mittel empfo e mittel zu fein. in den Blut. 1 verdorbenen, ih auf bie Neu⸗ Beines werd Man sollte 15 n scharfen ätzen⸗ chen. Alle Symp⸗ Adrennen, Bläh- dei chronischen reten werden oft igenehme Folgen g, Kollkschmer- Blutanstauungen orrhoidalleiden) gelind beseitigt, lichkeit, verleiht nd entfernt durch aus dem Magen Blutmangel. losen Nächten, 2 Fräuter⸗Wein chen yrdert Verdauung g an, beschleunigt e erregten Nerven ad neues Leben. en beweisen dies, in Floschen ßen, Großen⸗ junfels, Buß⸗ „ Weilburg, Lich, Hungen, 1g Uw. Uf. Ullneh, Leihiig räuterwein zu Ort⸗ porto⸗ u. kistefrei. warnt. — Destandteile Kothwein 2000. l, Ants, Helenen⸗ Gießen, Sonntag, den 9. Februar 1902. 9. Jahrg. 5 Medaktionsschuß Donnerstag Nachmitta⸗ — N Abonnemeutspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. 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Mit tölpelhafter Blödigkeit thut das zum Beispiel die antisemitische„Staatsbürger⸗ Ztg.“, indem sie folgendermaßen denunziert: „Aber auch gegen ein Blatt, daß ein der⸗ artiges amtliches Schriftstück unbefugt ver⸗ öffentlicht, müßte schon im Interesse der an⸗ ständigen Presse vorgegangen werden. Das Ausland hat ein lebhaftes Interesse zu wissen, welche Flottenpläne unsere Regierung in den nächsten Jahren hegt; es handelt sich hier offenbar um eine„Urkunde, deren Geheim- haltung einer anderen Regierung gegenüber für das Wohl des Deutschen Reiches erfor⸗ derlich ist.“ Wer eine solche Urkunde vor⸗ sätzlich öffentlich, bekannt macht, ist wegen Landesverrates mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren zu bestrafen.(8 92 R. ⸗St. G.)“ Das Gebelfer wird wohl nicht viel nützen, man wird unserem Zentralorgan nicht an den Kragen können, obwohl, wie berichtet wird, bereits ein Ermittelungs⸗Verfahren gegen seine Redaktton eingeleitet worden ist. Wenn auch! Ein jeder, der es ehrlich meint mit dem Volke, der Volksvertretung und ihren Rechten und Ansehen, muß unserm Parteiblatte für die Veröffentlichung des Erlasses den wärm⸗ sten Dank wissen. Das Volk und die Wähler⸗ schaft wurde dadurch nicht nur über eine sehr wichtige Sache, über kostspielige Regierungs⸗ pläne aufgeklärt, sondern es wurde damit auch nachgewiesen, daß die Regierung bei der Be⸗ gründung des letzten Flottengesetzes, dem Reichs⸗ tage gewisse Dinge absichtlich verschwiegen hat, um die Vorlage durchzubringen. Die Volksvertreter, welche den„sachverständigen“ Berechnungen und den biedermännischen Zu⸗ sicherungen des Marineamts Vertrauen, ent⸗ gegenbrachten, sehen sich gröblich getäuscht, schmählich geprellt! Blamierte Europäer! Die bewilligungseifrigen Marineschwärmer aller Parteien fanden nicht sogleich Worte zu der Enthüllung, sie waren verblüfft über das hinter⸗ listige Vorgehen der Regierung und die Art, wie sie mit der Volksvertretung Schindluder spielt. Ein paar Tage vergingen, ehe die Diskussion darüber in Fluß kam. Und bis in die Reihen der konserbativen Blätter hinein wird das Verhalten der Regierung verurteilt. Das führende Blatt der Zentrumspartei, die Berliner„Germania“, sagt, es mache einen sehr peinlichen Eindruck, daß das Reichsmarine⸗ amt zugiebt, den Reichstag getäuscht zu haben. Das sei eine sehr bedenkliche Taktik, und das was überraschen könnte.“ Unverbesserliche Schwärmer! Abgesehen von der Dupirung des Reichstags, handelt es sich hauptsächlich um die Kosten der Indiensthaltungen, worüber der berühmte Erlaß sagt: Eine dem(jährlichen Bautempo) parallel laufende planmäßige Steigerung der Indtenst⸗ haltungen, im Besonderen der möglichst be⸗ schleunigte organisatorische Aufbau der Schlachtflotte, mußte in den Berech- nungen vorläufig außer Acht ge⸗ lassen werden, da eine dem anwachsenden Schiffsbestande entsprechende Steigerung der Indiensthaltungen für die Jahre 1905—1910 so hohe Bedarfszahlen für die„Fort⸗ dauernden Ausgaben“ ergeben hätte, daß die Flottenvorlage ohne neue Steuern nicht durchführbar gewesen und in Folge dessen aufs Aeuß erste g efährdet worden wäre. Nach dem Flottengesetz soll die Steigerung der Kosten für die Indiensthaltungen jährlich 6 Millionen Mark für die Jahre 1905-1910 betragen. Diese Summe war, wie der Marine⸗ sekretär v. Tirpitz in dem Erlasse eingesteht, absichtlich viel zu niedrig angesetzt, weil man fürchtete, wenn man die Wahrheit sagte, daß selbst das Zentrum vor neuen Steuern zurückgeschreckt und die ganze Vorlage im Reichstage zu Fall gekommen wäre. Das Marineamt rechnete also in Wirklichkeit mit Mehrausgaben von 24 Millionen Mk. für die fünf Jahre 1906-1910, die es dem Reichs⸗ tage verschwieg. Ist eine schlimmere Hinter⸗ gehung des Parlaments denkbar? Was die Kosten der neuen Marine⸗ vorlage betrifft, so werden sie sehr erheblich sein. Wie der„Vorwärts“ darlegt, werden allein die damals abgelehnten Auslandsschiffe zirka 100 Millionen Mark Baukosten bean⸗ spruchen. Dazu kommen nun die wirklichen Kosten der vermehrten Indienststellungen, über deren Höhe man ja dann den Reichstag nicht mehr wird täuschen können. Außerdem hat man damit zu rechnen, daß die Zahl der Aus⸗ landsschiffe noch größer sein wird, als 1900 abgelehnt wurden. Kurz, es wird eine neue große Flottenvorlage werden, die weit über 100 Millionen erfordern wird. „Beabsichtigt war, dasselbe Spiel wie bei den früheren Flottenvorlagen zu wiederholen. Das erste Flottengesetz von 1898 wurde kurz vor den Wahlen durchgedrückt. Niemand dachte daran, daß sich der neue Reichstag kurz nach den Wahlen mit neuen riesigen Flottenforde⸗ rungen beschäftigen würde. Mit dem jetzigen Plan wollte man das Volk wieder nach den Wahlen überraschen. 12 8 Unsere rechtzeitige Veröffentlichung hat diese Ueberlistung vereitelt. Man weiß jetzt, was uns bevorsteht. Und die nächsten Wahlen werden bereits unter dem Zeichen des neuen Flotten⸗ gesetzes stehen. Die romantische See⸗ und Weltpolitik steht erst an ihren Anfängen. Es wird Sache des deutschen Proletartats sein, diesem Treiben einer die Rechte des Rei mißachtenden Regierung, dieser, ge Abenteuer provozierenden und das Um den Zolltarif. Die Aussichten des Zolltarif, — das heißt die Aussichten auf seine Er⸗ ledigung vor Vertagung des Reichstags und schließliche Annahme werden mit jedem Tage schlechter. Von einer„Obstruktion“ der Linken kann gar keine Rede sein; es sind die Wucherzöllner selbst, die ihm die größten Schwierigkeiten bereiten. Dazu sind die Agrarier infolge der Veröffentlichung des Tirpitz'schen Erlasses äußerst verstimmt. Das Organ des Bundes der Landwirte macht Herr von Tirpitz bittere Vorwürfe. Sind doch die Agrarier durchaus keine Freunde der „gräßlichen Flotte“.— Manu ist jetzt fast allgemein überzeugt, daß der Reichstag in die Sommerferien gehen wird, ohne daß irgend etwas— in agrarischem Sinne— zu Stande kommt. Vielfach wird sogar bezweifelt, daß die Zollvorlage noch vor den Neuwahlen er- ledigt werden wird. Trotzdem darf das ar⸗ beitende Volk im Kampfe gegen den Brot⸗ wucher nicht ermüden! Die Bäcker⸗Innungen wenden sich ebenfalls gegen den Zolltarif. Obermeister Bernard, der Präsident des 40000 Mitglieder zählenden Verbandes deutscher Bäcker-Innungen erließ im Namen des Vorstandes eine Erklärung, daß er im Reichsamt des Innern auf Betragen zur Zollfrage die bündige Erklärung abgegeben habe:„die deutschen Bäcker seien gegen jede Zollerhöhung.“— Und der Mann ist konser⸗ vativ! Den antisemitischen Handwerks- und Mittelstandsrettern muß diese Stellungnahme der von ihnen viel gehätschelten Bäcker recht unangenehm sein. Politische Rundschau. Gießen, den 6. Februar. Die Reichsschulden haben seit dem Regierungsantritt Wilhelm II. eine schwindelnde Höhe erreicht. Seit Macht⸗ politik zu Wasser und zu Lande getrieben wird, ist das deutsche Reich glücklich fast an die dritte Milliarde Schulden herangekommen. Nach der letzten Denkschrift des Reichsschatz⸗ sekretärs waren etwa 90 Millionen jährlich für die Verzinsung der Reichsschuld nötig. In dreißig Jahren mehr als 2% Milliarden Schulden mit einer Jahreszinslast von über 90 Millionen Mark! Und diese Bürde, meint die Sächs. Arb.⸗Ztg., trägt nicht etwa ein tra⸗ ditionell entwickeltes Staatswesen mit fest ge⸗ gründeten Einnahmen, sondern eine Staaten⸗ konstruktion, ein Bau, der, wenigstens, was die staatsrechtliche Seite betrifft, sehr künstlich zu⸗ sammengefügt ist. Keine Dömäne giebt es in diesem Reich, winzige Strecken Eisenbahn nur, kein greifbares Gut, keine ige Ein⸗ nahmequelle, aus der die zur Ver brauchten Summen fließen könnten. uns, wenigstens im regel mä Reich elch, belastenden Gloirepolitik Einhalt zu ge r Reichsmarineamt würde darüber Rede und Antwort stehen müssen. 1 Die Nationalsozialen schein nistisch wie immer, die Schmach nia ˖„die der Volksvertretung au eth Die „Hess. Landesztg.“ sieht„n hits, 10 i die Dinge muß die gesamte Zinsensumme aus den S 1* 2 aus Volkes— ten indirekten Steuern— au Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 6. „Not“ der Landwirtschaft. Wir haben schon öfters Beispiele dafür angeführt, daß bei dem Geschrei über die Not der Landwirtschaft von agrarischer Seite fürchter⸗ lich übertrieben wird. Daß es Hunderttausenden von Klein bauern schlecht geht, ist nicht zu leugnen, von uns auch niemals bestritten worden. Aber die größten Schreier, die zugleich die größten Besitzer sind, befinden sich in keiner Notlage. Ebensowenig die Mittelbauern. Das bestätigte auch der Amtmann Stein, der am 23. Januar im landwirtschaftlichen Verein in Heilsberg(bei Königsberg i. Pr.) einen Vor⸗ trag hielt, worin er unter Anderem sagte: Das abgelaufene Jahr sei ein recht gutes gewesen. Fast alles habe sich vereint, um es dem Landmann zu einem angenehmen zu machen. So sei zum Beispiel die Ernte von solch prächtigem Wetter begünstigt gewesen, wie wir es seit undenklichen Zeiten nicht gehabt hätten. Die Ernte selbst sei eine gute gewesen, und auch die Getreide⸗ preise seien so hoch gewesen, wie seit langen Jahren nicht. Da müsse er doch sagen, daß der Landmann jetzt zu Klagen wohl keinen Grund mehr habe. Einen weiteren Beleg gegen die Behauptung der Agrarier bietet ein Inserat, das ein west⸗ preußischer Gutsbesitzer wegen Verkauf seines Gutes erläßt. Darin heißt es: Der Besitzer hat auf diesem Gute ein b e⸗ trächtliches Vermögen erworben und will es nur aus dem Grunde verkaufen, weil sich ihm Gelegenheit bietet, ein vielfach größeres Gut käuflich zu erwerben. Nun also! Hier hören wir von praktischen Landwirten, daß bei aller Notlage der Land⸗ wirtschaft noch„beträchtliche Vermögen“ erworben werden können. Angesichts solcher Dinge braucht man wohl die agrarischen Klagelieder nicht ernst zu nehmen. Reiche Leute. In der„Zeitschrift des Statistischen Bureaus“ teilt ein Mitglied dieses Bureaus, Evert, übe) die Privatvermögen in Preußen einige interessante, geradezu aufreizende Zahlen mit. Danach ist die reichste Person eingeschätzt mit einem Vermögen von 265 bis 266 Millionen Mark. Er wohnt irgendwo in der Stadt. Erst bei der Veranlagung von 1899 kam ein Vermögen in dieser Höhe zum Vorschein, in den Jahren 1896 und 1897 wurde das Vermögen auf 215—216 Millionen im Jahre 1896 auf 203—204 Millionen geschätzt. Der Mann ist also in der Zeit von 1895—1899 in der Lage gewesen, noch weitere 62 Mil- lionen auf die hohe Kante zu legen! Die nächstreiche Person ist veranlagt mit 147—148 Millionen Mk. Vermögen und wohnt ebenfalls in einer Stadt und hat von 1895-1899 einen Vermögens⸗-Zuwachs von 29 Millionen aufzuweisen. Dahinter kommen kleine Leute mit weniger als 100 Millionen. Die reichste Person auf dem Lande ist mit einem Vermögen von 85 Millionen veranlagt. Es folgen unmittelbar dahinter noch drei ländliche Mag⸗ naten mit einem Vermögen von 72, 54 und 48 Millionen. In den Städten hat die reichste Person, abgesehen von den zwei oben⸗ erwähnten, an der Spitze aller reichen Leute stehenden Millionären nur 40 Millionen Mack. Im ganzen sind mit einem Vermögen von über zwei Millionen eingeschätzt 2105 Personen, darunter 1530 in den Städten von 575 auf dem Lande. Merkwürdig ist es, daß unter denjenigen, die mit einem Vermögen von 2—7 Millionenen eingeschätzt sind, sich vier Personen befinden, die zur Einkommensteuer mit einem Einkommen von nicht mehr als 3000 Mark veranlagt sind. Unter den vier Personen wohnt einer in der Stadt, drei auf dem Lande. Diese drei Millionäre gehören also schon zu den„not⸗ leidenden Agrariern“. Wie mögen es dieselben anfangen, aus einem nach Millionen zählenden Vermögen noch nicht 3000 Mk. Einkommen herauszuwirtschaften. Gegenüber dem Geschrei von der„Not des platten Landes“ ist auch aus diesem Aufsatz hervorzuheben, daß auch die Zahl der Censtten auf dem platten Lande von 1895 bis 1899 von 632 000 auf 653 031 gestiegen ist und zwar ebenfalls in allen Ver⸗ mögensklassen. Die antisemitische Wahlniederlage in Schaumburg-Lippe ist durch die da⸗ selbst am 31. Januar stattgefundene Stichwahl endgültig entschieden worden. Wie vorauszu⸗ sehen war, brachte die Stichwahl dem Freisin⸗ nigen Demmig den Sieg. Er erhielt 4541 Stimmen; der Antisemit Graf Reventlow nur 3446. Das ist eine recht bedeutende, früher nicht erreichte Mehrheit des Freisinnigen, für den natürlich auch unsere Genossen eintraten. Auch in diesem Wahlkreise hat sich die Wähler⸗ schaft mit aller nur wünschenswerten Deutlich⸗ keit gegen den Brotwucher erklärt.— Nach den Mitteilungen freisinniger Blätter haben die An⸗ tisemiten den Wahlkampf in der ruppigsten und gehässigsten Weise geführt. Die Beschimpfungen, mit welchen sich die beiden bürgerlichen Gegner belegten, mußten die Wähler davon überzeugen, daß nur der Sozialdemokrat als ein anständiger Mensch gelten kann. Bei der ee e ee in Frauk⸗ ur wurde, wie nach dem Ausfall der Wahlmänner⸗ wahlen vorauszusehen war, der demokratische Redakteur Oeser gewählt. Er ist der einzige Demokrat in dem famosen Dreiklassenhause. Schärfere Bestrafung der Duellfexerei beantragt im Reichstage der Abg. Schrader von der Freisinnigen Vereinigung. Sein dies⸗ bezüglicher Antrag bezweckt eine Abänderung des Strafgesetzbuches, wonach statt der bisherigen Festungsstrafe in jedem Fall eine Gefängnis⸗ strafe von nicht unter drei Monaten für die Herausforderung und von mindestens sechs Monaten für das Duell selbst eintreten; bei den Beamten soll auch auf Unfähigkeit zur Be⸗ kleidung von öffentlichen Aemtern für die Dauer von einem bis fünf Jahren erkannt werden. Für Verächtlichmachung jemandes wegen Nicht⸗ annahme eines Duells soll eine Gefängnis⸗ strafe nicht unter einem Monat treten. Für Verletzungen oder Tötungen im Zweikampf soll Schadenersatz geleistet werden. Ebenso hat der Freisinnige Lenzmann Anträge gestellt, die eine schärfere Bestrafung der duellwütigen Offiziere vorsehen.— Wir halten dafür, daß die Duellfexen ganz einfach mit den Strafen belegt werden, die im Straf⸗ gesetzbuch für Körperverletzung, Totschlag, Mord ꝛc. festgesetzt sind. Zurückgewiesene Ordens ⸗Auszeich⸗ nungen. Eine weitverbreitete Ordens scheu hat sich anläßlich des letzten Ordensregens zu Kaisers Geburtstag bemerkbar gemacht. Nach einer offiziösen Meldung hat von den aus An⸗ laß dieses Tages durch Ordensverleihungen dekorierten Personen ein größerer Teil die Annahme der Auszeichnungen zurückgewiesen. Wie bis jetzt bekannt geworden ist, sind es 27 Personen gewesen. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um Zurückweisung des Allge⸗ meinen Ehrenzeichens durch Lehrer, Subaltern⸗ beamte, pensionierte Postbeamte ꝛc. Für diese Beamten ⸗Proletarier pflegt die Verleihung eines Bändchens dazu bestimmt zu sein, um die Blößen ihrer dürftigen Existenz zu verdecken. Wie Figura zeigt, fangen diese Leute an, über den Wert einer solchen Auszeichnung sich ihre eigenen nicht immer respektvollen, Gedanken zu machen. Vom guten Magen der Kirche. In den letzten Jahrzehnten haben sich die geistlichen Ordensgesellschaften in Bel⸗ gien außerordentlich vermehrt. Im Jahre 1846 zählte man in diesem Lande„nur“ 779 Klöster mit 12000 Ordensangehörigen, jetzt be⸗ läuft sich die Zahl der Klöster auf 2225, in denen nicht weniger als 37700 Mönche und Nonnen untergebracht sind. Das diesen Ordens⸗ gesellschaften gehörige Eigentum an Gebäuden, Mobilien ꝛc. repräsentiert die gewaltige Summe von 1035 Millionen Franken. gemerkt, nur in Belgien! Das ist aber noch nicht alles. Es gehören den geistlichen Orden noch eine Menge Landgüter, Wälder, Werkstätten, Geschäftshäuser, Hotels, die von Mittelspersonen bewirtschaftet und be⸗ trieben werden, so daß der wirkliche Besitz der Pfaffengesellschaften den oben angegebenen Wert noch weit übersteigt. f Die französischen Parlamentswahlen dürften nach einer Meldung der Frkftr. Ztg. am 27. April, die Stichwahlen am 4. Mat stattfinden.— Der sozialistische Abgeordnete Viviani hat in der Kammer einen Gesetzent⸗ wurf eingebracht, welcher strenge Strafen für Wahl⸗Beeinflussungen vorsieht. Nach dem Entwurf sollen Abgeordnete, welche sich Wahl⸗Beeinflussungen zu schulden kommen lassen, für die Dauer einer ganzen Session ihres Mandats für verlustig erklärt werden. — Ferner will Viviani den reichen Kandidaten das Recht geuommen wissen, die besten und möglichst viele Flächen für Wahlplakate für sich allein mit Beschlag zu belegen. Jedem Kandi⸗ daten soll ein gleich großer Raum für seine Ankündigungen zugewiesen werden. Sparsamkeit eines Königs. Der König von Italien wird der Welt das merkwürdige Schausptel bieten, daß er bei Eröffnung der nächsten Parlamentssitzung mit dem Verzicht auf 5 Millionen seiner Zivilliste vor sein Volk tritt, um durch den Nachlaß von ¼ der alten Zivilliste den Bürgern seines Landes das notwendigste Lebensmittel (Salz) zu verbilligen.— Das ist ja wirklich ein weißer Rabe! Sparsamkeit ist sonst bei gekrönten Häuptern eine sehr seltene Tugend. Vielleicht spart Viktor Emanuel viel am Reise⸗ geld, wie er denn überhaupt seinen Hofstaat mit allem, was drum und dran hängt, außer⸗ ordentlich vereinfacht hat. Deutscher Reichstag. Der erste am Donnerstag verhandelte Gegenstand war die Novelle zum Branntweinsteuer⸗Gesetz. Nach kurzer Beratung wird sie der Kommission über⸗ wiesen. Hierauf ging die sozialpolitische Debatte beim Etat des Reichsamt des Innern weiter. Genosse Peus forderte in warmen Worten gesetzlichen Schutz für die Kinderarbeit auf dem Lande und Koalitionsrecht für die Landarbeiter. Der konservative Handwerkermeister Ja⸗ kobskötter mußte dann gegen seinen Fraktionsgenossen Pauli und dessen Klagen über das Zwangsinnungsgesetz polemisieren. Nach einer Rede des süddeutschen Volks⸗ parteilers Hoffmann-Hall gegen die Kurpfuscherei, und einigen Bemerkungen des nationalliberalen Fabri⸗ kanten Schlumberger gegen das internationale Arbeits⸗ amt hielt Bebel kräftige Abrechnung mit den Herren v. Heyl und v. Massow. Erwähnenswert ist, daß Graf Posadowsly am Schluß erklärte, daß er bereits angeordnet hätte, aus dem Fonds des Reichsamts des Innern das internationale Arbeits⸗ amt in Basel zu unterstützen. Das ist immerhin ein Fortschritt. Am Freitag, dem siebenten Tage der Debatte über den Etat des Reichsamts des Innern erhielt Po⸗ sadowsky das Gehalt bewilligt. Eine lange Debatte ging voraus, in der noch einmal das große Gebiet der Sozialpolitik von den verschiedensten Seiten beleuchtet wurde. Zunächst trat Genosse Rosenow für staatliche Arbeitslosen⸗Unterstützung und für Errichtung eines internationalen Arbeits⸗ amts ein, das mehr Autorität, als das bestehende private haben würde. Er empfahl das Verbot der Nachtarbeit und verlangte die Regelung der Frage des Arbeitsnachweises nach unseren organisatorischen Vor⸗ schlägen. Genosse Stolle polemisierte gegen die Be⸗ hauptung des Geheimrats Fischer, daß die Sozialdemo⸗ kraten gegen die Gewerbeinspektoren hetzen. Geheimrat Fischer wiederholte trotz der Abführung, die ihm auch von den Genossen Horn und Sachse zuteil wurde, diese Behauptung später in einer Form, die ihm eine Rüge des Präsidenten zuzog. Genosse Horn ging auf die Auflösung von Zahlstellen des Glasarbeiterverbandes näher ein, während Genosse Sachse die Bergarbeiter⸗ verhältnisse näher besprach und gegen parteiische Berg⸗ inspektoren und Einwirkung der Behörden auf solche Besitzer polemisierte. Die Eenossen Thiele und Mol⸗ Wohl⸗ F.————........—.. 3— f — er usw. wu e brelksten Schulber u 5 schullommisson. dich Vid lie Leher mite hefuden. Die glader der Tagel lle Kulis, die a der Schule etwa Gerose vom Rei seelen habe, die qu erfüllen sind. Graf Posab Neichsschultommi peenzen nicht e änderung, die k eiche übertrage wissen wollen. Sagan riet zu des Reschskanzle antrage des Zer die Schule wird Kirche bereitwill An der allg sich nun entspa Dr. Pachnicke,! präfdent Büsin, bitten mußte, beschästigen. nicht. Beim Reic Lenznann Graf Poadows Antrick setze gonnenen Kamp häusern in eine „Die Sizun über die Zustän fut ganz aus Mißstärde auf Sprache. Uebe besonders une beachtengwerte Angenügendes Behanzlung 5 Gelose Autrit spezele Angal Frarkenhausch in nur eing daß uk Esenz berwend r den N Seiten 15 i chastet und he. uc ach gegebenen Wett eaten er rkfir. en am 4. 90 e Abgeordnete enen Gesezent⸗ ige Strafen burseht. Nat te, welche si kommen laser, Sesston ihres erklärt werden, hen Kandidaten die besten und lakate für sich „Jedem Kandi⸗ taum für seine en. lönigs. wird der Welt ten, daß er bei sentsstzung mit onen seiner um durch den ste den Bürgern ze Lebensmittel ist ja wirklich keit ist sonst bei seltene Tugend. biel am Reise⸗ inen Hofstaat hängt, außer⸗ — lag. andelte Gegenstand insteuer⸗HGesc. Fommisson über⸗ Debatte beim Eil Genose Peuß en Schuß füt di litonsrecht für die dwerkermeiter Ju; n Frallansgerosen nangsimnunzegesc sidbeulchen Vol, die Kupfushert) galiberalen 9 rationale 0 mit den Arbeits⸗ Herren 2 Nr. 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. kenbuhr schließlich unterzogen die Verordnung über das Arbeitsverhältnis im Gastwirtsgewerbe einer ein⸗ gehenden Kritik, die recht ungünstig aussiel. Graf Posadowsky bat um etwas Geduld, man dürfe die Wirte nicht zu scharf packen, weil die Polizei Ueber⸗ tretungen einer schärferen Verordnung doch nicht fassen könne. Darin liegt eine kleine Bankrotterklärung für die Bureaukratie. Schließlich wurde die Frucht der ganzen Verhandlung in einer Reihe von Resolutionen, die zur Annahme gelangten, in die Scheuern gebracht. Samstag setzte der Reichstag die Beratung der einzelnen Positionen im Etat des Reichsamts des Innern fort, wobei hunderterlei Einzelheiten zur Verhandlung kamen. Ueber die Förderung der Seefischerei durch ein internationales Abkommen; über Schonreviere und Schonzeit; über die Bekämpfung der Reblaus; über den Umtausch nicht verbrauchter Invaliditätsmarken; über eine internationale Statistik des Getreidemarktes; über die Zustände in den Zwischendecks der Aus wanderer⸗ dampfer usw. wurde gesprochen. Den breitesten Raum in der Diskussion nahmen die Schulverhältnisse in Mecklenburg in Anspruch, die Genosse Dr. Herzfeld bei der„Reichs⸗ schulkommission“ zur Sprache brachte. Er gab ein ein⸗ dringliches Bild des unwürdigen Zustandes, in dem sich die Lehrer unter der Herrschaft der Rittergutsbesitzer befinden. Die hochgeborenen Herren betrachten die Kinder der Tagelöhner vom achten Lebensjahre ab als ihre Kulis, die auf dem Felde arbeiten müssen, statt in der Schule etwas zu lernen. Energisch forderte unser Genosse vom Reich, daß es Mindestbedingungen aufzu⸗ stellen habe, die in allen Volksschulen der Einzelstaaten zu erfüllen sind. Graf Posadowsky verhielt sich ablehnend; die Reichsschulkommission könne bei ihren beschränkten Kom⸗ petenzen nicht eingreifen, und von einer Verfassungs⸗ änderung, die die Regelung des Volksschulwesens dem Reiche übertrage, würden die Einzelregierungen nichts wissen wollen. Der freisinnige Abg. Dr. Müller⸗ Sagan riet zu einer„bundesfreundlichen“ Einwirkung des Reichskanzlers auf Mecklenburg, die beim Toleranz⸗ antrage des Zentrums Wunder gewirkt habe. Aber für die Schule wird natürlich nicht geschehen, was für die Kirche bereitwillig gethan worden ist. An der allgemeinen Debatte über Mecklenburg, die sich nun entspann, beteiligten sich die Abgg. Eickhoff, Dr. Pachnicke, Kirsch und Dr. Oertel, sodaß der Vize⸗ präsident Büsing, auch ein Mecklenburger, schließlich bitten mußte, sich nicht zu sehr mit Mecklenburg zu beschäftigen. Das vertragen eben die dortigen Zustände nicht. Beim Reichsgesundheitsamt forderte Abgeord, Lenzmann(Freis. Bp.) größeren Schutz für die Irren. Graf Posadowsky sagte Erwägungen zu. Unser Genosse Antrick setzte schließlich seinen im vorigen Jahre be⸗ gonnenen Kampf gegen die Mißstände in den Kranken⸗ häusern in einer wirkungsvollen Rede fort. Die Sitzung am Montag wurde mit Erörterungen über die Zustände in den Krankenhäusern fast ganz ausgefüllt. Außerdem kamen noch weitere Mißstände auf dem Gebiete der Gesundheitspflege zur Sprache. Ueber die mangelhafte Krankenhauspflege hatte besonders unser Genosse Antrick aus eigener Erfahrung beachtenswerte Angaben gemacht. Vornehmlich ist über ungenügendes Personal und schlechte Bezahlung und Behandlung des vorhandenen Personals zu klagen. Genosse Antrick ergänzte seine früheren Angaben durch spezielle Angaben über die Zustände des Moabiter Krankenhauses, die jeder Beschreibung Hohn sprechen. Um nur eins zu erwähnen: Es ist dort Sitte gewesen, daß Lupus⸗ und Tuberkulose⸗Kranke als Austeiler des Essens verwendet wurden. Diese vernichtenden Anklagen für den Berliner Kommunal⸗Freisinn machten auf allen Seiten des Hauses großen Eindruck. Vergeblich ver⸗ suchten freisinnige Redner die Anklagen abzuschwächen. An der weiteren Debatte beteiligte sich von unserer Seite noch Genosse Peus. Südekum brachte die Verordnung des Bundesrats über die Milzbrandbe⸗ kämpfung zur Sprache und tadelte ihre Halbheit. Er forderte, daß auch die Kameel⸗ und besonders die Ziegen⸗ haare der Desinfektion durch strömende Wasserdämpfe, der einzig wirksamen, unterworfen würden. Der Direktor des Reichsgesundheitsamtes, Köhler, erklärte sich im Ziel einig mit unseren Forderungen, warnte aber vor zu stürmischem Vorgehen. Genosse Wurm betonte mit Recht, daß man hier nicht von stürmischem Vorgehen sprechen könne, wenn man ein Verfahren vorschreibt, dessen Durchführbarkeit festgestellt sei, und das Arbeiter⸗ kategorien vor der fürchterlichen Gefahr einer Milzbrand⸗ erkrankung schützt. In der Dienstags⸗Sitzung wurde beim statisti⸗ schen Amt die neugeschaffene Abteilung für Arbeiterstatistik, die an Stelle der Kommission für Arbeiterstatistik treten soll, ausführlich erörtert. Graf Posadowsky wieder⸗ holte seine früheren Erklärungen, wonach die neue Be⸗ statistik haben, selbstständig gesetzgeberische Vorschläge machen und Arbeiter und Unternehmer in bestimmten Fällen als Sachverständige hinzuziehen kann. Genosse Bebel bezeichnete die neue Einrichtung als einen Fort⸗ schritt auf dem Wege zu einem selbständigen Reichs⸗ arbeitsamt. Beim Patentamt wurde hauptsächlich das schweizerische Patentgesetz erörtert. An dritter Stelle kam das Reichsversicherungsamt zur Verhandlung. Hier ging Stadthagen in einer großen Rede energisch gegen die Uebelstände auf dem Gebiete der Unfallversicherung vor. Er tadelte die hohen Gehälter her Ehrenvorsitzenden der Berufsgenofsenschaften, das System der Vertrauensärzte ꝛe. Graf Posadowsky versprach nähere Untersuchungen. Krieg in Südafrika. Der holländische Friedensvermitte⸗ lungs versuch ist gescheitert. Die Mit⸗ teilung der niederländischen Regierung hatte sich, wie aus dem jetzt veröffentlichten Noten⸗ wechsel hervorgeht, auf die außergewöhnliche Lage der Buren, deren europäische Delegierte sich nicht mit den im Felde stehenden Buren verständigen könnten, berufen und damit ihren Schritt der Offerierung guter Dieuste begründet. Die Antwort der englischen Regierung an die niederländische zollt den menschenfreundlichen Beweggründen des niederländischen Anerbietens, welches ohne Ermächtigung der Delegierten der Buren und der Burenführer gemacht sei, An⸗ erkennung, hält jedoch den Entschluß aufrecht, eine Intervention einer fremden Macht anzunehmen. Die Buren⸗Delegierten könnten, wenn sie wollten, sich freies Geleit erbitten, die englische Regierung werde ihre Entscheidung darüber je nach Inhalt und Be⸗ gründung des Gesuches treffen. Die Delegierten hätten keinen Einfluß auf die Buren in Afrika, alle Regierungsgewalt befinde sich in den Händen Steijus und Schalk Burgers. Wenn die Buren⸗ führer unterhandeln wollen, um dem Kriege ein Ende zu machen, so habe die Regierung dahin entschieden, daß die Verhandlungen in Afrika stattfinden müßten, nicht in Europa. Trotz dieser Antwort giebt man die Hoffnung auf Friedensverhandlungen nicht auf. Vielfach wird angedeutet, daß in der englischen Note der Wunsch, den Krieg zu beenden, durchleuchte. Was der Krieg kostet. Im englischen Unterhause brachte der Unterstaatssekretär des Krieges, Brodrik, am Freitag eine Nachtrags⸗ forderung von fünf Millionen Pfund Sterling(hundert Millionen Mark) ein und hat dabei über die bisherigen Kriegs⸗ kosten Angaben gemacht, daß den Engländern die Augen übergehen könnten. Er erklärte, im Etatsjahre 1900/1 betrugen die Kriegskosten 63 Millionen Pfund(eine Milliarde 260 Millionen Mark); im Etatsjahr 1901/02 würden sie 61 Millionen(eine Milliarde 220 Millionen Mark) betragen. Während eines Teiles des Jahres zählte das Kriegsheer in Südafrika 250,000 Mann und am 1. Januar 1902 273,000 Mann. Durch⸗ schnittlich wurden monatlich 24,000 Pferde ge⸗ kauft. Die Regierung mußte durchschnittlich 208 000 Pferde und Maultiere, 30,000 Ochsen, 27,000 gefangene Buren und 150,000 Köpfe der sonstigen Burenbevölkerung unterhalten. Die monatlichen Ausgaben verminderten sich von 5¼ auf 4½ Millionen Pfund(90 Millionen Mark).— Man sollte meinen, angesichts dieser ungeheuren Opfer an Gut und Blut müßte sich das Volk endlich selbst gegen den wahusinnigen Raubkrieg wenden und die Chamberlain und Consorten zum Teufel jagen. Gewerkschaftliches und Arbeiter⸗ bewegung. Arbeitslosen-Unterstützung im Me⸗ tallarbeiterverband. Seit dem 1. Juli 1900 ist im Metallarbeiter⸗Verbande die Arbeits⸗ losen⸗Unterstützung in Kraft getreten. Für den Verband soll das erste Jahr recht günstige Ergebnisse geliefert haben, wie aus einem in hörde dieselben Rechte, wie die Kommission für Arbeiter⸗ Stuttgart gehaltenem Vortrage des Verbands— sekretärs Reichel zu entnehmen ist. Bei durch⸗ schnittlich 100000 Mitgliedern verausgabte der Verband nur 195,838 Mk. für Arbeitslosen⸗ Unterstützung, also pro Mitglied jährlich nur etwa 1,96 Mk., während dem Verbande für diese Zwecke nicht blos 400 000 Mark laufender Jahreseinnahme, sondern auch der Fonds des ersten Karrenzjahres in gleicher Höhe zur Ver⸗ fügung stand. Die für die Arbeitslosigkeit ver⸗ fügbaren Mittel wurden also noch nicht zu einem Viertel beansprucht. Freilich ist seitdem die Arbeitslosigkeit gewachsen; man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß die Zahl der Arbeitslosen im Verband heute mindestens viermal so hoch ist, als bei Beginn des Rech⸗ nungsjahres. Immerhin zeigt die Thatsache, sagt der Bericht weiter, daß der Metallarbeiter⸗ Verband im Jahre 1901/02 mit einem Arbeits⸗ losenfonds von 1 Million Mark rechnen kann, daß er Vorsorge getroffen hat, um auch größeren Ansprüchen gerecht zu werden. Für die Ar⸗ beitslosen wie für die Organisation erweist sich die Wirksamkeit der Arbeitslosen-Unterstützung als ein wahrer Segen; sie hat dem Metall⸗ arbeiter⸗Verband einen bedeutenden Mitglieder⸗ zuwachs verschafft, und die Mitglieder besser als durch alle bisherigen Verbandseinrichtungen an die Organisation gefesselt.— Das Letztere scheint uns etwas zu optimistisch gefärbt. Ob die Mitglieder durch die Arbeitslosen-Unter⸗ stützung mehr an die Organisation gefesselt werden, muß sich erst nach längerer Zeit herausstellen. pon Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebtetet. natürlich strengste en e bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessisches. Die hessischen Finanzen stehen be⸗ kanntlich nicht besonders günstig,. Der Finanz⸗ ausschuß der Zweiten Kammer hat sich deshalb veranlaßt geseh en, einen Strich durch verschiedene Regierungs projekte zu machen, um das Gleich⸗ gewicht im neuen Etat herzustellen. Unter diesen Regierungsvorlagen befinden sich die Verstaat⸗ lichung des Geometerwesens, die Errichtung eines Lehrerinnenseminars und die Verstaat⸗ lichung des Gerichts vollzieherwesens, wenn bei der Ablehnung des letzteren auch noch andere Gründe mitgespielt haben. Der Lotterievertrag mit Oldenburg fand dagegen Gnade bei dem Ausschuß. 5. Wieder ein Angriff auf die Abge⸗ ordneten-Immunität. Genosse Ulrich in Offenbach soll durch ein Flugblatt zur Stadtverordneten⸗Wahl den Bauunternehmer Ph. Forster in Offenbach beleidigt haben, weshalb dieser Klage gegen Ulrich einreichte. Das Gericht setzte in der Sache Termin auf den 31. Januar an. Im Interesse seiner ver⸗ fassungsmäßigen Rechte als Abgeordneter des Reichstags und der zweiten hessischen Kammer legte Genosse Ulrich gegen dieses Verfahren Verwahrung ein und das Gericht setzte auf seine nachdrückliche Zurückweisung hin den anberaumten Termin ab.— Das Merkwürdigste an der ganzen Sache ist aber fo gendes: Der angeblich Beleidigte hatte seine Klage dem Rechtsanwalt v. Brentano übergeben. v. Brentano ist aber selbst Parlamentarier und muß ganz genau wissen, daß man so nicht gegen ein Mit⸗ glied des Reichstages und der Zweiten Kammer vorgehen darf; nichtsdestoweniger leitete er die Klage ein, ohne die Einwilligung der beteiligten parlamentarischen Körperschaften nachzusuchen.— Kreis⸗Konferenz für den Wahlkreis Giessen⸗Grünberg⸗Nidda. Die vom Vorstand des sozialdemokratischen Kreiswahlvereins für den 1. hessischen Wahl⸗ kreis einberufene Konferenz tagte am Sonntag im Lokale Orbig in Gießen. Es waren 12 2222 — 5. — 2— 8 e ——u—— Seite 4. Lee Mitteldentsche Sountags⸗Zeilung. Nr. 6. Orte durch 26 Delegierte vertreten. Nach den üblichen Formalitäten wird zur Tagesordnung übergegangen. Zuerst erstattete der Vertrauens⸗ mann Genosse Bock den Kassenbericht. Die vor wenigen Monaten für die Mitglieder des Wahlvereins eingerichtete Sterbekasse ver⸗ zeichnet eine Einnahme von Mk. 110.35 eine Aus⸗ gabe von 30.70 Mk., sodaß ein Kassenbestand von 76.65 Mk. verbleibt. Die Finanzlage der Kasse kann also eine günstige genannt werden. Es kam nur ein Sterbefall vor.— Weniger gut steht die Kasse des Kreiswahlvereins. Hier betragen im zweiten Halbjahr 1901 die Ein⸗ nahmen 387,19 Mk., die Ausgaben 413,66 Mk. Es ergiebt sich demnach ein Defizit von 26,47 Mk. Bedeutende Ausgaben für den Landkalender, die Verteilung desselben, sowie die Verteilung der Flugblätter gegen den Brotwucher verur- sachten diese Mehrausgaben. Die Rebisoren bestätigen die Richtigkeit der Abrechnung, wor⸗ auf, nach erfolgter Entlastung, Genosse Bock einstimmig als Kassierer wiedergewählt wird. Beckmann giebt hierauf den Vorstands⸗ bericht, worin er die im Laufe des Halbjahrs geleistete agitatorische Arbeit schildert. Bericht⸗ erstattung über den Parteitag hätten nur ein⸗ zelne Mitgliedschaften verlangt, obwohl wieder— holt darauf aufmerksam gemacht wurde. Die im vergangenen Jahre verteilten Flugblätter gegen den Brotwucher, sowie auch die Land⸗ kalender fanden, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, gute Aufnahme auf dem Lande. Unsere Genossen im Kreise müßten aber immer⸗ hin etwas mehr Regsamkeit zeigen. Wenn Versammlungen stattfinden, muß jeder am Platze sein; ebenso in den Mitgliederversammlungen der einzelnen Vereine, wo man sich über die vorliegenden politischen und Parteifragen aus⸗ sprechen müsse. Hieran anschließend spricht Gen. Vetters über„Agitation und Organisation“ in aus⸗ führlicher Weise. Wolle man eine Sache sieg⸗ reich durchführen, so nütze es nichts, daß man von der Güte und der Gerechtigkeit dieser Sache überzeugt sei, man müsse eben auch Andere davon überzeugen, eine Massen bewegung ent⸗ fachen. Die Idee, welche die Massen ergriffen habe, sei unüberwindlich. Dafür haben uns die Zeiten des Sozialistengesetzes den Beweis geliefert. Wir müssen deshalb arbeiten, um den Massen der Besitzlosen unsere Ziele klar zu legen, sie dafür begeistern, Anhänger unseres Programms, der Partei zu gewinnen suchen— agitieren. Und das nicht blos in öffentlichen Versammlungen, sondern auch durch zweckent⸗ sprechende Verbreitung der sozialistischen Litte⸗ ratur. Wirksamste Agitation sei aber die pri⸗ vate, von Mund zu Mund gehende. Jede Agitation koste aber Geld. Um die nötigen Mittel herbeizuschaffen, sei eine zweckmäßige Organisation, eine Gliederung des Ganzen notwendig. Dann müsse auch durch Vorträge und Aussprache Klarheit geschaffen und die Ueberzeugung der einzelnen Genossen befestigt werden. Bei Reichstags⸗ und Gemeindewahlen habe die Organisation wichtige Dienste zu leisten. Hätte dieselbe in genügender Weise bei den letzten Gemeindewahlen funktioniert, so durften Dinge nicht vorkommen, wie man sie anläßlich verschiedener Bürgermeisterwahlen er⸗ lebt habe. Auch die Thätigkeit der als unsere Genossen gewählten Gemetnderatsmitglieder müsse kontrolliert werden. Unserer Richtschnur sei das Kommunal⸗Programm. Wegen der von der letzten Landeskonferenz erhöhten Bei⸗ träge haben sich mehrere Mitgliedschaften be⸗ schwert. Mau befürchtet Mitgliederverluste. Es könne aber an den gefaßten Beschlüssen nicht gerüttelt werden; wer nicht einmal 25 Pfg. monatlich für die Partei opfern wolle, könne eben der Organisation nicht angehören. Das muß aber jeder ehrliche Genosse. Ueber diese Ausführungen und den Vor⸗ standsbericht entspinnt sich eine lebhafte Dis⸗ kufsion. Krum m meint, zuviel Opfer würden bei unserer Partei nicht verlangt. Noch nie⸗ mand habe gesagt, daß er den Beitrag nicht aufbringen könne, man streite nur wegen der 5 Pfg. Erhöhung. Wer aber 20 Pfg. monat⸗ lich leisten könne, der wird doch nicht behaupten wollen, daß er 5 Pfg. mehr nicht erschwingen könne. Ohne Müh und Opfer keine Erfolge! Schmidt ⸗Wieseck hält die Kalender⸗Ver⸗ teilung für kostspielig und dabei von geringer agitatorischer Wirkung. Dagegen wenden sich Rudolph ⸗Daubringen, Roos⸗Hirzeuhain und Schäfer⸗-Lollar. Die Kalender wären ein sehr gutes Agitationsmittel, nur müßten sie früher erscheinen, Bock sagt zu, daß man in diesem Jahre darauf dringen werde, daß sie früher herauskommen. Auf eine Bemerkung im Referat über die Bürgermeister- und Ge⸗ meinderatswahlen erwidern die Wiesecker Delegierten, daß ein in der„Mitteld. S. Ztg.“ erschienener Artikel, worin die Wahl des alten Bürgermeisters empfohlen wurde, Differenzen unter die Wiesecker Genossen hervorgerufen habe. Die Meisten waren mit dem Inhalt nicht einverstanden. Vetters: Diese Notiz set ihm von einem Genossen zugegangen, von dem er annehmen mußte, daß er Beauftragter der Wiesecker Genossen sei. Warum haben die Wahlvereinsmitglieder sich nicht dagegen gewendet? Weiter stellt er eine Aeußerung bezüg⸗ lich der„gemischten“ Liste bei der Gießener Stadtverordnetenwahl richtig. Hier sei offen und klar gesagt worden, daß bestimmte Kandidaten nicht auf dem Parteistandpunkt ständen. Dem schließen sich Krumm und Beckmann an. Letzterer erwähnt noch, daß an einigen Orten die Spediteure der Mitteld. S.⸗Ztg. im Rückstand geblieben wären, wo⸗ durch der Zeitung Verluste entstünden. Das könnte vermieden werden, wenn sich die Ver⸗ eine den Vertrieb der Zeitung angelegen sein ließen. Hierüber entsteht eine längere Debatte, in deren Verlaufe die Heuchelheimer Delegierten erklären, daß bei ihnen die Sache sehr glatt abwickele, dort vertreibe der Verein die Zeitung. Bei den Abstimmungen, die nach dem Schluß⸗ wort des Referenten folgen, wird ein von Krumm gestellter Antrag einstimmig an⸗ genommen, nach welchem überall dort, wo Partei⸗Vereine bestehen, diese die Spedition des Blattes zu überwachen haben. Ferner wird noch beschlossen, daß von jeder Marke à 10 Pfg. den Lokal⸗Vereinen 4 Pfg belassen werden sollen, während 3 Pfg. der Kreisorganisation und 3 Pfg. dem Landeskomitee zufließen. Nach Erledigung einiger geschäftlichen An⸗ gelegenheiten und Anträge schließt der Vor⸗ sitzende Beckmann die Konferenz mit einem freudig aufgenommenem Hoch auf die So⸗ zialdemokratie. Gießener Angelegenheiten. — Wie satte Bürger über die Not⸗ lage der Arbeitslosen urteilen, zeigte auch eine Aeußerung des Stadtrats Haubach in der letzten Stadtverordneten⸗Sitzung. Er meinte unter Anderem, die Notstandsarbeiter müßten fühlen, daß sie Notstands arbeiten ver⸗ richteten und sich bald nach anderer Arbeit umsehen. Also ja nicht so günstige Arbeits⸗ bedingungen! Herr Haubach scheint zu glauben, daß die Notstandsarbeiter ein Schlaraffenleben führen. Es muß auch ein wahres Vergnügen sein, beim jetzigen Wetter im Freien zu schaffen, Steine zu klopfen und Erdarbeiten zu verrichten! Und der riesige Verdienst! Kein Wunder, daß die Notstandsarbeiter als Stamm⸗ gäste in den feinsten Weinkneipen bekannt sind, wo sie täglich reichlich frühstücken. Und auf jedem Maskenball im Club oder sonstwo treiben sich Arbeitslose in großer Anzahl herum.——— Es geht doch nichts über einen einsichtigen, sorgsamen,„freistnnigen“ Stadtvater! Aus dem Nreise gießen. Der Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein in Steinberg hatte am vergangenen Sonn⸗ tag eine Abendunterhaltung arrangiert, die überaus stark besucht war. Eng zusammen⸗ gedrängt saßen und standen die Besucher, den Saal„zum grünen Baum“ bis zum letzten Platz füllend. Die dargebotene Musik⸗ und Gesangsstücke wurden recht beifällig auf⸗ Tol ebenso mehrere Deklamationen und buplets.— An Stelle des verhinderten Gen. Krumm hielt Vetters⸗Gießen eine Ansprache, in der er den Zweck des Arbetter⸗Bildungs⸗ vereins darlegte und die wichtigsten politischen Tagesfragen erörterte. Zum Schluß forderte er die Anwesenden auf, den Gemeinsinn zu pflegen und nach ihren besten Kräften einzu⸗ treten für das Wohl der Gesamtheit! Diese Worte fanden begeisterte Zustimmung.— Ein Theaterstück:„Gewalt geht vor Recht“ wurde recht gut gespielt. Nur hätte man die Frauen⸗ rolle nicht von einem Manne spielen lassen sollen; es giebt doch sicher in Steinberg auch Mädchen oder Frauen genug, die derartiges übernehmen könnten!— Dann hatten viele Frauen keinen Sitzplatz und mußten stehen. Das sollte nicht sein; lieber sollte doch die männliche Jugend auf Sitzplätze verzichten, wenn's mal nicht anders geht. aus dem Nreise Friedberg⸗Büdingen. — J. Gewerkschaftskartell Fried⸗ berg. Nach einem früher gefaßten Beschlusse soll über die Thätigkeit des Friedberger Gewerk⸗ schafts⸗ Kartells in der„Mitteld. Sonntags⸗ Ztg.“ berichtet werden. Im verflossenen Jahre wurde diese Thätigkeit sowohl in sozialpolitischer als organisatorischer Beziehung umfangreicher; das Kartell erledigte seine Geschäfte in 15 Sitzungen, deren Besuch aber öfters sehr mangel⸗ haft war. Pflicht der einzelnen Gewerkschaften ist es, zuverlässigere Delegirten zu wählen. Im März reichte das Kartell eine Beschwerde bei dem Gewerbeinspektor über Mißstände in der Militär ⸗Effekten⸗ Fabrik Sohn u. Co. ein, die Erfolg hatte. Doch die Folgen mußten die organisterten Arbeiter verspüren; in kurzer Zett wurden 4 Arbeiter ohne Kündigung ent⸗ lassen. 2 Arbeiter wurden dem Kartell darüber vorstellig, die Klage wurde sofort eingereicht. Eine dieser Klagen mußte zurückgezogen werden, weil der Kläger nicht ausfindig zu machen war, die andere ist noch nicht entschteden. Eine im Mai bei dem Bad⸗Nauheimer Polizeiamt er⸗ hobene Beschwerde, wegen Fehlen des Aborts an einem dortigen Neubau hatte ebenfalls Er⸗ folg.— Die Beteiligung an der Maifeier war, obwohl von einer allgemeinen Arbeitsruhe Abstand genommen wurde, eine größere als in den Vorjahren. Die Maifeier-Veranstaltungen, Versammlung und Fest am 5. Mai erfreuten sich zahlreichen Besuches. Ebenso das Gewerk⸗ schaftsfest und die Weihnachtsfeier.— Von den Versammlungen ist zu erwähnen, eine am 16. März staͤttgefundene, in der Gen. Repp über die Gewerkschaftsbewegung referterte. Weiter sprach Herborn⸗Frankfurt am 2. Juni über Bauarbeiterschutz.— Das Kartell richtete ferner eine Eingabe an den Gemeinderat, worin die Errichtung eines Gewerbe⸗Gerichts gefordert wurde. Darüber ist wohl einmal in der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung verhandelt worden, doch ist die Sache dann liegen geblieben.— Eine Bibliothek besitzt das Kartell noch nicht; es sollen jedoch die Bücherbestände dreier hiesiger Gewerkschaften zu einer Bibliothek verschmolzen und unter die Verwaltung des Kartells gestellt werden.—Beieiner vorgenommenen Arbeitslosen⸗ zählung, die aber nur die organisterten Arbeiter umfaßte, konnte eine allgemeine Arbeitslosigkeit nicht festgestellt werden. Das ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß von 1050 Arbeitern und Arbeiterinnen, die hier beschäftigt sind, nur 120 in den Gewerkschaften sich befinden und außerdem der größte Teil auf dem Lande wohnt.— Zwei Lohnbewegungen waren zu verzeichnen, die der Brauer und Bäcker. Im ersteren Falle wurden die Differenzen zu Gunsten der Arbeiter auf gütlichem Wege beigelegt. Die Bäcker verlangten Abschaffung von Kost und Logis bei dem Meister und Lohnerhöhung, waren aber damit nur teilweise erfolgreich. [Aus dem Rreise Wetzlar. h. Das Gewerbe⸗Gericht des Kreises Wetzlar erledigte nach dem Berichte seines Vor⸗ sitzenden im verflossenen Jahre 20 klagen, wozu 22 Sitzungen nötig waren. Nur drei Sitzungen fanden unter Zuziehung von Bei⸗ sitzern statt und nur in einer Sache al Endurteil. Außerdem wur den neun Streitfälle lfernte sich a fl he finn Ah 1 tete, U. gelle 1 schung nit de bahn. Et ka Putter und e dun fürten d act ncht gef e. Launz! Jahrganges b. meinde bei urch die Nach 40-50 Mk. ficzuzufügen, lift. Er ist die Bäume gel hat nur der A zugestimmt, oh zu beschließen. herständlich ar bezogen werd Qualität war schuß, deshalb Aus dem St. Par. Samstag, de fidet im Lol, ofentliche Pa Gen. V 135 eil noch nä halten wird. der Kolportag über die dies lossen werden Versammlung — An un Um Unzut bir streng da kiues jeden gengue 341 literklebt z fag Zahl Rellanatong des Monatz d di späte b nicht hatt it— 0 Aüdingen. tell Fried ten Naa 18 Gewerk Sonntags- erflosenen Jahre i sozialpolitischer umsangreicher; Geschäfte in 15 ers sehr mangel⸗ n Gewerkschasten zu wählen. In Beschwerde bei lißstande in der Uu u. Co. ein, Folgen mußten üren; in kurzer Kündigung ent⸗ Kartell darüber fort eingereicht. cgezogen werden, zu machen war, leden. Eine im Polizeiamt er⸗ len des Abort te ebenfalls Er⸗ der Maifeier inen Arbeitsruhe e größere als in Veranstaltungen, 5, Maf erfreuten do das Gewerk; eier. Von den ihnen, eine am 5 eu, len ung keferierte. ln am 2. Juni b Kartell richtete geinderat, woril ericts gefordert al in der Sadt⸗ andelt wordel, an gebliehen.. tell noch,! 5 dreier hiestger — kurzer Hand durch die Gerichtsschreiberei erledigt. Nr. 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. — Das ist eine auffallend geringe Frequenz des Gewerbe⸗Gerichts, die erfreulich wäre, wenn man sie auf die in Wetzlar herrschenden günstigen Arbeitsbedingungen zurückführen könnte. So liegt die Sache aber leider nicht; uns sind im Laufe des Jahres sehr oft Beschwerden zuge— gangen, die das Gegenteil beweisen, wenn wir auch in vielen Fällen von der Veröffentlichung Abstand genommen haben. Wenn das Gewerbe⸗ Gericht wenig in Anspruch genommen wird, muß das wohl andere Gründe haben. h. Der Steuersekretär Sarges entfernte sich vorige Woche aus seiner Wohnung und ist seitdem verschwunden. S., der außer seinem Dienste noch viel Privat⸗Arbeiten ver⸗ richtete, wird als ein sehr nervöser Mann geschildert. Vorher soll er eine Auseinander⸗ setzung mit dem Beigeordneten Hiepe gehabt haben. Er kam in höchster Aufregung zu seiner Mutter und erging sich über Herrn Hiepe in den stärksten Ausdrücken. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen. e. Launsbach. In Nr. 51 des vorigen Jahrganges berichteten wir, daß unsere Ge⸗ meinde bei Einkauf von jungen Obstbäumen durch die Nachgiebigkeit des Gemeinderats um 40—50 Mk. geschädigt worden sei. Dem ist hinzuzufügen, daß den Gemeinderat keine Schuld trifft. Er ist gar nicht gefragt worden, wo die Bäume gekauft werden sollen, sondern er hat nur der Anschaffung dieser Anzahl Bäume zugestimmt, ohne über Preis und Bestellungsort zu beschließen. Allerdings nahm man als selbst⸗ verständlich an, daß die Bäume von Wetzlar bezogen werden würden. Weil sie minderer Qualität waren, leistete der Kreis keinen Zu⸗ schuß, deshalb der Schaden für die Gemeinde. Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. St. Parteiversammlung. Nächsten Samstag, den 15. d. M., abends 9 Uhr, findet im Lokale von D. Jesberg hier eine öffentliche Parteiversammlung statt, in welcher Gen. Vetters⸗Gießen einen Vortrag über ein noch näher zu bestimmendes Thema halten wird. Außerdem findet die Abrechnung der Kolportagekommisston, sowie Besprechung über die diesjährige Märzfeier statt. Die Ge⸗ nossen werden ersucht, recht zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. — Buchdruckerversammlung. Am Sonntag, den 2. Februar, fand hier im Jes⸗ ber g'schen Lokale eine gut besuchte Bezirks⸗ versammlung(die erste in diesem Jahre) statt. Auch die Mitglieder aus Biedenkopf und Ziegen⸗ hain waren erschienen. Aus dem Jahresbericht des Kassierers ging hervor, daß der Verein im abgelaufenen Jahre eine Einnahme von 3249. 45 M, und eine Ausgabe von(incl. 1155. 71 M., welche an die Gaukasse abgeführt sind) 3085. 22 M. gehabt hat, sodaß ein Bestand von 164. 23 M. verblieb. Besondees interessant war der Jahresbericht des Reisekasseverwalters, aus welchem hervorging, daß die hiesige Zahl⸗ stelle im vergangenen Jahre von 515(gegen 342 im Vorjahr) Kollegen besucht wurde, darunter befanden sich 100 Ausländer. Ins⸗ gesamt erhielten die Durchreisenden für 3007 Tage 3324. 50 M. Unterstützung. Außerdem wurden an 26 arbeitslose Mitglieder für 589 Tage 875 M. ausgezahlt. Ein erschreckendes Zeichen dafür, in welchem Maße durch die schlechte Geschäftskonjunktur auch im Bnchdruckerge⸗ werbe die Arbeitslosigkeit zugenommen hat. Trotzdem haben die Buchdrucker, mittels ihrer vielgeschmähten Tarifgemeinschaft, es verstanden, am 1. Januar d. J. eine allgemeine Lohner⸗ höhung bis zu 2 M. pro Woche durchzusetzen, außer einer Anzahl anderer Verbesserungen, welche ihnen der revidirte Tarif gebracht hat. Dies alles haben sie aber hauptsächlich ihrer mustergiltigen Organisation in erster Linie zu verdanken. Jeder denkende Arbeiter sollte es deshalb für seine erste Pflicht halten, sich seiner betr. Organisation anzuschließen und dadurch mit dazu beitragen, die allgemeine Lebenslage der Arbeiter besser zu stellen. Die übrigen Tagesordnungs-Punkte der Versammlung boten für die Oeffentlichkeit weniger Interesse. Er⸗ wähnen wollen wir nur noch, daß als Delegirte zur hiestgen Gewerkschaftskommission die Koll. Birnert wieder- und Knopf neugewählt wurden. — Fastnacht. Der Gesangverein„Ein⸗ tracht“ veranstaltet am Fastuachktdienstag, Abends 8 Uhr, im Lokale von D. Jesberg einen„Fumpen⸗ und Strolchabend“ bei welcher Gelegenheit der größte Lump oder Strolch prämiert wird. Wir wünschen dem Verein eine recht gemütliche Fastnachtssitzung. Kleine Mitteilungen. Ein schweres Unglück ereignete sich am Freitag auf der Main Neckarbahn in der Nähe der Station Louisa bei Frankfurt. Sieben Streckenarbeiter waren dort mit Reparatur der Geleise beschäftigt und merkten das Herankommen des Personenzuges von Darmstadt nicht. Der Personenzug fuhr mitten zwischen die Arbeiter; der 62 Jahre alte Strecken- arbeiter Benz aus Engelsbach und der 50jährige Güterarbeiter Dernberg aus Laugen wurden überfahren und zermalmt. Der Zig hielt, die Leiche ateile warden aus den Rädern hervor⸗ geholt. Die anderen Streckenarbeiter kamen mit dem Schrecken davon. nSelbstmord aus Nahrungssorgen verübte in Frankfurt ein in Sachseuhausen wohnhafter in den 40er Jahren stehender Arbeiter. Der Lebensmüde hatte eine zahlreiche Familie und war längerer Zeit arbeitslos. „ Harte Strafe. Einen Monat Ge⸗ fäugnis erhielt ein Beiefträger in Narburg zudiktiert, weil er einen eigenhändig an einen Bürgermeister zu bestellenden Brief an dessen Schwiegertochter übergeben und trotzdem den Vermerk„persönlich überreicht“ gemacht hatte. Die Trebertrocknungs⸗Gesellschaft vor Gericht. In Kassel begann am Montag der Prozeß gegen die Aufstchtsratsmitglieder der Kasseler Trebertrocknungs⸗Gesellschaft wegen Versch eie⸗ rung, Uatreue, Betrug ꝛc., unter großem An⸗ drange des Publikunns. Angeklagt sind: die Kaufleute H. Sumpf und R. Schlegel aus Kassel, Bierbrauer Eenst Otto aus Dort⸗ mund, der Rittergutsbesitzer Johann Schulze⸗ Dellwig aus Haus Sölde in Westfalen, der Rittergutsbesitzer Arnold Sumpf aus Greifswald; die Angeklagten befinden sich sämtlich in Haft. Der Hauptschuldige, Direktor Schmidt, der flüchtig war, befindet sih in Paris, über seine Auslieferung schweben noch Verhandlungen. Die bisherigen, sehr umfang⸗ reichen Zeugenvernehmungen ergaben, daß das Unternehmen auf äußerst unsolider Grundlage basierte. Verschiedene Sachverständige erklären, es sei unmöglich, bei der unordentlichen Buch- führung einen Ueberblick zu gewinnen. An unsere Abonnenten und Spediteure! Um Unzuträglichkeiten zu vermeiden, müssen wir streng darauf halten, daß uns im Anfang eines jeden Monats von jedem Orte die genaue Zahl der Abonnenten mitgeteilt wird. Unterbleibt die Mitteilung, so wird die bis⸗ herige Zahl in Anrechnung gebracht; spätere Reklamationen können nicht berücksichtigt werden. Die Spediteure sollen in den ersten Tagen des Monats die Abonnementsbeträge erheben und bis spätestens am 20. desselben Monats — wo nicht quartalsweise Verrechnung verein⸗ bart ist— an uns abführen. Für die Folge müssen wir, wo dies nicht eingehalten wird, die Zusendung der Zeitung einstellen. Wir bitten dann unsere werten Leser und Genossen, sich sofort an uns zu wenden, sobald die Zeitung ausbleibt.— Wir setzen das Vertrauen in unser Freunde, daß sie, soviel an ihnen liegt, mit zur regelmäßigen Abwickelung der Geschäfte beitragen und ihr Blatt vor Nachteilen bewahren werden. f Mit Parteigruß! Die Expedition der„Mitteld. Sonntags⸗Zeitung.“ Partei- Nachrichten. Wieder ein braver Kämpfer gefallen! Ein alter erprobter Kampfgenosse, der in den schwersten Zeiten des Sozialistengesetzes mit in den vordersten Reihen gestanden hat, ist den Dresdener Genossen durch den Tod entrissen worden. Am 22. Jan. ist nach mehrwöchigem Krankenlager der Gastwirt Gustav Becker in Dresden gestorben. Genosse Becker hat sich große Verdienste um die Partei in Dresden erworben. Seiner aufopfernden Thätigkeit ist mit zu danken, daß die damals noch junge Arbeiterpartei erstarkt und gekräftigt aus den ärgsten Kämpfen hervorging. Ans der Partei ausgeschlossen wurden in Nürnberg die Genossen Herrmann, Eitzinger, Speyerer und auch der Landtagsabg. Scher m, der indessen dem drohenden Aussch lusse zuvorzukommen suchte, indem er aus dem Soz.⸗Dem.⸗Verein austrat und sein Mandat niederlegte. Die Ausgeschlossenen sind über⸗ führt worden, Nachrichten über Parteivorgänge, durch die die Partei kompromittiert wurde, an den„Fränki⸗ schen Kurier“ geliefert zu haben, ein Blatt, das sich seit je durch die schäbigste Bekämpfung unserer Parteigenossen in Nürnberg hervorgethan hat.— Die Streitigkeiten in Nürnberg währen schon jahrelang und haben nun hoffentlich mit dieser Maßregel ihr Ende erreicht.— Es handelt sich hier um Genossen, die Jahrzehnte lang ihre Kräfte in den Dienst der Partei stellten: um so unbegreiflicher und bedauerlicher ist es, daß sie einen derartigen Verrat üben konnten. Das Urteil der Par⸗ telversammlung, die von zirka 1200 Personen besucht war, ist nur gerecht. Die Beschuldigten gaben an, sie hätten im Interesse der Partei zu handeln beabsichtigt. Wieder ein Preßsünder. Genosse Stadtver⸗ ordneter Dr. Quarck in Frankfurt erhielt am Mittwoch von der dortigen Strafkammer zwei Monate Ge⸗ fängnis zudiktiert, wegen„Beleidigung“ des Haupt⸗ manns Abel vom 27. bayr. Inf.⸗Rgt. in Germersheim. Die Notiz, in der die Beleldigung enthalten sein soll, hatte Quarck der„Pfälzischen Post“ entnommen. Sträfliches. Wegen Beleidigung des„alldeutschen“ Abg. Hasse⸗Leipzig wurde der Redakteur der„Leipz. Volksztg.“, Gen. Pollender, zu zwei Monaten Gefängnis verdonnert.— Gegen den verantwortl. Redakteur des„Vorwärts“ ist wegen Veröffentlichung des Erlasses des Staatssekretärs Tirpitz ein Verfahren wegen Hehlerei eröffnet worden. Das geht schon mehr in's Humoristische. Der Vorwärts hat doch nichts „verhehlt“, sondern andere Leute. Versammlungskalender. Samstag, den 8. Februar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“. T.⸗O.: Die Arbeits⸗ losen⸗Unterstützung.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 9. Februar. Bisses. Volks versammlung. T.⸗O.: Der Zoll⸗ tarif. Referent: Beckmann⸗Gießen. Wieseck. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Mit⸗ gliederversammlung bei Ph. Walter. Vollzähliches Erscheinen notwendig. Montag, den 10. Februar. Gießen. Schneiderver band. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orb ig. Briefkasten. Alsfeld und Wetzlar. Nächste Nummer. * — * 2 3 8 — — —— e D CCFFFFFFCCCCCTCCCCCTTTTTTTTTTCTCT—T—— 5—— 55 0 rr rr —— —— 5 e — N 1 8 — r Mitteldentsche Sonuutags⸗Zeitung. Ne. 6. Brüchige Ordnungsstützen. Wenn man sich die Mühe geben wollte, all' die Fälle, wo„Patrioten“ und„angesehene“ Ordnungsleute wegen Betrug, Unterschlagung, oder sonstiger Sünden eingelocht wurden, ge⸗ wissenhaft zu registrieren, man bekäme allwöch⸗ entlich eine recht reichhaltige und ziemlich lange Diste zusammen. Wegen Raummangels mußten wir es uns schon in sehr vielen Fällen versagen, die Namen der Helden, die den Kampf für Thron und Altar und gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie führen, unsern Lesern mitzu⸗ teilen. Wenn aber der Vorsitzende eines „Vereins reichstreuer Männer“ wegen Unterschlagung amtlicher Gelder verhaftet wird, so ist das schon etwas, was uns der Mitteilung wert erscheint. Das Malheur pas⸗ sierte nämlich dem Gemeindekassen⸗Verwalter E. Knisse in Wilmersdorf bei Berlin. Der tapfere Kämpe für Ordnung und Sitte hat in den 20 Jahren seiner Dienstzeit mehr als 20000 Mark unterschlagen. Bei einer unvermuteten Revision stellte sich dieser Fehl⸗ betrag heraus, worauf die Verhaftung erfolgte. — Die früheren Revisionen scheint man nicht 905 besonderer Gründlichkeit vorgenommen zu aben. Ferner kam der„Bankier“ Koch in Berlin in Nr. Sicher. Ihm legt man nicht weniger als 250 Fälle des Betrugs, der Unter⸗ schlagung ꝛc. zur Last. Weiter berichtet das Aachener„Volks⸗ blatt“ über einen Tugendbold von der Pfaffen⸗ partei:„Dieser Tage erschien in einem Ehe⸗ scheidungsprozeß der frühere Herausgeber des „Volksfreund“(das dortige katholische Blatt), Herr Immelen, als Zeuge. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er mit der Frau des auf Scheidung klagenden Ehemannes geschlechtlich verkehrt habe, gab Herr Immelen nach längerem Zögern die Möglichkeit eines solchen Verkehrs zu. Die Beziehungen dieses Zentrumsführers um weiblichen Geschlecht scheinen demnach erart umfangreich zu sein, daß sein Gedächtnis für die einzelnen Fälle nicht ausreicht.“ Tapferer Stadtvater. Ein interessantes Stückchen „Hamb. Echo“ aus Memel. Nachdem dort in einer Sitzung der Stadtverordneten im vorigen Jahre die Errichtung eines Arbeits⸗ amtes beschlossen war, protestirte der Stadt⸗ verordnete Neumann in einer diesjährigen Sitzung gegen die Errichtung eines solchen Amtes. Er sagte, die Arbeiter verdienten so viel im Sommer, daß sie von dem Ueberschuß im Winter anständig leben könnten. Uebrigens sei es bald Frühling und dann habe wieder jeder Arbeit. Der Vorsitzende antwortete dem Herrn, er habe doch selbst für die Errichtung des Arbeitsamtes gestimmt. Der Herr Neu⸗ mann sprach hierauf die klassischen Worte: „Ja, es waren damals so viele Arbeiter im Zuhörerraum, daß ich fürchtete, sie würden mich lynchen, wenn ich dagegen stimmte“.— Wir glauben, auch in unserer Gegend könnte man ohne lange suchen zu müssen, mit einigen Exemplaren derartiger Stadtväter aufwarten. Aus dem frommen Bayern, allwo— besonders auf dem Lande— Gottes— furcht und fromme Sitte herrscht, mußten schon öfters recht böse Geschichten berichtet werden. Neuerlich meldet die Frkftr Ztg: In einem oberbayerischen Orte wollte ein reicher Bauer seine Schwester erdrosseln, wurde aber daran mit knapper Not durch Hinzu⸗ kommende gehindert. Das Opfer war bereits bewußtlos. Ferner hat dieser Tage das nieder⸗ bayerische Schwurgericht einen Bauer, der seine Mutter derart mißhandelte, daß sie starb, zu 15 Jahren Zuchthaus, und einen Dienst⸗ knecht, der mit seiner Bäuerin ein sträfliches Verhältnis unterhalten und deshalb seinen Dienstherrn auf Anstiften der Frau erschossen hatte, zum Tode verurteilt. Vorfälle dieser Art strafen das Gerede gewisser Agrarier von der Verderbtheit der städtischen Bevölkerung und der Sittlichkeit auf dem Lande allerdings Lügen. erzählt das Die Metzeleien von Glagowestschensk. Russische Hunnen wirtschaft in Ostasien. In Nr. 15 der„Neuen Zeit“ wird ein lehrreicher Beitrag zur Geschichte der europäi⸗ schen Hunnenwirtschaft in Ostasten gegeben. Ein Augenzeuge schildert die Metzeleien von Blagowestschensk, der Hauptstadt des Amurgebietes, an der Grenze zwischen Rußland und China am Amur gelegen. Die Bewohner dieser russischen Grenzstadt unterhielten bis zum Ausbruch der chinesischen Wirren die freund⸗ schaftlichsten Beziehungen zu den Bewohnern der auf chinesischer Seite des Amur gelegenen Ortschaft Ssacholian. Nach Ausbruch der Wirren wurden die Chinesen in Blagowestschensk bei dem Kriegsgouverneur Gribsky vorstellig, um die Anfrage zu stellen, ob es nicht geraten sei, daß die in Blagowestschensk zu Tausenden ansässigen Chinesen bei Zeiten das russische Gebiet verlassen sollten. Gribsky ließ den Chinesen mitteilen, daß sie ohne Sorge auf russischem Gebiete verbleiben könnten, da die russische Regierung Niemand erlauben werde, friedliche Ausländer zu belästigen. Als kurze Zeit nachher von den Chinesen eine— übrigens gänzlich erfolglose— Beschießung Blagowest⸗ schensk eröffnet wurde, begannen die Verge⸗ waltigungen der Chinesen. Auf offener Straße wurden sie von den Russen ermordet. Am zweiten Tage nach dem Bombardement stellten Kosaken und Schutz⸗ leute Recherchen über den Aufenthalt der Chinesen an. Sie wurden zu Tausenden gefangen, was mehrere Tage lang dauerte. Was nun folgte, wollen wir den Augenzeugen selbst schildern lassen. Er schreibt: „Ich vermag die Niedergeschlagenheit dieser Unglücklichen nicht zu schildern, als man ihnen erklärte, daß sie zur Polizei gehen müßten. Hastig sammelten sie ihre Sachen, mit unaus⸗ sprechlicher Angst im Gesicht folgten sie den Kosaken. Von ihren Wirten, den Leuten, die ihnen Unterschlupf gewährt hatten, Abschied nehmend, gaben sie ihnen ihr Geld und ihre Sachen zur Aufbewahrung, manchmal auch den Auftrag, irgend eine Schuld zu bezahlen, oder sie stellten ihnen ihr Vermögen zur freien Ver⸗ fügung, Häuser und Kaufläden, voll von allerlei Gut und Waren. Gleichsam das traurige Ende vorausahnend, fragten Einige beim Fortgehen: „uns-kantami?“(wird man uns köpfen?) Sie irrten sich nicht: sie wurden auf die abscheulichste Art ermordet. Nur im Mittelalter, zur Zeit der Inquisition und der Verfolgungen von Ketzern, Juden und Mauren in Spanien wurden derartige grausame Massen⸗ vernichtungen vorgenommen. Einige Werst oberhalb Blagowestschensk, auf dem linken Ufer des Amur, befindet sich eine Niederlassung der Kosaken. Dorthin wurden vor Sonnenaufgang unter Begleitung von Kosaken und Poltzisten etliche Tausend Chinesen, darunter Greise, Gebrechliche, Kranke, Frauen und Kinder getrieben. Wer vor Krankheit oder Müdigkeit nicht gehen konnte, wurde von den Kosaken gleich am Wege niedergestochen. Einer der auf diese Weise Geleiteten, ein Bevollmächtigter der großen chinesischen Firma Li⸗Wa⸗Tschan, weigerte sich, weiter zu gehen, und bat, man solle ihn zum Gouverneur führen, der den chinesischen Vertretern die volle Sicherheit Aller, die auf russischem Gebiete verblieben waren, garantiert habe. Aber zur Antwort auf dieses Ersuchen ermor⸗ deten ihn die Kosaken gleich auf der Straße. Anwesend war dabei der Vize⸗Pristaw(Polizei⸗ kommissar) Schabanoff, der aber mit keinem Worte diese Frevelthat hinderte. Als man die unglücklichen Chinesen bis an das Ufer des Amur herangetrieben, wurde ihnen befohlen, ins Wasser zu gehen. Mittel zur Ueberfahrt nach dem gegenüber liegenden chinesischen Ufer gab es keine; der Fluß ist aber an diesem Orte über einen halben Werst (über fünfhundert Meter) breit und besitzt eine starke Strömung. Man kann sich den Schrecken denken, der die an das Wasser Herangetriebenen erfaßte. Auf die Knie fallend, mit zum Himmel emporgehobenen Händen, oder auch sich bekreu— das Kind wieder hin. zigend, flehten die Unglücklichen, man möge sie nicht auf solche Weise töten; dabei versprachen einige, zum Christentum überzutreten und sich die russische Unterthanenschaft zu erwerben. Aber zur Antwort auf diese Bitten jagten die unbarmherzigen Vollzieher der Befehle der Be⸗ Bajonetten und Säbeln die um Gnade Flehenden in's Wasser; hörden mit Gewehrkolben, Jene aber, die sich niedersetzten oder zögerten, wurden auf der Stelle ermordet. Augenzeugen, die zufällig den Massenersäufungen beiwohnten, die während mehrerer Tage vor Sonnenaufgang stattfanden, erzählten von schrecklichen, herzzer⸗ reißenden Szenen. Es wurde z. B. eine Mandschurenfamilie in's Wasser getrieben: Mann, Frau und zwei kleine Kinder. Jedes der Eltern bindet sich ein Kind auf den Rücken und versucht über den Amur zu schwimmen, aber bald sinken sie Alle zusammen unter. In einer anderen Fa⸗ milie ist ein Kind. Die Mutter fleht ihre Henker und die Uunbeteiligten, die mit anwesend sind, an, sie mögen ihr Kind zu sich nehmen, um es wenigstens am Leben zu erhalten, aber Niemand will ihrer Bitte willfahren. läßt sie das Kind am Ufer und geht selbst in's Wasser. Aber nach einigen Schritten kehrt sie zurück, um das Kind zu holen, und dieses in den Armen tragend, geht sie wieder in den Fluß; doch ste kehrt wieder zurück und legt ihren Schwankungen ein Ende, indem ste Mutter und Kind niederstechen. Was diese unglückliche Mutter empfand, wie überhaupt Alle, die auf diese Weise getötet wurden, kann nur der nicht begreifen, bei dem jedes mensch⸗ liche Gefühl abgestumpft ist. Selbst der eben erwähnte Polizist Schabanoff erzählte, daß er es nicht mehr bis zum Ende dieser Mordszene habe aushalten können. Nur sehr Wenigen, blos einigen der stärksten und geschicktesten Schwimmer aus der ganzen gewaltigen Volksmenge gelang es, wie erzählt wird, beinahe das chinesische Ufer zu erreichen, aber auch von diesen Glücklichen blieb nur eine winzige Zahl am Leben. Als die Kosaken sahen, daß die Schwimmenden nahe daran waren, sich zu retten, schickten sie ihnen gut gezielte Kugeln nach. Es kam vor, daß auch die chinesischen Schützen, die hiuter Gräben auf dem chinesischen Ufer postiert waren, auf die Schwimmenden schassen, sei es, weil sie sie für. Russen hielten oder weil sie überhaupt allen Chinesen feindlich gesinnt waren, die auf russi⸗ schem Gebiet verblieben waren, obwohl, wie Einige behaupten, ihnen lange vor Beginu der Kriegs operationen der Vorschlag gemacht worden war, nach ihrer Heimat zurückzukehren. Als am 17. Juli zum ersten Male große 9 Mengen Leichen sichtbar wurden, die den Amur hinunter schwammen, wurde es gleich allen in Blagowestschensk klar, daß man die fried⸗ lichen unbewaffneten Chinesen und Mandschuren ertränkt habe, die in der Stadt wohnten und denen der Gouverneur selbst den Rat gegeben hatte, nicht nach China zu gehen, indem er ihnen ihre vollständige Sicherheit garantiert hatte. Und kaum zwei Tage nachher hatte General Gribsky treulos sein Versprechen gebrochen, indem er den mündlichen Befehl gab, „die chinesischen Uuterthanen nach China zu expedieren!“ ö Am Schlusse seiner Schilderung dieser Bar⸗ bareien schreibt dann der Augenzeuge: „Wenn irgend Jemand seine Entrüstung wegen der oben geschilderten Grausamkeiten äußerte, so bekam man fast immer folgende Rechtfertigung zu hören:„Lesen Sie doch, welche Grausamkeiten die Deutschen, Franzosen, Engländer in China be⸗ gehen. Wenn so sich zivilisierte Völker be⸗ tragen, was will man da von uns weniger zivilisierten Russen!“ „Ju freien Stunden“ ist die beste Romanlektüre. Die Kosaken machen 9 4 1 9 — fall 115 erte eilige sunche konn „Daum al nal Mr und bor eiligen d Nach nuch Führung seie Sake iir N. Dann ten wir du hatte sein eige irschaft, dar genossen ein u. Dauernschaft; wan konnte, leben. Aber. d der neuen Ze Eunzug gehalt die Jugend l lernen sollte. dazu. Anders sadt. Dort g Vir thaten ut zu finden. 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Was diese „ wie überhaupt tet wurden, kann dem jedes mensch⸗ Selbst der eben erzählte, daß er e dieser Mordszene inigen der stärksten, aus der ganzen 9 e, wie etzählt fer zu erreichen, hen blieb nur eine Als die Kosaken nden nahe daran den sie ihnen gut, m bor, daß auch hiuter Gräben auf d waren, auf die 62, weil sie sie für e übethaupt allen die auf russ⸗ CCöCᷣh age nin ee ain ann folge g, ast in doch, tel W deutsch ö a b in Chin he⸗ . Funde türe. Nr. 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeieung. Seite 7. fähiger erscheinen. „ Unterhaltungs-CTeil. 2 Bankrott. Von F. Schwarz. 2.(Fortsetzung.) Karl Helfingers Stimme brach, und es dauerte einige Minuten, ehe er, ruhig wie zuvor, fortfahren konnte: „Darum also bitte ich Sie, heute noch ein⸗ mal mir und an mich zu glauben. Als ich vor einigen dreißig Jahren als blutjunger Mensch nach dem Tode meines Vaters die Führung seines Handelsgeschäftes mitsamt der Sorge für Mutter und Geschwister übernahm, lebten wir draußen auf dem Lande. Man hatte sein eigenes Haus, sein bischen Acker⸗ wirtschaft, daneben den Getreidehandel. Wir Faule ein unbegrenztes Vertrauen unter der auernschaft; die Bedürfnisse waren nicht groß, man konnte, nach der Väter Art, behaglich leben. Aber die vielen Geschwister! Der Geist der neuen Zeit hatte auch ins Dorf seinen Einzug gehalten. Er verlangte gebieterisch, daß die Jugend lernen, lernen, vor allen Dingen lernen sollte. Daheim war keine Gelegenheit dazu. Anders in der nahegelegeneu Universitäts⸗ stadt. Dort gab's Bildungsanstalten die Fülle. Wir thaten uns um, um billiges Unterkommen zu finden. Ja, wenn es einer gewesen wäre! Es handelte sich aber um drei Jungen und um eine Reihe von Jahren. So bescheidene An⸗ sprüche wir auch hinsichtlich der Behausung und Verpflegung stellten, die dafür verlangte Summe überstieg unsre Kräfte. Wir überlegten. Von der Stadt aus konnten wir unser Geschäft mindestens so gut betreiben, ja die besseren Eisenbahn⸗ Verbindungen, der größere Markt, ließen es noch aussichtsreicher und ausdehnungs⸗ Die Ackerwirtschaft kam nicht in Betracht, dafür sparten wir in der Stadt Knechte und Mägde, und was etwa den Aufenhalt in der Stadt teuer machen konnte, wurde reichlich aufgewogen durch die Ersparnis an Pensionsgeldern. So siedelten wir denn in die Stadt uber. Unsere Berechnungen erwiesen sich als richtig. Das Geschäft gedieh; die alte Kundschaft war uns zum größeren Teil tren geblieben, neue kam hinzu; wir konnten so weit ganz zufrieden sein. Aber was wir nicht vorausgesehen hatten, nicht in dem Grade vorausgesehen hatten: das Leben in der Stadt erwies sich als unverhältnismäßig teuer. Nicht zu reden von der so viel höheren Miete, denn das hatten wir voraus gewußt. Aber daß wir für Haus und Küche alles kaufen mußten und die mannigfachen Kulturellen und gesell⸗ schaftlichen Beduͤrfnisse, die aufsprangen, man wußte selbst nicht wie. Nun die Gelegenheit günstig war, sollten auch die Mädchen etwas Tüchtiges lernen. Allerhand gesellige Beziehungen erwuchsen; es enstanden Verpflichtungen, denen man sich nicht entziehen konnte, schon um seines laufmännischen Kredites willen nicht wie man das Stück Schein nennt, unter dem weite Kreise des kaufmännischen Mittelstandes ihr Leben hinschleppen. Wäre ich reich gewesen, so hätte ich in einer Hütte wohnen können bei Wasser und trockenem Brot. Da ich es nicht war, mußte ich es mindestens scheinen. Das wurde nicht besser, als ich mich verheiratete. Trotz aller Sparsamkeit, allen Einschränkungen da⸗ heim: neue Verpflichtungen, neuer Schein. Die Kinder kamen in rascher Folge. Auch sie kosteten mehr, als es früher auf dem Land der Fall gewesen wäre. ö. Doch das alles ist nicht weiter ungewöhnlich und es würde mich gewiß nicht so weit gebracht haben, wäre nicht ein anderes dazu gekommen. Auch nichts Ungewöhultches, etwas, daß sich jeden Tag vor unseren Augen abspielt, etwas, das wie eine ungeheuerliche, unausweichliche und unheilbare Krankheit unsere Zeit durchseucht. Ich sagte bereits, das ich unser bäuerliches Hinterland in fester Hand hielt. Man ver⸗ traute mir unbedingt; ich begnügte mich mit einem bescheidenen Nutzen und fand für meine gute und darum preiswerte Ware immer Absatz. Da thut sich eines Tages eine neue Firma in unserem Städtchen auf. Erkundigungen be⸗ stätigen meine Furcht: ich hatte es mit der Filiale einer Weltfirma zu thun, die es schon lange wurmen mochte, daß sie das Getreide unserer Gegend nicht von Produzenten selbst kaufen konnte. Meine Befürchtung, daß es auf meinen Untergang abgesehen sei, daß es sich hier um einen Kampf auf Tod und Leben handle, erwiesen sich als nur zu begründet. Als ich die nächsten Abschlüsse mit meinen seit⸗ herigen Lieferanten machen wollte, hörte ich von allen Seiten, daß die Herren X. so viel mehr geboten hätten, als ich. Man habe nicht abgeschlossen, gewiß nicht, da man mir, schon in Anbetracht unserer langjährigen Beziehungen den Vorzug gebe, aber die Preise bewilligen müsse ich auch. Mir blieb keine Wahl. Gab ich nicht nach, so konnte ich gleich mein Bündel schnüren, hielt ich aus, so war es möglich, nein, so war es, wie ich mir einredete, sicher, daß meine Konkurrenten nach einigen Versuchen ihr Geld nicht weiter unnütz verpulvern und mir das Feld räumen würden. Thor, der ich war! Der ich mich auf dem Standpunkt des Kleinen stellte, der das Wenige ängstlich zu wahren bestrebt ist, und nicht bedachte, daß meine Nebenbuhler den Atem länger anhalten konnten als ich, daß sie Tausende und aber Tausende aufwenden konnten, hatten sie doch die Aussicht, am Ende Sieger zu bleiben, oder konnten schlimmstenfalls die Verluste leichter verschmerzen. Zu dieser Einsicht kam ich erst, als es zu spät war, als ich bereits einige Jahre mit Verlust gearbeitet, mein ganzes Vermögen zugesetzt und“, hier sank seine Stimme zu fast unhörbarem Flüstern herab,„schon die Hand an anvertrautes Gut gelegt hatte. Von da an war mein Leben nur noch ein verzweiflungsvoller Kampf gegen die erdrückende Macht des Großkapitals, ein unaufhörliches Ringen gegen das Gespenst der Schande, das neben mir emporwuchs— riesengroß, das mir am Tage die Ruhe und in der Nacht den Schlaf raubte. Den Kampf mit dem Gegner hatte ich längst aufgegeben. Ich machte Geschäfte neben ihm— was er mir übrig ließ — was mir der Zufall in den Schoß warf. Dann suchte ich durch die Höhe des Umsatzes hereinzubringen, was mir an der Höhe des Verdienstes verloren gegangen war; ich hätte es gekonnt— wenn ich Geld gehabt hätte, Geld genug für die großen Käufe und Ver⸗ käufe. So!... Haha! War anfänglich der Nutzen immer geringer geworden, so zer⸗ rann er mir schließlich ganz unter den Fingern. Kam die Not, mußte diese oder jene dringende Verpflichtung erfüllt werden, so verkaufte ich billiger als ich eingekauft hatte. Ich borgte da und dort, bald war es eine Vergeßlichkeit, die mich hatte versäumen lassen, Geld einzu⸗ stecken, bald war ein Schuldner in Rückstand geraten und hatte mich in eine augenblickliche Verlegenheit gebracht. Nach den Geldern, die meine Nerwandten mir anvertrauten, griff ich gierig wie der Verschmachtende nach dem Trunk; ich beredete Freunde, mir ihre Ersparnisse an⸗ zuvertrauen, ich ließ mir Wechsel von allen Geschäftsfreunden geben draußen auf dem Lande. Keiner wußte vom andern, jeder fühlte sich durch das Vertrauen geehrt, daß ich ihn, ger ade ihn vor so viel anderen auszeichnete. So ward ich ein Dieb und ein Betrüger so ward ich ein... Fälscher, als es weiter ging auf diesem Wege.“ Karl Helfinger hatte die letzten Worte nur mit der äußersten Anstrengung hervorgestoßen und hielt nun einen Augenblick inne, bis er sich so weit gefaßt hatte, um fortfahren zu können. (Schluß folgt.) ü i.. iir;LT ́mfvl!lnvnrnnrñr7ßv6ñ;?x! Humoristisches. Ein Wahlwitz. Der„Leipz. Volksztg.“ sendet ein Freund zum Wahlsiege in Döbeln-Roß wein diese hübsche Scherzfrage: Wie heißt der höchste Berg in Sachsen? Grünberg! Denn den kann kein Sachse erklettern und kein Vogel überfliegen.(Sachse und Vogel, die Namen der beiden gegnerischen Kandidaten.) Die Macht des Gewissens. Ein englischer Dekan hatte, wie der„Globe“ erzählt, vor kurzem seinen Regenschirm verloren. Aus triftigen Gründen glaubte er annehmen zu müssen, daß das nützliche Instrument von einem seiner Pfarrkinder, die nicht gerade im Rufe besonderer Ehrlichkeit stehen,„in Gedanken“ mitgenom⸗ men worden sei. Der Geistliche wollte aber unter allen Umständen seinen Regenschirm wieder haben und griff zu dem Mittel der sanften Ueberredung, indem er am folgenden Sonntag eine ergreifende Predigt über das Vertauschen und Mitnehmen von Regenschirmen hielt. „Wenn einer von Euch“— also schloß er mit zu Herzen geher der Stimme—„meinen Regenschirm irrtümlicher⸗ weise mitgenommen haben sollte, so thue er, falls er sich schämt, mir den Schirm öffentlich wiederzubringen, folgendes: er werfe in stiller Nacht den Schirm über die Mauer meines Gartens, und alles wird wieder gut sein!“ Am nächsten Morgen fand der Pfarrer in seinem Garten 46 Regenschirme!— Litterarisches. Krach, Krise und Arbeiterklasse von Gg. Bernhard. Diese 3 Bogen starke Broschüre(Preis 30 Pfg.) kommt jetzt, im unmittelbaren Anschluß an die Not⸗ stands⸗Interpellation im Reichstag und zur Illustra⸗ tion der ablehnenden Haltung der Regierung und bürger⸗ lichen Parteien sehr zeitgemäß. In 7 Hauptkapiteln: Aufschwung— Vorboten der Krisis— Krachs— Lehre der Krachs— Wirkung der Krisis— Praktische Maß⸗ nahmen gegen den Krisen⸗Notstand— Sozialdemokratie und Krisis— erörtert der Verfasser, der selber als Fachmann im Handels- und Börsenleben zu Hause ist, eingehend diese Fragen und durch die kritische Schilde⸗ rung der Bankkrachs und Bankerotte im letzten Sommer bietet die Broschüre zugleich eine Materialien⸗-Sammlung von bleibendem historischem Werte. Die Korruption der Börsenpresse und der enge Zusammenhang der fröm⸗ melnden patriotischen Börsenschwindler mit gewissen Hof⸗ kreisen und der bürgerlichen Ordnungspartei machen die Broschüre besonders zeitgemäß— Zu beziehen durch die Expedition der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung. Die sozialistischen Monatshefte(Berlin W. Lützowstraße 85 A) haben soeben das Februarheft ihres 8. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem In⸗ halt desselben heben wir hervor: Paul Müller: Ge⸗ fährliche Utopisterei.— Sadi Gunter: Bodenreform und Sozialismus.— Dr. Hugo Lindemann(C. Hugo): Krise und Wohnungsverhältnisse.— Charles Loeser: Käthe Kollwitz.— Dr. Eugen Losinsky: Das religiöse Problem im Sozialismus.— Rudolf Lebius: Der amerikanische Zigarettentrust in Dresden. — Fanny Imle: Die Arbeitslosenunterstützung in den deutschen Gewerkschaften.— Rundschau: Politik; von Richard Calwer.— Wirtschaft; von Max Schip⸗ pel.— Sozialistische Bewegung; von Dr. L. Gu m⸗ plowiez.— Gewerkschaftsbewegung; von Heinrich Bürger.— Genossenschaftsbewegung; von Gertrud David.— Soziale Kommunalpolitik; von Dr. Hugo Lindemann(C. Hugo).— Psychologie; von Dr. Ernst Gystro w.— Technik; von Dr. Heinrich Lur. — Als Beigabe bringt das Heft ein charakteristisches Selbstportrait von Käthe Kollwitz.— Der Preis des Heftes beträgt 50 Pfg. 2——— —.——.——ñé Geschichtskalender. 9. Februar. 1789: Gabelsberger, Erfinder der Stenographie, geboren. 10. 1887: Verhängung des kleinen Belagerungs⸗ zustandes über Offenbach. 11. 1901: Musterkönig Milan gestorben.— Stu⸗ dentenunruhen in Kiew. 12. 1867: Das allgemeine Wahlrecht für den norddeutschen Reichstag wird eingeführt.— 1901: An⸗ tireligtöse Demonstrationen in Spanien. 13. 1895: Sächsischer Bergarbeiterverband auf⸗ gelöst. 14. 1889: Kleiner Belagerungszustand über Stettin. 15. 1901: Polizeilommissar Thiel in Berlin wird zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.— 1781: G. E. Lessing gestorben. A ˙»¾—⸗—• r.—————— — Auf Genossen werbt Abonnenten für die „Mitteldeutsehe Sonnt agszeitung“, .. ⁵⅛- Seite 8. P f Marburg. Sonnal end, den 15. Febr., abends 9 Uhr: Oeffentliche Partei-Versammlung im Jesberg'schen Lokal, Wehrdaerweg 2. Tages⸗Ordnung: Vortrag des Genossen Vetters ⸗Gießen; Abrechnung der Kolportage; Märzfeier; 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ver trauensmann. Sr 155 2. 3. Herren- u. Knaben-Anziige Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass 222 Markus Bauer, Giesse Kirchenplatz II gegenüb. d. Stadtkirche, — 8 — S 2 3 3 23 38 1 8 2 W 2 2 5 2 2 2 3 SS D— 8 g 2 8 S 7 5— 8 2 25 S 5 S 5 2— 2 2 55 2 S Ce 5 9 2— 2„Der heutigen Auflage liegt ein Prospekt des bekannten 1 Spezialisten Theod. Konetzky, f in Stein(Aargau, Schweiz) bei.“ Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung. Für agenladende Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch zu heißer oder zu Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebensweise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, schwere schmerzen, zugezogen haben, dessen vorzügliche Magenkrampf, Magen⸗ Verdauung oder Ver⸗ schleimung erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der 5 Hubert Ulrich'sne Kräuter-Wein. sei hiermit ein gutes Hausmtttel empfohlen heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren ö Dieser Kräuter Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig! befundenen Kräutern mit gutem stärkt und belebt des Menschen, gefäßen, reinigt kraufmachenden Htoffen und wirkt 5 bildung gesunden Durch rechtzeitigen Gebrauch des Magenübel meist schon im Keime erstickt. 9 ohne ein 1 1 Kräukerwein beseitigt alle Störungen in den den ganzen erdauungsorganismus Blut- von allen verdorbenen, das Blut lutes. äuter⸗Weines werden Man sollte also Wein bereitet, und Arbführungsmittel zu sein. fördernd auf die Neu- nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp⸗ tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- ungen, Uebelkeit (veralieten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft 8 nach einigen Mal Stuhlverstopfung mit Erbrechen, die bei chronischen Trinken beseitigt. und deren unangenehme Folgen wie: Beklemmung, Kolikschmer- en, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowte Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind besettigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaullchkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch und Gedärmen. einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen ageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 5 Entkräftung sind meist die 5 schlechter Verdaunng, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ 8 haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 8 schlaflosen Nächten, Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. BZahrreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter ⸗ Wein zu haben in Flaschen ist a Mk. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ Linden, Wetzlar, e Braunfels, Butz⸗ bach, Brandoberndorf, G adenbach 8 Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad Nauheim Marbürg usw. usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig Weststrasse 82, Ju, u. mehr Flaschen Kräuterwein zu Ork⸗ ginalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto⸗ u, kistefrei. Vor Nachahmungen wird gewarnt. Man verlange ausdrücklich Hubert Ullrienh'sehen Kräuter-Wein. CCC ͤ Vb Rein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandteile 5 ind Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Rothwein 240,0 . Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 420,0, Fenchel, Anis, Helenen⸗ wurzel, Enzianwurzel, Kalmuswurzel an, 10,0. Weilburg, 5 * Nr. 6. die oft jahrelang in den ver⸗ dh Fällen gelitten, ver⸗ anken ihre jetzige Gesundheit meinem entsprechenden, vorzüg⸗ lichen, mit ganz geringen Un⸗ kosten verbundenen Spezialver⸗ fahren. Genaueste Untersuchunigen. von Urin, Blut, Haare, Aus⸗ wurf ꝛc. werden, wenn nötig, vorgenommen. Versäumen Sie daher nicht, bei allen nur mög⸗ lichen inneren und äußeren Krankheiten, woselbst Sie bis jetzt keine Hülfe gefunden(auch Haarausfall eingeschlossen), vor⸗ erst kurzen Krankenbericht nebst u, 1.50(auch in Briefmarken) einzusenden, wonach sofort nötiger Bericht ꝛc. erstattet wird. Sen⸗ dungen jeder Art bitte zu richten an die Naturheilanstalt„Sauitas““ Würzburg, Huttenstraße 13. n. 8 2 Halz- versteigerungen Montag, 11. Februar. Vormittags 9½ Uhr: im Gießener Stadtwald. Zusammenkunft Grünberger⸗ straße an der 4. Schneise. Brennholz. Vormittags 9 Uhr: im Grüninger Markwald. Zusammenkunft a. d. Kreis⸗ straße Dorf Gill⸗Garbenteich bei Holznummer 4 16. Nutz⸗ und Brennholz. Sc sesesse D. Kaminka Uhrmacher Giessen, Marktplatz 18. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren SSS . Die beste und billig ste RNomanbibliothek ist: In freien 6 Stunden.“ g. qede Woche ein Heft à 10 Pfg. frei ins Haus. Man bestelle bei H. Schneider, Buchhdl., es IESSEN, Sonnenstr. 26. eee Wegs F 2 1 gd Allgemeiner Beachtung empfohlen 3. 4. 5. 6. gemeinverständlichen bieten behandeln, die Ergebnisse des 1 blicke auf das 20. Jahrhundert geben. Bisher sind 12 dieser Hefte erschienen: 1. Culturelle umwälzungen im 19. Jahrhundert. Von Dr. B. Borchardt. 2. 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Ottmanns Druckerei, Gießen. — dle Mittelbau Aus träger ser Nuß de Post! de Enpchltun m —— Heersch am girki Fund der Landt Generalbersam Preßorganen Potden, daß di einer gewaltige schaft“ gegen d und für die slulten werde. alles gethan, 1 Tausende füllt Am Eingange e chätigkeit; P. 1 des Bundes d die dibersen B gepriesen. Von Vegei Püren. Vorf Führer, die so luftraten. Ur Nachterfüllung Pack zu den e Hagten sie die önigstreue, f denut bor der ast feder Red e Soziald Budelorste nit einer lan zunächst erklär dem Bunde der de wel wan nch genügend ei Capribi un shaft fädlich bon dem jezi