Nr. 30. Lehtung lueie 2029 dgewöhnz wohnlich eisen: 1 80 530 At., iefel 5 Mk., he ö Mk. und Stiefel Aalität. h Maaß. er Werkstatt. von Fuhren usport von fiehlt sich ueider weg 40. chuͤrzen len henden lhemden, thosen, mpfe, len, 1 * e i fllig Preisen Stuhl stadt 23. ge U sbe * Krumm Nr. 31. Gießen, Sonntag, den 3. August 1902. 9. Jahrg Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. f s Mitteldeuts che Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. * Abonuementspreis: Bestellungen 2 Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Pekitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. 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Die bevorstehende Reichstagswahl. Berichterstatter: A. Bebel. . Arbeiterversicherung. Berichterstatter; H. Molken⸗ buhr. Kommunalpolitik. Berichterstatter: Dr. Lindemann. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. Anträge zum Programm und Organisation. Sonstige Anträge. 10. Wahl des Vorstandes und der Kontroleure. Parteigenossen! Bei der Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung des diesjährigen Parteitags— wir verweisen nur auf die Verhandlungen über die nächsten allgemeinen Reichstagswahlen— richtet der Parteivorstand die Aufforderung an Euch, die Vocbereitungen für den Parteitag— also die Wahl der Delegierten wie die Stellung von Anträgen— rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens den 2. September in den Händen des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin S W., Kreuzbergstr. 30 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des 8 8 Absatz 2 der Partei⸗Organisation im Vorwärts ver⸗ öffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage Auf⸗ nahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Ver⸗ öffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und ev. weitere Mitteilungen zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: Ludwig Pickelmann, München, Sendlingerstr. 20. Mandatsformulare sind durch das Parteibureau J. Auer, Berlin SW., Kreuzbergstr. 30 zu beziehen. Die Genossen, die Anträge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beige⸗ gebene Motive weder im Vorwärts noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finden können. Es steht den Genossen das Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch befreundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Berlin, 28. Juli 1902. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. N D S —————.— Im Klassen⸗ und Kastenstaat. Von unsern Gegnern wird die von uns mit Recht behauptete Thatsache, daß auf allen Ge⸗ bieten der schroffste Gegensatz zwischen der be— sitzenden und nichtbesitzenden Klasse hervortrete, mit lächerlichen Redensarten zu widerlegen ge⸗ sucht. Man macht der Sozialdemokratie den Vorwurf, daß sie den Klassenhaß schüre, wir erinnern uns sogar, in geguerischen Blättern gelesen zu haben, daß unsere Partei den Klassen⸗ gegensatz künstlich erzeuge. Einen ähnlichen Vorwurf erhob vor gar nicht langer Zeit ein liberaler Abgeordneter im hessischen Landtage gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten bei Beratung des Wahlgesetzes. Das ist natürlich ein Unstnn. Wir sehen im Gegenteil das Be⸗ streben auf Seite der besitzenden Klasse, der „besseren Leute“, sich von den„gewöhnlichen“ Volkskreisen abzusondern, die Kluft zu erweitern, die zwischen Reich und Arm gähnt. Dafür können unzähliche Beispiele geliefert werden. Erlebten wir doch ähnliches kürzlich in Gießen, wo die Lehrer der höheren Töchter⸗ schule nicht einmal ein Jugendfest gemeinsam mit den Schülern der Volksschule feiern wollten. Die ostelbischen Chinesen lassen aber die Gießener weit hinter sich zurück. Ein drastischer Beleg für den Klassen⸗ und Kastendünkel bietet eine auffehenerregende Ge⸗ schichte, die jetzt durch die Blätter läuft und mit der sich unser Centralorgan ebenfalls ein⸗ gehend beschäftigt. Es handelt sich dabet um die Maßregelung eines hohen Beamten, die deshalb erfolgte, weil der Betreffende das Verbrechen begangen hatte, die Tochter eines ehemaligen Feldwebels zu heiraten. Als diese merkwürdige Thatsache vor einiger Zeit in den Zeitungen gemeldet wurde, schien sie so un⸗ glaublich, daß sie kaum ernst genommen wurde. Jetzt gelangt aber das vertrauliche, eigentlich nicht für die Oeffentlichkeit bestimmte Be⸗ kenntnis⸗ und Rechtfertigungsschreiben Löhnings — so heißt der Betroffene,— der Provin⸗ zial⸗Steuerdirektor in Posen war an die Oeffentlichkeit, und die staunende Welt erfährt, daß wochenlang die ganze Regie⸗ rung und Verwaltung in aufgeregter Thätig⸗ keit war, um den Skandal aus dem Weg zu schaffen, daß ein Geheimer Ober-Finanzrat die Tochter eines ehemaligen Feldwebels zur Frau nimmt— anstatt sie nur, wie das sonst in hohen Kreisen üblich und moralisch ist— un⸗ verbindlich zu„lieben“. Es gab diätenschwere Dienstreisen, Konferenzen, Audienzen. Der preußische Finanzminister selbst— Rheinbaben heißt der interessante Herr— geruhte sich höchstselbst seinen glatt frisierten Kopf über das Problem zu zergrübeln. Auch der kommandierende General Posens sann zu jener Zeit nicht etwa über die Strategie gegen den Feind im Osten nach, sondern sein Gemüt war erfüllt mit Abscheu und Zorn ob der Entartung der Seele eines Geh. Ober⸗Finanzrats. Desgleichen wurde der Oberpräsident lebhaft beunruhigt, nicht etwa durch die Polenfrage, sondern durch die Tochter des ehemaligen Feldwebels. So stand die ge⸗ samte staatserhaltende Autorität unter dem Zeichen der furchtbaren Verlobung und Hoch⸗ zeit— bis endlich der Verbrecher das Haupt auf den Block legte. Seine große politische Bedeutung erhält das Löhningsche Schriftstück aber erst durch den Einschlag der neuesten Polenpolitik. Man kann gespannt sein, ob die Hakatisten⸗ politik“ der Bülow und Rheinbaben die Peitschen⸗ schläge dieser Enthüllungen lange überleben wird. Die Rechtfertigung Löhnings bedeutet das Panama der Polenpolitik! Aus Löhnings Bemerkungen ist zu ersehen, daß sich die neue Polenpolitik nicht auf das Gut⸗ achten der in Polen thätigen höheren deutschen Beamten berufen kann; diese sind— nach dem Zeugnis Löhnings— durchweg von der Ver⸗ kehrtheit dieser Politik überzeugt. Es gibt allerdings auch strebsame Beamte, die sogar in neutralen Steuergesuchen die Ablehnung unter Hinweis auf die polnische Gesinnung des Petenten empfehlen! Das ist die harmlose Germanisirungspolitik, die immer unschuldsvoll ihre Sanftmut beteuert und klagt über den Terrorismus der— Polen! Wir hören auch, daß es zu den Pflichten eines deutschen Beamten in Posen gehört,— verfassungswidrig!— seine Untergebenen zu zwingen, gegen ihre Ueberzeugung zu wählen. Löhning machte sich dadurch gerade verdächtig, daß er sich weigerte, in der gewünschten Weise das Recht zu beugen. Wir vernehmen ferner, daß laut allgemeiner— verfassungs⸗ widriger!— Anordnung, in der ganzen Provinz Posen kein deutscher Staatsbürger polnischer Abkunft in der Verwaltung Anstell⸗ ung findet. So sieht das System aus, das bei jeder Gelegenheit in erheuchelte Klagen über die Rücksichtslosigkeit und die verfassungs⸗ widrige Agitation des Polentums ausbricht!— Einige besonders charakteristische Sätze seien aus dem Schriftstücke Löhnings wiedergegeben. Er erzählt, daß seine Verlobung mit Fräulein Coccius am 21. Februar bekannt gemacht wurde. Am 31. März erschien der Geheime Oberfinanzrat Enke aus dem Finanzministerium bei Löhning, um ihm zu erklären, daß der Minister über seine(L. 8) Verlobung erzürnt sei. Löhning fährt fort: Der Minister wolle, daß ich meine Pension nachsuche, er(Enke) rate mir dazu, ich sei dann ein freier Mann, ich geriete ja dadurch, da ich vermögend sei, in keine Sorgen. Auch zog er einen Zettel hervor und sagte, der Finanzminister sei ungehalten, daß ich ihm von meiner beabsichtigten Verlobung nicht vor her Mitteilung gemacht hätte. Ich habe ge⸗ äußert, ich könne nicht zur Disposition gestellt werden, der Minister könne mich nur versetzen. Ferner habe ich mich wiederholt den Mitgliedern gegenüber abfällig über die Polenpoli⸗ tik der Regierung ausgesprochen, auch fragte er mich nach einer Stadtverordnetenwahl⸗ Angelegenheit des Steuereinnehmers Michalski in Fraustadt, welcher für einen Polen gestimmt und trotz des Antrages des dortigen Landrats nicht entsprechend von mir zurechtgewiesen wäre. Am nächsten Tage ging Löhning zum Ober⸗ präsidenten, der ihm erklärte:„Gegen die Per⸗ sönlichkeit Ihrer Braut ist nach den eingezogenen * Unter Hakatistenpolitik versteht man die Polenfresser⸗ politik, die von den Herren v. Hannemann, v. Kenne⸗ mann und v. Tiedemann eingeleitet worden ist. Aus den Anfangsbuchstaben dieser drei Namen bildete sich dann im Laufe der Jahre das Wort H. K. T. Hakatisten⸗Politik. Seite 2. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 31. Erkundigungen nichts einzuwenden. Aber Ste können als Provinzial⸗Steuerdi⸗ rektor nicht die Tochter eines ehema⸗ ligen Feldwebels heiraten, ebensowenig, wie ein Oberst die Tochter eines Feldwebels heiraten kann. Ein Ministerialrat, ein Ober⸗ regierungsrat mag eine solche Heirat schließen, Sie bekleiden als Provinzial⸗Steuerdirektor eine der ersten Stellen in der Provinz und können solches nicht. Löhning suchte schließlich um seine Pensionierung nach. Zur Begründung dieses Schrittes führte er an:„Ich hielt es vor Allem auch unter meiner Würde, nach solchem Vorgehen gegen mich fernerhin noch ein Untergebener dieses Ministers zu sein. Die mir vorgeworfenen Aeußerungen zur Polen⸗ politik haben an sich mich in keiner Weise zu dem Pensionierungsantrage bestimmt. Freilich bin ich, wie die große Mehrzahl der höhe⸗ ren Beamten der Provinz, ein Gegner des schroffen Vorgehens in der Polenpolitik, des sogenannten Hakatismus. Schwerlich wird von diesen einer es verstehen, wie die mir vorge⸗ worfenen Aeußerungen und mein Verhalten zur Polenpolitik einen Anlaß zu meiner Penstonie⸗ rung bieten könnten. In Wirklichkeit bin ich durch Intrigue und verächtliche Angeberei ein Opfer der Standes vorurteile und des Kastengeistes geworden.“ Die tragikomische Affaire ist nach mehreren Richtungen hin für unsere Verhältnisse bezeich⸗ nend. Nicht nur dafür, in welcher Richtung sich die„Polenpolitik“ bewegt, sondern auch für die Art, wie man in Deutschland die Beamten einschätzt. Die Fähigkeit kommt erst in zweiter Linie in Frage, Hauptsache ist, daß sie„standesgemäß“ auftreten. Das thut ein höherer Beamter nicht, wenn er eine Feld⸗ webelstochter ehelicht, mag die Frau auch glän⸗ zende Eigenschaften aufweisen.— Blamiert ist die„Poleupolitik“ mitsamt der Regierung! Politische Rundschau. Gießen, den 31. Juli. Die sozialdemokratische Woche ist angesagt. Der Parteivorstand hat, wie aus der Bekanntmachung am Kopfe des Blattes hervorgeht, den Parteitag auf den 14. September nach München einberufen. Wegen des früheren Zusammentritts des Reichstags muß der Partei⸗ tag früher als sonst seine Arbeiten erledigt haben. Einer der Hauptpunkte, die zur Verhandlung stehen— wichtig genug sind sie zwar alle— ist derjenige über die bevorstehenden Reichs- tagswahlen. Darüber hat August Bebel das Referat, der dabei nicht verfehlen wird, die Genossen zu lebhaftem Kampfe anzufeuern, sofern das überhaupt noch nötig ist.— Ver⸗ wunderlich ist, daß der internationale Kongreß, der im nächsten Jahre in Amsterdam stattfinden soll, nicht auf der Tagesordnung steht. Junker⸗ Patriotismus. Der verstorbene Reichskanzler Caprivi hat während seiner Amtszeit die edlen Qualitäten der Junker kennen gelernt. Hinterrücks und auch offen wurde er von ihnen angegriffen, als er ihren raubgierigen Plänen die Unterstützung versagte. Von Interesse ist deshalb, wie Caprivi die Junker und ihre Staatstreue beurteilte. Er sagt in einem jetzt veröffentlichten Briefe an Max Schneidewin vom 17. März 1895: ... In Bezug auf die Agrarier sehe ich schwarz und scheint mir eine Revolution auf agra⸗ rischer Basis nicht unmöglich und für den Augenblick gefährlicher, als eine sozial⸗ demokratische. Geht die agrarische Agitation so weiter, wer will sie eindämmen?... Be⸗ denklich ist auch die Rückwirkung der agrarischen Hetze auf unser Offizierkorps, das in erheblichen und einflußreichen Teilen mit dieser Bewegung zusammenhängt. Wenn unser Junker anfängt, seine Gesinnungen von seinen Einnahmen ab⸗ hängig zu machen, und wenn er zur Bedingung seines Royalismus macht, daß der Staat Un⸗ mögliches für ihn thun soll, dann ist schon das Beste in unserem kleinen Adel, seine staatliche Gesinnung, zerstört und sein Wert für den Staat so reduziert, daß man sich fragen kann: lohnt es dem Staate noch, für diese Klasse Opfer zu bringen? Gewiß nicht! Und es ist eine Kurzsichtigkeit sondergleichen, wenn die Regierungen nicht einsehen wollen, daß die Junkersippe die staats⸗ und gemein⸗ gefährlichste Gesellschaft ist, die je Deutschland unsicher gemacht hat. Wenn zwei dasselbe thun. Graf Kanitz hatte kürzlich mitgeteilt, daß er im Besitze des österreichischen Zoll⸗ tarifs sei, der bis jetzt ganz unbekannt ist. Seine Mitteilung erregte natürlich in Wien nicht geringes Aufsehen und man berichtete von dort, daß in informierten Kreisen nicht bekannt sei, in welcher Weise Graf Kanitz in den Besitz dieses Aktenstückes gelangt sein soll. Es giebt nur ein fertig gestelltes Exemplar des Entwurfes, welcher jetzt den Gegenstand der Verhandlung mit dem ungarischen Referenten bildet. Es sei nicht unmöglich, daß Graf Kanitz sich nicht im Besitz des Regierungsentwurfes, sondern im Besitz des Vorschlages der wirt⸗ schaftlichen Korporationen befindet. Graf Kanitz gehört zur konservativen Partei, die seiner Zeit einen Gesetzentwurf gegen die Veröffentlichung geheimer amtlicher Erlasse be⸗ aptragte. Wenn ein sozialdemokratisches Blatt mit Hilfe von Aktenstücken, die ihm ein günstiger Wind aufs Redaktionspult wehte, die Sünden der Herrschenden oder reaktionäre Anschläge aufdeckt, so ist die konservative Presse voll sitt⸗ licher Entrüstung über„Verleitung zum Dieb⸗ stahl und Vertrauensbruch“, über die sozial⸗ demokratischen„Hehler“. Ueber den Grafen Kanitz haben sie bisher noch nicht den Stab gebrochen, obgleich es doch wohl feststeht, daß der Herr den Entwurf nicht von der öster⸗ reichischen Regierung geschenkt bekommen hat. Die Ersatzwahl im Lieberschen Reichstagswahlkreise hat, wie das vorauszusehen war und von uns in der vorigen Nummer auch gesagt wurde, mit der Wahl des Zentrumsmannes, Rechts⸗ anwalt Dahlem, geendet. Dieser erhielt sogar noch mehr Stimmen als Lieber bei der 98er und auch 93er Wahl. Diesmal wurden für das Zentrum 10631 Stimmen abgegeben, der Nationalliberale Krawinkel erhielt deren 3755, der Bauernbündler Brand 3454, unser Genosse Vetters 662. Daß es der Bauernbündler auf diese Stimmenzahl bringen würde, glaubten vorher wohl nur wenige, doch ist das bei der Rückständigkeit der Wählermasse in diesem Kreise nicht weiter verwunderlich. Derjenige kann der Stimmen der Bauern sicher sein, der ihnen durch Erhöhung der Zölle höhere Einnahmen in Aus⸗ sicht stellt und es wird nicht lange gefragt, ob die Versprechungen auch gehalten werden können. Durch den Einbruch des Landwirtsbundes ge— staltete sich die Wahlbewegung diesmal lebhafter. Zwar mußten die Nationalliberalen die Kosten der bündlerischen Kandidatur bezahlen— ihre Stimmen sanken von 5567 auf 3755— immerhin stieg die Summe der in den evangelischen Ort⸗ schaften abgegebenen Stimmen, also die für den Bllndler und Nationalliberalen um zirka 1800. Das Zentrum hatte Angst vor der bündlerischen Kandidatur, darum machte es ungeheuere An⸗ strengungen. Von allen Kanzeln wurden die katholischen Wähler am Sonntag zur Stimm⸗ abgabe für den Zentrumsmann aufgefordert und fast ohne Ausnahme wird dieser Aufforde⸗ rung Folge geleistet. Daher ist die Zunahme der Zentrumsstimmen erklärlich. Unsere Ge⸗ nossen konnten, wie schon bemerkt, eine münd⸗ liche Agitation nur in zwei Orten entfalten, wo uns Lokale zur Verfügung standen. Wo wir sonst noch Verbindung hatten und agitieren konnten, zeigten sich auch die Erfolge bei der Wahl. In Höhr stieg unsere Stimmenzahl von 154 auf 216. Ebenso verzeichnen wir an einigen kleineren Orten leidlichen Zuwachs. Verlust hatten wir aber in Wirges, wo dadurch, daß etwa 70—80 unserer wahlberech⸗ tigten Parteigenossen, die als Glasarbeiter auf der dortigen Glasfabrik arbeiteten, gemaßregelt wurden und abreisen mußten, nachdem die Siemensgesellschaft von Dresden das Werk übernahm unsern Stimmen von 198 auf 159 sanken.— Der Kreis dürfte auch in den nächsten Jahren keine nennenswerten Fortschritte für unsere Sache aufweisen; dazu ist die arbei⸗ tende Bevölkerung zu sehr im Banne des Pfaffentums. Keine Amnestie in Sachsen. Sofort nach dem Regierungsantritte des Königs Georg in Sachsen wurde dem Landtage das Gesetz betreffend die Erhöhung der Zivilliste des Königs um ½ Millionen Mark unterbreitet. Natürlich stimmte der Dreiklassen⸗ landtag der Erhöhung zu, trotz der miserablen Finanzen und trotz dem furchtbaren Elen de der Volksmassen. Dagegen hörte man nichts und regt sich jetzt noch nichts von einer allgemein erwarteten Amnestie. Unsere Stellung zur Monarchie ist ein für alle mal gegeben und bekannt, bedarf deshalb auch keiner näheren Darlegung, meint unser Dresdener Parteiorgan. Dadurch zugleich regelt sich unsere Anschauung über die Bedeutung und das Wesen der Amnestie als eines königlichen Gnadenaktes. Aber bei der notorischen Unzu⸗ länglichkeit der Justiz des heutigen Klassen⸗ staates kann eine Amnestie als Reparatur wohl⸗ thätig wirken. Noch immer schmachten z. B. einige Opfer des Löbtauer Zuchthausurteils im Kerker. Es würde dem Rechtsgefühle des ganzen Volkes entsprechen, wenn diesen Unglück⸗ lichen die Freiheit wiedergegeben würde. Vom Gottesgnadentum. Vor einigen Tagen ist die älteste deutsche Fürstin, die Herzoginwitwe Friederike von Anhalt⸗Bernburg gestorben. Sie war mit dem Herzog Karl Alexander vermählt gewesen, der schon vor vielen Jahren in geistiger Umnachtung verschieden ist. Schon als sich die damalige Prinzessin Friederike von Holstein-Glücksburg dem jungen, eben zur Regierung gelangten Herzoge Alexander Karl vermählte, zeigte er bedenkliche Störungen des Denkver⸗ uögens, die übrigens oft nicht eines heiteren Anstriches entbehrten. So war seine erste That nach seiner Thronbesteigung, die Schild— wache vor seinem Palais in Ballenstedt zum Hauptmann zu ernennen. Er hatte damit nur seine Herrschermacht erproben wollen, aber die Probe mißlang, denn seine Umgebung veran⸗ laßte schleunigst, daß die Schildwache, gegen angemessene Geldentschädigung, freiwillig auf das außergewöhnliche Avancement verzichtete. Bedenklicher war schon seine Liebhaberei, im Alexisbad die Kurgäste vom Fenster aus mit Wasser zu bespritzen. Seltsamerweise bewahrte sich der Fürst, auch als er nachher völlig verblödete, eine leidenschaftliche Neigung zur Musik. Ja, er komponierte sogar selbst und kannte keine größere Freude, als wenn seine Komposition im Hofkonzert aufgeführt wurden.— Und von diesem Herrscher ist Anhalt⸗Bernburg von 1834 bis 1863— also nahezu 30 Jahre lang—„regiert“ worden!! Wirkung der Fleischverteuerung. „Ein höchst unerfreuliches Bild von dem Rückgang der Lebenshaltung, namentlich in den unteren Klassen, giebt die Abnahme des Fleisch⸗ verbrauchs in München während des letzten Jahres. Sie ist hervorgerufen namentlich durch die Grenzsperre, durch die die hohen Vieh⸗ und Fleischpreise künstlich aufrecht erhalten werden. Die„Münch. Neuest. Nachr.“ weisen darauf hin, daß im Schlacht⸗ und Viehhof in München im ersten Halbjahr 1902 geschlachtet sind im ganzen 281534 Stück Vieh gegen 294089 Stück im ersten Halbjahr des Vorjahres, also heuer um 12 545 Stück weniger. Bei den Schweinen hat die Gesamtschlachtung 102 420 gegen 117 563 Stück, mithin um 15 343 Stück weniger betragen. —, Derartige Beobachtungen macht man aber nicht nur in München. Fast überall ist Ab⸗ nahme der Schlachtungen und ganz bedeutendes Steigen der Fleischpreise zu konstatieren. Seit zwei Jahren sind in Gießen z. B. die Fleisch⸗ preise derart gestiegen, daß Wurst und Fleisch für die Arbeiter kaum noch käuflich ist. .— — * 050 1 hörte man b bon einer ist ein für n deshalb feint unser leich regelt eulung und königlichen schen Unzu⸗ N flassen⸗ ratur wohl⸗ ten z. B. Aulteils im gefühle des en Unglück de. n. ste deutsche derike bon a mit dem ewesen, der Imnachtung e damalige Glücksburg gelangten „zeigte er henkber⸗ es heiteren seine erste ie Schild⸗ istedt zum damit nur „aber die ung beran⸗ iche, gegen willig auf verzichtete. gaberel, in enster aus samerwelse er Wan e Neigul. oon fl als wenn aufgtfühet Nr. 31. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. Seite 3. Soziales. Schamlos und frech ist der Inhalt eines Schreibens, das die Brandenburger Zei⸗ tung veröffentlicht. Das Schriftstück kennzeichnet seinen Verfasser. Es lautet: „Werder a. H., den 26. Junt 1902. Hochgeehrter Herr N. N.! Ich vernahm, daß Sie beabsichtigen, Ihr Haus streichen zu lassen, und sich deshalb mit einem anderen Maler in Verbindung gesetzt haben. Ich wäre bereit, Ihnen den Quadratmeter Oelfarbe mit 60 Pf. bei bester Ware zu liefern. Durch großen günstigen Kasseeinkauf, durch äußersten Druck auf den Arbeitslohn, ich bin dafür bekannt, daß ich den wenigsten Lohn zahle, sowie dadurch, daß ich meistens selbst mithelfe, bin ich in der Lage, Ihnen so günstigen Preis zu stellen. Geringere Ware mache ich den Meter mit 50 Pf. Hochachtend M. Röhl.“ Der Mann, der sich durch äußersten Druck auf den Arbeitslohn empfiehlt, verdient wirklich, den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Dekorierte Mörder. In Brüssel wurden vorige Woche in Gegenwart des Königs im Akademiepalast bei Gelegenheit der Verteilung von Auszeich⸗ nungen für mutige und hingebungsvolle Handlungen das Kreuz der Bürgergarde den Offizieren Coen und Frere überreicht, die bei den letzten Uuruhen in Löwen„Feuer“ kommandierten, durch das neun für das allgemeine Stimmrecht manifestierende Arbeiter getötet wurden. Selbst die liberale„Gazette“ sieht in dieser Handlung einen Mangel an Takt und glaubt, daß gemäßigte Mitglieder aller Parteien diese Auszeichnung streng verurteilen werden. Auch zahlreiche Gensdarmen und Polizisten wurden für ihre Haltung während der Unruhen dekoriert.— Das ist sehr bezeich⸗ nend für die pfäffischen Gewalthaber und das Volk wird sich das hoffentlich merken. Pfäffische Erzesse in Frankreich. Obwohl die Diener der Kirche immer lehren, daß man unterthan sein solle der Obrigkeit, die Gewalt über uns hat, so machen sie doch hier und da Unterschiede. In Frankreich ist jetzt das Schulgesetz vom 1. Juli 1901 in Kraft getreten. Danach müssen alle von reli⸗ giösen Orden geleiteten Schulen aufgelöst werden, wenn sie nicht die staatliche Konzession erhalten haben. Der Ministerpräsident erließ nun Dekrete, welche die Schließung aller Kongregationsschulen anordnete, die sich geweigert hatten, sich aufzu⸗ lösen. Für Paris kamen noch 26 Schulen in Betracht. Die Polizeikommissare begaben sich am Sonntag Morgen in die betreffenden Schulen; in 21 derselben fand man niemand mehr vor, 4 haben sich nach dem Erscheinen der Dekrete aufgelöst und sind geschlossen. Es blieb nur eine Schule übrig, wo die Polizei auf Wider⸗ stand stieß. Es ist das die Schule der Schwestern Sainte Marie in der Straße Saint Maur. Hier hatte sich ein gewisser Girard, ein Na⸗ tionalist, der ehemals mit Guerin das„Fort Chabrol“ besetzt gehalten hatte, verbarrikadiert; wie die Schwestern später bekundeten, ließ man sie gegen ihren Willen nicht abziehen. Es kam dann, als der Polizeikommissar erschien, zu klerikalen Demonstrationen und Exzessen. Eine große Demonstration hatten die Klerikalen für letzten Sonntag auf dem Concordiaplatze geplant, sie sind aber damit kläglich hereingefallen. Adlige Damen, unter ihnen die Gräfin de Mun, waren dazu eingeladen und erschienen. Doch füllten schon um 8 Uhr etwa 10000 Sozialisten -den Platz. Die klerikalen Manifestanten, dar⸗ unter viele Frauen und Mädchen, sahen sich bald auseinander getrieben und auf die Um⸗ gebung des Platzes gedrängt, wo thre schwache Protestation im brausenden Gesang der revolu⸗ tionären Lieder, der vom Platz ertönt, ohn⸗ mächtig untergeht. Unter diesen Umständen ist die Sammlung der Klerikalen und der geplante Zug nach dem Ministerium des Innern und Elysée natürlich unmöglich. Mehrere Geistliche wurden verhaftet, wie der Korrespondent der „Frktr.⸗Ztg.“ meint, zu ihrer eigenen Sicherheit. Schließlich, nachdem die Klerikalen das Feld geräumt haben, lösen sich die Sozialisten in Gruppen auf, die langsam die Carmagnole singend und Nieder die Jesuiten! rufend ab⸗ ziehen. Jedenfalls zeigen diese Vorgänge, daß man in Frankreich die Pfaffenherrschaft gründ⸗ lich satt hat und erfreulicher Weise bemüht ist, sie endgültig abzuschütteln. Die Hamburger Schiffskatastrophe. Vergangenen Sonntag wurden etwa 30 der Verunglückten von dem Schiffsunglück beerdigt, nachdem schon am Freitag eine Anzahl der Erde übergeben waren. Das Leichenbegängnis fand unter so starker Beteiligung statt, wie man es in Hamburg noch nie gesehen hat. Tausende schritten im Leichenzuge, in dem 70 Vereine mit ihren Bannern vertreten waren. Eine unzähliche Menschenmenge bildete Spalier. Auf dem Friedhof sprach nach einem Pastor auch unser Genosse Abg. Frohme. Er sagte unter Anderem: „An dieser Stätte des Todes schwindet aller Unterschied und Gegensatz, der sonst die Menschen trennt, der politische wie der religiöse und soziale. Heraus aus jeglicher Umschränkung und Sonde⸗ rung, zu der seine Stellung, seine Interessen, seine Meinungen im gewöhnlichen Leben ihn bestimmen, tritt hier des Menschen bestes Teil, der Mensch, das bessere Wesen, dem das hehre Wort der Nächstenliebe nicht ein leerer Schall, — der wahren Nächstenliebe, die tief mit⸗ empfindet das schwere Leid, das Andere drückt, und die sich thätig zeigt, dies Leid zu lindern. Ein grausiges Verhängnis hat weit über hundert unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen, Männer, Frauen, Kinder, reifes Alter und blühende, hoffnungsvolle Jugend hinweggerafft.... Des Schiffes Wunde schlang die Flut; es sank— und wo soeben noch das Lied die stille Nacht durchdraug, da erhob sich das Schreien der Verzweiflung, das Jammern der Angst, und dann ein Todeswimmern. Wir meinen, sie zu hören, diese Stimmen. Aber zugleich erklingt in uns das Hohelied„vom braven Mann wie Orgelton und Glockenklang“— das Lied, das einen jungen Helden preist, der, ver⸗ trauend auf erprobte Kraft und Kunst, im heiligen Geist der Liebe und der Treue das Leben Anderer rettet und dabei zu Grunde geht. Das ist das wahre Heldentum, selbstlos sich selbst zum Opfer für die Nächsten weihn! Nun stehen wir trauernd an der Opfer Gruft... Das Unheil, das die Lieben uns entriß, ein jedes schwere Unglück giebt guten Seelen neue Kräfte und läutert sie, daß sie all' ihr Streben richten auf das Gute, das Wahre und Schöne. Vernehmt und versteht des Todes Lehre: Liebt Euch einander, thut Eure Pflicht als Menschen gegen Menschen. Es ist nicht schwer, gerecht und gut zu sein, wenn nur der gute Wille dazu uns beseelt.“ Nach Trostesworten schloß der Redner: „Nun scheiden wir von Euch, geliebte Tote. Uns hat das Leben noch mit seiner ernsten Pflicht zum Kampfe für das Gute. Wir wollen ihr genügen, dieser Pflicht. Euch aber, die mit uns gelebt, gestrebt, gelitten und gekämpft, pflanzen wir auf's Grab das treue, freundliche Immergrün, das dem verheerenden Winter trotzt. Das bleibt ewig frisch und jung, wie die Hoffnung der strebenden Menschheit und das heilige Evangelium der Menschenliebe!“ Nach Frohme sprach Pastor v. Ruckteschell, der auf die ewige Liebe hinwies, die alle ohne Unterschied der politischen Stellung an der ge⸗ meinsamen Stätte der Trauer zusammengeführt habe.— Am Dienstag wurden wieder 10 Opfer der Katastrophe auf dem Ohlsdorfer Friedhofe beerdigt, wo nun schon über 60 der Verun⸗ glückten ruhen. Wte schon in der letzten Nr. mitgeteilt, haben viele unserer Parteigenossen bei dem Un⸗ glück den Tod gefunden. Die Liedertafel „Treue“ gehörte zum Arbeitersängerbund und ihre Mitglieder sind, wenn nicht alle, so doch die meisten, aktive Mitglieder der sozial⸗ demokratischen Partei. Es ist anzunehmen, daß auch die Gäste des Vereins zum größten Teil der Arbeiterklasse und unserer Partei an⸗ gehören. Und einem tragischen Geschick sind die Un⸗ glücklichen verfallen. Nach arbeitsvollen Wochen wollten sie einmal im Kreise von Freunden und Gesinnungsgenossen ein fröhliches Fest feiern, sich bei munterem Spiel erholen von der Müh⸗ sal des Werktags. Und wie allsonntäglich Tausende und Abertausende, fuhren sie auf festlich beflaggtem Schiff die Elbe hinunter, und wohl keiner kam auf den Gedanken, daß ein furchtbares Unglück das Ende des frohen Tages sein werde. Sehr hart ist die Familie des Genossen Postelt, früheren sächsischen Landtagsabgeordneten, betroffen. Seine Frau, die nicht an dem Ausflug beteiligt war, benutzte aber den Dampfer mit zweier ihrer Kinder zur Heimkehr. Sie fand in den Wellen ihren Tod mitsamt ihren 9 und 10 Jahre alten Kleinen. Postelt, der in London auf dem Genossenschaftskonkresse weilte, wurde tele⸗ grapisch in Kenntnis gesetzt und traf bald in Hamburg ein, wo ihn seine sechs Kinder, die die Ausfahrt nicht mitgemacht hatten und darum am Leben blieben, erwarteten. ** * Ueber Opfermut bei Rettung der Schiffbrüchigen, den die Passagiere und Mannschaften des„Primus“ an den Tag legten, schreibt die„Berl. Volksztg.“:„Die männlichen Fahrgäste des Dampfers waren fast ausschließlich Handwerker und Arbeiter und mancher von den Ertrunkenen mag nur deshalb seinen Tod ge— funden haben, weil er nicht darauf bedacht war, sich selbst in Sicherheit zu bringen, sondern Anderen Hülfe leisten wollte. Dieses heldenhafte Benehmen erinnert an das Verhalten der mutigen Leuten, die vor einigen Jahren bei dem großen Schiffsbrand in Hoboken bei New⸗Nork ihr Leben für die Rettung ihrer Mitmenschen ein⸗ setzten und gleichfalls nahezu sämtlich der Ar⸗ beiterklasse angehörten. Und nun denke man an den großen Pariser Bazarbrand, bei dem die Kavaliers, die„Edelsten der Nation“, sich als die erbärmlichsten Feiglinge zeigten, in wilder Flucht die Ausgangsthüren zu gewinnen suchten, alles, was ihnen in den Weg kam, niederstießen und niedertraten, vor allem die Frauen, die sie mit Stockschlägen zwangen, ihnen Platz zu machen, so daß von den Frauen nur wenige gerettet werden konnten und die übrigen, darunter die Prinzessin Sophie von Bayern, die Gattin des Herzogs von Alengon, verbrannten!“— Bei dieser Gelegenheit darf auch an das heldenmütige Benehmen der Ham⸗ burger Arbeiterschaft während der Cholera⸗ Epidemie erinnert werden. Als das Bürgertum damals feige auskniff, wandte sich die Stadt⸗ verwaltung mit der Bitte um Hilfe an die sozialdemokratischen Organisationen, welche sich auch sofort bereitwilligst zur Verfügung stellten. on Nah und gern. Gießener Angelegenheiten. — Die Frauen und die sozialdemo⸗ kratische Zeitung. Bei allen Beratungen, die von den Parteigenossen gepflogen werden über Mittel und Wege zur weiteren Verbreitung unserer Parteiorgane hört man immer wieder den Einwand, daß die Arbeiterfrau der Aus⸗ breitung der Arbeiterpresse am meisten hindernd in den Weg tritt. Welches sind die Gründe für diese Erscheinung? fragt unser Magdeburger Parteiorgan. Und es erklärt sie damit, daß, obwohl die Frau vielleicht mehr als der Mann unter dem Drucke, der auf der Arbeiterklasse lastet, zu leiden hat, sie doch nicht im Stande sei, die Bedeutung der Arbeiterpresse zu würdigen. Ihr Sinn ist nicht auf ernste, aufklärende Lektüre gerichtet, sie findet weit mehr Geschmack an den Klatsch⸗ und Tratschgeschichten der soge⸗ nannten„unparteiischen“ oder Ordnungs-Presse. Ist diese Presse noch dazu billiger wie das Parteiorgan und liefert dabei mehr Makulatur, dann ist das ein Grund mehr fur sie, mißmutig zu werden, wenn der Mann statt auf das Klatschblatt auf das Arbeiterorgan abonniert. Kommt dann der Zeitungsbote, um den Abon⸗ nementsbetrag zu erheben, kommt der Aerger vollends zum Durchbruch. Das ist eine Er⸗ —— neee Seite 4. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 31.* scheinung, die leider noch zu oft wahrzunehmen; ist. Woran liegt das? Wo die Arbeiterfrau so auftritt, liegt die Schuld meistens an dem Manne selbst. Statt die Frau, die in rückschritt⸗ lichen Anschauungen aufgewachsen, deren Ge⸗ sichtskreis über die häuslichen Sorgen nicht hinausgeht, aufzuklären, ihr die Ursachen ihres freudlosen Daseins zu erklären, ihr die Be⸗ deutung und den Zweck der Arbeiterpresse klar zu machen, begnügt sich der Mann mit der Bemerkung:„Das verstehst du nicht.“ Und dieses Verhalten findet man nicht selten bei solchen Genossen, die mit größtem Eifer und größter Hingebung sich abmühen, um einen Arbeitskollegen für die Partei und als Leser der Arbeitspresse zu gewinnen. Das ist ver⸗ kehrt und rächt sich schwer. Wer da weiß, mit welcher Zähigkeit die Frau das einmal gesteckte Ziel verfolgt, für den ist es nicht verwunderlich, wenn der Maun, statt die Frau geistig zu heben, politisch denken zu lehren, zum Sklaven der Frau herabsinkt und ihr schließlich die Auswahl der Zeitung überläßt— um des lieben Friedens willen. Daher kommt es denn auch, daß zahl⸗ reiche Arbeiter, wiewohl sie wissen, wie schwer sie sich an ihren eigenen Interessen versündigen, eine Zeitung halten, die direkt arbeiterfeindlich ist. Hier ist der Hebel anzusetzen, wenn es besser werden soll mit der Ausbreitung unserer Presse. Gewiß ist es nicht leicht, der Frau eine andere Gedaukenrichtung zu geben, ihr politisches Verstäuduis und Würdigung der Arbeiterpresse beizubringen, aber möglich ist es doch in sehr vielen Fällen. Voraussetzung ist allerdings, daß der Mann nach jeder Richtung seiner Verpflichtung als Familienvater nach— kommt und so seine Handlungen mit seinen Worten in Einklang zu bringen sucht.— — Wahlverein. Auf der Tagesordnung der diesen Samstag stattfindenden Mitglieder⸗ versammlung steht zunächst die Besprechung der Gegenstände, welche der Kreiskonferenz am 10. ds. Mts. vorliegen. Im Anschluß daran wird die Wahl der Delegierten zur Konferenz vorgenommen. Als zweiter Punkt wird das neue Gewerbe⸗Gerichtsstatut einer Erörterung unterzogen werden, wobei gleichzeitig auf die bevorstehende Gewerbegerichtswahl Rücksicht ge— nommen und die dazu nötigen Vorarbeiten ein⸗ geleitet werden sollen. Darum zahlreich er⸗ scheinen! — Der Gesangverein„Eintracht“, Mitglied des Arbeiter⸗Sängerbundes für den Main⸗ und Rheingau feiert diesen Sonntag auf der Liebigshöhe sein Sommerfest. Hoffentlich ist das Wetter diesmal freundlicher als bei den vorhergegangenen Arbeiterfesten, daun wird es dem Vereine an zahlreichem Besuch nicht fehlen. Die„Eintracht“ läßt es sich in letzter Zeit sehr angelegen sein, in gesauglicher Bezichung das Beste zu bieten, nicht blos auf ihren Festen, sondern auch auf denen der gewerkschaftlichen Orgauisationen und unseres Wahlvereins. Die Mitglieder der letzteren dürften schon deshalb die Verpflichtung fühlen, die Veranstaltungen der Eintracht durch ihren Besuch zu unterstützen. Das Eintritts⸗ geld beträgt nur 20 Pfg. — Das Stadtbauamt soll, wie aus einem in der„Frankfurter Zeitung“ erlassenen Inserat der hiesigen Bürgermeisterei hervorgeht, eine Teilung in Hoch- und Tiefbauamt erfahren. Für das Hochbauamt wird ein Vorsteher gesucht. Daß das betreffende Inserat nicht auch im„Gießener Anzeiger“ erlassen wurde, hat diesen auserordentlich gekränkt. Er wirft sich als „Großherzogliches Kreisblatt“ in die Brust und versteht nicht, wie die Bürgermeisterei dieses so unterschätzen konnte.— Scheußlich von der Bürgermeisterei! Aus dem Nreise gießen. Auf die Kreiskonferenz, die nächsten Sonntag stattfindet, machen wir die Genossen aller zum Kreise gehörigen Orte nochmals nach⸗ drücklich aufmerksam. Wo noch keine Delegierten gewählt sind, muß das unverzüglich geschehen. Selbstverständlich ist wünschenswert, daß alle Orte, wo Parteigenossen wohnen, auf der Kon⸗ ferenz vertreten sind. Es handelt sich darum, für die im nächsten Jahre stattfindende Reichs⸗ tagswahl die nötigen Vorbereitungen in Angriff zu nehmen, es ist sehr möglich, daß die nächste Frühjahrskonferenz schon in die Wahlbewegung fällt. Wir in diesem Kreife haben schwer zu kämpfen; Pflicht eines jeden Genossen ist, dafür mit zu sorgen, daß wir den Kampf in Ehren bestehen. — In Rödgen starb nach längerem Leiden unser Parteigenosse, der Zigarrenmacher Wil⸗ helm Roth. Er war ein treuer Anhänger unserer Partei, für die er stets eintrat, wo er immer konnte und soviel in seinen Kräften stand. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Ergänzungswahl zum Gewerbe⸗ Gericht. Im 1., 3. und 4. Wahlbezirke des Gewerbe⸗Gerichts⸗-Bezirkes Wetzlar findet am Dienstag, den 19., Mittwoch, den 20. und Donnerstag, den 21. August eine Ergänzungs⸗ wahl statt. Es scheiden vier Arbeiter und vier Unternehmer aus. Die Beisitzer werden auf sechs Jahre gewählt. Die lange Dauer des Mandats ist eigentlich keine besonders praktische Einrichtung. Viel besser wäre es jedenfalls und auch mit weniger Zeitaufwand verbunden, wenn alle 2—3 Jahre allgemeine Neuwahlen stattfänden. Beispielsweise wird erst jetzt für den Arbeiter⸗Beisitzer Grün der Ersatz gewählt, obwohl er schon seit fünf Jahren Wetzlar ver⸗ lassen hat. Das kann für die Arbeiter nach⸗ teilig wirken, wenn das Gericht als Einigungs⸗ amt bei Lohnstreitigkeiten oder als sachverstaͤn⸗ 155 Körperschaft zusammentritt.— Zu wählen ind: 1. Am Dienstag, den 19. August im Wahlbezirk 1 mit dem Wahlort Wetzlar, umfassend die Stadt Wetzlar, die Buͤrger— meistereien Rechtenbach und Schöffengrund, und die Orte Niedergirmes der Bürgermeisterei Aßlar und Garbenheim der Bürgermeisterei Atzbach, 2 Arbeitgeber-Beisitzer und 2 Arbeitnehmer-⸗Beisitzer. 2. Am Mittwoch, den 20. Au gust im Wahlbezirk III mit dem Wahlort Eh⸗ ringshausen, umfassend die Bürgermeisterei Aßlar mit Ausnahme der Gemeinde Nieder⸗ girmes, die Gemeinden Daubhausen, Greifen⸗ thal, Greifenstein und Eoingen der Bürger⸗ meisterei Greifenstein und die Gemeinden Ober⸗ lemp, Bermoll, Bellersdorf und Altenkirchen der Bürgermeisterei Hohensolms, 1 Arbeitgeber⸗Beisitzer und 1 Arbeitnehmer⸗Beisitzer. 3. Am Donnerstag, den 21. August im Wahlbezirk IV mit dem Wahlort Krof— dorf, umfassend die Bürgermeistereien Atzbach und Launsbach, mit Ausnahme der zu ersterer gehörigen Gemeinde Garbenheim, und die Ge⸗ meinden Ahrdt, Gr.⸗Altenstädten, Blasbach, Erda, Hohensolms und Mudersbach der Bürger⸗ meisterei Hohensolms, 1 Arbeitgeber⸗Beisitzer und 1 Arbeitnehmer⸗Beisitzer. Die Wahlzeit ist auf die Stunden von Vor⸗ mittags 9 Uhr bis Mittags 1 Uhr und von Nachmittags 5—8 Uhr festgesetzt.— Wir machen unsere Genossen darauf aufmerksam, sich recht⸗ zeitig in die Wählerliste eintragen zu lassen und soviel als möglich dafür zu sorgen, daß ihre Freunde und Kollegen ein Gleiches thun. Aus dem Rreise Marburg-RMirchhain. St. Das Sommerfest der hiesigen Gewerkschaften, welches am vergangenen Sonn⸗ tag im Dammelsberg stattfand, hat auch dies⸗ mal wieder seine alte Anziehungskraft gezeigt; es hatte sich eines sehr zahlreichen Besuchs zu erfreuen. Kann man sich auch etwas schöneres denken, als nach mehr oder weniger schwerer Arbeit in der Woche am Sonntag nachmittage bei schönem Wetter unter herrlichen grünen Eichbäumen im Walde zu sitzen und bei einem guten Tropfen Gerstensaft den aus⸗ gezeichneten Musikvorträgen einer tüchtigen Kapelle, wie es die hiesige Kapelle Pauli ist, und den schönen Liedern unserer Arbeiter⸗ Sängerschaar„Eintracht“ zu lauschen? Und dann die liebe Jugend! Wie glänzten die Augen der lieben Kleinen vor Freude, als sie unter Musikbegleitung eine Polonaise aus⸗ führten und zur Belohnung ein jedes seine Bretzel in Empfaug nahm. Später gab es auch noch eine Geschenkverlosung für die Kinder und die„Alten“, die mittlerweile in eine recht gemütliche Stimmung geraten waren, riskierten auf dem zwar ein bischen holprigen Platze ein flottes Tänzchen. Abends bewegte sich dann unter Vorantritt der Musik ein langer Lampionzug durch die Straßen der Stadt nach dem Café Quentin, woselbst das Sommerfest der organisierten Arbeiter in schönster Weise durch einen Ball beschlossen wurde. — Gewerkschaftliches. Nachdem nunmehr sämtliche, in der hiesigen Gewerk⸗ schaftskommisston vertretenen Organisation einen festen Beitrag von 10 Pfg. pro Viertel⸗ jahr und Mitglied entrichten, ist es der Kommission ermöglicht worden, mehr wie seit⸗ her den Mitgliedern zu bieten. Demnächst wird zum Beispiel Herr Conrad Beiß⸗ wanger aus Nürnberg hier einen Vortrag über„des Meeres Lebewesen“ halten, zu welchem die Mitglieder freien Zutritt haben. Da der Vortrag zugleich mit Demonstrationen usw. verbunden sein wird, so ist derselbe von doppeltem Interesse für Jedermann, der einmal einen Blick in die Lebewelt der geheimnisvollen Tiefen des Meeres thun will.— Im weiteren Verlaufe des Herbstes oder Winters werden wir dann auch wieder den bekannten Schau⸗ spieler und Rezitator Walkotte hier zu hören bekommen.— Wir möchten unserer rührigen Gew.⸗Kommission auheimgeben, ob es ihr nicht möglich ist, auch einmal einen der hiesigen Gelehrten zu einem Vortrag zu ge⸗ winnen; wir haben ja hier so reichliche Gelegen⸗ heit und was andere Vereine, wie z. B. der Fortbildungsverein, fertig bringt, sollte bei uns doch auch wohl möglich sein. Wir möchten nur an das baktereologische Institut— mit seinen Cholera- und Pestbazillen—, das Zoologische Institut, das Chemische Labora⸗ torium den botanischen Garten erinnern; Hoffentlich wird die Gew.⸗Kommission mit dieser Anregung sich in nächster Sitzung befassen. Unwetter. Vorigen Samstag gegen 6 Uhr ging über Köln und Umgegend, dem Siebengebirge und dem Westerwald ein mit schwerem Sturm und Hagelschlag verbundenes Gewitter nieder. Der Sturm trieb kirschgroße Hagelkörner gegen Gebäude und Pflanzen und richtete großen Schaden au. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. In dem benachbarten Merkenich entwickelte sich der Sturm zu einem Wirbelsturm, der Häuser und Scheunen umstürzte und zahl⸗ reiche Bäume entwurzelte. Besonders hat das Unwetter in Jülich und dem umliegenden Gebiet zahlreiche Fabrikschorusteine umgeworfen. Außer⸗ dem ist das Portierhaus einer Fabrik eingestürzt, wobei der Portier und ein anderer Bediensteter getötet wurden. In Kirchberg wurden mehrere Personen verletzt. Ein 25 Meter hoher Wasser⸗ turm in der Nähe von Jülich wurde umgelegt, wobei ein darauf beschäftigter Arbeiter mit in die Tiefe stürzte, jedoch nur unerhebliche Ver⸗ letzungen davontrug. Bei einer anderen Fabrik stürzte der Fabrikschornstein auf das Kesselhaus, welches niederbrannte. Aber auch in anderen Gegenden hauste der Organ fürchterlich. In der Wetzlarer Gegend wurden die Gemarkungen Hermann⸗ stein, Naunheim ꝛc. hart betroffen, Feldfrüchte und Getreide von den sehr großen und dicht fallenden Hagelkörnern zerschlagen.— Noch mehr wütete das Unwetter im oberen Ederthal. Im Kreis Biedenkopf wurden die Ortschaften Hatzfeld, Neddighausen, Battenfeld, Allendorf und Rennertshausen besonders in Mitleiden⸗ schaft gezogen, ein großer Teil der Ernte ver⸗ nichtet. Der Sturm raste in einer Breite von ca. 1000 m durch das Thal, fast alle starken Bäume wurden wie Streichhölzer geknickt. Auf dem Festplatz in Neddighausen flogen die Zelte fort, ein Karussell stürzte um, sogar die dazu gehörigen Wagen, wobei die Schwester des Karussell⸗Besitzers einen schrecklichen Tod fand. Zwei Kinder derselben wurden auch 1 3 28 die sich arge* diger N dell 09 6 Wirssch aun T. 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Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. schwer verletzt und mußten der Marburger Klinik zugeführt werden.) Fromme Knüppelhelden. Die Darmstädter Strafkammer ver⸗ handelte dieser Tage gegen eine Anzahl Ein⸗ wohner von Urber ach im Kreise Offenbach die sich in der Neujahrsnacht dieses Jahres arge Exzesse zu Schulden kommen ließen. In dieser Nacht rotteten sich eine Schaar trauriger Helden zusammen, um mit Prügeln, Messern und Steinen bewaffnet, gegen die Rink'sche Wirtschaft loszuziehen, die sie stürmten und zum Teil demolierten. In der genannten Wirtschaft hielten sich unsere Genossen auf, der Wirt selbst zählt zu unserer Partei. Unsere Leute bemerkten die feindseligen Absichten der Zentrümler, hielten sich zurück und wollten natürlich jeden Zusammenstoß vermeiden. Nicht so die frommen Schwarzen. Sie lieferten eine Schlacht, wie sie Urberach noch nicht er⸗ lebt hatte. Alle Fensterscheiben der Wirtschaft wurden demoliert, aber der Bürgermeister, ein braver Zentrumsmann, den man herbeigeholt hatte und in dessen Anwesenheit die Wirtschaft mit Hurra gestürmt wurde, hat keinen der Wüteriche erkannt, denn„es war dunkel“. So weit, so gut. Nun trat aber die Zentrums⸗ presse in Aktion, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Alle Schuld wurde den Roten zugeschrieben; die Sozi waren die Knüppeltaktiker, sie waren die Messerhelden. Aber damit nicht geuug: im Landtag be⸗ schuldigte der Abgeordnete v. Brentano(Zentrum) die Sozialdemokratie der schlimmsten Aus⸗ schreitungen, er warf ihnen„Exzesse“ vor, die „beinahe an Revolution grenzten“. Der fromme Maun forderte uaseren Genossen Ulrich vor versammelter Volksvertretung auf, dafür zu sorgen, daß sich seine Genossen solchen Vandalis⸗ mus abgewöhnen möchten! Und nun fand in Darmstadt das gerichtliche Nachspiel statt.— Und das Ergebnis? Der einzige Sozialdemokrat, der mit angeklagt war, wurde frei⸗ gesprochen, verurteilt wurden nur Schwarze einer wegen Sachbeschädigung und Körper⸗ verletzung zu vier Monaten Gefängnis! Hoffentlich empfiehlt nun Abg. v. Brentano seinen Gesinnungsgenossen, sich solche Aus⸗ schreitungen abzugew ohnen! Wenn Allerhöchste Herrschaften reisen. Diese Woche hat der Kaiser der Stadt Emden einen Besuch abgestattet. Von Seiten des Polizeipräsidiums in Hannover sind dazu nicht weniger als 129 Polizeibeamte nach Emden beordert worden zur Uebernahme des Sicherheitsdienstes. Das Kommando besteht aus dem Polizeihauptmann Funke, einem Kommissar, 6 Wachtmeistern und 121 Schutzleuten! Die Kosten einer derartigen Schutztruppe sind na⸗ türlich gar nicht unbedeutend und bei den vielen Kaiserreisen dürften die jährlichen Ausgaben dafür eine sehr erhebliche Velastung des Volkes, daß selbstverständlich in letzter Linie dafür auf⸗ kommen muß, darstellen. Duldsamkeit der christlichen Kirche. ehe eure Finde! So lautet bekanntlich eines der Hauptgebote des Christen⸗ tums. Obgleich uns nun die Kirche höchst gleichgültig ist, so ist es bekannt, daß uns ihre Vertreter als Feinde betrachten. Wie sie nun aber ihre eigenen Lehren ncht befolgen, zeigt wieder folgender Fall. Dem Genossen Mittag in Merseburg war vor zirka einem halben Jahr ein 5 Monate altes Kind gestorben. Dieser Tage erhielt er nun folgendes Schreiben: „Für die Benutzung unseres Friedhofes haben die Mitglieder der Domgemeinde das Dreifache des für die Glieder unserer Gemeinde geltenden Satzes zu zahlen. Zwei Drittel des Betrages deckt jedoch die Kirchenkasse der Domgemeinde am Schlusse des Rechnungsjahres. Für ihr ungetauft gestorbenes Kind hat jedoch der Kirchenrat des Domes die Zahlung abgelehnt, da ungetaufte Kinder eines Dissidenten nicht zur Gemeinde gehören. Wir bitten Sie daher, das restirende Erdengeld für Benutzung einer Grabstelle auf unserem Friedhof im Betrage von A1. 3 an unsere Kirchenkasse, zu Händen des Sparkassenkontrolörs Eichler auf der städ⸗ tischen Sparkasse, abzuführen. Der Gemeinde⸗ Kirchenrat von St. Maximi.“— Abgesehen von dem Schnitzer, daß ungetaufte Kinder nicht zur Gemeinde gehören sollen— die Zugehörig⸗ keit ist unbestreitbar— zeigt der Fall, welchen hohe Maß von Duldsamkeit diesen Herres innewohnt. Ein Land ohne Gefängnisse. Die Insel IJsland hat das Glück, weder Gefängnisse noch Polizei zu besitzen und, was die Hauptsache ist, braucht solche Einrichtungen nicht. Die Leute sind so ehrlich, daß man weder solche Wächter des Friedeus und Eigen⸗ tums, noch Orte für die Bestrafung der Uebel⸗ thäter braucht. Die Geschichte Islands berichtet, so erzählt„The Peoples Friend“, in tausend Jahren nur von zwei Diebstählen. Der eine war von einem Eingeborenen verübt worden, der mehrere Schafe stahl. Da er es aber ge⸗ than hatte, um sür seine Familie zu sorgen, die hungerte, so wurde der Schimpf, der mit seinem Verbrechen verknüpft var, als genügende Strafe angesehen. Bei dem anderen Diebstahl wurden 17 Schafe gestohlen; da diesmal der Dieb wohlhabend war, wurde er verurteilt, den Wert des Gestohlenen zu ersetzen, sein ganzes Eigentum zu verkaufen und das Land zu ver⸗ lassen, wenn er nicht hingerichtet werden wollte. Er verließ das Land sofort. Natürlich ist eine Justizverwaltung vorgesehen, die zunächst aus den Gerichtshöfen der Sheriffs besteht, gegen deren Urteil Berufung an das Gericht der drei Richter in der Hauptstadt Reykjavik und zulezt in allen Straf⸗ und den meisten Zivilprozessen an das höchste Gericht in Kopenhagen freisteht, da Island zu Dänemark gehört. Kleine Mitteilungen. * Erschossen hat sich kürzlich der Schweinehändler Düringer aus Oberhörgern. Man fand seine schon in Verwesung übergangene Leiche in einem Haferfelde. Der aus Eberstadt bei Butzbach gebürtige Selbstmörder hatte Wechselfälschungen verübt. * Wegen Meineidsverdachtes wurde ein Einwohner in Nieder⸗Ohmen verhaftet. Wie gewöhn⸗ lich, liegt der Affaire wieder eine lächerliche Bagatelle zu Grunde. * Endlose Bürgermeisterwählerei. In Altenstadt(Kr. Friedberg) wurde am Samstag zum drittenmale die Bürgermeisterwahl vorgenommen. Ge⸗ wählt wurde Kröll mit 118 Stimmen. In Altenstadt streitet man sich nun beinahe zwei Jahre wegen der Bürger⸗ meisterwahl herum, die Parteien führen den Kampf mit der größten Erbitterung, es kam schon zu Prozessen und Verurteilungen wegen Meigeid. Ob der Skandal nun beendigt ist, erscheint noch immer fraglich. za Begnadigte Duellmörder. Der Leutnant Vogt vom 18. Husaren⸗Regiment in Mainz, der vor einem Jahr wegen Duells zu zwei Jahren Festung ver urteilt wurde, ist begnadigt worden!— Aber auch dem Leutnant Hildebrand, in Gum binnen, der voriges Jahr wegen Erschießung des Leutnants Blasko witz zu der überaus milden Strafe von 2 Jahren Gefäng⸗ nis verurteilt wurde, ist der Rest seiner Strafe erlassen worden! Das Duell erregte damals allgemeine Empörung. Nun wird der Mörder begnadigt, nachdem er erst ein paar Monate seiner lächerlich geringfügigen Strafe ver⸗ büßt hat! An gleiches Recht für alle können in Deutschland wirklich nur noch Kinder und Narren glauben. * Durch schlagende Wetter verunglückten auf der Grube„Camphausen“ bei Saarbrücken am Dienstag 12 Bergleute. Einer davon wurde getötet, 10 wurden schwer verletzt in das Lazaret verbracht. Partei-Nachrichten. Schmutziger Angriff auf Bebel. Ueber einen gegen Bebel gerichteten Bubenstreich verhandelte kürzlich das Leipziger Schöffengericht. Der Sekretär der städtischen Wahlgeschäftsstelle in Leipzig, Herr Golla, ist bekanntlich durch die„Leipz. Volkszeitung“ beschuldigt worden, der Schreiber zweier Schmähkarten an den Reichstagsabgeordneten Bebel zu sein. Golla, welcher vom Amte suspendiert ist, hat Klage gegen die„Volks⸗ zeitung“ erhoben. Im Termin vor dem Schöffengericht erklärten die Schreibsachverständigen, daß die Karte zwar die Gollasche Handschrift zeigte, aber es liege die Möglichkeit vor, daß sie auch von irgend jemand anderem herrühren könnte. Die Verhandlung wurde zwecks weiterer Beweisaufnahme vertagt.— Genosse Heinisch, bisher Geschäftsführer in der „Leipz. Volkszeitung“ übernimmt am 1. Okt. in den Posten als Leiter der Union⸗Druckerei(Verlag der Volks⸗ stimme) in Frankfurt. Der bisherige Geschäfts⸗ führer der„Volksstimme“ giebt seine Stelle auf. Versammlungskalender. Samstag, den 2. August. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Lollar. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung in der„Germania“. Sonntag, den 3. August. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Nach⸗ mittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Volkmann. Montag, den 4. August. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag, den 5. August. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Samstag, den 9. August. Alsfeld. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Wirt Cloos. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen à 20 Pfg. Gebunden 9 Mk. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk. Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk. Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hugo. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk. CC... ̃ X.. ce e ee e 96 22 Herren- U. deen e Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass Markus Bauer, Giessen Iirchenplatz II gegenüber d. Stadtkirche. —— ig. ö 2 2 — e— 22 353 EF Sed 283 23 32 S —— 8. 5 F 1 2 5 2 2— 2 2 SZ 3 9 232— 82 SSS 1 22 88 2 25 8887 83 8 2 25 70 5 N S E 2— 8 2 2 3 3 23 2 2 2 2 2 33 80 82S 2 0 23875 2 8 7 8 2 H 60— 2 1 2 6 21 f 5 5 2 35 0 S8 Der Gesamtauflage der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Weidhaas schen Kur⸗ methode bei, auf welche wir besonders auf— merksam machen. Selbe basiert im Grunde nur auf einem Faktor, der leider im Leben allzuwenig zum Worte kommt, auf der Vernunft! Diejenigen, die es angeht, sollten nicht versäumen, sich mit dem Kur⸗Institut„Spiro⸗Spero“(Paul Weidhaas) in Niederlößnitz b. Dresden in Verbindung zu setzen. ö 2— PP — Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 31. A e 7 b Unterhaltungs-Ceil. ——— 2 Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 10)(Fortsetzung). Die beiden Mädchen wunderten sich sehr, denn sie hatten dergleichen bei ihren Müttern nie gesehen, und freuten sich, wenn sie Hochzeit gehabt hätten, was sie ihren Männern gütlich thun wollten, ohne daß es mehr kostete, als sonst. Da sie nun andern Mädchen sagten, was sie bei der Schulmeisterin alles erfuhren und lernten, und wie sie ganz wie die Elsbeth werden wollten, kam von den andern Mädchen eins um das andere zur Elsbeth und bat, ebenfalls ein wenig unterichtet zu werden. Zuletzt ward es bei der Elsbeth wie eine wahre Schule. Denn weil Elsbeth allen jungen Männern gefiel, wollten alle Mädchen wie Elsbeth werden. Oswalds Frau hatte wohl Anfangs etwas Mühe, hintennach aber befand sie sich gar wohl dabei. Denn nun hatte sie viel Hilfe im Garten und im Stall, und andere mußten für ste zuweilen kochen, und andere für sie feines Zeug nähen, wenn es sonst nichts zu thun gab. Und man sah es schon folgendes Jahr vielen Gärten bei den Häusern im Dorfe an, daß da neue Ordnung hineingekommen sei. Und eine Nach- barin schaute der andern über den Haag, und sah, was sie pflanze oder säe, und wie sie es mache, und bettelte um Setzlinge oder Samen. Danach, wie der Sommer und Herbst kam, trugen viele Bauernweiber vom Ueberfluß ihres schönen Gemüses zum Verkauf in die Stadt, und brachten schönes Geld wieder nach Hause. Das machte allen große Freude, nur denen nicht, die es nicht so hatten. Die gingen dann auch zur Elsbeth und fragten um dies und das. Und Elsbeth gab guten Rat, und alles, was sie wußte und, seitdem sie unterrichtete, noch selber gelernt hatte. Sie that das sehr gern, denn sie war herzgut, und Worte sind ja nicht kostbar, zumal jungen Weibern. Das erwarb der Schulmeisterin viele Liebe und angenehmen Ruf, und jedermann lebte ihr zu Gefallen. Und alle Welt im Dorf hatte rechtes Mitleiden mit der hübschen guten Frau, daß sie den Oswald zum Manne habe, weil er doch in die Hölle müsse. Denn man wußte wohl, er sei ein Hexenmeister, der böse Künste treibe und mit Leib und Seele verloren gehe. 12. Wie der Löwen wirt auf die Nase fällt, und was sich weiter begeben hat. Oswald mochte es anstellen, wie er wollte, man legte ihm alles übel aus. Wenn er die Kinder lehrte, daß es keine Gespenster gebe, sondern daß das nur Einbildung furchtsamer und abergläubiger Leute wäre: so sagte man im Dorfe, er glaube weder an einen Gott noch einen Teufel. Oder wenn er den Kindern in der Schule die giftigen Pflanzen in den Feldern und Wäldern zeigte, damit sie solche kennen und sich vor dem Genuß der Beeren und Wurzeln hüten lernten: so sagte man im Dorfe, er wolle die Kinder Giftmischerei lehren. Besonders lauerte ihm der Löwenwirt Brenzel auf, und sammelte sorgfältig alle bösen Reden über Oswald. Als er endlich genug wußte, sprach er: „Ich weiß genug, um ihm den Hals zu brechen. Er muß vor Gericht, und seine eigne Schwieger⸗ mutter, die Müllerin, soll wider ihn zeugen und vor Gericht bekennen, was sie von ihm weiß. Als Vorsteher ist meine Pflicht, zu reden. Ich kann das nicht länger dulden, ohne verantwortlich zu werden.“ Also machte er sich eines Sonntags auf und legte seine Staatskleider an, setzte den dreieckigen Hut recht majestätisch auf, nahm das spanische Rohr mit dem silbernen Knopf, und ging mit breiten Schritten zum Dorf hinaus nach der Stadt. Er sagte aber keinem Menschen ein Wort davon, daß er im Sinne habe, dem Oswald bei der hohen Obrigkeit böses Spiel zu machen. Denn er fürchtete, wenn der Hexenmeister Wind davon bekäme, der könne ihm Schaden zufügen, ehe er noch zur Stadt gelangt wäre. 5 Und wie er auf der Landstraße allein ging, sprach er im Eifer laut mit sich selber, als wenn er schon vor einem Herrn Ratsherrn stände; und er lief dabei immer schneller, und fuhr im Zorn bald mit der rechten, bald mit der linken Hand in der Luft herum, wie ein Pfarrer auf der Kanzel. Bei diesem Eifer kam im Laufen der lange Stock zwischen die Beine, also das er stolperte, und über den Stock auf den Erdboden fiel. Der Hut flog weit hinweg, die Nase schlug sich platt, und seine Beine stiegen hoch aufwärts, als wolle er gar auf dem Kopf stehen. Er stand ächzend und fluchend auf, und nahm seinen Hut aus dem Staube. An seiner Stirn aber schwoll eine Beule, als wolle ein Horn herauswachsen, und seine blutende Nase war blau, wie eine dicke Pflaume.„Das hat mir gewiß der Oswald angethan!“ dachte er, und fürchtete sich, weiter zu gehen, damit ihm nichts Schlim⸗ meres begegne. Indem er noch mit dem Schnupftuch das Blut von der Nase wischte, kam die Straße daher in vollem Galopp ein Herr zu Pferde, Hut und Rock mit goldenen Dressen besetzt. Der hielt vor dem Löwenwirt still und wife hastig:„Wohnt dort im Dorfe ein gewisser Herr Oswald, und ist er zu Hause?“ Der Löwenwirt sprach:„Ja, warum denn?“ Der Fremde rief:„Der Erbprinz will ihn sprechen.“ So sprach der Fremde und jagte davon nach Goldenthal. Der Löwenwirt sperrte vor Verwunderung Maul und Nase auf und sagte Wa— wa— was? Der Erbprinz? Ein Prinz zu dem Oswald?“ Wie er dies sagte, fuhr im Galopp ein prächtiger Wagen mit sechs Pferden daher, schöne Bediente vorn und hinten auf. Darin saß ein junger Herr im blauen Oberrock, der hatte auf der Brust einen silbernen Stern. Der Wagen fuhr vorbei nach Goldenthal. „Der Blitz und der Hagel!“ schrie Brenzel: „Der Prinz will gewiß bei mir einkehren. Ich bin nicht zu Hause, und nun fährt er zum Adler!“ Brenzel lief, was er konnte, ins Dorf zurück. Da geriet ihm abermals im vollen Sprung der lange Stock zwischen die langen Beine, daß er wiederum zu Boden fiel, wie ein Baum. Alle Rippen krachten ihm im Leibe, und seine Staatskleider waren gräßlich gesalbt. Er hinkte fluchend und langsam zum Dorfe. Da er vor seinem Hause keinen Wagen sah, ward er voll Gift und Galle, denn er dachte, der Prinz sei beim Adlerwirt Kreidemann eingekehrt. Er hinkte also weiter, aber er sah auch keinen Wagen beim Adler. So ging er in sein Haus zurück, und keine Seele war darin. Er legte andere Kleider an und wusch sein Gesicht, und erschrack, wie er sich mit der faustdicken Nase und gehörnten Stirn im Spiegel erblickte, wiewohl man im Spiegel wegen des Fliegenkotes nicht viel sah. Nun wetterte er, wie ein grimmiger Löwe, auf seine Leute, die alle davon gelaufen waren. Da kam die Magd ganz atemlos und rief:„Herr, beim Schul⸗ meister ist ein lebendiger Kaiser angekommen, oder wohl gar ein König! Das ganze Dorf ist vor Schulmeisters Haus zusammengelaufen.“ Brenzel wußte nicht, was thun, ging endlich aber doch hinaus vor Schulmeisters Haus zu den Leuten. Nach einer halben Stunde kam der Erbprinz aus der Hausthür, und hatte Oswalden an der einen und Elsbethen an der andern Hand, und war gar freundlich mit ihnen. Und wie er in den Wagen gestiegen war, reichte er ihnen beiden noch einmal die Hand zum Abschiede, und dann fuhr er im sausenden Galopp davon, Reiter voraus. Alle Bauern hatten die Hüte ab und vor Erstaunen das Maul auf. Nun war's im ganzen Dorfe ausgemacht, der Schulmeister könne mehr als Brot essen. Der Prinz komme zu keinem Dorfschulmeister, bloß um ihn zu besuchen, und sei um nichts und wider nichts so freundlich mit ihm gewesen. Große Herren brauchen viel Geld, und dazu brauchen sie Schatzgräber und Goldmacher und dergleichen. Große Herren seien nicht immer die frömmsten, das wisse man wohl, und machen sich nichts daraus, wenn sie schlimm aus der Welt gehen, sobald sie nur gut in der Welt leben können. Diese und andere Reden gingen von der Zeit an im Dorfe, und vielen verlumpten und verarmten Bauern im Kopfe herum. Und viele wurden vertraulicher und sprachen einer zum andern:„Wüßte ich nur, wie es anfangen, ich machte mir nichts daraus. Ich verschriebe mich heute noch dem Teufel, wenn's sein müßte, und wäre ich nur meine Schulden los und hätte Geld genug und vollauf. Ich wollte es ganz anders machen, wie der Schulmeister. Der Schul⸗ meister ist ein dummer Teufel, daß er hier wohnt. und lebt wie unsereins. Ich führe, wie der Erb⸗ prinz, mit sechs Pferden, Bedienten und Sternen, und hätte die Küche voll Braten, den Keller voll Wein. Ja, noch heut' gäb' ich meine arme Seele drum.“ 5 Solche ruchlose Reden führten die Leute ohne Scheu. Reichtum verdirbt das Herz; aber die Armut verdirbt es nicht weniger. Und wenn Armut und Dummheit und böse Lüste beisammen sind, ist des Teufels Kleeblatt fertig. So ist es in manchem Dorfe, so war es leider auch in Goldenthal. 13. Der Goldmacher-Bund. Oswald wunderte sich nicht wenig, wie von nun an bald dieser, bald jener zu ihm kam, heimlich mit ihm reden wollte, und dann mit der gottlosen Sprache herausrückte und sagte: „Oswald, du kannst Gold machen, das ganze Dorf weiß es. Lehre mich es auch. Du verstehst die schwarze Kunst. Wenn der Teufel erscheint, ich will mich gar nicht fürchten. Wenn er die Unterschrift mit meinem Blute verlangt, ich will mich ihm mit Leib und Seele zuschreiben. Siehst du es thut mir Not, sonst thät ich's nicht.“ Lange wußte Oswald nicht, was er zu der Verderbtheit dieser Menschen sagen sollte. Da ihrer endlich aber immer mehr kamen, und nicht bitten nachließen, beschied er sie alle, doch mit jeden einzeln auf eine und dieselbe Mitternachts⸗ stunde zu sich. f Und alle kamen in der finstern Nacht, die er ihnen angesagt, zu seinem Hause geschlichen, sobald es im Turm der Dorfkirche elf Uhr ge⸗ schlagen. Er führte jeden, wie er ankam, schweigend in eine finstere Stube. Es waren ihrer zweiunddreißig Hausväter. Jeder erschrack entsetzlich, wenn er in der Dunkelheit an den andern stieß und etwas Lebendiges neben sich spürte. Denn keiner wußte von dem Uebrigen. Vielen floß der Angstschweißs vom Gesicht und einige hatten so große Furcht, daß sie wieder davon gelaufen wären. Aber sie zitterten, es könne ihnen dann das Lebeuslicht ausgeblasen werden. So standen sie eine Stunde in tiefer Stille und Angst, und wagten kaum zu atmen. Da schlugs im Thurm zwölf Uhr. Und mit dem letzten Glockenschlage ging abermals die Thüre auf. Es trat ein Offizier herein, prächtig gekleidet mit hohem Federbusch und langem Säbel, auf der Brust einen Orden. Der trug in den Händen zwei brennende Kerzen; die setzte er vor ihnen auf den Tisch. Als nun alle sich einander erkannten, schämten sie sich erst vor einander; denn sie merkten, daß sie alle aus gleicher Absicht gekommen wären. Und sie sahen wieder auf den glänzenden Offizier, den sie für den bösen Geist hielten; aber sie erkannten in ihm den leibhaftigen Oswald. Oswald hatte ein ernstvolles Gesicht und sprach:„Sehet mich nur an, ihr Unglücklichen; nun erkennet ihr, wer ich bin. Ich treibe keine schwarze Kunst; ich halte es mit Gott. Ihr aber seid längst von Gott abgefallen; ihr habet gesoffen und geschwelgt; ihr habet betrogen und gelogen; ihr habet gestohlen und verraten; ihr habet gespielt und Weib und Kind vergessen; Nr. — ihr hal Datu Ehrlich nicht 1. ihrs 91 Gelosse Geh Glocke war kel ein ber Kunseim fchter Menschl hältnis heit zun gekom ill so Vewach ob es Schad Opposi ist der bürgerl wie er Turm gegang Straßb „astron Kreuz schoß, spüren alten! tum u es doc Un, selbst 1 Wir gl den T der gi Republ thranne über d berücht jener der Ze zt in alle wie be loren g Grade Bedau geben. bergän Grund San Entrüf Ist si⸗ e Leute ohne Iz; aber die Und wenn e beisammen . So ist ez der auch in und. nig, wie von u ihm kam, d daun mit e und sagte: „das ganze Du berstehst fel erscheint, Wenn er die erlangt, ich zuschreiben, ich's nicht.“ was er zu sagen sollte. kamen, und alle, doch nit Nitternacgts⸗ Nacht, die er e geschlichel, e elf Uhr ge⸗ e er ankam, s waren der ersclal heit au den 3 eben sich em Uebrigel. Gesicht und g sie wider gttaten e⸗ ausgeblasen ie Eile amel. ud nit der Nr. 31. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. ihr habet Teufelet getrieben und Teufelswerk. Darum seid ihr arm und verzweifelt geworden. Ehrlichkeit aber währt am längsten. Ich will nicht reich sein, aber ich bin nicht arm. Wollt ihr's nun haben, wie ich, so machet es wie ich.“ (Fortsetzung folgt.) 1— Steine und Menschen. In der„Leipz. Volksztg.“ schrieb kürzlich Genosse Blos: Gewiß, der Campanile, der berühmte Glockenturm von San Marco in Venedig, war kein gewöhnlicher Steinhaufen. Er war ein berühmtes Kunstwerk und wir wollen dem Kunstmenschen im„Berliner Tageblatt“ bei⸗ pflichten, daß er„ein köstlicher Besitz der Menschheit“ gewesen, wennschon nur ein ver⸗ hältnismäßig sehr geringer Teil der Mensch⸗ heit zum Bewußtsein dieses köstlichen Besitzes gekommen ist. Das Organ des Herrn Mosse will sogar in„Entrüstung“ ob der schlechten Bewachung des Turmes geraten, gerade als ob es sich um die Schaffung einer neuen Schlachtflotte handelte und eine„vaterlandslose Opposition zu überwältigen wäre! Ueberhaupt ist der Schmerz und Entrüstung in unserer bürgerlichen Presse in Deutschland so groß, wie er in Italien niemals gewesen, wäre der Turm des Straßburger Münsters in Trümmer gegangen. Als 1870 bei der Belagerung von Straßburg die badische Artillerie mit ihren „astronomischen Instrumenten“ das berühmte Kreuz vom Straßburger Münsterturm herab⸗ schoß, da war von„Entrüstung“ wenig zu ver⸗ spüren, so oft auch die Dichter diesen prächtigen alten Bau, das Münster, als deutsches Eigen⸗ tum reklamiert hatten. Nur im Ausland gab es doch einige Aufwallung. Und nun erst die Ausbrüche in Italien selbst ob des zu Grund gegangenen Kunstwerks! Wir glauben gerne, daß sich die Venetianer an den Turm gewöhnt hatten. Derselbe war Zeuge der großartigen Entfaltung der oligarchischen Republik, aber auch der Greuel der Patrizier⸗ tyrannei und der goldene Engel schwebte einst über den mörderischen Bleidächern, über den berüchtigten Seufzern und anderen Wahrzeichen, jener schrecklichen Herrschaft des geheimen Rats der Zehn. Est modus in rebus(Man soll Maß halten in allen Dingen) und dann soll man sich nicht wie verrückt geberden, wenn ein Kunstwerk ver⸗ loren geht, das wenigstens bis zu einem gewissen Grade ersetzt werden kann! Man kann seinem Bedauern aufrichtigen und würdigen Ausdruck geben. Es ist nun einmal alles Menschenwerk vergänglich und ist leider schon Wichtigeres zu Grunde gegangen als dieser Glockenturm von San Marco, ohne daß so viel Trauer und Entrüstung zu Tage gefördert worden wäre. Ist sie überall echt? Wir glauben kaum. Denn wenn venetianische Spießbürger weinend und sich umarmend vor den Trümmern des Turmes standen— soll man so etwas ganz ernst nehmen? Und wenn aus Italien gemeldet wird, die Aufregung„im ganzen Lande“ sei eine ungeheure und man betrachte die Sache Marco nie etwas gehört haben! Ut 0 in Schwaben Bauern giebt, die nicht wissen, als ein„nationales Unglück“, so darf man sich fragen: Ist es denn möglich, daß ein Volk von so vielen Millionen von dem Verluste eines Kunstwerks so tief bewegt wird? Nein, das sind die gewöhnlichen Uebertreibungen der Sensationsblätter. Wie viele Millionen Menschen mag es in Italien— leider!— geben, die von der Existenz eines Glockenturmes von San Und wie es daß ein Schiller oder ein Robert Mayer in jenem Lande geboren wurden— wie viele Deutsche mag es geben, die vom Turme von San Marco nichts wissen! Man nehme also den Mund nicht gar so voll, namentlich bei einer gewissen Sorte von„Schmocks“, die nur so thun, als hälten sie für den Campanile wirklich ein besonderes Interesse gehabt. Was mich aber überrascht hat, war die Schnelligkeit, mit der die Anregungen zum Wiederaufbau des Turmes gekommen sind. Da handelt es sich um Geld und das ist in Italien nichts Leichtes. Wenn in der Künstler⸗ kolonie zu Rom die„Idee“ aufgetaucht ist, die ganze Welt“ zu einer Subskription für den Wiederaufbau des Turmes heranzuziehen, so meinen die Herren doch hoffentlich ihre, nämlich die Kunstwelt, die immer noch ein großer und schöner Begriff bleibt, auch wenn man die Subskription weder auf Hottentotten, noch auf Papuas, noch auf Botokuden, noch auf Eskimos ausdehnt. Warum auch da den Mund so voll genommen, zumal man weiß, daß die Künstler selbst im allgemeinen wenig Geld übrig haben und daß die„oberen Zehntausend“ gerne Kunst⸗ freund spielen, aber auch nicht gerne es sich etwas kosten lassen— einzelne natürlich aus⸗ genommen. „Dagegen wurde die Frage erörtert, ob die italienische Dynastie die Mittel zu dem Wieder⸗ aufbau beschaffen werde, oder die Stadt Venedig oder das italienische Parlament oder alle drei zusammen. Das ist eine Frage, die man den Italienern selbst zur Entscheidung überlassen soll. Vielleicht fänden sich im italienischen Parlament auch Leute genug, die da dieselbe Haltung einnehmen würden, wie die Reaktionäre in unserem Reichstag gegenüber dem Reichs— beitrag zur Goethestatue in Straßburg. Für das ganze ungeheure soziale Elend in Italien haben die„oberen Zehntausend“ noch niemals ein Zehntel jener Teilnahme geäußert, die dem eingestürzten Turme von San Marco gewidmet worden ist. Das muß man beachten als ein besonderes Zeichen der Zeit. Das geeinigte Italien hat immer noch die Schuld einer tausendjährigen Mißwirtschaft ab⸗ zubüßen. Eine neue äußere Form ist gefunden; man nennt sie die„demokratische Monarchie“. Wie weit sie das ist, sei dahingestellt. Daß unter ihr das Schreckensregiment eines Menschen wie Crispi möglich war, ist bezeichnend genug. Als dieser Mensch mit den schrecklichsten Maß⸗ regeln gegen die Arbeiterbewegung vorging, jubelten ihm dieselben Leute zu, die jetzt so tief den Einsturz des Campanile betrauern. Die Schlächtereien und Dragonnaden in Stzilien, die„juristischen“ Massakres vor den Kriegs- gerichten, die„trockenen Guillotinen“ der Zwangs- domtzile— das alles konnte die stumpfsinnige Bourgeoisie und Aristokratie nur darin bestärken, in Crispi den berufenen Retter der bürgerlichen Gesellschaft zu erblicken. Wer das namenlose Elend der Kinder in den Schwefelgruben Siztliens oder der Arbeiterinnen in den Reis⸗ feldern der Romagna schildert, ist ein„Hetzer“ in den Augen derselben Leute, welche ob der zertrümmerten Ruine des Turmes von San Marco nicht genug klagen können. Die Sozial⸗ politik liegt in diesem Lande noch vollkommen im Argen. Diese Halbinsel mit ihrer welt⸗ historischen Vergangenheit, die nach den unge— heuerlichsten Verwüstungen doch noch einen so reichen Schatz an Kunstwerken besitzt, dieses schönste Land der Welt bietet das klägliche Schauspiel, daß die Massen seines Volkes in einem Elend schmachten muß, das alljährlich Tausende und Abertausende über die Grenzen treibt, um in anderen Ländern Arbeit und Fortkommen zu suchen. Der Druck der herrsch⸗ enden Klassen Italiens hat dies Volk dermaßen darben und entbehren gelehrt, daß die italieni⸗ schen Arbeiter mit ihrer„verdammten Bedürfnis⸗ losigkeit“ als Lohndrücker auftreten können, was selbstverständlich das überschwängliche Lob gewisser schäbiger Unternehmer findet. Nun mache einmal jemand den Versuch und fordere die herrschenden Klassen Italiens auf, Mittel zu sozialen Reformen zusammenzubringen, um dem Massenelend, das die Menschen dort bis zum Stumpfsinn niederdrückt, zu steuern, der wird schön abfahren. Für die Steine von San Marco haben sie wenigstens noch etwas übrig— für die Menschen nichts! Woher stammen die Namen unserer Münzen? Die ältestete deutsche Münze ist der Kreuzer. Das Prägen der Münzen lernten die Deutschen von Missionaren aus dem byzantinischen(griech— ischen) Kaiserreich. Da man in diesem Reich bereits zu Konstantins des Großen Zeiten das Kreuz auf Münzen geprägt hatte, so wurde dies in Deutschland beibehalten, und so entstand der Kreuzer. Solche mit Kreuzen versehene Kupfer⸗ stücke findet man noch in Münzensammlungen. Der Name Pfennig stammt her von dem alt⸗ hochdeutschen phantine(Pfand); Münzen dieses Namens kommen zur Zeit Otto I.(936 bis 973) vor. Ursprünglich waren es Silbermünzen, die aber später auch in Kupfer geschlagen wurden, so um 1300 in der schwäbischen Stadt Hall, weshalb diese Münzen den Nameu Häller erhielten, woraus sich die Schreibweise Heller bildete. Unter Otto I. wurden auch Schillinge geprägt, was die deutsche Bezeichnung fur Bracteaten(Hohlmünzen) ist und vom althoch⸗ deutschen seilt(Schild) herkommt. Man könnte die Bracteaten daher auch Schildmünzen nennen. Um das Jahr 1300 kommen auch Dickpfennige vor, und da man im Mittelalter die Manie hatte, alles zu latinisieren, so nannte man sie Grosses, woraus Groschen entstand. Auch der Name Mark stammt wahrscheinlich aus dem Lateinischen, nähmlich von mareus(großer Hammer). Die Mark war die älteste deutsche Reichsmünze, ursprünglich ein Münzgewicht von 22, später(1042) von 16 Lot, wobei zur Ver⸗ hütung weiterer Wertverringerung ein Zeichen (Narke, also von marcus, Hammer, ein heiliges altdeutsches Zeichen) darauf angebracht wurde. Splitter. Durchblicke kühn die alte graue Decke Der Vorurteile. Rufe laut und wecke Den Nebenwandler aus dem Traum. Pfaffen weisheit. Es hat einmal ein Thor gesagt, Daß der Mensch zum Leiden geboren worden; Seitdem ist dies— Gott sei's geklagt!— Der Spruch aller gläubigen Thoren worden. Und weil die Menge aus Thoren besteht, Ist die Lust im Lande verschworen worden, Es ist der Blick des Volkes kurz, Und lang sind seine Ohren worden. Fr. Bodenstedt Humoristisches. Ausgesorgt. Bauer(der seit kurzem in die Feuer versicherung ging): Brauchst nix mehr so vorsichtig z sein mit Dein'm Licht, mir san jetz in der Asekuranz! Schlagfertig. Von einem berühmten Universitäts⸗ professor(der Name thut nichts zur Sache), der natur⸗ wissenschaftliche Vorlefungen hielt und ausgezeichnet experimentierte, erzählt man sich folgende Anekdote: Als er einst im Kreise seiner Hörer einem Frosch das Gehirn ausnah en, entwand sich dieser plötzlich mit einem kleinen Rest des kostbaren Stoffes der quälenden Ge⸗ fangenschaft und sprang in gewaltigem Satze auf den Boden. Alle An wesenden brachen in Gelächter aus, worauf der Professor sagte:„Sie sehen, meine Herren, wie wenig Hirn dazu gehört, Sie zum Lachen zu bringen.“ Ein Mißgriff.„Kreuz— difi— domine, iazt hon i in Opferstock an Knopf einig'schmissin, und derweil hon i an silbern derwischt!“(Simpl.) Rücksichtsvoll. A.: Warum ist aus der ver⸗ sprochenen sächsischen Amnestie nichts geworden? B.: Man wollte bei der gegenwärtigen traurigen Geschäftslage die armen Gefangenen nicht um ihre Existenz bringen. (W. Jak.) Geschichtskalender. 3. August. 1900: Wilhelm II. Vaterlandsl.⸗ Rede gegen die Hamburger Ausgesperrten. 4. 1886: Freiberger Urteil im Chemnitz er Geheim⸗ bund⸗Prozeß. 5. 1895: Friedrich Engels gestorben. 6. 1901: Hohenlohe gestorben. 1900: Wilh. II. Weltpolitikrede in Bielefeld. 7. 1900: Wilhelm Liebknecht gestorben. 3. 1901: Waldersee's Ankunft in Hamburg. 1900: Weltmarschall. 9. 1901: Deutsche Südpolexpedition. 1792: Pariser Kommune. — für zahlreiche Wahlen der Delegierten baldigst vorzunehmen. Etwaige Anträge wolle man an G. Beckmann, Gießen, Grünbergerstr. 44, gelangen lassen. 2 eite 8. Gesangverein 1 Eintritt 20 Pfeunig. „Eintracht“, Sonntag, den 3. August 1902, Nachmittags 3 Uhr auf der Liebigshöhe Grosses Sommerfest bestehend in Um 6 Uhr: Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 31. — Lesangsvorträgen, Preisschiessen, Kinderspielen und Tanz. Aufsteigen eines Zeppelin'schen Luftballons mit Fallschirmabsturz. Eintritt 20 Pfennig. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 10. August, Mittags qunkt 1 Uhr, im Lokale Orbig in Giessen: Kreis- Konferenz. Tagesordnung: Abrechnung. Vorstandswahl. Die Landeskonferenz. Referent: C. Orbig. Der Parteitag. Referent: G. Beckmann.. „Die bevorstehende Reichstagswahl. Referent: F. Vetters. 3. Verschiedenes. 8 Die Parteigenossen der einzelnen Orte im Kreise werden ersucht, Betelligung an der Konferenz zu sorgen und die Se ge 5e 5 Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Ciessen, Chr. Franz Nachsi-usse 10 Buchbinderei und Papfierhandlung empfiehlt sich in sämtlichen Comptoir⸗, Schul⸗ und Schreibwaren.— Packpapiere in allen Sorten. 2 Puschkasten, Pinsel, Farben, ete. Lager in Gesangbüchern für die Schule. Schreib⸗, Noten⸗ und Zeichenmappen. Grosse Auswahl in feinen Leder- und Galanteriewaren etc. Buchbinderei im Hause. wird als ein ganz vorzügliches Hilfsmittel Jeder Dame zur Erlernung u. Ausübung der Schneiderei empfohlen: Das bereits in 1 1 6. 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Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. — die 4 Aus tt Durch! die Ef ———— Zun 31 Parte t, w ander „Vork borge 11 die de auf d die k0 Die! geben hältn letari aus eine komn gefaß fart, schlof A beit! mun dieser organ Parte örtert ferate Jeden seine werde daß Käm Punk möge sagt! lich thut zu f Pre Mach Lunge in de aneig Wahl Iweitt Crört 11 echts liberg die R Werde aul Burli