— N. e N Grossh. Bibliothek Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. I Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger srei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 2 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940)]33¼%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens Volkswirtschaft. Was versteht man unter„Volkswirtschaft“? Diese Frage suchte der„Tabak⸗Arbeiter“, eins unserer bestgeleiteten Gewerkschaftsblätter, jüngst zu beantworten. Wir sind überzeugt, einem roßen Teile unserer Leser wird es erwünscht ein, wenn wir die Ausführungen des genannten Blattes über diesen Gegenstand wiedergeben, die klarlegen, was man unter dem Worte „Volkswirtschaft“ begreift. Nichts ist schädlicher, sagt mit Recht der„Tab.⸗Arb.“, als halb ver⸗ tandene, nicht vollkommen geklärte Begriffe, eigentlich nur hohle, im Munde— und fetber auch im Kopfe zu führen. a Zunächst ist Volkswirtschaft ein Wort, dessen Sinn und Bedeutung wir sauber und unzwei⸗ deutig feststellen müssen. Zerlegen wir es in seine Teile: Wirtschaft und Volk. Wirtschaft geht zurück auf das einfache Wort: Wirt, das mehr Licht erhält, wenn wir es in seinen Zusammensetzungen betrachten: Gastwirt, Hauswirt ꝛc., das ist der Mann, an den man sich in etnem Hause, in einer Herberge hält als denjenigen, der da zu gebieten, zu schalten und zu walten hat. In Schillers Tell nennt die Stauffacherin ihren Gatten: mein lieber Herr und Ehewirt; sie bezeichnet ihn also als den maßgebenden Herrn auch ihr selbst, seiner Ehegattin gegenüber. Wir kommen da⸗ mit zu dem allgemeinen, umfassenden Begriff: Hausherr, Familienoberhaupt, oder wie die neue Sprache der deutschen Reichsgesetze es heute nennt: Haushaltungsvorstand. Wirtschaft ist die Bezeichnung für die Auf⸗ gabe und Thätigkeit eines„Wirtes“ oder ge⸗ nauer:„die planmäßige Thätigkeit(des Wirkes mitsamt den Seinen) zur Befriedigung der Be⸗ dürfnisse aller Glieder des Hausstandes.“ „Diese Thätigkeit erstreckt sich nach drei Richtungen: 1. Erzeugung oder Beschaffung aller zum Unterhalt aller Haushaltsgenossen nötigen Wirt⸗ schaftsgüter; 2. Verwaltung derselben, Aufbewahrung und Vorrätighalten derselben für den Bedarf; 3. Verteilung derselben beim Bedarf und zum Gebrauch an die einzelnen Mitglieder des Hausstandes. Wirtschaften können muß aber auch der Einzelne. Auch der 1 1 allein stehende und nur für sich sorgende Mensch muß sich Güter schaffen oder erwerben und sie richtig verwalten: das heißt aufbewahren und einteilen; nur das Zuteilen unter mehrere andere Personen fällt bei ihm weg. Wirtschaftlich nennen wir den Menschen, der diese Kunst gut versteht. Die nächsthöhere Wirtschaftsform ist die Familienwirtschaft, wobei wir von der Urzeit Und ihren losen und vielköpfigen Familienver⸗ bänden(Vielmännerei, Vielweiberei, Gruppen⸗ ehen) absehen und die einfache monogame(ein⸗ eheliche) Verbindung, die angebliche„Zelle“ der Staats⸗ und Volksgemeinschaften im Auge haben, da wir heute fast nur mit ihr zu rechnen haben. Wahrscheinlich hat sich jedoch die Einehe, die Einzelfamilie erst aus der Gruppenehe herausgebildet. Mögen wir nun eine monogame Nerbindung oder eine durch Gruppenehe verbundene Gemein⸗ schaft an die Spitze der Entwicklung stellen: von Anfang an oder doch sehr frühe werden alle die Glieder einer solchen Gemeinschaft ihre wirtschaftliche Thätigkeit in Zusammenhang und Einklang gesetzt haben: ste müssen„wirtschaften“, die für alle nötige Menge von Wirtschaftsgütern schaffen oder erwerben, sie für den Bedarfsfall vorrätig halten und auf die Zeit, für die sie reichen sollen, und auf die Mitglieder der Wirt⸗ schaftsgemeinde nach Bedarf und Gerechtigkeit verteilen. Mehrere Familien können sich wirtschaftlich zu einer Sippen⸗, mehrere Sippen zu einer Horden⸗ oder Stammeswirtschaft zusammen⸗ schließen. Schließlich kann man ein ganzes Volk als Wirtschaftsgemeinde betrachten, selbst dann, wenn ein bewußter straffer enger Zusammenhang aller Volksgenossen, den man als Staat bezeichnen könnte, noch nicht durchgeführt und festgesetzt ist. Dann sprechen wir mit Recht von Volkswirt⸗ schaft. Je mehr Wille und Einsicht, Bewußt⸗ sein und Planmäßigkeit das Wirtschaftsleben eines Volkes durchdringt, desto berechtigter sind wir, von einer vernünftigen Volkswirtschaft zu reden. Die Wissenschaft von der Volkswirt) gaft, die Volkswirtschaftslehre wird gemeinlich Natio⸗ 10 genannt: die Kunst des Volkshaus⸗ alts. Bis ins vorige Jahrhundert herein ward diese Wissenschaft als ein besonderer Wissens⸗ zweig der Jurisprudenz aufgefaßt und als „Finanzwissenschaft und Cameralta“ bezeichnet; erst später kam die schon früher bei den roma⸗ nischen Völkern gebräuchliche Bezeichnung: „National⸗Oekonomie“ auf. Früher, im absolutistischen Staat war der Wissenszweig, der Finanzwissenschaft und Ca⸗ meralia hieß, die Kunst, Land und Volk einfach so ergiebig als möglich zu machen für die Schatulle des Landesherrn, für die„Kammer“. In einem urzuständlichen Kommunismus, bei dem alle Produktionsmittel, Grund und Boden, Rohstoffe aller Art ꝛc., allen gemeinsam sind, nicht dem einzelnen als Privateigentum gehören, also alle für alle arbeiten und Güter erzeugen, ist das Wirtschaftsleben sehr einfach. Je vielfältiger und verschiedener sich aber mit wachsender Kultur die Wirtschaftsgüter gestalten, je mehr die Teilung der Arbeit zu⸗ nimmt und nach Lage der Ortsgelegenheit ihrer Wohnung, nach ihren verschiedenen Neigungen und Anlagen Einzelne sich auf bestimmte be⸗ sondere Thätigkeiten verlegen und von einem bestimmten Wirtschaftsgut größere Mengen und bessere Qualitäten hervorbringen, desto mehr ist einer auf den anderen angewiesen, um ein be⸗ stimmtes Gut, das er nicht, oder doch nicht so gut wie ein anderer erzeugt, einzutauschen gegen ein anderes, an dem er Ueberfluß hat und das der andere aus gleichen Gründen begehrt, wie er selbst das Erzeugnis jener; das einzelne kleine Gemeinwesen, das„Haus“, die Familie genügt nicht mehr den eigenen Ansprüchen. Eine Menge Erzeugungen bestimmter Wirt⸗ schaftsgüter sind überhaupt aus dem Hause ausgewandert und zum„Beruf“ bestimmter darauf geübter Spezlalisten, geübter und ge⸗ lernter„Handwerker“ geworden. Unsere Groß⸗ mutter und Urgroßmutter backten nicht nur das nötige Brot im eigenen Hause, meine Mutter spann noch das Garn für die Leinwand zu unseren Hemden, die freilich der Weber herstellte (jedoch früher geschah natürlich auch das im Hause!, die Großmutter backte noch im eigenen Backofen, zog ihre Talglichter selbst ꝛc. Durch diese Spezialisierung der Güterer⸗ zeugung,„Arbeitsteilung“ genannt, wurden die Menschen wirtschaftlich immer mehr aufeinander angewiesen, die Sache wird immer komplizierter und schwieriger zu übersehen und einheitlich zu gestalten. Endlich kann man ein ganzes Land und das darin wohnende Volk als eine Interessen⸗ und Wirtschaftsgemeinde betrachten. So kam man für das Wort Volkswirtschaft zu der Definition(Erklärung, Bestimmung): sie ist „der Inbegriff der ganzen wirtschaftlichen Thä⸗ tigkeit und der verschiedenen öffentlichen und privaten Sonderwirtschaften eines Volkes“,„die Gesamtheit der Anstalten, Einrichtungen und Vorgänge, welche die Bedürfnisbefriedigung eines ganzen Volkes hervorruft.“ Die Nationalökonomie oder Volkswirtschaft als Wissenschaft hat nun eine doppelte Aufgabe: sie soll das Wirtschaftsleben erkennen lehren m es ist und geschichtlich geworden ist; aber sie auch lehren, wie es verbessert, vervollkom! werden kann. Ihr Ziel ist die Herstellung einer solchen sozialen Ordnung der wirtschaftlichen Thätigkeit und der Einzel wirtschaften, innerhalb deren er⸗ möglicht wird,„die steigende Ernährung und Bedürfnisbefriedigung einer steigenden Bevölke⸗ rung auf einem gegebenen Territorium“). Man sieht, wie eng eine Volkswirtschafts⸗ lehre, so scharf gefaßt, mit der Politik oder Staatskunst zusammenhängt, von der heute jeder erwachsene Staatsangehörige wenigstens die Grundelemente verstehen sollte, die er keunen muß, um seine Pflichten als Mensch und Staatsbürger, als Mitglied eines gesitteten Menschenverbandes gebührend erfüllen zu können. Um jene erstrebenswerte soziale Ordnung herbeizuführen, von welcher oben die Rede war, ist die bewußte einsichtsvolle Mitarbeit auch des arbeitenden Volkes unerläßlich notwendig. Darum müssen die elementarsten Begriffe der Volkswirtschaftslehre Gemeingut aller werden! Dann erst kann eine wirkliche Wirtschaft des Volkes geschaffen werden, deren„Wirt“ oder Wirte in Wahrheit und Wirklichkeit gute Haus⸗ wirte und Hausvorstände sind, die wie ein guter Familienvater kein Kind, kein Glied der Familie am Nötigen und Nützlichen Mangel leiden, es irgendwie in seiner Entfaltung und Entwicklung verkümmern lassen— wie das unter der derzeit beliebten Volks⸗— Miß⸗— Wirtschaft das Schicksal von Hunderttausenden und Millionen leider ist! *)(Prof. Fuchs.) Polttiche Rundschau. Gießen, den 2. Januar. Die„göttliche Weltordnung“. „Dreißig Jahre sind es nun her, daß wir gegen Menschenkraft und Volksvermögen Seite 2. —.— ß Iii uli 7 in Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Fee Ar. 1. rüsten, um uns vor einem feindlichen Einbruch zu schützen, der glücklicherweise niemals erfolgt. Wie viel Jahre werden wir noch in dieser bloͤd⸗ sinnigen Erwartung verharren, die uns zu Bett⸗ lern macht?“ zUnd die Kehrseite der Medaille: Gegen die Schädigungen aller Art, die sich täglich und stündlich um uns her verbreiten, treffen wir keinerlei Vorkehrungen. Kaum daß die Regie⸗ rungen von Zeit zu Zeit irgend einem gelehrten Kongreß gastfreundlich die Thore öffnen, kaum daß sie mit spärlichen Unterstützungen opfer⸗ willige Aerzte ermutigen, die den Volkskrank⸗ heiten die Stirne bieten, ihren geheimen Ur⸗ sachen nachspüren und die Mittel zu ihrer Be⸗ seitigung suchen. Unabänderlich bleibt es dabei, daß uns eintretende Katastrophen von allen Schutzmaßregeln entblößt finden...“ „Wir verschwenden Milliarden, um zu töten und uns töten zu lassen unter dem Vorwande, daß die Feinde sich eines Tages unseres Landes bemächtigen könnten. Aber wir achten's kaum eines Pfennigs wert, unser Leben gegen wirk⸗ liche Gefahren zu verteidigen, die wir mit leich⸗ ter Mühe beschwören könnten.“ „Alljährlich verursacht die Kälte eine erheb⸗ liche Vermehrung der Sterblichkeit. Aber so todsicher und pünktlich ihre Wirkungen eintreffen, wird gegen sie keinerlei Vorkehrung getroffen, weder vom Staate noch von der Gemeinde.“— „Und Jene selbst, die ihre soziale Stellung als Opfer zeichnet, würden den ersten Stein gegen uns aufheben, wenn wir ihnen rieten: Verkauft Flinten und Kanonen! Verwendet den Erlös aus dem Verkaufe dieser Werkzeuge der Zerstörung für warme Decken, für Schutzbauten, für Feuer auf öffentlichen Plätzen!“ „O, diese armen Thoren!“ So ungefähr schrieb jüngst Genosse Gerauld Richard in der Pariser„Petit Republique“. Natürlich gilt das— nur für Frankreich! Ofsiziers⸗Pensionierungen. Nicht weniger als 624 Offiziere wurden im Laufe des verflossenen Jahres mit Penston entlassen. Allein seit dem 15. November wurden in der deutschen Armee 89 Offiziere penstoniert, was auf das Jahr berechnet ca. 200000 Mk. Kosten verursacht. Die Steuerzahler haben das Jahr über ein ganz nettes Sümmchen an Penstonen zu berappen. Im Etat vom Jahre 1901 betrug der Allgemeine Pensionsfonds bei⸗ nahe 71 Millionen Mark! Dabei sind die ver⸗ abschiedeten Offiziere fast ohne Ausnahme ge⸗ sunde, arbeitsfähige Leute! Wieder ein Rachezug in Sicht. Was zuerst nur wie ein schlechter Witz klang und auch als solcher behandelt wurde, scheint sich nun doch zu einer zwar nicht minder schlechten aber doch ernsthaften Thatsache zu verdichten; Deutschland kokettiert mit einer kleinen Kriegs⸗ fahrt nach der südamerikanischen Republik Venezuela. Der Anlaß dieser im Bereiche der Möglich⸗ keit liegenden militärischen Spritztour und Flot⸗ tendemonstration ist nicht eben sehr bekannt. So viel darüber verlautet, handelt es sich um nicht erfüllte Forderungen deutscher Geldleute. Die Diskontogesellschaft, die eine Eisenbahn⸗ anlethe Venezuelas finanziert hat, hat die fällige Zinsrate noch nicht ausgezahlt erhalten; ferner soll deutsches Eigentum durch die Unruhen in Venezuela zerstört sein. Nun wird gewiß niemand wollen, daß die geschädigten Deutschen um ihr Geld und Eigentum kommen. Aber wir halten das Mittel der kriegerischen Drohung für das allerungeeignetste. Dadurch werden die ohnehin total zerzausten Verhältnisse in Venezuela noch verworrener, während gerade eine möglichst baldige Beilegung der Wirren das beste Mittel zur baldigen Be⸗ friedigung der deutschen Ansprüche wäre.— Hoffentlich läßt sich die Regierung nicht durch zinswütige Kapitalisten zu Maßnahmen drängen, die dem Volke nur wieder schwere Lasten und Opfer aufbürden. Aus der Ferienkolonie. „O, welche Lust, Soldat zu sein!“ Das traurige Kapitel der Soldatenmißhand⸗ Deen lungen erfährt immer neue Bereicherungen. So berichtet die„Leipz. Volksztg.“ aus Köln: „Wegen Beleidigung von Vorgesetzten, Mi ß⸗ handlung und Beleidigung von Unter⸗ gebenen, sowie Mißbrauchs der Amtsgewalt wurde von dem Kriegsgericht der 16. Division in Köln der Major Kruse von dem Infan⸗ terie⸗Regiment Nr. 160 zu neun Monaten Festungshaft verurteilt. Der Major war früher Chef der 5. Kompagnie des genannten Regi⸗ ments. Die Verhandlung, zu der zahlreiche Zeugen geladen waren, dauerte zwei Tage.“ — Wenn ein Stabs⸗Offizier neun Monate be⸗ kommt, kann sich's wirklich nicht um Kleinig⸗ keiten gehandelt haben. Empfindlich ist die Strafe gerade nicht, es ist ja nur Festungshaft, vor Gefängnis hat den Mann der vornehme Rock bewahrt, den er trägt. „Ihr Lehrer seid dreckige Schweinel Der Lehrer Fuchs diente seit dem 1. April beim 63. Infanterieregimeut in Oppeln, wo sich die Unteroffiziere Meisterek und Hansel nach der gegen sie erhobenen Anklage Beleidigungen gegen Fuchs haben zu schulden kommen lassen. Der Lehrer mußte mehrere Male Stubendienst hintereinander thun, angeblich, weil noch ein Glas auf dem Fensterbrett stand. Meisterek wollte ihm deswegen den Dienst nicht abnehmen und erklärte nach Aussage des Lehrers:„Ihr Lehrer seid dreckige Schweine.“ Da die Zeugen nur aussagten, daß Meisterek geschimpft hatte, die Worte aber nicht nennen konnten, blieb der Unteroffizier Meisterek ohne Strafe. Der Unteroffizier Hansel hatte durch Fuchs die Geräte aus dem Schuppen holen lassen. Fuchs behielt den Schlüssel, um sie nach dem Dienst wieder fortzuschließen. Als nun Hansel den Schlüssel brauchte, schrie er den Lehrer an: „Sie dreckiges Schwein, Ihretwegen muß ich mich anschnauzen lassen!“ Ein anderer Lehrer bezeugte diese Beleidigung, worauf der Angeklagte darauf aufmerksam machte, der Zeuge sei auch Lehrer. Der Vorsitzende des Gerichts verwies dem Angeklagten mit scharfen Worten diese Beleidigung des Zeugen, dessen Bildungs⸗ grad weit über dem des Unterofftziers stehe. Fuchs erklärte, daß ihm Hansel sogar einen Backenstreich versetzt hätte. Die Verhand⸗ lung wurde vertagt. Als ein Votum gegen den Zollwucher kann man die Reichstagsersatzwahl in Witt en⸗ berg⸗Schweinitz bezeichnen. Dieser Wahl⸗ kreis ist ein durchaus ländlicher; für den kon⸗ servativen Kandidaten arbeitete außerdem der amtliche Wahlapparat in bekannter Weise. Die Hauptwahl ergab, wie in letzter Nummer mit⸗ geteilt, Stichwahl zwischen dem Frei sinnigen Barth und dem Konservativen v. Leipziger. Am 30. Dez. fand die Stichwahl statt, wobei der Freisinnige als Sieger aus der Urne her⸗ vorging. Er erhielt 9463, der Brot wucherer nur 8862 Stimmen. Im Jahre 1898 stegte der Freiftnnige Kandidat Siemens mit 8713 gegen 7829 konservative Stimmen. Die Wahl⸗ beteiltgung war also diesmal eine sehr starke. Selbstverständlich haben unsere Genossen dem Freisinnigen gegen den Wucherzöllner zum Siege verholfen. Erfreuliche Wahlresultate für unsere Partei haben auch die im Dezember stattgefundenen Gemeinderatswahlen in Württemberg er⸗ geben. Im ganzen wurden 25 Parteigenossen zu Gemeinderäten gewählt; außer diesen ge⸗ langten in einer Anzahl Orte solche Kandidaten zum Stege, die ohne der Partei anzugehören, auf dem sozialdemokratischen Zettel standen. In vielen weiteren Orten aber, wo die sozial⸗ demokrat. Liste unterlag, weist sie eine starke Minorität auf, oft stegten die Gegner nur mit wenigen Stimmen Mehrheit. Jedenfalls wird die Zusammenstellung der sämtlichen Slkeumese eine Steigerung der sozialdemokrat. Stimmen⸗ zahl erkennen lassen. Die treu⸗monarchischen Thüringer. Anläßlich der Feier des 300 jährigen Geburts⸗ tages des Herzogs Ernst des Frommen von Gotha die am ersten Weihnachtsfeiertage auf Schloß Friedenstein bei Gotha stattfand— hielt auch der Kaiser eine Rede, in welcher er unter Andern sagte: „Wer die Gefilde Thüringens besucht, und wie ich, jahraus, jahrein Gelegenheit gehabt hat, das thüringische Volk zu beobachten, der wird von seiner Poeste, von seinem stillen Walde und vor allen Dingen von seiner un⸗ erschütterlichen, treuen Anhänglich⸗ keit an seine Fürsten gerührt.“. Unsere Partei hat auch alle Veran⸗ lassung, mit den Thüringern recht zufrieden zu sein. Sie wenden sich mehr und mehr dem Sozialtsmus zu; in Thüringen erzielte die Sozialdemokratie 1898 fast Hun dert⸗ tausend Stimmen! Städtische Beamte als Schmähbrief⸗ schreiber. Mit welchen gemeinen Mitteln die Gegner, die„Ordnungsstützen“, unsere Partei bekämpfen, zeigt ein Vorfall in Leipzig. Von dort erhielt nämlich unser Genosse Bebel nach seiner vor⸗ trefflichen Rede gegen den Brotwucher im Reichs⸗ tage eine Postkarte mit höchst unflätigem In⸗ halt, die ein über diese Rede in Wut geratener antisemitischer Schmutzfinke geschrieben hatte. Der Lumpazius wagte aber bei seiner Groß⸗ mäuligkeit doch nicht, seinen Namen unter sein elendes Machwerk zu setzen, er verleumdete aus dem Hinterhalte, unter dem Schutze der Pseudo⸗ nymität. Die mit„O. Müller, Oberlehrer“ unterzeichnete Karte lautete: Leipzig, den 6. Dezember 1901. Herr Bebel! Eine Frage im Vertrauen: Wie⸗ viel haben Sie denn für Ihre heißblütige Vertretung der Interessen der Börsenjuden— siehe gestrige Rede zum Zolltarif— bekommen? Denn ein vernünftiger Mensch kann unmöglich aus ehrlicher Ueberzeugung solchen Blödsinn reden, wie Sie es gethan. Bebel August ist nicht mehr der alte, der für eine gute Sache eintrat. Jetzt arbeitet er nur noch für„un⸗ sere Leute an der Börse“; bringt allerdings viel ein! Sie können aber ohne Sorge sein, Sie werden selbst vom einfachsten Manne nicht mehr ernst genommen. Polterhafter Schwätzer— nichts weiter. Schauspieler. Auf diese Karte hatte Bebel folgende Ant⸗ wort an die Adresse des O. Müller nach Leipzig gesandt: Sie sind ein gemeiner Bursche, Wenn Ihre vor⸗ gesetzte Behörde Sie in Rücksicht auf Ihre Flegelhaftig⸗ keit mit Schimpf und Schande von Ihrem Posten jagte, so würde sie sich ein Verdienst um die Ihnen anvertraute Jugend erwerben. A. Bebel. Einen Oberlehrer Müller gab es aber in Leipzig nicht, die Karte ging als unbestellbar zurück. Natürlich konnten unsere Leipziger Genossen bald feststellen, daß sich hier ein trauriger Wicht hinter falschem Namen versteckte. Sie suchten ihn zu ermitteln, druckten zu diesem Zwecke eine getreue Nachbildung der Karte in der Leipziger„Volkszeitung“ ab. Um die Genossen irre zu führen, schickte der Verfasser der Karte eine zweite aus Halle an Bebel. Das Ma⸗ növer nützte aber nichts mehr, er wurde in der Person des Ratssekretärs F. Golla er⸗ mittelt. i Diese saubere Ordnungsstütze hat sich schon 155 durch höchst rüdige Beschimpfung unserer artei hervorgethan. In einer an die Leipziger Volkszeitung gerichteten Zuschrift bestreitet Golla, diese Postkarten geschrieben zu haben, doch hält unser Parteiblatt seine Behauptungen vollinhalt⸗ lich aufrecht. Es wird wohl die Beweise da⸗ für haben. Man darf gespannt darauf sein, was der Leipziger Stadtrat in diesem Falle thun wird. Spitzelgeschichten. Im fünften Berliner Wahlkreis hatte sich im Juli dieses Jahres ein Mann in den Wahl⸗ verein aufnehmen lassen, der sich Karl Schneider nannte und bald eine auffallende Geschäftigkeit und Rührigkeit bei allen Parteiarbeiten, Ver⸗ breitung von Flugblättern, Kouvertierung von Stimmzetteln ꝛc. entwickelte, außerdem auch eif⸗ rig Fühlung mit den alten, bekannten Partei- genossen des Kreises zu nehmen suchte und diese gerne zu einer fortgesetzten Bierreise animierte. hracht; kboch 1570 Nugelegen Geheimuise eigen demokkatischen Heler klamablen! Arbe Wie die org aubettelosen und Mülder geden das Frankfurter Weihnachten Du Darüber berichte Wie früher Hof, so ist her Weihnachtsfei⸗ abgehalten we Hachtabaum 1 kthielten ein freicz Nachtar Gewerkschaftz Mark für je Jahr konnten haus selbst l. Mulgliedern d mußte eine A. nächtigen. Na die Weihnachts Herer, 13 Bu Valer und W. 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So hatte dieser neue Genosse mehrere Monate lang seine Parteipflicht erfüllt, ohne daß er zu irgend welchem Verdacht Anlaß gegeben, als er von mehreren Parteigenossen kurz hintereinander mehr oder weniger bestimmt als Kriminal⸗ beamter erkannt wurde. Als ihm seine Qua⸗ lität auf den Kopf zugesagt wurde, leugnete Schneider hartnäckig; jedoch weitere Nachforfch⸗ ungen ergaben bald, daß der angebliche Schnei⸗ der in seiner angeblichen Wohnung nicht wohnte und daß eine Person seines Namens und Zei⸗ chens in Berlin überhaupt nicht existiert. Als man dem Herrn zum Ueberfluß in einer Vor⸗ standssitzung des sozialdemokratischen Vereins Gelegenheit zur Rechtfertigung geben wollte, zog er es vor, durch Abwesenheit zu glänzen, und seither ward der, Gentleman“ in den Kreisen unserer Genossen nie mehr gesehen. Das Vor⸗ kommnis hat ja gewiß manche Ueberraschungen gebracht; jedoch das Befremdlichste an der ganzen Angelegenheit ist doch die Frage, welche Geheimnisse eigentlich die Polizei in der sozial⸗ demokratischen Organisation mit Aufwand so vieler blamablen Entlarvungen zu ermitteln sucht. Arbeiter⸗Solidarität. Wie die organisterte Arbeiterschaft ihrer arbeitslosen und auf der Landstraße befindlichen Mitglieder gedenkt, bewies die Fürsorge, welche das Frankfurter Gewerkschaftskartell den am Weihnachten Durchreisenden zuteil werden ließ. Darüber berichtete die„Volksstimme“: Wie früher in der Arbeiterherberge Erlanger Hof, so ist heuer im Gewerkschaftshaus eine Weihnachtsfeier für die zugereisten Arbeiter abgehalten worden. Es brannte ein Weih⸗ nachtsbaum und die arbeitslosen Wanderer erhielten ein einfaches Abendessen nebst Bier, freies Nachtquartier und Morgenkaffee; das Gewerkschaftskartell spendete außerdem eine Mark für jeden Organisterten. In diesem Jahr konnten aber nicht alle im Gewerkschafts⸗ haus selbst Unterkunft finden; von den 116 Mitgliedern der verschiedenen Gewerkschaften mußte eine Anzahl in anderen Logierhäusern nächtigen. Nach den Branchen geordnet waren die Weihnachtsbesucher: 23 Maurer, 17 Zim⸗ merer, 13 Buchdrucker, 13 Holzarbeiter, 11 Maler und Weißbinder, 7 Metallarbeiter, 7 Steinmetzen, 6 Schneider usw. Das ist nicht nur ein Beweis für die gegen⸗ wärtig herrschende Arbeitslosigkeit, deren Vor⸗ handensein von satten Bürgern abgeleugnet wird, es zeigt auch, welchen direkten Nutzen die Or⸗ ganisation für den in Not geratenen Arbeiter hat. Noch viel mehr könnte geleistet werden, wenn sich alle Arbeiter der Gewerkschaft an⸗ schließen würden. Und mehr noch als durch Unterstützung, nützt die Gewerkschaft allen Arbeitern durch Verbesserung der Arbeits⸗ bedingungen. Eine Juden⸗Debatte steht im hessischen Landtage bevor. Der Anti⸗ semit Köhler hat eine Anfrage an die Re⸗ gierung gerichtet, welche Stellung sie zu einer Urteilsbegründung einnehme, die von Seiten des Amtsrichters Gerlach in Darmstadt bei einem Zivilprozesse gegeben wurde und worin es heißt: „Das Gericht hat keinen Anlaß, die Glaub⸗ würdigkeit des Zeugen St. zu bezweifeln. Derselbe hat einen zuverlässigen, vertrauen⸗ erweckenden Eindruck gemacht und seine Aus⸗ sagen unter dem Eide abgegeben. Er ist mosaischer Religion, deren Ange⸗ hörige nach den Erfahrungen des Gerichts es mit dem Eid durchgängig sehr ge⸗ nau nehmen. Seine Religionszuge⸗ hörigkeit dient daher dem Gericht zur Erhöhung seiner Glaubwürdigkeit.“ Das ist nun allerdings ein ganz unhalt⸗ barer und für einen Richter höchst sonderbarer Standpunkt. Wo soll es hinführen, wenn man die Angehörigen der einen Religionsgemeinschaft für e e als die einer andern ansehen will? Es wird in jeder 1 Glaubwürdigere geben und solche, die es selbst mit dem Eide weniger genau nehmen.— Es wird also eine Auseinandersetzung in der Kammer geben.— Nebenbei bemerkt, muß es für die Antisemiten höchst betrüblich sein, die Juden, denen ste alle Laster nachreden, gerichtlich als vorzugsweise glaubwürdig hingestellt zu sehen, während Antisemiten— Reuther zum Beispiel — als unglaubwürdig bezeichnet wurden! Eiu Sensationsprozeß, der schon seit Wochen in Verona(Italien) sich abspielt, hat am Montag mit der Verur⸗ teilung des wegen Verleumdung angeklagten sozialistischen Redakteurs Tedeschint zu 28 Mo⸗ naten Gefängnis sein Ende gefunden. Dieser Prozeß hat über die Grenzen Italiens hinaus das größte Aufsehen erregt und ihm liegt ein geheimnisvolles Vorkommnis zu grunde. In der Etsch wurde Anfang dieses Jahres der Leichnam eines jungen Mädchens, in Stücke geschnitten und in einen Sack eingenäht, auf⸗ gefunden. Der That verdächtig war der Ge⸗ liebte des Mädchen, ein Leutnant Trival⸗ zio. Derselbe wurde aber freigesprochen, da die Zeugen vielfach versagten, allem Anschein nach von dem militärischen Klüngel beeinflußt und eingeschüchtert, auch die Untersuchung war sehr lässig geführt worden. Die Sozialisten von Verona, vor allem aber deren Organ, fuhren fort, den Leutnant Trivalzio des Mor⸗ des zu bezichtigen. Dies führte zu einer Klage des Leutnant gegen Tedeschini, den Redakteur des sozialistischen Blattes. Mitten in den Pro⸗ zeßverhandlungen beging der Staatsanwalt Selbstmord und man behauptete, daß seine That mit dem Prozesse in Verbindung stehe. Aus den bis jetzt vorliegenden Berichten geht nicht hervor, ob sich die Schuld oder Unschuld des Offiziers an der Ermordung des Mädchens klar herausgestellt hat. 2 Krieg in Südafrika. Die englische Niederlage von Twee⸗ fontein. Wir konnten in der letzten Nummer noch kurz die Erstürmung eines englischen Lagers durch De Wet erwähnen, die am 22. Dezbr. erfolgte. Darüber wurden noch folgende Einzel- heiten bekannt: Die aus 4 Kompagnien Peomanrys (Miliz⸗Kavallerie) bestehende, zwei Geschütze mit sich führende englische Truppe unter dem Ober⸗ befehle Firmans hatte am südlichen Abhange eines ziemlich steilen Berges ein Lager errichtet. Die englischen Vorposten hielten den Höhenzug besetzt, hatten schon von Natur eine starke Stel⸗ lung und hatten sich außerdem noch verschanzt. Es ergab sich, daß die Buren am andern Ab⸗ hang des Berges hinaufkletterten und sich in der Nähe des Gipfels sammelten. Dann griffen sie die oben befindlichen Piketts der Engländer um 2 Uhr früh plötzlich mit Uebermacht an. Bevor die im Lager befindlichen Engländer aus den Zelten herauskommen konnten, stürmten die Buren schon durch das Lager und schossen die Leute, wie ste aus den Zelten herausstürzten, nieder. Die Zahl der Gefallenen und Verwundeten und der jetzt in Sicherheit befindlichen Engländer beträgt etwa die Hälfte der ganzen Ko⸗ lonne. Die übrigen wurden gefangen genom⸗ men. Zur Verfolgung der Buren wurde Ka⸗ vallerie ausgesandt, doch war es den Engländern unmöglich, in dem Gelände gegen den über⸗ legenen Feind irgend etwas auszurichten.— Die Verluste der Engländer betrugen bei dieser Affaire: 6 Offiziere und 52 Mann tot, 4 Offi⸗ ziere verwundet, 4 Offiziere vermißt. Weitere Kämpfe hätten am 28. Dez. bei Loringsnek und am Bothapaß stattgefunden, wobei die Buren zurückgeschlagen worden wären. — Botha versuchte, an Dewet Verstärkungen abzusenden, es sei ihm jedoch nicht geglückt, die Linie der Blockhäuser bei Standerton zu durch⸗ brechen. Hessisches. Hessens Finanzen. Der neue hessische Etat für 1902/03 ist der zweiten Kammer zugegangen. Danach ist die Finanzlage ungünstiger, als in andern süd⸗ deutschen Staaten. Der Voranschlag weist ein Defizit von 1,690 600 Mark auf. Zur Hälfte soll das aus dem vorhandenen Vermögen, zur andern durch eine Erhöhung der Vermögens⸗ steuer von 55 Pf. auf 75 Pf für 1000 Mk. gedeckt werden. Der Einnahme⸗ Ausfall ist in erster Linie durch die hessisch⸗ preußische Eisen⸗ bahn⸗Gemeinschaft hervorgerufen. Der Minder⸗ ertrag beträgt hier allein 712 390 Mk. Mehr⸗ erträgnisse gegen den Voranschlag weisen die neue Einkommensteuer und die Vermögens⸗ steuer von insgesammt 570,000 M. auf; erstere erbrachte 8,300,000 M., letztere 2,220,000 M., die Staatslotterie 260,230 M., die Stempel⸗ steuer 200,000 M., die Hundesteuer mußte dagegen um 15,000 M. niedriger angesetzt werden.— Der Finanzminister hebt die Vorzüglichkeit der einjährigen Etatsperioden hervor. Der Entwurf eines Regentschafts⸗ gesetzes für Hessen ist der Zweiten Kammer zur verfassungsmäßigen Beratung und Beschluß⸗ fassung übergeben worden. In 11 Artikeln wird diese den treuen Patrioten ganz besonders am Herzen liegende Materie zu regeln versucht. Nach dem Artikel 1 findet eine Regentschaft statt, falls der Großherzog minderjährig oder dauernd verhindert ist, die Regierung persönlich zu führen oder wenn bei der Erledigung des Thrones die Person des Throufolgers ungewiß ist. Die Entscheidung darüber, wann die Vor⸗ aussetzungen zur Installterung einer Regent⸗ schaft gegeben sind, haben die Landstände zu treffen, die in solchen Fällen vom Staats⸗ ministerium„unverzüglich“ einzuberufen sind und unter dem Vorsitzenden der Ersten Kammer Beschluß darüber zu fassen haben. Die Ehre, Regent zu werden, gebührt zunächst demjenigen regierungsfähigen Agnaten,„welcher der Krone am nächsten steht.“ Sind regierungsfähige Agnaten nicht vorhanden oder schlagen dieselben die Regentschaft aus, so wird, falls durch Gesetz nichts Anderes bestimmt ist, der Regent durch die Stände aus den volljährigen, nicht regie⸗ renden männlichen Mitgliedern einer landes⸗ herrlichen oder vormals reichsständischen Familie erwählt. Hier läge doch die Frage nahe, meint unser Offenbacher Parteiblatt, warum man nicht ein⸗ fach den Ministerrat, der doch der Landesver⸗ tretung für seine Handlungen verantwortlich ist, mit diesen Funktionen betraut. Warum muß denn da ein unverantwortlicher Prinz diese Stelle bekleiden? Oder hat man Angst, daß das zu republikanisch aussehen oder gar die Entbehrlichkeit eines„Landesvaters“ demon⸗ strieren könnte? Ein Wechsel in der Person des Regenten soll, abgesehen von Fällen der Regierungsunfähigkeit oder des Verzichts des⸗ selben nur dann eintreten, wenn der Thron⸗ folger nach erlangter Regierungsfähigkeit er⸗ klärt, die Regentschaft selbst führen zu wollen. Nach Art. 6 ist natürlich der Regent unver⸗ antwortlich und unverletzlich, da er die volle Regierungsgewalt im Namen des Großherzogs ausübt. Er hat jedoch vor Uebernahme seines Amtes in einer Versammlung der vereinigten beiden Kammern der Stände einen Eid zu leisten, die Verfassung des Großherzogtums fest und unverbrüchlich zu halten und in Ueberein⸗ stimmung mit derselben und den Gesetzen zu regieren. Für die Hofhaltung und Repräsen⸗ tation des Regenten muß die Zivilliste auf⸗ kommen, jedoch soll es nicht ausgeschlossen sein, daß bei einer zu„starken Belastung“ der Zivil⸗ liste ein Beitrag aus der Staatskasse gewährt werden soll, den die Stände zu vereinbaren haben. Außerdem ist in dem Entwurfe noch vorgesehen, daß der Großherzog im Falle einer voruͤbergehenden Verhinderung Vollmacht für seine Stellvertretung in Ausübung der Regie⸗ rungsrechte erteilen kann. Im Schlußarttkel ist festgelegt, daß das Regentschaftsgesetz eine n Bestandteil der Verfassungsurkunde darstellen soll. Rechtssprechung. Der 8 616 und die Gewerbegerichte. Kein Paragraph des ganzen Bürgerlichen Gesetz⸗ buches wird wohl so verschieden ausgelegt wie der§ 616, der bekanntlich besagt, daß„der zur Dienstleistung Verpflichtete des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig wird, Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 1. daß er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienst⸗ leistung verhindert wird.“ Nachdem verschiedene Gewerbegerichte dahin geurteilt haben— was unserer Meinung nach auch nur richtig ist—, daß auch bei militärischen Uebungen der Arbeiter Anspruch auf die Vergütung hat, hat jetzt das Solinger Gewerbegericht einstimmig(2) entschieden, daß 14 Tage eine erhebliche Zeit, für die eine Entschädigung nicht zu beanspruchen sei. Auch aus Billigkeitsgründen(2) könne Entschädigung nicht zugesprochen werden, da die Konsequenzen eines derartigen Urteils nicht zu übersehen seien. Wenn die Unternehmerbeisitzer und der Gewerberichter zu einer solchen Urteilsbegründung gelangen, so kann man das ja schließlich noch verstehen, wenn auch nicht billigen, wenn aber Arbeiterbeisitzer einer derartigen Auslegung des Paragraphen noch beipflichteu, dann weiß man nicht, was man dazu sagen soll. In Betracht kann doch höchstens bei der Beurteilung gezogen werden, wie lange der Arbeiter bei der Firmabeschäftigt war und dauach zu bestimmen versucht werden, ob eine ver— hältnismäßig nicht erheblich lange Zeit vorliegt. Die Arbeiter haben wahrhaftig keinen Anlaß, die spärlichen Vorteile des Paragraphen mit verkleinern zu helfen. von Uah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gießener Angelegenheiten. — Auszahlung der Unfall-, Alters-, In validen⸗ und Krankenrenten durch die Landbriefträger. Auf Grund einer mit der Reichspostverwaltung getroffenen Ver⸗ einbarung soll vom 1. Januar 1902 ab die Auszahlung von fortlaufenden Renten(Unfall⸗, Alters⸗, Invalideu- und Krankenrenten) an auf dem Lande(im Landbestellbezirke) wohnende Empfänger in allen denjenigen Fällen durch die Landbriefträger erfolgen, in welchen die Empfänger durch eine Bescheinigung des Ge⸗ meindevorstehers oder Amtsvorstehers nachweisen, daß sie wegen ihres körperlichen Zustandes, insbesondere wegen Alters, Krankheit oder an⸗ deren Gebrechen— u. A. ausnahmsweise auch in besonders gearteten Fällen beim Vorliegen anderer Gründe, z. B. bei Wartung und Pflege dritter Personen— zur persönlichen Abhebung der Rentenbeträge bei der Postanstalt unfähig sind und die Beträge auch durch Familienan⸗ gehörige nicht abheben lassen können. Auch soll das bisher versuchsweise eingeführte Verfahren, betreffend einmalige Zahlungen von Unfallent⸗ schädigungen durch die Landbriefträger, vom J. Januar 1902 ab versuchsweise auch auf die Zahlung einmaliger Beträge an Invaliden⸗ bezügen ausgedehnt werden. — Die Kreiskonferenz für den Wahl⸗ kreis Gießen findet, wie aus der Bekannt⸗ machung des Kreiswahlvereins hervorgeht, am 2. Februa r in Gießen statt. Die Genossen im Kreise müssen dafür sorgen, daß dieselbe recht zahlreich besucht wird. Von allen Orten, wo sich eine Anzahl von Genossen befinden, sollen Delegierte erscheinen. Das kann und muß ermöglicht werden, denn es sind diesmal wichtige Fragen zu erörtern, unsere Organisation muß gestärkt werden, soll sie den in diesem Jahre bevorstehenden Kämpfen gewachsen sein. Selbst wenn der jetzige Reichstag nicht aufgelöst wird, was von verschiedenen Seiten schon an— gekündigt wurde, bleibt bis zu den nächsten Wahlen nicht mehr viel Zeit übrig, die wir noch gut ausnützen müssen, wenn wir uns keine Niederlage holen wollen.— Besonders muß für die nötige Munition gesorgt, das heißt, es müssen die Kassen gestärkt werden! Wo keine Organisation besteht, können die Genossen durch Entnahme von Parteimarken, die bei dem Kreis⸗ vertrauensmann Bock zu haben sind, ihre Ver⸗ pflichtungen der Partei gegenüber erfüllen, wie es das Organisationsstatut vorschreibt.— An⸗ träge zur Konferenz müssen möglichst bald ein⸗ gereicht werden. — Der Wahlverein hielt am Mittwoch Abend zur Neujahrsfeier eine kleine Abend⸗ unterhaltung ab, die recht anregend verlief, ob— wohl der Besuch nur sehr mäßig war. Letzteres ist eigentlich nicht zu verwundern, da die Feier⸗ tage und die vorhergegangenen Veranstaltungen anderer Vereine das Bedürfnis nach der Seite hin mehr als gedeckt hatten. Liedervorträge der„Eintracht“ und Deklamationen einzelner Mitglieder unterhielten die Anwesend en aufs beste. W. Bezirksversammlung der Buch⸗ drucker und Weihnachtsfeier. Ver⸗ gangenen Sonntag hielten die Buchdrucker des Bezirkes Gießen im hiesigen Vereinslokale ihre Bezirksversammlung ab, die von den Kollegen der Umgebung sehr zahlreich besucht war. Nach einer begrüßenden Ansprache des Vorsttzenden wurde in die reichhaltige Tagesordnung einge⸗ treten und zunächst die Vorstandswahlen vor⸗ genommen. An Stelle des Koll. Keßler, der den Vorsttz wegen anderweitiger ehrenamtlicher Thätigkeit nicht mehr annehmen zu können er⸗ klärte, wurde Koll. Holland, zum Schrift⸗ führer Koll. Moritz, als Kassierer Koll. Zieg⸗ ler wiedergewählt. Anschließend an den Be⸗ richt des Vorsitzenden wurde dann die mit dem 1. Januar in Kraft tretenden Bestimmungen des neuen Tarifs besprochen, worauf nach Er— ledigung einiger interner Angelegenheiten der Vorsitzende die auswärtigen Mitglieder zur Weihnachtsfeier des hiesigen Ortsvereins einlud. Diese begann um 4 Uhr in Lony's Bierkeller, wo Koll. Andreas die Gäste begrüßte. In seiner zündenden, beifällig aufgenommenen An⸗ sprache feierte er den gewerkschaftlichen Zusam⸗ menhalt, durch den es allein möglich sei, eine Verbesserung der Existenzbedingungen herbei⸗ zuführen. Auch die Pflege der Geselligkeit sei notwendig und diesem Zwecke, keinem religiösen, diene diese Feier. Er schloß mit einem Hoch auf den Verband. Hierauf erhielten die Kinder der Mitglieder und diese selbst hübsche Geschenke; Musikstücke und Vorträge folgten, worauf man zum Tanz überging. Alle Teilnehmer waren befriedigt über den schönen Verlauf der Feier, die kurz nach 11 Uhr endete. J. Ihre Weihnachtsfeier hielten am Sonntag noch der Verband der Fabrik- und Hilfsarbeiter und am Sylvesterabend der Bäckerverband, beide bei Löb im„Wiener Hof“ ab. Erstgenannter Verein zählt ja hier am Orte nicht viel Mitglieder— ein großer Teil derselben wohnt außerhalb— trotzdem war die Abendunterhaltung gut besucht und nahm den programmmäßigen Verlauf.— Von den hier beschäftigten Bäckern sind leider nur ein Teil in dem Verbande, der andere Teil hat sich nach der Bewegung im letzten Sommer wieder in dem Dusel⸗Verein„Frühauf“ zu⸗ sammengefunden, der Gnade vor den Augen der Bäckermeister findet, weil er sich niemals um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Bäckergesellen bekümmert, sondern seine Aufgabe blos in Abhaltung von Vergnügungen erblickt. Diese„Gutgestunten“ hielten ihren Ball im Café Leib ab. Dazu spenden immer die Bäckermeister einen A en Beitrag. Warum auch nicht? Sie kommen damit billiger davon, als wenn sie das Jahr über ihren Ge⸗ sellen ein paar Groschen mehr Lohn bezahlen müßten und erhalten sich auf dlese Art„zu⸗ friedene“ Gesellen.— Trotz des kläglichen Ver⸗ haltens eines Teiles der Bäcker war es mög⸗ lich, die Verbandszahlstelle zu halten und ihre Mitglieder hatten sich fast ohne Ausnahme zur Weihnachtsfeier eingefunden, die sich denn auch recht unterhaltend gestaltete und den besten Ver⸗ lauf nahm. — Leichenländung. Dienstag wurde die Leiche des Versicherungs⸗Inspektors Annußeck, der seit 6 Wochen vermißt wurde, aus der Lahn geländet. Der Verungluͤckte ist offenbar elegentlich einer Geschäftstour nachts vom ege abgeraten und in die Lahn gefallen. — Selbstmordversuch. Ein Gießener Kaufmann, Robert B., schoß sich in einem Gasthause in Berlin zwei Revolverkugeln in den Kopf und in die linke Brust. Wie aus einem von ihm verfaßten Schreiben hervorgeht, hat er bie That aus Schwermut begangen. Er wurde noch lebend ins Krankenhaus gebracht, ist aber inzwischen verstorben. Aus dem Rreise gießen. Aus Wieseck. Die Syl vesterfeier des Arbeiter⸗Bildungsvereins am Dienstag Abend nahm einen recht gemütlichen und für alle Teil- nehmer befriedigenden Verlauf. Sie wurde in diesem Jahre bei Wirt Schneider abgehalten; der Besuch war allerdings nur mäßig, da am 4 Abende eine ganze Anzahl anderer ereine gesellige Unterhaltungen abhielten. Unsere Genossen sollten aber immer in erster Linie die Veranstaltungen ihrer Organisation besuchen, welche höhere Zwecke verfolgt, als die Ver⸗ gnügungsvereine und nicht immer diesen letzteren nachlaufen. Auch die Festlichkeiten unserer Genossen sollen mit dazu beitragen, unsere Be⸗ strebungen für Hebung der Lage des arbeitenden und minderbemittelten Volkes zu fördern!— Die Darbietungen, Vorträge ꝛc. wurden beifällig aufgenommen. -r. Alten⸗Buseck. Einen schönen Verlauf nahm die am Sylvesterabend von seiten des Volks⸗ vereins arrangierte Verlosung. Zahlreich hatten sich die Mitglieder und Freunde des Vereins ein⸗ gefunden, um den Uebertritt aus dem alten in das neue Jahr gemeinsam zu begehen. Bei Liedervorträgen, Mustk, Theateraufführungen usw. blieben die meisten bis zum Morgen zu⸗ sammen. Der Verein kann in jeder Beziehung mit dem Resultate zufrieden sein. Im weiteren sei jetzt schon darauf hingewiesen, daß Montag, den 19. Januar, die erste Mitgliederversamm⸗ lung in diesem Jahre stattfindet. Die Unfall⸗ versicherung wird auf der Tagesordnung stehen und ist deshalb das Erscheinen der Mitglieder in ihrem eigenen Interesse geboten. Aus dem Rreise sriedherg-Püdingen. — Die General⸗Versammlung des Kreis⸗Wahlvereins findet am Sonntag, den 5. Januar in Büdingen im Vereins- lokale statt. Auf der Tagesordnung stehen Berichte und Neuwahlen der Verwaltung. »„Eisenbahner⸗Klagen.“ Zu der von uns in der vorletzten Nummer unter dieser Stichmarke gebrachten Notiz erhalten wir fol⸗ gende Zuschrift: „Mein Sohn“ ist bei seiner Geburt ka⸗ tholisch getauft worden, er soll nach meinem eigenen Willen, da ich selbst katholisch bin, auch in der kathollschen Kirche das hl. Abend⸗ mahl empfangen. Nach Absolvierung der Schule soll er demnächst das Lehrerseminar in Friedberg besuchen. Um ihm wenigstens das letzte halbe Jahr vor Empfang des hl. Abendmahls und um ihm später den Besuch des Seminars und des katholischen Religionsunterrichts zu er⸗ leichtern, habe ich selbst mich auf Veran⸗ lassung meiner Frau nach Friedberg gemeldet mit der ausgesprochenen Absicht, hier meinen . in den katholischen Religionsunterricht zu schicken, was ich denn auch gethan habe. Irgend eine Beeinflussung seitens des Bahn⸗ hofs vorstehers ist abfolut nicht vor⸗ gekommen. Achtungsvoll Adam Kuhl, Bahnsteigschaffner in Friedberg.“ Aus der Zuschrift, die nach Diktat abgefaßt zu sein scheint, geht also hervor, daß der Knabe, trotzdem er„bei seiner Geburt“ schon katholisch getauft wurde, bisher keinen katholischen Un⸗ terricht empfing. Das ist mindestens auffällig. Uebrigens erhielten wir aus den Kreisen der Elsenbahner mehrfach Zustimmung zu den Ver⸗ öffentlichungen über die Zustände auf der Fried⸗ berger Statton. Unser Gewährsmann wird sich darüber wohl noch weiter äußern. Aus dem Rreise Wetzlar. h Fritz Gladen, unser früherer Kreis⸗ vertrauensmann, ist in Bockenheim plötzlich ge⸗ storben. Seine starke Familie— er hat neun Kinder, von denen drei schon immer leide yd waren— ist dadurch in die größte Notlage eraten. Gladen steht in Wetzlar in gutem An⸗ enken. Gar manchem hat er mit Rat und r — 1 elseutsehe Sonntags Zeitung“. 2— 5 „Witt iedergelegt. dium Proze er nit der eee Haus hatt, lußt 1% des Bau Dafür berla mehl, als hatte! Eint des Gemein U. Nati Solutag, d Kaiser“ eine welcher der Altenkirchen ferner der Wird. Aus de St. Ge den 19. ds. (Höck) das statt, bei de seine Mito Programm Theaterstüc der Klemm gelangen u seitens des Veltung seit zum Vortra bilden. D Vollkurte( zum Thea 15 g. 8 keich besuc — Un anwalt D. lasen, sei it also h. fusammeng berzichtet Städtberor Cin Weihnacht ich derelb Jungen in ach der g die Kugel 5 Y Die durch fan Heß in de boring g De Recht gegen Ungsgetz dhck fn e uhserer Unsere Be⸗ arbeitenden ordern!— en belfällg en Verlauf des Volks⸗ eich hatten ereins ein⸗ m alten in chen. Bei führungen Norgen zu⸗ Beziehung m weiteren b Montag, rbersamm⸗ die Unfall⸗ ung stehen Mitglieder ingen. ung des Sonntag, Veeins⸗ ug stehen tung. u der von ter dieser n wir fol⸗ geburt ka⸗ ch meinem yoläch bin, bl. Abend⸗ le soll el Friedberg ite halbe mahls und inars und eitung“. rn, e nr I * sche Sonntags- * * titeidcui 3 Nr. 1. F ⁵ 1 Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. vielen hat er durch Abfas⸗ sung von Gesuchen, Reklamationen ꝛc. genützt und nie hat er von jemanden, der in dieser Beziehung seine Dienste in Anspruch nahm, elwas bezahlt genommen, oft ließ er sich noch nicht die Auslagen erstatten. Seinen Bemüh⸗ ungen war es auch zu danken, daß die Abgangs⸗ zeiten der Arbeiterzüge in die für die Arbeiter günstige Zeit gelegt wurden, wodurch diese abends fruher zu den ihrigen heimkehren konn⸗ ten. Möchten doch alle, denen der Verstorbene gefällig und behilflich war, jetzt seiner Familie gedenken. Unser Vertrauensmann Fauth, So⸗ phienstraße 26, ist gerne bereit, Beiträge ent⸗ gegenzunehmen und weiter zu befördern. h. Bürgerliche Stadtverordnete. Der Stadtverordnete Kraft hat sein Mandat niedergelegt. Die Veranlassung dazu liegt in einem Prozesse wegen Grundstücksenteignung, den er mit der Stadt führt. Bei dem Neubau eines Hauses, das er für 9000 Mk. gekauft hatte, mußte er der Straßenregulirung wegen 1% des Baugrundstückes an die Stadt abtreten. Dafür verlangte er 15 700 Mk., noch 6000 Mk. mehr, als ihn das ganze Grundstück gekostet hatte! Ein treuer Stadtvater, der die Interessen des Gemeinwesens wahrniumt! n. Nationalliberale Versammlung. Sonntag, den 5. Jan. findet im„Römischen Kaiser“ eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der Reichstagsabgeordnete für Wetzlar⸗ Altenkirchen, Krämer, Bericht erstatten und 8 0 der Sekretär Patzig ⸗Berlin sprechen wird. Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. St. Gewerkschaftsfest. Am Sonntag, den 19. ds. Mts. findet hier im Café Quentin (Höck) das Winterfest der hiesigen Gewerkschaften statt, bei dem auch der Gesangverein„Eintracht“ seine Mitwirkung freundlichst zugesagt hat. Das Programm ist sehr reichhaltig; außer einem Theaterstück, betitelt:„Gendarm Schlunk in der Klemme“ und Konzert der Kapelle Pauli gelangen u. a. mehrere prächtige Chorlieder seitens des Gesangvereins„Eintracht“ unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Pauli jun., zum Vortrag. Den Schluß wird ein Tänzchen bilden. Der Eintrittspreis beträgt für eine Vollkarte(1 Dame frei) 1 Mk., für eine Karte zum Theater à Person 30 Pfg., Tanzkarten 75 Pfg. Hoffentlich wird das Fest recht zahl⸗ reich besucht werden. — Unser Stadtverordnetenvorsteher, Rechts⸗ anwalt Dörffler, hat sich nunmehr bewegen lassen, sein Amt weiterzuführen. Der Streik ist also beendet. Marburg wäre sicher nicht zusammengefallen, wenn der Herr endgiltig verzichtet hätte. Die Wahl Engels als Stadtverordneter ist bestätigt worden. N — Ein hiesiger Lehrling spielte am zweiten Weihnachtsfeiertage mit einem Revolver, wobei sich derselbe plötzlich entlud und die Kugel dem Jungen in die linke Hand eindrang. Er wurde nach der chirurgischen Klinik verbracht, wo ihm die Kugel herausgeschnitten werden mußte. — Die hiesige Trauben⸗Apotheke ging durch Kauf von dem seitherigen Inhaber Otto Heß in den Besttz des Herrn Apothekers Sa r⸗ torius aus Gießen über. Der vergessene Gefangene. Recht böse Weihnachten hat ein Untersuch⸗ ungsgefangener im Frankfurter Untersuch⸗ ungsgefängnis durchgemacht. Dieser, der Sohn eines dortigen Postsekretärs, war am Dienstag vor den Feiertagen in der Wohnung seiner Eltern verhaftet worden. Nach seiner Ver⸗ nehmung durch den Untersuchungsrichter wurde er von dem Gerichtsdtener in eine Zelle des Justizgebäudes eingesperrt, wo er bis zur Rück⸗ kehr des Gefangenenaufsehers bleiben sollte. Der arme Mensch wurde aber total vergessen. Von Dienstag Vormittag bis Freitag Morgen halb 7 Uhr war er ohne jegliche Nahrung eingesperrt. Beinahe 66 Stunden hal er in der kleinen, ungeheizten und fast völlig dunklen Zelle, ohne einen Schluck Wasser, ohne einen Bissen Brot zubringen 1 15 Stunden⸗ lang hat der junge Mensch m Händen und That beigestanden, 1 Füßen an die Thüre getrommelt, um so die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden zu erregen. Aber niemand hörte ihn oder kümmerte sich darum, obgleich auf dem gleichen Korridor die Abteilungen für Untersuchungsangelegenheiten liegen und während der Feiertage immer ein Beamter am Vormittag anwesend sein soll. Erst am Freitag Morgen wurde er bemerkt und aus seiner qualvollen Haft befreit. Dieser kaum glaubliche Vorfall läßt die Gewissenhaftigkeit der zuständigen Beamten in einem recht eigen⸗ tümlichen Lichte erscheinen; es wird sogar be— richtet, daß sowohl am ersten wie am zweiten Feiertage Vernehmungen auf demselben Korridor stattgefunden hätten, die Aufseher ließen aber den Lärm unbeachtet. Kleine Mitteilungen. * Gestörte Hochzeitsfeier. Am zwei⸗ ten Feiertage wurde in Fronhausen eine Hochzeit gefeiert. Als man beim Essen war, stand einer der Gäste, ein junger Mann plötz⸗ lich auf, wankte nach der Thür, wo er leblos niedersank. Er hat einen Herzschlag erlitten. * Zugentgleisung. Am Montag Mit⸗ tag entgleiste der Schnellzug 81 von Gie⸗ ßen nach Köln bei der Station Betzdorf. Der Materialschaden ist bedeutend; glücklicher⸗ weise ist niemand erustlich verletzt. Tod durch Verbrühung erlitt das dreijährige Kind einer in Mainz wohnenden Familie. Dasselbe fiel in einen Topf mit heißem Wasser, der auf den Zimmerboden gestellt worden war. Obwohl rasche Hülfe zur Hand war, war das arme Kleine bereits so furchtbar verbrüht, daß sich demselben die Haut vom Körper losschälte. Das unglückliche Kind kam ins Hospital, die Verletzungen waren aber derart, daß es noch in der Nacht verstarb. * Ihren Mann fast totgeschlagen hat eine Frau in Dieburg. Weil der etwa 30 Jahr alte Maurer Dotter im angetrunkenen Zustande nach Hause kam, geriet seine Frau, eine resolute, hitzige Natur, mit ihm in heftigen Streit. Im Verlaufe desselben schlug sie ihrem Manne den Kohlenkasten auf den Kopf, daß der Mann bewußtlos zusammenstürzte. Dotter liegt an der schweren Verletzung auf den Tod krank darnieder. Wie man hört, sollte die Frau verhaftet werden, doch sah man davon in letzter Stunde ab,— da ste zur Pflege des Schwerverletzten, sowie der Kinder nötig sei. n Durch gebrannter Bürgermeister. Gemeindevorstand Ehrler von Eckersbach bei Zwickau in Sachsen ist seit 15. Dezember nach Unterschlagung von 30 bis 40,000 Mk. Kassengeldern flüchtig. Er ist vermutlich übers Meer entkommen. Der Biedere war eine „Ordnungsstütze“ ersten Ranges. Außer den Gemeindegeldern stahl er die Baarbestände mehrerer von ihm verwalteten Kassen. Als Hurrapatriot und Kämpfer für Ordnung und Sitte hat der Herr sich stets hervorgethan. Seine Flucht wird seinen Gesinnungsgenossen wohl einige Kopfschmerzen bereiten. * Ein sensationeller Mordprozeß ging am 23. Dez. in Chartres(Frankreich) zu Ende. Der Bauer Bierre, welcher der Er⸗ mordung seiner Kinder beschuldigt ist, wurde zum Tode verurteilt. Als ihm der Spruch verkündet wurde sagte er zu den Geschworenen: „Wohlan, meine Herren, Sie haben einen Un⸗ schuldigen verurteilt!“ Ü——..—. Arbeiterbewegung. A Schuhmacherstreik in Hanau. Die Arbeiter der Firma Seckbach und Co. da⸗ selbst haben die Arbeit niedergelegt, weil ihnen 25—30 Prozent Lohnabzug angekündigt wurde. Dabei verdienen flotte Arbeiter durchschnittlich ganze 14 Mk. wöchentlich! Die Gewerbegerichtswahlen auf grund des Proportionalwahlsystems vor⸗ zunehmen hat der Bürgerausschuß zu Karls⸗ ruhe beschlossen. In einer demnächstigen Sitz⸗ ung soll das Regulativ dazu festgestellt werden. Für diesen Beschluß traten die Vertreter aller Parteien ein. — Partei-Nachrichten. Totenliste der Partei. Der frühere Redakteur des Fachorgans der Steinarbeiter, Genosse Oth⸗ mar Schmidt starb kürzlich in Dresden an der Berufskrankheit, der Lungentuberkulose. Er hat sich als Parteigenosse und als Gewerkschaftler während des Sozialistengesetzes als ein mutiger und unerschrockener Kämpfer für die Arbeitersache bewiesen. Gen. Schmidt ist 42 Jahre alt geworden und hinterläßt eine Frau und 5 unmündige Kinder. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Kreiskonferenz in Gießen. Sonntag, den 2. Februar 1902, Vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse. Tagesordnung: 5 1. Kassenbericht vom zweiten Halbjahr 1901 und Neu⸗ wahl des Vertrauensmannes. 2. Organisation und Agitation im Kreise. 3. Allgemeine Anträge. Nach den Organisationsbestimmungen kann jeder Ort bis zu drei Delegierten entsenden. Auch in solchen Orten, in denen ein Verein nicht besteht, können Delegierte ge⸗ wählt werden. Zu diesem Zwecke sollen die Vertrauens⸗ leute am Orte die Genossen zusammenberufen und die Wahl vornehmen lassen. Mehrere Orte können sich auf einen Delegierten einigen.— Mandats formulare sind bei dem Vorstandsmitgliede Orbig in Gießen erhältlich. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Versammlungskalender. Samstag, den 4. Januar. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Mitgliedersammlung im Lokale Orbig. Sonntag, den 5. Januar. Steinberg. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verekn. Nach⸗ mittags 3½ Uhr Versammlung im Lokale„ Zum grünen Baum“. Wichtiger Besprechungen halber ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig, Montag, den 6. Januar. Gießen. Schneiderverband. Abends ¼9 U, Versammlung bei Orbig. EEE TTT. Letzte Nachrichten. Der Ratssekretär Golla in Leipzig, der an Bebel Schmähkarten geschrieben hat(s. Pol. Rundschau) wurd e vom Amte suspendiert. EEE ⁵⅛˙w]R•]f Holzversteigerungen Montag, den 6. Januar, porm. 9 Uhr im Gießener Stadtwald, Distrikt Ober⸗ und Unterhag, Zusammenkunft auf der Kreis⸗ straße nach dem Schiffenberg, erste Schneise. Zur Versteigerung kommt Eichen; Buchen⸗ und Nadelscheitholz, Knüppelholz und vieles Reisig. Freitag, den 10. Jan. vorm. 10 Uhr kommt in der Freund'schen Wirtschaft in Krofdorf Eichen⸗ und Buchenscheitholz, Knüppel⸗ und Stockholz zum Verkauf. CC. TT 1 Gießener Stadttheater. Sonntag, den 5. Januar 1902: Ein gemachter Mann. Posse mit Gesang in 5 Akten von Ed. Jacobson. Montag, den 6. Januar 1902: II. volkstümliche Vorstellung, Ueber unsere Kre Schauspiel in 2 Akten von 2 Dienstag, den 7. Janu Theatervereinsvorstellung, Die rote Robe. Schauspiel in 4 Akten von Brieux. Freitag, den 10. Januar 1901: Beueßz für Haus Ramsever: ö Der Pfarrer von Kirchfeld. Volksstück in 4 Akten von Anzengruber. 1 7 Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 1. 7 Unterhaltungs-Ceil. 0 Neujahr. Mit des Morgens lichtem Glanze Brichst Du, neues Jahr, herein, Kommst Du auch mit Schwert und Tanze Sollst uns doch willkommen sein. Willst Du uns mit Hoffen kirren, Werden sehen ob sich's lohnt;. Drohst Du uns mit Sporenklirren— Sind das Rasseln längst gewohnt. Bringst Du Freiheit, bringst Du Frieden, Du bei uns im Anseh'n stehst, Wenn es anders ist beschieden, Warten wir, bis daß Du gehst. Bringst Du Not und Hungerplagen, Bringst Du teid und Kerkernacht— Werden keineswegs verzagen, Solches wird uns oft gebracht. Bringst Du Haß und Feindestücken— Immerzu! Bewehrt wir steh'n; Neues Jahr, in allen Stücken Kannst Du uns gerüstet seh'n. Grüßen Dich mit Glockenläuten! Was mit Dir empor auch stieg— Einst wirst Du uns doch bedeuten: Näher einen Schritt zum Sieg! Max Kegel. Brigitte. Von G. Stein. Nachdruck verboten.) Die alte Brigitte hieß sie schon, als Kempes Fritze, der doch nun schon seit fünf Jahren als Großbauer auf dem Hofe sitzt und eine Frau und ein paar pausbäckige, flachsköpfige Jungen hat, noch ein kleiner Junge war, und noch Niemand an die blonde Marie dachte, die heute allen Burschen im Dorf die Köpfe verdreht. Brigitte war alt, uralt, und es war ein Wunder, daß ste noch so bei der Hand war und der Zemeinde nicht für Last zu fallen brauchte. Sorgte auch noch für ihr Urenkelkind, die Tochter von der braunen Ann. Mußte wohl, denn zu dem Kind war kein Vater da, war ein Stadt⸗ kind.—— Wer mochte da wissen?— Ja, ja! Das waren Geschichten. Die konnten einen alt machen! Und doch— seit das Kind da war, pre die Alte förmlich wieder jung geworden. Freilich zuerst, als sie die Ann' begraben hatten, Ichlich sie dahin, wie ein Bündel Kümmerniß, und die Leute glaubten, ihr letztes Stündlein sei nicht mehr fern. Dann aber, da gab sie sich gleichsam einen Ruck, so von innen, und ihr der Neid lassen— da flog es manchmal wie ein Abglanz von Sonne über das ver⸗ witterte Gesicht der Alten, und sie konnte Schritte machen, wie eine Junge, wenn sie so wie heute, nach ihrem Sammelgang durch den Herbstwald dem Dorf wieder zustrebte. Die Ausbeute war heute eine besonders reiche gewesen, und wäh⸗ rend sie mit geradezu liebkosendem Blick immer und immer wieder die prächtigen Pilze umfaßte, die sie gesammelt, überschlug sie in Gedanken, wie viel sie ihr morgen wohl einbringen moch⸗ ten. So selten und so schöne große Exemplare! Da langte es vielleicht zu dem schönen roten Kleidchen für die kleine Ann', das in dem großen Geschäft am Markt, mitten in der Aus⸗ lage, aufgestellt war, daß Jedermann gleich merken konnte: Das ist etwas Besonderes! Wie das zu den goldenen Locken und den klaren Augen ihres Herzblattes passen würde! Und ein Lebkuchenherz sollte ste dazu haben. Die Freude! Die Freude!— Es überwältigte die Brigitte so, daß sie ganz müde wurde und die Beine nicht mehr weiter wollten. Da mußte sie sich ein Augenblickchen verruhen. War ja auch noch früh am Nachmittag, die Sonne stand och ziemlich hoch, und Ann war sicher noch in der Kinderschule, die sie unlängst für die als dann die Kleine heranwuchs, das mußte Bewahrkinder eingerichtet hatten. Und hier am Waldesrand wars so schön, so schön, daß selbst die nicht mehr gar eindrucksfähigen Sinne der Alten sich daran festsaugen Maßen Drüben das Dörflein mit der Kirche auf dem Hügel, die hochragenden Scheunen bis oben gefüllt mit dem Segen der abgeernteten Felder. Und um das Stoppelfeld zog sich in buntem Kranz der Wald. Die Sonne kleidete das vielfarbige Laubwerk in prächtige Farben und lag in tiefen Tönen auf dem immergrünen Schmuck der dunk⸗ len Tannen. Und freundliche warme Strahlen huschten über den laubbedeckten Waldboden dahin und umspielten schmeichelnd den Moossitz der alten Brigitte und den Eichenstamm, an den sie ihren müden Kopf gelehnt hatte. Wie das wohl that und wie das wärmte! 5 Die Lider sanken immer tiefer über die Augen. Wahrhaftig, sie mußte sich zusammen⸗ nehmen, sonst schlief sie richtig ein. Tiefer sinkt der Kopf der Alten, um das von spärlichem, weißem Haar umgebene Haupt weben die Sonnen⸗ strahlen eine goldene Gloriole. Die Sonnenstrahlen! Ach, warum nicht gar. Wo habt ihr denn eure Augen? Goldblonde Flechten sinds, und die sie trägt, ist ein frisches, junges Mädel von achtzehn Jahren, so schön, wie nur je eines zum Tanze ging, und so arm wie eine Kirchenmaus.„Ihrer“ ist Knecht. Er dient auf demselben Hofe und ist nicht älter als sie. In zwei Jahren muß er zu den Sol⸗ daten, in fünf oder sechs Jahren kann dann Hochzeit sein. Thörichte Streiche macht Brigitte nicht, ste will mit dem Myrtenkranz zum Trau⸗ altar gehen; aber warten, treu und geduldig warten wird sie.. Die Zeit verstreicht. Aus den fünf Jahren sind zehn geworden, ehe sie sich heimführen können. Von ihrem Ersparten haben sie sich die Häuslerhütte am Ende des Dorfes gekauft und das kleine Aeckerchen, das dazu gehört, und Franz ist ganz stolz, wenn er mit„unserer Kuh“ das kleine Stückchen Land umpflügt. J 5 sie daheim nichts zu thun, aber eigentlich at der Großbauer Arbeit für sie, so arbeiten ste nach wie vor bei Kempes Heiner und be⸗ finden sich wohl dabei, bis die Kinder kommen und die Sorgen. 5 Eines Tages brachten sie den Franz heim. Ein fallender Baumstamm— sie rodeten ein Stück Wald— hatte ihn so unglücklich ge⸗ troffen, daß er nach drei Tagen tot war. Ge⸗ sund und tot— in drei Tagen!„Mein Franz, mein armer Franz!“ Starr und thränenlos folgte sie der Bahre, starr und thränenlos hörte sie die erbauliche Rede des Herrn Pfarrers mit an. Wie aus weiter Ferne klangen ihr die Worte von dem wackeren Arbeiter, den der Herr abberufen, daß er eingehe zur ewigen Herrlichkeit, von der Witwe und den Waisen, denen nun Gott ein Vater sein werde. Er sprach sehr schön, der Herr Pfarrer— wenn man bedachte— nur ein armer Häusler! Dann gingen sie fort, einer nach dem andern, und Brigitte warf sich über das Grab und wimmerte:„Drei Tage! Gesund und tot! Mein Franz, mein armer Franz!“ Bis der Totengräber mit seinem Weib kam und sie halb mit Güte, halb mit Gewalt vom Grabe wegholte. Ob ste denn nicht an die Kinder denke? Sollten die Vater und Mutter auf einmal verlieren? Die Kinder? Ihrer fünfe, vier Buben und ein Mädel. Klein bei⸗ einander— o du— o mein Gott! mein Gott! Sie zog sie auf in Zucht und Ehren. Die Jahre gingen ins Land. Mancher Som⸗ mer kam und mancher Winter, und Brigitte war alt geworden. Die alte Brigitte! Nicht alt an Jahren. Wer sich die Mühe geuommen hätte, im Kirchenbuch nachzuschauen, der hätte höchstens achtundvierzig Jahre herausgerechnet, als sie ihren jüngsten Buben in die Christen⸗ lehre schickte. Aber wenn jahraus, jahrein Wind und Sonne über einen dahin geht, bei harter Ar⸗ beit draußen im Feld, und das Glück einen mentene Gesicht, in das Kummer und Arbeit ihre tiefen Runen gezogen hatten; die knochigen Hände und die sehnigen Arme erzählten von Arbeit, von viel Arbeit und sahen nicht aus, als ob ste jemanden liebkosen könnten. „Ja, es ist etwas eigenes um die armen Leute,“ meinte die Schloßfrau zur Pfarrerin, „da ziehen sie ihre Kinder auf, von Liebe wird man nicht viel gewahr, und wenn die Kleinen kaum flügge geworden sind, dann müssen ste hinaus in die Welt und müssen selbst für sich sorgen. Haben die Eltern so lange für die Kinder geschafft, könnten ste's auch noch ein, zwei Jahre durchsetzen und sie daheim behalten, sich an ihnen freuen und ihnen ihre Jugendlust lassen. Mit vierzehn Jahren in die Fremde! Ich könnte es nicht übers Herz bringen und glaube fast, daß die armen Leute ihre Kinder nicht so lieb haben und froh sind, wenn sie ste los werden!“ Ich weiß nicht, was die Pfarrerin geant⸗ wortet hat, aber das weiß ich, daß keines die Thränen gesehen hat, die in das Bündel fielen, das Brigitte den Kindern schnürte, einem nach dem andern, und daß keiner das Schluchzen hörte, das aus ihrer Kammer zum Himmel drang, wenn sie sie hingeben mußte, eines nach dem andern. Sie hatte sie in die Fremde geschickt, sich ihr Brot zu verdienen, und sie es weiter bringen sollten als es ihnen daheim im engen Dörflein möglich war. Auch wollten ihre Kräfte nicht mehr so recht; o, sie hatte in all den Jahren nichts gehabt, um sie oben zu halten, und ste mußte mit der Zeit sich um eine Arbeit um⸗ thun, die leichter war, als die im Feld. Da⸗ mals verlegte sie sich aufs Beeren⸗ und Pilze⸗ sammeln. Im Frühfahr brachte sie auch Kien⸗ holz und Mottenkraut zum Verkauf in die nahe Stadt, und im Winter sammelte ste„Nüßchen⸗ salat“, wie sie in dieser Gegend das Schmalz⸗ kräutchen nennen, bis die dichte Schneedecke nicht mehr gestattete, die grünen Pflänzchen darunter zu finden. Heim mochte sie nun nicht mehr gern, es war gar so still und traurig in dem kleinen Hause geworden und— wenns die Schloßfrau auch nicht wußte— manchmal stieg es ihr heiß in den Hals hinauf und ihre Gedanken sagten: „Ach, wenn ich doch eines, nur eines da hätte.“ Und eines Tages kam eines. Nicht so fröh⸗ lich, wie sie sich gedacht hatte, aber da wars doch wenigstens. Ihr Aeltester hatte sich in einer fernen Stadt eingeheiratet. Dem geringen Mann steht die Feder nicht so zur Hand. Der schreibt nur, wenns hochnötig ist. So wußte Brigitte denn weiter nichts, als die Thatsache dieser Heirat, und daß die Schwieger fein und zart sel wie eine Prinzeß. Ein Jahr später bekam sie noch einen Brief, daß ihr ein Enkel⸗ töchterchen geboren sei. Dann hörte sie ein paar Jahre nichts mehr, bis auf einmal, an einem feuchtwarmen Abend im Mai, der Sohn in ihre Stube trat. An der Hand führte er ein schwarzgekleidetes Mädchen von etwa vier Jahren. Die großen braunen Augen der Kleinen blickten schier erschrocken, als nach dem Hin und Her der Aufklärung die Großmutter sie zärt⸗ lich an sich zog. Die Frau war gestorben und nun duldete es den Franz nicht mehr daheim. Er wollte hinaus, fort in die Welt. Ob die Mutter sich des Kindes annehmen wollte. Ob sie wollte! Nun war das Häuschen nicht mehr leer. Das fröhliche Lachen des Kindes, das sich nun nicht mehr vor der„Ahning“ fürchtete— kein bischen mehr!— füllte das ganze Haus, fa, das ganze Dorf war freund⸗ licher und heller geworden, seit die„braune Ann“ das große Wort bei der Kinderschaar führte. Am zufriedensten aber war der Herr Lehrer. Wie das Mädel lernte, es war eine Pracht, und er mußte Veranulassung nehmen, seiner hohen Patronin, der Schloßfrau vorzu⸗ stellen, wie jammerschade es sei, wenn das begabte Kind nach Verlauf der kurzen Schul⸗ zeit zu einem Bauer in Dienst sollte. Der Brigitte werde wohl nichts anderes übrig bleiben, der Vater habe in den letzten Jahren nichts vergessen! Die ehemals goldblonden Flechten legten sich in grauen Strähnen um das perga⸗ mehr geschickt für das Kind, wer weiß, vielleicht war er gar tot. Die Schloßfrau sah die 9 — e ee Au we . a, len Gläcsagket Ein In dem fre(Zittal ame Teufe eikre Erleb J0 auß harmlose Zei beleidigung h wurde die T eln trat der entwickelte f des Gespräc Pfarrer: warum Sie Ich: N Pfarrer die Aten.) Sie begang. aben Sie g en Meische bor Gott! Inschrift m denke das immer nur gedacht!) Ich: J0 fütsbeletdig Herr Pfarr a 10 deshal Mahn u „„Parter: ichen Her el, Nr. 1. Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung. Seite 7. braune Ann'. Das Kind that es ihr an, wie Jedermann.„Nein“, entschied ste,„das dürfe man nicht zulassen, daß dies Kind auf dem Dorfe versauere und verbauere, da müsse man mit der Großmutter ein ernstes Wörtlein reden und an Geldunterstützung und so weiter solle es nicht fehlen.“ Sie begeisterte sich förmlich für den Plan und wußte es der alten Brigitte so eindringlich klar zu machen, ein wie großes Unrecht sie begehe, wenn sie dem Glück ihrer Enkelin im Weg stehen wolle, daß sich die arme Alte ganz lieblos vorkam, weil sie sich so ar nicht des Glückes freuen konnte, das ihrem iebling zu Teil werden sollte. Es zog sich etwas in ihr zusammen bei dem Gedanken, daß sie nun die einzige Freude ihres Alters hergeben 1 Sie sah es wohl ein, sie mußte, und I— Z— Ann' war in der Stadt. In der Ferne, wo sie auf der Handelsakademie die Kaufmann⸗ schaft erlernen sollte. Ihre Briefe atmeten Glückseligkeit und ihre Zeugnisse waren gut. (Fortsetzung folgt.) ere Ein Vekehrungsversuch. In dem wöchentlich für den 1. sächs. Wahl⸗ kreis(Zittau) erscheinenden Parteiblatte„Der arme Teufel“ erzählt ein Genosse folgendes heitere Erlebnis:. Ich saß im Gefängnis. Durch eine kleine harmlose Zeitungsnotiz sollte ich eine Majestäts⸗ beleidigung begangen haben. Etnes Nachmittags wurde die Thür meiner Zelle geöffnet und her⸗ ein trat der evangelische Anstaltspfarrer. Es entwickelte sich zwischen uns beiden nun folgen⸗ des Gespräch: Pfarrer: Nun, mein Sohn, sagen Sie mal, warum Sie hier sind? Ich: Weil ich Sozialdemokrat bin! Pfarrer(auffahrend): Waaas?(Schaut in die Akten.) Eine Majestätsbeleidigung haben Sie begangen, die von Gott eingesetzte Autorität 4 Sie gehöhnt! Das ist strafwürdig, vor en Menschen und vor Gott, hören Sie, auch vor Gott!(Und dabei schaute er nach der Inschrift meiner Zellenthür, die lautete:„Be⸗ denke das Ende!“ Ich habe beim Lesen aber immer nur an das Ende meiner Strafzeit gedacht!) Ich: Ich bin mir nicht bewußt, eine Maje⸗ stätsbeleidigung begangen zu haben. Aber, Herr Pfarrer, Johannes der Täufer wurde wegen Majestätsbeleidigung hingerichtet und wird deshalb von der christlichen Kirche als Märtyrer verherrlicht! Pfarrer: Ja, hm, die jüdischen und heid⸗ nischen Herrscher begingen allerdings Schlechtig⸗ keiten, Ehebruch usw., und das zu geißeln war ein Verdienst der ersten Christen. ch: So! Möchte Ihnen nicht raten, heute das Gleiche zu thun, Herr Pfarrer! August der Starke von Sachsen z. B. war ein christ⸗ licher König. Er beging Ehebruch und führte ein lasterhaftes Leben, wie geschichtlich feststleht. Aber als diese historische Thatsache in einer Zeitung erwähnt wurde, wurde der Redakteur von sächsischen Richtern wegen„groben Unfugs“ bestraft. Pfarrer: Dann ist ihm recht geschehen! Jeder König, jede Obrigkeit ist von Gott. Die Fürsten sind nach unserer christlichen Auffassung die von Gott— hören Sie, von Gott!— ein⸗ Place Autorität! Gott will es so. Das and zwischen dem Herrscher und den Unter⸗ thanen ist eine Gottesordnung, und wer den Fürsten beleidigt, der beleidigt Gott! Ich: Ist jeder König eine von Gott einge⸗ setzte Autorität? Pfarrer: Jawohl! ch: Dann war es auch Milan von Serbien? Pfarrer e Ja! 5* Und Ludwig der 14. von Frankreich au 8 Pfarrer: Selbstverständlich! Ich: So, Herr Pfarrer! Hier habe ich ein Buch, das ich aus der Gefängnisbibliothek zum Lesen erhielt. Dasselbe wurde von einer christ⸗ lichen patriotischen Vereinigung herausgegeben „zur Pflege der nationalen Gesinnung“. Da⸗ rinnen steht, Ludwig 14. sei der„Ausbund aller Scheußlichkeit“ gewesen, der die durch Steuern aufgebrachten Staatsgelder mit liederlichen Dirnen verpraßte, in Deutschland viele Städte, Schlösser und blühende Felder verwüsten ließ. Da wäre es doch merkwürdig, daß Gott einen solchen„Ausbund aller Scheußlichkeit“ als „Autorität“ einsetzt! Pfarrer(sehr verlegen): Ja, hm, ja, ja— —.— Mach einer Weile): Sagen Sie mal, Sie sind aus der Kirche ausgetreten? Ich: Ja, Herr Pfarrer! Pfarrer: Das ist unrecht! Warum sind Sie nicht bei dem Glauben geblieben, in dem Sie die Eltern erziehen ließen? Ich: Ja, sehen Sie'mal, Herr Pfarrer: ich bin katholisch erzogen. Der erste Glaubenssatz, den ich in der Religionsstunde lernte, hieß: Frage: Macht jeder Glaube selig? Antwort: Nein! Nur der wahre, katholische, apostolische Glaube macht selig! Wäre ich also der Religion, in der ich erzogen wurde, treu geblieben, müßte ich Sie, als Protestant, als einen Ketzer be⸗ trachten, der einmal ewig in der Hölle braten werde!!——— Pfarrer(in die Akten sehend): Ich dachte, Sie wären protestantisch gewesen! Adieu, mein Sohn, bessern Sie sich! Suchen Sie die wahre Religion! Ich: Die glaube ich im Sozialismus ge⸗ funden zu haben. Adieu, Herr Pfarrer!—— f 1 8 Herr Pfarrer hat mich nicht mehr be⸗ 1 3 Splitter. Aus spanischem Volksmund. Die Fürsten wollen bei ihren Thaten Bedient sein, aber nicht beraten. ** * Immer in Versuchung führen Großer Hunger offne Thüren. ** * Aus russischem Volksmund. Ein Armer kann das Glück nur schwer erhaschen, Dem Reichen aber kriecht's in alle Taschen. Humoristisches. Mildernder Umstand. Richter: Sie sind wegen groben Unfugs, vielfacher Beleidigung und zahl⸗ reicher Körperverletzungen angeklagt. Was haben Sie zu Ihrer Entschuldigung anzuführen? Angekl.: Ich war während einer ganzen Session Mitglied des öster⸗ reichischen Reichsrats.(W Jakob.) Schwache Verteidigung. Richter:„Ange⸗ klagter, Sie haben sechs Ellen Tuch gestohlen. Ang e⸗ klagter:„Ich bitte, das ist doch eine Kleinigkeit gegen die Länge der Erdachse, den Abstand der Erde von der Sonne oder die Unermeßlichkeit des Weltraumes.“ In der Religionsstunde. Pfarrer:„Und nun, meine lieben Kinder— wer von Euch kann mir wohl die allerärgste Sünde, das schlimmste Verbrechen nennen, das nach den Landesgesetzen gar nicht streng genug bestraft werden kann? Nun, Karlchen, Du?“ Karlchen:„Arbeiter sein, sagt mein Vater.“ Litterarisches. Der„Wahre Jakob“ hat soeben seine Neu⸗ jahrsnummer, die Nummer 1 seines 19. Jahr⸗ ganges, erscheinen lassen. Das farbige Titelbild sym⸗ bolistert die Arbeiterbewegung als den„Schrecken des Jahrhunderts“. Vor dem Arbeitsmann mit der roten Fahne ergreifen alle Schichten der Gesellschaft er⸗ schrocken die Flucht. In einer Anzahl kleinerer Illu⸗ strationen und Textbeiträge werden politische und soztale Satiren geboten, welche mit dem Jahreswechsel in Zu⸗ sammenhang stehen.„Dem Proletarkat“ heißt der Titel eines von Clara Müller verfaßten Neujahrs⸗ gedichtes; auch eine in der Sylvesternacht„Im Reichs⸗ kanzlerpalais“ abgehaltene und in Versen geschil⸗ derte spiritistische Soirée sei hier erwähnt. Zahlreiche andere Beiträge sind den politischen Tagesfragen ge⸗ widmet; außerdem liegt der Nummer der„Lustige Almanach des Wahren Jacob für 1902“ bei. Wir können unsern Lesern die Anschaffung der Nummer, die inkl. Almanach 10 Pfennig kostet, nur empfehlen. Gedichte für das Volk von Karl Henckell sind von der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. so⸗ eben in billiger Ausgabe mit Illustrationen von Fidus ausgegeben worden. Die Arbeiter, welche die Einzel⸗ ausgaben der Henckell schen Dichtungen ihres Preises wegen nicht kaufen können, erhalten hier seine besten sozialen und lyrischen Gedichte in vom Dichter selbst bestimmter Auswahl zu billigem Preise.(30 Pfg. für das 78 Seiten starke Bändchen.) Wir empfehlen dies Heft jedem Arbeiter, besonders aber zu Deklamationen an Arbeiterfesten u. dgl. Quittungen. Sch.⸗OIgstrn. 3.— Mk., R.⸗Hchhm. 27.— Mk., A. G.⸗Hlobgn. 7.20 Mk., A. M.⸗Bgl.—. 70 Mk., B. Fch.⸗ Nomckst. 4.80 Mk., Ed.⸗Alfd. 20.80 Mk., Kft.⸗Wmr. 7.— Mk., Sth.⸗Th. 1.60 Mk., B.⸗Rogn. 2.20 Mk., Fth.⸗Wtzlr. 30 Mk.—, Ad. Og.⸗Schtz. 10.— Mk., Sgf.⸗ Abck. 15.20 Mk., Ocht.⸗Gbg. 5.60 Mk., Ly.⸗G. 9.— Mk., Fz.⸗Och. 3.80 Mk., Byr.⸗Dlbg. 3.60 Mk., Otto⸗Bdhm. 4.80 Mk., Rg.⸗Ltbch, 23.40 Mk, Mhl.⸗G. 25.60 Mk., Wklr.⸗Rdh. 15.— Mk., Stck.⸗G. 3.60 Mk., Ggr.⸗Mbg. 28.60 Mk., Gl.⸗Vtzbg. 2.40 Mk., Kbch.⸗Wsck. 31.80 Mk., Val.⸗Bdgn. 5.— Mk., Mhl.⸗Brn. 3.— Mk., Pf.⸗Nuk. 1,.— Mk., Sg.⸗Hst. 2.40 Mk., Fy.⸗Gbtch. 2.60 Mk., Schb.⸗Hn. 9.— Mk., Rtr.⸗G. 2.40 Mk., Ly.⸗G. 3.20 Mk., Kch.⸗Kfd, 31.— Mk., Schd.⸗Stbg. 17.20 Mk., Odch.⸗ Kzbch. 4.60 Mk., Bsr.⸗Rogn. 2.— Mk., Ly.⸗G. 4.40 Mk., Mtths.⸗Gbch. 5.40 Mk., R.⸗Hchhm. 27.20 Mk., N.⸗ Schtten. 2.40 Mk., Wch.⸗Bst. 2,40 Mk., Sch.⸗Egstrn. 2.80 Mk., Gge.⸗Hldbgn. 7.20 Mk., Ich.⸗Nomckst.—. 45 Mk. Fth.⸗Wtzlr. 30.— Mk., Vlpl.⸗Lllr. 31.20 Mk., Oy. ⸗G. 4.50 Mk., Scht.⸗Glbg. 5.80 Mk., Wtr.⸗Lbch. 12.80 Mk., Mhl.⸗G. 24.— Mk., Eth.⸗The. 1.60 Mk., Bsr.⸗Rogn. 2.20 Mk., Kch.⸗Kfdf. 7.— Mk., Kch.⸗B. 9.60 Mk., Kch., Noͤflstdt. 12.60 Mk., Val.⸗Bdgn. 4.80 Mk., Kgr.⸗G. 35.40 Mk., Sfflr.⸗Fdbg. 35.— Mk., Ech.⸗Dhm. 5.60 Mk., Fy.⸗Gbtch. 2.50 Mk., Ggr.⸗Mbg. 27.20 Mk., Schwd.⸗ Ggn. 4.— Mk., Bsr.⸗Rogn. 2.— Mk., Klm.⸗Wtzb. 4.60 Mk., Rhs.⸗Lllr. 3.— Mk., Ly.⸗G. 1.40 Mk., Ptr.⸗ Gsldn. 4.20 Mk., Gge,⸗Hldbgn, 6.80 Mk., Bnnr.⸗Hbflbch. 12.— Mk., Hdch.⸗Kgbch. 6.50 Mk., Z.⸗Noͤhsn. 3.— Mk., Stck.⸗G. 3⸗80 Mk., Wom.⸗Och. 2.80 Mk., Kbch.⸗Wsck. 30.60 Mk., Pf. ⸗Odh.—.75 Mk., Mglf.⸗Gbg. 4.10 Mk., Dr.⸗Schw.—. 70 Mk., Wtzl.⸗Wtzh. 4.— Mk., Nm.⸗Schttn. 3.— Mk., Ly,⸗G. 33.— Mk., Sch.⸗Ihgst. 3.40 Mk., Oy.⸗G. 7⸗50 Mk., R.⸗Ochhm. 27.20 Mk., Oth.⸗The. 1.60 Mk., Bsr.⸗Rdgn. 2.20 Mk., Ly.⸗G. 5.— Mk.⸗ Valt.⸗Bdgn. 10.— Mk., Fbch.⸗Otbg. 8.60 Mk., Wtr.⸗ Sbch. 6.40 Mk., Icht.⸗Gbg. 5.80 Mt., Ggr.⸗Mbg. 27.— Mk., Fhy.⸗Gbtch. 2.60 Mk., Odch.⸗Azbch. 2.25 Mk., Mhl.⸗G. 25.— Mk., Ly.⸗G. 6.80 Mk., Fth.⸗Wezlr. 30.— Mk., Kch.⸗Kfd. 7.— Mk., Kft.⸗Wamr. 6.— Mk., Wzl.⸗Ogsdf. 4.80 Mk., Mhr.⸗Eckh. 4.00 Mk., Stck.⸗G. 4.20 Mk., Ly,⸗G. 4.20 Mk., A. Gge.⸗Hlobgn, 6.80 Mk., Oppr.⸗Dbgn. 20.— Mk., Ly.⸗G. 4.— Mk., Mhl.⸗Bru, 3.— Mk., Uch.⸗Nomckstdt. 5,40 Mk. DBB hHBB——— Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebotene. Am 20. Dez. Georg Hart⸗ mann, Dienstknecht, mit Henriette Jacobi, dahier. 21. Johann Kienbichl, Bahnmeisteraspirant dahier mit Minna Moosch in Leipzig. 23. Ludwig Schlaudraff, Buchbinder mit Margarethe Büchner, dahtier. 29. Wil⸗ helm Sommerlad, Bäcker dahier mit Anna Dickel in Angersbach. 30. Karl Schmidt, Schlossermeister, mit Martha Poppeck dahier. Eheschließungen. 23. Sigmund Herzberger, Kaufmann in Crefeld mit Toni Meyerhoff dahier. 23. Jakob Sandor, Schauspieler mit Anna Rehder da⸗ hier. 23. Karl Berg, Bäcker mit Anna Marie Hinkler, geb. Backhaus dahier. 24. Karl Malkomesius, Trichinenschauer, mit Anna Kraus dahier. 24. Friedrich Deiß, Schlosser, mit Anna Nicolai dahier. 31. Her⸗ mann Klotz, Spengler mit Lina Klingelmeier dahier. Geborene. Am 16. Dem Arbeiter Philipp Eisenhut e. S. 17. Dem Friseur Bernhard Dosch e. T. 18. Dem Friseur Philipp Lehrmund e. T. Dem Kreisbauinspektor Georg Theiß e. T. 19. Dem Fab⸗ rikant Karl Plank e. S. Carl Schneider e. S. 24. Dem Bäckermeister Wilhelon Löber e. S. Dem Schneider Christian Sauer e. T. 25. Dem Hülfsbremser Karl Bauer e. T. 27. Dem Privatdozent Dr. Wilhelm Eidmann e. T. 28. Dem Hausburschen Johann Wenzel e. S. 29. Dem Dienst⸗ knecht Ludwig Becker IV. e. T. Gestorben e. Am 20. Karl Glitsch, 6 Monate alt, Sohn des Schuhmachers Johannes Glitsch dahier. 22. Elise Wießner, geb. Müller, 44 Jahre alt, Witwe dahier. 28. Karl Pimper, 50 Jahre alt, Schneider⸗ meister dahler. Christian Schädel, 9 Jahre alt, Sohn des Universttätsdieners Johannes Schädel dahier. Gertrude Theiß geb. Axt, 25 Jahre alt. Amalie Baist, geb. Simon, 73 Jahre alt. 31. Heinrich Franz 10 Jahre alt. 1. Januar 1902. Philipp Haun, 46 Jahre alt, Schreiner dahier. 2. Karl Reuling, 1 Monat alt. 22. Dem Zigarrenfabrikanten Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1. Ortskrankenkasse Giessen. Wir bringen hiermit zur Kenntnis unserer Mitglieder, daß vom 1. Januar 1902 folgende Herren als Kassenärzte fungieren: 1) Für Gießen Herren Dr. Zinßer, Dr. Hanau und Dr. Ploch in Gießen. Sprechstunden: an Wochentagen von 8— 9 Uhr vorm. und von 2—3 Uhr nachmittags; an Sonntagen nur von 7—9 Uhr vormittags. 5 2) Für die Orte: Großen⸗Buseck, Alten⸗Buseck, Reiskirchen, Lindenstruth, Burkhardsfelden, Oppenrod, Rödgen, Trohe, Beuern, Bersrod, Annerod a. Herr Dr. Bockler in Gr.⸗Buseck. Sprechstunden: an Wochen⸗ tagen von 12—2 Uhr nachmittags und Sonntags von 8-9 Uhr vormittags; b. Herr Dr. Gengnagel in Gr. Buseck. Sprechstunden: an Wochen⸗ und Sonntagen von 12—/ 2 Uhr nachmittags. 3) Für die Orte: Lich, Garbenteich, Dorf⸗Gill, Oberhörgern, Eberstadt Muschenheim, Birklar, Bettenhausen, Langsdorf, Steinbach, Albach, Nonnenroth, Ettingshausen, Hattenrod, Münster, Nieder⸗Bessingen, Ober⸗Bessingen a, Hr. Hofrat Dr. Stamm in Lich. Sprechstunden: an Wochen⸗ tagen vormittags von 9 Uhr ab im Spital; von 1—2 Uhr nach⸗ mittags täglich in seiner Wohnung; b. Hr. Dr. Schad in Lich. Sprechstunden: an Wochentagen von 1—.½'3 Uhr nachmittags; an Sonntagen von 8—9 Uhr vorm. 40 Für die Orte: Watzenborn⸗Steinberg, Hausen, Dutenhofen, Münch⸗ 8-10 Uhr und Sonntags von 9—10 Uhr in Großen⸗Linden, sowie Herr Dr. Platz in Großen⸗Linden mit Ausnahme der Orte Hausen, Klein⸗Linden, Dutenhofen, Münchholzhausen, Watzenborn⸗Steinberg. Sprechstunden: von 7—8 Uhr vormittags, 2—3 Uhr nachmittags. 5) Für die Orte: Lang⸗Göns, Holzheim, Grüningen, Niederkleen und Kirchgöns Herr Dr. Reif in Lang⸗Göns. Sprechstunden: täglich von 12—1 Uhr. 6) Für die Orte: Krofdorf, Wißmar, Launsbach und Gleiberg Herr Dr. Seipp in Krofdorf. Sprechstunden: täglich von 1—2 Uhr. 7) Für die Orte: Rodheim, Vetzberg, Fellingshausen, Crumbach, Frankenbach, Bieber Hr. Dr. Kingelhöffer in Rodheim. Sprech⸗ stunden: 5 von 11—1 Uhr. 8) Für Wieseck: Herr Dr. Wehrmann, Wieseck. 9) Für die Orte: Heuchelheim, Atzbach und Kinzenbach Herr Dr. Hofmann in Heuchelheim. Sprechstunden: an Wochentagen von 7—8 Uhr vormittags und von 1—2 Uhr nachmittags, an Sonntagen von 8—9 Uhr vormittags. 10) 1128 11 Orte: Lollar, Staufenberg und Mainzlar Hr. Dr. Dickoré in Lollar. 11) Für die Orte: Londorf und Umgegend Herr Dr. Pulzner in Allendorf. 12) Für die Orte: Grünberg, Göbelurod, Queckborn, Lauter, Harbach, Saasen Hr. Dr. Werner in Grünberg. Sprechstunden von 8—10 Uhr vormittags, auch Sonntags. 13) Für die Orte: Ebsdorf, Hachborn Hr. Dr. Frohwein in Ebsdorf. Zahnarzt holzhausen, Klein⸗Linden, Großen⸗Linden, Allendorf a. Lahn, Leih⸗ für sämtliche Mitglieder Herr Zahnarzt Jäger in Gießen. Sprechstunden gestern, Hörnsheim, Hochelheim, Lützellinden, Dornholzhausen Herr an Wochentagen von 8— 7/10 Uhr vormittags und 2—3 Uhr nachmittags; Dr. Kipper in Gießen. Sprechstunden: an Wochentagen von an Sonntagen von ½10—/ 1 Uhr vormittags. 1000 Stck. unserer berühmten 5 Pf.⸗Cigarren nur Mk. 29.50 SGS 1000„ Munserer ganz vorzügl. 6 Pf.⸗Cigarren„„ 37.— SGsGes„. a 1000„ unserer äußerst beliebt. 8 Pf.⸗Cigarren„„ 47.— 8 1 535 14 1000„ unserer großartigen 10 Pf.⸗Cigarren„„ 61.50 I K III 1 U 5 d 1 f Einzelne Probekistchen zuzügl. Porto. Garantie: Zurücknahme. 9 0 Tausende Anerkennungen. Uhrmacher Uu A en 14 41 b Berudt& 3 e 178 à Ebersstraße 75. bissen Mala 1 Franko gegen Nachnahme. e ee Allen d die sich durch Erkält der Ueberladung Vorteilhafte Bezugsquelle für des deer e de ue ele o enen 5 2 85 1 heiß oder alter Speisen, oder durch unregelmäßige TTT Uhren 1 Gold⸗ eben Beise ein Peagenleiden wi 1 5 900. und e ee 8 5 a merzen, were erdauung oder er⸗ Silberwaren 1 schleimun 8 8 zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen N 1 3 N 2 8 ss. ügli tl Wirkunge on sett vielen Jahren 8 eG%%,e0i6e%,?ll!s]l, 8 ur Flocone, Ratiné und Double mit Plaid- Verdauungs⸗ und 5 Blutreinigungsmittel, der 5 N J butter und Saumtfragen 8 MI. Hubert Ulrich che Kräuter-Mein. 5 a 90 e e e 55 24 1 efundenen Kräule 2 5 a n stärkt und belebt den ganzen Verdaunngsorganismus da 5 8 2— des Menschen, oßne ein Jchbführungsmittel zu sein 3. 1 Ae 18 155 1 in 57 ner S 6. 7 22 8 gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen vo 11 N 2 2 kraukmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neu⸗ A 9 5 bildung gesunden Blutes. de n 9 85 W Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Fil 5 1* +— Magenübel meist s 55 11 1 1 11 75 be — 3 nicht sä„sei ndung allen anderen scharfen, ätzen d 1 3 5 78 8 2 2 5 5 Getundgeik zerste enden Mitteln vorzuziehen. Alle Spmp⸗ 5 8 a— 2— tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, B1 8 m S. 8 4— 18 3 bel e e 15 a f Nen die 1 e 2 2 7 5 8(veralteten eiden um so heftiger auftre 50 Einen Riesenp en 8 8 8 85 nach einigen Mal Trinken beseitigt. 5 1 3 9. 3 d d me Folgen ich 5 2 2 Stunlverstopfung wie: Setclemmung- Kelllschmer- Tun 8 S 8 1 ee 15 e 8 2 80 r,‚F Milz un ort stem ämorrhoidalleiden sei 8 5 2 2 8 Renten Ge en be 91 1115 1 50h 5 a—[Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch 0 mit Futter, Mufftaschen u. Schnallen etc.— 8. ane geen alle unn ächie Stoffe aus dem Magen f—— 5. ih 3.50 MI Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel 1 0 0 5 0 5 0 W 8 3 ind ist di 1 lechter Verdaunng, T e eee ö 4 11 5 unter öser Ab ung und Gemüthsverstimmung, 2 Alles für Erwachsene. de e, 2 giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. * berhess. Kleider-Bazar e 0 brnä 7 t Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt he a 7 4 Direkt aus dem Oderbruche, wo die 5 2 verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven Te! wen u 1225 Nause r ö 1 1 1159 8 Kranken 0 5 Na. un 20 1 5 n ands Sahlrei e Anerkennungen un ankschreiben* di Mar NUL. ee e[Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen ww 0 Gänsefedern 0 Mk. 1.25 u. 1,75 in: 1 1 5 te r Fete ne or Sagfeiclachtgee. wie Linden, Wetzlar, Frouhausen, Braunfels, Butz, 10 1 0 e gerupft werd., 1,50 M., aussorttrte, 9 1 f 5 9 i 55 D eTsand gegen Nachnahme 5 e e ee ee ach, Hrandoberndorf, Gladenbach, Weilburg, Kl f„ i dauniger 225 M.(Zwisch die. Z Sort. Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, gr 2 5 8 22 85 eden eiter gen wee f. Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. usw. 5 olldaunige Federchen 2,65, te d S. 4 in den Apotheken. la— 02 2— dauniger 300, höchtein, sast Daune, 2 Auch versendet b 9 Ullrich, Leipzig me— 8* 2 8,50 M. 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Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. —————H—————— de Miteldent Autttäger ft Lurch dle of de Gpebllon — Partei lber die der Partel⸗! örterten Geg der, Sozial Artikel aus Malich daß burger Akkor geben haben, kratie zu den lic datzuleg Genosse tritt Behauptung kreise det Ge Oder gar feit die gewerksc bier Jahrzeh Führer der land waren, Anregung zi und dieser Er weist da ork, Fr Grottkau, Jahren die gewerkschastli eiuer Eifersi Partei sei d unter der H. der Versuch ligen Organ polttischen J Dab gelang den don de hefudlicen 1 an. er ern auf dem Kiäl lagen geg keien erhob Mt de lichung leben gehe dee neue Mathandene fc hatte