194 Ne. G. 14 T ung f und nhaus laden die inder. e NMiesel tlitäten. Pele! bend: 8 Essen 322% —— 1 ß e 2 erbrabe 22. — ma brod üller raßt 98. . 0 fe N Rr. 44. Gießen, Sonntag, den 2. November 1902. 9 Ieihr.. Redaktion: Redaktionsschluß irchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uh 555—— ta Mitteldeuts che eit Abonnementspreis: Bestellungen 2 Inserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die Sgespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Das Reich der Reichen. Als das Deutsche Reich begründet wurde, hieß es in der offtiziellen Proklamation des neuen Bundesstaates, derselbe bedeute für das deutsche Volk einen eminenten Fortschritt in Bezug auf„Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung“. Das waren große Worte aber sie entsprechen leider nicht der Wirklichkeit. Der neue Militärstaat ließ von der„bürger⸗ lichen Freiheit“ nicht sonderlich viel übrig; er vernichtete sogar manches alte Stück Freiheit und legte seine Zwangsjacke da an, wo früher noch eine weniger gehemmte Bewegung möglich war. Die„Gesittung“ blieb dieselbe, denn die Auswüchse der Klassenherrschaft waren genau so schlimm wie zuvor. Und was die„Wohl⸗ fahrt“ anbetrifft, so stiegen die öffentlichen Ab⸗ gaben ununterbrochen, und die wenigen sozial⸗ politischen Errungenschaften mußten in längeren Kämpfen ertrotzt werden. Die herrschenden Klassen freilich thaten, als ob ihnen die äußere Form der endlich zum Teil hergestellten Einheit das Wesentliche sei. Für ihre„Wohlfahrt“ wurde aber auch gesorgt. Sofort nach der Gründung des Reichs flutete der„Milliardensegen“ aus Frankreich herüber, der für uns schließlich ein„Milliardenfluch“ ward. Die fünf Milliarden, welche die Fran⸗ zosen als Kriegsentschädigung zahlen mußten, riefen anfangs einen unerhörten„Auf⸗ schwung“ in Handel, Gewerbe und Industrie hervor; sie entfesselten aber auch die tollste Spekulation und„Gründerei“, und die Folge war ein jäher Absturz. Ein„Krach“ und eine Geschäftskrisis folgten, die Hunderttausende in's Elend stürzten. Die Arbeitslosigkeit griff um sich, die Löhne sanken und das Volk mußte lange und schwer leiden, bis endlich die allge⸗ meinen Verhältnisse sich wieder etwas besserten. „Nachdem so die Bourgeoisie sich ihr Teil an der neuen„Wohlfahrt“ erheischt— jene Zeit brachte eine Menge Emporkömmlinge hervor — erwachte auch die Begehrlichkeit des konser⸗ vativen Teils der herrschenden Klassen, der Junker. Diese Kaste, die von der deutschen Einheit, getreu ihren feudalen Ueberlieferungen, niemals hatte etwas wissen wollen, wurde von ihrem Vorkämpfer und Idol Bismarck nun⸗ mehr auf den Gedanken gebracht, die Reichs⸗ maschine für ihre„Wohlfahrt“ auszunutzen. Bisher hatten die Junker nur einzelne Provinzen ausgepowert, jetzt wollten sie die Einheit benutzen, um ganz Deutschland auspowern zu können. Es bildete sich, nachdem Bismarck seine neue Steuer⸗ und Wirtschaftspolitik angekündigt, die Partei der Agrarier, die an sich nicht groß, doch einen mächtigen Einfluß hatte, weil in fast allen bürgerlichen Parteien agrarische Strömungen vorhanden sind. Sie machten die„Notlage der Landwirtschaft“ zur Parole und ergatterten mit derselben eine Reihe von Zöllen, Steuern und„Liebesgaben“ zum Vorteil der Großgrundbesitzer. Zur Zeit wollen sie ihre„Wohlfahrt“ mit dem Zoll⸗ tarif fördern, was ihnen hoffentlich nicht in dem Maße gelingt, wie ste es sich vorstellen. Sonach hat also das Reich für die Wohlfahrt der herrschenden Klassen sein vollgerüttelt Maß beigetragen, während diese sich nicht entblöden, häufig ein lautes Jammergeschrei zu erheben über die angeblich so schweren Lasten, die ihnen durch das bischen sozialpolitische Gesetzgebung, die wir haben, auferlegt werden. Es nimmt sich das so kläglich aus, daß man im Auslande ganz gewiß nicht ohne äußerste Geringschätzung dieses Jammergeschrei mit anhören wird. Wie es aber mit der Sorge des Reichs für die Wohlfahrt der Arbeiter beschaffen ist, das konnte man aus der letzten Debatte über die Arbeitslosigkeit im Reiche ent⸗ nehmen. Nicht die Sozialdemokraten allein— auch die Vertreter bürgerlicher Gruppen forder— ten, daß das Reich hier helfend eingreife. Und was der Staatssekretär im Reichsamt des Innern, Graf Posadowsky, antwortete, bewies, daß man nichts thun will, und vielleicht auch nur sehr wenig thun kann. Wahr ist es schon— der Klassenstaat von heute kann das wirtschaftliche Elend nicht aus der Welt schaffen. Für den Staatssekretär war es bequem, sich darauf zu berufen, daß der Klassenstaat in seiner gegenwärtigen Lage nicht viel thun kann. Er meinte, er habe nicht die Macht, die Produktion zu regeln und die Ar⸗ beitslosigkeit zu beseitigen, sonst würde er sehr glücklich sein. Nun, wir wissen wohl, daß die Macht des Staatssekretärs nicht sehr weit reicht, wir wissen aber auch, daß er nicht ohne national⸗ ökonomische Kenntnisse ist. Er wird wohl be⸗ griffen haben, daß die„industrielle Reservearmee“ die Löhne drückt, und er würde seinen Bourgeois, denen zu Liebe er die Arbeiter mit dem Zucht⸗ hausgesetz beglücken wollte, diese„Reservearmee“ nicht rauben, wenn er auch könnte. Aber er sagte auch, das Reich habe keine Mittel, um„der Arbeitslosigkeit zu steuern“. Das Reich kann in seiner gegenwärtigen Verfassung keine geschäftliche Krisis aus der Welt schaffen, aber es könnte viel thun, wenn es seine Mittel nicht für das Heer, für die Flotte, für die Kolonien und ähnliche Zwecke aufbrauchen würde. Den herrschenden Klassen kann das Reich Vorteile verschaffen auf Kosten der Ge⸗ samtheit; den Arbeitern aber erklärt man ein⸗ fach, daß man kein Geld habe, und glaubt da⸗ mit die Sache abgethan. Das ist auch eine Staatskunst, aber wenn der Staatssekretär des Innern glaubt, damit auskommen zu können, dann irrt er sich. Wie weit man hinter den Anforderungen der Zeit zurückbleibt, zeigte sich auch hier. Den sozial⸗ demokratischen Anregungen, die ebenso verständig als dringend forderten, doch wenigstens das zu thun, was im Bereich der Möglichkeit liegt, wird man nicht stattgeben, denn man weiß nicht, ob man damit nicht die so zärtlich behüteten Interessen der„oberen Zehntausend“ schon zu sehr verletzt. Während man den notleidenden Agrariern einen ganzen Zolltarif ausarbeitet, hat man für die Arbeiter gar nichts. Ein Pessimist könnte mit diesem Gang der Dinge eigentlich ganz zufrieden sein. Schneller und gründlicher kann sich doch eine Regierung kaum um das Vertrauen der Volksmassen bringen, wenn ein solches überhaupt noch vor— handen ist. Glaubt man denn an den grünen Tischen, die Arbeiter seien so unwissend und indolent, daß sie über diese Dinge gar nicht nachdenken? Jahraus, jahreli müssen sie ihre Steuern an den Staat zahlen; sie spüren, wie der Fiskus aus jeder ärmlichen Schüssel mit ihnen speist, wenn nun da eine Epoche der Not hereinbricht, werden sie von demselben Staate kurz abgewiesen. Man giebt ihnen den Trost mit, die Notlage sei uur eine„vorüber⸗ gehende“. Wie gemütlich sich das sagen läßt! Hundert Jahre wird sie wohl nicht dauern, aber wie eng soll denn der Proletaxier seinen Riemen noch schnallen, um den Herren dort oben zu beweisen, daß eine Episode der krassen Not, welche den„oberen Zehntausend“ in ihrer Behaglichkeit„vorübergehend“ erscheint, den Armen in die schrecklichste Lage bringen kann, auch wenn es nach einiger Zeit wirklich sich bessern sollte! Das Letztere ist aber nicht ein⸗ mal der Fall, denn diese Krisis wird leider nicht so gar rasch vorübergehen. Das Bekenntnis, daß der Klassenstaat nicht helfen will und auch ohne radikale Umkehr von der bisher betretenen Bahn nicht viel helfen kann, wird für die Arbeiter ein mächtiger An sporn sein, ihre Energie im Kampf um die, politische Macht zu verdoppeln. Die das Naturell des Klassenstaates noch nicht gekannt haben, können es nun kennen lernen. So wirken unsere„Freunde“, die Feinde, selber eifrig mit, das Gebäude der alten Klassen⸗ herrschaft zu unterhöhlen und zu erschüttern. Die Arbeiter sind es zwar nicht allein, bet denen die„Reichsverdrossenheit“ geweckt worden, fie existiert zuch bei Anderen, wenn auch in etwas anderem Sinne. Für den Arbeiter hat seinerzeit ein Dichter die rechte Bezeichnung des Reichs gefunden, indem er es„das Reich der Reichen“ nannte. Der Kampf um die Zölle. Nachdem der Reichstag am Dienstag voriger Woche über die Mindestzölle für Roggen und Weizen abgestimmt hatte, trat er am Mittwoch in die Beratung des Gersten⸗ und Hafer⸗ zolles ein. Die von der Kommission für diese Getreidearten angenommenen Sätze, die noch weit über die Regierungsvorlage hinaus⸗ gehen, befriedigen besonders die süddeutschen Agrarier nicht. Unsere Genossen stellten den Antrag auf Zollfreiheit, den Dr. Südekum begründete. In vortrefflicher Weise skizzierte er die unangenehme Lage, in die die Regierung geraten ist; die eine Ohrfeige von rechts, eine andere von links empfangen habe. Dann ging Redner dazu über, die Schädlichkeit der Futter— zölle gerade für die Landwirtschaft und speztell für die kleinen Viehzüchter an der Hand un⸗ widerleglichen Zahlenmaterials zu erweisen. Der Reichsparteiler v. Kardorff wußte nur mit ein paar Allgemeinheiten darauf zu ant⸗ worten. Als ob die Linke noch nicht genug Agitationsstoff für die nächsten Wahlen hätte, bot der alte Gründer neues und recht wertvolles Material— neu allerdings nur in einem ge⸗ wissen Sinne—, indem er die alte reaktionäre Verunglimpfung der städtischen Arbeiterschaft, die einmal ein Junker als„skrophulöses Gesindel“ bezeichnet hat, auszugraben sich veranlaßt fühlte. Im Uebrigen hofft er noch auf einen Kuhhandel. Der Freisinnige Müller⸗Meiningen und der wildliberale Rösicke-Dessau geißelten trefflich die rücksichtslose Interessenpolittk, wie sie die Mehrheit betreibt. Nach dem katholischen Pfarrer Gerstenberger, der in seiner christli 2 1 1— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 44. Nächstenliebe die Zolle auch nicht hoch genug bekommen kann, sprach Gothein(fr. Ver.) in sehr sachkundiger Rede. Ihn suchten die Junker durch wüstes Lärmen am Reden zu verhindern; aber mit großer Kaltblütigkeit erzwang sich der antiagrarische Wortführer Gehör für seine der zollwütigen Mehrheit freilich sehr unangenehm ins Ohr klingenden trefflichen Ausführungen. Für die von der Regierungsvorlage für diese beiden Fruchtarten vorgesehenen Sätze sprach sich als erster Redner am Donnerstag der Abg. Franken aus. Dieser Mann tritt als Ver⸗ treter eines höchst industriellen Bezirkes für die hochagrarischen Forderungen ein! Dem Agrarier Lucke geht diese natürlich längst nicht weit genug; er plaidierte für den Antrag Hahn. Seine nicht sweniger als originelle Ausführungen suchte der Redner durch eingestreute Betrach—⸗ tungen über den Zukunftsstaat, frei nach Eugen Richter und durch Verlesung von Bauernbriefen etwas interessanter zu machen. Darnach be⸗ leuchtete unser Genosse Stolle in etwa ein⸗ stündiger Rede die agrarische Interessenpolitik, wie sie auch in Sachen Gerste und Hafer wieder graß in Erscheinung tritt; speziell den kleinen sächsischen Landwirten, führte Genosse Stolle sehr richtig aus, erwächst ein unermeßlicher Schaden aus der Verteuerung der Futtermittel. Der folgende Redner, Dr. Heim, machte seinem Land-, Amts⸗ und Fraktionsgenossen Gersten⸗ berger äußerste scharfe Konkurrenz in der Be⸗ lustigung des Reichstags; er ging soweit, Stimme und Ton des Dr. Müller-Meiuingen nachzuahmen, auf den er es ganz besonders abgesehen hatte; wir werden es bald erleben, daß die Mehrheitsparteien den in Wien üblichen tschechisch-alldeutschen Tierstimmennachahmungs⸗ sport in das Haus am Königsplatz verpflanzen. Im Lause der Debatte versuchten die Agrarier einen Gewaltstreich, der aber kläglich miß⸗ lang. Abg. Rettich(kons.) beantragte näm⸗ lich Schluß der Debatte. Sofort war jedoch Singer bei der Hand und beantragte nament⸗ liche Abstimmung über diesen Schlußantrag. Die Zollmehrheit brach in ein wildes Wutgeheul aus; aber es half alles nichts; die Unterstützung, die der Antrag Singer auf namentliche Ab⸗ stimmung fand, reichte aus. Da wollte Rettich seinen Schlußantrag zurückziehen. Aber es war schon zu spät, wie Genosse Singer aus der Geschäftsordnung erwies; denn bereits waren die entscheidenden Worte:„Wir kommen jetzt zur Abstimmung!“ aus dem Munde des amtie⸗ renden Vizepräsidenten, des Grafen Stolberg gefallen. So wurde denn abgestimmt. Das Resultat war: Annahme des Schlußautrages mit 209 gegen 146 Stimmen. Durch den Schlußantrag wurde u. a. auch unserm Genossen Molkenbuhr das Wort abgeschnitten. Die nun folgenden Abstimmungen, von denen drei namentlich waren, ergaben wieder die Aunahme der Kommissionsvorschläge, wäh— rend die der Regierung abgelehnt wurden. Um die Pferdezölle drehte es sich in der Freitags-Sitzung. Nach Ansicht der Agrarier ist überall„Not der Landwirtschaft“ vorhanden, wo größere Geldsummen ausgegeben werden, die nicht in die Junkertaschen fließen. Jährlich werden eine erhebliche Anzahl Pferde eingeführt. Das für die eingeführten Pferde bezahlte Geld könnten unsere Agrarier ganz gut gebrauchen und darum wollen sie die Pferde⸗ einfuhr durch Zölle hindern. Diese Pferdefrage ist schon wiederholt bei den Etatsberatungen erörtert und darauf hingewiesen, daß der Mili⸗ tarismus die Pferdezucht in falsche Bahnen gedrängt hat und die Einfuhr nötig wird, nicht weil es an Pferden überhaupt, sondern an solchen Pferden fehlte, die nur allein für bestimmte Zwecke brauchbar sind. Beim Militär werden sogenannte Vollblutpferde verlangt, und da die Armee der bedeutendste Pferdeabnehmer ist, züchten die Grundbesitzer Militärpferde. Die sogenannten Kaltblüter, also die schweren Arbeitspferde, werden wenig gezüchtet, aber im Erwerbsleben von Fuhrleuten ꝛc. viel gebraucht. Diese Pferde werden nun in großer Anzahl aus Dänemark, Belgien und auch von Amerika bezogen. Die Militärpferde werden zum größten Teilen Ostpreußen angekauft. Nach den neuesten Zusammenstellungen kauft die Armee mehr als pier Siebentel ihres Bedarfs in der einen Provinz. Graf Kanitz verteidigte den hohen Zoll, um eine Preissteigerung der Pferde herbei⸗ zuführen. Er sagte, daß die Preise so hoch sein müßten, daß aus den von der Armee aufgekauften Pferden die Unkosten der Aufzucht gedeckt werden. Da aber die Armee nur ein Drittel der vorgeführten Pferde kauft, muß ein Markt für die Fe e Gäule geschaffen werden. Er berücksichtigt dabei nicht, daß der Fuhrmann das Militärpferd gar nicht gebrauchen kann. Hier wird nach dem Grundsatz verfahren, man möge nur die Grenzen absperren, dann müssen die Fuhrleute schon nehmen, was sie bekommen können. Mit sehr scharfer Kritik setzte Genosse Haa se ein. Er zerpflückte unbarmherzig die Argumente der Agrarier. Sie selbst geben zu, daß die Pferdezucht lohnend ist und durch den Zoll lohnend erhalten werden soll. Nun deutet aber kein Umstand darauf hin, daß die Erträge zurück⸗ gehen. Thatsächlich besteht auch nur das Be⸗ streben, die Preise zu steigern, um die Preise für die Remonten in die Höhe zu schrauben und so eine neue Liebesgabe aus dem Reichs⸗ säckel zu erhalten. So wird über den Zolltarif beraten, aber in Wirklichkeit der Militäretat in die Höhe geschraubt. Erst wird der Preis des Getreides für Brot, dann der Preis des Hafers und jetzt der Pferdepreis in die Höhe getrieben. Wenn der Zolltarif in Kraft treten sollte, dann wird man beim Etat ermessen können, um wie viel die Positiouen für Naturalver⸗ pflegung der Armee, für Anschaffung der Re⸗ monten gesteigert sind. Der Steuerzahler wird doppelt getroffen; er muß sein Brot teurer bezahlen und mehr Steuern entrichten, weil die Armee so viel mehr gebraucht, wie sonst eine erhebliche Vermehrung der Armee gekostet hätte. Die Armee verbraucht täglich über 100000 Kommisbrote, sie hat 103000 Pferde und braucht für diese Futter. Das Alles wird verteuert. Nachdem noch eine Anzahl Pferdezüchter gesprochen, griff Genosse Stadthagen ein, um noch einmal die Argumente der Geld⸗ bedürftigen zu widerlegen. Aber alle Vernunft⸗ gründe sind machtlos, wenn ein so erhebliches Geldinteresse in Frage kommt. Schließlich wurden auch hier die Zollsätze der Kommission angenommen und dem Zollbeamten, der ein Pferd nach dem Wert schätzen soll, eine Aufgabe gestellt, der wohl kein gewöhnlicher Mensch gewachsen ist. Samstag gab die Beratung über die Viehzölle, die an diesem Tage zur Verhand⸗ lung standen, unserm Genossen Bebel Gelegen⸗ heit, in einer dreistündigen hochinteressanten Rede mit den Wucherzöllnern gründlichste Ab⸗ rechnung zu halten. Nach den Kommisstons⸗ sätzen soll für Rindvieh unterschiedslos ein Zollsatz von 18 Mk. für den Doppelzentner lebend Gewicht festgesetzt werden, der Mindest⸗ satz soll 14 Mk. betragen. Ein Antrag von Wangenheim verlangt als Mindestsatz 18 Mk. pro Doppelzentner lebend Gewicht. An dem Tage war das Haus übrigens schwach besetzt; wenn die Linke obstruieren wollte, sie wäre in der Lage gewesen, die Verhandlung unmöglich zu machen. Die Frage der Viehzölle steht im engsten Zusammenhange mit der Fleischteuerung und Fleischnot. Bebel hob das, gestützt auf außer⸗ ordentlich reiches Material, gebührend hervor. Eingangs seiner Ausführungen besprach er die augenblickliche parlamentarisch-politische Lage. Mit Recht erklärte Bebel, daß in jedem wirklich konstitutionellen Staate die einzig mögliche Antwort auf die Annahme der Kommisstonssätze gewesen sei: entweder Auflösung des Reichstages oder Rücktritt des Reichskanzlers. Wozu die „menschenquälerische“ e der Tarif⸗ beratung, wenn beide Teile— Regierung und Mehrheit— wirklich ihr letztes Wort gesprochen haben? Doch thue die Mehrheit, was ihr beliebt. Die Linke wird loyal und sachlich sich an der Beratung beteiligen, sie wird aber dafü: sorgen, daß Durchpeitschungsversuche unterbleiben und in namentlichen Abstimmungen die Stellung der einzelnen Abgeordneten zu den entscheidenden Wositiouen vor dem Volke dokumentiert wird; einzig und allein gegen etwaige Vergewaltigungen wird sie jene Waffe, die man Obstruktion nennt, gebrauchen.— Darauf wandte sich Bebel zur Sache selbst. Er verbreitete sich über die„Notlage“ der Land⸗ wirtschaft, die übertrieben werde. Ohne auch nur die geringste Gefahr zu laufen, könnten die Zölle ruhig herabgesetzt werden. Die Viehzucht sei noch einer starken Steigerung fähig, aber die Agrarier erschwerten sie durch Verteuerung der Futtermittel, indem sie die Zölle auf dieselben erhöhten. Die Agrarier verstünden es ausge⸗ zeichnet, in der raffiniertesten Weise ihre nacktesten Klassen⸗Interessen wahrzunehmen. Die Agrarier wollten keine Oeffnung der Grenze. Eine absolute Oeffnung der Grenze verlange auch er nicht. Er wolle Einfuhr unter loyaler Kontrolle, aber nicht chikanöser Kontrolle. Daß die ganze Sperre keinen sanitären Zweck habe, sondern nur den, die Preise zu verteuern, zeige auch ein Wort des bayerischen Ministers von Crailsheim: (Bebel hat den Bruder des Ministers gemeint) Die Sperre müsse bestehen bleiben, um die Preise nicht herabzudrücken.(Graf Kanitz ruft: In Bayern verstehe man das nicht.) Redner antwortet: ach, das ist ja köstlich. Die Bayern sind also nach Ansicht des Grafen Kanitz zu dumm dazu. Nein, Herr von Crailsheim war nur dem Grafen Kanitz zu ehrlich, indem er verriet, weshalb die Herren die Grenze gesperrt haben wollen. Die Fleischverteue rung dieses Sommers hat be⸗ kanntlich eine lebhafte Agitation entfacht. Bei der Brio tverteuerung, die hauptsächlich die große Masse be⸗ drückt, rührt man sich nicht so sehr; aber hier, wo es sich um das Fleisch handelt, wird auch der Mittel⸗ stand betroffen, und da rührt sich die Stadtverordneten⸗ Versammlung, da wird auch der Minister rebellisch. In Köln hat derselbe ultramontane Herr Trimborn, der hier für die Zollvorlage eintritt, als Stadtverordneter den Rückgang des Fleischkonsums anerkannt, und ihn als eine sehr bedauerliche Erscheinung für die ärmere Be⸗ völkerung bezeichnet, welche die Notlage dieser Bebölke⸗ rung erkennen läßt. Dort empfahl er die Aufhebung der Grenzsperre und hier tritt er für unmäßige Zölle ein, die die Aufhebung der Grenzsperre wieder illusorisch machen müssen und die Fleischpreise um 15 Pfg. im Großverkauf und um 25 Pfg. im Kleinverkauf steigern. Bei der Preissteigerung durch solche Zölle kann eine Familie mit einem Einkommen unter 1200 Mk. über⸗ haupt nicht mehr an Fleischgenuß denken. Das Maaß von Habgier, das die Agrarier hier bewiesen, gehe weit über Alles bisher Dagewesene hinaus. Sie seien es, die auf solche Weise Haß und Verachtung gegen den Staat säen. Bei den nächsten Wahlen würden sie Wunderdinge erleben. Jeder Arbeiter, der noch einem Anhänger des Zolltarifs seine Stimme gebe, sei ein Mörder seiner Familie. Das Rindvieh des kleinen Bauern, fährt Redner fort, sei im Wesentlichen Zugvieh und gerade dessen Verteuerung schädige den kleinen Bauern. Die Vorlage müsse abgelehnt werden, schloß Bebel unter stürmischem Beifall der Linken. Ueber die Erwiderungen, die der stilblüten⸗ reiche Exhusar und Minister v. Podbielski, sowie ein paar einzelstaatliche Vertreter stam⸗ melten, ist nicht viel zu sagen. Es legte sich dann der dickbäuchige Reichsparteiler Gamp ganz gewaltig für die Zölle ins Zeug und sang wiederum das zum Ueberdruß bekannte Lied von der Not der Landwirtschaft, der zu steuern die Grenzen geschlossen bleiben müßten. Montag war der Reichstag sehr schwach besetzt. Aus der Debatte über die Viehzölle ist kaum etwas Bemerkenswertes hervorzuheben. Der nationalliberale Hamburgische Rechtsanwalt Semler, Abgeordneter eines ostfriesischen Wahlkreises, suchte vergebens die Richtigkeit der Bebelschen Ausführungen zu widerlegen, die er noch dazu, wie nachher Bebel in einer persönlichen Bemerkung feststellte, in den ent⸗ scheidendsten Punkten mißverstanden hat. Herr Semler ist natürlich für die Regierungsvorlage und die berühmte, seinem Parteigeschmack natürlich sehr zusagende„mittlere Linse“. An diesem Tage wandten sich noch die Freisinnigen Were ge und Pachnicke in wirksamer Weise gegen den Zolltarif. 1 i Graf Posadowsky, der bisher schweigend alle Angriffe von rechts und links ertrug, nahm endlich am Dienstag das Wort. Der Reichs graf des Innern ist ersichtlich gealtert; Amt und Ruf und Stellung stehen für ihn auf dem Spiele: und er hat nicht den Bülowschen kabaltermäßigen Gleichmut, der über alles Mißgeschick hinweghüpft. Zweifellos hat sich der Staatssekretär eingehenderer mit dem schwierigen Material des Zolltarifs beschäftigt, als einer seiner Kollegen. Er ist auch sehr ———ç—çꝙ— 1 1 —— Nr — fle er st seine ihrer des von er wise auch seine Veh polit fang. bei d nicht schlal selre nel zölle Bol Flel abe büht spra hab öl Ma Geß dop old die auf foss leck ung die wie des Die bei Ges die sütz lich N. G. menllert A ewalti Truktion gungen des lleinel chen Zugich inen Bauer scloß Bchel unte det stlblüten 15 el sk Rechi2u.% h offiessch d e * widerlegen 1 in ell Mebel in en, f Vchel 4 E 1 Ig, t e orlal a. Bartel 0 anden hu degtrungz 1 Hu l 0 einn 140 i pill un da 1 j 1 9 0 Alo del ul 0 übel of l U 10 0 ett! 15 K 1 r g f trug, 145 ils e del* 0 % al 0 i ih f 1 1 9 0 Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntaos⸗ gebung. Seite 3. —..—— fleißig, aber er huldigt agrarischen Neigungen, er steht im Banne des Junkertums. Er giebt seinen agrarischen Standesgenossen neun Zehntel ihrer Forderungen und beschwört sie, doch um des Himmels und des lieben Friedens willen von dem letzten Zehntel zu lassen. Dabei kennt er seine Pappenheimer genau genug, um zu wissen, daß sie so leicht von ihren Forderungen auch nicht ein Jota ablassen. So klang denn seine Rede sehr resigniert, man möchte sagen wehmütig aus. Es war so etwas wie ein politisches Schwanenlied, das Graf Posadowsky sang. Seine Rede fand nur schwachen Beifall bei den Zollparteien, sie können es dem Grafen nicht verzeihen, daß er den Kommissionsvor⸗ schlägen nicht zustimmt.— Vor dem Staats⸗ sekretär sprachen der Freisinnige Zwick und unser Genosse Segitz wirksam gegen die Fleisch⸗ zölle. Ersterer bemerkte ganz richtig, daß das Borsäure-Verbot nur den Zwecken der Fleischverteuerung dient; während Segitz die arbeiterfeindliche Zollpolitik des Zentrums ge⸗ bührend beleuchtete. Trimborn vom Zentrum sprach nach Posadowsky. Bebels Ausführungen haben den zollwütigen Vertreter der Großstadt Köln arg nervös gemacht; er zittert um sein Mandat, wenn er sich auch den Anschein des Gegenteils giebt. Die Theorie der politischen doppelten Buchführung— als Reichstagsabge⸗ ordneter und Stadtverordneter von Köln—, die er vortrug, entfesselte wahre Lachstürme auf der Linken. Schließlich bewies unser Ge⸗ nosse Haase-Königsberg die von der Mehrheit keck geleugnete Fleischnot an der Hand eines unanfechtbaren Zahlenmaterials und— durch die Zugeständnisse so unanfechtbarer Zeugen, wie des Oberpräsidenten von Ostpreußen und des Regierungspräsidenten von Königsberg. Die Regierung höre die Führer der Bündler bei ihren Untersuchungen, nicht aber auch die Gegenseite.— Am Mittwoch wurden dann die von der Kommission vorgeschlagenen Mindest⸗ sätze für Rindvieh, Schafe, Schweine in nament⸗ licher Abstimmung angenammen. Politische Rundschau. Gießen, den 30. Oktober. Wahlen. fanden in dieser Woche außer bei uns in Hessen noch in Württemberg, Rudolstadt und der Schweiz statt. In Württemberg waren in den Landtagskreisen Vaihingen, Ravensburg und im Amt Heilbronn Nachwahlen vorzunehmen. Im letzteren Kreise ergab die Wahl Stichwahl zwischen unsern Genossen Schäffler und dem Konservativen Bürgermeister Hegelmeier⸗Heilbronn. Wenn die Volkspartei, die den Ausschlag giebt, bei der Stichwahl Stand hält, dürfte das Mandat unserem Genossen zufallen. In den beiden anderen Kreisen kommt unsere Partei nicht besonders in Betracht. Das Mandat für Vaihingen wurde der Volkspartei durch den Bündler entrissen; in Ravensburg siegte wieder der Zentrumsmann. Die Stichwahlen in Schwarzburg⸗ Rudolstadt haben den von unseren Genossen in der Hauptwahl erfochtenen Sieg vervoll⸗ ständigt. Im Wahlkreise Rudolstadt II siegte unser Genosse Bloß über den Freisinnigen. Somit hat unsere Partei in dem Rudolstädter Landtage die Hälfte der vorhandenen 16 Sitze inne; es kann dort ohne ihre Zustimmung kein Gesetz mehr gemacht werden. 5 In der Schweiz endlich wurden die Nationalratswahlen vorgenommen. In diesem, der 147 Mitglieder umfaßte, waren bisher nur 4 Sozialdemokraten. Jetzt sind die Sitze auf 167 vermehrt worden; es kommt aber hier die Listenwahl in Anwendung, die für die bürger⸗ lichen Parteien ebenso vorteilhaft als für die Sozialdemokratie ungünstig ist. Vier Genossen wurden gewählt: Greulich, Vogelsanger, Geschwind und Scherrer; vier andere kommen in Stichwahl. Ein furchtbares Kriegsgerichts⸗Urteil. Vom Kriegsgericht in Halle wurde vorige Woche ein Urteil gefällt, das in ganz Deutsch⸗ land Aufsehen hervorrufen muß. Zwei Soldaten, die kurz vor ihrer Entlassung standen, die Kürassiere Hch. Leopold und Wilh. Sommer müssen wegen eines kleinen Verstoßes gegen die heilige Disziplin in das Zuchthaus! Sie waren wegen Aufruhr angeklagt und wie sie dazu kamen, ersteht man aus folgendem Sach⸗ verhalt. Als die Angeklagten im Manöver waren, fand am 6. September in Paschwitz bei Eilenburg ein Tanz⸗ vergnügen statt, an dem die Angeklagten und mehrere Kameraden teilnahmen. Abends 11 Uhr bot der Vize⸗ wachtmeister Trautmann Feierabend und forderte die Kürassiere auf, in ihre Quartiere zu gehen. Die beiden Angeklagten verließen zunächst den Saal, entschlossen sich aber dann, noch etwas dort zu bleiben und noch einmal zu tanzen. Dem Wirt erklärten sie, er könne event. dem Wachtmeister sagen, sie, die Angeklagten, wären dort einquartiert. Letzteres war jedoch nicht der Fall. Leopold glaubte, der Wachtmeister würde gegen ihn, wenn er, L., noch etwas dort bleibe, nichts unternehmen, da der Wachtmeister auch nicht als ganz makellos galt. Trautmann soll nämlich, so behauptet Leopold, bei dem vorigen Manöver den Mannschaften das auf den Quar⸗ tierbilletten zurückerstattete Quartiergeld, pro Per⸗ son 80 Pf., vorenthalten haben. Als die beiden Angeklagten wieder in den Saal wollten, forderte sie der Wachtmeister nochmals auf, in die Quartiere zu gehen. Leopold entgegnete aber:„Herr Wachtmeister, ich möchte noch etwas hier bleiben, ich habe Ihnen noch etwas unter vier Augen zu sagen.“ Die beiden Angeklagten gingen nunmehr die Treppe hinunter auf den Hof, wo Leopold dem Wachtmeister wegen der Unterschlagungen der Quartiergelder Vorhal⸗ tungen machte. Leopold erklärte dann dem Wachtmeister: „Ich bekomme heute noch 80 Pfennige von Ihnen, und einem Vorgesetzten, der Untergebene be— nachteiligt, brauche ich keinen Gehorsam zu leisten; ich gehe nicht nach Hause.“ Der Gefreite Sommer sagte:„Ich schließe mich dem(Leopold) an.“ Dieses war die sog. militärische Meuterei. Wegen der Beschuldigungen seitens Leopolds schwebt ein Ver— fahren gegen den Wachtmeister Trautmann. Dieser Zeuge erklärte, als ihm die Unterschlagung vorgehalten wurde:„Ich kann mich nicht mehr entsinnen, ob ich damals auf Quartierbillette Geld zurückbekommen habe.“ Zeuge bekundete auch, er könne nicht an⸗ nehmen, daß die beiden Angeklagten sich zur Gehorsamsverweigerung verabredet haben. Die Angeklagten räumten den Thatbestand ein, bestritten aber die Zusammenrottung und gegenseitige Verabredung mit aller Entschiedenheit. Leopold erklärte auch heute, daß er vor dem Vizewachtmeister keinen Respekt und keine Achtung gehabt, weil dieser seine Unter⸗ gebenen benachteiligt habe. Er habe geglaubt, solchem Manne gegenüber den Gehorsam verweigern zu können. Der Anklagevertreter nahm nicht an, daß Leopold Rädels⸗ führer gewesen ist, beantragte gegen diesen aber 7 Jahre und gegen Sommer 5 Jahre 6 Monate Gefängnis. Das im Gerichtssaal allgemeines Staunen hervorrufende Urteil lautete gegen Leopold auf 6 Jahre 6 Mo⸗ nate und gegen Sommer auf 5 Jahre Zucht⸗ haus und Entfernung aus dem Heere. Daß ein solches Urteil möglich ist, durch welches zwei Menschen dem Zuchthaus über⸗ liefert werden, die sich nur eine Kleinigkeit zu schulden kommen ließen, muß jedem Menschen zu denken geben. Man wird dabei an das Löbtauer Zuchthausurteil erinnert. Welch' eine Strafjustiz, die auf eine kindische Unbesonnenheit so ungeheuerliche Strafen setzt! Trau⸗ riger noch muß aber die Thatsache stimmen, daß ein gebildetes Volk nicht für humanere, dem heutigen Stande der Kultur entsprechende Gesetze sorgt. Zur Sozialdemokratie übergetreten ist der freisinnige Reichstagsabgeordnete Jacobsen, der den dritten schleswig⸗holstein⸗ schen Wahlkreis vertrat und hat deshalb sein Mandat niedergelegt. Früher bearbeitete Jakob⸗ sen den Wahlkreis für den bekannten, seit einigen Jahren verstorbenen M. v. Egidy. Als dieser jedoch die Bedingung der ausschlaggebenden Wähler, nach der Wahl in die freisinnige Frak⸗ tion einzutreten, ablehnte, nahm Jakobsen selbst das Mandat an und trat als Hospitant der freisinnigen Volkspartei bei. Im Wahlkreis Schleswig⸗Eckernförde waren 1898 bei der Reichstagswahl 6357 freikonservative, 5895 freisinnige und 4116 sozialdemokratische Stim⸗ men abgegeben worden. Bei der Stichwahl siegte Jacobsen mit Hilfe der Sozialdemokratie mit 10029 gegen 6820 Stimmen. Ob Jacobsen in diesem Kreise von unserer Seite wieder auf⸗ gestellt wird, ist natürlich fraglich. Der Wahl⸗ kreis ist überwiegend ländlich; im Bezirk Schleswig herrscht der Bauernstand, im Bezirk Eckernförde der Großgrundbesitz vor; der letztere Bezirk bringt der Sozialdemokratie die meisten Stimmen. Kloster⸗Scheußlichkeiten in Frankreich. Kürzlich brachte ein Pariser Blatt, die „Aurore“, Enthüllungen über Vorkommnisse in einer geistlichen„Erztiehungsanstalt“ in Tours, die bei jedem fühlenden Menschen Empörung hervorrufen müssen. Fast unglaub⸗ lich klingt, was da berichtet wird; doch sind ähnliche Skandale von französischen Klöstern schon früher bekannt geworden, sogar ein fran⸗ zösischer Bischof wandte sich vor nicht langer Zeit gegen die systematische Kinderausbeutung in Klosterschulen. Geradezu haarsträubend ist aber, was das genannte Blatt über die Strafen erzählt, die über die armen Kinder verhängt wurden und es führt folgende Beispiele an: Das Kreuz mit der Zunge. Das strafwürdige Kind muß sich platt auf den Boden vor die fromme Schwester hinwerfen und mit der Zunge auf dem Fußboden der Werkstätte oder des Speisesaals eine gewisse Zahl von Kreuzen zeichnen— bis hundert. Die hochwürdige Schwester Marie Sainte Rose du coeur de Jesus(„Heilige Rose vom Herzen Jesu“) hat sich das Extravergnügen ausgedacht, das„Zungenkreuz“ in den— Aborten vor⸗ nehmen zu lassen. Wenn das Kind vor Ekel schwach wird, zerrt man es an den Haaren hin. Die Wasserprobe. Dem Kinde wird die Zwangsjacke umgehängt, und es wird dann mit dem Kopfe in ein mit Wasser gefülltes Becken getaucht; die Strafe dauert so lange, bis das Röcheln des gepeinigten Mädchens— bedenklich wird. Die Zwangsjacke. Sie wird aus den geringsten Anlässen, wegen einer Zerstreutheit bei der Arbeit oder bei dem Gebete, einer Un⸗ achtsamkeit usw. verhängt. Die zarten Mädchen müssen oft vierzehn Tage mit der Zwangsjacke bekleidet im Verließe zubringen. Marie Sainte Rose du coeur de Jesus, der entschieden die Peinigerpalme gebührt, findet ein besonderes Vergnügen daran, den auf diese Weise jedes Widerstandes unfähigen Kindern Exkremente auf das Gesicht zu streichen und in den Mund zu stecken. Die Totenkammer. Gleichfalls ein Kellerraum, in den die Leichen herabgelassen werden. Dient als strengstes Verließ für die Kinder, die man zuvor durch Erzählungen über die Leichname, die auf dem Stroh des Verließes gelegen haben, in Grausen versetzt. Mehrere Kinder sind infolgedessen wahnsinnig ge— worden. Die saubere Anstalt, um die es sich hier handelt, das Kloster Notre-Dame de Charite in Tours, nimmt Waisenmädchen, von den Eltern im Stich gelassene Kinder usw. auf; die Stadt Tours hat ihr zwölf Pfleglinge anvertraut, für die sie 1400 Francs jährliche Pension bezahlt. Von einem Unterricht kann kaum die Rede sein. Die meisten Zöglinge können weder lesen noch schreiben. Der Form halber wird ihnen eine Stunde Unterricht per Tag erteilt, bei der aber jede intellektuelle Kultur streng ausge⸗ schlossen bleibt. Sonst sind die Kinder und halberwachsenen Mädchen nur dazu da, zu arbeiten, um der Kongregation Geld zu gewinnen. Die Arbeitszeit sst unmenschlich lang; mit der Außenwelt dürfen die Kinder nicht in Berührung kommen. Das genaunte Blatt hat noch weitere Enthüllungen gemacht, die womöglich noch schlimmerer Art als die mitgeteilten sind, von der klerikalen Presse aber abgeleugnet werden. Es ist aber bereits eine gerichtliche Untersuchung im Gange und die Aussagen ehemaliger Zöelinge bestätigen die Enthüllungen. Voraussichtlich wird sich das Parlament mit dieser Angelegenheit beschäftigen. ——— g eee Seite 4. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung. Nr. 44. Die hessischen Landtagswahlen. Sieg in Offenbach Stadt und Land, Sieg in Mainz. Die Genossen Ulrich, Orb, David und Haas gewählt. Das waren die für uns hocherfreulichen Nachrichten, die aufden Drahtwege am Mittwo h Abend zu uns gelaugten und von den im Lokale Orbig versammelten Genossen mit stürmischen Beifall aufgenommen wurden. In der That bedeutet die Wahl Ulrichs in Offen⸗ bach⸗Stadt einen glänzenden Erfolg der Sozial⸗ demokratie und wir haben ein Recht, uns dessen zu freuen. Was hat dort die gesamte Gegnerschaft, der bürgerliche Kuddelmuddel nicht alles aufgeboten, um unserm bewährten Genossen das Mandat zu entreißen! Mit den schäbigsten Mitteln, den schofelsten Wahllügen wurde dort gearbeitet, mit aller Gewalt sollte der Millionär Feistmann zum Vertreter der Arbeiterstadt Offenbach gemacht werden. Vergebens, der Mischmasch unterlag. Der sozialdemokratische Zettel siegte mit 2729 Stimmen über den Feistmanns, der nur 2514 erhielt. Ein Bravo unsern Offenbacher Genossen! Aber auch die Mainzer haben tüchtig gearbeitet. Gewiß unser Sieg war dort so ziemlich sicher, nachdem sich die Freisinnigen und Demokraten für unsern Wahlzettel erklärt hatten. Aber trotzdem muß die für ihn abgegebene Stimmenzahl als eine sehr hohe bezeichnet werden. Für den sozialdemo⸗ kratischen Zettel wurden 2982 Stimmen ab⸗ gegeben; der Zentrumszettel erhielt 1379 und der nationalliberale 690 Stimmen. Vor sechs Jahren zählten wir nur 1635 Stimmen, die Demokraten und Freisinnigen hatten damals 652 aufgebracht. Rechnet man diesen auch hundert oder zweihundert Stimmen Zunahme zu, sie dürfte kaum soviel betragen, so ergiebt sich für unsere Partei ein außerordentlich er⸗ freulicher Zuwachs. Das sind für die Reichs⸗ tagswahl sehr günstige Aussichten. Unsere Mainzer Genossen werden sich durch diesen schönen Sieg nicht in Sicherheit wiegen lassen, sondern das Nötige thun, um das Mainzer Reichstagsmandat, das uns„von Rechtswegen“ gehört, zurückzuerobern. Die Nationalliberalen haben 100 Stimmen weniger als 1896; hingegen das Zentrum 100 mehr erhalten. Die Wahl in Gießen ging aus, wie erwartet werden mußte. Hier haben unsere Geuossen das ersre Mal sich durch eine eigene Kandidatur an der Wahl beteiligt und wir können mit diesem Anfang recht zufrieden sein. Mau war in Parteikreisen sich schon früher dahin einig, daß, falls etwa eine selbständige nattonalliberale Kandidatur aufgestellt werden würde, wir wiederum, wie vor sechs Jahren die Freisinnigen unterstützen müßten, um die Wahl eines Abgeordneten zu verhüten, der in der Wahlrechtsfrage unzuverlässig ist. Der Ausfall zeigt, daß wir ganz getrost auch eine eigene Wahlliste aufstellen konnten, wenn die beiden liberalen Parteien nicht zusammen gingen. Wir hätten dabei sogar die beste Aussicht gehabt. Denn in der Voraussicht, daß unsererseits ein Sieg unmöglich ist, entfaltete die Partei leitung nur geringe Agitation. Wir halten das nicht für richtig, hätten vielmehr gewünscht, daß die Agitation etwas energischer und früher in Angriff genommen worden wäre. Auch uuser Offenbacher Parteiorgan tadelt unseres Erachtens ganz mit Recht, daß das allgemeine Flugblatt, der Bericht der Landtagsfraktion, nicht früher zur Verteilung gelagte. Damit wollen wir gegen die leitenden Personen, von denen wir wissen, daß sie angestrengt und eifrig arbeiten, durchaus keinen Vorwurf erheben; wir wollen damit nur aussprechen, daß die Ge⸗ samtheit der organisierten Genossen etwas mehr Initiative entwickeln müßte und sich namentlich be. Flugblattverteilung und sonstiger Partei⸗ arbeit zahlreicher zur Verfügung stellen gollte. Wenn wir bei den nächsten Reichstagswahlen etwas erreichen wollen, benötigen wir der thä⸗ tigen Mithilfe eines jeden Genossen, und der Winter muß zur Vorarbeit gut ausgenutzt werden.— Hinzufügen wollen wir noch, daß uns durch die ungünstig gelegte Wahlzeit noch viel Stimmen verloren gingen. Vielen Arbei⸗ tern, die länger als bis 6 Uhr arbeiten und auch in der Mittagsstunde keine Zeit haben, mußten der Urne fernbleiben. Recht erfreulich ist auch das Friedberger Resultat. Abgeordneter für Friedberg war bisher der nationalliberale Rechtsanwalt Jö— ckel, der sich bei den Kammerverhandlungen über die Wahlrechtsvorlage durch seinen Aus⸗ spruch:„Dem abhängigen Manne gebührt kein Wahlrecht“, ein Denkmal gesetzt hat. Aller⸗ dings kein schönes. Er wurde denn auch aus dem Landtage hinausgew—ählt Er erhielt nur 346 Stimmen, während es der Freisinnige Damm auf 382 brachte. Unsere Genossen traten für den Freisinn ein. Ebenso in Alsfeld, wo von freisinniger Seite Rechtsanwalt Reh aufgestellt war. Dieser erhielt 256 Stimmen, sein Gegenkandidat, der „parteilose“ Lehrer Rudolf, der offenbar von antisemitischer Seite aufgestellt war und unter un⸗ parteiischer Flagge in den Landtag zu steuern hoffte, erhielt nur 149 Stimmen. Rudolf war übrigens ebenfalls für das direkte Wahlrecht: was in unserer letzten Nummer in der Alsfelder Notiz über seine Stellung dazu gesagt wurde, beruhte auf einem Irrtum. Im Uebrigen ver⸗ rieten die öffentlichen Kundgebungen des viel⸗ leicht vom besten Wollen erfüllten Mannes eine heillose politische Konfusion. Unsere Genossen konnten in diesem Falle gar nicht anders, als die freisinnige Kandidatur zu unterstützen. Im Offenbacher Landkreise brachte unsere Partei 32 Wahlmänner durch, für den Kandidaten der vereinigten Bürgerlichen, den zum Zentrum gehörigen Bürgermeister Lammert von Bürgel wurden nur 22 gewählt. In diesem Kreise wird Genosse Orb zum Abgeordneten gewählt werden. In Dar mstadt siegten die Freisinnigen ebenfalls mit Unterstützung der Sozialdemokratie. Ihre Mehrheit soll aber nur sechs Stimmen betragen. Einen guten Erfolg haben wir in Darmstadt⸗Land(13. Bezirk) aufzuweisen. Dort haben wir von 41 Wahlmännern 20. Bingen und Finthen⸗Ingelheim verblieb dem Zentrum, das noch Waldmichel⸗ bach dazu gewann. Grünberg dürfte den Antisemiten Hirschel als Abgeordneten entsenden, der mit Ach und Krach— bei äußerst geringer Wahlbeteiligung in fast allen Orten— durchgekommen sein mag. Im Ganzen haben die Wahlen mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß das hessische Volk für das allgemeine und direkte Wahlrecht ist. Und dieser Wille wäre noch mehr und besser zum Ausdruck gekommen, wenn das gesamte Volk bei diesen Wahlen mitzureden gehabt hätte. Der agrarisch verseuchte Nationallibe⸗ ralismus hat die Wahlkosten bezahlt. Während früher etwa 40 von der Drehscheiben-Partei im Landtage saßen, wird diese jetzt nur noch über 16 Sitze verfügen.—„Des Volkes Stimme ist Gottes Stimme!“ Von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Das Protokoll vom Münchener Parteitag ist dieser Tage 312 Seiten stark er⸗ schienen. Für jeden Parteigenossen ist es interessant und belehrend, die Verhandlungen über die wichtigen Fragen, die den Parteitag beschäftigt haben, nachzulesen und wir empfehlen deshalb die Anschaffung des Buches, das wie im Vorjahre 60 Pfg. kostet. — In den Arbeiter⸗Turnverein haben sich bis jetzt bereits 50 Mitglieder zum Beitritt gemeldet. Sonntag über acht Tage(9. Nov.) findet im Lokale „Zum Pfau“, Neustadt 52, Nachmittags 3 Uhr, die erste Generalversammlung statt, in welcher die Statutenberatung und die Wahl des Vorstandes vorge⸗ nommen werden soll. Alle bis jetzt Eingezeichneten werden darauf schon jetzt aufmerksam gemacht und zu zahlreichem Erscheinen aufgefordert. — Familienabend. Der Arbeitergesangverein „Eintracht“ veranstaltet diesen Sonntag(2. Novbr.) einen Familienabend im Lokale„Zum Gambrinus“ in der Kirchstraße. Für gute Unterhaltung durch Ge⸗ sangsvorträge und Deklamationen ist bestens gesorgt, weshalb wir unsere Freunde und Leser darauf empfeh⸗ lend hinweisen. — Der Konsum⸗Verein für Gießen und Um⸗ gegend hält diesen Sonntag im Postkeller seine General⸗ versammlung ab. Dieser liegt es unter anderem ob, den Geschäftsbericht, der vor einiger Zeit veröffent⸗ licht wurde und sich auf die ersten dreiviertel Jahre erstreckt, zu genehmigen. Wie immer bei solchen Or⸗ ganisationen, weist das erste Geschäftsjahr nur einen kaum nennenswerten Gewinn auf, was infolge der be⸗ deutenden notwendigen Anschaffungen von Inventarien usw. ganz erklärlich ist. Wenn aber, was mit Sicher⸗ heit anzunehmen ist, das nächste Jahr weiteren Mit⸗ gliederzuwachs bringt und die Mitglieder auch ihren Bedarf wenigstens in der Hauptsache dort decken, so dürfte der nächste Jahresabschluß ein ganz anderes, für alle Mitglieder erfreuliches Ergebnis zeitigen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Heber die Arbeitsverhältnisse in der „Lahnmühle“(Besitzer Herr Amend) sind uns schon früher wiederholt Klagen von Seiten dort beschäftigter Arbeiter zugegangen, denen wir auch mehrmals in unserem Blatte Ausdruck gaben. Es findet in diesem Betriebe ein so häufiger Wechsel der Arbeiter statt, daß er von letzteren als„Taubenschlag“ bezeichnet wird. Kürzlich geriet der Obermüller, ein schon älterer Mann, der von allen Seiten als ein ruhiger und anständiger Mensch geschildert wird, mit seinem Chef in Konflikt, der in ernstliche Thätlichkeiten ausartete, so daß Frau A. auf der Straße um Hilfe rief. Dem Obermüller scheint so zugesetzt worden zu sein, daß er in hochgradige Erregung und Wut geriet. Möglicherweise kommt es deswegen noch zu einer Gerichtsverhandlung, bei der man dann wohl den Hergang der Sache genauer er⸗ fahren wird. — Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Wetzlar findet diesen Sonntag, den 2. November im „Wiener Hof“(Löb) in Gießen statt. Unter deu zu erledigenden Tagesordnungspunkten befindet sich außer der nächsten Reichstagswahl der Bericht über den Partei⸗ tag, den Genosse Vetters erstatten wird. Die Genossen aller Parteiorte werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. — Kontroll⸗Versammlungen finden im Kreise Wetzlar statt: Für Wetzlar⸗Stadt am 6. November 9 Uhr vorm. im Schützengarten; für Wetzlar⸗Land und zwar für die Orte: Hof⸗ Altenberg, Bahnhof Wetzlar, Garbenheim, Nauborn, Niedergirmes, Oberbiel, Steindorf am 4. November, vorm. 9 Uhr im Schützengarten in Wetzlar; ferner in: Aß lar(Bahnhof), 6. November, 1 Uhr 15 Minuten Nachmittags für Aßlar, Berghausen, Blasbach, Klein⸗ Altenstädten, Werdorf. Dutenhofeu GBahnhof), 10. November, 8 Uhr Vormittags für Atzbach, Dorlar, Dutenhofen, Kinzenbach, Münchholzhausen. Krofdorf Stiel), 10. November, 11 Uhr 45 Min. Vormittags für Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Oden⸗ hausen, Salzböͤden, Vetzberg, Wißmar. b — In Rehe bei Dierdorf im Westerwald finde diesen Sonntag die erste sozialdemokratische Versamm⸗ lung statt. Genosse E. Krumm ⸗Gießen wird über: „Politische und wirtschaftliche Fragen der Gegenwart“ sprechen. Hoffentlich können wir in der nächsten Nummer über gute Erfolge berichten, Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. St. Die Parteiversammlung am ver⸗ flossenen Samstag abend im Jesberg'schen Lokale war leider nicht so gut besucht, wie es in anbetracht der wichtigen und reichhaltigen Tagesordnung zu erwarten gewesen wäre. Gen. Vetters ⸗Gießen erstattete in nahezu zweistündigem, fesselnden Referate über die Ver⸗ handlungen und Beschlüsse des Münchener Parteitages Bericht, nachdem er uns zuvor die Grüße und den Dank unseres Delegierten und Reichstagskandidaten, Gen. Paul Bader⸗ München, für das ihm erwiesene Vertrauen übermittelt hatte. Am Schlusse seines Referates verlas Redner die bekannte Resolution betr. die Haltung der Parteigenossen bei Stichwahlen und empfahl dieselbe zur Annahme, was auch geschah. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen Ausführungen. Eine Dis⸗ kussion fand nicht statt. Nach kurzer Pause erstattete der Vertrauensmann seinen Kassen⸗ bericht, welcher genehmigt wurde. Die darauf folgende Abrechnung der Kolportage ergab eine Gesamt⸗Einnahme von 360.32 Mk., der eine Ausgabe von 173.72 Mk. gegenübersteht, so⸗ daß ein Ueberschuß von 186.60 Mk. verbleibt. Als Vertrauensmann wurde Gen. Härtling einstimmig wiedergewählt. In der Preß⸗ kommission wurde hierauf Gen. Rößler mit 4 1 ——— Tu. St N del gel hel lad tl hie Ju Na ein Ri fr an R. an ir. eln ha me sch wa he. Lur bor nä. ehe eib Moe Un Ar un. laß ger isse in der 0 daß Frau em Obermüller u hochgradige e kommt es bei der de genaucr er⸗ den Wahlkreiz 2. Nobember im Genossen n ersucht. „ FPertrauen 1 sieftral“ Nr. 44. Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. 8 Stimmen neugewahlt. Nach einer ziemlich lebhaften Diskussion über die nächstjährige Reichstagswahl und die Aufbringung der nötigen Mittel hierzu, für welche die Aus— gabe von Sammellisten als am geeignetsten gehalten wurde, erfolgte Schluß der Ver⸗ sammlung. — Schwurgericht. Die diesjährige Herbstsession des hiesigen Schwurgerichts wird am Dienstag, den 4. November, im Land— gerichtsgebäude ihren Anfang nehmen. — Ein trauriges Zeichen der Zeit. Am Montag früh wurde in der Giffelbergerstraße ein Handwerksbursche in halberstarrtem Zustande mit nackten Füßen aufgefunden. Mitleidige Menschen brachten ihn in ein benachbartes Haus, von wo er, nachdem er sich erholt und durch Speise und Trank gestärkt hatte, die Weiterreise antrat. — Verschiedenes. Die Zahl der Studierenden an hiesiger Universität in diesem Winlersemeste! hat bereits 1000 überschritten. — Mit dem Beginn des Semesters hat auch der nächtliche Unsug und Skandal wieder zu— genommen. Unfsere Nachtschutzleute haben da— her wieder reichlich Beschäftigung.— Auf Ein⸗ ladung des Geh. Rats Prof. v. Behring trafen am Montag eine größere Anzahl der Teilnehmer am Tuberkulosen⸗Kongreß in Berlin hier ein, um die hiesige Universitat, nebst ihren Justituten, insbesondere diejenigen des Geh. Rats v. Behring zu besichtigen, wobei letzterer einen Vortrag über Immunisierung gegen Rindertuberkulose, verbunden mit Demon⸗ sirationen hielt. Es waren berühmte Professoren aus Paris, sowie dem übrigen Frankreich, Rußland, Schweiz, Belgien, Oesterreich usw. anwesend.— Ein Bauer aus Wenkbach, der irrrümlicherweise einem Handwerksburschen statt eines Pfennigstückes ein Zehnmarkstück gegeben hatte, folgte diesem, als er seinen Mißgriff be— mertt hatte, hierher und traf den so reich Be⸗ schenkten auch noch hier an. Drei Mark waren bereits verausgabt, das übrige Geld er— hielt der Bauer, nachdem er dem Handwerks⸗ burschen noch einige Groschen geschenkt hatte, von diesem zurück.— Das Lehrlingsheim wird nächsten Sonntag Abend im, Schulsaale der ehemal. Realschule am luth. Kirchplatz wieder eröffnet. Kleine Mitteilungen. e Krieg in Feieden. In Laubenheim bei Mainz ereignete sich an Donnerstag ein schwerer Unglücksfall. Bei einer Felddienstübung des 3. Fuß⸗ Art. Regts. mußte eines der Geschütze querfeldein fahren und geriet in einen Graben, wobei die auf dem Protz⸗ kasten sitzende Bedienungsmannschaft herabgeschleudert wurde. Ein Obergefreiter der Batterie, ein Elsässer, geriet unter den Geschützwagen, der ihm über den Leib 5 beiden Soldaten kamen mit dem Schrecken davon. Dem schwer verletzten Gefreiten wurde ein Notverband angelegt und er sodann in einem Wagen nach dem Lazaret in Mainz gefahren. Die Aerzte konstatirten schwere innerliche Verletzungen, denen der Soldat voraussichtlich erliegen wird. : Verurteilter Wucherer. Nach zweitägiger Verhandlung vor der Strafkammer in Köln wurde der Millionär Heuser von dort vorige Woche wegen umfangreicher Wuchereien zu vier Monaten Gefängnis, 1000 Mark Geldbuße und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Rechtskonsulent Wagner, der jenem Wucherer unzählige Opfer zugeführt hatte, erhielt fünf Monate, 500 Mk. Geldbuße und zwei Jahre Ehrenverlust. Ob diese Biedermänner Juden sind oder gläubige Katholiken geht aus der Zeitungs- nachricht nicht hervor. —* Folgen des Jähzorns. In Lüdenscheid schleuderte in Folge eines Wortwechsels ein Arbeiter seinem 2 jährigen, nur mit dem Hemd bekleideten Sohne eine brennende Petroleumlampe in's Gesicht. Dieser erlitt derartige Brandwunden, daß er unter den entsetz⸗ lichsten Schmerzen verstarb; die Kleider der ihm zur Hilfe eilenden Mutter, sowie des jüngeren Bruders gerieten gleichfalls in Brand, desgleichen die des rabiaten Vaters. Alle Prei wurden schwer verwundet dem Hospital zugeführt. Die hochbetagte Mutter hat bereits das Augenlicht eingebüßt. ging; die übrigen Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. 7 Der Streik in der Schuhfabrik von Waldmann u. Co. in Mainz ist durch Ver— gleich vor dem Gewerbe lercchtzbeendigt worden. Herr Waldmann, der sich während des Aus⸗ standes eine Zwickmaschine anschaffte, verpflichtete sich, alle Arbeiter so weit wie möglich wieder einzustellen und den Lohntarif so wie ihn die Firma Rosenbusch bezahle, einzuführen. Die Arbeiter, welche an der Zwickmaschine angelernt werden, erhalten während der Lehrzeit außer dem Akkordlohn wöchentlich 5 Mk. Durch die Einführung der Zwickmaschine werden etwa fünf Zwicker nicht wieder eingestellt werden können. Eine bemerkenswerte Niederlage erlitt das Zentrum bei den am Montag in Aschaffenburg stattgefundenen Gewerbe— gerichts wahl. Unsere Genossen brachten für die Liste des Gewerkschaftskartells 596 Stimmen auf, während die Schwarzen trotz aller Anstrengung und trotzdem die Geistlichkeit sich mit in's Zeug legte, nur 332 Stimmen erhielten. So ists recht. Partei Machrichten. Seine drei Jahre Kerker, zu denen er wegen Preßvergehens verurteilt wurde, hatte unser Ge⸗ nosse Schmidt-⸗Magdeburg am Donnerstag abgebüßt. Drei Jahre Gefängnis! Eine Ewigkeit für den, der sie in einsamer Zelle zubringen maß. Und diese Strafe, weil er in der Zeitung ein Märchen erzählte, das für jedem Unbefangenen eine harmlose Dichtung darstellte, in dem aber von den Richtern eine Majestätsbeleidigung gefunden wurde! Höchste Erbitterung muß jeden ge⸗ recht Denkenden ergreifen, wenn er diese Strafe mit der für Duellmorde vergleicht! Hier muß einer drei Jahre im Gefängnis büßen für einen Zeitungsartikel; dort wird der Mörder eines Menschen nach ein paar Monaten gemütlicher Festungs„haft“ begnadigt! Versammlungskalender. Samstag, den 1. November. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.— Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 8½ Uhr Versammlung bei Wirt Rinn. Die Mitglieder werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Sonntag, den 2. November. Gteßen. Konsum⸗Verein. Nachmittags 3 Uhr General-Versammlung im„Postkeller“. Lollar. Nachmittags 3 Uhr Zusammenkunft der Kollegen bei Weinreich(„Zur Traube“). Dienstag, den 4. November. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Sonntag, den 9. November. Gießen. Orauer verband. Nachmittags 1 Uhr Versammlung bei Lö b(„Wiener Hof“).(Samstag 1. November keine Versammlung.) Wleseck. Oeffentliche Versammlung Nachmittags 4 Uhr bei Wacker Briefkasten. E. 22. Ein Hausbursche in einer Wirtschaft ist ebenso wie der Kellner ec. als gewerblicher Arbeiter im Sinne der Gew.⸗Ord. und des Gewerbe-Gerichts⸗Gesetzes anzusehen. Arbeits- und Ausgehezeit sind— wenn es sich nicht um jugendliche Arbeiter handelt— Gegenstand „freier“ Vereinbarung; auch, ob der Hausbursche während seiner Ausgehezeit Vertretung zu stellen hat. Heldnbgn. Zurückgestellt. Marbg. Bezüglich der nichtöffentlichen Verhandlung auf unserem und dem nat. ⸗soz. Parteitage stellt die„Hess. L.⸗Ztg.“ die Wahrheit auf den Kopf. Kommen nächste Nr. darauf zurück. besang-Verein„Eintracht“ Sonntag, den 2. Nov. Abends 8 Uhr Familien⸗Abend im„Gambrinus“(Albold). Wozu freundlichst einladet Der Vorstaud. Sees sss Rezitation: Von Herrn E. Walkotte. Die grösste Sünde. Donnerstag, den 13. Nov. Abends ½ 9 Uhr: im Lenz'schen Felsenkeller, Bahnhofstraße. Entree 20 Pfg. r Entree 20 Pfg. Zahlreichen Besuch erwartet Das Gewerkschaftskartell. * * „ Unterhaltungs-Ceil. 5 1 ——— Eine Zollgeschichte. Unternahm man vor dem Jahr 1866 von Frankfurt aus eine Wanderung nach der schönen Wetterau, so hatte man reichlich Gelegenheit Landesgrenzen zu studieren und wurde unwill⸗ kürlich dazu gedrängt, Betrachtungen über die überflüssige Vielheit in der notwendigen Einheit anzustellen. Freie Reichsstadt Frankfurt, Kur⸗ fürstentum, Kurhessen, Landgrafschaft Hessen— Homburg, Herzogtum Nassau und Großherzog⸗ tum Hessen⸗Darmstadt, sie alle konnte man be⸗ quem auf einer Fußwanderung zwischen Morgen⸗ kaffee und Mittagessen berühren. Bunt durch⸗ einander gewürfelt lagen sie da, diese mächtigen Gebiete und ihre Bewohner waren auf einen intensiven internationalen Verkehr mit einander angewiesen. Zwar blickten sich die verschiedenen Wappentiere an den Grenzmarken zuweilen recht grimmig und herausfordernd an, aber die drohenden Adler, die gewaltigen Löwen, einer von diesen peitschte sogar, wenn wir uns recht erinnern, seine Flanke mit zwei Schwänzen, ließen doch die verschiedenen Landeskinder ganz friedlich an sich vorüberwandern. Waren diese Wappentiere auch alle dem Reich der Raubtiere entnommen, so benahmen sie sich doch unter dem Druck der Verhältuisse recht zahm. Sogar das Herüber- und Hinüberschleppen der ver⸗ schiedenen Landsmünzen regte sie nicht auf, nur in einem Punkte waren sie empfindsamer, das war das Gebiet der Abgaben und des Zolles. Heute noch stehen einzelne der früheren Chaussee⸗ häuser, allerdings jetzt ganz anderen Zwecken dienend, meist sind sie in Wirtschaften umge⸗ wandelt. Das Jahr 1866 hat ja mit den vielen Landesgrenzen in unserer Gegend auf— geräumt, die Sache etwas einheitlicher gestaltet, mit einem Wort, es hat in modernem, man möchte fast sagen, großkapitalistischem Sinne das Kleine zusammengelegt und zu Gunsten des Größeren aufgesaugt. Aber nicht die politische Seite der Sache, auch nicht der schmähliche Bruderkrieg von 1866 soll uns heute beschäftigen, einer viel harm— loseren Erinnerung sollen diese Zeilen dienen. Es ist nichts geringeres als eine kleine lustige Zollgeschichte. Lagen da mitten in der Wetterau bis zum Jahre 1866 die beiden herzoglich nassauischen Orte Reichelsheim und Dornassenheim, ringsum umgeben von großherzoglich hessischem Gebiet. Der größere der beiden Orte, das protestantische Reichelsheim, beherbergte in seinen Mauern neben einem Amtsgericht, in dem der jeweilige Amtsrichter getrennte Sachen in der Weise er⸗ ledigte, daß er die Parteien nach Erledigung einer Sache, von dem Zimmer diesseits des Ganges nach einem Zimmer jenseits des Ganges verwies und dann durch eine andere Thüre ebenfalls erschien, um nun mit denselben Per- sonen eine andere Amtshandlung vorzunehmen; neben diesem Amtsgericht und sonstigen wichtigen Einrichtungen beherbergte Reichelsheim auch einen herzoglich nassauischen Zoll- oder Steuer⸗ beamten. In welchem Rang er stand und welchen Titel er führte, das haben wir in— zwischen vergessen, aber er hatte einen Degen und trug grüne Uniform. Der Inhaber dieser wichtigen Stelle zu Anfang der sechsziger Jahre war ein sehr schneidiger Herr und nahm seine Pflichterfüllung sehr ernst. Die Bauern von Reichelsheim waren ihm nicht sehr grün und böse Streiche wurden ihm bisweilen gespielt. Hauptsächlich richtete er sein Augenmerk darauf, daß kein Alkohol oder alkoholhaltige Getränke unbesehen über die Grenze gingen. Irgendwo an der Gebietsgrenze stand eine Anzahl alter, teilweise hohler Weidenbäume. Sie boten unserem Zöllner ein gutes Beobachtungsversteck, aber man hatte das bald ausgewittert und es soll vorgekommen sein, daß der Zöllner um „ 0 74 ——— eee —— Seite 6. Nittel dentsche Kountags⸗ Zeitung. Nr. 44. keinen Preis in die Nähe eines anständigen Menschen kommen durfte, nachdem er in einem solchen Baum gestanden, denn es waren Dinge hineingeschüttet worden, die man gewöhnlich nur mit einem Fremdwort bezeichnet.— Wieder ist ein trüber und nasser Spätherbsttag zur Neige gegangen und die dunkle Nacht ist bereits hereingebrochen, da kommt auf der Landstraße von Friedberg ein Wagen gefahren und hält neben der Wohnung des Zöllners bei dem Kaufmann Schwarz an. Von seinem Fenster aus glaubt der aufmerksame Zöllner beobachten zu können, was da vorgeht, aber das Dunkel des Abends verhindert ihn daran. Zu seinem Glück hört er auf der Straße Schritte und ruft hinunter: Was ist das für ein Wagen? Hätte er lieber nicht gefragt, denn der Gefragte war ein Spaßvogel und Herr der Situation. Von dem Dunkel vor dem Erkennen geschützt, antwortet er: Ei, das war dem Herrn Gatzert von Heuchelheim sein Wagen, die haben ein Fässi abgeladen. Damit ging er und harrte an der nächsten Hausecke der Dinge, die da kamen. Rasch flog das Fenster des Zöllners zu und nach einiger Zeit erschien er selber in Uniform und Wasserstiefel. Inzwischen war der Wagen weiter gefahren und das nächste war, sich in dem Laden zu erkundigen, was da Steuerbares abgeladen worden. „Bei Ihnen ist ein Fäßchen abgeladen worden,“ so herrscht er die Ladnerin an. „Bewahre, bei uns ist kein Fäßchen abge⸗ laden worden“.— „Freilich ist ein Fäßchen abgeladen worden, wo ist der Herr Schwarz?“— Sein Nachtessen unterbrechend, kommt Herr Schwarz und ver⸗ sichert ebenfalls, daß kein Fäßchen abgeladen sei. O weh! Nun muß der Zöllner dem Wagen nach, denn er muß der Sache sofort auf den Grund kommen. Das wäre doch noch schöner, ihm womöglich vor der Nase eine Steuerhinterziehung zu begehen, und im Geiste schon an dem Bericht arbeitend, macht er sich auf den Weg nach Heuchelheim, auf diesen Weg im Dunkel, ohne Laterne! Anhaltender Herbstregen hatte ihn recht hübsch aufgeweicht, denn damals verband diese beiden nahegelegenen Orte nur ein Feldweg. Und die Feldwege in der Wetterau, wie werden sie bei regnerischem Wetter ihrer lehmigen Beschaffenheit wegen so schön weich und schmierig. Doch, das darf den Zöllner nicht schrecken, er muß durch, möglichst rasch durch, und so langt er denn schweißtriefend in der Wohnung von Gatzert an. Das Fuhr⸗ werk war inzwischen auch eingetroffen, sein Verfolger hatte es nicht mehr einholen können, nur das Knarren der Räder auf der Dorfstraße hatte er noch gehört. Herein! Und mit einem kurzen, Guten Abend! rückt er der Sache direkt auf den Leib. Säumen gilt nicht und lange entschuldigende Einleitung kann zur Verdunke⸗ lung des Thatbestandes führen.„Ihr Fuhrwerk hat beim Herrn Schwarz ein Fäßchen abgeladen“, so redet er die erstaunt und verblüfft ob des späten Besuchs drein schauende Frau Gatzert, die nach dem Abendessen sich noch mit ihren Kindern unterhält, an.„Unser Fuhrwerk hat ein Fäßchen abgeladen? Davon weiß ich ja gar nichts.“ „Ja, ja es ist ein Fäßchen abgeladen worden.“ „Nun, ich will den Heinrich, so hieß der Knecht, hereinrufen lassen“. Bald erschien denn auch derselbe und sah mit großen Augen den vor ihm stehenden Zöllner an.„Sie haben beim Herrn Schwarz ein Fäßchen abgeladen, was war da drin und von wo haben Sie's mitgebracht?“ „Ich habe kein Fäßchen abgeladen, ich habe gar keins auf dem Wagen gehabt.“ „Freilich haben Sie ein Fäßchen abgeladen, es hat's einer gesehen.“ „Ach was, ich habe kein Fäßchen abgeladen, sage ich Ihnen noch einmal“. „Hören Sie, Heinrich, was haben Sie denn in des Schwarze Laden gemacht?“ fragte Frau Gatzert besänftigend. „Ei, ich habe die Oelkanne, die ich heute Morgen abgegeben, gefüllt wieder geholt und dann bin ich heim gefahren, aber von einem und bei's Schwarze abpgesttegen und nach der Post gegangen, der kann bestätigen, daß ich kein Fäßchen auf dem Wagen hatte.“ „Es hat mir aber jemand ganz bestimmt gesagt, Sie hätten ein Fässi abgeladen!“ „Und ich sag' Ihnen, es ist nicht wahr.“ „Ja, welcher Herr Weber war denn das?“ fragt lächelnd, den Zusammenhang bereits ahnend, die Frau Gatzert.„Ei, der Dicke“, antwortet Heinrich. Nun aber kann Frau Gatzert nicht mehr an sich halten und mit einem raschen Blick auf die Stiefel des Zöllners, deren Aussehen ihr jetzt erst auffällt, fängt sie herzlich an zu lachen, und sie konnte herzlich lachen, die heitere Müllerstochter. „Wissen Sie, da hat Ihnen ein Schalk einen bösen Streich gespielt, sagt sie zum Zöllner gewandt, der junge Herr Weber heißt, weil er so dick und rund ist, in der ganzen Gegend das Fässi, der ist von unserem Wagen ab⸗ gestiegen und da hat Ihnen ein böser Mensch gesagt, es wäre ein Fässi abgeladen worden. Es sst doch aber arg, Sie bei diesem Schmutz und am dunkeln Abend daherüber zu sprengen.“ — Sie muß wieder lachen und auch der Knecht Heinrich wird nun heiterer Laune und lacht respektwidrig, nur der Zöllner lacht nicht, aber die Zornader schwillt ihm. Platz zu nehmen und sich etwas zu erholen, das lehnt er dankend schau wem? Wer bürgt dafür, daß nicht hinter einem kräftigen Aepfel⸗ oder Birnbaum ein neuer Schabernack seiner wartet? 11 8 1—— 5 Das Goldmacherdorf. Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke. 23)(Fortsetzung). 29. Wieder etwas Neues. „Was hat auch der Oswald wieder?“ fragten sich die Bauern unter einander. Denn wenn alle Leute Feierabend hatten, lief er noch mit dem Schulmeister und einigen jungen Burschen in den Feldern herum. Die schleppten sich mit Ketten, steckten lange Stangen in die Erde, und Oswald sah immer uͤber einen kleinen, langbeinigen Tisch nach den Stecken, und konnte sich nicht satt daran sehen. Und der Schulmeister Heiter that es auch gern. Und an den Stecken war doch nichts zu sehen. Es verhielt sich aber folgendermaßer: Oswald verstand das Feldmessen und hatte Bücher, die davon handelten. Und er hatte seinen Liebling, den Johannes Heiter, auch in dieser Kunst unterrichtet, nebst andern Bauernburschen, die Kopf dazu besaßen. Weil nun die Waldungen der Gemeinde sehr genau ausgemessen waren, kam er auf den Einfall, nach und nach in den Nebenstunden alle Güter, Wege und Stege des ganzen Gemeindebezirks zu vermessen und daraus eine große Karte zu machen. Auf der Karte sah man sehr deutlich jedes Stück Land, jeden Steg, jeden Hag, jedes Haus. Eine Juchart war beinahe einen Zoll ins Geviert groß. Und die große Karte, wie sie fertig war, wurde im Gemeindshause aufge⸗ hängt. Da liefen nun tagtäglich Bauern hin und beschauten den Plan, und wunderten sich sehr. Denn sie fanden sich bald zurecht, und jeder erkannte seinen Acker, seinen Garten, seine Wiese. Und was das Beste war: in jedem Stück Feld oder Acker stand die Größe desselben, enau bis auf einen halben Schuh, geschrieben. un erst wußte jeder recht eigentlich, wie groß seine Aecker und Wiesen waren, und er schrieb sich die Zahlen sorgfältig ab. Das war beim Kauf und Verkauf keine Kleinigkeit; denn bisher hatte man das Land nur nach Schritten geschätzt, und mancher zu wenig angegeben, mancher zu viel. Das war allerdings nun ein großer Nutzen. Der Vorsteher Oswald sagte aber zu den Leuten, wenn sie den Plan betrachteten:„Das ist noch nicht der größte Nutzen; ich weiß noch einen bessern.“ enn sie ihn darum fragten, antwortete er:„Habt ihr's bis Lichtmeß nicht ab, nur eine Laterne erbittet er sich, denn trau, 0 Als nun Lichtmeß kam und die Gemeinde wegen verschiedener Angelegenheiten versammelt war, trat Oswald, nachdem man alles abge⸗ than hatte, hervor und sprach:„Ihr alle kennet sattsam den Plan von unserm Gemeinds⸗ bezirk, wie ihn der Schulmeister Johannes Heiter mit seinen Schülern genau und zierlich verfertigt hat. Ihr Männer, liebe Mitbürger, jedermann hat dabei seine besondern Gedanken gehabt, und auch ich die meinigen. Und diese will ich euch offenbaren. „Wenn ich die Felder übersah, die wir im Schweiße unseres Angesichts bauen, so that es mir oft weh im Herzen, daß die Arbeit uns so viel Mühe macht, und es that mir oft weh im Herzen, daß dabei Vieles nicht so gut angebaut ist, und folglich auch nicht so viel erträgt, als wohl sein sollte. Und ich warf meine Augen noch einmal auf den Plan, und stehe, da wurden auch die Augen meines Geistes eröffnet, und ich erkannte einen Hauptfehler in unserer Feldwirtschaft. „Ihr Männer, liebe Mitbürger, es liegt nun sonnenklar am Tage, wenn ihr euch unter einander verstehet, so werden eure meisten Güter mit geringerem Aufwand von Zeit und Unkosten besfer besorgt werden und erträglicher sein können, als bisher.“ Da riefen viele Bauern:„Dazu wollen wir uns ohne Mühe mit einander verstehen, wenn es nicht einmal so viel kostet, als sonst!“ Oswald sprach:„Ich wünsche Glück dazu. Ich will euch sagen, was bisher viel Unkosten verursacht hat, die ihr nun sparen könnet, wenn ihr wollet. Das ist die Zeit.— Jeder von euch hat nämlich sein Land nach und nach zusammengeerbt oder zusammengekauft, wie es kam. Da hat er ein Stück am Berg liegen, ein anderes hinterm Wald, ein anderes wieder jenseits der Brücke, ein anderes neben der Landstraße, wieder ein anderes am Bach, und noch ein anderes beim Steinbruch. Da muß er nun Viertelstunden weit unnütz umherlaufen von einem Stück zum andern, eben so die Knechte und Mägde, eben so die Fuhre mit dem Dünger. Da wird ein Teil des Tages blos mit Gängen und Läufen verloren, wo man hätte arbeiten können. Da werden Magd und Knecht für Hin⸗ und Hergehen bezahlt, was doch nichts einträgt. Es wird daher um so viel weniger im Tage gearbeitet, und das Land um so weniger mit größtem Fleiß bear⸗ beitet, weil es an der nötigen Zeit gebricht. Mancher scheut sich, noch etwas Land zu kaufen, weil er das seinige kaum recht in Ordnung besorgen kann; und doch hat er nicht viel. Aber das Umherziehen von einem Stück zum andern nimmt die Zeit weg. Lägen alle seine Fel der beisammen und wären ein Ganzes, er könnte mit eben so vielen Leuten in eben so vieler Zeit noch einmal so viel Land besorgen, als er jetzt hat, und um so viel reicher sein.“ (Fortsetzung folgt.) Humoristisches. Reue.„Ja, Hintermeier, anders kann ich dich nicht absolvieren, außer du bereust es tief, was du Alles zusammengestohlen hast und giebst es wieder zurück!“— „Ja, Hochwürden, wenn i Alles wieder zruckgeb'n muß, nacha reut's mi scho tiaf, daß is g'stohl'n hob!“ Geschichtskalender. 2. November. 1901: Oesterreichischer Parteitag in Wien. 2 3. 1901: Schoenlank's Beerdigung in Leipzig. 1848: Robert Blum und Fröbel in Wien verhaftet. 4. 1896: Me. Kinley zum Präsidenten der Ver⸗ einigten Staaten gewählt. 1847: Mendelsohn⸗Bartholdy, Komponist, F. 5. 1901: Frankreich besetzt die türk. Insel Lesbos. 1896: Nachwahl in Mainz und Gießen. 6. 1901: Sozial. Sieg bei den Berliner Stadt⸗ verordnetenwahlen, 1771: Senefelder, Erfinder des Steindrucks, in Prag,*. 7. 1890: Stöcker als Hofprediger entlassen. 1810: Fritz Reuter, plattdeutscher Dichter,“. 8. 1900: Eisenbahnunglück bei Offenbach. 1620: Fäßchen weiß ich nichts, der junge Herr Weber von Echzell ist von Friedberg mit mir gefahren erraten, so will ich es euch dann sagen.“ Sie errieten es aber nicht. Eigentlicher Beginn des 30 jährigen Krieges. * geboren; T= gestorb.n n —. 1 3 ä——- Nr. 44. Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitnug. Seite 7. J AAA AKK Arbeiter-Turnverein Gießen. Sonntag, den 9. November, Nachmittags 3 Uhr: General- Versammlung im„Pfau“, Neustadt 55. Tagesordnung:„Die Bedeutung der Arbeiter-Turnvereine“, Statutenberatung und Vorstandswahl. Alle Freunde und Gönner sind freundlichst eingeladen. Die Kommission. R Ortskrankenkasse Giessen. Ordentliche General-Hersammlung am Mittwoch, den 12. November 1902, Abends 3½ Uhr im Posssieller. Tagesordnung: Wahl des Prüfungsausschusses pro 1902. Ersatzwahl des Vorstandes. Statutenänderung(88 2, 5, 15, 22, und 31) Bericht über die IX. Generalversammlung deutscher Ortskrankenkassen zu Hamburg. Der Vorstand. Anträge zur Generalversammlung müssen mindestens eine Woche vorher eingereicht werden. 2244942 2(˖.+1— ganz Deutschland gesetzl — für die Rechnung — 99 1 9 71 10 e U-Anz And Buxkin en- UH. Kl Tuche Anfertigung nach Mass Ferd. Ne nnstiel 8 Plockstrasse 8 Lager in sämtlichen Kastenmöbeln, polirt und Iaekirt, wie: Vertikons. Kleidersehränke ete. Tische, Stühle, Spiegel, Küchenmöbel, Luxusmöbel. Spezialität: Betten u. Polstermöbel in eigener Anfertigung. Grosse Auswahl in lackirten Bettstellen. Uebernahme vollständiger Ausstattungen. en détail% en gros Lang& Wiederstein Marktstrasse 4 Giessen Marktstrasse 4 Glas-, Porzellan- und Steingut-Handlung. Grosses Lager aller Sorten Teller, Tassen, Kannen, Schüsseln u. S. w. in weiss und bunt. Bier-, Wein-, 38922 Millionen Mark 25400 00 20 0 öl darunter Haupttreff. jahr. von Mk. 90440 00 9 0 000 05 10 00b kommen im Laufe der Vereinszeit 18 er zur Verloesung Jedes Loos ein Treffer. Die kleinsten Treffer betragen mindestons ca. 97 pCt. des Ein- satzes, daher bei Verloosung fast Lein Misico Unsere Gesellschafts- Kombi- nationen bieten die Grösste Gewinnchancen. 32 perschiedene Nummern Monatlich Beteiligung nur Mk. 4. Anmeld. befördert umgehend: SW. Walter, Fssen3 223 Kohlen Ia. Nuß zu den billigsten Tagespreisen empfehlen i Bachenheimer& Schaumberger 22 Marburgerstraße 22. Gesund und kräftig Vornbrod von der Kinzenbacher Mühle erhältl. in den bekannt. Verkaufsst. Prima Kornbrod bei Bäckermeister L. Müller Bahnhofstraße 58. Gießener Stadttheater. Sonntag, den 2. Nov. 1902: Zum 1. Male: Mamselle Tourbillon Schwank in drei Akten von Kraatz und Stobizer. Dieustag, den 4. Nov. 1902: Erstes Auftreten d. Frl. Helene Würtemberg vom Stadttheater in Göttingen: Habale und Liebe Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller Dounerstag, den 6. Nov. 1902: 5. Volkstümliche Vorstellung: Alt-Hleidelberg Likör-, Tafel- und Kaffeeservice in allen Preisen, Blumenvasen, Figuren, Nippes, Luxusgegenstände Wilh. 0 Sämtliche Sorten Wirtschafts-, Einmach-, Gelee-u.Honig-Gläser U. S. W. zu Gelegenheits- Geschenken. Lampen* Lampenglas Steinwaren. Waschgarniture e Hüchengeschirre. Schauspiel in 5 Akten von Meyer⸗Förster. Freitag, den 7. Nov. 1902: Zum 2. Male: Der Ausflug ins Sittliche Komödie in 4 Akten Georg Engel. von Frankfurter Mäusburg 12. J. Reiss. Gießens größtes und billigst. Schuhwarenhau Besonders in Winterschuken finden Sie sehr preiswerte Artikel für Herren, Damen und Kinder. Arbeiter schuhe a l Sliesel in uur Prima Onalitäten. treng leste Preise!! 6 le Schuhlager Mäusburg 12. 8 SS ese iesoolsusueluv Shun tHolne Georg Koch, Lhiimaches- Neuen bänse 6 Taschenuhren von 8 Mk. an. Regulateure mit Schlagwerk von 10 Mark an. 55 6 ee 19 57 2,70 Mk. au. Trauringe, massiv Gold, vo, aan Haaruhrkettzen, zu Gescg„ 5 1 ese⸗* J* Reiche Aue-ahl in Uhrketten etc. Gründl. Repe atur einer Taschenuhr, 2 Mk. Neue Feder in eine Taschenuhr 1,50 Mk. Uhrglas 40 Pfg. Uhrzeiger 20 Pfg. 18 C 5 5 Versandt nach Auswärts. Umtausch gesechkkek. für gute Ware, sowie für säm N das Paar. foinem Garantie liche Reparaturen. 2 eee Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11 n d Telefon 298 Eisenbhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus- und Küchen- eräte-Handlung Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Rechen Erute⸗Str icke Solinger Stahlwaren Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗ u. Gaskocher Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Fleischhack⸗u. Reibemasch. Rasenmäher Waagen und Gewichte Dr. Kleins Fleischsaftpress. Stehleitern Messerputzmaschinen Feuerlöschapparate ꝛc. 9 Millionen 5 Cigarren g e f 1232 8 fabelhaft billig zu verkaufen. 2 3 2 100 St. 5 Pf.⸗Cigarren nur M. 2,95 8 F 8 100%„%„„ e ee 8 100„ 10, 5„, 6,15 3 3288 Bei 300 Stück Frankolieferung. 5 n Versand gegen Nachnahme. 8„ Für Güte der Ware wird aus⸗ 5 S3 2 drücklich garantiert. 8 2 Tausd. Anerkennungen liegen vor 1 8 8 Berndt& Co.,— Berlin⸗ Schöneberg 178a, 11 Bucide's Schirme sind dauerhaft und preiswert. Regenschirme, Sonnenschirme, Spazierstöcke kauft man gut und billig Casseler Schirmfabrik Gießen, Seltersweg 9 (nahe am Kreuzplaßz). Marburg a L., Neustadt 11, Fulda, Buttermarkt 14„z. Steuerhaus“ Reparaturen und Neubeziehen schnell, gut und billig. Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren-Lager in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Arbeiterschuhe u.-Stiefel sowie sämtl. Winterschuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. Anfertigung nuch Manss sowie Reparaturen werden in eigener Werkstätte rasch, gut und billig ausgeführt. 5 Justus Benner, Marktstraße 34. 8 Feen Beinrich Doll, Giessen 8 7 ausburg 7 Papier-Bandlung Buchbinderei& Geschäfts bücher* Drucksachen Elnrahmen ven Blldem. NSN l — T.... d A Seite 8. Mittel deutsche Sountadas⸗ Zeitung. Nr. 44. ese eee Tenmtelang mene baust En. Ausgabe menes Letegeschafte he vonn ltedberg ein Wagen gefahrr. II *öbdü&samtes Warenlager Kaufmann Schwarz an. Von seinem zu können, was da vorgeht, aber“ einem aus glaubt der aufmerksame Zöllner bee“, des Abends verhindert ihn dare Glück hört er auf der S! ruft hinunter: Was“ Hätte er lieber 35 ö 2 f ISer l No zu unterwerfen und verkaufe, so lange der Vorrat reicht 0 0 Filzschuhe. Herrenstiefel. Kinder-Filzschuhe mit Filzsohle. a Paar 0,35 Mk. Herren-Halbschuhe, gute Qualität 0 5 Paar 3,75 Mk. Kinder-Filzschuhe, bunt, mit Holznägeln 5% 0,45„ Herren-Zugstiefel, gewalkt, Wichsleder 5 5 e Kinder-Filzschuhe, mit Ledersohle, Spitzkappe und Fleck i Herren-Agraffenstiefel, gutes Wichsleder 5 5 5 Mädchen- Filzschuhe, alle Farben, Filz- und Ledersohle 1 Herren-Agraffenstiefel, Wildrossleder 5 823 Damen-Schlappen, Grösse 36—42 8 3 5 1022 Herren- Agraffe ustiefel, elegant Fagon, auf Rand ge näht ee Damen-Filzschuheé, mit Spaltledersohle 8 Herren- Agraffenstiefel, Boxcalf„ 8500 Damen-Filzschuhe, mit Holznägeln(Mosko) 88 Herren-Zugstiefel, aus einem Stück ge arb., auf Rand genäht 7 Damen-Filzschuhe, schwarz, Ledersohle mit Absatz eee Arbeiterschuhe, stark genagelt: 5 Damen- Filzschuhe, abgesteppt, Absatz und Plüscheinsatz„ Herren-Schaftstiefel, sehr stark 5 Damen-Lederschuhe, ochsenblut und schwarz gefüttert 9 2 Herren-Schaftstiefel, sehr stark, genagelt„ 678 Damen- 1 marine und braun Sealskinfutter, elegant„ 2,50„ Damen-Filzschuhe, abgesteppt, mit Ledersohle und Fleck 1 1,28„ Damen- Schnürfllzstiefel, Mabedatz und Absatz„ eee Dam e Sealskinfutter 5 195 Damen-Zugstiefel, Grösse 36 5 5 8 Paar„50 Mk. Damen-Knopfstiefel, Wichsleder, extra stark 5 Ki nd ersc huhe Damen-Knopfstiefel, echt Chevreaux 3 0 Damen-Halbschuhe, gutes Wichsleder„ f 1 Damen-Spangenschuhe, holzgenagelt„ 5 een g N 7 9 Baar e u Barnen Senft kel 2 8 5 Fagon„ inder-Stiefel mit Lackkappe 8. i 5 eee 5 Schnürstief 1575 6.45 Kinder-Knoptstiefel 5 1.10 amen-Schnürstiefel, echt Chevreaux„ 643 Kinder-Knopfstiefel, Grösse 21/23„ Pamen-Tnopfstiefel, Kalbleder i 55. 2 Damen-Hausschuhe 0,85 Kinder-Agraffenstiefel 2.— 8 1158 2 7. Damen-Tanzschuhe in allen Grössen und Preislagen. Knaben-Agraffenstiefel, extra stark, Grösse 25% 7„ 245„ 7 Grosse Auswahl in besseren knopf und Schnürstielfeln in Kid- und Boxcalfleder zu enorm billigen Preisen. Sämtliche Preise haben nur Gültigkeit, solange der Vorrat reicht. Die per Herbst und Winter vorgesehenen Waren, welche ich noch abnehmen muss, werden ebenfalls, um schnell damit zu räumen, zu Enorm billigen Preisen verkauft. Warenhaus Ad olf B Schulstrasse 6. Giessen 3 Damen-Amazonenstiefel, mit Glanzlederbesatz und Absatz Verlag der Mitteld. Sonntags-Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, teh en. 9 — —!:!. ß ̃².= ⁵ ¹Eva T — 2———2——