daß nicht ein einziger Sozialdemokrat in das hohe Haus ein⸗ zieht, unsere Partei vom Erdboden verschwindet. — In dem famosen Schriftstück heißt es unter anderem: Die Sozialdemokratie ist im Deutschen Reiche während der beiden jüngsten Jahr⸗ zehnte in außerordentlichem Maße gewachsen. Die Parteiführer rechnen für die bevor⸗ stehenden Wahlen auf etwa 3 Millionen Stim men, was deren Erfüllung bedeuten würde, daß die Sozialdemokratie zu weit über 100 gewonnenen Mandaten und damit zur maßgebenden Stellung im deutschen Reichstage gelangt. Einer solchen Gefahr rechtzeitig und that⸗ kräftig vorzubeugen, ist eine Pflicht, der wir uns aus nationalen, wirtschaftlichen, sozial⸗ politischen und sittlichen Gründen nicht ent⸗ ziehen dürfen. Vor allem gilt es, was bisher allzu sehr versäumt worden ist, für die gründliche Auf⸗ klärung(J) der sämtlichen Wahlberechtigten in allen von der Sozialdemokratie bereits eroberten oder wieder bedrohten Wahlkreisen über die Sinn- und Haltlosigkeit der sozialistischen Hauptlehren zu sorgen. Uns liegt eine sehr geschicktausgeg rbeitete Broschüre vor, die diese Aufgabe ohne alle Redensarten ausschließlich durch fest stehende, unanfechtbare Zahlen und That⸗ sachen erfüllt. Aus naheliegenden Gründen kann die Schrift jetzt noch nicht allgemein der Oeffentlichkeit übergeben werden. Sie soll in einer so großen Auflage herge⸗ stellt werden, daß kurz vor der Wahl jedem Wähler der in Betracht kommenden Kreise ein Exemplar verabfolgt werden kann. Für diese gute Sache werden die Herren Innungskollegen aufgefordert, die nötigen Moneten aufzubringen. Nur einen Nickel pro Kopf der von ihnen beschäftigten Arbeiter sollen sie herausrücken.— Man sollte meinen, derartiges Zeug wäre schon genügend produziert worden. Nach Richter mit seiner Spar⸗Agnes haben doch schon eine ganze Anzahl tapferer Kämpen, Korbmacher Fischer, Max Lorenz, Schweinburg und ähnliche die Sozialdemokratie „widerlegt“ oder gar„vernichtet“. Mit Recht fragt der Vorwärts, warum denn nicht einfach die gelben Hefte des Pastors Hülle und Denk⸗ schrift zur Zuchthausvorlage, deren doch für 12000 Mark hergestellt wurden, verbreitet werden? Ob das nicht genug„zieht“? Nun, mögen sie kommen! Für unsere Ge⸗ nossen muß aber die scharfmacherische Mobil⸗ machung eine Mahnung sein, wirksam zu agi⸗ tieren und die Organisationen auszubauen. * auf dem Posten! muß unsere Losung ein! Frecher Schwindel. Welcher schmutzigen Mittel die Gegner sich im Kampfe gegen die Sozialdemokratie be⸗ dienen, zeigt der Wahlkampf im Kreise Ger⸗ dauen⸗Friedland. In einem dort ver⸗ heißt es konservativen Wahl-Flugblatte eißt es: „Die Sozialdemokratie kämpft nicht für den Arbeiter, sondern für den Geldsack. Sie will die Grenzen öffnen und den deutschen Arbeiter schutzlos der Konkurrenz von all dem ausländischen Gesindel überlassen“. Sie machen schon jetzt 1 1 rüsten ganz unheimlich. nen 5 d Wahl drei Millionen een eue Wire egeg 1 955 die Sozialdemokratie die pielsRegierung fett Jahr mn. ganzen Jahres im Lande dulde 80 19 als Konkiker bil sauldrücker den so dumm ist sie. Vondrie enen der Gesinnung sondergleichen aber zeugt es, wenn dieselben Leute, denen die ausländischen Arbeiter als Arbeiter hochwillkommen sind, weil sie ihnen die Ernte hereinbringen und ihnen auch noch gestatten, in bisher geübter Weise die deutschen Arbeiter niederzuhalten, die Polen und andere Ausländer als„ausländisches Gesindel“ bezeichnen. Noch schamloser ist aber die weitere Behaupt⸗ ung des Flugblattes, daß die Sozialdemokraten an der Erhöhung der indirekten Steuern schuld wären. Es klingt unglaublich, daß Derartiges in einem Flugblatt steht, das die Wahl eines Mannes empfiehlt, der sich ver⸗ pflichtet hat, für eine gewaltige Erhöhung der indirekten Steuern einzutreten. Dann schließt das Machwerk: „Auf denn zum Kampfe gegen die Lügner und Hetzer, gegen die Feinde des Volkes und des Vaterlandes“! Das ist sicher der Gipfel der Gemeinheit. Es zeigt aber, daß die Gesellschaft der Junker und staatstreuen Ordnungsstützen total auf den Hund gekommen ist. Sie können sich nicht mehr anders, als mit Verleumdungen und Lügen helfen. Und so, wie im Osten die Konservativen, machen es im Westen Christlich⸗Soziale, Anti⸗ semiten, Zentrum und sonstige Verteidiger der Religion, Sitte und„Ordnung“. „Gleiches Recht für alle!“ An der Generalverfammlung des Bundes der Landwirte im Eirkus Busch haben, obwohl es sich offenkundig um eine politische Versamm⸗ lung handelte, auch Frauen als Zuhörerinnen teilgenommen. Auf diese Thatsache aufmerk⸗ sam gemacht, erklärte es der preußische Polizei⸗ minister Herr v. Hammerstein im preußischen Landtage für einen allgemeinen Grundsatz, daß Frauen in Preußen an politischen Versamm⸗ lungen teilnehmen könnten, aber nur unter der Voraussetzung— die im Cirkus Busch freilich nicht erfüllt war— daß die Frauen ihnen bestimmte Zuhörerplätze einnähmen oder, wie er sich geschmackvoll ausdrückte, daß sie sich mit den Männern nicht vermischten. Unsere Berliner Genossen machten darauf gleich die Probe auf's Exempel. Als aber am Mittwoch bei einer sozialdemokratischen Versammlung in Berlin auf den Tribünen Frauen als Zu⸗ hörerinnen erschienen, verlangte der überwachende Polizeibeamte gleichwohl deren Entfernung aus dem Saale. Die Versammlung kam dem Wunsche des Beamten nach, beschloß aber, beim Polizeipräsidenten Beschwerde zu führen.— Einer sozialdemokratischen Versammlung in Hannover widerfuhr das Gleiche.— Jawohl, wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe— solange es eben geht. Aufgezwungene Dekoration. Vor kurzem kam im Reichstage zur Sprache, daß ein zu einer achtwöchentlichen Uebung ein⸗ gezogener Oekonomie⸗Handwerker, Redman aus Werne, vor das Standgericht zu Bochum unter die Anllage gestellt ist: durch die„Beant⸗ wortung der an ihn auf dem Hauptmeldeamt gerichteten Frage, warum er die China⸗Denk⸗ münze nicht annehmen wolle, mit der Erklärung, seine Ueberzeugung als Sozialdemokrat verbiete ihm das, sich des Vergehens gegen den Kriegs⸗ ministerialerlaß und Korpsbefehl, sozialdemo⸗ kratische Gesinnungen nicht zu betätigen, schuldig gemacht zu haben. Die im ersten Termin vertagte Verhandlung hat am 24. d. M. mit Bestrafung des Angeklagten zu drei Tagen Mittelarrest geendet. Es mag auf sich beruhen, ob der Angeklagte zur Zeit der Beantwortung der Frage als unter Militärgesetzen stehend erachtet werden konnte. Das Urteil ist absolut unhaltbur. Es wird sich bei der dritten Lesung Das sagen die Leute, die zu Tausenden russisch⸗polnische Arbeiter ins Land holen und 5 15 ö ährend des daß sie die ausländischen Arheiter pie Seß⸗ die] dem Gesetz, der orpsbefehl biligt, 15 dahin ausgeleg Mabeheit an 60 f Sozialdemokraten im Rirchenvorstaub. Bei der Kirchenvorstandswahl in Nürn⸗ berg siegte zum Entsetzen aller Rechtgläubigen die Sozialdemokraten. Dieselben hatten sich, dated der sonstigen Gepflogenheit, sich um erartige Wahlen nicht zu kümmern, diesmal an der Wahl beteiligt, um eine geplante Kirchen⸗ steuer illusorisch zu machen. Sie haben die Gläubigen im Herrn überrumpelt und siegten im Sprengel St. Jobst mit 100 gegen 20 Stimmen. — Anheilbar geisteskrank. Neulich hat in Berlin der tolle Dresch⸗ graf Pückler aus Klein⸗Tschirne unter dem Beifallsgeheule seiner antisemitischen Horde wieder eine seiner bekannten Reden gehalten, die aber noch mehr als die früheren den Geistes⸗ zustand dieses Junkers sowie auch den seiner Zuhörer im bedenklichsten Lichte erscheinen lassen. Er sprach von den roten und goldenen Ratten, womit er die Sozial⸗ demokraten und die Juden meinte und deren Ausrottung er vom Kaiser forderte. Mit aus⸗ gestreckten Armen und verdrehten Augen schrie er:„Landgraf, werde hart! Deutscher Kaiser! f sei hart gegen die Ratten, namentlich gegen die goldenen. Schon hat es dreiviertel zwölf geschlagen, um 12 Uhr geht das Reich zu Grunde. Die Höflinge sind Juden⸗ genossen und Jammerlappen und auch die Behörden und Gerichte stehen längst unter dem Einfluß der Juden.„Ich hätte für mein forsches Auftrefen gegen das Judenpack eher eincn hohen Orden verdient, als eine Verurteil⸗ ung. Der König sollte die Behörden aahalten, Spitzbuben und anderes Gesinoel zu verhaften, aber den unschuldigen Pückler unbehelligt zu lassen. Sollte sich wieder einmal ein Polizet⸗ kerl herausnehmen, mich verhaften zu wollen, schieße ich ihn eine Portion Schrot in den Bauch.— Landgraf— Landgraf Landgraf, Du gehst einem dunklen Schicksal entgegen! Es wird endlich Zeit, daß die Fürsten Buße thun, im Sock und in der Asche. Wir aber müssen endlich einmol anfangen, auf die Judenbande wirklich loszugehen. Wenn Euch auf dem Heimwege schwarzgelockte Jünglinge und Dan en begegnen, tretet auf sie zu und gebt ihnen— patsch, patsch— rechts und links ein paar Oheseigen, hebt dann den Fuß und versetzt den Se warzgelockten noch einen tüchtigen Fußtritt. Auf diese Weise muß der Anfang gemacht werden“. Alle diese Be⸗ merkungen fanden bei den Anwesenden tosenden Beifall.— Ob Bindewald dabei war, geht aus dem Berichte nicht hervor. Der ist eigent⸗ lich mit dafür verantwortlich, wenn Pückler vollends verrückt wurde, denn er hat ihn immer begleitet und wohl auch zu solchen Reden an⸗ gereizt. Wahlrechts ⸗Petition in Sachsen⸗ Das Zentralagitationskomitee unserer sächsi⸗ schen Genossen hat eine Petition um Aenderung des jetzt dort bestehenden Dreiklassenwahlrechts und Einführung eines gerechten Wahlsystems an den Landtag gelangen lassen. ist mit eingehender gründung versehen. Augenblick im Zweifel darüber, Trotzdem sind wir keinen Die Petition und durchschlagender Be⸗ Moral und der Religion ein Mann deshalb zu bestrafen it, w ei 9 1 1 85 daß das m Landtag herrschende reaktionäre Spießertum die Gründe nicht beachten, die Petenten abschläglich 5 bescheiden und seine Unterdrückungs⸗ und Ge⸗ waltpolitik fortsetzen wird.— Wie lange no? 1 Die Einführung der zweijährigen Militärdieunstzeit steht in Frankreich bevor. 0 die neulich über diese Frage in der Deputirten⸗ kammer geführt wurden, legte der Abgeordnete des Etats herausstellen, ob das allerdings Vaillant den sozialistischen Standpunkt dar, Bei den Debatten, 5 1 1 ——— be u Kriegs ministerialerlaß 1 55 08 15 t wird, daß entgegen 1 Ifübrung f des Milital neiß auc, voc iat toute des dene, in del Cee unmt fl Neale, Wege aum, get ei, 5 cena Catmicklun scrünkunge Sozialisten Ausbildul augen B. unfall Pal! Freitag? wohnte ei hielt, in! besprach. mit einen zusammen Rontustor Waldeck porüberf zurückbeg hald wie die Ver Wochen Ueb Soga garien gefaßt. nommen acht S Nachd Michstag bel Vera zu elner Unset scch als liberale! derung namenklit ktretenen wurde de als Mat Um da der g b di dec, dchattelg Fre amtez selben 1 legt, e funiten and Au De Ab Nah Won einen n dae der A atdegen * nen „ Peil er die endorst 1 KE Nr. 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. U and. 1 und zwar dürften in dieser Frage wohl alle eine Anzahl Beschlüsse, die den Abschluß einer inter? ein großes Fragezeichen zu malen. Er wies nachdrück⸗ g in Nürn⸗ Fraktionen der gleichen Meinung sein. Vaillant nationalen Zuckervereinbarung sichern. f Die Grundlage lich darauf hin, daß das sicherste Mittel sei, um der ecigläubigen trat für die alte, bekannte sozialistische Forderung dieser Uebereinkünfte der Mächte wird die Aufhebung der[Chinaromantik ein Eude zu machen, die geforderten U hatten sich Einführun des Milizsystems ein. Er war Ausfuhrprämien in sämtlichen Vertragsstaaten sein;[Kredite für die ostasiatische Brigade zu verweigern. det, ih 9, in fü lich icht im Zweifel daß die Zeit damit steht in Zusammenhang eine Herabsetzung der] Aber dazu ist die Mehrheit nicht zu haben und so wird mern sich natürlich nich Gee daß die Zucker⸗Einfuhrzölle und die Fixierung eines sogenannten man sich mit dem Abstrich von 5 Millionen begnügen n. diesmal des Militarismus noch; nicht. vorbei sei, er„Ueberzolls“(surtaxe), der nach den Brüsseler Ver⸗Tmüssen. 5 175 r ec. weiß auch, daß selbst die einjährige Dienstzeit handlungen 6 Fr.— 4.80 Mk. betragen soll. Dieser Beim Etat des Auswärtigen Amtes hielt 0 haben die noch nicht zur Einführung gelangen würde und„Ueberzoll“ stellt die Differenz zwischen der inländischen] Dr. Gradnauer eine groß angelegte Rede über unsere doe siegten betonte deswegen, daß er für die zweijährige Verbrauchsabgabe und dem Einfuhrzoll dar. In Deutsch⸗ internationale Politik. Er kritisierte die Mode ge⸗ 0 gegen 20 Dienstzeit eintreten würde. Jaurés erklärt land z. B. beträgt geger wärtig die Verbrauchsabgabe wordene g in der„Petite Republique“ sein vollständiges] für 19 0 Kilogramm Zucker 110 Pfg., also 20 Mk. für Reisepolitik inverständnis mit der Rede Vaillants; er den Doppelzentner, der Einfuhrzoll dagegen 40 Mk. 1 ger En tsch ö e 1 zu dem Schluß, daß die zweijährige Nach der Annahme der Brüsseler Vereinbarung und der 9 0 nge ene a ank. Dienstzeit eine weitere Etappe sei auf dem e e c n 20 ge at 80 laßt habe, den Buren gegenüber die Bestimmungen der lolle Dresch⸗ Wege zum Milizsystem. Die zweijährige Dieust⸗ 24 80 Mk. betragen dürsen Feruer sieht die Konvention 1 0. 9 zu 1 e durch tue unter de zeit sei die äußerste Grenze, mit der sich das de Bestim 8 0. verschiedene Einzelheiten nach, wie sehr im südafrikanischen ener dem ärtige Militärsystem noch vertrüge. Die die Bestimmung vor, daß die Vertragsländer sich gegen] Kriege von den Engländern diese Bestimmungen verlebt chen Horde gegenwärtige Milt ärsystem trüge. nicht beitretende, Aussu rprämien zahlende Länder durch 5 In scharfen Worten bes Rebiie en gehalten Entwicklung dränge aber zu weiteren Ein⸗ Zuschlagzölle sichern. e 1935 cel beten beiten en den Gtistes⸗ en ford e ste dem 195 15 Diese Abmachungen spielten in der Samstagsdebatte e ee An auf Redens⸗ ich den fei 3 Sozia isten geforder en ilizsy em: mi art 0 eine Rolle. 5 g 75 8 2 Sozial⸗ 1 4 feiner Ausbildung der Jugend, Waffenfähigkeit des Schatzsetretär v. Thielmann sprach in einer ver⸗. wieder pale i ee e e de ee die erscheinen tändi Rede die Hoff 3 daß bie 8 15 demokraten chinesischer als die Chinesen seien und lehnte oten und ganzen Volkes. ständigen Rede die Hoffnung aus, daß die konvention im übrigen jede Einmischung in die Burenangelegen⸗ 8 5 M bald abgeschlossen werden möge. 15 10 heit ab 5 t die Sozäal⸗ Unfall des sranzösischen inister⸗ Die Macht der Thatsachen, wie sie die unverant⸗ Genosse Le deb iderte dem Reichskanzler und und der präsidenten. 1775 3 Zuck ll und die Protektlons⸗ Genosse Ledebour erwiderte dem? eichskanzler un eren wortliche Wirtschaft des Zu erkartells und die Protektions 8„ R 2 Wit ans. 8 d Liebesgabenpolitik der Regi üb wies darauf hin, daß wir die Rückgabe der Pekinger 1 Waldeck⸗Kousseau befand sich am] und die esgaben politik der Regierung gegenüber den Instrumente im Interesse der Ehre Deutschlands ver⸗ f 1 8 ckerfabriken hervorgerufen hat, sprach so beredt, daß Nati 5 11 5 Freitag Abend in großer Lebensgefahr. Er Zuckerf 5 0 118„daß langten und nicht, um dem Nationalstolz der Chinesen f 07 fast niemand im Reichstage zu bestreiten wagte, daß die; 5 9 0 1 75 1 eber t. F dedbrsdeheide Wahlfanpagne Dinge so wie bisher nicht weitergehen können. Selbst e een lle ene es mittel bespt Auf d imwege stieß sein Wager Herren von der Rechten mußten das jämmerliche Fiasko] deu mörderischen Konzentrationslagern entkernt würden. 3 besprach. uf dem Heim 721 5 e en gen dieser kopitalistischen Klassengesetzgebung, wie sie die Dien st wurde die Debatte fortgesetzt. Unsere 1 geht das mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn deutsche Zuckerpolitit in schönster Neinkultur darstellt, Chen ag 105 0 0 atte for lege, 6 se d Juder⸗ zusammen. Der Ministerpräsident erlitt starke] zugeben und sich wohl oder übel mit dem Gedanken einer 175 VVV Ded en auch die Kontusionen und Verletzungen durch Glassplitter.] Trüsseler Konvention und der Aufhebung der Ausfuhr⸗ verteidigten nochmals unseren Standpunkt in den Fragen t unter dem Waldeck⸗Roussean konnte sich bald mit einer] prämien abfinden. Nur der Agrarierführer Roesicke e 9h 500 rügten die bürgerlichen für nen borüberfahrenden Dro ke ins Ministerlum erwies sich als ganz unbelehrbar. Er lamentiere in 8 denpack eher 1 Die 2 glauben den 0 bekannter Manier von einem Eingriff Englands in eine e der Pekinger Instrumente „e Bentil- bald wieder herstellen zu können, immerhin sind innerdeutsche Wirtschaftsfrage, malte das Schreckgespenst 5 15 1 5 155 wieder 975 5 wollen. erden aahalten die Verletzungen derart, daß er etwa zwei] eines Unterganges der Rüben⸗Juckerfabrikton an die a ee e e eee Wee a 1 0 5 Wochen 55 Zimmer 10108 hüten müssen Wand, falls die Prämien in Wegfall kämen, und suchte ebenfalls wie der freisinnige Abgeordnete Dr. Barth die 5 keheliet 10 5 5 2 vor einer Ueberschwemmung Deutschlands mit russischem 1 55 ie dune Her 95 5 Anbehelligl! 1 ü 1 indi 9 K artei, Herr Dr. Müller⸗ in Polizei⸗⸗- Ueberall Sieg des Sozia liemus! c i Ae a eee Sagan, verfocht 1 den Standputz, daß die Kosten ften zu wollen, Sogar in dem zurückgebliebenen Bul⸗ ist ihm natürlich geradezu verhaßt. ung der Instrumente von der Kriegsentschädigung in Ab⸗ tion Schrot garien hat die Sozialdemokratie festen Fuß Herr v. Thielmann fertigte den fangtischen Bündler rechnung gebracht werden müßten. 7. ganbgeuf] gefaßt. Bei den dort am Sonntag vorge- gehörig ab. Er wies das wirre Gefasel von einer Sonst wurde noch elne lange Debatte über die wirt⸗ ien Shihll nommenen Parlamentswahlen wurden auch nationalen Demütigung in Brüssl zurck und erklärte, cafe Politik des Fürsten Vismarck zwichen Herbert Zeit, daß die acht Soz ialisten gewählt. der„Ueberzoll“ werde genügen, un die deutsche Zucker⸗ chen, dem Sohn des Alten, und dem Abg. Barth geführt, B der Ahe.— produktion vor einem übermäßigen Eindringen aus⸗ die in gar keinem Zusammenhang mit dem eigentlichen 1 alfaugn, n Thee elch wurde unsere Resolution abgelehnt. Dafß fal 5 5 g ündlick fi e urde unsere Resolution abgelehnt. Dafür z 5 Deutscher Reichstag. 1 eh 5 me 155 e stimmten nur noch die zwei anwesenden Vertreter der 3 Nachdem am Donnerstag(27. Febr.) sich der] Recht, aus den ängstlichen Weisheiten des Bundes⸗ Süddeutschen Volkspartei und der Abg. Munckel. hUeaeichstag mit Wahlprüfungen beschäftigt hatte, kam es agenden spräche die blasse Furcht vor einer Sprengung Geuosse Bebel brachte dann weiter bet den ia den bei Beratung verschiedener Petitionen gegen das Impfen des Zuckerringes. Für uus aber wird gerade die völlige Auswärtigen die rechtswidrige Verhaftung einer deutschen zu einer großen Debatte über den Vernichtung dieser Ausbeuterorganisation, die schon jetzt Staatsbürgerin durch die russschen Behörden zur Sprache. Impfzwang. Jo hübsch Schiftbruch etlitten hat, das erstrchenswerde 9 5 1 0 i Ae e 6 Unsere Genossen Thiele und Reißhaus bekannten Ziel sein! Wurm beleuchtete diese duftige Blüte am e 1 les 11 15 geschafft beg 0 1— 1 N 3„Baume der kapitalistischen Gesellschaft, die sich Zucker⸗ 5 1 ). 1 15. roduktion dar und geißelte scharf die Liebesgaben⸗ ziehen. a wat, det erungerertiete ile anf Bunm den Impfweng mfetschaft, deren sich che Gad des Zuckerlartelds it eigen namentlich im Hinblick auf die jetzt wiederholt aufge⸗ 0 7 erfreuen durften. hinwiesen, daß auch bei dem System der Rückfahrkarten] Zentrums redner v. Hertling sprach Eugen Richter. Aber Offiziere und 451 Maun. zu Gefangenen mach⸗ 69 nur diejenigen begünstigt werden, die es am wenigsten nicht so scharf wie sonst. Er steht dem Militarismus ten, von denen ein Offizier und 105 Mann 150 1 nötig haben, da für die 4. Klasse keine Vergünstigung ja nicht prinzipiell feindlich gegenüber, sondern bekrittelt wieder freigegeben wurden. Die Zahl der 5 besteht. Sehr gut charakterisierte Genosse Stolle den] nur Einzelheiten. So sind ihm die Besatzungen in Ost⸗] Toten auf englischer Seite wird auf 120 ge⸗ Fiskalismus, der sich in der Eisenbahnverwaltung breit] asten zu groß und er rät zur Sparsamkeit angesichts der J schätzt. Außerdem fielen den Buren zwei Ge⸗ macht, was ja nicht zu verwundern ist, da ja der ungünstigen Finanzlage. Nach einer kannegießernden] schütze in die Hände. Die ganze Abteilung be⸗ preußische Minister v. Thielen auch hier ein entscheidendes] Rede des nationalliberalen, Abgeordneten Dr. Hasse gab stand aus 580 Mann mit zwei Felogeschützen, De N E 2 4 5 cker tretenen Pockenepidemien verteidigten. Die Petition. N. 5 5 5 wenn Nute. wurde dem Kommissionsantrage gemäß dem Reichskanzler Für den möglichst baldigen Abschluß der Lerein⸗ Krieg in Südafrika. hat ihn imm 5 als Material überwiesen. barung sprachen sich noch die Freisiunigen Richter,. 5 1 eden all 9 Um eine Prügeldebatte lam bas Haus glücklich herum, Barth und Gothein aus. Selbst der nationalliberale Ueber zwei schwere Niederlagen g da der Antrag der Kommission, die auf Wiedereinführung Hochschutzzönner Dr. Paasche, der Mann vielseitigen] kamen in den letzten Tagen der vorigen Woche . der Prügelstrafen gerichteten Petitionen durch frühere] Vermögens, konnte sich den Gründen nicht verschließen, Nachrichten vom südafrikanischen Kriegsschauplatz. 1 gachsen⸗ Beschlüsse des Reichstages für erledigt zu erachten,] die für eine allgemeine Aufhebung der Prämien sprechen. Und zwar hat jeder der kämpfenden Teile eine aa debattelos vom Haufe angenommen wurde. Auch Herr v. Kardorff erklärte sich mit der Aufhebung solche zu verzeichnen. „ Ulserer sächst Freitag stand der Etat des Reichseisenbahn⸗ der Prämien murrend einverstanden, aber die Fixierung Das Gefecht, das mit einer empfindlichen le Aendern!“ tes auf der Tagesordnung. Dem Präsidenten des⸗ eines sogenannten„Ueberzolls“ ist ihm ein Eingriff in] Niederlage d Engländer endet berei a un ee, amte 90. 1 lter der. unsere Zoll Autanemie Niederlage der Engländer endete, hat bereits Kosserwahl* selben wurde dabei ein umfangre cher Wunschzettel vor⸗ Man tag kam der tat der Erpekltien nach Of: am 24. Februar bei Klerksdorp statigefunden, 0 Wahlsoten. gelegt, ehe ihm sein Gehalt bewilligt wurde. Die res aft ˖ Oste aber erst nachträglich ließ Kitchener genauere el 8 Pell 1 sinnizen Parteien forderten Verbilligung des Personentarifs afrika zur Verhandlung, wobei es zu einer Debatte über] Nachrichten darüber nach England 4192 25 1. A er B. und Ausdehnung der Gültigkeit der Rückfahrtskarten. die s wurde den Engländern dabei ü 1 Aealogen feilen 1 Die Abgeordneten Pachnite, Müller ⸗ Meiningen und deutsche Weltpolitik Es wur Di 2 zuglälferte en d sind* 1 Beckh⸗Koburg teilten sich in der Aufzählung dieser Wünsche.] kam. Von den laufenden Kosten für den Hunnenzug hat Pögoysche i Aühlnng au, wobei fte 16 falt der , daß un di ö während unsere Genossen Stolle und ODaubert darauf] die Kommission 5 Millionen Mark gestrichen. Nach dem onoyschei g Au, englische ö 2 —— 8 2 — 2 ä S . * t daten, Work mitzusprechen hat. Auch heute wollte der Herr] der Reichskanzler die übliche Antwort, die er immer in] einer Pompom-⸗ und zwei Maxim⸗Kanonen. ben maten, Minister von ener Tarifermäßigung nichts wissen; er] Dingen der auswärtigen Politik bei der Hand hat. Die Die Burenniederlage ereignete sich bei a„ der 0** kann noch immer nicht daran glauben, daß verbilligte][ Hauptsache ist, daß das Parlament nicht beurteilen kann, Harrysmith Ein Bericht des Bureaus f Whg 1 Tarife erhöhten Verkehr und daher keine Verminderung] wann die ostasiatische Brigade zurückgezogen werden soll. Reuter besagt 5 darüber: Am Dienstag(25 dr ank 1 der Einnahmen herbeiführen. Zunächst müssen die Forderungen der Regierung be⸗ b 9 die britis I d 5 9. a Die Verhandlungen am Samstag führten zu] willigt werden und die Regierung wird ja sehen, wann Febr.) zwangen die britischen D ie Buren, interessanten Debatten ober die es so weit sein wird, China zu räumen. Er meinte, sich nach dem Vaalfluß hina zu zahen, wo sie 1 Zucker Steuer. daß auch die Millionen von China gezahlt werden endgiltig festgehalten wurden, Oberst Rawlinson 1 Kürzlich fand in Brüssel eine Zuckerkonferen statt, würden. ewährte 1 Stunde Waffenstillstand, damit die an der auch Deutschland tellgenommen hat. Diese faßte Genosse Sin ger erlaubte sich. hinter diese Hoffnung rage der Uebergabe beraten werden könne Versammlung am Donnerstag. . eee Sonntags-Fenung. A F Die Buren beschlossen, sich zu ergeben. Es wurden 6—700 Mann gefangen genommen. Die Verluste der Buren während des Gefechtes sind nicht bekannt, aber man hält dieselben für sehr beträchtlich. Unter den Gefangenen, welche nach Harrysmith gebracht wurden, befindet sich John Wessels. —. ̃ ä Pon Nah und Fern. Hessisches. Der hessische Landtag beschäftigte sich in der letzten Woche mit der Einzelberatung des Budgets, die sich ohne größere Debatten abwickelt. Bei dem Etat des Innern bringt Abg. Freuay(Ztr.) eine Reihe sozialpolitischer Wüusche vor, die von uns nur unterstützt werden können. Er tritt für Schutz der schulentlassenen gewerblichen Jugend ein, er wünscht weiteren Ausbau der Koalitionsfreiheit und wendet sich gegen das Mißtrauen gegen Arbeiter⸗ organisationen. Er bedauert, daß die Pro⸗ portionalwahl beim Gewerbegericht nicht eingeführt wurde.— Genosse Ur ich kritisiert die sehr oft bei den Gemeindewahlen auf dem Lande vorkommenden Ungesetzlich— keiten, die gerade auf der Seite begangen würden, die zur Hüterin des Gesetzes berufene ist. Er bittet die Regierung, der Angelegenheit die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden; denn eventuell sei hier eine Disziplinaruntersuchung am Platze, was der Redner erläutert durch die letzte Wahl von Bürgel. Redner freut sich, daß die Gewerbeinspektoren in Hessen immer mehr Fühlung mit den Arbeitern nehmen, und was die Koalitionsfreiheit angehe, so sei nicht allzuviel Wert auf die juristische Seite der Frage zu legen. Bewegungsfreiheit sei hier das Wichtigste. In seiner ausführlichen Antwort bemerkt Ministerialrat Braun, daß das frühere Er⸗ scheinen des Berichtes der Gewerbeinspektoren nicht möglich sei. Die hessischen Berichte er⸗ schienen immer zuerst. Was die Koalitions- freiheit angehe, so unterliegen diese Sachen ja der Kompetenz des Reiches. Der Redner wünscht, daß die Thätigkeit der orga⸗ nisierten Arbeiterschaft nur gefördert werde. Das sei durchaus im Interesse einer ruhigen sozialen Entwickelung. In Hessen herrsche übrigens ein solches Maß von Versammlungsfreiheit, daß von irgend einer Beschränkung kaum noch die Rede sein könne. Die sozialdemokratischen Abge⸗ ordneten des hessischen Landtags haben an die Regierung das Ersuchen gerichtet,„der Kammer Auskunft zu erteilen über die Arbeits⸗ verhält nisse(Zahl der wöchentlichen Arbeits⸗ stunden, Ruhepausen, Sonntagsruhe, freie Tage ꝛc.) der im preußisch-hessischen Eisenbahn⸗ dienst beschästigten Beamten und Arbeiter, find. sie auf hessischem Gebiete stationiert ind. Gießener Angelegenheiten. — Märzfeier. Sonntag, den 16. März abends veranstaltet die Gießener soz.⸗dem. Partei im Lokale Orbig eine Feier zur Erinnerung an die Freiheitskämpfe von 1848 und 1871. Ge⸗ nosse Krumm wird dabei über jene Ereignisse einen Vortrag halten. — Etwas dramatisch bewegt verlief die Sitzung der Gießener Stadtverordneten⸗ a Gegen den Stadtverordneten Löber war in der letzten Sitzung der Vorwurf erhoben worden, daß er Grundstücksspekulationen in seinem persönlichen Interesse betrieben habe und zwar, indem er die als Stadtverordneter erlangten Kenntnisse der Bebauungspläne benutzte, wodurch die Stadt benachteiligt wurde. Gegen diese Vorwürfe verteidigte sich Löber in großen Inseraten in allen Gießener Zeitungen. In der Sitzung er⸗ brachte zunächst Herr Huhn den Beweis, daß er nichts Unrechtes gethan habe, was ihm vom Bürgermeister bestätigt wurde. Dann kam Herr Löber an die Reihe. In einer spaltenlangen Zuschrift an den Bürgermeister bestätigt er heute selbst(was er erst bestritten hatte), daß er auf Gelände, welches vor 2 Monaten 35 Pfg. per U Meter kostete, 1 Mk. geboten hitte und daß er dieses Gebot für seinen Schwiegersohn Möser eingelegt hatte. Aus dem ganzen Schrift⸗ stück ist ersichtlich, daß einige andere Vorwürfe Herr Löber seiner Geschwätzigkeit zu verdanken hatte. In sachlicher Weise entrollte der Bürger⸗ meister den Fall, dem Sammelsurium der Löber⸗ schen Entschuldigungen das aktenmäßige Material entgegensetzend. Nun eilte zur allgemeinen Ver⸗ wunderung Herr Schmall seinem Freunde zur Hülfe. Er ist höchlich erzürnt, daß der Bürgermeister solche Sachen an die Oeffentlich⸗ keit bringt, Löber habe nichts schlimmes gethan. Dann polemisiert Schmall gegen unseren Genossen Krumm, dem er Doppelzuͤngigkeit und alles mögliche andere vorwarf. Auch unsere Zeitung bekam ihr Teil ab. Der Bürgermeister stellte Löbers Ausführungen richtig, worauf Löber der für ihn ungemütlichen Situation ein Ende machte, indem er erregt seinen Stuhl umwarf, den Saal verließ, eine grobe Be⸗ schimpfung gegen den Bürgermeister ausstoßend. Krumm erklärte, ihm sei der Theaterkoup Löbers sehr gleichgiltig. Herr Schmall suche mit seinen deplazierten Angriffen auf ihn(K.) die Auf⸗ merksamkeit von Löber abzulenken. Letzterer sei der Hans Dampf in allen Gassen der Spe⸗ kulation, das habe er gerade durch sein Ableug⸗ nen gezeigt. Der Bürgermeister habe seine Pflicht gethan. Auf Antrag Schäfers spricht die Ver⸗ sammlung dem Bürgermeister Mecum einstimmig Dank und Anerkennung für sein pflicht⸗ treues Wirken in dieser Sache aus. Auch der grimme Herr Schmall dankt mit und zeigt dadurch, daß sein Angriff gegen Herrn Mecum hocus-pocus war.— Was wird Herr Löber nun thun? — Ortskrankenkasse. Mittwoch Abend fand auf Lonys Bierkeller eine Generalver⸗ sammlung der Ortskrankenkasse statt, die aller⸗ dings nur schwach besucht war. Es handelte sich um Statutenänderung.§1 und 11 müssen im Hinblick auf die Versicherung der Kaufleute und Hausgewerbetreibenden eine redaktionelle Aenderung erfahren. Ferner wird eine neue Lohnklasse errichtet, welcher ein durchschnittlicher Tagesverdienst von Mk. 4 zu Grunde liegt. Zu§ 21 wird die Erhöhung des Sterbe⸗ geldes vom 20⸗ auf den 255fachen Betrag des durchschnittlichen Tagelohnes beschlossen. Gegen die von dem Stadtverordneten Petri in der Stadtverordnetensitzung erhobene Beschuldigung, die Kasse treibe Parteipolitik, wird der Vorstand beauftragt, in einem Schreiben an die Stadt⸗ vertretung energisch Verwahrung einzulegen. Die Petri'sche Behauptung wird als eine halt⸗ lose Verdächtigung bezeichnet. Schließlich wird noch beschlossen, bei dem Volksbad wegen der Rabattentziehung bei Bädern für die Mitglieder der Kasse vorstellig zu werden. a — Die Sitzungen des Schwurge⸗ richts der Provinz Oberhessen haben am Mon⸗ tag begonnen. Der 49 Jahre alte Mühlenbauer Geyer von Merkenfritz wird zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Geyer, ein arbeits⸗ scheuer Trunkenbold hat seine Frau, mit der er über 20 Jahre verheiratet ist, im Streite erstochen. Dienstag wurde die Sache Lindenstruth aus Gießen, der des Meineids angeklagt ist, ver⸗ handelt. Ihm wird zur Last gelegt, in einer Privatstreitsache mit dem Fuhrmann Stühler, der ihm eine Zahlung von 10 Mk. geleistet haben wollte, wissentlich falsch geschworen zu haben. Die Beweisaufnahme ergiebt die Schuld⸗ losigkeit des Angeklagten, dessen vom Staats⸗ anwalt selbst beantragte Freisprechung erfolgt. Aus dem Rreise gießen. n. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Heuchelheim. Auf den am A den 8. März im Lokale von Heinrich Volkmann stattfindenden Familienabend machen wir unsere Freunde hiermit nochmals aufmerksam. Durch Gesangs⸗ und humoristiche Vorträge wird den Besuchern und ihren Angehörigen ein genußreicher Abend geboten. Es sst zu erw daß sich nicht nur die Mitglieder selbst re und Verwandten mitbringen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Kapitalistengewinn und Arbeits⸗ gewinn von 752 865 Mark. Mark. Dividende von 7 Prozent vorgeschlagen werden. Lohnabzüge unter Hinweis auf den schlechten Löhne herunterdrückt, wenn sich ein auch nur merkbar macht. sämtlich der Organisation anschließen, so könn⸗ ein, was den Arbeitern abgezwackt wurde. Stöckerlaner auf Agitation. Vergangenen Samstag fand in Löhnberg eine von den Christlich⸗Sozialen einberufene, zahlreich besuchte Versammlung statt, in der hardt aus Godesberg sprachen.„Die Sozial⸗ demokratie und die Bestrebungen der christlich⸗ Tagesordnung. Die„Arbeiterfreunde“ Stöcker⸗ scher Kouleur, die für Lebensmittelverteuerung und unter Umständen für Knebelgesetze gegen die Arbeiter eintreten, haben sich besonders den Lahnbezirk zum Agitationsfelde auserkoren und der in Godesberg stationierte Parteisekretär Apotheker Burckhardt giebt sich redliche Mühe, rückständige Arbeiter für seine Partei anzuwerben. Die Bekanntmachung zu der Versammlung war ungenügend; es hatte den Anschein, als sollten etwaige gegnerische Elemente fern gehalten werden. Das gelang aber nicht. Zuerst sprach der Pfarrer Lehr. Was der Mann zu Tage förderte, war ähnlichen Kalibers, wie die Ver⸗ dächtigungen der Arbeiterbewegung und unserer Partei, die Viktor Schweinburg in Berlin seit Jahr und Tag gegen uns losläßt und dafür von der Großkapitalisten⸗ Vereinigung 15 000 Mark pro Jahr erhält. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen warf er die Gewerkschaften in einen Topf mit der Sozialdemokratie und be⸗ hauptete, die Ausgaben ersterer für Reiseunter⸗ stützung kämen den„sozialdemokratischen Red⸗ nern“ zugut. Das beweist schon des Pastors totale Unkenntnis von der Arbeiterbewegung. Auf gleicher Höhe— richtiger Tiefe— bewegte sich der weitere Teil seiner Sozialisten⸗Ver⸗ nichtungsrede; alles was er vorbrachte, war das alte, abgedroschene, hundertmal widerlegte Zeug, was schon die Sozialistenbekämpfer und Arbeiterfeinde aller Schattierungen anno dazu⸗ mal ins Treffen geführt haben und was seitdem die„geistigen Waffen“ unserer Herren Gegner darstellt.„Die Sozialdemokraten sind Feinde der Religion, der Ehe, des Eigentums, des Vaterlandes“— das war der Inhalt der Rede des christlichen Predigers. Wir achten jeden ehrlichen Gegner. Wird aber mit solchen Mitteln gekämpft, wie sie der Herr Pastor be⸗ empfinden. Bezeichnend war auch für Herrn Burckhardt, der dann den Anschluß an die Christlich⸗-Sozialen empfahl, daß er die offen⸗ baren Unwahrheiten des Pastors über die Ge⸗ werkschaften nicht richtig stellte. Er mußte es wissen; von dem Pastor kann man es schließlich nicht verlangen. Wie gewöhnlich, wies Herr Burckhardt auf die„reichen Leute“ in der sozial⸗ dem. Pan hu, in der neuesten Zeit werden Singer, Bebel, Vollmar und noch einige andere als Millionäre vorgeführt! Wäre es an dem, hätten wir nichts dagegen, denn diese Mäuner zahlreich einfinden, sondern auch ihre Freunde löhne. Die Buderus schen Eisenwerke verzeichnen, wie der„W. Anz.“ aus der Sitzung des Aufsichtsrats mitteilt, für 1901 einen Rein⸗ 10 Dabei betragen die Abschreibungen und Zurückstellungen 1204822. Der Generalversammlung soll eine Es ergiebt sich daraus, daß die Werke bedeutend 2 besser als im Vorjahre abschließen und von der 1 schlechten Konjunktur nicht viel merkten.— Trotzdem mußten wir im verflossenen Jahre wiederholt berichten, daß den Arbeitern Geschäftsgang gemacht wurden. Das beweist wieder, daß das Unternehmertum sofort die geringes Ueberangebot von Arbeitskräften be⸗ Würden sich die Arbeiter ten sie solche Lohndrückereien verhüten. Jetzt 0 heimsen die Aktionäre als mühelosen Gewinn Herr Pfarrer Lehr von dort und Dr. Burck⸗ sozialen Partei“ oder so ähnlich lautete die r 2 8 nutzte, so können wir dafür keine Hochachtung 3 3 Hel N. g schmidt ge ist nicht bermutet. 41 Di Eingemei . D Holzbear bolige Schreine heim Ar an den! berletzte, wird. J brachte il K U chat wi Elfersucht aus Milte Wirtschaf stzend fl Rücken. Riankenh berhaftet, Denstonäf nach bo hälterin, eihentli der 10 n in Poltze ** 6 sich ame in dem N Det Lehr und der g onen Jahr b Arbesterg den shlehte „ Vas beweis am sofort die en auch nur delbsktäften he⸗ die Arbeiter Uiezen, so könn⸗ dethüten. Jett ohen Gewinn * dat wurde. zitation. u Loöhnberg len einberufene, 9 statt, in der und Dr. Burck⸗ .„Die Sozial⸗ der chrislich⸗ lich lautete die ide“ Stöcker⸗ u, als sollten alten werden. rst syrach der u zu Tage wie die Vel⸗ und unserer n Berlin seit nd dafür 0 15.000 inn seiner Ilcchaften in Nr. 10. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Seite 5. verwenden ihr Vermögen im Interesse und zum Segen der Gesamtheit, benutzen es nicht wie die beutegierigen Kapitalisten zur Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter. Das hielten die Genossen Habicht und Vetters, die von unserer Seite das Wort ergriffen, den Herren Christlich⸗Sozialen entgegen, ebenso wiesen sie die übrigen Vorwürfe der christlich-sozialen Redner gegen unsere Partei zurück. Besonders hiel en unsere Genossen den Herren vor, daß sie sich miteinander selbst im Wider⸗ spruch befinden. Während nämlich Pfarrer Lehr die indirekten Steuern als unbedingt notwendig bezeichnete, erklärte sie Herr Burckhardt allerdings für ein Unrecht. Mit den schamlosen Angriffen der beiden Christen auf Singer, den jedenfalls von Pastor Lehr verfaßten tendenziösen und entstellenden Bericht im Weilburger Tageblättchen werden wir uns in der nächsten Nr. noch etwas beschäftigen. t. Aus Haiger. Also kein Fort⸗ schritt! Vor kurzem wurde hier die Erricht⸗ ung eines Elektrizitätswerkes von Seiten der Thür. Elektr.⸗Werke ins Auge gefaßt. Das Projekt ist gescheitert. Schade, die Aus⸗ führung des Planes wäre doch immerhin ein Fortschritt gewesen. Aber vielleicht fürchten einflußreiche Petroleumhändler die Abnahme des Petroleum⸗Verbrauchs; oder ist vielleicht irgend ein„Maßgebender“ im Besitze von Schuckertaktien und hintertrieb deshalb den Plan? Aus dem Rreise Marburg⸗Kirchhai n. St. Unsere Märzfeier findet eingetretener Umstände wegen nicht, wie in letzter Partei⸗ versammlung beschlossen war, am Dienstag, den 18. März, sondern schon ein paar Tage früher, nämlich am Samstag, den 15. März bei Jesberg statt.(S. Ins.) Als Referent wird Gen. Krumm ⸗Gießen über„den 18. März“ sprechen. Da die Verlegung der Ver⸗ sammlung auf einen Samstagabend den meisten unserer Parteigenossen angenehmer sein wird, so dürfte wohl auch ein recht starker Besuch zu erwarten sein. — Schwurgericht. In der Montags⸗ sitzung des Schwurgerichts wurde gegen einen Steinhauer aus Gisselberg wegen Sittlichkeits— verbrechen verhandelt. Derselbe wurde aber freigesprochen.— Am Dienstag wurde gegen einen Schreiner Ernst Merdorf aus Trehsa wegen des gleichen Verbrechens verhandelt. Letzterer wurde 1¼ Jahren Gefängnis und und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. An beiden Tagen war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. X. Ein„oppositioneller Stadtver⸗ ordneter“. Die„Hess. Landesztg.“ moniert die Notiz in der letzten Nr. der„M. S.⸗Ztg.“ unter obiger Stichmarke und bemerkt dazu, daß es sich um eine Vorlage des Magistrats gehandelt habe, für welche einzutreten wegen der großen Mehrheit für diese Vorlage überflüssig gewesen sei. Die„Hess. Landesztg.“ und Herr Engel scheinen demnach der Meinung zu sein, daß es lediglich eine opposittonelle Pflicht sei, oberbürger⸗ meisterlichen oder magistratlichen Aeußerungen entgegenzutreten. Die geradezu ungeheuerlichen Ansichten eines Stadtverordneten zu widerlegen, überläßt Herr Engel und die„H. L.“ aber dem Oberbürgermeister und dem Magistrat, welche allerdings schon bei mancher Gelegenheit mehr Verständnis für soziale Fragen gezeigt haben, wie der größte Teil der Stadtverord⸗ neten, was natürlich für den Magistrat durch⸗ aus kein Lob sein soll.— Uebrigens war die Sache mit der Lohnerhöhung der Waldarbeiter doch etwas anders, als es die„Hess. Landesztg.“ Kleine Mitteilungen. * Brand in Wetzlar Am Montag nachts brande ein großer mit Vorräten, Stroh, Heu ꝛc. gefüllter, den Herren Gebrüder Wald⸗ schmidt gehöriger Schuppen nieder. Der Schaden ist nicht unbedeutend. Es wird Brandstiftung vermutet. e Die Gemeinde Niedergirmes hat die Eingemeindung zu Wetzlar abgelehnt. en Die Kreissäge, die gefährlichste der Holzbearbeitungsmaschinen, hat in Büdingen vorige Woche ein Opfer gefordert. Herrn Schreinermeister Wagner von dort wurde beim Arbeiten an der Kreissäge ein Stück Holz an den Kopf geschleudert, das ihn dermaßen verletzte, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Man fand ihn besinnungslos und ver— brachte ihn in die Gießener Klinik. * Messerstechereien. Eine Blut⸗ that wird aus Frankfurt berichtet. Aus Eifersucht versetzte ein gewisser Erdmannsdörfer aus Miltenberg seiner Geliebten, die er in einer Wirtschaft in der Schnurgasse bei einem Andern sitzend traf, einen tiefen Messerstich in den Rücken. Das Mädchen wurde noch lebend in's Krankenhaus gebracht. Der Thäter wurde verhaftet.— In Hechtheim bei Mainz erstach der Metzger Schneider im Streite seinen Sohn. : Mord und Selbstmor d. Der in Griesheim a. M. wohnender Invaliden⸗ pensionär Scharlach, ein Wittwer, erschlug nach voraufgegangenem Streite seine Haus⸗ hälterin, eine verheiratete Frau mit einem großen Hammer. Hierauf tödtete er sich selbst durch einen Revolverschuß. Die That war offenbar vorbereitet, doch herrscht über das eigentliche Motiv Unklarheit. Der Ehemann der Erschlagenen gebärdete sich wie rasend, als er am Thatorte eintraf und mußte vorläufig in Polizei⸗Gewahrsam genommen werden. * Eine Benzin⸗Explosion ereignete sich am Samstag in der Brandesschen Drogerie in dem Vororte Rothenditmold bei Cassel. Der Lehrling Reißmann wurde tötlich verletzt und der Lagerraum demoliert. ** Ein großes Brandunglück ereignete sich am 27. Febr. in Dinkelsbühl in Bayern. Der Brand brach kurz vor 8 Uhr morgens auf dem Dachboden der Scheune aus, und obwohl mehrere Insassen des benachbarten kleinen Häus⸗ chens noch schliefen, gelang es, sämtliche Be⸗ wohner zu retten, ebenso das Vieh. Nachbars⸗ Leute eilten her bei, teils aus Neugierde, teils um Mobiliar zu retten. Plötzlich stürzte ein Giebel ein. Einzelne der in der Nähe Stehenden flüch⸗ teten und konnten sich retten. Mehrere aber blieben wie vom Schrecken gelähmt stehen und so wurden 14 Personen unter den Trümmern des Giebels verschüttet. Die eingetroffene Feuer⸗ wehr und Sanitätskolonne bargen zwei der Verschütteten, die 1 jedoch nicht lebens- gefährlich verletzt sind. Die übrigen zwölf Per⸗ sonen konnten nur noch als Leichen geborgen werden.— Die Beerdigung der Opfer fand unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung des Städtchens und seiner Umgebung statt. Arbeiterbewegung. * Die Mainzer Tapezierergehilfen sind mit Forderungen an ihre Arbeitgeber heran⸗ getreten. Sie verlangen eine 9 stündige Arbeits⸗ zeit und Erhöhung sämtlicher Akkord⸗ und Stundenlöhne, entsprechend der verkürzten Ar⸗ beitszeit; außerdem fordern sie, daß die Tage⸗ löhne in der seitherigen Höhe weiter bezahlt werden. Ueberstunden sollen ferner mit 33 ein Drittel und Sonntagsarbeit mit 50 Prozent Aufschlag bezahlt werden. * Das Gewerkschaftshaus in Frank⸗ furt, daß von der Gesellschaft Arbeiter-Her⸗ berge verwaltet wird, hat im letzten Jahre recht günstig abgeschlossen. Der Ueberschuß beziffert sich auf 16000 Mk.— Dagegen hat das Berliner Gewerkschaftshaus mit Ver lust gearbeitet, der über 10000 Mk. beträgt. Dabei sind bedeutende Abschreibungen mit in Berech⸗ nung gezogen. + Buchdrucker⸗Einigungsversuche. Eine Buchdrucker⸗Versammlung in Hamburg, die von der„Gewerkschaft“ einberufen und von Gewerkschaftsmitgliedern aus Hamburg, Harburg und Bremen besucht war, ersuchte trotz des ab⸗ lehnenden Verhaltens der Gewerkschaftsmehrheit die Generalkommission der Gewerkschaften, eine Einigung zwischen Verband und Gewerkschaft herbeizuführen. T Mehr als 1000 Kruppsche Ar⸗ beiter haben am 26. Februar gegen die„viel⸗ erühmten“ Wohlfahrtseinrichtungen auf dem 0 Protest erhoben. Nach dem Vor⸗ trag des Redakteurs Düwell wurde beschlossen, an Krupp folgendes Telegramm zu schicken: Exzellenz Krupp, Capri. Die heute, 26. Februar er., im Saale der Borussia von mehr als 1000 Arbeitern Ihrer Fabrik besuchte Versammlung wendet sich an Sie mit dem Ersuchen, Anordnung zu geben, damit die neue Arbeitsordnung in der Schmiede S. S., nach welcher die Mittags⸗ pause nicht mehr wie eine Stunde betragen soll, aufgehoben wird.“ 5 a Ferner wurde das Bureau beauftragt, in einer Eingabe an Krupp die Mißstände genauer zu schildern und die Arbeitszeit wieder wie früher festzusetzen. Die Aufforderung des Re⸗ ferenten an die Versammelten, endlich nun die Konsequenzen zu ziehen, sich der Organisation anzuschließen, wurde mit brausendem Beifall aufgenommen, und mit einem begeistert aufge⸗ nommenen Hoch auf die Organisatlon schloß die Versammlung. Partei-Nachrichten. Oster⸗Zeitung. Unter diesem Titel wird die Buchhandlung„Vorwärts“ die diesjährige März⸗ Zeitung herausgeben. Die Zeitung soll als reich illustrierte Festnummer erscheinen und soll neben dem Gedanken der Auferstehung der Menschheit der Propa⸗ ganda gegen den Militarismus für den Völker⸗ frieden dienen. Die Vertrauensleute ꝛc. werden ersucht, die Bestellungen sofort zu machen. Die Landesversammlung der badischen Sozialdemokraten fand am Sonntag in Offenburg statt. Drees⸗ bach gab den Bericht der Landtagsfraktion, wobei er auf den Beschluß des Lübecker Parteitages betreffend die Ablehnung des Budgets zu sprechen kam und erklärte, daß die Landtagsfraktion diesen Beschuß beachten werde sich aber niemals vorher festlegen könne. Bebel, der erschtenen war, sprach in ausführlicher Rede gegen die Stellungnahme der Gen ossen im badischen Landtage aus. Wie die Gesamtpartei darüber denke, stehe fest. Die Budgetbewilligung bedeute ein Vertrauensvotum für die Regierung, die badische Regierung sei aber durch und durch antidemokratisch. Von diesem Standpunkte aus erwarte er, daß die sozialdemokratische Fraktion gegen das Budget stimme.— Es sprachen noch Fendrich, Kolb und Katzenstein; ein Beschluß wurde in der Frage nicht gefaßt. Für die Landtags⸗Ersatzwahl in Nürn⸗ berg, die durch den Rücktritt des Abg. Scherm not⸗ wendig geworden ist, haben die Vertrauensleute in einer am Sonntag stattgefundenen Versammlung den Privatier Flurer in Nürnberg als Kandidaten in Vorschlag ge⸗ bracht. Endgültig entscheidet darüber eine für den 12. März einberufene Wählerversammlung. Versammlungskalender. Samstag, den 8. März. Alsfeld. Soz.⸗Wahlverein. Abends ¼9 Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Cloos,. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 8 Uhr bei Hch. Volkmann Familienabend Gesangs⸗ und humoristische Vorträge. f Steinberg. Fabrik⸗ und Hilfsarbeiter. Ver⸗ sammlung abends /9 Uhr im„Grünen Baum“. Vortrag. Sonntag, den 9. März. Gießen. Gesang⸗Verein„Eintracht“. Abends ½9 Uhr Generalversammlung bei Orbig. Montag, den 10. März. Gießen. Schneiderver band. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. — — nunserer heutigen Auflage liegt eln Prospekt des bekannten Kur⸗Instituts Spiro⸗Spero(Paul Weidhaas) bei, worauf wir aufmerksam machen! ——— Seite 6. 3 . m 8 a a Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. — Nr. 10. darstellt. Trotzdem der Magistrat die Lohn⸗ erhöhung befürwortete, war eine Genehmigung Zeit lang sehr zweifelhaft, zumal nachdem der Stadtrat Schäfer dagegen aufgetreten war. Jeder erwartete, daß sich nun Herr Engel für die armen Waldarbeiter in's Mittel legen würde, aber der Rest war Schweigen. Erst als Stadtv. Seebinger sich mal arbeiterfreundlich zeigte und für die Holzhauer eintrat, wurde der Antrag, der sonst sicher gefallen wäre, genehmigt. Bei minderwichtigen Sachen ergriff Herr E. in derselben Sitzung unter fortwährender Berufung auf die„Bürgerschaft“ das Wort. Vergangene Woche fand in zwei Stadtver⸗ ordnetensitzungen die Beratung des städt. Haus⸗ haltsetats statt. Das gänzliche Fehlen und die ungenügende Ausstattung so mancher Position, an welcher sowohl Arbeiterschaft wie Bürger⸗ schaft ein Interesse haben, scheint dem„oppo⸗ sitionellen“ ebensowenig wie den anderen Stadt⸗ verordneten aufgefallen zu sein. In der letzten diese Sitzungen hatten wir Gelegenheit, Herrn Engel als„Oppositionellen“ zu bewundern. Wegen einer Bagatelle erlaubte sich der Ober⸗ bürgermeister einige Stadtverordnete, insbe⸗ sondere Herrn Engel in einer Weise anzugreifen, wie sie wohl in einer Gemeindevertretung noch nicht vorgekommen ist und die schärfste Zurückweisung verdient hätte. Herr Engel ließ sich aber widerspruchslos vom Bürger⸗ meister abkanzeln! Nein, die Erwartungen, welche einzelne Arbeiter auf Herrn Engel setzten, sind noch nicht in Erfüllung gegangen. Gemeinderatswahlen. In Fechenheim bei Frankfurt wurden am Montag bei den Gemeinderatswahlen zwei unserer Genossen in der dritten Klasse wieder⸗ gewählt, trotz großer Anstrengungen der Gegner. Auch in Schierstein bei Wiesbaden hat unsere Partei einen sehr günstigen Wahlausfall zu verzeichnen; dort wurde ein Genosse gewählt. Ebenso ist in Pinneberg(Schleswig⸗Holstein) am Donnerstag zum erstenmal ein Sozial⸗ demokrat, Genosse Fliegner, zum Stadtverord⸗ neten gewählt worden. Bei der Ersatz⸗Wahl in Bergen⸗Enk⸗ heim am Montag wurden unsere Genossen Zinz und Bauscher in der 3. Klasse mit 146 und 135 Stimmen gewählt. Die Gegner er⸗ hielten 88 und 84 Stimmen. Geprügelter Seelenhirte. Der Pfarrer im Orte Vluyn bei Mörs hatte bewirkt, daß von Gerichtswegen für zwei Kinder seiner Ge⸗ meinde die Fürsorgeerziehung angeordnet worden war. Als nun der Pfarrer des Abends in einen Außenbezirk seiner Gemeinde ritt, rottete sich eine große Menge zusammen und bombar⸗ dierte das Pfarrhaus mit Steinen, weil die Leute das gerichtliche Urteil, das der Pfarrer veranlaßt hatte, als ein Unrecht empfanden. Die Menge wuchs immer mehr an und er⸗ wartete die Rückkehr des Geistlichen. Als er vor feiner arg beschädigten Wohnung anlangte, wurde er vom Pferde heruntergerissen und zu der in Krämpfen liegenden Mutter jener beiden Kinder gezerrt. Zum Glück erschien inzwischen Gendarmerie, die den verwundeten Pfarrer aus den Händen der höchst erregten Menge befreite und die Ruhe wieder herstellte, nachdem mehrere Personen verhaftet worden waren. Hinterher ist verfügt worden, daß die Kinder vorläufig bei der Mutter bleiben. Ein grauenhaftes Verbrechen kam in Löbtau bei Dresden an den Tag. Die reh ermittelte, daß der Straßenbahnführer erch den bei ihm wohnenden Fabrikwächter Pratsch am 1. Januar 1900 erwürgte und ihm seine Ersparnisse im Betrage von 2500 Mark raubte. Dem Leichnam hatte Lerch Beine und Kopf abgehackt und in die Elbe geworfen. Lerch ist mit seiner Ehefrau, die schon ein Ge⸗ ständnis abgelegt haben soll, verhaftet worden. Unter den Habseligkeiten des Ermordeten befand sich auch ein Ring, den die Frau Lerch trug. Obwohl dieselbe bei der Ermordung des Pratsch zugegen war, kam erst durch diesen Ring das 5 „ Unterhalfungs-Ceil. 7 Die flucht des Winters. Dem Winter wird der Tag zu lang Ihn schreckt der Vögel Lustgesang, Er horcht und hörts mit Gram nnd Neid, Und was er sieht, das thut ihm leid, Er flieht der Sonne milden Schein, Sein eigner Schatten macht ihm Pein, Er wandelt über grüne Saat Und Gras und Keime früh und spat. Wo ist mein silberweißes Kleid, Mein Hut, mit Demantstaub bestreut? Er schämt sich wie ein Bettelmann Und läuft, was er nur laufen kann. Und hinterdrein scherzt Jung und Alt, In Luft und Wasser, Feld und Wald. Der Kiebitz schreit, die Biene summt, Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt. Und weils noch fehlt an Spott und Hohn, So qualt der Frosch vor Ostern schon. Frhr. v. Zedlitz. — —— 2 Das böse Terno. Humoreske von Friedrich Meinhold. Der alte Kerselt war Einwohner des drei Stunden von der Stadt entfernt liegenden Städtchens Scherdau in der sächsischen Lausitz und Inhaber des Monopols für Ameiseneier⸗ Lieferung an die vier Vogelhändler der Stadt. Mittwochs und Samstags machte er mit seinen Bastkörben bei diesen die Runde und entwickelte auch sonst noch bis 3 Uhr Nachmittags eine sehr emsige Thätigkeit. Mit den Polizisten hatte er nicht gern etwas zu thun, auch um das Amts⸗ gericht machte er stets einen großen Bogen, denn da drinnen thronte der Amtsrichter Weber, der dem Ameisenmann schon oft arg zugesetzt hatte. Der stand nämlich in dem Verdacht, eine„blaue Katherine“ zu unterhalten. Man denke nicht etwa schlimm über die Moralität der Lausitzer, außerdem war Herr Kerselt ein Mann in schon sehr gesetzten Jahren, er hatte schon den 25jährigen Ehekrieg hinter sich und konnte sich an einigen Enkelkindern erfreuen. Die„Blaue“, von der die Rede war, ist vielmehr eine Spezialität des sächsischen Landes nächst der böhmischen Grenze, dessen Landbevölkerung mit wahrer Leidenschaft an der österreichischen Zahlen-Lotterie zu spielen pflegt. Jeder zweite Mann dort zu Lande „luttelt“, d. h. er spielt Lotto; die„blaue Katherine“ aber bedeutet eine geheime Kollektur, deren Inhaber Einsätze aunimmt, Zahlen träumt, Listen führt und die Gewinne auszahlt. Er ist zugleich Freund, Ratgeber und Winkeladvokat für all die kleinen Leute, die dem Lotto⸗Moloch ihre Ersparnisse in den Rachen werfen. Freilich ist ihr Rechtsbewußtsein nicht derart geschärft, daß sie verstehen könnten, daß man in der sächsischen Landeslotterie mit hoher behördlicher Genehmigung sein Geld verspielen darf, während dies in dem eine halbe Stunde entfernten Oesterreich ein schweres Vergehen ist, für das man in Sachsen bis zu einigen Monaten ein⸗ gesperrt werden kann. f Von den Erfolgen des Herrn Kerselt als Inhaber einer„blauen Katherine“ erzählte man sich geradezu Wunderdinge, Thatsache war es allerdings, daß sehr oft größere Gewinne von Oesterreich nach Sachsen gewandert waren und die Spatzen auf den Dächern erzählten sich, daß der und jener Rentier in der Tiergartenstraße noch heute armseliger Gärtner und der Bäcker⸗ meister in der Feldstraße noch heute Bretzel⸗ träger sein würde, wenn nicht Herr Kerselt. Es war schon alles versucht worden, um hinter dessen Schliche zu kommen. Man hatte ihn plötzlich von der Straße weg sistiert und auf der Polizeiwache einer Körpervisitation unterzogen. Man fand nichts. In seinem Lehm⸗ häuschen in Scherdau hatte der Gemeinde⸗ waren gekommen, dann städtische Polizisten, schließlich der Amtsrichter selbst mit dem Referen⸗ dar,— sie mußten alle enttäuscht wieder ab⸗ ziehen. Einmal war Kerselt eben aus dem Walde heimgekommen, als er wieder von einer Kommission erwartet wurde. Er gab der Haus⸗ thür einen kräftigen Fußtritt, und bei dieser heftigen Bewegung löste sich zufällig die Schnur, mit welcher der Sack zugebunden war, den Kerselt eben mitgebracht hatte. Mit einem ge⸗ schickten Ruck warf er ihn neben den am Tische stehenden Stuhl, auf welchem dann Herr Aktuar Schunke Platz nahm, um sich zur Protokoll⸗ aufnahme zu rüsten. Es wurde alles zu oberst und unterst gekehrt, aber wie üblich nichts ge⸗ funden.„Schreiben Sie“, brummte der Amts⸗ richter zum Aktuar, der unruhig auf seinem Stuhl hin⸗ und herrutschte und bald das eine, bald das andere Bein in die Höhe zog, und dabei machte er sonderbare Bewegungen mit den Fingern, kratzte, schnippte und schlug bald unten, bald oben, bald rechts, bald links. Kerselt hatte sich an den Ofen gestellt und verzog den zahnlosen Mund von einem Ohr zum andern. Eben ware der Amtsrichter beim Schluß angekommen. Der Aktuar wechselte von Sekunde zu Sekunde die Farbe, Kerselt zog mit laut quietschendem Geräusch an seiner nie brennenden verstopften Holzpfeife. „Vorgelesen, genehmigt und unter. 55 weiter kam der Diktierende nicht, mit einem Schmerzensgeheul sprang der Aktuar auf, warf den Tisch über den Haufen, stolpert gegen Kerselt und war mit einem Satze draußen im Hofe. Alles sah sich verdutzt an. Da trat Kerselt hinzu und meinte mit der ganzen Treu⸗ herzigkeit des Lausitzers:„Himmel, der Herr Aktuar hat ja mit seinen Füßen auf dem offenen Ameisensack herumgestrampelt. Na, das werden ihm die Biester ordentlich heimgezahlt haben“. Dann nahm er einen Reisigbesen, strich Larven und Ameisen wieder in den Sack und band diesen wieder in den Sack und band diesen sorg⸗ fältig zu. Der Amtsrichter warf ihm einen vernichtenden Blick zu, den Kerselt durch einen disharmonischen Quietsch aus seiner qualmenden Pfeife beantwortete.. Nach einer geraumen Viertelstunde erschien der Aktuar wieder. Um die Hände trug er Taschentücher gewickelt, die Stiefel hatte ein Dorfjunge an eine Stange gehängt, die er weit von sich streckte. An der linken Lippe und dicht unter dem rechten Auge waren zwei große Beulen sichtbar, die von feurigen Ringen um⸗ geben waren. Ein ähnliches Ding zierte die Nase, auf der die Brille nicht mehr zu balan⸗ cieren vermochte. Der Aktuar befand sich in einem Zustand der höchsten Aufregung, er zitterte an allen Gliedern. a „Du Lump“, schrie er Kerselt an,„aber Dich fassen wir schon noch einmal“! 2Kerselt that einen fürchterlichen Quietsch, dann klemmte er das Pfeiflein zwischen zwei Finger und meinte ganz ernsthaft:„Herr Aktuar, in Gegenwart so vieler Zeugen hätten Sie das nicht sagen sollen. Ich handle zwar blos mit Ameiseneiern, aber ein Lump bin ich doch eben⸗ sowenig, wie ein Aktuar“. 5 Am nächsten Samstag aber war Kerselt in die Stadt zu dem ersten Rechtsanwalt gegangen, hatte diesem in funkelnagelneuen Zehngulden⸗ zetteln den Vorschuß hingezahlt und den Aktuar verklagen lassen. Der wurde in Anbetracht der so merkwürdigen Umstände nur zu 30 Mark Geldstrafe und in die Kosten verurteilt. Auch war vier Wochen darauf das Urteil im Amts⸗ blatt zu lesen. Seit dieser Zeit hatte Kerselt bedeutend mehr Ruhe vor allen Lästerzungen. (Schluß folgt.) 4 „Walzen“-Leben. Von G. H. in G. (Fortsetzung) 4 Da plötzlich öffnet sich die Thür und der „Herr Wachtmeister“ erscheint auf der Schwelle. Die Unterhaltung stockt momentan, aller Auge sind auf den Hüter des Gesetzes gerich Verbrechen an den Tag. . —— vorstand schon alles durchsucht, Landgendarmen ————äüͤ—ꝛæ— 8 „gefoch sollte er auch nur ein Stück Brot anne Jeder hat wohl etwas auf dem Gewissen, 0 der R ein He bn A licht gat inden Heselen, Oger b. tem 0 Musterult dle„gt fink, daß die Armer bagesen, elschenf und weiß Vagab J, 8 Dings die werksburs Handwerk Amher, ff Gelegenhe dell Gut, giebt unt Menschen, selschaft bon Arbt Mt Metzger, Teile de Am passterter demnselbet die schna dem hein Grf erl beim Hal der Hals ich ihn zur Red „Du bit Lt zu 0 fol. loch gan Ah zu einen Herd, 0 der Gän or uns Schrittes bugen w busen Shelwor 115 aur kinged! Net 1 muictzuke az und licht den) ih nich 1 einen sähglh 1 dan an. erk 15 end, wan di N Ne. 10. de Polissse a em Referen. 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Jetzt wird die unterbrochene Unterhaltung wieder aufgenommen, bis der„Vater“ dieselbe abermals unterbricht mit der Aufforderung: „Los, Kinder, kommt zu Bett!“ Oben ange⸗ kommen, findet große Revision statt. Jeder muß sich bis auf Hemd und Hose entkleiden und der Reihe nach zieht einer nach dem andern sein Hemd aus, um es dem„Vater“ oder seinem Gehülfen zu reichen, welche untersuchen, oh nicht eine gewisse„menschenfreundliche“ ergattung dort ihre Herberge aufgeschlagen. Finden sie sich bei irgend einem von diesen Gesellen, so bekommt er kein Bett, sondern sein Lager bildet ein Strohsack mit Wolldecke in einem abgelegenen Raum. Bald ist die Musterung beendet, der„Vater“ wünscht allen eine„gute Nacht“ und es verkünden Schnarch⸗ töne, daß Gott Morpheus seine Flügel über die Armen ausgebreitet, sie für einige Stunden vergessen machend, daß sie von vielen Mit⸗ menschen für Hallunken, Spitzbuben, Vagabunden und weiß Gott, was noch gehalten werden. Vagabunden, Landstreicher! Ja, zu einem kleinen Teil ist dies aller⸗ dings die zutreffende Bezeichnung für Hand⸗ werksburschen. Einzelne sogenannter reisender Handwerker treiben sich arbeitsscheu jahrelang umher, fechtend und stehlend, je wie sich die Gelegenheit bietet. Jedoch soll man nur nicht den Guten mit dem Bosen verdammen; es giebt unter den reisenden Arbeitslosen tüchtige Menschen, die leider zu oft durch schlechte Ge⸗ sellschaft und Aussichtslosigkeit zur Erlangung von Arbeit zum Vagabunden heruntersinken. Mit solch einem verkommen Menschen, einem Metzger, reiste ich einige Tage im nördlichen Teile des Regierungsbezirks Stade. Am Abend eines schönen Sommertages passterten wir ein ziemlich großes Dorf. Hinter demselben begegneten wir einer Schar Gänse, die schnatternd und mit vorgestreckten Köpfen dem heimatlichen Stall zueilten. Mit schnellem Griff erhaschte mein Reisegenosse eine Gans beim Hals und schwang sie um sich selbst, sodaß der Hals fast abgedreht war. Entrüstet stellte ich ihn wegen dieser grausamen Handlungsweise zur Rede. In aller Ruhe erwiederte er: „Du bist ein dummer Esel! Hast Du keine Lust zu Gänsebraten?“ Schon der Gedanke an einen solchen reizte meinen vorhandenen Appetit noch ganz besonders. Freilich hatte ich keine Ahnung, wie wir trotz der geschlachteten Gans zu einem Gänsebraten kommen sollten, ohne Herd, ohne Bratpfanne ꝛc. Vorsichtig verbarg der Gänsedieb seine Beute unter seinem Kittel. Vor uns lag ein Tannenwald, dem wir schnellen Schrittes zueilten. In demselben angekommen, bogen wir von der Landstraße ab. Wohl tausendmal sah ich hinter mich, glaubend, daß wir verfolgt würden, was mir jedoch nur Schelworte meines Gefährten eintrug. Als wir kaum eine kurze Strecke in den Wald hineingedrangen waren, wurde halt gemacht. Jetzt trug mir mein Reisegenosse auf, ins Dorf zurückzukehren und im Krämerladen Pfeffer, Salz und Brot zu kaufen. Auch sollte ich nur nicht den Branntwein vergessen. Lange sträubte ich mich gegen dies Ansinnen. Die Augsicht auf einen guten Braten war aber zu verlockend; deshalb trat ich endlich klopfenden Herzens den Gang an. Ungehindert, nichts Verdächtiges bemerkend, erreichte ich den Laden und besorgte meine Einkäufe. Froh, endlich das Dorf wieder hinter mir zu haben, eilte ich dem Walde zu. Unterdes hatte der Metzger die Gans aufgeschnitten, ausgenommen und innen gereinigt. Dann ging der Marsch weiter von der Landstraße ab in die Haide hinein. Jedes Stückchen Holz mußte ich sammeln und mit⸗ nehmen. Endlich, es war schon finster geworden, erreichten wir eine muldenartige Elnsenkung. Hier wurde halt gemacht. In der Nähe war ein kleiner Graben mit schmutziggelbem Wasser. meines Genossen holte ich vom Erde, eine Art die Gans mit Auf Geheiß Grund dieses Grabens feuchte Thonerde hervor, während er zerriebenem Brot füllte und dann zunähte. Darauf nahm er von der Erde und beklebte damit die Gans, sodaß dieselbe vollständig von einem Mantel umgeben war. Jetzt wurde Feuer gemacht und abwechselnd schwangen wir die Gans durch die Flamme. Ab und zu klopfte der Metzger an den gebackenen Mantel. Endlich erklärte er den Braten für fertig. Bis⸗ her hatte ich seinen Arbeiten schweigend und ohne Verständnis zugesehen. Aber als mein Koch jetzt den Lehmklumpen mit einer Gans als Kern in die Luft schwang und zur Erde fallen ließ, sah ich, ein bewunderndes„Ah“ ausstoßend, eine herrliche gebratene Gans vor mir liegen. Die Federn waren in dem Lehm hängen geblieben und so hatten wir die Arbeit des Rupfens erspart. Wie mundete uns dies für Handwerksburschen seltene Gericht! Mit Vorrat auf mehrere Tage versehen, zogen wir am frühen Morgen weiter. Ich machte mir im Stillen natürlich Vorwürfe. Bei ruhiger Gebe de dachte ich jedoch:„Not kennt kein ebot.“ Am Abend dieses Tages hatte ich jedoch die Gesellschaft dieses verwegenen„Kunden“ wieder verlassen, denn es war mir nicht geheuer, noch ferner mit ihm zu wandern. Obdachlos! Ja, wann fühlt sich denn ein Mensch ob⸗ dachlos? Wenn Handwerksburschen im Sommer bei günstigem Wetter des Nachts bei„Mutter Grün“ pennen, oder wenn sie in einer Scheune ꝛc. Unterschlupf finden, überkommt wohl keinen das Gefühl der Obdachlosigkeit. Wenn aber ein Arbeitsloser in einer großen ihm fremden Stadt ist, keine Mittel besitzt, um logieren zu können, die Witterungsverhältnisse zudem noch ungünstig sind, dann mag ihn ein Gefühl des Verlassenseins beschleichen; er fühlt sich obdach⸗ los. In Dörfern und kleinen Städten ist es Aufgabe der Ortspolizei, für Unterbringung der sich obdachlos Meldenden Sorge zu tragen. In unseren Großstädten hat man in anderer Weise für diese Bedauernswerten gesorgt, indem man„Asyle für Obdachlose“ errichtet hat. In der alten Hansastadt Hamburg war es, wo sch an einem schönen Tage lange durch die Straßen, Gassen und Gäßchen schlenderte, um ein rechtes Bild von dieser Metropole deutschen Handels und Gewerbes zu gewinnen. Nicht auf die Zeit achtend, erinnerte mich die herein⸗ brechende Dunkelheit daran, daß es Zeit sei, ein Unterkommen zu finden. Lauge mußte ich in der großen Stadt suchen, bis ich ein Logier⸗ haus entdeckte. Bei meinem Eintritt fand ich bereits alle Betten vergeben. In einer zweiten und dritten Herberge erging es mir nicht besser. Da ging mir ein leuchtender Stern in Gestalt eines ziemlich abgerissenen Leidensgenossen auf. Er machte mich aufmerksam auf das„Asyl für Obdachlose“. Gern war ich bereit, dorthin zu folgen, versprach mir doch diese Gelegenheit einen weiteren Blick in das Elend der Ver— lassenen. Nach kurzer Wanderung erreichten wir unser Ziel. Wir traten in einen großen, fast vollständig besetzten Saal ein und fanden noch Platz auf einer der hinteren Bänke. Ein Aufseher der Anstalt, oder war es der Vor⸗ steher, ging stolzen Schrittes vor den Bänken auf und ab, jedes Gesicht der Eintretenden enau betrachtend. Jegliche Unterhaltung war 909 untersagt. Endlich schloß er von innen die Thür. Jetzt ging der Gestrenge von Bank zu Bank. „Wie oft warst Du schon hier“? fragt er einen der Fremden. „Heute zum zweiten Mal“, Antwort. „Mindestens schon einhalb Dutzend mal, hinaus“! und der Arme muß den Saal ver⸗ lassen. Diese Art Unterhaltung wiederholte sich in mehreren Variationen noch mehrere mal. Jetzt schreitet der„liebenswürdige Herr“ auf mich zu. „Haben Sie keine Mittel, um in der Her⸗ berge übernachten zu können“? ist seine strenge Frage. Meines nicht ganz reinen Gewissens mir wohl bewußt, verneinte ich diese Frage kleinlaut. Endlich ist die Musterung beendet. Jetzt bekommt jeder eine irdene Schüssel mit einer Art Mehlbrei und ein Stück trockenes ertönt die Brot als Nachtessen. geht es in Abteilungen zum Oaben. achucm sich jeder ausgezogen, werden die Kleider in einen Dampfofen gehängt, damit die etwa sich in ihnen aufhaltenden kleinen Schmarotzer einen gewiß nicht geahnten schnellen Tod finden. Darauf bekommt jeder etwas Schmierseife und jetzt gehts im Kreise unter der Brause durch, fest dabei waschend und reibend. Nachdem dies beendet, der Körper mit rauhen Tüchern abge⸗ rieben, werden jedem die Kleider wieder über⸗ geben, diese schnell angezogen und nun geht es hinauf auf den Schlafsaal. Auf hölzernen Pritschen, eine dünne Decke aus Sackleinen zum Zudecken, sollen die Aermsten hier für wenige Stunden ihr Elend vergessen. Manchem wird es ergangen sein wie mir, daß er kein Auge geschlossen hat. Froh, daß der kommende Tag sein Licht durch die kleinen Fenster sandte, er⸗ hob ich mich. Bald wurde geweckt. Jeder be⸗ kommt eine Tasse schwarzen Kaffee und ein Stück Brot, und in Schaaren entströmen dem Asyl die Gäste, um wieder Arbeit suchend, bettelnd, und ach, wie oft vergeblich, umherrennen, mit der steten Sorge:„Wohin wirst Du heute Abend Dein müdes Haupt niederlegen“? Jeder, der sich in Arbeit, in einem geord⸗ neten Leben befindet, der nicht die Mühen, Lasten und Estbehrungen des Walzenlebens kennt, schaue nicht mit Verachtung auf unsere Handwerksburschen herab, sondern bedenke, daß es unter ihnen auch tüchtige Menschen giebt, und suche nach Kräften, diese vor Untergang zu bewahren. — s2ä2äẽõ ͤ-——— Humoristisches. Belehrung. Offizier(zum Burschen): „Wie kommst Du dazu, das Pferd ein Sauvieh zu nennen? Das Pferd ist ein edles Tier, Du Rindvieh“! g Unüberlegt. Richter: Nun sitzen Sie schon das siebente Mal wegen Uhrendiebstahl auf der Anklagebank. Weshalb stehlen Sie blos Uhren? Warum stehlen Sie nicht mal was anderes? Starke Einbildung. Bauer:„Herr⸗ schaft, jetzt hat der Maler dös große Bild, wo i und meine zwei Ochsen drauf san, für 10 000 Markl vakauft. Meine Ochsen hamm 2000 Markl kost— da bleibn für mi 8000 1!.... Dos hätt i net glaubt, daß i so viel wert waar“! Litterarisches. Das Weib und der Intellektualismus. Von Oda Olberg, Akademischer Verlag für soziale Wissenschaften, Berlin⸗ Bern. Preis gebunden 2 Mark, elegant gebunden 3 Mark. Die bekannte Verfasserin sucht in dieser Schrift die Frage zu klären, ob sich der Forderung des Weibes nach geistigen Ausleben Hinder⸗ nisse entgegenstellen, denen im Interesse des Gesellschasts⸗ ganzen Berechtigung zukommt, ob die physiologische und psychologische Eignung des Weibes zur Mutterschaft durch Geistesarbeit Einbuße erleidet. —— — Geschichtskalender. 5. März. 1894: Kriegs minister Bronsart verteidigt im Reichstage Faustrecht und Duell. 1901: Bülow im Reichstage für Brodzollerhöhung. 6. 1475: Michel Angelo Buonarrotti, berühmter ital. Bildhauer, Maler und Architekt geboren. 1901; Wilhelm II. durch den Epileptiker Weyland⸗Bremen ver⸗ wundet. 7. 1901: Grubenunglück„Konsolidation“ Gelsen⸗ kirchen, 10 Tot'. 83. 1875: organisation auf. 9. 1897: Reichsratswahlen in Wien. soz.⸗dem. Stimmen. 10. 1793: Einsetzung des Revolutions ⸗Tribunals in Frankreich. 1494: Deutsch⸗ruffischer Handelsvertrag im Reichstag angenommen. 11. 1901: Scharfmacher Stumm gestorben 12. 1895: Umsturzvorlage im Reichstage. 13. 1881: Zar Alexander II. von Rußland durch Bombenwurf getödtet. 14. 1883: Karl Marr gestorben. 1892: Erster deutscher Gewerkschafts⸗Kongreß in Halberstadt. 15. 1900: Lex⸗Heinze⸗Obstruktion im Reichs tage. Tessendorf löst sozialistische Partei⸗ 88 000 deer 2 9 F ———— — Seite 2. e. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.. . 25 D e 22 a 5 Streng reell! Lau und billig.? Grosser Inventur- 2 Räumungs- 1 usver kauf! 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