Nr. ä N asse 6. 2 ahes ger de: 20 Nfg. 10 38: N 30 80 „ 3, Mk. 78 Pfg. 2 1540 M. W D deu — ihrter, kautionz⸗ Vertreter oßen alten Ge⸗ n Gewährung der e ges. Off. erb. an Hassenstein 6, Frankfurt L sierer sinden hohen Ver⸗ ieb eines gang⸗ Offerten( 2550) ostkarte an Meißner, Basel. rr mach aarkus Bauer, gegenub. d. Stadtkirche, ung Anfertig — N 2 2 2 2 8 — 5 — E * Nr. 5. Gießen, Sonntag, den 2. Februar 1902. 9. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitn Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Ur 2 Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger srei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Eppeditionin Gießen, Sonnenstraße 25, die Junserate 2 finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. 0 i 5 Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940)[ 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Parteigenossen! Werbt stets neue Leser für Euer Blatt, die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Der neue Zolltarif und die Lebenshaltung der Arbeiter. Unter diesem Titel hat der„Handelsver⸗ trags⸗Verein“ eben ein neues Heft seiner han⸗ delspolitischen Flugschriften erscheinen lassen, dessen Verfasser der praktische Arzt Dr. Hans Kurella ist. Sie enthält viel neues Material. Der Verfasser weist das große Interesse nach, welches die arbeitende Bevölkerung an der Ver⸗ hinderung des Brot⸗ nnd Fleischwuchers hat. Im Arbeiterhaushalt betragen die Ausgaben für Lebensmittel 60, oft bis 66 Prozent des Familieneinkommens. Je höher das Einkom⸗ men, je weniger ist es durch Lebensmittel be⸗ lastet, und wenn ein Arbeiter mit 900 bis 1000 Mk. Einkommen 52 bis 53 Prozent des⸗ selben für Lebensmittel aufwenden muß, ist das Einkommen über 1600 Mk. nur noch mit 40,6 Prozent belastet. Wie der bekannte Hy⸗ gieniker Professor Flügge berechnet, stellt sich der Minimalpreis täglicher Nahrung für den Arbeiter auf 60 Pfg.(Selbst als Mini⸗ malpreis der täglichen notwendigen Nahrung halten wir diese Summe für zu niedrig. Wollte man für die Ernährung eines Mannes, der arbeiten muß, nicht mehr als 60 Pfg. täglich bei den heutigen Lebensmittelpreisen ausgeben, würde man die Erfahrung machen, daß damit die verausgabten Körperkräfte nicht wieder er⸗ setzt werden können, in wenigen Wochen würde der Maun zu Grunde gerichtet sein. D. Red.) Für eine Familie, die aus Mann, Frau und drei Kindern besteht, ist also ein täglicher Min⸗ destaufwand von 1,80 Mk. für Nahrung er⸗ forderlich. Da die Nahrung im Arbeiterbudget etwa 60 Prozent der Ausgaben beansprucht, so kann erst ein tägliches Einkommen von 3 Mk. einer Arbeiterfamilie die notdürftigste Ernäh⸗ rung verschaffen. Eine Familie, die unter 1095 Mk. Jahreseinkommen hat, kann sich so⸗ mit nicht ausreichend ernähren. Dieses Schicksal haben in Deutschland acht Millionen Arbeiterfamilien. Nur der zwölfte Teil von dem, was anderer⸗ seits an Fleisch als unbedingt zur Ernährung erforderlich bezeichnet ist, wird zumeist von den Arbeitern konsumiert. Dagegen ist der durch⸗ schnittliche Kartoffel verbrauch in den Ar⸗ beiterfamilien heute 1¼ Pfund Kartoffeln pro Tag und wird noch mehr steigen, wenn Brot und Fleisch verteuert werden. Dr. Kurella faßt die Folgen der Brotverteuerung dahin zu⸗ sammen: Steigerung des Eiweißmangels in der Ernährung der Arbeiter durch das Sinken des Fleischkonsums, Unmöglichkeit einer Deckung des Eiweißbedarfs durch Mehrproduktion und Verbilligung der Molkereiprodukte, Verringerung des Brotkonsums in gewissen Schichten und stärkerer Konsum von Kartoffeln und minder⸗ wertiger Nahrung. Der neue Zolltarif bedeutet eine bedeutende Einengung der Lebensmöglichkeit und wird seine verhängnisvollsten Wirkungen auf Leben, Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Sittlichkeit ausüben. Als nächste Wirkung der durch Zölle her⸗ vorgerufenen Lebensmittel⸗Preissteigerung und Unterernährung weist Kurella die Steige⸗ rung des Alkoholismus nach. Selbst in einem im Auftrage des preußischen Kultus⸗ ministers von Professor Kircher herausgegebenen Bericht finden sich die Worte:„Eine wirksame Bekämpfung des Alkoholmißbrauches ist ohne wirtschaftliche Hebung der Bevölkerung, ohne Beschaffung guter Nahrung, Kleidung, Wohnung kaum durchzuführen.“ Auch die Thatsache der Steigerung der Eigentumsvergehen durch hohe Lebensmittelpreise weist der Verfasser statistisch und in zahlreichen Urteilen nach. Darunter ist das Bezeichnendste dasjenige des— jetzt agrarischen— Professors v. Mayr:„In der Periode 1835/61 hat so ziemlich jeder Sechser, um den das Getreide im Preis gestiegen ist, auf je 100,000 Einwohner im Gebiete diesseits des Rheins, einen Diebstahl mehr hervorgerufen, während anderseits das Fallen des Getreide⸗ preises um einen Sechser je einen Diebstahl bei der gleichen Zahl von Einwohnern verhütet hat.“ Nicht minder schlimm sind die Folgen für die Volksgesundheit, die Wehrkraft, die Kinder⸗ sterblichkeit. Ganz bedeutend wird die Zahl der Eheschließungen zurückgehen. Dagegen schwillt die Zahl der Auswanderer. In den Jahren hoher Getreidepreise, von 1880 bis 1892, sind rund 1¾ Millionen Deutsche über See gegangen, von denen 54 Prozent Männer waren, darunter der überwiegende Teil in den kräftigsten Arbeits jahren. Alle diese Stimmen auch aus den Kreisen der Männer der Wissenschaft werden aber die Agrarier nicht im geringsten von ihren volks⸗ verderblichen Wucherplänen abhalten, wenn es nicht dem Volk und seinen Vertretern selbst gelingt, den Agrarierübermut die verdiente Niederlage zu bereiten. M. V. politische Rundschau. Gießen, den 30. Januar. Neue Flottenvermehrung in Sicht! Unser Zentralorgan, der„Vorwärts“, war in der Lage, einen Erlaß des Marineamts zu veröffentlichen, wonach dem Reichstage im Winter 1904/05 eine Novelle zum Flottengesetz vorgelegt werden soll, die eine weltere Ver⸗ mehrung der Auslandsschiffe in stch schließt. Im Flottengesetz von 1900 war diese Vermehrung vom Reichstag verweigert worden. Ferner kündigt der Erlaß an, daß die Vorlage eine Steigerung der Indiensthaltung der Schiffe enthalten werde. Man hat nämlich, wie der„Vorwärts“ bemerkt, um die große Flottenvorlage von 1900 nicht zu gefährden, absichtlich und wider besseres Wissen die Volksvertretung über einen wesentlichen Teil der Vorlage im Dunkeln gelassen, indem man ihr die damals schon gehegte Absicht, die Indiensthaltungen entsprechend dem möglichst beschleunigten Ausbau der Schlachtflotte zu steigern, verschwieg. Bei Beratung des Flottengesetzes von 1900 erklärte die Regierung, neue Steuern brauche man nicht zur Ausführung der Flottenpläne. Jetzt, nach erst zwei Jahren, sind die Reichs- finanzverhältnisse schon derart, daß neue Steuern als etwas ganz Selbstverständliches angesehen werden. Der Erlaß, den der Marineminister in der Reichstagskommission für echt erklären mußte, zeigt, was das Volk von der gegen⸗ wärtigen Regierung zu gewärtigen hat. Brot⸗ wucherpolitik, Verteuerung der Lebensmittel, allgemeine Arbeitslosigkeit und dabei soll das Volk noch Riesensummen für unnütze Panzer⸗ kähne aufbringen! Hoffentlich gehen dem Michel endlich die Augen auf! Agrarisch⸗antisemitische Wahlnieder⸗ lagen. Im Reichstags⸗Wahlkreise Schaumburg⸗ Lippe fand am 23. Januar für den ver⸗ storbenen freis. Abg. Müller eine Ersatzwahl statt. Das Ergebnis war folgendes: Es er⸗ hielten Graf Reventlow(antis.⸗kons.) 3016, Architekt Demmig(freis. Volksp.) 3054 und Maschinenmeister Reichenbach(Soz.) 1634 Stimmen. Somit ist Stichwahl zwischen Graf Reventlow und Demmig notwendig. In der Hauptwahl im Jahre 1898 erhielt der Konservative 2367; der Freisinnige 2042; der Sozialdemokrat 1237; der Antisemit 475 Stimmen. In demselben Jahre fand eine Nachwahl statt, bei der für unsere Partei nur 591 Stimmen abgegeben wurden. Diesmal gingen die Konservativen und An⸗ tisemiten zusammen. Sie brachten es gegen⸗ über der letzten Wahl trotz einer wilden Agi⸗ tation bei außerordentlich starker Wahlbeteili⸗ gung nur auf ein Mehr von 263 Stimmen. Dagegen wuchsen die Freisinnigen um 418, während die Sozialdemokraten ihre Stimmenzahl gegen die letzte Nachwahl ver⸗ dreifachten; ein volles Drittel mehr als bei der 98er Hauptwahl eroberten. Das ist ein für die Sozialdemokratie un⸗ gemein glänzendes Ergebuis, um so glänzender, weil der Wahlkreis Bückeburg— beiläufig der kleinste Reichstagswahlkreis in Deutschland— überwiegend ländlich ist.— Und neben dem Fortschritt der Sozialdemokratie bedeutet das Wahlergebnis ein warnendes Menetelel für die Brotwucherer. Die Antisemiten hatten eine riesige Agitation entfaltet. Sämtliche Abge⸗ ordnete der Fraktion Liebermann waren im Kreise anwesend und betrieben die Bearbeitung der Wähler in der ihnen eigenen aufdringlichen und rüdigen Weise. Trotzdem dieses klägliche Resultat! 7 s Eine weitere Ersatzwahl fand am Dienstag in dem 10. sächs. Wahlkreise Döbeln-Roß⸗ wein für den verstorbenen nationalliberale! 1 7 2 1 ———— 222 Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeituns. Nr. 5. Abg. Lehr statt. Bei der letzten Wahl wurden in Hiesem Kreise für unsere Partei 9758 Stim. abgegeben; die Nationalliberalen erhielten 5938, die Konservativen 5406. In der Stichwahl siegte der„Ordnungs“⸗Kandidat mit 11925 St. über unsern Genossen, der nur 10691 erhielt. Wie immer in Sachsen ist auch bei dieser Nachwahl unsern Genossen die Agitation in jeder Weise erschwert. Namentlich das ver⸗ werfliche Mittel der Saalabtreiberei kam unserer Partei gegenüber zur Anwendung. Diese elende Ka mpfesweise rächte sich aber im verflossenen Wa hlkampfe auch an den Gegnern, denen die Wirte vielfach ebenfalls die Säle verweigerten. Und das Ergebnis der Wahl? Ein glänzender Sieg der Sozialdemokratie! Unser Kandidat Genosse Fabrikant Grün berg in Hartha wurde im ersten Wahlgange mit 11781 Stimmen gewählt! Der National⸗ liberale Dr. Vogel erhielt 6116, der Kandidat des Bundes der Landwirte nur 5340 Stimmen. Die Wahl ist ein vernichtendes Urteil der ländlichen Bevölkerung über den Brotwucher, denn der Wahlkreis ist ein fast rein ländlicher. Mit dem Genossen Grünberg zieht der 58. Sozialdemokrat in den Reichstag ein, wenn man das uns sicher wieder zufallende Mandat für Breslau⸗West, wo die Wahl am 20. März stattfindet, mitrechnet. sächsischen Genossen! Und nieder mit dem Junkertum und seinen Nachläufern! Weitere Ersatzwahlen müssen in nächster Zeit stattfinden. Der Agrarier Graf Klinkowström, ein fanatischer Gegner der Sozialdemokratie, ist gestorben. Er vertrat den ostpreußischen Wahlkreis Rastenburg⸗Fried⸗ land, in dem sich bei den letzten Wahlen eine starke Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen gezeigt hat. Während 1893 nur 675 Stimmen für unsere Partei abgegeben wurden, erhielten wir 1898 3263 und es kann möglich sein, daß es diesmal zur Stichwahl kommt.— Ferner hat der konservative Rittergutsbesitzer v. Puttkamer⸗Plauth, Vertreter für El⸗ bing⸗Marienburg, sein Mandat niedergelegt. In diesem Kreise erhielten wir 1898 4473 Stimmen; trotzdem besteht dort für uns nicht die geringste Aussicht auf das Mandat. Die Zolltarif⸗Kommission kommt mit ihren Verhandlungen über das ge⸗ setzgeberische Ungeheuer nur sehr langsam vom Flecke. Man hat bereits ausgerechnet, daß, wenn es so weiter geht wie bisher, die Kom⸗ mission etwa 8— 10 Jahre damit zu thun haben wird. Die Aussichten auf Annahme der Wucher⸗ zölle verschlechtern sich mehr und mehr. Bür⸗ gerliche Organe meinten schon, es könne nicht überraschen, wenn die Regierung erklären würde, daß sie auf die Weiterberatung des Tarifs keinen Wert mehr lege. Hoffen wir, daß das volksfeindliche Gesetz bald in den Orkus ver⸗— schwindet! Fürstliche Noblesse. Wie aus Bayern von einem bürgerlichen Blatte berichtet wird, lassen sich Fürst Taxis und seine Beamten, ferner die Prinzen, sowohl wenn sie in München, als wenn sie auswärts sind, ihren Bedarf an Lebensmitteln, dann Bier, Wein usw., kurz, was man für den Hofhalt braucht, in der Hauptsache per Post schicken, da sie auf der Bahn keine Porto⸗ freiheit haben. Wenn Fürst Taxis in Garats⸗ hausen oder in Schliersee sei, habe die Packet⸗ post Hun derte von Kolli an ihn zu be⸗ fördern— alles gratis. Diese Ausnutzung der Portofreiheit durch einen unermeßlich reichen Mann, so unwürdig sie erscheinen mag, soll uns doch nicht die That⸗ sache vergessen machen, daß andere Fürstlich⸗ keiten in umfangreicher Weise ihr Vorrecht der Portofreiheit für ihre Geschäftsbetriebe aus⸗ nutzen.— Kritik eines Kriegsgerichtsurteils durch das Civilgericht. Rittmeister v. Stietencron in Oberweiler im Elsaß, der im vorigen Jahre Ein Bravo! unsern. den italienischen Arbeiter Fazzi erschossen hatte, vom Militärgericht aber freigesprochen wurde, weil er angeblich in„Notwehr“ gehandelt habe, wurde später vom Landgerichte in Zabern ver⸗ urteilt, an die Mutter und den Großvater des erschossenen Arbeiters bis zu ihrem Tode eine Rente von je 30 Mk. vierteljqährlich zu zahlen. Das Urteil des Zivilgerichts erregte deshalb Aufsehen, weil es im direkten Gegensatze zu dem Erkenntnisse des Militärgerichts steht. Jetzt liegt das Urteil im Wortlaute vor. Seine Begründung wollen wir in den entscheiden⸗ den Stellen wiedergeben. Es heißt da: „Es geht aus dem kriegsgerichtlichen Er⸗ kenntnisse und den ihm zu Grunde liegenden Zeugenaussagen mit Sicherheit hervor, daß Stietencron den tötlichen Schuß auf Fazzi abgegeben hat, als dieser ihn mit erhobener Schippe bedrohte, daß also Herr v. Stieten⸗ cron lediglich, um sich gegen einen Angriff Fazzis zu verteidigen, diesen getötet hat. Zugleich aber kann es nach demselben Urteile einem Zweifel nicht unterliegen, daß die Tötung Fazzis zur Abwendung des fraglichen Angriffs nicht erforderlich war. Stietencron stand zwar kein anderes Verteidigungsmittel zur Verfügung, als seine Flinte. Aber er durfte nach den Grundsätzen des bürgerlichen Rechts diese nicht als Schuß⸗ waffe benutzen. Zur Tötung Fazzis aber lag kein genügender Anlaß vor, zumal da die übrigen Arbeiter sich durchaus ruhig verhielten und keine Miene machten, Fazzi zu unterstützen. Herr von Stietencron hat sonach infahrlässiger Ueberschreitung der Notwehr den Italiener Joseph Fazzi getötet und ist daher verpflichtet, der Mutter sowie dem Großvater Fazzis Schadenersatz und zwar durch Entrichtung einer Geldrente zu leisten.“ Den Thatbestand selbst konnte das Civil⸗ gericht nicht nachprüfen, es blieb deshalb auch unaufgeklärt, wie der Baron den Arbeiter „aus Notwehr“ in den Rücken schießen konnte. Doch kommt das Gericht schon auf Grund der Militärgerichtsalten zu der Ueber⸗ zeugung, daß Stietencron die Notwehr über⸗ schritten, mit andern Worten: eben nicht in Notwehr gehandelt habe. Dieselbe Auffassung kam auch in der oppositionellen Presse gegen⸗ über dem Urteile des Kriegsgericht in dem Falle Stietenceron zum Ausdruck. Die Begründung bedeutet eine scharfe Kritik gelehrter Richter nicht blos an dem kriegsgerichtlichen Urteile sondern auch an der ganzen Militärjustiz! Soziales. Eine„Not!-Hochzeit. Welche Not unter den größeren Landwirten bisweilen herrscht, dafür ist eine Hochzeitsfeier charakteristisch, die in dem Koburgischen Dorfe Meeder in der vorigen Woche stattfand. Die armselige Hochzeit währte eine volle Woche. Drei Tage konzertierte die Hildburghäuser Militärkapelle. Geschlachtet wurden 1 Kuh, 8 Schweine, un⸗ zählige Gänse und Hasen. Ueber 300 Kuchen wurden gebacken. Auch an Fischen und allen möglichen Delikatessen fehlte es nicht. Kein Zweifel, daß Leuten, die so schäbige Hochzeit feiern müssen, durch höhere Zölle auf⸗ geholfen werden muß. Das sind wahrhaft rausige Zustände. Das ist der wahre Not⸗ 155 der— so versichert Graf Posadowsky— ei den Arbeitern nicht existirt! Eine Niederlage erlitten unsere Genossen in Roubaix(Frank⸗ reich) bei den kürzlich dort stattgefundenen Ge⸗ meinderatswahlen. Bisher waren sie in der Mehrheit im Gemeinderat, jetzt sind nur 7 ge⸗ wählt, während die Gegner 23 Sitze eroberten. Die Wahl hatte sich deshalb nötig gemacht, weil unsere Genossen ihre Mandate niedergelegt hatten, als ihrem Antrage auf Einführung er⸗ höhter direkter Steuern für Besserbemittelte an Stelle der städtischen Verbrauchssteuern nicht stattgegeben wurde. —— Deutscher Reichstag. Bei der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern, die am Mittwoch begann, giebts all⸗ jährlich eine sozialpolitische Debatte. Am Donnerstag nahm unser Genosse Rich. Fischer (Berlin) Gelegenheit, in einer großen Rede die bis⸗ herigen, so mageren Ergebnisse der Sozialreform einer vernichtenden Kritik zu unterwerfen. Unser Redner be⸗ gann mit dem Hinweis, daß selbst den bürgerlichen Sozialpolitikern das Tempo der Sozialpolitik zu langsam erscheine, noch nie habe Kaplan Hitze so resigniert ge⸗ sprochen, wie in diesem Jahre. Aber gerade das Zentrum treffe die Hauptschuld, wenn es nicht rascher vorwärts ginge: würde es denselben Eifer wie beim Zolltarif entfalten, dann wären wir weiter. Mit Nachdruck be⸗ tonte Fischer den grundsätzlichen Unterschied, der uns in der Beurteilung der Sozialpolitik vom Zentrum trennt. Wir halten gerade die Zeit der geschäftlichen Krisis für geeignet, weitere energische Schritte für den Arbeiterschutz zu thun, denn die Folgen der industriellen Krisis fallen ja zunächst auf die Schultern der Arbeiter. Eingehend untersuchte Fischer die„Leistungen“ der Sozialreform seit 1869. Das Ergebnis war: es ist nur sehr wenig geschehen. Nach den Posaunenstößen der Botschaft von 1891 ist der Stillstand gekommen und nur zwei Male ragen empor: Die Zuchthausvor⸗ lage und die 12000 Mark-⸗Affaire. Dann nahm er sich die Person des Handelsministers Möller vor und wies aus einer Reihe von Aeußerungen aus dessen parlamentarischer Zeit nach, daß man in ihm einen konsequenten Hasser und Verfolger der Arbeiterorgani⸗ sationen und den Vertrauensmann des Zentralverbandes sehen müsse. Mit großer Schärfe griff er nochmals auf die 12000 Mark⸗Affaire zurück, die durch die Ver⸗ öffentlichungen der bürgerlichen Presse, wonach Woedtke nur als Opferlamm für Posadowsky geschlachtet worden ist, in ein neues Licht gerückt ist. Am Schluß seiner Aus führungen erklärte er, daß die Sozialdemokratie nicht erlahmen würde, eifrig an der Ausgestaltung der Sozial⸗ reform weiter zu arbeiten. Die Antwort des Grafen Posadowsky war merk⸗ würdig ruhig. Sie begann mit der Versicherung, daß er in den Sozialdemokraten Arbeiter⸗Vertreter erblicke, und mit der Bitte, sein Wirken doch objektiv beurteilen zu wollen. Den Gewerbe⸗Inspektoren sei nicht verboten worden, über die milden Bestrafungen der Unternehmer oder Verstöße gegen die Schutzbestimmungen nicht mehr zu berichten, sie seien vielmehr angewiesen worden, in jedem einzelnen Fall sofort der vorgesetzten Behörde Bericht zu erstatten. Wenn in den Berichten die An⸗ gaben über die Ernährungsverhältnisse der Arbeiter künftig fortbleiben sollten, so sollten diese Angaben doch zu einem wissenschaftlichen Bericht zusammengestellt und dem Reichstag überwiesen werden. Bei den Streiks sollten alle Parteien, Arbeiter und Unternehmer und nicht mehr die Polizei gehört werden. Auch Herrn Möller soll nicht jede Aeußerung angerechnet werden, die er als Parlamentarier gethan hat. Die Rede war charakteristisch durch das, was sie nicht sagte. Graf Posadowsky wagte auch nicht mit einem Worte auf die 12000 Mark⸗Affatre einzugehen.— Die übrigen Reden waren von keiner großen Bedeutung.— Am Freitag setzten sich die sozialpolitischen Er⸗ örterungen fort. Der Zentrumsmann Schwarze suchte die Sozialpolitik seiner Partei zu verteidigen, die doch immer nur im Nachgeben besteht, wenn es sich um Arbeiterfragen handelt. Ein bayrischer Ministerialrat erklärte auf eine Anregung des Zentrumsredners, daß seine Regierung die Gemeinden angewiesen habe, eine Baukontrolle durch Arbeiter vornehmen zu lassen. Der dicke Agarierführer Oertel suchte der Sozialdemo⸗ kratie am Zeuge zu flicken, indem er zum soundsovielten Male von der schlechten Behandlung der Lagerhalter in den Konsumvereinen fabelte. Und wieder gab er seinem Jammer über die Bäckereiverordnung lauten Aus⸗ druck. Im Namen einer gesunden Heimatspolitik ver⸗ langte er die Beschneidung der„Auswüchse“ der Frei⸗ zügigkeit. Nachdem Handelsminister Möller sich gegen die Angriffe Fischers zu verteidigen gesucht hatte, kam unser Genosse Wurm zem Wort. Dieser rechnete in vortrefflicher Weise mit unseren Gegnern ab. Den Grafen Posadowsky fragte er, weshalb er denn seinen geheimen Erlaß nicht veröffentliche, wenn es sich nicht um einen Maulkorb handele. Einer treffenden Kritik unterzog er das Versteckspiel, das an den verantwort⸗ lichen Ministerstellen jetzt üblich wird. Die Staats⸗ sekretäre sind nicht verantwortlich, der Bundesrat ist nicht verantwortlich, die Minister der Einzelstaaten sind nicht verantwortlich; dann bleiben nur noch die Fürsten übrig, die von ihren Dienern preisgegeben werden. In einzelnen gab unser Redner wertvolle Anregungen für gewerblichen Gesundheitsschuß. Bon unseren Genossen ist eine Resolution eingebracht, die den Reichskanzler ersucht, die Gründung eines internationalen Arbeitsamtes durch Verhand⸗ — — ͤwl— H.—— — * 1 Giaf Posad 1 5 Amguräglie Eunntagkarbelt in mnulindigen sch e Den ernten R Helelkit. Zuers Mulhausen im Elf ble Sofioldemoltat hann eine neue k Es ist ein Herr v Seit 1898 blüht voll er, wie er, gag, ine Milttät Reichstag zu kom ein berühmter Me und Sozialdemokt aus Kleln⸗Tschirne war ein Nachttof Hallo im Reichste Aunle ermunterte neuen Krastleistu Gumbinner Rest Genugthuung. 9 Dr. Arendt, v. Massow mit Kalns⸗ Zeichen pt geschwungenen Na Diendt ag b kuterpelaton wet Aushebt 1 in 0 schlosen, der Bi Begründer det Neschstangler, w endlich geben we die Antwort des Auzsicht. Fir desen Gillärung daß Zentrum we Llasem is um Auinahm⸗est ben Tage wn 15 ech des feats pre — Ii Verrätt Mater ch dad lan iu reg dal 10 m Jahre de Eilaubnie fi Er land e an Steff ie Ane Vibonel 6 11.. —. . deln n, giebtz all. te. 10 Fischer „ede die diz, dalteform eher nser Rebher 5 den diigelsgen litt iu angan o uesgnien ge, be dar gettin 258 borwärtz 5 eim olltari 0 hn. sched, der un um gentrum der geshäftlchen Schritte für den der industrellen ern der Arbittet daun de is war:(8 st Poscunenstößen tand gekommen ie Zuchthausbor, ann nahm er Möller vor und ngen aus bessen i in ihm einen r Abelterorgani⸗ Zentralberbandez tiff er nochmals ie durch die Ver⸗ wonach Woedtke eschlachtet worden Im Schluß seiner aldemokratie nicht tung der Sozial⸗ wöky war merk⸗ Versicherung, daß Vertreter erblick, objektib beurtellen sei nicht betboten der Unternehmer ungen nicht meht wiesen worden, in tgesczten Behörde Berichten die An⸗ isse der Atbetter lese Angaben doch ammengestellt und Bei den Streilz Uuterrehmer und en. Auth Hern gerechnet werden, . Die Rebe war icht sagte. Guuf em Worte auf de Die förten ehen zabholtischen Err ialpol uc Nr. 5. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Seite 8. lungen mit den Regierungen der Industriestaaten her⸗ beizuführen. Mit Lamentationen über die angebliche mangelhafte Durchführung des Fleischbeschaugesetzes leitete der Vor⸗ sitzende des Bundes der Landwirte, Rö icke, die Debatte über denselben Etatstitel am Samstag ein. Schon daß die sächsische Regierung angesichts der außerordentlich hohen Schweinefleischpreise in Sachsen die Oeffnung der sächsisch⸗österreichischen Grenze für die Schweineeinfuhr „in Erwägung gezogen“ hat, verursacht den Agrariern Beklemmungen. Hierüber beruhigte der sächsische Bundes⸗ ratsbevollmächtigte den Bündler, die beabsichtigte Maß⸗ regel würde von dem Reichskanzler aus verhindert. Eine Rede unseres Genossen Horn⸗Sachsen führte die Debatte in das eigentliche sozialpolitische Gleis zurück. Als früherer Glasarbeiter kennt Horn die Mißstände in den Glasfabriken sehr genau. In seinen Ausführungen charakteristerte er die geheimen Kräfte der aller Sozial⸗ politik widerstrebenden Rückständigke it, tadelte das Hin⸗ ausschieben der Zinkhüttenverordnung und verlangte Beseitigung der Mißstände im Gewerbeinspektionswesen. Eingehend beleuchtete er die Uebelstände in der Glas⸗ industrie, gestützt auf so beweiskräftiges Material, daß selbst Graf Posadowsky wenigstens für die besonders krassen Unzuträglichkeiten, die auf dem Gebiete der Sonntagsarbeit in den Glasfabriken herrschen, Abhilfe anzukündigen sich genötigt sah. Den ernsten Reden folgte eine Stunde ungetrübter Heiterkeit. Zuerst war es Herr Schlumberger aus Mülhausen im Elsaß, der in seiner zappeligen Art gegen die Sozialdemokratie polemisierte. Ganz unerwartet trat dann eine neue komische Kraft ersten Ranges hervor. Es ist ein Herr v. Massow, gewesener Ulanenoberst. Seit 1898 blüht er als Veilchen im Verborgenen, ob⸗ wohl er, wie er selbst im parlamentarischen Handbuch sagt, seine Militärkarriere aufgegeben hat, um in den Reichstag zu kommen. Mit einem Schlage ist er heute ein berühmter Mann geworden. Er weiß von Juden und Sozialdemokraten zu sprechen, daß Graf Pückler aus Klein⸗Tschirne vor Neid bersten muß. Jeder Satz war ein Nachttopf— und kein leerer. Es gab ein Hallo im Reichstag, wie schon seit langem nicht. Die Linke ermunterte durch ihren Jubel den Redner zu immer neuen Kraftleistungen, und die Rechte begrüßte seine Gumbinner Reitstall⸗Ausdrücke mit verständnisinniger Genugthuung. Nur ein Mann auf der Rechten, Herr Dr. Arendt, machte ein merkwürdiges Gesicht, als v. Massow mit einem Seitenblick auf ihn von dem Kains⸗Zeichen sprach, das Jahrtausende nicht von den geschwungenen Nasen abgewaschen haben. Dienstag beschäftigte den Reichstag eine Zentrums⸗ interpellation wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes. Diese hat der Reichstag bereits vor drei Jahren be⸗ schlossen, der Bundesrat rührte sich aber nicht. Der Begründer der Interpellation, Spahn, fragte den Reichskanzler, wann der Bundesrat denn die Antwort endlich geben werde. Posadowsky antwortete und stellte die Antwort des Bundesrats noch in dieser Sesston in Aussicht. Für die Sozialdemokratie sprach Blos, dessen Erklärung reich an humoristischen Spitzen gegen das Zentrum war. Außer dem Zentrum, Polen und Elsässern ist nur noch unsere Partei für Aufhebung des Ausnahme⸗Gesetzes gegen Jesuiten eingetreten.— Am selben Tage wurde dann mit der Generaldebatte über das Gehalt des Staatssekretärs des Innern fortgesetzt. Unsererseits sprach hierzu noch Stolle⸗-Sachsen. Krieg in Südafrika. Verräter unter den Buren? Das Reuter'sche Telegraphen⸗Bureau verbreitete fol⸗ gende Nachricht: Von dem Wunsche geleitet, den Krieg bald beendet zu sehen, erbat General Vilonel, welcher Wyn burg befehligte und sich im Jahre 1900 ergab, von Lord Kitchener die Erlaubnis, ein Korps von 1500 Burghers für England anwerben zu dürfen. Kitchener gab die Genehmigung, und Vilonel schrieb dar⸗ auf an Steijn, da er hartnäckig darauf bestehe, den Verzweiflungskampf fortzusetzen, werde jetzt der Bürgerkrieg im Oranjefreistaat beginnen. Vilonel ist gegenwärtig mit der Anwerbung von Burghers beschäftigt. Es scheint, daß er die erforderlichen Mannschaften zusammenbringt. Daß aber die Buren keineswegs kriegs⸗ müde sind, geht aus Berichten von anderer Seite hervor. Wie aus der Umgebung Krügers mitgeteilt wird, hat Kitchener mit den im Felde befindlichen Buren wegen einer Ei n⸗ stellung der Feindseligkeiten zu unter⸗ handeln versucht. Sämtliche Burenführer er⸗ klärten, der Preis für diese und den Abschluß eines Friedens sei die absolute Unabhängig⸗ keit. Besonders Delarey erklärte, daß er und seine Leute bis zum letzten Mann kämpfen würden, wenn überhaupt, so würde er sich nur bedingungslos ergeben, da die Engländer ihr Wort ja doch nicht hielten. Endlich Aussicht auf Frieden? Zum ersten Male seit den 2½¼ Jahren des furchtbaren Bruderkrieges in Südafrika taucht jetzt eine ernstliche, wenn auch noch ferne Hoff⸗ nung auf Frieden am Horizont auf. Im englischen Unterhause teilte der erste Lord des Schatzes, Balfour, mit, die hol län⸗ dische Regierung habe der englischen Regierung Friedensvorschläge zur Beendigung des süd⸗ afrikanischen Krieges unterbreitet. Die englische b werde die Vorschläge in Erwägung ziehen. Die Friedensschalmeien lassen sich allerdings nur noch recht zaghaft vernehmen. Der hol⸗ ländische Minister Dr. Kuyper erklärte, er habe der englischen Regierung keine Friedens⸗ vorschläge gemacht, er habe nur die englische Regierung auf die unberechenbaren und unheil⸗ vollen Folgen aufmerksam gemacht, welchen England entgegengehe, falls der Krieg sich ver⸗ längern würde, indem die Buren in der Lage seien, ihn ins unendliche zu ziehen. Arbeiterbewegung. . Holzarbeiter. In einer Anzahl Möbelfabriken von Höchst a. M. werden Lohnreduzierungen und Verschärfungen von Bestimmungen der Arbeitsordnungen ange⸗ kündigt; auch drohen in einzelnen Betrieben Differenzen auszubrechen. Es gewinnt fast den Anschein, als hätten sich die Herren Möbel⸗ fabrikanten zusammengeschlossen, um die Arbeiter in der gegenwärtigen Krise mürbe zu machen. Der Zuzug von Schreinern, Maschinenarbeitern und Drechslern ist strengstens fernzuhalten. Die Tarifeinführung der Deut⸗ schen Buchdrucker ist im Großen und Ganzen ziemlich glatt von Statten gegangen. Doch will ein Teil der Unternehmer nicht die von den Kreisämtern festgesetzten Lokalzuschläge be⸗ zahlen, ein anderer hat an der neuen Lohnskala selbst Aussetzungen zu machen. Mit diesen Reklamationen soll sich die Tarifkommission befassen, welche diesen Samstag in Berlin zu⸗ sammentritt. Ihrer Entscheidung will sich der größere Teil der Reklamanten unterwerfen. Ton Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiden. Hessisches. Die Notwendigkeit einer Entschä⸗ digung unschuldig Verhafteter, eine Forderung, mit der sich der hessische Landtag bereits auf Grund eines sozialdemokratischen Antrags beschäftigte, aber bei der Regierung auf Widerstand stieß, wird wieder einmal aufs krasseste illustriert durch folgendes Vorkommuis: Der Schachtmeister Kümmel von Bleichen⸗ bach kam durch boshaftes und leichtfertiges Gerede in den Verdacht, er habe Lohnbeträge, die er an ihm unterstellte Arbeiter auszuzahlen hatte, einbehalten und die Einträge gefälscht. Deshalb wurde er verhaftet, sechs Wochen lang gefangen gehalten und dann, da kein Zeuge etwas gegen ihn ernstlich Belastendes aussagen konnte, freigelassen. Der Mann ist also sechs Wochen seiner Freiheit beraubt ge— wesen, er ist infolge der Aufregungen erkrankt und hat daher auch keine neue Stellung erhalten. Aber auf eine Entschädigung für die ihm wider⸗ fahrene Unbill muß der Mann vergeblich warten. Entschädigung gibt's eben in solchen Fällen nicht!— Wie lange wird es dauern, bis end⸗ lich diese sich immer wiederholenden Vorkomm⸗ nisse die Gesetzgeber erweichen und die Ein⸗ bringung eines Entschädigungsgesetzes veran⸗ lassen?— a Die Zweite Kammer wird am 18. Febr. zu einer kürzeren Tagung zusammentreten. Hauptgegenstand der Beratung bildet der Lotterie⸗Staatsvertrag mit Oldenburg, der be⸗ reits der ersten Kammer vorgelegen hat. Ende Februar soll sodann die zweite Kammer zur mehrwöchigen Tagung einberufen werden, um das Budget und sonstige dringliche Beratungs- gegenstände zu erledigen. In einigen Blättern taucht die Nachricht auf, daß der Finanzaus⸗ schuß am neuen Etat soviel Abstriche gemacht habe, um eine Steuererhöhung vermeiden zu könen. Das stimmt nicht ganz, denn es wird, wie das Offenbacher Abendblatt erfährt, auch bei den weitgehendsten Abstrichen immer noch ein zu deckender Restbetrag übrig bleiben, sodaß eine Steuererhöhung notwendig werden dürfte. Hoffentlich stimmt dann das Plenum der Kammer dem Regierungsvorschlag zu, den Fehl⸗ betrag durch eine entsprechende Erhöhung der Vermögenssteuer einzubringen.— Der Zweiten Kammer gingen ferner zwei Gesetzentwürfe zu, welche die Besoldun⸗ gen der Gendarmen und die Poltzeikosten sowie die Disziplinarverhältnisse der Gendarmen betreffen. Weiter hat die Staatsanwaltschaft Mainz beantragt, die Kammer möge die Genehmigung erteilen, daß ein von ihr gegen den Abg. Ph. Haas(Mainz) erlassener Vorführungsbefehl vollstreckt werden könne. Unser Genosse hat sich nämlich Anklage wegen Beleidigung der Hunnenkrieger zugezogen. Natürlich wird die Kammer die Genehmigung versagen. Gießener Angelegenheiten. — Zum Genossenschaftswesen. Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: Die Konsum vereine, die früher von Seiten der sozialdemokratischen Arbeiter vielfach als eine untergeordnete Sache behandelt wurden, haben sich in der letzten Zeit recht erfreulich und in früher nie geahnter Weise entwickelt. Bekannt ist, daß seit wenigen Jahren in Hamburg eine „Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumver⸗ eine“ besteht, welche den Konsumvereinen die Waren in bester Qualität zu den Tages-Grosso⸗ Preisen liefert und ihnen so die Vorteile des Großeinkaufs auch bei kleineren Mengen zuwendet. Diese Organisation hat einen sehr bedeutenden Umsatz; er betrug im letzten Jahre 14½ Millionen Mk.— Aber auch einzelne lokale Konsumvereine haben sich zu großer Blüte entwickelt. So macht Paul Göhre in der„Zukunft“ über den Konsum verein Leipzig-Plagwitz einige Angaben, wobei auch die mustergiltigen Einrichtungen der großen Bäckerei des Vereins geschildert werden. Dabei wird die für gewisse Scharfmacher schreckliche Thatsache mitgeteilt, daß im vorigen Jahre mehrere Bäckermeister der königlich sächsi⸗ schen Militärbäckereien die Einrichtungen dieser Bäckerei eingehend studiert haben, um deren Erfahrungen bei Neuanlagen zu verwerten. Der Konsumverein„Vorwärts“ in Dresden steht ebenfalls im Begriff, eine große, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Bäckerei zu errichten. a In unserer Gegend stehen die Konsumvereine noch in den Anfängen ihrer Entwickelung. Trotzdem zeigen sich auch hier schon gar nicht unbedeutende Fortschritte. So hat der Eisen⸗ bahn⸗Konsumverein Gießen nach seinem Jahresberichte recht gut abgeschlossen. Er ver⸗ zeichnete für die ersten 5 Monate seines Be⸗ stehens einen Reingewinn von 2226 Mk., der ihm ermöglichte, seinen Mitgliedern eine Waren⸗ Dividende von 6 Prozent zu gewähren, außer⸗ dem werden die voll eingezahlten Geschäfts— anteile mit 4 Prozent verzinst. Die Mitglieder⸗ zahl des Vereins ist im stetigen Wachsen be⸗ griffen. Auch der„Konsum verein für Gießen und Umgegend“, zu dessen Grün⸗ dung das Gewerkschaftskartell seiner Zeit die Anregung gab, entwickelt sich in ganz erfreulicher Weise. Es könnte allerdings noch besser sein. Namentlich sollten die Arbeiter bedenken, daß je größer die Zahl der Mitglieder einer Ge⸗ nossenschaft ist, desto mehr Vorteile sie dem Einzelnen gewähren kann. Drum sollten sie zunächst selbst beitreten, dann auch ihre Freunde zum Beitritt auffordern. Bei der immerwäh⸗ renden Verteuerung der Lebensmittel, die wo möglich durch Herabsetzung der Löhne noch ä* R ———. eee eee e 7 2 — Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. . Nr. 5. 1 verschärft wird, muß jeder Familienvater dafür 5 sorgen, daß seine Lebenshaltung nicht noch mehr 121 herabgedrückt wird. Er kann das, indem er dem Konsumverein beitritt. ö— Eine öffentl. Metallarbeiter⸗ 1 Versammlung tagte Mittwoch Abend auf „ Lonys Bierkeller. Gen. Ehrler aus Frank⸗ furt sprach über:„Die Arbeitslosigkeit, ihre Ursache und Wirkung“. Leider war die Ver 140 sammlung nur mäßig besucht. Der Redner 11 wies in seinen Ausführungen auf die gegen⸗ 1 wärtige, durch die planlose Produktionsweise der kapltalistischen Gesellschaftsordnung hervor⸗ gerufene Arbeitslosigkeit hin, welche die Lebens⸗ haltung der Arbeiter noch schlechter gestalte. Ver⸗ 1 besserung sei nur durch die Organisation mög⸗ lich, an die sich anzuschließen dringend auf⸗ ö gefordert wurde. f— Detaillisten⸗Verein und Orts⸗ krankenkasse. Wie wir in vorletzter Nummer 100 mitteilten, hat der Magistrat ein Ortsstatut 10 erlassen, das die Krankenversicherungspflicht auf Handlungsgehilfen und Heimarbeiter ausdehnt. 9 Verschiedenen kleinbürgerlichen Kreisen, besonders 4 dem Detaillisten⸗Verein, paßt es nun gar nicht, 1 daß die Handlungsgehilfen Mitglieder der Orts⸗ 1 kasse werden sollen. Letzterer sind gewisse klein⸗ bürgerliche Kreise nicht besonders grün; einen vernünftigen Grund für ihre Antipathie können sie allerdings nicht angeben. Kurz, um die Handlungsgehilfen vor der Ortskrankenkassen⸗ Mitgliedschaft zu bewahren, wollte man eine Krankenkasse für Kaufleute gründen. Der vor h Kurzem von der Stadtverordneten⸗Versammlung 5 gebildete sozialpolitische Ausschuß sprach 5 sich aber dagegen aus, daß hierzu die Geneh⸗ migung erteilt werde; ebenso gegen die Er⸗ richtung einer Bäckerinnungskrankenkasse. Den Beschlüssen des Ausschusses trat die Stadt⸗ verordneten-Versammlung in ihrer Sitzung am letzten Donnerstag nach ziemlich l lebhafter Debatte bei.— In sachlich nicht be⸗ 1 reitbaren Ausführungen legte Beigeordneter Wolff dar, daß eine derartige Zersplitterung nur Kachteile für die Versicherten brächte und Vorteile sich nicht nachweisen ließen. Die Herren Heichelhe im, Kirch, Löber, Wal⸗ lenfels, Georgi, Petri, welche die Son⸗ derbündelei empfehlen, bewiesen klar und deut⸗ lich, daß Gründe, manchmal recht eigenartiger Art, die mit der Krankenversicherung nichts zu thun haben, ihr Handeln bestimmten.„Die größte Kühnheit bewies jedoch Herr Pirr, welcher die Zersplitterungsbestrebungen mit dem Hinweis auf die prächtige Innungskrankenkasse der Metzger unterstützte. Das bekam ihm nicht gut; Herr Beigeordneter Wolff verglich die Leistungen der Ortskrankenkasse mit denjenigen der Metzgerkasse und man muß bewundern, daß die Metzgergesellen sich nicht längst gegen solche minimale Leistungen auflehnen. Der Beitrags⸗ unterschied von 1 Prozent rechtfertigte noch nicht ein Mal die minderen Leistungen. Auch die Herren Gaffky, Emmelius, Bürger⸗ meister Mecum, Krumm, sowie Herr Han au standen entschieden auf Seiten der Zentra⸗ lisation der Krankenkassen. Zwischen den Freunden und Gegnern der Anträge kam es noch zu manchen interessanten Auseinander⸗ setzungen, bei welchen Herr Löber, getreu seiner Gewohnheit, die ihm mangelnde. Sach⸗ und Gesetzeskunde durch allerlei unbewiesene Behauptungen zu ersetzen suchte. Die für die Zentralisation von Herrn Dr. Gutfleisch gehaltene Rede müssen wir be⸗ sonders würdigen. Die Schuld für die Ab⸗ sonderungsversuche fand er größtenteils in dem ö Verhalten der„sozialdemokratischen Leitung“ der Ortskrankenkasse, namentlich in den Strei⸗ tigkeiten der letzten Jahre. Krumm erwiderte, daß auch ih m diese Differenzen peinlich gewesen seien. Aber die Schuld liege auf beiden Seiten; jetzt sei das Zusammenarbeiten ein ersprießliches und nützliches, wie Kollege Hanau ausdrücklich erklärt habe. Wir wollen beste Fürsorge für die Kranken und die Gegner der gemeinsamen Ortskrankenkassen werden den Beweis nicht erbringen können, daß sie Be⸗ 8 W 222 dieser Sitzung zur Sprache. Obwohl früher gesagt wurde, daß sich in Gießen die Arbeits⸗ losigkeit weniger fühlbar mache, haben sich doch ziemlich viel Arbeiter zu den Notstandsarbeiten gemeldet, so daß die Stadt für weitere Arbeit sorgen mußte. Bei Besprechung dieses Gegen⸗ standes meint Herr Bäckermeister Löber, daß für diese Arbeiter die Bezahlung mit täglich 2 Mk. zu hoch set. Wirklich ein forgsamer Stadtvater! Mit Recht sagte ihm Stadtver⸗ ordneter Orbig, er wünsche ihm, daß er nur 5 85 14 Tage lang mit 2 Mk. täglich leben müsse. — An die gesamte Tabak⸗ arbeiterschaft Deutschlands richtet die Kommission der Berliner Tabakarbeiter, einen energischen Aufruf. Es heißt darin: In der Reichstagsfitzung vom 8. Jan. d. J. äußerte Reichsschatzsekretär v. Thiel⸗ mann bei Gelegenheit seiner Etatsrede: „Wenn der wirtschaftliche Niedergang anhält und der Rückgang der Einnahmen sich weiter fortsetzt, so werden Sie nicht um⸗ hin können, neue Einnahmequellen zu be⸗ willigen, nicht aber solche wie den Börsen⸗ stempel, sondern Einnahmen, die wirklich zu Buch schlagen, und da stehen an erster Stelle die Worte: Bier und Tabak“. i Mit dieser Ankündigung des Schatzsekretärs ist die kurze Ruhe, welche der Tabakindustrie seitens der Reichsregierung vergönnt war, aufs Neue in Frage gestellt und neue unendlich schwere Kämpfe stehen uns bevor. Seit ca. 35 Jahren sind der Tabakindustrie seitens der Regierung nur kurze Ruhepausen vergönnt worden. Wie unendlich schwer die Industrie hierunter gelitten hat, beweist der gegenwärtige Stand derselben; es ist Thatsache, daß die Tabakarbeiter zu den schlechtgelohntesten der ganzen Industriearbeiter gezählt werden müssen. Durch Erhöhung der Steuer würden selbst⸗ verständlich die Löhne noch weiter herabgedrückt. Deshalb müsse sich die Tabakarbeiterschaft Deutschlands zum Kampfe aufraffen.„Kol⸗ legen und Kolleginnen, organisiert diefen Kampf in folgender Weise: Beruft allerorts, wo Tabakindustrie betrieben wird, öffentliche Tabakarbeiter⸗Versammlungen ein, wählt dort Kommisstonen, die jederzeit des Rufes gegenwärtig sein, ebenso auch jetzt schon in ihren Kreisen anregend und aufklärend zu wirken und gleichzeitig auch die Frage zu er⸗ örtern, auf welche Weise Geldmittel, wenn solche notwendig werden sollten, beschafft werden können. Wir fordern von Euch, daß Ihr schleunigst mit der Einberufung von öffent⸗ lichen Tabakarbeiter⸗Versammlungen beginnen möget, denn nur mit in solchen Versammlungen gewählten Kommissionen können wir in Ver⸗ bindung treten. Alle in der Folgezeit sich als notwendig erachtenden Schritte werden Euch rechtzeitig von uns bekannt gegeben werden.“ Die hiesigen Tabakarbeiter sollten sich diesen Aufruf zu Herzen nehmen. Aus dem Rreise gießen. m. Eine Kleinkinderschule in Heuchelheim zu gründen, daran arbeitet der Verein„Jugendfreund“ schon seit etwa 10 Jahren. Bisher konnten aber die Mittel zur Erbauung einer solchen noch nicht zusammen⸗ gebracht werden. Drum betrieb man in letzter Zeit die Sache mit Hochdruck; Lehrer, Pfarrer und andere„Honoratioren“ des Orts gingen in eigener Person von Haus zu Haus und sammelten Beiträge für das Werk. Und das hilft. Denn so Mancher, der sonst keinen Pfennig dafür herausgerückt hätte, zeigt sich diesen Herren gegenüber weniger spröde und zieht, wenn auch widerwillig, die Börse. Uebrigens sind viele Einwohner der Meinung, daß die Anschaffung eines Leichenwagens weit notwendiger wäre, als eine Kleinkinderschule, von der man für später Lasten für die Gemeinde fürchtet.— Gegen ein solches Institut wäre schließlich nichts einzuwenden, wenn es von modernen Gesichtspunkten aus geleitet wird und allen Anforderungen in Bezug auf Gesundheits⸗ pflege entspricht. Hier aber hat man mehr Kinder vermuckert werden sollen. Das und die Art der Kollektierung hat den Unwillen eines großen Teils der Einwohnerschaft hervor⸗ gerufen. 5 7 5 Der Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Steinberg veranstaltet wie aus dem In⸗ seratenteil ersichtlich, diesen Sonntag eine Abendunterhaltung im Lokale„zum grünen Baum“. Voraussichtlich wird bei dieser Gelegenheit unser Freund Krumm einen Vor⸗ trag halten. Mögen sich die Steinberger Ge⸗ nossen recht zahlreich beteiligen! reis Alsfesd⸗Cauterbach. Von der Bindewald'schen Versamm⸗ lung in Alsfeld am 12. Jan. haben wir noch einiges nachzutragen. Auf die von den an⸗ wesenden Arbeitern mit Beifall aufgenommenen Ausführungen Vetters“ antwortete Herr Binde⸗ wald zunächst mit der bekannten Redensart, „daß der Vorredner seine(B's.) Ausführungen nicht habe widerlegen können“. Die gegen Er⸗ höhung der Zölle vorgebrachten Gründe beruh⸗ ten auf Unkenntnis der landwirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse. Das ist auch ein allgemein von den Zöllnern gebrauchtes Schlagwort. Merkwürdig! Da wirft irgend ein Schriftsetzer, Maler oder Architekt einem Zollgegner vor, er verstünde nichts von der Landwirtschaft! Soviel doch sicher, wie die Herren, die sich mit der land⸗ wirtschaftlichen Sachkenntnis brüsten. Und wirklich, Herr Bindewald hat gar keine Ursache dazu. Wer behauptet, daß der Arheiter, der sich ein Schwein mästet, Vorteile von den Zöllen hat, der soll sich mit seiner Kenntnis der Ver⸗ hältnisse begraben lassen. Schrecklich malte Herr Bindewald die Folgen einer etwaigen Aufhebung der Industriezölle aus. Dann wür⸗ geworfen. Wie kommt es aber dann, daß sein Parteifreund Köhler dafür eintritt und auch der Bund der Landwirte durch verschiedene seiner Mitglieder 2. Nicht übel war auch das Loblied, das Herr B. der heutigen Recht⸗ sprechung sang. Die„Unparteilichkeit“ der⸗ selben sei über alles erhaben! Herr Bindewald scheint von den unerhörten Urteilen gegen Ar⸗ beiter und der milden Bestrafung der Duelle nichts gehört zu haben. Und Stietencron!“ Freispruch, obwohl Mord vorlag! Hunderte von Fällen, in denen die Klassenjustiz unverhüllt zu Tage tritt, können angeführt worden. Die Verurteilung seines Freundes, des Dreschgrafen Pückler führte Herr B. zum Beweise dafür an, daß unparteiisch verfahren werde. Hätte ein Arbeiter nur zum zehnten Teile so aufreizend geredet, als es der Dreschgraf gethan, er wäre sicher Jahre lang ins Zuchthaus gekommen, während das tolle Gräflein mit geringer Geld⸗ strafe davonkommt. Auf die Zucker⸗ und Branntweinsteuer, die Liebesgaben des Junkertums, ging der Abge⸗ ordnete für Alsfeld⸗Lauterbach nicht ein. Ge⸗ nosse V. konnte wegen vorgerückter Zeit auf diese Ausführungen, sowie auf die eines andern antisemitischen Redners nicht mehr antworten. Hoffentlich giebt sich dazu später einmal Ge⸗ legenheit.— Die tapferen Alsfelder Fraisinns⸗ mannen ließen sich in der Versammkung nicht sehen.— Bei der nächsten Wahl wird sich zeigen, daß auch in diesem uns schwer zugänglichen Kreise unsere Sache mehr au Boden gewiant und der Antisemitismus zurückgedrängt wird. Aus dem Rreise Wetzlar. Gute Patrioten. Aus Wetzlarer Ge⸗ nossenkreisen schreibt man uns: In Ihrer Be⸗ A der Versammlung, in welcher„unser“ eichstagsabgeordneter Krämer Bericht er⸗ stattete, vermisse ich die Wiedergabe einer Be⸗ merkung Krumms, die Erwähnung verdient, nosse sagte an einer Stelle etwa: „Wenn Sie dann haben sie den Patriotismus in Erbpacht genommen. In Preußen haben 20 Prozent der Steuerpflichtigen, von über 3000 Mk. Ein⸗ kommen, den Staat zu bemogeln versucht, in⸗ dem sie 150 Millionen zu wenig Einkommen sonderes leisten.. Auch die Notstandsarbeiten kamen in mit dem Hintergedanken zu rechnen, daß die deklarierten. Das ist der Patriotismus der den hun derttausende Arbeiter auf die Straße was ich hier mit nachholen möchte. Unser Ge⸗ f Patzig und Krämer hören, 2 meiner Ren figkieren Tall. 14 7 it loch N lens pat ig ben 9 sprechung des 1 10 M. Zollchi al, als bielnech e gihestze zulde, Den Konsumen ef an, ob eil 10 Mk. ittel um 10 4 Ste zwisch los in der Cinbils dus dem Nei St. Volksküc hestehenden, dringen Fehlen eiuer sog. fall demnächs abge settits ein Komitee iu die Hand gend bak, daß die Eri Jet erfolgen kann teren Räume des in Ausscht genon eseen wird 20— 27 gute und kräftige Felangen. Für die Dulschaften hier z Sclafstele wohne freudig zu begrüßt abgelegene, von Morden) der Sta deß Lolals zu suelten Arbeitern dae, sehr schwer auen dei unn Machen 0 115 . Ein War Landwirte“, N Tagen in barsch es eg 0 Sund zu fangen een Zolltarif se 1 ton ist ihm dt t ihm ab duden denn fas in sänen Ver Vullariss ein, di ce ß d kk aus unserem a ft. Mit dem 9 burde 0 dale 5 die gefunden. 175 5 etre 5 115 derguessch, die 2 — Eine ll Holzye Manta D bald 9 den hon Ata 1 pr dem en wir noch on den an⸗ genommenen Herr Binde⸗ Mdensart, usführungen ie gegen Er⸗ ründe beruh⸗ sücen de⸗ ein bon den Merkwürdig! Maler oder er herstünde Sobiel doch it der land⸗ ien. Und leine Ursache lebeiter, der n den Zöllen nis der Ver⸗ lich malte en etwaigen Dann wür⸗ die Straße un, daß sein rut und auch verschiedene par auch das igen Recht⸗ lichkeit“ der⸗ 1 n en gegen Al⸗ 5 Duelle Stietencron!. d Hunderte ig unberhüllt norden. Die Dreschgrafeh geise dafür an, „ Hütte eil io dufte han, er wil 5 gekommel, früget Gel. peinsteues, de ing der Alg, 10 e. dient, Hun verb, 1 fut 1 Nr. 5. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Staatserhaltenden! Hurrarufen, Festessen Bücklinge machen, aber dabei den Staat betrügen wie die geriebensten Roßtäuscher, das sind die Gepflogenheiten Vieler, die sich mit ihrer bei jeder Gelegenheit betonten Königstreue, baterländischen Gesinnung ꝛc. in aufdringlicher Weise breit machen.“ g Vollkommen zutreffend! Ordnungsstützen dieser Art giebt's auch in Wetzlar, wie ich auf Grund meiner Kenntnis der Verhältnisse kon⸗ statieren kann. Dann ist noch eine Aeußerung des Herrn Patzig bemerkenswert. Der Herr sagte bei Besprechung des Zolltarifs:„Mir kommt es * auf 10 Mk. Zollschutz mehr oder weniger nicht 1 an, als vielmehr auf die Verhütung schroffer Gegensätze zwischen Stadt und Land.“ So? Den Konsumenten kommt es aber sehr wohl darauf an, ob ein gewisses Quantum Lebens⸗ mittel um 10 Mk. verteuert wird oder nicht. „Gegensätze“ zwischen Stadt und Land bestehen blos in der Einbildung gewisser Leute. Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. 1 St. Volksküche. Einem schon seit langem bestehenden, dringenden Bedürfnis, nämlich dem Fehlen einer sog. Volksküche in hiesiger Stadt, oll demnächst abgeholfen werden. Es hat sich bereits ein Komitee gebildet, welches die Sache in die Hand genommen und soweit gefördert hat, daß die Eröffnung der Anstalt in kurzer Zeit erfolgen kann. Als Lokal hat man die unteren Räume des hinteren Saalbau⸗Gebäudes in Aussicht genommen. Die Portion Mittag⸗ essen wird 20— 25 Pfg. kosten und sollen nur gute und kräftige Speisen zur Verabreichung 1 gelangen. Für die vielen, von den umliegenden Ortschaften hier zur Arbeit gehenden oder auf Schlafstelle wohnenden Arbeiter ist dies eine freudig zu begrüßende Einrichtung, nur ist die abgelegene, von dem Hauptindustrieviertel Norden) der Stadt, etwas weit entfernte Lage des Lokals zu bedauern, da es hierdurch den meisten Arbeitern bei einer Stunde Mittags⸗ pause, sehr schwer möglich sein wird, in dieser machen zu können. — Ein Wanderredner der„bunten Landwirte“, Namens Thost, ist seit einigen Tagen in verschiedenen Ortschaften unseres Krreises eifrig thätig, um neue Mitglieder für den Bund zu fangen und die Landleute für den neuen Zolltarif scharf zu wachen. Seine Agi⸗ tation ist ihm aber bisher gründlich versalzen worden, denn fast überall, wo er auftritt, finden sich in seinen Versammlungen auch Gegner des Zolltarifs ein, die ihm bereits dermaßen zuge⸗ setzt haben, daß der Mann froh sein wird, wenn er aus unserem Kreise glücklich wieder hinaus ist. Mit dem Mitgliederfang ist es infolge⸗ dessen auch recht windig bestellt. 1 Ueberfahren. Am Mittwoch früh pwurde auf der Bahnstrecke oberhalb des Süd⸗ bahnhofes die Leiche eines Jägers der 2. Kompagnie des hessischen Jägerbataillons auf⸗ gefunden. Der Kopf war fast ganz vom Rumpfe hetrennt und die rechte Schulter und Arm zerquetscht. Eine Untersuchungskommission begab kurzen Zeit von der Einrichtung Gebrauch 1 sich sofort an die Unfallstelle. Ob hier ein Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, konnte vorläufig noch nicht festgestellt werden. — Ein Handwerksbursche, welcher am vergangenen Samstag hier Umschau hielt und in einem Hause Mittagessen, Erbsen mit Speck, erhielt, steckte letzteren in die Tasche und schüttete die Erbsensuppe in einen da⸗ stehenden Regenschirm, worauf er sich eiligst aus dem Staube machte. Wir können eine solche Handlungsweise nur auf das schärfste verurteilen; dann ist es schon an und für sich traurig genug, daß viele unserer Mitmenschen auf der Wanderschaft zum Betteln genötigt sind, um nicht zu verhungern, so wird doch durch so etwas das Mitleid mit den armen Reisenden erstickt und andere Hilfsbedürftige erhalten in Zukunft gar nichts mehr. Von einem Duell, daß in Marburg zwischen einem ehemaligen Kürassier⸗Offizier und einem Studirenden am Freitag aus⸗ heblich. Es war ein Duell auf krumme Säbel. Recht so! Mögen sich nur die Duellfexen ihre hohlen Schädel ordentlich vermöbeln! Kleine Mitteilungen. * Eine gewaltige Explosion erfolgte am Sonntag in Newyork im Eilverkehrs⸗ Tunnel gerade vor dem Zentralbahnhof, wo Arbeiter einen großen Dynamitvorrat aufge⸗ speichert hatten. Die Vorderseite des Bahnhofs wurde fast ganz eingerissen; mehrere Hotels wurden stark beschädigt. Etwa 10 Menschen sind getötet, ca. 100 verletzt. d e (England) stürzte am Montag plötzlich eine Seitenmauer der Smithfield'schen Spinnerei ein; die Fußböden in zwei Stockwerken wurden mit in die Tiefe gerissen. Zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen der Haspelräume wurden unter den Trümmern begraben. Etwa 20 Personen wurden getödtet. Pech der Brotwucher⸗ Agitation. Erst neulich berichteten wir über eine Ver⸗ sammlung in Lollar, wo ein Agttator des Bundes der Landwirte von der bekannten Sorte glänzend abblitzte. Der gute Mann stimmte schließlich sogar für die sozialdemokratische Resolution— nicht etwa aus Versehen, wie ein Leser annimmt, der uns deswegen anfragte— sondern jener Agitator erklärte ausdrücklich, damit einverstanden zu sein. Und die zweimal verlesene Resolution verurteilte entschieden die Zollerhöhung auf Lebensmittel!—— Nahm schon diese Versammlung einen heiteren Ver⸗ lauf, so noch mehr eine solche, die am Montag Abend in Niedershausen bei Weilburg stattfand und ebenfalls vom Bund der Land- wirte einberufen war. Was dort der Referent für Zeug vorbrachte, glaubt niemand, der nicht dabei war.— Nur einiges sei angeführt! Er sagte u. a.: 5 Sacharin werde aus einer Giftwurzel hergestellt.(1) Argentinisches Getreide zahle kei nen Zoll! Der Kaiser sei für höhere Zölle. Seit 1889 sei die Sozialdemokratie zurück ge⸗ drängt worden!!— Derartigen Blödsinn hatte die Versammlun g über eine halbe Stunde angehört. Als der Bundesredner geendet, wollte er flugs die Ver⸗ sammlung schließen,„weil Kaisers Geburtstag sei“. Dagegen protestierte aber die Versamm⸗ lung entschieden und der Vorsitzende mußte dem zufällig anwesenden Genossen Vetters das Wort erteilen. Dieser fertigte den Zoll wucher⸗ Agitator auf das gründlichste ab. Er übte eine vernichtende Kritik an der heutigen Steuer ⸗ gesetzgebung und den ganzen wirtschaftlichen Verhältnissen. Mit der Aufforderung an die Arbeiter, sich gegen die unerhörte Ausbeutung und politische Unterdrückung zu wehren, schloß 5 er unter stürmischem Beifall der ganzen Ver⸗ gefochten worden sei, berichten die Blätter: Beide wurden verletzt, der Offizier ziemlich er⸗ sammlung. Der„Referent“ stammelte nur noch verschiedene Ungereimtheiten, die unser Genosse schlagfertig widerlegte. Antisemitische Hetzerei. Ueber einen vor der Strafkammer in Schweinfurt verhandelten Prozeß berichtet die„Frankf. Ztg.“: Bäckermeister Johann Schmidt in Nordheim a. Rh. verbreitete im August 1901 das Gerede, er habe vor 5—6 Jahren gesehen, wie der israelitische Metzger Baum in seinem Schlachthaus ein frischgeschlach⸗ tetes Stück Fleisch durch Uriniren verunreinigt habe. Zu jener Zeit waren die bekannten Fleischbesudelungsprozesse in Würzburg an⸗ hängig und davon mag Schmidt angesteckt worden sein, denn auf die von Baum erhobene Beleidigungsklage konnte er auch nicht den geringsten Beweis beibringen. Das Gericht verurteilte ihn zu 6 Monaten Gefängnis. In der Begründung hieß es, daß durch das maßlose und niederträchtige konfesstonelle Hetzen gemisser Zeitungen gegen die Juden das Gift zu 117 55 gemeinen Verläumdungen eingegeben werde. Kapitalisten⸗Frömmigkeit. r. Schlimm genug ist es schon, wenn ein Unternehmer die ungünstige Geschäftskonjunktur benutzt, um den Lohn seiner Arbeiter herabzu⸗ drücken. Wenn er aber gar noch andere Arbeitgeber zu veranlassen sucht, ihren Arbeitern die Löhne zu kürzen und sich dabei noch als frommer Mann aufspielt, so ist das einfach unerhört. In Haiger bei Dillenburg ist der Inhaber einer dortigen Leimfabrik und Holz⸗ schneiderei, Ph. K. Weiß als Haupt einer religiösen Sekte bekannt, der er sein Haus zu Gebetsübungen zur Verfügung stellt. Wie er aber seine christliche Nächstenliebe seinen Arbeitern gegenüber betätigt, zeigt folgender Vorfoll. Sein Sohn, der seine religiösen An⸗ schauungen teilt, ging zu einem dortigen größeren Arbeitgeber und suchte ihn zu bestimmmen, die Löhne der Arbeiter um 30 Pfg. pr. Tag zu reduzieren. darauf ein, auch nicht, als Herr Weiß senior Holzversteigerungen Montag den 3. Februar im Gemeinde⸗ wald von Aßlar. Zusammenkunft morgens 8 Uhr beim Vorsteher. Vormittags 9¼ Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, in den Distrikten Anterhag und Waldshute. Zusammenkunft 1 auf dem alten Steinbacher Weg, am Wald⸗ eingang. Dienstag den 4. Februar im Gemeinde⸗ Ewald von Werdorf. Zusammenkunft morgens 8 Uhr beim Vorsteher. ittwoch den 5. Februar im Gemeinde⸗ wald von Berghausen. Zusammenkunft morgens 10 Uhr beim Saatkamp. onnerstag den 6. Februar im Gemeinde⸗ wald von Ehringshausen. Anfang morgens 9 Uhr im Distrikt Kombach und nach⸗ mittags 1% Uhr im Distrikt Thalberg. 1 Partei-Nachrichten. Genosse Bredenbeck, der in der letzten Zeit wegen der ihm im Gefängnis zuteil gewordenen Be⸗ handlung oft Genannte, wurde in Dortmund abermals zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die noch nicht verbüßten drei Monate wurden eingerechnet. Er soll wieder in einem Artikel Gendarmen und Schutzleute beleidigt haben. 5 Versammlungskalender. Samstag, den 1. Februar. Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 1½9 Uhr Generalversammlung im Lokale Orbig. Tagesordnung: Kassenbericht, Vorstandswahl, An⸗ träge zur Kreiskonferenz und Delegiertenwahl. Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Vortrag über die Arbeitslosenunterstützung. Referent Vetters⸗ Gießen. Sonntag, den 2. Februar. Gießen. Glaser verband. Nachmittags 4 Uhr Generalversammlung bei Orbig. Marburg. Buchdrucker⸗Bezirksversammlung, Nachmittags 2 Uhr bei D. Jesberg. Dienstag, den 4. Februar. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Briefkasten. 100 Norshsn. Lieber Freund, können Sie Ihre Zeit nicht besser verwenden, als sie mit Räthsel⸗Lösungen totschlagen? Dann soll der Arbeiter nie wetten. Wer die Wette immerhin verlieren mag; es giebt vi el bessere Zwecke, wozu das Geld verwendet werden kann! — Wären wir nicht zufällig darauf gekommen, daß die Lösung der Charade„Mittelstand“ ist, Zeit hätten weir darauf keine verwendet! Leser in Gießen.„Eritis sicut deus, scientes bonum et malum.“ Der Spruch, den Mephisto im „Faust“ dem Schüler in's Stammbuch schreibt, heißt in's Deutsche übertragen:„Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“; dieselben Worte, welche nach der Bibel die Schlange an die Eva richtet. (1. Mos. 3, 5.) Th. B.⸗Alsfeld. Machen wir. Die Herren gingen aber nicht —— ———— X—½ ——— . n n e . e 3 — * N 22 — — SN 3 Seite 6. Witteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 5. und hatte die Arbeitslosigkeit Hunderter von im gleichen Sinne vorstellig wurde. Trotzdem wurden die so schon jämmerlichen Löhne bei Weihs um 10 Pfg. pro Tag reduziert.— Wem fällt bei solchem Verhalten dieses Gläubigen und seiner Bethätigung christlicher Nächstenliebe nicht das Wort von den Wölfen in Schafs⸗ kleidern ein? Mußte Herr W. irgendwo„sparen“, sollte er als christlicher Mann das nicht an den Löhnen der armen Arbeiter thun. Lieber hätte er seine große Tanbenschaar abschaffen sollen, die doch nur der Landwirtschaft Schaden zufügt. Aus dem Leben des Adels. Anfang dieses Jahres hatte der 40jährige Rittmeister Graf Bal zo in Neapel das 20jährige Fräulein de Francht, die Tochter eines Neapeler Finanzinspektors entführt und sich seit dem 4. Januar mit ihr im Hotel am Bomero aufgehalten. Der Finanzinspektor erfuhr den Aufenthalt des Pärchens, holte die Tochter zurück und strengte die Klage gegen den Verführer an. Gleichzeitig forderte ein Bruder der Verführten, ein Leutnant der In⸗ fanterie, den Rittmeister. Dieser lehnte jedoch ab unter dem Hinweis auf die angestrengte Klage. Am Mittwoch Abend traf nun der Vater den Verführer auf der Viazza Dante und forderte ihn kategerisch auf, die Verführte zu heiraten. Die Antwort des Rittmeisters war:„Ich kann sie höchstens zu meiner Mai⸗ tresse machen.“ In begreiflicher Entrüstung zog nun der Finanzinspektor den Revolver und streckte den Rittmeister durch zwei Schüsse tot nieder. Der Rittmeister entstammt einer altbekannten Patrizierfamilie. Der Mörder ist ein hochangesehener Beamter. Fromme Schweinekerle. Wegen Sittlichkeitsverbrechen in der Art Sternbergs wurden in der jüngsten Zeit drei Männer von Würzburg und einer von Markt⸗ breit in das Würzburger Untersuchungsgefäng⸗ nis eingeliefert. Der krasseste Fall ist, wie man der Frankf. Ztg. berichtete, der eines Würzburger Bäckermeisters, der seit Jahren die von ihm zum Brodaustragen verwendeten schulpflichtigen Mädchen vor einem mit brennenden Kerzen umgebenen Kruzifix schwören ließ, daß sie nichts verraten und dann seine unsittlichen Manipulationen an ihnen vornahm. Man erzählt, daß in einem Stadtsprengel allein 30 Mädchen den frommen Wüstlingen zum Opfer gefallen sind. Verhafteter Bankschwindler. Der frühere Direktor der berühmten Kasseler Trebertrocknungs⸗Gesellschaft, Schmidt, wurde am vorigen Samstag in Paris ver⸗ haftet und wird jedenfalls auf Antrag der deutschen Regierung ausgeliefert.— Schmidt 4 b AUnterhaltungs-Ceil. 10 ——————ů Das teure Vaterhaus. Ich weiß mir etwas Liebes Auf dieser weiten Welt Das stets in meinem Herzen Den ersten Platz behält; Kein Freund und auch kein Liebchen Verdrängen es daraus, Es ist im Vaterlande Das teure Vaterhaus. Des Lebens laute Freuden Verhallen in der Brust, Ich bleibe stets im Herzen Des Liebsten mir bewußt: Es drängen aus den Augen Die Thränen sich heraus, Denk' ich an meine Heimat, An's teure Vaterhaus. Und hab' ich einst geendet Des Lebens ernsten Cauf, Daun setzt mir einen Rügel Und pflanzt ein Blümlein d'rauf; Doch nehmt aus meinem Busen Das arme Herz heraus, Das Herz, das hat nur Ruhe Im teuren Vaterhaus.(Volkslied) Bankrott. Von F. Schwarz. 15(Fortsetzung.) „Ich dankte meinem Schöpfer, als sie vor Ermattung zusammensank. Seither liegt ste da, still und regungslos. Sie jammert nicht, spricht nicht.... Der Arzt sagt: abwarten .. jede Aufregung fernhalten... ha, ha, .. hörst Du? Jede Aufregung fernhalten bei ihrem Zustand.... Und siehst Du, darum komme ich her, um Dir das alles ins Gesicht zu sagen, alles das, und auch noch das letzte: Du hast mir mein Vermögen gestohlen, meine Stellung und meine Ehre, Du hast mich um mein Glück betrogen und Du hast mich selbst .. das beste in mir gemordet. Du warst mein Heros, mein Abgott, der Inbegriff der 1 und hättest Du vor Jahr und ag jeden Pfennig gegeben so wie so, und hätte meine junge Kraft in Deinen Dienst gestellt, und Du wärst- mir der geblieben, der Du warst; war Direktor jener Kasseler Gesellschaft, die ich hätte es für Unglück genommen und weiter mit einer kaum glaublichen Skrupeltösigkeit ihr kapitalistisches Schwindekunternehmen betrieb. Der Zusammenbruch der Gesellschaft brachte eine Anzahl Töchterinstitute mit zum fallieren Arbeiter zum Gefolge. Ein gewichtiger Schul⸗Entlassungs⸗ grund. Man schreibt der Frkftr. Ztg. aus der Schweiz: In dem Dorfe Meerenschwand (Kanton Aargau) war ein Mädchen vorzeitig aus der Schule entlassen worden, weshalb die Schulpflege von verschiedenen Seiten An⸗ griffen ausgesetzt war. Ein Mitglied derselben rechtfertigt nun das Vorgehen der Schulbehörde also:„Allerdings wurde von der Schulpflege ein Mädchen unter 14 Jahren aus der Schule entlassen. Der Grund ist aber auch ein ge⸗ wichtiger. Die Tochter hat das respektable Gewicht von über 150 Pfund erreicht. Die Schulpflege fand, solche Jungfern passen nicht mehr in die Primarschule. Die Begründung dieser Ansicht gehört nicht in die Zeitung. Sobald wieder Eine 75 Kilo erreicht hat, wird hre Maturität ohne Prüfung abermals aner⸗ kannt werden.“ 755 an die Lauterkeit und Rechtschaffenheit dessen geglaubt, der mir die fleischgewordene Redlich⸗ keit, der erehrunge lee Mensch schien. Und nun Räuber und Mörder ringsum! Seit Jahren ein Gauner, ein Betrüger und Schwindler! Ja, wahrhaftig, sie haben recht, daß sie mich, der sich nie auch nur in Gedanken etwas zu schulden kommen ließ, daß sie mich davonjagen wie einen Hund. Warum denn noch jemanden trauen? Ich trau' mir selber nicht mehr, trau niemanden mehr! Lauter Lumpen, lauter Diebe... Haha! Eine lustige Welt!... Komm' Bruder Dieb!... An mein Herz, Bruder Dieb! Doch nein, Du bist der Größte, Dir gebührt Huldigung!“ Klaus war auf den Oheim zugestürzt, um ihn vom Sessel emporzureißen. Nun hielt er inne und bog das Knie vor dem Erschreckten, der seine Blicke hilfesuchend umhergehen ließ. „Glaubst, ich sei verrückt geworden? Haha, Beruhige Dich, Onkel, ich bin klar, sehr klar .. zu klar... Will Dich auch nicht länger belästigen, Teuerster! Aber eins sage ich Dir“ fuhr er fort, als Karl Helfinger Miene machte, sich aufzurichten und zu sprechen,„das sag' ich Dir: laß Deinen salbungsvollen Ton, laß ihn heut und immer. Wie ich Dich kenne, wie ich Dich nun kenne, wirst Du's doch wieder wagen, mir Deine Lage enthüllt, ich hätte Dir später, wenn mal Gras darüber gewachsen ist und wirst Dich aufspielen und Tugenheld sein wollen. Hüte Dich, Karl Helfinger, bu 5 dann vor mir, vor dem verlorenen Sohn Deiner toten Schwester!“ Klaus war davon gestürmt. Im Sessel von den geschlossenen Wimpern niedertropfte und dem es stoßweise die Brust hob in ver⸗ haltenem Schluchzen. Die herbstlichen Sonnen⸗ grauen Bart und huschten über das durchfurchte, verfallene Gesicht. Er merkte es nicht. Die Klingel der Entreethür e, deren Klang ihn seit⸗ her immer durchzuckt hatte wie die Ankündigung aich neuen Hiobspost, ertönte; er hörte es nicht. Hörte auch nicht, als nun die Thür sich leise öffnete. Eine Hand legte sich leicht auf seine Schulter und eine Stimme, die sich ver⸗ geblich mühte, ein Zittern zu verbergen, flüsterte: „Vater, draußen sind Herren vom Gericht!“ Karl Helfinger fuhr empor. Auch das noch! Doch noch... auch dies letzte noch. Er klammerte sich wie hilfesuchend an die Tochter, die einzig Unverheiratete noch, das Nesthäkchen und sein Liebling von je. „Kind, sie wollen mich holen“, stöhnte er, „fort von Euch, alle verlassen,— von allen verlassen!“ „Vater, sprich nicht so!“ und in fassungs⸗ losem Schmerz schlang das Mädchen die Arme um den Hals des Vaters, als wolle sie ihn nimmer lassen. Einen Augenblick blieb's still. Dan löste Helfinger mit sanfter Hand die Arme seines Kindes und sagte mit mühsam beherrschter Stimme:„Nun geh', mein Kind, und führe die Herren herein.“ Die Plaidoyers waren zu Ende. Mit großer Schärfe hatte der Staatsanwalt nach⸗ gewiesen, daß der Fall Helfinger keine gewöhnliche Betrugssache, sondern in Anbetracht der Ehren⸗ stellungen, die der Mann innegehabt, des un⸗ erschütterlichen Vertrauens, das man ihm die ganze Gesellschaft sei. Erschwerend komme noch hinzu, daß es nicht eine momentane Not⸗ lage gewesen, die den Mann verwirrt und auf die abschüssige Bahn des Betrugs und der Fälschung geführt habe. Nein, es handle sich hier um eine auf Jahre und Jahre zurückreichende Kette von Vergehungen, um einen wohlerwogenen und mit teuflischer Schlauheit und Kaltblütig⸗ keit 18 e i Plan, ein Schwindel-⸗ und Betrugssystem, das zur größeren Sicherheit vor etwaigen Entdeckungen einen möglichst großen Kreis von Personen jeden Standes umfaßt habe. Hter müsse ein Exempel statuirt, dem verletzten Rechtsgefühl weiter Kreise eine eklatante Genugthuung bereitet werden. Die Verteidigung hatte sich pflichtmäßig. bemüht, die Sache in einem milderen Lichte darzustellen. Sie führte aus, daß man ihrem Klienten ohne sein Zuthun Geld und Vertrauen förmlich aufgedrängt habe. Es gehöre schon eine ganz außergewöhnliche dazu, unter solchen Umständen auf jede per⸗ sönliche Nutzbarmachung so reichlich fließender Mittel zu verzichten. Diese außergewöhnliche Charakterstärke habe man freilich bei ihrem Klienten vorausgesetzt und, wie hinzugefügt werden müsse, mit Recht vorausgesetzt, denn er ehrlicher Mann geblieben, und als er einmal, in einer Notlage, anvertrautes Geld in eigener Sache verwandt hatte, da sei es die sichere die ihn zu diesem Schritte verleitete. Zuversicht sich als trügerisch erwiesen, habe er, wie das gewöhnlich in solchen Fällen geschähe, sich von Etappe zu Etappe vertröstet, sei neue Verpflichtungen eingegangen, um den alten gerecht werden zu können. Wie fern ihm jede schädigende und betrügerische Absicht gelegen, sei schon daraus zu ersehen, daß es in erster sich gerissen habe. Bis zur letzten Minute habe er auf den günstigen Ausgang weit aussehender saß ein gebrochener Mann, dem es langsam strahlen spielten in zitternden Lichtern um seinen entgegengebracht, sozusagen ein Vergehen gegen Charakterstärke sei lange Jahre trotz aller Versuchungen ein Hoffnung auf baldige Rückerstattung gewesen, Als diese Linie Freunde und Verwandte seien, die er mit Unternehmungen gehofft, auch diese seien fehl⸗ 1 rasselnde Regen 5 ft bas K father Hast übe Gewitter, wenn hall ist, zuckte nie Haß und Manne, der, u. mühsam aufrecht Er hatte w handlung ansch losigkeit dageses deb öffentlichen auf ihn nieder flehender Blick gebrochen, ein! als er der! jundertfältigen Nun sand er de los preisgegebet Wintertages m Schein der 6 aspersisces 9 noch Karl Helf gesunkene Gest das Holzwerk! beben scheuen, wohnte, die A Oeffentlichkeit, früher ein Pi berfallenen, du Ulldertem wel borzettges Alte hallen! Nur nit nüͤder, lei en ind, das manch einen wurde cotenstil Wuul 1 bie Afeanmen schien lezten Nute I Meine Menn ich in Gebrauch 15 llube, mei 0 b einer 1 in 3 been lung 9 gn bersuc ae er ns ah ni den, 8 das durchfl „ Archfür F nigen sest die Arkürdigung le; er hörte cz un die Thür f de sic leicht auf ume, die sich per, bergen fert: vom Gericht!“ ipor. Auch daß dies lezte noch füfesuchend an di ratete noch, das bon je. holen“, söhnte er, sen,— bon allen und in fassungs⸗ Mädchen die Arme als wolle sie ihn ö stil. Dan löste d die Arme seinet ühsam beherrschten u Kind, und führe zu Ende. Mi Staatsanwalt nach er keine gewöhnlich betracht der Ehren, innegehabt, des ur „ das man ihn ein Vergehen gegen Frschwerend komm ie momentane Nol⸗ n berwirrt und auf Betrugs und der fein, es handle sih Jahre zuricreicerd inen wohlerwogenel eit und Kaltblütige n Schwindel 15 geren Sicherheit bal r möglicht große d Stundes une empel statuitt, 0 Kreise eineellatant en. 15 „ sch pfichtnäßt 10 abe Nagl z man ihre Nr. 5. Mitteldeutsche Sountags⸗Jeitung. Seite 7. geschlagen und nun sei es zu Ende gewesen 3 ei weniger von der Schuld als dem nglück des Angeklagten zu reden, und die Verteidigung bitte demgemäß um Zubilligung mildernder Umstände. Die Verteidigung hatte trotz aller aufge⸗ wandten Beredsamkeit wenig Glück mit ihrer Beweisführung. Die vernichtende Anklage des Staatsanwalts hatte das Publikum, das dicht⸗ n den engen Zuschauerraum füllte, mit eifälligem Gemurmel aufgenommen, sprach er doch nur aus, was seit Wochen schon alle Gemüter erfüllte. Den Ausführungen der Verteidigung folgte drohendes Murren, das sich zu höhnischen Zurufen steigerte, als der Angeklagte, von seinem Rechte Gebrauch machend, sich zu einer Ansprache an die Geschworenen erhob. Der Präsident mußte, um die Ruhe wieder herzustellen, die Räumung des Saales androhen. Das wirkte. Eine schier unheimliche Ruhe lagerte sich über den Raum, daß man das Heulen des Sturmes hören konnte, der prasselnde Regenschauer wider die Fenster warf, ja selbst das Kritzeln der Federn, die in eil⸗ fertiger Hast übers Papier fuhren. Wie vorm Gewitter, wenn die Luft elektrischer Spannung voll ist, zuckte es aus Hunderten von Augen wie Haß und Verachtung hinüber zu dem Manne, der, müde und gebrochen, sich nur mühsam aufrecht erhielt. Er hatte während des Ganges der Ver⸗ handlung anscheinend in dumpfer Teilnahm⸗ losigkeit dagesessen. Nur als die Vorwürfe des öffentlichen Anklägers wie Peitschenhiebe auf ihn niedersausten, war ein scheuer, hilfe⸗ flehender Blick aus den trüben Augen hervor⸗ gebrochen, ein Blick, der sich entsetzt abwandte, als er der mitleidlosen Zustimmung, der hundertfältigen Verachtung da vor sich begegnete. Nun stand er da, den Blicken aller erbarmungs⸗ los preisgegeben. Das fahle Licht des trüben Wintertages mischte sich mit dem flackernden Schein der Gaslampen, ihm ein geradezu gespenstisches Aussehen zu geben. War das noch Karl Helfinger? Diese in sich zusammen⸗ gesunkene Gestalt, die mit zitternden Händen das Holzwerk der Schranken umklammerte, in deren scheuen, erloschenen Augen die Angst wohnte, die Angst vor dem Pranger, vor der Oeffentlichkeit, derselben Oeffentlichkeit, die ihm früher ein Piedestal bereitet hatte, in deren verfallenen, durchfurchten Zügen, in deren ver⸗ wildertem weißen Bart und Haar Leiden und vorzeitiges Alter eine bleibende Stätte gefunden hatten? War das noch Karl Helfinger, der mit müder, leiser und monotoner Stimme, wie ein Kind, das seine Lektion aufsagt, nunmehr zu sprechen begann? Schaudernd überltef es manch einen der Richter im Zuhörerraum; es wurde totenstill und die Worte Helfingers, obwohl sie wie ein Hauch aus weiter Ferne zu kommen schienen, fanden ihren Weg bis in den letzten Winkel des Saales: „Meine Herren Richter und Geschworenen! Wenn ich von dem mir zustehenden Rechte Gebrauch mache, so thue ich es nicht, weil ich glaube, meiner Sache damit nützen zu können. ch bin ein verlorener Mann, und ich bin mir dessen bewußt. Ich will auch nichts zu be⸗ schönigen versuchen und nicht um Mitleid betteln, aber bitten möchte ich Sie zu glauben, daß ich mich mit dem, was ich Ihnen zu sagen habe, einmal noch in den Dienst der Allgemeinheit stellen möchte. Meine Herren! Ich habe selbst zu oft da oben gesessen“— er deutete nach der Bank der Geschworenen—„um nicht zu wissen, daß ich diesen Glauben verwirkt habe. Und dennoch brauche ich ihn, brauche das Vertrauen in die Redlichkeit meiner Absichten, brauche es dies eine Mal noch, soll nicht das, was ich zu sagen habe, wirkungslos verhallen. Warum auch sollte ich Sie täuschen. In welcher Ab⸗ sicht? Sehen Sie mich an! Wie heute auch die Entscheidung falle, mir wird sie wenig zu geben und wird sie cuch wenig zu nehmen haben. Die Lebensluft, in der ich zu atmen gewöhnt war, ist mir vergiftet für immer. An die Schande gewöhnt sich nicht, wer ein Leben der Ehre und Anerkennung hinter sich hat.“ (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Das Waschen im Kindesalter. Von größter Wichtigkeit sind beim kleinen Kinde die täglichen Waschungen respektive Bäder; dadurch wird nicht nur die Reinigung des zarten Leibes erreicht, sondern auch die Hautthätigkeit wird dadurch angeregt und für die Offenhaltung der Schweißdrüsen gesorgt, so daß denselben als⸗ dann ermöglicht ist, die Ausdünstung der der Gesundheit schädlichen Stoffe aus dem Körper zu bewirken. Ferner wird in Folge dessen eine regere und gleichmäßigere Blut⸗ und Lymph⸗ zirkulation erzielt, wodurch eine bessere Ernäh⸗ rung der Kno hen, Muskeln, Sehnen und Nerven stattfindet. Es ist stets eine genaue Messung der Temperatur des Wassers, welches zum warmen Waschen der Kinder benutzt wird, mit dem Thermometer vorzunehmen, welches nur durch ein längeres Hineinhalten, aber nicht durch schnelles Hineintauchen des Thermometers geschehen kann. Die Gewohnheit, welche manche Mütter haben, durch Hineinhalten des Ellbogens ins Wasser die Wärme desselben messen zu wollen, ist sehr trügerisch, weil einem warmen Arme das Wasser kälter vorkommt, wie es wirklich ist. Durch die Anwendung des warmen Wassers werden die Talgpartikelchen, welche in der Haut liegen und die Hautporen verstopfen, aufgelöst; die Haargefäße, diese kleinsten und feinsten Aederchen, welche unter der ganzen Hautoberfläche liegen, werden alsdann mit Blut gefüllt, und durch die geöffneten Hautporen hat die Luft dadurch einen sehr bequemen Weg, um ungehindert in die Hautschicht einzudringen; jedoch findet bei täglicher Anwendung von warmem Wasser zu Waschungen oder Bädern eine Erschlaffung der Haut statt, so daß die Schließung der Poren nicht mehr in der Weise stattfindet, wie es sein muß; ebenfalls wird dadurch die Verweichlichung der Haut hervor- gerufen und die Erkältungsgefahr vergrößert. Um dem aber vorzubeugen, soll nach jeder An⸗ wendung von warmem Wasser eine kurze Ab⸗ waschung von kaltem Wasser folgen. Es findet durch das kalte Wasser die Schließung der Hautporen, sowie das Herausdrängen des Blutes aus den Haargefäßen statt, jedoch kehrt dasselbe sofort in größerer Menge dahin zurück, dehnt und weitet die kleinen Aederchen aus, so daß alsdann die Hautschicht strotzend voll Blut wird und in der schönsten, rosigen Farbe er⸗ scheint, was sich durch ein ganz bedeutend höheres Wärmegefühl kund giebt. Um also einer Ver⸗ weichlichung und Erschlaffung der Haut und der Haargefäße, welch' letztere dann nicht mehr im Stande sind, die Blutkörperchen, welche zur Erwärmung der Hautoberfläche nötig sind, auf⸗ zunehmen, was sich durch die blasse Farbe der Haut bemerkbar macht, vorzubeugen, sollten warme Waschungen oder Bäder zur Reinigung des Körpers nur ein⸗ bis zweimal benutzt werden, denen alsdann, wie schon bemerkt, leichte kalte Abwaschungen folgen müssen. Zu täglich Wenaschungen müssen stets kältere Wasser⸗ temperature! benutzt werden. Es ist von der größten Wichtigkeit, daß die Anwendung der kälteren Abwaschungen schon bald nach der Geburt geschieht; jedoch ist es streng zu beachten, daß keine Kaltwasserkur stattfinden soll, sondern nur allmählich mit der Benutzung des kälteren Wassers vorzugehen ist. Hauptsächlich handelt es sich darum, daß die Köxperkonstitution des Kindes beachtet werden muß, denn jedes Allzu⸗ schnell oder Allzuviel bringt Schaden: lieber ein Bischen vorsichtig, ist der richtigste Grundsatz, was nur dadurch zu erreichen ist, daß alle sechs bis acht Tage die Wärme des Wassers um ein Grad reduziert wird, bis zu dem niedrigsten Standpunkt der Wasserwärme von ungefähr 16 Grad. („Kleines Journal für Hygiene.“) Ein gut mästendes Schweinefutter bilden die Molken. Dieselben haben einen großen Nährwert und liefern in Verbindung mit Schrot, Bohnenmehl und Kleie außer⸗ ordentlich günstige Mastresultate. Melasse und anderes Weichfutter soll bei Molken nicht ge⸗ geben werden, da diese sonst zu abführend wirken würden. Das Futter für Ziegen soll mehr trocken als naß sein; im Winter sollen sie recht ut eingebrachtes, nicht zu fettes Heu und glich etwas Rüben, aber nur kein gefaultes Zeug, und pro Tag 12 Gramm Salz erhalten. Bei richtiger Pflege gedeiht die Ziege auch als Stallziege ganz gut, nur muß sie frühzeitig an diese Lebeusweise gewöhnt werden. Humoristisches. Ein aufregender Vorfall. Die Frankfurter Zeitung schrieb: Recht ungemütlich geht es in dem Roman„Glück“ von S. Halm zu, den die Wormser Zeitung soeben veröffentlicht. In der Nummer dieses Blattes vom 21. d. Mts. lasen wir mit steigender Er⸗ regung die Schilderung eines Auftritts, wobei ein un⸗ angenehmer Herr, der sich schon durch seinen Namen „Peykowsky“ genügend charakterisiert, mit einem großen Messer in der Hand auf eine junge Dame, die Marga heißt(vermutlich eine Abkürzung von Marga⸗ rine), losgeht und sie verwundet. Und nun, während wir an allen Gliedern zittern, lesen wir weiter: „Eine unbeschreibliche Szene folgte. Mit glasigen Augen, aschfahl stierte Casimir auf die Gruppe, den zerschmetterten Arm, von dem das Blut unaufhörlich zur Erde floß. Sein Werk! Ein gelles Lachen schrillte durchs Zimmer. Man wußte nicht, war es das Lachen eines Wahnsinnigen oder ein Weinen. Als Robert Miene machte, die Verletzte in die Kammer zu tragen, stürzte Peykowsky zu Marga, klammerte sich an ihren Mantel und rief wie ein Verzweifelnder: (Fortsetzung folgt.)“ Ehrgefühl. Leutnant(zu seinen Kameraden): Laßt ihn mal liegen, den Zivilisten! Der Kerl ist ja besoffen wie'n Schwein! Betrunkener: Wat? Blos wie— wie'n Schwein? Det— langt noch gar nicht! Wie'n Leutnant— wollten Se wohl sagen? Wat? „Saubere“ Zustände. Gewerbeinspektor (eine Bäckerei inspizierend): Welches ist denn nun eigent⸗ lich der Backtrog und welches der Schweinetrog? Meister: Aber Herr Inspektor— wer wird's denn so genau nehmen? Das wissen wir ja selber nicht so bestimmt. Südd. Post. —— eee eee Geschichtskalender. 2. Februar. 1868: Ledru⸗Rollin, französ. 48er Sozialdemokrat gestorben. 3. 1899: Löbtauer Zuchthausurteil, gefällt 53 Jahre Zuchthaus, 8 Jahre Gefängnis über 11 Bauarbeiter wegen geringfügiger Unfugsdelikte verhängt. 4. 1897: Achtstundentag⸗Debatte im Reichstage. 5. 1880: Dynamit⸗Attentat im Winterpalast Petersburg. 6. 1901: Wilhelm II. dekoriert Lord Roberts mit dem Schwarzen Adler. 7. 1885: Die„Anarchisten“ Reinsdorf u. Küchler geköpft. 3. 1587: Königin Maria Stuart von Schottland enthauptet. 1900: 1. Lesung der Flotten vorlage im Reichstage. r KK. BB Aus dem Gießener Standesamts register. Aufgebotene. 22. Januar: Dr. Richard Herz, Chemiker in Franksurt a. M. mit Toni Pasch dahier. Otto Ruhl, Fußgendarm in Darmstadt mit Maria Höbel dahier. 23. Gottfried Hofmann, Knecht dahier mit Luise Hofmann, geb. Hörr in Wieseck. 24. Xaver Koch, Rangierer mit Martha Hofmann dahier. 29. Emil Mißler, Wirt mit Marie Gäde, geb. Konrad dahier. Eheschließungen. 25. Januar: Georg Hart⸗ mann, Dienstknecht mit Henriette Jacobi dahier. Lud⸗ wig Schlaudraff, Buchbinder mit Margarethe Büchner dahier. 29. August Zipp, Oberkellner in Niedershausen mit Christine Werther dahier. Geborene. 18. Januar: Dem Schneider Wil⸗ helm Hoffmann e. S. 20. Dem Heizer Friedrich Schupp e. T. Dem Lehrer Ernst Reich e. T. 21. Dem Schuh⸗ macher Adolf Schwan e. T. Dem Schuhmacher Wil⸗ helm Schmidt e. T. 22. Dem Taglöhner Heinrich Schomber e. T. Dem Oberpostassistent Heinrich Hölscher e. S. 23. Dem Maurer Adam Menz e. S. Dem Taglöhner Karl Strack e. S. 24. Dem Laternenwärter Friedrich Schäfer II. e. T. 25. Dem Schlosser und Installateur Julius Stohr e. S. 27. Dem Packmeister Friedrich Müller e. T. 29. Dem Schreiner Wilhelm Becker e. T. Gestorbene. 23. Januar: Heinrich Schneider, 45 Jahre alt, Taglöhner. Hans Egly, 6 Jahre alt. Ludwig Jöckel, 65 Jahre alt, Landgerichtsdirektor. 24. Paul Basan, 33 Jahre alt, Fuhrmann. 25. Niko⸗ laus Elm, 68 Jahre alt, Taglöhner. Ludwig Jung, 26 Jahre alt, Landbriefträger. 26. Karoline Bogler, 2 Monate alt. — —— 222 eite 8. 7 i 7 Orts-Arankenkasse Gießen. Unter Bezugnahme auf die Veröffentlichung Großh. Bürgermeisteret Gießen vom 11. Januar l. J., betr. Aus⸗ führung des Krankenversicherungsgesetzes, fordern wir die Herren Arbeitgeber der Handelsbetriebe, soweit sie Hand⸗ lungsgehilfen und Lehrlinge, welche bis jetzt noch nicht versicherungspflichtig waren, beschäftigten, auf, solche mit Wirkung vom 3. Februar 1902 bei unserer Kassenstelle anzumelden. Von der Anmeldung sind ausgeschlossen: 1. solche Handlungsgehilfen und Lehrlinge, welche be⸗ reits bei einer dem§ 75 des Kraukenversicherungs⸗ gesetzes genügenden Hilfskasse verfichert sind, 2. diejenigen, welche nicht gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden; als Lohn oder Gehalt gilt auch Naturalberpflegung. Die selbständigen Gewerbetreibenden, soweit sie freien Hifskassen nicht angehören, welche in eigenen Betriebsstätten im Auftrage und für Rechnung anderer Gewerbetreibender mit der Herstellung oder Bearbeitung gewerblicher Erzeug⸗ nisse beschäftigt werden(Hausindustrie) und zwar auch für den Fall, daß sie die Roh⸗ und Hilfsstoffe selbst beschaffen und auch für die Zeit, während welcher sie nur vorüber⸗ gehend für eigene Rechnung arbeiten, wollen ihre An⸗ meldungen ebenfalls bis zum 3. Februar l. J. bewirken. Sollte über die eine oder andere Frage noch Unklarheit herrschen, so ist unsere Geschäftsstelle, Ludwigstraße 12, gerne bereit, Auskunft zu erteilen. Der Vorstand: G. Dahmer. Wahlkreis Giessen-Grünberg-Nidda. 99 2* reiskonferenz in Gießen. Sonntag, den 2. Februar 1902, vorm. 10 Uhr im Lokale Orbig, Rittergasse. Zu zahlreicher Beteiligung ladet ein Der Vorstand des Kreiswahlvereins. SG Arbeiter Bildungsverein Steinberg Sonntag, 2. Februar 1902, abends 7 Uhr im Lokale„zum grünen Baum“: Dolbendunterh altung bestehend in Konzert, Gesangsvorträge, Deklamationen. Ansprache des Genossen E. Krum m-Gießen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Herren- U. KMnaben-Auzüge GG Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass 8 Markus Bauer, Gi arkus Bauer, Giessen Kirchenplatz II gegenüb. d. Stadtkirche, G6 Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. diele Naben die oft jahrelang in den ver⸗ weifeltsten Fällen gelitten, ver⸗ anken ihre jetzige Gesundheit meinem entsprechenden, vorzüg⸗ lichen, mit ganz geringen Un⸗ kosten verbundenen Spezialver⸗ fahren. Genaueste Untersuchungen von Urin, Blut, Haare, Aus⸗ wurf ꝛc. werden, wenn nötig, vorgenommen. Versäumen Sie daher nicht, bei allen nur mög⸗ lichen inneren und äußeren Krankheiten, woselbst Sie bis jetzt keine Hülfe gefunden(auch Haarausfall eingeschlossen), vor⸗ erst kurzen Krankenbericht nebst . 1,50(auch in Briefmarken) einzufenden, wonach sofort nötiger Bericht ꝛc. erstattet wird. Sen⸗ dungen jeder Art bitte zu richten an die Naturheilanstalt„Sanitas“ Würzburg, Hutteustraße 1 NMotiz- und Neue Welt- Kalender für 1902 noch vorrätig! Buchhandlung H. Schneider Gießen, Sonnenstr. 25. SGsc6(Cessse D. Kaminka Uhrmacher Giessen, Marktplatz 18 Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren SSS Scheller's preis gekrönter Coonae 1000 Stck. unserer berühmten 5 Pf.⸗Cigarren nur Mk. 29.50 1000„ unserer ganz vorzügl. 6 Pf.⸗Cigarren„„ 37.— 1000„s unserer äußerst beliebt. 8 Pf⸗Cigarren„„ 47.— 1000 unserer großartigen 10 Pf.⸗Cigarren„„ 61.50 Einzelne Probekistchen zuzügl. Porto. Garantie; Zurücknahme. Tausende Anerkennungen. 5 Berndt& Co. Berlin⸗Schöneberg 178 à Ebersstraße 75. Franko gegen Nachnahme. Betten Preisliste extra. ärztlich empfohlen ½ Fl. M. 1.80 2.40 3.004. 00 Literfla che M. 1.80—2.— ½ u. ½ Fl. verhältnismäßig. Alleinige Niederlage: Consum-Halle in Heuchelheim, Hch. Gengnagel in Giessen Neue Bäue. M. Möser, Giessen, Seltersweg H. BelloffII. Giessen, Alicestr. A. Seibert in Wieseck. A. C. Müller, Langgöns Wilh. Brück, Wissmar. Gänsefedern wie fie von der n Gans kommen 1.50 p. Pfund, aussort. nur kl. Fed. u. Daunen 2.00, etwas kl. u. dauniger 2.25 Gwisch. dies. 3 Sort. ist hin u. wied. eine graue Fed. vorhanden). Halbdaunen. ganz kl. weiße, volldaunige Federchen 2.65, zarter u. dauniger 3.00, hochpriena, fast Daune, 3.50. Gerissene Fed., grau, 1.75, halbweiß 2.50, weiß 2.75, 3.00, 3.50, schneew. 4.00, schneew., sehr daunig, 4.50. Daunen, halbw. 3.50, weiß 4.50, hoch⸗ prima 5.50. Chines. Entensed. 0.75, Jede Waare wird in mein. Fabrik saub. gereinigt, daher vollkomm. trock., klar u. staubfrei. Unbedingt reell u. preisw. Jährl. Umsatz ca. 3000 Ctr. Garantie:; Jurücknahme. Für Bettstoffeu fertige 1.00, Halbdaune 1.50, 1.75. Daune 2.50. Nr. 5. Fr Vfagenseddendef Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen. oder durch unregelmäßige Lebensweise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ 5 schleimung zugezogen haben, sen hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren Es ist dies das bekannte 8 und Blutreinigungsmittel, der 2 erprobt sind. Verdauungs⸗ Hubert Ulrich“ he Kräuter-Wein. Dieser Kräuter-Wein ist au⸗ vorzüglichen, heilkräftig befundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Verdaunngsorganismu⸗ bes Menschen, ohne ein Acbführungsmittel b ak. Kräuterwein beseitigt alle Störungen in den Blut- gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, klrauß machenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neu⸗ 5 bildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗⸗ den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp⸗ tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- ungen, Uebeikeit mit Erbrechen, die bei chronischen (veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kolikschmer- zen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrholdalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt, Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch inen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel. 8 Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdaunng, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ aften Zustandes ber Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, echen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter⸗Wein t der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven nnd schafft dem Kranken neue Kräkte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. [Kräuter ⸗Wein ist zu haben in Flaschen a Mk. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ Linden, Wetzlar, Fronhausen, Braunfels, Butz⸗ bach, Brandoberndorf, Gladenbach, Weilburg, Groß ⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig Weststrasse 82, Ju. u. mehr Flaschen Kräuterwein zu Ork⸗ ginalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto- u. kistefrei D Vor Nachahmungen wird gewarnt. Man verlange ausdrücklich Hubert Ullrien'senen Kräuter-Wein. U Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandteile find Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Rothwein 240,0. bereschensaft 150,0, Kirschsaft 420,0, Fenchel, Anis, Helenen⸗ wurzel, Enzianwurzel, Kalmuswurzel aa 10,0. GeWe s Nas Die beste und billigste Nomanbibliothek ist: An freien e Stunden.“ 8 Jede Woche ein Heft à 10 Pfg. 2 frei ins Haus. Man bestelle bei H. Schneider, Krohn, „Alt-Reetz(Oderbruch Buchhdl., GIESSEN, Sonnenstr. 25. e eggeggegs Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. —— N Mutelbeutsch Auträöger fr Du die Post be de Ewpedlton m — Die nel Die in bot. folgte Veröf Marine⸗Am tuitgt. Ein Te natürlich gegen kanntgabevertt „Diebstahl“ i. önnen, die „Landesverrat anwalt. Mit zum Beispiel! 319.“ indem „Aber au artiges am öffentlicht, sändigen J Ausland he welche Flot nächsten Je offenbar un haltung ein für das W derlich i.“ sätlich öffe Lander zwel Jahre Daz Gebelfer wird unserem fönnen, obwo Ermittelung eingeletet wi Wenn au mit dem Pol Rechten und für die Beröf den Dank wi scgast wurde nictige Sat klare auge, nuchgewiesen ründung dez aegeosse „