dosung U * * . 8 8 8 E * * 7 2 2 2 f * erlocsung last 6 J a 3 7 cbafts- Kombi. 3 f anchancen. 5 N Munen dung nur Mk. 4. gebend: 2 2 * 8 E 8.0 886322 liche N tei⸗ atur nüren, unden, zue Zeit, „ Postillon pedition der lags⸗Zeitung. ache gehen ei icherel S hmeher fasst 30. PFbVCbCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCcCCGCCCCVCCCCCCCCCCCCCCCV 4 Nr. 23. Gießen, Sonntag, den 7. Juni 1902. 9. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse Mitteldeutsche 2 Wedaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uhr 4 9 2 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Bestellungen 2 FJuserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung Bei mindestens die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(PB.⸗3.⸗K. 4940) 33 ¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Schlimme Zeiten. n. Schwer lastet die Krise auf der deutschen Arbeiterschaft. Die Zahl der gänzlich Arbeits⸗ losen ist immer noch erschreckend groß. Und Diejenigen zählen nach Zehntausenden, die bei verkürzter Arbeitszeit zu herabgesetzten Löhnen arbeiten müssen. Die in verflossenem Winter von den Arhbeiterorganisationen verschiedener deutscher Städte vorgenommenen Arbeitslosen⸗ zählungen haben wahrhaft traurige Bilder des Elends und der Not bloßgelegt. Reich und Staaten haben gar nichts zur Milderung des Notstandes gethan; von den Gemeinden nur wenige durchaus Ungenügendes. Ja, wenn es sich um„notleidende“ Agrarier gehandelt hätte! Aber so kamen und kommen ja nur arme Teufel von Arbeitern in Frage; die mögen sehen, wie sie fertig werden. Und im allerschlimmsten Falle ist ja die Armenpflege da. Zwar müssen bei dieser die Proletarier die kärglichen Unterstützungen mit ihren wenigen politischen Rechten zahlen, aber billiger thun es die Geldsacksritter nicht und— der Hunger thut weh. Schlimme Zeiten liegen hinter uns, schlim⸗ mere stehen uns aber zunächst bevor. Anstatt hilfreich einzugreifen, um den Arbeitslosen Brot zu verschaffen, hat die Reichsregierung in Ge⸗ meinschaft mit den Vertretern der„notleidenden“ Schlot⸗ und Krautjunker Pläne geschmiedet, wie man den Armen und Aermsten zu Gunsten Wohlhabender Brot, Fleisch und Kleidung noch mehr verteuern kann! Wenn es wahr ist, daß die Not denken lehrt, dann muß es in den letzten Monaten Zehntausenden, die bisher den lieben Gott einen guten Mann sein ließen und den Kuckuck sich um Politik kümmerten, wie Schuppen von den Augen gefallen sein. Mau stelle sich doch vor: Zehntausende hungern— und die Regierung plant eine weitere Brotverteuerung. Zehntau⸗ sende laufen in defekter Kleidung und zerrissenem Schuhwerk einher— und die Regierung plant neue Woll⸗ und Lederzölle. Zehntausende sehnen sich nach Arbeitsgelegenheit— und die Regie⸗ rung brüsktert das Ausland, das uns jährlich für viele Millionen unserer Industrieerzeugnisse abkaufte. Mit anderen Worten: der Verwaltungs⸗ ausschuß der besitzenden Klassen— etwas anderes sind die Regierungen heutzutage nicht— hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, den Notstand noch zu verschärfen. Schlimmer ist in Deutsch⸗ land niemals zum Klassenhaß aufgereizt worden, als durch die Vorlage des Wucherzolltarifs. Das sieht selbst der Beschränkteste ein, daß man durch künstliche Brot⸗ und Fleischverteuerung dem Arbeiter nicht zu Hilfe kommt, dessen Kinder nach Brot schreien. Und Arbeit wird dem Arbeitslosen auch nicht dadurch verschafft, daß man den bisherigen Käufern unserer In⸗ dustrieprodukte die Thüre weist. Was in den letzten Jahren dem deutschen Volke zugemutet wurde, das ist geradezu un⸗ erhört. Aber ist denn das etwa das Richtige, sich nur auf die Abwehr zu beschränken und nur dann die Stimme zu erheben, wenn die Hand zum neuen Attentat gegen Volksfreiheit Und Volkswohlfahrt erhoben wird? Nein und tausendmal Nein! Wie konnte es denn überhaupt die Regierung wagen, dem Volke eine Umsturzvorlage, eine Zuchthausvorlage, eine Lex Heinze zuzumuten? Woher nahmen sie den Mut, von dem ausge⸗ powerten Volke eine Milliarde für Kriegsschiffe zu fordern? Wer stand hinter der Regierung, als sie die Grenze sperrte, damit dem deutschen Arbeiter kein Stück billigen Fleisches auf den Tisch kam? Wer hinter ihr stand? Die Mehrheit der Volksvertretung! Es ist traurig, aber wahr: die Mehrheit. Und diese Mehrheit kam bisher immer zu Stande, weil weite Schichten des arbeitenden Volkes in geradezu sträflicher Gleichgültigkeit dahin lebten. Die Zahl Derjenigen, die sich nur dann regen, wenn ihnen das Feuer bereits auf den Nägeln brennt, geht in die Hunderttausende. So lange es ihnen leidlich geht, spielen sie Karten, kanne⸗ gießern über den Burenkrieg und schimpfen auf die Engländer. Und wenn dann die Krise ein⸗ setzt, wenn die Arbeitsgelegenheit immer schlechter und die Löhne niedriger werden, dann machen sie lange Gesichter.„Wie mag das nur so urplötzlich gekommen sein?“ fragen sie sich dann wohl.„Gewiß sind da die verdammten Eng⸗ länder schuld, wenn's nicht gar die Juden waren!“ Der Gedanke kommt ihnen gar nicht, daß sie selbst die größte Schuld an den Zu⸗ en tragen, unter denen wir alle zu leiden aben. Die Krisen zwar, die das anscheinend so feste Gefüge unserer kapitalistischen Gesellschafts⸗ ordnung periodisch bis in die Grundvesten er⸗ schüttern, können nicht von heute auf morgen beseitigt werden; sie sind Begleiterscheinungen des Kapitalismus und werden erst mit diesem fallen. Aber wie viel Schlimmes hätte immerhin verhütet, wie viel Gutes längst erzwungen werden können, wenn das arbeitende Volk in den Parlamenten die Vertretung gehabt hätte, die ihm zukommt. Jetzt hat das verhält⸗ nismäßig kleine Häuflein der besitzenden Klassen im Reichstag eine gewaltige Mehr⸗ heit, die vielen Millionen des werkthätigen Volkes in Stadt und Land sind durch eine winzige Minderheit vertreten. Wie im Reichs⸗ tag, so in den Landtagen. Man werfe doch einen Blick in die Zweite hessische Kammer! Unter 50 Abgeordneten sage und schreibe 6 Sozialdemokraten! Wenn auch bei uns in Hessen infolge des indirekten Wahlsystems und anderer chikanöser Wahlbestimmungen der eigentliche Volkswille gar nicht unverfälscht bei den Wahlen zum Ausdruck kommen kann, so müßten trotz alledem schon ganz andere Wahlresultate erzielt worden sein. Es ist die höchste Zeit, die Indifferenten aufzurütteln. Man muß ihnen zunächst die Zipfelmütze von den Ohren ziehen, damit sie hören können, wenn wir ihnen sagen, daß sie die Hauptverantwortung tragen für die schlimmen Zeiten, über die alle klagen. Angenehm ist diese Aufgabe nicht, daß weiß jeder unserer Leser, der es mit seinen Parteipflichten ernst genommen und den sozialistischen Ideen in immer weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen suchte. Aber mit neuen Kräften, mit neuer Arbeitslust muß an die Arbeit gegangen werden. Es stehen Wahlen zum Hesstschen [Landtag und binnen Jahresfrist auch Wahlen 1 ö zum Deutschen Reichstag bevor. Soll so weiter gewirtschaftet werden, wie seither? Wollen wir uns den Leibriemen immer enger schnallen lassen, damit die„notleidenden“ Grafen und Barone noch besser leben können, als seither? Damit ununterbrochen weiter Kriegsschiffe gebaut werden können, weil unsere Zukunft angeblich auf dem Wasser liegt? Wollen wir weiter Kanonen gießen lassen, damit jeden Augenblick der innere Feind, die hungrige„Kanaille“, die nach Brot und Arbeit schreit, niederkartätscht werden kann? Wer sich über die schlimmen Zeiten beklagt, hat die ernste Pflicht, mit zu arbeiten, um bessere Zeiten zu erkämpfen. Das muß den bisher Indifferenten begreiflich gemacht werden. Ebenso wenig, wie die schlimmen Zeiten „von selbst“ kamen, oder uns vom lieben Gott bescheert worden sind, kommen bessere Zeiten von selbst. Ein nützlicher Mitkämpfer für eine bessere Zukunft kann aber nur der sein, der sich klar ist über das, was ist, und das, was werden soll. Deshalb muß es unsere nächste Aufgabe sein, unsere Presse in immer weitere Kreise zu bringen. Sie ist unser bestes Rüstzeug; sie rüttelt die Schläfer auf und unterrichtet den Erwachenden; sie lehrt den Jungen die Waffen gegen die Reaktion führen und feuert die Alten immer wieder von Neuem an, wenn die Kräfte zu erlahmen drohen. An's Werk, Genossen! Wir sind die letzten, die Zeit hätten, müde zu sein. Die Organisation ist fest gefügt; nun ist nichts wichtiger, als die Verbreitung der sozialdemokratischen Presse. In keinem Arbeiterheim in Oberhessen und den Kreisen Wetzlar, Marburg ꝛc. darf unser Blatt, die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ fehlen! Alle sollen und müssen vernehmen, was wir wollen, alle, die unter der schänd⸗ lichen Mißwirtschaft zu leiden haben, sollen unsere Mitkämpfer werden, unsere Mitkämpfer für bessere Zeiten! Friede in Südafrika. Endlich hat die Schlächterei in Südafrika, die eine Schande für die gesamte Kulturwelt bedeutete, ihr Ende erreicht. Am Sonntag traf in London die Nachricht ein, daß die Friedensbedingungen beiderseitig unterzeich⸗ net worden seien. Jeder menschlich Denkende wird aufatmen, daß das massenmörderische Treiben nun aufgehört hat. Beutegierige Kapitalisten haben die Brandfackel des Krieges niedriger materieller Interessen wegen entzündet und die jahrelangen Kämpfe erforderten uner⸗ meßliche Opfer an Menschenleben und Gütern. Hoffentlich haben die ungeheueren Verluste, die dieser Krieg gebracht, wenigstens das eine Gute, daß die„Diplomaten“ künftig mit etwas weniger Leichtfertigkeit mit dem Feuer spielen. Den Buren hat der Krieg ihre Unabhängigkeit gekostet. Trotzdem stehen sie nicht als Besiegte da. Sie haben viel verloren, aber sie können stolz erhobenen Hauptes die Waffen übergeben, sie haben rühmlichst gekämpft. Sie hielten aus, als alle Hoffnung erloschen schien, sie haben jahrelang im Heimatlande das Leben des un⸗ steten Flüchtlings geführt, und haben nicht nachgegeben und dem stolzen Feinde mehr als FEAEAUPVPVPp — 3 1 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. Nr. 23. einmal gezeigt, daß die„Räuberbanden“, wie Chamberlain sie nannte, noch immer furchtbare Gegner waren. Sie haben nicht nachgegeben, als ihre Frauen und Kinder in den Konzen⸗ trationslagern starben; sie haben der Welt ein ergreifendes Beispiel von Opfermut und Stand⸗ haftigkeit gegeben. Niemand darf sie schelten, wenn sie endlich müde geworden sind und das nutzlos gewordene Blutvergießen beenden, selbst um den hohen Preis der Unabhängigkeit. Die Ursache des Krieges, der nun fast 2½ Jahre lang die Welt in Spannung gehalten hat, lag in dem Bestreben der Engländer, die beiden Republiken, deren Grund und Boden unermeßliche Schätze birgt, in ihre Hand zu bekommen. England behauptete, daß die Kou⸗ vention mit der südafrikanischen Republik vom Jahre 1881, welche in ihrer Einleitung die Bestimmung enthielt, daß England die Suze⸗ ränität(Oberhoheit) über Transvaal zustehe, durch die neue Konvention von 1884 nur in einigen Artikeln abgeändert sei, ohne daß die Hauptfrage, die der Suzeränität dadurch berührt werde, während Transvaal behauptete, durch diese neue Konvention von der Suzeränität frei geworden zu sein. England behauptete somit, im Recht zu sein, wenn es sich in die Streitig⸗ keiten der Uitlanders mit der Republik Trans⸗ vaal einmischte, Transvaal kam um des lieben Friedens willen diesem Wunsche bis zu einer bestimmten Grenze entgegen, wollte sich diese Einmischung aber nicht weiter gefallen lassen, als klar wurde, daß England durch stetes Hinaufschrauben seiner Forderungen den Kriegs⸗ fall schaffen wollte und seine Streitkräfte in Südafrika verstärkte. Die Buren stellten den Engländern daher am 9. Oktober das Ultimatum, alle Streitpunkte durch ein Schiedsgericht zu erledigen und alle seit dem 1. Juni in Süd⸗ afrika gelandeten britischen Truppen zurückzu⸗ ziehen. England lehnte jede Erörterung dieser Forderungen ab, und damit war der Krieg erklärt.— Zuerst war den Buren das Kriegsglück günstig. Sie errangen einen glänzenden Sieg nach dem anderen. Angeblich hatten sie 36000 Krieger im Felde, denen die Engländer nur 30000 gegenüberstellen konnten. Am 11. Okt. überschritten die Transvaalburen, denen sich die Oranjeburen, dem Bündnis gemäß, anschlossen, und am nächsten Tage die letzteren die Grenzen der beiden Republiken, schnitten zunächst Kim⸗ berley und Mafeking von der Verbindung mit Kapstadt ab und besetzten die nach Natal hin⸗ einführenden Gebirgspässe. Der erste Sieg wurde von den Buren bei Glencoe über General Symons erstritten. Die Trümmer des engli⸗ schen Heeres flüchteten nach Ladysmith. Trotz eines britischen Erfolges bei Elandslaagte am 21. Oktober, bei dem das deutsche Burenhilfs⸗ korps vernichtet und sein Oberst Schiel gefangen genommen wurde, konnte General White die Einschließung von Ladysmith nicht hindern. General Buller, der im Oktober 1899 in Kapstadt landete, versuchte vergeblich Ladysmith zu entsetzen; er erlitt bei Colenso eine furcht⸗ bare Niederlage. Dann wurden Lord Roberts und Lord Kitchener nach Südafrika geschickt, die am 10. Januar in Kapstadt eintrafen. Roberts gelang es durch eine veränderte Kampfes⸗ weise und nachdem die Engländer bedeutende Verstärkungen erhalten, die Buren zurückzu⸗ drängen. Cronje mußte sich nach dreitägigem Kampfe am 27. Febr. mit 4300 Mann am Paardeberg ergeben. Kimberley war schon vefreit, die nächste Folge war auch das Auf— geben der Belagerung von Ladysmith, und General Roberts besetzte am 13. März Bloem— fontein, ohne auf Widerstand zu stoßen. Frie⸗ densanerbietungen beider Republiken, von Hol— land unterstützt, wurden von England schroff abgelehnt. An die Stelle des inzwischen ge⸗ storbenen Höchstkommandierenden der Buren, Joubert, war Louis Botha getreten, dem vor⸗ nehmlich die Generale Dewet und Delarey zur Seite standen. Große Erfolge im offenen Felde waren allerdings den Buren jetzt nicht mehr möglich, da zahlreiche wankelmütige Buren den Engländern den Treueid leisteten. Roberts sprach am 28. Mai 1900 die Annexion der beiden Republiken aus, nachdem er am Tage vorher den Vaal überschritten hatte. Am 31. Mai fiel Johan nisburg, am 5. Juni auch Pretoria in die Hände der Engländer. Roberts übergab den Oberbefehl an Kitchener und ver⸗ ließ am 11. Dezember Südafrika. Was er gethan, faßte er in die Worte zusammen:„Vom Burenheer ist nichts mehr übrig als' marodie⸗ rende Banden!“ Damit hatte er sich allerdings bitter getäuscht, denn die jetzt zum äußersten getriebenen Buren, die nichts mehr zu verteidigen hatten als ihre Ehre, rafften sich in heroischer Weise auf und gewannen zwar nicht in großen Schlachten, aber in einem für Engländer höchst unbequemen Guerillakrieg wieder Schritt für Schritt an Boden. Dewet und Delarey, die beiden tapfersten und wohl auch fähigsten Generale der Buren brachten den Briten zahlreiche Schlappen bei, deren niederschlagende Wirkung auf die Eng⸗ länder noch durch den Ausbruch der Pest ver⸗ stärkt wurden, unter der die Engländer schwer zu leiden hatten. Wäre die von den Buren erwartete allgemeine Erhebung der Kap⸗ holländer eingetreten, so wären sicher die Eng⸗ länder ganz und gar aus Südafrika vertrieben worden. Der jahrelange, mit ungeheuren Opfern und ohne nennenswerte Erfolge geführte Kampf machte endlich die Engländer mürbe und sie zeigten sich den vor nicht langer Zeit unter⸗ nommenen Vermittelungsversuchen Hollands gegenüber nicht mehr so abgeneigt als früher. Die Gefangennahme Lord Methuens durch Delarey und sonstige Mißerfolge, machte den Frieden für die Engländer nur noch wünscheus⸗ werter. Am 14. April war dann im Beisein Kitcheners und Milners die erste Verhandlung sämtlicher Burenführer in Pretoria. Die For⸗ derung der Unabhängigkeit mußten die Buren fallen lassen, sonst zeigten sich die Engländer aber durchaus entgegenkommend, namentlich auch in der Frage der Amnestierung der Auf⸗ ständischen. Die Generale legten die Bedin⸗ gungen ihren Kommandos vor, worauf am 15. Mai eine Versammlung von 160 Buren⸗ delegierten in Vereeniging zusammentrat, um die Verhandlungen mit den Engländern zu führen. Der endgiltige Friede war das Resultat. ** Was die Friedensbedingungen be⸗ trifft, so wurde bereits bemerkt, daß die Buren ihrer Unabhängigkeit entsagen mußten. Ferner müssen sie sich verpflichten, sofort die Waffen niederzulegen und sämtliche Waffen und. Munition übergeben. Alle Burghers im Felde außerhalb der Grenzen Transvaals und der Oranjekolonie und alle Kriegsgefangenen, die jetzt außerhalb Südafrikas sich befinden und Burghers sind, werden, sobald sie ihre An⸗ nahme der Stellung als Unterthanen König Eduards erklärt haben, zurückgebracht. Ueber die politische Verwaltung der früheren Re⸗ publiken haben sich die beiden Kriegsführer dahin verständigt, daß England nach drei Jahren in beiden Burenstaaten eine autonome (selbständige)y Regierung einführen wird. Außerdem verpflichtet sich England, die nieder gebrannten Farmen auf eigene Kosten wieder aufzubauen. In England und besonders in London ist man vor Freude über den Friedensschluß ganz außer Rand und Band. In den Straßen Londons hatten sich ungeheure Menschenmassen versammelt, die mit allen möglichen Instru⸗ menten einen ungeheuren Lärm machten.— Auch in den Konzentrationslagern gaben die dort Untergebrachten ihrer Freude bei Ein⸗ treffen der Friedensbotschaft lebhaften Ausdruck. — Dagegen hüllen sich die Burendelegierten in Holland, sowie Krüger und seine Umgebung in tiefes Schweigen. 22 Politische Rundschau. Gießen, den 5. Juni. Der Reichstag nahm am Dienstag seine Sitzungen wieder auf. Vor Eintritt in die Tagesordnung wies Prä⸗ sident Graf Ballestrem auf das furchtbare Unglück von Martinique hin, anläßlich dessen er der eoleu französischen Nalion die Teilnahme des Reichstages ausdrückte. Durch Erheben von den Sitzen erklärte sich dieser mit den Worten des Präsidenten einverstanden.— Dann kam man zur dritten Lesung 59 Brannt⸗ weinsteuer. Hierbei, wie auch bei der Zuckersteuer, die noch in der Kommission beraten wird, sind die Agrarier sehr stark interessiert, deshalb waren ste fast alle anwesend. Durch die bis⸗ herigen für diese beiden Artikel geltenden, sehr komplizierten Steuergesetze haben die junker⸗ lichen Schnapsbrenner und Zuckerbarone viele Millionen an Liebesgaben alljährlich eingeheimst und sie möchten sich natürlich diesen Raub auch noch weiter sichern. Sie setzen daher einer besseren Regelung der Branntweinsteuer, ebenso der Beseitigung der Zuckerausfuhrprämien, wie sie bei der Bruüsseler Zuckerkonvention zwischen den verschiedenen Staaten vereinbart wurde, offenen und versteckten Widerstand entgegen. Dabei finden sie natürlich die Regierung zum Teil auf ihrer Seite. Unser Genosse Wurm wies in der Dienstags-Debatte auf die unge⸗ heuere Belastung hin, die den armen Bevölke⸗ rungsschichten durch die Liebesgabenpolitik auf⸗ gehalst wird und forderte die Aufhebung der Verbrauchssteuer. Den Schwindel, daß die höhere Besteuerung des Branntweins die Trunk⸗ sucht einschränke, zeigte er in seiner ganzen Nacktheit. Der Finanzmi t ister v. Rheinbaben fand es angemessen, die Liebesgabenpolitik zu verteidigen.— Die agrarische Mehrheit lehnte natürlich den Antrag auf Beseitigung der Ver⸗ brauchsabgabe auf Branntwein ab. Ein agrarischer Vorstoß. Die Junker im preußischen Dreiklassenhause machten am Montag den Versuch, noch höhere Zölle von der Regierung herauszupressen, indem sie einen Antrag stellten, der die ver⸗ bündeten Regierungen ersucht, den Beschlüssen der Zollkommisston zuzustimmen. Graf v. Bülow kniff aber aus, er verließ samt den Ministern den Saal, anstatt die Junkerfrechheit gebührend zu brandmarken. Darüber thaten zwar die Agrarier äußerst erbost, aber die Komödie wird keinem Meuschen über die Brotwucherer⸗Freund⸗ schaft der Reichsregierung hinwegtäuschen. Mit der Gleichheit des Reichstags⸗ wahlrechts sieht es höchst bedenklich aus. Bei der heutigen Einteilung der Wahlkreise wird ganz zwei⸗ fellos die städtische Bevölkerung und mit ihr natürlich die Mehrheit der Arbeiterklasse empfindlich benachteiligt. Seit Bestehen des Reichstages haben wir die noch jetzt geltende Wahlkreiseintetlung. Auf je 100000 Einwohner soll ein Abgeordneter entfallen. Damals(1870) hatte Deutschland 39 Millionen Einwohner, jetzt sind es 57. Wir müßten demnach etwa 570 Abgeordnete statt nur 397 haben. Bei⸗ spielsweise hat der kleinste Wahlkreis Scha um⸗ burg⸗Lippe etwa 43000 Einwohner, Ber⸗ lin VI etwa 650000 Einwohner. Ein Staatsbürger in Berlin VI hat nur ½5 soviel politisches Recht als ein solcher in Schaumburg⸗ Lippe. Die Kreise Herzogtum Lauenburg mit etwa 55500 Einwohnern und Teltow⸗ Charlottenburg mit 600000 Einwohnern, die beide zu demselben preußischen Staate ge⸗ hören, wählen je einen Abgeordneten. In etwa 100 Wahlkreisen ist die Zahl der Abge⸗ ordneten zu gering im Vergleiche zu der Ein⸗ wohnerzahl. Die Stadt Berlin wählt jetzt 6 Abgeordnete, während es 19 sein sollten. Hamburg wählt 3 und sollte 7 haben. Bochum-Gelsenkirchen wählt 1 Abge⸗ ordneten, es sollte 8 haben. München wählt 2, es sollte 5 haben. In dieser Weise geht es fort. Die großen Städte und Industrie⸗ gebiete sind in ganz unverantwortlicher Weise benachteiligt, gerade die Gebiete, die für die Versorgung der wachsenden Volksmenge das meiste thun, die die meisten Steuern aufbringen. Eine Neueinteilung der Wahlkreise ist einfach eine Pflicht der Gerechtigkeit. Dabet braucht man nicht die Zahl der Abgeordneten zu ver⸗ mehren, sondern nur die Wahlkreise nach der Einwohnerzahl gleichmäßig abzugrenzen. Dem 1 ä——— — deut Gru dite scprämten, wie aon zwisgen inbart wurde and entgegen. kerung zum schosse Wurm auf die unge, Amen Bebölke⸗ enpolilit auf Aufhebung der kel, daß die us die Trunk⸗ seiner ganzen b. Rheinbaben gabenpolttik zu lehthett lehnte gung der Ver⸗ ab. rstoß. dreiklassenhause „noch höhere serauszupressen, , der die ber⸗ den Beschlüssen Graf b. Bülow den Ministern heit gebührend aten zwar die Komödie wird scherer⸗Freund⸗ gtäuschen. Reichstags e. der heutigen pund ganz ue und mit ihr rbeiterklasse Seit Bestehen 0 ig gelede 0000 Cuuwohne Damals(1800 1 Einwohue, 2 Nr. 23. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. stemmen sich jedoch die Parteien entgegen, die von dem heutigen Zustande ihren Vorteil haben und das sind vorwiegend die agrarischen. Antisemiten und Wahlrecht. Daß die Antisemiten durchaus keine Freunde eines gerechten Wahlrechts sind, beweist eine Aeußerung der Dresdener„Bürgerztg.“, das ist das Blatt des Antisemiten Hartwig, früheren Reichstagsabg. für Dresden. Das Hausbesitzerblatt schreibt in einer Betrachtung über den sächsischen Dreiklassenlandtag: „Die gewaltsame Ausschließung der Sozialdemokratie durch das Dreiklassen⸗ Wahlgesetz, das ja vielen ehrenwerten Staats— bürgern eine Schmälerung ihrer Rechte brachte und bringen mußte, war daher unter den obwaltenden Umständen eine unabweisbare politische und auch sittliche Not⸗ wendigkeit.“ Von dem Blödsinn, der in diesen Worten liegt, ganz abgesehen, dokumentiert damit der Anti⸗ semiterich wiederum seine volksfeindliche, ur⸗ reaktionäre Gesinnung. Uebrigens nehmen die 1 9 1 Antisemiten zur Landtagswahl⸗ eform eine ähnliche Stellung ein. Auch hier suchen sie den keineswegs idealen Regierungs- entwurf noch zu verschlechtern. Und das nennt sich„Reform“⸗ und„Volks“partei! Ueber den Generalstreik als politisches Kampfmittel sprach neulich Genosse Bernstein in einer Berliner Versammlung. Er wies hin auf die Erfahrungen, die man mit der Anwendung des Massenstreiks in Belgien und Schweden gemacht habe und zog auch das preußische Lan dtags⸗Wahlrecht in den Bereich seiner Betrachtungen. Er meinte, daß auch in Preußen die Wahlrechtsfrage brennend sei. Bei den Landtagswahlen solle der Versuch gemacht werden, trotz des raffinirten Dreiklassen— Wahlsystens in den preußischen Landtag, was äußerst wichtig sei, Vertreter der eutrechteten Arbeiterklasse hineinzubringen. Dies die Ar⸗ beiterklasse ganz ausschließende System werde nur durchbrochen werden können kraft eines Bündnisses mit der uns zunächststehenden bürgerlichen radikalen Partei. Bei der Unzu⸗ verlässigkeit unserer Liberalen wäre indessen das Ergebnis zweifelhaft. Da habe sich denn die Sozialdemokratie in Preußen ernstlich die Frage vorzulegen: Ueber welche anderen Mittel verfügt die Arbeiterklasse, in Preußen ihren Willen so energisch geltend zu machen, daß die herrschenden Parteien veranlaßt würden, eine Reform dieses elendesten aller Wahlsysteme auf die Tagesordnung zu bringen? Welche Macht haben wir, die wir uns für so groß halten, daß wir über die Parteien anderer Länder zu Gericht sitzen, unseren Willen durchzusetzen? Und wie verhalten wir uns, wenn man uns das Reichstag⸗Wahlrecht nehmen will? Die deutsche Sozialdemokratie habe also keinen Grund, den politischen Massenstreik zu diskre⸗ ditiren, sondern allen Grund, seine Strategie zu studiren. Bis zum nächsten Jahre, wo der Landtag auf fünf Jahre zu wählen sei, müßten wir uns sorgsam überlegen, was die Arbeiter- schaft Preußens thun könne, um gegen das bestehende Wahlsystem mit Energie— energischer als bisher durch Versammlungsreden— und mit Aussicht auf Erfolg zu demonstrieren. Flinte und Säbel gegen die Arbeiter! Zu blutigen Auftritten ist es am Montag — in Lemberg(Galizien) gekommen. Streikende Bauarbeiter zogen zu einer friedlichen De— monstration auf den Hauptplatz, von wo sie durch Polizei und Husaren unter Anwendung von Säbel und Flinte vertrieben wurden. Es sind etwa 30 Personen durch Säbelhiebe und Gewehrkugeln verwundet worden, darunter mehrere lebensgefährlich. Auf Seiten des Mili⸗ tärs sollen mehrere Soldaten durch Steinwürfe leichter verletzt worden sein. Außerdem haben zahlreiche Kinder durch die Kavallerie⸗Attacke Verletzungen davongetragen.— Gegen die armen Teufel von Arbeitern, die sich eine menschenwürdige Existenz erkämpfen wollen, weiß die österreichische Regierung sofort mit den brutalsten Gewaltmitteln vorzugehen, sonst zeigt sie auf allen Gebieten bemitleidenswerte Unfähigkeit. Unser Genosse Daszynski brachte noch am gleichen Tage die Vorfälle im Reichs⸗ rate zur Sprache und verlangte Aufklärung von der Regierung, die er heftig angriff. Mit dem Vorkehren der Bajonette und der Schießerei auf das Volk müsse es endlich ein Ende nehmen, sagte er. Und weiter: Dieselbe Armee, die tapfer vor jedem Feinde geflohen ist, hat un⸗ verschämterweise ihre Flinten gegen die Brust des eigenen Volkes gerichtet. Dafür wurde er zwar zur Ordnung gerufen, was aber die Richtigkeit seiner Worte durchaus nicht ab⸗ schwächt. Der Ministerpräsident Körber redete sich damit heraus, daß die näheren Umstände nicht bekannt wären; die zuständigen Behörden gingen mit Vorsicht vor.— Eine nette„Vor— sicht“ das! Die neugewählte französische Depu⸗ tiertenk mmer trat am Sonntag zu ihrer ersten Sitzung zu— sammen. Fast alle Deputierten waren anwesend. Es wurde die Präsidentenwahl vorge— nommen, bei der der Radikale Léon Bour⸗ geois mit 303 Stimmen gewählt wurde. Auch bei der Wahl der beiden Vizepräsidenten siegten die Radikalen. Das Ergebnis hat gezeigt, daß die entschiedenen Republikaner sich in der Mehr⸗ heit befinden und ist bei der Bildung des neuen Ministeriums von entscheidendem Einfluß. Hessisches. Hessischer Landtag. Die Zweite Kammer trat am Freitag wieder zusammen. Erster Verhandlungsgegen⸗ stand war die Anfrage des Abg. Schmitt betreffend die Erweiterung der Stadt Kastel. Der Fragesteller bespricht in ein⸗ gehender Weise die mißlichen Zustände in Kastel und auf dem Bahnhof daselbst. Nachdem der Staatsminister Rothe Abhülfe zugesagt, schil⸗ dert Abg. Haas⸗Mainz(Soz.) in drastischer Weise die schlimmen Verhältnisse in Kastel. Keine Stadt in Deutschland sei in sanitärer Hinsicht so zurückgesetzt, wie Kastel. Der von der preußischen Regierung geforderte Preis für Erwerbung von Festungsgebäude sei so hoch, daß er fast an Bodenwucher grenze. Die Re⸗ gierung habe die Pflicht, die Entfestigungsfrage von Kastel endlich einmal zu lösen. Die ab⸗ gegebenen Erklärungen seien ohne jeden Gehalt und Nutzen für die Bewohner Kastels.— Die Beratung wird hierauf geschlossen und die Vor⸗ stellung der Bewohner Kastels in gleichem Betreff für erledigt erklärt. Ohne Debatte werden genehmigt die Regie⸗ rungsvorlage zur Erbauung eines Justizgebäudes, Provinzialarresthauses und Gymnasiums in Mainz und Aehnliches. Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen kam es am Samstag zu einer Debatte über das Notariatsgesetz. Einer der vielen Anträge Köhlers(Langsdorf) will die Strei⸗ chung des Artikels 41, Abs. 2 und Artikel 43, Abs. 2 des Gesetzes über den Urkundenstempel vom 12. August 1899. Dabei kommt es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Justizminister und den agrarisch-antisemitischen Abgeordneten über den Wert des Notartats. Die Abgg. Baer, Köhler⸗Langsdorf und Weidner wenden sich gegen das Notariat und den die Bevölkerung allzu schwer belastenden Urkunden⸗ stempel, während der Justizminister wieder⸗ holt erklärt, daß es nicht wahr sei, daß die Landbevölkerung, um die es sich hier ja wohl in erster Beziehung bei den Beschwerden dieser Abgeordneten handle, durch Stempel besonders schwer belastet sei. Der Antrag der Abgeordneten Köhler und Genossen wird schließlich abge— lehnt. Dann wird nach längerer Debatte der Ausschußantrag zu Artikel 88 des Gesetzes vom 17. Juni 1899, die Ausführung des bürgerlichen Gesetzbuches betreffend, einstimmig angenommen, der dahin geht, daß Bäume und Sträucher eines Grundstückes, das zur Zeit des Erlasses des hessischen Gesetzes vom 23. Januar 1861 mit Wald bestanden war, ihre überragenden Zweige behalten dürfen, wenn sich dieselben 3,75 Meter über dem Boden befinden, jedoch nur bis zur nächsten Verjüngung des Waldes.— 1 Am Dienstag, bis zu welchem Tage sich das Haus vertagt hatte, kam Abg. Weidner auf die Anfrage betr. die Bureaukosten der Bürgermeister zu sprechen. Die Regierung meint, von einer Erweiterung des Ge— bührenbezugsrechts der Bürgermeister sei abzusehen, während Abg. Weidner ausführt, wie nötig eine besse re Bezahlung der Bürgermeisterei in dieser Hinsicht sei. Er wünscht, daß das Gemeindeb amtenbesoldungsgesetz zur Regelung dieser Angelegenheit nicht erst abgewartet werde, sondern daß den Bürgermeistern jetzt schon die Gebühren zuteil würden, die ihnen gehören. Dem tritt der Minister Rothe entgegen. Abg. Ulrich führt die Mißstände zum Teil auf die Zwitterstellung der Landbürgermeister zurück, die einmal ehrenamtliche Funktionäre der Gemeinden seien und andererseits staat⸗ liche Beamte. Der Redner wendet sich auch gegen die Mißstände bei Bürgermeisterwahlen, die die Regierung sehr wohl abstellen könne, wenn sie einfach keinen Bürgermeister bestätige, bei dessen Wahl irgend⸗ wie freies Essen und Trinken eine Rolle gespielt. Er wünscht überhaupt Aufhebung des Bestätigungs⸗ rechtes der Regierung. Dagegen sprechen mehrere Nationalliberale, denen die jetzige Wirtschaft offenbar ganz gut gefällt.— Ferner entspann sich eine lebhafte Debatte über die Prügel⸗ strafe in der Schule bei einer Anfrage wegen Ueber⸗ schreitung des Züchtigungsrechtes durch einen Lehrer in Eberstadt. Der Antisemit Wolff ist natür⸗ lich entsprechend seiner ganzen rückständigen Anschauung für die Prügelei und spricht mit solcher Begeisterung vom Stock, daß es verwunderlich ist, warum er sich nicht gleich zur besseren Beweisführung ein Dutzend Hiebe aufzählen ließ. Auch der Lehrer Backes tritt für die Prügelstrafe ein. Ihnen traten Dr. David und Cramer entschieden entgegen. Man solle mehr mit Liebe in die Seele des Kindes dringen, denn je brutaler man die Jugend behandele, desto brutaler werde sie.— Wenn die bürgerlichen Abgeordneten die Prügelstrafe empfehlen, so haben sie damit natürlich immer ihre Anwendung gegen die Kinder der ar men Leute im Auge. Begehen aber die Sprößlinge der „besseren Kreise“ Roheiten, fo giebt es dafür immer Entschuldiguugen. Mittwoch kam die Main-Neckarbahnvorlage zur Beratung. Zwei Minister, Gnauth und Rothe, verteidigten die Vorlage, welche die einfache Folge des Vertrags von 1896 sei. Bei der sachlichen Rechtslage set es unlogisch, unklug, es verstoße gegen die Vertrags⸗ treue, die vorliegende Regierungsvorlage abzulehnen. Hessen und Preußen seien angewiesen auf freundschaft⸗ liche Zusammenarbeit, unter Verstimmungen hätten beide Teile zu leiden. Lehne die Kammer diese Vorlage ab, so habe Hessen mit Recht zu leiden, da Preußen in loyalster Weise den Vertrag von 1896 innegehalien hätte.(Widerspruch.) Dieser habe sich zum Besten des Landes bewährt. Würde er abgelehnt, so sei das ein politischer Fehler. Anderer Meinung ist der Abg. Schmitt(Ztr.). Er erklärt, wenn die Kammer die Neuvorlage so akzep— tiere, wie sie vorliege, so habe Hessen für alle Zeit auf alles in Eisenbahnfragen verzichtet. Beim 96er Vertrag hätte man bessere Bedingungen erreichen können; durch diesen sei Hessen jährlich um Millionen geschädigt. Abg. Dr. David führt aus, die Regierung habe versucht, die Kammer mit falschen Zahlenangaben irre zu führen. In der Vorlage sei behauptet, die Main ⸗ Neckar⸗Bahn habe den höchsten Betriebskoesfizient von allen deutschen Bahnen. Das sei erstens unrichtig, dann seien die günstigen Betriebsergebnisse meist der übermäßigen Ausnutzung des Personals zu verdanken, sodaß die Gemeinschaft keinen Grund habe, allzu stolz zu sein auf ihre Erfolge. Uebrigens solle Hessen das bischen Macht, was es noch in dieser Frage habe, nicht ohne Weiteres preisgeben. Die Sozialdemokratie sei prinzipiell für eine Reichseisenbahn-Gemeinschaft. Der preußische Partikularismus aber verhindere das gerade. Zu vermissen set vor Allem in der preußisch⸗ hessischen Eisenbahnverwaltung die loyale Behandlung des Publikums and der mehr lokalen Verkehrsinteressen. Seine Partei lehne die Vorlage ab.— Es sprechen noch Gutfleisch und Köhler-Darmstadt. Schließlich ver⸗ wahrt sich Minister Gn auth gegen die Angriffe Davids. Von Uah und Lern. Gießener Angelegenheiten. — Oeffentliche Lesehalle. Der Vor⸗ stand des Gießener Lesehalle-Vereins giebt Folgendes bekannt: — 22e — — — 1 N 0 * 1 1— e 8 5 .* — Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung, Nr. 23. „Im Zeitungszimmer der öffentlichen Lese⸗ halle sind Karten der Umgegend von Gießen und Touristenführer zur Einsicht dauernd aufgelegt. Wir hoffen, Einheimische und Fremde werden von dieser Einrichtung im Sinne des freundlichen Stifters fleißig Gebrauch machen. Wiederholt sei darauf hingewiesen, daß das Zeitungszimmer an den Werktagen von 610 Uhr Abends, Sonntags von 11 Uhr Vormit⸗ tags bis 10 Uhr Abends jedem Erwachsenen offen steht. Man findet dort Tagesblätter aller Richtungen, illustrierte Zeitschriften, Meyer's Konversattions-Lexikon und andere Nachschlagewerke.“ — Hungerlöhne der Zigarren⸗ macher. Vor Kurzem hat der„Tabakarbeiter“, das Organ des Tabakarbeiterverbandes, die Ergebnisse einer statistischen Erhebung veröffent⸗ licht, die der Verband im Jahre 1900 über die Verhältnisse in der Zigarren- und Tabak⸗ industrie aufgenommen hat. Es geht daraus hervor, daß die Lohn verhältnisse in diesem Industriezweige als äußerst traurige bezeichnet werden müssen. Die Aufnahme erstreckt sich auf 1527 Betriebe mit 39032 Arbeitern, dar⸗ unter fast 24000 weibliche. Die Hälfte dieser Zahl, etwa 19500, sind Zigarrenmacher und von diesen verdienen 70 Prozent unter 14 Mk. die Woche! Noch schlimmer siehts bei den Wickelmachern aus. Diese verdienen zum weit⸗ aus größten Teile unter 8 Mk. die Woche. (Wickelmacher sind die Hilfsarbeiter der Zigar⸗ renmacher, letztere machen die Zigarre fertig, indem sie den„Wickel“ in das Deckblatt ein⸗ rollen.) Dabei ist in der Zigarrenindustrie die tägliche Arbeitszeit mit am längsten. Die Löhne auf die Stunde berechnet, betragen bei über 22 000 Arbeiter unter 20 Pfg. die Stunde! — Hier in unserer Gegend liegen die Verhält⸗ nisse in diesem Berufszweige noch schlechter, als vom„Tahakarbeiter“ dargestellt wird, wie wir aus Mitteilungen von Arbeitern wissen. Schuld an diesen Hungerlöhnen sind zum größten Teile die ungeheuren Steuerbelastungen des Tabaks. Die vielen Millionen, die alljährlich aus dem Tabak herausgepreßt werden, sind dem Arbeiter entzogene Löhne. Dann aber sind die Arbeiter und Arbeiterinnen selbst schul d. Anstatt sich ihrer Organisation anzuschließen und nach besten Kräften an der Verbesserung der Arbeitsbedin— gungen mitzuarbeiten, lassen sie sich willenlos ausbeuten und es ist kein Wunder, wenn die Löhne stets weiter herabgedrückt werden. Möchten sich die Tabakarbeiter bald auf ihre Pflichten besinnen! — Die unverantwortliche Amts⸗ blatt⸗Redaktion. In den letzten Tagen hatte sich in Gießen ein eigentlich wunderlicher Professoren⸗Streit entsponnen. Anlaß dazu gab die vom„Gie ener Anzeiger“ an Pfingsten herausgegebene„Festnummer“ zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten. Gegen den Inhalt dieser Festnummer wandte sich zu⸗ nächst ein Studierender der Tierheilkunde und dann protestierte der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Dr. Sommer mit großer Schärfe gegen eine Bemerkung in der Festschrift, die den großen Zudrang zur Veterinär⸗Medizin als ungesund für die Universität bezeichnet und es beklagt, daß viele der Veterinar⸗Mediziner nicht im Besitze des Gymnastal⸗Reifezeugnisses find. Als Verfasser des Artikels in der Fest⸗ nummer bekannte sich Professor Dr. Biermer. Wer von den beiden Streitenden Recht hat, lassen wir hier dahingestellt.— Uns interessiert nur die merkwürdig⸗klägliche Haltung der Re⸗ daktion des Amtsblattes. Sic erklärte näm⸗ lich im Anschluß an den Sommerschen Protest, daß sie dem Inhalte der Festnummer durch⸗ aus fern stünde! Dabei trägt die„Fest⸗ nummer“ den Titelkopf des Anzeigers und ist auch von der Redaktion gezeichnet! Ihre selbst⸗ verständliche Pflicht war es somit, den Verfasser zu schützen, statt dessen zieht sie sich jetzt aus der Schußlinie zurück. Das ist ungefähr das Gegenteil von Tapferkeit. — Die Glasergewerkschaft hält diesen Sonntag auf der Pulvermühle ihr 15. Stif⸗ tungs fest ab. Wir empfehlen unsern Freunden den Besuch des Festes angelegentlichst; nach den Vorbereitungen zu schließen, wird für gute Unterhaltung aller Art in ausgiebiger Weise gesorgt sein. Bei der jetzigen Temperatur bietet der Platz an der Pulvermühle auch recht angenehmen Aufenthalt. f — Ansichtspostkarten mit dem Bilde der Kopfseite der„Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung“, haben wir herstellen lassen. Die Karten sind sehr sauber ausgeführt; in der durchbrochenen Zeitung erscheint das Bild unseres unvergeßlichen„Alten“. Die Druckschrift ist darauf mit solcher Schärfe wiedergegeben, daß jedes Wort deutlich zu lesen ist. Wir sind sicher, daß die interessanten Karten allen unsern Freunden gut gefallen und deshalb schnellen Absatz finden werden. Umsomehr, als der Preis nur 5 Pfg. pro Stück beträgt. Aus dem Nreise gießen. 2. Gemeinderätliches aus Lollar. Fast jedes Dorf hat in seinem Gemeinderate einen oder mehrere sonderbare Heilige aufzu— weisen, die infolge ihres geringen Verständnisses für das Interesse und die Entwickelung der Gemeinde ein Hindernis für jeden Fortschritt auf kommunalem Gebiete bilden, gewisser maßen als Bremser wirken. Lollar hat gleich fünf von dieser Qualität. Vier dieser Wackeren gaben voriges Jahr dem Wunsche der Geist— lichkeit nach einer neuen Kirche nach und erklärten sich flink und froh bereit, der poli— tischen Gemeinde Lollar, so 3040000 Yk. Schulden aufzuhalsen. Dabei winkt bei diesem Projekt noch die erfreuliche Aussicht, daß Lollar eine eigene Pfarrei mit funkelnagelneuem Pfarr⸗ haus und dito Pfarrer erhält. Die kirchliche Lostrennung von Kirchberg und die Selbst⸗ ständigkeit der Frommen in Lollar soll mit 40— 50000 Mk. erkauft werden.— Wie diese vier, zu denen sich jetzt noch ein fünfter gesellt, für einen unnötigen Kirchenbau waren, so sind sie nun gegen die geplante notwendige Wasserleitung. Man sollte es nicht für möglich halten und doch ist es Thatsache. Auch besteht bekanntlich in Lollar ein Mangel an kleinen Wohnungen. Die Ge⸗ meindeverwaltung beschloß nun, unter Zustim⸗ mung des Kreisamtes die sogenannte Schoor, ein ziemlich großes Gelände, welches der Ge⸗ meinde jährlich eine recht geringe Summe (130-160 Mark) einbringt, als Bauplätze zu verkaufen. Den Baulustigen wäre damit gedient, die Gemeinde machte ein profitabeles Geschäft dabei; die Entwickelung der Gemeinde würde gefördert, gesunde Wohnungen für„kleine Leute“ errichtet; also alles in allem etwas Gutes ge⸗ schaffen. Aber nun wollen unsere 5 Kirchen⸗— bauer das Bauen nicht leiden und es ist noch zu befürchten, daß sie das Projekt zu Fall bringen. Fragen wir, wie kommen solche Leute überhaupt in den Gemeinderat? Die größte Schuld liegt an den Arbeitern, die saumselig und schläfrig bei Gemeinde⸗ wahlen zu Hause bleiben, oder wenn sie kahlen, geben sie den Gegnern die Stimme, die ihnen als„gute Kerle“ angepriesen werden oder bekannt sind. Hoffentlich öffnet die Thätig⸗ keit dieser fünf Gemeinderäte der Lollarer Ar⸗ beiterschaft die Augen, damit sie bei der nächsten Wahl Kehraus machen mit beschränkten Philistern und Reaktionären. Aus dem Rreise Friedberg⸗Püdingen. * Flugschriften-Verteiler vor Gericht. Daß in Hessen unsern Flugblatt⸗Verteilern Schwierig⸗ keiten gemacht werden, kommt ja hier und da durch übereifrige Bürgermeister vor. Seltener schon werden Gerichtsverhandlungen über Sünder dieser Art gepflogen. Mit einem solchen Fall hatte sich das Schöffengericht in Vilbel am Dienstag zu beschäftigen. Genosse Hoffmann aus Vilbel hatte am 5. Januar in Okarben den Kalender verbreitet, war dabei vom Ortsdiener sistirt worden und hatte ohne nähere Begründung wegen „Uebertretung“ einen Strafbefehl von 6 Mk. zugestellt erhalten. Der Einspruch hiergegen wurde verworfen, weil das Gericht der Ansicht des Amtsanwalts beipflichtete und unter Zugrundelegung des§ 366, Abs. des Straf⸗ gesetzes und nach§ 45 und 47 des hessischen Gesetzes über die Presse vom 1. August 1862, die noch zu Recht bestehen, ein unentgeltliches Verteilen von Druck⸗ schriften an öffentlichen Orten ohne obrigkeitliche Erlaubnis annahm. Es wurde jedoch nnr festgestellt, daß Genosse H. in einer Wirtschaft der Wirtin den Kalender in Privaträumen zum eigenem Studium gegeben hat. Da das Urteil völlig unhaltbar ist, wird noch die weitere Instanz darüber zu befinden haben. Dieser Fall zeigt aber auch recht deutlich, daß es hohe Zeit wird, mit den Ueberbleibseln des alten Preßgesetzes endlich einmal aufzuräumen. Ein Vorstoß im Landtage nach dieser Richtung wäre sehr am Platze, meint mit Recht unser Offenbacher Parteiorgan. Aus dem Rreise Wetzlar. — Johannisfeier. Zur Feier des Johannisfestes veranstalten die Wetzlarer orga⸗ nisirten Buchdrucker diesen Sonntag im „Römischen Kaiser“ eine Festlichkeit. Hieran werden sich auch die Gießener Kollegen in größerer Anzahl beteiligen, die schon am Mit⸗ tag gemeinsam mit den Wetzlarern einen Aus⸗ flug unternehmen. Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain. St. Hessischer Städtetag. In den Tagen vom 4. bis inkl. 7. Juni findet hier die 13. Versammlung des hess. Städtetages, sowie die 7. Hauptversammlung des Sparkassen⸗ Verbandes statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Stellungnahme zu den auf Aufhebung der kommunalen Verbrauchsabgaben gerichteten Beschlüsse der Zolltarifkommission des deutschen Reichstags. — Die große Hitze der letzten Tage hat unter den Mannschaften des hiesigen Jäger⸗ bataitlons wieder einige Opfer gefordert. Eine Abteilung Soldaten, welche vom großen Exer⸗ zierplatz zurückkehrten, mußten unter Aufsicht eines Oberleutnants auf dem Kämpfrasen nach⸗ exerzieren, wobei fünf Mann vor Erschöpfung zusammenbrachen. Wie das Kommando des Bataillons bekannt giebt, sollen sich dieselben aber bereits wieder vollständig erholt haben. Trotzdem verschiedene Gerüchte vom Gegenteil in der Stadt zirkulieren, vermochten wir nicht die Wahrheit derselben festzustellen. Wie dem immer sein mag, jedenfalls ist die Frage be⸗ rechtigt, ob denn die Nachexerziererei so not⸗ wendig war, daß da die Gesundheit der Leute auf's Spiel gesetzt wird? Das Volk hat ein Recht zu verlangen, daß von den Militärbe⸗ hörden alles gethan wird, um solche Unglücks⸗ fälle zu verhüten. — Die 2. diesjährige Bezirksversamm⸗ lung der hiesigen Buchdrucker fand am Sonntag, den 1. Juni in Ziegenhain unter zahlreicher Beteiligung der Marburger und der drei Ziegenhainer Kollegen statt. Mit derselben war ein Ausflug durch das schöne Schwalm⸗ thal verbunden. Von Allendorf aus, bis wohin die Marburger die Bahn benutzt hatten, ging's auf Schusters Rappen durch den grünen Wald nach Neustadt, von wo nach eingenommenem Frühstück und dem Empfang der Ziegenhainer Kollegen gemeinsam mit diesen der Weitermarsch angetreten wurde. Bei wahrhaft tropischer Hitze— aber dennoch frohen Mutes— rückte die schwarze Schaar unter klingendem Spiel um die Mittagszeit in Ziegenhain ein, wo dem trefflichen Mittagmahl im Gasthof Auffarth alle Ehre angethan und nach kurzer Pause die Versammlung eröffnet wurde. Von den gefaßten Beschlüssen sind erwähnens⸗ wert die Anuahme eines Antrags auf Streichung einer hiesigen Druckerei(wegen tarifwidriger Bezahlung) aus dem Verzeichnisse der tariftreuen Druckereien und die Unterstützung eines Antrages der Bezirke Hanau, Kassel und Marburg, die kgl. Regierung in Kassel um Vergebung der behördlichen Druckarbeiten an nur tariftreue Druckereien zu ersuchen und die Gewährung des Fahrgeldes für die Teilnehmer an dem, am 29. Juni d. J. in Gießen stattfindenden Johannisfest größeren Stils. Nach Schluß der Versammlung amüsierten sich die Teilnehmer auf's beste bei der gerade in Ziegenhain statt⸗ findenden„Salatkirmes“, wobei man die Schwälmer in ihrer Nationalfesttracht und bei ihren Tänzen bewundern konnte. Mit dem 11 Uhr⸗Zuge kehrten die Ausflügler, müde bis zum Umsinken(), nach Hause zurück. Ein Kommunalfkandal. Sehr lebhaft ging es in einer der letzten 8 S 2 2 Fele Delers 1 3 5 felt anger ehlur. ur ger e 050 des Wezlarer orga⸗ Cenntag im ble. diem . Kollegen in an am Mi ern einen Aus. Nirchhain. ag. In den an findet hier Städtetages, des Sparkassen⸗ ordnung sech auf Aufhebung ben gerichteten des deutschen ezten Tage hat sesigen Jäger⸗ fordert. Eine großen Exer⸗ unter Aufsicht mpfrasen nach⸗ or Erschöpfung ommando des sich dieselben erholt haben. vom Gegenteil chten wir nicht en. Wie dem die Frage be⸗ ererei so not⸗ heit der Leute Volk hat ein den Militärbe⸗ olche Unglücks ksbersamm⸗ ter fand am enhain unter burger und der Mit derselben zue Schwaln⸗ aus, bis ruht hatten, ging geln Wa genommenen Ziegenhalter 1 Deltermarsch halt topicgel lutes— rid f genden Sit cheat fielen ins Wasser, Letzterer ertrank. fidelen Streichen und großen Unterschlagungen wir in Nr. 23. 2 Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Gemeinderatssitzungen in E isenach her. Man; besprach die Etatüberschreitungen der letzten Jahre, die sich auf über 30 000 Mk. beziffern. Besonders war im Bauamt auf tolle Weise gewirtschaftet worden. Ohne Rück⸗ sichtnahme auf den aufgestellten Etat hatte der frühere Stadtbaumeister Forth, der jüngst nach London geflüchtet ist, aus dem Vollen heraus geschöpft und so die großen Ueberschreitungen verschuldet. Ohne lange zu prüfen, hat er Rechnungen mit viel zu hohen Summen zur Auszahlung angewiesen und so die Stadt direkt und indirekt geschädigt. So wurden beispiels⸗ weise für Steinlieferungen 5212 Mk. und für Asphaltarbeiten 2506 Mk. zu viel gezahlt, Summen, welche die betreffenden Firmen später an die Stadt zurückgewähren mußten. Dem Oberbürgermeister Dr. v. Fewson wurde vom Gemeinderat nach dreistündiger scharfer Debatte, trotzdem er sich wiederholt verteidigt hatte, ein dreifaches Mißtrauensvotum ausgesprochen. Die frommen Betrüger. In dem Prozeß gegen Sanden und Ge— nossen hat die Zeugen und Sachverständigen⸗ Vernehmung die ganze Woche angedauert. Die Verhandlung schreitet nur langsam vorwärts. Richter und selbst Sachverständige haben Mühe, in das kapitalistische Schwindelgewebe einzu— dringen, für Laien ist das überhaupt unmöglich. Doch lassen mitunter interessante Streiflichter einen Blick auf das Treiben der frommen Gauner werfen. So wurde in der Mittwochs⸗ sitzung festgestellt, daß in der Bilanz vom 31. Dezember 1896 Schulden in Höhe von 35 147 708 Mark durch einen Federstrich in Forderungen in dieser Höhe verwandelt worden sind. Wirklich nicht übel! Das war ja dann allerdings ein Geschäftchen, das etwas einbrachte— siebzig Milliönchen! Auch in den Bilanzen anderer Jahre wurden ähnliche Fälschungen nachgewiesen. Uebrigens wußten die Biedermäuner voraus, daß der Schwindel mal ein böses Ende nehmen würde. Ein Zeuge bekundete, daß ihn der Angeklagte Schmidt einmal geschrieben habe:„Wir werden noch einmal alle nach Moabit kommen.“ Seine Ahnung hat ihn denn auch wirklich nicht be⸗ trogen! Kleine Mitteilungen. * Erschossen hat sich am vorigen Donnerstag der erst 18 jäsrige Kommis Selzer in Butzbach. Man fand ihn morgens tot in seinem Bette. * Abgestürzt. Am Montag stürzte bei dem Neubau des Unteroffizier⸗Wohnhauses in Butz bach der Dachdecker Klingemeier so unglücklich ab, daß der Tod sofort eintrat. * Großfeuer. In Muschenheim brannten am Dienstag drei Anwesen nieder. Man hatte Mühe das Feuer zu bewältigen, das spielende Kinder verursacht haben sollen. i Aus dem Fenster gestürzt. In Nidda sprang ein Mädchen, das erst kürzlich vom Wochenbett aufgestanden war— offenbar im Fieberwahn— aus dem Fenster in den Hof hinab, wo es in den Dün ger⸗ pfuhl fiel. Schwer verletzt wurde es herausgezogen. * Eine großartige Beteiligung wies das am Sonntag in Sprendlingen abgehaltene Gewerk⸗ schaftsfest auf. Der Festzug zählte nicht weniger als 27 Gruppen. Genosse Dr. Quarck hielt die Festrede. * Bootsunfall. Bei Griesheim a. M. kenterte am Samstag ein Boot des Offenbacher Ruder⸗ vereins„Undine“, in dem sich ein Zahnarzt und der Kaufmann Hartwig aus Offenbach befanden. Beide Seine Leiche wurde am Mittwoch bei Höchst geländet. * In Löhnberg brannte am Dienstag die Scheune des Gärtners Geis nieder. Der Feuerwehr gelang es, das Uebergreifen des Feuers auf das Wohnhaus zu verhüten. n Pfarrer Disselhof in Treb in, von dessen voriger Nummer berichteten, ist in der Nacht zum Sonntag in der Berliner Charité, wohin er wegen Beobachtung seines Geisteszustandes gebracht worden war, gestorben. Die Nachricht kommt sehr überraschend, möglicherweise entzog sich der Gottesmann durch Selbstmord seiner be⸗ vorstehenden Verurteilung. Die von ihm verübten Unter⸗ schlagungen beziffern sich auf weit über 100000 Mk. k Ein Verbrecher an seinen Kollegen. des Verbandes der deutschen Lederarbeiter, Beiß⸗ wenger, flüchtig geworden. Hoffentlich wird der Bursche nicht weit laufen.— Auffallen muß aber, daß der Verband nicht Einrichtungen getroffen hat, um solche Dinge zu verhüten. * Grauenhafter Mord. Ein Ziegelmeister in Szyman owo in Schlesien verletzte seine Frau lebensge⸗ fährlich durch vier Beilhiebe. Dann erdrosselte er seine fünf Kinder im Alter von 10 Jahren mit einer Zuckerschnur, schlug Nägel in die Wand und hing die Leichen auf. Der Mörder ist flüchtig. Bergwerkskatastrophe. Aus Amerika wird schon wieder ein fürchterliches Grubenunglück gemeldet. In Fernie(Britisch Columbia) wurden in einem Kohlenbergwerk durch schlageude Wetter 12 0 Bergleute verschüttet. Wahrscheinlich sind alle tot. Für Sicherheitsvorrichtungen werden die amerikanischen Ausbeuter wohl noch weniger sorgen, als die deutschen, die übrigens auch erst durch Gesetz dazu gezwungen werden müssen. kechtssprechung. Paragraph 616 des bürgerlichen Gesetzbuches. Ein bei einer Berliner Firma beschäftigter Mechaniker hatte eine 15 fägige militärische Uebung gemacht. Unter Berufung auf§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches bean⸗ spruchte er für diese Zeit eine Lohnentschädigung in Höhe seines Durchschnittsverdienstes, den er für 15 Tage auf 52 Mk. berechnete. Die Firma verweigerte die Zahlung und machte geltend, eine Verpflichtung aus§ 616 des Bürgerlichen Gefetzbuches bestehe hier schon deshalb nicht, weil der Kläger in Akkord gearbeitet und nicht in Wochenlohn gestanden habe. Es kam zur Klage beim Berliner Gewerbegericht. Die Kammer V unter dem Vorsitz des Gewerbe⸗ richters v. Schulz verurteilte die Beklagten, dem Kläger die 52 Mk. abzüglich der für die 15 Tage erhaltenen Löhnung zu zahlen. Die Kammer ging davon aus, daß hier§ 616 zu⸗ treffe. Kläger sei durch die militärische Uebung ohne sein Verschulden gehindert gewesen, den Arbeitsvertrag zu erfüllen, und 15 Tage seien auch eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit. Arbeiterbewegung. + Straßenbahnerstreik in Stutt⸗ gart. Seit vorigen Samstag haben die Stutt⸗ garter Straßenbahner die Arbeit eingestellt. ziehen, mißlangen vollständig. Nur einzelne Wagen verkehrten, deren Führern das Publikum seine Mißachtung zu erkennen gab. Bei den Differenzen handelt es sich in der Hauptsache um das Koalitionsrecht der Augestellten. Diesen untersagte die Direktion, dem Verbande der Verkehrs. und Transport⸗Arbeiter sich an⸗ zuschließen. Die Arbeiter verlangten die Be⸗ seitigung dieses„Dienstbefehls“ und ferner eine bessere Regelung der Arbeitszeit, die jetzt oft 14—1) Stunden beträgt. Außerdem wollte die Direktion statt alle 7 nur alle 9 Tage einen freien Tag bewilligen.— Streitbrecher haben sich nur ganz vereinzelt gefunden. Eine am Montag Abend stattgefundene Volks ver⸗ sammlung, die von 2500 Personen aus allen Kreisen besucht war, erkannte das Vor— gehen der Streikenden als durchaus berechtigt an und verurteilte die ablehnende Haltung der Direktion bei der Einigungsverhandlung. Sie hieß die Forderung der uneingeschränkten Be⸗ willigung des Koalitionsrechts gut und sicherte den Ausständigen in vollstem Maße Unter⸗ stützung zu. f Die Direktion lehnte am Mittwoch in einem Schreiben weitere Verhandlungen mit den Streikenden ab. Sie betrachtete deshalb die Ausständigen als vertragsbrüchig und nicht mehr in ihren Diensten stehend. 5 Bürgerausschuß brachte Genosse Sperka den Streik zur Sprache und frug, welche Maß⸗ nahme der Bürgermeister zu ergreifen gedenke. Dieser erklärte, die Forderung des freien Koalitionsrechtes sei ganz berechtigt. Der Bürgermeister wurde beauftragt, bei der Direktion dahin vorstellig zu werden, daß sie die Ver⸗ handlung mit den Angestellten wieder auf— Mit 30 000 Mk. Verbandsgeldern ist der Vorsitzende Der ganze Betrieb ruhte vollständig und die Versuche, von auswärts Streikbrecher heranzu⸗ Der Gemeinderat hat beim Amtsgericht beantragt, die Verfügung zu treffen, daß die Stadt Stuttgart den Betrieb der Straßenbahn in eigener Regie zu übernehmen habe, da die Straßenbahngesellschaft den mit der Städtever⸗ waltung beschlossenen Vertrag nicht gehalten hat. Der Vertragsbruch wird in der unberech⸗ tigten Einstellung des Betriebes gesehen. Der Vertrag gibt bekanntlich der Stadt bei solchen unberechtigten Betriebseinstellungen das Recht, die für den Fortbetrieb der Bahn nötigen Maßregeln auf Kosten der Gesellschaft zu treffen. Aussperrung von Bauarbeitern. Am Mittwoch beschloß die Innung„Bauhütte“ in Hamburg, sämtliche in Hamburg, Altona, Wandsbek und Harburg beschäftigten Maurer und Zimmerer auszusperren, weil die Gesellen die Aufforderung der Innung, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen, unbeachtet gelassen haben. Kapitalisten und christliche Ar— beiter. Die Gewerkvereine christlicher Bergarbeiter erhielten auf ihre Eingabe wegen Einführung des Achtstundentages von dem bergbaulichen Verein für Rheinland und Westphalen nunmehr den Bescheid, daß nach reiflicher Ueberlegung aller in Betracht kommenden Verhältnisse der Verein nicht in der Lage sei, die Achtstundenschicht inkl. Ein⸗ und Ausfahrt einzuführen.— Jawohl, die „Herren“ fassen das Christentum ganz anders auf, als die christlichen Arbeiter! Partei-Nachrichten. Verfolgung der Sozialdemokratie. Uuser Parteiorgan in Erfurt, die„Tribüne“ verzeichnet seit dem 1. Sept. 1899 an Strafen gegen seine Redakteure nicht weniger als 2 Jahre 11 Monate Gefängnis und 3 Wochen Haft. Außerdem wurden noch 1600 Mk. Geldstrafen verhängt. Gerichtskosten gab es 2200 Mk. Auf jede einzelne seitdem erschienene Nummer der„Tribüne“ ergiebt das 32 Stun den Gefängnis 2 Mk. Geldstrafe und 2.75 Mk. Gerichts⸗ kosten!— Das ist viel. Die Genossen werden aber die Schläge zu parieren wissen. Reichstagskandidaturen. Im Kreise Solin— gen wurde Genosse Scheidemann wieder als Kandidat proklamiert.— Für Kassel⸗Melsungen stellte der soz.⸗dem. Verein den Genossen Karl Thiel wieder auf.— Die Kandidatur zur bevorstehenden Ersatzwahl im III. nass. Wahlkreise wurde von der Parteiversammlung wiederum dem Genossen Vetters⸗Gleßen übertragen. Versammlungskalender. Samstag, den 7. Juni. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.— Glaserverband. Abends 9 Uhr bei Orbig. Wieseck. Soz. ⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei B. Wacker. T.⸗O.: Vereins⸗ u. Festangelegenheiten.— Sonntag 1 Uhr Zusammen⸗ kunft im Vereinslokal zum Abmarsch nach der Pulver⸗ nehme. mühle. Montag, den 9. Juni. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. ——————— — In Krankenkassenangelegenheiten dürfte es angebracht sein, einmal ein offenes Wort zu reden, damit Tausende von Arbeitern nicht Ausbeutern in die Hände fallen und ihr schwer verdientes Geld verlieren. Im Laufe der letzten Jahre sind elne Reihe von Kranken⸗ kassen entstanden, wovon viele durch Versprechen hohen Kranken- und Sterbegeldes Reklame zu machen wußten und worauf auch Tausende von Arbeitern, darunter auch klassenbewußte und aufgeklärte, hereingefallen sind, obwohl das tägliche Leben schon in den Fabrik⸗ und Ortskassen lehrt, daß derartig hohe Versprechungen nicht eingehalten werden können, denn die Gebühren für Agenten ꝛc. sind so hoch, daß für die Kranken wenig oder gor nichts übrig bleibt und hat ja das Zusammen⸗ brechen verschiedener dieser vielversprechenden Kranken- kassen den Beweis hierfür geliefert. Vollständig von diesem System abweichend, hat es die 1891 vom jetzigen Reichstagsabgeordneten Georg Horn gegründete„All⸗ gemeine Kranken- und Sterbekasse für Arbeiter aller Berufe, E. H.⸗K., Sitz Meißen“ verstanden, sich durch ruhiges und besonnenes Arbeiten ohne prahlerische Re⸗ klame vorwärts zu bringen und sich in ganz Deutschland auszubreiten. Wer sich daher dieser Kasse als Mitglied anschließen will, wende sich an den Geschäftsführer Bruno Reinhold in Meißen, Martinstraße 2, welcher gern nähere Auskunft giebt und Statuten und Aufnahmescheine versendet. — TTTTbTCT0T7T7T—T—T—T—T— 8—— 2* Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 23. * b Anterhaltungs-Ceil. &— was ist ein Sozialist? Ein Bürger fragte neulich mich: Was ist ein Sozialist? Mein lieber Freund, erwidert ich, Ein Sozialist, das ist: Ein Mensch, der wahre Freiheit liebt Und haßt die Tyrannei, Der Jedem gern das Seine giebt, Sein Wort hält brav nnd treu. Der überzeugungsstark ein Mann Mit immer gleichem Mut, Für seine Sache stehen kann, Und gält's sein Gut und Blut! Der jedem Heuchler kühn die Larv' Vom falschen Antlitz reißt, And offen stets und frei und scharf Den Lügner Lügner heißt. Der jeden Schurken, wer's auch sei, Dreist an den Pranger stellt, Und das Panier der Wahrheit frei Und stolz erhoben hält. Der als sein teures Vaterland Die ganze Erde kennt, Und jedem Braven seine Hand Giebt und ihn Bruder nennt. Der weder Christ, noch Türk', noch Heid', Noch Jud', noch Mucker ist, Des Religion: Gerechtigkeit— Das ist ein Sozialist! Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 1. Wie Oswald aus dem Kriege kommt und was die Leute sagen. An einem Sonntag Nachmittag saßen im Dorfe Goldenthal die jüngeren Knaben und Mädchen unter der alten Linde und sangen oder lachten, wenn einer aus dem Wirtshaus hervorstolperte, der zu tief ins Glas geschaut hatte. Die andern Bauern mit ihren Weibern saßen in drei Wirtshäusern und tranken und spielten und jauchzten oder balgten, wie es denn ind so geht, wenn Wein und Bier wohlfeil ind. Da kam ein großer starker Mann ins Dorf. Er mochte in den Dreißigen sein, hatte einen grauen Rock an, einen langen Säbel an der Seite, auf dem Rücken einen Habersack. Er sah gar wild drein, denn er trug über der Stirne eine große Narbe, und unter der Nase einen schwarzen Schnurrbart, daß alle Kinder davonliefen. Aber ein Paar alte Frauen, die er anredete, erkannten ihn sogleich, und schrien:„Ei, das ist ja Schulmeisters Oswald, der vor sieben⸗ zehn Jahren unter die Soldaten ging. Nein, schau auch, wie ist er gewachsen und groß geworden!“ Und wie die Weiber so schrien, kam Alt und Jung aus den Wirtshäusern und von der Linde herbeigelaufen, und bald war das ganze Dorf um den Oswald ver⸗ sammelt. Oswald gab allen seinen ehemaligen Bekann⸗ ten die Hand, war sehr freundlich mit allen und sagte, er wolle nun wieder bei ihnen in Goldenthal wohnen, habe des Sold atenlebens salt, und sei froh, mit dem Leben davongekommen zu sein. Nun wollte ihn jeder in ein Wirts⸗ haus ziehen, der eine links, der andere rechts; man müsse eins zum Willkommen trinken; er müsse von den Kriegsgeschichten erzählen. Oswald aber dankte ihnen und sprach:„Ich bin vom Wandern müde und will ausruhen. Wer wohnt in meines verstorbenen Vaters Haus, und wer besorgt die Aecker desselben?“ Alsobald trat der Müller hervor und sagte: „Ich habe den Weber Steffen hineingethan, bist. Der Gemeinderat hat mich zum Vogt gesetzt über dein Gütlein. Kannst ein paar Tage bei mir herbergen, bis Webers ausziehen und andere Wohnung haben. Da will ich dir auch Rechnung ablegen.“. Also ging der Müller mit seinem Gast zur Mühle und ließ ihm ein gutes Nachtessen und ein gutes Bett bereiten. Oswald hatte aber viel zu fragen nach dem und diesem, wie es seitdem im Dorfe ergangen sei; und der Müller und seine Frau hatten viel zu antworten. So plauderten sie bis Mitternacht in der Mühle. Und Oswald sah immer über den Tisch hinüber nach des Müllers zarter Tochter, die hieß Elsbeth. Und es war wohl der Mühe wert, ihr in die schwarzen Augen zu sehen, denn Elsbeth war schön. Elsbeth aber sah ihrer⸗ seits auch gern über den Tisch hinüber, denn Oswald war ein hübscher Mann, wenn man sich einmal an seinen erschrecklichen Schnurrbart gewöhnt hatte, und in seinen Geberden hatte er etwas Zierliches und Gefälliges, als wäre er ein Herr aus der Stadt gewesen. Darum scheute sie sich, mit ihm zu reden, und wenn er sie ansah, wußte sie nicht, wohin mit den Augen fliehen. Doch sagte sie ihm etwas vom Schnurrbart. Und als er folgenden Morgens zum Früh⸗ stück kam, war unter seiner Nase der Schnurr⸗ bart schon verschwunden. Oswald hätte zeit⸗ lebens in der Mühle wohnen wögen, denn der Müller und seine Frau waren gute Leute, und der Elsbeth sah die Güte hell und klar aus den Augen. Aber nach acht Tagen schon konnte Oswald in das kleine Haus seines Vaters ein⸗ ziehen und nach seinen Feldern sehen. Er hatte fünf Juchart“) Baumgarten mit Wiesen und fünf Juchart Ackerland; dazu kaufte er sich eine schöne Kuh aus den vom Vogt erspar⸗ ten Zinsen. Und weil das Haus alt und zerfallen war, erhielt er Holz und Steine von der Gemeinde. Da ließ er alles ausbessern, weißen und hobeln und waschen. Er selber mauerte, handlangte, fegte vom Morgen bis in die Nacht, damit es schön werde, und ihn doch nicht viel koste. Im Herbst war sein kleines Haus das sauberste und schönste im ganzen Dorf, mitten in einem Garten am Bach. Und der Garten war schön, wie einer in der Stadt. Er hatte sogar in die Wege zwischen den Beeten Sand und Kies getragen. Er hatte es gern, wenn Müllers Elsbeth zuweilen über den grün ange⸗ strichenen Hag in den Garten sah; sie hatte ihm auch Blumen beigesteuert und versprach ihm im Frühjahr noch mehr. 5 Die Leute zu Goldenthal wußten lange nicht, was aus dem Oswald machen? Er war so arm aus dem Kriege gekommen als er hineingekommen war, das sahen sie wohl. Er hatte eine Kiste aus der Stadt bekommen mit Kleidern und Wäsche; sogar Bücher hatten darin gelegen. Das war sein Reichtum. Aber des Geldes wegen mochte die Kiste nicht schwer gewogen haben. „Laßt ihn laufen!“ sagten die einen,„er ist ein armer Teufel, und ein dummer Teufel dazu, der im Kriege seine Sache nicht verstanden hat zu machen. Nicht einmal Sonntags kann er ins Wirtshaus gehen und sein Glas trinken, geschweige einen Tanz zahlen. Daneben muß er arbeiten wie ein Pferd, von Sonnenaufgang bis in die finstere Nacht. Ein Glück für ihn, daß er vom Vater noch etwas geerbt hat, sonst läge er der Gemeinde zur Last.“ „Laßt ihn laufen!“ sagten die aydern, „Heldenthaten hat er nicht viel verrichtet, denn er weiß nicht viel zu erzählen. Und wer weiß, wo der Narr den Hieb über die Stirn geholt hat. Der ist froh, daß er kein Pulver mehr riechen muß.“ „Laßt ihn laufen!“ sagten wieder andere, „er giebt nur keinem ein gutes Wort, und meint, weil er Soldat gewesen, müsse man Respekt vor ihm haben. Wir wollen's ihm aber zeigen. Er ist ein hochmütiger Bursch, der froh sein soll, wenn wir ihm keinen Tritt geben.“ „Laßt ihn laufen!“ sagten noch andere,„der Bücher, die kein der Pfarrer selber nicht.. Charaktere stehn darin, daß es ein Graus ist. Was gilt's, der geht mit dem Teufel um und kann ihn beschwören.“ ist es hat noch keinen Menschen in seine kleine Hinter⸗ stube gehen lassen, mit ihm zu thun haben. alle Nacht noch Licht brennen, Fensterladen schimmert. beständig verschlossen, ö Fenster sind auch bei hellem Tag nie auf.“ hervorgerufen schen. begriffen, und vor dem Auge, Mensch lesen kann, vielleicht Und Zeichen und „Gott sei bei uns!“ riefen andere,„richtig bei ihm nicht, das weiß man wohl. Er selbst Müllers nicht, die viel Da sieht der Wächter was durch die Die Stube hält er und die Vorladen der So sprachen die Leute und machten aus Oswald nicht viel. (Fortsetzung folgt). — Etwas von den Vulkanen. Ein Unglück, wie es füngst die blühende Insel Martinique heimgesucht hat, erregt natur⸗ gemäß bei Denjenigen, die fern von der Stätte des Verderbens weilen, das Verlangen, nicht nur über den Vorgang selbst Genaues zu ver⸗ nehmen, sondern auch kennen zu lernen, was die Wissenschaft überhaupt von den unter⸗ irdischen Gewalten 0 voller und verderblicher Weise von Zeit zu Zeit ihr Dasein bekunden. die seine Vorfahren bewohnten, 5 sorglos dahin, vertrauend dem festgefügten Boden unter seinen Füßen; die Berge ihre Häupter bis zu den Wolken, und um ihren Fuß strömen im uralten die Flüsse heut, wie in den ältesten Zeiten, von denen die Ueberlieserung spricht. A Unverwüstlichkeit der Erdoberfläche, diese Dauer der starren Form gegenüber dem raschen Wechsel der organischen, ist nur ein trügerischer Schein, durch die Kurzlebigkeit des Men⸗ weiß, die in so schreckens⸗ Auf der Scholle, lebt der Mensch wetterbeständig erheben Becken Aber diese Alles ist in unaufhörlicher Veränderung welchem Jahr⸗ tausende wie eine Minute sind, ändert sich un⸗ unterbrochen das Antlitz der Erde wie des Himmels. Der Blick des Menschen aber ist durch die Wissenschaft erweitert worden, weit über die Grenzen der geschriebenen Geschichte hinaus, und so ergab sich, daß das Theater, auf dem das große Drama der Menschheit sich abspielt, im Verhältnis kaum dauerhafter sein mag, als die Bretter, auf denen der Mime den müßigen Zuschauer eine Weile unterhält. Während der langen Vergangenheit unserer Erde hat ihre Oberfläche die gewaltigsten Umwandlungen er⸗ litten; wo heute Meere sich ausdehnen, waren voreinst Festländer, und wo zackige Alpengipfel schneebedeckt in die Lüfte ragen, erstreckte sich in altersgrauer Zeit festes Land, von. Flüssen bewässert und bewohnt von Tieren, die längst ausgestorben sind. Keine Scholle auf der ge⸗ samten Erdoberfläche ist zu finden, die nicht an solchen Umwälzungen teilgenommen hätte, wenngleich die Becken der heutigen Weltmeere wahrscheinlich bis zu sehr frühen Zeiten unseres Planeten hinaufreichen. In einem gewissen Stadium der geologischen Wissenschaft herrschte die Annahme vor, das alle zahllosen Verände⸗ rungen, welche die Erdoberfläche erlebte, ver⸗ hältnismäßig langsam und relativ harmlos sich vollzogen hätten; heute aber ist unzweifelhhaft, daß die Vergangenheit der Erde gewaltige Kata⸗ strophen aufzuweisen hat, Umwälzungen von so fürchterlicher Großartigkeit, daß Alles von ähn⸗ licher Art, was in geschichtlicher Zeit eingetreten ist, daneben sehr unbedeutend bleibt. Wir dürfen mit Fug und Recht behaupten, daß seit Anbeginn die Erdoberfläche von Außen, aus dem Weltraum, und von Innen, aus den geheimnisvollen Tiefen unseres Planeten, die großartigsten Angriffe erduldet hat. Vor Allem vom Innern aus, durch die feurigen Gewalten, die dort ihren unnahbaren Sitz haben. Sie sind die Reste der ursprünglichen Glut, welche die Materie des Erdkörpers besaß, nachdem sie sich aus dem Nebelballe des heutigen Sonnen⸗ systems in eine besondere Kugel abgetrennt hatte. Aus diesem feuerflüssigen Urzustande und ihm Haus und Feld in Zins gegeben. Nun aber muß er ausziehen, da du wiederkommen hat im Kriege nichts Gutes gelernt. Er hat ) Süddeulsches Feldmaß; 1 Juchart= 34 Ar. hat sich die Erde bis zu den gegenwärtigen Verhältnissen entwickelt, d. h. der glühend. —— Rr. 28. iu, dielleicht Stang ss fel um und et,„ichtg a leine Hinter nacht, die vel dan Wächter n durch die ube hält er Jorladen der nie auf.“ machten aus lkanen. die blühende erregt natur⸗ on der Stätte langen, nicht faues zu ver⸗ lernen, was 1 den unter⸗ so schreckens⸗ von Zeit zu der Scholle, bt der Mensch efügten Boden indig erheben den Wolken, uralten Becken, en Zeiten, von . Aber diese he, diese Dauer zaschen Wechel erischer Schein, geit des Men⸗ 1 Veränderung vpelchem Jahr' indert sich un⸗ erde wie des schen aber ist worden, weil enen Geschichte das Takalel, Narsahet ic denerhafter fal der Mime den ubäl. Böhreld wandlungen er chen wan ige Alba f erttrecte fin b, bon Flisen %%, die lälg * les 0 30 rügen ba bchuuste lc vol 1 15 Juen an de 0 1 10 3 4 90 u Gewa 0 — Nr. 23. Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. flüssige, nach Außen selbstleuchtende Ball er⸗ starrte bis in unbekannte Tiefen zu einer festen Masse. Wie dieser Vorgang sich im Allgemeinen abspielte und wie es sich mit dem Sitz der vulkanischen Kräfte der Gegenwart verhält, hat der Vulkanologe Alfons Stübel, in der Köln. Ztg. wie folgt dargestellt: Die Zeiträume, die verflossen, ehe die glutflüssige Erde sich an der Oberfläche infolge allmählicher Erkaltung mit einer Erstarrungskruste bedeckte, sind nicht zu ermessen, aber man muß annehmen, daß diese Kruste lange an zahllosen Stellen von den inneren Glutmassen immer wieder durch— brochen wurde und daß glühendflüssige Masse sich über ihr ausbreitete und aufschichtete. Dieses System von Gesteinsbänken, das den Erdkörper rings umschließt und zu jener Zeit, wo die planetarische Erstarrungskruste noch eine geringe Dicke besaß, zu deren Festigung wesentlich bei⸗ getragen haben muß, bezeichnet Stübel kurz als Panzerdecke. Ihr Aufbau, sagt er, kann nur in solcher Art geschehen sein, daß die aus der geringsten Tiefe des Erdinnern stammen⸗ den Ergußmassen gegenwärtig die in der Pan⸗ zerdecke am tiefsten liegenden Gesteinsbänke bilden, während das Material der obersten Schichten aus den größten Tiefen stammt, bis zu denen bei der Ablagerung der Erstarrungs⸗ prozeß vorgeschritten war. Ueber der Erstar⸗ rungskruste mußten überall da, wo aus dem inneren Zentralßherde glutflüssige Masse empor⸗ drang, wiederum Glutherde entstehen, die aber räumlich beschränkter waren und in rascherer Frist der Erschöpfung und Erkaltung eutgegen⸗ gingen. Solche Herde nennt Stübel periphe— rische Herde und betont, daß die vulkanischen Schöpfungen, die unserer Untersuchung zugäng⸗ lich find, höchst wahrscheinlich ohne jede Aus⸗ nahme der Thätigkeit solcher peripherischen Herde zuzuschreiben sind. Das gilt also unbedingt von allen heute noch thätigen Vulkanen. Dadurch erklärt sich auch, daß die Ausbrüche benachbarter Vulkane zwar nicht immer, aber doch gewöhn⸗ lich mit einander in keinem unmittelbar erkenn⸗ baren Zusammenhange stehen. Würden Feuer⸗ berge wie Aetna und Vesuv aus einem gemein⸗ samen, zentralen Glutherde des Erdballes ge— speist, so wäre es unbegreiflich, weshalb bei der Eruption des hohen Aetna der niedrige Vesuv und die ihm benachbarten Schlünde nicht auch toben sollten; es bliebe unverständ⸗ lich, wie in den südamerikanischen Cordilleren ein Vulkan die furchtbarste Thätigkeit entwickelt, während sein Nachbar völlig apathisch ist. So müssen wir uns also vorstellen, daß die heute von Zeit zu Zeit thätigen Vulkane aus lokalen, peripherischen Glutherden gespeist werden, nicht aber mit dem feurigflüssigen Erdkerne in unmittelbarer Verbindung stehen. Diese peripherischen Herde können deshalb doch in einzelnen Fällen eine relativ bedeutende Ausdehnung besitzen. Wenn daher z. B. bald nach dem schrecklichen Ausbruche der Montagne Pelee auf Martinique auch der Vulkan Soufxière auf St. Vinzent tobte, so kann an eine nähere Beziehung der Herde beider Feuerberge immerhin gedacht werden; anderseits ist freilich nicht zu übersehen, daß der Soufriere wiederholt thätig war, während die Montagne Pelee ruhte, und umgekehrt dieser 1851 plötzlich erwachte, aber der andere Feuerberg still blieb. Die zahl⸗ reichen Erdbeben, von denen die kleinen Antillen häufig heimgesucht werden, weisen zudem dar⸗ auf hin, daß die unterirdischen Gewalten dort besonders thätig sind. Sehr beachtenswert ist endlich die Thatsache, daß die starken Erd— erschütterungen, welche in der Nacht vom 5. zum 6. Mai das südwestliche Frankreich und die spanische Halbinsel erschreckten, zeitlich mit dem Ausbruche der Montagne Pelee zusammen⸗ fallen. Es muß sich demnach um jene Zeit in dem peripherischen Feuerherde der Erdrinde unter den kleinen antillischen Inseln ein Vor⸗ gang abgespielt haben, der die glühende Lava zum Aufsteigen in den Schlünden der Montagne Pelee und des Soufriere brachte und gleichzeitig die Erdrinde bis nach Europa hin erschütterte. Alle vulkanischen Ausbrüche aber, von denen die Geschichte meldet, sind die letzten Zuckungen der ersterbenden inneren Glut der Erde, und einst muß die Zeit kommen, wo keine glühende Lava einem vulkanischen Herde mehr entquillt. Diese Ruhe vor dem unterirdischen Feuer er⸗ scheint freilich nicht als ein gnädiges Geschenk für die künftige Menschheit, sondern sie wird bezahlt durch die Abnahme der freien Wasser⸗ massen an der Oberfläche. Denn nur die innere Erdglut hat bis jetzt verhindert, daß unsere Oceane von den Gesteinsmassen des Erdballes gewissermaßen wie von einem ungeheuren Schwamme aufgesogen wurden. Mit der Glut im Innern werden die Wasser an der Ober⸗ fläche der Erde verschwinden, und diese wird zur toten Wüste, wie es die Oberfläche des Mondes anscheinend längst geworden ist. . DDD Gemeinnütziges. Kinder sind von Natur aus nicht furchtsam. Die Furcht wird den Kindern anerzogen. Sie ist die Frucht einer verkehrten Erziehung. Man sollte sowohl den Dienstboten strenge verbieten, als auch selbst beobachten, daß in Gegenwart der Kinder weder Schauer⸗ märchen noch Gespenstergeschichten erzählt werden, besonders am Abend vor dem Schlafen gehen. Die Kinder träumen oft die ganze Nacht von dem, was sie zuvor gehört haben und sind dann nicht mehr zu bewegen, im Finstern zu bleiben oder selbst im eigenen Hause etwas zu holen. Grünfutter ist auch deu Schweinen sehr dienlich, da es außerordentlich zu der Ge⸗ sundheit und dem Wohlbefinden derselben bei⸗ trägt. Daneben hat es auch den Vorteil großer Billigkeit. Man baue zu diesem Zweck die Pferde⸗ oder Saubohne, sowie den Ackerspörgel an, und man hat, wenn dies in Zwischenräumen geschieht, vom Frühjahr bis in den Herbst hin⸗ ein ein Futter, welches, wenn es in geschnittenem Zustande den Schweinen gegeben wird, treffliche Dienste leistet. Mit gutem Erfolg läßt sich auch älterer, blühender Klee verfüttern, doch muß derselbe stets trocken sein. Ein pünktliches Einhalten der Futter⸗ zeiten ist eine der Hauptbedingungen, um unser Vieh bei immer gleichbleibender Gesundheit zu er⸗ halten. Umsomerh ist dies in unserer Zeit ge⸗ boten, wo sehr häufig schon bedeutend konzen⸗ trierte Nahrung und dadurch viel weniger Futtermassen gereicht werden. Nie soll man neues Futter auf oder in noch nicht verzehrtes Futter schütten, sondern es vorher entfernen, da es sehr leicht in Fäulnis und Gährung übergegangen ist. Humoristisches. Ein witziger Bauer. Im österreichischen Abgeordnetenhaus erzählte kürzlich der oberösterreichische Abgeordnete Winter, daß in den fünfziger Jahren ein aufgeklärter Bauer(der bekannte Tiroler Bauern⸗ philosoph Konrad Deubler), als er wegen des Besitzes eines verbotenen Buches eingesperrt wurde, an die Mauer seines Gefängnisses folgende Anleitung eines guten österreichischen Patrioten geschrieben habe: „Verträum' die Zeit, verlern' das Denken, Mach' stets ein frommes Schafsgesicht, Laß dich von jedem Ochsen lenken, Wenn er dich stößt, so muckse nicht.“ Es komme dem Redner vor, als ob dieses Rezept auch heute im Parlament in bester Uebung stünde.— Stimmt! Unpraktisches Wissen. Die Frkftr.⸗Ztg. erzählt folgeude hübsche Schulanekdote: Der verstorbene Schul⸗ inspektor Bornemann examinierte die Willemerschule in Sachsenhausen. In einer höheren Klasse nahm er Geo— graphie por. Er fragte einen Knaben nach Amerika. Doch wilßte der Junge, der sehr faul war, wenig oder gar nichts über diesen Erdteil zu sagen. Der Inspektor kanzelte ihn gehörig ab und ermahnte ihn, fleißiger zu sein. An demselben Nachmittag, es war ein Mittwoch, machte der Schulinspektor einen Spaziergang nach dem Wald. Er ging den Hainerweg hinauf und wollte nach Isenburg, um von da mit der Waldbahn zurückzufahren. Im Wald, an der Schutzhütte, wo sich verschiedene Wege kreuzen, war er nicht sicher, welchen er einschlagen müsse, und fragte einige Erdbeeren suchende Jungen um den Weg nach Isenburg. Einer der Jungen(es war der am selben Morgen wegen Amerika gerüffelte) wandte sich unwillig ab und brummte: „Da! Heut Morjend hat er en jede Dreck von Amerika gewißt, und jetzt waaß er net emol den Weg nach Iseborg!“ Geschichtskalender. 3. Juni. 1888: Reichs ⸗Spitzelminister Putt⸗ kammer gestürzt. 1896: Jules Simon, ehem. Mitglied der„Internationale“, gestorben. 9. 1832: Gentz, Reaktionswerkzeug Metternichs, gestorben. 10. 1836: Ampere, Physiker, in Paris gestorben. 11. 1878: Auflösung des Reichstages(infolge der Ablehnung des ersten Ssozialistengesetzes). 12. 1848: Wartburg⸗Fest. Miquel, republikani⸗ scher Festredner. 13. 1810: Dichter J. G. Seume, gestorben zu Teplitz. 14. gestorben. 1901: Pastor Hülle, Sozialistentöter in Berlin 1848: Zeughaussturm in Berlin. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Seit Monatsfrist hat der Wahlverein Gießen den Vertrieb der sozialistischen Litteratur übernommen. In⸗ dem wir unsere Genossen darauf hinweisen, richten wir die Bitte an sie, sich ihrerseits um die weiteste Verbreitung unserer Parteischriften mit zu bemühen, damit unsere Anschauungen in die weitesten Kreise dringen. Auch alle hier nicht angeführten Bücher und Zeitschriften be⸗ sorgt die Kommission. Es sei noch bemerkt, daß der etwa erzielte Gewinn wieder im Interesse der Agitation verwendet wird. Wir machen auf folgende Broschüren und Zeitschriften aufmerksam. Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg. Das im Jahre 1847 verfaßte Manifest ist die be⸗ deutungsvollste Schrift der sozialistischen Litteratur. Trotz der 45 Jahre Zeitfortschritt haben die darin auf⸗ gestellten allgemeinen Grundsätze im Ganzen heute noch ihre Richtigkeit. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. In der Einleitung, die Friedrich Engels dieser vorzüglichen Agitationsschrift über das Wesen der heutigen Produktionsweise vorausschickt, entwickelt er die Gründe, warum einzelne Stellen und Wendungen geändert sind und knüpft daran eine klare ökonomische Auseinander- setzung über die verschiedenartigen Begriffe: Arbeit und Arbeitskraft. Grundzüge und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen! Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. Eine Rede von Paul Göhre, Pfarrer a. D. Preis 10 Pfg. Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg. Weltpolitik, Chinawirren und Trans⸗ vaalkrieg. Von W. Liebknecht. Liebknecht's letzte Rede, gehalten zu Dresden im„Trianon“ am 28. Juli 1900. Preis 15 Pfg. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben nnd Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Führer durch das Gewerbe⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Bau⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Unfallversicherungs⸗Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Invalidenversicherungs-Gesetz. Jedes einzelne Werk ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto. Ferner empfehlen wir: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ Von A. striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer. Die Kommission. 1 — —— — .— n — 5 .* 8 22e Seite 8. Mitteldeutsche Sonntaas⸗Zeitung. Nr. 23. Gießener Fischbörse Marktplatz 5 Telefon 50 Empfehle als neu zugelegten Spezialartikel sämtliche 2 und offerire Feinste Leberwurst per Pfund 60 Pfg. Feinste Fleischwurst per Pfund 30 Pfg. Fst. Hausmach. Mettwurst per Pfund 1 Mark. Fst. Braunschw. Leberwrst. per Pfund 1 Mark Feinste Zungenwurst per Pfund 1,20 Mark Fst. Westfäl. Salami per Pfund 1,40 Mark Fst. Gothaer Salami per Pfund 1.30 Mark Fst. Westf. 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A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. ö 1 — Die N Aus tre Durch d. e Epe — U Det Land Fantek Neratu Auträg Mitgete geübt. haben, z Sto lungen Vorlag st es die bür Ste Negtün lach A führun er Re fh. Uisenh Schwer direkt Person kungen Man de zurück lonne scgen, der B lehre, würden Uantei licht 9 ewesen